Kategorie: Atanga

Light- und Soundshow an Neujahr

01.Januar 2026; Neukaledonien/Nouméa; Tag 4.233

Nouméa hat in der Vergangenheit auf den Klassiker zum Jahreswechsel gesetzt: Feuerwerk!
Für 2025/2026 hat man sich etwas Neues ausgedacht. Eine Light- und Soundshow. Um 20:00 Uhr soll es losgehen auf der anderen Seite der Stadt. Eine Dreiviertelstunde Fußmarsch für uns. Diesmal sind wir essens-technisch vorbereitet. Die Ankündigungen informieren, dass es keine Fressbuden geben wird. „Bringen Sie alles für ein Picknick mit.“

Die Örtlichkeit ist gut gewählt. An einer langgezogenen Bucht gibt es genug Rasenflächen, dass alle Besucher einen Platz für ihre Decken finden. Und Besucher sind zahlreich gekommen. Dieses neue Ereignis möchte sich keiner entgehen lassen. Vollmundige Ankündigungen locken tausende Gäste an. „Wenn die Nacht hereinbricht, verschmelzen Musik und Licht zu einer einzigen Sprache …“

Über der Bucht scheint der fast volle Mond. Toller Platz für das Spektakel.

Wir erreichen die Bucht noch bei Tageslicht. Mit Sandwich und hart gekochten Eiern im Gepäck. Das Wetter ist gut. Auf der gegenüberliegenden Insel sind große Traversen aufgebaut. Mit Scheinwerfern und Leinwänden bestückt. Erste Laser zucken in der zunehmenden Dämmerung.
Lautsprecher stehen im Wasser, ebenfalls auf imposanten Gestellen. Leider ist es etwas zu windig, der schmale Streifen Wasser zwischen Insel und Bucht erzeugt keine perfekte Spiegelung der Lichter.
Welche Art Musik uns erwartet, wissen wir nicht. Das wurde nicht verraten.

Alle haben ihr Picknick dabei. Als es dunkel ist, bekommt man keinen Platz mehr. Gut besuchte Show.

Laser strecken ihre Finger in den Himmel. Vorne im Wasser stehen die Gestelle mit den Lautsprechern. Alles recht aufwendig.

Pünktlich geht es los mit einer Ansprache der Frau Bürgermeisterin. Dann erscheint ein Countdown auf den Leinwänden. Die Leute zählen aufgeregt mit. Bäng, ein Knall, alles liegt im Dunkeln. Dann rote Lichter, Laser und Blitze. „The Show must go on“, schmettert Freddy Mercury über die Bucht. Der Sound ist glasklar. Keine Übersteuerung, kein Kratzen. Das fängt vielversprechend an.

Auf den Leinwänden erscheinen psychedelische Spiralen und Muster.

Leider ist die Vorstellung dann enttäuschend. Die Musik baut weder aufeinander auf, noch passt sie überhaupt zusammen. Statt dramatischer Steigerungen hören wir ein musikalisches Chaos: Auf Queen folgen französische Schlager, danach ein Chanson, plötzlich Abba und Eurodance. Zum Schluss David Guetta mit ‚Titanium‘. Die Mischung wirkt eher wie eine zufällig gewählte Playlist eines überforderten DJs als wie eine durchdachte Show.“
Keine Gänsehautmomente. Die Show ist flach. Hinter den Lautsprecherboxen stehen Nebelmaschinen. Die sind zu klein. Der Effekt verpufft, dass die Laser sich im Nebel verlieren. Es steigen nur ein paar müde Nebelwolken auf.

Die Palmen auf der Insel sorgen für Atmosphäre.

Müde erreichen die Laser die Nebelwolken. Manchmal schimmert auf, wie es gedacht war.

Nach einer knappen Stunde ist die Vorstellung zu Ende. Die Begeisterung der Menge hält sich in Grenzen. Statt Verzauberung bleibt nur das Zusammenfalten der Picknickdecken. Stumm zockeln die Zuschauer zu ihren Autos.
Im Internet finde ich dann die komplette Ernüchterung. Die Veranstaltung wird von den Einheimischen zerrissen. „Nul – wertlos“, ist die überwiegende Meinung.
Schade. Die Idee ist toll gewesen. Der Ort perfekt. Vielleicht klappt es ja nächstes Jahr besser.
Ohne uns.

Nul – Die Internetbewertungen fallen schlecht aus.

Tschüss 2025 – willkommen 2026

01.Januar 2026; Neukaledonien/Nouméa; Tag 4.233

2025 hatte eigene Ideen mit uns. Zweimal wurden unsere Pläne kräftig durchgeschüttelt. Im Februar mein gebrochener Arm. Statt für Indonesien haben wir uns für Neukaledonien entschieden. Und dann ein Visum, das „nein“ sagte. Neuseeland war plötzlich auch gestrichen.

Pläne? Neu sortiert.
Routen? Umgelegt.
Das Leben findet jeden Tag einen Grund dafür. Nicht nur auf See. Jobs, Termine, Familienplanung. Alles ist im Fluss. Kaum hat man sich auf einen Kurs geeinigt, kommt ein Schelm von hinten und verändert die Route. Uns hat 2025 nach Nouméa geführt. Ganz so schlimm war das Jahr also nicht. Nur total konsequent darin, uns umzulenken.

Für 2026 wünschen wir Euch Gelassenheit bei Veränderungen und genug Humor, wenn Pläne Bord gehen. Ein glückliches neues Jahr für alle!

Unsere Pläne für 2026

Angesichts der erwiesenen Sinnlosigkeit von Plänen erscheint es verwegen, dass wir trotzdem welche haben.  :mrgreen: Einiges ist konkret, anderes noch schwammig.

Februar/März – Vier Wochen Wohnmobil auf der Südinsel waren geplant. Da wir Neuseeland nun ganz, ganz doof finden, verzichten wir auf weitere Annäherungsversuche. Eine Einreise per Flugzeug haben wir verworfen. Stattdessen haben wir uns etwas deutlich Spannenderes ausgedacht: Tasmanien! Der südliche Zipfel Australiens soll wie die Südinsel Neuseelands sein. Nur wilder, mehr Tiere, weniger Regen und überhaupt: viel besser. Ätschi bätschi!

Campervan und Flüge sind gebucht. Wir haben uns für einen 4×4 entschieden. Wissen wir doch, dass Australien für uns da am schönsten ist, wo man nur mit Vierrad-Antrieb hinkommt. :-) (foto credit: Autovermietung ‚AutoRent‘)

Spätestens Mitte Mai müssen wir Neukaledonien verlassen. Die zollfreie Schonfrist für Atanga läuft dann aus. Das passt gut, dann ist auch die Zyklonsaison zu Ende.
Bis zum Jahresende liegt eine ambitionierte Strecke vor uns.  Rund 5.000 (in Worten fünftausend) Meilen. Dafür haben wir knapp sieben Monate Zeit. Genau das Richtige für die segelfaule Bande hier an Bord.

Von Neukaledonien nach Malaysia gibt es zwei grobe Routen. Nördlich oder südlich von Papua-Neuguinea entlang. Der Unterschied sind 50 Meilen in der Länge.
Alles westlich von der Grenze durch Guinea ist Indonesien. Der größte Inselstaat der Welt.

Unser nächstes Ziel ist überschaubar. Bis Vanuatu sind es ungefähr 250 Meilen. Easy. Aktive Vulkane und verrückte Turmspringer stehen auf der Liste. Für Vanuatu sind 30 Tage geplant. Visaverlängerungen darüber hinaus haben den Ruf, „schwierig“ zu sein.

Unser Jahresendziel heißt Malaysia. Nach Vanuatu liegt der Streckenverlauf noch im Dunkeln. Indonesien ist riesig, tausende Kilometer lang und mit aufwendigen Visa-Regelungen behaftet. Die Route glänzt durch die komplette Abwesenheit von Ausweichländern. Hat man erst mal den Fuß auf indonesischen Boden gesetzt, muss man weiter. Unglückliche Gegenwinde ab November (Stichwort: ‚durch den Monsun‘) erleichtern die Planung nicht.

Die grobe Strecke durch das Inselgewirr von 17.000 Inseln ist vorgegeben. Die Details werden noch ergänzt, verworfen oder komplett ignoriert. Pläne sind gut, Umwege auch. Und meistens wird es genau da interessant, wo wir nicht hinwollten.
Fortsetzung folgt. Wie immer.

Wir freuen uns auf ein gemeinsames Jahr 2026 mit Euch. Vielen Dank, dass weiterhin so viele tapfer mit uns durch die Lande reisen und unsere Planänderungen verfolgen. Herzchen-Emoji.

Der Weihnachtsmann, kein Essen an Heiligabend und die Versöhnung in der Lagune

Heiligabend 2025; Neukaledonien/Nouméa; Tag 4.225

Laut Infoblatt wird die Ankunft des Weihnachtsmannes um 19:00 Uhr erwartet. Wir wollen vorher noch etwas essen und sind bereits um 18:00 Uhr auf dem Festplatz. Bei der Eröffnungsfeier des Lichterfestes hatten wir schon gesehen, dass genau zwei (!) Fressbuden für Hunderte von Besuchern bereitstehen. Eine Bude verkauft Pommes, die andere asiatisches Fingerfood. Lange Schlangen und ein schneller Abverkauf sind die logische Konsequenz. In den letzten Tagen haben wir uns vergewissert, dass wirklich jeden Abend diese Buden auf dem Festplatz aufgebaut sind. Es geht nichts über gewissenhafte Planung – Nouméa hat uns schon einmal geleimt.

 

Fingerfood-Köstlichkeiten – eine gute Idee vor der Parade, so unsere Idee.

Als wir uns an Heiligabend dem Platz nähern, ist die Stadt wie ausgestorben. Am Brunnen sind Gitter aufgebaut, die einen Parcours markieren. Dutzende ‚Sécurité-privée-Wachleute laufen herum. Sonst würden wir vermuten, wir haben uns im Tag geirrt. Außer den Besuchern fehlen zu unserem Entsetzen auch die Fressstände. „Das-darf-doch-wohl-nicht-wahr-sein“, wir schauen uns an und müssen lachen.

Hunger ist vorhanden. In einer Nebenstraße hat noch ein Imbiss geöffnet. Über den Anblick der Auslage schießen uns Tränen in die Augen: hartgekochte Eier, ein Salat in einer Plastikbox und drei Frühlingsrollen. Wir wählen die Rollen. Der asiatische Chef ist so nett und haut uns die Dinger in die Mikrowelle. Dass er die Rollen von heute Morgen noch los wird, scheint selbst ihn zu überraschen. Ein Weihnachtswunder der wenig schmackhaften Art. Trockene Biester, mit nichts gefüllt außer Glasnudeln.
Zum Nachtisch holen wir uns ein Eis am Stiel. Man gönnt sich ja sonst nichts. ;-)

Unsere Rettung. Heiligabend das erste Haus am Platz.

Kurz vor Ladenschluss ist das Angebot dünn.

Kulinarisches Highlight zu Weihnachten. :-)

Die Neukaledonier haben die Ruhe weg. Erst eine Viertelstunde vor dem Beginn der Veranstaltung füllt sich der Platz. Ein Animateur peitscht die Besucher ein, den Weihnachtsmann zu rufen. Im Chor sollen sie „Père Noël, Père Noël“ rufen. Dieser Aufforderung wird hundertfach gefolgt.

Alle Kinder sind weihnachtlich geschmückt …

… und warten gespannt.

Aufregung macht sich breit. Von wo wird der Weihnachtsmann kommen? Da plötzlich, an einer Seite, tauchen Lichter in einer Straße auf. Weiße Gestalten auf Stelzen und verkleidete Schneeflocken hüpfen umher. Dahinter eine mit Lichtern, Laternen und Leuchtern überladene Kutsche. Gezogen von einer nostalgischen Lokomotive. Alles blinkt und funkelt.

Die Lokomotive zieht den Schlitten

Zwei Glitzer-Rentiere ganz vorne.

Alles, was jemals für Weihnachten erfunden wurde, egal ob Märchen, Werbung oder Zeichentrick, findet auf dem überladenen Schlitten sein Plätzchen.

Die Sicherheitsleute haben alle Hände voll zu tun. Kinderarme sind zu kurz, aber Erwachsene reichen bis an die Deko heran. Inzwischen tummeln sich auch schon viele Leute auf der falschen Seite der Gitter.

Weiß-rote Figuren vorweg auf Stelzen: das ist aus französischen Paraden übernommen.

Der Baum schneit aus allen Rohren.

Der Weihnachtsmann steigt von seiner Kutsche. Folgt seinem Tross durch den abgegitterten Parcours. Eigene Sicherheitsleute sind bei ihm. Zwei Beleuchter setzten in in Szene. Arme recken sich ihm entgegen, nicht nur von Kindern. Er schüttelt Hände. Mütter halten ihm kleine Kinder zur Umarmung hin.
Dagegen verblasst jeder Superstar zu einem sinkenden Stern. Unglaubliche Szenen spielen sich ab. Über allem dröhnt der Animateur zusammen mit den Kindern: „Père Noël, Père Noël“. Es schneit aus allen Rohren Schaum-Schnee.

Wie sehr kann man übertreiben? Nouméa: Ja!

Wir sind stark beeindruckt. Das hatten wir nicht erwartet. Es ist eine Mischung aus Disney World und Slapstick-Komödie. Mehr Kitsch geht nicht!

Der Weihnachtsmann, wie Coca Cola ihn erfunden hat. Besser geht nicht.
Er hat seine eigenen Beleuchter dabei, die vor ihm herlaufen.

Frau Bürgermeisterin übergibt dem Weihnachtsmann den Schlüssel der Stadt. Symbolisch, dass er nun die Geschenke in den Häusern verteilen darf. Viele Häuser haben keinen Schornstein in Nouméa – da hat man sich diese Lösung für die Kinder überlegt.

Mit halb leerem Magen hat man kein Bauchdrücken. Entsprechend schlafen wir gut und fahren am ersten Weihnachtstag bereits um 7:00 Uhr morgens in die windlose Lagune.
Nichts schaukelt, wir liegen ruhig an der Mooring. Gute Bedingungen zum Kochen. Ohne Blinken und Glitzer schalten wir abends unseren persönlichen Weihnachts-Turbo an: Den Sauerbraten und die Klöße.

Warten aufs Essen. Jetzt schon seit 24 Stunden :mrgreen:

Entschädigung

Am zweiten Weihnachtstag wird beim Paddeln verdaut.

Ein schönes Weihnachtsfest 2025. Mehr Kontrast geht nicht.

Joyeux Noël – Adventszeit in Nouméa

So., 21.12.25; Neukaledonien/Nouméa; Tag 4.222

Die Adventszeit beginnt verhalten in Nouméa. Von vorweihnachtlicher Betriebsamkeit ist nichts zu spüren. Keine Schokoweihnachtsmänner im Supermarkt, keine Lichterketten, kein Weihnachtsmarkt.

Die kleinste Weihnachts-Schokoladen-Abteilung, die wir je gesehen haben. Rechts, nicht mehr im Bild, stehen bereits Dosensuppen. Kein einziger Adventskalender.

Unser „typisches“ Weihnachten ist tatsächlich eine rein deutsche Angelegenheit.
Adventskränze mit den vier Kerzen kennt man im Grunde nur im deutschsprachigen Raum. Es ist sogar überliefert, dass es den ersten Adventskranz 1839 gegeben hat. Folgerichtig von einem Deutschen erfunden.

Hinter dem gemütlichen Kerzenschein steckt die pädagogische Lösung für ein Problem, das wohl alle Eltern kennen: „Wann ist endlich Weihnachten?!“
Johann Hinrich Wichern war ein Theologe und Gründer des ‚Rauhen Hauses‘ in Hamburg. Ein Heim für Kinder aus armen Verhältnissen. In der Vorweihnachtszeit wurde er von den Kids so sehr mit der Frage gelöchert, dass er sich einen visuellen Countdown überlegte.

Der erste Adventskranz war kein zierliches Gesteck, sondern ein echter Brummer: ein massives, altes Wagenrad. Wichern bestückte das Rad mit insgesamt 24  Kerzen. Vier dicke weiße Kerzen markierten die Sonntage, während kleine, rote Kerzen für die Werktage dazwischen standen.

Der Wichern-Kranz war zwar eine tolle Idee, aber für die meisten Wohnzimmer schlichtweg zu riesig. Im Laufe der Zeit passierten zwei Dinge. Um 1860 kam das Tannengrün als Symbol für Hoffnung dazu und aus Platzgründen (und vermutlich auch aus Brandschutzgründen) schrumpfte die Kerzenzahl auf die vier Sonntage zusammen.
Es dauerte fast 100 Jahre, bis der evangelische Brauch dann auch in katholischen Gegenden populär wurde. Heute ist er aus keinem Wohnzimmer mehr wegzudenken.

Der Adventskalender ist ebenfalls eine deutsche Erfindung. Bevor es gedruckte Kalender gab, erfanden Eltern im 19. Jahrhundert kreative Zählhilfen, um die quengeligen Fragen der Kinder zu stoppen. Angefangen hat es mit Kreidestrichen an der Tür, wovon jeden Tag einer weggewischt werden durfte.

Der Verleger Gerhard Lang gilt als Vater des modernen Kalenders. Seine Inspiration: Als Kind nähte ihm seine Mutter 24 Plätzchen auf einen Karton. 1903 bringt er den ersten gedruckten Kalender raus. 1920 gibt es die ersten Türchen zum Öffnen. Erst 1958 kam Schokolade in den Kalender.

Kränze und Kalender sucht man in Nouméa vergebens. Sicherlich dem französischen Einfluss geschuldet. In Frankreich ist Religion Privatangelegenheit. Die zur Schaustellung religiöser Symbole in Schulen und Ämtern ist verboten. Christliche Weihnachtslieder werden in staatlichen Einrichtungen nicht gesungen. Ein Balanceakt in den Kitas, welches Lied gerade noch erlaubt ist.
Man wollte 1905 den Einfluss der Kirche auf die Politik beenden. Heute ist dem Franzosen die ‚ Laïcité‘ schon fast heilig – eine Art Grundgesetz der Freiheit.

In Nouméa findet der große ‚Bang‘ am 13. Dezember statt. Schon Wochen vorher hatten wir gesehen, dass in dem hübschesten Park der Stadt, der ‚Place des Cocotiers‘ große Torbögen, Traversen und Gestelle errichtet werden. Eine Hundertschaft an Helfern umwickelt jeden einzelnen Baum mit Lichtergirlanden. Hebebühnen und Krane fahren umher. Ein Pavillon ist geheimnisvoll mit einem Sichtschutz umwickelt.

Die Installation der Lichterketten. Wochenlanges Arbeiten.

Wir sind am Eröffnungsabend der „Fête de la Lumière“ pünktlich zur Stelle. Vor die große Lichtershow haben die Veranstalter eine Tanz-Gesang- und Geigenvorstellung gelegt. Der Andrang ist groß. Die Darsteller bestehen überwiegend aus Mädchen und Frauen. Ich kann nur vier Jungs entdecken. In den Ansprachen schwingt französisches Pathos mit. „Spectacle“ und „Magnifique“ fallen häufig.

Die Geigerei war zum Glück noch schöner als die Kostüme der jungen Damen. Es wurden keine Weihnachtslieder gespielt.

Das Motto der Weihnachtstage lautet jedes Jahr Feenwelt. Krippe und Jesuskind finden nicht statt.

Die großen Mädchen haben die Feen-Kleider.

Nach einer Stunde ist die Vorstellung zu Ende. Inzwischen ist es dunkel. Alle warten gespannt. Ein Countdown ertönt. Und ich bin mir sicher, dass ab heute Abend Nouméa aus dem Weltall zu erkennen ist.
‚Klotzen, nicht kleckern‘, die Devise der Stadtväter. Ein gelungenes Lichterfest.

 

Mit dem letzten Gong wird feierlich der Pavillon enthüllt. Eisig in Szene gesetzt: Eisbären und Pinguine tümmeln sich Seite an Seite.

Palmendekoration

Monströse Gerüste über dem Brunnen auf dem Platz. Der Brunnen ist so schon acht Meter hoch.

Das Herzstück ist der Torbogen, gleich neben dem Brunnen.

Zum Entzücken der Kinder schneit es neben dem Brunnen. Schnee dürfte für viele Kinder (noch) unbekannt sein. Daher merkt es auch keiner, dass es sich beim Schnee um Schaum handelt.

Die Flammenbäume stehen tagsüber in roten Flammen, da sie zur Zeit in voller Blüte sind – abends gut in Szene gesetzt.

Die Bäume sind riesig – hunderte Meter Lichterketten wurden verarbeitet.

Einen kleinen Weihnachtsmarkt gibt es ebenfalls auf der Festmeile: Kerzen, selbst gemachte Konfitüre und Seife. Der übliche Weihnachtsmarkt-Dreikampf. Keine Kränze, keine Gestecke, keine Krippen.

Nette, bunte Weihnachtsmeile bei sommerlichen Temperaturen.

Bis Heiligabend finden jeden Abend einstündige Vorstellungen im beleuchteten Park statt: Clowns, Zauberkünstler oder Gesangsvorstellungen. Die sind in erster Linie auf Kinder zugeschnitten und nicht so gut besucht, wie der Eröffnungstanz. Aber, wenn es dunkel wird, flaniert halb Nouméa durch die leuchtenden Torbögen.

Heiligabend soll das Lichterfest seinen Höhepunkt erfahren. Der Weihnachtsmann wird erwartet. Seine Ankunft soll jedes Jahr auf eine andere Weise erfolgen. Mal per Boot, mal seilt er sich ab. Wir planen dabei zu sein. Heiligabend unterwegs, das ist ungewöhnlich.
Unser Weihnachtsbraten wird also auf den 1. Weihnachtstag verschoben. Der liegt seit zwei Tagen in seinem Sud aus Rotwein und Essig. Achim hat sich Sauerbraten gewünscht. :roll: Bei 30 Grad. Plus Knödel und Rotkohl [Feed the beast, keep the peace].

Wir wünschen Euch, liebe Leser, ein wundervolles Weihnachtsfest. Vielleicht auch mal ganz anders als üblich? Die Dinge einfach auf den Kopf stellen?
Habt ein Fest voller Überraschungen. Genießt Eurer persönliches ‚spectacle‘. Seid ‚magnifique‘ und lasst es Euch gut gehen.
Frohe Weihnachten!

Frohe Weihnachten wünscht die Atanga Crew.

 

Mele ne halla Noël  ***  Ia ora na e te Noere  ***  Merre Kristmas

Kiwis geben Fehler nicht zu? Mythos gebrochen!

Fr., 12.12.25; Neukaledonien/Nouméa; Tag 4.213

Die Neuseeländer haben den – tausendfach bestätigten – Ruf, Fehler nicht zugeben zu können. Das liegt nicht daran, dass sie sture Böcke sind, sondern an ihrer Höflichkeit. Ehrlichkeit, selbst die eigene, gilt als unfreundlich. „Ich habe Mist gebaut“, geht ihm nicht über die Lippen.
Missgeschicke werden höflich umschrieben, unter den Tisch gekehrt: No worries at all.

Befreundete Segler machen uns wenig Hoffnung: „Dass sie Fehler bei eurem Visums-Antrag gemacht haben, geben die niemals zu. Das Geld dürfte ebenfalls futsch sein.“ hier die Geschichte, was passiert war
Okay, Achim schreibt trotzdem einen Fünf-Punkte-Beschwerdebrief an Neuseeland Immigration. Das ist sechs Wochen her.

Der Bürokratie-Zermürbungsversuch

In der Zwischenzeit fanden ein paar Bürokraten-Tricks statt. Verschiedene Personen meldeten sich mit verschiedenen Ankündigungen: Wir antworten bis 15. Dezember oder auch, wir melden uns spätestens am 8. Dezember.
Eine Immigration-Frau forderte die erneute Zusendung einer Passkopie. Zu erledigen innerhalb von drei Tagen. Passiert in der Zeit nichts – Pustekuchen. Dann wird die Beschwerde gelöscht und ein neuer Antrag muss gestellt werden.

Die Kapitulation des Kiwi-Amtes

Die Antwort, die wir nun vor Ablauf der letzten Frist erhalten haben, verblüfft. Mehr Zugeständnis geht nicht. Sie entschuldigen sich aufrichtig bei uns und die vorausgezahlte Gebühr für das Visum wird erstattet (280 Euro).
Als ob das nicht schon Strafe genug für den Kiwi wäre, bekommen wir folgende Information: “ Die beteiligten Immigrationsbeamten wurden entsprechend informiert, und es wurden zusätzliche Schulungsmaßnahmen ergriffen, um ähnliche Probleme in Zukunft zu verhindern.“

Triumph. David gegen Goliath. Deutsche Freundlichkeit gegen Kiwi-Freundlichkeit. ***

Der Kostenvoranschlag für entgangene Freude

Das gleitet wie Öl an uns herunter, ändert jedoch nichts daran, dass wir in Neukaledonien sitzen. Im teuren Nouméa. Während der Zyklonsaison. Etwas, das wir unbedingt vermeiden wollten. Dazu die entgangenen Urlaubsfreuden im gelobten Kiwi-Land. Vier Wochen mit dem Wohnmobil die Südinsel zu entdecken, stand fest auf dem Programm.
Wir rufen im Chor: „Das stellen wir einfach alles Neuseeland in Rechnung.“  :-)

*** Ein Punkt ist noch offen aus dem Beschwerdebrief: Achim wird weiterhin eine Einreise nach Neuseeland verwehrt, wenn er nicht vorher einen medizinischen Check über sich ergehen lassen würde. Er arbeitet daran, dass dieser Fehler und die Ungleichbehandlung zu mir noch aus seiner ‚Akte‘ gelöscht werden.

 

Lagunenzauber und ein Wirbel

Mo.–So., 01.12.–07.12.25; Neukaledonien/Îlot Nouen, Nouméa; Tag 4.202–4.208

Wir genießen die Lagune bei wenig Wind.
Wochentags haben wir die Idylle für uns alleine. Am Wochenende kommt jeder, der ein Boot hat, in die Lagune. Die internationalen Langfahrtsegler sind allerdings durch. Entweder nach Neuseeland oder Australien abgezogen. Zwei Kiwi-Boote liegen noch in der Marina. Eins ist unbewohnt. Das war’s. Die Lagune gehört den Neukaledoniern wieder allein. Und uns. ;-)

Am Wochenende wird schon mal in unseren Pool gefahren. Zwei Minuten vor diesem Foto war noch kein einziges Boot da. Sonntags, früh um 9:00 kommen sie dann angebraust.

Unter der Woche haben wir die Inseln für uns.

Die Inselchen folgen dem gleichen Prinzip: Auf der Wind zugewandten Seite gibt es Korallen und Seegras für die Schildkröten. Auf der Wind abgewandten Seite gibt es viel Strand.

Seeschwalben auf abgestorbener Korallenplatte. Zerstört von Wellen. Neu gewachsene Korallen erfreuen sich guter Gesundheit.

Weichkoralle – Vom Kajak aus aufgenommen (die GoPro ist noch immer ohne Akku). Kristallklares Wasser. Herrlich.

Der Himmel war komplett bewölkt – auf die letzten Minuten dann dieser Sonnenuntergang.

 

Die vielen Schlangen sind auch abgezogen. Wir sehen kaum noch welche an Land. Unsere Vermutung: Das Wasser ist jetzt so warm, dass sie nicht mehr zum Aufwärmen an Land kommen müssen.
Bald dürfte auch die Anzahl der Schildkröten zurückgehen. Die Zeit der Eiablage ist gekommen. Der größte Teil der ‚Grünen Schildkröte‘ ist im Norden von Neukaledonien aus dem Ei geschlüpft. Auf einem abgelegenen Atoll-Gewimmel – 250 Kilometer von Neukaledonien entfernt. Wie alle Schildkröten kehren auch die grünen Weibchen an ihren Schlüpfort zurück. Über 100.000 Schildkrötenweibchen finden sich jährlich dort ein. Bedenkt man, dass Schildkröten nur alle zwei, drei Jahre Eier legen, ist die Population der ‚Grünen Schildkröte‘ enorm in der Region.

Falls dies ein Weibchen ist, wird sie sich bald auf den Weg in den Norden machen. 650 km entfernt liegt ihr Inselchen auf dem sie aus dem Ei geschlüpft sein dürfe.

Wetter-Talk

Unser täglicher Blick auf die Windentwicklung ist berechtigt. Der erste Wirbel der Saison soll sich gerade bilden. Die beiden wichtigsten Wettermodelle GFS (USA) und ECMWF (Europa) sind sich nicht einig. Die Amerikaner zeigen bereits eine klar definierte Zugbahn des Tropensturms, während die Europäer noch zögern.
Wer hat recht? Keiner weiß es. Allgemein wird aber unter Seglern gehandelt, dass die Vorhersagen der Europäer im Südpazifik genauer seien.  Der Nachteil am europäischen Modell: Es wird nur zweimal am Tag aktualisiert. Die Amerikaner machen das alle vier Stunden.

Für die bestmögliche Windvorhersage im Südpazifik heißt es somit:

Vertrauen Sie dem ECMWF für die generelle Großwetterlage und die Einschätzung der Stärke des Windes.
Nutzen Sie das GFS als zweite Meinung und für die häufigeren Updates bei kurzfristigen Vorhersagen oder schnellen Wetteränderungen.
Wenn die Modelle stark voneinander abweichen, besteht eine höhere Unsicherheit. In solchen Fällen ist es ratsam, das sicherere Szenario für Ihre Planung zu wählen.

Tipp Nummer drei ist platt und eine echte Binsenweisheit. :mrgreen:
Wir haben uns aber trotzdem in die Marina verdrückt. Nicht wegen des Wirbels, sondern wegen fiesem Westwind, der seltenen Regen mit sich bringt.

So hat GFS den Wirbel vor zwei Tagen gesehen – wir sind beim weißen Punkt – ein Tropensturm, 70 Knoten maximal. Genau über Nouméa ziehend. Schluck. Ankunft am 13.Dezember vorhergesagt. [Foto: Predict-Wind]

So sieht GFS heute den Tropensturm – jetzt über Vanuatu – 700 Kilometer von uns entfernt und viel schwächer. [Foto: Predict-Wind]

Aktuelle Situation – dort, wo der Wirbel entstehen soll, herrscht zur Zeit Flaute. Ob er wirklich entstehen wird, weiß keiner genau. Alle Vorhersagen basieren auf Rechenmodellen. Mit vielen Irrtümern. Trotzdem wollten wir nicht darauf verzichten und schauen uns die Entwicklung täglich an. [Foto: Predict-Wind]

 

Unser Dauerblick nach Nordwesten

So., 30.11.25; Neukaledonien/Îlot Nouen, Tag 4.201

Wir sind wieder in der Lagune. Jetzt ist wettertechnisch die schönste Zeit des Jahres: selten Regen, kaum Wind und Badewannenwasser von 27 Grad. Einfach köstlich.

Weil das Wetter so ruhig ist, reicht uns diese Sandbank als Schutz.

Lagunenvergnügen

Wir brauchen uns das Inselchen nur mit Vögeln zu teilen.

Allerdings gilt morgens unser erster Blick dem Wettergeschehen nordwestlich von uns.
Zyklone, die Einfluss auf Nouméa haben, entstehen fast ausschließlich in der Salomonensee, östlich von Papua-Neuguinea. Das ist ungefähr 2.000 Kilometer entfernt. Ein typischer westpazifischer Zyklon legt 300 bis 700 Kilometer pro Tag zurück. So ein Wirbel kann innerhalb von vier bis sechs Tagen vor der Tür stehen.
Diese Vorwarnzeit ist deutlich kürzer als zum Beispiel bei atlantischen Hurrikanen, die auf die Ostkaribik treffen. Dort muss ein Hurrikan bis zu 4.000 Kilometer Strecke machen.

Wind am 30 November 2025. Allesruhig zur Zeit. Bei Darwin gab es den ersten Zyklon der Saison vor ein paar Tagen. Verdammt früh! [Quelle windy]

Daher unsere Überlegung, dass wir uns nicht weiter als eine Tagesreise entfernt von der Marina wegbewegen wollen. Es gibt im Notfall einiges zu bedenken. Was sich an Deck von Atanga befindet, muss entweder demontiert oder sturmsicher verzurrt werden. Lässt man seinen Blick schweifen, kommt da einiges zusammen.
Zusätzlich soll man sich für sieben bis zehn Tage mit Lebensmitteln eindecken, da der Nachschub an Nahrungsmitteln unterbrochen sein kann. „Und haben Sie Bargeld im Haus“, wird empfohlen. Falls der Strom ausfällt.

Natürlich beschäftigt uns das Thema ‚Zyklon‘.
Die größte Zerstörungskraft eines Wirbelsturms hat nicht der Wind, sondern Sturmflut und Schwell. Neukaledonien ist fast vollständig von einem schützenden Barriere-Riff umschlossen. Ein Zyklon kann auf dem offenen Ozean Wellen von zehn Metern vor sich hertreiben. Schwerer Schwell kündigt meistens schon ein, zwei Tage vor dem Wind einen nahenden Sturm an.
Diese Monsterwellen überspülen das Barriere-Riff. Das Wasser kann nicht schnell genug über die natürlichen Pässe abfließen. Es staut sich in der Lagune. Es kommt zu einer Sturmflut. Der Wasserspiegel kann innerhalb der Lagune bis zu 1,5 Meter steigen. Dadurch, dass die Lagune so groß ist, hat der Wind eine schöne Anlauffläche. Normalerweise schaffen die Wellen selten eine Höhe von über zwei Metern. Bei einem Wirbelsturm sind an exponierten Lagen innerhalb der Lagune schon sechs Meter gemessen worden.
Trotzdem gut, dass das Riff existiert. Ohne würde Nouméa bei jedem mittleren Sturm schwer beschädigt.

Im Inland bringt die größte Zerstörung der Regen, den ein Wirbelsturm mit sich führt. Durch Überschwemmungen und Erdrutsche. Für unser schwimmendes Zuhause das kleinste Problem.
Der Wind hat zerstörerische Kraft. Jedoch nur punktuell. Meistens bleibt es bei abgedeckten Häusern und umgestürzten Bäumen. Die kleinste Gefahr für Menschenleben.

Wir selber haben schon einen Zyklon erlebt. Gabrielle in Neuseeland. Aug in Aug mit Gabrielle vor knapp drei Jahren.Bei der Entstehung war Gabrielle ein Zyklon der Kategorie 3. Als er auf Neuseeland traf,  war er bereits herabgestuft zu einem Tropensturm. Trotzdem waren die Auswirkungen in Neuseeland schwerwiegend:

Der Sturm verursachte Starkregen, der zu verheerenden Überschwemmungen, Erdrutschen und Sturmfluten führte.
Die neuseeländische Regierung rief den landesweiten Notstand aus – eine Erklärung, die in der Geschichte des Landes erst zum dritten Mal erfolgte.
Die Schäden waren massiv und betrafen ein Drittel der neuseeländischen Bevölkerung.

Gabrielle ist im Februar 2023 mit 400 Kilometern Abstand an Neukaledonien vorbeigezogen. Trotz dieser sicheren Entfernung war der Einfluss deutlich spürbar. Örtlich fielen über 80 mm Regen. Windböen von 120 km/h kamen in Nouméa an.

Zyklone in der Saison 2022 2023: Gabrielle hatte die rosafarbene Zugbahn. Fast immer entstehen die Zyklone, die Neukaledonien beeinflussen in der Salomonensee (seltener in der Coral Sea). [Quelle ‚Meteo France‘]

Im Augenblick ist alles ruhig und wir selber stellen für uns die größte Gefahr dar. :mrgreen:
Heute Morgen gab es im Salon einen kleinen Knall und im Anschluss ein knisterndes Geräusch. Beide hören wir es, können es aber nicht zuordnen. Achim wirft einen Blick nach draußen. Nichts. Auf einmal ruft er mir zu: „Riechst du das auch?“ Ich blicke mich um. Aus unserer Dreiersteckdose steigt eine kleine Rauchwolke. Zwei Geräte hängen gerade zum Laden dran. Ich ziehe schnell den Übeltäter von der Sitzbank. Achim schaltet geistesgegenwärtig den Inverter aus.
Nichts passiert außer angekokelter Plastikgestank. Nicht auszudenken, was passiert wäre, wenn wir gerade draußen gewesen wären. :shock:

Nähmaschine trifft E-Gitarre: Der neue Bordsound

Montag, 24.11.25; Neukaledonien/Nouméa; Tag 4.195

Unsere Nähmaschine hatte ja den gerissenen Antriebsriemen (Atanga berichtete Eine Maschine in Menschengestalt). Vor Ort ist ein Ersatz nicht zu bekommen. In Deutschland war das kein Problem: Ein Nähmaschinen-Internetversand liefert innerhalb von drei Tagen für 40,00 Euro.
Unsere erstklassige Hilfe in der Heimat (Herzchen in den Augen) macht ein Päckchen fertig und schickt den Riemen nach Neukaledonien. Kostenpunkt 29,00 Euro :shock: für weniger als einhundert Gramm – ohne Tracking. Lieferzeit eine bis vier Wochen, je nachdem, wen man fragt.

Sieben Wochen nach dem Versand haben wir kaum noch Hoffnung.

Ich schreibe dem Zoll, der Post und DHL eine Mail. Alle drei Stellen antworten freundlich, aber niemand hat unser Päckchen gesehen. Ein weiteres Mal wollen wir nicht 69,00 Euro riskieren. Wir gehen vor Ort auf die Suche nach einer neuen Nähmaschine. Ein Kleingeräte-Geschäft bietet vier Maschinen zur Wahl. Unbekannte Marken, eher Kleidchen-Maschinen. Nichts dabei, was wir wollen.
In einem Stoffladen werden wir fündig. Zur Auswahl steht Singer oder Singer. Das Regal ist zwar leer, aber die Aussteller präsentieren acht verschiedene Maschinen. Drei ‚Heavy Duty‘-Maschinen darunter. Auf Nachfrage erfahren wir, dass sich die Maschinen beim Zoll befinden und in zwei Wochen im Geschäft stehen sollen.

Neun Wochen und drei Tage sind seit dem Versand des Ersatzriemens vergangen.

Die Maschinen stehen mittlerweile im Stoffladen. Die Singer „Cosplay 6335“ gefällt uns. Diese Maschine gibt es nicht auf dem europäischen Markt, aber ihr baugleiches Gegenstück erhält gute Bewertungen. Das überzeugt.

Neun Wochen und fünf Tage sind seit dem Versand vergangen.

Wir bekommen eine Vorführung unseres Wunschmodells. Wir sind angetan und schlagen zu. Die Maschinen kommen aus Australien. Einen Stecker-Adapter ‚Australien-Frankreich‘ legt das Geschäft standardmäßig gleich dazu. Französische Stecker sind ähnlich wie deutsche, damit können wir an Bord etwas anfangen.
Natürlich zahlen wir zu viel (567 Euro). In Neukaledonien zahlt man immer zu viel. In Neuseeland würde dieselbe Maschine 350 Euro kosten. Egal. Wir machen einfach von unserem neuen Lieblingssatz gebrauch: Das stellen wir Neuseeland in Rechnung.

Handhabung, Zubehör und erste Nähversuche begeistern mich. Die Neue macht richtig Spaß. Kaum, dass fünfzig Jahre zwischen der Produktion von zwei Nähmaschinen liegen, ist die Technik tatsächlich weiter gegangen.
Allein der Spulenwechsel! Alles geht auf einmal wie von selbst.

Die Alte mit der Neuen beim Probenähen – alles fein, eine tolle Maschine.

Zehn Wochen sind seit dem Versand vergangen.

Wir holen die alte Maschine aus ihrem Lagerplatz unter der Sitzbank im Salon. Die uralte Transportkiste unserer Pfaff 260 behalten wir. Die Singer findet gut Platz darin. Ich behalte noch den besseren Naht-Trenner und eine schöne Schachtel für die Spulen. Die alte Pfaff wandert in den Karton der Neuen. Achim schleppt das 15 Kilo schwere Teil zu den Mülltonnen. Uns blutet das Herz. Das war schon ein zuverlässiges Monster. Aber wir müssen uns trennen. Irgendwann geht uns schlicht der Platz aus.

An den Tonnen sieht man häufig Obdachlose, die nach Verwertbarem suchen. Daher hat es sich unter den Bootsbesitzern eingebürgert, brauchbare Dinge neben die Tonnen zu stellen.
Unsere Maschine ist nach zwei Stunden weg. Den kaputten Riemen haben wir auf die Maschine gelegt, um niemanden in die Irre zu führen. Als Ersatzteillager taugt die Maschine bestimmt noch. Irgendjemand wird das erkennen und so kommt das gute Stück noch zu seiner letzten Bestimmung.

Zehn Wochen und drei Tage sind seit dem Versand vergangen.

Achim schlendert kurz vor Feierabend am Marinabüro vorbei. „Atanga, Atanga, es ist Post für euch da!“ Das darf doch nicht wahr sein. Wir halten den Antriebsriemen in den Händen.
Wir beruhigen uns: „Jetzt bloß nicht verschütteter Milch hinterher heulen.“ Oder auch: „Es war ja nicht nur der kaputte Riemen. Das Biest hatte auch so seine Macken. Denk nur daran, dass das Fußpedal manchmal so komisch gesummt hat. Und nach langer Standzeit ist die Maschine von alleine losgelaufen. Ganz in Ordnung war sie ja nicht mehr …“.

Um nur drei Tage haben wir es komplett verhauen. :mrgreen:
Ich lasse mir von dem miesen Timing  meine Singer nicht vermiesen. Ich bin happy und habe gut zu tun. Reparaturen aller Art, neue Mückennetze für die Luken und Kissenbezüge stehen als erstes auf der Liste.

Und Achim? Achim versucht seit geraumer Zeit, Gitarrensoli zu spielen, die für seine Gitarren nicht geeignet sind. Sagt er zumindest. Zwei Bünde zu wenig, sagt er. Eine E-Gitarre wäre fein, träumt er vor sich hin. „Ist aber Quatsch“, räumt Achim von alleine ein.“ Zu groß. Dazu bräuchte der Verstärker auch noch Platz.“.
Sprach’s  – und wird im Internet fündig: eine Reise-E-Gitarre.  Ansprechend klein, aber hässlich wie die Nacht. Der Verkäufer ist bereit, zu uns aufs Boot zu kommen. Achim und er werden sich schnell handelseinig. Die unansehnliche Gitarre wechselt den Besitzer.

Es sind jetzt drei (in Worten drei) Gitarren an Bord, plus eine Ukulele. Langsam wird es eng. Uns geht der Platz aus.
Gelten für Gitarren Sonderregeln? Oder was ist hier los? Wer die Pfaff genommen hat, kann doch sicher auch noch eine Gitarre gebrauchen? :mrgreen:

Reise-E-Gitarre – die Verkaufsanzeige.
Wirklich sehr klein. Achim spielt ohne den Armaufsatz – das gefällt ihm besser. Ein Schnäppchen für 220 Euro – aber die Optik …

Tonstudio Atanga. Der Verstärker wird an die Gitarre angeschlossen. Nur Achim kann sich über Kopfhörer hören (über den Laptop gibt es noch Soundeffekte dazu. Das hat er sich fein ausgedacht).
Ich höre davon im Salon nur ein leises ‚Pling-Pling‘.

Es ist ja nicht so, dass die Instrumente nicht benutzt werden. Keine Showfotos.
Achim spielt immer hinten in der Achterkoje. An seinem Lieblingsplatz: schattig, aber nicht kühl.

Zyklon-Sicherung in der Marina

Dienstag, 18.11.25; Neukaledonien/Nouméa; Tag 4.189

Dass ein Zyklon in der aktuellen Saison Einfluss auf Neukaledonien haben wird, ist so sicher wie die tägliche Ebbe und Flut. Seit 1970 gibt es kein Jahr ohne Ereignis. Einige Jahre bescherten der Region sogar drei Systeme.
Die gute Nachricht: Die meisten der Zyklone treffen nicht direkt, sondern ziehen mehr oder weniger nah an Neukaledonien vorbei. Leider haben auch vorbeiziehende Systeme einen negativen Einfluss, aber nicht diesen verheerenden Verwüstungs-Charakter eines direkten Einschlags.

Die zweite gute Nachricht: In den letzten 55 Jahren gab es nur sechs direkte Treffer aufs Land. Davon einen in Nouméa, im Jahr 2003. Dieser Zyklon hieß Erica und sorgte für schlimme Verwüstungen. Windböen von 227 km/h trafen die dicht besiedelte Region und verursachten massive Schäden. Erica forderte Todesopfer und machte Tausende Menschen obdachlos. Der Name „Erica“ wurde vom Zyklon-Namen-Rotationsplan gestrichen, was die Schwere des Ereignisses unterstreicht.

Mit diesem Wissen beobachten wir gespannt die Zyklonmaßnahmen in der Marina. Die jährlichen Wartungsarbeiten des ausgeklügelten Mooring-Systems stehen an. Die Mithilfe und Anwesenheit der Bootsbesitzer ist gewünscht, so dass richtig Betrieb in der Marina herrscht.

Fast alle Boote sind besetzt, um zu helfen. Wo keiner an Bord ist, springen die Marineros ein.

An jedem Liegeplatz führen zwei Pilotleinen zu Mooringleinen, die in fünf Meter Tiefe im Hafenschlamm liegen. Achtung! Ein dicker Bewuchs hat sich in einem Jahr angesammelt. An der dünnen Leine zieht Achim, um die Mooring zu bergen. Auch die Mooringleinen sind stark bewachsen, aber nur auf der Länge der Wassertiefe. Der Teil, der im Schlamm liegt, ist sauber.

An der Pilotleine zieht man die Mooring nach oben …

… die Mooring wird auf die Heckklampe geführt.

Diese Tampen – 18 mm stark  – werden auf den hinteren Klampen der Boote belegt. Über Kreuz (zur Nachbar-Mooring) führen sie quer durch die Boxengasse zum gegenüberliegenden Steg.

Jeweils über Kreuz verlaufen die Moorings der nebeneinander liegenden Schiffe auf den gegenüberliegenden Steg.

Unter jedem Steg liegt eine dicke Kette. „Wie dick ist dick?“, frage ich Pierre, der diese Ketten gesehen hat. Er zeigt die Größe eines Fußballs an. „Die sind richtig fett. Zusätzlich sind sie am Ende der Stege mit Erdankern am Hafengrund befestigt“. Erst vor vier Jahren wurden diese Ketten ausgetauscht, als die Stege in der Marina verlängert wurden. Am Ende der Stege wurden neue Pfähle mit einer 600-Tonnen-Barge in den Boden gerammt.

Ein Team von acht Tauchern springt ins Wasser um alle Mooringleinen, die jetzt schweben, abzustauchen. Liegen sie richtig über Kreuz? Gibt es Beschädigungen? Sind die Befestigungen okay? Während der Aktion darf niemand in die Boxengasse fahren. Ein Begleitfahrzeug passt auf, dass weder Taucher noch Leinen geschreddert werden.
Nach der Kontrolle werden die Mooringleinen von der Klampe am Boot abgetüdelt und versinken wieder im Schlamm. Der normale Marinabetrieb kann weitergehen.

Die Mooring wird am Heck vom Boot befestigt. Wo keiner an Bord ist, hilft auch der Taucher mit.

Die quer über die Boxengasse verlaufenden Moorings werden alle von Tauchern begutachtet.

Marina Moselle von oben (foto credit Google maps).
Die roten Linien stelken die Moorings dar. Jeweils zwei Stück werden am Heck eines Bootes befestigt. Die Enden der Moorings sind an der Kette befestigt, die sich unter dem gegenüberliegenden Steg befindet.

Im Falle einer Zyklonwarnung wird genauso verfahren, dass die Boote an den Mooringleinen festgemacht werden. Zusätzlich sind am Steg zwei weitere Vorleinen auszubringen. Diese müssen bei unserer Schiffsgröße mindestens 16 mm betragen. Dann wird das Schiff zwei Meter vom Steg abgerückt, Richtung Boxengasse. Alle Leinen werden stramm durchgesetzt. Unbedingt ist noch darauf zu achten, dass die Masten der ausgerückten Schiffe versetzt zueinander stehen. Die Marina versucht, dies durch die Belegung der Boxen mit 12-Meter-Booten im Wechsel zu 14-Meter-Booten zu fördern. Unser Nachbar Phillipp beteuert eindrücklich, dass die Masten wie verrückt schwingen sollen. Aber er ist, wie alle anderen, mit denen wir sprechen, sehr tiefenentspannt: „Hier sind wir alle sicher. Und es passt sowieso jeder auf jeden auf, dass alle Schiffe gut gesichert und vertäut sind.“

Die Vertäung der Boote im Falle eines Zyklons – alle Boote rücken zwei Meter vom Steg ab. Zusätzlich sind zwei weitere Vorleinen auszubringen.

Blau: der normale Zustand der Mooring – sie liegt ungenutzt im Schlamm. Rot bedeutet, dass eine Zyklonwarnung besteht. Die Moorings werden hoch gezogen ans Heck der Schiffe. Beide Zeichnungen stammen aus der Marina-Broschüre.

Wer während eines Zyklons nicht auf seinem Schiff bleiben mag, kann im Rathaus oder im Marinagebäude Schutz aufsuchen. Und ein paar Gebete können sicherlich auch nicht schaden.

Die Hauptgefahr eines Zyklons besteht im Januar bis März, wenn die Wassertemperatur am höchsten ist. Genau wie ein Hurrikan braucht ein Zyklon eine Wassertemperatur von 27 Grad oder mehr – allerdings muss diese Temperatur bis in eine Tiefe von 40 bis 50 Meter vorherrschen.
In den letzten vier Wochen ist die Temperatur in der Lagune rasant gestiegen. Zumindest in zwei Meter Tiefe: Anfang Oktober keine 24 Grad, Anfang November 27,7 Grad.
Von uns aus braucht das nicht so weiter gehen.

Versichert ist Atanga übrigens im Fall eines Zyklons nicht. Schiffsversicherungen sind schlau und schließen jede Haftung bei Stürmen mit Namen aus (es sei denn man befindet sich auf hoher See). Sollten wir also einen Zyklon erleben, so wäre doch Sturm ‚ohne Namen‘ eine gute Idee.

Marina Moselle. Die Einfahrt ist sehr schmal. Gut geschützt gegen den Schwell, den ein Zyklon mit sich bringt. Es heißt, der Schwell sorgt an Booten für mehr Zerstörung als der Wind. Daher die Idee der Spinnennetz-Verspannung der Moorings. (foto credit: newcaledoniasuperyachtagent)

Flaute

Dienstag, 11.11.25; Neukaledonien/Îlot Maître; Tag 4.182

Glücklich machende Flaute. Am Anker oder Mooring hängend, ist es am schönsten bei Flaute. Die Welt ist plötzlich lautlos, nur ein leichtes Gluckern gegen den Rumpf ist zu hören. Das Wasser ist nicht einfach nur glatt, es ist ein spiegelndes, tiefgrünes Glas. Zwar treiben die Schiffe dann häufig wirr durcheinander und es kann auch schon mal zu Berührungen kommen, wenn eng geankert wird.
Aber das glatt gezogene Wasser – himmlisch.

Dieser Kahn schwimmt unbewohnt neben uns – eine Berührung könnte das Sinken von Schrotti zur Folge haben. ;-)

Training mit dem Ausleger-Kanu – bei Flaute ein großes Vergnügen.

Erstmal abkühlen. Die Wassertemperatur hat jetzt 26 Grad erreicht.

Wir fahren nicht weit. Müssen wir auch nicht. Bereits vor der Haustür der Marina zeigt die Lagune, was sie kann. Besonders bei Flaute.

Der Supermond im November sorgt für eine extrem hohe Flut. Der Strand auf der Ostseite von Îlot Maître verschwindet komplett. Dies bietet uns eine Erscheinung, die wir noch nie gesehen haben. Tausende weiße Inselchen treiben auf der Wasseroberfläche.

King-Tide. Die höchste Flut im Jahr 2025 durch den November-Super-Mond.

Schwimmende Blüten? Unser erster Gedanke.

Ein „mikroaerodynamisches und hydrostatisches Auftriebsphänomen“, wie es wissenschaftlich heißt. Auf Deutsch: ein schwimmender Strand. Erst denken wir, dass es sich bei den weißen Flecken auf der Wasseroberfläche um Blütenblätter handelt. Bei Berührung mit dem Paddel rieseln die Blütenblätter zu Boden. Dann erkennen wir, dass es sich um schwimmenden Korallensand handelt. Pure Magie.

Die ungewöhnlich hohe Flut hat den stark ausgetrockneten Sand oberhalb der normalen Flutkante erreicht. Luft ist im trockenen Sand eingeschlossen. Wenn das Wasser langsam aufsteigt, wird diese Luft verdrängt. Gleichzeitig lösen sich Korallenpartikel und durch die Oberflächenspannung und eingeschlossene Luftblasen können große Sandfladen plötzlich schwimmen.  Voila! Und schon hat man einen ‚Sand raft‘ oder auch ‚bubble-lifted sediment layer‘ genannt.
Mutter Physik wieder voll bei der Arbeit. ;-)

Der Korallensand schwimmt. Sobald wir die Oberflächenspannung zerstören, ist der Zauber vorbei.

Und die Schildkröten. Meistens hauen sie ab, wenn sie den Schatten von unserem Kajak sehen. Wir könnten auch ein Hai sein. Aber einige passen nicht auf … wir kommen nahe heran.

Hunderte Schildkröten. Zeitweise schwimmen sie übereinander in zwei Etagen im flachen Wasser.

Für weitere Abwechslung sorgt die SNS 163 Nautile. Erst sehen wir sie ‚rot‘ schießen in der Abenddämmerung. Ungefähr zehn Raketen werden verschossen. Am nächsten Morgen machen sie neben uns an einer Mooring fest. Mann-an-Bord-hieven-Manöver werden mit verschiedenen Hilfsmitteln geübt. Gut zu wissen.
Ähnlich wie die Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger ist auch die SNSM (Société nationale de sauvage en mer [nicht nur wir Deutsche können sperrige Namen kreieren … ;-) ]) eine gemeinnützige Rettungsorganisation. Sie besteht allerdings fast vollständig aus Freiwilligen: Kapitäne, Mechaniker, Funker und Sanitäter. Die Finanzierung erfolgt über Spenden, Mitgliedsbeiträge und staatliche Zuschüsse.

Es wird ‚rot‘ geschossen. Zunächst ein Schreck bei der ersten Rakete. Aber nur eine Übung.

Nautile. Es kommen Rettungsnetzte und Seilzüge zum Einsatz.

Fünf Flautentage werden uns geschenkt. Morgen kommt der Wind zurück. Schade.

Veränderte Bedingungen

Dienstag, 04.11.25; Neukaledonien/Nouméa; Tag 4.175

Wir müssen zehn Tage warten, dann bekommen wir unseren festen Liegeplatz für die nächsten Monate zugeteilt. Dass wir überhaupt einen bekommen, verdanken wir unserem kurzen Schiff. Als wir Atanga vor 16 Jahren gekauft haben, waren 42 Feet Länge noch viel. In Dänemark mussten wir bei 4 Meter Breite häufig die Dalben auseinander drücken, um dazwischen zu passen.
Das hat sich geändert. Atanga bewegt sich inzwischen im unteren Längen-Viertel. Was für ein Glücksfall bei der Vergabe der Liegeplätze. Unter den zehn Katamaranen, die auf der Warteliste stehen, werden Liegeplätze verlost.
Wie die Sicherheits-Maßnahmen in der Marina ablaufen, falls sich ein Zyklon nähert, erfahren wir in zwei Wochen. Dann finden die jährlichen Wartungsarbeiten an Sicherungs-Moorings statt.

Dieser Platz gehört nun uns. Für die nächsten sechs Monate. Wir können in die Lagune segeln, wenn wir wollen. Ohne Abmeldung dürfen wir kommen und gehen. Der Nachteil, wir müssen den Liegeplatz auch bezahlen, wenn wir uns nicht in der Marina aufhalten. Mit einem großzügigen Monatsrabatt kommen wir ganz gut dabei weg (30 Euro für einen einzelnen Tag – 17 Euro im Monats-Abo).
Die Mehrkosten, die entstehen, stellen wir einfach Immigration Neuseeland in Rechnung. :mrgreen:

Reihenschiff-Siedlung. Viele Schiffe sind bewohnt, allerdings keine Ausländer wie wir.

Auf diesem Platz haben wir schon  vor ein paar Wochen gelegen. Kennen die Nachbarn.
Das ist nun unser Liegeplatz für das nächste halbe Jahr – Phillipp neben uns wohnt nicht auf dem Schiff – ist aber am Wochenende immer für ein Schwätzchen zu haben.

Unsere Entscheidung, Neuseeland doof zu finden (die falsche Behauptung über Achims Visum wurde noch nicht zurückgenommen. Auch dem Storno unseres Visums fehlt die Bestätigung – man ahnt förmlich, dass wir mit Employee 50.496 noch nicht fertig sind), bringt veränderte Bedingungen mit sich.

Das Beste ist, wir brauchen nicht nach Neuseeland segeln. ;-) Tausend Meilen direkte Strecke, dabei 300 Meilen nach Ost gutzumachen, wäre vielleicht nicht so schön geworden. Das ist Geschichte, Schwamm drüber.

Der meistgesprochene Satz die letzten Wochen lautete: „Das besorgen wir dann in Neuseeland.“ Der Euro-Dollar-Kurs stünde gut für uns. Über zehn Prozent Verfall, seitdem wir dort gewesen sind. Ein paar Schönheitsreparaturen standen auf der Liste. Eine neue Membran für den Wassermacher. Ein neuer Laptop für Achim, vielleicht neue Handys für uns beide. Neuseeland ist mit dem schlechten Dollarkurs ein Einkaufsparadies.
Das sieht vor Ort anders aus. Nicht nur, dass es nicht alles gibt. Das, was vorhanden ist, kostet zwanzig bis vierzig Prozent Aufschlag. Und wer will schon eine Tastatur mit ‚Azerty‘?
Man kann sich auch einfach etwas schicken lassen. Alle Lieferungen über SVB, Temu oder Alibaba müssen über einen Zollagenten abgewickelt werden. Elf Prozent Einfuhrumsatzsteuer plus Zoll von bis zu 20 Prozent machen jedes Schnäppchen kaputt. Unser neukaledonisch-französischer Nachbar hat sich einen Speedy-Stitcher – eine Art Handnähmaschine für Segelreparaturen – von einem Kumpel aus Australien mitbringen lassen. Ein Artikel, der fünfzig Euro kostet.
„Anders geht es nicht“, sein trockener Kommentar.

Unsere australischen Vorräte der Besonderheiten wie Nüsse, Sonnenblumenkerne und Roggenmehl sind aufgebraucht. Es gibt einen Bio-Laden im Zentrum. Roggenmehl ja, Sonnenblumenkerne nein. In Laufweite haben wir drei Supermärkte. Keiner hat Rosinen. Wir erweitern unsere Runde auf die Außenbezirke. Neun Kilometer später hat der Einkaufs-Marathon Erfolg. Die Sonnenblumenkerne sind wieder aufgefüllt.
Die Fahrräder auszupacken, dazu konnten wir uns noch nicht durchringen. Die Marina ist umzingelt von steilen Bergen. Dort müssten wir in jedem Fall schieben.

Einer der besseren Supermärkte auf unserem Rundgang.

Der Supermarkt bei uns um die Ecke. Der ist brauchbar, aber schwankend im Angebot. Immer mal wieder gibt es etwas überhaupt nicht zu kaufen.

Auf unserem Weg durch die Stadt finden wir diesen Pizza-Automaten. In drei Minuten fertig – pfui.

 

Hinter der Wasserfront wird es steil – überall stehen solche Berge rum – kein Fahrradparadies.

Aber wir haben die Lagune vor der Tür. Die Wassertemperatur steigt kontinuierlich an. Herrliche Badefreuden erwarten uns. In ein paar Tagen geht es raus. Wer braucht da schon Rosinen?

Eskalation Neuseeland

Montag, 27.10.25; Neukaledonien/Nouméa; Tag 4.167

Freunde einer schnellen Antwort, ob wir nun nach Neuseeland segeln oder nicht, brauchen nur nach unten zu scrollen auf das Foto.
Freunde von Behörden-Chaos-Geschichten mögen weiterlesen. ;-)

Nachdem Achim ein zweites Mal an die Eskalations-Mail-Adresse geschrieben hat, dass unser Antrag liegen geblieben ist und Nummern vertauscht wurden, beginnt der eigentliche Spaß.

Eskalations-Mail-Adresse Numero 1

Innerhalb von 24 Stunden erhalten wir erneut eine Antwort.
In der steht das Gleiche, wie in der ersten Mail: Man hat unsere Beschwerde bereits an den Mitarbeiter bei Immigration weiter geleitet. Mehr könne man nicht für uns tun.
Damit es auch Doofe verstehen, ist der Text nun mit gelben Textmarker markiert.

Eskalations-Mail-Adresse Numero 2

Achim findet eine zweite Beschwerde-Adresse.
Er schickt den gleichen Text wie zu Numero 1.
Wir erhalten nun Antwort von einer dritten E-Mail-Adresse.
Auf die kann man sogar antworten!
Der Schreiberling gibt sich als Mitarbeiter 50.496 von Immigration Neuseeland zu erkennen.
Die Anforderung eines Führungszeugnisses sei angebracht, da Achim mit dem jetzigen Antrag von sechs Monaten plus der bereits verbrachten 19 Monate die Summe von 24 Monaten Aufenthalt in Neuseeland übersteige.
Die medizinische Untersuchung sei angebracht, da Achims damaliges Visum (aus dem Jahr 2022) den Vermerk ASH (Approved Subject to Health – Zulassung vorbehaltlich der Gesundheit) trug. Sprich, ein neues Visum wird nur erteilt nach Gesundheits-Check.
Von mir ist nach wie vor nicht die Rede, obwohl wir über den gleichen Antrag laufen und bearbeitet wurden.

Fehler von NZ

Der Vermerk von ASH ist eine Erfindung von Employee 50.496.
In unserem gesamten realMe-Account findet sich kein einziger Hinweis darauf.

Unser Fehler

Wir haben dem Punkt ‚mehr als 24 Monate Gesamtaufenthalt‘ nicht die nötige Aufmerksamkeit geschenkt. Dass tatsächlich der Aufenthalt in Neuseeland ein „Leben lang“ kumuliert wird.
Wir kennen drei deutsche Crews, die über mehrere Jahre Pingpong zwischen Neuseeland und Fiji gespielt haben. Deren Zeit-Konten sind übergelaufen, niemanden hat es gekümmert. Es galt nur die ungeschriebene Regel: „Bleib 181 Tage außer Landes“.
Während und nach Corona wurde die Nutzung des realMe-Systems ausgeweitet. Unabhängig von realMe wurden nach der Pandemie Visumsanträge generell strenger betrachtet.
Plötzlich mussten auch die Pingpong-Crews Führungszeugnisse erbringen.
Das wussten wir nicht.

Die zweite Mail an 50.496

Achim erklärt, dass weder in alten, noch in neuen Anträgen jemals ASH erwähnt wurde, dass er bei einem neuen Visum einen Medi-Check vornehmen lassen müsste.
Unser jetziger Antrag im August sei auch schlank durchgegangen. Überall ‚grüne Häkchen‘, keine Anforderungen erforderlich.
Achim zieht dann noch die Zyklonsaison-Karte. Dass wir nur durch die Nichtbearbeitung unseres Antrages jetzt in eine zeitliche Notlage geraten sind. Und wir in der Kürze der Zeit beide Bedingungen nicht erfüllen könnten.
Und er fragt, was denn eigentlich mit seiner Frau los sei.

Die Antwort von 50.496

50.496 bleibt bei seinen Ausführungen.
Mit dem Antrag aus dem Jahr 2022 wurde Achim als gesundheitlich geeignet eingestuft – unter der Bedingung, dass mit dem nächsten Antrag ein ärztliches Zeugnis vorgelegt wird.
Das polizeiliche Führungszeugnis des Heimatlandes (Character Requirement) sei erforderlich.
Und jetzt wird es lustig: „Bezüglich Ihrer Ehefrau Sabine: Sie ist weiterhin Teil Ihres Antrages und erfüllt sowohl die Gesundheits- als auch Charakteranforderungen.“ :mrgreen:
Dass ich mich zeitweise in einem Wurmloch befunden haben muss, kommt für uns beide überraschend. Wir haben exakt die gleichen Tage in Neuseeland verbracht. Und trotzdem: Meine 19 plus 6 Monate ergeben weniger als Achims.

Unsere Entscheidung

Wir ziehen unseren Antrag zurück im realMe-System.
Gleichzeitig bittet Achim um Korrektur bzw. Löschung der falschen Angaben bezüglich des ASH Vermerks (man weiß ja nie – plötzlich und unerwartet muss man nach Neuseeland reisen).
Wir werden auch kein NZeTa (für einen Kurzaufenthalt von 90 Tagen) stellen.
Das NZeTa ist nämlich kein Visum, sondern nur die Genehmigung, nach Neuseeland einreisen zu dürfen, ohne vorheriges Visum. Die eigentliche Einreiseerlaubnis (das sogenannte Visitor Visa on Arrival) wird erst bei der Ankunft durch die Einwanderungsbehörde erteilt.
Der Beamte an der Grenze kann die Einreise verweigern. Unter anderem mit der Begründung, dass man die „Good-Character“- Eigenschaften nicht erfüllt. :lol:
Im schlimmsten Fall würde das die sofortige Ausreise-Aufforderung von Achim zur Folge haben.
Und selbst, wenn die ersten 90 Tage gut gehen sollten, so fällt uns spätestens bei der Verlängerung um weitere 90 Tage der üble Charakter von Achim vor die Füße.
Und vielleicht merkt dann irgendeine Blitzbirne sogar, dass ich genauso lange in Neuseeland war wie er und werde zum Arzt genötigt.

Unsere Gefühle

Natürlich sind wir sauer.
Und enttäuscht.
Aber auf den Mist haben wir keine Lust. Da muss man dann auch mal an der richtigen Stelle stur sein. Natürlich könnte Achim hier zum Arzt gehen (500 Euro ungefähr beim von Neuseeland autorisierten Privatarzt) und auch ein Führungszeugnis beantragen. Wann das käme, da schwanken die Informationen. Von ‚geht relativ schnell‘ bis zu 10 Wochen habe ich alles gefunden. Zu viele unbekannte Fallen lauern auf uns.
Wir verzichten auf Neuseeland. Eines unserer Lieblingsländer. Dort, wo wir leben könnten.
Die Entscheidung wird uns leicht gemacht durch die Zusage hier in der Marina, dass wir einen Zyklon „sichern“ (was ist schon sicher im Leben?) Liegeplatz bekommen können.
Der Zoll in Nouméa arbeitet blitzschnell. Nicht mal 24 Stunden braucht der, um uns eine Zollbefreiung für weitere sechs Monate für Atanga zu erteilen. Immigration ist kein Problem, Europäer dürfen in Neukaledonien bleiben, so lange sie wollen.
Können nur vermuten, was passiert ist. Die heißeste Theorie, dass unser Antrag hängen geblieben ist. Nach der Erinnerung und der Vermixung alter und neuer Visa-Nummern hat Employee 50.496 sich die Geschichte mit dem ASH-Vermerk „ausgedacht“. Um zu vertuschen? Um Zeit zu schinden? Wir wissen es nicht und werden es nie erfahren.
Wir werden die Rückerstattung der 280 Euro für den Antrag einfordern. Machen uns aber wenig Hoffnung.
Also, wir sind sauer. Fühlen uns unfair behandelt.
Wir machen jetzt das Beste draus und machen uns eine schöne Zeit in Neukaledonien.

Und wir haben einen heimlichen, fiesen Wunsch. Neuseeländer müssen in Zukunft, wenn sie nach Deutschland einreisen wollen, nur eine einzige Frage zur charakterlichen Eignung für einen Aufenthalt im CO2 befreiten Deutschland beantworten: Sind sie im Besitz eines 4×4 angetriebenen Geländewagens mit 3 Litern Hubraum, bei einem Verbrauch von 20 Liter auf 100 Kilometer und fahren damit an den Strand?
„Du kommst hier nicht rein!“  :-)

Aus! Ende! Vorbei! Neuseeland ist ausgeträumt.
Unsere letzte Landkarte brauchen wir nicht mehr.