Monatsarchive: Oktober 2017

HANSEBOOT 2017: Ankommen auf dem Schiff, auf dem Rollo Gebhard vor Grönland kenterte.

 Es ist eine dunkle, wolkenlose Nacht am Hamburger Hafen. Vor wenigen Tagen hatte Sturmtief „Herwart“ den Zugang zum Sporthafen noch knietief überflutet, über den ich jetzt gehe. Zwei Schwimmstege, die in der Dunkelheit aneinander scheuern, es klingt in der Dunkelheit, als wären es zwei Wale.

Und dann liegt sie vor mir. KIRA VON HANDELOH heißt sie jetzt, die einst SOLVEIG hieß. Und Rollo Gebhards Schiff war. SOLVEIG IV – ein dunkelblauer Schatten am Ende eines unbeleuchteten Schlengels. 50 Meter weiter fährt ein Containerfrachter vorbei. Ein Festmacher knarzt singend im Takt.

Schmuck sieht sie aus, als ich in der Dunkelheit die Bordwand hochklettere. Und gut gepflegt. So wie ich ist vor mehr als dreißig Jahren an dieser Bordwand auch Rollo Gebhard hochgeklettert. Mit seiner jungen Frau, Angelika.
Dann habe ich in der Dunkelheit den Niedergang vor mir. Ich schiebe das Luk zurück, klettere drei Stufen hinunter. Ich stehe im Salon. Hier war das also. Ich sehe die roten Polster. Die einfachen Schapptüren, die Beschläge, die noch die originalen sind. Die Küche. Ich denke an Rolle Gebhard. Ich schaue zur Holzdecke des Salons. Und stelle sie mir die beiden vor, damals im Sommer 1983 vor der Südspitze von Grönland.

„Ich höre das Bersten von Holz, 
das Rauschen von Wasser.
Unser Boot wälzt sich noch weiter herum, 
ich liege auf der Decke der Kajüte,
rolle wieder zurück, am Bullauge vorbei, 
dort, wo Wasser eindringt.“
Rollo Gebhard, in: Leinen los. Wir segeln um die Welt.
Es ist meine Lieblingsgeschichte, die auf diesem Schiff und in diesem Salon spielt. Weil Rollo Gebhard ja schon zwei mal über den Atlantik gesegelt war – zum ersten Mal 1963/64 auf einem 5,60 (!) Meter langen Sperrholzboot; danach auf einem immerhin 7,30 langen Kajütboot – und nicht schon wieder von den Kanaren aus in die Karibik wollte, hatte er sich für diesen Törn für eine andere Route entschieden: Von Deutschland an Schottland vorbei über Island und Grönland die Nordroute nach Nordamerika. Mit dabei seine Frau Angelika. Die war noch nie zuvor gesegelt. Was tats.

Bis Island lief alles gut. Es war August 1983. Deutschland erlebte einen Jahrhundertsommer, aber vor der Südspitze Grönlands geraten Rollo und Angelika in einen Sturm. Die Wellen müssen gigantisch gewesen sein, schreibt Gebhard. Mitten in der Nacht, kurz nachdem Gebhard draußen an Deck war, erwischt ein Brecher das Boot breitseits. Die SOLVEIG kentert, Wasser dringt ins Schiff, Elektronik, Heizung und was nicht niet und nagelfest war, ist hinüber. Auch die Windmessanlage, die Antennen für die Navigation und Funk. Der Motor macht nicht mehr.
Doch die beiden Masten überstehen wie durch ein Wunder die Kenterung. Die nächsten Tage, mit nassen Klamotten in den nassen Polstern, werden zur harten Prüfung:

„Da treiben wir nun mit unserer Habe
durch die trostlose Einsamkeit des Meeres.
Bei Sturm und ungeheurem Seegang.
Es geht mir wie früher als Kind. 
Wenn ich mich nachts fürchtete
und mir die Bettdecke übers Gesicht zog“.
Rollo Gebhard, in: Leinen los. Wir segeln um die Welt.

Es dauert, bis der Sturm nachlässt. Und die beiden mehr als zwei Wochen später ohne die Möglichkeit einer Heizung mit nassen Klamotten ausharren. Und weitermachen.

„Mit knapper Not und unter Aufbietung letzter Kräfte 
gelang es uns, nach 16 eisigen Nächten und Tagen 
die Küste Neufundlands zu erreichen.
Dieses Ereignis ist bis heute ein unvergessener Einschnitt 
in meinem und vor allem in Angelikas Leben geblieben.“
Rollo Gebhard, in: Leinen los. Wir segeln um die Welt.
Nach einer Erholungspause in St. Johns und umfangreichen Reparaturen setzen sie ihre Reise nach Süden fort. Aber damit ist Rollo Gebhards Bericht noch nicht zu Ende. Diese Reise auf SOLVEIG IV
sollte noch einiges in Gang setzen.
Jetzt sitze ich hier in diesem Salon. Es ist eine kalte Nacht Ende Oktober. Halloween. Das Schiff schwankt, wahrscheinlich ist gerade wieder ein Frachter an uns vorbei. Im Abfluß der Küche gurgelt das Wasser im Takt unseres Schwingens. Ich werde an die beiden denken, heute, beim Einschlafen in der achteren Koje.
Rollo und Angelika Gebhards 
immer noch spannenden Reisebericht 
über ihren weiteren Weg um beide Amerikas 
bis zu den Gletschern Alaskas
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Der Bericht der Kenterung ist
eine von mehr als 30 Sturmgeschichten
im soeben erschienenen Band: 

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Special Thanks to Edgar Schrader!!

So nah und doch so fern

Gerade einmal 8 Seemeilen beträgt die kürzeste Distanz zwischen Nomade und dem Beginn des Bosporus am 22. Oktober. Es ist der letzte Törn mit Nomade in diesem Jahr und die Sicht ist anfangs eher schlecht. Etwa 3 Seemeilen weit kann ich schauen, alles darüber hinaus verschluckt der Dunst. Ich segel mit Nomade so nah an Istanbul vorbei und sehe dennoch nichts von dieser Metropole.

Getrübt ist die Stimmung trotzdem nicht. Denn das Jahresendziel ist nur noch wenige Stunden entfernt und bereits alles geregelt. Wir haben ein tolles Angebot in der Viaport Marina in Tuzla bekommen und auch mein Flug von Istanbul nach Düsseldorf ist bereits gebucht.
Und so genieße ich diesen abwechslungsreichen Törn in vollen Zügen.
Der Tag beginnt mit viel Wind von schräg achtern und zeitweise sehr kabbeligem Wasser. Es dauert nicht lange, da schiebt uns die Strömung des Bosporus merklich nach Süden. Wind und Strom stehen gegeneinander und sorgen für Bewegung im Wasser. Es gibt aber auch immer wieder Phasen mit Null Strömung. Die bevorstehenden Wechsel kann man bereits von weitem an der veränderten Wasseroberfläche erkennen. Das Verkehrstrennungsgebiet, das es zu überqueren gilt, lässt sich mit dem im Ärmelkanal vergleichen. Der Seeweg zwischen Dardanellen und Bosporus ist einer der meistbefahrenen der Welt. Dank AIS ist es trotzdem ein leichtes, den richtigen Moment zur Überquerung der Verkehrstrennungsgebiete zu finden.
Als das geschafft ist, liegen die Prinzeninseln an Backbord und die See wird immer ruhiger. Delfinbesuch habe ich heute auch noch einmal zum Abschluss der Reise. Überhaupt habe ich im Marmarameer viel mehr Delfine gesehen als erwartet. Auch wird hier sehr viel gefischt. Immer wieder trifft man auf große Trawler und unzählige kleinere Fischerboote.

Am frühen Abend liegen schließlich 33 Seemeilen hinter mir und ich bin unmittelbar vor der Viaport Marina. Auf Kanal 72 melde ich mich an und bekomme folgende Antwort (im Original auf Englisch): „Nomade, herzlich Willkommen in der Viaport Marina, bleiben sie bitte an ihrer Position, wir schicken einen Lotsen.“
Nach kurzer Wartezeit war dann das Lotsenboot bei mir und ich sollte folgen. Mit 3 Knoten ging es anschließend in den Bereich für Segelyachten. In der Gasse wartete bereits ein zweites Schlauchboot und ich musste nichts weiter machen, als vor der Box einlenken, aufstoppen und etwas rückwärts fahren. Ein Mitarbeiter hat vom Schlauchboot aus die Mooringleine am Bug belegt, der andere die Heckleinen. Völlig entspannt angekommen.
Wo das Büro ist, wollte ich dann wissen. Antwort: „Da brauchen sie nicht hin laufen, wir fahren sie mit dem Schlauchboot zum Büro.“
Dann ging es los, durch die neueste Marina in der Türkei. Der erste Eindruck war ziemlich überwältigend, der Empfang im Büro herzlich.
Nach einer zusätzlichen Zugangskarte für Sabrina brauchte ich nicht zu fragen, die lag bereits neben meiner fertig auf dem Schreibtisch.

Der Rückweg zu Nomade war ein wenig anders, als in anderen Marinas. Ich bin aus dem Staunen nicht mehr heraus gekommen. Man hat hier eine Marina geschaffen, die selbst in der Türkei einmalig ist. In ganz Europa gibt es nichts vergleichbares und im nächsten Beitrag werde ich euch ein wenig mehr über das Schlaraffenland für Segel- und Motorboote im Süden von Istanbul erzählen.

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