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Ab in die Karibik

Oder auch: Die kleine Welt der Segler

Gestern Abend waren wir auf einem Vortrag hier am Niederrhein. Davon erfahren hatten wir vor ein paar Wochen zufällig bei Facebook. Da stand im Titelbild zur Veranstaltung: „UNTIE THE LINES – Mein Traum vom Leben mit dem Meer“
Viel zu überlegen gab es da nicht. Wenn Nike hier bei uns um die Ecke einen Vortrag hält, gehen wir natürlich hin!
Die meisten von euch werden Nike Steiger und ihr Segelboot KARL wahrscheinlich kennen. Falls nicht, dann schaut mal hier vorbei: White Spot Pirates

Sabrina und ich haben Nikes Abenteuer von Anfang an verfolgt. Ich kann mich zwar nicht mehr genau daran erinnern, wie wir auf sie aufmerksam wurden, aber ich weiß noch genau, dass da nur dieses eine, allererste Video auf ihrem Youtube Kanal war. Ein Trailer, in dem sie erzählt hat, dass sie ein Boot in Panama gekauft hat und nun eine Doku-Serie über ihre zukünftige Reise machen will. Mich hat damals zum einen natürlich die Idee fasziniert und ich war zum anderen vom Filmstil begeistert, weil er sich deutlich von dem abhebt, was man sonst so bei Youtube findet.
In diesem ersten Video sagt Nike: „Es gibt keinen festen Plan. Diese Reise kann 3 Monate oder 3 Jahre dauern.“
5 Jahre, 182 Videos und einen Dokumentarfilm später ist Nike immer noch unterwegs! Was in dieser Zeit alles passiert ist, lässt sich mit ein paar wenigen Sätzen kaum beschreiben. Achterbahnfahrt trifft es vielleicht am ehesten. Reparaturen, Einhandsegeln, das abwechslungsreiche Leben an Bord, schweres Wetter, Traumbuchten, Seemeilen und eine Lernkurve nach oben wie man sie selten sieht. Bei all dem was Nike erlebt hat, hätten die meisten Menschen längst das Handtuch geworfen. Nike lebt ihren Traum und sie kämpft dafür. Und sie lässt uns alle ein Stück weit daran teilhaben.

Gestern Abend hat Nike uns mit einem wunderbaren Vortrag am Lohheider See an ihren Abenteuern teilhaben lassen. Ein bisschen Karibikfeeling im Winter. Ehrlich, sympathisch, sehr unterhaltsam.

Und dann gab es noch ein paar Zufälle, die schon fast zu viel des Guten sind. Gefühlt die Hälfte aller Besucher kannten sich. Und wenn man sich nicht direkt kannte, dann über Ecken.
Es begann bereits, bevor wie im Saal waren. Da kam uns Edgar entgegen, den wir auf der Boot Düsseldorf kennengelernt haben. Marcel und sein Cousin Thomas waren auch da. Marcel hatte vor etwa 3 Jahren einen Vortrag von Guido Dwersteg organisiert. Er und Thomas waren es auch, die mich während der letzten Meilen mit Eos mit ihren eigenen Booten auf dem Rhein begleitet haben.
Dann war da noch ein Thomas, den wir ebenfalls kannten und einige weitere nette Menschen, die alle irgendwie vernetzt waren.
Daniel zum Beispiel, mit dem ich mich länger unterhalten hatte. Erst kurz vor der Verabschiedung habe ich bemerkt, dass wir bereits länger virtuell vernetzt sind.
Eine weitere ungewöhnliche Begegnung kam mit etwas Verspätung an. Erinnert ihr euch an den Song „Der Wind“ aus unserem ersten Film? Diesen Song hat Selassikai damals dazugesteuert. Selassikai kennen wir bereits einige Jahre. Ich habe das Video zu seinem Lied gemacht, er hat mir eine besondere Version eines seiner Lieder mit auf die Reise gegeben. Persönlich getroffen haben wir uns allerdings bisher noch nie. Das er ebenfalls die Abenteuer von Nike verfolgt, wusste ich nicht. Umso größer war die Freude, als wir dann gestern Abend zusammen dem Vortrag gelauscht haben.

Die Welt der Segler ist also wirklich erstaunlich klein. Oder war es nur Zufall? Ich weiß es nicht. Dieser Abend mit Nike war jedenfalls ein wirklich sehr schöner.

Im Land der tausend Möglichkeiten

Inside Cuba. Inside me.

Stefanie reist morgen früh ab. Ihr Flug nach Havanna ist bestätigt. Mit im Gepäck hat sie dutzende kleine Gefühlserfahrungen, die eben auch mit Segeln zu tun haben. Aus leben und leben lassen, wird segeln und segeln lassen. Die MARLIN ist groß und komplex, Mitsegler sind Menschen und Menschen sind unberechenbar. Segel-Philosophische Ansätze sind ja immer sehr subjektiv. Stefanie wollte es wissen, ob sie sich mit der Aufgabe Skipper anfreunden kann. Die Antwort wird sie sich wohl selbst nach ein paar Tagen der Besinnung geben. Jan und ich wissen wie komplex dieser Job ist in all seinen Nuancen. Also sind wir weiterhin auf der Suche nach dem dritten Skipper im MARLIN Team.

Auf der MARLIN heißt es Energiemanagment. Ist dies negativ, reicht Wind und Sonne nicht aus um unseren Energiebedarf zu decken, zum Beispiel um Wasser zum Trinken und zum Leben zu erzeugen, dann muss Erika ran und den notwendigen Strom erzeugen. Das Erika launisch ist und doch schon ein recht hohes Alter, verglichen mit der Fahrleistung eines Autos um die 200.000km, erreicht hat, ist weitestgehend bekannt in meinem Lebensblog. Im Moment ist sie lieb und zuverlässig, der nächste Stop aber rückt mit jeder Stunde Lifetime näher ran. Deshalb werde ich wohl morgen mal eine Inspektion machen. Gleiches folgt an mir selbst. Zielerreichung prüfen und Kurskorrektur. Auf direktem Wege kann auch ich mein Ziel auch nicht erreichen. Ein zwei Schläge sind in den nächsten Monaten notwendig und die Position der Schläge hängt wie meist auf dem Kutter: Vom Wind ab.

 

Raymarine

Mi., 21.02.2018, Panama/Shelter Bay, Tag 1362, 12.404 sm von HH

Willkommen in der schönen digitalen Welt. In der Welt von Raymarine.
Der Radar kommuniziert per WiFi mit dem Plotter und der Autopilot spricht mit dem Windmesser.
Alle Geräte kennen sich, jeder weiß vom anderen. Daten werden von einem Gerät zum anderen übermittelt. Durch die ‚Raynet-Kabel‘ werden alle Komponenten zu einem Netzwerk verbunden.
Das ist neu für uns. Unsere alten Geräte kannten sich nicht, jedes Teil war ’stand alone‘, außer das Radar und der Plotter.

Wir haben uns komplett für Raymarine entschieden.
Unser alter Plotter und das Radar war vorher schon Raymarine. Die Navigation war ‚B&G‘ und beim Autopiloten hatten wir ‚Simrad‘ – sozusagen die Mercedes S-Klasse im maritimen Bereich.
Raymarine ist so eine Art ‚VAG‘. Wie ein Passat, solide und weit verbreitet. Aber nicht so sexy. Trotzdem sind die meisten Nutzer von Raymarine zufrieden, außer denen, die eine Montags-Installation erwischt haben.

Wir sind nach dem Prinzip ’neu für alt‘ versichert, hätten somit die, teureren ‚Simrad‘-Geräte (heute gehören ‚B&G‘ und ‚Simrad‘ zusammen), wählen können.
Die unkomplizierte Vernetzung durch das ‚Raynet-Kabel‘ hat uns jedoch überzeugt. Natürlich kann man auch ‚Simrad‘ in ein Raymarine-Netz einspeisen, aber es bedarf sicher einiger Überredungskünste bis die miteinander sprechen.

Unsere alte ‚B&G‘ Navigation lief treu seit 29 Jahren auf Atanga. Unkaputtbar solche Teile. Noch mit analogen Anzeigen. Retro und etwas altodisch, aber zuverlässig. Ob die ‚B&G‘ Qualität heute noch die gleiche wäre, darf angezweifelt werden. Neue Miele-Waschmaschinen halten auch keine zwanzig Jahre mehr.
Außerdem verfügt Raymarine über ein weit verbreitetes Netz an Vertretungen.

Ohne Internet-Update wollen die Komponenten sich nicht erkennen. Das macht Achim morgens um 5:00 Uhr, wenn das Internet noch unbelastet ist. Tagsüber, wenn der halbe Hafen im Netz hängt, kann man das vergessen. Die Kartons sind abgearbeitet – alles klappt vom Feinsten.
Kein Gerät muss lange überzeugt werden, beim großen Netzwerk-Spiel mitzumachen.

In Kleinigkeiten enttäuscht Raymarine dann leider doch.
Die mitgelieferten Schrauben sind von so mieser Qualität, dass sie nach einmaliger Nutzung rund gedreht sind. Die Rahmen um die Anzeige-Einheiten, die diese Schrauben verdecken, sind billigster Plastik-Schrott.
Am meisten entsetzen Achim die Kabel für den Mast. Die Ummantelung ist so weich und unwertig, dass beim leichten Ziehen über die Kante die Ummantelung beschädigt wird.
Liebe Raymarine-Leute: das ist echt am falschen Platz gespart und schmälert den guten Eindruck ganz erheblich. Dann seid ihr maximal noch Dacia-Klasse.

Das alte B&G Gerät dient nur noch als Platzhalter, weil wir das Loch nicht brauchen

Das alte B&G Gerät dient nur noch als Platzhalter, weil wir das Loch nicht brauchen

Landed on Planet Cuba

Herzlichst, liebenswert und einmalig

Die restliche Überfahrt war gerefft. Ordentlich Wind. Die Gewohnheit am fünften Segeltag, hat die sportlichen Ambitionen meiner Mitsegler deutlich gesenkt. Lebensqualität beim Segeln steht eindeutig im Vordergrund. Jep. So ist das auf der MARLIN. Da geht es oft darum eher komfortabel ans Ziel zu kommen. Schnell sind wir eh, brauchen also eben nicht so auf die Tube drücken.

Am Morgen rutschen wir von 4.000 Meter Tiefe unter uns über die Kante auf das kubanische Festland. Die Tonne Mal Tiempo lassen wir falsch und bewußt steuerbord liegen, das Groß ist schnell geborgen und vor der Marina Cayo Largo müssen wir gut 20 Minuten warten bis Platz für uns ist zum Einklarierten am Steg. Da sind sie wieder alle zusammen. Piri, der Marinamanager begrüßt mich mit Tränen in den Augen. Es wird familiär. Es wird geküßt, umarmt, geschluchzt und gelacht. Was für ein Wiedersehen! „Wo ist Deine Frau? Wo sind die Kinder? Ach gut, die kommen im April. Gut. Dann ist ja alles gut.“ Meine Crew staunt nicht schlecht über die Begrüßung. Ich hatte nichts anderes erwartet. Die Formalitäten werden zur Nebensache. Die Formulare für die Capitania habe ich schon vorbereitet und ausgedruckt, die Ärztin misst bei allen 36,5 Grad und der Drogenhund legt sich in Jan’s Koje und wie gewohnt kommt Mizael von der Sitte wie ich immer sage. Er ist zuständig f ür die Kontrolle der importierten Lebensmittel. Die sind aber zwischenzeitig ausgezogen und Mizael kann sich somit mit mir um die wirklich wichtigen Dinge im Leben kümmern. Er verhilft mir selbstlos zu einer cubanischen SIM Karte, für Touristen ansonsten unmöglich, er hat Quellen für Gemüse und Obst und auch Getränke der besonderen Art sind kein Problem für ihn. Alles was Spass macht und wichtig ist für die nächste CREW 41 – Tauschware für den Besuch der Inseln. Alles im Lot. Nur eine fehlt: Damilka, meine pralle Hafenpolizistin ist befördert worden und kommt nicht mehr nach Cayo Largo. Na dann muss ich eben mit Nathalie und den Kids zur Isla Juventud segeln um Damilka zu besuchen.

Piri, wohl einer wichtigsten Männer auf der Insel, hilft uns mit allem was wir brauchen. Es hat sich nicht viel verändert, aber wichtiges. So wie in Cienfuegos kostet es jetzt jeden Tag 18 € nur um unseren Anker in den Sand vor Cayo Largo zu werfen. Das war früher nicht so. Leistung keine. Abkassieren: Ja. Nicht grade sozialistisch. Ich kontiere das als Entwicklungshilfe. Alles gut. Gute Fee an Piri’s Seite ist Olga. Olga steht für mich für die typische Cubanerin. Ein bisschen aufgetakelt kümmert sie sich um die Durchführungen der Regel die Master Piri festlegt und das die Kasse stimmt. Ich mag Olga. So wie ich eigentlich fast alle Cubaner in mein Herz geschlossen habe. Das ich sie dazu fotografieren darf, ist schon eine Große Ehre. Ob ich sie in meinem Blog veröffentlich darf? Nun: Ich habe gefragt, sie hat mich nicht ganz verstanden. Wir haben uns gegenseitig angelächelt und nun: Ist doch ne Nette. Kann man der Weltgeschichte doch nicht verheimlichen. Oder? Danke Olga.

Und so nimmt das cubanische Leben seinen Lauf. Der Wind ist stetig aus Osten und für die nächsten Tage ist nicht daran zu denken nach Cienfuegos zu segeln. Stefanie und Dietmar werden mit meiner und Piris Hilfe einen Flug nach Havanna bekommen und sind gedanklich schon auf dem Heimweg. Florian wird noch mit bei mir sein und den Kutter nach Cienfuegos bringen. Gut für ihn. So kommt er in den Genuss des Leuchttturms und noch viel mehr. Meine neue CREW 41 wird mich ganz alleine für sich haben. Zwischenzeitlich habe ich eine Woche Urlaub. Auch nicht schlecht. Mensch . Hab ich ein geiles Leben.

 

Nachtgedanken

Nachtgedanken

Das mit dem Geld

Die Bedingungen sind moderat geworden. „Reisen statt Rasen“ setzt sich ohne Diskussion als Tagesmotto durch. Der Weg führt uns mitten zwischen Cayman Brac und Little Cayman hindurch mit der Hoffnung auf Fisch. Dietmar weise ich in den Gebrauch der Angel ein. Es ist frustrierend. Wir angeln nur Gemüse. Seit Tagen Teppiche mit dunkelgelben Algen. Das Meer ist verseucht davon. Das Nachziehen der Angelleine entwickelt sich zum Desaster. Mit Fischen hat das nichts mehr zu tun. Irgendwann gibt selbst Dietmar entnervt auf.

Wie schon vor drei Jahren, ruft „Cayman Traffic Control“. Diesmal uns nicht, denn unser AIS sendet im Moment nicht. Eine Kabel oder Stecker ist wohl nicht in Ordnung. Aufgabe für die Tage mal. Ist mir auch ganz Recht. Cayman Brac Traffic Control ist ein vereinsamter CB Funker, der sich selbst zum Traffic Controller auf CH 16 ernannt hat. Auf der Insel ist so wenig los und irgendwann hat ihm jemand ein AIS geschenkt, dass er mindestens zweimal am Tag alle Schiffe im Umkreis anfunkt. Verdammt, ich habe seinen Namen vergessen. Nathalie und ich haben ihn 2015 an Land kennengelernt. Auf jeden Fall antwortet ihm keiner. Wir auch nicht. Selbst SIP Stefanie kann ich nicht motivieren doch mal ein kurzes Pläuschen abzuhalten.

Nun liegt Cayo Largo an der Südseite von Cuba an. Der Wind wird langsam weniger und dreht nördlicher. Wir werden ebenfalls langsamer. Trotzdem wird es unsere letzte Nacht auf See sein. Morgen werden wir ankommen. Cayo Largo ist entspannter zum Einklarieren und entspannter um mit Cuba zu beginnen. Ich habe nicht ganz so viel fotografiert in den letzten Tagen. Vielleicht, weil ich hauptsächlich ohne Schäden ankommen will. Wir haben auch keinen zusätzlichen Stop gemacht. Vielleicht weil ich mir die Zeit sparen will und eher ankommen will und noch ein paar Tage Ruhe haben will, bevor neue zahlende Crew an Bord kommt. Vielleicht habe ich auch nicht ganz so viel erklärt und erzählt wie sonst, weil es sich eben um einen „Hand gegen Koje“ Törn handelt. Quasi ein unbezahlter Überführungstörn. Ich glaube es ist im Endeffekt besser für die Crew, wenn sie ihr Kojencharterplatz im üblichen Rahmen bezahlen. Der Skipper wird auf jeden Fall sehr viel motivierter sein, sei nen Gästen die Zeit an Bord so schön und perfekt wie möglich zu gestalten. So ist das mit der Win Situation. Sollte immer WinWin sein.

Soll jetzt nicht heißen, dass wir keine gute Zeit miteinander gehabt haben. Ist und war toll. Im Gegenzug haben Stefanie, Dietmar und Florian auch überdurchschnittlich Arbeiten am Schiff erledigt, die der zahlende Mitsegler nicht tun wird und soll. Es ist einfach nur ein kleiner bitterer Geschmack, der das Gesamtbild geringfügig trübt.

Zwischenzeitlich haben Flo und ich den Kutter für die Nacht auf Am Wind Kurs getrimmt. Es soll Leichtwind geben und wir benötigen unseren eigenen Fahrtwind um trotzdem auf Speed zu kommen. Die Richtung passt. Das kann die MARLIN hervorragend. Ist auch mein Lieblingskurs. Das sind die Nächte, wo ich die Wache mit den Worten übergebe: „Am besten ihr rührt nichts an. In drei Stunden weckt ihr mich bitte! Schaut bitte nach anderen Schiffen. Kaffee wäre toll.“

Maloche im Mast

So., 18.02.2018, Panama/Shelter Bay, Tag 1359, 12.404 sm von HH

Seit zwei Tagen geht es nur: hoch – runter, hoch – runter.
Als erstes schafft Achim das Radar nach oben. Er hat Glück und alten Schraubenlöcher in der Halterung passen mit dem neuen Radar genau überein. Leider sind die neuen Schrauben zu lang. Hoch -runter.

Der Radar-Dom hängt ungefähr in acht Meter Höhe. Wir haben eine Abmachung für den Mast. Bis zur ersten Saling darf Achim ohne Sicherung klettern.
Eigentlich auch Quatsch. Ein Sturz aus sechs Metern dürfte einen unschönen Fleck auf dem Deck hinterlassen. Aber ich will ja nicht den Kindergarten-Cop spielen.
Alles über diese sechs Meter hinaus, soll er gesichert klettern.

Auch eine doofe Abmachung. Erfordert dies doch meine Anwesenheit. An seinem Klettergeschirr befestigt Achim ein Fall und ich sichere das Fall von unten.
Wenn er wieder runter will, klopft er gegen den Mast, damit ich die Sicherung löse.
Wenn er etwas will, klopft er auch. Eigentlich klopft er nur: „Ich brauch einen 6er Maulschlüssel. Mir fehlt ein Tüttelband.“ Den benötigten Kram lege ich in einen Eimer, den ich an einem zweiten Fall nach oben ziehe. Hoch – runter.

Neben dem Radar muss die neue Antenne nach oben und der neue Windmesser. Das Zeug wird am Mast-Top montiert. Hierfür sind neue Halterungen erforderlich. Rostige Verbindungen lösen und neue Löcher bohren – in 16 Meter Höhe. Dass ein Wind von 20 Knoten plus über den Hafen fegt, macht es nicht besser. Ich bin froh nur der Laufbursche am Boden zu sein.

Die letzten beiden Maststufen sind auf gleicher Höhe angenietet, damit man dort oben „stehen“ und arbeiten kann. Leider sind diese Stufen zu niedrig montiert.
Achim kann sich nicht von oben über die Mast-Spitze beugen, sondern muss alles über Kopf erledigen. Eine sowieso schon hässliche Arbeit wird unnötig erschwert (also merke: wer Maststufen an seinen Mast montiert, darauf achten, dass die letzten Stufen hoch genug angebracht werden).

Eine Bohrmaschine plus Verlängerungskabel muss nach oben. Pullt Männer!
„Achte drauf, was du machst,“ schallt es von oben. „Das Kabel vertörnt sich im Fall.“
Wir bebrüllen den gesamten Hafen. Der Wind reißt sofort Wortfetzen ab.

Ich weiß nicht, wie oft Achim die letzten Tage geklettert ist. In jedem Fall über die Muskelkatergrenze hinaus
Altes Antennenkabel raus, neues Stromkabel rein: hoch-runter. Ein Werkzeug vergessen, was der Assi nicht findet (nicht finden kann ;-) : hoch runter. Eine Schraube will sich nicht lösen: hoch-runter.
Man soll ja kein Mitleid mit seinem Chef haben, aber arme Sau, ich möchte nicht mit ihm tauschen.

"Ich brauch noch mal eben..."

„Ich brauch noch mal eben…“

Flaggen und so

So langsam gehen die Vorbereitungen für die nächste Reise mit Nomade in die Endphase. Immer wieder eine spannende Zeit, wenn der Countdown so langsam runter tickert. Was vor einigen Monaten noch sehr weit weg erschien, wird jetzt so langsam greifbar. Der Flug ist längst gebucht, die meisten Listen abgearbeitet und wir bekommen schon wieder Bauchgrummeln, beim Gedanken an den Abschied. Auch wenn es jetzt das dritte mal ist, Routine wird das für uns wohl nie werden.

Am 7. April werde ich One-Way nach Istanbul fliegen, dann ein bis zwei Wochen am Schiff arbeiten und schließlich Einhand in Richtung Bosporus segeln. Das ist der Plan fürs Erste. Für die Zeit im Schwarzen Meer und danach sind bereits ein paar Gastlandflaggen an Bord. Ein paar fehlten noch und die sind heute schon mal in den Koffer gewandert. Alle Flaggen werde ich vermutlich nicht brauchen, aber man weiß ja nie…

Kurzes Update zum Film:
Ich komme gut voran und denke weiterhin, dass es mit einem Release Mitte März klappen müsste.

Und noch ein Update zur Crowdfunding-Kampagne:
Wir haben nach nun einer Woche 22% des Fundingziels erreicht und sind natürlich gespannt wie es am Ende ausgeht.

Jamaika Leewards. Flo mit Fisch

Jamaika Leewards. Flo mit Fisch

Na denn mal guten Appetit

Flo lacht gerne. Flo ist auch gern auf der MARLIN. Flo kann was. Flo macht. Flo teilt auch gerne mal aus. Flo kann aber auch gut einstecken. Gebe ich ihm eine Aufgabe erledigt er die schnell und präzise. Viele Kleinigkeiten auf der MARLIN sind liegengeblieben, viele Kleinigkeiten wurden erledigt. So ist das. Großes Schiff, viele Baustellen. Gott sei Dank keine großen. Flo und Dietmar bringen diese blöden Bodenheber in Ordnung. Zwei Klemmen, voll mit Dreck eine soll Jan abgebrochen haben. Grins. War der nie. Sagt er aber gerne, weil er seine Schäfchen gerne beschützt. „Da bekommen wir die Schrauben nicht raus. Abgebrochen. Geht nicht.“ Ich zeige Dietmar eine, wie die rausgeht, da kommt Ehrgeiz auf. Ich staune nicht schlecht wie Flo die Dinger mit Essig und Scheuerläppchen aufpoliert hat. Nach zwei Stunden sehen die aus wie neu. Gut gemacht. Flo isst gerne Fisch. Rohen Fisch wie man sieht. Spass. Vielleicht ist er deshalb so überpowert? Er kann echt nicht stillsi tzen ohne eine neue Aufgabe. Ich hab ihm direkt angeboten beim Sommer-Refit der MARLIN an der Algarve mitzumachen. Solche MACHER kann ich gebrauchen. Lorenz und Jan sind auch schon dabei. Dann geht es zu den Kapverdischen Inseln. Da freut sich die MARLIN. Da freu ich mich.

Derweilen sind wir in der Abschattung von Jamaika, müssen dreißig Meilen motoren. Dann kommen wir ums West End. „Bumm“ macht es dann. Dann rollt die Fock aus und es wird wieder schräg. 288 Meilen und wir sind an der Tonne „Mal Tiempo“, der Einfahrt nach Cayo Largo. Challenge. Ich schau mal nach was der Freezer so hergibt. Das dürfen wir alles nicht importieren. Hmm. So viel können wir gar nicht essen. Gut das ich die Jungs von der Gesundheit gut kenne ;-) Da finden wir bestimmt eine Lösung

Folge 5 – Meine Bordapotheke für 6 Monate auf der Ostsee


 
Gerade bin ich dabei mir eine Bordapotheke zusammenzustellen und ich denke, das Thema könnte doch für den einen oder anderen auch interessant sein. Hier also meine Überlegungen dazu:

Der Ansatz: „Was könnte alles passieren?“ würde mich zu weit führen. Es ist einfach nicht sinnvoll sich gegen alle Eventualitäten ausrüsten zu wollen. Es gibt ja im Bereich der Ostsee auch keine Spots, an denen ich tagelang ohne Hilfe ausharren müsste. 
Ein paar Stunden können es hingegen aber schon mal werden. Dazu kommt noch, dass ich überwiegend alleine unterwegs sein werde.
Ich fange also mal ganz anders an, and die Sache heranzugehen. Was wird also sehr wahrscheinlich passieren?
Zunächst die
Individuellen oder rezeptpflichtigen Mittel
bei mir
Migränemittel
und
Kontaktlinsenlösung
Kopfschmerzen
Kommt eben immer mal vor. Dagegen helfen
Aspirin
Paracetamol
Aspirin ist dann auch noch bei einem leichten Herzinfarkt wirksam und könnte in der Tat den Zeitraum bis zum Eintreffen der Rettungskräfte verlängern. Das gehört aber in die Abteilung hoffentlich unwahrscheinlich.
Erkältung oder grippaler Infekt
Irgendwann fängt man sich immer etwas ein. Wobei ich 2014 auch komplett ohne Erkältung unterwegs war, was an der Einsamkeit der Schären gelegen haben mag. Gegen die Symptome helfen
Nasenspray
ACC Schleimlöser
Halsschmerztabletten
Und ein Mittel aus der Türkei namens
Tülolhot (entspricht unserem Wick Medinait)
Zum Gesundschlafen
Aspirin und Paracetamol habe ich ja eh schon auf der Liste um Fieber zu senken
Kleine Schnitt-, Scheuer- und Quetschverletzungen
Irgendetwas passiert ja immer. Eine Schot rauscht durch die Hand. Man klemmt sich an der Winsch. Schneidet sich beim Kochen. Das Wichtigste ist dabei eigentlich nur das sich die Wunde nicht infiziert. Mein Geheimmittel dafür
Hansaplast Sprühpflaster
Betaisodona Jodsalbe
Je nach Wunde lasse ich sie zu Ende bluten, gebe etwas Jod drauf oder bade in einem warmen Bad mit etwas Jod und versiegele mit Sprühpflaster. Das desinfiziert gleichzeitig und schützt die Wunde. Bei kleinen Wunden reicht das Sprühpflaster daher oft schon. Dann kommt ein schützendes
Pflaster in verschiedene Größen oder
Verbandmaterial in verschiedenen Größen drauf. Das reicht eigentlich fast immer.
Größere Schnitt- und Quetschverletzungen
Im Prinzip wie oben nur das man zur Blutstillung eventuell
Wundauflagen
Mullbinden
Dreiecktücher
für einen Druckverband benötigt.
Sinnvoll wäre dann eventuell auch ein Klammergerät oder Nadel und Faden. Da ich das bei mir selbst aber schon sehr schwierig fände, nehme ich
Sekundenkleber
Damit bekommt man auch größere Wunden erst einmal geschlossen und zu einem Arzt muss ich dann sowieso.
Brandverletzungen
Spirituskocher, Campingkocher, Bordgrill. Irgendwann passiert auch hier etwas. Üblicherweise in Form einer Brandblase. Die ich relativ schnell öffne und dann damit verfahre wie bei kleinen Wunden.
Hilfreich ist hier bei größeren Stellen dann auch eine
Wund- und Heilsalbe von Bepanthen
Durchfall oder Erbrechen
Kochen an Bord. Keine optimale Kühlung. Wasser vom Steg. Die Klassiker
Immodium
Kohletabletten
Elotrans
(Zum Ersatz von Elektrolyten und hilft auch gegen Unterzuckerung)
sind dabei
Bindehautreizung, Gerstenkorn
Stundenlanger Zug um die Augen auf dem Wasser. Da kann auch das schnell passieren. Dagegen helfen saubere Hände und
Posiformin
Steifer Nacken
Gleiches Thema. Zug und einseitiger Blick nach vorne können diesen auslösen
ABC-Salbe
kann etwas Linderung verschaffen

Aufgesprungene Lippen
Sonne und Wind lassen schnell die Lippen aufspringen. Das Thema Sonnenschutz gehört hier nicht her. Es sollte selbstverständlich sein, sich gut einzucremen. Ich nehme dazu IMMER LSF 50 auf dem Wasser und die Lippen und Nase gesondert mit einem Stift zu schützen. Gegen rissige Lippen oder trocken Stellen im Gesicht vor allem an den Lidern hilft
Pflegestift wie Labello mit UV Schutz
Offene Stellen im Mund
Zu heiß gegessen, auf die Wange gebissen. Eher selten, aber wenn dann nervig. Zuverlässig hilft
Kamiostad
Mückenstiche
An sich nicht schlimm, kann eine Infektion aber böse Folgen haben. Daher kommen mit
Autan oder örtliche Mückenschutzmittel
Zum Verhindern überhaupt gestochen zu werden. Samt Mückennetzen an den Luken.
Wenn die Stiche böse Jucken hilft
Cortisonhaltige Salbe 0,5-1%
oder auch
Fensitil
sehr gut. Und mal wieder die Kombi aus Sprühpflaster und Pflaster um zu desinfizieren und ein Kratzen zu vermeiden.
Splitter in der Haut
Sterile Klinge
Pinzette
kommen mit
Zeckenbiss
Zum Entfernen der Zecke
Spezialschlinge zum Entfernen aus Schweden
Soweit die kleine Medizin aus eigener Erfahrung.2014 bin ich damit gut ausgekommen.
Da ich ja teilweise Mitsegler habe, kommt noch weiteres Material zur Fixierung von Knochenbrüchen wie
Schienen
Klebeband  
und
Bauschaum
(richtig gelesen, damit kann man ganz hervorragend fixieren) mit an Bord.
 
Was ich nicht dabeihaben werde ist ein AED, rezeptpflichtige Schmerzmittel, Nitrospray, Infusionen etc. Das ist dann doch mehr etwas für Langfahrer abseits der Küsten.
Wenn euch noch etwas einfällt, lasst es mich bitte wissen!

Segeln bei 8 Windstärken

Die Nase vorn

Mit 20 Knoten Wind wäre ich eigentlich auch glücklich gewesen. Gegen Neun Uhr am Morgen lichten wir den Anker. Blauer Himmel, kristallklares 28 Grad warmes karibisches Wasser, türkises Farbenspiel unter den steilen Felsen verabschieden uns. “T´schüss Curacao! Bis zum nächsten Mal!”, verabschiede ich mich von der sympathischen Insel. Eins habe ich hier nicht in der etwas kurzen Woche: Gefroren. Der Blick auf die Flensburger Windfinder Seite verursacht Gänsehaut. Gruselig.

Abfahrt steht auf dem Programm. Begrüßt werden wir von einem dicken Squall, kaum sind wir auf dem offenen Meer. Das mit der ausgebaumten Genua hätten wir getrost sein lassen können. Viel zu viel Segel. Innerhalb Minuten schlägt die romantische Wetterlage in einen ausgewachsenen tropischen Sturm mit Tonnen von Wasser um. Es regnet nicht. Es schüttet in Eimern. Dazu 40 Knoten Wind in Böen, die unsere MARLIN in den Wind gieren läßt. Das Groß verliert seinen Winddruck. Ich übernehme, aber das Schiff macht eh alles von ganz alleine. Kurze Zeit später wieder blauer Himmel. Dann der nächste Squall. Das ganze entwickelt sich über den Tag zu einem ausgewachsenen Sturm ohne blaue Löcher. Drittes Reff ist schon längst gesetzt und die Fock wird beängstigend klein. Gut, das der raumschote Wind den ganzen Mist von achtern kommen lässt.

Florian und Dietmar sind zwischenzeitlich angekommen. Obligatorisch stürmen wir den Supermarkt. Ausklarieren und Sicherheitseinweisung. Für mich inzwischen Routine, für den SIP Stefanie schon eine Aufgabe. Am Sonntag dann letzte Reparaturen. Unsere Gäste hauen ordentlich mit rein. Dietmar glänzt mit handwerklichem Geschick beim Lederbezug des Steuerrades, der Kompassbeleuchtung und dem Servicen der Winschen. Florian, auch kurz Flo genannt, bringt mit meiner Hilfe den Ersatzantrieb des Autopiloten wieder zum Leben, serviced die Lager der Ruderanlage und vieles anderes. Bei der aktuellen Wettervorhersage ist mir das besonders wichtig. Beide sind uns eine große Hilfe, erledigen ihre Aufgaben eigenständig. Alles gut. Ich zaubere dafür aus meiner Küchentrickkiste. Es schmeckt. Es ist heiß und zum Abschluss des Tages springen wir alle in Wasser.

Am 13ten segel ich nicht los. “Is doch kein Freitag”, meint Nathalie. Mir ist es egal. Ein Tag mehr macht auch nix. Ich verliere in Phase 10. UNO! Klappt besser. Eric ruft an. Er ist der Meister der Insel, wenn es um Kite Reparaturen geht. Den 11er 2015er North Rebell habe ich günstig bei E-Bay Kleinanzeigen geschossen. “Ich habe den Kite vorm Versand aufgepumpt. Hält Luft!”. Nix hält. Aus der Reparatur eines Ventils werden sechs Ventile. Eric meint, es würde sich trotzdem noch lohnen. Zu warm gelagert. Das ist das Problem hier in der Karibik. Aus 30 Euro Reparatur werden 130 Euro. Trotzdem. Ein Kite mit Bar für insgesamt 400 Tacken ist ja immer noch ein Deal.

Zwischenzeitlich ist es Nacht geworden. Gut 10 Stunden ein Squall nach dem anderen mit bis zu 40 Knoten Wind. 4-5 Meter Welle. Auch gerne mal die Breitseite und komplett übers Schiff. No so was. Endlich hat sich der sternklare Himmel eingestellt. Wir rasen wie wild durch die Nacht. Beschleunigung, statt Entschleunigung. Die Schwerkraft drückt uns in die Polster des komfortablen Pilothauses. Mitsegler Stefan sitzt derweilen bestimmt in Hannover in der Küche über der Karte und zeichnet unseren Kurs mit. 2016 hat er dieselbe Strecke mit mir und Crew Hand gegangen. Diesmal sind wir nur vier Leute und steuern tut der Autopilot. Die Bedingungen sind ähnlich. Ruhig Blut Stefan. Ich werde berichten wie unser Etmal aussieht. Noch 717 Meilen to Go!

Wer richtig zeigt bei dem Wind, was er kann, ist der Superwind 350. Kaum hörbar, lädt er unsere Batterien so ganz nebenbei zum Betrieb des Kühlschrank, Freezers und Autopilot. Saubere Sache. Bin froh, dass ich ihn habe.

 

SV Gitte Kik – Mikael Aggebrand SE

IM SPAEKHUGGER 24 – ÜBER DEN ATLANTIK

SV Mr.John IV – John Wolstenholme UK

ANSTEUERUNG NOUMEA VON JOHN WOLSTENHOLME DARGESTELLT


Wenn der Kapitän eines Containerriesen Segeln als Hobby hat, kann man darauf vertrauen, dass er seine berufliche Akribie auf sein Hobby überträgt.

New Caledonia