Archiv der Kategorie: Float

Auf Kufen wankeln

Auf Kufen wankeln

Mit dem Rennboot „Zisch“ war Felix Wankel Hydrofoiling-Pionier.

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Sightseeing per SUP

Sightseeing per SUP

Per Paddelboard durch Kopenhagen, Hamburg und Berlin

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Auf zur Max-Oertz-Regatta

Auf zur Max-Oertz-Regatta

Saisonstart der Segelklassiker auf der Ostsee.

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Lernkarten-App für den Seeschein

Lernkarten-App für den Seeschein

Eine Führerschein-App, die aufs Langzeitgedächtnis zielt. Und keine Daten sammelt.

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Wer zieht eigentlich wann an was?

Wer zieht eigentlich wann an was?

Das HSC Frauen-Team hat einen Tutorial-Channel für Frauen aufgemacht.

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Yeaaaah, der Gennaker steht

Yeaaaah, der Gennaker steht

float begleitete drei Tage Intensiv-Training für den Helga-Cup in Kroatien

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Der Schatz im Bodensee

Der Schatz im Bodensee

Eine hohle Betonkugel kann die Zukunft der Energiespeicherung werden.

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Remmidemmi an der Regattastrecke

Remmidemmi an der Regattastrecke Der Mai ist gekommen, und damit auch die Zeit für das Berliner Wassersportfest im Südosten der Hauptstadt. Der Mix aus Volksfest, Sportveranstaltung, Demo-Day und Bootsmesse findet am kommenden Wochenende – vom Freitag (4. Mai) bis zum Sonntag (6. Mai) – an historischer Stelle statt, der Regattastrecke im Südostbezirk Grünau.

Bratwurst und Bootsrennen

Bratwurst und Bootsrennen ziehen die Aufmerksamkeit der Gäste ebenso einvernehmlich an wie Vorführungen auf dem Wasser und maritime Verkaufsstände entlang dem Ufer der Dahmespree. Anders als manches Mal in den Vorjahren ist für die drei kommenden Festtage Sonnenschein angesagt. Wasser von oben ist nicht zu erwarten. Den Start macht am Freitag der maritime Ausflugstag für Schulklassen mit Sportangeboten auf, am und im Wasser. Nach dem Opener mit Musik am Freitagnachmittag startet am Wochenende das Wasserprogramm zum Mitmachen: Sportvereine präsentieren sich und ihre Sportarten – und nicht nur an Land, sondern auch auf dem Wasser – mit Probierangeboten und Schnupperkursen. Wettbewerbe und Regatten mit SUPs, Kanus und Drachenbooten werden auf der historischen Regattastrecke ausgetragen. Auch ein Markt für Neu- und Gebrauchtboote und Bootszubehör gehört zum Wassersportfest.
Berliner Wassersportfest
Nicht nur Rockbands treten auf© Veranstalter / Michael Ehrenteit
Und nicht zuletzt ist die Veranstaltung stolz und selbstbewusst ein Volksfest – mit allem, was dazugehört: Showeinlagen und Konzerte auf der Bühne, Kinderschminken und Hüpfburg, Entenangeln und Elektrobootfahren. Die Schlauchboot-Rennen der Thunder-Cats-Klasse, Jet-Ski-Wettbewerbe und die Rettungsübungen der Lebensretter der DLRG und der Berliner Feuerwehr lassen sich am besten von der historischen Tribüne an der Regattastrecke beobachten. Auf er Website ist das komplette Programm 2018 zu finden.

Der Ort hat Geschichte(n)

Wassersport gibt es schon immer im Südosten Berlins. Vor 150 Jahren fand hier die erste Binnensegelregatta Deutschlands statt. In wenigen Wochen wird das historische Datum mit einer Jubiläumsregatta gefeiert, die direkt an der Berliner Regattastrecke vorbeiführt: Vom Sitz des SC Brise über die Bammelecke hinaus bis zum Ende des Langen Sees, wo die Freie Vereinigung der Tourensegler Grünau 1898 zu Hause ist. Formel-1-Rennfahrer Mike Szymura absolvierte hier seine ersten Motorbootrennen bei der vom DMYV ausgerichteten Rennserie.
Berliner Wassersportfest
Ganz unterschiedliche Sportarten…
Berliner Wassersportfest
… werden gebotenbeide: © Veranstalter
Das Wassersportfest Berlin knüpft an die Tradition der beliebten Boots- und Camping-Messen auf der historischen Regattastrecke an. „Das heißt, hier wird sowohl den gemeinnützigen Sportvereinen als auch kommerziellen Sportanbietern die Möglichkeit geboten, sich einem breiten wassersport-orientierten Publikum vorzustellen.“ erklärt Mitorganisator Robert Schaddach. Veranstaltet wird das Wassersportfest zusammen mit dem Seesportclub Grünau e. V. Schon in der DDR-Zeit war diese Form der Sport- und Produktpräsentation in Grünau sehr gut besucht.
Berliner Wassersportfest
Auch historische Boote sind zu sehen
Berliner Wassersportfest
beide: © Veranstalter
Das eigensinnige und beim Publikum erfolgreiche Format in Grünau gefällt auch den Machern der Boot & Fun Berlin, die das Projekt unterstützen. „Wir sehen hier ganz viele Anknüpfungspunkte, um gemeinsam hier in Grünau den Wassersport in Berlin zu fördern“, erklärte Projektleiter Daniel Barkowski gegenüber float. Im kommenden Jahr soll die Zusammenarbeit mit dem Berliner Wassersportfest erste sichtbare Früchte tragen.

Berliner Wassersportfest 2018

Veranstaltungsort Regattastraße 191-223, 12527 Berlin Öffnungszeiten Freitag, 4. Mai: 16 bis 18 Uhr Samstag, 5. Mai: 10 bis 20 Uhr Sonntag, 6. Mai: 10 bis 18 Uhr Eintrittspreise für Kinder bis 6 Jahre kostenfrei, ab 7 Jahren 1 Euro, ab 18 Jahren 3 Euro Kontakt Tel. (0172) 608 55 51, info (at) wassersportfest.de, wassersportfest.berlin
[youtube https://www.youtube.com/watch?v=hR7NShh6Aec?rel=0&showinfo=0]
Herzlichen Dank an Sören Kusch für den Video-Überblick zum Berliner Wassersportfest.
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Des Kaisers Yachtmatrosen

Des Kaisers Yachtmatrosen

„Nirgends war der Kaiser zufriedener als in Kiel.“ Das hatte Bernhard Fürst von Bülow einmal gesagt. Doch was meinte der von 1900 bis 1909 regierende Reichskanzler damit? Die Eckernförder Yachtmatrosen hatten daran sicher ihren Anteil.

Wir schreiben das Jahr 1906, die Zeit der großen kaiserlichen Schoner-Yachten. Wilhelm II., der letzte deutsche Kaiser und König von Preußen, hatte es sich in den Kopf gesetzt, seinen Vorstellungen vom Kaiserreich als Weltmacht auch als dem Wasser Weltgeltung zu verschaffen. Und das nicht nur mit Hilfe von Kriegsschiffen, Häfen und Werften, sondern auch mit dem seit einiger Zeit wachsenden Segelsport.

Eckernförder Yachtmatrosen
Vereinstreffen der Yachtmannschaften zum 100-jährigen Jubiläum© privat

Segelsport als Weltpolitik

Alles begann 1891. Im vierten Jahr nach Gründung des Kieler Marine-Regatta-Vereins durften dem Club erstmals auch Zivilisten beitreten. Wilhelm II. wurde Kommodore und der Verein in Kaiserlicher Yacht-Club umbenannt. Daraus ging der heutige Kieler Yacht-Clubb hervor.

Prinz Heinrich, der drei Jahre jüngere Bruder des Kaisers, zeigt sich im Frühjahr des selben Jahres mit seinem in Schottland hergestellten Neubau „Irene“ auf der Kieler Förde. Wenig später erwirbt der Kaiser selbst seine erste Segelyacht. Er lässt das 90.000 Goldmark teure Schiff auf den Namen „Meteor“ taufen. Der in Glasgow gebaute Kutter von 35 Metern Länge hatte zuvor den Atlantik überquert – und war unter dem Namen „Thistle“ (zu deutsch: Diestel) krachend damit gescheitert, den America’s Cup für England zu gewinnen.

Eckernförder Yachtmatrosen
Gemälde der Meteor IV im Kieler Yacht-ClubMichael Krieg

„Deutsch vom Kiel bis zum Flaggenstock“

Unter dem kaiserlichen Stander heimst das Schiff schließlich doch noch reichlich Regattasilber ein. Kleiner Schönheitsfehler aus kaiserlicher Sicht: Die Siege gelingen mit einer fast ausschließlich ausländischen, sprich britischen Mannschaft. Nur ein einziger Matrose kommt aus dem Kaiserreich.

Das ändert sich erst, als unter der Regie des genialen Konstrukteurs Max Oertz (er lebte von 1871 bis 1929) die großen Schoner-Yachten „Germania I“ für den Industriellen Gustav Krupp und die „Meteor IV“ für den Kaiser auf der Germania-Werft in Kiel gebaut werden. Endlich holte man auf gegen die Bootsbaunation England. Alles auf der Yacht, bis auf die Masten aus amerikanischer Douglasie, stammt aus Deutschland.

Das bedeutete auch, dass des Kaisers Schiffe seitdem ausschließlich mit einer deutschen Besatzung gesegelt wurden – noch dazu erfolgreich. Die Crew der kaiserlichen Yacht erringt den ersten Regattasieg gegen die Konkurrenz von Krupp. Wer waren und woher kamen die Männer der Meteor-Crew?

Eckernförder Yachtmatrosen
Meteor IV, fotografiert von Beken of CowesWikimedia/gemeinfrei

Die Fischer und der Kaiser

Eine der Regatten der 1882 gegründeten Kieler Woche führte die Segelyachten in das eine Bucht nördlich gelegene Eckernförde. An der Pier in Eckernförde standen damals viele einheimische Fischer. Einige hatten während der Sommersaison auf den großen Segelyachten des Adels und der reichen Geschäftsleute angeheuert. Im breitesten Platt – denn kaum ein Fischer sprach damals Hochdeutsch – sagten sie: „Mönsch, watt dee kööt, datt kööt wi ook.“ Sprich: Was die können, das können wir doch auch.

So schlossen sich am 26. Oktober 1906 dort 17 junge Fischer zum Verein der Yachtmannschaften zu Eckernförde zusammen. Es waren kernige Typen: Sie waren als Fischer mit der See vertraut, hatten alle auf einer Yacht anfallenden Arbeiten von Grund auf gelernt und wussten, wie man mit Hanfseilen und Leinensegeln umging. Das waren ideale Voraussetzungen, um auch auf den kaiserlichen Schonern bestehen zu können.

Ein Zweck des Vereins war, den Fischern dabei zu helfen auf den Segelyachten anzuheuern, um ihr ärmliches Salär aufzubessern. Allein die Schoneryacht Meteor brauchte etwa 15 bis 20 Bootsleute. Zusätzlich zum üppigen Wochenlohn auf einem Großsegler gab es noch einmal so viel im Fall eines Regattagewinns. Das war ein großer Ansporn.

In Sturm und Wetter ist Gott unser Retter! Wahlspruch der Eckernförder Yachtmatrosen

Schon nach wenigen Jahren hatte der Verein 120 aktive Mitglieder, denen ihr sehr guter Ruf vorauseilte. Und das nicht nur in Kiel, sondern auch in Hafenstädten wie Greifswald, Danzig, Berlin und im Süden. Im Königlich-Bayerischen Yachtclub und sogar in Österreich und an der Mittelmeerküste wurden die Männer angeheuert.

Vereinssprache ist Plattdeutsch

Man vertraut im Verein auf himmlischen Beistand. Der Wahlspruch lautet: „In Sturm und Wetter / ist Gott unser Retter!“ Wenig später wird der Spruch für viel Geld und gut versichert auf eine goldbestickte Fahne gestickt. Dieses Banner kommt bei Umzügen, Feierlichkeiten und Jubiläen von Vereinsmitgliedern bis heute zum Einsatz.

So ist es auch in diesem Frühjahr. Vor wenigen Tagen wird Fischereimeister Lorenz Marckwardt als Erster Vorsitzender des noch immer existierenden Vereins bestätigt. Die Jahreshauptversammlung im Restaurant des Eckernförder Segelclubs wird – wie alle offiziellen Versammlungen, Feste und Ehrungen von Mitgliedern – seit 1965 ausschließlich auf Plattdeutsch durchgeführt.

Zu den Geehrten des Jahres 2018 gehört auch Ferdinand Jahn. Er ist seit 57 Jahren dabei. Mit 81 Jahren ist er das älteste Vereinsmitglied. Als 17-jähriger heuert er 1953 als Yachtmatrose an. Damals treffen sich die Eckernförder Jungs im Lokal Zur Börse. Sie hoffen, einen Job bei den Sommertörns zu ergattern, die Reeder und Eigner seinerzeit anbieten. Während Jahn sich nur für zwei Jahre als Matrose auf einer Privatyacht verdingt, segeln andere aus dem Verein noch bis in die 1990er-Jahre und zu den Kanarischen Inseln.

Eckernförder Yachtmatrosen
Ferdinand Jahn damals…© privat
Eckernförder Yachtmatrosen
… und heute© Michael Krieg

Das Ende kommt mit GFK

Mit der zunehmenden Verbreitung der pflegeleichten GFK-Schiffsrümpfe und Segeln aus Kunststoff versiegt die Nachfrage nach gestandenen Yachtmatrosen. Viele Jüngere im Verein ziehen es vor, nur noch zu fischen – oder sie arbeiten auf Booten und Schiffen der Bundesmarine und der Behörden. So verliert der Verein nach und nach seine Funktion als Jobbörse.

Jedes Jahr im Frühling halten die Noch-Mitglieder ihre Jahresversammlung ab. Inzwischen hat man sich auch für andere Berufe geöffnet. Fischer wie früher gibt es ja kaum noch. Auch Frauen dürfen heute Mitglied werden. Bleibt die Frage, wie lange der Verein noch bestehen wird. Spätestens, wenn man keinen Vorsitzenden mehr wählen kann, der noch selbst gefahren ist, erlischt die Tradition.

Im Verein sieht man das allerdings nicht so. Zwar gibt es im Club keine bezahlten Hände mehr. Aber das ein oder andere Vereinsmitglied ist selbst Bootseigner – und man segelt mit der Familie und Freunden. Mit dabei ist sicher gelegentlich die blaue Mütze, das zweite Symbol und Markenzeichen der einstigen Yachtmatrosen.

Eckernförder Yachtmatrosen
An Bord einer SchoneryachtArchiv Michael Krieg

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Unterwegs mit sechs Kindern

Unterwegs mit sechs Kindern

Der Urlaubstörn der Familie Gerlach durch die Dänische Südsee ist ausgezeichnet – mit float-Medienpreis, der an vier Crews beim Fahrtenseglertag 2018 der Kreuzer Abteilung im Deutschen Segler-Verband erstmals vergeben wurde. Wir starten unsere Serie über Fahrtensegeltörns mit dem Bericht aus der Sicht von Tanja Gerlach in der Kategorie See/Familie – hier der zweite Teil.

Was bisher geschah (lesen Sie Teil 1 hier): Familie Gerlach geht mit den sechs Kindern Justus (9), Leonard (8), Juno (6), Gregor (4), Greta (2) und Julius (1) auf Fehmarn an Bord ihrer Yacht „Panta Rhei“, einer Hanse 495 von 15,40 m Länge. Ihr Weg führt sie zunächst über Laboe und Maasholm nach Sønderborg am Ausgang der Flensburger Förde.

Familientörn
Fahrtroute der Panta Rhei durch die dänische Südsee© privat

Von Grau zu Blau

Leider ist der Liegetag in Sønderborg anfangs grau und verregnet, also: ab ins Museum! Es soll der erste von insgesamt drei Schlossbesuchen werden. Das „Sønderborg Slot“ bietet viele Einblicke in das mittelalterliche Leben. Vor allem der Kerker hat es unserem Nachwuchs angetan. Nachmittags lösen sich die Wolken auf und die Sonne kommt heraus.

Wir sehen den Wetterumschwung als Aufbruchssignal und fahren unter der gefühlt viel zu niedrigen Brücke hindurch in Richtung Dyvig Bro. Es würde – nach einhelliger Meinung sämtlicher Familienmitglieder – der schönste Hafenaufenthalt des gesamten Törns werden.

Familientörn
Voller Freude bei der Sache: Skipper Jan und Sohn Justus am Steuer© privat

Bereits die Einfahrt in den Fjord ist abenteuerlich. Während mein Mann konzentriert die schmale Rinne befährt und dabei versucht, die 2,40 m Tiefgang unseres Schiffes wegzumeditieren, guckt der Rest der Familie den Vögeln zwei Meter weiter links beim Schlickpicken zu. Als wir um die Ecke biegen, werden wir von einem winkenden Mann im Gummiboot erwartet. Hafenmeister Bent fährt den ankommenden Schiffen stets entgegen um ihnen beim Anlegen zu helfen.

Dyvig Bro hat alles für Kinder und Eltern

Der außergewöhnliche Empfang ist der Beginn von drei Tagen voller Spaß und Freude. Denn Dyvig Bro hat alles, was unsere Kinder- und Elternherzen begehren. Brötchenlieferung an Bord, eine Spiellandschaft auf dem Wasser, die wir nur mit unserem Beiboot „Spot“ erreichen können. Eine Krebsrennbahn in einem eigens dafür erbauten Becken. Das Hotel Dyvig Bro ist ein Schmuckstück dänischer Innenarchitektur und -einrichtung. Wir verbringen lustige Grillabende mit Gitarre und Gesang. Der kostenlose Transfer zum „Universe“, einem Wissenschafts- und Freizeitpark in etwa 20 Kilometer Entfernung war auch klasse.

Dort klettern die Größeren inklusive Papa in 25 Metern Höhe durch einen Kletterwald, während Julius und ich bei der Elektro-Autobahn standen, um Gregor und Greta bei ihren ersten Fahrversuchen zuzugucken. Wir probierten Sedgeways und Minibagger aus, setzten Virtual Reality-Brillen auf und laufen durch die Projektion der Schweizer Alpen. Bei unserer Rückkehr in den Hafen sehen wir auf der anderen Seite unseres Stegs eine 57-Fuß-Najad liegen – unsere neuen dänischen Freunde waren uns spontan gefolgt.

Besuch an Bord von Opa und Oma

Der nächste Hafen ist Faaborg. Oma und Opa kommen zu Besuch, füllen unseren Vorrat an Wein und Windeln auf und bleiben eine Nacht an Bord. Ein Grund mehr, Panta Rhei einer Grundreinigung zu unterziehen, sowohl außen als auch innen. An Bord muss jeder als Smutje arbeiten, auch die Kleinsten. So bekommen Julius und Greta Glasreinigungstücher, um damit die Verblendungen der Kühl- und Gefrierschränke sowie des Geschirrspülers zu putzen. Gregor liebt es, die Fenster von innen zu putzen. Juno ist für das Bunkern von Trinkwasser verantwortlich. Justus und Leo unterstützen meinen Mann bei der Deckswäsche. Schließlich müssen unsere Kinder begreifen, dass Segeln nicht nur aus coolem Aussehen und an Deck sitzen besteht.

Blitzend liegt unser Schiff im Hafen, als Oma und Opa am nächsten Morgen an den Kai fahren. Leider bringen sie nicht nur den bestellten Einkauf, sondern auch eine massive Regenfront mit. Also machen wir uns per Bus und Auto auf den Weg in ein weiteres dänisches Schloss. Spielplätze, eine große Sammlung an Oldtimern, Motorrädern und Flugzeugen sowie eine schlosseigene Vampirgruft lassen uns das schlechte Wetter schnell vergessen.

Familientörn
Greta, Juno und Gregor angeln Krebse© privat

Krebse angeln, Beiboot fahren, grillen

Am nächsten Tag segeln wir weiter nach Troense. Wir lassen Svendborg links liegen und erreichen mittags den kleinen Hafen auf der Insel Tasinge. Krebse angeln, Beiboot fahren und grillen – wir haben hier alle viel Spaß. Am nächsten Tag besuchen wir das letzte dänische Schloss auf unserer Reise. Der Fußmarsch zu Valdemars Slot ist nur knapp zwei Kilometer lang und führt an wunderschönen dänischen Häusern vorbei, deren Besitzer Marmelade und Kaffeebecher an der Haustür verkaufen.

Am übernächsten Tag starten wir um zehn Uhr bei Sonnenschein in Richtung Ærøskøbing, wo wir knapp drei Stunden später im Fischereihafen anlegen. Mit Strandmatten, Schaufeln und belegten Broten ausgerüstet, gehen wir nachmittags an den wunderschönen Strand des Ortes. Die kleinen bunten Strandhäuser, die sich entlang des Strandes aneinander reihen, lassen den Besuch wie eine typische Idylle aus einem skandinavischen Reisekatalog wirken. Auch die Innenstadt von Ærøskøbing wirkt entrückt von der hektischen Welt, die uns sonst im Alltag umgibt. Windschiefe Häuser, enge Kopfsteinpflaster-Gassen, eine Mikrobrauerei mit leckerem Pale Ale sowie ein niedliches Buddelschiff-Museum sind unsere Hauptattraktionen.

Familientörn
Leo hält ein Schiff in der Hand© privat

Gejagt von der Schlechtwetterfront

Nur noch zwei Häfen, dann nehmen wir Kurs auf Burgtiefe. Doch zunächst geht es nach Marstal. Der Schlag dorthin ist alles andere als angenehm, eine Schlechtwetterfront jagt uns. Und trotz des Beteuerns von gleich zwei Hafenmeistern ist das letzte Stück der Fahrrinne zwischen Ærøskøbing und Marstal komplett versandet. Der Tiefenmesser bimmelt warnend über mehrere hundert Meter hinweg bei einer Anzeige von 1,70 m Tiefe statt drei Metern, wurde mir unter Deck zum ersten Mal schlecht. Aber wie so oft zeigt sich unser Schiff extrem gutmütig, und bringt uns sicher in den Hafen.

Familientörn
Traditionssegler in Marstal© privat

In Marstal entdecken wir ein neues Lieblingsziel. Unser Liegeplatz im alten Hafen bietet uns die schöne Kulisse von Traditionsseglern, die vor, hinter und neben uns liegen. Der Spielplatz des Schifffahrts-Museums sowie das „Søfartsmuseum“-Museum selbst ist direkt um die Ecke, und nur ein paar hundert Meter weiter gibt es mit einem „All-you-can-eat-Barbecue“ das perfekte Abendessen. Wir gehen an beiden Abenden mit vollen Bäuchen und glücklichen Gesichtern ins Bett.

Mann drängt zum Aufbruch

Wir nehmen Kurs auf Bagenkop, unserer letzten Station. Ohne ersichtlichen Grund drängt mein Mann auf einen frühen Aufbruch gen Langeland. Nur wenige Stunden nach unserer Ankunft im Hafen zeigt ein plötzlicher Wetterumschwung, dass auf seinen Segler-Instinkt Verlass ist. Binnen weniger Minuten wechselt die Farbe des Himmels von himmelblau auf tiefschwarz, der Wind bläst mit Windstärke 10, Regen peitscht in unsere Gesichter. Schnell ziehen mein Mann, Justus und Leo ihre Regenjacken an und und helfen den ankommenden Schiffen beim Festmachen. Als die Sturmfront sich verzogen hat, sehen wir ein beeindruckendes Naturschauspiel. Das Farbspektrum am Abendhimmel erstreckt sich von orange über violett hin zu tiefblau – einmalig!

Familientörn
Farbschauspiel nach dem Sturm© privat

Die Auswirkungen des Sturms vom Vortag spüren wir noch beim morgendlichen Auslaufen. Die Wellen sind zunächst gute eineinhalb Meter hoch, und der Wind bläst mit fünf, in Böen sechs Windstärken aus Südwest. Anfangs ist das Segeln mühselig mit zwei Reffs, aber drei Stunden später ändert es sich zum Guten. Bei vier Windstärken und nur noch wenig Welle gleitet Panta Rhei mit bis zu 9,1 Knoten durch die Ostsee – was für ein schöner Abschluss! Dazu scheint die Sonne, und alle genießen den letzten Törntag an Deck. Um 14.50 Uhr legten wir in unserer Heimatbox in Burgtiefe an.

Beim Abendessen in unserem Stammrestaurant, dem Sailors Inn, waren wir uns einig: Die Route war vielleicht nicht die abenteuerlichste und der der Törn auch nicht der Weiteste gewesen. Aber es waren mit Abstand die drei schönsten Urlaubswochen, die wir als Familie mit sechs Kindern bisher erlebt haben. Kein Wunder also, dass wir in der vergangenen Woche im herbstlichen Scheeßel gemeinsam im Esszimmer über den Planungskarten hingen, um den Sommertörn für das nächste Jahr zu planen: Norwegen und Schweden, wir kommen!

Boot und Crew

Bootsname: Panta Rhei
Bootstyp: Hanse 495
Skipper: Jan Gerlach
Co-Skipperin: Tanja Gerlach
Crew: Justus, Leonard, Juno, Gregor, Greta und Julius Gerlach
Verein: Segelkameradschaft Wümme e.V.

Reiseweg

Burgtiefe, Laboe, Maasholm, Sønderborg, Dyvig Bro, Faborg, Troense, Aerosköbing, Marstal, Burgtiefe
Reisezeit: 11.07.2017 – 31.07.2017
Gesamtmeilen: 262,28 (gesegelte Strecke: 235,96, unter Motor: 26,32)
Seetage: 10, Hafentage: 10, Schwerwettertage: 2

Die Ausrüstung der „Panta Rhei“

  • Sicherheit
  • Schwimmwesten mit separatem Lifebelt für alle Kinder unter 40 kg Gewicht
  • Rettungswesten mit integriertem Lifebelt für alle Crewmitglieder über 40 kg Gewicht
  • Sicherungsleine, die beidseits von achtern am Cockpit entlang bis zum Vordeck lag
  • Rettungsinsel für 8 Personen
  • Seenot-Markierungsboje
  • Rettungssystem Rescue Sling
  • mehrere Feuerlöscher
  • Nico-Signalgeber und LED-Notfall-Fackel
  • Navigationsausrüstung
  • Planungskarten/Karten Kartenwerft, Zirkel, Kursdreieck
  • Kartenplotter Simrad an Deck und am Kartentisch
  • AIS
  • Steuerkompass
  • GPS
  • Funkgerät

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Oberflächlich rein

Oberflächlich rein

Wird die Schlei je wieder sauber? Diese Frage stellte float im März als Headline über einen Artikel, der sich mit dem Plastikskandal am und im deutschen Ostseefjord beschäftigte. Um es gleich vorweg zu nehmen: Eine positive Antwort im Sinne eines aufrichtigen „Ja!“ können wir nicht geben. Obwohl sich in Sachen Plastik und Schlei während der letzten Wochen einiges getan hat. Nur: Wie effizient sind die Bemühungen, zu denen ein Siebschiff im Einsatz auf der Schlei gehört?

Rückblick: Aus der Schleswiger Kläranlage gelangten über einen Zeitraum von offenbar mehreren Monaten unzählige Plastikteilchen in die Schlei und verunreinigten den Fjord beziehungsweise Meeresarm in streckenweise erheblichem Ausmaß. Wie das passieren konnte? Zu dem Klärwerk gehört ein Faulturm, in dem Klärgase als Energiequelle genutzt werden. Um die Energieausbeute zu steigern, werden – das ist offenbar üblich – zerhäckselte Essensreste in den „Faulschlamm“ beigemischt. Doch diese Lebensmittelreste sind mitunter noch verpackt, wie ein Beitrag des NDR zeigt. Natürlich in Plastik.

Plastikskandal Schlei
Plastikteilchen aus dem Schleiwasser© Stephan Boden

Wer hat Schuld?

Neben den relativ rasch eingeleiteten Säuberungsaktionen auf den betroffenen Uferabschnitten beschäftigte Behörden, Medien und die Öffentlichkeit auch die Schuldfrage. Muss ein Klärwerk dafür sorgen, dass angeliefertes Verpackungsplastik vollständig aufgefangen wird, damit das geklärte Wasser nach mehreren Filterstufen „plastikfrei“ in die Schlei fließt? Oder waren die letzten Anlieferungen der Firma ReFood GmbH & Co KG mit überproportional vielen Plastikrückständen durchsetzt, so dass die vorhandenen Filter überlastet waren und nicht effizient genug wirken konnten?

Am 5. April veröffentlichte die Stadt Schleswig Teile des Vertrags, der zwischen ReFood GmbH & Co KG und den Schleswiger Stadtwerken respektive der örtlichen Abwasserentsorgung getroffen wurde. In einer zeitgleich ausgegebenen Pressemitteilung lenkte der Schleswiger Bürgermeister Arthur Christiansen die Aufmerksamkeit auf bestimmte Absätze im Vertrag. Diese sollen eindeutig belegen, dass „die Verantwortung zum Herausfiltern der Kunststoffteile bei der Firma ReFood liegt“. Christiansen räumte aber auch ein, dass „das gemeinsame Schreddern von Biomasse und Plastik und anschließende maschinelle Herausfiltern der Kunststoffpartikel aus dem Gärsubstrat nicht zu verantworten ist“. Es müsse nun überlegt werden, welche „weiteren technischen und finanziell vertretbaren Filterstufen zusätzlich geschaffen werden können“.

Plastik in der Schlei
Der Schilfsaum zu Beginn des Skandals© Stephan Boden

Wie kommt die Säuberung voran?

Seit März 2018 wurden entlang der Schlei nahezu täglich Reinigungsarbeiten durchgeführt. Mit dabei sind Mitarbeiter der Schleswiger Stadtwerke, beauftragte Lohnunternehmen, Helfer anderer Stadtwerke in Schleswig-Holsteins und freiwillige Helfer aus den Reihen besorgter Bürger. 30 bis 50 Personen sollen täglich im Einsatz gewesen sein. Die Aufräumtrupps haben mehr als 150 Tonnen Schilfreste und Plastik vom Ufersaum entsorgt, heißt es in lokalen Medienberichten. Der Bunde für Umwelt- und Naturschutz (BUND) setzte mit einer Kundgebung vor den Schleswiger Stadtwerken „die Verantwortlichen für die unsagbare Verschmutzung der Schlei“ unter Druck. Gefordert wurde mehr Transparenz. Man wollte wissen, „wie und wann das Plastik wieder aus der Umwelt gelangt“.

Reibungslos verliefen die Säuberungen in Uferbereichen allerdings nicht. Zumindest zu Beginn der Arbeiten monierten Naturschützer, dass in besonders sensiblen Bereichen des Ufer-Ökosystems gnadenlos aufgeräumt werde. Sogar Brutbereiche von Seevögeln seien in Mitleidenschaft gezogen worden. Zudem wurde wiederholt kritisiert, dass Plastikteile, die im Wasser der Schlei trieben, nicht abgeschöpft würden.

Das Siebboot soll’s richten

Darauf reagierten die Stadtwerke mit einer nahezu verblüffenden Maßnahme. Innerhalb von nur knapp drei Wochen konstruierten und bauten sie einen Sieb-Katamaran, um die Schlei „auch von Wasserseite von Kunststoffpartikeln zu befreien“, wie auf der Website der Schleswiger Stadtwerke zu lesen ist. Der Mitte April vorgestellte Katamaran ist neun Meter lang und etwa vier Meter breit. Am vorderen Ende sind zwei schwenk- und ausfahrbare Metallflügel befestigt, die wie ein Trichter funktionieren. Ist der Kat in Fahrt, gelangt Oberflächenwasser in seinen Innenraum und wird dort von einem engmaschigen Metallgitter gefiltert.

Sieb-Katamaran
In nur 20 Tagen nach Eigenentwurf gebaut© Sönke Hansen

Das Boot werde, sofern es die Witterungsbedingungen zulassen, täglich acht Stunden im Einsatz sein, um die Kunststoffpartikel aus dem Wasser mit einer Siebvorrichtung zu entfernen. Die Maßnahme sei mit Schlei-Fischern abgestimmt, fügte man gleich vorsichtshalber hinzu.

Nun ist Plastik in den Meeren und Seen schon seit vielen Jahren ein Reizthema. Die Verschmutzung der Ozeane ist mittlerweile sogar ein Herzensanliegen der UNO. Wer sich mit dem Thema ein wenig beschäftigt weiß, dass es viele Projekte gibt, die mit Booten oder Schiffen Gewässer vom Plastik befreien wollen. Stellvertretend sei das deutsche Projekt One Earth/One Ocean erwähnt. Allen gemeinsam sind relativ lange Entwicklungszeiten, eine oft erst in Praxistests beweisbare Funktionsfähigkeit und meist exorbitant hohe Baukosten. 
Die Stadtwerke Schleswig schafften dieses Kunststück jedoch in kürzester Zeit, die Baukosten werden mit 40.000 Euro beziffert.

Schoofs lobt das Siebschiff

Auf Anfrage von float antwortete Wolfgang Schoofs, Chef der Schleswiger Stadtwerke: „Das Schiff haben wir natürlich nach Internetrecherche selber entworfen und dann in rund 20 Tagen bauen lassen. Das Ausleihen von anderen Schiffen wäre viel zu aufwändig gewesen, daher der Eigenbau.“

Befragt nach der Sammel- beziehungsweise der Siebeffizienz des neuen Siebboots erläutert Schoofs: „Beim Einsatz des Siebschiffes über mehrere Seemeilen täglich ist die Ausbeute an Kunststoffpartikeln sehr gering. Dies liegt daran, dass durch die Stürme im März das meiste Material an die Ufer geschwemmt wurde und wir es dort auch beseitigt haben. Bei einer Fahrt von einem halben Tag haben wir bis jetzt rund zwei Eimer voll organisches Material aufgefangen und wenige Kunststoffpartikel. Noch nicht mal 500 g Plastik.“ Schoofs weiter: „Im Wasser und an den Ufern finden wir kaum noch Plastik, weil die Zufuhr im Februar gestoppt wurde durch Einbau von Sieben auf der Kläranlage. Zudem haben wir laut Lieferscheinen nur 488 kg Plastik erhalten, wovon auch ein großer Teil in der Kläranlage aufgefangen wurde.“

Sieb-Katamaran
Oberflächlich rein?© Sönke Hansen

Alles wieder im Reinen?

Kein Plastik mehr auf der Wasseroberfläche, kein Plastik mehr an den Stränden – ist also alles wieder im Reinen an der Schlei? Kritiker sind der Meinung, dass viele Plastikteile – wie in  mehreren Forschungsprojekten weltweit nachgewiesen – mittlerweile nicht mehr an der Wasseroberfläche treiben, sondern in mehreren Metern Tiefe, wo sie vom Sieb-Katamaran nicht aufgefangen werden können. Dort belasten sie als vermeintliches Fischfutter das Ökosystem erst recht und gelangen letztendlich in unsere Nahrungskette. Andere behaupten, dass je nach Dichte der Plastikteilchen diese bereits auf dem Grund der Schlei liegen und dort ein noch Jahrhunderte dauerndes Dasein fristen, bis sie sich in Micro-Plastikteile verwandelt haben werden.

Wie effizient der Sieb-Katamaran wirklich ist und ob der Bau des mit viel Medien-Tamtam vorgestellten Müllsammelboots wirklich notwendig war, wird sich vielleicht erst im Sommer herausstellen. Denn einige Kommentatoren unken bereits in Internetforen und sozialen Medien, dass sich der Sieb-Kat doch auch hervorragend gegen die nächste „Pest“ einsetzen lasse: Algenteppiche, die den Fjord aufgrund des hohen Phosphat-Zuflusses aus Düngemitteln immer wieder verstopfen.

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Hamburgs maritimes Herz

Hamburgs maritimes Herz

Hamburg ist die Stadt der Schiffe, Hafenkräne, Möwen und Matrosen. Und als gehöre das selbstverständlich hierher, gibt es in Hamburg einen Ausstellungsort für alle, die das Meer und die Seefahrt lieben: Seit fast zehn Jahren ist das Internationale Maritime Museum in der Speicherstadt zuhause. Im Juni wird Jubiläum gefeiert. float war schon einmal da.

Das Museum beherbergt und zeigt die vermutlich weltweit größte Privatsammlung maritimer Objekte, die ein einzelner Sammler zusammengetragen hat. Der 2016 verstorbene Peter Tamm, der zunächst als Journalist und später in Geschäftsführung und Vorstand des Axel-Springer-Verlags Karriere gemacht hat, sammelte seit seinem sechsten Lebensjahr Modellschiffe und maritime Gegenstände aller Art. So kam eine Sammlung zustande, die neben 40.000 Schiffsmodellen und -miniaturen einen riesigen Fundus anderer Objekte umfasst: Schiffsbaupläne, Bücher, Fotografien in großer Zahl, Gemälde, Plakate, Skulpturen, Uniformen, Orden und Insignien sowie nautisches Gerät und andere Originalgegenstände aus 3.000 Jahren Seefahrts- und Marinegeschichte.

Internationales Maritimes Museum Hamburg
Passagierdampfer im Miniaturformat© Anne-K. Jung

Um seine außergewöhnliche Sammlung einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen, gab Tamm sie einer in seinem Namen gegründeten Stiftung weiter, der Peter Tamm sen. Stiftung. Mit der Stadt Hamburg wurde im Jahr 2004 ein Vertrag geschlossen, der die gemeinsame „Errichtung eines Internationalen Schifffahrts- und Meeresmuseums“ projektierte. Nicht unumstritten leistete die Stadt einen großen finanziellen Beitrag zur Gründung: Sie stellte dem Museum ein Haus zur Verfügung.

Im historischen Kaispeicher

Der gewählte Ort könnte kaum geeigneter für seinen Zweck sein: Das Museum ist im ältesten noch erhaltenen Gebäude des Freihafens untergebracht, dem Kaispeicher B aus dem Jahr 1878. Das unter Denkmalschutz stehende Haus wurde umsichtig saniert und zugleich für den Museumsbetrieb umgebaut. Diese Sanierung kostete die Hansestadt mehr als 30 Millionen Euro. Dieser Aufwand hat sich gelohnt. Jeder von Hand aufgearbeitete Ziegelstein, jeder gusseiserne Pfeiler, jedes originale Dielenbrett macht die Atmosphäre der alten Speicherstadt wieder lebendig. Damit wurde für die maritimen Geschichten, die das Museum erzählt, ein äußerst stimmiges Ambiente geschaffen.

Ende 2006 wurde das fertig sanierte Gebäude der Stiftung zur Nutzung als Museum übergeben. Die Einrichtung des Museums und der Aufbau der Ausstellung brauchten noch einmal anderthalb Jahre, bevor am 25. Juni 2008 die Türen öffneten.

Internationales Maritimes Museum Hamburg
Museumseingang© K. Bergmann, CC-0
Internationales Maritimes Museum Hamburg
Vor dem Einzug© M. Jungierek, CC-BY-2.5

Getreu der Überzeugung des Sammlers und Museumsgründers Tamm, dass sich die komplette Menschheitsgeschichte in der Geschichte der Seefahrt abbilde, zeigt das Museum auf 12.000 Quadratmetern Ausstellungsfläche im Grunde alles, was es über die Fortbewegung der Menschen auf dem Wasser zu entdecken gibt. Es ist geglückt, die Vielfalt der Sammlung in ein schlüssiges Konzept zu gießen und alles modern zu präsentieren. Das Museum erzählt die Geschichte der Seefahrt nicht linear, sondern gegliedert in neun Themenblöcke. Keine Epoche wird ausgelassen: Vom Einbaum bis zum Tiefsee-Tauchroboter kommen alle Entwicklungsstufen vor.

Erkundungsgang von Deck zu Deck

Auf jeder der neun Etagen – oder besser: der neun „Decks“ – des alten Speichers findet ein eigenes Thema seinen Raum. Am besten erkundet man das Museum und seine Schätze von oben nach unten. Diesen Tipp gab uns ein Museumsführer, der die Bestände des Hauses wie seine Westentasche kennt. Und noch eine Erkenntnis hat er uns vermittelt: Eine Führung oder alternativ die Nutzung eines Audio-Guides lohnen sich unbedingt. Denn hinter jedem Objekt, das hier zu sehen ist, verbirgt sich ein eigener, kleiner Wissenskosmos. Mit einem Lotsen läuft man weniger Gefahr, sich im Universum der Seefahrtsgeschichte zu verlieren.

Internationales Maritimes Museum Hamburg
Diorama: Containerterminal Bremerhaven
Internationales Maritimes Museum Hamburg
© Anne-K. Jung

Ganz oben auf Deck 9 sind in Vitrinen und Dioramen die Schiffsminiaturen ausgestellt – eine Wunderwelt im Einheitsmaßstab 1 zu 1.250. Das Deck darunter ist der bildenden Kunst gewidmet. Gemälde aus mehreren Jahrhunderten und verschiedenen Ländern illustrieren die Entwicklung der Seefahrt. In der Schatzkammer des Museums gibt es Kunstobjekte aus Silber, Gold und Bernstein zu entdecken. Bizarr ist die Sammlung seltener Knochenschiffe, die zur Zeit der napoleonischen Kriege von gefangenen Seeleuten gefertigt wurden. Ebenfalls auf Deck 8 ist das Atelier von Gemälderestauratorin Bianca Floss, der man bei der Arbeit zuschauen kann. Alle Fachfragen beantwortet sie geduldig.

Internationales Maritimes Museum Hamburg
Restauratorin Bianca Floss in ihrer ‚gläsernen Werkstatt‘ © Anne-K. Jung

Weiter geht es abwärts zum Deck 7 mit dem Namen „Expedition Meer“, das in Kooperation mit dem Konsortium Deutsche Meeresforschung entwickelt wurde. Es ist der Erforschung der Ozeane und der Tiefsee gewidmet. Auf dem Deck darunter geht es um die Handels- und Passagierschifffahrt mit allen ihren Facetten, seit im 19. Jahrhundert Dampfmaschinen und Stahlrümpfe den Schiffbau revolutionierten.
Das Deck 5 „Krieg und Frieden“ beschäftigt sich mit Seeschlachten, Seehelden, heldenhaften Schiffen, schicksalhaften Ereignissen und Einzelschicksalen. Im Wesentlichen fußt diese Bestand auf den marinehistorischen Teilen der Sammlung Tamm – ebenso Deck 4 „Dienst an Bord“, das sich mit dem Leben der Matrosen und Offiziere, Hierarchien an Bord, Symbolen und den Ritualen des Schiffsalltags befasst.

Ins Schwärmen geraten

Fast geschafft, denkt man… doch dann wird es nochmal richtig spannend. Das Deck 3 „Geschichte des Schiffbaus“ zeigt, wie ein Schiff entsteht. Welche Baustoffe fanden vor Jahrhunderten Verwendung, und wie wird ein Schiff im Computerzeitalter gefertigt? Material, Werkzeuge und Konstruktionszeichnungen führen die historische Entwicklung vor Augen.

Die Abteilung darunter, das „Deck 2“, ist der Schifffahrt unter Segeln gewidmet. Vom Wikingerschiff bis zu den Windjammern des frühen 20. Jahrhunderts reicht das Spektrum ausgestellter Exponate. Hier finden sich Modelle und reichlich Anschauungsmaterial zum Thema Besegelung. Auf dem untersten Deck 1 „Die Entdeckung der Welt“ lernen wir etwas über Navigation und Kommunikation. Ohne diese wäre die Erkundung der Welt unmöglich gewesen – ob mittels Kompass und Quadrant oder mit Hilfe von satellitengestützter Positionsbestimmung.

Auf der ersten Etage befindet sich auch die Modellbauwerkstatt des Museums, die für den Erhalt der vielen Schiffsmodelle wichtig ist. Wenn ein Mitarbeiter im Einsatz ist, kann man hier die Arbeiten an den Objekten durch eine Glasscheibe beobachten. Die elf Mitarbeiter der Werkstatt sind allesamt ehrenamtlich im Einsatz, so wie übrigens der Großteil des übrigen Museumspersonals auch. Denn das Museum ist nach wie vor eine private Institution in der Trägerschaft der Stiftung, die für den laufenden Betrieb keine Förderung aus öffentlicher Hand erhält.

Mit großem Einsatz

Ohne den engagierten Einsatz von über 90 ehrenamtlichen Mitarbeitern und des Freundeskreises Internationales Maritimes Museum Hamburg e.V. könnte das Museum in seiner jetzigen Form nicht weiterbestehen. Jeder erlöste Euro ist wichtig. Man ist dabei erfinderisch, und das muss man auch sein. Verschiedene Räume des Museums lassen sich für Veranstaltungen mieten. Besonders beliebt sind Kindergeburtstage, die den Nachwuchs für ein paar Stunden in die Welt der Piraten entführen. Gern von privaten Gruppen gebucht wird auch der hauseigene Schiffsführungssimulator, den die Reederei Hapag-Lloyd dem Museum gestiftet hat: Im raumgroßen Simulator auf „Deck 1“ kann man eigenhändig ein Containerschiff in den Hafen steuern. Unter fachkundiger Leitung, versteht sich.

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Schiffsführungssimulator: Ein Containerschiff steuern
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© Anne-K. Jung

Am Ende der Besuchszeit ist gefühlt noch viel zu viel Museum übrig. Hätte man die ein oder andere kleine Wissensgalaxie noch gründlicher erforschen mögen oder sich in Details verlieren wollen? Zeit bleiben sollte auch für den Museumsshop und die Buchhandlung im Foyer mit dem thematisch passenden Sortiment.

Wer jetzt endgültig k.o. ist und keinen überflüssigen Schritt mehr tun mag: Für ein gutes Essen muss man das Haus gar nicht verlassen. Das Restaurant Catch oft the Day im Erdgeschoss bietet geniale Fischgerichte an und einen hervorragenden Kaffee obendrein.

Tipp: Am Sonntag, den 24. Juni 2018 feiert das Museum sein 10-Jähriges Jubiläum mit besonderen Angeboten. Informationen dazu gibt es in Kürze auf der Museumshomepage.

Koordinaten

Internationales Maritimes Museum Hamburg
im Kaispeicher B, Koreastraße 1
20457 Hamburg
Tel. (040) 30 09 23 00
Öffnungszeiten: täglich 10 -18 Uhr
N 53° 32′ 35.93″ / E 9° 59′ 59.30

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Der Beitrag Hamburgs maritimes Herz erschien zuerst auf Float Magazin.