Archiv der Kategorie: Sonnensegler

Ein neues Boot

Seit langer Zeit überlegen wir, ob die jetzige Konstellation wirklich die richtige ist, ob wir wirklich das richtige Boot für die zukünftigen Fahrten haben. Und auch wenn wir in der Vergangenheit vielleicht oft glücklich mit unserem Boot gewirkt haben, Zweifel bestanden von Anfang an!
Eigentlich war auch ziemlich schnell klar: Dieses Boot kann nur eine Übergangslösung sein. Es ist zu klein, es ist zu leicht, der Kiel hat nicht die richtige Form und robust genug ist es auch nicht. Sprich, wir waren von Anfang an nicht glücklich mit dem Schlauchboot an Bord der Morgenstern!

Aber es war halt mit dabei und so haben wir uns mit der Gummiwurst in den letzten 3 Jahren eben arrangiert, jedoch immer wieder nach Alternativen Ausschau gehalten.

Welches Beiboot ist das Beste? Welches das praktischste, welches ist am stabilsten, welches bekommen wir gut verstaut, welches würden wir am ehesten nutzen, in welches passt Filou am besten rein…
Fragen über Fragen, Boote über Boote und eins wissen wir mittlerweile sicher: DAS beste Beiboot gibt es nicht!
Es kommt gerade beim Dinghy auf so viele Faktoren an und jede Yacht, jede Crew, jede Reise stellt andere Anforderungen an ein gutes Beiboot.
Wir haben deshalb lange, wirklich sehr lange verglichen, gemessen, gezeichnet, mit anderen Crews geredet und überlegt.
Bei einer modernen Yacht mit breitem und flachen Heck hätten wir sehr wahrscheinlich zum sogenannten RIB gegriffen, also ein Schlauchboot mit Festrumpf. Das ganze dann an Davits (Halterungen) am Heck gefahren oder bei langen Überfahrten an Deck verzurrt.
Nun hat Morgenstern allerdings ein schmales, hohes Heck. Würde man dort ein RIB an Davits aufhängen, würde man unzählige Nachteile kreieren, die uns in Summe einfach zu viele gegenüber den wenigen Vorteilen wären.
Ein RIB quer an Deck zwischen Großmast und Cockpit würde hingegen locker passen. Morgenstern kommt in dem Bereich fast auf ihre maximale Breite von 3,85m. Das Beiboot würde also immer sicher liegen und man käme auch noch ganz gut daran vorbei. Größte Nachteile: Aufwändiger im Handling, starke Einschränkung was das Hantieren am Großsegel betrifft und kein Licht mehr durch die Decksluke im Salon.
Also vielleicht doch lieber ein Faltboot? Kann platzsparend verstaut werden und ist auch nicht sonderlich schwer. So ein Faltboot hatten wir lange favorisiert, zumal ich ja kurzzeitig so ein altes Teil eine Weile im Mittelmeer an Bord hatte. Es war das Boot, welches in einer Müllecke lag und in dem ich Filou gefunden hatte, als er noch ein Streuner war. Aber das ist eine andere Geschichte.
Dieses alte Faltboot habe ich jedenfalls im letzten Jahr unterwegs verschenkt. Mir war es zu umständlich und jemand anderes konnte es noch gut als Arbeitsboot gebrauchen.

Im Laufe der Zeit haben wir uns also die unterschiedlichsten Boote angeschaut, manches auch ausprobiert und teilweise sogar Modelle gebaut, um einen besseren Eindruck zu bekommen. Holzboot in DIY Bauweise, GFK-Ruderboot, Steckboot, Schlauchboot, Surfbrett, Sit-On-Top Kajak, Jetski, fliegende Badewanne…

Irgendwann im Sommer hatte Sabrina dann eine Idee, die zunächst komisch klang, mich aber mehr und mehr begeisterte. Ich habe anschließend gemessen, Zeichnungen angefertigt und mit einigen anderen Crews gequatscht. Anfangs war da meistens Verwunderung, aber umso länger man alle Vor- und Nachteile gegeneinander abgewogen hatte, umso mehr kristallisierte sich die Idee zur möglichen Ideallösung für Morgenstern heraus. Zumindest in der Theorie!
Gesehen habe ich so ein Beiboot bisher noch nie auf einer Segelyacht. Es könnte deshalb der ganz große Wurf oder eine absolute Lachnummer werden. Es ist ein Experiment.
Gestern haben wir jedenfalls den Bauauftrag für die „Fahrmaschine“ unterzeichnet und wenn wir richtig Glück haben, wird sie vielleicht noch vor Weihnachten ausgeliefert.

Das bedeutet: Ihr müsst jetzt ganz stark sein und viel Geduld mitbringen, denn wir werden nicht vorab verraten, um was es sich bei dem „Tender to Morgenstern“ handelt. Wir halten euch jedoch auf dem Laufenden und genießen derweil die Vorfreude.

Von Fernweh und Fernweh

An diesem 14. November ist es genau 3 Jahre her, als wir „Ja“ zu Morgenstern gesagt haben. Ein guter Tag, mal darüber zu reden, was wir irgendwann einmal mit unserem Segelboot vorhaben, wenn es fertig restauriert ist.

Der Beitrag, den ihr nun gerade lest, liegt seit September auf meinem Desktop und ich weiß nicht, wie oft ich bereits daran geschrieben, ihn wieder komplett verworfen und neu begonnen habe.
Lange wollten wir die Entscheidung, von der ihr heute erfahren sollt, eigentlich gar nicht öffentlich teilen. Denn sie reicht weiter, als wir selbst heute ganzheitlich erfassen können, auch wenn wir uns seit Jahren damit beschäftigen. Es ist eine Idee für eine Reise mit Morgenstern, wie sie uns seit einer langen Zeit verfolgt und die mit ein Grund war, dieses Schiff, überhaupt ein Schiff aus Stahl, zu wählen.
Die Idee, besser gesagt, der vage Traum in unseren Köpfen reicht weit zurück, bis in eine Zeit, als wir noch Kinder waren und überhaupt keine Ahnung hatten, wohin uns einmal unsere Füße tragen werden.
Später, als wir gemeinsam durchs Leben gegangen sind, haben wir ganz am Anfang unserer Beziehung einige Male über diese verrückte Idee philosophiert. Traumtänzerei, sonst nichts!
Mehr als 15 Jahre ist das nun mittlerweile her, also lange bevor wir überhaupt zum Segeln gekommen sind und eine ganze Weile ist dieser abgedrehte Traum in Vergessenheit geraten. Bis zu dem Tag, an dem Morgenstern unser Schiff wurde und klar geworden ist, mit ihr könnte es gehen, wenn sie sich bewährt.

Einige Abenteuer und ein paar Tausend Seemeilen liegen seit diesem Tag im November vor 3 Jahren nun im Kielwasser und einige davon waren Bewährungsproben für eben diese Idee, von der wir bisher absolut niemandem erzählt haben.
Warum das so ist, warum wir nur ungern über zukünftige Reisen reden, dafür gibt es viele Gründe. Da ist vor allem die große Ungewissheit, ob diese nächste große Fahrt überhaupt gelingt, denn die Chancen stehen trotz bester Vorbereitung ungleich schlechter, als es bei den letzten Fahrten der Fall war. Dann kann es unterwegs auch ganz einfach passieren, dass uns etwas neues einfällt und wir plötzlich die Richtung ändern. Hatten wir ja schon.
Aus diesem Grund rüsten wir Morgenstern grundsätzlich einmal so aus, dass sie für alle Klimazonen gewappnet ist.

Worauf der Fokus allerdings seit langer Zeit liegt, dürfte jedoch spätestens nach dem Einbau von Kaminofen und Winterscheiben ohnehin so langsam klar werden. Für die sogenannte Barfußroute bräuchte man ein solches Setup natürlich nicht und mittlerweile gehen mir auch die Ausreden aus, wenn ich am Steg gefragt werde: „Sag mal, auf was bereitet ihr das Schiff denn eigentlich vor!?“

Also haben Sabrina und ich vor einer Weile beschlossen, der nächsten großen Fahrt ein Motto zu geben. Denn jedes Abenteuer braucht ein Motto!
Für uns ist dieses Motto, diese Textzeile, verbunden mit Hoffnung und Sehnsucht. Ein Satz, der seit langer Zeit in unseren Köpfen herumgeistert und der nun in Form eines Hashtags die Seiten von Morgenstern ziert und uns motiviert, endlich das zu machen was wir seit langem wollen!

Die nächste große Fahrt hat also kein echtes Ziel, sondern mit diesem Motto nur eine Richtung:

Norden!

#tracingonewarmline

Powerjahr

Nur noch einmal schlafen, dann ist Morgenstern ganze 3 Jahre unser Schiff und nur noch wenige Wochen, dann ist das erste Restaurationsjahr auch vorüber.
Nicht, dass wir in den 2 Jahren davor nichts restauriert hätten, aber verglichen mit den letzten 11 Monaten, habe ich in der Zeit in Griechenland und der Türkei nur an der Oberfläche gekratzt.

2019 war für uns ein absolutes Powerjahr. Es ist keine einzige Woche vergangen, in der wir nicht am Schiff waren. Kaum ein Tag, an dem ich nicht irgendetwas fürs Schiff gemacht habe. Kein Sonntag ohne Morgenstern, kein Urlaub ohne Aktiv zu sein.
Rückblickend hat sich diese Anstrengung absolut gelohnt und es macht trotz der vielen Arbeit noch immer Spaß.

Was den Fortschritt angeht, so schätze ich, dass wir aktuell ungefähr ein Drittel bis die Hälfte aller Restaurationsprojekte, Umbaumaßnahmen und Ausrüstungserweiterungen hinter uns haben. Damit liegen wir dann auch ganz gut in der Zeit. Wann das Schiff letztendlich fertig ist, lässt sich trotzdem noch nicht genau abschätzen.
Deshalb konzentrieren wir uns zunächst einmal auf das nächste Jahr und, noch viel wichtiger, auf das, was aktuell gerade an angefangenen Projekten hier herumliegt. Eine ganze Menge ist das nämlich. Die Solarmodule fürs neue Pilothouse stapeln sich bereits, das Radar liegt daneben und jede Menge Rohmaterial in Form von Rohren und Blechen aus Edelstahl davor.

Was wir 2019 alles geschafft haben, davon konntet ihr ja einen kleinen Teil ab und zu hier auf unserer Website sehen. Etwas mehr habe ich jedoch bei Instagram und auf unserer Facebook-Seite gezeigt. Einfach, weil es eben schneller mal zwischendurch geht.
In den letzten Tagen und Wochen ist unter anderem der Mast für den Windgenerator fertig geworden, wir haben einen Teil der Verdrahtung für die Amateurfunkanlage verlegt und fast die gesamte Achterkajüte restauriert.
Dort haben wir, neben den Fenstern, alle Holzverkleidungen überarbeitet, teilweise neu furniert, viele neue Leerrohre und Kabel verlegt, einen Großteil des Rumpfes von innen saniert und fast die gesamte Isolation erneuert und auf 60mm erhöht. Mehr geht nicht.
Der Rumpf sah unter der Isolierung, bis auf wenige Stellen mit etwas Flugrost, überall erstklassig aus. In vielen Bereichen hätte man nichts machen müssen, wir haben trotzdem alles blank gemacht und den Stahl mit einem ordentlichen 2K Farbaufbau für die Zukunft konserviert.

Im kommenden Winter wird nun überwiegend in der Werkstatt an den liegengebliebenen Projekten gewerkelt und (wenn die fertig sind) anschließend bereits das Zeug angefertigt, welches im nächsten Frühjahr ins Schiff eingebaut werden soll.

Den aktuellen Stand der Dinge seht ihr im Refitogramm.

Und jetzt noch ein paar Fotos:

Alle Fenster der Achterkajüte sind nun überarbeitet. Die Konstruktion der Rahmen habe ich verbessert und die Scheiben sind nun aus 10mm Lexan mit UV-Schutzschicht.

Der Windgenerator steht nun auch.

Der Mast besteht aus 60mm Edelstahlrohr, die Streben aus 34er Rohr. Er ist auf Höhe der Reling über eine lange Muffenverbindung teilbar gesteckt und geschraubt. Der Sockel, sowie die Beschläge der Gelenkverbinder, sind fest mit dem Schiff verschweißt.
Die Kabeldurchführungen sind wasserdicht ausgeführt, ebenso die Steckverbindungen am Generator, sowie alle Verschraubungen.

Sicherheit geht vor!

Der Mast hat eine Höhe von 3,10m über Deck. Wie man auf dem Foto schön sehen kann, besteht auch bei ausgestrecktem Arm für durchschnittlich große Menschen keine Gefahr, in den Rotor zu gelangen. Netter Nebeneffekt eines hoch angebrachten Windgenerators: Dort oben ist einfach mehr Wind.

Zu guter letzt noch ein paar Eindrücke aus der Achterkajüte.

Irgendjemand hat beim Anblick einer dieser Verkleidungen mal zu mir gesagt: „Das ist alles Schrott, das kannste alles wegschmeißen!“

Ich gebe zu, es sieht auf den ersten Blick schlimm aus. Für einen Restaurator ist so etwas jedoch kein Problem.

Nun bin ich kein professioneller Restaurator, sondern habe mir das restaurieren von Hölzern mühevoll selbst beigebracht. Entsprechend langsam komme ich mit solchen Arbeiten voran. Mittlerweile können sich die Ergebnisse allerdings durchaus sehen lassen.

Als erstes muss das ganze marode Furnier entfernte werden.

Anschließend werden die maroden Mittellagen ausgetauscht und neues Holz eingeschäftet.

Neues Mahagoni-Furnier wird eingepasst und schließlich mit viel Druck und Hitze wasserdicht verleimt.

Das schwierigste ist dabei immer, den richtigen Farbton und die richtige Maserung zu treffen. Mittlerweile habe ich ein großes Furniersortiment angesammelt und so langsam klappt es so gut, dass ich oftmals die kleinen ausgebesserten Stellen nach einer Weile selbst nicht mehr wiederfinde.

Die halb verrottete Verkleidung aus der Achterkajüte vom Foto weiter oben sieht mittlerweile so aus. Noch ist sie nicht ganz fertig, aber so langsam kann sie sich wieder sehen lassen.

Verkleidung zum Test eingebaut.

Soviel zum Thema Restauration.

Widmen wir uns für ein letztes Foto noch kurz einem anderen Thema. Denn neben all der Arbeit am Schiff nehmen wir uns trotzdem hin und wieder Zeit für Ausflüge in die Umgebung. Hier, mit Filou im Schlauchboot.

Morgen reden wir dann mal darüber, was wir mit dem Schiff vorhaben, wenn es fertig ist.

Irgendwie ans Kap – Eine Reise auf dem Jakobsweg

Ein schmaler, glitschiger Pfad schlängelt sich durchs Gebirge, entlang der Küste. Nur etwa 30 Zentimeter breit, gleich daneben der Abgrund.
Auf dem Pfad zwei Gestalten, eingepackt in Mäntel und beladen mit Rucksäcken, stapfen sie durchgefroren immer weiter den Berg hinauf, in der Hoffnung, irgendwo eine Herberge zu finden, bevor es dunkel wird.

Der Weg, er ist derselbe wie vor Tausend Jahren. Der Regen? Heute nicht anders als damals. Die Schönheit der Küste, die Gastfreundschaft der Menschen entlang des Pfads und das große Ziel am Ende des Jakobswegs? Es hat sich nichts daran geändert, seit Menschen diesen Weg gehen.
Auch heute ist der Jakobsweg großes Abenteuer, Herausforderung und Belohnung zugleich.

Sabrina und ich haben das im Herbst 2015 erlebt, als wir unser Segelboot Eos im Hafen zurückgelassen haben und spontan ins 1.300 Kilometer entfernte Santiago de Compostela gepilgert sind…


Seit mehr als einem Jahr ist der Dokumentarfilm über diese Reise bereits fertig. Kurzzeitig konnte man ihn testweise direkt hier auf unserer Webseite bekommen, aber eine ordentliche Veröffentlichung habe ich, aus den verschiedensten Gründen, immer wieder verschoben.
Es fehlte vor allem an Zeit und zeitweise fehlte es auch an Rechten, weil der Film in diversen Bewerbungsprogrammen festhing, die eine Veröffentlichung ausgeschlossen haben.
Zeit, die ich abwarten musste, auch Lehrzeit, die ich mir selbst nehmen wollte, um zu schauen in welche Richtung für mich als Filmemacher die Reise in Zuklunft gehen soll.

Diese Wartezeit ist nun endgültig vorbei und ich hoffe ihr seid trotz der langen Durststrecke noch gespannt auf den Film.

Ab heute könnt ihr ihn bei Vimeo-on-Demand bekommen. Entweder zum ausleihen als Stream, oder zum dauerhaften abspeichern auch als Download.

Dieser 8. November ist für uns übrigens ein besonderer Tag, denn an diesem Tag, vor genau 4 Jahren, haben Sabrina und ich das Kap am Ende der Welt erreicht. 46 Tage haben wir damals für die Strecke von „Le Verdon sur Mer“ bis zum „Cabo de Finisterre“ gebraucht. 46 Tage Abenteuer, von denen der Film in 98 Minuten einen kleinen Teil zu erzählen versucht.

Wer mehr über den Film und seine Entstehung erfahren möchte, der schaut auf der Facebook-Seite „Irgendwie ans Kap – Der Film“ vorbei. Dort wird es demnächst hin und wieder Bonusmaterial und Hintergrundinfos geben.

Und hier geht es direkt zum Film bei Vimeo: „Irgendwie ans Kap“

Buen camino!

Der Kaminofen – Teil 2

Seit gut 4 Wochen ist der Kaminofen an Bord der Morgenstern nun in Betrieb. Da 3 verlängerte Wochenenden und eine Woche Urlaub in diese Zeit fielen, die wir durchgehend an Bord verbracht haben, konnten wir den Ofen also bereits ausgiebig testen.
In diesen 4 Wochen waren wir an genau 21 Tagen an Bord und haben in der Zeit exakt 22kg Brennholz (Hartholz und Weichholz gemischt) verbraucht.
Dass wir bei typischen Oktobertemperaturen am Niederrhein zwischen 3 und 15 °C Außentemperatur so wenig Holz verfeuern würden, damit hatte selbst ich nicht gerechnet und ich war schon wirklich optimistisch.

Bei Brennholz wird übrigens in der Regel mit sogenannten Raummetern gerechnet, aber für uns ist die Rechnerei in Kilogramm besser geeignet, weil sich dadurch verschiedene Brennstoffe besser vergleichen lassen. Auch spielt beim rechnen in Kilogramm die Holzart keine so große Rolle, denn der Heizwert weist auf das Gewicht bezogen nur minimale Unterschiede auf. Würde man in Raummetern kalkulieren, sieht die Sache anders aus, da Weichholz ein wesentlich größeres Volumen als Hartholz hat.

Vor etwa Eineinhalb Jahren, als ich anfing Informationen zu Kaminöfen für Boote zu sammeln und über den Cubic Mini gestolpert bin, fand ich jemanden, der mit einem Wohnmobil in Nordeuropa einen Winter lang unterwegs war und einen solchen Ofen eingebaut hatte. Sein Holzverbrauch lag im Dezember und Januar bei gerade einmal 50kg pro Monat. Ich konnte das zu dem Zeitpunkt kaum glauben.

Damit man sich etwas besser vorstellen kann, wie wenig 50kg Holz ist, ein Vergleich mit Diesel:

Brennholz (Restfeuchte 20%, gemischte Sorten) verfügt über einen Heizwert von ca. 4,2kWh (Kilowattstunden) pro Kilogramm.
Diesel liegt bei ca. 11,9kWh pro kg.
Die 50kg Holz verfügen also über denselben Heizwert wie 17,6kg Diesel. In Litern gerechnet entspricht das 21,2l Diesel. Daran wird deutlich, mit wie wenig Energie der Camper beim heizen mit dem Cubic Mini ausgekommen ist.

Warum das so möglich ist, kann man leicht nachrechnen. Die 50kg trockenes Holz entsprechen einem Heizwert von 210kWh. Diese 210kWh verbleiben allerdings nicht komplett dort wo man sie haben möchte. Entscheidend sind (unter anderem) zwei Dinge: Zum einen der Wirkungsgrad des Ofens und zum anderen die Dämmung des beheizten Raumes.
Der Wirkungsgrad des Cubic Mini liegt bei 75%. Theoretisch erreicht so ein moderner Ofen mit Sekundärluft sogar bis knapp über 80% unter idealen Bedingungen, aber wann hat man die in der Praxis schon.
Bei einem Wirkungsgrad von 75% verbleiben also im beheizten Raum 157kWh der eingesetzten 210kWh, der Rest geht über den Schornstein „verloren“.
Jetzt stellen wir uns mal vor, der oben erwähnte Camper hätte statt mit Holz, mit einem elektrischen Heizlüfter geheizt. Bei diesem Prinzip bleibt die gesamte eingesetzte Energie vollständig im Raum. Lasse ich also einen 1kW Heizlüfter 157 Stunden laufen, dann habe ich dieselbe Energie in den Raum in Form von Wärme abgegeben, wie mit 50kg Brennholz über den Kaminofen.
Und jetzt wird langsam deutlich, dass es doch ziemlich realistisch ist, mit dieser Holzmenge auszukommen. Denn 157 Kilowattstunden mit einem Heizlüfter verbraucht, würde bei 30 Tagen im Monat einer durchschnittlichen Laufzeit von 5,2 Stunden täglich entsprechen, was absolut realistisch ist, wenn der Raum über eine gute Isolierung verfügt und man darauf achtet, nicht unnötig zu heizen.

Und warum ist das nun so? Warum verbraucht dieser Camper nur 50kg Holz pro Monat im Winter und andere, mit anderen Holzöfen viel mehr Holz, oder jemand mit einer Dieselheizung viel mehr Diesel?
Das entscheidende ist der Wirkungsgrad und der ist beim Cubic Mini eben extrem hoch, was wir selbst bereits feststellen konnten.
Einmal ordentlich angefeuert und richtig eingestellt, liefert er mit drei winzigen Scheiten Hartholz (gerade mal 14cm lang) bis zu 3 Stunden Wärme, wenn man ihn ausglühen lässt. Beim Dauerheizen legen wir ein bis zweimal pro Stunde Holz nach, wenn wir den Ofen auf kleinster Stufe im Bereich von ca. 1kW betreiben.
Daneben gehen wir insgesamt wesentlich bewusster mit der Heizung um, als wir es mit dem Refleks Ölofen auf Shamu getan haben oder mit einem Heizlüfter tun würden, was wiederum zu einem niedrigeren Verbrauch führt. Der Ölofen auf Shamu lief halt oft einfach durch, genauso der Heizlüfter.

Es gibt aber nicht nur Vorteile. Der Kaminofen macht wesentlich mehr Arbeit. Bei so einem Ofen muss man sich um die Verbrennung selbst kümmern. Er will justiert werden, er will beobachtet und gereinigt werden und wer noch nie mit einem Kamin geheizt hat, der verbrennt sich vielleicht auch mal die Finger.
Uns bereitet das keine Probleme, im Gegenteil. Wir lieben es, Holz zu zerkleinern, zu sortieren, uns um den Cubic Mini zu kümmern und ihm die Wärme zu entlocken.
Man drückt halt nicht auf einen Knopf und lässt Mikroelektronik einen flüssigen Brennstoff verfeuern, sondern man macht das Feuer selbst.
Für uns persönlich ist heizen mit Holz also kein Nachteil, sondern eine Art Qualitätsgewinn, aber das mag jeder anders sehen, was völlig ok ist.

Ein Nachteil, der technisch gesehen wirklich einer ist, ist der hohe Wirkungsgrad. Was zunächst wie ein Widerspruch klingt, ist schnell erklärt. Durch die effiziente Verbrennung im Ofen, bleibt ein Großteil der Wärme im beheizten Raum. Was der Ofen durch den Schornstein nach draußen pustet, enthält ja nur noch 25% der erzeugten Energie. Das führt dazu, dass die Abgastemperatur sehr niedrig ist und es im Ofenrohr manchmal zu Kondenswasserbildung kommt. Das passiert zum Beispiel während der Anzündphase und dauert durch den hohen Wirkungsgrad entsprechend lange, was am Ende zu mehr Versottung (Ablagerungen) im Kamin führt. Die Folge: Das Ofenrohr muss öfter gereinigt werden und je nach Witterung kommt es auch mal vor, dass ein paar schmutzige Tropfen Kondenswasser von der Kaminhaube ihren Weg aufs Deck finden. Man sieht, alles hat irgendwo seinen Preis.

Kommen wir zum vielleicht wichtigsten Thema, zur Wärmeabgabe und zum Klima unter Deck.

Der Kaminofen gibt einen Großteil seiner Wärmeleistung in Form von Infrarotstrahlung ab. Ich gehe jetzt nicht auf die physikalischen Details ein, denn wahrscheinlich jeder kennt Infrarotstrahlung und weiß wie sie wirkt, wenn man einmal an das letzte Lagerfeuer zurückdenkt. Selbst wenn die Luft um einen herum bitterkalt ist, dass Feuer wärmt.
Nichts anderes macht ein Kaminofen, egal ob mit Holz oder mit Diesel befeuert. Selbst wenn die Lufttemperatur im Salon noch niedrig ist, die Infrarotstrahlung sorgt für ein angenehmes Gefühl.
Der Einbauort ist deshalb so gewählt, dass der Cubic Mini möglichst viel Raum optisch abdeckt. Denn nur die Bereiche die der Ofen „sieht“, kann er auch mit Infrarotstrahlung versorgen. In der folgenden Grafik kann man sehen, welche Bereiche (rot) komplett erfasst werden und welche Bereiche teilweise versorgt werden (gelb).

Das ist zum einen der gesamte Salon und die spätere Pantry. Nur der Fußbereich am zukünftigen Schreibtisch wird nicht erfasst.
Bei leicht geöffneter Tür zum Vorschiff wird auch die Bugkabine beheizt, die Werkstatt im Durchgang an Backbord bekommt ebenfalls etwas ab.
Der Flur und die Achterkajüte werden vom Cubic Mini nicht mehr nennenswert mit Wärmestrahlung versorgt. Dort kommt es nur durch Konvektion zu einer Erwärmung, was für einen Durchgang und einen Schlafraum absolut ausreichend ist.
Die Luftfeuchtigkeit bekommen wir mit dem Ofen deutlich gesenkt, da er Frischluft von Außen über die Kajüte ansaugt. Umso kühler es draußen ist, umso niedriger ist die Luftfeuchtigkeit unter Deck, da kühle Luft prinzipbedingt weniger Feuchtigkeit enthält als warme.
In der Praxis lag die Luftfeuchtigkeit unter Deck im Oktober zwischen 50 und 60%, während der Ofen in Betrieb war.

Nachfolgend (für die Technikfreaks) noch eine Liste mit allen Temperaturmessungen:

Temperaturen (nach 4 Stunden Dauerbetrieb) in °C

Zum Zeitpunkt der Messung befanden sich 3 Scheite Holz im glühenden Zustand in der Brennkammer (Leistungsbereich ca. 1kW).

Außentemperatur – 11,2
Deckstemperatur – 11,2

Salon – 21,6
Bugkabine – 20,9
Flur – 20,2
Achterkajüte – 19,1

Fußboden Salon – 20,5
Decke Salon – 22,7

Steinwand hinter dem Ofen – 35
Ofen Sockel – 87
Ofen Seitenwand – 125
Ofen Platte – 128

Ofenrohr unter Deck (alle 10 cm ab Ofenausgang):
56
49
47
44
41
39
37
33
31
30
30
29

Abdeckplatte Decksdurchführung – 25

Decksdurchführung an Deck (oberer Bereich) – 20
Decksdurchführung an Deck (am Sockel) – 13

Isoliertes Abgasrohr an Deck (alle 50cm):
20
20
19
19
18

Abgastemperatur beim Austritt unter der Kaminhaube – 31

Was man anhand dieser Liste schön erkennen kann ist die niedrige Temperatur im Abgasstrang. Das ist der Grund, warum er im Außenbereich isoliert ausgeführt werden muss.
Ohne Isolierung wäre die Luft an der Kaminhaube zu kalt, um noch einen guten Zug zu gewährleisten. Gerade bei starkem Wind würde das Rohr sofort auskühlen.

Was man weiterhin schön an den Zahlen sieht, ist die ziemlich homogene Verteilung der Wärme unter Deck. Selbst die Achterkajüte, welche gute 7 Meter vom Kamin entfernt ist und nur doch durch passive Luftumwälzung mit Energie versorgt wird, erwärmt sich deutlich. Entscheidend dafür ist die Isolierung des Schiffs, denn dort hinten kommt von dem eingesetzten Kilowatt, von dem nur etwa 750 Watt unter Deck bleiben, kaum noch etwas an.

Der Kaminofen – Teil 1

Fast ein ganzes Jahr ist nun mittlerweile am Schiff vorbeigezogen, seitdem wir uns beim Heizkonzept auf Morgenstern für die Kanadische Lösung entschieden haben.
Der Ofen selbst war seinerzeit schnell in Übersee bestellt und auch schnell geliefert. Der Einbau wurde allerdings immer wieder durch andere Baustellen, mit höherer Prioritätsstufe, vereitelt.
Bis zum diesjährigen Sommer hat es schließlich gedauert, dass ich mich endlich damit befassen konnte, den Kaminofen einzubauen, den sich Sabrina immer gewünscht hat.

Warum überhaupt einen Kaminofen und nicht einfach eine Diesel-Standheizung oder einen Dieselofen einbauen, könnte man jetzt fragen!?
Nun, es gibt wie bei jedem Konzept Gründe, die dafür sprechen und Argumente dagegen. Jedes System hat seine Berechtigung und auch bei uns wird der Kaminofen langfristig nicht die einzige Heizung an Bord bleiben. Eine Dieselheizung liegt bereits im Schiff, muss allerdings noch eingebaut werden.
Für uns war am Ende hauptsächlich ein Argument ausschlaggebend für den Kaminofen und das ist die Ausfallsicherheit. Es gibt Gegenden, dort ist die Heizung an Bord nicht komfortables Beiwerk, sondern überlebenswichtig! In solchen Gebieten kann es fatal sein, von einer Heizung abhängig zu sein, die eine gewisse Menge Strom zum Betrieb benötigt. Auch ein Ölofen, mit komplizierter Mechanik in der Kraftstoffzufuhr, kann ausfallen und nicht immer mit Bordmitteln repariert werden.
Der einzige Ofen, der praktisch immer funktioniert, ist der Kaminofen und aus genau diesem Grund wird er in vielen kalten Gegenden für Boote und Motorhomes auch heute noch, oder wieder, bevorzugt.
Allerdings ist das Konzept moderner Kaminöfen für Boote nicht mehr dasselbe, wie vor X Jahrzehnten. Zumindest in Kanada bekommt man heute Öfen, die sich technisch auf dem Level eines modernen Systems für Häuser befinden, nur sind sie eben viel kleiner und für einen Einbau an Bord optimiert, wo wir auch schon beim Hauptthema dieses Beitrags angekommen sind:

Der Einbau

Das Holz ist für das neue Furnier vorbereitet.

Er gestaltete sich als sehr langwieriges und kostenintensives Projekt. Über die Decksdurchführung hatte ich bereits in diesem Beitrag berichtet.
Im Gegensatz zu einer Standheizung oder den Ölöfen, wie sie hierzulande häufig benutzt werden, ist so ein eingebauter Kaminofen, mit allem was dazugehört, praktisch eine Sonderanfertigung. Es gibt nur wenige Serienteile im Abgasstrang, auf die man zurückgreifen könnte und die sind dann auch wieder für viele Yachten suboptimal.
Nachdem ich mich also fast ein halbes Jahr immer wieder mit dem Einbauort, Isolationsmaterialien und dem Konzept der Abgasführung beschäftigt hatte, stand am Ende der langen Recherche fest, dass für ein ideales System alles, wirklich alles (außer dem Ofen) selbst gebaut werden muss!
Es setzte also ein langer Prozess ein, während dem ich jede Menge CAD-Zeichnungen angefertigt und lange herumexperimentiert habe. Material beschaffen, schweißen, testen, optimieren…

Ziel war es, ein Gesamtsystem ins Schiff zu implantieren, welches möglichst effektiv die Wärme verteilt, sicher in der Handhabung ist, maximalen Zug im Kamin gewährleistet, auch bei Krängung und Sturm funktioniert und noch dazu die Nachbarn im Hafen nicht belästigt.

Das ganze hat viel Zeit, Nerven und auch Geld gekostet, das Ergebnis kann sich allerdings sehen lassen und noch wichtiger: Es funktioniert erstklassig!

Das Trapez und die Haube in der Dämmerung. Als Windfahne der drehbaren Kaminhaube dient ein Teil unseres zukünftigen Schiffslogos. Die Haube ist drehbar auf einer Welle aus Aluminiumbronze gelagert. Sie ist im Gegensatz zu den Hauben für Hauskamine ausgewuchtet, was sehr wichtig ist, um auch bei Krängung zu funktionieren. Die Haube wirkt zugverstärkend und ist fallwindsicher.

Eine meiner größten Sorgen während all der Planung war die Geruchsbelästigung fürs eigene Schiff und die Nachbarn, was mit ein Grund für die starke Überhöhung des Schornsteins war. Nachdem der Kaminofen nun über einen Zeitraum von 2 Wochen intensiv befeuert wurde, kann ich jedoch sagen, dass diese Sorge absolut unbegründet war. Im Gegenteil, der Ofen verbrennt das Holz so effektiv, dass man an Deck des Nachbarschiffs praktisch kaum einen Geruch wahrnehmen kann, wenn der Wind direkt in die Richtung weht. Und wenn man doch mal etwas riecht, dann ist der Geruch für die meisten Menschen nicht unangenehm. Subjektiv betrachtet, empfinde ich persönlich den Abgasgeruch einer Dieselheizung als etwas unangenehmer in der Nase. Um noch einen weiteren Vergleich heran zu ziehen: Selbst eine einzige Petroleumlampe, die mit nicht ganz so sauberem Lampenöl in der Kajüte betrieben wird, riecht penetranter als die Abgasfahne des Kaminofens wenige Meter neben der Abgashaube. Aber da jede Nase anders riecht, wird es sicherlich auch Menschen geben, die den Geruch von verbranntem Holz als unangenehm empfinden. Deshalb befindet sich unsere Kaminhaube 2,25m über Deck, beziehungsweise 3,65m über der Wasserlinie. Die Abgase werden also über die meisten Schiffe hinweg geweht.
Sehen kann man die Abgasfahne übrigens nur während der Anzündphase. Wenige Minuten nach dem Anzünden sind die Abgase absolut farblos.
Das war allerdings nicht von Anfang an so. Dem Hinweis aus der Bedienungsanleitung, den Kamin besser im Freien einzubrennen, haben wir keine große Bedeutung geschenkt. „Dünstet ungiftige Dämpfe während der ersten halben Stunde aus.“ – stand da sinngemäß.
Was soll ich sagen, wir waren froh, dass es bereits dunkel war und niemand mehr im Hafen unterwegs, sonst hätte vielleicht jemand die Feuerwehr gerufen. Es zogen Rauchschwaden aus dem Kaminrohr UND den geöffneten Decksluken des Schiffs. Atmen war unter Deck kaum noch möglich und diese halbe Stunde fühlte sich irgendwie viel länger an.
Sabrina war mit Filou während der Einbrennphase an Deck und ich habe, nachdem ich alle Rauchmelder und Kohlenmonoxidwarner von Wänden und Decken gerissen habe, hustend auf dem Bauch liegend an den Reglern des Ofens herumgespielt, in der Hoffnung, die Verbrennung irgendwie etwas reduzieren zu können, um nicht ganz so viel Qualm zu erzeugen.

„Hoffentlich ruft niemand die Feuerwehr!“ – Ging mir die ganze Zeit durch den Kopf…

Und immer wieder die Frage nach oben zu Sabrina an Deck: „Qualmt es jetzt mehr oder weniger?“
„Mehr!“
„Und jetzt?“
„Mehr!“

Immer wieder hat Sabrina kurz mit der Taschenlampe in Richtung Kaminhaube geleuchtet, um zu schauen, ob der Qualm weniger wird, aber irgendwie tat sich da nichts. Es sah aus, wie bei einer alten Dampflokomotive, die sich schnaubend eine Gebirgsstrecke hochschiebt!

Irgendwann kam dann von Deck der Hinweis: „Du, Nico, ich glaube, ich kann das andere Ufer nicht mehr erkennen!“
Nico: „Waaas!?“
Sabrina: „Naja, die Lichter von den Anglern sehe ich zumindest jetzt nicht mehr.“

Aber irgendwann war auch diese halbe Stunde überstanden und der sogenannte Einbrennlack eingebrannt. Ein Prozess, durch den man eben durch muss.
Weitere ca. 20 Stunden Brennzeit hat es danach noch gedauert, bis der Lack vollständig ausgedünstet war und nun funktioniert alles ohne Qualm und ohne Gestank.
Die Wärme, die der Kaminofen in der Kajüte verbreitet, ist ein echter Segen. Kein Vergleich zu einem Heizlüfter, bei dem nur die Luft erwärmt wird und mit dem die Umgebung eher kühl bleibt. Der Kaminofen gibt einen Großteil seiner Wärmeleistung in Form von IR-Strahlung ab, so wie man es zum Beispiel von einem Refleks Ölofen kennt. Diese Strahlungswärme fühlt sich ziemlich gut an. Selbst wenn die Luft in der Kajüte noch eher kühl ist, wird man bereits gewärmt. Der Einbauort ist deshalb so gewählt, dass der Ofen fast jede Ecke des Salons erreicht. Auch die Bugkabine und später das Bad bekommen bei geöffneten Türen direkt Strahlungswärme ab.
In der Achterkajüte kommt es nur über Konvektion zu einer Erwärmung, was aber für einen Schlafraum völlig ausreichend ist.

Endlich warm!

Was die Effizienz angeht, so sind wir äußert positiv überrascht. Moderne Kaminöfen mit Sekundärluftzufuhr erreichen einen Wirkungsgrad von 80%, also kein Vergleich mit einem offenen Kamin „von Früher“, bei dem ein Großteil der erzeugten Wärmeenergie durch den Schornstein entweicht.

Unser Cubic Mini ist so ein moderner Kaminofen mit Sekundärluft, Schamottauskleidung und geschlossener Brennkammer, ohne den Ascherost, wie er bei den alten Holzöfen verbaut wurde. Der hohe Wirkungsgrad des Cubic Mini ist unter anderem ein Grund, warum der Schornstein über Deck doppelwandig ausgeführt werden sollte, aber dazu mehr in Teil 2, dann reden wir über Holzverbrauch, Abgastemperaturen und Strahlungswärme.

Eine ganz bestimmte Frage

Die Sommersaison neigt sich so langsam dem Ende zu. Wir merken das gerade ziemlich deutlich, denn der Betrieb auf dem See lässt sichtbar nach. Einige holen ihre Boote bereits wieder aus dem Wasser und man spürt, dass der Herbst nicht mehr weit weg ist.
Es wird also fleißig eingewintert am See, nicht jedoch an Bord der Morgenstern. Wir wintern nicht ein, sondern starten lediglich in eine neue Saison. Der Kamin ist seit gestern fertig eingebaut und steht zur Erstfeuerung bereit.

Wir werden also auch im Herbst und im Winter jede Woche am Schiff sein und es weiter verbessern und hoffentlich auch mal die Zeit finden, wenigstens eine kleine Runde auf dem See zu segeln, denn dazu sind wir in diesem Sommer leider nicht gekommen.
Dafür konnten wir allerdings viele Baustellen von der Liste streichen und sind nun endlich an dem Punkt, an dem die Altlasten nicht mehr dominieren und Zeit für Umbaumaßnahmen unter Deck übrig bleibt. Darauf freuen wir uns eigentlich am meisten. Den Salon verschönern, die neue Pantry anfertigen und das Bad mit Nasszelle beginnen.
Aktuell arbeite ich unter anderem am Sockel für den neuen Salontisch und der Abgasanlage für die Dieselheizung. Während der Woche fertige ich also in der Werkstatt weiterhin Bauteile an und am Wochenende wird das Zeug ins Schiff eingebaut. Immer und immer wieder, so lange bis alles fertig ist.

Und damit ist eigentlich auch schon eine der meist gestellten Fragen („Wann wollt ihr wieder los?“) fast beantwortet. Sobald das Schiff fertig und die Bordkasse gefüllt ist, geht es wieder los.

Erinnert ihr euch noch an den Countdown, den wir vor den letzten Reisen immer hier auf der Website hatten? Den wird es in der Form nicht mehr geben, weil einfach noch nicht absehbar ist, in welchem Jahr wir überhaupt fertig sein werden.
Deshalb haben wir uns etwas anderes einfallen lassen, damit ihr ein wenig mitfiebern könnt und einen Überblick habt, wie weit wir sind. Wie das Ding heißen soll, wissen wir gerade nicht, also immer her mit den Vorschlägen.

Jedenfalls zeigt dieses Widget an, wie weit wir mit dem jeweiligen Teilbereich des Schiffs sind. Sobald alle Balken bei 100% stehen, gehen wir wieder auf große Fahrt! Ist das ein Deal?

Deckweiß

Anfang September hatten wir ihn mit minimaler Verspätung endlich erreicht, den Punkt, an dem wir Morgenstern an Deck für fertig erklärt haben!

Fast den gesamten Sommer hat uns das Deck beschäftigt und unzählige Arbeitsstunden verschlungen.
Mit dem Ergebnis sind wir jetzt zufrieden. Alle, wirklich alle Altlasten sind beseitigt! Neuer Stahl wurde von oben überall dort eingeschweißt, wo bisher verrostete Durchführungen vor sich hin gammelten. Anschließend alles wieder konserviert und von unten isoliert.
Der Bugspriet ist nun ebenfalls fertig. Er hat nicht nur neues Holz bekommen, sondern auch zwei zusätzliche Streben, die für mehr Sicherheit bei Seegang sorgen.

Wie viele einzelne Makro- und Microbaustellen es an Deck insgesamt waren, wissen wir nicht. Anfang Juni hatten wir bei etwas mehr als 200 keine Lust mehr weiter zu zählen und da waren wir gerade mal am Großmast angekommen, nachdem wir am Bug gestartet sind.
Im Hafen hatte ich zwischenzeitlich den Spitznamen „Der Zahnarzt“ und wenn einer der Bootsnachbarn zum plaudern vorbei kam war oft die erste Frage: „Und? Was machst du heute? Wurzelbehandlung oder Füllung?“
Stundenlang lag ich manchmal an Deck, habe Pünktchen für Pünktchen aufgefräst und wieder versiegelt, als ginge es um den Hitzeschutzschild einer Raumkapsel.
Man hätte da auch teilweise einfach drüber streichen können und es wäre auch für ein paar Jahre Ok gewesen. Aber irgendwie hätte ich das nicht mit mir selbst vereinbaren können. Wer weiß, vielleicht haben Schiffe ja wirklich eine Seele und vielleicht haben sie sogar manchmal „Zahnschmerzen“!?

Nun ist jedenfalls wieder alles in bester Ordnung und das flugzeugträgergraue Deck gehört der Vergangenheit an.

Im nächsten Beitrag geht es dann um die meist gestellte Frage der letzten Zeit:

„Wann wollt ihr eigentlich wieder los?“

Vollgaswochen

Seit dem Frühling hat das Deck von allen Baustellen an Bord die höchste Priorität. Es ist alles bestimmend. Manchmal nervt das, würden wir doch viel lieber zur Abwechslung mal woanders arbeiten. Vor allem, wenn Sabrina oder mir eine Detaillösung für die vielen anderen Ecken einfällt. Dann will man am liebsten den Fräser weglegen und sofort mit der Planung starten.
Aber das geht nun mal nicht, wenn die Restauration zügig und in sinnvollen Schritten abgewickelt werden soll. Also heißt es: Fräsen, fräsen, fräsen, ….
Anschließend Farbe aufbauen. Angefangen mit Zinkphosphat auf Epoxidharzbasis, über die Grundierung, bis zum Hochglanzlack in mehreren Schichten. Insgesamt 5 bis 9 Schichten sind es, je nachdem.
Viele Hundert Male haben wir diese Schritte nun hinter uns. Manchmal sind die Stellen, die überarbeitet werden müssen, winzig klein, mal sind sie fast handtellergroß und an einigen Problemzonen hilft nur noch raustrennen und ein neues Stück Stahl einschweißen.
Mittlerweile sind etwa 80% des Decks fertig restauriert und wir sind optimistisch, noch im August damit komplett fertig zu sein.

Die Bereiche wo der Stahl das zeitliche gesegnet hat, sind zum Glück überschaubar und beschränken sich auf Stellen bei denen irgenwann in der Vergangenheit ein Durchbruch gesetzt und unsauber gearbeitet wurde. Zum Beispiel unter den beiden Lüftern, neben dem Mastschuh vom Besan.
Allein dieses Projekt hat einige Tage Zeit für sich beansprucht. Auch, weil wir für die Arbeiten von unten viel entfernen und diverse Leitungen aufwändig hin und her verlegen mussten, um mit Winkelschleifer und Schweißgerät arbeiten zu können.
Im Zuge der Überarbeitung habe ich auch gleich die ziemlich unansehnliche und schlecht konzipierte „Travellerschiene“ für die Großschot entfernt und durch einen soliden Beschlag aus Edelstahl ersetzt.
Sollte in Zukunft doch der Wunsch aufkommen, den Holepunkt der Großschot zu verändern, um das Segel noch besser trimmen zu können, so werden wir das wahrscheinlich mit einer zweiten Talje machen. Das Prinzip gefällt uns für Morgenstern von allen möglichen Varianten zur Zeit am besten.

Kopfschütteln über Unsinnigkeiten im Konzept kommt bei unserer Suncoast zwar ziemlich selten vor, aber an einer Stelle fällt das nachvollziehen für diese Entscheidung während des Baus wirklich schwer. Und zwar der Mastschuh des Besan.
Ansich ist der super verarbeitet, bis auf ein „kleines“ Detail. Eine Wartungsklappe für einen Hohlraum, in dem es nichts zu warten gibt!
Hätte man auch weglassen können, dann wäre auch nichts von innen gerostet. Oder man hätte sie wasserdicht ausgeführt, dann wäre auch nichts gerostet. Oder man hätte sie belüftet ausgeführt, oder…
Aber man hat leider einfach einen Deckel ohne Dichtung draufgedübelt und so konnte sich über die Jahrzehnte ein kleiner, etwa 7cm hoher Sumpf mit Mikroklima im Inneren des Hohlraums bilden.

Fühlt sich irgendwie weich an…

Was haben wir denn da?

Dass der Stahl trotz Sumpf und Sch… nur oberflächlich Flugrost ausgebildet hat, wundert mich noch immer. Eigentlich hätte auch COR-TEN Stahl an dieser Stelle aufgeben müssen. Hat er aber nicht!? Vielleicht ist es ja ähnlich wie bei Moorleichen. Die verwesen ja auch nicht.
Jedenfalls ist der kleine Raum nun wieder sauber, entrostet, lackiert, und der Deckel hat einen Rohrbogen zwecks neuer Kabelverlegung bekommen. Neoprendichtung und O-Ringe für die Schrauben haben wir ihm auch spendiert. So kann kein Wasser mehr hinein laufen, aber belüftet ist der Kasten trotzdem.

Der neue Deckel.

Lassen wir den Rott nun gedanklich hinter uns und schauen auf die überarbeitete Mastlegevorrichtung. Ein richtiges Schmuckstück ist das geworden, auch dank unseres Bootsnachbarn Eddie, der die entscheidende Idee für Detaillösungen hatte.
Die Bauarbeiten an den Stahlteilen haben zwar am Ende fast 2 Wochen gedauert, aber mit dem Ergebnis sind wir mehr als zufrieden. Sollte uns überleben, das Teil!

Ansonsten sind unzählige Kleinteile fertig geworden und haben irgendwie ihren Weg ins und aufs Deck gefunden. Es waren so viele, dass ich heute kaum noch alle aufzählen kann. Viel Wartungsstau, der bereits seit Eignergenerationen vor uns dagelegen hat und den man nicht immer auf den ersten Blick erkennen konnte. Fast 2 Flaschen Argon habe ich während all der Schweißarbeiten in den letzten Wochen verballert. Zum Vergleich: In den letzten 10 Jahren habe ich gerade mal eine halbe dieser 10kg Flaschen verbraucht!

Stellvertretend für die 80% restauriertes Deck steht dieser Poller!

Nächstes Thema:

Die Decksdurchführung für den neuen Ofen

Dieses Teil habe ich angefertigt, weil es (soweit mir bekannt) nichts vergleichbar solides, dichtes und kühles auf dem Markt gibt. Mit „kühl“ ist gemeint, dass so eine Decksdurchführung möglichst wenig Wärme vom Abgasrohr auf das Deck übertragen sollte. Was mit solide gemeint ist, dürfte klar sein. Mit „dicht“ verfolge ich den ganz persönlichen Anspruch an eine Decksdurchführung auf einem Segelschiff, von der ich im schlimmsten Fall nicht denken möchte, während die Yacht kentert: „Scheiße, der Schornstein!“
Meine Recherche zu solchen Decksdurchführungen hat am Ende folgendes ergeben:
+ Kühl gibt es.
+ Solide gibt es.
– 100%ig dicht gibt es nicht.
– Kühl, solide und 100%ig dicht gibt es erst recht nicht.

Also selbst entwickeln und selber bauen…
2mm Edelstahl, isoliertes Abgasrohr (Steinwolle, Glasfaser, Kevlar), perfekte Passungen, perfekt passender Deckel mit Gewindestiften, welche in eine umlaufende Nut greifen und eine Neoprendichtung vorspannen.

Tada…

Entstanden ist es so.

Aufgeschweißt habe ich die Durchführung mit dem WIG Schweißgerät und SW-Zusatz.

Wenn das innere Rohr kurz vorm glühen ist, kann man das äußere Rohr im Bereich der Decksverbindung problemlos anfassen. Es wird nur lauwarm.

Nächstes Thema:

Bugspriet

Brauchte neues Holz, brauchte neuen Stahl, brauchte ein besseres Konzept, brauchte neue Farbe…
Noch nicht ganz fertig, aber es entwickelt sich. Ich lasse mal Bilder sprechen und quatsche nicht so viel.

Letzter Themenwechsel für diesen Beitrag:

Segeln

War ich nämlich auch. Kurz, schnell und hart bin ich am Sonntagabend den Niedergang hinunter gesegelt. Der Zeitpunkt passte, kann man nicht anders sagen. Ich hatte gerade den letzten Pinselstrich gezogen und war auf dem Rückweg ins Bootsinnere. In der einen Hand den leeren Farbbecher, in der anderen den Pinsel. Die oberste Stufe, ich hab sie nur knapp mit dem Fuß verfehlt. Alle anderen darunter habe ich dann wieder voll erwischt, allerdings mit den Rückenwirbeln, Rippen und Schulterblättern. Die letzte ganz unten dann mit maximaler Geschwindigkeit auch mit dem Hinterkopf.
Unmittelbare Reaktion meinerseits, nachdem die Lunge kurzzeitig restentleert war und über die wir uns später doch ein wenig amüsiert haben: „Ina … ooon …! Rina … toon …!“
Sabrina: „Beruhig dich erstmal, atme tief ein!“
Nico: „Da … ton … da!“
Sabrina: „Atme erstmal! Tief atmen!“
Nico: „Aceton … da!“
Sabrina: „Aceton???“
Nico: „Ja … Aceton … da!“

Aufklärung:
Während des Segelfluges ins Bootsinnere, ist es mir aus unerfindlichen Gründen gelungen, den Farbbecher bis zum Schluss festzuhalten. Der Pinsel ist mir allerdings irgendwie entwischt und in hohem Bogen davon geflogen, genau mit den Borsten gegen eine der hübschen Mahagoniverkleidungen. Das habe ich im Gegensatz zu Sabrina mitbekommen und der erste Gedanke nach dem Aufschlag war deshalb: „2K Farbe!!! Das muss schnell entfernt werden, bevor es aushärtet!“

Da ich hier noch schreiben kann, dürfte klar sein, es ist praktisch nichts passiert, bei diesem Flug. Nur Prellungen und blaugrüne Flecken.

Glück gehabt!

Videoupdate #47

Ich bitte mal kurz um eure Aufmerksamkeit, denn ich habe euch etwas wichtiges mitzuteilen:
Heute Nachmittag waren wir mit Filou am Strand und obwohl ich mir für diesen Sommer ein Filmverbot zwecks voller Fokussierung auf die Restauration auferlegt hatte, war eine kleine Kamera mit dabei. Dieser glückliche „Zufall“ hat dazu geführt, dass ihr nun fast live Filous erste Bahnen audiovisuell miterleben dürft.
Viel Spaß mit Videoupdate #47
(Zu 100% mit Solarstrom vor Anker produziert!)

Hitzefrei

Mehr als 6 Wochen sind seit dem letzten Beitrag vergangen und bis zum nächsten wird es vermutlich wieder so lange dauern, denn seit es wieder warm ist, nutze ich praktisch jede Gelegenheit, um an Bord zu arbeiten. Für alles andere bleibt kaum Zeit.
Was ich in den letzten Wochen alles geschafft habe, kann ich hier kaum aufzählen. Viel Sisyphusarbeit war jedenfalls darunter, von der man am Ende kaum noch etwas sieht. Zum Beispiel bei den Holzteilen im Flur, so nennen wir mittlerweile den Durchgang an Steuerbord unterm Cockpit. Diesen Raum zu restaurieren hat wesentlich länger gedauert als ursprünglich gedacht. Das lag vor allem an den vielen maroden Holzteilen, die durch den undichten Gaskasten über Jahre gelitten haben.
Manches hatte kaum noch Substanz und es gab Ecken, da waren tatsächlich mehrere Zentimeter Holz einfach weg!
Ursprünglich hatte ich nicht gedacht, dass man in dem Bereich überhaupt noch restaurieren kann, aber diverse Projekte von professionellen Restaurateuren haben mich dann ermutigt, es zu versuchen.
Austauschen wäre zwar günstiger und schneller, doch der Charakter des Oldtimers würde dadurch verloren gehen. Jede Macke, jeder Kratzer erzählt eine Geschichte. Und man stelle sich einmal vor, man würde in einem Schiff alle 20 oder 30 Jahre die Einrichtung gegen das tauschen, was man heute als modern erachtet. All die Klassiker gingen dabei verloren.
Morgenstern ist eben ein Oldtimer und soll es auch bleiben. Natürlich wird an einigen Stellen auch modernste Technik Einzug halten, aber der Charakter soll dabei so weit wie möglich erhalten bleiben.

Und so habe ich im Winter damit begonnen diverse Mahagoni Furniere zu besorgen und das Restaurieren von Massivholz und Furnier zu versuchen. Die Lernkurve war echt flach, das kann ich euch sagen. Die Bereiche, die ich ganz am Anfang restauriert habe, sind aus jetziger Sicht nicht besonders hübsch geworden, aber mittlerweile funktioniert es so gut, dass ich die ausgetauschten Stellen selbst manchmal kaum noch finden kann.
Auch das Herstellen von Mahagoni-Sperrholz klappt nun ziemlich gut. Das musste ich machen, da es praktisch unmöglich ist, in einer Holzhandlung ein Sperrholz zu finden, das exakt zum knapp 5 Jahrzehnte alten Holz passt, welches auf Morgenstern verbaut ist. Wenn man ganz genau hinschaut, gibt es selbst an Bord leicht unterschiedliche Maserungen und Farbtöne. Mahagoni wird über die Jahre unter UV-Licht etwas heller und so muss nicht nur die Maserung passen, will man neben einem vorhandenen Stück Holz mit etwas neuem anschließen, sondern auch der Farbton. Also musste praktisch für jedes Neuteil Furnier individuell ausgesucht und gebeizt werden, oft mit Teststücken vorab und an manchen Stellen auch mit einer Art Verlauf.
Das hat dazu geführt, dass ich mit einigen Holzteilen mehrere Wochen beschäftigt war, um ihnen zu neuem Glanz zu verhelfen, ohne den Charakter zu zerstören.

Ich zeige ganz bewusst noch keine Fotos vom Flur, denn noch ist er nicht ganz fertig. Es fehlen ein paar Randleisten und der Boden muss noch gemacht werden. Das hat jedoch gerade keine Priorität, denn momentan arbeite ich überwiegend an Deck.
Dort gibt es unzählige Minibaustellen, die alle vor dem Herbst fertig sein müssen. Ziel ist es, keine einzige Roststelle in den nächsten Winter mitzunehmen und ein, von außen, erstklassiges Schiff im Hafen liegen zu haben!
Auch dieses Projekt besteht überwiegend aus Arbeit, von der man später nichts mehr sehen wird, denn die meisten Roststellen sind so winzig, dass ich manchmal auf dem Bauch liegend mit einem Minifräser daran feile. Es handelt sich dabei um Stellen, an denen mal etwas fallen gelassen wurde, oder wo sich mal ein Steinchen unterm Schuh in den Lack gedrückt hat. Schäden, die man auf fast keinem Foto sieht, die aber gemacht werden müssen, damit sie nicht eines Tages größer werden, so wie es hier und da über die Jahre bereits passiert ist.
Mehrere Hundert einzelne Baustellen sind das, von denen aktuell ca. die Hälfte geschafft ist, auch, weil Sabrina mich in ihrem Urlaub Anfang Juni tatkräftig beim Fräsen und dem anschließenden Farbaufbau unterstützt hat.
Statt an Deck in der Sonne zu liegen, haben wir Akkuladung für Akkuladung in Fräsarbeit umgesetzt. Spaß hat das trotzdem gemacht, denn wenn man sieht, wie das Schiff jeden Tag ein winziges Stück hübscher wird, dann ist das eine erstklassige Belohnung.
Noch dazu lagen wir während dieser Zeit einige Tage vor Anker und haben auch die ein oder andere Fahrt im See unternommen. Wir waren oft mit Filou im Schlauchboot unterwegs und das klappt mittlerweile wunderbar. Filou liebt das Schlauchbootfahren so sehr, dass er auf der Rückfahrt vom Gassigehen oft darin einschläft und nach der Fahrt manchmal gar nicht mehr raus will. Auch das Leben mit ihm an Bord ist einfach nur schön.

Sabrina hat diese Zeit Anfang Juni neben der vielen Bastelei noch genutzt, um ein wenig vertrauter mit Morgenstern zu werden. Für mich ist das Fahren mit dem Boot und alles was damit zu tun hat durch die langen Einhandfahrten selbstverständlich geworden, Sabrina hat allerdings bis vor wenigen Tagen noch kein einziges Mal mit Morgenstern An- oder Abgelegt! Es gab schlicht keine Gelegenheit bisher. In Griechenland war sie nur kurz an Bord, in Wesel saßen wir monatelang wegen Niedrigwasser auf Grund und in Rees hatten wir bisher andere Dinge zu tun.

Am 14. Juni war es aber endlich soweit und nach dem Briefing kam ein nervöses „Leinen los!“
Dann Ablegen, raus aus dem Hafen und erst mal durchatmen.
Ich weiß noch, wie nervös ich selbst war, als ich vor 2 Jahren in Kilada zum ersten Mal an Bord ging und das Boot Einhand aus der Box an den Ankerplatz fahren musste. Von daher konnte ich mich gut in Sabrina hineinversetzen.
Wir haben fast den ganzen Tag auf dem See geübt. Wenden auf engem Raum, Aufstoppen, Rückwärts fahren, Ankern, einfach mal treiben lassen, damit Sabrina ein Gefühl dafür bekommen konnte, wie sich das Schiff verhält, wie die Lateralfläche wirkt und welche Masse bewegt werden muss.
Am Anfang des Tages hatte sie echt Bammel vor Morgenstern, am Ende des Tages kam ein: „Macht richtig Spaß!“
Am nächsten Tag stand An- und Ablegen auf dem Übungsplan. Es klappte so gut, dass Sabrina am Nachmittag auch mal eine kleine Einhandfahrt unternehmen wollte. Auch für mich ein schönes Erlebnis, das Schiff, mit dem ich so lange unterwegs war, einmal selbst vom Steg aus vorbeifahren zu sehen.

Sabrina allein unterwegs.

Also: Es läuft, es geht vorwärts, nur komme ich genau deshalb jetzt im Sommer einfach nicht zum Schreiben. Außer heute, heute ist es echt zu heiß, um an Deck zu arbeiten. Deshalb wird heute geschrieben!

Hier noch eine kleine Fotoauswahl der letzten Wochen:

Klasse E

Gestern Mittag war sie gelaufen, die Prüfung zur Amateurfunklizenz Klasse E. Dazu bin ich nach Dortmund zur Bundesnetzagentur gefahren.
Der Behörde muss ich an dieser Stelle wirklich mal ein Lob aussprechen. Behördengänge gehören sonst eigentlich nicht zu den Aktivitäten, die mir viel Spaß machen, aber bei der Bundesnetzagentur läuft das irgendwie anders. Diese positive Erfahrung haben wir bereits mehrmals zuvor mit der Außenstelle Hamburg gemacht, wenn es um die Nummernzuteilung oder Änderungen im Bereich See- und Binnenfunk ging.
In Dortmund sah es gestern so aus, dass sich alle Prüflinge nach der unkomplizierten Anmeldung in einem Warteraum versammelt haben. Dort gab es verschiedene kühle Getränke und Kaffee in rauen Mengen, sowie verschiedene Sorten Plätzchen und allerlei Knabberzeug für alle! Keine Spur von Stress oder Aufregung und wer Lust hatte, konnte noch ein wenig in einer der vielen Zeitschriften zum Thema „Funk“ schmökern, bevor es schließlich in den Prüfungsraum ging.

Dort angekommen, war für jeden Prüfling (ca. 20 an der Zahl) ein Platz vorbereitet und mit einem Namensschild gekennzeichnet. Es lagen für jeden die Prüfungsmappen passend bereit, dazu Papier für Notizen. Prüfer und Beisitzer haben sich vorgestellt, den genauen Ablauf gut erklärt, dann ging es los.
Die Teilbereiche „Betrieb“ und „Vorschriften“ wurden direkt hintereinander bearbeitet, dann wurde eine Pause eingelegt, bevor es mit „Technik“ weiterging.

Alles zusammen eine Prüfung wie aus dem Lehrbuch. Kein Stress, keine Pannen, kein „Revier markieren“ der Prüfer, im Gegenteil. Dort arbeiten richtig nette Leute, die sich freuen, wenn am Ende die Prüflinge ihre Lizenz bekommen. Und die wurde auch unmittelbar nach der Prüfung ausgestellt, genauso wie die „Zulassung zum Amateurfunkdienst“, wenn man sie für den Fall des Bestehens vorab beantragt hatte. Dafür musste auch niemand irgendwo anstehen, sondern man wartet bei Kaffee und Plätzchen, bis sie fertig ist. Und das ging wirklich schnell.

Ich habe, wie alle an dem Tag, die Prüfung bestanden und bin nun Funkamateur. Mein Rufzeichen wurde mir so erteilt, wie ich es zuvor als Wunschrufzeichen beantragt hatte und es lautet: