Kategorie: Brambusch macht blau

Erfahrungsbericht: 3000 Seemeilen auf einem Kat

Im Frühjahr 2021 haben wir eine werftneue Lagoon 42 von der
französischen Atlantikküste in die Türkei überführt. Wir, das sind vor allem Sebastian Kummer, der bereits die Lagoon-Modelle 46 und 450 über viele tausend Meilen gesegelt ist, und ich, Jens
Brambusch. Als langjähriger Monohull-Segler und Live-on-board auf einer Moody 425 war es für mich der erste Törn auf einem Katamaran. Für rund ein Drittel der Strecke war ich zudem der Skipper.
Um es vorweg zu nehmen, ich war kein großer Fan von Katamaranen. Kann mich der Törn eines Besseren belehren? Wie sind die Segeleigenschaften der Lagoon 42? Was ist das wichtigste Segel? Wie der
Komfort? Welche Probleme gab es an Bord? Und wie steht es eigentlich um die Verarbeitung des Serienbootes? Fragen, die ich aus der Sicht eines Monohull-Seglers zu beantworten versuche.

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Langeweile? Nicht mit uns!


Hafentage! Langeweile kommt definitiv nicht auf. Nachdem ich einen Teil der Reling durch Edelstahl habe ersetzen lassen (um weitere Solarpanele anzubringen), ging es wieder mal nach Limanagzi.
Spontan paddelten wir die „SUP world games for untalented sailors“ aus. Mit dabei Wales, Türkei und Deutschland. Und dann war da noch das Jazz-Festival in der Marina.

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Hafentage sind Arbeitstage

Wer auf
einem Boot lebt, ist leider nicht davor gefeit, auch mal zu arbeiten. Nicht immer geht die Arbeit dabei leicht von der Hand. Das Gute ist, für Zerstreuung ist leicht gesorgt. Plantschen in der
nächsten Ankerbucht, Freunden bei leidigen Bootsjobs helfen oder einfach segeln gehen. Das ist immer die beste Wahl. Vor allem, wenn man einen neuen Parasailor hat, der unbedingt fliegen
will.

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3000 Seemeilen, sieben Länder, sechs Wochen

Es war eine Tour der besonderen Art. Zum ersten Mal segelte ich mit einem Kat – und dann gleich von Les Sables de O’lonne (Frankreich) zurück in die Türkei. Knapp
3000 Seemeilen, durch die Biskaya, über den Atlantik, durch die Straße von Gibraltar und dann fast durch das ganze Mittelmeer. Zeitweise wurde mir die Kapitänsmütze übertragen, da der Eigner von
Bord musste. Man könnte viel über die Reise schreiben, aber wir haben stattdessen viele schöne Videos gemacht. 

 

Und die findet ihr hier.

3000 sm, 7 Länder, 6 Wochen: Die Hälfte ist geschafft

3000 Seemeilen, sieben Länder, sechs Wochen. Mittlerweile haben wir die Hälfte der Strecke hinter uns. Die Biskaya, den Atlantik, die Straße von
Gibraltar. Wir sind auf Mallorca angekommen. Nur bei Lissabon und einmal zum Motorservice haben wir angelegt. Daher haben wir auch kaum Internetverbindung. Hier nun die gesammelten Videos.

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3000 Seemeilen, 7 Länder, 6 Wochen

Ein Überführungstörn von Les Sables d’Olonne in die Türkei auf einer Lagoon 42. Eigentlich wollten wir jetzt bereits vor Spanien sein, aber ein Tiefdruckgebiet
über der Biskaya erlaubt ein Auslaufen nicht. Der Wind wäre noch zu verkraften, aber eine Welle von vier bis fünf Metern drückt auf die Küste. Und so müssen wir warten – wie die anderen Skipper
der mittlerweile 13 werftneuen Lagoon, die an unserem Steg liegen. 

Derweil rüsten wir das Boot auf und aus, atmen die Atmosphäre dieses einzigartigen Ortes, der Seglern aus der ganzen Welt ein Glänzen in die Augen zaubert. Apropos
zaubern: Jens Reckermann, ein Gastronom aus Holzwickede bei Dortmund, verwöhnt uns an Bord mit feisten Menüs, die ideal für die kleine Bordküche sind. 

 

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Lockdown in der Türkei, Teil 2

Wir sind immer noch auf der Flucht. Auf der Flucht vor dem Lockdown. In der Türkei sind die Corona-Zahlen immer noch desaströs hoch, die Provinzgrenze wurden dicht
gemacht. Kurz zuvor sind wir losgesegelt – von Kas nach Mugla. Einmal in der südwestlichsten Provinz der Türkei angekommen, ist Segeln erlaubt. Oder war erlaubt. Oder man weiß es nicht so genau.
Denn mittlerweile gibt es neue Regeln. Strengere Regeln. Die Türkei ist auf dem Weg in eine Total-Lockdown. Für drei Wochen. Aber das erfahren wir erst auf
unserer Rückfahrt. 

 

 

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Lockdown in der Türkei! Ist Segeln noch erlaubt?

Wie man sieht: JA!  Wir sind gerade auf dem Weg nach Mugla, der südwestlichsten Provinz in der Türkei. Mit dabei ist wieder Jan auf seiner „Makamae“. Und
die Briten Mike und Elaine auf ihrer „Spicy Lady“. Auf beiden Booten ist jeweils eine Bordkatze. Aber wir können das toppen: Wir haben das Dreigespann aus Hund, Katze und Maus an Bord.

 

Man kann sagen: Wir sind auf der Flucht. Auf der Flucht vor dem Lockdown.

 

Die Türkei ist mittlerweile tief rot. Die Coronazahlen sind hoch. Sehr hoch sogar. Überall. Wir haben gehört, dass die Regierung den Verkehr zwischen den Provinzen
untersagen will. Und deshalb hauen wir schnell ab – nach Mugla, wo die schönsten Segelreviere der Türkei sind. 

 

Mit den Corona-Bestimmungen in der Türkei ist es wie in Deutschland. Kaum einer steigt durch. Nur wenige Regel sind klar und gelten für alle. Für Touristen gelten
sie beispielsweise gar nicht. Als „residents“ haben wir aber den gleichen Status wie die Türken. 

 

Also nichts wie weg, Segel setzen und raus aus der Provinz Antalya, in der Kas liegt. Perfekt für uns, dass wir wieder ein Wetterfenster mit Wind aus Südost
erwischen. Und noch etwas ist, wie fast immer: Wir haben kein Glück beim Fischen.

 

Verhungern müssen wir aber nicht. Auch wenn die Dilly-Dally nicht das schnellste Schiff der Flotte ist, rühmen wir uns, die beste Küche an Bord zu
haben. 

 

Am ersten Tag nehmen wir Kurs auf Gemiler, eine kleine Insel in der Nähe von Fethiye. Und beenden den Segeltag, nach mehr als 40 Meilen, mit einem Sundowner am
Leuchtturm. Am nächsten Tag wartet die längste Etappe auf unsere „Flucht“ auf uns. 55 Seemeilen sind es von Gemiler, vorbei an Marmaris und Rhodos, nach Bozukkale. Der Wind ist perfekt. Mit
durchschnittlich sieben Knoten düsen wir über das Meer – leider nicht auf dem direkten Weg. Vor Rhodos legt sich uns ein griechisches Kriegsschiff in den Weg, als wir deren Gewässer kreuzen
wollen. Also müssen wir noch einmal einen kleinen Bogen fahren. 

 

Als wir Bozukkale, eine kleine Bucht gegenüber von Rhodos erreicht haben, bekommen wir die Nachricht, dass wir alles richtig gemacht haben. Die Türkei hat die
Grenzen zwischen den Provinzen dicht gemacht. Aber wir sind in Mugla, und können nun weiter entlang der Küste fahren. Nächster Stopp: Bozburun.

 

Mittlerweile ist es Freitag, der erste  Weekend-Lockdown steht an. Und zudem ist starker Wind angesagt. Also entscheiden wir uns für eine kleine, sichere Bucht
nördlich von Bozburun. Aber vorher erledigen wir noch einmal die Einkäufe für das lange Wochenende in der Bucht. Segeln ist für uns als „Residents“ verboten. 

 

Nachdem wir noch versucht hatten, eine Delfinschule einzuholen, kommen wir wieder mal als letztes an. Nur Ismail, ein Freund aus Kas, kommt später zufällig in
die Bucht. Der vorhergesagte Wind bleibt aus. Oder er kommt zumindest nicht in die Bucht. Und so haben wir einen herrlich entspannten ersten Lockdown-Tag. 

 

Ein Highlight in der Bencik-Bucht ist ein kleiner Fluss, der tief in den Wald hineinführt. Wir dachten zumindest es ist ein Fluss, bis Wolfgang, ein Freund aus
Bozburun, uns aufklärte. Es ist kein Fluss, sondern ein Kanal, den in der Antike clevere Kaufleute bauen wollten, um die lange Etappe um die Halbinsel von Datca abzukürzen, an deren Spitze das
antike Knidos lag. Die beiden Seiten der Halbinsel trennt hier nur ein Kilometer. Zudem wehen am Kap von Knidos immer starke Winde, weshalb viele Schiffe bei ihrer Passage im Hafen der Stadt
Schutz suchen mussten – und abgezockt wurden. Deshalb begannen sie den Kanal zu graben. Allerdings starben bei den Bauarbeiten viele Sklaven. Waren die Götter ihnen etwa nicht gesonnen? Die
Kaufleute suchten Antwort beim bekannten Orakel von Delphi. In Knidos wusste man natürlich von der Anfrage, war schneller als die Kaufleute und bestach die weisen Herren in Delphi. Der Kanalbau,
orakelte man in Delphi, stünde unter keinem guten Stern. Und so legten die Kaufleute das Projekt auf Eis.

 

Ein Lockdown-Wochenenede vor Anker ist also gar nicht mal so schlecht. Schließlich weiß man sich zu beschäftigen. Das wir an Land gehen können, hat einen guten
Grund. Gassi gehen ist nämlich erlaubt. Auch während der Ausgangssperre. Danke Cingene! 

 

(TEXT AUS VIDEO)

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Die Reife(n)prüfung

„Ostersonntag?!? Echt jetzt?“ Langsam habe ich den Eindruck, alle meine offiziellen Termine in der Türkei werden auf christliche Feiertage gelegt. An
Weihnachten, am 25. Dezember, musste ich zur Immigrationsbehörde, um meine Aufenthaltsgenehmigung zu verlängern. Und jetzt, an Ostersonntag, findet also die lang ersehnte Fahrprüfung für meinen
Motorradführerschein statt. Nun gut, ist ja nicht so, dass ich etwas Besseres vorgehabt hätte. Außerdem sind nun mal Weihnachten und Ostern in muslimisch geprägten Ländern genauso wenig Feiertage
wie das Fastenbrechen nach Ramadan in Deutschland.

 

Dass ich einen Motorradführerschein in der Türkei mache, lag an einem netten Polizisten, der bei einer Verkehrskontrolle einen kleinen Strich hinter
dem Symbol für ein Motorrad auf meinem Führerschein entdeckte – und mir augenblicklich einen selbigen durch meine Karriere als Rollerfahrer machte. Darüber habe ich ja bereits berichtet (hier geht es zum Text).

 

Nach der äußerst interessanten, weil äußerst kreativen Theorie, stand nun der Praxisteil an. Zwölf Pflichtstunden beinhaltet die Ausbildung. Anders
als in Deutschland finden die für den Motorradführerschein allerdings nicht im fließenden Verkehr statt, sondern auf einem Übungsplatz. In Ermangelung eines solchen Übungsplatzes in Kaş, tut es
aber auch ein Seitenstreifen an einer befahrenen Straße – zum Glück direkt gegenüber der Marina. So musste ich nicht mit dem Roller dahin fahren. So, wie es die meisten meiner Fahrschulkameraden
machten. 

 

Und so verwundert es auch nicht, dass die zehn Fahrschüler insgesamt sicherlich rund 200 Jahre Erfahrung auf dem Roller oder Motorrad mitbrachten
und eher gelangweilt um den Parcours aus Pylonen, Achten und Hindernissen düsten. Nur eine junge Frau schien wirklich Novizin auf zwei Rädern zu sein. Sie hatte gut zu kämpfen mit den eng
gesteckten Hütchen. 

 

Viele Jahre schienen Roller und Motorräder in der Türkei eher in die Kategorie Fahrrad zu fallen. Fahren ohne Führerschein war ein Kavaliersdelikt.
Ich erinnere mich an diverse Chartertörns in der Vergangenheit. Meistens mieteten wir für einen Tag Roller, um die Umgebung zu erkunden. Dass jemals jemand nach einem entsprechenden Führerschein
gefragt hätte, daran kann ich mich nicht erinnern. Wer sich jedoch einmal motorisiert auf die türkischen Straßen begeben hat, der weiß, dass das Fahrverhalten – nennen wir es vorsichtig einmal –
„anders“ ist als wir es von Deutschland gewöhnt sind. So erklärt sich wahrscheinlich auch, warum es in der Türkei 5,49 mal mehr tödliche Verkehrsunfälle gibt als in Deutschland (im
Verhältnis zur Anzahl der Fahrzeuge). Seit etwa zwei Jahren kämpft die Polizei gegen den traurigen Trend an, in dem sie spezielle Verkehrskontrollen für Zweiräder durchführt. Und so kommt es,
dass die Fahrschüler nicht eine Schar pickeliger Teenager sind, sondern gestandene Männer und Frauen mit einer gewissen Routine, deren Ausflüge jäh von einer Polizeikontrolle und saftigen Strafen
beendet wurden.

 

Während ich nur den kleinen Motorradführerschein mache, wagt sich Arzum an den großen. Mir fehlt einerseits die Liebe zum richtigen Motorradfahren,
andererseits die Koordinationsfähigkeit für eine Fußschaltung. Der automatische Roller ist dagegen selbst für mich überschaubar. Doch es gibt es Problem. Und das hat viele Umlaute. Der erste Teil
der praktischen Fahrprüfung ist nämlich die Vorstellung und Erklärung des Rollers. Welcher Schalter ist wofür? Was muss man vor Fahrtbeginn überprüfen? Wo befinden sich Luftfilter, Batterie und
Ölmessstab? Das ganze natürlich auf Türkisch! Wahlweise könnte ich auch einen Dolmetscher zu der Fahrprüfung bestellen, aber das kostet. Also pauke ich lieber Vokabeln. 

 

Mit 30 Jahren Rollerfahrung (allerdings 50ccm) sollte der Parcours keine große Hürde für mich darstellen, wohl aber meine leichte
Rechts-Links-Schwäche. Der Fahrlehrer erklärt, dass schon ein kleiner Fehler zum Durchfallen reicht. In der kleinen Acht den Fuß absetzen – raus! Einmal vergessen zu blinken – durchgefallen! Die
Pylonen falsch anfahren – Ende der Prüfung! Alles kein Problem, denke ich noch, als ich bei der ersten Testfahrt losdüse, beschwingt wende, um den Slalomkurs in Angriff zu nehmen. Als ich auf den
ersten Pylonen zu fahre, überlege ich noch, was der Fahrlehrer noch gesagt hat: „Links“, da bin ich mir sicher. Aber meinte er, den Pylonen links liegen zu lassen oder links um den Pylonen zu
fahren? Elegant umkreise ich die orangenen Hindernisse, blinke an den richtigen Stellen, fahre eine Acht, so schön, wie ich sie nie mit einem Stift malen könnte. Zufrieden stoppe ich an der
Ziellinie. Durchgefallen. Natürlich habe ich die Pylonen falsch angefahren. Links, höre ich den Fahrlehrer wieder sagen! Ich vergewissere mich nochmal: Links fahren oder links liegen lassen? Ach
so, links liegen lassen. Jetzt habe ich es verstanden. Ich soll den Parcours aber wiederholen. Kein Problem. Wieder düse ich zum Anfang, wende und steuere auf die Hindernissen zu. Interessant,
denke ich noch, als ich mich dem ersten Hütchen wieder nähere. Es ist keine zwei Minuten her, da hat der Fahrlehrer es mir noch erklärt. Doch alles, was ich noch weiß, ist „links“. Wahrscheinlich
soll ich links um das Hindernis fahren. In der Ferne erkenne ich Arzum, die sich an die Stirn fasst. Der Fahrlehrer kratzt sich am Hinterkopf. Als ich den Roller kurz darauf vor ihm stoppe,
lächele ich. „Wieder falsch, oder?“ Er nickt und schickt mich erneut auf die Strecke. Nun denn, trotz 48 Lenzen bin ich ja lernfähig. Und tatsächlich, die beiden nächsten Versuche fahre ich
tatsächlich richtig an. Ob des großartigen Erfolges schwänze ich die nächsten drei Termine und segele lieber nach Marmaris. Die Fahrschule findet das „geht so“ und bittet darum, definitiv bei der
Generalprobe aufzutauchen. Denn die findet nicht in Kaş statt, sondern 50 Kilometer entfernt, auf einem offiziellen Übungsplatz irgendwo im Nirgendwo auf einem kleinen Hochplateau. Hier wird auch
die Prüfung abgenommen. 

 

Der Übungsplatz ist eine Schotterpiste mit wenigen Metern Asphalt und vielen wild lebenden Hunden, die neben der offiziellen Ausweichübung weitere
Hindernisse bilden, weil sie mitten auf dem Parcours ihren Mittagsschlaf halten. Der Parcours ist eng gesteckt, gar nicht mal so einfach zu bewältigen, tückischerweise stehen hier und da ein paar
Stoppschilder in der Walachai. Während der Prüfung werden wir einen Knopf im Ohr haben, über den der Prüfer zu uns spricht. Wenn wir halten sollen, müssen wir den Blinker setzen, ein Accessoire
am Lenker, der im täglichen Straßenverkehr kaum Anwendung findet. Ganz anders als die Hupe, die ein wesentlicher  Bestandteil einer jeden Fahrt ist, allerdings laut Theorie wirklich nur zu
Warnzwecken eingesetzt werden soll und nicht zum Grüßen von Cousins und Cousinen dritten, vierten und fünften Grades, deren Familien, Freunden der Familien und allen anderen, die den Weg zufällig
kreuzen. 

 

Den Abschluss des Parcours bildet eine Vollbremsung auf Schotter auf wenigen Metern. Wer über das Ziel hinausschießt, katapultiert sich ins Abseits
und damit in weite Ferne von der Lizenz zum Cruisen. Wichtig bei der Bremsung ist, dass Schotter fliegt. Das mag der Prüfer. Zu meiner Überraschung bleibt es aber bei der Prüfung nicht bei dem
Parcours. Anschließend folgt eine kleine Überlandfahrt – 13 Kilometer lang. Mit einem Auto fahren wir die Strecke ab, der Fahrlehrer gibt Hinweise. Nicht rasen, ganz viel blinken, Schulterblicke
in Minutentakt, blinken, stoppen, fertig. Ach ja, vor dem Stoppen noch mal blinken. Machbar, denke ich. Die Strecke ist einfach, aber es lauern unberechenbare Gefahren.
Verkehrsteilnehmer! 

 

 

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Die Generalprobe ähnelt einem Bikertreffen. Nur wenige Fahranfänger unter vielen Routiniers. Ein ergrauter Mann mit dem obligatorischen Schnäuzer stolzer Anatolen
zirkelt gelangweilt um die Hindernisse, Rauchwaden steigen auf wie bei einer Dampflokomotive, allerdings nicht aus dem Auspuff, sondern aus seinem Mund. Der Mann puffelt genüsslich eine
Zigarette bei der Fahrt. Den Fahrlehrer stört das wenig, trotzdem, sagt er dem überraschten Mann, wäre er durchgefallen. Er tippt sich an den Kopf. Der Grauschopf lacht. „Ach, der Helm!“

 

Ein jüngerer Mann, reich an Pfunden, sitzt stolz auf dem Motorrad wie Bauer auf einem altersschwachen Esel, den er aber zum Rennpferd treiben will. Auf der kleinen
geraden Strecke reißt er am Lenker, dreht am Gas und düst ein paar Meter auf dem Hinterrad. Komischerweise gibt es vom Fahrlehrer keine Anerkennung, sondern einen saftigen Anschiss.

 

Ostersonntag, 9.30 Uhr. Wir sitzen im Leihwagen, auf dem Weg zur Fahrprüfung. Arzum, am Steuer, versucht sich mental auf die Prüfung vorzubereiten, ich wiederhole
die Vorstellung des Rollers auf Türkisch. Mit der Akribie eines Deutschen stelle ich noch tausend Fragen, zum Beispiel zu Genitivverbindungen und kleinen und großen Vokalharmonien, de Tücken der
türkischen Sprache, wie in „hız göstergesi“ (Geschwindigkeitsanzeige). Auch frage ich, ob es nicht „sinyal lambası“ (Blinker) heißen müsse, wie das Lexikon es ausspuckte, der Fahrlehrer aber nur
„sinyal“ sagte. Kurz lasse ich mich belehren, dass „boynuz“ zwar Horn heißt, aber im Sinne von Geweih, die Hupe wiederum „korna“ sei. „Karna?“ „KORNA!!!“ Den Rest der Fahrt schweige ich lieber.
Ich übe lieber im Stillen. 

 

Trotz der wochenendlichen Ausgangssperre sind die Straßen gut bevölkert. Einkaufen ist schließlich erlaubt. Zudem tummeln sich einige Traktoren und Lkw im Verkehr.
Es wird viel gehupt und wenig geblinkt, gerast und getrödelt. Auch das Prüfungsgelände ist überfüllt. Etliche Herren in orangenen Westen, die Prüfer, wuseln emsig über das Plateau,
dazwischen einige gelbe Westen für die Prüflinge. Hunde dösen in der Sonne, Fahrschüler kauen aufgeregt an Fingernägeln. Die Organisation, man kann es nicht anders sagen, ist tipptopp. Meine
Prüfung ist für 11 Uhr angesetzt, sie dauert 35 Minuten, fünf Minuten später ist Arzum an der Reihe. Es gibt nicht eine Minute Verspätung. Neben den Motorradfahrern ist auch Testtag für den
Autoführerschein. 

 

Wir sind eine halbe Stunde zu früh da. Und so bekommen wir mit, wie Träume zerplatzen. Eine junge Frau, die wir von den Fahrstunden kennen, kämpft sich gerade auf
dem Motorrad durch die Acht, verschaltet sich, der Motor stockt. Sie muss den Fuß absetzen. Augenblicklich ist die Prüfung beendet. Ein Rollerfahrer bringt sein Gefährt bei der Vollbremsung nicht
vor der vorgegebenen Linie zum Stehen. Der Vorderreifen ragt über die Markierung. Durchgefallen. Eine zweite Chance? Fehlanzeige. Eine junge Frau ringt mit den Tränen, sie ist bei der Prüfung mit
dem Auto durchgefallen. Bislang hatte ich gedacht, die Prüfung sei Peanuts. Doch nicht einer der Prüflinge hat in dieser halben Stunde bestanden. 

 

Die Leiterin unserer Fahrschule bittet mich zum Gespräch. Sie hatte sich mehrmals bei Arzum vergewissert, ob ich auch wirklich in der Lage sei, den Roller auf
Türkisch zu erklären. Das soll ich ihr nun beweisen. Nach meiner kurzen Erklärung reckt sie mir den Daumen entgegen. Nur einen Begriff korrigiert sie. Den Kickstarter hatte ich „marş pedalı“
genannt. Besser sei: „ayak pedalı“ – das Fußpedal. Kein Problem, kann ich mir merken. Ich werde eingekleidet mit Warnweste sowie Knie- und Ellbogenschützer und verkabelt. Dann kommt auch schon
der Prüfer. Und verwirrt mich sogleich. Er spricht etwas Englisch. Dafür habe ich also die Vokabeln gepaukt? Nicht mit mir! Und so fragt der Prüfer auf Englisch, ich antworte auf Türkisch. Er
lächelt.

 

Der Parcours ist kein Problem. Hin und wieder kommen Instruktionen über den Knopf im Ohr. Ich blinke und halte und blinke und fahre. Bei der Vollbremsung spritzt
Schotter. Alles gut. Ich darf in den Verkehr, die Prüfer folgen mir im Auto. Kaum auf der Straße folgt die erste Ermahnung: „yavaş, yavaş“. Langsam, langsam. Ich bin irritiert. 50 km/h darf ich
fahren, ich hatte maximal 45 km/h auf dem Tacho. Nach der ersten Kreuzung das gleiche Spiel: „yavaş, yavaş!“ Wieder gehe ich vom Gas. Meine Geschwindigkeitsanzeige muss falsch sein. Na toll! Also
trödele ich mit angezeigten 40 km/h über die Landstraße, weiche einem Traktor aus, der nicht so recht weiß, wo er hin will, ansonsten sind die ersten sieben Kilometer sehr, sehr langweilig. Ich
summe ein Lied. Ehrlich gesagt wird es auch nicht viel interessanter. Das Highlight auf den nächsten Kilometern durch den Ort sind einige geparkte Autos, die ich geschickt im Schleichtempo
umkurve, nicht ohne jedesmal den Blinker zu setzen und übertrieben den Blick über die Schulter werfe. Kurz überlegt ein schwarzer Hund vor mir die Straße zu queren, aber er bleibt gähnend auf dem
Fußweg stehen. Noch zweimal abbiegen, dann bin ich wieder kurz vor dem Übungsplatz. Fast geschafft. Aber dann ist da wieder diese Stimme im Kopf: „yavaş, yavaş!“ Ich fahre nicht einmal 40 km/h,
50 sind erlaubt. Wenn ich jetzt durchgefallen sein sollte, weil der Fahrschulroller die Geschwindigkeit falsch anzeigt, bin ich echt sauer. Kaum angehalten, weise ich den Fahrlehrer auf die
kaputte Anzeige hin. Doch der lacht nur. „Nein, nein, alles gut! Die Prüfung, so ist es vorgeschrieben, muss 35 Minuten dauern“, sagt er. Ich war einfach im Parcours zu schnell, also musste ich
auf der Straße trödeln. Bestanden!

 

Kurz vor Arzum startet ein weiterer gestandener Rollerfahrer zur Prüfung. Nach nicht einmal einer Minute ist er zurück. Durchgefallen! Arzum hingegen zirkelt das
große Motorrad durch die Hindernisse, düst dann davon auf die Straße. Nach einer halben Stunde ist zurück. „Das wird knapp“, sagt sie. Die Prüfer beraten noch, der Fahrlehrer kommt mit ernster
Miene auf sie zu. Ein Tomaten-Lkw hatte sich vor sie gesetzt und das gemacht, was man nicht erwarten kann: Er hat geblinkt. Allerdings nicht in die Richtung, in die er abbiegen wollte. Arzum
hielt kurz an. Die Prüfer hatten die Konfusion zunächst nicht mitbekommen, sich dann aber besonnen. 

 

Und so hat uns beiden der Osterhase ein schönes Geschenk gemacht: den Führerschein. Nach zweieinhalb Jahren darf ich jetzt endlich offiziell Roller fahren. Die alte
Honda hat noch ein Jahr TÜV, Steuer und Versicherung sind bezahlt, ich habe den Führerschein. Ich denke, in den nächsten Wochen wird sie dann den Geist aufgeben. Irgendwas ist ja immer.

 

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Solotrip nach Marmaris

Zwei Tage Ostwind sagte der
Wetterbericht voraus. Also setzten wir mit vier Booten die Segel, um von Kas nach Marmaris zu segeln. Einige Arbeiten warteten. Ich wollte endlich das Rigg überprüfen lassen, das ich vergangenes
Jahr hatte erneuern lassen. Ein Service, der im Preis inbegriffen war. Zudem standen noch einige Besorgungen an. Eigentlich wollten wieder Hund, Katze, Maus mit an Bord sein, doch dringende
Termine kamen dazwischen. Also setzte ich alleine an Bord der Dilly-Dally die Segel. Wie sich herausstellen sollte, was die Entscheidung gar nicht mal so schlecht. Das Wetter spielte ein bisschen
verrückt. Sonne, Regen, Saharastaub, Wellen, Sturm und ein Kälteeinbruch prägten den Trip.

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Segeln mit Delfinen

Das Wetter erinnerte an Ostsee, als wir für ein paar Stunden aufbrachen, um mit Freunden ein bisschen die Küste entlang zu schippern.  Zum Glück gab es aber
Unterhaltung. Eine Schule Delfine begleitete uns für einige Zeit. 

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Testsegeln mit Parasailor


Als wir hörten, dass unser Freund Herbert einen Parasailor auf seiner Lagoon 42 hat, wollten wir das Vorsegel sofort testen. Allerdings nicht auf dem Kat. Deshalb haben wir das Segel zu Jans
„Makamae“ gebracht, einer Sun Odyssey 44i. Leider ist das Segel für meine Moody 425 zu groß. Auch wenn wir wissen, dass die Form des Segels für einen Katamaran konzipiert wurde, hat es auch auf
dem Einrümpfer fantastische Arbeit geleistet. Bei leichtem Wind mit meist unter zehn Knoten, segelte die Sun Odyssey mehr als sechs Knoten. Die Flügelkonstruktion des Parasailor hat wirklich gute
Arbeit geleistet, kein einziges Mal ist das Segel, das übrigens das ältere Modell ist, eingefallen. Der Vorteil vom Parasailor gegenüber einem Spinnaker oder Gennaker liegt in der Stabilität. Der
Flügel dient als eine Art Segellatte, durch die das Segel seine Form behält. Besonders in der Welle und bei leichten Winden. Auch ist das Handling des Parasailors easy, da das Segel keinen
Spi-Baum benötigt. Gerade, wenn man alleine an Bord ist oder mit kleiner Crew segelt, ein angenehmer Vorteil.

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