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Kieler Woche: Spannender Abschluss der ersten Hälfte mit sechs deutschen Siegen

Erwartete Siege, heiße Titelkämpfe und überraschende Wendungen: Der Abschlusstag der ersten Kieler-Woche-Hälfte hielt bei den zehn internationalen Klassen noch einmal alle Varianten der Entscheidungsfindung bereit. Weiterlesen

Aus der Halle zum Titelgewinn

Zum Abschluss der Deutschen Meisterschaft auf der Seebahn schenkte Rasmus den Seeseglern*innen zur Kieler Woche noch mal kräftig ein. Mit Böen um 30 Knoten hatten die Teams auf der Bahn Alpha in zwei Wettfahrten zu kämpfen, kamen anschließend aber glücklich zurück in den Hafen. Denn für viele war der Saisonhöhepunkt auch die erste Regatta in dieser Besetzung. So kosteten auch die jeweiligen Meister, „Sportsfreund“ (ORC I+II) und „Immac Fram“ (ORC III + IV), das Geschehen voll aus, obwohl sie schon vor der finalen Wettfahrt als Sieger feststanden.

Deutscher Meister 2020 ist der Europameister „Sportsfreund“ (Seehafer/Heiligenhafen) mit Steuermann Gordon Nickel. Foto: www.segel-bilder.de

Beeindruckend war die Vorstellung der „Sportsfreund“ in der Gruppe der großen Yachten. Ohne große Vorbereitung war das Team auf das Boot gestiegen und hat sofort wieder in den Erfolgsmodus des vergangenen Jahres zurückgefunden. „Das Boot ist Mittwoch vergangener Woche mit der EM-Einstellung aus der Halle geschoben worden. Bertil Balser und die Jungs haben es dann aufgebaut. Ich selbst war noch auf dem Rückweg von der Melges-WM“, berichtete Steuermann Gordon Nickel. „Ein großes Dankeschön an unseren Eigner Axel Seehafer, dass er uns den Start ermöglicht hat.“ Seehafer selbst war nicht an Bord, konnte aber aus der Ferne beobachten, wie die Crew immer besser in Fahrt kam. „Im Training am Freitag war es noch etwas holprig. Wir hatten ein paar Umstellungen in der Crew. Aber nach ein, zwei Anläufen kommt man fast von allein rein“, so Nickel. Die Formkurve gipfelte schließlich in zwei Siegen am Abschlusstag zum Sieg vor IDM-Titelverteidiger „Intermezzo“ von Jens Kuphal (Berlin). „Das war unser Ziel. Wir hatten mit der Deutschen Meisterschaft noch eine Rechnung offen. Daher sind wir an den Start gegangen“, so Nickel. Hinter der „Intermezzo“ gewann die „Xen“ von Torsten Bastiansen (Flensburg) IDM-Bronze in der Gruppe ORC I+II.

Etwas mehr Zeit zur Vorbereitung auf die IDM als die „Sportsfreund“ hatte sich die „Immac Fram“ in der Gruppe der mittleren und kleinen Yachten (ORC III+IV) gegeben. „Als im Juli absehbar war, dass die Kieler Woche stattfinden würde, haben wir die Yacht zu Wasser gebracht“, berichtete Steuermann Kai Mares. „Vorher machte das nicht so richtig Sinn. Man braucht schon ein Ziel, auf das man hinsteuern kann.“ Und die selbstgesteckte Zielvorgabe wurde dann perfekt umgesetzt: Nur zwei Wettfahrten in der neunteiligen Serie konnte die Mares-Crew nicht gewinnen, hatte damit die gleiche Überlegenheit erreicht wie beim Titelgewinn vor einem Jahr. Wie das Projekt nun fortgesetzt wird, steht noch nicht fest. Ursprünglich war zu diesem Jahr ein Wechsel in das Mittelmeer geplant. Möglicherweise wird das in 2021 umgesetzt.

In der Klasse ORC III eine Klasse für sich: „Immac Fram“ (Mares/Dänischenhagen). Foto: www.segel-bilder.de

Mit Platz zwei in der IDM-Wertung der Gruppe ORC III+IV hat die „Halbtrocken“ von Knut Freudenberg das eigene Ziel zur Hälfte erfüllt. Nach dem Podiumserfolg in voller Crewstärke will Freudenberg in der zweiten Hälfte bei der IDM für Zweihand-Crews seinen Titel aus dem Vorjahr verteidigen. Auf Platz drei landete die „Stony VIII“ von Steen Toftebjerg (Dänemark).

Die „Bostik Bad Boys“ von Jan Schmidt (Flensburg) durften sich über den Gruppensieg in der ORC IV freuen. In der kombinierten IDM-Wertung mit der Gruppe III landete das Team auf Platz fünf.

Rekordserie und heiße Finalduelle

Erwartete Siege, heiße Titelkämpfe und überraschende Wendungen: Der Abschlusstag der ersten Kieler-Woche-Hälfte hielt bei den zehn internationalen Klassen noch einmal alle Varianten der Entscheidungsfindung bereit. Dazu gab es die neue Rekordmarke durch Wolfgang Hunger: Der Strander gewann auf seinem Hausrevier zum 23. Mal einen Kieler-Woche-Titel – zum inzwischen neunten Mal an der der Seite von Holger Jess im 505er. Insgesamt holten sich sechs deutsche Crews, zwei dänische und jeweils eine niederländische und polnische die Siegertrophäen ab.

„Mein Strahlen bleibt“, resümierte Regatta-Organisationsleiter Dirk Ramhorst. „Nach dem Morgen im Nieselregen entwickelte sich das Wetter wie von Meeno Schrader vorhergesagt noch sehr gut. Wir hatten einen super Segeltag. Die Segler und Seglerinnen hatten Spaß, mussten bei den Winden aber auch kämpfen.“ Nach der auch mit Blick auf die Corona-Situation erfolgreichen ersten Kieler-Woche-Hälfte blickt Ramhorst hoffnungsvoll auf die kommenden vier Segeltage von Donnerstag bis Sonntag in sechs olympischen und drei internationalen Bootsklassen: „Danach fällt mir dann hoffentlich auch der letzte Stein vom Herzen.“

505er

Zunächst im 470er und seit 1997 im 505er beherrschte Wolfgang Hunger sein Heimatrevier auf der Kieler Außenförde so, dass er Sieg um Sieg einsammelte. Nach 2013 aber schien die Serie gerissen. Sechs Jahre währte die Durststrecke, bevor Wolfgang Hunger wieder mit Holger Jess zusammen ins Boot stieg. Das Erfolgsduo war bis 2008 gemeinsam gesegelt, dann aber getrennte Wege gegangen. Im vergangenen Jahr holten sie wieder gemeinsam dem Kieler-Woche-Sieg und hängten nun gleich den nächsten dran. Den gestalteten sie so überlegen, dass sie zum letzten Rennen nicht mehr antreten mussten. Stefan Böhm/Gerald Roos (Ville) stellten den deutschen Doppelerfolg sicher, hielten die stark aufkommenden Dänen Jörgen Bojsen-Möller/Michael Wonterghem noch auf Distanz. „Im letzten Rennen haben wir das Material geschont, weil es gleich im Anschluss an den neuen Eigner übergeben wurde. Ein bisschen schade. Ich wäre gern gesegelt. Im letzten Rennen hätten wir ganz befreit Vollgas geben können“, sagte Wolfgang Hunger. Doch sein Vorschoter und Bootshändler Holger Jess versorgt die Szene eben mit Spitzen-Bootsmaterial und da gehört der Verkauf der Erfolgsboote zum Geschäft. „Die Leute wollen eben lieber unsere Boote als neues Material“, so Jess. Zur eigenen Überlegenheit wiegelte Wolfgang Hunger ab: „Gestern war es schon knifflig, aber insgesamt lief es glatt. Segeln ist eben ein Erfahrungssport. Das können die Jungen nicht so schnell aufholen.“

420er

Selbst eine Frühstart-Disqualifikation zum Abschluss der Serie änderte nichts mehr am polnischen Sieg vor Kiel im 420er. Patryk Kosmalski/Tomasz Lewandowski hatten sich in der Finalserie als zu stark erwiesen, als dass sie die Schwarze Flagge in der abschließenden Wettfahrt noch aus der Spur hätte bringen können. Zudem konnten sie den Frühstart streichen und siegten mit komfortablem Punktevorsprung vor ihren Landsfrauen Zofia Korsak/Karolina Cendrowska. Nach einem munteren Wechselspiel in den Platzierungen unter den deutschen Top-Teams hatten schließlich Florian Büscher/Jacob Lanzinger das bessere Ende im internen Wettstreit für sich. Die Kombination aus Düsseldorf und vom Chiemsee landete auf dem dritten Gesamtrang.

Contender

„Es ist eine komfortable Situation“, sagte Max Billerbeck (Kollmar) bereits vor dem Start – allerdings mit einem lachenden und einem weinenden Auge. „Nach hinten ist Platz, aber nach vorn geht auch nicht mehr viel.“ So konnte sich der Weltmeister ganz auf seinen dritten Platz und auf das Bootshandling konzentrieren. Denn bei den heftigen Böen hatten gerade die Athleten in den Einmann-Trapezjollen jede Menge Arbeit, um ihre Sportgeräte aufrecht zu halten. An der Spitze war der Weg frei für Titelverteidiger Sören Dulong Andreasen (Dänemark). Mit einer Frühstart-Disqualifikation am Montag war sein Landsmann Jesper Armbrust als härtester Verfolger ins Straucheln gekommen und konnte den Weltmeister von 2013 und zweimaligen Europameister Andreasen nicht mehr gefährden. Sie teilten sich am Abschlusstag die Siege auf, Billerbeck reichten zwei siebte Plätze zum Gesamt-Dritten.

Musto Skiffs

Wenn die Bedingungen für die Contender schwierig werden, dann würde das Geschehen auf dem Musto Skiff einem Rodeo-Ritt gleichen. Entsprechend wurde das Feld in den Einmann-Trapez-Gennaker-Skiffs zum Abschluss ihrer Kieler Woche nicht mehr auf das Wasser geschickt, und Iver Ahlmann durfte sich als erster Kieler-Woche-Sieger 2020 in den Jollenklassen feiern lassen. Für den Mann vom Kieler YC ist es nach 2011 der zweite Sieg bei der weltgrößten Regattawoche. Vor neun Jahren gewann der ehemalige Klassenpräsident die Premiere seiner Klasse vor Kiel, jetzt steht er wieder an der Spitze nach einer starken Serie von sieben Siegen und vier zweiten Plätzen in einem allerdings nur kleinen Feld von zwölf Teilnehmern. Auf den weiteren Podiumsplätzen folgen der Niederländer Paul Dijkstra und Jan Busch (Aachen).

Europe

Eine Frau hat die vorrangig männliche Konkurrenz trotz dem kräftezehrenden Abschluss sicher in Schach gehalten. Anna Livbjerg war auch im kräftigen Wind am Dienstag eine Klasse für sich. Die Dänin hätte das letzte Rennen gar nicht mehr segeln müssen. Sie hatte aber Spaß an Wind und Wellen und hatte nach einem weiteren Sieg, dem fünften in elf Wettfahrten, 36 Punkte Vorsprung vor dem zweitplatzierten Simon Christoffersen (Dänemark) und dem Franzosen Cyril Richard. Das deutsche Leichtgewicht Johann Tammen (Kiel) musste den Bedingungen zum Abschluss Tribut zollen. Am Morgen noch mit Medaillenchancen ausgestattet, rutschte er auf den siebten Platz ab.

J/70

Hochspannung zum Abschluss der J/70. Die beiden letzten Wettfahrten wurden zu einem heftig umkämpften Schlagabtausch zwischen den drei Crews vom NRV Hamburg. Als Spitzenreiter war Claas Lehmann in den Tag gegangen, büßte dann aber gleich im ersten Rennen wichtige Punkte ein, als er nach schwachem Start ins Rennen zwar noch auf Platz drei fuhr, aber Verfolger Michael Grau den Tagessieg überlassen musste. Carsten Kemmling musste derweil mit Platz vier zufrieden sein und schien schon raus auf dem Rennen um den Gesamtsieg. Das aber änderte sich vermeintlich in der finalen Wettfahrt. Kemmling erwischte eine starke erste Kreuz, rundete die Luvmarke auf Rang zwei, während Grau und Lehmann im dichten Verkehr stecken blieben. Doch auf dem Vormwindkurs zeigten beide Crews, warum sie auf den Top-Positionen notiert sind. Mit hoher Geschwindigkeit preschten sie durchs Feld und kamen am Gate auf den Plätzen drei und vier an. Fortan spielte sich das Geschehen um den Kieler-Woche-Gesamtsieg zwischen Michael Grau und Claas Lehmann ab und spitzte sich auf dem letzten Vormwindgang zu einem Drama für Claas Lehmann zu. Der ehemalige 505er-Weltmeister hatte scheinbar alles im Griff, seinen Konkurrenten Grau im Kielwasser. Der aber steuerte auf Anweisung seines australischen Taktiker-Profis David Chapman so, dass er die Halse von Lehmann verhinderte. Als Grau dann abdrehte, reagierte Lehmann zu hektisch, verpatzte das Gennaker-Manöver. Als sich die Blase endlich wieder füllte, waren ihm drei Teams durchgerutscht – darunter Michael Grau. Aus dem knappen Abstand war zum Abschluss der Kieler Woche Punktgleichheit zwischen Michael Grau und Claas Lehmann geworden – mit dem Tiebreak zugunsten des Deutschen Meisters von 2019. Michael Grau hatte im Laufe der elf Wettfahrten vier Rennen für sich entschieden und wurde damit auf Platz eins geführt. „Das war ein tolles Rennen. David hat die letzte Halse perfekt angesagt“, freute sich Grau über den gelungenen Winkelzug seines Taktikers. „Er hat die gesamte Regatta über ein super Gespür für den Wind und die richtige Seite bewiesen.“ Als Steuermann hat Grau aber auch selbst ein gutes Händchen bewiesen: „Wenn man ein Boot schnell haben will, muss man auch sauber steuern.“

J/80

Zweifel daran, dass Martin Menzner (Stein) sein Dutzend an Kieler-Woche-Siegen heute voll machen würde, bestanden schon beim Auslaufen nicht. Als dann die ärgsten Widersacher, die Crew um Vorjahressieger Arne Wilcken (Kiel), im ersten Rennen nicht in Fahrt kamen und nach einem verpatzten Gennakermanöver aufgaben, waren auch rechnerisch alle Unklarheiten beseitigt. Menzner fuhr einen weiteren Sieg ein und konnte sich das Abschlussrennen sparen, um nach zehn Wettfahrten mit acht Siegen Crew und Material zu schonen. „Wir waren schnell und haben die richtigen taktischen Entscheidungen getroffen“, freute sich Menzner über perfekte Segeltage. Zu dieser Saison gab es für seine „Pike“ eine neue Segelgarderobe, die dem Boot mehr Performance verlieh. „Wir sind sehr glücklich damit, konnten wieder zu der erfolgreichen Einstellung von 2018 zurückkehren. Im vergangenen Jahr kamen wir mit dem Segelschnitt einfach nicht zurecht.“ Mit dem Sieg revanchierte sich Menzner für die Kieler-Woche-Niederlage in 2019 gegen Arne Wilcken, der diesmal Zweiter wurde vor den Flensburgern um Torsten Voss.

Nach 14 Jahren wieder Gold: Stefan Karsunke (rechts) feierte 2006 seinen J/24-Sieg zur Kieler Woche, jetzt seinen zweiten. Foto: www.segel-bilder.de

J/24

Der Kreis schließt sich. Manchmal dauert es indes etwas länger. Stefan Karsunke feierte 2006 den J/24-Sieg zur Kieler Woche. Jetzt der Hamburger wieder an der Spitze der größten Kielbootklasse der Welt. Eine Frühstart-Disqualifikation gleich zum Auftakt der Serie steckte das Team weg, segelte danach beständig auf Erfolgskurs. Dahinter gab es einige Veränderungen. So sprang zum Abschluss noch Frank Schönfeldt (Hamburg) auf den zweiten Platz, während Manfred König (Hamburg) von zwei auf vier noch hinter Fabian Damm (Hamburg) abrutschte.

Laser 4.7

Strahlend holte Batbold Gruner seinen Preis ab. Der 16-jährige Schüler hatte eine starke Woche, segelte nach Platz 24 bei der Europameisterschaft in Portugal nun zu seinem größten internationalen Erfolg. „Heute lief es noch einmal richtig gut“, freute sich der Segler vom Zwischenahner Meer. „Ich bin sehr glücklich.“ Mit einem Sieg zum Abschluss besiegelte er den Gesamtsieg vor dem Schweden Erik Norlén und dem Dänen Magnus Heegard. Wie seine Karriere weitergeht, hat Gruner noch nicht entschieden.

Laser Radial

Mit einer beständig guten Serie zum Abschluss der Finalserie sicherte Anton Nikolai Loeck der deutschen Flotte noch eine überraschende Bronzemedaille bei den Laser Radial. Damit ließ der Flensburger sogar die Weltmeisterin von 2018, Emma Plasschaert aus Belgien, im Kielwasser, die ihre Chancen auf eine Top-Drei-Platzierung mit zu heftigem Einsatz verspielte. In den Rennen sechs, sieben und acht kassierte die Olympia-Aspirantin von der Jury auf dem Wasser gleich dreimal eine Bestrafung. Die erste wegen zu großem Körpereinsatz kostete sie einen Strafkringel, nach der zweiten wegen Pumpens musste sie das Rennen aufgeben, und nach der dritten wegen Wriggens am Start kassierte sie eine nicht-streichbare Disqualifikation für das Rennen. Damit blieb ihr trotz weiterer Top-Ergebnisse nur Platz vier. Der Kieler-Woche-Sieg war indes außer Reichweite. Der Niederländer Paul Hameeteman gab sich zu keiner Phase mit ausschließlich Top-Zwei-Ergebnissen eine Blöße. Die Dänin Anna Munch auf Gesamtrang zwei steckte ihre Frühstart-Disqualifikation gleich zum Auftakt der Kieler Woche locker weg und startet nun mit der Empfehlung als beste Frau bei den Laser Radial Open in die zweite Kieler-Woche-Hälfte. Dort segelt sie – ebenso wie Emma Plasschaert – in der olympischen Frauen-Disziplin der Laser Radial.

Neues Seminar: Bootstrailer-Training

Exklusiv für Mitglieder des ADAC sowie von DSV- und DMYV-Vereinen, veranstaltet das „Forum Sportschifffahrt“ ein eintägiges intensives Trailer-Training. Die Kurve der schmalen Straße ist nicht einsehbar. Kurz nach dem vorsichtigen Einfahren kommt ein Traktor entgegen, der nicht ausweichen kann. Nun bleibt keine andere Möglichkeit, als das Gespann mit Boot etwa 300 Meter rückwärts bis zur

Refit: Studenten restaurieren 64 Jahre altes Holzboot – Wissen von YouTube und N24

Paul und Alina machen keinen Hehl daraus: Erfahrene Bootsbauer sind sie nicht gerade. Trotzdem schafften sie sich ein „löchriges“ 13-Meter-Holzboot an und starteten ein Restaurierungsprojekt inklusive YouTube-Kanal.   Weiterlesen

Expedition: Wellness-Programm für “Tara” in Lorient – nächster Törn soll bald starten

Die Expeditonsyacht „Tara“ soll bald zu einer weiteren Forschungsreise rund um das Thema „Meeresverschmutzung durch Plastik und dessen Einfluss auf Bakterien und Mikrobiome“ starten. Doch ausgerechnet ein Virus könnte die Abfahrt erheblich verzögern.  Weiterlesen

Hunger baut Kieler-Woche-Rekord aus – IDM-Titel vergeben

Noch vor dem Abschluss der Wettfahrten sind die großen Entscheidungen in der ersten Hälfte der Kieler Woche gefallen. Ein zweiter Platz im vorletzten Rennen reichte den Dominatoren der 505er-Klasse, um ihren Sieg unter Dach und Fach zu bringen. Wolfgang Hunger/Holger Jess holten sich den überlegen den Titel bei den „Fiven“. Für Wolfgang Hunger ist es nach Serienerfolgen im 470er und 505er vor Kiel ein weiterer Eintrag ins Historienbuch der Kieler Woche. Der Strander Arzt baute seinen Kieler-Woche-Rekord auf nunmehr 23 Erfolge aus.

Frühzeitig sind auch die Würfel im Titelkampf der deutschen Seesegler gefallen. Im achten von neun Rennen landete die „Sportsfreund“ um Skipper Gordon Nickel (Stade) einen weiteren Sieg in der Klasse ORC I+II. Damit war die Crew, die ihr Boot erst in der vergangenen Woche zu Wasser gelassen und nur wenig trainiert hatte, nicht mehr zu schlagen. Die Europameister des vergangenen Jahres feiern nun auch den Deutschen Meistertitel, den sie 2019 der „Intermezzo“ von Jens Kuphal hatten überlassen müssen. Kuphal sicherte sich nach Gold im vergangenen Jahr diesmal Silber.

Der Europameister von 2019 ist jetzt auch Deutscher Meister von 2020: „Sportsfreund“ (Gordon Nickel). Foto: www.segel-bilder.de

Erfolgreich lief die Titelverteidigung für die „Immac Fram“ in der Klasse ORC III+IV. Nach sechs Siegen in acht Rennen gab es schon vor der finalen Wettfahrt keinen Zweifel mehr am Erfolg der Crew um Kai Mares (Dänischenhagen). Auch die weiteren Podiumsplätze waren vergeben, bevor Wettfahrtleiter Eckart Reinke die Flotte ein letztes Mal auf Kurs schickte. Knut Freudenberg mit der „Halbtrocken“ (Flensburg) gewann den Vizetitel, und der dritte Rang ging nach Dänemark an die „Stony VIII“ von Stehen Toftebjerg.

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Ylvas Meister

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Die Dänische Meisterschaft der Ylvas wurde Mitte August auf der Flensburger Förde ausgesegelt. Eindrücke von den schlanken Schönheiten

Iver Ahlmann erster Sieger der internationalen Klassen

Grau, nass und windig präsentierte sich der Olympiahafen in Schilksee am vierten Tag der Kieler Woche 2020.  Auf über 40 Knoten peitschten die Böen am Kieler Leuchtturm am frühen Morgen hoch, so dass Seebahn-Wettfahrtleiter Eckart Reinke für die teilnehmenden Yachten an der Deutschen Meisterschaft eine einstündige Startverschiebung verkündete. Derweil durfte Iver Ahlmann bei den Musto Skiffs bereits seinen Kieler-Woche-Sieg feiern.

Für die Akteure auf den Dreiecksbahnen stehen zum Abschluss noch einmal zwei Rennen auf dem Programm. Eine Herausforderung bei den Bedingungen gerade für die kippeligen Klassen. „Das wird spannend da draußen bei dem Wind“, sagte Max Billerbeck, Weltmeister der Contender.

Wenn die Bedingungen für die Contender schwierig werden, dann würde das Geschehen auf dem Musto Skiff einem Rodeo-Ritt gleichen. Entsprechend wurde das Feld in den Einmann-Trapez-Gennaker-Skiffs zum Abschluss ihrer Kieler Woche nicht mehr auf das Wasser geschickt, und Iver Ahlmann durfte sich als erster Kieler-Woche-Sieger 2020 in den Jollenklassen feiern lassen. Für den Mann vom Kieler YC ist es nach 2011 der zweite Sieg bei der weltgrößten Regattawoche. Vor neun Jahren gewann der ehemalige Klassenpräsident die Premiere seiner Klasse vor Kiel, jetzt steht er wieder an der Spitze nach einer starken Serie von sieben Siegen und vier zweiten Plätzen in einem allerdings nur kleinen Feld von zwölf Teilnehmern. Auf den weiteren Podiumsplätzen folgen der Niederländer Paul Dijkstra und Jan Busch (Aachen).

Die Sieger in den weiteren neun internationalen Klassen werden am Nachmittag gekürt.

Revier Unterelbe: Wo Groß- und Freizeitschifffahrt sich treffen – Infos und Tipps für Segler

Einmalig vielseitig, spannend und schön: Die Unterelbe zwischen Hamburg und Cuxhaven stellt eine Wasserlandschaft zur Verfügung, die beides bietet: geschütztes Binnenrevier und Tor zur weiten Welt. Weiterlesen

Spaß zur Kieler Woche, Fokus auf Tokio

Die Kieler Woche 2020 verzichtet auf die 470er, aber die besten deutschen 470er-Seglerinnen verzichten nicht auf die Kieler Woche. Die Olympia-Aspiranten Frederike Loewe/Anna Markfort gehen indes getrennte und ganz unterschiedliche Wege, um zum größten Segelevent der Welt auf das Wasser zu kommen. Während Frederike Loewe in der Itzehoer J/70-Crew von Julian Ramm angeheuert hat, nahm Anna Markfort am Wochenende die Chance wahr, als Moderatorin auf dem Wasser den Zuschauern bei Kieler-Woche-TV den Segelsport näher zu bringen.

Ursprünglich hätten die 470er-Seglerinnen jetzt mitten in der Vorbereitung für die Welt- und Europameisterschaft stecken sollen. Doch das im Oktober geplante Doppelevent auf Mallorca wurde abgesagt. Somit gab es zeitliche Optionen für das Duo Loewe/Markfort, aber eben kein 470er-Betätigungsfeld. Da traf es sich, dass sich Alternativen auftaten.

Beim Event der Segelbundesliga vor zwei Wochen beim VSaW Berlin, dem Heimatverein von Frederike Loewe, trafen sich die 470er-Steuerfrau und das Bundesliga-Team der SV Itzehoe und machten schnell einen gemeinsamen Auftritt vor Kiel klar. „Anna ist im vergangenen Jahr mit Julian gesegelt, und ich war sofort begeistert, als sie mich gefragt haben“, berichtet die 26-Jährige. „Am Freitag vor der Kieler Woche haben wir noch ein bisschen trainiert, und am Samstag ging es dann auch schon los.“ Die Berlinerin übernahm die Taktikposition, gewöhnte sich schnell ein, musste sich aber gerade auf den Vormwind-Kursen auf die anderen Winkel einstellen, die man mit den J/70-Gennaker im Vergleich mit dem 470er-Spinnaker segelt. Einen Drang, in die Pinne zu greifen, verspürte die gelernte Steuerfrau indes nicht: „Ich vertraue Julian da voll und ganz.“

Nach der Kieler Woche übernimmt Frederike Loewe aber wieder das Ruder. Dann steht der 470er im Fokus – zunächst beim gemeinsamen Training mit den Sparringspartnerinnen Theres Dahnke/Birte Winkel und Bundestrainer Marek Chocian vor Kiel. „Der ursprüngliche Plan war, anschließend über die Wintermonate auf Mallorca mit den Spaniern gemeinsam zu trainieren. Mal sehen, ob sich das realisieren lässt“, sagt Loewe.

Frederike Loewe macht bei der Kieler Woche die Taktik in der J/70 des Bundesliga-Teams der SV Itzehoe. Foto: www.segel-bilder.de

Ab März vor Vilamoura an der Algarve wird es dann ernst: Denn zur geplanten WM in Portugal und bei der Traditionsregatta Princess Sofia auf Mallorca im April gibt es Punkte für die nationale Ausscheidung für Tokio. Ursprünglich hätte die EM/WM 2020 mitzählen sollen. Ob es dafür einen Ersatz gibt, ist noch offen. Vier deutsche Teams werden sich um das Ticket bemühen: neben Loewe/Markfort und ihren Trainingspartnerinnen Dahnke/Winkel auch noch Luise Wanser/Anastasiya Winkel und Nadine Böhme/Ann-Christin Goliaß. „Ich sehe uns da in einer guten Position, gerade ab Winden von zehn/zwölf Knoten“, so Loewe.

Auch für ihre Vorschoterin Anna Markfort geht der Blick nach der Kieler Woche schon klar in Richtung Tokio. „Wir konzentrieren uns voll auf 2021. Als Sportsoldatin ist Segeln mein Beruf und Olympia das Ziel. Danach sehen wir weiter.“ Die Phase des Leerlaufs hat die Studentin der Pädagogik und Anglistik gut gefüllt – nicht nur mit dem Moderatorenjob zur Kieler Woche, sondern auch mit ihrer Bachelor-Arbeit. „Ich muss jetzt schon wieder an den Schreibtisch. Aber die Moderation auf dem Wasser am Wochenende war eine schöne Abwechslung“, so Anna Markfort. Ein wenig Aufregung bei der Aufgabe gestand die 27-Jährige zwar ein, aber mit ähnlichen Aufgaben bei der Segelbundesliga ist sie schon Mikrofon- und Kamera-erfahren. „Ein bisschen anders ist es schon, etwas aus dem Ü-Wagen zu kommentieren, als es auf dem Wasser zu analysieren. Aber es hat Spaß gemacht und ich habe viel positives Feedback bekommen.“

Für Anna Markfort war die Anfrage von TV-Moderator Alexander Ruda für die Kieler Woche die große Chance, um bei dem Segelevent auf das Wasser zu kommen. „Das habe ich gern wahrgenommen, und es hat riesigen Spaß gemacht. Ich kann mir vorstellen, das auch nach der Olympiakarriere weiter zu machen. Vielleicht auch bei anderen Events als bei der Bundesliga, zum Beispiel bei Worldcups.“ Noch aber steht Olympia im Mittelpunkt – nicht nur 2021, sondern vielleicht auch 2024. „Ich kann mir eine weitere Kampagne durchaus vorstellen“, sagt Anna Markfort. Dann muss die Segel-Ehe mit Frederike Loewe, die seit 2014 besteht, aber geschieden werden. Denn in vier Jahren wird der 470er im Mixed gesegelt. „Es gilt dann, schnell einen passenden Partner zu finden. Denn die Zeit von 2021 bis 2024 ist nicht lang. Und es wird sicherlich ein komisches Gefühl sein, dann vielleicht gegen Fredi zu segeln. Aber soweit sind wir noch lange nicht. Jetzt genießen wir die Kieler Woche und dann konzentrieren wir uns auf 2021.“