Zuwachs in der Flotte
Mo., 14.Dez.21, Neuseeland/Whangarei, Tag 2754, 24.688 sm von HH
Unser neues Flotten-Mitglied ist 17 Jahre alt, hat 125 PS, 188.000 Kilometer auf der Uhr und ist Japaner. Ein silberner Kombi -Toyota Corolla Fielder. Den unüblichen Zusatz Fielder hat unser Auto, weil er für den japanischen Mark gebaut wurde. Wir taufen ihn Fiedl.
Erst 2016 erfolgte der Import nach Neuseeland. Die Warnungen der Seitensensoren schimpfen uns auf Japanisch an sobald man einem Laternenpfahl zu nahe kommt. Auch der Bordcomputer zeigt entsprechende Schriftzeichen, ein fröhliches Raten, was das Auto uns wohl sagen will. Ansonsten ist mit dem Wagen aber alles okay, abgesehen vom Lenkrad auf der falschen Seite.
Eigentlich wollten wir einen Campervan kaufen. Nahezu jeder Neuseeland-Reisende kauft einen Campervan. Die ultimative Lösung, um das Land zu erkunden. Ein Fahrzeug zu kaufen, anzumelden und zu versichern ist einfach, es wieder zu verkaufen ein ebenso kleines Problem.
Vor Corona wurden die Dinger im hunderter Maßstab angeboten. Für jedes Budget war etwas dabei. Nach Schließung der Grenze haben die Kiwis die ganzen Dinger aufgekauft. Die Neuseeländer sind sowieso große Camping-Fans und Outdoor-Menschen. Jetzt, wo sie selber nicht mehr reisen können, hat sich das noch verstärkt.
Die letzten Campervans werden im Raum Auckland (Lockdown-Zone – da dürfen wir im Augenblick nicht hin) oder auf der Südinsel angeboten. Zu doppelten Preisen wie vor zwei Jahren. Whangarei ist nicht der Nabel Neuseelands, im Umkreis von hundert Kilometern gibt es nicht mal einen Camper zu mieten. Diese Alternative müssen wir uns schnell aus dem Kopf schlagen.
Eine andere Idee muss her. Ein Auto in dem man, zumindest zur Not, schlafen kann. Wir finden Fiedl bei „trade-me“ dem neuseeländischen ebay. Der einzige Kombi. Ich schreibe den Verkäufer an, ob wir den Wagen besichtigen können. Er ist sofort bereit zu uns zu kommen und den Wagen vorzustellen. Der Typ ist komisch. Mein geheimer Tipp für ihn, eröffne keinen Gebrauchtwagen-Handel, du wirst nur wenig Kunden haben. Achim hat auch ein Gefühl. Aber Fiedl gefällt uns. Super sauber, alles funktioniert, guter Allgemeinzustand. Auch bei einer Probefahrt überzeugt die Kiste. Wir reservieren Fiedl bis zum nächsten Tag.
In Neuseeland kann man den Werdegang eines Auto für 9 Euro überprüfen lassen: Fahrgestellnummer, ob schon mal beim TÜV durchgefallen, ob er mal geklaut wurde, den Kilometerstand, Laufleistung zwischen den TÜV-Intervallen, alle ehemaligen Kennzeichen und vieles mehr.
Fiedl ist sauber.
Am nächsten Tag treffen wir uns erneut mit dem Verkäufer. Beim hiesigen ADAC, dem AA, erfolgt die Ummeldung und wir können ihn auch dort versichern. Bargeld lacht – 2.450 Euro wechseln den Besitzer und Fiedl gehört eine Stunde später uns.
Wir fahren den Verkäufer dann noch nach Hause. Er hat ja nun kein Auto mehr. Der etwas merkwürdige junge Mann wohnt auf einem Boot. Fünfzehn Kilometer im Inland, mitten auf einer Wiese. Total idyllisch. Er schnieft in sein Taschentuch: „Ich bin traurig, dass ich ihn verkauft habe, so ein schöner Wagen.“ Wie rührend. Drei Tage später kommt eine Mail: „Ich hoffe, dass Euch der Wagen gefällt und alles in Ordnung ist.“ Vielleicht sollte der Kerl doch in den Gebrauchtwagen-Handel einsteigen.
So idyllisch kann man auf einem Boot wohnen
Bleibt jetzt noch das Fahren auf der linken Seite. Fiedl hat Automatik, das erspart uns das ungewohnte Schalten mit der linken Hand. Achim, schon trainiert vom Leihwagen, gibt mir eine Fahrstunde.
Jetzt passieren zwei Dinge auf einmal. Der Chef hält sich für den bessern Fahrer und ich finde, dass ich bonforzionös fahre. Superkalifragilistisch. Der Chef bremst im Pedal freien Fußraum und hält sich so komisch fest. Ich finde es überraschend einfach mit der falschen Seite. Der Wagen lässt sich gut fahren und nur einmal versuche ich mit dem Scheibenwischer zu blinken. Wir düsen über die sonntäglich leere Landstraße. Achim machen meine 60 km/h schweißfeuchte Hände. Sonst lässt er sich doch auch gerne von mir durch die Lande kutschieren – da wird er sich wohl noch gewöhnen müssen. ![]()
Unser kleiner Kombi – als Fahrer, da lacht Achim noch
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Moin Peter, ich danke Ihnen bestens für den kurzen Wellness Aufenthalt unseres Windpiloten Pacific in Ihrer Werkstatt. Unsere «Leoni» hatte ja kein Facelifting nötig obwohl sie unsere X37 «sea magiX» schon auf vielen Reisen aus der Elbe nach Norwegen, Schottland und einer Atlantikrunde begleitet hat. Die Jugendjahre hat Leoni bereits am Heck einer X 382 auf meiner ersten Atlantikrunde verbracht.
Leoni heisst der WP übrigens weil meine Ehefrau meint, die Eigenschaften des WP seien eindeutig weiblich – ausdauernd, arbeitsam, sehr genügsam etc. Ich weiss nicht recht, aber um es mir mit niemandem zu verscherzen heisst der WP seit den ersten gemeinsamen Meilen eben Leonie und ist eine sie.
Bei aller Genügsamkeit brauchen natürlich auch Sie’s gelegentlich etwas TLC und das hat Leonie nun von Ihnen in Form von neuen Lagerstreifen, etwas Teflon und einer Grundreinigung bekommen – und ist nun hoffentlich wieder bereit, die anstehende 3te Atlantikrunde vom Heck aus zu steuern. Den Job erledigt sie seit ein paar Jahren in trauter Gemeinsamkeit mit dem 
Zu Anfang mussten sich die beiden (der WP und Hydrogen) etwas aneinander gewöhnen. Es gab jedenfalls, je nach Position und Einsatz von Leonie und Gisela (Hydrogen), Reibereien unter und über Wasser zwischen den beiden. Das war jedoch nach ein paar Schlichtungsversuchen mit Werkzeug rasch behoben.
Dass die beiden Heckverzierungen vollwertige Crewmitglieder sind ist nun dokumentiert, falls ein notarieller Beweisstemnpel notwendig sein sollte … haben wir auch in der Schweiz gute Notare. Ansonsten sind unsere Reisen bestens sortiert auf der 








Das war der Kommentar von Peter Kleim aus Washington, dessen Windpilot Pacific am Freitag 26.11.2021 an UPS übergeben am Dienstag 30.11.2021 auf der Fussmatte in Annapolis abgelegt wurde. Suppentext: