Archiv der Kategorie: Atanga

Im Museum von Tahiti

Sa., 30.Nov.19, Franz.Polyn./Tahiti/Papeete, Tag 2008, 19.044 sm von HH

Das Museum über die Geschichte von Tahiti und den Inseln liegt fünfzehn Kilometer außerhalb von Papeete. Das hat wenig Sinn, es sei denn, ich möchte möglichst wenig Publikum in mein Museum locken.
Wir lassen uns von der Anreise-Hürde nicht abschrecken. Diesmal kann die Touristen-Information helfen, den richtigen Bus zu finden. Unerwähnt lässt die Touri-Info, dass das Museum gerade renoviert wird. Unerwähnt lässt das auch die Dame am Ticket-Tresen. Zur Zeit ist nur ein Ausstellungs-Raum geöffnet. Ein kleiner Raum. Ein sehr kleiner Raum. Dafür den vollen Eintritt von sechs Dollar zu nehmen. Nun, kann man machen, ist dann aber halt nicht ganz fair.

Dieser Raum ist ansprechend hergerichtet, die Ausstellungsstücke sind hübsch präsentiert. Ein paar Mörser, Angelhaken, Schmuckstücke und Tikis. Die Ur-Polynesier kannten kein Metall. Alles, was sie herstellten, wurde mit Werkzeugen aus Stein, Holz oder Koralle bearbeitet.
Leider sind die Beschriftungen im Museum nur auf Französisch und Polynesisch. Ärgerlich. Noch ärgerlicher ist, dass wir im Gästebuch am Ausgang lesen, dass wohl eine App fürs Handy existieren soll mit englischen Übersetzungen. Hat die Tresen-Dame leider nicht erwähnt.

Tiki von den Marquesas

Maske

kunstvoller Angelhaken

Kette von den Gesellschaftsinseln oder den Austral Inseln

Polynesien wurde von Asien aus besiedelt. In mehreren Schüben schreitete die Besiedelung der verstreuten Archipele im Pazifik weiter nach Osten vor. Vor ungefähr dreitausend Jahren kamen die ersten Siedler auf Fidschi, Tonga und Samoa an. Um nach Tahiti zu gelangen – 1500 Seemeilen weiter östlich – benötigten sie schlappe zweitausend Jahre. Jetzt ist es klar, warum wir es nicht schaffen aus Tahiti weg zu kommen. :mrgreen:

Besiedelungs-Routen des Pazifik

 

Wie geht es denn nun mit uns weiter? Eine berechtigte Frage. Wir schieben unsere Abfahrt von einem Tag auf den nächsten. Ein deutscher Katamaran in der Marina schiebt mit: „Wir fahren Sonntag! … Nee, nun geht es doch erst Donnerstag weiter!“
Im Dezember erfolgt der Wechsel von Süd-Ost-Wind auf Nord-Ost und die Regenzeit beginnt. Wir befinden uns im Bereich einer ausgeprägten Konvergenz-Zone, der Zone zweier aufeinander treffenden Wettersysteme. Innerhalb einer Konvergenzzone herrschen häufig Gewitter, Squalls, Windwechsel oder eben Flaute. Wenn die Polynesier so lange Zeit hatten nach Osten zu kommen, dann können wir auch noch ein paar Tage warten.

Besucher-Tipps für das ‚Musée de Tahiti et des Iles‘

– Das Museum liegt ca. 15 Kilometer südlich außerhalb Papeetes im Ort Puna’auia
– Eintritt 6 USD
– Öffnungszeiten: 9:00 bis 17:00 Uhr, montags geschlossen
– Anreise von Papeete ist mit dem Bus möglich (2,50 USD/Person). Der Bus hält hinter dem Obst-und Gemüsemarkt in Papeete in der Rue du Maréchal Foch. Der Bus trägt die Richtungs-Aufschrift: ‚Paea‘ et ‚Papara‘. Der Bus hat orangene Streifen an der Seite (es gibt auch Busse mit grünen Streifen).
– Dem Fahrer sagen, dass man am ‚Tamanu Center‘ oder beim Museum aussteigen möchte.
– Die Wohnstraße hinter dem ‚Tamanu Center‘ (und der Tankstelle) Richtung Meer bis zur nächsten Kreuzung gehen. An der Kreuzung rechts. Am Ende der Sackgasse befindet sich das Museum.
– Ungefähr 10 Minuten Fußweg
– Der Bus hat keinen Fahrplan, ca. alle 30 Minuten fährt einer nach Papeete zurück
-Es gibt wohl eine App fürs Handy mit englischen Texten zu den Ausstellungs-Stücken. Am Ticket-Schalter fragen

Osterinsel – unser Video

Do., 28.Nov.19, Franz.Polyn./Tahiti/Papeete, Tag 2004, 19.044 sm von HH

Wenn wir schon auf den Segelmacher warten müssen, dann produktiv. ;-)

Das Video von der Osterinsel ist fertig. Zwei Monate auf meiner Wunsch-Traum-Insel, die sich für uns beide als Ziel unter den ‚Top-10-der gesamten-Reise‘ herausgestellt hat.  Viel Spaß mit den Moai und der Grinsekatze (siehe unten  Foto).

Moai und Atanga

Moai und Atanga

Was macht Papeete aus?

So., 17.Nov.19, Franz.Polyn./Tahiti/Papeete, Tag 1995, 19.044 sm von HH

Da der Segelmacher uns auf nächste Woche Mittwoch vertröstet hat – eher hat er das Segel nicht fertig – geben wir nicht auf, doch noch ein paar schöne Flecken in Papeete zu finden.
Dazu muss man zehn Kilometer Richtung Norden radeln und Papeete verlassen. Endlich hört die lückenlose Bebauung an der Küste auf. Endlich gibt es öffentlichen Strand, der genutzt werden kann. An den schönsten Stellen haben sich Hotels breitgemacht. Auch klar. Leider bremsen uns Steigungen aus, die wir mit unseren Rädern nicht wuppen können. Hoch müssen wir schieben und runter ist auch kein Vergnügen. Da hängt man nur an der Bremse. Schneller trauen wir uns kaum noch (trotz neuer Bowdenzügen an den Bremsen) auf unseren etwas angeschlagenen Vehikeln bergab zu rollen.
Wir müssen an der vierspurigen Inselstraße entlang fahren, Nebenstrecken gibt es keine. Diese furchtbare Straße verschandelt Papeete und verschandelt die Insel, allgegenwärtig nervt diese Straße. Es gibt einfach zu viele Autos auf Tahiti. Ein Bus fährt ungefähr sechsmal am Tag um die Insel. Definitiv zu wenig.

 

Die schönsten Abschnitte gehören zu Hotelkomplexen

Diesmal Pause mit Aussicht

Im Norden und aus Papeete raus ist Tahiti schön

Wer sein Fahrrad liebt, der schiebt bei 10% Steigung. Und das Rad der Frau gleich mit :-)

 

 

Öffentlicher Strand, leider direkt neben der vierspurigen Inselstraße

Papeete bleibt schwierig. Das Schönste an Papeete ist das ‚Hinano‘ Mädchen. Das wohl coolste Bier-Logo der Welt. Keine Kneipe ohne Hinano-Mädchen auf Schirmen und Überdachungen, kein Auto fährt ohne Hinano-Aufkleber, selbst Abstinenzler erliegen dem Charme und tragen das Mädchen auf T-Shirts, Kappen und Röcken. Das auf Tahiti gebraute Bier ist zweitrangig, wichtig ist nur das Logo. Der Ansturm von Touristen gilt nicht der Brauerei mit stylischer Glasfasade und Hinano-Mädchen über dem Portal, der Ansturm gilt dem Shop nebenan.

Die Gründung der Brauerei 1914 stand unter einem schlechten Stern, zweimal brannte der Firmensitz bis auf die Grundmauern nieder. Erst 1955, mit Einführung der sitzen ‚Vahine‘, der sitzenden Frau, in ihrem roten Pareo, der Hibiskus-Blüte hinter dem Ohr und dem weißen Blüten-Kranz im Haar, wurde das Bier zum Kult-Objekt. Der Entwurf des schwedischen Malers ‚Peter Heyman‘ wurde bereits fünfmal an den aktuellen Zeitgeist angepasst – ohne an Grazie zu verlieren. Aktuell sitzt das Hinano-Mädchen mit geradem Rücken, wirkt europäischer, es hat seit 1962 einen Busen und schon immer nur vier Zehen.

Hinano-Mädchen im Wandel der Zeit

 

Hinano Bier gebraut auf Tahiti und Sponsor von Sufern und Wassersportarten

Einen weiteren Unterhaltungswert haben die Jugendlichen, die in großen Trupps nach der Schule am Hafen vorbei flanieren. Die Jungs tragen überdimensionale Lautsprecher mit Trage-Griff bei sich. Die sogenannten ‚Bose‘ (nach dem bekannten Hersteller von Boxen) werden übers Handy mit Musik gefüttert. Mit lauter Musik gefüttert, die so einfach aber nicht Musik genannt werden darf: irgendwelcher Elektro-Hipp-Hopp-Techno-Schrott. Schilder, die ‚Boom-Boom‘ und ‚Méga-Bass‘ verbieten, hängen zweisprachig an Lokalen aus. Die Bose tragen Überzieher mit klangvollen Namen wie ‚Batman‘ oder ‚Jet-Pilot‘. Manchmal darf auch ein Mädchen einen ‚Bose‘ tragen, aber das sieht man selten.
Mädchen wie Jungs tragen gerne Kniestrümpfe in Flip-Flops. :roll: Manchmal nur einen Strumpf oder zwei verschiedenfarbige Strümpfe. Gerne auch mit Cannabis-Blättern drauf. Über Mode-Geschmack kann man halt nicht streiten. Cool sind die Jungs, die ein Fahrrad haben. Hunderte von Metern können sie auf dem Hinterrad fahren. Einhändig sogar, geschickt balanciert. Normal gefahren wird praktisch gar nicht mehr. Alle Welt fährt auf dem Hinterrad.

Fahrrad nur auf dem Hinterrad

Fünf Jungs, drei Lautsprecher dabei und die Kniestrümpfe in Flip Flops

Und dann liegt noch dieser Geruch über Papeete. In Wellen legt er sich über den Hafen. Als ob Millionen Menschen sich mit Kokos-Sonnenmilch einreiben und gleichzeitig Kokos-Makronen backen. Kokos-Geruch tausendfach verstärkt. Mir haut das auf den Magen. Übeltäter ist die Kokos-Mühle im Hafen, die mit der Koprah, dem Kokosnuss-Fleisch, von den umliegenden Inseln beliefert wird. Gräuslich.

Koprah wird bei der Öl-Mühle angeliefert

Von der Marina kann man durch den Industriehafen bis zum Molenkopf radeln. Die lange, hohe Mauer hält den Schwell aus dem gesamten Bereich halten. Das klappt leider nur bis November, dann jetzt beginnt der Wind auf nördliche Richtungen zu drehen und der Schwell kommt prima in den Hafen gelaufen. Wir sind erschrocken, was aus der ruhigen Einfahrt mit glattgezogenem Wasser geworden ist. Ordentliche Brecher stehen rechts und links der Einfahrt neben den Fahrwasser-Tonnen. Wir merken denn Schwell auch am Liegeplatz in der letzten Ecke des Hafens. Es ruckelt seit ein paar Tagen ordentlich in den Tampen. Es wird Zeit, dass wir hier verschwinden. Also, der Segelmacher soll einen Schlag reinhauen.

Wilde Einfahrt in den Hafen von Papeete bei Nord-Schwell

In der hintersten Eckelinks vor den Bergen befindet sich die Marina im Hafen von Papeete

Wanderung zum Wasserfall Fautaua

Mi., 13.Nov.19, Franz.Polyn./Tahiti/Papeete, Tag 1991, 19.044 sm von HH

Was für eine geile Wanderung. Am Ende hapert es nur an ein paar fehlenden Seilen und dem letzten Funken Mut ohne Seil zur Fallkante eines Wasserfalls zu rutschen.

Fautaua Wasserfall – 120 Meter – und am Kopf kann man ein Bad nehmen

Fautaua – Fluss und Wasserfall tragen den gleichen Namen – liegt fünf Kilometer vom Stadtkern entfernt. Da wir keine Lust auf eine öde Stadtwanderung haben, wählen wir die Räder. Natürlich geht es die gesamte Strecke bergauf. Schweißüberströmt erreichen wir das Wasserwerk. Hier hört die Straße auf, ein ebener Feldweg führt am Fluss entlang. Nach einer Stunde geht es in den Wald hinein. Steil, aber über einen gut begehbaren Trampelpfad. Schon von weitem hören wir den Wasserfall rauschen und auf einer Lichtung bekommen wir ihn auch zu sehen. Eingerahmt von senkrechten grünen Wänden.
Durch den dichten Wald geht es mal moderat, mal heftig weiter. Wir plagen uns vorwärts.

 

Tolle Wanderung am der Bergflanke entlang

auf üppigen Dschungel-Pfaden

Da es keine Hinweis-Schilder gibt, laufen wir zunächst an der richten Abzweigung zum Kopf vom Wasserfall vorbei. Als wir am Ufer vom Fautaua stehen, versuchen wir zunächst unseren Weg über die großen Steine am Flussbett zu finden. Falsch gebaute Steinmännchen führen uns in die Irre. Das Ufer ist eine Sackgasse – hier sind wir falsch. Wir kraxeln zurück. Versuchen mal hier, mal dort den richtigen Weg zu finden, immer den Wasserfall im Ohr.

Fautaua

Am Ufer vom Fautaua sind wi falsch – er gibt aber eine schöne Abkühlung

Auf dem Rückweg entdecken wir dann die Stelle für den Abstieg. Au weia. Hier geht es aber steil runter. Zum Glück hat es die letzten Tage nicht geregnet, wir wagen es und lassen uns mit Hilfe von Seilen den Abhang hinunter. Die Frage, wie man wieder hoch kommt, ist später zu klären.

Fast senkrecht

geht es hundert Meter

geht es hundert Meter

zum Wasserfall

runter

Die Belohnung soll ein kühles Bad im glasklaren Fautaua sein und für die Mutigen ein Blick den Wasserfall hinunter. Zwei Becken sind durch eine natürliche Wasserrutsche miteinander verbunden. Darüber wölbt sich der Fels zu einer Art Grotte. Von oben tropfen schmale Kaskaden in die Becken. Ein verwunschener Platz.
Die Seile an der Wasserrutsche sind leider gerissen. Kommt man überhaupt ohne Seil zurück? Oder nur mit üblen Hautabschürfungen? Oder ist man für immer gefangen im letzten Becken vor dem Fall? Wir überlegen und entscheiden uns gegen die Rutsche. Feiglinge! Also begnügen wir uns mit einem Picknick.

Das Becken vor dem freien Fall

Von hier gelangt man in die Becken, aber ohne Seil auch zurück?

Erste Kaskade vor den Becken

Der Rückweg führt die gleiche Strecke zurück. Die Kletterpartie aufwärts an den Seilen entpuppt sich als harmlos. Wurzeln, die als Haltegriffe dienen und das Seil machen es einfacher als befürchtet. Fünfeinhalb Stunden erreichen wir wieder den Eingang und sind froh, dass unsere Räder dort stehen und wir nicht weitere fünf Kilometer laufen müssen. Eine geile Wanderung.

Wanderweg Informationen

1. Man muss sich im Rathaus eine Genehmigung für die Wanderung holen (Kostenpunkt 6 USD/Person/Stand 11/2019). Das geht bereits am Vortag. Das Rathaus öffnet um 8:00 Uhr. Bei Regenwetter wird keine Genehmigung erteilt. Unsere Genehmigung wurde kontrolliert hinter dem Tor vom Wasserwerk. Dort kann man kein Ticket kaufen.

Kontrollstation

2. Von der Innenstadt Papeete bis zum Tor sind es ca. 5 Kilometer relativ öde Strecke durch Wohngebiet. Es gibt auch einen Bus, der am Wasserwerk hält. Welcher Bus dort fährt, kann nur jemand herausbekommen, wer fließend Französisch spricht. Die Touristeninformation ist keine Hilfe dabei.

3. Es gibt einen Wanderweg zum Fuß und einen Weg zum Kopf des Wasserfalls. Zu Beginn sind beide Strecken identisch. Ein leicht zu laufender Wirtschaftsweg führt am Fluss entlang. Nach ca. einer Stunde gabelt sich der Weg. Wer zum Kopf des Wasserfalls möchte, muss links über die Brücke.

Über diese Brücke kommt man zum Kopf des Fautaua Wasserfalls

4. Von jetzt an geht es auf einem gut erkennbaren Pfad bergauf durch den Wald. Nach ca. 1,5 Stunden erreicht man die Reste eines alten Forts. Hinter der Mauer muss man rechts abbiegen.

An dieser Mauer muss man entlang, um zum Abstieg zu kommen

5. Hinter den Mauerresten geht es ca. 100 Meter steil bergab zum Wasserfall. Gespannte Seile und Wurzeln helfen beim Abstieg.

6. In den beiden Tümpeln vor dem Wasserfall kann man baden. Seile helfen, dass man über die natürliche Wasserrutsche wieder zurück kommen kann. Bei uns fehlten die Seile zum Teil oder waren kaputt, so dass wir auf ein Bad verzichtet haben.

Warten auf den richtigen Wind

Mo., 11.Nov.19, Franz.Polyn./Tahiti/Papeete, Tag 1989, 19.044 sm von HH

Wir sitzen total weichgespült vor den Windvorhersagen: „Zu viel Wind, zu wenig Wind, falsche Richtung, falscher Tag.“ Noch nie hatten wir so wenig Motivation weiter zu segeln. Wie befürchtet. Wer vom Pferd fällt, soll sofort wieder aufsteigen. Gilt das auch für Segler, die zweimal umdrehen? Uns egal.
Seit 1. November ist Nebensaison, die Marina kostet weniger als die Hälfte vom normalen Preis – nur noch 15 USD/Tag. Warum also weiterfahren? ;-) Keine Ausrede ist uns zu doof. Gespräche mit den Crews von Nachbar-Booten, die schon ein paar Jahre hier segeln, helfen unserer Demotivation: „Geduld, der Nord-Ost-Wind, den ihr braucht, er wird kommen.“
Achim packt die Fahrräder wieder aus, auf dem Vorschiff ist die Wäscheleine gespannt. Wir werden zum Wohnschiff. Und dann entdecken wir auch noch eine offene Naht am Vorsegel. Der UV-Schutz hat sich großflächig abgelöst. Na, wenn das kein Grund ist zu bleiben? Zum selber nähen, ist die Strecke zu lang, also kommt der Segelmacher am Freitag und holt das Segel ab.

Jetzt, wo die Räder mal draußen sind, machen wir das Umland unsicher. Sobald man den halbschönen Innenstadt-Kern verlässt, wird es richtig hässlich. Vierspurige Ausfallstraßen führen an der Küste entlang. Halt! Nicht an der Küste. Einen Blick aufs Wasser zu werfen, ist unmöglich. Der gesamte Uferbereich ist zugebaut. Stichwege, die zum Wasser führen, enden an einer Mauer oder Zaun. Wohnblocks, Kleingewerbe, wie Autowerkstätten und Tischlereien, versperren den Weg. Es gibt keine Parks, keine Bänke, keinen Platz für eine nette Brotzeit. Fahrradwege existieren selten, bevorzugt dort, wo der Verkehr sowieso schon dünner ist. Wir fahren auf den menschenleeren Fußwegen. In Papeete geht niemand zu Fuß. Das Auto oder ein Motorroller sind Transportmittel Nummer 1. Auf den Fußwegen stehen Reklametafeln oder Laternenpfähle im Weg. Alle fünf Minuten muss man absteigen. Die Küstenstraßen kann man in alle Richtungen vergessen, ist an Unattraktivität kaum zu überbieten.

Unsere Rast machen wir an einer Bushaltestelle an der vierspurigen Schnellstraße

Besser wird es, wenn man ins Landesinnere radelt. Hier stehen unerhörte Steigungen in die schroffen Berge unseren Rädern entgegen. Nur in den Tälern kommt man ohne Herzkasper voran.
Eingebettet zwischen den Bergen stehen einfache Häuser mit Wellblechdächern, aber auch eine Art Reihenhäuser, die uns fehl am Patz erscheinen. Mit „Abenteuerspielplatz“ vor der Haustür, wo hundert Meter weiter der Dschungel mit mehr Abenteuer aufwartet als man braucht.

Reihenhäuser am Ende vom Tal mit Spielplatz

Typischer Querweg, der durch Wohnviertel steil in die Berge führt

Jungs sitzen vor einem Gemeinschaftsfernseher am Straßenrand, schauen Fußball. Die Mädchen flanieren Arm in Arm von der Mehrzwecksporthalle mit Picknickplatz zum Fluss, in dem sich die Kinder amüsieren. Wir werden freundlich gegrüßt, uns wird der Weg gezeigt, wenn wir nicht weiter wissen.
Die schöne Seite von Tahiti.

Wohnen im Tal – alles ist blitzsauber und aufgeräumt

Wohnen am Fautaua

Fußball gucken an der Straße

Badespaß im glasklaren Wassers des Fautaua, der weiter flußaufwärts mit Hilfe eines Wasserwerkes Tahiti mit Trinkwasser versorgt

Scheitere erneut, scheitere besser!

Do., 07.Nov.19, Franz.Polyn./Tahiti/Papeete, Tag 1985, 19.044 sm von HH

Wir sind schon wieder umgedreht! :mrgreen:
Diesmal nach Tahiti zurück. Wären wir bloß letzte Woche weiter gesegelt, da hatten wir nur Windstärke 6, heute hatten wir Windstärke 7.

Als wir aus der Cook Bay kommen, gibt es zunächst in der Abdeckung keinen Wind. Bis zur Windkante motoren wir. Die Dünung, die uns entgegenkommt, ist unangenehm hoch und spitz und kurz in der Frequenz. Das hätte uns stutzen lassen können. Nach einer Stunde stellt jemand die Windmaschine an: von jetzt auf sofort haben wir 25 Knoten Wind. Ätzend. Wir fahren im zweiten Reff im Groß und in der Fock hoch am Wind. Liegen hart auf der Kante. Aber wir kneifen die Backen zusammen. Umdrehen kommt nicht in Frage. Das ruiniert ja den Ruf total.

Beweisstück Nr. 1 – hier zittern sogar dem Fotografen die Hände und alles ist verwackelt

Vorhergesagt ist ein Grundwind von 16 Knoten. Der Wind weiß davon nichts und legt eine Schippe drauf. Über 30 Knoten in Böen. Wir müssten eigentlich noch ein Reff mehr einbinden. Achim spricht als erster von ‚umdrehen‘. Ich stehe am Ruder (mach ich immer, wenn es etwas wilder zugeht. Das bewahrt mich vor Seekrankheit – bei hoch am Wind trifft es mich am leichtesten – und vermeintlich habe ich dann die Kontrolle, was mir ein besseres Gefühl gibt als nur auf den Windmesser zu starren) und will davon nichts hören. „Lass uns noch warten, vielleicht lässt der Wind ja nach.“ Wenn wir jetzt umdrehen, weiß ich nicht, wo ich erneut die Motivation für einen dritten Versuch (eigentlich ja sogar fünften Versuch, wenn man die beiden Abbrüche wegen ‚kein Wind‘ mitzählt) hernehmen soll.

Beweisstück Nr. 2 – Schieflage

Beweisstück Nr. 3 – gute Laune sieht anders aus

Beweisstück Nr. 4 – ’n büschen Wind

Zwei Stunden donnern wir nach Norden, schaffen zwischen 10 und 20 Grad, das ist nicht berauschend, wir wollen doch Ost gut machen. Teilweise schaffen wir 7,5 Knoten, manchmal blitzen sogar 8 Knoten auf. Ein weiteres Reff wäre nicht schlecht, aber wir bleiben hart gegen uns selber. Die Welle kommt sehr seitlich und ungewöhnlich hoch. Noch nie haben wir so viel Wasser genommen, selbst auf dem schlimmen Trip nach Kolumbien nicht.
Am Ruder stehend, bekomme ich eine Dusche nach der anderen und das Wasser, was wir über den Bug aufnehmen, schwappt buchstäblich als Welle an unserer Sprayhood hoch. Achim steckt tatsächlich das untere Schott vor den Niedergang. Das machen wir nur äußerst selten. Hab ich schon gesagt, dass ein Reff nicht schlecht wäre?

Beweisstück Nr. 5 – frisch geduscht

Es wird immer unerfreulicher, statt besser. Ich sehe es ein, das ist es nicht wert. Wir drehen um! Nach Moorea wollen wir nicht zurück, die 15 Meilen Ost-Gewinn geben wir nicht wieder her. Das bedeutet, der Rückweg ist ebenfalls hoch am Wind. Eigentlich müsste ein weiteres Reff in die Segel, ;-) aber unser Wendewinkel ist mit 150 Grad so schon bescheiden genug. Damit wären wir nie angekommen. Wir bleiben hart und reffen nicht. Der Wind bleibt ebenfalls hart. Keinen Knoten gibt er nach, Grundwind 10 bis 12 Knoten mehr als vorhergesagt. In Böen entsprechend mehr.

Jetzt liegen wir in Papeete und halten es mit ‚Samuel Beckett‘: „Immer versucht, immer gescheitert, egal, versuch‘ es wieder, scheitere erneut, scheitere besser.“

Beweisstück Nr. 6 – auf dem Rückweg ist die Laune schon besser

Beweisstück Nr. 7 – weiterhin viel zu viel Wind für hoch am Wind

Beweisstück Nr 8 – Kleiner Ausritt nach Norden. Zwanzig Meilen gesegelt und Nach Osten vielleicht 4 Meilen gut gemacht

Wem soll man glauben?

Mi., 06.Nov.19, Franz.Polyn./Moorea/Cook Bay, Tag 1984, 19.044 sm von HH

Neben uns am Anker liegt die Alrisha. Brigitte und Ferry kennen wir seit Kolumbien, bereits seit über zwei Jahren. Immer wieder haben sich unsere Wege getrennt und erneut gekreuzt: Panama, Ecuador, Osterinsel, Gambier und jetzt Französisch Polynesien.
Die beiden warten genau wie wir auf ihr Wetterfenster. Sie wollen auf die Marquesa Inseln, ein harter Ritt von 700 Seemeilen gegen den Wind – hier zu verfolgen.
Der logische Weg für die Alrisha führt über die Tuamotu, deckt sich also über zweihundertfünfzig Meilen mit unserem Plan. Eine kurze Nord-West-Wind-Lage am Wochenende haben wir verstreichen lassen, weil sie uns zu kurz erschien, um das Ziel zu erreichen. Die Alrisha, weil sie technische Probleme hatte.

Alrisha und Atanga am Anker

Jetzt hocken wir gemeinsam über den Wetterkarten und grübeln. Alrisha ist Kunde eines bekannten deutschen Anbieters für Wetterdaten. Wir beziehen unsere (kostenlosen) Infos von zyGrib oder Saildocs.
Unsere Vorhersage prophezeit Süd-Ost. Die Angaben von Alrisha sind um 180 Grad gedreht, verheißen einen Nord-West-Wind. Da soll man nicht bekloppt werden. Wem soll man glauben?
Der Nord-West-Wind wäre göttlich. Er würde uns ein gutes Stück nach Osten bringen ohne gegen an knüppeln zu müssen.
Die Crews haben unterschiedlich entschieden. Alrisha ist heute gefahren, wir brechen Morgen auf. Ich habe wieder vorgekocht. Obwohl ich das aus abergläubischen Gründen eigentlich sein lassen sollte. Aber wenn wir hoch am Wind segeln müssen, gibt’s Achims berüchtigten Nudeln mit Ketchup. Da sorge ich doch lieber für zwei Tage mit richtigem Essen vor. Sollte der Nord-West-Wind wirklich eintreffen, so schmeckt mein Essen auch mit achterlichem Wind. :roll:

Unser Ziel? Das wissen nur die Götter. Es kommt darauf an, welche Wind-Vorhersage eintreffen wird. Es stehen uns ein paar Atolle in den Tuamotu zur Auswahl.

Nebenbei erkunden wir die nähere Umgebung oder laufen die unendlichen Kilometer zum Internet. Gegenüber von unserem Ankerplatz liegt ein kleiner Friedhof hoch in den Hang gebaut. Am Abend von Allerheiligen ist dort mächtig Betrieb. Die Autos verursachen regelrecht einen Stau vom Friedhof bis zur Kirche. Aus der Kirche schallt Allerheiligen mehrere Stunden Gesang und der Gottesdienst zu uns herüber.
Am nächsten Tag sehen wir den Grund für die vielen Autos: Die Gräber sind mit überdimensionalen Blumengestecken regelrecht zugepflastert. Die Gestecke wurden am Straßenrand von fliegenden Händlern und schon Tage vorher in Papeete auf dem Markt zu hunderten verkauft. Ich hatte mich schon über das Überangebot an Blumengestecken gewundert, auf Grabschmuck war ich nicht gekommen. Jetzt ist es klar.

Friedhof mit phantasitscher Aussicht

St: Joseph Kapelle in der Cook Bay

Blumengestecke zu Allerheiligen auf dem Friedhof

 

Bergwanderung auf Moorea

Fr., 01.Nov.19, Franz.Polyn./Moorea/Cook Bay, Tag 1977, 19.044 sm von HH

Wir nutzen die Zeit während wir auf unser Wetterfenster warten für eine Wanderung. Diesmal soll es in die Berge gehen. Was für eine schöne Entscheidung.

Vor dem Wald kommen wir durch Ananas-Plantagen

Unser Weg führt uns am ‚Pfad der Vorfahren‘ entlang. Lange vor der Ankunft der Europäer, vermutlich ab dem 14. Jahrhundert, haben die Polynesier heilige Bauwerke errichtet. Die sogenannten ‚Marae‘, dienten als Versammlungs- bzw. Zeremonien-Ort und zur Anbetung ihrer Götter. ‚Marae‘ bedeutet wörtlich ‚von Sträuchern und Bäumen‘ befreit.
Die größten Plätze haben eine Fläche von mehreren tausend Quadratmetern. Die wir heute zu sehen bekommen sind bescheiden klein. Errichtet sind die ‚Marae‘ aus Basalt oder Korallenkalkstein. Metall kannten die Polynesiern nicht, ihre Werkzeuge waren ausschließlich aus Holz, Stein oder Muscheln gefertigt. Viel ist heute nicht mehr übrig von den ‚Marae‘ auf Moorea. Archäologisch führen die Stätten der Gesellschaftsinseln ein Schattendasein. Die Osterinsel, Marquesas und auch Tonga ziehen alle Aufmerksamkeit auf sich.

 

Der bestrenovierte Marae auf unserer Wanderung

Auf dem Marae wurden Hochzeiten und Beerdigungen abgehalten, Verträge geschlossen und Recht gesprochen

 

Von Bäumen befreit trifft heute nicht mehr ganz zu

 

Die Strecke führt durch einen Pracht-Wald, der in der Hitze willkommenen Schatten spendet. Wir merken deutlich, dass es auf Sommer zugeht, die Mittagstemperaturen liegen inzwischen über 30 Grad. Die Belohnung für die Kraxelei den Berg hinauf ist eine perfekte Aussicht auf die Cook Bay und ihre Schwester-Bucht.

Moorea mit seinen berühten Bucten – rechts Cook Bay mit Atanga

Wie geht es jetzt weiter mit uns? Wir wollen nach Osten in die Tumamotu ,so viel ist klar. Wie wir das bei überwiegend Ostwind schaffen sollen, ist schlicht eine Geduldsfrage. Wir rufen zweimal täglich den Wetterbericht ab und begutachten die Lage. Der richtige Wind wird schon kommen, wir haben Zeit und die ‚Perle der Südsee‘ ist nicht der schlechteste Ort zum Warten.
Der Tiefdruck-Wirbel, der uns die Austral-Inseln hat streichen lassen, ist gewachsen. Dort pustet es in den nächsten Stunden mit Böen über 50 Knoten (das ist Windstärke 10). Wären wir an dem Tag, als wir ohne Wind nach Tahiti umgekehrt sind, weiter getrieben, so wie ich es wollte, wären wir in der Zwischenzeit sicher dort angekommen und hätten jetzt schön die Kacke am Dampfen. Haben wir aber nicht, Glück gehabt, der Käpt’n hat die richtige Entscheidung getroffen (deswegen ist er ja auch der Käpt’n) – gut gemacht, Skipper.
P.S. Nein, ich werde nicht gezwungen, das zu schreiben. :mrgreen:

Schöne Wald-Wanderung hoch auf 300 Höhenmeter

Viele Grüße von Moorea

Mi., 30.Okt.19, Franz.Polyn./Moorea/Cook’s Bay, Tag 1977, 19.044 sm von HH

Bei der Ausfahrt aus der Marina haben wir Null Wind. Wir liegen im Windschatten der Berge, aber durchs Fernglas sehen wir weiße Schaumkrönchen weiter draußen. Da ist Wind.
Wir setzten Vollzeug und motoren auf die Windschneise zu. Beim Erreichen legt sich Atanga hart auf die Backe. Wir tauchen in die Wellen ein. Bereits die zweite Welle spritzt Gischt bis zum Cockpit. Ist wohl mehr Wind als erwartet. :mrgreen: Windstärke fünf – 16 bis 18 Knoten – hart am Wind.
Schön ist das nicht, aber auszuhalten, nur der Kurs ist bescheiden. Wir müssten 35 Grad fahren, schaffen knapp 20 Grad. Eine Viertelstunde später geht Achim reffen, Windstärke sechs in Böen. Der Kurs wird durch das Reffen noch beschissener. Nur noch zehn Grad jetzt. Aber mit Vollzeug hält das keiner aus. Also, wir Warmduscher halten das nicht aus.
Bald sind wir komplett aus der Abdeckung von Tahiti raus. Der Kurs wird nicht besser. Trotz Reff liegen wir schwer auf der Seite. Konstant haben wir jetzt über 21 Knoten Wind. Wahren Wind. Es ist ekelhaft. Schnell ist errechnet, dass wir bei dem Kurs maximal 30 Meilen am Tag nach Osten gut machen würden. Beanspruchung für Mensch und Maschine.

Ein Blick über die Schulter nach hinten links: Moorea im Blick! Süßes Eiland, verlockend nach. Oh, du wunderschöne Insel. Ruder hart Backbord und die Sache ist erledigt. Wir brauchen genau 50 Minuten für diese Entscheidung. Sofort ist Ruhe im Schiff. Den Wind haben wir jetzt achterlich und herrliches Kaffee-Segeln.
Wenn einem unterwegs so ein Wetter erwischt, dann muss man dadurch. Oder wenn man nicht anders kann, weil man irgendwo weg muss. Aber ohne Not – nein danke, das brauchen wir nicht. Wir haben genug Zeit, um auf ein Wetterfenster zu warten und uns Plan C und Plan D zu überlegen.

Drei Stunden später erreichen wir die Cook’s Bay. Ohne Wale heute, aber noch genauso schön wie letzte Woche. Und mein, zum dritten Mal, wichtig vorgekochtes Essen schmeckt auch am Anker.

Viele Grüße von Moorea,
Eure Weicheier von der Atanga

Die Softy-Crew der Atanga

Manchmal muss man vernünftig sein

Di., 29.Okt.19, Franz.Polyn./Tahiti/Papeete, Tag 1977, 19.020 sm von HH

Vernünftig sein? Passt nicht so recht zu meinem Lebensmotto: ‚Wer nichts wagt, der nichts gewinnt. No risk, no fun!‘ Ich hatte zwar als Buchhalterin den spießigsten Job der Welt, aber vernünftig sein, pffft. Achim hat es da schon mehr mit der Vernunft.
Aber die Entscheidung ist gefallen (einstimmig diesmal und nicht so eine einsame Kapitäns-Entscheidung wie mit dem Umdrehen vor Moorea … die übrigens richtig war :roll: , aber da schweigen wir drüber, kann auch nur Glück gewesen sein), wir wollen gemeinsam vernünftig sein. Die Entscheidung ist gefallen, dass wir nicht nach Süden, nicht auf die Austral Inseln segeln werden. Uns läuft einfach die Zeit davon.

– wir wollten ja schon spätestens (!) vor 14 Tagen auf dem Weg sein
– die nächsten 7 bis 10 Tage können wir nicht los. Ein Tiefdruck-Wirbel bringt starken Westwind im Süden – noch mehr Zeitverzug.
– allerdings, bei Westwind sind die Ankerplätze auf Tubuai und Raivavae (die ersten beiden Ziel-Inseln) nicht sicher. Ausweichplätze gibt es nicht.
– im Oktober ist eine erhöhte Zyklon-Warnung für die Austral-Inseln für 2019/2020 veröffentlicht worden (www.niwa.co.nz)

Tubuai Wetter in den nächsten Tagen – nix für uns

Die Austral-Inseln sind nie ohne Zyklon-Risiko. Das wussten wir. Zu Beginn der Saison, im November, ist das Risiko aber vertretbar. Somit war der Plan, dass wir bereits Ende November auf dem Weg zur letzten Inseln – nach Rapa – sein wollten, die als Zyklon frei gilt. Wenn wir jetzt aber noch zehn Tage warten müssen, dann vier Tage runter segeln, ist der November halb rum. Kaum Zeit die zwei Inseln zu besuchen, den Druck ständig im Nacken, weiter zu müssen. Dann noch die Warterei aufs Wetterfenster nach Rapa. Da braucht es schon etwas nördliche Winde, sonst kommt man da nicht hin. Noch mehr Druck. Das ist nicht unser Ding.
Und abergläubisch sind wir ja außerdem: bereits zweimal wurde unser Start Richtung Austral verhindert. Man muss Zeichen auch sehen, wenn sie leuchten. ;-)

Vielleicht sind wir zu ängstlich, aber einmal im Leben vernünftig sein.

Lange Rede – wir segeln statt dessen auf die Tuamotu. Hier gilt das Zyklon-Risiko als sehr niedrig. Für diese Saison wurde keine erhöhte Gefahr ausgerufen. Das Endziel, die Gambiers, soll das gleiche sein, wie bei der Südroute. Das bedeutet, wir müssen die gleiche Strecke nach Osten gut machen, wie zuvor geplant. Ein Zucker-Spaziergang wird das wohl nicht, aber wir haben nicht mehr dieses Damokles-Schwert ‚Zyklon‘, was uns über dem Nacken baumelt. Es ist eher ein kleines Messer.
Es geht schon gleich Morgen früh los. Zunächst nach Nord-Osten, noch einmal nach Makatea (dort wo wir so spooky vor den alten Brücken-Resten an der Mooring gehangen haben), dann hoffen wir darauf, dass der Westwind auch hier im Norden stattfinden wird und können damit weiter nach Osten gelangen.
So die Theorie. Über die Praxis werden wir Euch auf dem Laufenden halten. Die nächste Zeit wohl ohne Internet. Statt bergiger, mit Infrastruktur und Gemüse bewachsener Australs, warten die einsamen, Internet schwierigen und Obst armen Tuamotu auf uns.
Wir sind zufrieden mit unserer Entscheidung und wer weiß, wofür es gut ist. Bislang haben extreme Planänderungen uns immer etwas Gutes gebracht.

Alte und neue Route und vielleicht können wir auf dem Rückweg über Rapa fahren

Zurück, zurück, wir sind zurück auf Tahiti

Sa., 26.Okt.19, Franz.Polyn./Moorea/Cook’s Bay, Tag 1974, 19.020 sm von HH

Dabei fängt alles ausgezeichnet an. Der Wind weht in der vorhergesagten Stärke aus der vorhergesagten Richtung. Als wir die drei Meilen um die Ecke von Moorea herum sind, können wir Segel setzten. Hui, mit sechs Knoten sausen wir an Moorea vorbei. Kurs Süd mit halben Wind. Großartig. Es folgen fünf Knoten. Vier. Drei. Zwei. Ein Knoten – wir stehen. Das heißt, wir treiben. Nach Westen. Eine Strömung von einem Knoten treibt uns in die falsche Richtung. Es ist später Vormittag, wir sitzen auf unserem Kahn und überlegen. Vielleicht wirft Tahiti noch zu viel Windschatten auf uns? Wir werfen den Motor an und tuckern noch eine Stunde südwärts. Ohne Erfolg, kein Wind in Sicht. Maschine aus, Segel runter und treiben lassen auf spiegelglatter See.
Und nun? Vor uns liegen 350 Meilen. Wir können unmöglich die gesamte Strecke motoren. Wir diskutieren unsere Optionen. Zurück nach Tahiti, zurück nach Moorea oder treiben lassen. Die Dünung meint es ganz gut mit uns, wir schaukeln nicht mehr als an einem schlechten Ankerplatz. Die Nerven fangen trotzdem an blank zu liegen. Wir einigen uns auf den nächsten Wetterbericht zu warten. Um 16:00 Uhr können wir endlich die Daten abrufen. Diese Vorhersage widerspricht komplett der von gestern: Kein Wind die nächsten Tage.

Achim will umdrehen. Ich will das aussitzen. Vielleicht stimmt der Wetterbericht von heute ja genauso wenig wie der von gestern? Nach einer lebhaften Diskussion drehen wir um. Womit jetzt endgültig geklärt sein dürfte, wer bei uns an Bord die Hosen an hat. :mrgreen: „Ich bin vielleicht der Kapitän, aber der Admiral ist sie“, solche Sprüche sind nun vorbei.
Wo können wir jetzt noch hin? Einen Ankerplatz vor Einbruch der Dunkelheit zu erreichen, dafür ist es jetzt zu spät. Es bleibt nur Papeete, da können wir auch im Dunkeln reinfahren. Der schlechteste Platz im gesamten Universum, wie ich finde.“ Lass uns die Nacht auf Wind warten“, starte ich einen letzten Versuch. Ich werde überstimmt.
Die blöde Marina. Teuer, wenn man einzelne Tage bucht (45 USD); staubig, laut, keine Duschen, keine Toilette, keine Waschmaschine; aber den vollen Preis verlangen. Ich bin gepestet. Vom Wetterbericht. Vom Umdrehen. Von Achim.
Um 19:30 Uhr erreichen wir Papeete und werden von Brigitte von der Alrisha begrüßt. Na, wenigstens etwas. Das Anlergerbier schmeckt und mein (erneut) wichtig vorgekochtes Essen schmeckt auch in der Marina. „Was soll’s. Gräm dich nicht“, versucht Achim mich zu trösten. Er hat ja Recht und in Sichtweite von zwei Inseln zu treiben, ist auch nicht das Wahre fürs Nervenkostüm.

Heute Morgen dann Wasser auf Achims Mühle: Der Wetterbericht bestätigt den von gestern. Kein Wind in Sicht für die nächsten Tage.
Aber warum sehe ich dann am Nachbarschiff die Wäsche flattern? Waagerecht? Es fliegt einem die Perücke vom Kopf.
Zu gerne würde ich erfahren, ob draußen auch Wind weht.

Segeln und treiben vor schöner Kulisse

Adieu Moorea!

Di., 22.Okt.19, Franz.Polyn./Moorea/Cook’s Bay, Tag 1969, 18.981 sm von HH

Wenn wir nicht Wale jagen, sind wir zu Fuß unterwegs. Direkt hinter der Bucht beginnen herrliche Wanderwege. Für jede Kondition ist was dabei. Wir sind lange nicht gewandert, also entscheiden wir uns für eine Strecke ohne Höhenmeter. Einmal rund um den Mount Rotui. Am Ende latschen wir zwölf Kilometer und wir haben rund gelaufene Füße.
Zunächst führt der Weg durch bescheidene Landwirtschaft: Moorea hat sich auf Ananas und ein wenig Vanille spezialisiert. Die berühmte Tahiti-Vanille stammt also von Moorea und der Nachbarinsel im Westen: Huahine. Genau wie die berühmten Tahiti-Perlen zum größten Teil aus Gambier stammen. ;-)

Dorfstraße auf Moorea

Dann wird es wilder. Hinter jeder Biegung sehen die Berge besser aus. Die Landschaft ist außerordentlich. Üppig. Gewaltig. Und vor allem Grün. Die zackigen Berge sind die Überreste eines eingebrochenen Vulkankraters und bis zur letzten Wand bewachsen. Überreichlich bewachsen. Regelmäßige Niederschläge machen das möglich.

Mount Rotui

Baumriesen aus Luftwurzeln gewachsen

Groß wie eine Kokos-Nuss – die Porzellan-Rose

Die Polynesier haben für jeden Berg eine eigene Legende: In einigen der steil aufragenden Gipfel befinden sich kreisrunde Löcher von beträchtlichem Durchmesser. Die Erklärung für die Löcher ist einfach: Hiro, der Gott der Diebe wollte Moorea für sich alleine haben und überlegte, die Insel zu stehlen. Mit ein paar Jungs spannte er Seile um die Bergspitze des Gipfel vom Berg Rotui. An diesen Seilen sollte die Insel weggeschleppt werden. Aber Göttervater Taaroa erfuhr von dem geplanten Diebstahl und beauftrage einen kräftigen Krieger, den Plan zu vereiteln. Der Krieger schnappte sich Speere und kappte mit kräftigen Würfen die Seile, die Diebe suchten das Weite. Die Speerwürfe waren so gewaltig, dass er die Bergegipfel durchbohrte.

Das Loch stammt von einem Speer – ist doch klar

Die strandlosen (tja, auch das Paradies hat seine Schönheitsflecken) Ufer der Bucht sind mit Privatgrundstücken und Hotels zugepflastert. Anlanden mit dem Dinghy funktioniert nur an der Tankstelle und beim Supermarkt. Das ist etwas lästig. Denn der Marsch zum Internet ist lang. Drei Kilometer an der staubigen und schattenlosen Landstraße entlang. Eine Tour. Das muss man wollen.
So schwierig war es mit Internet noch nie. Es gibt wohl lokale Prepaid-Sim-Karten, aber die gelten nur auf Tahiti und Moorea, haben eine kurze Laufzeit und nützen uns auf den Austral-Inseln nichts. Daneben unterhält die Post noch sogenannte ‚Vini-Spots‘. Man kauft eine Rubbel-Karte mit 5, 10, 50 oder 100 Stunden Internet-Zugang ohne Volumen-Beschränkung. Entgegen der üblichen Praxis in Französisch Polynesien wird der Preis pro Stunde bei den großen Karten günstiger und ist bezahlbar (1 Std – 1,30 USD).
Wir haben seit Papeete eine 100er-Karte. Gültig für drei Monate. Der Haken an der Sache, man muss zur Post laufen. Nur dort funktioniert der Zugang mit den Rubbelkarten. Aktuell ist die Post die besagten drei Kilometer entfernt. Der Zugang funktioniert aber zufriedenstellend schnell. Den Wal-Film hochzuladen hat „nur“ 45 Minuten gedauert. :roll:
Auf unserem kleinen Notebook hat Achim ‚connectfy‘ installiert (nochmal großen Dank für den Tipp, lieber Blog-Leser), so dass wir beide zeitgleich surfen können. Das verdoppelt die Surfzeit mal eben auf 200 Stunden.
Ab Morgen erwartet uns allerdings eine Internet-Zwangspause. Jetzt brechen wir nun wirklich nach Tubuai auf. 350 Internet freie Meilen.
Die Wale nehmen wir mit. Die brechen nämlich auch Richtung Süden auf. Auf ihren langen Weg in die Kälte, um sich mal wieder satt zu fressen. Adieu, Moorea, mal sehen, ob wir uns auf dem Rückweg wiedersehen.

Mal richtig bequem sitzen und im Internet surfen