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Landfall Karibik

Welcoming in caribbean style

Zwanzig Seemeilen vor St. Lucia. Der Wind fällt zusammen. Mist, ausgerechnet jetzt. Unsere GRIB-Wetterdaten hatten wieder mal recht. Bis dahin hatten wir stolz auf Johann’s Dienste verzichtet, den knurrligen Motor im Keller des Schiffes. Auch nicht in den hartnäckigen Flauten um Gran Canaria herum, oder später. Wir wollen unbedingt unter Segel ankommen, so wie die früheren Seefahrer. Jetzt, so kurz vor der karibischen Insel, schon Marimba-Klänge erahnend, müssen wir den Motor doch noch anwerfen?

Wir diskutieren, aber nur kurz. Entschluss: wir kitzeln die letzten Zehntelsknoten aus der treuen MARLIN heraus, ganz in Regattamanier. Nach einer Stunde würden wir dann wieder sehen.

Ich sehe eine flache Wolke am Horizont. Könnte Wind bedeuten. Tatsächlich, ein bisschen Trimm hier und da und die MARLIN krebst auf 3Knoten. Mein Regattafieber ist ausgebrochen. Wir kitzeln die MARLIN noch mehr. 4.2 Knoten. Ich sehe, dass in Ufernähe eine Winddüse entsteht. Also ran. Tatsächlich. 4.6 Knoten. Alle jubeln. Und schlussendlich segeln mit voller Geschwindigkeit rund um Pigeon Island, dem bergigen Buchtende von Rodney Bay. Ein Schlauchboot empfängt uns und schiesst erste Fotos. Die Bucht öffnet sich vor uns, grün und lieblich, Sandstrände und ankernde Yachten zeigen sich.

Wir sehen das Zielschiff und Zielboje. Der Wind beruhigt sich und ist plötzlich ganz weg. Kenne ich vom eigenen See. So kurz vor der Ziellinie, Wind ganz weg. Taktik: Genua runter und mit Schwung hinter die Leeboje wenden. ‚Trööt!’ kommt vom Startschiff und wir jubeln. Geschafft! Die ARC 2017 ist bezwungen. 3’198 Seemeilen seit Gran Canaria. Ohne Motor. Platz 118 unter den eingelaufenen Schiffen, noch ohne Kompensation für Bootstyp und Motorgebrauch. Wir sind stolz und taub von Emotionen. Ich könnte fast weinen vor Freude.

Bucket List item #6: DONE.

 

@Tasten: Martin @Photo: Martin

 


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Sizilische Geschichten (6): Wenn der Libeccio über die Südküste fegt.

Nachts war noch alles ruhig. Vielleicht ein leichtes Blähen der Plane, die ich über Levjes Cockpit aufgespannt hatte. Ein leises Wehen aus dem Osten, das unter der Plane hindurchstreicht. Nicht mehr.
Am Morgen wache ich auf, weil das Boot vibriert. Ein Unruhe verbreitendes Tak-Tak-Tak vom Mast her, ein rythmisches Geräusch, das Unruhe in meinen Halbschlaf schiebt und sich nicht begnügt, nur mein Trommelfell zum Schwingen zu bringen, sondern gleich das ganze Schiff. Während ich die Augen im Halbdunkel öffne, denke ich darüber nach, was mein siebeneinhalb Tonnen schweres Schiff in seinem zwei-Meter hohen Stahlgerüst derart zum Vibrieren bringt. Ein schlagendes Fall kann es nicht sein. Aber was dann? 
Ich beschließe aufzustehen. Gemessen an den Nächten zuvor ist es angenehm warm. Mehr als 18 Grad zeigt das Thermometer am frühen Morgen, wo es noch vor 24 Stunden kaum acht Grad waren. Angenehm, zumindest das. Ich schaue hinaus. Keine 100 Meter weiter vorne, den Hügel am alten Bahnhof hinunter, wo mein Boot für den Winter geparkt ist, sehe ich das Meer. Statt spiegelglatt kommt jetzt Roller auf Roller auf die Küste zu. Lange Reihen. Mehr als sechs Windstärken. Libeccio. Wind aus dem Südwesten, Wind aus der Sahara. Das erklärt die achtzehn Grad beim Aufstehen. Ich höre das gewaltige Rauschen der Brecher bis in Levjes Kombüse, aus der ich jetzt hinunterschaue.
Die Einfahrt in den Hafen von Sciacca – immerhin beherbergt er die zweitgrößte Fischereiflotte Siziliens. Aber an einem solchen Tag geht kein Fischer hinaus.
Während ich mir Tee koche, gerät das Boot immer wieder in Schwingung. Es sind Böen, die vom Meer heranrollen wie Brecher und Levje breitseits treffen. Vermutlich sind sie so stark, dass der Mast für sie ein Hindernis ist. Dass die Böen gegen den Mast prallen. Ihn in Schwingung versetzen, als wäre er ein zwischen den Fingern eingespannter Grashalm, den man kraftvoll anpustet. Nur das er seine Schwingung über die Wanten auf die Seitenwände des aufgebockten Bootes überträgt. Mein Boot, meine Behausung in diesen Wochen, sie ist jetzt im Libeccio an Land ein großer Resonanzkasten. Ein ums andere Mal vibriert der Tee in meiner Tasse.


Am Nachmittag sehe ich mir ich mir an, was der Sturm mit dem Meer in der Hafeneinfahrt macht. Ich sehe die brechenden Grundseen genau in der Einfahrt. Für eine Segelyacht wäre es zumindest ein schwieriges Unterfangen, bei diesen Bedingungen einzulaufen, wenn nicht gar unmöglich. Ich versuche mir diesen Anblick für alle Zeit einzubläuen, für den Fall der Fälle. Wie schwierig die Situation draußen auch immer sein mag: Allemal besser draußen bleiben, als mit dem Boot in eine dieser brechenden Seen in der Hafeneinfahrt zu geraten und querzuschlagen.

Einen Moment sehe ich fasziniert den Vögeln zu, die im Starkwind segeln, einfach mit ausgebreiteten Flügeln vor sich hin schweben. Wo Sturm ist, kreist meist ein Vogelsschwarm. Wo unsereins bei solchen Bedingungen die feste, schützende Hülle sucht, tun die meisten Vögel (jedenfalls die, die fliegen nicht verlernt haben) genau das Gegenteil. Sie suchen das unsichere Element. Sie stürzen sich in die Lüfte. Gerade dort, im scheinbar Unsicheren, Unwirtlichen, finden sie mehr Schutz als in jeder Mauernische, die für sie zur Falle werden kann.

Eigentlich trifft der Wind an dieser Stelle aus südöstlicher Richtung auf die Küste. Er schon. Aber die Wellen nicht. Sie rollen in die Richtung, die der Wind ihnen weit draußen verpasst hat. Dorthin, wohin der Libeccio sie draußen hinbeschleunigt: Nach Nordosten. Dummerweise ist die Hafeneinfahrt des großen Hafens in Sciacca auch noch so konzipiert, dass sie nach Südwesten offen ist. Die Wellen rollen von dort ungehindert an. Und schwappen in den Hafen, wo gleich hinter der Hafeneinfahrt die Schwimmstege der beiden großen Segelclubs liegen. Ich treffe Carlo, der jetzt im CIRCOLO NAUTICO den Winter über als Marinero arbeitet. Er schaut sorgenvoll. „Schau mal, wie sich der hundert Meter lange Schwimmsteg wie eine Seeschlange in der einlaufenden Dünung windet.“ Nicht nur er oszilliert. An den Seiten des ewig langen Schwimmsteges ist Boot an Boot vertäut. Jetzt werden sie einfach mitgerissen wie Nussschalen vom Hin und Her des Schwimmsteges in der glucksenden Dünung.

„Vorne, am Ende dieses Stegs, schließt sich im rechten Winkel ein zweiter Steg an. Die Verbindung ist gebrochen, wenn das so weitergeht, dann reißt der Steg auseinander. Die beiden Yachten an diesem Außensteg sind zu schwer.“ Aber auch sonst hat Carlo alle Hände voll zu tun. Er überwacht die kleinen Boote, die sich im Hin und Her des Schwimmsteges immer mehr von ihrer Heckleine holen und dadurch drohen, mit dem Steg selbst zu kollidieren. Immer wieder spurtet Carlo über den schwankenden Steg nach draußen, wenn ein Boot droht, zu nahe an die scharfen Kanten des stählernen Schwimmsteges zu geraten.

„Am schlimmsten sind die Stürme hier immer um die Zeit, wenn die Jahreszeiten wechseln“, sagt Carlo. „Das war nicht immer so. Als ich hier aufwuchs, waren es eher die reinen Winterstürme, die uns beeindruckten. Seit ein paar Jahren habe ich den Eindruck, dass das Wetter schlecht wird, wenn es eigentlich schön werden müsste – wenn das Frühjahr kommt, im April.“ Carlo fuhr früher raus als Fischer, bevor er sich für ein vermeintlich ruhigeres Leben als Marinero entschied.

Ich fahre hinaus, ein paar wenige Minuten nach Westen vor die Stadt, zum Sandstrand vor der alten Tonnara, der einstigen Thunfisch-Konservenfabrik. Es ist meine Lieblingsecke. Ein weiter Sandstrand zu Füßen eines einsamen Schlotes, den man als letztes Wahrzeichen der einstigen Tonnara stehen ließ. Der große Schlot, über den Qualm der großen Feuer abzog, die das Thunfischfleisch in großen Kupferkesseln zum Sieden brachten. Vor zwei Tagen bin ich zwischen den beiden großen Steinmolen hindurch noch nach draußen geschwommen. Jetzt ist daran kein Denken mehr, so aufgewühlt und tobend sind die Elemente. Sie werden es für zwei weitere Tage noch bleiben. Mindestens.

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Wenn das Boot an Land steht

So., 10.Dez.17, Panama, Puerto Lindo, Tag 1290, 12.217 sm von HH

Wenn das Boot an Land steht, ist Segeln richtig scheiße. :lol:

Bei so einer Aktion gibt es immer einen Verlierer:

Schiff abkratzen ist mein Job.
Unser Unterwasserschiff sieht ganz passabel aus. Achim hat in Santa Marta gute Arbeit geleistet. Nur wenig harter Bewuchs kommt zum Vorschein.
Der grün-schwarze Schleim verschwindet durch den Hochdruckreiniger.
Die unendlichen Stempel-Abdrücke der Seepocken und Muscheln bleiben haften. Die kleinen Füße, die stehen bleiben, müssen mit dem Spachtel abgekratzt werden.
Die wenigsten lassen freiwillig los.

Kalkfüsse müssen runter

Farbe rühren ist mein Job.
Das neue Zeug stinkt zum Himmel. Ich habe die Wahl zwischen ohnmächtig werden oder ertrinken in meiner Gasmaske. Ich wähle die Maske, der Gestank ist zu arg. Heiß ist es unter der Maske. Der Schweiß fließt.
Ich brauche fast eine Stunde, bis ich 20 Liter Farbe zu einer homogenen Masse gerührt habe. Oben steht das Dünne und unten hat sich eine unfügsame Schicht Dickes abgelagert. Schwer und zäh wie Teer.

Fällt Dir was auf

 

Wir haben immer Selbst-Polierendes Antifouling. Das bedeutet, dass sich beim Segeln eine mikrodünne Schicht abfährt, vorhandenen Bewuchs mit in die Tiefe reißt und sich eine neue, aktive Antifouling-Schicht bildet. Das funktioniert gut und wir sind zufrieden.

Allerdings trägt sich an immer gleichen Stellen die Farbschicht schneller ab. Gut zu erkennen an den grünen Flecken. Dort schimmert bereits das Gel-Shield durch.
Außerdem hält das Antifouling schlecht auf unserem Wasserpass, den wir vor zwei Jahren einfach über gepinselt haben.

schwarz - altes Antifouling rot-aktuelles Antifoulig grün-gar kein Antifouling mehr

Diesmal haben wir uns Primer besorgt und tragen ihn an den kritischen Stellen auf.
Der Primer soll für besser Haftung vom Antifouling sorgen. Man darf gespannt sein.

In den anderen Jahren haben wir immer nur 10 Liter Farbe verbraucht. Dieses Jahr verpinseln wir den ganzen Pott Antifouling. „Viel hilft viel“, hat Oma immer gesagt.
Hoffentlich stimmt das. Im schlimmsten Fall müssen wir trotzdem in 12 Monaten wieder aus dem Wasser und hätten die Hälfte der Farbe verbrannt (250 EUR).
Dafür brauchen wir nicht den halbleeren riesigen Eimer Farbe mit uns herum schippern.

Und wir sind wieder zu schwarzem Antifouling zurück gekehrt, was uns final besser gefällt.
Das fühlt sich nach der Trocknung wie Latex-Farbe an, leicht gummi-artig. Hempl Markenware.
Hoffentlich weiß die Farbe das auch.

Bei so einer Aktion gibt es auch immer einen Gewinner: Klebeband abreißen, ist Achims Job. :mrgreen:

Der Klebeband-Abreißer

Der Klebeband-Abreißer

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Ich und meine Freundin Erika

Warum ist Erika nicht wie Johann?

Da sitz ich mal wieder bei 35° im Motorraum und nehme sie auseinander. Erika ist eine von diesen Freundinnen, die regelmäßig Aufmerksamkeit braucht. Sonst würde man ja auch vergessen was man an Ihr hat.

An einem Tag wie heute möchte Sie das mal wieder zeigen. In der Früh stehe ich kurz beim Wachwechsel auf um Erikas energiespendende Anwesenheit zu genießen. Später als ich aufwache, bekomme ich nicht Ihr leises Schnurren zu Ohr, sondern erfahre, dass Sie mal wieder Ihren Dienst verweigert.

Zu diesem Zeitpunkt bin ich dann doch noch nicht wach genug um mich Ihrem Temperament zu widmen. Später in der Mittagssonne dann ein verzweifelter zweiter Versuch, doch mehr als zehn Minuten will Sie einfach nicht. Jetzt gibt es nur noch zwei Möglichkeiten. Entweder die Trennung von Erika und die Zwangsehe mit Johann unserer Hauptmaschine oder – das Krisengespräch mit Erika. Ich wähle Zweites und Stelle mich der Herausforderung.

Ab jetzt liegt Erika’s offenes Herzstück vor mir. Unsere Beziehung hat schon einiges durchgemacht, daher kenne ich Ihre Schwächen, die es zu kontrollieren gilt oder bestenfalls zu beseitigen. Wobei Zweiteres oftmals ein wenig mehr Zeit beansprucht. Heute steht ihre Wasserversorgung im Mittelpunkt, denn auch für Erika – halb Mensch, halb Maschine – ist Wasser ein überlebenswichtiges Molekül. Sonst überhitzt Sie und tut nichts mehr. Sie erleidet quasi einen Hitzeschlag. Wenn man an Erika arbeitet ist das meistens wie am OP-Tisch, da muss man genau wissen was man tut. Nicht, dass man sie schnell zerstören könne, vielmehr muss man sich bei jedem Bauteil Ihres Inneren überlegen wie man dieses überhaupt herausoperiert bekommt ohne gleichzeitig drei Schrauben im Gehäusesumpf zu verlieren. Sonst dauert die OP schnell mal das dreifache der nötigen Zeit.

Während ich diese Zeilen schreibe, summt Erika wieder vor sich hin. Unser heutiges Beziehungsproblem hat sich in Grenzen gehalten. Einen neuen Zahnriemen samt neuem Zahnrad hat sie spendiert bekommen und ein Impellercheck war natürlich auch mit drin im Rundumpaket. Wo genau das Problem lag bleibt ungewiss.Vermutlich eine lose Schlauchschelle.

Manchmal wünschte ich Erika wäre wie Johann: groß, einfach zu handhaben und OP-Tisch-freundlich. Dann würde Sie aber erstens nicht Erika heißen und zweitens gäbe es diesen Blogeintrag nicht.

@Tasten: Jan @Photo: Martin

 


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Kran-Tag

Sa., 09.Dez.17, Panama, Puerto Lindo, Tag 1288, 12.217 sm von HH

Beinahe hätte es wieder nicht geklappt mit unserem Termin.
Der viele Regen hat ein großes Loch in den Boots-Stellplatz gespült und der Weg zu unserem geplanten Standplatz ist unpassierbar.
Achim spricht mit Engelszungen auf den Werft-Chef ein. Der lässt sein Herz erweichen und zirkelt mit dem Maßband aus, ob er uns noch auf der anderen Werft-Seite dazwischen quetschen kann.
Der Travel-Lift ist für Katamarane dimensioniert und hat bestimmt eine Breite von zwölf Metern. Da kann er nicht einfach überall dazwischen fahren.

Atanga ist schon fast etwas zu klein für die Gurte und sieht etwas verloren in dem Gestell aus.

Travel-Lift kommt angefahren
Gurte werden abgelassen
Kleine Atanga im riesigen Travel-Lift

Der Chef macht an der Fernbedienung eine gute Figur. Im ‚Crocodile-Dundee-Style‘ manövriert er ruhig und souverän seinen Travel-Lift an die vorgesehene Stelle. Zum Nachbarschiff passt noch eine Handbreit dazwischen.

Souverän am Joy-Stick
Knappes Höschen

 

da staunt der Kollege Nachbar schon mal

da staunt der Kollege Nachbar schon mal

Die Werft ist noch sehr neu, das Gelände ist gepflegt und aufgeräumt.
Die sanitären Einrichtungen befinden sich in einem Container, sind aber blitzsauber. Kein einziger Schimmel-Belag ist zu finden.
Es wird gerade an einem festen Gebäude gebaut. Das hier wird mal eine schicke Marina und Werft.

Bei so einer Kran-Aktion gibt es immer einen Verlierer. :mrgreen:
Heute trifft es unseren Fender, der unbeabsichtigt vom Gurt eingequetscht wird.

Stresstest für unseren Kugel-Fender

Wenn die Industrie es schafft, Gegenstände herzustellen, die das aushalten, obwohl sie bereits acht Jahre alt sind und dauerhaft dem UV-Licht ausgesetzt sind, warum kann das dann nicht für alles gelten?

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Auf in den Endspurt!

Marlin bei 25kn und achterlicher Welle – nicht jedermanns Sache, Esthers schon.

Es scheint, als ob sich Wind und Wetter der Gefühlslage der Crew angepasst haben. Wir sind noch etwa 400 nm von St. Lucia entfernt und plötzlich, als ob jemand einen Schalter umgelegt hat, fangen alle an über die Ankunftszeit zu spekulieren. Natürlich darf der Wetteinsatz nicht fehlen und wie sollte es auch anders sein – es ist Bier *lach*. Hoch im Trend liegt Montag. Dabei tendiert Jan zur Mittagszeit und Bernard zu einer Ankunft nach Sonnenuntergang. Martin setzt auf volles Risiko und meint, dass wir erst Dienstag ankommen werden- Der Rest der Crew –Holger und Esther- halten sich mit wilden Spekulationen im Hintergrund und ich werfe nur ab und zu ein, dass Montag definitiv drin ist. So ganz genau möchte ich mich dann aber doch nicht festlegen. Es bleibt auf jeden Fall hoch spannend!

Als ob der Atlantik uns erhört hat, zeigt er sich nun mal von seiner etwas ruppigeren Seite, der Wind frischt heute deutlich bis 25 kn auf. Nach setzen des 2. Reffs kamen wir bald zum Schluss, dass das 3. Reff ruhig auch mal in Anspruch genommen werden kann. Die Genua wurde dann immer jeweils passend gerefft oder entrefft. Im Laufe des Tages kann man richtig beobachten, wie die Wellen immer Länger und Höher werden. Unglaublich, was da für Kräfte hinter stecken.

Fast schon regelmäßig bilden sich hinter uns aus dem Nichts dunkle Schauerwolken, Bei denen die genau aus der Windrichtung kommen, wissen wir ganz eindeutig, dass sie uns eine erfrischende Abkühlung bringen werden. Die anderen Wolkenkonstellationen beeindrucken uns da weniger, im Auge behalten sollte man sie trotzdem.

Zum Abend hin fängt Holger an zu kochen, Für sein vorzügliches Spaghetti-Bolognese steht der arme Kerl bei einer turbulenten Achterbahnfahrt ganze 3h in der Pantry. Ein hoch auf unseren Smutje!! (Nach einer nun ausgezeichneten Ausbildung auf der Marlin will er nun seine Dienste auch auf anderen Schiffen anbieten *zwinker*.)

@Tasten: Marie @Photo: Martin

 


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Eine Dezember-Wanderung auf Sizilien.

Heute, am 8. Dezember, bin ich in Sciacca zu einer Wanderung vom Hafen hinauf in die Hügel hinter der Stadt aufgebrochen. Alles ist, wie es sein soll: In den Olivenhainen haben die Blumen einen weißen Teppich ausgelegt. Die Kakteen tragen Früchte. Der Hibiskus hängt schwer von roter Blütenpracht auf den Weg herunter. Die Bauern stehen auf Leitern in den Olivenbäumen und holen den letzten Rest der diesjährigen Ernte von den Bäumen. Laut reden sie, aus einem Baum hinüber in den anderen. Es sieht aus, als würden die Kronen der Oliven und nicht die Bauern miteinander sprechen. Aber letztlich macht das keinen Unterschied: Ich verstehe den Dialekt der Bauern so wenig wie das geheime Leben der Olivenbäume, vom Dialekt der Leute von Sciacca kommt bei mir nur ein gleich zweifach verschlüsseltes „Uglu fi Luuulu Lu“ an, sie singen ihre Sprache statt sie zu sprechen. Und überdies scheint es streng verboten, die letzte Silbe ordentlich auszusprechen.

Als ich gegen Mittag am Hafen loslief, waren die Straßen ausgestorben. Nanu? Kein Auto. Kein Fußgänger. Kein kläffender Hund und keins dieser röhrenden Mopeds mit einem Jugendlichen drauf? Niemand. Nichts. Nur vor der TRATTORIA ITALIA von Nino am Hafen drängen sich Familien im

winterlichen Sonntagsstaat. Es hat zwar knapp über 20 Grad, als ich mit meinem Rucksack loslaufe, aber für Italiener ist Dezember nun mal Dezember, komme, was da mag. So wandere ich die steilen Gassen von Sciacca den Hügel hinauf in die menschenleere, reglose Altstadt oben. Alles leer, alles zu, wo sonst Leben ist. Erst oben vor dem Stadttor begegnet mir ein junger Mann, den ich fragen kann. „La Festa di Maria“, sagt er trocken und schaut nur kurz vom Smartphone auf, „Tutto rosso.“ Was ich frei übersetze mit „Alles steht auf Rot“: Kein Laden hat geöffnet, kein Bäcker. Und erst recht keine meiner Gelatterien. Und La Festa di Maria? Es ist das Fest Mariä Empfängnis –  nein, nicht das Fest, wo Maria den Jesus empfing, sondern deren Mutter Anna eben ihr Töchterchen Maria. Warum das zu ausgestorbenen Straßen in Totenstille führt? Ich weiß es nicht, nehme mir aber vor, es zu ergründen. Je mehr ich dies Italien zu kennen meine, umso rätselhafter ist es mir.

Wie so oft, wenn man im Ausland einfach in die Landschaft losspaziert, stellt einen das vor Probleme. Wer daheim gewohnt ist, dass man überall und überallhin laufen kann, kommt schnell an Grenzen. Nicht nur an eigene, sondern an die von allem, auch die des schier allwissenden GOOGLE. MAPS sagt, dass ich hinter der Porta di San Calogero einfach einen Feldweg nehmen könnte. Doch plötzlich stehe ich mutterseelenallein in matschigem Bauschutt vor einem Schild, auf dem mir die REGIONE DI SICILIA das Weitergehen untersagt. So kehre ich um, ich möchte mich am Festtag nicht mit einer ganzen Region rumstreiten, und laufe weiter durch reglose Vorstädte, deren einzige Regung ein Wehen des Vorhangs ist. Nicht mal ein Fernseher sendet wie sonst farbigen Krach in die Luft. Einfach. Alles. Still.

Dafür ist der Ausblick mit jedem Schritt erhabener, je höher ich komme. Und gewaltiger. Vor allem hinunter aufs Meer. Je höher ich komme, desto mehr regt sich das Leben. Ich sehe zwar immer noch keine Menschen, aber immerhin bellt vor jedem Haus, an dem ich vorbeikomme, ein Hund. Meistens

sind es drei. Sie morsen sich in irgendeinem Hundealphabet die ganze Häuserreihe links und rechts zu, dass hier gleich einer entlangkommen wird, für den es sich lohnt, die Stimme zu erheben. Zwei wilde Straßenköter haben Mitleid mit mir. Und begleiten mich ein Stück die still daliegenden Windungen hinauf, zu meinem Ziel, dem Gipfel des Monte Kronio, der auch Monte di San Calogero heißt und zu den Öfen des Heiligen Calogero.

Monte Kronio? Die Öfen des Heiligen Calogero? Von der Kathedrale auf dem Gipfel, die man nach zweieinhalb Stunden erreicht, hat man einen fantastischen Blick, allein das ist schon die einsame Wanderung wert zu dem Ort, an dem der heilige Calogero, der „gute Alte“, als Eremit, als byzantinischer Fremder unter Fremden lebte. Und bis zum gesegneten Alter von 95 Jahren Bekehrungsarbeit leistete. Er ist einer der meistverehrten Heiligen Siziliens, der hier lebte. Und mich 1.500 Jahre nach seinem Leben regelmäßig immer noch ins Schleudern bringt. Es wimmelt in Sciacca von Männern, die entweder Carmelo, Camillo oder Calogero heißen. Und meist bringe ich die Vornamen durcheinander.

Der Berg des heiligen Calogero hats zudem in sich: Steht man vor der Kathedrale und schaut von dort hinunter, dann

dampft und wabert es aus dem Inneren des Berges. Heißer Dampf quillt leise zischend aus unterirdischen Grotten auf dem fast 400 Meter hohen Gipfel ans Tageslicht, wo der Wind die Schwaden gleich mit sich fortträgt. Ich lese, dass dort, wo Calogero, der Eremit, einst lebte, eine Höhle tief hinein in den Berg führt. Es dauerte, bis sich nach einem Flickschuster im 17. Jahrhundert um 1955 herum erstmals wieder eine Expedition in die dampfende Grotte hineintraute. Sie drangen 40 Meter tief ein. Doch die Bedingungen dort unten waren ungut. 38° Temperatur und 100% Luftfeuchtigkeit sorgten dafür , dass niemand sich länger als 20-30 Minuten dort aufhalten kann – die Dauer eines ausgedehnten Saunaganges. Erst als sie Anfang der Sechziger mit schwerem Gerät in den Dampf vorrückten, entdeckten sie, dass dort drinnen im Dampf wohl schon lange vor ihnen Menschen unterwegs gewesen. Man fand griechische Pithoi. Große tönerne Vorratsbehälter dort drinnen, und wer weiß, ob es Furcht oder Gier oder Neugier waren, die Menschen samt waschmaschinengroßer Tonkrüge vor 2.000 Jahren in den feuchten Dampf getrieben hatten.
Es ist spät geworden, als ich gegen vier vom Monte Calogero zurück nach Sciacca aufbreche. Noch eine dreiviertel Stunde bleibt mir, bis die Sonne untergeht. Jetzt, wo sie tief steht, ist es tatsächlich Dezember – nun auch in Sizilien. Wo unter mir der Dampf aus dem Berg quillt, ist es frisch, und mir ist kalt. Mutig, wie ich nun einmal nicht bin, nehme ich einen Feldweg statt der Straße ins Tal, den mir GOOGLE MAPS vorschlägt. Ich stelle mich darauf ein, nach einer dreiviertel Stunde steilem Abstieg am Ende dieses Weges vor einer Steilwand oder einem Abladeplatz für Bauschutt zu stehen, die mich zur Umkehr in die Dunkelheit zwingen. Tatsächlich wird der Weg nach 20 Minuten schmaler und schmaler, bis er plötzlich in der hereinbrechenden Dämmerung zu einem ausgespülten Bachbett wird, durch das ich mehr klettere als laufe. Gedanken an „Wie steht man am besten eine Nacht ohne Ausrüstung bei 6 Grad Außentemperatur durch?“ wehen durch mein Gehirn. Aber nach wenigen Minuten wird ein Weg durch Olivenhaine daraus, ich habe die Stadt wieder vor mir, während von Nordwesten Wolken aufziehen und die Sonne noch einmal durch die Wolken bricht.

Und während ich entlang einer Ausfallstraße weiter Richtung Sciacca wandere und langsam Richtung Zentrum gleich in der ersten Gelatteria am Busbahnhof kleben bleibe, die mir in der sizilischen Kälte nun so unwiderstehliche Eissorten wie Baccio, Cioccolato nero, Kinderbueno oder Ferrero Rocher anbietet, während ich mich also meinem Eis zuwende, entdecke ich: Wie Italien am Festtag Mariä Empfängnis – Gottseidank – doch wieder in die Normalität zurückgefunden hat. Lange Autoschlagen wälzen, drücken, drängen sich im Schrittempo durch die schmalen Gassen der Innenstadt. Hilflos eingekeilt ein Wagen der Polizia, deren Insassen über meine Eissorten rätseln. Über den Leuchtsternen schallen Frank Sinatra-Weihnachtssongs in den Winterhimmel, als wäre dies New Yorks Fifth Avenue.
Das Leben ist zurückgekehrt. Nach Sciacca. Halleluja.

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Die San Blas Inseln müssen warten

Do., 07.Dez.17, Panama, Puerto Lindo, Tag 1286, 12.217 sm von HH

Zumindest noch für ein paar Tage.
Unerwartet haben wir einen Termin zum Kranen am Samstag angeboten gekommen. Den krallen wir uns. Es ist unangenehm dieses leidige Thema ‚Antifouling-streichen‘ vor sich her zu schieben.

Im Nachgang können wir uns freuen, dass es letzte Woche nicht geklappt hat, bei dem vielen Regen hätten wir sowieso nicht arbeiten können. Auf dem Trockenen zu stehen kostet über 20 USD/Tag. Das Geld haben wir prima gespart.

Seit gestern hat sich das Wetter beruhigt. Noch einen Tropen-Schauer am Nachmittag, die restliche Zeit ist es trocken. Mit der Sonne hebt sich nicht nur die Stimmung, nein, insgesamt läuft es besser: Eine neue Option unser Wunsch-Dinghy zu bezahlen, bietet sich gerade an.
In der Marina scheint uns jemand behilflich sein zu können.

Die Laune ist so gut, dass die positiven Dinge plötzlich auffallen:
Es gibt keine Mücken. Das ist kaum zu glauben. Gleich hinter Puerto Lindo liegt ‚Jurassic Park‘. Das Gebrüll und Heulen der Brüll-Affen schallt lauthals über die Bucht. Jeden Augenblick erwartet man einen Dino zu sehen. Papageien fliegen über den Ankerplatz. Im Dorf flattert ein urweltlicher Tukan an uns vorbei.
Aber es gibt keine Mücken. :-)

Mit dem Dinghy düsen wir in die Mangroven. Die Attraktion ist ein schmaler Kanal, der zwei Buchten miteinander verbindet. Das Blätterdach ist so dicht, dass ein Tunnel entstanden ist.
Wildromantisch. Das ist normalerweise ein Garant für Mücken-Attacken. Nichts, ohne einen einzigen Stich kommen wir von unserer Fahrt zurück.

Perfekte Spiegelung im Tunnel

Perfekte Spiegelung im Tunnel

Für Aufregung sorgt am Morgen ein Segelboot auf Drift. Eben lag die Yacht noch hinter uns, auf einmal ist sie ‚verschwunden‘. Die Eigner hatten wir grade an Land fahren sehen.
Mit unserem Nachbarn Roy eilt Achim dem entschwindenden Boot zur Hilfe. Ein weiteres Dinghy eilt heran.
Zu dritt versuchen die Männer, den slippenden Anker zu heben. Die elektrische Fernbedienung für die Winsch ist nicht zu finden. Muskelkraft ist gefragt.
Die Maschine kann nicht gestartet werden, da sich die Zündung unter Deck befindet und alle Luken geschlossen sind. Dass Boot driftet weiter. Die Felsen kommen näher.

Zum Glück ist gerade die Küstenwache mit einem starken Außenborder durch das Ankerfeld gefahren. Die werden angehalten und zum driftenden Boot gejagt. Für die Jungs und ihre vielen PS ist es ein Leichtes, die Yacht auf Abwegen wieder in das das Ankerfeld zurück zu schleppen.
Mit Schlauchbooten die Yacht zu ziehen, wäre sicher eine größere Aufgabe geworden und wir hätten noch ein paar Dingies zusammentrommeln müssen.

Achim, Roy und der unbekannte Helfer lassen den Anker wieder fallen, einfahren können ihn nicht, geben aber sechzig Meter Kette. Dass reicht bis die Besitzer am Abend wieder zurück kommen.

Rettung vor den Felsen mit Hilfe der Küstenwache

Rettung vor den Felsen mit Hilfe der Küstenwache

 

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Wenn einem das Wasser im Mund zusammenläuft

Gelb ist eine schöne Farbe

Rosige Zeiten sagt man wenn es mal gut läuft. Nach dem Bergfest auf der MARLIN geht es aber bergab. Das ist vollkommen normal. Erst auf den Berg rauf und dann eben wieder runter. Nathalie und ich sitzen auf dem Balkon. Es regnet, es ist kalt. „Die schreiben jetzt bestimmt keine Logbucheinträge mehr. Oder was meinst Du?“ „Wahrscheinlich nur, wenn ich mein ganzen unangenehmen Eignercharme einsetzte und bitterböse e-mails schreibe.“ „Lass das mal. Du brauchst Jan noch. Und mögen tust Du ihn doch auch. Oder?“ Ich nicke. „Sehr!“ Ich denke zurück an unseren letzten Familienurlaub in Spanien. Finka. Riesiges Haus zum günstigen Preis, bei dem man aus dem Küchenfenster die Zitronen vom Baum pflücken konnte. Richtig gute Zitronen. Hier in Flensburg muss man sich dagegen keine Gedanken machen zu verdursten. Es regnet tagein, tagaus. Man kann einfach einen Eimer auf die Straße stellen und der füllt sich von allein. Dementsprechend ist auch das Klima. Die Menschen laufen mit heruntergezogenen Mundwinkeln durch die Strassen. Kein grüßt. Keiner lacht. Man geht seinem Alltag nach. Seiner Arbeit. Seinem Trott. Ich auch. Wie langweilig.

Unser Flensburger Office wächst und gedeiht. Jetzt mit dabei ist jetzt Eike, der im Bereich Videoschnitt ein Praktika macht. Wie? Werbung Wnuk? Das wolltest Du doch gar nie wieder machen. „Stimmt“, antworte ich meiner inneren Stimme. „Recht hast Du. Wir machen ja auch nur Werbung für uns selbst. Für die MARLIN, für LUNATRONIC.“ Eike und ich, wir beschnuppern uns und irgendwie schauen wir mal wohin die Reise geht. Solange ich in Flensburg bin und von Zitronenbäumen träume, dessen Früchte ich durch das Fenster meiner Küche ernten kann, ist alles gut. Wie das klappt, wenn ich unterwegs bin und schwallartig e-mails von mir gebe, anstatt da zu sein, das bleibt abzuwarten. Ich fange mal ganz unten mit meinen Erwartungen an. Also am besten mit null. Dann kann nix schiefgehen.

Man muss eben dem Dauerregen auch seine positiven Seiten abringen: Man bekommt keine Knöllchen beim Falschparken, weil die kleinen und großen Ordnungsbeamten, dann auch lieber im Warmen sitzen. Irgendwann einmal wird es aufhören zu regnen. Dann gibt es wieder Knöllchen, was wieder nicht lustig ist. Ich muss zugeben, ich denke viel darüber nach, was genau ich hier eigentlich mache. Ich muss zugeben, ich freue mich auf die MARLIN zurückzukehren, ich freue mich auf die kommenden Gäste und die kommenden Ziele. Auch da wird es Probleme geben. Auch da wird es hin und wieder regnen. Zumindest aber wird meine Nase nicht die ganze Zeit laufen.

@Tasten: Micha @Photo: Micha

 


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Ein Dieb in der Nacht

Di., 05.Dez.17, Panama, Puerto Lindo, Tag 1284, 12.217 sm von HH

Lautlos und als Vampir verkleidet, verschafft sich der Schuft Zugang zum Salon.

Wir sitzen gemütlich und schauen einen Film, als plötzlich eine kleine Fledermaus um unsere Köpfe kreist. Rotzfrech als würden wir gar nicht existieren, wird alles ausgespäht. Eine kurze Runde nach draußen und Schwupps, ist sie durch den offenen Niedergang wieder drin.

Ungerührt werden wir umkreist, um dann zielgerichtet auf unseren Kochbananen zu landen. Die sind schon etwas überreif und strömen offenbar einen unwiderstehlichen Duft aus.
Die kleinen Beißer werden in die Schale gehauen und bereits nach drei, vier Landungen ist ein deutliches Loch in die Banane gehackt. Das Schmatzen ist deutlich zu hören.

Der Bauch ist schnell voll und ohne einen weiteren Gruß verschwindet die kleine Flatter-Maus in der Dunkelheit.
Ich sehe die Papaya im Netz am Heckträger für die kommende Nacht stark in Gefahr. ;-)

Bananen-Dieb
Kochbanaen mit Lochfraß - eine Leckerei für Fledermäuse

Aus Puerto Lindo wollen wir weg. Seit einer Woche nur Regen.
Zwischendurch ist es mal für ein, zwei Stunden trocken, wir atmen auf. Dann erscheinen am Horizont wieder schwarze Fronten.
Der einzige Vorteil, wir haben Süßwasser bis zum Überlaufen. German Engineering , unser Provisorium, arbeitet im Akkord und tadellos.

Puerto Lindo Ankerbucht mit Regenfront

Puerto Lindo Ankerbucht mit Regenfront

Die Ankerbucht ist proppenvoll, das Wasser weit entfernt davon klar zu sein. Plastik-Müll treibt vorbei.
Puerto Lindo ist nur von weitem malerisch. Der Ort ist ebenso schimmelig, wie Portobelo. Bei dem Wetter kein Wunder. Der Strand liegt Müll und Schutt, die Häuser sind baufällig und heruntergekommen.
Das Beste an Puerto Lindo sind die Einwohner. Liebenswürdig und freundlich wird uns der Weg zum einzigen Laden gezeigt.

Von weitem ist Puerto Lindo total schön

Von weitem ist Puerto Lindo total schön

Puerto Lindo aus der Nähe
in der ersten Reihe
in Reihe zwei
am Strand und Dinghy Dock

Es ist ein winziger Kiosk, der Konserven, Toastbrot und ein paar gammelige Zwiebeln verkauft.
Zum Glück erwischen wir den mobilen Gemüse-Truck, der unregelmäßig die Dörfer an der Küste mit frischem Gemüse versorgt. Prall beladen mit einer wohltuenden Auswahl an Grünzeug und Obst.

Gemüse-Truck

Unser nächstes Ziel heißt ‚Holandes Cays‘, ein Atoll der San Blas Inseln.
Die Entfernung ist für einen Tagestrip zu weit, also werden wir kurz vor Einbruch der Dunkelheit starten und hoffen im Laufe des Vormittages dort einzutreffen.

Die ‚Holandes‘ sind fernab der Zivilisation und Internet-freie Zone.
Das Wasser sei kristallklar und gebratene Langusten flögen einem in den Mund.
Ein Paradies, sagt man.

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Wenn die Sonne im Osten aufgeht

geht der Vollmond in Westen unter

Es ist zwei Uhr in der Nacht, Bernard sitzt im Cockpit und ließt das letzte holländische Buch auf seinem Ipad. Was er danach mit der ganzen freien Zeit anfangen soll, weiß er noch nicht so recht. Vielleicht schlafen. Oder dann doch mal was Deutsches lesen.

Die Marlin gleitet währenddessen mit acht Knoten der Karibik entgegen, der Schlag nach Süden hat sich gelohnt, 20 bis 25kn Wind schieben die Marlin im zweiten Reff nach vorn. Mit etwas Glück bleibt das Segelbergen in St. Lucia das letzte Manöver. Nach zwei Wochen auf See tut es gut das Gefühl zu haben zügig voran zu kommen. Ich schlafe bei der Geschwindigkeit zwar nicht mehr so entspannt, da ich von selbst schon alle zwei Stunden aufwache um zu schauen ob denn doch alles ok ist, die Sehnsucht nach acht Stunden Schlaf am Stück ist aber zu groß. Der restlichen Crew geht es nicht ganz anders, auch wenn man das Pfeifen des Windes nicht direkt hört, vermittelt das Rauschen des Wassers am Rumpf doch das Gefühl von hoher Geschwindigkeit.

Tagsüber zeige ich der Crew die Spiele, die wir Früher immer bei den Pfadfindern gespielt haben um uns die Zeit beim Wandern zu vertreiben. Funktioniert natürlich auch beim Segeln, wenn die meisten Gespräche dann mal gesprochen wurden und der Plan fürs Abendessen schon steht.

Die Vorfreude steigt auf karibischen Sand und kalte Cocktails, bis dahin Begnügen wir uns hier noch mit unsern letzten 5 Tomaten, Kohl, Kartoffeln und Fisch auf den letzten 1000 Meilen. Muss reichen, wird es auch.

 

@Tasten: Marie @Photo: Jan

 


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Ein neues Schlauchboot soll her

Mo., 04.Dez.17, Panama, Puerto Lindo, Tag 1283, 12.217 sm von HH

Hast Du schon mal versucht in Panama ein neues Dinghy zu kaufen? :mrgreen:
Das stinkt verdammt nach einer großen Herausforderung.

Wir haben Internet, wir haben den Bauhaus (der wichtigste Revierführer für Panama) und wir haben ‚Panama Cruising Guide‘, eine kostenlose Sammlung aller wichtigen Adressen in Panama.
Damit sind Händler, die Schlauchboote verkaufen, schnell gefunden.

Ein paar Stunden und eMails später kommen zwei Händler in Frage: Marine Warehouse, ein Importeur, der Schlauchboote aus den USA liefern lässt. Wenn wir bis zum 16.Dezember unsere Bestellung übermitteln, dann käme unser Dinghy mit dem nächsten Schiff und wir können es Anfang Januar in die Arme nehmen.

Und es gibt Rodrigo. Rodrigo hat das Dinghy, was uns am besten gefällt. Und Rodrigo liefert sogar von Colon nach Puerto Lindo. Aber Rodrigo will cash. 2.700 USD! Soviel Bargeld haben wir nicht.

Der nächste Geldautomat ist zwei Stunden Busfahrt entfernt. In Portobelo gab es mal einen, der wurde geklaut. :lol: Pro Tag bekommen wir am Automaten 500 USD pro Kreditkarte – wir haben Karten zwei verschiedener Institute – also 1000 Dollar täglich.
Blöd, das würde ja zwei Übernachtungen bedeuten oder endlose Gondelei mit dem (unzuverlässigen) Bus.

In Colon soll es die Möglichkeit geben in einer bestimmten Bank eine ‚Sonderauszahlung‘ zu vereinbaren. Ob das stimmt, ist nicht gesichert.
Auf blauen Dunst nach Colon zu fahren, um dann doch nur 1000 Dollar in der Hand zu halten, lässt uns diesen Versuch verwerfen.

Da hat Rodrigo eine Idee: „Wir fragen Käpt’n Jack. Der hat einen Kreditkarten-Leser und sitzt in Portobelo.“
Jack ist mit dem Plan einverstanden, möchte aber für seine Dienste 200 USD haben. :lol: :lol:
Während Achim und ich noch darüber lachen und diskutieren, kommt schon die nächste What’s App rein: Der Automat von Jack ist kaputt. Der Deal ist gestorben.

Wir möchten aber eigentlich schon gerne das Dinghy von Rodrigo.
Wir fragen ihn, ob er es uns so lange reserviert, bis wir von den San Blas Inseln zurück sind und sowieso nach Colon kommen. Dann können wir ‚bequem‘ zum Automaten, USD sammeln und Rodrigo bar bezahlen.

Er ist einverstanden. Und wir riskieren es.
Jetzt heißt es Daumen drücken, ob in Panama solche Verspechen einen Wert haben.
Falls nicht, bleibt uns nur auf das übernächste Schiff aus den USA zu warten, wahrscheinlich bis Anfang Februar.

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