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Kroatien und Corona: Aktuelle Infos von Karl-Heinz Beständig.

Die Zahl der aktiven Fälle vom 23.8.2020 auf www.koronavirus.hr.
Die Seite ist nicht nur auf kroatisch, sondern auch englisch lesbar.

Thomas Käsbohrer: Kroatien meldet stark steigende Zahlen von Neuinfektionen. Rückreisende berichten am Wochenende von langen Staus wegen Corona-Tests an Grenzen. Wie sieht es aktuell aus in Kroatien?

Karl-Heinz Beständig: Wenn man über Kroatien spricht, muss man differenzieren: Istrien, Kvarner und Süddalmatien verzeichnen eine niedrige Zahl an Neuinfektionen, wie man auch an der obigen Karte sieht. Auf den Inseln, auch den mitteldalmatinischen, sieht es sogar noch etwas besser aus. Die sind zum Teil völlig coronafrei.

tk: Und woher kommen dann die starken Anstiege bei Neuinfektionen?

Karl-Heinz Beständig: Die kommen vor allem von der mitteldalmatinischen Festlandküste aus den Bereichen Sibenik und Split.

tk: Warum dort an der Küste? Die Haupttourismus-Region ist doch Istrien mit seinen vielen Hotels und Campingplätzen?

Karl-Heinz Beständig: … die in den vergangenen Monaten auch gut besucht war. In Istrien ist fast alles gut organisiert und das Virus dort deshalb unter Kontrolle.

Die Behörden in Mitteldalmatien waren aber laxer, insbesondere was Nachtbars und Diskotheken angeht. Das hat sich auch im Internet herumgesprochen – im Nu wurden diese Küstenregionen zum Reiseziel für den europäischen Partytourismus. Das hat dann dazu geführt, dass die Infektionszahlen dort kräftig angestiegen sind. Mit dazu beigetragen haben auch einige Partyschiffe, auf denen es dichtgedrängt und unkontrolliert zugeht. Die laufen am Abend aus und kehren oft erst kurz vor Sonnenaufgang ans Festland zurück. 

tk: Überall fürchtet man aktuell ja eine „zweite Welle“ mit Corona-Ansteckung. Wie muss man diese aktuelle Welle in Kroatien einschätzen?

Karl-Heinz Beständig: Bemerkenswert ist, dass in Kroatien derzeit die dritte und bisher größte Corona-Welle läuft. Die erste Welle begann Mitte März und hatte aufgrund entschlossener Gegenmaßnahmen einen sehr flachen Verlauf. Zwischen Ende April und Mitte Juni war Kroatien deshalb nahezu coronafrei. Als die Beschränkungen gelockert wurden, kam es – überwiegend verursacht durch ausgelassene Familienfeiern – zu einer zweiten und größeren Infektionswelle vor allem im Landesinneren.  Trotz erfolgreich angelaufener Urlaubs-Hochsaison ebbte diese in den ersten Augusttagen ab. 

Die jetzige dritte Welle begann ungefähr Mitte August und hat insbesondere die mitteldalmatinische Festlandküste erfasst. Sie ging in den vergangenen Woche steil nach oben, könnte in wenigen Tagen jedoch ihren Höhepunkt überschreiten.

tk: Und wie haben die Nachbarländer reagiert?

Karl-Heinz Beständig: Auf die steigenden Zahlen wurde unterschiedlich reagiert: So sprachen Österreich, Slowenien und Italien für ganz Kroatien eine Reisewarnung aus. Deutschland hat etwas mehr Augenmaß bewiesen und eine Reisewarnung nur für die betroffenen Regionen Sibenik und Split ausgerufen. Wer von dort kommend in Deutschland einreist, muss einen Test machen und das Ergebnis in häuslicher Quarantäne abwarten. Erste Testergebnisse in Österreich zeigen, dass sich 1,3 Prozent der Kroatienrückkehrer angesteckt haben. Das Durchschnittsalter dieser Corona-Infizierten liegt bei 23,5 Jahren. Es sind jetzt offensichtlich die Jüngeren, die sich infizieren.

tk: Was erwarten Sie für die nächsten Wochen?

Karl-Heinz Beständig: In Dalmatien sind Bars und Diskotheken immer noch offen. Nur die Öffnungszeiten wurden gekürzt – doch auch das ist problematisch, wenn nicht gleichzeitig konsequent kontrolliert wird oder energisch wie auf Mallorca dichtgemacht wird, wo Übertretungen stattfinden. Trotzdem glaube ich, dass die Neuinfektionen zurückgehen werden. 


tk: Wie sieht Ihre Prognose für eine Reise im Herbst aus?

Segeltörns werden sicherlich auch auch im Spätsommer und im Herbst in den kroatischen Gewässern möglich sein. Trotzdem dürfte an der Küste touristisch deutlich weniger los sein als in den Vorjahren. Aber lassen wir uns überraschen. Von Anfang Juli bis Mitte August war die Nachfrage seitens der Gäste schließlich auch viel besser als zunächst erwartet. Einige Charterflotten waren sogar nahezu ausgebucht.

Sollten die Reisewarnungen auch im Herbst bestehen, muss man sich vor oder bei der Rückkehr aus den Problemgebieten auf den Coronavirus testen lassen.

Tests in Kroatien kosten für Urlauber rund 100 Euro, vereinzelt auch fast 200 Euro. Ein solcher Test darf bei der Einreise nicht älter als 48 Stunden sein.

tk: Würden Sie im Moment selbst nach Kroatien zum Segeln fahren?

Karl-Heinz Beständig: Ich fahre für die Recherchen für die Neuausgabe meines Buches in der zweiten Septemberwoche für mindestens zwei Monate nach Kroatien. Dort werde ich alle Corona-Regeln konsequent einhalten. Sorgen vor einer Ansteckung habe ich deshalb keine.

tk: Welche Corona-Regeln meinen Sie im Besonderen?

Karl-Heinz Beständig: Man weiß doch heute einiges. Familienfeiern und Geselligkeit sind Hotspots, daran hat sich seit dem Ischgl-Trauma überhaupt nichts geändert. Gefährlich wirds, wo Vorsicht über Bord gekippt wird. Meine Regeln:

• Einkaufen nur mit Mundschutz.

• Schmierinfektionen sind kein Thema. Aerosole schon. Ich gehe zum Essen nicht in die Innenräume von Restaurants und Konoben. Und werde auf den Terrassen bleiben.

• Ich bin bei Crew-Einladungen vorsichtig. Es wird gerne viel getrunken – also bleib ich lieber auf Distanz. 

• Man sollte auf einem Törn die Entwicklung in seinem Reisegebiet regelmäßig prüfen: Die Seite koronavirus.hr bietet eine sehr gute Aufteilung nach Reisedestinationen.

Ich habe mit diesen einfachen Regeln keine Sorge, mich anzustecken.

tk: Wie siehts bei den Corona-Tests in kroatischen Marinas aus? Sie sprachen ja die Tests an, die an der Grenze kostenlos sind und nicht nur in kroatischen Marinas bis 100€ pro Person berechnet?

Karl-Heinz Beständig: Teilweise werden auch bis 200€ verlangt. Charterfirmen versuchen aktuell, dieser Entwicklung gegenzusteuern und sind dabei, günstigere Testmöglichkeiten zu organisieren. Man kann sich aber gut auf der kroatischen Webseite über Testcenter informieren, die kostenlos sind und auch auf dem Weg liegen:

Die auch auf englisch lesbare Website www.koronavirus.hr listet derzeit knapp 40 Testcenter mit Kontaktdaten, Preisen, „Drive-In“-Möglichkeit und Dauer bis zum Eintreffen eines Ergebnisses auf.

tk: Vielen Dank für das Gespräch. Wir sprechen uns hoffentlich wieder auf Ihrem Törn.

Im Mai 2020 erschienen. 
Das Buch zum Couch-Segeln entlang Europas Küsten:

Worum gehts?
eine viermonatige Reise entlang der Küste und der Inseln, die zwischen Sizilien und der südenglischen Isle of Wight liegen.

„Vier Monate und zwei Wochen ist er unterwegs, allein. Davon erzählt er ausnehmend sympathisch, unterhaltsam, menschenaufgeschlossen – immer wieder macht er neue Bekanntschaften, stößt auf teils skurrile, teils pittoreske Figuren, und auf oft herzliche Gastfreundschaft.

Manchesmal wird es gefährlich. Tatsächlich erfährt er auf dem Wasser Lebenskunst: Entdeckt neue Seiten an sich, neue an anderen, leuchtet Einsamkeit aus und die Schönheit der natürlichen Welt.“
Schreibt DER STANDARD, Wien, Mitte August 2020

„Ich habe das Gefühl, dieses Buch musste mich finden.“
Schreibt ein Leser, seit 1990 in der Segelausbildung aktiv.

„Habe Dein Buch mit Begeisterung täglich inklusive Meerblick (Norderney) am Strand gelesen…
Ich hoffe, Du bringst ein weiteres Buch über Deine Segelreisen heraus.“
Sagt Dominik, mein HNO-Arzt zuhause (Er segelt selber).

„… ein spannendes Werk, von dem man sobald man sich eingelesen hat und ein bisschen Liebe für das Meer empfindet, so schnell nicht wieder los kommt.“
sagt das Mallorca-Magazin letzte Woche (26.7.2020)

„Ein Pageturner.“ 
Sagt mein Freund Josef (Er ist nie gesegelt)

„Hab die ersten Seiten gelesen. Irre. Grandios. Megastark“. 
Sagt mein Freund Andreas (Er ist mit mehrfach mir mir gesegelt. Und liest Bücher von Berufs wegen.)

„Du hast ein wunderbares Buch geschrieben. Es hat mir so viel Kraft in dieser schweren Zeit gegeben, und Freude! Deine Sprache fesselt nicht nur, 
sie lässt auch ganz direkt miterleben, als wäre man selbst mitten im Geschehen.“
Magdalena (segelte auf dem See.)

„Es ist so ehrlich, authentisch und im positiven Sinne anders als die vielen Segelbücher.“ 
Sagt ein Leser, der mich damit zum Erröten brachte.

Und was ich drüber denke? 

Ich bin bescheidener. Und verrate es in  einem der nächsten Posts.
Wenn ich vor lauter Schreiben zum Schreiben komme.

SV Alani – Sarah Schelbert GER

ISLA SAONA – ST. KITTS – SABA

Sarah Schelbert

SV Tamata – Kate + Matt Lansdown US

THE LONG WAY AROUND
Thank you so much Peter also we are hoping to put up some small videos on our blog soon. I will send you a link when we do in the meantime we will keep speaking highly of your products and service.
Take care Matt and Kate SV Tamata

SV Tiamanga – Patrick Laily FRA

RTW DURING 10 YEARS ON MARACUJA
Peter, je vous avais acheté un régulateur en 2009 pour un Maracuja avec lequel j’avais fait un tour du monde. J’avais été très satisfait de cet équipement. Aujourd’hui je compte repartir pour un long voyage et je n’envisage pas de partir sans régulateur Windpilot.
Bien cordialement Patrick
 

SV Brendan ‘s Isle – Maurizio de Domini ITA

TA-YANG 51 – WINDPILOT STEERS BETTER THAN HER SKIPPER
Dear Peter, I email you because your WP is very good and it was absolutely perfect. For the virus I got not many island open. So I went in Grenada, up the wind, as usually in the Caribbean when you are pointing south. WP drive my boat better than me. I want thanks you, if you are in this part of the world let me know. We can open a very good bottle of rum.
Your customer Maurizio 

SV Arvik – Charly Puaud FR

PACIFIC 13 YEARS OF SERVICE ON BOUCHAIN 13
Bonjour Mr Foerthmann, we have bought our windpilot with our Bouchain 13 m from the previous owner. Thank you for your advice about the crossbar, it’s perfect, the windpilot is more sensitive. Actually, we are in Hebridean islands with it, it has steered all way long from France. We come back in France in a two weeks and we will leave to cross the Atlantic in october. Cordialement Charly

SV Viktoria – Mait Kindlam EST

PACIFIC LIGHT UNDER CODE ZERO ON SHIPMAN 28

Hi Peter, Finally I can send you photos of installation and short videos of sailing. Mounting was no hassle and the pilot started steering instantly. Regards from Estland 

Check-Liste

Mi., 19.Aug.20, PFranz.Polynesien/Tahiti/Papeete, Tag 2271, 21.218 sm von HH

Kreditkarten endlich erfolgreich aktiviert ==> check
Kühlschrank voll Quark, Frischkäse und Joghurt ==> check
Tomaten zum Frühstück ==> check
Neue Flip Flops ==> check
Neue Spülbürste ==> noch auf der Suche
Vollkornmehl ==> check – und Roggenkörner gibt es auch noch.
Schokolade ==> check – und sie macht definitiv glücklich.
Internet ==> schwierig! Trotz 90-Dollar-Vini-Spot-super-Karte kein Netz an Bord. War letztes Jahr noch problemlos möglich.
Termin beim Zahnarzt vereinbart ==> check
Neue Füllung im Zahn ==> nein! Autsch und urks, Zahn unrettbar, der liegt jetzt im Mülleimer – leichter Eingriff, keine große Sache für Zahnarzt und Patient.
Implantat ==> check – in zwei Monaten möglich. Wo? Das wissen die Götter
Atanga ==> check mit Schreck! Vorstag (der laaange Draht, der den Mast nach vorne hält und gleichzeitig als Aufwicklung für das Vorsegel dient) angebrochen (drei Kardeele).
Termin mit Rigger ==> check – Kostenvoranschlag ist in Arbeit, neues Stag kommt Anfang nächster Woche.
Kakerlake ==> check – die erste war schon am zweiten Abend an Bord. Die liegt jetzt beim Zahn.
Neuseeland ==> kotz! Keine Neuigkeiten!

P.S. Noch ein paar Bilder von unterwegs eingefügt ==> check

 Die wenig bewohnte Seite von Tahiti mit Drama-Bergen

Ankunft in Tahiti

Sa., 15.Aug.20, Pazifik, Tag 2267, 21.085 sm von HH
Captain Cook ==> Endeavour – Captain Bligh ==>Bounty – Captain Willner ==> Atanga. Alle Grossen beieinander. :-) Wer im beruehmte-Seefahrer-der-Welt-Unterricht aufgepasst hat, der weiss wo wir vor Anker liegen. Richtig! In der beruehmten Bucht ‚Point Venus‘. Hier haben sich die Seefahrer der Welt bereits die Klinke in die Hand gegeben. Die weitlaeufige Bucht ist auch im Dunkeln ohne Schwierigkeiten anzufahren und somit verbringen wir die letzte Nacht dieses Toerns vor Anker. Hinter einem halbkreisfoermigen Riff faellt der Anker vor dem schwarzen Strand des ‚Point Venus‘. Ein Ankommen-Bier und wir schlafen tief und sorgenfrei acht Stunden durch wie die Steine.
Am Morgen koennen wir uns nur der Meinung von 1792 von Georg Forster, dem botanischen Begleiter von Captain Cook anschliessen: „… es kostet uns keine Schwierigkeiten denen, die bereits vor uns hier gewesen waren, auf ihr Wort zu glauben, dass dies der schoenste Teil der Insel sei. […] Die Ebenen schienen von betraechtlichem Umfang zu sein. Das Ufer, das mit schoenstem Rasen bewachsen und bis an den Strand herab von Palmen beschattet war, wimmelte es von Menschen, die ein lautes Freudengeschrei erhoben, als wir aus dem Boot stiegen.“
Okay, es bricht am Morgen keiner in Jubel aus, als wir an Deck erscheinen. Aber aehnlich wie damals, als hunderte Kanus, beladen mit Fruechten, Schweinen und Brotfruechten; und Maedchen, die nichts weiter trugen als einen Rock und ihr wunderbares Haar; auf die Neuankoemmlinge zu paddelten, so haben auch wir unser Begruessungs-Komitee. Bestimmt hundert und mehr kleine Motorboote, Angelboote und Jet-Skis kommen durch die Bucht direkt auf uns zugerast. Die vielen Boote fabrizieren derart viele Wellen und bringen die ruhige Bucht zum Kochen, dass kleinere Boote durch den Wellenschlag regelrecht aus dem Ruder geraten. Der Katamaran, der vor uns liegt, wackelt wie ein Einruempfer. Ein nie gesehenes Bild. Unvorbereitet und sorglos, wie die Kat-Leute so auf ihren Booten leben, sind bei dem heute Morgen bestimmt die Teller vom Tisch geflogen.
Zu schade, dass diese Bucht so arg weit ausserhalb von Papeete liegt und keine Infrastruktur zu bieten hat, gerne wuerden wir hier vor Anker bleiben. Aber nachdem die Invasion der Motorboote durch ist (heute ist Feiertag, wie wir spaeter erfahren und wahrscheinlich handelt es sich um einen Angelwettbewerb), gehen wir Anker auf und motoren Richtung Marina. Viel Hoffnung auf einen freien Platz machen wir uns nicht, aber Gott ist mit den Dummen und wir finden tatsaechlich einen Parkplatz fuer Atanga. Yeepie! So hatten wir uns das gewuenscht. Nur das Internet funktioniert noch nicht, aber der Chef arbeitet dran.
Weniger erfreulich sind die neuesten Geruechte, die wir am Marina-Office erfahren: Neuseeland soll auf Grund der ueber siebzig neuen Faelle vor Ort, die Einreise fuer Boote aus Franzoesisch Polynesien komplett untersagt haben. Vielleicht nur Geruechte. Daumen Druecken und Finger kreuzen.

Tag 5 nach Tahiti: Ein schoener Segeltag

Tag 5 nach Tahiti: Ein schoener Segeltag Do., 13.Aug.20, Pazifik, Tag 2361, 21.085 sm von HH
Es war ja klar, dass wir es nicht vor Einbruch der Dunkelheit nach Tahiti schaffen wuerden. Dafuer liegt ein angenehmer Segeltag hinter uns. Die Sonne lacht nach drei grauen Tagen, der Wind pustet gleichmaessig in Seglers Lieblings-Staerke von 14,5 Knoten, die Welle passt dazu, und schon Atanga zappelt nicht mehr wie ein junger Hund an der Leine. Super! Unser Ziel liegt im Nordwesten der Insel. Am liebsten wuerden wir in die Marina von Papeete gehen. Aber alle Geruechte sagen, die sei knueppelvoll. Reservieren geht leider nicht: wer zuerst kommt, mahlt zuerst.
Sollten wir keinen Platz bekommen, bleibt uns noch der Ankerplatz in Taina. Dieser liegt ca. zehn Kilometer ausserhalb von Papeete. Wir naehern uns von Sued-Osten an Tahiti an und haben zwei Moeglichkeiten, um an der grossen Insel vorbei zu kommen. Wir waehlen die Ostseite, die Windseite, da wir vermuten, dass wir auf der anderen Seite durch die hohen Berge im Windschatten landen wuerden. Eine gute Entscheidung. Die Seite Tahitis, die nicht oder kaum besiedelt ist, zieht an uns vorbei. Die schroffen Berghaenge mit ihren steilen Flanken sehen aus wie die Wellen eines Gugelhupfs. Ehemalige Vulkankrater sind zu bizarren Kronen, Saeulen und Pfeiler zerbrochen. Sie bilden imposant tiefe Einschnitte bis zur Uferzone. Jeder Quadratmeter ist gruen, ausser die Stellen, wo Wasserfaelle senkrecht in Taelern verschwinden.
UEber die Funkrunde erreichen uns schon wieder ungute Nachrichten – auch schon etwas abartig, dass man nicht mal in der Einsamkeit der pazifischen Wasser-Wueste verschont bleibt. In Neuseeland, in Auckland, sind Corona-Faelle aufgetaucht. In Teilen von Auckland wird sofort ein Lockdown der Stufe drei (von vier Stufen) verhaengt. Die Premierministerin von Neuseeland hat sich auf ihre politische Karte (im September sind Wahlen) geschrieben, dass ihre zwei Inseln ein Corona freies Land werden/bleiben sollen. „Koste es, was es wolle!“, scheint ihr Credo. Das geht soweit, dass tausende Neuseelaender, die zurueck in ihre Heimat wollen, seit Wochen nur haeppchenweise rein gelassen werden, da nicht genug (ueberwachte) Quarantaene-Plaetze zur Verfuegung stehen. Was das neue Aufflammen von Corona bei den Kiwis fuer unseren Einreise-Antrag bedeutet? Es bleibt spannend.
Tag 8: 95 Meilen
Rest: 15 Meilen

Tag 7 nach Tahiti: Grau und ruppig

Mi., 12.Aug.20, Pazifik, Tag 2264, 21.085 sm von HH
Wetter, Wind und Welle sind alles andere als schoen. Es regnet oder nieselt, der Himmel haengt noch immer voll grauer, tiefer Wolken. Der Wind hat weiter auf Osten zurueck gedreht, wir haben ihn nun wieder von der Steuerbordseite. Er schwankt zwischen zehn und fuenfundzwanzig Knoten. Allerdings handelt es sich nicht um Boeen, sondern um Windfelder und Wind schwache Phasen von zwanzig, fuenfundzwanzig Minuten. Das haelt uns in Trapp. Anluven, abfallen, Segel flattert, Segel steht. Der Pazifik hat es nicht so mit gleichmaessigem Wind.
Wir erinnern uns an den Atlantik, wo wir nach Stunden an den Windanzeiger geklopft haben, in Verdacht er sei kaputt, weil er bei neunzehn Knoten wie eingefroren stecken geblieben war. Innerhalb von zwei Tagen hat der Wind eine volle und eine Viertel Drehung um uns gemacht. Die Wellen sind deutlich ausgepraegt – eigentlich zu hoch fuer den Wind – und rollen von zwei Seiten hinter uns heran. Das fuehrt soweit, dass eine Welle, die sich an der Bordwand bricht mich noch am Herd stehend nass spritzt. Also bitte, sowas hatten wir ja noch gar nicht. Ankommen waere jetzt mal schoen.
Ueber Funk hoeren wir von weiteren Corana-Infizierten. Inzwischen von drei verschiedenen Inseln.
Tag 7: 120 Meilen
Rest: 115 Meilen – das wird knapp noch vor Einbruch der Dunkelheit anzukommen :-o

Tag 6 nach Tahiti: Wechselbad

Di., 11.Aug.20, Pazifik, Tag 2263, 20.965 sm von HH
Die letzten 24 Stunden sind Suedsee-Segeln vom Feinsten (O-Ton Skipper): erst die versprochene Flaute – nach drei Stunden Motorfahrt ist das das ‚blaue Band‘ ueberquert – danach frischer Wind von Ost ueber Nord drehend, dann von Westen kommend und nun wieder brav aus Sued-Sued-Ost. Nach der Flaute blaest es ziemlich bald wieder mit 20 Knoten.
Wir machen mehr Segelmanoever als die letzten fuenftausend Meilen. Hoch am Wind, halber Wind und jetzt achterlich – allerdings von Backbord und nicht mehr von Steuerbord. Mit dem Wind kommt Regen. Abwechselnd feiner Nieselregen oder kraeftiger Spruehregen. Alles ist grau. Das Meer, der Himmel – steingrau, zementgrau, mausgrau. Mit den Wolken kommt die Kaelte zurueck. Die schon weg gepackten Socken kommen wieder zum Einsatz. Die und ein heisser Rindfleisch-Kartoffel-Bohnen-Eintopf helfen. Das Kochen wird zum Kraftakt – die Pantry neigt sich zur falschen, offenen Seite auf der ich nicht gut kochen kann. Der Abwasch ist nur noch gemeinsam machbar. Wir koennen uns kaum auf den Beinen halten. Die neue Wind-See aus Westen passt nicht zur alten Duenung aus Osten. Kabbelige Kreuzseen schuetteln uns durch. Spass-Segeln vom Feinsten. :-) Zum Glueck passiert uns das erst an Tag sechs und nicht an Tag zwei, so macht es uns nicht so viel aus, ausser, dass es nicht schoen ist.
Vor Antritt des Toerns hatte ich mich ganz besonders darauf gefreut mal acht Tage ohne Internet zu sein. Nichts von diesem unsaeglichen Corona-Mist zu lesen. Und es hat geklappt. Ohne die Fuetterung mit neuen ‚Schlagzeilen‘ ist Corona kein Thema zwischen Achim und mir. Mal ein kurzes ‚mit Neuseeland muessen wir einfach abwarten, was Corona bringt‘, aber keine endlosen Gespraeche ueber falsche oder wahre Statistiken, gute oder schlechte Entscheidungen, ueber einseitige Berichterstattung, ueber Panikmache und Corona-Leugner.
Auf Kurzwelle gibt es abends um 19:00 Uhr eine Funkrunde. Segler die grade unterwegs sind, geben ihre Positionen durch und Schiffe am Anker berichten von allgemeinen Neuigkeiten. Die Funkrunde hat leider keine guten Nachrichten. Auf Tahiti gab es auf Schlag 71 neue Corona-Faelle. Interessanterweise alles Faelle nach zwei Feierlichkeiten der Polynesier und nicht unter Touristen. Nach wochenlanger Pause ohne einen akuten Fall ist dies eine schlechte Info. Wir hoffen, dass es nicht erneut zum Lockdown in Tahiti kommt. Oder dass Neuseeland die Schotten zu macht fuer Segler, die aus einem Corona-Country einreisen moechten. Wir brauchen wahrscheinlich noch zwei Tage bis wir auf Tahiti ankommen, dann sehen wir weiter – bis dahin sprechen wir einfach nicht darueber.
Tag 6: 95 Meilen
Rest: 204 Meilen