Kategorie: Atanga

Überfahrt nach Vanuatu

Mo.–Mi., 11.–13.Mai 26; Pazifik; Tag 4.363–5; 29.683 sm total

Der gute Teil: Es war eine der entspanntesten Überfahrten seit langer Zeit. Zunächst erforderte das erste Drittel der Strecke ‚am Wind segeln‘. Auf unserem direkten Weg liegt eine Insel mitten im Weg. Macht nichts, wahrer Wind 14 Knoten. Seglers Glückseligkeit. Wir kommen flott voran ohne große Bolzerei.

Wie ein Golf Green liegt die Windprognose für 48 Stunden vor uns.

Nach sieben Stunden können wir Kurs Tanna anlegen. Jetzt halber Wind. Atanga liegt nun stabil auf der Backe. Nichts wackelt oder klappert.

Nicht nur Grren, manchmal auch Semi-Rough: Ein Squall macht Achim Arbeit.

 

Der schlechte Teil: Darüber möchte ich den Mantel des Schweigens legen. Während Atanga glänzte, ging es mies. Dauerübelkeit, Darmkrämpfe und feststeckende Blähungen.
Am ersten Abend hatten wir noch die Reste der vorgekochten Hühnersuppe. Danach gab es nur noch altes Baguette und Knäckebrot. Ich war zu nichts fähig. Achim – der Held der Überfahrt – hat sich am zweiten Abend Nudeln gekocht und mit Ketchup gekrönt. Besonders in der ersten Nacht hat er einen erheblichen Teil meiner Wache mit übernommen.
Wir sind beide hohlwangig und haben Ringe unter den Augen. Dankbar, dass die Überfahrt so einfach war.

 

Die Ankunft: Am dritten Morgen dann Tanna in Sicht. Endlich bin ich wieder brauchbar. Die Einfahrt von ‚Port Resolution‘ liegt an der Ostseite von Tanna. Ungebremst rollt der Pazifik gegen die Küste. Ein Saumriff gibt es nicht. Wenn man aus Südwesten kommt, muss man einen Knick von 180 Grad fahren. Das bringt den Genuss von Schwell auf alle Bootseiten. Wir werden ordentlich durchgeschüttelt, dann fällt der Anker auf 4,5 Meter.

Südspitze von Tanna – alles voller Vulkane.

Der Yasur liegt genau neben unserem Ankerplatz. Alle paar Minuten pafft er dunkle Wolken in den Himmel. Das wird noch spannend hier.

243 sm von Casy nach Port Resolution. Wir haben zwei Tage und drei Stunden gebraucht. Genau, wie das Routingprogramm es berechnet hat (siehe Bericht Vanuatu Tag 1).
Ob es nun an der guten Performance der Crew oder des Programms gelegen hat. Man weiß es nicht. ;-)

Richtung Vanuatu – Tag 1

Sonntag, 10. Mai 2026; Cosy Nord/Neukaledonien

Weit sind wir nicht gekommen. :mrgreen:

Wir sind nicht mal aus der Hafenbucht von Nouméa raus, da ist schon das Deck geflutet. Eine fiese Hacksee mit Wind genau auf die Nase macht uns das Fortkommen schwer. Fast stampfen wir uns fest. Beim Wunsch nach südlichen Winden haben wir die Hafenausfahrt komplett vergessen.
Von Freitag auf Samstag hatte ich mit Achims Margen-und Darmgeschichte in etwas schwächerer Form zu tun. Viel Übelkeit. Die kommt bei der ekligen Welle spontan zurück. Als wir den Kurs ändern können, wird es besser. Sowohl mein Wohlbefinden als auch unser Vorankommen.

Nach 32 Meilen suchen wir uns eine Mooring hinter der kleinen Insel Casy in der Proni-Bucht. Das war von Anfang an so geplant und stellt sich am späten Nachmittag als gute Idee heraus. Ich komme nicht mehr von der Toilette runter. Das hätte ich nicht auf See haben müssen. Etwas Hühnerbrühe und zwei Stunden Schlaf helfen. Am Abend geht es mir besser. Die Nacht ist ruhig. Ich hoffe, dass es so bleibt, zu 100% fit bin ich noch nicht. Zum Glück ist Achim durch.

Jetzt ist es Montagmorgen. Es ist noch früh, gleich geht es los. Nur noch zwölf Meilen bis zur Passausfahrt. Die Windvorhersage sieht gut aus. Unser Ziel ist die Insel Tanna, ungefähr 200 Meilen entfernt. Das Routingprogramm sagt: zwei Tage, drei Stunden. Ahoi!

Ruhig und komplett alleine verbringen wir die Nacht hinter Casy. Eine schöne Ecke von Neukaledonien. Es wird abends jetzt schon um 18:00 dunkel. Der Winteranfang ist nah.

Entspurt-Marathon in Noumèa: Mehl-Mission und der Pony ist ab

Di.-Do., 05.+07.Mai 26, Neukaledonien/Nouméa, Tag 4.357-9

Sonntag geht es los. Wir verlassen Neukaledonien. Hübscher Südwind, vielleicht sogar mit einer Westkomponente, wird vorhergesagt.
Unser nächstes Ziel soll ‚Vanuatu‘ sein. Ein kleiner Inselstaat mit wenig Infrastruktur. Die Hauptstadt hat keine 60.000 Einwohner. Entsprechend groß ist meine Angst, dass wir dort verhungern werden.

Seit meiner Rückkehr schleppen wir täglich Vorräte aus dem Supermarkt. Das Schiff ist voll, wir haben gute Arbeit geleistet. Was noch fehlt, ist Vollkornmehl. Bislang sind wir im zwei Kilometer entfernten Bioladen gut bedient worden. Normale Supermärkte führen das nicht in ihrem Sortiment.

Neukaledonien ist ein Baguette-Königreich. Jeden Tag mögen wir es aber nicht essen.
Was anderes als Weißmehl soll her.

Pünktlich zur Mehlbeschaffung macht Achim schlapp. Irgendwas mit Magen-Darm plus Kopfschmerzen. Der Skipper muss das Schiff hüten. Alleine laufe ich zum Bioladen. Kein Mehl im Regal. Traurig schauen mich fünf Tüten – zweieinhalb Kilo – Dinkelkörner an. Hmm, nee, die möchte ich nicht. Vier Kilometer für nichts gelaufen.

Es gibt vier Bioläden in Nouméa, die man (also ich) gerade noch zu Fuß erreichen kann. Noch am gleichen Nachmittag mache ich mich auf den Weg in die entgegengesetzte Richtung. Drei Kilometer einfache Strecke.
Auch dort leere Regale. Lieferung erst wieder Ende Mai, erzählt mir ein Mitarbeiter. Das deckt sich mit der Auskunft vom Vormittag und spricht dafür, dass Nouméa leer an Vollkornmehl sein dürfte. Sechs weitere Kilometer für die Katz.

Am nächsten Vormittag laufe ich erneut zum ersten Laden. Die Dinkelkörner möchte ich nun doch. Die Getreidemühle wird uns retten müssen. Vier Kilometer.

Am Nachmittag mache ich mich auf zur dritten Möglichkeit. Knapp vier Kilometer pro Strecke. :roll: Ja, wir essen gerne Brot …
Nach gut zwei Kilometern habe ich die Möglichkeit einen kleinen Schlenker zu machen für einen Laden, den ich noch nicht kenne. Lohnt sich der Umweg oder gleich zum bekannten Geschäft durchstarten?
Ich riskiere es. Tschaka! Drei Beutel à fünf Kilo stehen im Regal. Feinstes Bio-Vollkornmehl, direkt aus Frankreich importiert. Ich möchte alle drei. Fünfzehn Kilo kann ich unmöglich schleppen. Zunächst kaufe ich einen Sack. Still ruht die Hoffnung in mir, dass Achim mich beim zweiten Gang begleiten kann. Nein, kann er nicht, das Scheißerle.
Ich mache mich erneut alleine auf den Weg. Diesmal nehme ich zwei Säcke. Der Verkäufer guckt zumindest mitleidig und hilft beim Reißverschluss zuziehen vom Rucksack.
Acht steile Bergauf-Bergab-Kilometer, diesmal von Erfolg gekrönt.

Meine Beute nach über 20 Kilometer Fußmarsch an zwei Tagen. Plus 2,5 Kilo Dinkelkörner.

Da ich nicht wusste, dass ich einen Halbmarathon laufen muss, habe ich auch noch einen Friseurtermin vereinbart. Lächerliche drei Kilometer hin und zurück. Die kann ich aber gut mit einem letzten Besuch im Lieblings-Stoffladen verbinden.
Madame aus dem Salon spricht kein Englisch, wie ich beim Vereinbaren des Termins feststellen durfte. Ich bin vorbereitet: „Raccourcir la longueur totale de 8 à 10 centimètres. La frange doit garder sa longueur. – Gesamtlänge um 8 bis 10 Zentimeter kürzen. Der Pony soll seine Länge behalten.“

Einen Zettel mit diesen Instruktionen drücke ich der netten Friseurin in die Hand. Den Rest klären wir per Handzeichen. Sie macht das auch ganz gut. Ich will mich nicht beklagen. Nur der Teil mit dem Pony muss ihr durchgerutscht sein. Einmal mit Profis arbeiten. :mrgreen:
Mindestens ein halbes Jahr Pony-Züchtung sind mit einem Schnipp Geschichte. Vergiss das mit sorgfältiger Planung, am Ende hat die französische Friseurin ihren eigenen Kopf.

Allgemein ist eine gute Länge runter gekommen. Gestern war der Pony noch fast doppelt so lang. Jetzt hält er nicht mehr hinterm Ohr. Eine lange Durststrecke liegt hinter mir, um ihn dahin zu züchten.

 

Zurück zu den Kinderhaarspangen. Die Haare vor dem Gesicht machen mich verrückt.

 

Sonntag geht es los. Heute haben wir bereits ausklariert, da morgen ein Feiertag in Nouméa ist. Plötzlich kann Achim auch wieder das Schiff verlassen. Schau an.

Ganz früh auf dem Weg zur Immigration. Frühstück gibt es unterwegs. Für den angeschlagenen Achim ein trockenes Baguette. Ich bekomme ein feistet Mandel-Croissant. Fett und lecker, bestimmt zwölfhundert Kalorien.

Immigration, Zoll und Hafenmeister. Alle mit viel Papierkram beschäftigt. Vom digitalen Zeitalter ist man noch Meilen entfernt. Das Hafenbüro hat ab 1. Mai dieses Jahres zaghaft eingeführt, dass man dort nicht mehr persönlich vorstellig werden soll. Mailverkehr wurde eingeführt. Das klappt noch nicht, da keiner wusste, wie es funktionieren soll, wenn am nächsten Tag ein Feiertag ansteht. Sechs Kilometer hin und zurück.

Zum Glück habe ich neue Turnschuhe in Deutschland gekauft.

Blick von der Kathedrale auf die Marina.
Fast ein Jahr waren wir in Neukaledonien. Nur zehn Tage fehlen.
Eine schöne Zeit hatten wir hier!

Ein wenig Sience Fiction und harte Strafen – Singapore ist anders

Mo., 20.04.2026; Singapore

Ich kapiere schnell, dass ich nicht gestrandet bin in Singapore, sondern die Chance auf ein All-inclusive-Upgrade bekommen habe. Ich verlasse das Hotel und mein Buffet. Gehe raus, in den geölten Wahnsinn von Singapore.

Erster Test: die Mass Rapit Transit (MRT) U-Bahn. Fazit: ein öffentliches Verkehrsmittel in Perfektion. Nur ein Tap mit der Kreditkarte beim Einsteigen. Erneutes Tappen beim Aussteigen. Die (günstigen) Tarife werden automatisch pro Tag berechnet. Kein endloses Studium des Aushangs der Tarife wie in Hamburg nötig.
Die Bahn kommt lautlos. Alle drei Minuten. Pünktlich. Sauber. Nirgends stinkt es nach Urin. Niemand benimmt sich verhaltensauffällig. Niemand isst oder trinkt in der Bahn. Niemand spricht überlaut in sein Handy. Ich traue mich kaum zu blinzeln. Man zahlt für alles eine Strafe. Kaugummi? Knast! Müll fallen lassen? Sozialstunden am Straßenrand im leuchtenden T-Shirt!

Ich steige aus am Canning Park. Ein aufgeräumter Park im Herzen der Großstadt. Ein nicht mehr so geheimer Influencer-Geheimtipp hat mich zum ‚Tree-Tunnel‘ geschickt. Man soll vor 8:30 Uhr da sein, um Warteschlangen zu vermeiden. Ich bin eine halbe Stunde zu früh. Trotzdem stehen die Fotografen sich schon die Beine in den Bauch.

Neue Influencer im Anmarsch

Warten bis man an der Reihe ist

Für dieses Motiv

Canning Park morgens um acht Uhr.

Durch den Park erreiche ich den ‚Clarke Quay‘. Abends ein beliebter Treffpunkt für Touristen und Einheimische, liegt das Viertel morgens noch menschenleer vor mir. Bunte Häuser, Restaurants, Bars – alles direkt am Wasser. Es wirkt wie eine Mischung aus Hafenfest und Instagram-Kulisse.
Hübsch anzusehen. Und hübsch teuer. Ein ‚Singapore Sling‘ (wenn schon, denn schon … ) schlägt mit mindestens zwanzig Euro ein Loch ins Touristen-Budget. Aber die Gegend gefällt mir.

Clarke Quay – riesige Regenschirme schützen die Gäste vor den fast täglichen Schauern.

Toll gemacht

Alleine in der Großstadt

Riversite – Clarks Quay
Noch zu früh für die Ausflugsboote.

Tai Chi modern mit Handy im Mikrofonständer.

Dann weiter. Wieder MRT. Ich steige in der Mitte der Orchard Road aus. Hier bin ich finanziell falsch abgebogen. Gucci, Prada, Rolex. Alle Edelmarken sind vertreten. Ich bewundere die Auslagen. Noch bevor ich ein Geschäft betrete, bläst mir kalte Luft entgegen – die Klimaanlage läuft schon draußen. Natürlich. Warum nicht gleich das gesamte Straßenklima regulieren? Schwüle dreißig Grad will kein Mensch.

In diesem Nike-Store beginnt die Klimaanlage schon draußen.
Kann man machen!

Die Shopping-Meile in der Stadt: Orchard Road. Sehr grün.

Von diesem ganzen Luxus zweigt eine Seitenstraße ab. Statt vor Glitzerfassaden stehe ich plötzlich vor pastellfarbenen Zuckerbäcker-Gebäuden. Die Häuser wurden um 1900 gebaut und gehören zur Peranakan-Kultur. Chinesische Einwanderer, die malaiische Bräuche angenommen hatten.

Harter Kontrast. Im Hintergrund die Hochhäuser der Orchard Road.

So war es früher: unten Handelshaus – oben Wohnhaus. Heute sind es Luxus-Unterkünfte.

Hausfassade Emerald Hill

 

Ich schlendere weiter Richtung Hotel. Suche nach etwas Bodenständigem. Nach einem Super- oder Baumarkt. Ich brauche Klebeband, um meinen Koffer zu flicken. Erst als ich fast mein Hotel erreicht habe, werde ich fündig. Ein Edel-Supermarkt. Mit importiertem Obst aus Japan. Fotografieren verboten. Ich mache es trotzdem. ;-) In der Hoffnung, dass es hierfür keine Strafe gibt.

Jeder Apfel gleicht dem anderen aufs Haar.
Je zwei Äpfel sind in Cellophan verpackt. Kostenpunkt 15,00 Euro, für beide. Ein Schnapper.

Verschämt in der äußersten Ecke gibt es zwei Regale mit Alltagsgegenständen. Klarsichtfolie ist das Beste, was ich für den Koffer finden kann. Zwanzig Meter Original-super-Folie aus Japan oder schnöde Folie aus Australien. Sechzig Meter für den gleichen Preis.

Zurück im Hotel dann der Beweis, dass Singapore sich bereits in der Zukunft befindet. Im Buffetraum gleitet ein kleiner Butler-Roboter zwischen den Tischen herum. Transportiert schmutzige Teller umher. Dreht sich elegant ab, ohne irgendwo anzustoßen. Ich staune ihn freundlich an. Er ignoriert mich. Roboter können auch pissnelkig sein.

Singapore wird regelmäßig zur saubersten und sichersten Großstadt der Welt gewählt. Seit den 70er Jahren wurden die Gesetzte und Strafen für Kriminalität, Vandalismus und Umweltverschmutzung ständig verschärft.
Wer Graffiti sprüht, darf sich auf Stockhiebe einstellen. Drei bis acht Schläge auf den nackten Hintern. Nieren und Gemächt werden mit Polstern vor Verletzungen geschützt. Frauen und Männer über 50 Jahre sind davon ausgenommen. Glück gehabt, bin ich doch vormittags einfach „so“ über die Straße gegangen, weil mir die Entfernung zur Fussgängervrücke zu weit war. Verboten! Wusste ich nicht und habe satte 100,00 Euro Strafe riskiert. :mrgreen:

Job mit Gewinngarantie – Verbots-Schild-Fabrikant in Singapore.

Im Park meint man es ernst: 1200 Euro Strafe für ’ne Kippe.

Kritiker sehen eine Menschenrechtsverletzung in der Prügelstrafe. Bei Fehlurteilen kann sie ebenso wenig wie die Todesstrafe zurückgenommen werden. Außerdem wird durch die vielen Ge- und Verbote die persönliche Freiheit der Einzelnen in ein enges Korsett gequetscht. Aber hey, auf einem nicht versifften Bahnhof Operationen am offenen Herzen vornehmen zu können, hat seinen Preis.

Singapore, Deine großen Sehenswürdigkeiten habe ich noch ausgelassen. Ich komme wieder. Nächstes Mal mit Achim und Atanga. Weil es zu zweit viel mehr Spaß macht.

Gestrandet in Singapore

18. Apr. – 22. Apr. 2026; Deutschland/Singapore/Neukaledonien

„Ihr Flug SB741 von Singapore nach Nouméa am 19.04.2026 ist storniert. Danke für Ihr Verständnis.“

Wir haben Samstag, den 18.04.2026. Es ist 6:00 Uhr morgens und ich habe alles Mögliche, nur kein Verständnis für die lapidare SMS auf meinem Handy. Bestürzt starre ich auf die Nachricht. Was soll das? In vier Stunden startet mein Flug nach Istanbul. Von da aus geht es weiter nach Singapore und noch ein letzter Flug nach Nouméa. Zu Achim, zum Schiff zurück.

Ich erwische Achim per WhatsApp. Da mir die Zeit fehlt, weil ich noch meine Sachen zusammen grabbeln und zum Flughafen fahren muss, übernimmt er die Recherche.
Beim Einchecken am Flughafen erklärt mir der junge Mann, dass ich mir keine Sorgen machen muss, mein Flug findet statt. Eine Bordkarte bekomme ich allerdings nicht. Ich darf zwei Gepäckstücke mit jeweils 23 Kilo aufgeben. Der eine ist mit 23,7 knapp drüber. Dem jungen Mann ist es egal. Glück gehabt. Ich hatte Mecker befürchtet.

Ich gehe noch zum Türkish-Airlines-Schalter gegenüber. Die Dame weiß von nix. Der letzte Flug würde von Air Calin ausgeführt, da habe sie keinen Zugriff.
Als ich am Gate sitze, bekomme ich Infos von Achim am anderen Ende der Welt: „Air Calin hat nur vier Maschinen. Eine ist kaputt und seit Tagen fallen diverse Flüge aus, weil es keine Ersatzmaschine gibt.“

Mein Flug nach Istanbul dauert drei Stunden. Dort bekomme ich bei Türkish Airlines die gleiche Antwort wie in Hamburg. „Ich kann nicht sagen, ob der Flug stattfindet. Die Verantwortung läge außerdem bei Air Calin. Wir sind raus.“ Das stimmt so nicht, aber ich lasse dem Lackaffen seine Meinung.
Achim, mein Reisebüro in Nouméa, hat in der Zwischenzeit auf Hochtouren gearbeitet und versorgt mich mit Infos und einer Strategie: „In Singapore gibt es ‚Transitdesks‘. Da gehst du hin. Der nächste Flug nach Nouméa geht erst am Dienstag. Sag denen, dass du so lange nicht warten willst, und frage nach Flügen über Australien. Die Teams vom Transitdesk sollen super geschult sein, Leuten wie dir zu helfen.“

Am Sonntagvormittag Ortszeit lande ich in Singapore. Direkt am Gate-Ausgang steht ein dreiköpfiges Team mit ‚Nouméa-Schildern‘ in der Hand. Insgesamt 18 Leute sammeln sich mit dem gleichen Problem wie ich. Wir werden aufgeklärt, dass wir für Dienstag auf einen Flug nach Neukaledonien gebucht sind. Für Unterkunft, Essen und Transfer wird gesorgt.
Nach kurzer Bedenkzeit verwerfe ich die über-Australien-fliegen-Idee. Wie sich Tage später herausstellt, eine vortreffliche Entscheidung, denn ich wäre nur sechs Stunden früher in Nouméa angekommen. Und ich hätte den perfekten Service des dnata-Teams vom Flughafen Singapore verpasst.

Die drei Betreuer kleben jedem ihrer Schäfchen einen dnata-Aufkleber aufs Hemd. Dass bloß keiner verloren geht. Geduldig werden Fragen beantwortet, während wir auf unsere Koffer warten. Das zieht sich etwas hin, aber nach anderthalb Stunden ist das gesamte Gepäck endlich da. Mein schwarzer Koffer hat eine große Beschädigung. Eine Ecke ist aufgebrochen. Zwei Rollen funktionieren nicht mehr anständig.

Kaputter Koffer.

Das Team übergibt uns einem Busfahrer. Nach einer halben Stunde erreichen wir das reservierte Hotel. Dort sind wir schon gemeldet. Es erfolgen nur noch die Schlüsselübergabe und der Hinweis, dass wir drei Mahlzeiten im hoteleigenen Garten-Café einnehmen dürfen.

In was für einer Unterkunft sind wir bloß gelandet? Ich traue meinen Augen nicht. Das Orchard Hotel Singapore hat sagenhafte fünf Sterne. Das Zimmer ist geräumig und mit einem riesigen Bett ausgestattet. Alles da, was man braucht, selbst wenn der Koffer verloren gegangen sein sollte.

Aber der absolute Hammer ist das Buffet. Gerichte aus dem Wok für Chinesische Gaumen. Zehn verschiedene Currys machen Inder glücklich. Euro-Asiatische Küche vom Feinsten. Gebratenes, Gesottenes. Sushi und Salate. Ein unfassbares Angebot an Nachtischen. Das erste Mal in meinem Leben esse ich eine Jack Frucht und darf Durian (Stinkfrucht) Mousse probieren. Ein Blick ins Internet: Das Buffet kostet 60,00 Euro pro Person. Pro Mahlzeit.

Das Zimmer plus großem Bad. Ungefähr 270 Euro pro Nacht. Inklusive Frühstück.

Meeresfrüchte, Gemüse und Garnelen aus dem Wok, Sushi und tausend andere Köstlichkeiten.

Das ist keine Torte, sondern geschichtete Nachtisch-Cremes. Hier Schoko mit Lemon mit crunchy Bodem. Köstlich! Davon gab mindestens sechs Stück zur Auswahl. Plus Pudding, Mousse und Eis plus, plus, plus. Ich kann mein Glück nicht fassen.

Zwei Tage darf ich den Luxus genießen. Mache Sightseeing und Urlaub in Singapore. Dann geht leider, leider  :mrgreen: schon der Flug nach Nouméa. Das Hotel organisiert den Shuttle zum Flughafen. Morgens um sieben ist Abholung. Das Foyer ist rappelvoll. Alles hängengebliebene Air Calin Opfer. Drei Busse werden benötigt, um uns abzutransportieren.

Beim Einchecken werde ich gefragt, ob ich ein Rückflugticket habe. „Nein. Ich verlasse Neukaledonien mit einem Segelboot.“ „Haben Sie dafür ein Ticket?“ „Nein, es ist mein eigenes Boot.“ Die Dame am Schalter wird hektisch. Sie telefoniert wild umher, fragt ihre Kollegin am Nachbarschalter. Viel Palaver während ich mir fieberhaft überlege, wie ich das beweisen kann. Dann Entwarnung, sie checkt mich ein. Mein im Hotel ungeöffneter Koffer hat plötzlich ein Kilo mehr auf der Waage (ich bestimmt auch). Das winkt sie lässig durch.

Nur Gucci und Rolex in Hotelnähe. Das beste was ich in der Nobelstraße Orchard Road finden konnte: Frischhaltefolie zum Verbinden vom Koffer.

Zwei Flugzeuge werden diesen Morgen eingesetzt. Die ursprünglich fliegende Maschine von Air Calin und eine Boeing 777 von EuroAtlantic. Ich habe das Pech auf EuroAtlantic gebucht zu sein. Das ist eine portugiesische Fluggesellschaft, die darauf spezialisiert ist, ausgefallene Maschinen zu ersetzten.
Halleluja. Alle Maschinen sind bereits älter als 20 Jahre. Die Klimaanlage streut Eiswürfel aus. Zweite Decken werden gefordert. Glück für den, der früh danach fragt. Die Decken sind schnell aus. Die Auswahl der Filme beschränkt sich auf 8 (in Worten acht). Alle schon etwas älter. Aus dem gleichen Jahr wie die Filme stammen die Brötchen aus denen das Abendessen besteht. ;-)

Das schlechteste Flugzeug-Essen aller Zeiten. Auf dem großen Brötchen war Press-Rührei und eine Gurkenscheibe. Das Brot war pfurztrocken. Das kleine Brötchen war noch härter und kam ohne Butter. Nicht mal die übliche Stange Käse gab es dazu. Nach der Völlerei im Hotel der perfekte Kontrast. ;-)

Nach acht Stunden ist es überstanden. Mit zwei Stunden Verspätung lande ich endlich in Nouméa. Die Kofferausgabe zieht sich eine Stunde. Vor dem Zoll habe ich mit meinen 46 Kilo Kampfgewicht plus 11 Kilo Handgepäck etwas Angst. Einige Ersatzteile fürs Schiff könnten Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Aber der Typ ist vollkommen gelangweilt. Er hat nichts zu tun. Alle Gäste strömen durch den Gang „nichts zu verzollen“.

Bleibt als letzte Hürde die Bio-Security. Ich habe wieder Angst. Habe auf dem Fragebogen brav angekreuzt, dass ich Nahrungsmittel dabei habe. Aber ich möchte keine Diskussionen über meine Nüsse, Schokolade und Kräuter führen. Dem Bio-Mann mit seinem Hund halte ich einen Opfer-Apfel und einen Müsli-Riegel unter die Nase. Den Apfel nimmt er, wie erwartet. Den Riegel darf ich behalten. Ich bin durch!

Noch eine Stunde Taxi, dann bin ich nach genau 98 Stunden wieder zu Hause. Das macht einen Schnitt von 163 km/h. Und ich dachte schon, dass der Hinweg mit 40 Stunden lang gewesen wäre. :mrgreen:

Da freut sich aber einer, dass ich wieder da bin. Schön!
Ich mich auch.

„Me time“ für uns beide

Fast 12 Jahre zusammen auf 12 Metern. Daran haben wir uns längst gewöhnt. Im Grunde ist es eine 24/7 Dauerbeschallung mit den Marotten des Anderen. „Warum legt er leere Kekspackungen in den Schrank? Warum kann sie das Kabel nicht am Stecker aus der Dose ziehen?“ Gesprächsstoff, Zündstoff.

Die letzten fünf Jahre waren wir besonders eng beieinander. Die Zeit im Dachzelt. Und dann sind wir auch noch zusammen nach Deutschland geflogen. Weniger Freiraum geht nicht.
„Was ist diese moderne „me-time“? Wir wissen es nicht.

Damit ist Schluss. Ich bin recht kurzentschlossen für knapp vier Wochen in Deutschland. Achim hat das Boot ganz für sich und wehrt potentielle Zyklone ab (grade ist einer in gutem Abstand vorbeigezogen).

Ein Rentner auf Freigang sozusagen. Himmlische Ruhe vor weiblicher Organisation. Kein „Was machst du gerade? Mach doch mal etwas. Lies doch mal ein Buch.“ Achim hat jede Ecke nur für sich. Frühstück um halb zehn, Mittagessen um elf – essen, was er will, wann er will. Beziehungsweise, was er kochen kann. :mrgreen:
Werkzeug liegen lassen? Check! Die dazugehörige Späne ebenfalls. Check! Atanga ist nun meckerfreie Zone. Der Himmel auf Erden.
Er wird es genießen. Diese ultimative Freiheit.
Wie ich hörte, ist die Gitarre bereits in den Salon umgezogen, als ich noch in der Abflughalle saß. „Me-Time“ in Vollendung.

Ich mache in Hamburg, was in Hamburg gemacht werden muss. Freunde besuchen, ein neues Baby bestaunen, einen Toddler nicht wieder erkennen und ein paar Pflicht-Geschichten abarbeiten. Mein Rückgepäck von zweimal 23 Kilo soll nicht ungenutzt verfallen. Das Schiff ist wie immer hungrig.
Das wird meine „Ich-Zeit“. Inklusive Blogpause (ja, Freunde der Sonne, das Leben ist hart).

Den Rentner an Bord muss ich warnen: ich komme wieder. Gewöhn‘ Dich gar nicht erst an das Lodderleben. „Und dass mir die Späne verschwunden ist …“

Wie Achim sich freut.
Dass ich fahre oder, dass ich wieder komme.
Es darf spekuliert werden.

Tasmanien – unser Fazit

9. Feb. – 11. März 2026; Australien/Tasmanien

Wer die Südinsel Neuseelands mag, wird Tasmanien lieben!
Vieles erinnert an die Nachbarinsel: Baumfarne, weiße Strände und knorrige Küstenwälder mit vom Wind gebeugten Bäumen. Tasmanien wird oft als die „wildere kleine Schwester“ der neuseeländischen Südinsel beschrieben.
Kaum zu glauben, der Westen Tasmaniens ist noch weniger besiedelt als das undurchdringliche Fjordland und die Catlins auf der Südinsel.

Das Wetter
31 Tage Tasmanien und wir haben es geschafft, dem Wetter aus dem Weg zu gehen. Normalerweise läuft das anders: Du kommst an die Westküste – Regen. Du willst wandern – Regen. Du willst spektakuläre Aussichten sehen – heute geschlossen wegen Nebel.
Und dann kommen wir: ein verregneter Nachmittag, ein verregneter Vormittag und der nasse Abschlusstag, der sowieso nicht mehr zählt.
Ich könnte behaupten, das sei gute Planung gewesen. ;-) Richtige Reisezeit, richtige Route. Nein, es war pures Glück, gegen jede Statistik.
Wir lieben Australien und Tasmanien hat uns scheinbar auch sehr gern.

Landschaft und Tiere
Tasmanien fehlen die schneebedeckten Alpen. Da hat Neuseeland die Nase vorn. Das macht Tasmanien mit seiner Tierdichte wieder weg. Der „Zoo ohne Zäune“ gegen Neuseeland, das Vogelparadies. Wobei es nur wenig Menschen geben dürfte, die jemals einen Kiwi zu Gesicht bekommen haben.

Bay of Fire.
Der Osten ist deutlich sanfter. Lieblicher.
Sogar das Meer ist hier zwei bis vier Grad wärmer. Eine Restströmung der Coral Sea aus dem großen Australien sorgt dafür.

Der wilde Westen.

Cradle Mountain

Der einsame Nordosten, der raue Westen und Cradle Mountain haben uns am besten gefallen.

Banksia in voller Blüte.

Verrückte Eukalyptusblüten. Ganze Straßenzüge waren rosa-rot von den abgefallenen Blüten.

Unsere Wunschliste an Tier-Sichtungen darf als abgearbeitet gelten. Wombats, Pinguine, Nasenigel und unzählige Kängurus in verschiedenen Größen. Vom Bus aus in Cradle Mountain konnten wir sogar eine ‚Tiger Snake‘ erhaschen. Der Besuch in der Auffangstation für den Tasmanischen Teufel war ein Highlight. Ihr Verhalten hat tatsächlich etwas Teuflisches. Die süßen roten Ohren sind nur zum Antäuschen.

Immer wieder Kängurus.

Die roten Ohren haben die Teufel, wenn sie sich aufregen oder sich abkühlen. Also eigentlich immer.

Ein verirrter Teufel im Camper.

Der Camper
Ich kann unseren Wagen gar nicht genug loben. Perfekt für zwei Erwachsene. Obwohl einer von uns Überlänge hat. Durch die integrierte Toilette gilt er als ‚self containted‘, man darf also überall damit campen. Die Toilette haben wir tatsächlich nicht benutzt. Wir haben darauf geachtet, dass alle Stellplätze über eine Toilette verfügen.
Hätten wir die Gelegenheit, noch einmal um das große Australien zu fahren, wäre das unsere Wahl. Die Kabine mit dem Tisch und Sitzbänken plus  Bett bietet einen idealen Rückzugsort bei schlechtem Wetter. Ein etwas anderer Schnack als das Dachzelt.

Das Auto innen. Due Verarbeitung ist nicht High-end-Qualität, aber alles da, was wir gebraucht haben.

Die Camper-Shell ist gut durchdacht.
Unsere Shell ist von ‚Pinguin‘, ein tasmanischer Hersteller. Nicht der teuerste, der solche Aubauten herstellt. Camper-Shells von anderen Anbietern gibt es auch zum Einklappen oder mit einem Pop-up-Dach.
Für die teuerste Varianten solcher Shells kann man 60.000 Euro kalkulieren. Plus Auto, versteht sich.

Ein kräftiger 4×4 bringt die Kiste überall hin. Für die Stadt ist die Kombination gut geeignet, weil der Wagen nicht länger ist als jeder normale SUV. Will man einen Tagesausflug unternehmen oder den Standort wechseln, so braucht man nur herumfliegende Kleinteile einzusammeln, die Schranktüren zu sichern und die Leiter einfahren. Kaum Aufwand.
Wir würden eine Markise und eine Außendusche anbauen. Und die Aufhängung der Leiter verändern. Die hängt nur an drei Bändern und sackt bei jedem Ein- und Aussteigen etwas nach unten.
Der Rest war perfekt.

Geländegängig

Unser Mietauto – zu gerne würden wir mit so einem Teil noch einmal um Australien fahren.

Die Kosten
Als wir uns für eine geländegängige Variante interessiert haben, waren wir überrascht. So ein 4×4-Camper ist teurer als die kleinen Hiace-Bully-Camper, in denen man alles umbauen muss und nicht stehen kann.
Aber gleichpreisig oder sogar günstiger als Camper in Sprinter-Transit-Größe. Je nach Ausstattung. Die haben häufig eine Klimaanlage. Darauf können wir gut verzichten.

Camper: 31 Tage – 3.908,00 Euro (mit Rundumsorglos-Versicherung, zweitem Fahrer und Übernahme am Feiertag)
Campingplätze: 663 Euro (5 mal haben wir kostenlos gestanden)
Diesel: 208 Euro (wir sind nur 1.800 Kilometer gefahren, Verbrauch: 12.7 Liter auf 100 km)
Eintritte: 199 Euro
Essen und Trinken: 669 Euro (wir haben uns fast zu 100 Prozent selbst verpflegt)
Sonstiges: 116 Euro (Taxi, Bus und ein paar Kleinigkeiten)

 

Tja, Neuseeland, bedank dich bei deiner Immigration. Das hättest du verdienen können. :mrgreen: Genau so eine Runde hatten wir auf der Südinsel geplant.
Wir senden an dieser Stelle ein ganz herzliches Dankeschön an Employee 50.496. Ohne diesen Mitarbeiter und eure Bürokratie hätten wir dieses Juwel nie erlebt. Danke!
Es hat uns ausgezeichnet gefallen. Abwechslungsreich, einfach zu befahren. Gute Campingplatzdichte, phantastische Nationalparks.
Ein wenig wie die Südinsel, nur mit Kängurus und Eukalyptus. Der Mix ist reizvoll.
Wir haben Ecken ausgelassen. Auch solche, die unter den Top fünf rangieren. Macht nichts, das gibt Raum, um noch einmal wiederzukommen.

Wer hätte gedacht, dass die kleine Karte unten in der Ecke unserer Landkarte von Australien noch eine Verwendung findet?

Unser kleiner Australien-Altar am Navi-Tisch. :lol:
Es ist nicht mehr zu leugnen, wir sind für immer und ewig Australien-Fans. Etliche Gespräche drehten sich bereits  um eine zweite Runde. Nur wie und wann ist noch nicht geklärt …
Man wird ja noch träumen dürfen.

Zu guter Letzt noch Hobart

09.-11. März 2026; Australien/Tasmanien/Hobart; Tag 29-31, Tageskilometer 128, gesamt 1.824 km

Es geht gemütlich zu in Hobart, obwohl an unserem ersten Tag ein Kreuzfahrer an der Pier liegt. Die Passagiere werden von energischen Damen mit Warnweste so geleitet, dass sie nicht den Autoverkehr behindern. Wir werden kräftig angeschnauzt, weil wir uns nicht an die Cruiser-Regeln halten.

Gemütlicher Hafen – viel erinnert an Neuseeland, an Wellington. Viele Segelboote und Langustenfischer liegen im Hafen.

Hobart ist nach Sydney die zweitälteste Stadt Australiens. Die alten Sandsteinspeicher beherbergen heute schicke Bars und Galerien. Jeden Samstag findet dort ein prachtvoller Markt statt, den wir leider verpassen. Aber die Atmosphäre schwappt über.

Salamanca – die ehemaligen Lagerhallen.

Salamanca hat eine schöne Atmosphäre.

Statue: die Jagd nach dem perfekten Foto.

Oberhalb des Hafens liegt Battery Point. Ein Dorf in der Stadt. Zu erreichen über steile Steintreppen, direkt in die Klippen gehauen. Die alten Lagerhäuser hatten Keller, die direkt mit dem Wasser verbunden waren. Ideal, um Rum-Fässer an der Polizei vorbeizuschleusen. In den verwinkelten Gassen gab es Geheimgänge zwischen den Häusern. Razzia im Vorderhaus? Kein Problem, man spazierte mit seinem Drink einfach durch eine versteckte Tür im Kleiderschrank zum Nachbarn rüber. Die örtliche Kirche wurde von einem verurteilten Fälscher namens James Blackburn entworfen. Er hat die Architektur einfach so gut „nachgemacht“, dass Hobart heute wie ein englisches Dorf aussieht, das versehentlich hier gelandet ist.

Battery Point

In Battery Point finden wir den Arthur Circus. Es ist einer der wenigen Orte weltweit, an dem die Häuser in einem perfekten Kreis um einen Dorfplatz gebaut wurden. Ursprünglich war es für pensionierte Offiziere gedacht, die sich nichts Großes leisten konnten. Eines der Häuser ist gerade mal sechs Meter breit. Heute kosten diese „Puppenhäuser“ bis zu eine Million Euro.

Arthurs Circus

Der zweite Tag gehört dem Naturkunde-Museum. Eine kleine Ausstellungen bei freiem Eintritt. Die Hauptattraktion ist die Galerie über den tasmanischen Tiger.

Lange Zeit dachte man, die Überreste des letzten tasmanischen Tigers, der 1936 im Hobart-Zoo starb, seien verloren gegangen. Erst 2022 hat man das Fell und das Skelett dieses Tieres in einem Museumsschrank wiederentdeckt! Es war dort jahrzehntelang gelagert, ohne korrekt als „das Letzte seiner Art“ katalogisiert zu sein.
Wer kennt das nicht? Nie hat man Zeit, um Ordnung im Keller zu machen. :mrgreen:

Der letzte seiner Art.

 

Besonders eindrücklich sind die Original-Dokumente aus dem 19. Jahrhundert. Die Regierung zahlte damals 1 Pfund pro totem Tiger. Man zahlte den Jägern also mehr als einen Wochenlohn, um eine Spezies auszurotten. Nur 20 Jahre später waren Zoos bereit, über 150 Pfund pro lebendem Tier zu zahlen. Zu spät. :cry:
Das Museum zeigt diese Belege als mahnendes Beispiel dafür, wie schnell eine systematische Jagd zum Aussterben führt.

Tasmanische Tiger im Zoo von Hobart. Wie es sich für einen Australier gehört, haben die Tiere natürlich einen Beutel.

Während die Wissenschaft den Beutelwolf offiziell für ausgestorben erklärt hat, sieht die Realität in den Köpfen der Australier ganz anders aus. Besonders die „Doppelköpfigen“ auf Tasmanien lassen sich ihren Tiger nicht nehmen – und die Gerüchteküche brodelt 2026 heftiger denn je.

Die neuesten Berichte kommen plötzlich vom Festland! Im Riverland und bei Melbourne wollen Zeugen das markante Hinterteil und diesen seltsam „hüpfenden“ Gang gesehen haben. Ein Wärmebild-Clip aus den Yarra Ranges sorgt für Schnappatmung. Man sieht… etwas. Experten streiten: Ist es ein räudiger Fuchs oder das Wunder mit dem gestreiften Fell?

Statistisch liegt die Chance bei unter ein Prozent, dass der Tiger noch da draußen ist. Aber solange es noch unentdeckte Täler gibt, bleibt der Tiger der ultimative Star der tasmanischen Wildnis. Man sieht ihn nie, aber jeder kennt jemanden, der ihn gesehen hat.
Wir haben tatsächlich eine Frau in Cradle Mountain gesprochen, die uns erzählte, dass ihr Mann „besessen sei von Sichtungen“.

Am letzten Tag regnet es. Das spart uns, den Wagen noch einmal in die Waschanlage zu fahren. Wir packen unsere Sachen, gehen noch einmal „Power-Shoppen“ (Klamotten kaufen, funktioniert super in Australien) und liefern das Auto ab.
Die Abnahme verläuft absolut entspannt. Der ältere Herr lässt nicht mal die Leiter runter, um in die Wohnkabine zu gucken. „Getankt, Gast aufgefüllt?“ Wir nicken.
Er nickt ebenfalls und fährt uns dann auch noch zu unserer Cabin am Flughafen. Das entschädigt für die etwas raue Übergabe vor einem Monat.

Typische Cabins auf australischen Campingplätzen. Hier in Hobart weltklasse. Super sauber und gut ausgestattet in der Küche.

Unser Flug zurück zu Atanga geht um 6:00 Uhr morgens. Eine undankbare Zeit. Unser bestelltes Taxi soll um 4:15 Uhr kommen. Wir stehen bei frischem Wind am Eingang vom Campingplatz. Das Taxi kommt nicht. Wie lange sollen wir warten? Ich sehe mich schon im Stechschritt mit Koffer und Rucksack die zwei Kilometer zum Flughafen stapfen. Dann die Erleichterung: Scheinwerfer tauchen in der Dunkelheit auf.
Zwölf Stunden später sitzen wir wieder auf unserem schwimmenden Zuhause.

Schön war‘s. Ein Fazit folgt …

In den Highlands: Wo Rindviecher auf Roboter treffen

8. März 2026; Australien/Tasmanien/Bethume; Tag 28, Tageskilometer 55, gesamt 1.696 km

Wir fahren eine gute Stunde weiter und finden einen weiteren Stausee. Und einen weiteren kostenlosen Stellplatz. Auch dieser gehört zu „Hydro Tasmania“. Dieses ist der staatliche Energieversorger und einer der größten Land- und Wasserbesitzer Tasmaniens.
Hydro bewirtschaftet die Seen für Wasserkraft und stellt die Uferbereiche für die Öffentlichkeit kostenlos zur Verfügung – quasi als Gegenleistung dafür, dass sie die Natur für die Energiegewinnung nutzen. Ein moderner Ablasshandel für die Energiegewinnung: Solange ihr euren Müll mitnehmt, haben wir einen Deal mit euch.

Der Blick aus der Camper-Tür. Der nächste Ort ist acht Kilometer entfernt. Ein netter Platz mit zwanzig Mitcampern auf trockener Wiese.

Dass es sich um einen Stausee handelt, ist nicht mehr zu erkennen. Malerisch liegt dieser eingebettet in die hügelige Landschaft der Highlands. Die Waldgebiete liegen hinter uns. Viehwirtschaft dominiert. Früher hauptsächlich Schafe, heutzutage Black-Angus-Rinder. Diese stehen fotogen in der Landschaft und ahnen nichts von ihrer Zukunft: zartschmelzendes Fleisch auf tasmanischen Grills.

Wir sind keine zwei Autostunden von Hobart entfernt. Die Vögel über dem Camper sind Kakadus.

Angus – noch ahnungslos und glücklich drein schauend.

Die gesamte Region hat seit Jahrzehnten mit abnehmenden Niederschlägen zu tun. Abhilfe schaffen effiziente Beregnungsanlagen, die „Center-Pivot-Anlagen“. Das System besteht aus einem mobilen Rohrarm, der an einem festen Mittelpunkt verankert ist. Der Arm ruht auf fahrbaren Türmen mit Elektromotoren. Damit sich der Arm nicht verbiegt, steuert ein Computer die Geschwindigkeit jedes einzelnen Turms. Der äußerste Turm muss logischerweise viel schneller fahren als der innerste. Entlang des Rohrs hängen Sprinkler. Die Düsenöffnungen werden nach außen hin immer größer oder die Abstände geringer, weil die äußeren Düsen in derselben Zeit eine viel größere Fläche abdecken müssen als die inneren.

Hightech vom Feinsten. Es gibt gigantische Anlagen mit über 800 Metern Radius, die bis zu 200 Hektar mit einer einzigen Umdrehung abdecken. Eine Grenze setzt nur die Statik des Rohrarms. solche Anlagen gibt es schon Jahrzehnte, aber die neuen Generationen sind KI-gesteuert. Kontrolliert mit dem Smartphone vom Sofa aus.

Dies ist eine kleine Anlage.
Sie entscheidet basierend auf integrierten Wetterstationen in Echtzeit, ob sie die Geschwindigkeit drosselt oder erhöht. Wenn eine Gewitterfront aufzieht, stoppt das System automatisch, um Wasser zu sparen.

Die Highlands von Tasmanien.
Ohne Bewässerung ist das Gras im tasmanischen Sommer oft braun und im Wachstums-Stopp. Mit Bewässerung kann die Menge der Tiere pro Hektar locker verdoppelt oder sogar verdreifacht werden. Kostenpunkt einer kleinen Beregnungsanlage: 100.000 Euro.

Auch der Ackerbau in der Region wird ‚remote‘ kontrolliert. Selbstfahrende Trecker pflügen exakte Furchen in die Erde. Bis auf zwei, drei Zentimeter genau. Mit Drohnen werden die Felder überwacht. Sensoren messen die Photosynthese-Aktivitäten der Pflanzen.
Bauer Harms sieht auf einer digitalen Karte, welche Stellen auf dem Feld Stress haben (Wassermangel, Stickstoffmangel oder Schädlingsbefall). Dann kommt eine zweite Drohnengattung zum Einsatz: die Dünger- und Pestizid-Sprüher. Bis 50 Liter Flüssigkeit können diese Drohnen tragen und sprühen nur die Bereiche auf dem Acker, die es nötig haben.

Von dem digitalen Wettrüsten merken wir nicht viel. Es ist ländlich-idyllisch. Die Schafe grasen unbeeindruckt auf der Weide. Brombeerranken haben die Feldränder erobert. Innerhalb einer halben Stunde könnten wir zwei Kilo Früchte sammeln. Hagebutten zeigen erste rote Bäckchen. Beide Pflanzen gehören hier nicht her. Es sind echte Pestpflanzen, im 19. Jahrhundert von den Siedlern aus Europa mitgebracht worden.
Für uns wirken sie vertraut. Und plötzlich weht ein Hauch Dänemark über die Hightech-Felder der Highlands. Wir könnten auch auf Fünen sein, wäre da nicht das laute Kakadu-Geschrei.

Das Wetter droht seit zwei Tagen mit Regen – aber es bleibt trocken :-) Sehr lange Brücke mit nur einer Fahrbahn zum Campingplatz.

Diese Verkaufsanzeige sehen wir beim Ströpern durch die Feldmark.
25 Hektar Land, zum Teil mit Wein. Hübsches Haus mit sechs Zimmern und zwei Bädern. Das Haus ist von der Straße aus nicht zu sehen.
Zufällig finden wir ein paar Tage später in Hobart beim Immobilienmakler im Fenster dieses Angebot wieder: knapp 2,5 Millionen Euro.
Aber schon schön. Und Tasmanien kann auch grün sein. ;-)

Sollen wir das Prachtgrundstück kaufen oder doch lieber zum Schiff zurückkehren?

Campen am See

6. März 2026; Australien/Tasmanien/Tungatinah; Tag 26, Tageskilometer 134, gesamt 1.641 km

Wir verlassen Queenstown ostwärts. Die Straße windet sich von jetzt an in engen Kurven die Berge hinauf. Innerhalb weniger Kilometer schrauben wir uns 550 Meter hoch. 99 Kurven sollen es sein. Zunächst sind die Berge noch kahl. Ein Schaden des exzessiven Minenbaus in Queenstown. Zögerlich erobern sich robuste Akazien und Eukalypten den kargen Boden zurück. Es ist mehr struppiges Gebüsch als Wald.

Wilde, kurvige Strecke

Dann erreichen wir „kühlen Regenwald“. Kein Tropen-Dschungel, sondern ein verwunschener Nebelwald. Alles – wirklich alles – ist von einer dicken, weichen Schicht aus smaragdgrünem Moos überzogen. Es dämpft jedes Geräusch, sodass im Wald eine ehrfürchtige Stille herrscht. Mächtige Baumfarne recken ihre Wedel wie grüne Sonnenschirme in die Höhe.

Moos – Tonnen an Moos

Zum Ende der Strecke wird der Wald offener. Der feuchte Regenwald weicht trockenem Eukalyptuswald. Hier dominieren riesige „Gum Trees“ (Eukalyptus auf Australisch). Deren Rinde hängt in langen Streifen herab. Am Boden wächst Knopfgras, das in den sumpfigen Hochebenen riesige Flächen bildet.

Der Wald öffnet sich zu einer wunderschönen Landschaft.

Warum heißt das Knopfgras Knopfgras? ;-)

Eine bezaubernd schöne Strecke. Hier ist Tasmanien nur 250 Kilometer breit und trotzdem fahren wir auf 130 Kilometern durch keinen einzigen Ort. Das muss man auch erst einmal schaffen.

Wir wählen einen Campingplatz an der Tungatinah Lagoon ohne Infrastruktur – außer einem Plumpsklo. Eine ausgezeichnete Entscheidung. Ein Stellplatz direkt am See. Diese „Lagoon“ gehört zu einem komplexen System aus Kanälen, Stauseen und Rohrleitungen. Für ein Wasserkraftwerk, bereits in den 50er Jahren angelegt. Die Natur hat sich die Lagune längst zu Eigen gemacht. Forellen schwimmen im See und Wombats wohnen am Ufer.

Der Blick aus dem Auto. Unser Nachbar hat ein Boot dabei und fährt direkt ans Ufer. Typisch Australien.

Wir stehen auf 650 Metern. Es wird abends schnell kühl. Unser feines Auto hat einen Heizlüfter und eine Gasheizung. Auf Campingplätzen mit Stromanschluss haben wir bisher nur den Heizlüfter benutzt. Der ist schnell in Betrieb genommen und keiner muss morgens aus dem warmen Bett in die Kälte, um das Gas anzudrehen.
In Tungatinah testen wir das erste Mal die Gasheizung. Fein. Fein. Der Thermostat funktioniert tadellos und der kleine Innenraum verwandelt sich schnell in eine warme Höhle.

Mit glänzenden Augen schauen wir trotzdem auf die sicher aufgeschichtete Feuerstelle neben unserem Stellplatz. Darf man oder darf man nicht um diese Jahreszeit kokeln? Geldstrafen starten bei 3.000 Euro und die größte Belohnung sind 12 Monate Gefängnis.
Wir befragen das Internet und unseren angelnden Camping-Nachbarn. Beide geben „Feuer frei“.

Die Umgebung vom Seeufer ist abgegrast. Außer kleinen Stöckern ist hier nicht viel zu finden. Wir machen einen ausgedehnten Spaziergang und kommen mit genug Beute für einen netten Abend zurück. Am meisten Spaß machen die abgefallenen Rindenstreifen der „Gum-Trees“. Helles Schlohfeuer vom Feinsten. Perfekt für kleine Feuerteufel.

Nachmittags gehen wir sammeln. Leider keine Wombats zu sehen und auch keine Schlangen. Dabei sind die Bedingungen perfekt.

Jeder Knüppel zählt!

Unsere Beute, sauber sortiert …

Noch eine Werbefoto für Autorent. Ein so tolles Auto.

Erst wollte Achim nicht. Das Ergebnis sieht man. :-)

 

Internet Talk

In Tungatinah (und bereits einigen anderen Standorten) haben wir keinen Internetempfang. Kein Problem! Wir haben ja unsere Starlink-Mini mit nach Australien genommen. :mrgreen:
Die passt gerade in Achims Handgepäck-Rucksack. Und mit einem guten Kilo ist sie auch noch schlepp-tauglich.

Unseren Vertrag hätten wir für einen Monat sowieso nicht gekündigt, da Starlink in Neukaledonien eigentlich gar nicht zur Verfügung steht. Wir hätten viel zu viel Angst gehabt, dass wir den Vertrag nicht wieder aktiviert bekommen.
Da kam uns die Idee: Wenn wir sowieso schon bezahlen, dann können wir den Starlink auch mitnehmen. Und es spart uns, eine lokale SIM-Karte kaufen zu
müssen. ***
Voilà! Es funktioniert perfekt. Eine ziemlich coole Erfindung, der Starlink.

Der Starlink auf dem Schrank – Empfang durchs Dach der Wohn-Shell kein Problem. Der Monitor auf der Ablage ist ein Fernseher. Er hat keinen Empfang, macht nichts, den brauchen wir absolut gar nicht.

 

*** Dass wir trotzdem eine SIM-Karte kaufen mussten, ist eine andere Geschichte. Es liegt an der australischen Liebe zum Telefonieren. In ländlichen Gebieten nutzen die Aussies und Tasmanier das Handy überdurchschnittlich oft für echte Anrufe. Angeblich fast zu 99 %. Wenn man sich selten sieht, wird am Telefon ausgiebig gequatscht.
Und somit brauchten wir eine australische Telefonnummer zum Reservieren von Campingplätzen und für andere Auskünfte. Online-Buchungssysteme sind häufig schlecht gepflegt und fehlerhaft.

Der leere Westen

05.-06. März 2026; Australien/Tasmanien/Queenstown; Tag 25-26, Tageskilometer 131, gesamt 1.407 km

Tassie hat die Form eines recht gleichmäßigen Dreiecks. Teil man die Insel in der Mitte, dann wohnen im Westen weniger als fünf Prozent der Tasmanier. Krass.
Wir verlassen unseren wilden Campingplatz und kommen durch Zeehan.

Geteiltes Tasmanien. Stanham und Queenstown erfahren immerhin noch eine Erwähnung auf der Karte. Das sind nicht mal Kleinstädte.Der Rest ist Nationalpark oder Schutzgebiet. Und Holzwirtschaft.

In seiner Blütezeit war Zeehan so reich durch Silber- und Bleifunde, dass es einen fast absurden Luxus bot. Es gab über 20 Hotels und eine prächtige Oper, das Gaiety Theatre. Man erzählte sich, dass die Bergleute so viel Geld hatten, dass sie Champagner aus Eimern tranken und die Schauspielerinnen mit Silbermünzen bewarfen, wenn ihnen der Auftritt gefiel.
Über 20.000 Menschen wohnten hier, jetzt sind es keine tausend. Der Verfall der Stadt ist an jeder Ecke zu sehen. Tourismus auf kleiner Flamme, ein paar Mountain-Bike-Strecken werden beworben.

Ein paar hübsche Details sind noch erhalten in Zeehan – das meiste sieht vergammelt aus.

Fast alle alten Häuser stehen leer.

Unser nächster Stopp liegt wieder am Wasser: Strahan. Keine Minenstadt, sondern das einstige Sägewerk-Zentrum von Tasmanien. Die begehrte Huon Kiefer wurde hier verarbeitet. Sie wächst extrem langsam (oft nur 1 mm pro Jahr) und kann über 3.000 Jahre alt werden. Das Holz enthält so viel Methyl-Eugenol, dass es fäulnisresistent ist. Es riecht herrlich und ist für den Schiffbau perfekt. Die Mühlen in Strahan verarbeiteten dieses Holz im Akkord, um Schiffe für das gesamte Britische Empire zu bauen.

Der Hafen von Stranhan. Witziger Weise haben wir hier die Teilnehmer der ‚Rund Tasmanien Rally‘ wieder getroffen. Einige Boote waren eine Woche in Stanley an der Nut gefangen.

Heute profitiert die Stadt von ihrem idyllischen Hafen und der Tatsache, dass die ‚Coast Wilderness Railway‘ hier ihre Endstation hat. Die Bahn wurde nicht gebaut, um Touristen die schöne Aussicht zu zeigen. Sie war eine reine Kupfer-Autobahn, um das Metall aus Queenstown verschiffbar zu machen. Da es keine Straßen gab und der Fluss zu wild war, blieb nur die Schiene. Die Arbeiter mussten sich mit Äxten und Schaufeln durch einen der dichtesten Dschungel der Welt graben.

Das Foto ist während des Baus entstanden. 1899.
Die Herren im Anzug wollten den Erfolg dokumentieren, und die Arbeiter wurden oft als Zeichen der „Bezwingung der Natur“ mit ins Bild genommen. Dass sie auf einer Brückenkonstruktion stehen, sollte die technische Meisterschaft unterstreichen – man blickte buchstäblich auf die Wildnis herab, die man gerade besiegt hatte. [Abfotografiert im Bahnhof von Queenstown]

Die Strecke zwischen Strahan und Queenstown ist so steil, dass normale Lokomotiven einfach abrutschen würden. Man importierte das Abt-Zahnstangensystem aus der Schweiz. Zwischen den Schienen liegt eine gezackte Stange. Die Lokomotive hat ein drittes Zahnrad unter dem Kessel, das sich dort einhakt. So „klettert“ der Zug den Berg hoch. Es war die erste Bahn dieser Art in Australien und ist heute eine der wenigen weltweit, die noch mit den Original-Dampflokomotiven aus den 1890ern betrieben wird.

Zu sehen bekommen wir die Bahn in Queenstown. Hier quartieren wir uns zwei Nächte ein und unternehmen ein paar Streifzüge durch den Ort. Die Bahn ist die Hauptattraktion. Selbst wenn wir mit ihr fahren wollten: „Ausgebucht bis Ende März.“

Queenstwon – in einem schmalen Tal gelegen.

Mitten im Ort – prominent der Bahnhof für den Zug.

Zu unserer Enttäuschung kommt die Lok rückwärts nach Queenstown eingedampft. Das sieht uncool aus.

Es gibt eine Drehscheibe hinter dem Bahnhof. Die wird aber nicht genutzt.

Vielleicht schaut der Heizer deswegen auch so verzweifelt, weil er weiß, dass er gleich wieder aus dem Bahnhof fährt, die Lok abkoppeln, Weichen stellen und alles wieder zusammenfügen muss.

Hochglanzpolierte Waggons. Drei Stunden mit dem Zug kosten 100,00 Euro.

Werbefoto für die Zugfahrt – schade dass keiner der Fahrgäste das so sieht. [abfotografiert im Bahnhof von Queenstown]

Unsere Nachbarn vom Campingplatz.

Campingplatz: 33,00 Euro

Camp Kitchen Talk

Da unser kleines Wohnmobil kein Raumwunder ist, kochen wir, wenn möglich, in den Camp-Küchen. Das ist meistens sehr brauchbar. Je mehr Dauergäste und Wiederholer ein Platz hat, desto besser die Küchen. Dann gibt es auch oft die Gelegenheit für ein Schwätzchen. Vor ein paar Tagen wurden wir sogar eingeladen, unbedingt in Horbart vor unserem Abflug bei unseren Tischnachbarn vorbeizuschauen. Sehr angenehm.

Kommen viele Touristen, sprich viel Durchgangsverkehr, ändert sich häufig das Bild. Benehmen ist Glücksache. Gäste sitzen mit dem Hintern und barfuß auf dem Esstisch und kochen ein Süppchen auf ihrem eigenen Kocher. Wer das macht, wischt auch mit dem Lappen in der Spüle den Fußboden (selber gesehen!). Augen auf beim Lappengebrauch. :mrgreen:

Und manchmal schämen sich auch die Camp-Betreiber nicht. ein Dreckloch als Küche anzubieten. So in Queenstown. Bäh. Dann kochen wir in unserer Puppenstube.

Bähhh – der Preis für eine Übernachtung sagt nichts aus über die Qualität. Dieser Platz kostet 33,00 Euro.

 

Tarkine – Albtraumstrecke für Autovermieter

4. März 2026; Australien/Tasmanien/Tarkine/Granville Harbour; Tag 24, Tageskilometer 141, gesamt 1.376 km

Hinter dem letzten Haus von Arthur River hört alles auf, was man Straße nennt: Asphalt, Verkehr, Orte. Auf der Piste durch die ‚Tarkine‘ fährt man automatisch langsamer, selbst wenn man gar nicht müsste. Links Regenwald, rechts Regenwald. Mächtige Scheinbuchen und Huon-Kiefern. Überzogen mit Moos und Flechten. Dazwischen offene Buttongrass-Flächen. Die sehen aus, als hätte jemand eine grün-goldene Steppe in den Wald gemalt. Die Tarkine ist der größte zusammenhängende Regenwald in Australien. Ein Naturerbe vom Ur-Kontinent Gondwana.

Der Blick auf die Landschaft ist phantastisch.

 

Enge Straßen – macht nichts, es kommen uns in Summe nur drei Autos entgegen.

Vor 13 Monaten hat es leider großflächig gebrannt – ein neuer Austrieb von knapp 50 Zentimetern ist schon zu sehen.
Die Brände wurden durch Trockengewitter (Blitzeinschläge) ausgelöst und durch eine extreme Hitzewelle und Trockenheit im Januar und Februar 2025 angefacht. Besonders kritisch war, dass das Feuer bis auf wenige Meter an uralte Huon-Pine-Bestände herankam, die teilweise über 3.000 Jahre alt sind.

Für unsere Geduld zwei Nächte in Arthur River ausgeharrt zu haben, bekommen wir fetten Lohn. Die Sonne strahlt vom Himmel. Das macht die Fahrt einfacher. Vor uns liegen über einhundert Kilometer Schotterstraße. ‚Maps.me‘ sagt, wir sollen vier Stunden planen. Ein Schild am Straßenrand behauptet: Eine Stunde und 55 Minuten. Wir rätseln über die 55 Minuten. Wird das Schild jedes Mal ausgetauscht, wenn jemand einen neuen Rekord gefahren hat?
Am Ende brauchen wir gute drei Stunden.

Ich hatte uns diese Strecke vom Autovermieter extra genehmigen lassen. Nach den drei Stunden wundern wir uns, dass wir die Erlaubnis bekommen haben. Viele Schlaglöcher und einige heftige Steigungen überraschen uns. Es ist nicht so, dass unser Vehikel das nicht schaffen könnte. Aber die Schüttelei hält zehnfach aufs Material, wie wir leidvoll im großen Australien selber feststellen durften. Außerdem sind die Reifen am Mietauto keine echten Offroader. Ihnen fehlt ‚more aggressive‘.

Es wird bergiger.

Die vier Spanner, die unsere Wohnkabine auf dem Auto-Chassis halten, haben sich los gejackelt.
Mit dem Leatherman kann Achim Schlimmeres verhindern. Splinte fehlen. Bei zwei Spannern sind nur ein paar Gewindegänge genutzt.
Vielleicht sollte da mal ein Rigger oder Bootsbesitzer drauf schauen. ;-)

Wir erreichen Corinna am Pieman River gelegen. Die einzige Siedlung auf der Strecke.
Corinna wurde im Jahr 1881 gegründet, nachdem in der Region Gold entdeckt worden war. In seiner Blütezeit war es eine Pionierstadt mit über 2.500 Einwohnern. Es gab zwei Hotels, mehrere Läden, ein Postamt, eine Schule und sogar eine eigene Zeitung.

Da es damals keine Straßen in diesen Teil der Westküste gab, war Corinna der wichtigste Versorgungshafen für Minenarbeiter. Schiffe fuhren vom Meer kommend die Mündung des Pieman River hinauf, um Vorräte zu bringen und Erz abzutransportieren. Der Goldrausch hielt nicht lange an. Anfang des 20. Jahrhunderts war Corinna fast vollständig verlassen und verfiel zur Geisterstadt.
Heute ist Corinna ein geschütztes historisches Juwel: Einige der ursprünglichen Holzgebäude wurden restauriert oder im passenden Stil wiederaufgebaut. Man hat die Möglichkeit, im Urwald zu übernachten. Das würden wir gerne, aber der Zeltplatz (nur zehn Plätze) ist ausgebucht bis Ende März.

Eines der Resthäuser. Heute Eco Lodge. Ausgebucht auf Wochen.

Wir lassen uns in Corinna von der ‚Ein-Auto-zur-Zeit-Fähre‘ auf die andere Flussseite übersetzen. Die Fähre ist an dicken Stahlseilen geführt, die über den Pieman River gespannt sind. Ein alter Dieselmotor treibt die Fähre an. Früher musste man sich per Hand selber rüber ziehen.

Auf Knopfdruck kommt der Fährmann. Kostenpunkt stolze 18,00 Euro.

Wir fahren noch dreißig Kilometer weiter nach Granville Harbour. Eine kleine Gemeinde, vielleicht zwanzig Häuser, keine Geschäfte, keine Kneipe. Wir schauen uns den dazugehörigen Campingplatz direkt am Wasser an.
Liebe auf den ersten Blick. Der Weg zum Campingplatz ist sehr schlecht. Aber hier wollen wir unbedingt bleiben! Wir suchen uns einen Stellplatz noch vor dem eigentlichen Campingplatz. Es sind noch zweihundert Meter. Wir verzichten auf die Holperpiste. Unser Vermieter soll doch keinen Herzinfarkt erleiden, falls er in seinem Büro auf den Tracker schaut, wo sich sein Fahrzeug gerade befindet. :mrgreen:

Fast leer Platz – nur zwei weitere Camper stehen mit uns am Wasser.

Diese Strecke wollen wir dem Leihwagen nicht antun.

Ich mache noch ein paar Werbefotos für den Vermieter. Damit der weiß, wo sein Auto überall stehen kann.

Leise ist der Platz nicht – die Brandung tobt.

Wir schätzen drei Meter.

Neben der Bootrampe dieses Schild. Ungefährlich ist der „Hafen“ nicht. Die Wellen dürften hier 360 Tage im Jahr rollen.

Der Abend endet toll. Vor uns der Sonnenuntergang. Hinter uns ein paar Stunden später eine (fast) totale Mondfinsternis. Zu sehen im Osten Australiens diese Nacht.

Der Platz ist kostenlos. Es gibt eine Toilette und hinter den Dünen liegt ein weitverzweigter Off-Road-Spielplatz für Quads und andere 4×4-Fahrzeuge. Morgens kommt eine nette Dame mit einem Quad und reinigt die Toilette.
Warum die kleine Gemeinde Granville Harbour den Platz und die Rennpiste kostenlos zur Verfügung stellt? Sie könnten doch wenigsten 20 Dollar in einer Ehlichkeits-Box sammeln.
Wir haben keine Idee. Vielleicht um sichtbar zu bleiben/zu werden? Damit die Infrastruktur dort erhalten bleibt, wie Müllabfuhr und Handymast?

Wer dort durch ihre Dünen pflügt, ist den Anwohnern nicht ganz egal. Das Fahrzeug muss eine Straßenzulassung haben und der Fahrer einen Führerschein besitzen. Die bereits angelegten Tracks dürfen nicht verlassen werden. Und ganz wichtig – wir zählen drei Schilder: „Bitte fahrt unsere Kinder nicht tot.“

Eine nicht zu viel verlangte Bitte der Granville Harbour Bewohner.