Monatsarchive: Mai 2014

Ein Segeltag wie Einer von Hundert

Irgendwann muss selbst so traumhafte Stadt wie Tallinn verlassen werden. Gut, dass mir das Wetter den Abschied heute leicht macht. Es geht Richtung Finnland. Nachdem St. Petersburg ja erstmal gestorben ist, macht die Vorhersage nun auch ein weiteren Aufenthalt an der exponierten Nordküste Estlands zunichte. Schade, hätte mir hier gerne noch das ein oder andere Kleinod angeschaut, aber vielleicht ein andernmal!

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Die Vorhersage für heute verspricht aber noch einmal bestes Wetter: Sonne, 15 Grad, West- bis Südwestwind, zunehmend bis auf 6. Perfektes Wetter für den Schlag über den finnischen Meerbusen bis nach Helsinki. An Anfang war ich noch eher skeptisch: Der Wind kam anfangs noch sehr unstet in Richtung und Stärke. Ich hoffte inständig, dass das nicht so weitergehen würde, und meine Bitten wurden erhört. Langsam steigerte sich der Wind auf bis zu 22kn. Raumschotkurs – den Wind also von schräg hinten einfallend, besser gehts nicht – nach Helsinki. Ich segelte mich wie in einem Rausch. Es ist schwer diese Empfindungen niederzuschreiben, ich versuche es dennoch mal. Die Windzunahme bemerkte ich aufgrund der Windrichtung nur sehr langsam, eher schon wie der Druck am Ruder und die Geschwindigkeit zunahmen. Überhaupt habe ich an diesem Tag alle Geschwindigkeitsrekorde der Nonsuch gebrochen: Bis hoch zu 7,6kn, konstant über 6kn, das schafft man nicht zu oft mit der dicken alten Dame. Mein Grinsen wurde mit jeder Minute breiter und ich habe das Schiff mal so richtig geprügelt. Gute Musik voll aufgedreht (Dazu später mehr), einen Schrick in die Schot, ein  Grinsen so breit wie eine Kreissäge, Wasser an Lee vorbeirauschend, und das Vibrieren des Ruders. Besser geht es nicht. Alles fliegt kreuz und quer durch die Kajüte, doch heute stört mich das nicht mal. Wer bremst verliert – Das Segeln ist anstrengend aber nach den letzten motorlastigen Tagen extrem befriedigend. Meine Laune stieg in ungeahnte Höhen. Ich habe das Schiff so richtig bis nach Finnland geprügelt. Erst beim Auftauchen der ersten Schärenfelsen dieser Reise nahm ich den Fuß vom Gas, nahm das Vorsegel weg, und tauchte langsam in den Vorgarten von Helsinki ein. So etwas kann man nur unter sehr ausgewählten Bedingungen alleine machen. Und heute war so ein Tag. Erst als ich dabei langsamer wurde, merkte ich, dass der Wind mittlerweile schon auf 25kn im Mittel zugenommen hatte… Bin ich unvorsichtig geworden? Ich hoffe nicht, war doch heute so ein Tag mit ausgewählten Bedingungen, und eine andere Yacht war (obwohl 4m länger ;-) – immer in Sichtweite.

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Unterwegs war auch richtig was los. Insbesondere die Schnellfähren zwischen Helsinki und Tallinn sind eindrucksvoll: Trotz ihres normalen Aussehens sind sie doppelt so schnell wie ihre normalen Artgenossen unterwegs, was für surreale Bilder sorgt. Ich bin ja seglerisch an der Elbe aufgewachsen. Dort ist man den Umgang mit Berufsschifffahrt ja gewohnt, und so habe ich mich oft gewundert was für ein Aufriss um die “Schnellfähren” in diesem Sektor gemacht wird. Man kann die Kurse der Berufsschifffahrt doch eigentlich immer ganz gut kalkulieren. Doch die Dinger hier haben es ob ihrer Geschwindigkeit echt in sich… Wohl ein Dutzend Mal sind die Kollegen auf dem Weg an mir hin und her vorbeigeprescht. Die muss ich ganz schön genervt haben, aber dank AIS halten sich alle Berufsschiffe an ihre Ausweichpflicht und ich kann ungestört nach Finnland knattern.

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5sm vor Helsinki erreicht mich eine SMS von Timo: Er schlägt vor, dass wir uns auf der Festungsinsel Suomenlinna, unmittelbar vor Helsinki treffen. Ein bisschen Ruhe vor der nächsten Großstadt macht natürlich Sinn, und so folge ich ihm dorthin. Wir erleben einen entspannten Abend mit frischgekochtem Essen bei sich langsam verschlechterndem Wetter. St. Petersburg fallenzulassen war wohl leider richtig… Aber egal, ein perfekter Segeltag neigt sich dem Ende zu. Bitte mehr davon!

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Am nächsten Morgen legen wir dann sodann auch nicht gleich ab, sondern erkunden erstmal die alte Festungsinsel. Es erinnert mich ein wenig an Christiansø, nur größer und weniger abgeschieden. Besonders beeindruckend sind aber nicht die alten Festungsanlagen, sondern wie dicht die Fähren und Frachter zwischen den Helsinki vorgelagerten Schäreninseln hindurchpreschen. Da muss ich glaub ich nicht zwischen her kreuzen…

Irgendwann lässt der Wind dann aber kurzzeitig nach und wir verlassen Suomenlinna für den kurzen Weg nach Helsinki. Praktisch: Laut Timo habe ich das absolute must-see des hiesigen Sightseeingprogramms schon abgearbeitet. ;-)

 

Abschied von Tallinn...
Der Wind nahm langsam....
...immer weiter zu.
Herrliches Segeln...
Eine Schnellfähre kreuzt meinen Weg. Und Schnell sind die Dinger wirklich...
Die ersten Finnischen Landbrocken erscheinen...
Zeit fürs Bremspedal...
Das "Traumschiff" verlässt gerade Helsinki.
Die Lotsenstation von Helsinki.
Fest im Innenhafen der Festungsinsel Suomenlinna.
Suomenlinna.
Es könnte einem schlechter gehen!
Suomenlinna.
Ein altes Trockendock, immer noch in Betrieb, auf der Insel.
Schärenfahrwasser für die Großschifffahrt.
Am Horizont wartet schon Helsinki.
Suomenlinna.
Suomenlinna.
Heute kann man hier auch friedlich wohnen..
Suomenlinna.
Die "Vesikko", Prototyp der deutsche Typ II U Boote ist hier ausgestellt.
Das muss ich mir natürlich gleich ganz genau anschauen...
...Aber auch weitere friedliche Ecken...
...Gibt es hier häufig...

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…führt Segeln gegen Dieseln!!
In Seemeilen natürlich

The city that never sleeps

Nein, ich bin nicht in New York. Und nein, ich bin auch immer noch in der Ostsee unterwegs. Genauer gesagt in Tallinn. Und wenn es tatsächlich eine Stadt gibt die niemals schläft, dann ist es wohl Tallinn im Sommer. Die Stadt hat mich absolut fasziniert.

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Nachdem ich beschloss St. Petersburg auf eigenem Kiel wahrscheinlich aufzugeben und dafür Tallinn ganz in Ruhe zu genießen verholte ich mich am Samstag zunächst einmal in die Old City Marina von Tallinn, also quasi der Innenstadthafen. Äußerlich geht es hier sehr formal zu: Einlaufen nur bei grünem Licht und nach Funkanmeldung, Bootsdokumente beim Check-in vorzeigen, dafür aber auch erstklassige Einrichtungen. Auf den Stegen hingegen herrscht das Leben. Es geht zu wie auf dem Aldiparkplatz einen Tag vor Heiligabend. Ich muss erstmal 1 Stunde herumkreisen um, nachdem eine finnische Herrencrew wie sie im Buche steht abgelegt hat, einen Platz zu ergattern. Im Sommer ist dieser Hafen wohl fest in finnischer Hand, und die Finnen haben dieses tropisch heiße Wochenende wohl zu zahlreichen Testausflügen genutzt. In allen Cockpits herrscht bierselig-sommerliche Fröhlichkeit und auf den Stegen stapeln sich die Einkaufswagen. Noch eine Paralelle zum Aldiparkplatz. Moment mal, Einkaufswagen? Ja! Die bereits beschriebenen Hamsterkäufe sind hier noch wesentlich zahlreicher. Der Hafen liegt in unmittelbarer Nähe zu den Fährterminals (welche aber nicht wirklich stören) und den dazugehörigen Duty-Free-shops. Nicht nur Bier und Wein, sondern auch gleich das Hochprozentige wird hier gleich in Kisten verkauft. Massenweise verschwinden Wagen- und Schulterladungen in allen Schiffen. Jedes zweite alkoholische in Finnnland verhaftete Getränkt stammt angeblich aus Estland. Nachdem ich St. Petersburg nun aufgegeben habe mische ich mich auch diesbezüglich unters Volk und stocke meine – bisher dem Zoll zuliebe kleingehaltene – Getränkevorräte auf. Danach geht es dann auf zum Kulturprogramm.

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Es ist bereits 18:00 als ich mich auf in die Stadt mache, und doch tobt dort immer noch das Leben. Ich lasse mich durch die Altstadt treiben und lasse mich aud einer der zahlreichen Restaurantterassen nieder um das Treiben erst mal zu beobachten und mich für den Ausflug ins Tallinner Nachtleben zu stärken. Irgendwann mache ich mich auf zu einer kleinen Kneipentour und bemerke erst mit der Zeit was mich hier so fasziniert: Es ist mittlerweile fast halb 12 Mitternacht, und doch sind die Straßen voll von Menschen. Und nicht nur das um diese Tageszeit normalerweise anzutreffende Feiervolk, sondern ein ganz bunter Mix: Touristen, Einheimische, friedlich feiernde Jugendliche, Alte, Junge, von allem ist was dabei. Es herrscht ein Betrieb wie anderorts um 4 Uhr Nachmittags. Ich erinnere mich, wie mir jemand mal vom Lebensgefühl der Südeuropäer im Sommer vorschwärmte, wo das richtige Leben abends erst beginnt. Doch das ist hier noch besser, denn in Tallinn kommt noch das Dämmerlicht der weißen Sommernacht dazu. Es ist noch immer nicht richtig dunkel. All das sorgt für eine ganz besondere Stimmung und sorgt dafür, dass die Stadt im Sommer wohl wirklich nie schläft. Irgendwo ist immer etwas los. Die Tallinnerinnen gehören ja allen Erzählungen nach zu den hübschesten in Europa. Das kann man wohl bestätigen. Aber auch ansonsten ist die Bevölkerung unheimlich jung, freundlich und aufgeschlossen.

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Das Tallinner Nachtleben selbst überzeugt dann auch voll und ganz. Die Vielzahl der verschiedenen Möglichkeiten – hier ist wirklich für jeden Geschmack etwas dabei – , die laue Sommernacht, die freundlichen und aufgeschlossenen Esten, der bunte Mix aus Einheimischen Touristen, all das trägt zu einem wirklich netten Abend bei. Ich komme erst spät wieder zurück aufs Schiff. Auch hier fällt mir wieder auf, wie friedlich im Vergleich zu Deutschland gefeiert wird. Irgendwie hat in ganz Osteuropa meine Altersklasse – allen Vorurteilen zum Trotz – ihren Alkoholkonsum wesentlich besser im Griff. Es wird auch viel mehr gelacht und gelächelt als in heimischen Clubs und Kneipen.  Davon auszunehmen sind lediglich die zahlreichen britischen und finnischen Junggesell(innen)abschiede. Die gehören laut Aussage der Einheimischen hier zum Stadtbild ähnlich dazu wie der japanische Kameratourist in eine mittelalterliche Burg. ;-)

In den nächsten beiden Tagen setze ich dann meine Erkundung der Stadt fort. Ich bewege mich auch mal aus dem Altstadtbereich heraus und bin gleich positiv überrascht. Die Altstadt wird zu allen Seiten von zahlreichen modernen Neubauten flankiert, die Tallinn auch den äußerlichen Anstrich einer modernen Großstadt gibt. Man fühlt sich fast wie in der City of London, Frankfurt, oder ähnlichen Stahl- und Glasmetropolen. Die Bausünden des sozialistischen Wohnungsbaus hat man hier übrigens konsequent von Anfang an an den Stadtrand gedrängt. Tallinn ist die erste Stadt auf meiner Reise, welche im Stadtbild wirklich gar nicht mehr nach Sowjetunion ausschaut.

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Auch sonst gefällt mir das Stadtbild außerordentlich gut. Auf meinen Streifzügen durch die Altstadt fällt mir auch nach langem Nachdenken auf, was mich ein klein wenig an Danzig oder Riga gestört hat. Im Gegensatz zu Danzig ist Tallinn nicht so “überrenoviert”. Danzig ist zwar sehr sehr schön, manchmal aber fast ein wenig zu sehr restauriert. Es schaut fast ein wenig unwirklich aus. Tallinn im Gegensatz dazu ist in Würde gealtert und schaut wesentlich authentischer aus. Riga hingegen ist ähnlich schön im Stadtbild, ist aber schon zu einer richtigen EasyJet-Metropole geworden. Die Anzahl an Bernsteinschmuckständen, Wechselstuben, und geführten Touristengruppen ist in Tallinn (noch) deutlich kleiner. Auch das sorgt für mehr Authenzität.

Auch nach 3 Tagen Stadtrundgang habe ich noch nicht alles gesehen. Immer neue schöne Plätze fallen mir auf. Ich werde sogar zum illegalen Einwanderer. Ohne Reisepass in der Tasche stratze ich durch die Parkanlagen am Südende des Domberges. Diese gehören teilweise zum Gelände der japanischen Botschaft. Das hat die Tallinner Jugend in den 90ern für wilde Parties ausgenutzt, denn die estnische Polizei hatte ja hier keinen Zutritt. Für kurze Zeit befinde ich mich also auf japanischen Boden. Konichiwa! Aber wie läuft das jetzt eigentlich Gastlandflaggentechnisch?

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Tallinn zusammenzufassen ist wirklich schwer. Die Stadt ist voll von Geschichte und doch so modern wie keine andere die mir spontan in den Sinn kommt. Moderner Konsum und ein traditionelles Stadtbild sind hier perfekt vereint. Es gibt ein perfektes aber unaufdringliches Nachtleben und unglaublich freundliche Menschen. Tallinn ist mindestens genau so schön wie Paris oder Venedig, ohne aber die teils arrogante Einstellung dieser Städte zu vermitteln.  Es wäre wirklich ein Jammer gewesen, wenn mich der Wind hier gleich wieder rausgetrieben hätte… Ich hoffe, dass ich im Winter nochmal zurückkehren werde. Denn die deutschen Weihnachtsmärkte von denen mir berichtet wurde, bekommen in dieser beispiellos schönen Altstadt bestimmt ein ganz besonderes Flair.

 

Zur Old City Marine geht es - Oh Wunder! - direkt Richtung Altstadt.
Direkt durch den Manäversektor der zahlreichen Fähren. Da macht die sehr formelle Verehrslenkung doch Sinn...
Die Silja Europa. Das letzte Schiff welches Kontakt zur gesunkenen Estonia hatte...
Hoher Besuch in der Old City Marina. Die Swan 60 des Nord Stream Races sind da!
Nachdem Nonsuch den Schengenraum wohl erstmal nicht verlassen wird, bunkere auch ich gutes estnisches Dosenbier...
... und auch ein paar gesunde Sachen (man beachte das Grünzeug in der Tüte!)
Passt wie angegossen. Ob die Schmidt´s diese Maße wohl bei der Konstruierung schon im Sinn hatten?
Nonsuch in Tallinn.
Moderne Bürobauten...
...Lassen oft den Gedanken an NYC aufkommen....
...Die Stadt wirkt oft sehr modern.
Der Sommer ist da!
Shops.
Hinein in die Tallinner Altstadt.
Estnisches Nationaldenkmal.
Altstadt von Tallinn.
Willkommen in Japan!
Diese Grunanlage gehört zum Gelände der japanischen Botschaft.
Überall finden sich nette Cafes...
...Alte Gemäuer...
...und wichtige Schaltzentralen. Hier das estnische Parlament auf dem Domberg...
...Von hier wurde auch schon vor 600 Jahren die Stadt regiert.
Gleich daneben: Die deutsche Boschaft.
Die Alexander Nevski Kathedrale.
Auf dem Domberg.
Die Tallinner Jugend genießt das Wochenende.
Altstadt von Tallinn.
Altstadt von Tallinn.
Blick vom Domberg.
Altstadt von Tallinn.
Ein bisschen fühlt man sich wie in Aerosköbing.
Zahlreiche Restaurants locken die Touristen..
...nobody can take from us...
Die sowjetischen Wohnsilos hat man hier gekonnt an den Stadtrand verbannt.
Blick über die Stadt...
...Und die Tallinner Bucht.
Abstieg in die Unterstadt. Die eigentliche Hanse- und Kaufmannsstadt.
Tallinn steht Venedig oder Wien in Schönheit nicht nach..
Geschäftiges Treiben auf dem Rathausplatz.
Das gotische Rathaus von Tallinn.
Respektable Bierkarte.
Die Straßenbahn...
Abschied von Tallinn...

 

 

 

Noch mehr Besuch an Bord…

Willkommen du Schotte

Der erste Besucher

Am Dienstag kommt der erste Mitsegler an Bord. Around the World Reiseexperte Henning von www.reiss-aus.de Nebenbei auch Playstation RockBand Held und Drummer. Er hat mir grad dieses Bild geschickt…sieht nach „Serious Fishing“ aus. Ich habe noch NIE geangelt, habe das aber für die Reise fest eingeplant. Alsi nun nach der Theorie (Buch) die Praxis…freu mich!!

Nicht das allerbeste Segelwetter…

…aber morgen gehts weiter.

USAiling. Ein Road Trip durch die Staaten.Teil 2. Zion und Grand Canyon

Es ist Dienstag früh. 8 Uhr. Unser Chevy Impala ist vollgepackt. Ich bin nur froh, dass wir keinen Sportwagen gemietet haben, wie ursprünglich geplant. Die Mietwagenfirma bietet einen Dodge Challanger, Charger, Ford Mustang oder Chevy Camaro an, von denen wir lange geträumt haben, lassen uns aber doch in letzter Sekunde von unserer Vernunft besiegen. Zum Glück. Sonst hätten wir das Cello womöglich auf das Dach schnallen müssen. Und mich gleich daneben.

Es geht auf die Reise

Es geht auf die Reise

Unser erstes Ziel heißt Zion National Park. Das liegt auf dem Weg zum Grand Canyon, wo wir auf jeden Fall hinwollen. Wir sind guter Dinge und haben vor, irgendwo auf den Hügeln von Zion eine Aufnahme von Lincoln machen. Doch Amerikas Straßen sind lang. Und es gibt überall Speed Limits. Es fühlt sich so an, als könnte man während des Fahrens neben dem Auto herlaufen, wenn wir ganz allein auf den unendlich langen und breiten Straßen dahinschleichen. Denn überall ist 110 km/h das höchste aller Geschwindigkeitsgefühle. Das hätte ich sogar damals mit meinem alten VW-Bus noch hingekriegt, obwohl mich schon immer alle LKWs überholt haben. Hier lange Strecken fahren nervt. Da juckt es einen ganz schön im rechten Fuß. Der Weg zum Zion National Park zieht sich mächtig dahin. Doch irgendwann können wir doch die roten Berge am Horizont ausmachen.

Der Eingang zum Zion National Park

Der Eingang zum Zion National Park

Und ganz plötzlich sind wir mitten drin. Rote Steine und Berge soweit das Auge reicht. Richtiges Indianerland. Ich würde mich nicht wundern, wenn jetzt eine Horde Büffel vorbeiziehen würde, gefolgt von schreienden Cowboys und rauchenden Colts, gefolgt von buntbemalten Indianern mit Pfeil und Bogen. Zurück bleibt nur eine Staubwolke und eine Flasche Feuerwasser, die wohl beim schnellen Reiten aus einem Sattel gefallen sein muss. Naja, Büffel sehen wir zumindest wirklich gesehen. Nur grasen diese ganz friedlich am Straßenrand.

Wenn man jetzt nur ein Vogel wär...

Jetzt müsste man ein Vogel sein

Eigentlich wollen wir den bekannten „Angel’s Landing“ Weg ablaufen, doch wir merken schnell, dass dafür keine Zeit mehr bleibt. Blöde Geschwindigkeitsbegrenzung. Ablaufen ist wohl auch das falsche Wort – entlang hangeln wäre hier passender, denn der Weg ist für den/die fortgeschrittenen Wandersmann/frau und ein Großteil besteht nur aus wenigen Zentimetern Pfad und einer Kette, an der man sich festkrallen muss. „Gut festhalten und nicht hinunterschauen“ schreiben die Reiseführer. Schade, das hätten wir gerne mitgemacht, doch wir wollen heute noch ein wenig weiterfahren, damit es morgen nicht mehr so weit bis zum Grand Canyon ist. Also müssen wir uns mit dem „Watchman Trail“ begnügen, der als ein leichterer und kürzerer Weg eingestuft wird. Na gut.

Zum

Zum “Watchman Trail” gehts… da lang. Schade nur, dass wir unsere Hunde und Fahrräder zurücklassen müssen.

Hier wären wir gerne ein bisschen länger geblieben

Hier wären wir gerne ein bisschen länger geblieben

Leider bleibt auch für eine Aufnahme im Zion National Park keine Zeit mehr. Wir überlegen zwar hin und her, weil es uns wahnsinnig gut gefällt, doch entscheiden uns schließlich dagegen. Dann machen wir das eben im Grand Canyon. Kann ja auch nicht so schlecht werden. Es dämmert schon und wir steigen wieder in unser Auto und tragen den neuen Zielort im GPS auf dem Smartphone ein. Smartphone. Die ganze Welt hat eins. Jede Oma und jeder 4-jährige Lümmel. Nur ich nicht. Bis jetzt habe ich es noch ohne geschafft. Das Salz auf der Marianne hätte das Ding wahrscheinlich eh in null Komma nichts aufgelöst. Und jetzt würde ich das Ding am liebsten mit meinen Blicken auflösen. Denn Netz gibt es auf dem Weg zum Grand Canyon nur ab und zu. Und damit auch nur GPS ab und zu. Und somit verfahren wir uns  ab und zu. Vielleicht sogar auch ein wenig öfter. Wo ist diese Karte, die ich doch die ganze Zeit besorgen wollte? Eine richtige Landkarte. Wie in den guten alten Zeiten. Und die Amerikaner machen uns es auch nicht gerade leichter mit ihren verwirrenden Schilderaufstellungen. Wir sind verwirrt. Des Öfteren. Fahren so manches Mal im Kreis, verstehen die Welt (oder besser dieses Amerika) nicht mehr. Und kommen doch bei Dunkelheit in einem Motel an, das nicht weit vom Grand Canyon entfernt liegt. Wir sind hundemüde und glücklich endlich etwas gefunden zu haben. Ein undefinierbarer Gestank umhüllt die Rezeption, die etwa 100-jährigen Eigentümer kommen direkt aus einem Horrorfilm und wir versuchen nicht an die Kettensäge unter dem Tresen zu denken. Und nicht zu atmen. Uns ist jetzt alles egal. Das Zimmer hat 3 weiche Betten, der Gestank entpuppt sich als das gemütliche Zusammenleben und dessen Ausdünstungen von rund 500 Katzen, die hier auch wohnen. Und die Bar ist nicht weit für einen Gutenacht-Drink. Mehr wollen wir doch heute gar nicht mehr.

400 Katzen belagern unser Motel

500 Katzen belagern unser Motel. Mäuse gib es hier jedenfalls keine

Gemütliches Zeitunglesen bei dünnem Kaffee und Blaubeer-Bagels

Gemütliches Zeitunglesen bei dünnem Kaffee und Blaubeer-Bagels

Nach einem gemütlichen Frühstück auf dem Kofferraum geht es morgens weiter. Es ist nur noch eine halbe Stunde bis zum Canyon. Jetzt gibt es auch hier und da mal ein paar Schilder, die uns das sichere Gefühl vermitteln, dass wir auf der richtigen Straße sind. Doch dann versperrt uns ein Schild mit der Aufschrift „Road Closed“ plötzlich den Weg. Es ist die einzige Straße und wir denken schon daran, das Schild einfach wegzutragen, als wir eine Frau auf einem Parkplatz entdecken. Vielleicht sollten wir sie mal interviewen, bevor wir mit unserer Umbauaktion beginnen. Linc spricht mit der Frau und wir erfahren, dass die Straße und damit die Nordseite des Grand Canyon bis nächsten Monat geschlossen ist. Wir überlegen kurz, solange wollen wir aber dann doch nicht warten. Wir wissen nicht so richtig weiter. Wollen wir an die Südseite fahren, die noch geöffnet ist? Das wäre ein Umweg von einigen Stunden Fahrt. Direkt weiter nach Las Vegas? Linc schlägt Lake Powell vor, ein Stausee, nicht weit von hier. Während wir noch brainstormen, kommt die Frau wieder auf uns zu und gibt uns den nötigen Geheimtipp. Es gibt einen kleinen Waldweg, der kreuz und quer durch den National Park geht und der dann nach einer Stunde am Canyon enden soll. Sie drückt uns eine abenteuerliche Karte in die Hand, wir gucken uns kurz gegenseitig an, nicken und es geht los. Empfohlen wird für diese Strecke ein Wagen mit Allradantrieb, aber wir haben ja schließlich unseren Chevy Impala. Zwar ohne 4×4, aber das kriegt der schon hin. Wir vertrauen auf American Engineering. Der Weg ist großartig und überall sehen wir wilde Tiere. Ständig müssen wir hart abbremsen, weil wieder ein Reh den Weg mit einem Parkplatz verwechselt. Und Linc hält die Augen nach Bären offen. Er will unbedingt einen sehen und wir vertreiben uns die Fahrzeit, indem wir uns ausdenken, was wir machen würden, wenn uns jetzt ein riesiger Bär über den Weg laufen würde. Rennen, sich tot stellen, auf Bäume klettern und dem Bär ins Gesicht treten, den Bär würgen – alles ist dabei. Und dann sind wir da. Und der Bär ist vergessen. Und wir sind die glücklichsten Menschen überhaupt. Denn das hier ist der schönste Ort der Welt.

Eine Frau gibt Linc den Geheimtipp, wie es trotz geschlossener Straße zum Grand Canyon geht

Eine Frau gibt Linc den Geheimtipp, wie es trotz geschlossener Straße zum Grand Canyon geht

Mit der Geheimkarte machen wir uns auf die Suche

Mit der Geheimkarte machen wir uns auf die Suche

Wir erkunden ein wenig die Gegend und suchen einen geeigneten Platz zum Aufnehmen, denn eines ist sicher: Hier gehen wir nicht mehr weg, bevor wir etwas im Kasten haben. Linc packt seine Gitarre aus und setzt sich an den Rand des Canyons. Es ist ein magischer Ort zum Musik spielen. Irgendwas liegt hier in der Luft, dass uns in seinen Bann zieht. Wir reden nicht viel, lauschen nur den Klängen von Lincolns Gitarre, während ich Kameras und Mikros vorbereite.

Besser als jedes Recording Studio der Welt

Ein magischer Ort. Besser als jedes Recording Studio der Welt

Während der letzten Aufnahmen, geht Reini noch mal auf Entdeckungsreise. Plötzlich hören wir ihn laut rufen, doch können ihn nirgends sehen. Erst nach einer Weile und weiteren „Hier“-Schreien können wir ihn endlich ganz klein und winkend ausmachen. Er steht auf einem Felsvorsprung, der mitten in den Canyon ragt. Gefährlich sieht das aus. Wie ist er da bloß hingekommen? Von hier könnte man meinen, dass nur die Adler, die hier überall herumfliegen, es bis dorthin schaffen. Als Reini kurze Zeit später wiederkommt, erzählt er uns, dass dieser Felsvorsprung der perfekte Ort zum Aufnehmen und gar nicht so schwer zu erreichen ist. Naja, als wir noch mal hingehen, muss ich feststellen, dass „nicht schwer zu erreichen“ eine deutliche Untertreibung ist. Aber Reini ist ja der Kletterer und bietet sich großzügig an das Cello zu tragen und wir haben einen Deal. Während wir die schweren Rucksäcke über die tiefe Schlucht tragen (es geht an beiden Seiten des „Weges“ einige 100 Meter in die Tiefe), bemerken wir, dass wir nicht alleine sind. Ein Pärchen hat es sich mit Zelt und einer kompletten Campingausrüstung nicht weit von uns gemütlich gemacht und beobachtet unser Treiben. Während Linc und ich seinen Song “Into the Wild” aufnehmen, sitzen die beiden auf einem Felsen, trinken ein Glas Rotwein und lauschen aufmerksam der Musik.

Ein epischer Ort zum Musik spielen

Ein epischer Ort zum Musik spielen

Als wir nach einer Stunde unser ganzes Zeug wieder zusammenpacken, laden unsere Zuhörer uns auf ein Bier ein. Da können wir natürlich nicht nein sagen. Die beiden kommen aus Las Vegas und fahren gelegentlich für ein Wochenende zum Grand Canyon und campen. Wir ärgern uns, dass wir uns doch gegen das Zelt und Schlafsäcke entschieden haben, denn hier kann man es gut auch ein wenig länger aushalten. Linc spielt schnell noch ein Ständchen für die einzige Dame, denn die hat heute Geburtstag. Und dann müssen wir uns auch schon verabschieden, weil es schon wieder zu dämmern anfängt und wir noch ein wenig Strecke machen wollen. Denn das nächste Ziel heißt – Las Vegas. Und bis dahin sind es noch ein paar Hundert Meilen.

Es geht auf die Reise
Dampf ablassen nach vielen Stunden Autofahrt. Wer wirft am weitesten?
Der Eingang zum Zion National Park
Zum "Watchman Trail" gehts... da lang
Manchmal kann das Smartphone auch nicht weiterhelfen. Dann muss die gute alte Karte her
Jetzt müsste man ein Vogel sein
Hier wären wir gerne ein bisschen länger geblieben
Jetzt will Reini es aber wissen
Überall lange und breite Straßen
500 Katzen belagern unser Motel. Mäuse gibt es keine
Gemütliches Zeitunglesen bei dünnem Kaffee und Blaubeer-Bagels
Endlich mal ein Schild. Damit sparen die Amis hier ganz schön
Die Straße zum Grand Canyon ist bis nächsten Monat geschlossen
Eine Frau gibt Linc den Geheimtipp, wie es trotz geschlossener Straße zum Grand Canyon geht
Mit der Geheimkarte machen wir uns auf die Suche
Unser Auto hinterlässt eine riesige Staubwolke
Wir genießen die absolute Stille
Linc spielt Gitarre für alle wilden Tiere im Grand Canyon
Linc spielt ein paar Instrumental-Stücke ein
Besser als jedes Recording Studio der Welt
Ein epischer Ort zum Musik spielen
Es fängt langsam an zu dämmern
Nur nicht runter schauen...
Linc ist froh, dass die Aufnahmen vorbei sind. Er hat es doch nicht so mit Höhen...
Unsere einzigen Zuhörer außer Vögeln, Salamandern und Schlangen
Nicht mehr weit...

Skipper can smile again

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The Rigger is on MARLIN

Das ist Pieter von HALL SPARES. Gestern eingeflogen aus Holland. Heute Morgen direkt in den Mast. Neue Babywanten und neue CNC gefräste Aufnahmen bringt Pieter mit im Reisegepäck. Weiß der Himmel, wie er die am Zoll vorbeibekommen hat. Auf jeden Fall ist es für mich eine vollkommen neue Erfahrung unten zu stehen und Kommandos entgegenzunehmen. „Sechser und Zwölfer Bohrer.“ Eimer runter, Micha in die Werkstatt und wieder Eimer hoch. Normalerweise bin ich derjenige, der die „Kunden“ am Projekt Boot aktiv teilnehmen lässt. Jetzt tut das Pieter mit mir.

Die Tongs, die Aufnahmen der Wanten am Mast waren ja bekanntlich an backbord ausgebrochen. Ursache weiterhin unbekannt. Die neuen sind erheblich größer und stabiler und nach mal mit einen Deckplatte verstärkt. Die Frage ob ich die Dinger nicht auch selber hätte einsetzen können. Ja, bestimmt. Aber Pieter macht so was täglich und das definiert den Profi. Mir wären bestimm zwei Gewindeschneider abgebrochen. Drei Tage hätte ich mindestens gebraucht. Mit gleichem Ergebnis? Pieter bricht auch ein Gewindeschneider ab, aber erst beim letzten Loch und er kann ihn an der anderen Seite rausdrehen. Mittags, fängt es an wie gewohnt aus Eimern zu schütten. Pieter bleibt weiterhin energisch an der Arbeit. Sein Tagesziel sind die neuen Wanten vor Feierabend gesetzt zu haben. Dieses Ziel erreicht er auch. Punkt fünf steht der Mast der MARLIN wieder grade und der Skipper lacht wieder nach Tagen des Schweigens. „Well Done!“, lobe ich Pieter.

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Ob wir nun den Atlantik entern dürfen ist damit allerdings noch nicht geklärt. Morgen wird Pieter noch mal ins Rigg der MARLIN gehen und sich alles ganz genau anschauen. Bleibt nur zu hoffen dass alles gut ist und wir am Wochenende wieder auf See sind. Drei Wochen Aufenthalt wegen Mastschaden reicht so langsam.

Die bisher gesegelte Strecke

The Sailing Bassman – Episode10 – Angekommen!

In Folge 10 erreiche ich nun nach der vielen Segelei endlich die ersten schwedischen Schären um Karlskrona. Der Weg dorthin führte über Bornholm, eine Ankerbucht, sowie die Inseln Christiansö und Utklippan. Mir fällt damit ein Riesenstein von Herzen, habe ich doch damit bereits die Hälfte der Meilen nach Stockholm hinter mir…auf jeden Fall aber die Anspruchsvollsten.

 

Tallinn – oder doch nicht?

Nach dem Erholungstag in Lohusalu ging es nun weiter nach Tallinn.  Endlich konnte über weite Strecken gesegelt werden. Die Fahrt in die Tallinner Bucht war echt spannend, auch echte Frachter waren hier wieder unterwegs, und ich bekam einen ersten Eindruck von den Helsinki-Tallinn Schnellfähren. Für die erste Nacht ging es auf Empfehlung von Timo in den Kalev Yachtclub im hinteren Teil des alten Olympiahafens. Der Hafenmeister hier, genannt “Tigerhead”, ist unter finnischen und estnischen Seglern eine ähnliche Legende wie Oskar in Kuressaare, ein Hafenmeister der nur für sein kleines Reich zu leben scheint.

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Die finnischen Segler scheinen in Tallinn überhaupt den Ton anzugeben. Was für die Nordsee- und Elbsegler Helgoland, und für die Ostseesegler der Grenzhandel von Flleegaard oder Prätorius ist, ist Tallinn für die Finnen . Nur noch wesentlich extremer. Der Alkohol kostet hier nur etwa 1/3 des finnischen Preises, und dan des Schengenraums kann praktisch ohne Limit aufgeladen werden. Bei manchen Schiffen habe ich mir ernsthafte Sorgen um die Stabilität gemacht. Hier wird mit dem Einkaufswagen gleich bis auf den Steg vorgefahren. Und dann noch einer. Und noch einer. Entlang jedes Yachthafens gibt es zahlreiche Getränkemärkte mit gigantischen Lagermengen. Laut Timos Aussage geht das in der Saison an einem Wochenende weg. Und irgendwie glaube ich ihm das. Den Vogel abgeschossen hat allerdings ein kleines 3-4m Schlauchboot, als es in den Hafen kam. Wir wunderten uns noch, dass der Kollege mit Trockenanzug, Kopfkamera, Handfunkgerät, und allem PiPaPo in den Hafen einlief. Eher ungewöhnlich für ein kleines Schlauchboot. 20 min und 2 Einkaufswagen später wussten wir dann aber wofür das ganze Equipment da war: Timo bemerkte die Helsinkier Registrierungsnummer des Bootes…. Der war doch tatsächlich mit dem kleinen Ding 45sm über den finnischen Meerbusen geknallt, um sich hier vollzuladen. Respekt.

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Den gesamten Tag über wurde es immer heisser, am Ende standen gar 29 Grad auf dem Thermometer. Das ist zwar Balsam für den immer noch von den eiskalten Nächten in der südlichen Ostsee geschundenen Seglerleib, aber an große Stadterkundungsrundgänge war dabei nicht wirklich zu denken. Und so machte ich mal den kurzen Wettercheck für die nächsten Tage. Und das hätte ich mal lieber bleiben gelassen…. Petrus feiert das absehbare Ende dieser tropischen Tage mit Ostwind und lässt es dabei  ganz ordentlich krachen. Die östlichen Orte Estlands, wo ich eigentlich noch eine verlassene Militärbasis besuchen wollte, so wie vor allem das große Traumziel St. Petersburg kann ich bei dieser Vorhersage wohl komplett vergessen. Spätestens nach dem Besuch in Kaliningrad habe ich mir den Besuch von St. Petersburg in den Kopf gesetzt, aber bei Ost-Nordostwinden um 5-6 Bft. ist der 160sm Nonstopschlag von Vergi in Estland mit der kleinen Nonsuch alleine so gut wie unmöglich. Und diese Ostwindlage soll auch noch bis zum Ende sämtlicher Vorhersagen anhalten.  “If Eastwinds appear here at this time of the year, it will stay until midsummer”, ist die Aussage von Timo zu diesem Debakel. Na klasse, das kann ich mir also höchstwahrscheinlich abschminken. So schön es hier ist, um einen Monat in hier herumzudümpeln ist mir meine Zeit zu schade, und die 160sm von Vergi werden bei Ostwind eher zu 300-350sm, das ist nur gegenan bei den Bedingungen im finnischen Meerbusen einfach nicht drin.

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Für einige Stunden vergesse ich, was für ein Glück ich habe so eine Reise überhaupt machen zu können und ärgere mich lautstark darüber, dass das Wetter mir so ein dickes Schnippchen schlägt. Doch halt: Könnte man nicht vielleicht noch vor dem Eintreffen des Ostwindes versuchen nach St. Petersburg zu kommen? Die Wetterprognosen geben das im Moment noch her, doch dann müsste ich Tallinn schon am nächsten Morgen verlassen… Lange überlege ich, ob dieser Plan machbar und sinnvoll ist, und komme zu keinem richtigen Ergebnis. Am Ende entscheide ich mich knapp dazu dieses Traumziel, unter Beachtung der nächsten Wetterprognosen, anzugehen und fahre noch in die Stadt um zumindest einen kleinen Einblick in Tallinn zu bekommen.

Auf den ersten Blick erscheint Tallinn nett und historisch, wie schon viele andere Städte auf meiner Reise. Doch am Ende kommt alles anders: Als ich am nächsten Morgen früh aufstehe um mich auf den Weg zum Grenzhafen Vergi zu machen haben sich die neuesten Vorhersagen bereits um 12 Std. nach vorne verschoben. Das Risiko am Ende doch mitten auf dem langen Weg durch den finnischen Meerbusen ohne erlaubte Nothäfen in die Ostlage zu geraten ist zu groß. Die Berichte von Freunden die diesen Schlag bereits unternommen haben bestärken mich darin, dass ich das mit der Nonsuch lieber bleiben lassen sollte…. Die Enttäuschung ist groß, aber mal abwarten was anstattdessen auf mich wartet.

Ich beschliesse also, noch einige Tage in Tallinn zu bleiben.

 

Morgen geht es in Begleitung meines "Lotsen" Timo in Lohusalu los.
Mächtig was los in der Bucht von Tallinn...
Auf dem Weg.
Olympiahafen Tallinn-Pirita.
Außergewöhnliche Symbolik.
Mit dem Schlauchboot über den finnischen Meerbusen um Sprit zu kaufen. Kann man mal machen.
Nicht gerade die passende Wettervorhersage um nach St. Petersburg aufzubrechen. Und das soll auch noch so bleiben... :(
...Also erstmal ein erster Rundgang durch Tallinn.

PROLAHN e.V. lädt zum Skippertreffen nach Bad Ems

Vom 29. Mai bis zum 1. Juni sind alle eingeladen, die die Lahn mögen und denen der Erhalt der Bundeswasserstraße Lahn wichtig ist.  ”An der Lahn geht es mir gut” lautet das diesjährige Motto, ein buntes Rahmenprogramm rundet die vier erlebnisreichen Tage an der Lahn. 

Interessierte Skipper sollten sich sollten sich vor der Anreise entscheiden, ob Sie einen Liegeplatz im Yachthafen oder an der Bad Emser Uferpromenade wünschen. Für Boote Boote ab 10 Metern ist die Uferpromenade grundsätzlich besser geeignet. Ein Rahmenprogramm zu der Veranstaltung erhalten Sie auf den Seiten von PROLANH, dort steht auch ein Anmeldeformular und eine Sammelanmeldung für Clubs zur Verfügung.

Detailinformationen zum Yachthafen Bad Ems erhalten Skipper & Crew im ADAC Marinaführer.