Monatsarchive: April 2019

Törnbericht: Mit der Charteryacht von Heiligenhafen nach Kopenhagen

Der Südosten Dänemarks ruft!

Der Himmel ist blau und wolkenlos, kein Windhauch kräuselt die See, in der späten Nachmittagssonne spiegeln sich die Rümpfe und Masten der Boote im Hafenbecken. Auf dem Parkplatz davor laden Segler die Inhalte ihrer Kofferräume auf rote Handkarren, auf den Stegen stapeln sich Taschen, Seesäcke mit Bettzeug und Proviantkisten. Stützpunktmitarbeiter flitzen von Boot zu Boot, Kinder keschern Krebse und Väter stecken ihre Köpfe tief in Backskisten. Übergabetag auf der Charterbasis Heiligenhafen, Sommerferien in Deutschland.

Graswarder heißt der idyllische Nehrungshaken hinter dem Hafen Heiligenhafen.

Nebenan im Fischereihafen ist Volksfeststimmung, zehn Tage Hafenfest wie jedes Jahr, mit Riesenrad, Livemusik, Fischbude, Zuckerwatte und Feuerwerk. Die Sonne wirft ihre letzten Strahlen über den Horizont, von ganz oben aus dem Riesenrad lasse ich den Blick über den Hafen schweifen, vor mir liegt ein Meer aus Masten in Miniaturformat, die aussehen wie glühende Wunderkerzen. Dahinter glänzt der Graswarder, dieser idyllische Nehrungshaken mit seinem kilometerlangen Strand und dem Dutzend reetgedeckter Ferienhäuser. Dann erst kommt ein schmaler Streifen tief dunkelblaue Ostsee, am Horizont liegt Fehmarn, irgendwo dahinter das Ziel unserer Sommerreise – Kopenhagen.

Anders als im Mittelmeer finden sich an der Ostsee mehr besondere Charterboote.

Sportlich: mit der Familie auf einer Performance-Yacht

Unser Charterschiff, die PUNTA D’ORO, ist eine regattatauglich ausgestattete Salona 38 race und eine Verlegenheitslösung. Der Plan, nach Kopenhagen zu segeln, entstand spontan. „Sorry, aber die typischen Familienschiffe sind immer schon früh im Jahr ausgebucht“, hatte Dirk Kadach vom Charterzentrum Heiligenhafen erklärt, „wir haben nur noch große 50-Fußer oder die Salona.“ Niemand aus meiner Familiencrew ist Regattasegler, mit Kindern an Bord gibt es andere Themen als Speed und Segeltrimm. Doch die Zeiten von Windelnwechseln, Trotzphasen und Schwimmkursen sind Schnee von gestern. Warum also nicht?

Wer durch die Ostsee nach Kopenhagen segelt, hat auch ein paar schöne Seestrecken vor sich.

Der erste Eindruck am Steg: „Cooles Schiff“, sagt meine Tochter Nora. Das Heck ist offen, die beiden Steuerräder schweben frei an schräg aus dem Aufbau ragenden Steuersäulen, im Cockpit gibt es weder Tisch noch Gerätekonsole, dafür eine in den Boden eingelassene Travellerschiene. Die Yacht ist ausgerüstet mit Lattengroß, Gennaker, Spinnakerbaum und zusätzlichen Cockpitwinschen. Ich gerate ins Träumen: Ist das im Ansatz nicht fast schon ein Open 40, mit denen die Regattaprofis in Gleitfahrt Ozeanwellen mit hohen zweistelligen Geschwindigkeiten surfen?

Von den deutschen Ausgangshäfen aus liegt Kopenhagen im Nordosten. Karte: Webapp Navionics

Naja. Im Fachjargon nennt man solche Schiffe eher Performance Cruiser. Und die Etappen auf einer Reise von Heiligenhafen nach Kopenhagen heißen Gedser, Klintholm und Rødvig. Auf dem Hinweg sind das 120 Seemeilen, wer etwas sehen und nicht wie die Profis durch die Nacht preschen möchte, der sollte für eine Rundreise von Heiligenhafen nach Kopenhagen und zurück zehn Tage einplanen.

Erster Stopp: Gedser

Das erste Etappenziel ist eine Enttäuschung: Gedser hat nicht viel mehr zu bieten als einen solide geführten Hafen in grüner Umgebung. Der Ort selbst ist der südlichste ganz Skandinaviens und geprägt von einem riesigen Parkplatz und dem Fährhafen der Reederei Scandlines. Im Zweistundentakt legen die Fähren hier ab, Ziel: Rostock. Der Rest des Ortes mit seinen 700 Einwohnern wirkt trostlos, selbst in der Hauptsaison.

Auf der Werfthalle von Gedser wird dänischer Lokalpatriotismus praktiziert .

Wunderschön: die Kreidefelsen von Klintholm

Ganz anders Klintholm, das zweite Etappenziel, gelegen im Südosten der Insel Møn. Eine Gegend mit leicht hügeliger Landschaft, vielen grünen Feldern und dem Markenzeichen der Insel, den Kreidefelsen. „Das Schöne an Klintholm sind seine feinsandigen Strände, die bis an beide Seiten des Hafens reichen“, hatte unser Liegeplatznachbar in Gedser erzählt.

Der Kreidefelsen von Møns Klint ist in Dänemark so bekannt wie der Königsstuhl auf Rügen.

Unverbaut, naturbelassen und kilometerlang eignen sich die feinsandigen Strände zum Baden und Spazierengehen, für Familiencrews ist Klintholm ein Ort mit Suchtpotenzial. Auch, weil der in Yacht- und Fischereibecken aufgeteilte Hafen ein charmantes Flair besitzt, mit Ferienhäusern direkt am Hafen, Fischräucherei, Hafenrestaurant und kleinem Supermarkt.

Direkt hinterm Hafen beginnt der lange und feinsandige Strand von Klintholm.

50 Seemeilen liegen zwischen Klintholm und Kopenhagen

Doch wir wollen raus. Raus auf See. Irgendwie sind wir seit Beginn der Reise mit unserer Renn-Charteryacht am liebsten auf dem Wasser. Zum Glück dominieren Sommer, Sonne und Leichtwind. „Irre, wie das Schiff ohne viel Wind trotzdem so schnell ist“, freut sich meine Frau Karen. Wir machen fünf, sechs Knoten Fahrt unter Bedingungen, bei denen auf anderen Booten schon längst der Flautenschieber zum Einsatz gekommen wäre. Jeder zusätzliche Windhauch wird sofort in Geschwindigkeit umgesetzt, aber auch in Schräglage. „Keine Ahnung, wie gut wir mit diesem leichtfüßigen Schiff bei ruppigen Bedingungen zurechtkommen“, gebe ich zu bedenken.

Jeder Windhauch wird auf der Salona in Geschwindigkeit übersetzt – und in Schräglage.

Doch die sind nicht in Sicht. Die sommerliche Ostwindlage dreht Richtung Süd, wieder sind für den nächsten Tag nur zwei bis drei Windstärken angesagt. Bis nach Kopenhagen sind es 50 Seemeilen, der einzige logische Zwischenstopp ist Rødvig. Wir grübeln über Seekarte und Törnführer, „können wir bei dem Wind nicht nonstop bis Kopenhagen segeln und Rødvig für den Rückweg aufsparen?“, fragt Karen.

Die Tage im Sommer sind lang, auch lange Etappen können problemlos bei Tageslicht gesegelt werden.

Der Himmel ist gelborange, das Deck nass vom Tauwasser, im Nordosten kriecht die Sonne über den Horizont. Es ist kurz nach fünf, die Kinder schlafen noch, der Wasserkessel dampft und an Backbord leuchtet Møns Klint, die höchste Steilklippe Dänemarks. Drei Seemeilen lang zieht eine bis zu 128 Meter hohe Kreideküste vorüber, die hoch oben bis zur Abbruchkante bewaldet ist. Dicht unter der Küste hat ein einsamer Ankerlieger das ruhige Wetter genutzt und die Nacht vor dieser imposanten Kulisse verbracht. „Sieht echt hübsch aus“, findet mein Sohn Jakob, der kurz seinen Kopf aus dem Niedergang streckt.

Ein einsamer Ankerlieger hat bei ruhigen Bedingungen die Nacht am Kreidefelsen verbracht.

Mit Nordkurs und einem Becher heißen Kaffee in der Hand geht es dem freien Horizont entgegen Richtung Kopenhagen, „ich liebe diese Morgenstimmung“, sagt Karen. Das milde Licht, die einsetzende Sonnenwärme und die Einsamkeit auf dem Wasser erzeugen einen inneren Frieden, für den es keinen Yogakurs und kein Schweigeseminar braucht. Doch dann kommt das Kommando zum Setzen des Gennakers, ein Segel, das für die Familiencrew nicht zum Standardrepertoire gehört.

Auf der PUNTA D’ORO ist das „bunte Tuch“ schwarz und häufig im Einsatz.

Vorliek, Hals, Talje, Bugbeschlag, Schotenführung – wer nur gelegentlich mit dem Segel hantiert, muss vor dem Manöver ein paar Rätsel lösen. Dann zieht das Fall das leichte, schwarze Tuch in die Höhe, das Stoffknäuel raschelt im Wind, „sind da jetzt auch keine Knoten drin, Papa?“, stellt Jakob die Frage, die alle an Bord beschäftigt. Das Fall ist oben, die Schot kommt dicht, mit einem lauten „Plopp“ öffnet sich das Segel. Der runde Ballon steht herrlich prall im leichten Wind, das Schiff zieht an, „toll, was wir mit diesem Boot alles für Optionen haben“, stelle ich erfreut fest.

Vorsicht Leinensalat: Beim Segeln mit Gennaker werden die Leinen nicht weniger.

Kopenhagen: Hauptstadt mit Welthafen

Kopenhagen. Die dänische Hauptstadt liegt an einer bedeutenden Schifffahrtsroute, dem Øresund. Dieser verbindet die Ostsee mit dem Kattegat und markiert die Grenze zwischen Dänemark und Schweden. Über ihn spannt sich eine gigantische Brücke, die später in einen Tunnel übergeht, seit dem Jahr 2000 sind die Metropolregionen Kopenhagen und Malmö miteinander verbunden.

Eine gigantische Brücke verbindet Dänemark und Schweden.

Für Segler gibt es bei der Ansteuerung von Kopenhagen abseits des Fahrwassers für die dicken Pötte genug Platz.

Bei der Ansteuerung kommen viele Fähren und Frachter, Fischer und Segler in Sicht, es gibt Verkehrstrennungsgebiete, abzweigende Fahrwasser, zahlreiche Leuchtfeuer, Untiefentonnen, Windparks und Inseln, dazu große Hafenanlagen. Aber: „Man braucht sich vor diesem Welthafen nicht zu fürchten“, schreibt Jan Werner in seinem Törnführer als einleitenden Satz zu Kopenhagen.

Weit zu sehen – der Windpark vor Kopenhagen.

Auf dem Weg zum Zentrum passieren wir mit unserer Charteryacht erst das alte Wahrzeichen der Stadt, die Bronzeskulptur der Kleinen Meerjungfrau, kurz darauf das neue Wahrzeichen: ein 335-Millionen-Euro-Geschenk des Reeders Mærsk Møller, ein Opernhaus am Wasser. Das liegt genau gegenüber vom Schloss Amalienborg, der Stadtresidenz von Königin Margarethe II, dazu in Sichtweite der Konzernzentrale des Stifters.

Auch Kopenhagen hat mit dem Opernhaus am Wasser ein Kulturwahrzeichen geschaffen.

Hinter dem Opernhaus muss man sich entscheiden. Links geht es zu den Liegeplätzen des Christianshavn Kanal, dort herrscht „eine Atmosphäre, wie man sie sonst in Europa nur noch in einer Amsterdamer Gracht findet“, schreibt Jan Werner.

Blick über den Christianshavn – Foto: Janne Brauckmann.

Doch wir biegen nach rechts ab, mitten in das touristische Epizentrum der Stadt, rein in den postkartenschönen Nyhavn. Was einen Segler in diesem kurzen, schmalen Kanal erwartet? Bunte Häuserfassaden, Menschenmassen, hölzerne Traditionsschiffe, Cafés, Restaurants, musizierende Straßenkünstler und Ausflugsboote im Minutentakt.

Der Nyhavn ist die Touristenattraktion von Kopenhagen – mit Liegeplätze für Yachten.

Eine Art Parkuhr kassiert das Liegegeld, 300 Kronen, umgerechnet 40 Euro. Frau und Tochter möchten die Strøget ansteuern, die älteste und längste Einkaufsmeile Europas. Hier und in den Nebenstraßen gibt es nicht nur die internationalen Ketten, sondern auch skandinavisches Möbeldesign und lokale Modelabels. Wir Männer entdecken neben dem Liegeplatz einen Segway-Vermieter und brausen mit E-Power durch die Stadt. Vorbei an wunderschönen klassizistischen Häuserfassaden, zum Wachwechsel der königlichen Leibgarde vor dem Schloss Amalienborg, rüber nach Christianshavn, in den Stadtteil mit seinen bunten Stadthäusern direkt am Kanal, seinen engen Kopfsteinpflastergassen und alternativen Bewohnern.

Zu festgelegten Zeiten tauscht die Leibgarde vor dem Schloss Amalienborg ihr Personal.

Dänemarks Hauptstadt ist jung, lebendig und international

Dänemarks grüne Hauptstadt hat sich mit seinen knapp 600.000 Einwohner zu einer echten Metropole mit moderner Architektur, avantgardistischen Museen und einem ausgefallenen Nachtleben gemausert – jung, lebendig und sehr international. Im Nyhavn sitzen die Menschen abends samt Picknick und Weinflasche am Kanal. „So ein Liegeplatz mittendrin ist toll“, findet Karen, „hier könnte ich Tage bleiben.“

Im Nyhavn haben die Kneipen und Restaurants bis spät in die Nacht geöffnet.

Kurs Rødvig – viele Stellnetze, reizvolle Umgebung

An Tag sechs aber wird es Zeit für die Rückreise, das Tagesziel heißt Rødvig, der gepflegte Hafen in der Provinz ist ein Kulturschock. Mit roten Fischerhäuschen auf der Pier und geklinkerten Einfamilienhäusern im Ort, mit Duschmarke, Fahnenmast, Blumenkübel und Hafenkiosk. Ein sicherer Hafen mit schwieriger Anfahrt, in der ganzen Umgebung stehen bis weit vor der Küste Stellnetze im Weg. Lediglich zum Hafen führt eine Art trichterförmige Zufahrt. Die einschlägigen Törnführer empfehlen etwa 1,5 Seemeilen Abstand zur Küste.

Doch die Umgebung ist reizvoll: Am Strand entlang geht es zu den weißen Kalksteinklippen von Stevens Klint. Wandert man bis Højerup, sieht man eine uralte Kirche am Abgrund stehen. Der Altarraum ist bereits abgestürzt, der Rest der Kirche wurde gesichert, von einem Balkon aus gibt es einen tollen Ausblick über die steilen Klippen und die dunkelblaue Ostsee hinweg bis zum Horizont.

Von den steilen Klippen bei Højerup aus hat man einen tollen Blick über die Ostsee.

Der Bøgestrom – Tiefgang beachten!

Dann treffen 1,98 Meter Tiefgang auf zwei Meter Solltiefe, zwischen Møn und Seeland führt der Bøgestrom hindurch. „Ich habe auch fast zwei Meter Tiefgang und bin da schon häufig durchgefahren, das ist kein Problem“, hatte uns ein befreundeter Ostseekenner mit auf den Weg gegeben. Schwache, achterliche Winde wehen unser Charterschiff durch den Tonnenstrich, plötzlich, mitten im Fahrwasser und genau zwischen einem Tonnenpärchen, macht es einen Satz. Der Kiel rumpelt über den Sand, die Crew erschrickt, dann geht es weiter, als wäre nichts geschehen. Waren wir zu optimistisch? Ist die Rinne ungenügend ausgebaggert? Oder der Wasserstand einfach zu niedrig?

Vorsicht im Bøgestrom – die Zufahrt Richtung Smålands-Fahrwasser ist nicht für jeden Tiefgang geeignet.

„Die Umstände, die im Bøgestrom zu Wasserstandsveränderungen führen, sind so komplex, dass man mit einer Faustregel nicht weiterkommt“, steht im Handbuch. Wir melden die Grundberührung beim Charterzentrum, doch später beim Abtauchen wird man nichts finden. „Rutscht der Kiel nur über eine sandige Bodenwelle, passiert eigentlich nie etwas Ernstes“, wird der Basismitarbeiter anschließend erklären.

Der Klassiker in Dänemark – die Klebemarke für den Nachweis der bezahlten Liegegebühr.

Møn – ein bisschen wie Saltkrokan

Viel Zeit bleibt uns nicht mehr, nach dem Schrecken im Bøgestrom geht es nach Stege auf Møn. Ein Glücksfall, vor allem wegen des roten Badehauses am Ende des Hafens. Im warmen Licht der Abendsonne treffen sich hier die Bordkinder zum Baden und Toben, die Eltern schwimmen dem Horizont entgegen oder dösen in der Sonne, „ein bisschen wie Ferien auf Saltkrokan“, findet meine Frau.

Saltkrokan in Dänemark – Badespaß am Badehaus von Stege.>

An Vordingborg vorbei geht es durch den Ulvsund und Masnedsund bis ins Smålands Fahrwasser. Der Name täuscht, statt eines Fahrwassers öffnet sich hier ein fast kreisrundes und im Durchmesser über 20 Seemeilen großes Revier: Mit vielen Küstenhäfen und einem halben Dutzend kleiner Inseln ähnelt es der bekannten Dänischen Südsee.

Klein und idyllisch: die Insel Femø

Wir machen auf der Insel Femø fest, der kleine Hafen ist am späten Nachmittag bereits rappelvoll. Ansonsten geht es auf dem Eiland mit seinen 119 Einwohnern in zwei Miniortschaften sehr ruhig zu. Es gibt eine große Kirche, einen kleinen Gasthof und in der Saison sind im Hafen ein Kaufmannsladen und ein Imbiss geöffnet. Die Insel ist flach, grün und erholsam, nur einmal im Jahr herrscht Ausnahmezustand: Jeden Sommer findet hier ein über die Inselgrenzen hinaus bekanntes Jazz-Festival statt.

Der kleine Yachthafen von Femø ist in der Sommersaison gerne mal überfüllt.

Bis zurück nach Heiligenhafen sind es noch einmal 55 Seemeilen. „So lange Etappen hätten wir früher nie geplant“, sagt Karen, „aber mit dem Schiff freue ich mich darauf.“ Wieder geht es früh am Morgen los, mit der Sonne im Rücken liegt der Große Belt voraus, die Autobahn der Frachter und Fähren. Wir preschen mit Südkurs parallel zur Schifffahrtsroute dahin, kreuzen den Kiel-Ostsee-Weg und ziehen dicht an Fehmarn vorbei dem Ziel entgegen. Erst vor der Hafeneinfahrt starten wir die Maschine, zum Kaffee am Nachmittag sind die Leinen fest.

Der Flautenschieber bleibt aus, auch bei wenig Wind macht die Salona guten Speed.

Das Fazit: tolle Strände, eine bunte Metropole und eine super Regattayacht

„Und, wie war’s?“, fragt der Stützpunktmitarbeiter nach unserer Rückkehr. Wir gucken uns an, schauen in braungebrannte Gesichter mit windzerzausten Haaren und grinsen. Klar, die idyllischen Landschaften, die gemütlichen Häfen, die Strände und die bunte Metropole Kopenhagen bieten eine perfekte Kulisse für eine tolle Sommerreise.

Das eigentliche Highlight der Reise war aber ein anderes: „Das Charterschiff war super!“, antwortet Jakob. Denn das hat aus einer gemütlichen Familiencrew eine richtige Segler-Crew mit Spaß am schnellen Segeln gemacht. „So lahme Charterboote wie sonst nehmen wir in Zukunft nicht mehr, oder Papa?“

Ein Sommer im Norden kann herrlich idyllisch sein.

Charter

Die dänische Metropole kann von jedem deutschen Ausgangshafen auf einem zehn- bis 14-tägigen Törn entspannt in Tagesetappen erreicht werden. Am kürzesten ist die Entfernung von den Charterstützpunkten auf Rügen, Fehmarn und denen in Heiligenhafen und Rostock. Die Entfernungen von den Charterstützpunkten in Flensburg und Kiel sind dagegen etwas weiter. Das Angebot an hochwertigeren oder schnellen Yachttypen wie der Salona ist in der Ostsee deutlich größer als im Mittelmeer.

Einer der vielen Charterstützpunkte an der deutschen Ostseeküste ist Heiligenhafen.

Wenn nichts anderes vereinbart ist, werden Charterschiffe in der Ostsee, anders als sonst üblich, ohne Bettzeug, Bettwäsche und Handtücher angeboten. Auch Schlauchboote sind nicht im Charterpreis enthalten, weil hier meistens in Häfen festgemacht wird. Selbstverständlich können alle diese Extras, wie auch ein Außenbordmotor, bei Bedarf fast überall mit dazu gebucht werden. Neben dem Sportbootführerschein See ist auf der Ostsee eine Funklizenz und ein Pyroschein (kann meist auch durch Schnelleinweisung vor Ort erworben werden) erforderlich.

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Für eine deutschsprachige Beratung und die zuverlässige Buchung von Charteryachten bewährter Anbieter können diese Firmen behilflich sein:

Weitere Infos zum Törn nach Kopenhagen

Anreise

Alle Ostseehäfen und Charterstützpunkte lassen sich am besten mit der Bahn oder dem Auto erreichen. Per Auto: Kiel und Flensburg über die A7, Lübeck, Fehmarn und Heiligenhafen über die A1 und Rostock und Rügen über die A 19 bzw. die A 20. Meist gibt es gute Unterstellmöglichkeiten in den Häfen. Flugverbindungen direkt zu den Küstenstädten sind rar; die zu den meisten Ausgangshäfen am nächsten gelegene Metropole ist Hamburg.

Wind und Wetter

Das Wetter an der Ostsee bleibt auch im Sommer eine Wundertüte. Von mediterran-heiß bis herbstlich-kühl sollte man mit allem rechnen, das Regenzeug darf auf einem Ostseetörn nie fehlen. Auch die Windrichtungen variieren laufend, westliche Winde bringen eher Wolken und feuchtes Wetter, Ostwinde dagegen mehr trockenes und sonniges Wetter. Anders als im Mittelmeer gibt es hier fast immer guten Segelwind zwischen drei und sechs Beaufort.

Navigation

Kaum Gezeiten und damit auch kaum Tidenstrom. In den schmalen Meerengen zum Smålands Fahrwasser, im Guldborg-, Grøn-, Masned- und Ulvsund können bei Starkwind Strömungen auftreten (im Grønsund bis zu sechs Knoten!). Der Guldborgsund ist flach, mit viel mehr als 1,40 Meter sollte man nicht rechnen, der Grønsund hat fünf Meter, der Bøgestrom etwa zwei Meter Wassertiefe. Im ganzen Revier gibt es viele Tonnen, Fahrwasser und Feuer, dazu sehr gute Hafenanlagen und Befeuerungen.

Häfen und Ankerplätze

Auf dem Weg um Falster und Møn herum bis nach Kopenhagen gibt es nur wenige Häfen, die Strecke durch das Smålands Fahrwasser hat dagegen zahlreiche Häfen, darunter auch viele kleine Inselhäfen. Die Liegegebühren für 38 Fuß liegen zwischen 20 und 30 Euro, nur Kopenhagen ist mit etwa 40 Euro teurer. Im Sommer werden die Häfen sehr voll.

Literatur und Seekarten

  • Jan Werner, Dänemark 2.
  • Für die deutsche Küste von Flensburg bis Travemünde: Jan Werner, Ostseeküste 1.
  • Sportbootkartensatz DEKL 4 für Dänemark, DEKL Satz 2 für die Deutsche Küste ab Heiligenhafen und DEKL 1 für Törns ab Flensburg und Kiel.
  • Bei den Sportbootkartensätzen vom NV-Verlag reicht für Törns ab Rostock, Heiligenhafen und Fehmarn der Kartensatz NV 2, für Törns ab Kiel und Lübeck braucht es dazu den Kartensatz NV1.

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Schwarze Perlen

So., 28.Apr.19, Franz.Polyn./Gambier/Insel Mangareva/Rikitea, Tag 1792, 17.385 sm von HH

Cherry, Aubergine, Ocean oder Champagner? Welche Farbe darf es sein? Selten ist eine schwarze Perle wirklich schwarz. Gold, sky und water green sind weitere Bezeichnungen für die Farbe, die eine schwarze Perle haben kann.

Seit ungefähr hundert Jahren weiß man, wie eine Auster künstlich dazu überredet werden kann, eine Perle zu produzieren. Die Muschelschalen werden einen Zentimeter geöffnet und der Muschel wird ein Nukleus, ein Fremdköper, eingesetzt. Paradoxerweise besteht der aus einem kleinen Stück Perlmutt einer Süßwasserperle. Zusätzlich kommt noch ein Stück Fleisch einer anderen Auster mit dazu. Dieses Stück Fleisch ist der Farbgeber für die Perle, die nun heranwachsen soll. Da Farbe Geschmackssache ist, hat die Färbung den geringsten Einfluss auf den Wert einer Perle. Der Lüster – die Oberflächenreflektion-, die Größe, die Form und die fehlerlose Oberfläche sind die eigentlichen Preistreiber. Eine perfekt runde Perle mit makelloser Oberfläche kann mehrere tausend Euro kosten.

Durch die Impfung mit einem Nukleus wächst in ca. 30% aller Austern eine Perle heran, allerdings sind nur 1,5 Prozent von höchster Qualität. Der Rest ist Minderqualität oder gehört zu dem Ausschuss, den wir auf dem Festplatz gefunden haben.

Nach jedem Regen oder einem windigen Tag fallen weitere Perlen von der Dekoration herunter. Wir brauchen nur einsammeln. Inzwischen sind die Platten mit den aufgeklebten Muscheln und Perlen ganz abgebaut worden. Ein letztes Mal werden wir fündig und finden drei weitere Perlen. Ein Drittel unseres Fundes ist echter Ausschuss: knubbelartige Auswüchse zerstören die Oberfläche. Aber drei Perlen sind fast ohne Oberflächenfehler. Kugelrund und von durchschnittlicher Größe. Die bekomme ich, um mir eine Kette daraus zu basteln. Achim fabriziert sich aus den mittelprächtigen Perlen einen dekadenten Schlüsselanhänger für unseren Schiffs-Schlüssel. :mrgreen:

Schlüsselanhänger aus schwarzen Perlen

Schlüsselanhänger aus schwarzen Perlen

 

unsere komplette Beute
Freihand bohrt Achim die Löcher - nicht immer ganz grade ;-)
Perlen-Bohrer

Wir besuchen ein Haus im Ort, an dem ein Zettel ‚Perlen-Verkauf‘ klebt. Wir wollen mal schauen, ob wir nicht mehr über Perlen in Erfahrung bringen und vielleicht etwas dazu kaufen können. Als sich die Tür zu der Küche öffnet in der er auch die Perlen gelagert werden, verschlägt es uns die Sprache. Tausend und abertausend Perlen lagern hier in Zipper-Beuteln. Der Herr, der uns hereinlässt, will als erstes wissen, ob wir auf einem Segelboot wohnen oder in einer Pension. Als wir ‚Boot‘ antworten, verliert er sofort das Interesse an uns. Offensichtlich hat er gelernt, dass die meisten Segler zugenähte Taschen haben und sich ein Verkaufsgespräch wahrscheinlich nicht lohnt. Zudem spricht er leider nur Französisch, was es nicht einfacher macht. Als Achim ihn nach ‚Qualität‘ fragt, schüttet er einen Sack voll Perlen auf ein altes Handtuch. Er pickt zwischen den Perlen herum und zeigt er uns ein mittelgroßes Exemplar für 40 USD. Warum er ausgerechnet diese eine Perle auswählt, erschließt sich uns nicht. Ich könnte schwören, sie sieht genauso aus wie die Beste aus meiner neuen Kette aus. ;-)
Danach dreht er uns den Rücken zu, schaufelt irgendwelche Perlen in einen Beutel und lässt uns ratlos vor der Qualitätsperle stehen. Hier kommen wir nicht weiter, also ziehen wir ohne Kauf von dannen.

Von der Spielerfrau zur Schmuckdesignerin

Von der Spielerfrau zur Schmuckdesignerin

Mit Bordmitteln designter Perlenschmuck. :-)

Laser-Streit: World Sailing nimmt Stellung – “Wir sind besorgt…”

Laser Worlds

Nach der Umbenennung des Lasers in „ILCA Dinghy“ durch die internationale Klassenvereinigung hat sich die Gegenpartei geäußert. Auch der Weltseglerverband findet deutliche Worte. Weiterlesen

„Ich liebe das Boot, weil es so erbarmungslos ist“

Trofeo Princesa Sofía Iberostar 2019: <p>
	Philipp Buhl im Laser</p>

Laser-Steuermann Philipp Buhl hat Olympia im Visier. Im YACHT-Interview reflektiert der Allgäuer seine Höhenflüge, Rückschläge und den goldenen Titeltraum

Charterwahnsinn

Als wir im letzten Sommer unsere Charteryacht übernahmen,
erwartete uns in der Navi-Ecke eine Überraschung. Als Besteck standen ein
Schulzirkel und ein Wanderkompass zur Verfügung. Zuerst wussten wir nicht, ob
wir lachen oder weinen sollten. Im Laufe der Tage stellte sich dann heraus,
dass wir ohnehin nur mit dem eigenen GPS-Handy navigierten und die Aufregung
legte sich langsam. Bei der Übergabe waren wir bereits überzeugt, dass Zirkel
und Kompass Ausdruck einer zukunftsweisenden Idee waren.

Warum sollten Vercharterer ihr gutes Geld in Ausrüstung
investieren, die ohnehin niemand benutzt? Für Segler gibt es bekanntlich nur
zwei Windstärken: zu viel und zu wenig. Das heißt: Die Segel werden ohnehin nicht
verwendet. Also brauchen Segel gar nicht erst gekauft zu werden. Das senkt die
Kosten für die Vercharterer, diese können die Ersparnis an ihre Kunden
weitergeben und den Segelsport so für neue Schichten attraktiv machen. Das
Nachwuchsproblem wäre bald erledigt.

Leider sehen nackte Bäume etwas unsportlich aus. Aber die
Segelmacher – die in Zukunft wohl deutlich weniger Aufträge für neue Segel zu
erwarten haben – können zum Beispiel statt eines Segels einen Persenninghalter
(PH) anbieten. Die Basis-Variante für den schmalen Geldbeutel hält das
Segelkleid einfach mit Draht in Form. Wer zusätzlich die Illusion eines echten
Segels unter dem PH erwecken möchte, investiert ein paar Euro mehr in einen
Push-Up-PH mit Schaumstoffpolstern an den richtigen Stellen.

Weniger Segel bedeuten zudem weniger Polyester – und das ist
ein Beitrag zum Umweltschutz. In diesem Sinne lässt sich die Charteryacht noch
weiter optimieren, wenn wir auf die Rettungswesten verzichten. Stattdessen
können ablegte Badenudeln zum Einsatz kommen – die dann nicht in die Müll
geworfen werden. Zur Befestigung einfach die alten Zeisinge annähen. Die werden
ohnehin nicht mehr gebraucht. Wieder Geld gespart, der Preis kann weiter
sinken.

Hat sich mal jemand Gedanken darüber gemacht, wie viele Tonnen
teurer Stahl in den Ankerlasten von Charteryachten liegen? Man muss gar nicht
auf den Anker selbst verzichten. Ähnlich wie mit dem PH kann man auch mit dem
mitgeführten Anker die Illusion einer echten Segelyacht vermitteln. Aber ein Kettenvorlauf
von ein, zwei Metern sollte dazu reichen. Als Leine reicht ein alter Festmacher.
Da ohnehin niemand in die Ankerlast guckt, fällt es auch nicht auf, wenn er
praktisch keinen Mantel mehr hat.

Wenn wir ehrlich sind: Wer hat eigentlich Lust auf die stundenlange Bunkerei vor dem Ablegen? Und wozu? Den Starthafen kennen wir ohnehin am besten. Hier bekommen wir alles, was wir brauchen. Im Prinzip brauchen wir ihn gar nicht zu verlassen. Das macht die Maschine zum letzten überflüssigen Kostenfaktor. Wenn die Maschine rausfliegt, ist auch endlich Platz für einen vernünftigen Kühlschrank. Seitlich einbauen, Zugang durch eine Tür in der Achterkabine und immer genug kaltes Bier an Bord. Oder gleich Platz für eine waschechte Zapfanlage schaffen.

Diogenes hat es geschafft!

Nonstop-Weltumsegelung mit „Fanfan!“: Asia Pajkowska im Ziel

Asia Pajkowska Portrait 2018 priv_Fanfan68: <p>
	Solo-Skipperin Asia Pajkowska hat die Welt in 216 Tagen auf Uwe R&ouml;ttgerings &quot;Fanfan!&quot; von West nach Ost umrundet</p>

Die polnische Einhandseglerin hat die Alu-Yacht des Berliners Uwe Röttgering um den Globus gesegelt. Nach 216 Tagen lief sie in Plymouth ein

Dumm gelaufen: Wie sich ein Kleiner gegen den Großen wehrt – Segel aufgeschlitzt

100 Fußer Scallywag

Wenn ein 100 Fußer bei einer Regatta antritt, muss er normalerweise beim Start nicht unbedingt ganz vorne sein. Wenn der Skipper dennoch unbedingt glänzen will, kann so etwas passieren… Weiterlesen

GSI Outdoors: Frischer Kaffee überall

Ein schneller Kaffee ohne Schnickschnack: Der Permanentbrühfilter Coffee Rocket wird einfach auf die Tasse gestellt und benötigt keinen extra Filter aus Papier. Seine drei Beine, mit denen er auf dem Tassenrand sitzt, lassen sich einklappen. Dann wird das Unterteil abgenommen und in den Brühkonus gesteckt. So passt der kleine Mehrwegfilter zum Transport in die Kaffeetasse. Nach dem Gebrauch einfach alle Teile ausspülen; auch der Filter lässt sich so leicht reinigen.

Die Coffee Rocket wiegt nur 60 Gram und besteht aus BPA-freiem Kunststoff, der Filter ist aus rostfreiem Edelstahl gemacht.

Preis: 13,95 Euro www.gsioutdoors.com

World Sailing Show: Video-Magazin zum internationalen Segelsport für den Mai 2019

World Sailing Show

Das Video-Magazin von World Sailing Show liefert Einblicke in die Welt des Segelrennsports. In der Mai Ausgabe geht es um die neue „Sodebo“, ein alternatives Kinder-Programm und neue Cruiser-Kat-Technologie. Weiterlesen

Ankern für Anfänger: Die Manöver-Anleitung, Teil 1

Ankern für Anfänger: <p>
	Ankern f&uuml;r Anf&auml;nger</p>

Die kroatische Adria ist eines der schönsten Mittelmeerreviere… doch wer hier nicht ankert, verpasst etwas. Wir zeigen, wie das Ankern sorgenfrei gelingt

Einhand um die Welt: Polin Pajkowska erfüllt sich Nonstop-Traum mit Röttgerings Leih-Yacht

Longue Route, bernard Moitessier, Weltumseglung

Joanna „Asia“ Pajkowska hat mit Uwe Röttgerings FANFAN! die Welt nonstop umsegelt. Die 60-Jährige ist eine der erfahrensten Hochseeseglerinnen der Welt. Sie ließ sich von einem Rippenbruch nicht stoppen. Weiterlesen