Kategorie: News & Blogs

Richards Bay – Erholungskur für Marianne

Es ist auch immer das Gleiche – die Zeit vergeht einfach viel zu schnell. Kaum hat man sich ein wenig eingelebt, schon sind wieder 7 Wochen verstrichen. Und ich hatte mir doch so viel vorgenommen! Und in einer Woche geht sie auch schon weiter, die Jagd nach frischen Musikern. Mosambik steht noch ganz oben auf der Liste für dieses Jahr. Und dann bald natürlich weitere Musikanten in Südafrika, hier in Richards Bay, Durban und Kapstadt. Jetzt sitze ich hier in meinem Zufluchtsort, umrundet von zwei Hunden, einer Katze und einem Kaninchen. Ich hatte nämlich das große Glück zwei nette junge Damen kennen gelernt zu haben, bei denen ich mich regelrecht eingenistet habe. Ich bin überaus froh über diese bequeme Schlafgelegenheit, denn unsere Marianne ist im Moment alles andere als ein schönes Zuhause.

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Vielmehr ist sie die reinste Baustelle. Überall liegt Werkzeug. Tausend Schraubenzieher und Schraubenschlüssel samt Schrauben in allen Längen und Dicken, Bohrmaschinen und Schleifgeräte. Der Boden ist übersät mit Kanistern voll Farbe, Pinseln, Schleifpapier, Fieberglasmatten und Epoxykleber. Das Vorschiff ist überladen mit… ach ich weiß gar nicht was da so alles herumliegt. Will ich auch gar nicht wissen. Und mein Bett muss ich auch jeden Abend erst suchen, um mich dann durch etliche Müllschichten hindurch zu graben. Ich darf gar nicht daran denken, dass ich das alles auch noch wieder aufräumen muss, bevor Hannes wiederkommt. Ich mag ja vieles, aber aufräumen gehört definitiv nicht zu meinen Favoriten. Wenn man draußen auf dem Meer ist, dann hat alles seinen Platz. Wenn etwas gebraucht wird, dann wird (oder muss) es anschließend sorgfältig an seinen bestimmten Platz zurückgelegt werden. Sonst landet es zielsicher nach der nächsten Wende auf dem Boden und ist im besten Fall kaputt. Wenn man dann aber mal im Hafen oder vor Anker liegt, dann sieht das Schiff spätestens nach 2-7 Stunden so aus, als hätte hier der Tornado gewütet, den wir auf unser letzten Überfahrt umfahren sind. Es ist immer das Gleiche. Ich bin also überaus dankbar für jede Gelegenheit, die ich nicht auf der Baustelle verbringen muss.

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Wir lernen Lauren und Sarah bereits am ersten Tag kennen, als Hannes und ich in Richards Bay ankommen. Durch Zufall treffen wir beim Einklarieren im Zollamt auf die vier Brasilianer, mit denen wir auch schon ein paar nette Abende auf Nosy Be in Madagaskar verbracht haben. Da die Jungs schon am nächsten Morgen weiter segeln wollen, um pünktlich zu Weihnachten in der Heimat zu sein, verabreden wir uns für den Abend im Yachtclub, um gebührlich Abschied zu feiern.

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Lauren und Sarah arbeiten in dieser Nacht an der Bar. Je mehr wir also an der Bar bestellen, desto besser lernen wir uns alle kennen. Es ist immer am besten unter den Fittichen von Einheimischen zu sein. Wo gibt es das leckerste und schärfste Curry in der Stadt? Welcher Strand ist am geeignetsten zum Surfen? Welches Bier schmeckt am süffigsten? Wir wissen es bereits nach dem ersten Abend. Als Hannes die frühzeitige Heimreise antritt und nachdem ich zum ersten Mal die Gitarre mit an den Strand nehme, bin ich akzeptierter Dauergast in Laurens und Sarahs Haus. Die beiden wohnen zusammen und sind beste Freundinnen seit ihrer Geburt.

In den kommenden Wochen lerne ich so durch die beiden halb Richards Bay kennen. An manchen Tagen winken mir Leute aus fahrenden Autos zu und ich winke zurück, habe jedoch nicht die geringste Ahnung mit wem ich es da wohl zu tun habe. Ab und zu hört man auch ein “Howzit, Ben?” (Südafrikanischer Slang für: How is it going? oder Wie geht es Dir?). Ein strahlendes Lächeln zurück reicht dann meistens, um den Gegenüber im guten Glauben eines Wiedererkennens zu lassen. Jeden Tag in den nächsten Wochen stehe, knie oder liege ich unter, neben oder auf unserer Marianne und schraube, schleife, klebe und male bis mir die Finger weh tun. Zum Glück sind meine unmittelbaren Nachbarn echte Bootsbauer, die sich mit Nirosta (Nichtrostendem Stahl), Farbe, Elektrik und sowieso allem auskennen, was ich bei uns reparieren muss. Denn manchmal bin ich trotz stundenlangem „Googlen und Youtuben“ ratlos über meine nächsten Reparierschritte. Zwischendurch bin ich immer herzlich willkommen auf einen Kaffee bei Yanni in der Werkstatt, um gleichzeitig meinen nächsten Tipp abzuholen. Tja, manchmal hat es schon Vorteile, wenn man der Jüngste ist zwischen zahlreichen und erfahrenen Rentnern im Yachtclub! Doch eine Abwechslung vom schnöden Arbeitsalltag schadet nie. Und so geht es mit Lauren auf in das Umfolozi Game Reserve, ein Park mit allen wilden Tieren Afrikas. Gemeinsam fahren wir in Laurens Auto durch das Gelände und es dauert nie lange bis wir das nächste Lebewesen entdecken. Eigentlich ist es immer Lauren, die ein ausgeprägtes Auge für das Erspähen von wilden Tieren entwickelt hat, denn man muss manchmal schon sehr genau hinschauen, um hinter dem Dickicht eine Bewegung erkennen zu können. Doch ab und zu stehen sie auch direkt vor unserem Wagen und kommen gefährlich nah an uns heran, sodass meine Hand beim Filmen manchmal leicht zu zittern beginnt. Das einzige was jetzt noch fehlt ist ein bisschen Musik. Aber das lässt sich doch machen…

Kan and Taryn

Am darauf folgenden Wochenende ist ein Besuch bei Sarahs und Laurens Freunden an der South Coast eingeplant. Die South Coast ist ca. 300 km südlich von Richards Bay. K’an und Taryn sind Geschwister und segelten mit ihren Eltern für 7 Jahre um die Welt. Unterwegs brachte ihr Vater ihnen Gitarre spielen bei und seitdem ist das gemeinsame Musizieren ein fester Bestandteil im Leben der beiden. Den größten Teil des Wochenendes verbringen wir zusammen mit Greg, dem Schlagzeuger und anderen Freunden in ihrem Proberaum und spielen zusammen was uns in den Sinn kommt. Ich bin sofort begeistert von ihren zahlreichen eigenen Songs und so schnappe ich mir die beiden am nächsten Morgen und wir gehen auf das Dach eines Einkaufszentrums. Es ist das höchste Gebäude der Stadt. Von hier oben hat man einen fantastischen Ausblick und der leere Parkplatz bietet eine tolle Aufnahmeatmosphäre. Schade, dass wir nur so wenig Zeit haben, denn ich hätte gerne noch die nächsten Tage mit den beiden verbracht. Doch wir müssen die Heimreise antreten, denn morgen ist ja schließlich wieder Montag und Lauren muss zur Arbeit. Bin ich froh, dass ich selbstständig bin! Jetzt muss ich mich aber wirklich beeilen, um mit allen Arbeiten am Boot fertig zu werden, bevor Hannes wieder kommt. Denn viel Zeit bleibt mir nicht mehr und der Emailaustausch mit den Kontakten aus Maputo bestätigt, dass es jetzt auch nicht mehr weit ist bis zu meiner nächsten Musikerjagt. Es scheint so einiges geplant zu sein für meinen Aufenthalt in Mosambik inklusive Fernsehauftritt! Ich bin sehr gespannt, welche musikalischen Abenteuerklänge mir diese afrikanische Stadt wohl zeigt.

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Wer kauft eigentlich noch die Yacht? #4

P1020483IST PRINT NOCH ZU RETTEN?
Um die Eingangsfrage einmal anders zu beantworten: die treuesten YACHT Leser sind sicher die älteren Semester, die ihre YACHT Jahrzehnte sammeln, bündeln und zum Stauben beiseite legen – im steten Bewußtsein, jederzeit nachblättern zu können, was man dereinst gelesen hat. Die Praxis sieht anders aus, sie verstaubt zum Ärger der weiblichen Mitbewohner und wird am Ende als räsonables Gesamtwerk der Altpapier Entsorgung anvertraut, oder ggf. im Forum angeboten und verschenkt. Denn: Suchen und Finden in Eigenregie oder durch freundliche Leserdienst Damen sind mega-out und wurde durch die GOOGLE Fritzen ungleich effektiver abgelöst. WEITERLESEN>

SV September, Klaus Tischhauser CH

20080518-215044-1Sehr geehrter Herr Förthmann
Seit einiger Zeit verfolge ich – als TO-Mitglied – Ihre Beiträge, die Beiträge des TO, die Diskussionen in der Presse sowie Beiträge v.a. auf Ihrem Blog. Mir geht es wahrscheinlich wie vielen anderen; eine Mischung aus Entsetzen, Erstaunen, Scham aber auch Gleichgültigkeit/Tatenlosigkeit – angesichts der Distanz zum Verein – überkommt mich jedes Mal, wenn ich wieder über die aktuellen Diskussionen stolpere. Heute raffe ich mich nun zum kleinsten aller Beiträge auf, nämlich Ihnen ein paar Zeilen zu schreiben.

Obwohl auch ich Ihren Kommunikationsstil nicht gerade als den zweckmässigsten erachte – etwas mehr Sachlichkeit würde evtl. etwas mehr bewirken – , erscheint mir Ihr Engagement offenkundig echt, sachbezogen und dem Verein verpflichtet zu sein. Dafür, dass Sie sich so stark für andere – Fam. Lelijveld – und die Sache – Segeln/Vereinleben – einsetzen, möchte ich Ihnen von ganzem Herzen danken und Ihnen meinen Respekt ausdrücken. Wie viele andere möchte ich Ihnen zumindest meine moralische und inhaltliche Unterstützung zukommen lassen.

Aus dem TO sind meine Frau und ich (noch) nicht ausgetreten, weil der Verein – zum Glück!!! – nicht nur aus dem Vorstand, sondern auch aus all den über den ganzen Globus verteilten engagierten Helferinnen und Helfern besteht. Mehr als austretende Mitglieder helfen dem Verein Mitglieder, die sich engagieren und für eine bessere Zukunft einsetzen.

Und ja, natürlich sind auch wir mit Ihrer Pacific zufrieden….

Lieber Gruss
Klaus Tischhauser, SY September

Bretagne – La Pointe du Raz – Wilfried Krusekopf

See kochend leeSegeln am Kap Horn Europas
„Qui voit Sein, voit sa fin“, „Wer Sein sieht, der sieht sein Ende…“, so heißt es nicht gerade ermutigend in der Sprache der französischen Fischer hier in den Häfen an der berüchtigten Westspitze der Bretagne, etwa 30 Seemeilen südwestlich von Brest.
In Audierne-St.Evette, ca. 6 sm östlich der Passage zwischen der Ile de Sein und dem lanzenartigen, felsigen Kap der Pointe du Raz liegen wir in einer kleiner Bucht an einer Boje in Lauerstellung, um den optimalen Zeitpunkt der Tide zur Durchquerung dieser von Seglern und Fischern gefürchteten Durchfahrt abzuwarten. Tide, das ist hier das Zauberwort, denn „Wind gegen Strom“ bedeutet Hexenkessel. Acht Meter Tidenhub bedeutet gewaltige Strömungen, gefährliche Wirbel zwischen Küste, vorgelagerten Inseln und Klippen. Eine feindliche Gegend für Segler und Fischer, die hier abkürzen wollen, um ein wenig schneller den schützenden Hafen zu erreichen, denn die Alternative ist ein Umweg von 40 sm aussen herum um die „Chaussée de Sein“, wie die 1000 Steine sich westlich der ILE DE SEIN verharmlosend genannt wird. WEITERLESEN>

Wer kauft eigentlich noch die YACHT #3

LPA low

 

 

 

 

 

 

DER EISBERG findet in allen Lebensbereichen sein Equivalent.

Was für den Familienvater der Traum vom Porsche, in dem er Kids, Weib und Hund nicht mitnehmen könnte, weshalb er brav den Passat Variant weiterfährt,

Was für aller hungrige Augen der Ausblick auf fotoshop optimierte – gar operierte – weibliche Konturen, bevor wir uns wieder den ganz eigenen Realitäten mit geschlossenen Augen zuwenden, das ist für Segler der Traum von der einsamen Palme am Südsee Strand, die wir allesamt lebenslang begiessen – zu der wir streben – die uns das Hamsterrad erträglicher macht – um uns hernach des Samstags brav ins bekannte Getümmel zu stürzen: WEITERLESEN>

Trans-Ocean e.V. – Petition zur Einberufung einer ao.Mitgliederversammlung

Langusten

 

 

 

 

 

An den Vorstand

auch wenn der Eindruck entstanden ist, dass Bemühungen und Bestrebung aus der Mitgliederschaft in Cuxhaven nur auf geringes Interesse stossen, will ich nicht nachlassen, Ihnen die Wünsche und Forderungen aus der TO Mitgliederschaft aufzuzeigen – immer hoffend, dass dereinst in Vorstands Köpfen eine Wende zu besseren Erkenntnissen möglich wird. So übermittele ich Ihnen nachfolgend die Namen von Mitgliedern, die sich explizit für die kurzfristige Einberufung einer ao. Mitgliederversammlung aussprechen, um den Verein wieder handlungsfähig zu machen. WEITERLESEN>

Wer kauft eigentlich noch die YACHT #2

P1020473Die Luft für PRINT gerät stetig dünner
allerdings keineswegs nur wegen der ONLINE Auftritte der Verleger. Der Mix gerät zur Schicksalsfrage und es ist zu beobachten, dass die Online Auftritte der Marine Magazine allesamt als FEEDER für Print ( miss – )verstanden werden! Yacht Online belegt dies fabelhaft, die Registrierkasse steht in jeder Ecke! Dazu ein paar Werbe Banner ( bis die Besucher protestieren! ), Abo-Sonderangebote, die versehentlich angeklickt – und schon klingelt es hier wie dort ein wenig in der Kasse! Gleichwohl sind die Besucher aufmerksam geworden, dass sie hier nur begrenzte Infos finden. WEITERLESEN>

Krisen vor Abfahrten – unser zweiter Unfall

Manchmal läuft aber auch gar nichts! Eigentlich wollten wir schon vor drei Tagen los, jetzt hängen wir hier immer noch in Simons Town fest und müssen wohl auch noch zwei weitere Nächte verbringen, bis wir endlich los nach Brasilien können.

Ich meine, wir kennen das Spielchen ja eigentlich schon. Wir setzen einen Tag der Abreise fest und fangen dann viel zu kurzfristig an, das Boot für die Überfahrt klar zu machen. Normalerweise kommen wir dann aber wenigstens den nächsten, oder übernächsten Tag los. Jetzt haben wir schon drei Tage Verspätung und das, wo wir doch pünktlich in Brasilien sein müssen, damit Benni seinen Rückflug zur Hochzeit seines Cousins noch erwischen kann!

Parasailor

Der Parasailor – Foto: istec.ag

Es fing schon so seltsam an. Eines Tages bekomme ich eine Mail von den netten Leuten von Istec, die sich dazu entschlossen haben, uns ihren super coolen Parasailor zur Verfügung zu stellen. Wir können unser Glück kaum fassen, schließlich hatte Bordratte Rudolf unseren alten Spinnaker total zerfressen und für die Strecke über den Atlantik mit seinen stabilen, achterlichen Winden ist dieses Segel einfach perfekt. Das Segel wurde extra designed für Weltumsegler-Paare. Das passt doch wie die Faust auf’s Auge – wir haben schon hier im Yachtclub den Pärchenrabatt bekommen. Als ich dann aber mit Alex telefoniere, stellt sich leider heraus, dass wir abfahren müssen, bevor er den Parasailor nach Kapstadt schicken kann. Eine Woche können wir nicht warten, denn Benni muss ja rechtzeitig in Rio sein, um seinen Flug nicht zu verpassen. Der Countdown läuft…

T minus 48 Stunden

Jamsession bei Dino an BordWir beginnen das Boot aufzuräumen und Benni wechselt noch schnell die alten Dieselschläuche von unserem Motor aus. Als wir unseren rostigen Freund dann zum Test mal starten wollen, springt er erst fast an, doch das war es auch schon. Unsere Seglerkollegen und auch der Marina Mechaniker machen sich bloß die Hände schmutzig und kommen alle zu demselben Ergebnis: Die Dieselpumpe ist kaputt. Diese zu reparieren würde ein paar Tage dauern, doch die haben wir nicht. Am Abend jammen (aus dem Englischen „to jam“ – Jargon für „improvisieren“) wir dann mit Dino vom Boot gegenüber bis in die Puppen. Er an der Djembe, Benni am Cello und ich an der Gitarre. Was für eine Nacht. (Später schaut sich Dino das Material an und beschließt, nie wieder Alkohol zu trinken…)

T minus 24 Stunden

Selbst Grumpy schafft es nicht Dieser Tag verschwindet komplett mit den Bemühungen, das alte Teil wieder zum Laufen zu bringen und wir entscheiden uns schweren Herzens dazu, ohne Motor die 3.500 Meilen nach Rio de Janeiro zu segeln. Warum auch nicht. Das ist zwar unsere längste Strecke, aber wir können sowieso nur für etwa zwei Tage den Motor laufen lassen, dann ist der Diesel alle. Und auch sonst schmeißen wir den Motor eigentlich selten an. Jede Flaute ist irgendwann mal vorbei und für Laptops und Kühlschrank haben wir schließlich unsere Solarpanels. Außerdem ist dieser Einzylinder echt verdammt laut. Alles vibriert, man kann keine Musik hören und eigentlich wartet man jedes Mal nur darauf, diese Höllen-Maschine endlich wieder abstellen zu können.

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Ein Glück gibt es hier SchubkarrenWir haben längst eingesehen, dass wir es mal wieder nicht schaffen, heute loszufahren. Schließlich müssen wir noch die Wäsche wegbringen, einkaufen und ausklarieren. Morgens fällt mir dann noch ein, dass wir ja auch Alkohol brauchen. Nicht zum Trinken natürlich! Sondern zum Kochen. Und auch nicht für in den Topf, sondern darunter, zum Befeuern unseres Herdes. Auf dem Weg zur Wäscherei mache ich noch einen kurzen Stopp in der Apotheke meines Vertrauens und darf nur einen halben Liter denaturierten Alkohol für knapp zwei Euro mitnehmen. Das würde ungefähr für vier Tage Kochen reichen. Man darf hier wohl nicht mehr von diesem hundertprozentigen Alkohol kaufen, da zu viele Verzweifelte das Zeug schon getrunken haben und daran verreckt sind. Das Etikett verrät aber immerhin eine geheimnisvolle Nummer, die ins Handy eingetippt zu einer total ausgeflippten Frauenstimme mittleren Alters führt. Sie fragt, wozu wir denn zwanzig Liter bräuchten und als ich die Situation erkläre, will sie sofort mit nach Brasilien kommen. „Na klar!“ lüge ich und schon lässt sie sich breit schlagen, einen großen Kanister um fünf zu unserem Yachtclub zu liefern. Glück gehabt, warmes Essen gesichert und keine weitere Weltreise nötig.

Achtung PinguineEndlich können wir uns aufmachen, um das Auto von Adrew abzuholen. Er ist so nett und stellt uns seine alte Karre zur Verfügung. So können wir die fünf 25-Liter Kanister, die unseren Wasservorrat erweitern und kiloweise Gemüse, Brot und Konserven gemütlich im Auto besorgen, fahren direkt bis vor den Yachtclub, ohne ein Taxi zu bezahlen oder Kilometer von und zum Zug auf uns nehmen zu müssen. Die beiden Schubkarren im Yachtclub lassen uns den Einkauf dann sogar bis vor die Tür schieben. Yeah. Es bleibt sogar noch ein wenig Zeit, um vor Sonnenuntergang das Kap der Guten Hoffnung mal von der Landseite anzuschauen, bevor wir es umsegeln. In den Buchten davor gibt es sogar Pinguine und die dazugehörigen witzigen Straßenschilder.

T + 24 Stunden

Irgendwie weiß niemand so richtig Bescheid, wie das jetzt mit dem Ausklarieren läuft. Bis vor einem Monat konnte man das noch bequem, hier in Simons Town machen, aber nun ist alles anders. Angeblich muss man wohl mit dem Boot in einer der beiden Marinas in Kapstadt sein. Dann bekommt man einen Zettel, dass man alle seine Hafengebühren bezahlt hat und diesen gibt man dann beim Zoll ab und darf dann das Land verlassen. Das Problem an der Sache: Dorthin fahren dauert mindestens einen Tag uns außerdem verlangen die Herren in Kapstadt 100 Euro, nur um kurz mal anzulegen.

Customs House – Foto: Sayed_85

Wir fahren also mit dem Zug mal wieder nach Kapstadt. In einem der beiden Yachtclubs beschreibt man uns dann den Weg zum Immigration-Office. Nur hier raus aus dem Hafen und dann fünf Minuten weiter, soll wohl das Büro sein. Nach einer viertel Stunde und einem Gelände, das nicht so aussieht, als würde es hier irgendetwas geben, kommt ein Auto an und wendet vor uns. Der Typ kurbelt sein Fenster runter und weiß wohl, wo wir hin müssen und will uns sogar mitnehmen. Auf der zehnminütigen Fahrt erzählt er uns, dass er erst gar nicht mit uns reden wollte, weil er dachte, dass wir Heroinabhängige wären, die ihn nach Geld für die nächste Unterkunft anbetteln. Ansonsten stellt sich heraus, dass er ein Musiker ist und so tauschen wir kurz Kontakte aus, als er uns am Immigration-Office rauslässt. Nur leider dem falschen. Die Jungs dort, verraten uns eine andere Adresse. Wir schnappen uns also ein Taxi und fahren zurück, zurück zu dem Ort, wo uns der Musiker eingesammelt hat. Besten Dank für nichts also. Wir durchqueren Hinterhöfe und finden endlich den Eingang und verlassen denselben eine weitere Stunde später mit Stempeln in unseren Pässen.
Als wir dann endlich auch das Customs-Office finden, will dieser Typ den Zettel vom hiesigen Yachtclub haben, dass wir bezahlt haben. Jetzt entscheidet sich, ob wir noch hier hersegeln und bezahlen müssen, oder nicht:

„Wo ist euer Boot? Im Royal Yacht Club?“ – „Ja klar.“ – „Wo ist euer Zettel?“ – „Den wollten die Leute vom Immigration-Büro haben…“ – „Mh, nagut.“

Glück gehabt. Schon unterschreiben und stempeln wir eine Armada von Papieren und sind draußen. Wir dürfen fahren.
Während ich mich auf den Weg nach Hause mache und schon mal ein paar Netze im Boot anbringe, um unser Gemüse hängend lagern zu können und Druckstellen zu vermeiden, hat Benni noch etwas ganz anderes vor. Er muss noch mit dem Zug nach „Century City“ fahren und unseren Laptop aus der Reparatur holen. Leider nicht repariert, da das bestellte Ersatzteil defekt war. Dann nehmen wir den Haufen Schrott eben noch mit auf den nächsten Kontinent. Nach vier Stunden ist der Captain dann auch endlich im Yachthafen.

T + 48 Stunden

Wir fahren rückwärtsHeute geht es los. Noch kurz das Boot seeklar gemacht, sodass nichts aus den Schränken und Regalen fällt, uns von unseren Familien per e-Mail verabschiedet und auf Facebook ein Abschiedsbild hochgeladen. Dann ist auch schon der Typ da, der uns mit seinem Boot aus dem Hafen schleppen will. Etwas skeptisch bin ich schon, als er seine Leine an unserem Heck befestigt. Ich dachte, er würde sich längs festmachen. Naja, er hat das ja nicht zum ersten Mal gemacht. Dino hilft uns noch die letzte Leine zu lösen und schon gibt der Typ im Boot Gas. Irgendwie ein seltsames Gefühl, so rückwärts zu fahren. Der stromlinienförmige Körper verdreht, wie ein Schwarzes Brautkleid zur Hochzeit oder ein weißes Frack zur Beerdigung. Klar kann man das machen, aber ist das gut?
Keine 100 Meter später bekommen wir die Antwort. Nein, es ist nicht gut. Aufgrund des ungewöhnlich hohen Drucks auf dem Ruder und der hohen Geschwindigkeit, kann Benni das Steuer nicht mehr halten, es verkantet sich und wir fahren gegen eine schwimmende Barriere. Nicht so schlimm, denn die Dinger sind aus weichem Gummi. Da fasst sich der Schlepper ein Herz und fährt viel zu schnell an unsere Marianne, kann seine Geschwindigkeit nicht drosseln und drückt mit der scharfen Kante seines Außenbordmotors in unseren Rumpf.

Unser erstes LochAlles auf Anfang. Wir sind zurück, wo wir schon vor einer Stunde waren. Ein fast Loch im Rumpf, unsere Selbststeuerungsanlage von seinem Seil verbogen. Immerhin hat er sich nicht mal entschuldigt. Was soll man mit so einem Tag machen? Kein Mensch ist an einem Sonntag da, der uns beim Flicken behilflich sein könnte. Wie es aussieht, müssen wir noch ein paar Tage hier bleiben. Naja, vielleicht können wir dann ja doch noch auf den Parasailor warten! Nein, leider haben die Istec Leute nach unserer Absage ihre Kapazitäten anders verteilt. Nichts mit Glück im Unglück für uns.

Also, was machen wir jetzt? Ach ja. Wir hatten unsere letzten Südafrikanischen Rand in Bier investiert. So hängen wir uns in die Koje, schauen Filme, schwängern die Luft mit Rauch und genießen unsere Investitionen. Mal schauen, wann wir los kommen…

Nachtrag:

Der Motor läuft, das Loch ist zugekleistert und wir sind startklar! Jetzt aber wirklich – wir sehen uns in Brasilien!

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