Kategorie: Atanga

Mount William NP – Schotterpisten, Grasbäume und der Duft von Freiheit

17.-19. Februar 2026; Australien/Tasmanien/Mt. William+Scottsdale; Tag 10-12, Tageskilometer 46+101, gesamt 664 km

Über Schotter zuckeln wir weiter. Ganz hoch in den Nordosten. Der Mt. William Nationalpark taucht nicht in den „Must-see-Listen“ für Tasmanien auf. Hier gibt es schlichtweg nichts, außer einer letzten Siedlung – Musselroe Bay – mit 28 Einwohnern. Die müssen über 100 Kilometer für einen Einkauf fahren.

Wir freuen uns, dass wir diese Strecken fahren dürfen. Nicht bequem, aber sie führen dahin, wo es einsam ist.

Entsprechend leer ist der Campingplatz. Kaum ein Drittel belegt. Wohnmobile mit Vermieter-Namen sind komplett verschwunden. Ein einziger ‚AutoRent‘ wie unser steht für ein paar Stunden am Wegesrand. Hier campen die Tasmanier und ein paar verirrte Festland-Australier. Unsere Camping-Nachbarn kommen seit 30 Jahren hierher. Nach einem Tag wissen wir: Sie haben verdammt gute Gründe dafür. Es ist phantastisch!

Wir stehen mitten im Wald. Sogar Bänke werden angeboten.
Abendessen ist draußen möglich – aber es herrschen Zwiebel-Schichten-Temperaturen. Morgens und abends drei, vier Schichten Klamotten, tagsüber sind es über 22 Grad, dann reicht eine Schicht.

Wallabies schauen jeden Abend vorbei. Die braucht man nicht zu suchen.

Wenn es ganz dunkel ist, kommen auch Pomelons vorbei (kleine fellige Knäule).Die sind sind allerdings sehr kamerascheu. An die Anweisung, dass keine Kängurus mehr fotografiert werden, halten wir uns beide nicht. Zu süß, die kleinen Hüpfer.

Wir haben die Wahl am menschenleeren Strand zu laufen oder auf Wanderwegen durch trockenen Küstenwald. Dieser besteht aus gedrungenen Eukalyptus-Arten, Banksien, heideartigen Sträucher und einem Meer aus Grasbäumen.
Die harten Halme der kleinen Grasbäume wiegen sich langsam im Wind. Ein Schattenspiel entsteht.  Es sieht aus wie die Glasfaserlampen aus den 70er-Jahren.
Der Duft über dem Wald ist intensiv. Harzig, etwas mentholig, würzig. Männlich-herb.

Der Strand gleich neben dem Campingplatz.

Auf der anderen Seite endloser Wald. Und immer schön auf Schlangen achten. Drei Giftschlangen-Arten gibt es in Tasmanien.

Schneeweiße Feldwege

Gras-Bäume – noch klein und nicht sehr baumartig. Aber sie können schon die Schattenspiele wie die Großen.

Ungewöhnliches Moos

 

Mt. William ist das Reich von Kängurus und Wombats! Diesmal haben wir kein Glück. Wir geben alles und stapfen sogar in der Dämmerung auf ihren Wildwechsel-Wegen. Sie bleiben unsichtbar. Nur ihre würfelförmigen Ködel beweisen, sie sind da. Zumindest theoretisch.

Nach dem Gewitter finden wir am nächsten Tag Wombat-Pfoten

Das Wetter macht weiterhin mit. Ein Gewitter am Abend, als wir längst im Camper sitzen, macht uns nichts aus. In Mt. Williams könnten wir ewig stehen, aber die Vorräte schrumpfen und das Wasser geht uns aus. Seit fünf Tagen haben wir keinen Laden mehr gesehen, es wird Zeit für mehr Zivilisation. In Scottsdale finden wir einen Waschsalon, einen gut sortierten Supermarkt und eine heiße Dusche.

Ein Gewitter

am ersten Abend

Campingplatz Nationalpark: 8,00 Euro (nur Toilette, kein Wasser) pro Nacht.
Campingplatz Scottsdale: null Euro (heiße Dusche allerdings 3,00 Euro pro Person)

Dusch-und-Toilette-im-Auto-Talk

Unser Camper hat neben der Eingangstür eine Toilette und Dusche. Die Toilette hat eine Wohnmobil übliche Chemie-Kassette, die von außen wechselbar ist. Ein Vorhang sorgt – theoretisch – für Diskretion. Wir haben nicht vor, sie zu benutzen. Der eine macht das Frühstück, während der andere direkt daneben … :lol:

Man kann in der Ecke mit der Toilette sogar duschen. Brause und Haken an der Wand sind vorhanden. Auch das werden wir nicht nutzen. Damit das Duschwasser ablaufen kann, muss der Wagen nach hinten geneigt sein. Entsprechende Ausgleichs-Keile gehören zur Ausstattung. Eine Überschwemmung scheint mir vorprogrammiert. Seifiges Duschwasser vermengt sich mit dem Sand, den man ständig in den Eingang schleppt. Nein, wir verzichten und duschen aus dem Gummieimer. Ist einfacher.

Unser „Bad“ – umgestaltet zum Hauswirtschaftsraum. Für Schuhe, Mülleimer und Handfeger. Perfekte Nutzung.

Das Bad ist von oben und vorne zu öffnen. An der Decke die Schiene für den Vorhang. Der ist hinten in der Ecke zusammengequetscht.

Ausgleichskeile sind vorhanden. Die nutzen wir, damit der Wagen grade steht und eben nicht abschüssig, damit die Dusche ablaufen kann. Das hätten wir mit dem Dachzelt auch häufig gut gebrauchen können. So manches Mal sind wir übereinander gerollt im Zelt.

Bay of Fires

15. – 16. Februar 2026; Australien/Tasmanien/Binabong und Ansons Bay; Tag 8+9, Tageskilometer 125+46, gesamt 517 km

Wir fahren weiter Richtung Norden an der Küste entlang. Städte gibt es jetzt nicht mehr, die Dörfer werden kleiner. Unser Ziel ist ein fünfzig Kilometer langer Strandabschnitt: die sogenannte ‚Bay of Fires‘. Das ist einer dieser Orte, bei denen man denkt: „Das kann doch nicht echt sein.“ Weißer Sand wie Puderzucker, Wasser in Karibikfarben und dazwischen liegen knallorange Felsen herum. Als hätte jemand mit dem Textmarker dekoriert.

Die Flechten

Knalliger Kontrast. Die Granitfelsen bestehen aus viel Quarz und sorgen für schneeweißen Strand.

Seychellen-Feeling

Die Flecken sind keine Malerei, kein Rost, sondern Flechten. Eine geniale Gemeinschaft aus Pilz und Alge. Der Pilz baut die Pflanzenstruktur und schützt vor Austrocknung, die Alge betreibt die Photosynthese und sorgt für Farbe.
Warum wachsen die Flechten gerade hier so intensiv?
Saubere Luft: Flechten sind empfindlich gegenüber Schadstoffen, Tasmanien liefert Bestbedingungen. Der Untergrund sind Granitfelsen: rau genug zum Festhalten, mineralisch passend. Salzige Meeresluft und Sonne sind Stress für andere Pflanzen. Ort und Gelegenheit für Flechten.

Sie wachsen extrem langsam, meist nur einen halben bis drei Millimeter pro Jahr. Die leuchtenden Flecken auf den Felsen können Jahrzehnte bis über 100 Jahre alt sein. Keine Wurzeln, kein Boden nötig, nur Licht, Luft und Zeit.
Der Name ‚Bay of Fires‘ sorgt für Verwirrung. Man erwartet Lava, Drachen oder zumindest ein Buschfeuer. Tatsächlich geht er auf die Feuer der Aboriginal People zurück, die europäische Seefahrer damals von ihren Schiffen aus gesehen haben.

Eine Postkartenfalle, man möchte „nur kurz schauen“, drei Stunden später klettert man noch immer zwischen den Felsen umher. Es gibt nicht den einen Spot. Wir fahren mehrere Punkte an und jeder Strand sieht aus wie der schönste des Landes.

Wir haben für vier, fünf Tage Proviant dabei. Unser erster Campingplatz liegt in der Binalong Bay. Noch über asphaltierte Straßen zu erreichen. Wir bekommen trotzdem ohne Anmeldung einen Stellplatz. Der Platz hat ein paar Makel, die viele Camper verscheuchen: keine Dusche, keinen Strom und nur ein Plumpsklo. Wobei „Klo“ wörtlich zu nehmen ist. Nicht mal Wasser zum Händewaschen gibt es.

Im Baumarkt kaufen wir einen Gummieimer zum Duschen. Eine Tupperdose dient als Schöpfkelle. Plus eine 1-Liter-Blumenspritze mit Druckpumpe. Damit kann man prima die Hände waschen und muss das nicht im Wohnwagen im Abwaschbecken erledigen. Geht auch gut, um die Füße einigermaßen zu entsanden. Camping :lol:

 

Eine Art Plumpsklo – mit Fusspumpe zum Spülen – aber nur wenn der Wassertank gefüllt ist. Alles einfach, aber okay und überraschend geruchsarm.

Die Lage ist der Hammer. Links ein langgestreckter Strand mit ungezähmten Wellen, rechts  – bei Ebbe – bilden sich türkise Buchten.

Wilder Strand zur linken Seite. So geht es endlos weiter. Bucht um Bucht.

Zahmer Strand rechts vom Campingplatz.

Baden ist für Mutige möglich, wenn man sich von 18 Grad Wassertemperatur nicht abschrecken lässt.

Die meisten, die baden gehen, schaffen es bis zum Bauch. Dann ist Schluss.

Das Wasser ist so kalt, dass sogar Pinguine erfrieren.
Dieser Zwergpinguin lag frisch angespült am Strand. Armer Kerl.

Das Hinterland direkt hinter den orangenen Steinen ist abgeholzt.

Einsame Farmer. Keine Orte weit und breit. Die glücklichen Angus-Rinder grasen im Hintergrund.

Nach einer Nacht fahren wir weiter Richtung Ansons Bay. Nur über fünfzig Kilometer Schotter zu erreichen. Die großen Wohnmobile haben wir abgeschüttelt. Auch die Besuchermengen. Ein Stellplatz, der glücklich macht. Nicht mal zur Hälfte belegt. Wohnen mit Meerblick. Vor schneeweißem Strand, der mit Hoch- und Niedrigwasser sein Gesicht verändert. Priele kommen und gehen. Sandbänke mit Möwen verschwinden wieder. Ein Farbenrausch.

Was wir im großen Australien nicht geschafft haben, gelingt in Tasmanien. Campen mit direktem Meerblick.

Sonnenaufgang. Das Wetter meint es gut mit uns. Viel Sonne.

Bei Ebbe wird schneeweißes Watt freigelegt. Ein Pril bleibt für kleine Boote befahrbar.

Im Unterholz am Ende der Lagune auf Schlangensuche

Kochen ist okay in der kleinen Pantry. Ich mache mir das Leben einfach und nehme zum Beispiel fertige Pizzasauce. Das spart tausend Gewürze.

Guten Appetit

Campingplätze: Null Euro :-)

Wineglass Bay

13. – 15. Februar 2026; Australien/Tasmanien/Coles Bay; Tag 5-7, Tageskilometer 207, gesamt 346 km

In vielen Ranglisten wird die Wineglass Bay unter die Top 10 der schönsten Buchten der Welt gezählt. Warum sie diesen Namen trägt, ist unklar. Ist es die perfekte Sichel, die an einen Weinkelch erinnert? Oder stammt der Name aus einer weniger romantischen Vergangenheit — vom Blut der Wale, die hier früher abgeschlachtet wurden und das klare Wasser wie Rotwein färbten?

Um die Bucht zu sehen, muss man sich einen Berg über etliche Stufen hochschnaufen. Wir sind nicht allein. Viele Besucher wollen diesen Blick. Zeitweise staut es sich förmlich. Und der Campingplatz-Wart hatte recht: Die Alten sind unterwegs. Das meistgesehene Wanderutensil sind Kniebandagen.

Wie Mönkebergstrasse

Umleitung für den Rückweg. Damit die Menschenmassen sich auf dem Weg nicht begegnen, gibt es für den Rückweg eine andere Strecke. 250.000 Besucher jährlich auf der Strecke. Alle heute da.

Die Alten sind unterwegs – und Achim! Mit zwei Kniebandagen. Hilft ihm sehr, sagt er.

Für die perfekte Sicht ist das Wetter heute nicht optimal. Die Sonne schafft es nicht durch die Wolken. Der weiße Sand will nicht leuchten. Auch der Blickwinkel ist nicht ideal. Die spektakulären Fotos dieser ikonischen Bucht entstehen meist aus der Luft.

Wineglass Bay – so versprechen es die Prospekte. foto credit: Luke Tscharke (freycinet.co.au)

Wineglass Bay wie es alle sehen.  Wenn wir nicht so segelfaul wären, könnten wir da unten ankern.

 

Die Wineglass Bay liegt im Freycinet Nationalpark auf einer verwinkelten Halbinsel. Überall tauchen überraschend neue Buchten auf. Besonders die Honeymoon Bay mit ihren rosa Granitfelsen gefällt uns. Nur noch als Attraktion dritten Grades gehandelt, ist es hier angenehm leer.

 

Honeymoon Bay

Extrem klares Wasser – übersät mit Austernschalen, vereinzelt Jakobsmuscheln dazwischen und Miesmuscheln.

Zwischen Selfies, Kniebandagen und den fließenden Besuchermassen merkt man aber immer noch, dass Freycinet hält, was die Listen versprechen. Die Buchten sind wild, rosa, türkis — und trotz aller Menschen noch nicht gezähmt.

Granitberge versperren noch den Blick auf die Wineglass Bay.

Tolle Aussichten auf tolle Buchten im gesamten Nationalpark.

Das ist kein Hof der Wohnwagen verkauft. Das ist der Campingplatz mit Wineglass Bay Besuchern. Es ist proppe voll …

– Campingplatz 33,50 Euro pro Nacht, powered.

 

Talk über einen 4×4 als Mietwagen

Als wir uns für Tasmanien begeistert haben, war schnell klar: Wir möchten ein Off-Road-Auto. Kein unbewegliches Wohnmobil, mit dem man schlecht parken und wenden kann. Wir wollten unsere Freiheit auch über zwölf Kilometer Schotter hinaus.
Wir dachten: Wer einen 4×4 mietet, sei frei. Falsch gedacht.
Auf Nachfrage bekamen wir den Hinweis, dass es für Ungeübte gar nicht so einfach sei, „off road“ zu fahren. Schwere Forstfahrzeuge könnten uns begegnen. Die Straßen seien schmal und hätten steile Schultern. Äste würden im Weg hängen.
Etwas umständlich formuliert stand dort im Grunde, auch mit einem Allradfahrzeug dürfen wir nur auf Asphalt unterwegs sein.

In der Zwischenzeit hatte ich schon tolle Wege abseits der Highways gefunden. Die sollten es nun auch sein. Achim hatte sich längst auf 4×4 eingeschossen.
Also habe ich die Strategie gegenüber der Vermietung geändert.
Beiläufig unsere Runde durch Australien erwähnt.
Zugesagt, dass wir weder an den Strand noch durch Flüsse oder „echte“ Off-Road-Strecken fahren würden. Wobei offen blieb, was Off-Road eigentlich bedeutet. Das ist ungefähr so schwammig wie „Outback“. Jeder versteht etwas anderes darunter. ;-)
Zusätzlich habe ich die von uns gewünschten Straßen namentlich genannt, damit der Vermieter überhaupt versteht, was wir vorhaben. Das alles hat geholfen. Wir bekamen die Erlaubnis, auf unbefestigten Straßen zu fahren. Sehr gut.

Eine Einschränkungen ist geblieben: Bei einem Überschlag stehen wir in der Vollhaftung.
Da wir das nicht vorhaben und das Risiko für kalkulierbar halten, haben wir uns für den Off-Roader entschieden.

Unsere erste Schotterpiste – 40 Kilometer Wald, statt 80 Kilometer Highway. Könnte auch jedes Wohnmobil fahren, ist aber nicht erlaubt.

Die Frau in der Vermietung hat natürlich Recht. Wie auch in Festland-Australien, kann man schon mal in Schieflage geraten. Bei dem kopflastigen Auto, muss der Fahrer aufpassen. :mrgreen: Der Bundy war da einfacher zu kontrollieren.

Überraschende Touristen-Schwemme

11. Februar 2026; Australien/Tasmanien/Sunset Beach Holiday Spot; Tag 4, Tageskilometer 60, gesamt 139 km

Von Port Arthur fahren wir in den Fortescue-Nationalpark. Einen Parkpass (56 Euro, für zwei Monate gültig) haben wir gleich bei der Autovermietung mitbestellt.
Bis zum Campingplatz sind es nur achtzehn Kilometer. Davon sind zwölf nicht asphaltiert. Angeblich zwölf Kilometer! In echt sind es dreizehn. Das ist ein Trick. Die meisten Autovermietungen sowohl in Australien als auch in Tasmanien erlauben, nur zwölf Kilometer Gravel Road mit nicht 4×4-Wagen zu befahren. Und das auch nur, wenn der Weg unmittelbar zu einer Sehenswürdigkeit oder einem Campingplatz führt. Bei dreizehn Kilometern ist man als Mieter sofort in der Vollhaftung.

Die Straße ist für alle Fahrzeuge leicht zu befahren. Es staubt nicht mal richtig australisch. Der Fortescue-Nationalpark ist sehr beliebt. Landschaftlich der Hammer und nahe an Hobart gelegen. Und dank der 12-Kilometer-Mogelei für Wohnmobile ebenfalls erreichbar.
Und dann passiert uns, was in Australien in 14 Monaten nur ein einziges Mal vorgekommen ist: Der Platz ist ausgebucht! Keine Chance für uns, dass wir uns irgendwo dazuquetschen. Oh-hah.

13 Kilometer Gravel Road – machbar auch für Wohnmobile. Leider ;-)

Ganz am Rand können wir noch einen Blick auf den Fortescue-Nationalpark erhaschen.

Wir schauen in Wiki-Camps, der Camping-App für Australien, nach Alternativen. Die gibt es an der Küste reichlich. Die Entscheidung fällt auf Maria Island. Eine autofreie Insel. Ebenfalls sehr beliebt und Touristenmagnet.
Ein Blick in das Personenfähren-Buchungssytem sorgt für Ernüchterung. Alle Fährtouren sind für die nächsten sechs Tage ausgebucht. Och-nee.
Die Ferien sind doch vorbei. Was soll das? Wir schlucken die Kröte. Was können wir machen? Nichts! Fortescue und Maria Island streichen wir von der Liste.

Wir suchen uns einen x-beliebigen Campingplatz, um uns neu zu sortieren. Der Camp-Wart legt noch eine Schippe drauf: „Wenn die Ferien vorbei sind, dann kommen die Alten. Die Saison dauert noch mehr als vier Wochen. Und achtet drauf, ein langes Wochenende steht vor der Tür, dann ist alles richtig voll.“ So ein Scherzbold.

Beliebiger Platz direkt am Strand – eine gute Wahl. Der Wind von gestern hat zugelegt, es ist frostig.

Wir haben angenommen, dass Tasmanien noch in einem Touristen-Tiefschlaf steckt. Neuseeland wurde in den letzten zwanzig Jahren überlaufen. Das wussten wir.
Aber wer fährt schon nach Tasmanien? Jetzt wissen wir es: Es sind die Festland-Australier, die zu ihren zweiköpfigen Brüdern kommen. Über 90 Prozent der Touristen sind Aussies.

Wir aktivieren eine Telefonkarte, die wir in einem Gemischtwarenladen kaufen konnten. Aus Erfahrung wissen wir, dass die Buchungssysteme der Campingplätze häufig ‚ausgebucht‘ zeigen, dass aber per Telefon die Lage ganz anders aussieht.

Bei Highlight Nummer drei auf der Ostseite sind wir per Telefon tatsächlich erfolgreich. Das Online-System zeigt ‚voll‘, aber die Dame hat noch einen Platz für uns: „Ohne Wohnmobil kein Thema, wir haben zwei Plätze, die klein sind.“
Wir gratulieren uns zu unserer Karre.
Morgen also Wineglass Bay. Eigentlich ausgebucht! Geht doch.

– Campingplatz 12 Euro ohne Strom

Auto Talk – ein paar Details über unser neues Zuhause

Unser Wagen ist klasse. War die Übergabe auch speziell, so gibt es sonst nichts zu meckern. Mückengaze vor den Fenstern. Alles, was man zum Kochen benötigt, ist dabei. Sogar einen Gurkenhobel und Sparschäler. Ein Starterkit mit Lappen, Müllbeuteln und Geschirrspülmittel. Handfeger und Schaufel.
Die Töpfe sind albern klein. Damit kann man nicht einmal ein Pfund Nudeln kochen. Aber wir sind sehr zufrieden.

Wenn man die vier Stufen hoch klettert, steht man direkt im „Wohnraum“. Kühlschrank, Spüle, Schubladen und Schränke mit Geschirr. Pass gut. Neben dem Kühlschrank eine von zwei Sitzbänken.

Der Blick vom Bett aus: Viel Ablagefläche. Im Schrank darüber finden alle Kleinigkeiten Platz, wie Salz, Öl und so weiter.

Der Tisch vor dem Bett, zum Ausziehen, aber ohne Stütze. Erst dachten wir, das hält gar nicht. Aber die Platte ist sehr lang und sehr dick. Alles fein.

Das Bett ist bequem und lang genug, da wir nicht quer zum Auto schlafen. Gasheizung, 80 Liter Frischwasser und Warmwasseraufbereitung inklusive.
Die Puppenstube ist ein Raumwunder. Unsere Klamotten, Handtücher und persönlichen Sachen sind wir spielend losgeworden. In den Außenfächern lagern bequem die beiden Koffer. Und ein Karton Bier. ;-)

Das Bett. 1,40 Meter breit. Passt gut für uns. Links und rechts sind Klappen mit viel Stauraum-Volumen. Natürlich bekommen wir die Decke nicht wieder so glatt, somit kann man die Schränke rechts und links nur öffnen, wenn man die Decke runterdrückt. Kleinigkeiten.

Die eine Außenklappe. Wie durch ein Wunder passen zwei Kartons aus dem Supermarkt und der Bierkarton genau neben einander. Besser kann man es nicht machen. :mrgreen: Lager für Obst und Gemüse und Konserven.

Tassie – ein schauriger Start

8. bis 10. Februar 2026; Australien/Tasmanien/Port Arthur; Tag 1 bis 3, Tageskilometer 76

Erst um 22:00 Uhr landen wir in Tasmanien. Macht nichts, unsere Unterkunft weiß über ‚late arrival‘ Bescheid. Eine perfekte Wahl. Ein paar Details dazu siehe unten.***
Die Übergabe vom Auto darf sich nicht Übergabe nennen: ***
Macht nichts, es scheint alles zu funktionieren. Da wir wissen, in welchen Supermärkten wir gut einkaufen können und das Puppenstubenauto komfortabel einzuräumen ist, sind wir bereits drei Stunden später auf der Straße.

Unser würfelförmiges Heim für die nächsten 4,5 Wochen. Nicht länger als ein normaler Geländewagen. Agil und passt überall hin.

Wegen schlechten Wetters im Westen disponieren wir um und düsen nach Osten. Wir wählen Port Arthur, nur 76 Kilometer entfernt. Auf dem Campingplatz kurz ein Schreck: ausgebucht! Da unser Wagen aber so klein ist, bekommen wir noch ein Plätzchen, wo die Dicken schlecht einparken können. Wir buchen zwei Nächte.

Es geht tierisch los!

Erste Tier-Begegnung auf dem Campingplatz – ein Potoroo. Niedliche Kängurus mit sehr kurzen Armen.

Ein Ameisenigel – Echidna

Gelbbauch-Sittich

Zu Fuß gehen wir am nächsten Morgen zwei Kilometer zum Gefängnis. Port Arthur war eines der berüchtigtsten Zuchthäuser des britischen Empires. Heute wirkt es malerisch, verbirgt aber eine dunkle Geschichte psychologischer Experimente. Ein abschreckendes Beispiel, zu welchen Scheußlichkeiten Menschen fähig sind.

Das Hauptgefängnis

Nach dem Unabhängigkeitskrieg in Amerika musste England sich einen neuen Verschiffungsort seiner Gefangenen suchen. Australien lag auf der Hand. Ab 1803 begann der Transport auch nach Tasmanien.
Das größte Gebäude der Anlage von Port Arthur war ursprünglich kein Gefängnis. Es wurde zunächst als Getreidemühle und Speicher gebaut. Da die Mühle jedoch nie effizient funktionierte, baute man sie in einen Zellentrakt für Hunderte Gefangene um.

Der jüngste Insasse war James Lynch. Gerade neun Jahre alt. Er wurde verurteilt, weil er Spielzeug gestohlen hatte. Für diesen geringfügigen Diebstahl wurde er zu sieben Jahren verurteilt. Er war kein Einzelfall. Viele Kinder wurden für das Stehlen von Essen oder Taschentüchern ans andere Ende der Welt verschifft. In Port Arthur  sollten sie durch harte Arbeit „reformiert“ werden. Die psychische Belastung ist für Kinder in diesem Alter kaum vorstellbar. Was für eine Ironie, ausgerechnet eine Getreidemühle – Symbol für Leben und Nahrung – zum Ort für psychologische Folter wurde.

Auch bei erwachsenen Gefangenen setzte man zunächst auf das bewährte Prinzip der harten Arbeit. Die Sträflinge schufteten in Steinbrüchen, Holzwirtschaft oder Schiffsbau. Auspeitschungen waren der Lohn für schlechtes Betragen.

Ehemalig vierstöckig. Zwei Brände haben nur noch die Fassade übrig gelassen.

Die Zellen waren winzig. Achim hätte nicht ausgestreckt darin liegen können.

Reste vom Hospital und Irrenhaus.

Mitte des 19. Jahrhunderts änderte man die Strategie: weg von der Peitsche, hin zur psychologischen Zermürbung. Ein zusätzliches Gefängnis wurde gebaut. Im sogenannten ‚Separate Prison‘ herrschte absolute Schweigepflicht.

Um die Isolation zu perfektionieren, durfte es absolut keine Geräusche geben. Die Wärter trugen über ihren Stiefeln Überzieher aus Filz, damit sie lautlos wie Geister durch die Korridore gleiten konnten. Untereinander kommunizierten die Wärter per Handzeichen. Ein Gefangener wusste nie, ob ein Wärter gerade direkt vor seiner Tür stand und ihn durch den winzigen Spion beobachtete oder ob er allein war. Diese ständige Paranoia, beobachtet zu werden, ohne etwas zu hören, war Teil der Folter.

Grundriss vom ‚Seperate Prison‘.

 

Wenn Gefangene ihre Zellen zum Gottesdienst verlassen mussten, trugen sie Masken aus schwerem Stoff mit Sehschlitzen. Damit sie niemanden sehen oder von jemandem erkannt werden konnten. In der Kapelle saßen die Häftlinge in Einzelboxen, die so konstruiert waren, dass sie nur den Prediger sehen konnten, aber keinen ihrer Mitgefangenen.
Da die totale Isolation viele in den Wahnsinn trieb, wurde direkt neben dem Gefängnis eine Irrenanstalt gebaut.

In Ställen, getrennt von einander durch zwei Meter hohe Wände, durften die Sträflinge im Stehen dem Gottesdienst lauschen. Wahrscheinlich trotzdem eine Wohltat endlich eine menschliche Stimme zu hören.

Der Blick von der Kanzel auf die engen Einzelzellen für die Gefangenen. Es geht doch nichts über barmherzige Priester.

Für die schlimmsten Vergehen innerhalb des Gefängnisses gab es die Dunkelzelle im  ‚Separate Prison‘. Sie war absolut lichtdicht und schallisoliert. Gefangene wurden dort teilweise tagelang in völliger Schwärze und Stille gelassen.
Viele verloren dort nach nur 48 Stunden das Zeitgefühl und den Verstand.

Das Gefängnis wurde 1877 geschlossen.
Kaum waren die Tore geschlossen, kamen die ersten Sightseeing-Besucher. Die Menschen waren fasziniert von den Ruinen und dem Schauer der Vergangenheit. Die Einheimischen begannen schnell, Führungen durch die Zellen anzubieten.

Schon in den 1920er Jahren gab es Hotels und Cafés direkt auf dem Gelände oder in unmittelbarer Nähe. Das ehemalige Wohnhaus des Kommandanten und andere Gebäude wurden als Gästehäuser genutzt.
Heute ist es eine der meistbesuchten Sehenswürdigkeiten Australiens und gehört seit 2010 zum Weltkulturerbe.

Die Kirche für die Wächter und andere Angestellte der Anlage.

Das Gefängnis Ende des 19ten Jahrhunderts. Port Arthur glich eher einer Stadt. Mit Unterkünften für die Wärter, einer Kirche, Obstgarten und Laundry.

Da viele Gebäude durch Buschfeuer (1895 und 1897) zerstört wurden, wirkte der Ort wie eine romantische, mittelalterliche Ruinenlandschaft, was den Tourismus noch mehr ankurbelt.
Und wir mitten drin. Wir verbringen einige Stunden in dem weitläufigen Gelände. Viele Beschriftungen informieren über Details. Mir gefällt, dass es viele Tafeln mit dem Einzelschicksal namentlich genannter Sträflinge gibt. Somit ist der junge James Lynch heute ein bekannter Name in Australien.

 

*** Unsere Unterkunft, das ‚Twelve 30‘, hat bei Booking.com eine 9,8-Bewertung. Das ist außergewöhnlich hoch. Der Preis ist mit 135 Euro pro Nacht kein echtes Schnäppchen, aber da Frühstück enthalten ist und wir von dort aus zu Fuß zur Abholung vom Mietwagen gehen können, fällt die Buchungsentscheidung leicht.

Freitag vor unserem Abflug bekommen wir eine Mail vom Auto-Vermieter, dass Montag die Übergabe nicht nahe dem ‚Twelve 30‘ stattfinden wird, sondern am Flughafen.
Wie blöd sind die denn? Hätten wir das gewusst, dann hätten wir ja ein Zimmer am Flughafen gebucht. Ein Telefonat mit dem Autovermieter kurz vor Feierabend vor dem Wochenende bringt keine Lösung. Es bleibt beim Flughafen-Treffpunkt.

Montag war ein Feiertag in Tasmanien. Das wussten wir. Dafür haben wir extra eine Gebühr (38 Euro) für die Autoübergabe am Feiertag zahlen müssen. Da der Flug aber an diesem Tag günstig war und alle Geschäfte geöffnet haben, waren wir einverstanden.

Morgens beim Frühstück versucht Achim einen Uber zu bestellen. Gestern Abend haben wir natürlich keine Sim-Karte mehr kaufen können, sind also ohne australische Telefonnummer. Das finden Uber- und Taxidienste doof.
Da taucht plötzlich Michelle, unsere Gastgeberin, auf, die gleich im Haus nebenan wohnt. Eine liebenswerte ältere Dame. Wir sprechen über dies und das. Erhalten Tipps, was wir unbedingt besichtigen sollten. Reizend.
Achim fragt, ob sie für uns ein Taxi bestellen könnte. „Kein Problem. Das braucht ihr nicht, ich fahre euch zur Übergabe.“ Wir vergeben 10 von 10 Punkten.

Alles in Pastell gehalten, Blumenmuster, romantisch, englisch. Sehr hübsch.

Das Frühstück: selbstgebackenes Brot, Feigen aus dem Garten, selbstgemachte Marmelade (Rosmarin/Aprikose und andere Exoten), frischer Joghurt, Chutneys und und und

Die Übergabe auf dem Parkplatz beim Flughafen ist ein Witz. Eine Frau übergibt uns die Autoschlüssel. „Don’t ask me questions about the fu..ing car. I have no clue. Wenn ihr etwas über das Auto wissen wollt, müsst ihr die Notfallnummer vom Vermieter anrufen.“
Mit dem Vertrag der Vermietung haben wir einen Link bekommen für ein You-Tube-Video über die Besonderheiten des Wagens. Wir versuchen, uns zu erinnern, was dort gezeigt wurde. Läuft einigermaßen mit der Erinnerung.
Ich mache Fotos von allen Lackschäden und Kratzern an der Einrichtung innen. Das macht ein komisches Gefühl.
Wofür die Feiertags-Gebühr erhoben wurde, erfragen wir dann bei der Rückgabe.

Auf nach Tassie!

8. Februar 2026; Neukaledonien/Nouméa; Tag 4.271

Tasmanien gehört vollumfänglich zu Australien. Allerdings wurde die kleine Insel im Südosten früher auf Karten einfach weggelassen. Das ging so weit, dass bei den Commonwealth Games 1982 – den britischen olympischen Spielen – tanzende Kinder bei der Eröffnungszeremonie die Form von Australien bildeten, aber Tasmanien fehlte. Damals waren die Tasmanians sauer. Heute ist es ein Volkssport, Karten zu sammeln, die Tassie „vergessen“ haben.

Tassie wird das Land genannt, Tasmanians sind die Bewohner. Von den Festland-Australiern auch ehrfürchtig Taswegians genannt: wettergegerbte Einsiedler wie die Norweger. Wikinger, die gemacht sind zum Überleben in der kalten Wildnis.
Will der Australier lästern, nennt er die Tasmanier „Two-headers“. Das ist ein fieser Witz vom Festland. Die Insel sei so klein und isoliert, dass dort alle miteinander verwandt wären. Daher hätten die Tasmanier angeblich zwei Köpfe. Oder zumindest eine Narbe am Hals, wo der zweite Kopf entfernt wurde.
Die Ostfriesen in Oz, sozusagen.

Tasmanien hat die Größe von Bayern. Ungefähr 300 mal 300 Kilometer in der maximalen Ausdehnung. Keine 600.000 Einwohner. Es gibt Tasmanische Teufel, diebische Gänse und ein unterirdisches Museum. Es vergeht kein Monat, in dem nicht einer der „Two-Headers“ einen Tasmanischen Tiger gesehen haben will. Somit gibt es vielleicht doch noch eine klitzekleine Chance, dass auch wir auf einen stoßen. ;-)

Da fliegen wir nun hin. Gleich geht es los. Gute drei Stunden Flug nach Sydney und dann ein kleiner Hüpfer nach Hobart. Unseren 4×4-Camper haben wir für 32 Tage gemietet. Zum Ende der Mietzeit wurden die Tage immer günstiger, da konnten wir nicht widerstehen. Ausreichend Zeit, um die Insel zum umrunden. Und auch mal einen Regentag aussitzen zu können.

So in etwa soll unsere Route aussehen. Los geht es in Hobart, im Süden, beim roten Punkt.
Geplant ist im Uhrzeigersinn zu fahren, allerdings sind die Vorhersagen für den Westen für die nächsten Tage „geht so“. Also kann es passieren, dass wir uns kurzfristig umentscheiden.

Atanga haben wir einen Aufpasser besorgt. Pierre wurde uns von der Marina empfohlen. Er hat einen Charterbetrieb und wohnt selber in der Marina. Das Mooring-Getüddel im Falle eines Zyklons ist ihm bestens vertraut. Er würde im Fall der Fälle Atanga nach Vorschrift vertäuen.

Alles, was sich bei viel Wind losjackeln könnte. hat Achim verzurrt. Zusätzlich auch das Bimini abgebaut.

Das Dinghy ist ebenfalls festgezurrt. Die dicken Tampen für eine eventuelle Mooring-Aktion liegen bereit.

 

Die Vertäung der Boote im Falle eines Zyklons – alle Boote rücken zwei Meter vom Steg ab.

Darum würde Pierre sich kümmern.

Zusätzlich guckt er einmal in der Woche ins Schiff, ob alles in Ordnung ist. Ein Vertrag steht (200 Euro kostet sein Service) und wir sind zuversichtlich, dass er alles zu unserer Zufriedenheit erledigen wird. Kommt kein Zyklon, dann bleibt Pierre arbeitslos – uns wäre das ohnehin am liebsten.

Wir sind dann mal weg, Tasmanische Tiger jagen!

Butter bei die Starlink

4. Februar 2026; Neukaledonien/Nouméa; Tag 4.267

„Game Changer“. „Internet Revolution“. „Lebensveränderer“.
Von Langfahrtseglern (und Campern) bekommt Starlink viele ehrfürchtige Bezeichnungen.

Wir haben seit neun Monaten Starlink im Einsatz. Neun Monate ohne Sim-Karten, ohne WLAN-Suche, ohne Gigabyte-Panik. Die Technik hat unser Leben an Bord verändert – mehr als erwartet.

Die Hardware
Wir haben uns für Starlink „Mini“ entschieden.

 

Starlink Standard
Starlink Mini

Maße
59 x 38 cm;
Familienpizza-Karton
30 x 25 cm;
DIN A4-Format

Gewicht
3.2 kg; Schleppfaktor
1.1 kg; Leichtgewicht

WLAN
(Wi-Fi 6); Empfang noch auf dem Nachbarschiff möglich
(Wi-Fi 5); reicht fürs Vorschiff

Router
Extern; Kabelsalat plus wohin mit dem Router?
Intern; alles in der Platte versteckt

Watt
Hungrig (75 Watt)
Diät-Modus (25 Watt)

Speed
„Gib ihm!“ (300+ Mbit/s)
„Reicht locker!“ (150 Mbit/s

Empfang
Sturmfest:
Empfang auch bei Unwetter und Schnee
Schönwetterfreund: Empfang bei dicken Wolken schon mal wackelig

Hitze
Auch für 45 Grad im Outback gemacht
Soll bei praller Sonne auch mal drosseln

Der eingebaute Router hat den Vorteil: keine Kabel, kein zusätzlicher Kasten. Unser hat allerdings eine kleine Macke. Gelegentlich schaltet er einfach ab und kippt uns aus dem Internet. An- und Ausschalten hilft. Manchmal braucht es drei Versuche. Der Eindruck verdichtet sich, dass es vermehrt auftritt, wenn andere Starlink-Antennen in der Nähe sind.
Wer hat ebenfalls eine Mini und kennt dieses Phänomen? Oder haben wir einen echten Montags-Starlink an Bord?

Die Installation
Auf den meisten Booten bekommt der Starlink eine Installation am Heck. Auf mehr oder weniger eleganten Trägern ragt dann das Ofenblech in den Himmel. Durch unser Mittelcockpit ist der Weg zum Heck lang und verbaut. Ein Plätzchen hätten wir am Heckträger wohl noch gefunden, aber für die Stromversorgung wären einige Baumaßnahmen erforderlich gewesen.

Installationsvarianten. Auf langer Stange, mehr als prominent, oder geschickt am Heckträger angebaut.

Daher hat Achim experementiert: Unsere Antenne steht im Cockpit auf einem der beiden Ablagefächer neben dem Niedergang. Verdeckt von Bimini, halb verdeckt von der Sprayhood. Je nach Segelkurs sind sogar noch Baum und Mast im Weg.

Unsere Mini steht im Cockpit auf einer Antirutsch-Matte. Das funktioniert auch auf See. Zusätzlich sichern wir sie am Aufstellfuß mit einem Bändsel.
Die Stromversorgung verschwindet in der Klappe und kommt direkt aus der Navigation über dem Niedergang. Schöne, kabellose Lösung.

Zum Verstauen hat Achim unter die Klappe eine Einschubvorrichtung geschraubt. Ganz simpel gehalten aus Holzleisten und einem Kunststoff-Schneidbrett.
Klappe zu – Starlink weg.

 

Eigentlich möchte die Mini freie Sicht zu ihrem Satelliten. Bei uns funktioniert die Verbindung trotz Abdeckung erstaunlich gut. Nur, wenn alles gegen uns steht, dann geht der Empfang tatsächlich in den Keller. Wer Starlink zum Arbeiten benötigt, wird diese Lösung vermutlich nicht lieben. Für uns als geplagte WLAN-Nutzer funktioniert es.

Die Mini hat keinen Motor und muss manuell zum Satelliten ausgerichtet werden. Nach jeder Wende und jedem Kurswechsel erneut. Da haben wir kurze Wege. Statt auf See ans Heck stolpern zu müssen, können wir bequem vom Cockpit die Antenne ausrichten.
Einen weiteren Haken hat diese Installation. Unsere Mini-Antenne fiept. Ich taube Nuss höre das Geräusch nur äußerst selten. Aber Achim ist schon mal etwas genervt davon.

Der Stromverbrauch
Der größte Vorteil für uns ist der niedrige Stromverbrauch. Zeitgleich mit dem Starlink ist eine Lithium-Batterie (für unsere kleine Verbraucherbank) an Bord gekommen. Solar und Wind bringen genug Strom rein, dass wir am Anker die Antenne Tag und Nacht durchlaufen lassen könn(t)en. Auf See haben wir durch die Navigation und Funk zusätzliche Verbraucher. Somit schalten wir beim Segeln den Starlink nur stundenweise ein.

Verträge und Kosten
An diesem Punkt muss gearbeitet werden. Transparenz wird von Elon klein geschrieben.
Das Internet ist voll mit Fragen zu Tarifen, Kündigungen und Laufzeiten. Je nachdem, wo man die Antenne kauft, gelten andere Tarife. An Land gelten andere Verträge als auf See. Ein Dschungel.

Wir haben unsere Antenne in Australien aktiviert. Um im Küstenbereich – bis zwölf Seemeilen – Starlink nutzen zu können, mussten wir den Tarif „Roaming unlimited“ wählen.  Für 112 Euro (195 AUD) im Monat.
Nachteil: Außerhalb der 12-Meilen-Zone schalten „Roam-Tarife“ ab. Wir haben bei der Überfahrt nach Neukaledonien den „Ocean Modus“ dazu gebucht. Dieser Tarif wird nach Einheiten berechnet: 1,83 Euro pro verbrauchtem Gigabyte. Es soll Gebiete geben, da muss man komplette Ocean-Pakete kaufen. Gigabyte, die man auf See nicht verbraucht hat, verfallen. Bei uns wurde exakt abgerechnet. Angeblich haben wir während der zehntägigen Überfahrt 25 GB verbraucht. Das kommt uns realistisch vor.

Starlink in Neukaledonien
Bei der Ankunft in Neukaledonien haben wir den „Ocean“-Tarif gekündigt und laufen seitdem auf dem australischen „Roam“. Örtliche Sim-Karten sind grausam teuer. Fünfzig Euro im Monat für 25 GB. Da fiel die Entscheidung recht leicht, Starlink einfach durchlaufen zu lassen.

Sobald man länger als zwei Monate in einem neuen Land bleibt (Umzug von Australien nach Neukaledonien), erwartet Starlink, dass man seine Service-Adresse ändert. Macht man dies nicht, kann der Dienst unterbrochen werden.
Wir haben dies komplett ignoriert, denn Neukaledonien bietet gar keinen Starlink-Service an. Der Hauptakteur ist das OPT-NC, ein staatliches Unternehmen, das in Neukaledonien ein gesetzlich verankertes Monopol auf Telekommunikation unterhält. Und die OPT-Leute mögen Starlink gar nicht gerne, da ihre Einnahmen durch die US-Konkurrenz gefährdet werden.
Neue Antennen kann man in Neukaledonien nicht aktivieren. Unsere Liegenachbarn laufen auf Fiji, Neuseeland oder Australien.

Wir haben in den ersten Monaten immer damit gerechnet, dass uns der Starlink-Saft abgedreht wird. Aber nichts ist passiert. Der Dienst läuft tadellos durch.
Starlink respektiert in den meisten Fällen die nationalen Wünsche anderer Länder und verhängt ein „Geo-Fencing“. Klack, mit Überschreiten der 12-Meilen-Zone schaltet die Antenne ab. Südafrika ist so ein Beispiel.
Die Abkommen zwischen Neukaledonien und Starlink sind ausstehend. Elons Satelliten fliegen ungerührt über uns hinweg. Empfang jederzeit möglich.

Game Changer
Jawohl! Das darf man wohl behaupten. Wir können plötzlich streamen und brauchen nicht mehr die ewig alten Filme von Konserve zu sehen. Vorbei die Zeiten, in denen wir Gigabyte gezählt haben, um bis Ende des Monats auszukommen. Oder irgendwo vor einer Post gesessen haben, weil nur dort der Empfang möglich war. Auf See haben wir bessere Wetterinformationen. Ein echtes Sicherheitsplus.

Und die Kosten? Natürlich ist es teurer. Wir zahlen jetzt das Doppelte von dem, was wir vorher für Internet ausgegeben haben. Ist es perfekt? Nein!

Jeder Game Changer hat seinen Preis. ;-)

Video – Lagunenzauber in Neukaledonien

29. Januar 2026; Neukaledonien/Nouméa; Tag 4.261

Mal ehrlich: Nirgends ist es einfacher als in Neukaledonien, mal eben in traumhafte Ankerplätze zu verschwinden. Nur ein paar Seemeilen und man liegt einsam vor Anker oder an der Mooring.
Ist der Kühlschrank leer und der Robinson-Bart zu lang,  ist man ruck-zuck zurück in Nouméa. Mit französischen Supermärkten. Mit Baguette, Käse und Salami.
Eine Großstadt, aber nicht laut. Keine Schönheit, aber überall finden sich feine Ecken.

Die letzten acht Monate haben wir jetzt in einem Video zusammengepackt.
Viel Spaß beim Mitreisen und Genießen.

 

Statistischer Wind

22. Januar 2026; Neukaledonien/Nouméa; Tag 4.254

Das „große Rote“ hat sich nicht zu einem Zyklon aufgebauscht. Es stand zeitweise kurz davor, blieb aber letztendlich bei „Invest 96P“. Die Ankunft vor Ort hat sich um einen Tag verzögert, die Windrichtung war dadurch für Nouméa sehr glücklich.
Die Lage der Insel und die Berge nördlich von Nouméa haben in der Hauptstadt nur für Wind mit 20er Böen gesorgt. Im Norden fiel heftiger Regen, Straßen waren überflutet. Alles in allem ohne große Schäden für Neukaledonien. Auch für uns war es harmlos. Atanga bekommt Wind und Regen schräg von vorn. Wir können trocken im Cockpit sitzen.

Invest 96P ist dann mit hoher Geschwindigkeit Richtung Neuseeland gezogen. Dort vereinigt es sich gerade mit einem Tief aus Westen zu einer regenreichen Katastrophe. Die Kiwis rufen Warnstufe ‚rot‘ aus. Erdrutsche, überflutete Straßen, vermisste Personen. Ganze Landstriche auf beiden Inseln stehen unter Wasser. Von den Regenmengen, die pro Stunde fallen, ist diese Wetterkonstellation ein Top-3-Desaster-Kandidat für Neuseeland. Das tut uns sehr leid für Leute und Land; einige Regionen haben noch nicht die Schäden von Gabrielle aus 2023 vollständig beseitigt.
Wir sind heimlich ein bisschen froh, nicht in Neuseeland zu sein. Ein kleiner Versöhnungs-Gruß an Kiwi-Immigration an dieser Stelle. ;-)

Während alle Aufmerksamkeit auf Neuseeland gerichtet ist, hat sich im Norden von Neukaledonien „Invest 99P“ angeschlichen. Nur ein kleiner Knopf im Wolkenmeer. Schnell in der Entstehung, kaum Vorwarnzeit. Nur zwei Tage nach 96P erreicht uns erneut ein Tropical Storm.

Die nördliche Linie (lila und grün) steht für Invest 99P – vor zwei Tagen kaum erkennbar. Während das erste Tief auf dem Weg nach Neuseeland ist. [Foto credit: app zoom earth]

Die Windrichtung ist diesmal ungemütlicher für Nouméa. Während ich schreibe, brausen 35er Böen durch die Marina. Fallen schlagen an Masten. Es klappert, heult und pfeift. Atanga liegt mit Schräglage auf den Steg gedrückt. Erfreulicherweise nimmt der dicke Katamaran neben uns schon viel Winddruck raus.
In ein paar Stunden sollte der Spuk abgezogen sein.

P96 zieht Richtung NZ – P99 trifft ziemlich genau auf NC. [foto credit: app windy]

Wenn das kein Grund zum Jubeln ist. Die Zyklon-Saison für Neukaledonien dürfte damit beendet sein! Nach dem Doppel 96P und 99P ist Neukaledonien mathematisch gesättigt, oder? Ich nenne das einfach den ‚Pazifischen Erschöpfungseffekt‘.

Statistiker unter den Lesern? Stochastiker?  Ihr schweigt bitte still. Ich will nichts hören von: „Dem Ozean ist es völlig egal, ob er euch letzte Woche schon mal nass gemacht hat. Jedes Tief würfelt neu.“
Mein Invest-Würfelbecher ist leer. Ein Grund zum Jubeln. :-)

Da kommt etwas großes Rotes auf Sie zu

Freitag, 16.Januar 2026; Neukaledonien/Nouméa; Tag 4.248

Ein Tiefdruckgebiet rückt Neukaledonien auf die Pelle. Die europäischen und amerikanischen Wettermodelle sind sich einig: Neukaledonien wird direkt betroffen sein. Am Dienstag wird es uns erreichen. Das Tief ist kein Zyklon, es hat auch noch keinen Namen bekommen. Die Windvorhersagen sind einigermaßen moderat. Knapp fünfzig Knoten an der windigen Seite des Tiefs. Vierzig Knoten bei uns in der Marina.

Wir haben erste Maßnahmen getroffen. Unser Dinghy ist sturmfest verzurrt und die Vorsegel sind runter. Alles ohne Besorgnis, reine Vorsicht und, wenn wir im Februar Atanga alleine lassen, müssen wir das sowieso vorbereiten. Wir sind so cool wie unsere Nachbarschaft, die sich mit den Vorhersagen auskennt. Zumindest tun wir so. :lol:

Das Tief ist sehr groß und etwas zerfleddert. Die typische Zyklonspirale ist nicht stark ausgeprägt. Das ist gut. So wie ein Eiskunstläufer sich schneller dreht, wenn er seine Arme an den Körper legt, zieht auch ein kleines Tief Luftmassen auf engem Raum zusammen.
Nicht so gut ist die Hitzewelle, die Nouméa seit ein paar Tagen in Schweiß badet. Über 36 Grad warme Luft strömt aus Australien zu uns rüber.
Warme Luft kann mehr Feuchtigkeit speichern als kühle. Diese feuchtwarme Luft steigt auf, kondensiert und setzt latente Wärme frei. Diese Wärme heizt die Umgebungsluft weiter auf, lässt sie noch schneller steigen. Wir merken die Feuchtigkeit am eigenen Leib, der Schweiß strömt. Leider füttert dies ein Tief wie ein Turbolader. Innerhalb kürzester Zeit kann sich eine harmlose Depression zu einem Wirbelsturm entwickeln. Allen schweren Zyklonen in Neukaledonien ging eine Hitzewelle voraus.

Keiner weiß genau, wie sich das Tief in den nächsten vier Tagen entwickeln wird. Gesichert sind heftige Regenfälle. Diverse Warnseiten vor Ort informieren die Bevölkerung seit Tagen. Die blumigen Übersetzungen aus dem Französischen sorgen bei uns eher für Heiterkeit: „Zyklonische Saison. Die Erinnerung. Die Wacht. Neukaledonien weiß, was Stürme wert sind. Heute, selten stimmen Wettermodelle zu einem glaubwürdigen Szenario zusammen, ohne Sensationalismus (welche KI denkt sich solche Wörter aus?), aber mit Klarheit.“
Aha!

GFS sieht den direkten Überflug über Neukaledonien. Die Europäer meinen, dass wir nur gestreift werden.
In vier Tagen wissen wir mehr. Hoffentlich bleibt das „Ding“ recht harmlos. Wir sind da, wo der weiße Punkt ist.(Foto credit: predict wind)

Light- und Soundshow an Neujahr

01.Januar 2026; Neukaledonien/Nouméa; Tag 4.233

Nouméa hat in der Vergangenheit auf den Klassiker zum Jahreswechsel gesetzt: Feuerwerk!
Für 2025/2026 hat man sich etwas Neues ausgedacht. Eine Light- und Soundshow. Um 20:00 Uhr soll es losgehen auf der anderen Seite der Stadt. Eine Dreiviertelstunde Fußmarsch für uns. Diesmal sind wir essens-technisch vorbereitet. Die Ankündigungen informieren, dass es keine Fressbuden geben wird. „Bringen Sie alles für ein Picknick mit.“

Die Örtlichkeit ist gut gewählt. An einer langgezogenen Bucht gibt es genug Rasenflächen, dass alle Besucher einen Platz für ihre Decken finden. Und Besucher sind zahlreich gekommen. Dieses neue Ereignis möchte sich keiner entgehen lassen. Vollmundige Ankündigungen locken tausende Gäste an. „Wenn die Nacht hereinbricht, verschmelzen Musik und Licht zu einer einzigen Sprache …“

Über der Bucht scheint der fast volle Mond. Toller Platz für das Spektakel.

Wir erreichen die Bucht noch bei Tageslicht. Mit Sandwich und hart gekochten Eiern im Gepäck. Das Wetter ist gut. Auf der gegenüberliegenden Insel sind große Traversen aufgebaut. Mit Scheinwerfern und Leinwänden bestückt. Erste Laser zucken in der zunehmenden Dämmerung.
Lautsprecher stehen im Wasser, ebenfalls auf imposanten Gestellen. Leider ist es etwas zu windig, der schmale Streifen Wasser zwischen Insel und Bucht erzeugt keine perfekte Spiegelung der Lichter.
Welche Art Musik uns erwartet, wissen wir nicht. Das wurde nicht verraten.

Alle haben ihr Picknick dabei. Als es dunkel ist, bekommt man keinen Platz mehr. Gut besuchte Show.

Laser strecken ihre Finger in den Himmel. Vorne im Wasser stehen die Gestelle mit den Lautsprechern. Alles recht aufwendig.

Pünktlich geht es los mit einer Ansprache der Frau Bürgermeisterin. Dann erscheint ein Countdown auf den Leinwänden. Die Leute zählen aufgeregt mit. Bäng, ein Knall, alles liegt im Dunkeln. Dann rote Lichter, Laser und Blitze. „The Show must go on“, schmettert Freddy Mercury über die Bucht. Der Sound ist glasklar. Keine Übersteuerung, kein Kratzen. Das fängt vielversprechend an.

Auf den Leinwänden erscheinen psychedelische Spiralen und Muster.

Leider ist die Vorstellung dann enttäuschend. Die Musik baut weder aufeinander auf, noch passt sie überhaupt zusammen. Statt dramatischer Steigerungen hören wir ein musikalisches Chaos: Auf Queen folgen französische Schlager, danach ein Chanson, plötzlich Abba und Eurodance. Zum Schluss David Guetta mit ‚Titanium‘. Die Mischung wirkt eher wie eine zufällig gewählte Playlist eines überforderten DJs als wie eine durchdachte Show.“
Keine Gänsehautmomente. Die Show ist flach. Hinter den Lautsprecherboxen stehen Nebelmaschinen. Die sind zu klein. Der Effekt verpufft, dass die Laser sich im Nebel verlieren. Es steigen nur ein paar müde Nebelwolken auf.

Die Palmen auf der Insel sorgen für Atmosphäre.

Müde erreichen die Laser die Nebelwolken. Manchmal schimmert auf, wie es gedacht war.

Nach einer knappen Stunde ist die Vorstellung zu Ende. Die Begeisterung der Menge hält sich in Grenzen. Statt Verzauberung bleibt nur das Zusammenfalten der Picknickdecken. Stumm zockeln die Zuschauer zu ihren Autos.
Im Internet finde ich dann die komplette Ernüchterung. Die Veranstaltung wird von den Einheimischen zerrissen. „Nul – wertlos“, ist die überwiegende Meinung.
Schade. Die Idee ist toll gewesen. Der Ort perfekt. Vielleicht klappt es ja nächstes Jahr besser.
Ohne uns.

Nul – Die Internetbewertungen fallen schlecht aus.

Tschüss 2025 – willkommen 2026

01.Januar 2026; Neukaledonien/Nouméa; Tag 4.233

2025 hatte eigene Ideen mit uns. Zweimal wurden unsere Pläne kräftig durchgeschüttelt. Im Februar mein gebrochener Arm. Statt für Indonesien haben wir uns für Neukaledonien entschieden. Und dann ein Visum, das „nein“ sagte. Neuseeland war plötzlich auch gestrichen.

Pläne? Neu sortiert.
Routen? Umgelegt.
Das Leben findet jeden Tag einen Grund dafür. Nicht nur auf See. Jobs, Termine, Familienplanung. Alles ist im Fluss. Kaum hat man sich auf einen Kurs geeinigt, kommt ein Schelm von hinten und verändert die Route. Uns hat 2025 nach Nouméa geführt. Ganz so schlimm war das Jahr also nicht. Nur total konsequent darin, uns umzulenken.

Für 2026 wünschen wir Euch Gelassenheit bei Veränderungen und genug Humor, wenn Pläne Bord gehen. Ein glückliches neues Jahr für alle!

Unsere Pläne für 2026

Angesichts der erwiesenen Sinnlosigkeit von Plänen erscheint es verwegen, dass wir trotzdem welche haben.  :mrgreen: Einiges ist konkret, anderes noch schwammig.

Februar/März – Vier Wochen Wohnmobil auf der Südinsel waren geplant. Da wir Neuseeland nun ganz, ganz doof finden, verzichten wir auf weitere Annäherungsversuche. Eine Einreise per Flugzeug haben wir verworfen. Stattdessen haben wir uns etwas deutlich Spannenderes ausgedacht: Tasmanien! Der südliche Zipfel Australiens soll wie die Südinsel Neuseelands sein. Nur wilder, mehr Tiere, weniger Regen und überhaupt: viel besser. Ätschi bätschi!

Campervan und Flüge sind gebucht. Wir haben uns für einen 4×4 entschieden. Wissen wir doch, dass Australien für uns da am schönsten ist, wo man nur mit Vierrad-Antrieb hinkommt. :-) (foto credit: Autovermietung ‚AutoRent‘)

Spätestens Mitte Mai müssen wir Neukaledonien verlassen. Die zollfreie Schonfrist für Atanga läuft dann aus. Das passt gut, dann ist auch die Zyklonsaison zu Ende.
Bis zum Jahresende liegt eine ambitionierte Strecke vor uns.  Rund 5.000 (in Worten fünftausend) Meilen. Dafür haben wir knapp sieben Monate Zeit. Genau das Richtige für die segelfaule Bande hier an Bord.

Von Neukaledonien nach Malaysia gibt es zwei grobe Routen. Nördlich oder südlich von Papua-Neuguinea entlang. Der Unterschied sind 50 Meilen in der Länge.
Alles westlich von der Grenze durch Guinea ist Indonesien. Der größte Inselstaat der Welt.

Unser nächstes Ziel ist überschaubar. Bis Vanuatu sind es ungefähr 250 Meilen. Easy. Aktive Vulkane und verrückte Turmspringer stehen auf der Liste. Für Vanuatu sind 30 Tage geplant. Visaverlängerungen darüber hinaus haben den Ruf, „schwierig“ zu sein.

Unser Jahresendziel heißt Malaysia. Nach Vanuatu liegt der Streckenverlauf noch im Dunkeln. Indonesien ist riesig, tausende Kilometer lang und mit aufwendigen Visa-Regelungen behaftet. Die Route glänzt durch die komplette Abwesenheit von Ausweichländern. Hat man erst mal den Fuß auf indonesischen Boden gesetzt, muss man weiter. Unglückliche Gegenwinde ab November (Stichwort: ‚durch den Monsun‘) erleichtern die Planung nicht.

Die grobe Strecke durch das Inselgewirr von 17.000 Inseln ist vorgegeben. Die Details werden noch ergänzt, verworfen oder komplett ignoriert. Pläne sind gut, Umwege auch. Und meistens wird es genau da interessant, wo wir nicht hinwollten.
Fortsetzung folgt. Wie immer.

Wir freuen uns auf ein gemeinsames Jahr 2026 mit Euch. Vielen Dank, dass weiterhin so viele tapfer mit uns durch die Lande reisen und unsere Planänderungen verfolgen. Herzchen-Emoji.