Kategorie: News & Blogs

Guyot setzt The Ocean Race fort: Reparaturen bei Knierim-Werft – Mast von 11th Hour

Das Guyot hat das Boot auf der Kieler Knierim Werft in fünf Tagen reparieren lassen. Der Mastbruch hat Schäden an Foils, Rudern und Schotten verursacht. In Aarhus erfolgt der Neustart. Weiterlesen →

Das segelnde Designobjekt

Bei der sportlichen Elan E6 will man ganz genau wissen, wie das Segel steht © Julijan Visnjevec

Das segelnde Designobjekt

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Orca Update: Spanische Behörden ändern Richtlinien für Verhalten bei Orca-Interaktionen. Neue Erkenntnisse.

Bereits vor zwei Wochen veröffentlichte ich ein erstes Update 
über die Orca-Interaktionen, das über die Zunahme der Orca-Interaktionen 
im Frühjahr 2023 berichtet. Hier ein weiteres Update.

Die spanischen Behörden revidieren ihre bisherigen Verhaltens Maßregeln bei Orca-Attacken und formulieren sie neu. Die obige Karte der aktuellen „Hot Spots“ der Orcas vor dem Fischerort Barbate entstammt den vom Ministerium veröffentlichten „Empfehlungen“.
Quelle: Ministerio de Transportes, Movilidad y Agenda Urbana https://www.mitma.gob.es/marina-mercante/seguridad-maritima-y-contaminacion










1. Spanische Behörden ändern Richtlinien für das Verhalten im Fall von Orca Ruder-Attacken.
Bereits im Mai hat das Spanische Ministerium für Transport (Ministerio de Transportes, Movilidad y Agenda Urbana) in Madrid seine offiziellen Richtlinien für Skipper und Kapitäne im Fall einer Ruderattacke durch Orcas geändert. Mit seinen jüngsten Empfehlungen vollziehen die Behörden eine Abkehr von der seit 2020 empfohlenen Praxis, im Fall einer Interaktion von Schwertwalen die Yacht zu stoppen, Maschine und sämtliche Geräte abzustellen, um sich dadurch für die Orcas so uninteressant wie irgend möglich zu machen. Seit Sommer 2020 wurden vor der iberischen Halbinsel nach offizieller Schätzung mehrere Hundert Yachtruder als durch Schwertwale demoliert und drei Yachten als „gesunken infolge Orca-Interaktion“ gemeldet. Inoffizielle Schätzungen in meinem Buch DAS RÄTSEL DER ORCAS gehen in beiden Fällen von weit höheren Zahlen aus.

Statt Stillhalten empfehlen die Behörden nun jeder Yacht im Fall einer Orca-Interaktion die Segel zu bergen und so schnell es geht unter Maschine in möglichst flache Gewässer abzulaufen, „bis die Orcas das Interesse verlieren.“

Zugleich veröffentlichte das Ministerium die obige Karte des aktuellen Hot Spots der Orca-Ruder-Attacken vor Barbate und rät in seinen Empfehlungen dringend, vor den dort aktiven Schwertwalen bei Passagen die unmittelbare Küstennähe und Flachwasser zu suchen, soweit dies Bauart sowie Wind- und Seebedingungen erlauben.

Darüber hinaus wird darauf hingewiesen, dass an Interaktionen beteiligte Orcas zu fotografieren sind und für jeden Skipper die Pflicht zur Meldung von Orca-Interaktionen besteht.
   
    Alle weiteren Punkte der Richtlinien finden Sie auf der Webseite des Ministiums     
    https://www.mitma.gob.es/marina-mercante/seguridad-maritima-y-contaminacion 
    sowie im Originalwortlaut in deutscher Übersetzung des ministeriellen Erlasses am Ende dieses  
    Artikels.

2. Diskussion um Sand und Knallkörper als Abwehrmittel
Während im vorangegangenen Update noch von Paul Linguard von CRUISING ASSOCIATION die Wirkung von Sand als Mittel der Abwehr der Orcas fundiert erklärt wurde, hält die Diskussion über die Zuverlässigkeit von Sand weiter an. Der spanische Orca- und Cetaceen-Forscher Renaud de Stephanis, einer von 10 für mein Buch befragten Orca-Experten, beurteilte die Wirkung von Sand unverändert skeptisch. Die Orcas hätten als intelligente Tiere längst herausgefunden, wie sie der Wirkung des Sandes auf ihre empfindliche Sonarortung aus dem Weg gehen. Davon abgesehen zeigen meine eigenen Beobachtungen von Seglern, die Sand einsetzen, in vielen Video deutliche Anwendungsfehler. Sand in voller Fahrt abzuwerfen ist sinnlos, denn der der Sand vertreibt bei fünf Knoten Fahrt durchs Wasser sofort wie jede andere ausgebrachte Substanz und sollte nur stillliegend ausgebracht werden. Manche Videos zeigen auch viel zu geringe Mengen Sand, die von Seglern aus kleinen Beuteln ausgebracht werden. Fischer führen Sand in größeren Mengen mit sich und bringen ihn von ihren stillliegenden Booten  säckeweise ins Wasser aus, um die Orcas zu verwirren.

Über die Wirkung von Knallkörpern, sogenannten „Robben-Bomben“, die Fischer zur Abwehr von Robben von ihren Netzen einsetzen, hat jüngst Ex-TRANSOCEAN-Vorstand Martin Birkhoff auf seiner Website berichtet. Er erlebte zwei kurze, heftige Orca-Attacken und setzte als letztes Mittel nach dem Ablaufen sogenannte „Fire-Cracker“ ein, was die Interaktionen beendete. Er versuchte zudem, die juristische Verbindlichkeit des Verbots von „Fire-Crackern“ auf seiner Website zu verifizieren und recherchierte dessen Quellen. Mehr darüber unter https://www.sy-magodelsur.de/2023/05/10/orcas-rechtliche-einschaetzung-von-abwehrmassnahmen/

Mehr Informationen über die rätselhaften Hintergründe des Verhaltens:


Zum Buch

In deutscher Übersetzung:
Empfehlungen für Schiffsführer, wenn Schwertwale mit dem Schiff interagieren

Wenn Sie auf See sind und auf Schwertwale oder andere Wale treffen und die Schwertwale mit dem Schiff interagieren, muss der Schiffsführer/Kapitän des Schiffes, soweit möglich und sofern die Orcas keine größere Gefahr darstellen, die folgenden Maßnahmen ergreifen:

Verhindern Sie, dass sich Personen an Bord der Reling nähern. 

Stellen Sie sicher, dass sie sich auf dem Schiff an Orten aufhalten, die größtmöglichen Schutz vor abrupten Schiffsbewegungen bieten, die zu Verletzungen auch durch lose Gegenstände verursacht werden oder zum Über-Bord gehen führen könnten.

b. Im Fall einer Interaktion es besser, zu motoren als zu segeln, das Schiff nicht zu stoppen sowie auf direktem Weg mit größtmöglicher Geschwindigkeit, soweit es die Wind und See dem betreffenden Fahrzeug erlauben, in Richtung flacherer Gewässer zu laufen, bis die Schwertwale das Interesse verlieren.

c. Bei Schiffen unter Segel ist auf die Unversehrtheit des Kiels sowie alles, was sich auf die Stabilität des Schiffes auswirken könnte, zu achten. Deshalb wird empfohlen, im Fall einer Interaktion die Segel zu bergen und unter Motor zu abzulaufen.

d. Es wird empfohlen, so nah wie möglich an der Küste zu fahren, soweit es Sicherheit und bauliche Eigenschaften des Fahrzeugs erlauben. Dies gilt insbesondere vor der Bucht von Barbate, wo die Wahrscheinlichkeit einer Begegnung mit Schwertwalgruppen in unmittelbarer Küstennähe geringer ist.

e. Jedes Schiff oder Boot, das die Anwesenheit von Schwertwalen oder anderen Walen beobachtet, muss sich – egal ob Interaktion oder nicht – strikt an die Bestimmungen des Königlichen Erlasses 1727 vom 21. Dezember 2007 halten. Darin sind Maßnahmen zum Schutz der Wale festgelegt, insbesondere solche, die darauf abzielen, jedes Verhalten zu vermeiden, das den Tod, Schaden, Belästigung oder Unbehagen der Wale verursachen können, sowie im Allgemeinen alle Verhaltensweisen, die in den Artikeln 4 und 5 des genannten Königlichen Erlasses aufgeführt sind.

f. Die an einer Interaktion beteiligten Schwertwale sind zu beobachten und nach Möglichkeit zu fotografieren. Diese Tätigkeiten dürfen nur unter Einhaltung aller Vorsichtsmaßnahmen und in Ausübung guter Seemannschaft durchgeführt werden, ohne die Sicherheit der Schifffahrt oder entsprechende Regeln zu beeinträchtigen. Und nur dann, wenn es möglich und sicher ist, das Schiff oder Boot, die Personen an Bord sowie die Wale keinen größeren Risiken auszusetzen.

g. Was auch immer an neueren Anweisungen oder Empfehlungen besteht, sollte an Seeleute weitergegeben werden.

h. Es wird daran erinnert, dass jeder Kapitän oder Skipper verpflichtet ist, Ereignisse zu melden, die eine Gefahr für die Schifffahrt darstellen. Daher sollten Interaktionen mit Schwertwalen der zuständigen Koordinierungsstelle des Seerettungsdienst gemeldet werden.

Orca Update: Spanish Authorities Change Their Guidelines for Sailor’s Behaviour in Orca Interactions. Latest Findings on Sand and Fire-Cracker.

Two weeks ago I published a first update in cooperation with Paul Linguard from CRUISING ASSOCIATION, reflecting on the increase of violent orca interactions in spring 2023. 
Here we go with the latest update.

The Spanish authorities are revising and reformulating their previous behavioural measures for Sailors during orca attacks. 
The map above shows the current orca „hot spots“ off the fishing village of Barbate in the western entrance of Gibraltar Strait. 
The foto is taken from the „recommendations“ published by the ministry. 
Source: Ministerio de Transportes, Movilidad y Agenda Urbana https://www.mitma.gob.es/marina-mercante/seguridad-maritima-y-contaminacion

1. Spanish Authorities Change Guidelines for Sailors in Case of Orca Rudder Attacks.

Back in May, the Spanish Ministry of Transport (Ministerio de Transportes, Movilidad y Agenda Urbana) in Madrid changed its official guidelines for skippers and captains in case of an orca rudder attack. With its latest recommendations, the authorities are moving away from the practice recommended since 2020 of stopping the yacht, engine and all equipment in the event of violent interaction of killer whales, in order to make the target as unattractive as possible to the orcas. Since summer 2020, off the Iberian Peninsula, official estimates are that several hundred yacht rudders have been reported as damaged by killer whales. Three yachts have been reported as „sunk as a result of orca interaction“. Unofficial estimates in my research THE RIDDE OF THE ORCAS put both numbers far higher for „damaged“ as well as „sunk“ by orcas.

Instead of standing still, the authorities are now advising every yacht in the event of an orca interaction to recover its sails and depart as quickly as possible under engine to the shallowest possible waters „till the orcas lose interest.“

In its latest recommendations the ministry published the map shown above of the current hot spot of orca rudder attacks off Barbate and strongly advises yachts to seek immediate coastal proximity and shallow water when passing in front of the killer whales active there, if draft, wind and sea conditions do allow.

Furthermore, it is pointed out that orcas involved in interactions should be photographed and that it is the duty of every skipper to report orca interactions.

All other details of the guidelines can be found on the website of the spanish ministry     

https://www.mitma.gob.es/marina-mercante/seguridad-maritima-y-contaminacion

in Spanish or in English translation at the bottom of this article.

2. Further Discussion on Sand and Firecrackers as Repellents.

In my previous Orca-update Paul Linguard of CRUISING ASSOCIATION explained the effect of sand as a means of defence against the orcas in a well-founded way. However the discussion about reliability of sand continues. The leading spanish orca and cetacean researcher Renaud De Stephanis, one of 10 orca experts interviewed in THE RIDDLE OF THE ORCAS, remains sceptical about the effect of sand. The orcas, being intelligent animals, are smart enough and have figured out how to avoid the effect of sand on their sensitive sonar location. 

Apart from that, my own observations of sailors using sand documented in videos reveal often application errors. Dumping sand at full speed is pointless, as sand disperses immediately at five knots speed like any other substance applied. Sand should only be applied when lying still. Some videos also reveal  far too small quantites of sand being spread by sailors from small bags. Spanish Fishermen carry sand in large quantities and release it from their quiet lying boats into the water in huge bags to confuse the orca sonar.

Former Chairman of the German Cruising Association TRANS-OCEAN Martin Birkhoff recently reported on the effect of firecrackers, so-called „seal bombs“, which fishermen use to repel seals from their nets, on his website. He experienced two short violent orca interactions damaging his stearing. He finally used so-called „fire-crackers“ as a last resort, which probably did stop the interactions. 

He also tried to verify the legal bindingness of the Spanish ban on „fire-crackers“ on his website and researched its sources. Read more at https://www.sy-magodelsur.de/2023/05/10/orcas-rechtliche-einschaetzung-von-abwehrmassnahmen/ – to read Martin Birkhoff’s article in English scroll to bottom of the link.

More information about the puzzling background of the behaviour:


Released in April 2023
20 british, german, french and polish sailors report 
on how they survived violent Orca interactions
– and scientists respond to their observations.
A must read for everybody sailing the Orca Alley in 2023
from an author who sailing it in 2022.
Available as eBook or Print
on www.amazon.com
or www.amazon.co.uk 

English Translation of

Recommendations for Skippers when Killer Whales interact with their Vessel.

If you are at sea and encounter killer whales or other cetaceans who interact with the vessel, the skipper/captain of the vessel is obliged to take the following measures as far as possible:

a. Prevent persons on board from approaching the railing. 

Ensure that they stay on the vessel in places offering maximum shelter from abrupt vessel movements which could lead to injury, going overboard and injuries caused by loose objects.

b. In the event of violent interaction it is better to motor than to sail, not to stop the vessel, as well as to run in a direct path with speed towards shallow waters, as far as wind and sea conditions do allow this to the vessel concerned to do so until the killer whales lose interest.

c. In the case of vessels under sail, care should be taken to ensure the integrity of the keel and anything that may affect the stability of the vessel. Therefore, in the event of an interaction, it is recommended that the sails be recovered and to run under engine.

d. It is recommended to sail as close to the coast as possible, as far as safety and structural characteristics of the vessel do allow. This is especially true off Barbate Bay, where there is less likelihood of encountering killer whale groups in close proximity to shore.

e. Any vessel or boat observing the presence of killer whales or other cetaceans, whether interacting or not, must strictly comply with the provisions of Royal Decree 1727 of 21 December 2007. This establishes measures for the protection of cetaceans, in particular those aimed at avoiding any behaviour that may cause death, harm, harassment or discomfort to cetaceans and, in general, any behaviour listed in Articles 4 and 5 of the said Royal Decree.

f. Killer whales involved in interactions shall be observed and, if possible, photographed. These activities may only be carried out in compliance with all precautionary measures and in the exercise of good seamanship, without prejudice to the safety of navigation or appropriate rules. And only when it is possible and safe not to expose the vessel or boat, the persons on board and the cetaceans to major risks.

g. Whatever newer instructions or recommendations exist should be passed on to seafarers.

h. It is recalled that it is the duty of every master or skipper to report events that pose a hazard to navigation. Therefore, interactions with killer whales should be reported to the appropriate Sea Rescue Coordination Centre (Salvamento Marítimo).

Schiff mit Schliff

Es ist angerichtet! Bob mit Block © Leo Sampson

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Ein Fahrplan für die Boots-Entsorgung

Kein schöner Anblick: Diese alte Yacht muss entsorgt werden, und dieses Schicksal kommt auf Tausende Boote zu. © Aper

Kein schöner Anblick: Diese alte Yacht muss entsorgt werden, und das kommt auf tausende Boote zu © Aper

Ein Fahrplan für die Boots-Entsorgung

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9 Jahre – 2 Fazits

Do.,01.Jun. 22, Pazifik, Tag 3287, 24.696 sm von HH

Wie immer getrennt von einander geschrieben.

Achim:
Wieder ein Jahr weg. Eines, das so ganz anders war, als die vorangegangen acht Jahre.
Gefühlt war es ein Leben mit und auf einer Baustelle. Air BnB wechselte sich mit House Sitting und dem Wohnen auf dem aufgebockten Schiff ab. Dazu kam unser Fiddel, unser geliebter 2004er Corolla. Es war ein Leben wie  „Rentners“  es führen. Rumtüddeln, einkaufen, essen, schlafen.

Wir haben es dennoch genossen. Neuseeland ist unser Land. Die Einfachheit, die fehlende Eitelkeit, das Tempo, die Freundlichkeit, die wenigen Menschen. Wir wären wohl geblieben, wenn es einen realistischen Weg gegeben hätte. So schlimm, wie es sich oben anhört, kann das Rentner-Leben dann wohl nicht gewesen sein.
Das einzig Problematische ist, dass die Behörden das nicht so sehen. Immigration funktioniert hier nur, wenn es zum Nutzen des Landes ist. Zumindest, wenn es sich um so alte Menschen wie mich handelt. Somit ist es nicht der Ort, an dem wir den Anker endgültig eingraben werden. Eigentlich schade, aber vielleicht auch ganz gut. Wir sind ja auch noch zu jung.

Jetzt stehen wir nach 18 Monaten ohne Segeln kurz vor dem wohl anspruchsvollsten Törns unserer Reise. Das macht schon etwas Bauchgrummeln. Jetzt heißt es wieder, den Stier bei den Hörnern zu greifen und weiterzufahren. Raus aus der Komfort-Zone, wie das so schön heißt.

Also los, Jahr zehn kann kommen und Französisch Polynesien lockt.

Sabine:

Wir sind träge geworden in dem Jahr auf dem Yard. Zu bequem war das Leben mit einem Auto unter dem Schiff. Zu bequem das Leben in Häusern an Land -beim House Sitting und im Air B&B. Zum Glück haben wir die Landreisen im Zelt unternommen, sonst wären wir total verweichlicht. ;-)
Mir fällt der Start deshalb schwer wie nie. Entwöhnt vom Segeln und dann auch noch unsere wohl anspruchsvollste Segel-Etappe. Zu gerne hätte ich es weiterhin bequem. Der Abschied fällt schwer, die Reiseknochen sind müde.

Zum Glück lauern dann Fotos im Internet. Blogs anderer Segler schwärmen von exotischen Zielen. Wenn wir uns gegenseitig die Geschichten vorlesen, fängt sofort das Reisefieber an zu lodern: „Sollen wir das auch wagen, dahin zu segeln? Würde uns das gefallen?“
Gefallen ja, aber wir haben faulen Speck angesetzt. Es fallen Sätze wie: „Das kann man auch ganz bequem per Flieger erreichen.“
Zum Glück wurde uns die  Entscheidung von den Einreisebestimmungen Neuseelands abgenommen. Wir müssen raus.

Wir gehen zurück nach Osten, um noch eine große Runde im Pazifik drehen zu können. Wunderschöne Orte warten auf uns. Abenteuer. Kletterpartien. Tolle Menschen und tolle Begegnungen. Aufregung, Spaß und Begeisterung. Sonnenuntergänge zum Niederknien. Spektakuläre Tauchgänge.
Meine Aufregung steigt, während ich das schreibe.

Aber es warten auch Anstrengungen auf uns. Üble Tage auf See und nächtliche Ankerwachen in angeblich sichern Buchten. Wäsche waschen mit der Hand und zu Fuß die Einkäufe schleppen. Dinghy Ritte bei denen wir nass bis auf die Knochen werden. Vielleicht auch mal leere Supermärkte und wenig Komfort. Plage, schlechte Laune und Mühsal. Tagelangen Regen. Wind aus der falschen Richtung.

„Siehst du“, ruft mir mein fauler Schweinehund zu, „und dafür willst du dich quälen?“ „Ja genau, leg dich wieder schlafen, du Hund. Genug gefaulenzt. So lange das Positive überwiegt, macht mir die Quälerei nichts aus. Auf zu neuen Abenteuern – möge das zehnte Jahr so wundervoll werden, wie es die letzten neun gewesen sind.“

Willner gegen den Rest der Welt – Navigation für Fortgeschrittene. Unser kleiner Weltatlas ist total abgegriffen und weckt immer Sehnsüchte. 

PS: Noch ein kleines Wetter- und Abreise-Update: Mittwoch sollte es los gehen (wir hatten sogar schon einen Termin beim Zoll vereinbart). Dann haben die Wetterheinis plötzlich einen Wirbel in die Karte gezeichnet, der uns nach ein paar Tagen überholt hätte. Der war so heftig, dass wir unsere Abfahrt abgesagt haben:
Dieser Wirbel ist drei Tage später komplett verschwunden. :evil:
Die Warterei, die Anspannung, die Enttäuschung helfen ausreichend dabei, dass uns mehr und mehr der Mut für unseren Plan verlässt.
Aber noch bleiben wir dran: Montag ist nun im Visier.


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