Kategorie: News & Blogs

SV Puffin – Ian Herbert-Jones UK

HYDROVANE – JSD DROGUE – EIN RUSSISCHES ROULETTE?

Captain Hsia Chih Hang onboard the fishing vessel Zi Da Wang

Untergang der Puffin

Zurück ins Segler-Leben

13.Apr.23, Neuseeland/Whangarei, Tag 3238, 24.696 sm von HH

Ein Jahr, vier Monate und dreizehn Tage hat Atanga an Land gestanden. Heute soll sie wieder schwimmen. Achim ist nervös. Am meisten Kummer bereiten ihm die Bord-Durchlässe. Höchstselbst hat er sie ausgetauscht und jetzt die bange Frage: sind sie dicht oder muss Atanga gleich wieder an Land gezogen werden? Dann die Erleichterung – alle Durchlässe und Ventile sind dicht! Ebenso die neue Wellendichtung. Auch die Maschine springt ohne murren an. Die Gänge lassen sich einkuppeln, das Bugstrahlruder läuft. Achim grinst breit.

Tschüss Leben auf der Leiter – war nicht so schlimm wie erwartet

Tschüss alter Standplatz für so viele Monate

 

Das nagelneue Coppercoat kurz vor dem eintauchen – das wurde vor ein paar Tagen noch angeschliffen – um es zu aktivieren

Atanga kurz vor dem Aufschwimmen – alles dicht – besser konnte es nicht laufen

 

Weit fahren wir nicht. Der Anker fällt gleich im Fluss. Die Werft kann man noch riechen von hier. Damit Achims Grinsen nicht zu breit wird, hält der Gott der Zweitakter eine kleine Schikane bereit – der Außenborder will nicht anspringen. Eine Reinigung des Vergasers bringt den gewünschten Erfolg. Der Außenborder läuft.

Die letzten zwei Wochen haben wir auf diesen Tag hin gearbeitet. Mit dem Auto tonnenweise Lebensmittel ran gekarrt. Wäsche, Kissen und Decken gewaschen. Eingekocht. Für den nächsten großen Schlag alles vorbereitet.

Über 20 eingekochte Mahlzeiten für den nächsten Schlag – Hühnersuppe-Gulasch-Hackbällchen-Gemüse und vieles mehr

Ostern haben wir eine Verkaufsanzeige für das Auto geschaltet. Viel zu schnell melden sich Käufer. Halt, so geht das nicht, ich wollte doch noch einen Großeinkauf machen! Bereits der zweite Interessent, der unseren geschätzten Fiedl begutachtet, schlägt zu. Bargeld wird gegen die Schlüssel getauscht. Papiere für ein Auto gibt es in Neuseeland nicht. Der neue Besitzer gibt seine persönlichen Daten in ein Melde-Register per Internet ein. Glückwunsch, das war es an Formalitäten.
Wir hatten sehr viel Glück mit unserem Auto-Kauf. Der zwanzig Jahre alte Corolla hat nicht einmal gezuckt. Dass er zweihunderttausend Kilometer runter hat, merkt man ihm nicht an. Unser Verlust beträgt 750 Euro, somit hat der Wagen keine 50 Euro im Monat gekostet. Wir haben zusätzlich zwei neue Reifen spendiert und einen Ölwechsel. Insgesamt sind wir 10.000 Kilometer gefahren ohne Probleme. Danke Fiedl, du warst eine gute Karre.

Tschüss Luxusleben mit Auto – rechts warten schon die Räder – zurück zum Segler-Leben

Wir bleiben jetzt ein paar Tage vor Anker in Werft-Nähe. Dort dürfen wir unsere Räder unterstellen und die Dusche benutzen, wenn wir mögen. Es gibt noch ein paar Dinge zu testen. Das Horn gibt nur ein jämmerliches Tuten von sich. Wahrscheinlich eine verklebte Membran. Das Radar will sich nicht mit der Navigation verbinden. Problem noch unbekannt.
Und wir selber müssen auch einige Handgriffe wieder lernen. Wie kam man noch mal am besten von Bord ins Dinghy? :mrgreen: Wir sind, genau wie das Horn, etwas eingerostet.

Leider ist uns das Wetter nicht gnädig. Der erste Abend war traumhaft. Mit einer Flasche Sekt feiern wir unseren ersten Abend am Anker. Leicht werden wir in den Schlaf geschaukelt.
Die zweite Nacht beschert uns Böen von 25 Knoten. Wir finden keinen Schlaf. Atanga dreht sich auf die Seite. Was soll das? Wird der Anker halten? Und was klappert da so nervig? Ein nie da gewesenes Geräusch. Achim findet in der Nacht den Übeltäter – die neu konstruierte Halterung vom seitlichen Solarpanel ist Schuld.
Es gibt noch einiges, an das wir uns gewöhnen müssen.


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Die Abeille Flandre, der Schlepper des Unmöglichen

DIE ABEILLE FLANDRE BEI DER ARBEIT IM STURM

SV Elena – Björn Tegetmeier GER

HONIG FÜR EINEN SCHON LEICHT ERGRAUTEN MANN
Guten Abend Herr Foerthmann, ich wollte Ihnen auf diesem Wege noch meinen herzlichen Dank für das Telefonat am Ostermontag bezüglich meiner Frage zum Hanseat 35 MS übermitteln. Sie an einem Feiertag anzurufen hat mich eine ganze Weile zögern lassen und eigentlich nahm ich an, dass Sie dann mal nicht erreichbar wären – weit gefehlt, Peter Foerthmann ist eben eine Klasse für sich…

Leider habe ich das Boot nicht bekommen, es ist nun doch an den Menschen verkauft worden, der es ursprünglich haben wollte. Zumindest muss ich so nun kein schlechtes Gewissen haben, einem anderen Segler ein Boot vor der Nase weggekauft zu haben – trotzdem ein bisschen schade. Da ich aber nicht unter Zugzwang stehe, wird sich zum richtigen Zeitpunkt sicherlich das richtige Boot finden – gute Angebote gibt es schließlich immer wieder. Vielleicht wird es dann doch ein stabiles Boot aus Alu, das
scheint mir als Bootsbaumaterial doch sehr erhebliche Vorteile gegenüber
GFK zu haben. Bei uns im Hafen wird wahrscheinlich irgendwann eine gut
gebaute Alu-Reinke 10M  verkauft (allerdings ist die mir eigentlich zu
klein, wenn schon Reinke, wäre mir die S11 lieber…), zudem hat mir der
Eigner einer OE32 (und wahrscheinlich Teil Ihrer Datenbank, da mal von Ihnen mit Heckverzierung ausgestattet), in Aussicht gestellt, dass er mittelfristig über einen Verkauf nachdenken würde. Letztere wäre zwar ebenfalls aus GFK, aber die OE dürfte zumindest im Puncto Seetüchtigkeit über jeden Zweifel erhaben sein.

Zwischenzeitlich hatte ich übrigens einmal die Gelegenheit, eine Ihrer
sagenhaften Heckverzierungen zu Testen, nämlich eine Pacific Light an
der Vega eines Freundes. Dass sie perfekt steuert verwundert mich nicht, erstaunt war ich jedoch über die kinderleichte Bedienung (im Vergleich mit meiner Royal).

Im vergangenen Sommer hatte ich Ihnen ein paar wenige E-mails
geschrieben; falls Ihr Mailprogramm diese direkt zuordnen kann, hier
noch die Enden der dort aufgenommenen Gesprächsfäden:
Als ich Sie von den Shetlandinseln aus kontaktierte, war mein Plan, aufgrund des gerade gebrochenen Winkellaminates zurück nach Norwegen zu Segeln, um dort die Fjorde ein wenig zu Erkunden. Einige Tage später hat sich jedoch ein hervorragendes Wetterfenster nach Westen geöffnet, sodass ich stattdessen doch weiter zu den Färöern bin, dort das
Winkellaminat repariert habe und mir anschließend einen Umweg über
Island nicht verkneifen konnte, bevor es im weiteren Verlauf der Reise
über Norwegen zurück nach Deutschland ging. In Island hatte ich dann
alle Mühe, dem Drang zu widerstehen, einigen anderen Seglern nach
Grönland zu Folgen, aber mit der Beryll ins Eis zu Segeln (und das auch
noch einhand) war mir, obwohl mich ein solcher Törn gereizt hätte, am
Ende doch ein wenig zu riskant. Daher der Gedanke, auf ein Aluboot
umzusteigen.
Die damals neu gebaute Leichtwind-Windfahne für meine Royal, von denen
ich Ihnen vor knapp einem Jahr ein paar Bilder geschicht habe, hat sich
übrigens als Volltreffer herausgestellt. Sie kann das zu groß geratene
Pendelruderblatt gut ausgleichen und schafft es sogar bei leichtesten
Winden von Achtern, das Boot nun zuverlässig auf Kurs zu halten. Als
mich auf der Rückreise von Island zu den Färöen der elektrische
Autopilot kurzfristig im Stich ließ, konnte ich mittels dieser
übergroßen Windfahne sogar unter Motorfahrt bei einem Hauch achterlicher
Winde, die zum Segeln (ohne Blister) bereits zu schwach waren, das Boot
für eine Nacht auf Kurs halten lassen, bevor der Wind morgens ganz
wegblieb und mich zu fast 20-stündiger Sklavenarbeit an der Pinne zwang.

Ihnen alles Gute und herzliche Grüße,
Björn Tegetmeyer

SV Lille Oe – Suski + Henri Bergius FIN

DIE EIERLEGENDE WOLLMILCHSAU

Windpilot – SailingGen

Ostern: Nachts auf einem Boot mitten durch Venedig.

Meine Reise Nachts auf dem Boot durch Venedig beginnt nahe des Bahnhofs Santa Lucia

Geht das überhaupt? Nachts auf einem Boot mitten durch Venedig?

Ja klar geht das. Es klappt zwar nicht mit dem eigenen Boot auf dem Canale Grande wie in den Fotos dieses Posts. Wer diese Tour unternehmen will quer durch Venedig, der steigt am besten in Santa Lucia, Venedigs Hauptbhanhof in den Vaporetto der Linie 2 mit Ziel Piazza San Marco. Nimmt hinten in dessen Heck auf einem der sechs Sitze unter freiem Himmel Platz, auch wenn diese Mitte April noch ganz schön zugig sind. Doch ich verspreche: Die Tour durch die Nacht auf dem Canale Grande lohnt sich! 

Und schon gehts los. Die Bodenplatten des kleinen Stahlschiffs vibrieren, als der Propeller irgendwo unter mir eine mächtige Welle im Heck aufwirbelt. Auf dem luftigen Freiluftsitz hört man jede Umdrehung der Welle, jedes Wühlen des Propellers im Wasser, wenn das Schiff von einem der gelb-grauen schwimmenden Bushäuschen ablegt und sich dem engen Wasserweg des Canale Grande durch die Häuserschluchten folgt. Der Abendhimmel schickt vom Westen sein letztes Leuchten aufs Wasser und auf die Fassaden. Reglos wie Gesichter sind sie dem vorübereilenden Betrachter zugewandt.

Denn Häuser können wie Gesichter sein. Und wie sie ihren strengen Blick auf uns richten. So frage ich mich auch an diesem Abend: Bin ich der Betrachter der Gebäude? Oder betrachten sie mich aus tausend Augen? Reise ich hier wirklich an Gebäuden entlang? Oder durchstreife ich Gebäude für Gebäude die Erinnerung an mein Leben?

Selten ist ein Fenster erleuchtet. Manchmal erhasche ich im Vorbeifahren einen Blick auf einen festlich hellen Saal. Oder die erleuchtete Dienstboten-Etage im ersten Stock mit den kleineren Fenstern, bevor es hinaufgeht in die Gemächer der Herrschaft. 

Wer lebte hier? Viele der auf dem Wasser thronenden Gebäude entlang des Canale Grande wurden im Mittelalter errichtet. Repräsentative Kaufmannssitze waren sie oder Paläste von Adligen. Doch immer waren sie erhabene Bauten, denen bis heute nichts ihre Würde nehmen konnte. Nicht das Wasser, das ständig an den Grundmauern nagt, nicht die Verarmung von Teilen des venezianischen Adels nach dem verlorenen Candia-Krieg, nicht der Untergang der venezianischen Gesellschaft mit dem Erlöschen Venedigs als selbständiger Republik durch Napoleon.

Reglos starren sie den Betrachter an aus dunklen Augen. Doch ihre Schönheit nach tausend Jahren lässt nichts und niemanden kalt, gerade in der Nacht nicht. Und selbst die neuen Schönheiten, die sich zwischen den alten Fassaden am Canale auf haushohen Reklameplakaten zeigen mit einem hingehauchten 

„j’adore“, „ich bete dich an“, kommen nicht im geringsten gegen Magie und Schönheit der alten Häuserfronten an, bleiben unbeachtet zurück hinter dem vorbeieilenden Vaporetto. Versinken irgendwo in der Schönheit der Häuserfronten, ihrer filigranen Säulenfassaden und deren zeitloser Eleganz vor der majestätischen Kulisse des Vorfrühlingshimmels,

während unser Gefährt weiter mit klirrenden Bodenplatten den engen Windungen des Canale folgt. Kälte steigt an diesem Ostersonntag vom Wasser auf, es hat vielleicht 10 Grad, vielleicht 12 Grad, aber was macht das schon. Wer in die Gesichter der Mitreisenden sieht, sieht etwas ungewöhnliches. Niemand auf dem Vaporetto starrt aufs Handy. Alle Blicke sind nach draußen gewandt, ein ungläubiges Staunen malt sich auf die Gesichter über die unfassbare Schönheit, huscht vom einen zum anderen statt genervter Langeweile. Selbst wenn die Wasserkälte in den Knochen steckt: Was macht das schon? Denn dies hier ist großartig, ist Teil unserer Geschichte.

Doch während das Schiffchen mit klirrenden Bodenplatten weiter in die Nacht brummt und emsig von einer schwankenden Haltestelle zur nächsten brummelt, stellen wir fest: Wir sind nicht allein auf dem Wasser. Ein neonblau getauchtes Rennboot schießt an uns vorbei. Die stummem Zeitzeugen am Ufer, sie sind nicht im mindestens verblüfft. Nichts, was sie in fünfhundert Jahren nicht schon gesehen hätten, nichts Menschliches, was ihnen fremd wäre.

Ein Gondoliere stakt im Dunkel unter der Rialto-Brücke nah an uns entlang. Seine Gondola, dieses elf  Meter lange Gefährt ist leer bis auf einen Schemen, keine Liebenden sitzen darin. Der Gondoliere treibt sein Gefährt mit dem einen Ruder aufrecht stehend an uns heran, als gäbe es das eisige Wasser um ihn herum nicht. Um mich herum gerinnt alles zu einem Film von Federico Fellini, der selbst im Verkehr des Großstadt-Molochs Rom noch Urweltwesen entdecken konnte und Autobahnen als ihre Bühne betrachtete. 

Da! Endlich einmal Menschen auf einem Balkon. Bewohner eines dieser Häuser vielleicht. Reglos sitzen sie da wie die Fronten ihrer Paläste und blicken hinaus aufs Wasser. Erstarrte Geister, die einmal im Jahr zurückkehren in den Palazzo ihrer Vorfahren.

Doch immer wieder fesseln mich Gebäude wie die Zwillinge hier, die oben in stiller Eintracht übers Wasser leuchten. Ein Rausch der Bögen, Säulen und halbrunden Formen, der niemand kalt lässt, den auf dem zugigen Vaporetto die Flusskälte in die Finger beisst. Schatten, die nicht ins Dunkel gleiten. Schönheit, die nicht schwindet.

Und selbst als wir den eingewandeten Kuppelbau der Santa Maria della Salute erreichen, unseren Blick losreißen von den majestätischen Freitreppen und im langsamen Vorübergleiten freien Blick auf die ringsum schwarzweiß bedruckte Fassadenhülle haben, scheint die zum Dank gegen die Pest errichtete Kirche auch das noch locker auszuhalten. Großflächig inszenierte Couture, die dem Gebäude nichts anhaben kann und fast als Nichtigkeiterscheint. 

Wenig später, kurz nach der verhüllten Santa Maria della Salute hat der Rausch ein Ende. San Marco ist erreicht. Venedig, das viel für seinen Over-Tourism gescholten wird, kennt viele stille Ecken. Doch  bei San Marco regiert der Trubel, hier kreuzen sich die Touristenströme, verwirbeln ineinander, ein Strudel aus Besuchern, der seinesgleichen sucht und durch den wir Mühe haben, unseren Weg zu bahnen, um unser Vaporetto heimwärts zu finden in der Kälte. Noch einmal brechen wir auf dem Boot in die Nacht auf. Aber nur eine Station von San Marco hinüber zur Klosterinsel San Giorgio Maggiore, wo in der dortigen Marina Levje liegt.

Nein. Venedig haut mich jedesmal wieder aus den Schuhen. Ich begreife diese Stadt und ihren Zauber, wenn ich mich ihm immer wieder von der See und nicht von seiner Landseite her nähere.

Kleinschifferzeugnis: Übergangsfrist verlängert

Die „Erste Verordnung zur Änderung rheinschifffahrtsrechtlicher Vorschriften und weiterer Vorschriften des Binnenschifffahrtsrechts“ führte vielerorts zu Unmut. Nun wurde die Regelung überarbeitet.

Erst vor einigen Tagen berichteten wir über die neue Verordnung, in der festgelegt wurde, dass für gewerbliche Fahrten kein Sportbootführerschein mehr gültig ist, sondern ein „Kleinschifferzeugnis“ verlangt wird. Vor allem die kurzfristig angelegte Übergangsregel führte bei vielen Verbänden und in der Branche zu erheblichem Protest. (Hier geht’s zum Beitrag) Der ADAC forderte eine Überprüfung der neuen Verordnung.

In einem heute veröffentlichten Infoschreiben des Bundesministeriums für Digitales und Verkehr wurde mitgeteilt, dass die Übergangsfrist nun erheblich verlängert wurde. Zitat:

Das bedeutet, dass bis zum 17. Januar 2027 wie vor der Einführung des Kleinschifferzeugnisses ein Sportbootführerschein auch für die gewerbliche, berufliche und dienstliche Nutzung ausreicht, unabhängig davon, ob diese Nutzung bereits zum 17. Januar 2022 ausgeübt wurde.

Die bisherige Regel sah vor, dass bis zum Stichtag 17.01.2024 Sportbootführerscheine „unkopmliziert“ zum Kleinschifferzeugnis hätten umgeschrieben werden können. Die Praxis zeigte jedoch, dass es wegen der hohen Zahl an Anträgen zu erheblichen, teilweise monatelangen Wartezeiten kommt.  Rund 40.000 Beschäftigte sind vor der Verordnung betroffen.

Hier ein Link zur kompletten Verordnung im Bundesgesetzblatt

 

Nord-Ostsee-Kanal: Jetzt auch online bezahlen

Ab diesem Frühjahr müssen Sportboote im NOK nicht mehr an den Ticketautomaten anlegen, um die Gebühr zu bezahlen, sondern können im Voraus online buchen. Ganz so digital ist die Sache jedoch nicht.

Lange Zeit war der Nord-Ostsee-Kanal  (NOK) bei vielen Skippern allein schon wegen der hohen Treppe (bis zu 12 Meter) an der Schleusenwand gefürchtet. Diese musste damals noch erklommen werden, um oben die Befahrensabgabe zu entrichten. Etwas besser wurde es, als in Kiel-Holtenau Ticketautomaten eingeführt wurden. Diese jedoch erforderten aufwändige und oft zeitraubende Anlegemanöver. Damit ist seit diesem Frühjahr Schluss.

Seit dem 15. März 2023 ist die Buchung im Rahmen eines Pilotprojektes auch online möglich. Im neu eingerichteten Webshop der Wasser-und Schifffahrtsstraßenverwaltung des Bundes (WSV) können nun die Anmeldung sowie die Bezahlung der Schleusen- und Befahrungsgebühren bequem von zu Hause aus entrichtet werden. Bei der Anmeldung besteht für motorisierte Sportboote und auch muskelbetriebene Sportfahrzeuge die Möglichkeit, aus verschiedenen Optionen auszuwählen:

Durchgangsfahrt der gesamten Kanallänge mit zwei Schleusungen (12 Euro für motorisierte Sportboote)
Teilstrecke mit einer Schleusung (7 Euro)
Beide Optionen sind ost- und westgehend buchbar

Screenshot Buchungsportal Nord Ostsee KanalScreenshot des neuen Buchungsportals für den NOK ©wsv.de

 

Buchung digital, Kontrolle analog

Die Buchung verläuft vollständig digital, wenn auch mit ein paar Schritten mehr, als in heutigen Webshops gewohnt. Zunächst wird die gewünscht Option gewählt und das Boot für die Passage angemeldet. Bezahlt wird erst nach Erhalt eines nach der Online-Anmeldung per eMail versandten Abgabenbescheides. Nach Zahlungseingang kommt erneut per eMail eine Zahlungsbestätigung mit Code, der im DIN-A-4 ausgedruckt und in der Schleuse vorgezeigt werden muss. Wichtig: Da die Kontrolle in den Schleusen von oben erfolgt, also teilweise aus 12 Metern Höhe, reicht der Code zum Beispiel auf dem Smartphone vorgezeigt nicht aus. Nur auf A-4-Papier ausgedruckt, kann das Schleusenpersonal den Code auf diese Entfernung erkennen. 

Das der gesamte Ablauf noch nicht vollständig digitalisiert wurde, ist offenbar dem Umstand geschuldet, dass es sich bei der neu eingerichteten Buchungsmöglichkeit um ein Pilotprojekt handelt. Im Laufe des Pilotbetriebs soll der gesamte Vorgang digitalisiert werden. Auf der Website des WSV heißt es dazu:

An einer zeitgemäßeren automatisierten Lösung für den Kontrollvorgang anhand von freiwillig hierfür frei gegebenen AIS-Signalen arbeiten wir derzeit!

Gültigkeitsdauer der Online-Tickets

Gut: Zwar wird die Passage für einen bestimmten Tag angemeldet, jedoch gelten die Zahlungsnachweise bereits ab zwei Tage vor und drei Tage nach dem angegebenen Termin. Somit kann die Törnplanung flexibel gehalten werden, auch wenn Starkwind oder Schwerwetter dazwischen kommen. Für eine kurzfristige Buchung sollte beachtet werden, dass bei den Zahlungarten „Vorkasse“ oder „SEPA-Lastschrift“ einige Tage vergehen können, bis ein Zahlungseingang verzeichnet und der Code versendet werden kann. In diesem Falle ist es ratsam, die schnelleren Optionen „Giropay“ oder per Kreditkarte zu nutzen, da hier meistens schon wenige Minuten später die Bestätigung erfolgt.

 

Segelboot im NOK

 

So klappt’s in der Schleuse

Für viele Skipper sind Schleusenmanöver eine echte Herausforderung mit vielen Schwierigkeiten, die auftreten können. Wir haben Tipps zusammengestellt, damit es in der Schleuse stressfrei zugeht.

Solaranlagen für Boote – kleine und große Lösungen

Auf nahezu jeder Bootsgröße kann die Sonne als Stromlieferant genutzt werden – von faltbaren mobilen Panels über Solarkonverter bis zu fest installierten Solaranlagen.

Auf dem Boot an Ostern in Venedig.

Es gibt drei Marinas in Venedig, um mit dem Boot anzulegen. Doch dem Zentrum Venedigs ist man am nächsten in der Darsena San Giorgio auf der gleichnamigen winzigen Insel San Giorgio Maggiore. Von der Stille der Klosterinsel, die nur mit dem Vaporetto zu erreichen ist, und vor allem vom Glockenturm herunter hat man herrlichen Weitblick in die unzähligen Blautöne. Und kann man dem hektischen Treiben drüben auf der Piazza di San Marco gelassen zusehen. Im Foto die Einfahrt in die Darsena San Giorgio.

Die Stadt und das Wasser. Das Wasser und die Stadt. Auf kaum einem der nachfolgenden Fotos wird es fehlen, es lässt den Besucher nicht los. Selbst auf meinen Streifzügen durch Venedigs Zentrum bin ich ständig beim großen Wasserhellblau. Wie haben die das bloß angestellt, nicht nur ein paar windschiefe Holzhütten auf den Schlickbänken der Lagune zu errichten, sondern ihre steinernen Palazzi, die fünfstöckigen Wohnäuser und vor allem die wuchtigen Kirchtürme. Keine Sadt besitzt so viele Kirchenbauten wie Venedig. Allein im Zentrum listet Wikipedia 90 verschiedene steinerne Sakralbauten auf, im ganzen Stadtgebiet mit den umliegenden Inseln sind es insgesamt mehr als 130 Kirchen. Ich wundere mich immer wieder, wieso das alles nicht im Schlick versinkt, wo nur die Schwertmuscheln hausen. Nur die vielen schiefen Kirchtürme zeigen an, wie locker alles auf Sand gebaut ist – nicht nur im Stadtteil Dorsoduro, was soviel bedeutet wie „harter Rücken“, um den herum vor 1.500 Jahren Venedig als Siedlung begann. 

Venedig und seine schiefen Glockentürme. Kaum einer der vielen steht steht gerade, selbst in Dorsoduro nicht.

Wo beginnt man seinen Spaziergang in Venedig am Karsamstag? Im hektischen Zentrum rund um den Markusplatz, wo der lebhafte Rummel um die zentrale Vaporettostation San Zaccharia einen ersten Eindruck gibt, wie es in den Sommermonaten überall in der Stadt zugehen wird? Oder an einem der 

Über Venedigs Dächern thront der heilige Georg, der Drachentöter, und blickt hinunter auf die Giudecca, die langgezogene Inselgruppe links. Der gleichnamige Kanal trennt die Inselgruppe von der eigentlichen Hauptinsel und dem Zentrum Venedigs rechts.

stilleren Orte der Stadt. Nein, lieber abseits, da will ich hin, wo ich mich doch selbst in München viel lieber entlang der Isar als im Zentrum rumtreibe. Also irgendwo an einem stillen Kanal und dorthin, wo Venezianer wohnen und noch leben. Zum Beispiel auf der Giudecca. Entlang der Nordseite dieser Inselgruppe, die immer wieder von Nord nach Süd von Kanälen durchzogen ist, gibt es Osterien, Pizzerien, Tavernen oder kleine Läden, wo der freundliche Händler einem gerne ein Panino mit Prosciutto cotto, Kochschinken oder Crudo, rohem Schinken für ein Picnic auf einem der vielen öffentlichen Holzstege im Süden der Giudecca belegt.

  

So ist das in Venedig an einem Ostersamstag. Die See auf dem Canale della Giudecca brodelt von Fähren, Wassertaxis, Lastkähnen. Überall an den Canali wuchert Wasserkraut von den steinernen Wänden. Es webt und wogt wie Frauenhaar im Takt der Wellen, weil hier niemals etwas stillsteht im Wasserhellblau. 

Ein Mann treibt sein schlankes Boot stehend mit gekreuzten Rudern übers Meer. Und wenn man nur lang genug dem Ballett des gleichförmigen Schwingens und Wiegens zusieht, dem Hin und Her der Hunderttausend Fäden, entspannt sich etwas in einem. 

Die Stadt und die Glocken. Die Glocken und die Stadt. Während wir durch die Stadtviertel streifen, fällt uns an diesem Ostersamstag auf, dass kein Glockenschlag erklingt. Kein Mittagsläuten, kein Stundenschlag in einer Stadt mit so vielen Glockentürmen? Das kann nicht sein! Die einzige Erklärung ist, dass von Karfreitag bis Ostersonntag, also zwischen Kreuzigung und Auferstehung, die Glocken schweigen müssen, weil dies Tradition in der Stadt ist. Ich freue mich schon auf den Moment, wo man jenen blechernen Ton wieder hören kann, der jeder Kirche des Veneto zu eigen ist und den man vom Jingle der Donna Leon-Hörbuch-Krimis nur zu gut kennt.

Doch spät nachts in meiner Koje bin ich in die Zeilen eines Gedichts von Bert Brecht versunken, als draußen plötzlich eine Glocke anfängt zu läuten. Irgendwo in der Stadt. Dann fällt eine weitere ein. Dann noch eine. Und noch eine. Und wieder eine. Ein Crescendo aller Turmglocken mitten in der Nacht, das sich noch steigert, als plötzlich auch die Glocken von meinem Aussichtspunkt, dem Turm der San Giorgio Maggiore zu läuten beginnen und alles andere übertönen. 

Ich stehe auf und schaue hinaus in die Nacht. Der Klang der vielen Glocken ist wie ein akkustisches Feuerwerk. Nach 10 Minuten scheint es vorbei zu sein. Und doch ist es immer noch nicht zu ende, weil immer wieder eine weitere Glocke irgendwo in der Stadt von neuem beginnt, nicht aufhören kann, immer wieder beginnt, als gäbe es keine Enden. Sondern nur Anfänge. 

Ich denke viel an Mallorca, noch so eine Insel, die mir wie Venedig ans Herz gewachsen ist und wo ich die letzten Jahre Ostern verbrachte. Wo die Menschen das Osterfest ganz anders begehen als auf den Inseln Venedigs. Nicht mit einem furiosen akustischen Feuerwerk, sondern mit Umzügen. Aber die Tage auf Mallorca um Ostern: Das ist eine ganz andere Geschichte als hier in Venedig… 

SV Velvet – Anatole Lepine GER

SV VELVET – EIN TRAUM UND SEINE FOLGEN

Anatole Lapine