Einsame Strände und ein Millionen-Wrack
25. – 29. Jun. 26; Vanuatu, Moso, Embas Beach; Tag 4.408 – 12; 29.872 sm total
Wir verlagern uns auf die Nordwest-Seite des Insel-Kanals. Elf Meilen Genuss-Segeln. Und dann fällt der Anker vor einem einsamen Traumstrand. Was ist in Vanuatu besser? Das Ankern oder das Segeln?
Wir werden hier sehr verwöhnt.
Von Efate nach Moso – kein Schwell, perfektes Segeln. Allerdings heftige Böen, wenn der Wind über Landschneisen gefegt kommt.
Blick von Bord auf Moso. Auf dieser Seite der Insel gibt es keinen Ort.
Blick vom Strand. Kaum Schwell, obwohl wir quasi auf dem offenen Ozean ankern. Es gibt kein vorgelagertes Riff. Der einzige Nachteil: Wir müssen wegen der Korallen ziemlich weit draußen ankern.
Gesunde Korallen bis zum Strand.
Bei Ebbe kurz vor Vollmond gucken die Hirnkorallen aus dem Wasser.
Gesund bis in die letzte Hirn-Windung.
Über einen Waldweg gelangen wir quer über die Insel auf die andere Seite. Dreißig Minuten einfacher Fußmarsch. Hier gibt es ein Hotel, private Luxusunterkünfte und Siedlungen der Ni-Vanuatu. Unterschiedlicher kann man kaum wohnen. Die Grundstücke grenzen direkt aneinander. Und doch lebt der Nachbar in einer anderen Welt.
Direkte Nachbarn
Harter Kontrast
Die Blue Gold ist unser Ziel. Ein Wrack der Güteklasse 1A. Der Trampelpfad führt vorbei an Bananen und Privathäusern. Sind wir bald da? Der Weg zieht sich. Wir haben kein Handy dabei und keinen Blick aufs Wasser. Sind wir etwa schon am Wrack vorbei?
Wir hören zunehmend ein Knallen. Es wird lauter, je weiter wir laufen. Wir können nicht bestimmen, was für ein Geräusch das sein könnte. Vermuten aber, dass es mit dem Wrack zusammenhängt. Wellen am Rumpf? Wir kommen nicht drauf. Ein ungleichmäßiger Rhythmus. Mal lauter. Mal leiser.
Und dann wird die Quelle für das Knallen sichtbar. Die Masten der Blue Gold ragen hoch aus dem Gestrüpp am Ufer. Segel peitschen im Wind. Das Knallen ist Ohren betäubend.
Wir stehen mit offenem Mund vor der Blue Gold. 50 Meter Luxusschrott liegen im seichten Wasser und rotten vor sich hin.
Blue Gold – 50 Meter lang, 300 Tonnen schwer, vor 11 Jahren gestrandet.
Besonders das rechte Segel knallt wie irre. Das Dorf liegt direkt daneben. Wir denken, dass die Bewohner ein Gespräch mit dem Chief über nächtliche Ruhestörung führen könnten. ![]()
Dass die Segel überhaupt noch vorhanden sind. Ein Vorstag-Segel hat sich noch nicht einmal entrollt.

Noch alles da.
Die Vorgeschichte: Zyklon Pam fegte 2015 über Vanuatu und rasierte mit Geschwindigkeiten von 250 km/h alles weg. Ein anderes Boot riss die Verankerung der Blue Gold aus dem Grund, der Koloss trieb ab und wurde von fünf Meter Wellen aufs Riff gespült. Da liegt sie nun seit Jahren wie ein gestrandeter Wal.
Das Theater über die Bergung läuft, denn die Besitzansprüche sind ein fetter Witz. Keiner weiß, wem das Wrack aktuell gehört. Und alle blockieren sich gegenseitig. Der niederländische Ex-Eigentümer hatte steuerliche Diskussionen mit den Behörden in Vanuatu. Daher lag die Blue Gold an der Kette, als das Unglück passierte. Die Behörden in Port Vila schieben Akten hin und her, und die lokalen Chiefs sagen: „Liegt auf unserem traditionellen Riff, also redet mit uns.“ Deshalb passen sie auch auf, dass niemand auch nur einen Fuß auf die Blue Gold setzt. Von außen betrachtet, fehlt nichts. Nicht eine Winsch wurde demontiert. Auch innen soll auch noch alles vorhanden sein.
Auf unserem Rückweg treffen wir auf Frank und seine Frau Sirana. Wir hatten schon auf dem Hinweg herzlich mit ihnen gelacht, weil Frank „Hallo Ladies“ gerufen hat als wir vorbeikamen und er Achim nicht als „he/him“ erkannte. Als er seinen Irrtum bemerkt, fallen er und Sirana in tosendes Gelächter ein.
Sie freuen sich, dass die Ladies noch einmal vorbeikommen. Wieder wird gelacht. Wir kommen ins Gespräch. Das Ehepaar stammt aus Port Vila, hat sich hier ein Grundstück gekauft und vermietet einfache Hütten an erholungsbedürftige Port-Vilaner. Frank weiß alles über die Fußballweltmeisterschaft. „Deutschland ist weiter, schön, wird aber schwierig. Neuer ist zu alt“, lautet sein Urteil.
Frank und Sirana bei der Yams-Ernte. Wir fragen, ob wir Papaya kaufen können. „Kommt nicht in Frage.“ Am Ende gehen wir mit drei Papaya und etlichen Mandarinen nach Hause. ![]()
Er erzählt uns auch etwas über die Blue Gold: „Das Wrack gehört hier jedem. Egal, wen du hier fragst, jeder ist Eigentümer. Vor zwei Jahren hat jemand versucht, es vom Riff zu ziehen.“
Dieser Jemand ist Derek French, ein Geschäftsmann aus Australien. Er zahlte rund eine Million Dollar aus eigener Tasche für die Bergung und gab dem Dorf Moso eine monatliche Gebühr von 500 Euro, um überhaupt arbeiten zu dürfen.
Dorfbewohner tauchten mit Schnorcheln und Eimern, um den Sand unter dem Kiel per Hand wegzuschaufeln. Später kamen Hebesäcke und Schlepper zum Einsatz. Sie bewegen das Schiff während einer Springflut zwar um neun Meter, doch dann verkeilt sich ein Felsen unter dem Rumpf. Das Schleppseil riss. Die Aktion scheiterte.
Das Wrack liegt weiter auf dem Riff und niemand weiß, wie es weitergeht. Falls Interesse besteht: Das Wrack soll noch einen Wert von fünf Millionen Dollar haben.






























































