Archiv der Kategorie: Atanga

Tag 7 nach Ecuador – Wir sind nicht allein

Fr., 08.Juni 18, Pazifik, Tag 1468, 13.150 sm von HH, etmal 94
Achim entdeckt die kleine Nussschale beim Frühstück als erster. Die ist zwischen den kabbeligen Wellen kaum auszumachen. Ein kleine Boot ohne Kajüte oder andere Aufbauten, vielleicht sieben Meter lang. Während wir noch überlegen, ob sich Fischer trauen in so einem Boot 80 Seemeilen von der Küste entfernt zu fischen, nähert sich von hinten unbemerkt ein ähnliches Boot. Als wir aufmerksam werden, ist der Kahn schon auf zweihundert Meter ran. Er kommt schnell näher. Wir sind verunsichert. Zu viele Piratengeschichten lassen uns nicht an harmlose Fischersleute denken. Wir gucken misstrauisch. „Was wollen die?“
Die drei Jungs winken, nähern sich auf zwanzig Meter an, freuen sich und schießen Fotos mit dem Handy von uns. „Hola, como esta?“, hören wir sie rufen. Fisch wird hoch gehalten und noch mehr Fotos geschossen. Sie freuen sich wie kleine Kinder über uns. Wir sind die Tagessensation. Winkend und lachend lassen sie sich zurück fallen und gehen wieder ihrem knüppelschweren Job nach. Es ist beschämend, dass wir zuerst Schlechtes denken und uns nicht entspannt über den Besuch freuen können. Schlimm, dass ein paar Idioten, die Yachten überfallen, so viel Gift versprühen können.
„Ob die nachts Lichter haben?“, überlegen wir. Besser wäre das. In den stockdunklen Nächten können wir nicht mal unseren eigenen Bug (grade sieben Meter vor uns) erkennen. In ein unbeleuchtetes Fischerboot würden wir ungebremst rein rauschen. Wir hätten keine Chance so ein Boot rechtzeitig zu erkennen. Eine gruselige Vorstellung.
Ich bin dann froh als Achim mir zu Beginn meiner Wacher erzählt, dass er ein rotes Licht um uns kreisen sehen hat. Offensichtlich sind es Fischer gewesen auf der Suche nach ihren Kanistern, die auf der Wasseroberfläche treiben und an denen Treibnetze hängen. Sobald sie einen Kanister gefunden haben, gehen extrem starke Lampen an. Zwei, dreimal in der Nacht sehen wir solche Lampe. Die Jungs sind nicht zu übersehen. Puh.
Im Morgengrauen, ich bin grade unten, Achim schläft, höre ich Pfiffe. Als ich an Deck komme, ist wieder ein Fischerboot neben uns. Gleiche Szene. Sie freuen sich wie Bolle. Als ich fotografiere, werfen sie sich in Pose und reißen die Arme nach oben. Viel Gelächter und pure Freude über unser Treffen. Fünf Minuten später sind wieder verschwunden. Das Wetter: Vormittags zwei Stunden Sonne, kein Regen und den Rest der Zeit ist es grau, grau, grau. Die Nächte sind pechschwarz und kühl. Die Wassertemperatur ist nochmal um ein Grad gesunken. So langsam macht sich der Kühlschrank um uns herum auch an Deck bemerkbar. Die Nächte gehen nicht mehr als laue Tropennächte durch. Wind: konstant Windstärke vier, selten eine Böe.
Tagesmeilen 94 – davon 0 unter Motor Noch 138 sm direkter Weg

Tag 6 nach Ecuador – Im Humboldtstrom

Do., 07.Juni 18, Pazifik, Tag 1467, 13.056 sm von HH, etmal 97
Seit zwei Tagen haben wir konstanten Wind aus Süd-West. Meistens 13 Knoten, Windstärke vier. Wenn eine der Wolkenwände auf uns zu läuft, geht es mal hoch auf 17 Knoten Wind, danach der Absturz auf 9 Knoten. Die letzten 24 Stunden waren mit einem Schnitt von 4 Knoten ganz gut. Auch die Richtung passte einigermaßen. Sobald der Wind auch nur etwas dreht, fahren wir sofort eine Wende, um möglichst optimal aufs Ziel zuzusteuern. Das gelingt nicht immer gleich gut. Der Humboldtstrom redet ein kräftiges Wörtchen mit. Wir stecken jetzt mitten drin. Die Wassertemperatur ist schon um 1,5 Grad gesunken. Wo er am stärken ist, wissen die Götter.
Durch den schwachen Wind ist es an Bord ganz gemütlich. Wir haben uns längst an die Schräglage gewöhnt. Leichtfüßig bewegen wir uns im Schiff. Einen Schrank zu öffnen, stellt mich nicht mehr vor eine unlösbare Aufgabe. Die berühmten Seebeine sind, wie immer, ab Tag 4 voll ausgebildet. Heute Vormittag schien für 30 Minuten die Sonne. Dann wieder der graue Himmel mit tiefliegenden Wolken. Aus Westen kommt eine Wolkenwalze nach der anderen angerollt. Zum Glück sind Gewitter und Regen seit gestern ausgeblieben. Tagesmeilen 97 – davon 0 unter Motor Noch 196 sm direkter Weg (in 7 bis 8 Tagen, wie unsere Prognose war, wird das wohl nix)

Tag 5 nach Ecuador – Trotteliges Tölpel Treffen

Mi., 06.Juni 18, Pazifik, Tag 1466, 12.959 sm von HH, etmal 77 Am Nachmittag kreist ein Tölpel um Atanga. Eindeutig äugt er nach einem Landeplatz, den er nach einigen Landeversuchen auf dem Bugkorb findet. Wackelig sitzt er auf der dünnen Stange und wird prompt abgeworfen. Aber der Platz gefällt ihm. Ein erneuter Landeanflug folt. Er lernt schnell, von welcher Seite es einfacher geht. Er kommt auch zunehmend besser mit dem stampfenden Bug klar. Der Hub von einem Meter stört ihn kaum. Er findet sein Gleichgewicht und fällt nach kurzer Zeit nicht mehr runter. Mit Seelenruhe fängt er an sich zu putzen. Eine Stunde später kreist ein zweiter Tölpel ums Schiff. Der hat den Trick mit der Landung noch schneller drauf. Tölpel Nummer eins meckert zwar den Neuankömmling etwas an, aber dann sitzen sie doch einträchtig beieinander. Keine dreißig Minuten später kommt ein dritter Tölpel geflogen. Hallo? Wir sind doch keine Vogel-Kolonie. Das finden Nummer eins und zwei ebenfalls und hacken auf den Neuen ein. Der will fliehen, rutscht mit gespreizten Flügeln von der Stange ab und sitzt prompt in der Falle. Der Bugkorb verjüngt sich nach vorne und der arme Kerl bleibt mit seinen Flügeln so ungünstig hängen, dass er weder vor noch zurück kann. Die Stange vom Bugkorb ist unter seinen Achseln eingeklemmt. Ein beidseitiger Armhebel sozusagen. Jetzt ist auch klar, woher diese Vögel ihren Namen haben. Achim sprintet schnell nach vorne und rettet den Tölpel aus seiner misslichen Falle (damit dürfte die alte Tölpel-Geschichte für alle Zeiten aus der Welt geschaffen sein). Überrascht von der schnellen Hilfe, stürzt der Trottel-Tölpel zunächst ins Wasser, kann dann aber unverletzt weiter fliegen. Unsere drei Freunde beraten sich kurz und entscheiden, wo Platz für zwei Tölpel ist, findet auch ein dritter noch ein Stück Stange. Friedlich hocken sie sich auf dem Bugkorb zusammen. Wenn wir eine Wende fahren, fliegen sie kurz davon und nehmen erneut Platz. „Wir bleiben über Nacht“, stellen sie klar. Im Morgengrauen sitzen noch zwei Tölpel am Bugkorb. Ob der Trottel in der Nacht abgestürzt ist, ist nicht verbürgt. Schon bald verschwinden auch die verbliebenen zwei. Einer kehrt nach anderthalb Stunden zurück und bleibt noch bis zum Mittag bei uns. Dann geht er endgültig wieder seiner Wege. Wahrscheinlich sind wir ihm doch zu langsam. Wenn die Vögel unser Vorschiff so toll finden, will ein Thunfisch da nicht hinten an stehen. Kurz vor dem Dunkelwerden hören wir ein eigenartiges Flappen. Wir glauben es nicht. Auf dem Vorschiff zappelt ein kleiner Thunfisch. Übermütig scheint er etwas zu hoch gesprungen zu sein und landet an Deck. So ein Leckerbissen. Aber der Kerl ist recht klein und Achim befindet sich im Lebensretter-Modus. Der Thunfisch darf wieder schwimmen. Wir mutieren zur Arche Atanga kommt es mir vor. Tagesmeilen 77 – davon 0 unter Motor Noch 274 sm direkter Weg

Tag 4 nach Ecuador – Alle Farben grau

Di., 05.Juni 18, Pazifik, Tag 1465, 12.882 sm von HH, etmal 76 Was als schöner Hollywood-Film begann (da schaukelt es auch nie auf einem Segelboot), entpuppt sich als Woody Allen Tragikomödie: „Was Sie schon immer mal über Segler wissen wollten.“ „Du nervst vielleicht.“ Mein Konter ist originell: „Selber!“ „Olle Meckerziege.“ „Selber!“ „Geh‘ bloß ins Bett oder iss ein Stück Schokolade. Deine schlechte Laune hält ja keiner aus.“ „Sag du mir nicht, was ich machen soll. Hör lieber auf unterm Bimini zu qualmen. Du stinkst alles voll“, nörgeln wir uns gegenseitig an. „Immer muss alles nach Deiner Nase gehen.“ „Selber“, Achim kann es auch nicht besser. Ich folge dem unerwünschten Ratschlag und greife herzhaft in die Schoki. Achims Sucht siegt ebenfalls. Statt unterm Bimini wird am Heck eine gequarzt. Da kann der feine Herr dann auf einmal im Regen stehen ohne zu quaken. ;-) Drei Tage nur Regen und Gewitter. Das Wetter drückt auf die Stimmung. 50 Shades of Grey, nur nicht so erotisch. Morgenrot grau, Himmel grau, Wasser grau, wahlweise mit oder ohne Regen. Abendrot grau. Laune grau. Wir dümpeln mit knapp drei Knoten in die halbwegs richtige Richtung. „Komm, lass uns nicht zanken, die Situation ist so schon unerfreulich genug“, bietet Achim an. Hand drauf. Am Nachmittag muss die Maschine wieder ran. Kaum noch Wind. Wir treiben rückwärts. So langsam hat uns der Humboldtstrom am Wickel. Hier soll doch der Wind aus Süden kommen. Als wir vor uns, hinter uns und neben uns eine Gewitter-Zelle sehen, sind wir sicher, gleich geht es los. Einer Intuition folgend, greifen zu unserem schwersten Segel, der Fock. Nicht eine Minute zu früh. Gefühlt rücken alle drei Wolken-Wände näher. Zehn Knoten Wind, fünfzehn Knoten, es geht hoch auf zwanzig. Die Fock-Schoten dicht geknallt, brettern wir davon. Reffen ist was für Feiglinge, schließlich liegt unser Wunschkurs (190 Grad) an. Hoch am Wind entkommen wir dem Regen in die Dämmerung hinein. Der Komfort an Bord ist schlagartig vorbei. Wir schieben reichlich Lage. Zwanzig Grad machen jeden Handschlag anstrengend. Der beste Ort ist im Bett – gut gepolstert zur schrägen Seite. Meine Schicht beginnt wie immer um 22:00 Uhr. „Wir müssen eine Wende fahren“, empfängt Achim mich, „der Wind hat etwas gedreht.“ Schlaftrunken stehe ich im Niedergang. Ich mag nicht hinter der Sprayhood herauskrabbeln, es gießt wie aus Eimern. „Zieh am besten nur Deine Regenjacke an, sonst nichts“, rät Achim mir. „So wie ich“. Wieder muss ich an ‚Fifty Shades of Grey‘ denken. Also, Augen zu und raus. Vorstellen mag ich mir unseren Anblick nicht. Die Wende ist schnell abgearbeitet. Achim verschwindet ebenso schnell: „Du machst das schon. Wenn der Wind noch heftiger wird, lass die Großschot etwas raus.“ Die Nacht ist dunkel wie im Bärenarsch. Ein Blindflug. Es regnet, es donnert, es blitzt. Heute Nacht wird an diesem Ort der Weltuntergang geprobt. Der Wind geht nicht über zwanzig Knoten, reffen brauchen wir nicht, aber schön geht anders. Hinter meiner Sprayhood gibt es eine kleine trockene Ecke. Dort mache ich es mir ‚gemütlich‘. Mein Blick fällt auf den Windanzeiger. Huch, 25 Knoten, sagt die Anzeige, hab ich gar nicht mitbekommen. Dann 28 Knoten, 30 Knoten. Mir rutscht das Herz in die Hose. Dafür haben wir zu viel Tuch oben. 32, 33, 35. Adrenalin pumpt durch meinen Körper. Alle Signale stehen auf ‚Flucht‘. Als ich 38 sehe, fängt endlich das Gehirn an zu arbeiten: Unmöglich! Die Anzeige muss spinnen. Das blöde Gerät zählt noch bis 81 hoch, dann geht es zurück auf anständige 19 Knoten. Ich zähle die Minuten bis ich Achim wecken darf und zurück in mein Bettchen kann. Catch of the day: ein zu kleiner Gelbflossenthun, der zurück ins Meer kommt Tagesmeilen 79 – davon 16 unter Motor Noch 312 sm direkter Weg

Tag 3 nach Ecuador – Schietwetter

Mo., 04.Juni 18, Pazifik, Tag 1464, 12.803 sm von HH, etmal 67
Den ganzen Vormittag regnet und gewittert es. Nach dem Früh-Squall geht der Wind auf 5 bis 8 Knoten zurück. Mal segeln wir, mal läuft der Motor. Noch nie haben wir so häufig die Segel rein, die Segel raus lassen müssen. Hamburger Schietwetter, würde ich sagen. Grauer Himmel, graues Meer. Mittags hört der Regen auf, aber es bleibt grau. Wir segeln mit 3 Knoten im Schnitt auf dem richtigen Kurs. Wir müssen noch etwas West gut machen, bevor die Gegenströmung einsetzt und der Wind südlich dreht. Sonst landen wir in Kolumbien.
In der Nacht nimmt der Wind zu. Wahnsinn. Windstärke vier! Wir haben die Kante erreicht, wo der nördliche Wind aufhören soll. Leider hat die Vorhersage wieder recht. Der Wind dreht. Wir sind noch gar nicht westlich genug gekommen und werden bereits nach Osten zurück gedrängt. Noch können wir einen Kurs von 160 Grad halten. Im Morgengrauen (im wahrsten Wortsinn – die Sonne lässt sich nicht blicken) geht der Wind erneut zurück. Wir kriechen im Schildkrötentempo süd-ostwärts. Man, man, man, wir wollen doch süd-westwärts. Was für ein Törn. Rechnerisch könnten wir die restliche Strecke unter Maschine fahren. Aber drei Tage motoren, hält auch keiner aus. Wir bleiben tapfer und segeln weiter.
Catch of the Day … ein Gelbflossen Thun
Tagesmeilen 67 – davon 12 unter Motor Noch 334 to go

Tag 2 nach Ecuador – Wenn der Himmel brennt

So., 03.Juni 18, Pazifik, Tag 1463, 12.736 sm von HH, etmal 78 Sir Francis Drake, der anhand der Logbücher von Fernando Magellan als zweiter Entdecker den Erdball umsegelte, sah die Sache mit dem Pazifik anders. Er fand, dass der Name ‚Mare Furiosum‘ -der Aufgebrachte- die passendere Bezeichnung sei. Seit letzter Nacht wissen wir, wie er das meinte. Es beginnt alles ganz friedlich. Den ganzen Tag ziehen wir mit guten 3,5 Knoten unsere Bahn in genau die gewünschte Richtung. Der Wind kommt über Stärke drei nicht hinaus, so dass wir mit dem Ergebnis mehr als zufrieden sind. Zur Dunkelheit bricht dann die totale Flaute über uns ein. Erst lassen wir uns noch ganz tapfer von der Strömung treiben. Wir schaffen drei Meilen in zwei Stunden. Wir werfen entnervt doch die Maschine an. Zum Beginn meiner Nachtwache, um 22:00 Uhr, ist ein zaghafter Wind zurück. Wir entscheiden uns gegen den Blister (wir haben noch immer Schiss bei Nacht mit diesem Teil zu segeln) und setzen Groß und Genua. Das Tuch der Genua ist deutlich schwerer, trotzdem steht das große Segel. Mit mickrigen vier Knoten Wind schaffen wir einen Knoten Geschwindigkeit. Das geht eigentlich gar nicht. Normalerweise klappen die Segel bei so wenig Wind in jedem Wellental zusammen und man wird wahnsinnig vom Schlagen der Segel. Heute Nacht funktioniert es: eine alte Windsee existiert nicht, eine alte Dünung ebenfalls nicht. Was dann folgt, ist wohl die bezauberndste Stunde auf See, die ich je hatte. Geräuschlos ziehen wir durchs Wasser. Nur am Heck ist ein leises Gluckern zu hören. Keine Fahrgeräusche, kein Wind im Ohr, kein Wellengeplätscher. Unter Deck ist es totenstill. Nichts klappert oder rappelt. Kein Geplapper, Achim schläft. Der Mond ist noch nicht aufgegangen, ein paar Sterne sorgen für diffuse Beleuchtung. Über dem Festland flackert Wetterleuchten und macht die Szenerie noch gespenstischer. Wir gleiten durch die Nacht. Wir schweben förmlich. Wie ein Geisterschiff. Wir fliegen. Wie der Fliegende Holländer. Wir sind der Fliegende Holländer. Gänsehaut! Der Plotter teilt meine Begeisterung nicht. Frech grinst er mich an: bei der gegenwärtigen Geschwindigkeit bräuchten wir noch 15 Tage bis Ecuador. Nach einer Stunde ist der Zauber vorbei, der Wind nimmt zu, die Geräusche ebenfalls. Das Wetterleuchten wird heftiger. Hinten rechts, über Panama, steht die größte Zelle. Dort brennt der Himmel. Wie ein Magengeschwür werden die Wolken von innen beleuchtet. Dann erscheinen kleinere Zellen hinten links und vorne links. Wir sind umzingelt von brennenden Wolken. Schön. Wunderschön. Aber beängstigend. In der Ferne grummelt der Donner, der zu den zuckenden Wolken gehört. Trotz Gewitterzellen an allen Fronten bleibt der Wind nur schwach, knapp 10 Knoten. Um 2:00 Uhr übernimmt Achim die Wache. Der Himmel brennt noch immer lichterloh und das soll bis zur Dämmerung so bleiben. Ich gehe ins Bett und werde um 5:30 Uhr fast aus der Koje gerollt. Atanga legt sich heftig auf die Seite. Squall Alarm. Eine der Gewitterzellen hat dann wohl doch etwas Wind im Gepäck. Wie gut, dass wir den Blister nicht oben haben. Mit voller Genua und Groß ist es schon ätzend genug die 25 Knoten Wind abzuwettern. Natürlich gießt es wie aus Eimern. Eine kalte Dusche noch vor dem Aufstehen. Wie ätzend. Dreißig Minuten später ist die Angelegenheit wieder vorbei. Der Wind stirbt wie abgeschaltet, was bleibt ist der Regen und die Blitze. Noch 18 Tage bis Ecuador weiß der Plotter. Wir starten den Motor. Tagesmeilen 78 – davon 28 unter Motor Noch 394 to go…

Tag 1 nach Ecuador – der Friedliche

So., 03.Juni 18, Pazifik, Tag 1463, 12.658 sm von HH, etmal 98
Pacifico – der Friedliche, so nannte Fernando de Magallanes 1520 den neuen Ozean auf der anderen Seite Amerikas. Seine Expedition entdeckte die, nach ihm benannte, Magellan-Straße in Feuerland, tief im Süden des neuen Kontinents. Ruhig und still kam ihm Pazifik nach den rauen Monaten im Atlantik vor. Fünf Schiffe mit 265 Mann starteten in Spanien, um zu beweisen, die Erde ist rund. Magellanes selber schaffte es nicht zurück nach Spanien, er kam auf den heutigen Philippinen ums Leben. Ein Schiff, die ‚Victoria‘ und 18 Seeleute erreichten nach drei entbehrungsreichen Jahren Spanien und gelten als die ersten Weltumsegler.
Der Friedliche, so zeigt sich auch uns der neue Ozean. Glatt gezogen wie ein Bettlaken. Kleine Wellen kräuseln die Oberfläche. Eine alte Dünung existiert nicht. Wir segeln aufrecht und es schaukelt an Bord weniger als so manchen Tag am Ankerplatz. Alle Luken bleiben geöffnet, beidhändig können wir essen, beidhändig abwaschen und beidhändig die Unterbüx runterziehen. Ja, sogar eine Dusche liegt drin. Das gibt es sonst nie an Tag 1 und wird nur allzu oft auch an Tag 2 ‚vergessen‘. Das Leben auf dem Meer kann so schön sein.
Die Wettervorhersage hat tatsächlich recht: wir haben Wind aus Nord-Westen. Unter Maschine kurven wir aus dem Inselgewirr und der Windabdeckung der Las Perlas. Schon bald setzten wir unseren Blister (das bunte Leichtwindsegel). Ein Hauch von Wind – 5 bis 8 Knoten – das ist grade mal Windstärke 2 bis 3, zieht uns in die gewünschte Richtung. Wir bekommen über einen Knoten Strom geschenkt und sind überraschend gut auf dem Weg. Zeitweise schaffen wir über vier Knoten.
Zum Abend wechseln wir auf unsere Genua. Der Wind ist gleichbleibend schwach, aber wir haben Schiss das 120qm große Tuch nachts stehen zu lassen. Zu wenig Übung haben wir mit dem Lappen. Wir baumen die Genua aus, aber die Performance lässt natürlich nach. Trotzdem schaffen wir noch 3,5 Knoten vorwärts. In der Nacht wird der Wind schwächer. Unsere eigene Geschwindigkeit fällt auf unter einen Knoten, aber weiterhin gibt uns eine Strömung Schwung. Der Motor bleibt aus. Geduldig sitzen wir das Schneckentempo aus. Die Richtung könnte nicht besser sein. Süd-West. Genau da wollen wir hin. Und wer weiß, wofür wir den Diesel noch brauchen.
Tagesmeilen 98 – davon 5 unter Motor Noch 472 to go…

Auf, auf, nach Ecuador

Sa., 02.Juni 18, Panama/Las Perlas – Contadora, Tag 1462, 12.560 sm von HH

Gleich geht es los. Überraschend zeigt sich ein Hauch von Nordwind am Ankerplatz. Und in den Vorhersagen. Wir hoffen, dass er draußen etwas mehr als 6 Knoten auf die Uhr bringt. Besser waren die Prognosen noch nie.
600 sm liegen vor uns, die wir unmöglich motoren können, soviel Diesel haben wir nicht.
Mit Glück kommen wir mit dem Nordwind an die Kante 150 sm weiter westlich von hier, wo der Südwind vorherrscht. Dann heißt es aufkreuzen. Zusätzlich zum Wind wird uns der Humboldtstrom entgegenkommt. Der stemmt sich mit bis zu 2,5 Knoten nordwärts. Aus 600 sm können schnell 800 und mehr werden.
Wir werden sehen, was das abgibt – wir haben es ja so gewollt.

Wir werden, wie immer, von unterwegs berichten.

Wind bzw. kein Wind nach Ecuador. Das beste "Wetterfenster" seit Wochen.

Wind bzw. kein Wind nach Ecuador. Das beste „Wetterfenster“ seit Wochen.

Panama ist auf beiden Seiten eine Seglerfalle. Adios Panama. Unser Herz konntest Du nicht erobern. Aber wir verdanken Dir die Fahrten durch den Kanal. Was für ein wunderbares Erlebnis.

Vier Jahre – zwei Fazits

Do., 01.Juni 18, Panama/Las Perlas – Contadora, Tag 1461, 12.560 sm von HH

Wie immer getrennt voneinander geschrieben.

Die Fakten:
1.347 sm (Vorjahre im Schnitt: 3.737 sm )
2 besuchte Länder (Vorjahre im Schnitt: 8 Länder)

Achim:
Vier Jahre. Klingt erst einmal viel, ist es aber nicht.

An das alte Leben erinnert nicht mehr viel. Das Boot ist mein Heim und dort, wo es gerade liegt, ist mein Zuhause und das, was darum herum passiert, mein Leben. Recht simpel und auch sehr befriedigend. Ich möchte derzeit mit Niemandem tauschen.

Das letzte Jahr war besonders. Die sechs Monate in Kolumbien waren ein Geschenk. Tolles Land, nette Leute und aus meiner Sicht, ein sicheres Land. Es war eine schöne Zeit und ich hoffe sehr, dass das auch nach der Präsidentschaftswahl auch so bleiben wird. Kolumbien war die positivste Überraschung unserer Reise. Es wäre sehr schade, wenn der Friedensvertrag aufgekündigt würde und die Farc wieder „in den Wald zieht“.

Panama hat uns nicht nur Glück gebracht. Der Blitzeinschlag am 5. Januar hat unsere gesamte Planung durcheinander gebracht und mir drei heiße Monate unter Deck mit meinen Kabeln beschert. Das brauche ich definitiv nicht noch einmal und so schön ist es in Shelter Bay dann auch nicht. Insgesamt konnte Panama nicht mit Kolumbien mithalten. Vermutlich waren die Amis zu lange hier und haben nicht nur die erstrebenswerten Teile Ihrer Kultur hinterlassen.

Am meisten hat mich in den letzen zwölf Monaten der Müll schockiert, der überall in der westlichen Karibik, aber auch hier auf der Pazifik Seite umhertreibt. Egal, wann man auf das Wasser blickt, immer wieder sieht man Plastikteile an der Oberfläche treiben. Entsprechendes gilt für alle Strände auf der Windseite der Inseln, die wir besucht haben. Müll über Müll über Müll und in der Regel niemand, der sich dessen annimmt.

Ich frage mich, ob das überhaupt jemals reparabel ist. Ich wünschte es mir, glaube aber, dass aufgrund der langen Zeit, die es braucht, bis diese Plastikteile sich komplett zersetzt haben, es wohl nie passieren wird. So werden wir alle, einen großen Teil als Mikroplastik im Essen wieder finden. Was für eine Scheiße.

Jetzt freue ich mich auf Ecuador. Altes Heim, aber neues Zuhause und neues Leben für die nächsten Monate.

Sabine:
Viel gesegelt sind wir das letzte Jahr nicht. Da ist keiner an Bord böse drum. Weit rum gekommen sind wir ebenfalls nicht. Aber wir haben soviel erlebt.
Sechs Monate Kolumbien, das haben wir uns so ausgesucht und großartige Inlandsausflüge unternommen. Die Tour zur ‚verlorenenen Stadt‘ ist eine unvergessliche Erfahrung.
In Santa Marta und auf Providencia war die reisefreie Zeit unkompliziert und angenehm. Orte, wo man wohnen möchte. Für mich ist Kolumbien ein Highlight der letzten vier Jahre.

Weitere sechs Monate waren wir in Panama. Nicht ganz so freiwillig. Der Blitzeinschlag steckt uns noch immer ein wenig in den Knochen. Bei jedem Gewitter kreisen die Gedanken dorthin zurück. Zeitlich haben wir den Rückschlag längst akzeptiert: dann dauert die Reise eben ein wenig länger.
Das langsame Reisen gefällt uns von Jahr zu Jahr besser. Erst dadurch lernt man einen Ort richtig kennen. Bruce Chatwin, britischer Schriftsteller, bringt es auf den Punkt: „Wenn man weniger als drei, vier Tage an einem Ort bleibt, kommt die Seele nicht hinterher.“
Einfache Mathematik bringt es ebenfalls auf den Punkt: nach vier Jahren haben wir erst ein Viertel der rechnerischen Strecke hinter uns. :oops:

Dass man tatsächlich eine Weltumsegelung schafft, scheint nicht selbstverständlich. Wir haben überraschend viele Crews getroffen, für die vorzeitig die Reise zu Ende ist. Eine eigene Krankheit oder die von Familienangehörigen zwingt zum Abbruch. Es gibt Konflikte in der Partnerschaft, die zum Ausstieg eines Crewmitglieds an Ort und Stelle führen. In einem Fall einigte man sich grad noch auf eine gemeinsame Rückführung des Schiffes nach Europa.
Andere hören auf wegen ‚der Angst vor den langen Strecken‘ oder weil schlicht das Geld zu Ende ist.

Ich bin mir sicher, dass Achim mich auch gerne so manches Mal gerne auf einer einsamen Insel ausgesetzt hätte. Bis es soweit ist, genieße ich weiterhin jeden Tag und versuche die geschenkte Zeit nicht als selbstverständlich zu nehmen. (und ich freu mich im Sommer auf meinen Heimbesuch)

Ansonsten haben wir beide viel Spaß bei der Arbeit. :-)

Atanga Team bei der Arbeit - Selfies für den Blog

Atanga Team bei der Arbeit – Selfies für den Blog

 

Die Wartung der Sicherheitsausrüstung

Mi., 30.Mai 2018, Panama/Las Perlas – Contadora, Tag 1460, 12.560 sm von HH

Rettungsinsel, Rettungswesten und Feuerlöschanlage – so eine Wartung dauert normalerweise Stunden und Fachfirmen sind erforderlich. Eine komplette Wartung dauert auf Atanga grade 10 Minuten. Macht die Crew selber. Ein Edding und spitze Fingernägel sind alles, was wir brauchen.

Wir befinden uns in den Vorbereitungen für Ecuador. Ecuador soll bei der Einreise von Yachten etwas pingelig sein. Auch Segelboote werden nach ‚Solas‘ kontrolliert. Safety of Life at Sea.
‚Solas‘ ist eine Vereinbarung der UN, die nach dem Untergang der Titanic ins Leben gerufen wurde. Anwendung finden diese Regeln überwiegend für die Berufsschifffahrt.

Unsere Rettungsinsel: abgelaufen 2016. Eine Wartung unterwegs bot sich bislang nur in Kolumbien an. Aus Sicherheitsgründen haben wir darauf verzichtet. Im Internet finden sich viele Berichte, dass man die Rettungsinsel schlechter wieder bekommt als man sie abgibt.
Eine Wartung in Deutschland, kurz vor unserer Abreise, bescheinigte damals ein tadelloses Auslösen der Insel, trotz einer Wartungsüberschreitung von mehreren Jahren. Wir fühlen uns somit sicher.

Die Behörden in Ecuador sollen schon darauf bestanden haben, dass abgelaufene Ausrüstungsgegenstände getauscht werden. Besser sei es, einen Gegenstand gar nicht zu haben als mit falschem Datum. Na, wenn das so ist. Nichts leichter als das. Die alten Prüf-Etiketten sind schnell abgepuhlt. Mit Edding kommt ein neues Siegel bis 2/2020 drauf, Handzeichen drunter, schon fertig.

Wartung der Rettungsinsel

Wartung der Rettungsinsel – eine Minute Arbeit

Ruhe bis 2-2020 ;-)

Ruhe bis 2-2020 ;-)

Wartung der Rettungsweste ist Sache des Skippers - weg mit verdächtigen Siegeln

Wartung der Rettungsweste ist Sache des Skippers – weg mit verdächtigen Siegeln

Abgelaufene Medikamente und Lebensmittel werden ebenso bemängelt. Kopfschmerztabletten – abgelaufen 2016 – entsorgen wir. Meine letzten zwei Dosen Würstchen – abgelaufen 2015 – verstecke ich. Die sollen unbedingt in die Südsee mit. Vor ein paar Wochen haben wir noch eine Dose gegessen. Alles ta-del-los. Ein Glas Himbeeren und eine Dose Sauerkraut (beides 2017) kommen mit in das Versteck. Wäre ja noch schöner, wenn meine Schätze in den Mülleimer müssten.

Die wundersamen Segelgeschichten der Piraten

So., 27.Mai 2018, Panama/Las Perlas – Contadora, Tag 1457, 12.560 sm von HH

Seit wir in der Karibik angekommen sind, finden wir sie, die Berichte über Piraten.
Wo wir auch hinkommen, Captain Morgan und seine Kollegen waren schon vor uns da. Man segelte vergnügt die Inseln auf und ab, man traf sich vor Providencia, man überfiel gemeinsam Panama City und die Beute kam nach Jamaika. Gemeinsam ging es auf die Bahamas und der ein oder andere Freibeuter kehrte zwischendurch nach Europa zurück. Einige freiwillig, andere an den Galgen.
Das Ganze liest sich locker leicht. Segel hoch und los.

Sind das alles Fake-News? Alles erfunden?
Immer wieder staunen wir über die Berichte während wir auf richtigen Wind warten und die zu segelnde Strecke als unlösbares Problem vor uns liegt.
Wie haben die das bloß gemacht? Moderne Segelschiffe können deutlich höher am Wind segeln als die alten Karavellen oder Galeonen. Letzte gelten zwar als wendige kleine Kriegsschiffe, die gerne von Piraten genutzt wurden, aber Wende-Wunder waren es nicht. Trotzdem gibt es keine Strecke, die damals nicht gesegelt wurde.

In der Shelterbay trafen wir eine Männercrew auf einem 57 Fuß Schiff. Die wollten von Panama nach Grenada segeln. Eine typische Piraten-Route, glaubt man den Geschichten. Die Jungs kamen nach vier Tagen in die Marina zurück. Keine Chance. Gegen Wind und Welle sind sie vor Kolumbien rückwärts gesegelt.
Okay, vielleicht war es eine Weichei-Männercrew. Moderne Bauspar-Männer und Balkonblumen-Gießer. Keine harten Raubeine mit Augenklappe und der Fähigkeit schon zum Frühstück einen Viertel Liter Rum zu saufen. Geschenkt. Aber komisch ist es schon. Die Zweifel an den alten Stories verdichten sich.

Die Geschichten der Pazifik-Seite sind eine Klasse für sich.
Nachdem Balboa 1513 das ‚Südmeer‘ entdeckte, fackelten die Spanier nicht lange. Die Gründung Panama Citys erfolgte 1519, erste Schiffe wurden auf dieser Seite des Kontinents gebaut und bereits 1526 erreichte Francisco Pizarro auf eigenem Kiel Peru. 1533 war der letzte Herrscher des Inkareiches getötet und das Reich seinem Untergang geweiht.
Das geraubte Gold der Inkas wurde nach Panama City verschifft und rief schnell die ersten Piraten auf den Plan, die Raubzüge im Pazifik auf dieses Gold unternahmen.

Aber wie haben die das gemacht? In der Bucht von Panama gibt es keinen Wind. Zumindest keinen, der länger als zwei Stunden anhält. Und der wenige Wind, den es gibt, der kommt aus Süden. Und im Süden gab es das Gold.
Die Segelfachliteratur von Jimmy Cornell sagt: „Alle Törns von Panama Richtung Süden sind sehr schwierig durchzuführen. [] Bei Flauten und Schwachwind muss man unter Motor fahren, um gegen den starken nach Nord setzenden Strom anzukommen.“

Na, erzähl das mal dem alten Captain Morgan oder den Konquistadoren – die hätten gerne einen Motor gehabt. Die alten Schiffe konnten nicht eigenständig gerudert werden. Mit Beibooten wurden sie rudernd in einen Hafen oder eine windstille Bucht gezogen. Bei bis zu 120 Tonnen Verdrängung kein Vergnügen und schon gar keine Möglichkeit, das über längere Distanzen durchzuhalten.

Aber sowohl Konquistadoren als auch Piraten sind munter die Westküste Amerikas auf- und abgesegelt. Bei den Überfällen soll weniger geschossen worden sein als man es aus Filmen kennt. Eine beliebte Taktik war es, dass sich der Pirat hinter einer Landzunge versteckte, um „überfallartig auf das Ziel zuzufahren und es zu entern.“
Auf den windlosen Las Perlas kann diese Taktik nicht erfunden worden sein. Wenn man den Anker lichtet, treibt einen der Ebbstrom höchstens weiter weg vom Opfer

Die tollste Geschichte erzählt man sich über Edward Davis. Er soll seinen erbeuteten Schatz auf den Islas de Cocos – vor Costa-Rica- versteckt haben. Auf Jamaika lebte er in Saus und Braus und wenn ihm das Geld ausging, holte er sich aus seinem Versteck Nachschub.
Er segelte also von Jamaika nach Panama, durchquerte den Isthmus, sprang auf sein zweites Schiff auf der anderen Seite, segelte zu den Kokos-Inseln, buddelte im Sand und kam auf umgekehrtem Weg zurück. :mrgreen:

Und wir sitzen vor unseren modernen Hilfsmittel und auf 400 Litern Diesel und haben ernsthafte Zweifel, dass wir es bis Ecuador schaffen. Pirat müsste man sein.

Alle Segel gebläht, alle fahren in andere Richtungen - aber Toten-Flaute

Die alten Meister spielen mit: Alle Segel gebläht, alle fahren in unterschiedliche Richtungen – aber Toten-Flaute…

Regenzeit auf Contadora

Do., 24.Mai 2018, Panama/Las Perlas – Contadora, Tag 1454, 12.560 sm von HH

Dass Regenzeit ist, merken wir am Regen und dass keiner mehr da ist. Alle weg.
Lagen vor drei Wochen hier noch zwischen fünf und zehn Yachten am Anker, so sind wir jetzt komplett alleine. Die Saison ist definitiv zu Ende.
Am Strand spielen vier übrig gebliebene, verzweifelte Urlauber Fußball im strömenden Regen.

Schlechtes Wetter und extremes Hochwasser

Schlechtes Wetter und extremes Hochwasser

Es regnet nicht den ganzen Tag und es regnet nicht jeden Tag. Aber doch reichlich. Fast immer in Form von Gewitter. Manchmal gewittert es schon um zehn Uhr morgens. Achims Gesicht gefällt mir dann gar nicht. Er geht nach unten und wartet auf den Einschlag. Am liebsten würde er eine Decke über den Kopf ziehen (ist nur zu warm dafür). Ich glaube nicht an einen zweiten Treffer. Ich mag nicht dran glauben. Das dann fällige Telefonat will auch keiner führen: „Hallo, ist da Pantaenius? Wir haben ein Problem.“

Dank Regen können mit ‚German Engineering‘ Wasser fangen. Und das ist auch gut so. Um den Wassermacher (der ist übrigens wieder in Ordnung – auf dem Weg nach Panama City hatte sich wohl nur die Pumpe kurz verschluckt) lange laufen zu lassen, fehlt uns Strom. Es reicht für Trinkwasser, aber nicht mehr zur Nutzwasser Herstellung.
Die Bucht von Panama City zwingt unser Energiekonzept in die Knie. Das erste Mal nach vier Jahren.
In der Karibik bläst zuverlässig der Passat. Bei Regen und bewölktem Himmel gibt es dort mehr als genug Windstrom. Das ist auf dieser Seite anders.
Selbst Gewitter kommen ohne Wind daher. Die zuckenden Wolken stehen wie fest getackert am Himmel. Die halbe Nacht glüht der Himmel direkt vor unserer Nase. Ja, gibt es denn hier niemals Wind?

In den Regenpausen düsen wir an Land und zu den wunderschönen Stränden und Buchten. Aber die meiste Zeit verbringen wir auf dem Schiff und beschäftigen uns bei Regen mit Sachen, die keinen Strom verbrauchen. Ganz ungewohnt für uns beide.

Regenpause

Regenpause