Monatsarchive: August 2013

Eine Woche im Paradies

Mit roten Augen und noch etwas müde sitze ich um neun Uhr an einem Freitag Morgen auf einem grasgrünen Plastikstuhl in einer zitronengelben Küche, rauche eine Zigarette, weil ich diesen Moment unbedingt festhalten muss, aber meine Gedanken genauso bunt durcheinander gewürfelt sind, wie diese Kombüse. Heute soll es weiter gehen, nach Cayenne, Französisch-Guayana. Eigentlich wollten wir nur drei Tage hier bleiben – unser Visum ist schließlich schon um zwei drittel überzogen und wir befinden uns illegal im Land – kurz unser Crewmitglied Lena verabschieden, niemanden aufnehmen und schon am Montag weiter fahren, aber Jericoacoara wollte das nicht.

Rote Augen, gelbe Küche, grüner Stuhl - nur fünf Stunden zuvor

Die Ankunft war schon aufregend. Das GPS hatte leider Recht, denn wir müssen im Dunkeln, kurz nach Sonnenuntergang den Anker schmeißen. Eigentlich machen wir so etwas ungern, im Dunkeln ankommen. Wir denken, noch ziemlich weit weg vom Strand zu sein, mit viereinhalb Metern Wasser unter dem Kiel und wundern uns aber keine fünf Minuten, nach dem die Segel unten sind, was das da für ein Licht ist. Kann das ein Auto sein? Nee, hat keine roten Rücklichter, ist bestimmt so ein kleines Fischerboot – ganz schön schnell aber. Als wenn in Brasilien alle Autos rote Rücklichter hätten… Es war natürlich kein Boot, denn zwei Stunden später gehen Segel und Anker wieder hoch und ein paar hundert Meter weiter wieder runter, denn jetzt war es nur noch eine Hand breit Wasser.

Die Sonne ist untergegangen und Jeri hinter diesem Hügel

Am nächsten Morgen stellen wir dann fest, dass Wind, Strömung, Entfernung zum Strand, unser Schlauchboot und Paddeln heute in keiner guten Konstellation stehen. Also kommen endlich die beiden Surfbretter zum Einsatz, die wir seit über zwei Jahren ungenutzt mit uns schleppen, denn auf so einem Surfbrett kann man ziemlich gut und schnell vorankommen, um an Land dann einen Fischer/Fährmann zu organisieren. Das Problem nur: Wasser, Bretter und ich waren in dieser Konstellation noch nie zusammen.

Na klar, Palmen in Wüste vor blauem Wasser mit Kitesurfer - sehr vielversprechend!

Benni ist schon im Wasser, ich reiche die Bretter an und springe hinterher, bekomme noch einen Tipp „Körper aufs Brett und los!“, witzele „Ach, nicht drunter?!“ und dann ist der Captain auch schon weg. Ich rutsche links vom Brett, rechts vom Brett, treibe rückwärts und steige wieder an Bord. Reicht ja, wenn einer Hilfe holt. Eine halbe Stunde später kommt Benni tatsächlich in einem coolen Dingi mit starkem Motor und einem Kitesurfschulenbesitzer am Steuer wieder zurück und wir werden an Land gebracht.

Surreal ist es hier. Wüste mit riesigen Dünen direkt am Meer, es gibt keine Straßen, nur kleine Pousadas, Mädchen mit bunten Armen, keine Bank und keinen Geldautomaten, bzw. keinen, der Visa akzeptiert. Mit unserem Kram setzen wir uns in eine Bar mit WIFI und wissen noch nicht wirklich, wo wir heute Nacht bleiben, denn zurück zum Boot würde noch mal fünfzig Reais kosten. Da bekommt man schon ein Zimmer mit Frühstück für.

Der Captain holt Hilfe und ist mal nicht am Steuer

Von meinen Sorgen nichts ahnend baut sich in unserer Bar gerade ein Musiker auf. Sehr professionell erdet er mit einem Messer im Sand und langem Kabel seinen Mixer, ich darf seinen Strom für unsere Rechner anzapfen und bin gespannt, was jetzt wohl gleich kommt. So ein Surfertyp, mit gold-verspiegelter Sonnenbrille, nassen Locken und Muskelshirt gesellt sich auf die Bühne und ich kann da gerade nicht glauben, wie großartig er die Geige fiedelt!

Davi hinter dem Wahrzeichen von Jeri, dem "Pedra Furada"

Das war Davi. Von da an ging alles viel zu schnell, deswegen sind wir auch schon vier Tage zu lang hier: Wir müssen Davi natürlich aufnehmen, versacken mit ihm am ersten Abend in der „Cevicheria“, am zweiten beteiligen wir uns an der Völkerwanderung auf die Düne zum Sonnenuntergang gucken, holen das Cello vom Boot, um in der „Cevicheria“ aufzuspielen und ab sofort zum nicht-zahlenden Inventar dazuzugehören, am dritten fahren wir durch die Wüste zur Lagune „do paraiso“, bleiben auf dem Hinweg aufgrund Motorproblems liegen, auf dem Rückweg dann etliche Male stecken, schaffen es aber, zahlen abends für das Essen, Reis und Bohnen, nur die Hälfte, wir sind ja Einheimische, am vierten spielen wir wieder in der „Cevicheria“, es hatte ja allen soooo gefallen, am fünften gehen wir surfen, gucken Sonnenuntergang von einem anderen Strand, spielen, essen und trinken natürlich wieder in der „Cevicheria“, am sechsten schaffen wir es dann endlich Davi bei dem Wahrzeichen Jeris aufzunehmen, dem „Pedra Furada“ und der siebte Tag ist jetzt.

Spaß am Strand von der Lagune "do paraiso"

Die vergangene Woche war einfach so großartig, dass alles Negative aufgewogen und mit einer Welle der guten Erinnerung überspült wird: Die Überfälle in Rio und Salvador, die über tausend Euro an Mechaniker, für Reparaturen ohne langfristigen Erfolg, das geklaute Ventil in Fortaleza… alles ist gut.

Überall Paradies auf dem Weg zum Recording Ort

Davi kommt herein. Vor einer halben Stunde lag er noch in der Hängematte, die Hände wie zum Gebet gefaltet. Wofür er wohl gebetet hat? Wir starten eine halbherzige Unterhaltung über das Unvermeidliche: Wollen wir nun endlich mal, so früh wach, zu dem tollen Frühstückslokal gehen, wo wir schon vor fünf, vier und drei Tagen nichts zu Essen bekommen haben, weil wir zu spät waren, oder doch einfach selbst etwas Kleines zubereiten?

Auch er ist noch müde und wirtschaftet so um mich herum. Müllbeutel werden herausgetragen, sein Hund Snoop bekommt Futter, mein Aschenbecher wird geleert. Nebenbei summt er eine Melodie, die ich irgendwo her kenne. Was war das noch mal? Google weiß es. „To France“ von Mike Oldfield. Wieso singt er das jetzt? Und warum passt das so gut?

“Taking on water, sailing a restless sea” / “Far from the islands don’t you know you’re never going to get to France” / “Walking on foreign ground, like a shadow”

flattr this!

memorial friday

Kroatiens EU-Beitritt: Nachversteuerung, Zolldeklaration & Gebühren für Skipper

Kroatien EU-Beitritt

Seit dem 1. Juli 2013 ist das Urlaubsland Kroatien 28. Mitgliedsstaat der Europäischen Union. Inzwischen liegen dem ADAC konkrete Informationen zu den Änderungen für Skipper und Bootseigner vor. Diese betreffen insbesondere:

  • Vignetten
  • Schifffahrtssicherheit
  • Befeuerung
  • Nachversteuerungspflicht
  • Überführung der Boote/Yachten in den freien EU-Warenverkehr

Die wichtigsten Informationen von EU-Kommission, kroatischen Ministerien und Handelskammer hat der ADAC für Sie zusammengestellt.

Vignette und sonstige Gebühren 2013

Auch nach dem EU-Beitritt sind Bootstouristen verpflichtet, Gebühren für Schifffahrtssicherheit, für Befeuerung und für die informative Seekarte zu bezahlen. Dies geschieht aber nicht mehr mittels Vignette. Nach Entrichtung der Gebühren erhält der Eigner jetzt einen Zahlungsbeleg, der mitgeführt werden muss.

Ausnahme: Keine Gebühr entfällt auf Wasserfahrzeuge mit einer Länge von bis zu 2,5 m (vorher 3 m) und einer Motorleistung von bis zu 5 kW.

Die Gebühren für Schiffsicherheit, Befeuerung, Info-Karte und Verwaltung bleiben unverändert.

3 Beispiele

  • Für 4-5 m lange Sportboote fallen Gesamtgebühren in Höhe von 420 Kuna an.
  • Ein 8-9 m langes Boot kostet unverändert 955 Kuna.
  • Für 12-13 m lange Boote wird wie bisher eine Gesamtgebühr von 1765 Kuna erhoben.

Alte Vignetten bleiben gültig

Die im Jahr 2013 erstellten Vignetten behalten ihre reguläre Gültigkeit. Ab 1.4. 2014 ist dann laut Auskunft der Handelskammer eine weitere oder ersetzende Gebühr geplant. Es handelt sich um „Entgelte für die Schifffahrtssicherheit und für den Schutz gegen Umweltver-schmutzung“. Die Höhe der Gebühren ist abhängig von Länge und Motorleistung des Wasserfahrzeuges. 

Aufenthaltsgebühr

Neben den genannten Gebühren wird laut Handelskammer weiterhin eine Aufenthaltsgebühr von Eignern und Nutzern der Boote und Yachten erhoben, wenn diese „länger als 5 m sind, eine eingebaute Koje haben und für Urlaub, Entspannung oder Kreuzfahrten genutzt“ werden. Der Pauschalbetrag liegt je nach Bootslänge und Aufenthaltsdauer zwischen 150 Kuna für 5-9 m lange Boote bei einer Aufenthaltsdauer von bis zu 8 Tagen sowie 1.700 Kuna Jahresgebühr für Yachten über 20 m Länge.

 

Zölle, Nachversteuerung & Zolldeklaration – Übergangsfrist bis 31.03.2014

Mit dem EU-Beitritt ist Kroatien auch Teil der Zollunion der EU geworden. Damit müssen Boote und Yachten, die sich zu diesem Zeitpunkt im Status der vorübergehenden Einfuhr befanden und von EU-Bürgern eingeführt wurden, bis zum Ende der Übergangsfrist am 31.03.2014 in den freien Warenverkehr innerhalb der EU überführt werden. Das Verfahren muss gegenüber den zuständigen Zollbehörden mittels Zoll-Deklaration beendet werden. Die Einfuhrumsatzsteuer wird dann bei Verlassen des Verfahrens erhoben.

Boote sind von der Einfuhrumsatzsteuer befreit, wenn

  • das Datum der Erstinbetriebnahme des Wasserfahrzeuges vor dem 01.07.2005 liegt,
  • der Betrag der Mehrwertsteuer bei der Einfuhr weniger als 160 Kuna betragen würde,
  • der Bootsbesitzer nachweisen kann, dass die Steuer bereits berechnet und in einem EU-Mitgliedsstaat bezahlt wurde.

Für betroffene Eigner, deren Boote noch nicht im freien Warenverkehr der EU sind, bestehen nach Information des kroatischen Finanzministeriums und der Handelskammer in Kroatien 3 Möglichkeiten zur Überführung:

1. Überführung in den freien Warenverkehr

Für das Boot müssen Einfuhrumsatzsteuer und ggf. der Einfuhrzoll beim zuständigen Zollamt entrichtet werden. Der Einfuhrzoll kann entfallen, wenn wie oben beschrieben, der Bootsbesitzer nachweisen kann, dass die Steuer bereits berechnet und in einem EU-Mitgliedsstaat bezahlt wurde.

2. Überführung in einen EU-Mitgliedsstaat im Transitverfahren T1

Wurde für das Boot weder Zoll noch Einfuhrumsatzsteuer/Mehrwertsteuer entrichtet, muss dieses im Transitverfahren T1 überführt werden. Wenn das Boot dann innerhalb der EU verbleiben soll, erfolgt die Zollabfertigung in dem Mitgliedsstaat der EU, in den das Boot überführt wird.

Da die Abwicklung des Zoll- bzw. Transitverfahrens auf elektronischem Wege erfolgen muss und das Ausfüllen der Formulare für Laien schwierig ist, wird empfohlen, für die Ausfertigung der notwendigen Papiere eine Spedition zu beauftragen.

 3. Ausführung aus der EU – hierzu wenden Sie sich bitte an die zuständigen Zollbehörden!

Auch Eigner, deren Wasserfahrzeuge sich zum Zeitpunkt des Beitritts im Verfahren der vorläufigen Einfuhr in Kroatien befanden und den Status der EU-Gemeinschaftsware haben, müssen laut Handelskammer 2013 durch eine Zoll-Einfuhrdeklaration bis zum 31.3.2014 eine freie Inverkehrssetzung erwirken.

Weitere Hinweise liefern auch die Fallbeispiele der Informationsunterlage der Europäischen Kommission TAXUD/A2/SPE/2013/058-DE, S. 24 ff., deutsche Fassung.

Weitere nützliche Quellen

DesTopNews 2013-35

Going Off The Wall

Zwischenstopp auf dem Dirty Market

Morgens um sechs lassen wir in Maceió neben duzenden Fischerbooten unter Segeln den Anker fallen. Hier macht die Mittelklasse Brasiliens Urlaub – die Strände der knapp einer Millionen Einwohner starken Stadt sollen die schönsten Stadtstrände im ganzen Land sein. Nur leider wurde der Strand, an dem wir ankommen, seit den fünfziger Jahren dermaßen verdreckt, dass die Badekultur eine Bucht weiter gen Norden gezogen ist. Wir tragen unser Dingi über Plastik hinweg aus dem Wasser auf den Strand und parken es dort, wo wir denken, dass die Flut es nicht stehlen kann – zwischen zwei Autos. Jedoch kommen gleich ein paar Männer aus der zum Strand zugehörigen Favela und machen klar: Gebührenfreie Parkplätze gibt es hier genauso wenig, wie im Rest des urbanen Brasiliens oder der Münchener Innenstadt.

...und in diesem Moment fällt der Anker in Maceió

…und in diesem Moment fällt der Anker in Maceió

Das war mal ein schöner Strand

Das war mal ein schöner Strand

Wir parken unser Dingi optimal

Wir parken unser Dingi optimal

Mit ein paar Reais weniger in den Taschen marschieren wir an der Promenade entlang in Richtung Altstadt. Eigentlich auf der Suche nach einem Café, vielleicht am Strand, das Frühstück serviert und ein WIFI-Zeichen an der Tür hat. Zielsicher biegen wir jedoch an den richtigen Ecken ab und lassen an irgendeiner Kreuzung die Strandidee zurück, um eine halbe Stunde später verloren im riesigen „Hipermarket“ zu stehen. Es gibt hier im Eingangsbereich ein Café und einen Laden mit Internetzugang. Mit Händen und Füßen versuchen wir den unterschiedlichen Angestellten unsere Vision einer Fusionierung zu erklären. „Hyper Hyper“ singt H.P. Baxxter dazu wenig hilfreich in meinem Kopf und ich kann mich trotz der verschallerten Laune des ersten Tages an Land beherrschen, nicht laut mitzusingen.

Da kommt eine auf uns zu, die definitiv auch nicht von hier ist. Heather ist gebürtige Amerikanerin und hat mit ihrem Mann Fabio gerade ein Restaurant eröffnet. Von elf bis drei gibt es hier ein extrem billiges Mittags-Buffet im passenden Ambiente. Direkt gegenüber vom Supermarkt. Und im Laden daneben haben Fabios Eltern ein Trödelgeschäft, in dessen eisgekühltem Büro wir ins Internet dürfen! Wäre das schon mal geklärt. Jetzt brauchen wir nur noch Frühstück, aber das lässt sich in dem „Hipermarket“ ja finden. Irgendwas schön fettiges, das wir auf See auf unserem wackeligem Herd nicht zubereiten können. Wir entscheiden uns für Broiler.

Broiler essen im Hiper Markt

Broiler essen im Hiper Markt

Am nächsten morgen stehen wir schon um vier Uhr auf, um mit Heather und Fabio auf den „Dirty Market“ zu gehen. Die beiden müssen Zutaten für ihr Restaurant einkaufen und hier gibt es einfach alles: Rinderhälften, ganze Rinder, Innereien, Fisch und auch Live-Tierschlachtung! Überall stehen den ganzen Tag Menschen auf engstem Raum zusammen im Halbdunkeln und zerkleinern Fleisch.

Hannes im Fleisch

Hannes im Fleisch

Eigentlich heißt der Markt „Mercado do Producao“, doch ich komme mir mit meiner Kamera vor, wie ein Spion vom Gesundheitsamt. Blut spritzt gegen gekachelte Wände und auf zementierten Boden, ein Stückchen Fleisch für den Hund fliegt über die Theke, und gleich noch eins! Ich lehne mich aus Versehen gegen eine Rinderhüfte. Keine fünf Minuten später fotografiere ich gedankenverloren wunderschön geschichteten Speck und werde fast von einhundert Kilo Mensch mit fünfzig Kilo Rind über den Schultern umgerannt. Dies ist kein Ort für Vegetarier oder Träumer.

Der ist ja nocn niedlich: Den Mann, der mich beinahe umgerannt hat, habe ich leider nicht mehr "erwischt"...

Der ist ja nocn niedlich: Den Mann, der mich beinahe umgerannt hat, habe ich leider nicht mehr “erwischt”…

Fabio führt uns hinter den Laden, wo er gerade fünfzehn frische Hühnchen bestellt hat. Während ein Mann mit leerem Blick die Hühner aus Kisten angelt, um sie dann kopfüber in ein Edelstahl Rondell zu hängen, unterhalten wir uns über unsere Einstellung zum Essen. Alle, die da sind, um sich das Spektakel anzuschauen, sind sich einig: Wir essen gerne Fleisch und wollen auch wissen, wo die Filets herkommen. Der Mann hat jetzt ein Messer in der Hand und schlitzt Huhn für Huhn den Hals auf. Ich revidiere: Es macht mir zumindest nichts aus, zu wissen, wo die Filets herkommen… auch wenn ich bei dem Geflügel-Gestank froh bin, heute Morgen nichts gegessen zu haben.

So federig ist das Filet vor seiner Formvollendung

So federig ist das Filet vor seiner Formvollendung

Die Gang vom "Dirty Market": Fabio, Heather, Michi, Lena, Hannes, Benni (v.l.n.r.)

Die Gang vom “Dirty Market”: Fabio, Heather, Michi, Lena, Hannes, Benni (v.l.n.r.)

Nach einem kurzen Aufenthalt an einem der schönsten Stadtstrände Brasiliens können wir für die nächste Überfahrt schon wieder abgepackte Wurst kaufen, ohne an die Ausgangsform derselben denken zu müssen. Mit unendlich vielen Tüten bepackt stehen wir im Dunkeln vor unserem Dingi und überlegen, ob wir zwei Mal fahren müssen, oder es riskieren können, alles auf ein Mal mitzunehmen. Die Entscheidung nimmt uns eine lachende Alkoholfahne mit singendem Portugiesisch ab. Der dazugehörige Mann hat ein größeres Dingi und will uns gerne zu unserer Marianne fahren. Während er das eine lange Paddel, das am Ende seines Holzbootes befestigt ist, im Stehen rhythmisch hin und her bewegt, erzählt er uns seine Lebensgeschichte, die wir leider nicht verstehen. Doch mit einem hysterischen Quieken markiert er für uns die Höhepunkte, sodass auch wir lachen können und die Unterhaltung nicht abbricht, bis wir ihm, mit den Einkäufen an Bord, „muito obrigado“ für den Fährdienst ein paar Reais zustecken und er auf die Lichter der Strandbar zusteuert.

Ein wenig dunkel, aber das ist unser Fährmann

Ein wenig dunkel, aber das ist unser Fährmann

Wir dagegen verstauen Lebensmittel und anderen Kram seefest in unserer Marianne. Im Morgengrauen lichten wir den Anker, lassen uns von der Ebbe hinausziehen, hissen die Segel und nehmen Kurs auf Fortaleza, einer knapp zwei Millionen Einwohner starken Stadt, mit noch mehr schönsten Stränden Brasiliens…

flattr this!

slow watch

„Unbelievable footage from onboard the Luna Rossa AC72, minutes after the finish of Race 4 of the Louis Vuitton Cup finals. Helmsman Chris Draper comments on the disastrous start and admits his watch was “four seconds slow”!!!
[…] Mr. Bertelli, call Russell Coutts to give you some nice TAG Heuer watches or even Grant Dalton for some cool Omega time keeping instruments, go through the remaining three final races and then throw Chris Draper to the lions in Rome’s Colosseum!“
www.vsail.info/2013/08/22/chris-draper-slow-watch/

luscious friday

Even Better Than the Real Thing


LiveSailDie

„TVNZ yachting commentator Martin Tasker has apologised for remarks accidentally streamed online when a microphone was left open during this morning’s Americas Cup coverage. The veteran journalist reportedly said he intended to ‚do that Jewish woman tonight‘ while chatting with fellow commentator Peter Lester.
TVNZ’s Megan Richards says Mr Tasker has explained the remark was made in reference to setting up an interview with an Israeli journalist. She says he accepts that in the context of the conversation, that could have been misinterpreted. In a statement, Martin Tasker says he’s very embarrassed and apologetic and regrets the concern the remark has caused. www.nzherald.co.nz

Marina di Loano: Spätsommerevents und sportliche Specials

Die Luxus-Marina di Loano an der Westligurischen Küste lockt Skipper pünktlich zum italienischen Spätsommer mit attraktiven Angeboten und Neuerungen.

Atmen, entspannen, stärken: Für das körperliche Wohl der Gäste sorgt ab dem 25. August einmal wöchentlich die Yoga-Lehrerin Lucia Ragazzi. Die Teilnahme an den Übungen ist kostenfrei. Es fällt lediglich eine Versicherungsgebühr von 5 EUR an. Sehr viel rasanter wird es im schicken Jaguar XF Sport, der Gästen für Test- oder Transferfahrten zum Flughafen zur Verfügung steht.

Marina di Loano

Marina di Loano

Sollten Marinagäste lieber dem Wasser treu bleiben wollen, lockt der Tauchclub der Marina mit einem Rabatt von 10% auf alle Kurse und Tauchgänge. Auch im Tennis- sowie im Golf Club warten auf Sportbegeisterte attraktive Angebote. Im neuen, marinaeigenen Wellnesscenter erhalten Skipper sogar bis zu 15% Rabatt. Das restliche Kleingeld erhält man am neuen Geldautomaten, der kürzlich direkt neben dem Hafenbüro aufgestellt wurde.

Für Reservierungen und Nachfragen können Gäste sich telefonisch oder per Mail bei der Rezeption der Marina melden: +39 19 667835 (Montag bis Mittwoch 9-19.30, Donnerstag bis Sonntag 8.30-20.30) oder reception@ycml.it

Weitere Infos zu Marina di Loano

Will oder kann er nicht mehr? Die Geschichte von einem Dieselmotor

Es muss ein schöner Tag gewesen sein. Windstill. Sonnig, aber nicht zu heiß, dass es unangenehm gewesen wäre | Es muss ein schöner Tag gewesen sein. In Washington, Seattle. Am Pazifik | Es muss ein schöner Tag gewesen sein. Irgendwann damals in 1976. Am Tag als unser Motor seinen ersten richtigen Ausflug machen durfte. Unser geliebter Dieselmotor. Ein Prachtstück. Ein Yanmar YSE12. 12 PS. 37 Jahre alt.

Leider kennen wir ihn ja noch nicht ganz so lang. Erst schlappe zweieinhalb Jahre. Was ist das schon? Verglichen mit seiner langjährigen Erfolgslaufbahn als Spitzen-Leistungsmotor. Und er hat uns nun die ganze Zeit so treu begleitet! Aber jetzt scheint er sich doch langsam auf seine Pension zu freuen. Will oder kann er jetzt nicht mehr? Unser geliebter kleiner Rosthaufen. Unser Dieselmotor. 12 PS. 37 Jahre alt.

In einer der ersten Emails von Paul, dem Vorbesitzer unserer Marianne, hieß es bereits, dass das Boot zwar topp in Schuss ist, der Motor jedoch leider ein paar Probleme aufweist. Irgendwas mit dem Zylinderkopf. War es die Dichtung gewesen? Und obwohl ich mich schon darauf eingestellt hatte, nach der Bootsübergabe auf den Salomonischen Inseln, die ersten Wochen hauptsächlich mit Motor und Mechanikern zu ringen, waren wir vom Glück gesegnet. Denn Paul hatte netterweise schon selbst ein wenig daran herumgewerkelt, sodass uns dieser K(r)ampf erspart blieb. Der Dieselmotor lief.

Und wie er lief. Zwar nicht immer sehr lange, dafür aber doch irgendwie recht zuverlässig und es benötigte auch nur vier Mechaniker aus Australien, Thailand, Vietnam und Malaysien, bis wir alle notwendigen „Geheimtipps und -tricks“ abgestaubt hatten, sodass wir uns ab sofort selbst um den kleinen Racker und seine Problemchen kümmern konnten. Und das ging dann auch lange ganz gut so. „Bester Mann an Bord“ wurde er zeitweise sogar betitelt. Aber zu viel Lob und Preisung ist ja bekanntlich nicht gut auf Dauer. Dann wird man unmotiviert und faul. Das Phänomen kennt man ja aus der Schule, wenn Lehrer einem wieder die 4+ gegeben haben mit der Begründung, dass einen das ja motivieren soll. Für das nächste Mal! Naja, wir haben wohl zu viele Einsen an unseren Diesel verteilt. Denn in Kapstadt ging es dann los. Der Krampf. Der Kampf um das Überleben. Das Überleben unseres geliebten Dieselmotors. Ein Japaner. Ein Yanmar. 12 PS. 37 Jahre alt.

Rio - Water in the system

Kapstadt. Motor kaputt. Die Dieselpumpe. Teile verschlissen. Keine Ersatzteile lieferbar. Der Mechaniker kriegt die Pumpe zwar ohne jedwede Zuversicht, jedoch mit viel Schweiß und Zuspruch wieder ans Laufen. Guter Mann. Der Motor läuft wieder.

Rio de Janeiro. Motor kaputt. Wasser im System. Dieselpumpe und Anlasser werden gewartet. Der Mechaniker baut interessant aussehende selbstgemachte Dichtungsringe. Erster Verdacht auf defekten Kolbenring. Das Ersatzteil kostet ein paar Cent, doch müsste für die Reparatur der Motor aus dem Boot herausgeholt werden. Langwieriger Prozess. Wir haben keine Zeit. Motor läuft erst mal wieder, jedoch nur mit halber Kraft und halber Geschwindigkeit. Es geht weiter.

Salvador. Motor kaputt. Erneut Wasser im System. Der Zylinderkopfdeckel wird abgeschliffen und ein neuer Dichtungsring maßgefertigt. Warum das Ganze nun fast 5 lange Wochen dauert, kann einem wohl nur ein echter Brasilianer erklären… Motor läuft wieder. Immer noch mit halber Geschwindigkeit. Weiterhin Verdacht auf defekten Kolbenring.

Fortaleza. Motor kaputt. Schon wieder die Dieselpumpe? Was ist da los? Der Mechaniker ist wieder dran.

Fortaleza - Wird er ihn diesmal reparieren können?

8 Mechaniker. Die meisten davon sprechen kein Wort Englisch, was das ganze noch lustiger macht. Auf jeden Fall verbessere ich von Tag zu Tag meine Fähigkeiten in Zeichensprache. Interessant auch, wie viel man mit den verschiedensten Geräuschen des Mundes ausdrücken kann. Vom Motorsound bis hin zum Ratsch-Klick-Peng des vom Mechaniker benötigten Werkzeuges. Hab mich bis jetzt jedenfalls noch immer verständlich machen können. Und die Stimmung steigt dann meistens ebenfalls.

Wie viele Städte und Mechaniker werden wir wohl noch brauchen bis wir wieder zuhause sind? Wie viele Male werden wir noch unter Schweiß und Segeln in einen Hafen kreuzen müssen? Ein Retter in der Not heißt hier definitiv wieder mal Segelreporter. Nachdem die Jungs schon geholfen haben, dass wir wieder reißfestes Segeltuch in den Wind halten können, versuchen sie jetzt auch unseren Propeller wieder ans Kreisen zu bringen. Danke lieber Segelreporter, Du bist super!

Es bleibt weiterhin spannend. Wie wird die Geschichte weitergehen? Die Geschichte von unserem Yanmar, dem geliebten Dieselmotor:

Es wird ein schöner Tag werden. Windstill. Sonnig, aber nicht zu heiß | Es wird ein schöner Tag werden. Vielleicht in der Karibik oder den USA? Im Atlantik | Es wird ein schöner Tag werden. Der Tag, an dem unser geliebter Motor seinen nächsten richtigen Ausflug machen darf. Unser geliebter Dieselmotor. Ein Prachtstück. Ein Yanmar YSE12. 12 PS. 37 Jahre alt.

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Atmosphere