Monatsarchive: April 2018

Unterwegs mit sechs Kindern

Unterwegs mit sechs Kindern

Der Urlaubstörn der Familie Gerlach durch die Dänische Südsee ist ausgezeichnet – mit float-Medienpreis, der an vier Crews beim Fahrtenseglertag 2018 der Kreuzer Abteilung im Deutschen Segler-Verband erstmals vergeben wurde. Wir starten unsere Serie über Fahrtensegeltörns mit dem Bericht aus der Sicht von Tanja Gerlach in der Kategorie See/Familie – hier der zweite Teil.

Was bisher geschah (lesen Sie Teil 1 hier): Familie Gerlach geht mit den sechs Kindern Justus (9), Leonard (8), Juno (6), Gregor (4), Greta (2) und Julius (1) auf Fehmarn an Bord ihrer Yacht „Panta Rhei“, einer Hanse 495 von 15,40 m Länge. Ihr Weg führt sie zunächst über Laboe und Maasholm nach Sønderborg am Ausgang der Flensburger Förde.

Familientörn

Fahrtroute der Panta Rhei durch die dänische Südsee© privat

Von Grau zu Blau

Leider ist der Liegetag in Sønderborg anfangs grau und verregnet, also: ab ins Museum! Es soll der erste von insgesamt drei Schlossbesuchen werden. Das „Sønderborg Slot“ bietet viele Einblicke in das mittelalterliche Leben. Vor allem der Kerker hat es unserem Nachwuchs angetan. Nachmittags lösen sich die Wolken auf und die Sonne kommt heraus.

Wir sehen den Wetterumschwung als Aufbruchssignal und fahren unter der gefühlt viel zu niedrigen Brücke hindurch in Richtung Dyvig Bro. Es würde – nach einhelliger Meinung sämtlicher Familienmitglieder – der schönste Hafenaufenthalt des gesamten Törns werden.

Familientörn

Voller Freude bei der Sache: Skipper Jan und Sohn Justus am Steuer© privat

Bereits die Einfahrt in den Fjord ist abenteuerlich. Während mein Mann konzentriert die schmale Rinne befährt und dabei versucht, die 2,40 m Tiefgang unseres Schiffes wegzumeditieren, guckt der Rest der Familie den Vögeln zwei Meter weiter links beim Schlickpicken zu. Als wir um die Ecke biegen, werden wir von einem winkenden Mann im Gummiboot erwartet. Hafenmeister Bent fährt den ankommenden Schiffen stets entgegen um ihnen beim Anlegen zu helfen.

Dyvig Bro hat alles für Kinder und Eltern

Der außergewöhnliche Empfang ist der Beginn von drei Tagen voller Spaß und Freude. Denn Dyvig Bro hat alles, was unsere Kinder- und Elternherzen begehren. Brötchenlieferung an Bord, eine Spiellandschaft auf dem Wasser, die wir nur mit unserem Beiboot „Spot“ erreichen können. Eine Krebsrennbahn in einem eigens dafür erbauten Becken. Das Hotel Dyvig Bro ist ein Schmuckstück dänischer Innenarchitektur und -einrichtung. Wir verbringen lustige Grillabende mit Gitarre und Gesang. Der kostenlose Transfer zum „Universe“, einem Wissenschafts- und Freizeitpark in etwa 20 Kilometer Entfernung war auch klasse.

Dort klettern die Größeren inklusive Papa in 25 Metern Höhe durch einen Kletterwald, während Julius und ich bei der Elektro-Autobahn standen, um Gregor und Greta bei ihren ersten Fahrversuchen zuzugucken. Wir probierten Sedgeways und Minibagger aus, setzten Virtual Reality-Brillen auf und laufen durch die Projektion der Schweizer Alpen. Bei unserer Rückkehr in den Hafen sehen wir auf der anderen Seite unseres Stegs eine 57-Fuß-Najad liegen – unsere neuen dänischen Freunde waren uns spontan gefolgt.

Besuch an Bord von Opa und Oma

Der nächste Hafen ist Faaborg. Oma und Opa kommen zu Besuch, füllen unseren Vorrat an Wein und Windeln auf und bleiben eine Nacht an Bord. Ein Grund mehr, Panta Rhei einer Grundreinigung zu unterziehen, sowohl außen als auch innen. An Bord muss jeder als Smutje arbeiten, auch die Kleinsten. So bekommen Julius und Greta Glasreinigungstücher, um damit die Verblendungen der Kühl- und Gefrierschränke sowie des Geschirrspülers zu putzen. Gregor liebt es, die Fenster von innen zu putzen. Juno ist für das Bunkern von Trinkwasser verantwortlich. Justus und Leo unterstützen meinen Mann bei der Deckswäsche. Schließlich müssen unsere Kinder begreifen, dass Segeln nicht nur aus coolem Aussehen und an Deck sitzen besteht.

Blitzend liegt unser Schiff im Hafen, als Oma und Opa am nächsten Morgen an den Kai fahren. Leider bringen sie nicht nur den bestellten Einkauf, sondern auch eine massive Regenfront mit. Also machen wir uns per Bus und Auto auf den Weg in ein weiteres dänisches Schloss. Spielplätze, eine große Sammlung an Oldtimern, Motorrädern und Flugzeugen sowie eine schlosseigene Vampirgruft lassen uns das schlechte Wetter schnell vergessen.

Familientörn

Greta, Juno und Gregor angeln Krebse© privat

Krebse angeln, Beiboot fahren, grillen

Am nächsten Tag segeln wir weiter nach Troense. Wir lassen Svendborg links liegen und erreichen mittags den kleinen Hafen auf der Insel Tasinge. Krebse angeln, Beiboot fahren und grillen – wir haben hier alle viel Spaß. Am nächsten Tag besuchen wir das letzte dänische Schloss auf unserer Reise. Der Fußmarsch zu Valdemars Slot ist nur knapp zwei Kilometer lang und führt an wunderschönen dänischen Häusern vorbei, deren Besitzer Marmelade und Kaffeebecher an der Haustür verkaufen.

Am übernächsten Tag starten wir um zehn Uhr bei Sonnenschein in Richtung Ærøskøbing, wo wir knapp drei Stunden später im Fischereihafen anlegen. Mit Strandmatten, Schaufeln und belegten Broten ausgerüstet, gehen wir nachmittags an den wunderschönen Strand des Ortes. Die kleinen bunten Strandhäuser, die sich entlang des Strandes aneinander reihen, lassen den Besuch wie eine typische Idylle aus einem skandinavischen Reisekatalog wirken. Auch die Innenstadt von Ærøskøbing wirkt entrückt von der hektischen Welt, die uns sonst im Alltag umgibt. Windschiefe Häuser, enge Kopfsteinpflaster-Gassen, eine Mikrobrauerei mit leckerem Pale Ale sowie ein niedliches Buddelschiff-Museum sind unsere Hauptattraktionen.

Familientörn

Leo hält ein Schiff in der Hand© privat

Gejagt von der Schlechtwetterfront

Nur noch zwei Häfen, dann nehmen wir Kurs auf Burgtiefe. Doch zunächst geht es nach Marstal. Der Schlag dorthin ist alles andere als angenehm, eine Schlechtwetterfront jagt uns. Und trotz des Beteuerns von gleich zwei Hafenmeistern ist das letzte Stück der Fahrrinne zwischen Ærøskøbing und Marstal komplett versandet. Der Tiefenmesser bimmelt warnend über mehrere hundert Meter hinweg bei einer Anzeige von 1,70 m Tiefe statt drei Metern, wurde mir unter Deck zum ersten Mal schlecht. Aber wie so oft zeigt sich unser Schiff extrem gutmütig, und bringt uns sicher in den Hafen.

Familientörn

Traditionssegler in Marstal© privat

In Marstal entdecken wir ein neues Lieblingsziel. Unser Liegeplatz im alten Hafen bietet uns die schöne Kulisse von Traditionsseglern, die vor, hinter und neben uns liegen. Der Spielplatz des Schifffahrts-Museums sowie das „Søfartsmuseum“-Museum selbst ist direkt um die Ecke, und nur ein paar hundert Meter weiter gibt es mit einem „All-you-can-eat-Barbecue“ das perfekte Abendessen. Wir gehen an beiden Abenden mit vollen Bäuchen und glücklichen Gesichtern ins Bett.

Mann drängt zum Aufbruch

Wir nehmen Kurs auf Bagenkop, unserer letzten Station. Ohne ersichtlichen Grund drängt mein Mann auf einen frühen Aufbruch gen Langeland. Nur wenige Stunden nach unserer Ankunft im Hafen zeigt ein plötzlicher Wetterumschwung, dass auf seinen Segler-Instinkt Verlass ist. Binnen weniger Minuten wechselt die Farbe des Himmels von himmelblau auf tiefschwarz, der Wind bläst mit Windstärke 10, Regen peitscht in unsere Gesichter. Schnell ziehen mein Mann, Justus und Leo ihre Regenjacken an und und helfen den ankommenden Schiffen beim Festmachen. Als die Sturmfront sich verzogen hat, sehen wir ein beeindruckendes Naturschauspiel. Das Farbspektrum am Abendhimmel erstreckt sich von orange über violett hin zu tiefblau – einmalig!

Familientörn

Farbschauspiel nach dem Sturm© privat

Die Auswirkungen des Sturms vom Vortag spüren wir noch beim morgendlichen Auslaufen. Die Wellen sind zunächst gute eineinhalb Meter hoch, und der Wind bläst mit fünf, in Böen sechs Windstärken aus Südwest. Anfangs ist das Segeln mühselig mit zwei Reffs, aber drei Stunden später ändert es sich zum Guten. Bei vier Windstärken und nur noch wenig Welle gleitet Panta Rhei mit bis zu 9,1 Knoten durch die Ostsee – was für ein schöner Abschluss! Dazu scheint die Sonne, und alle genießen den letzten Törntag an Deck. Um 14.50 Uhr legten wir in unserer Heimatbox in Burgtiefe an.

Beim Abendessen in unserem Stammrestaurant, dem Sailors Inn, waren wir uns einig: Die Route war vielleicht nicht die abenteuerlichste und der der Törn auch nicht der Weiteste gewesen. Aber es waren mit Abstand die drei schönsten Urlaubswochen, die wir als Familie mit sechs Kindern bisher erlebt haben. Kein Wunder also, dass wir in der vergangenen Woche im herbstlichen Scheeßel gemeinsam im Esszimmer über den Planungskarten hingen, um den Sommertörn für das nächste Jahr zu planen: Norwegen und Schweden, wir kommen!

Boot und Crew

Bootsname: Panta Rhei
Bootstyp: Hanse 495
Skipper: Jan Gerlach
Co-Skipperin: Tanja Gerlach
Crew: Justus, Leonard, Juno, Gregor, Greta und Julius Gerlach
Verein: Segelkameradschaft Wümme e.V.

Reiseweg

Burgtiefe, Laboe, Maasholm, Sønderborg, Dyvig Bro, Faborg, Troense, Aerosköbing, Marstal, Burgtiefe
Reisezeit: 11.07.2017 – 31.07.2017
Gesamtmeilen: 262,28 (gesegelte Strecke: 235,96, unter Motor: 26,32)
Seetage: 10, Hafentage: 10, Schwerwettertage: 2

Die Ausrüstung der „Panta Rhei“

  • Sicherheit
  • Schwimmwesten mit separatem Lifebelt für alle Kinder unter 40 kg Gewicht
  • Rettungswesten mit integriertem Lifebelt für alle Crewmitglieder über 40 kg Gewicht
  • Sicherungsleine, die beidseits von achtern am Cockpit entlang bis zum Vordeck lag
  • Rettungsinsel für 8 Personen
  • Seenot-Markierungsboje
  • Rettungssystem Rescue Sling
  • mehrere Feuerlöscher
  • Nico-Signalgeber und LED-Notfall-Fackel
  • Navigationsausrüstung
  • Planungskarten/Karten Kartenwerft, Zirkel, Kursdreieck
  • Kartenplotter Simrad an Deck und am Kartentisch
  • AIS
  • Steuerkompass
  • GPS
  • Funkgerät

Der Beitrag Unterwegs mit sechs Kindern erschien zuerst auf Float Magazin.

Die Atlantiksegler

Auf zum großen Schlag

Ein Fotograf, der Direktor der Hemmingway Marina und noch drei andere stehen vor der MARLIN. „Darf Meijlina an Bord kommen und wir machen ein paar Fotos? Das Schiff ist so bezaubernd und wir benötigen ein graziöses Bildumfeld.“ Kann ich da Nein sagen? Dann geht es eben richtig südamerikanisch ab. „Stell Dich so hin. Jetzt wie eine Prinzession lächeln…“ Der Fotograf macht das nicht zum ersten Mal. Ich brauche nur meine Kamera über seiner Schulter positionieren. Natürlich habe ich vorher um Erlaubnis gefragt. Die 15 Jahre junge Meijlina feiert demnächst das wichtigste Fest in ihrem Leben. Ihre Quinceañera. Wichtiger vielleicht als ihre Hochzeit. Wer mehr dazu wissen will kann es nachlesen. Und so komme ich zu meinem gestrigen Daypic um ein bisschen sarkastisch am Klischee über Skippers freien Tag zu arbeiten. Dieser lief im übrigen so ab, dass ich mich von Havanna mit einem Dinner vor One in der Altstadt verabschiedet habe und um 22:00 in der Hängematte eingeschlafen bin, bis die Mücken mich vertrieben haben. Für die Parties, die ja immer erst um 23:30 losgehen, fehlte mir dann doch die Energie die ich ja heute für die neue CREW 45 brauche.

CREW 45 ist fast vollständig. Helen, Hana, Ralf und Stephan… Christian fehlt noch. Der kommt erst mit dem Flieger heute nachmittag. Und los gehts. Wie gehabt. Ankommen, Einziehen, Willkommensessen und -trunk, Sicherheitseinweisung. Nur alles viel intensiver als gewohnt. Denn wir segeln nicht um die Ecke, sondern über den Atlantik. Ich freue mich. Coole CREW habe ich ausgesiebt. Starke Typen, starke Frauen. Genau was die MARLIN und ich brauche.

 

Die Regenzeit ist da

Fr., 27.Apr.2018, Las Perlas/Contadora, Tag 1426, 12.486 sm von HH

Plötzlich. Ohne Vorankündigung. Es gibt keine Vor-Regenzeit, die mit kleinen Schauern anzeigt, dass die schöne Zeit zu Ende geht. Nein, die Regenzeit kommt mit einem großem ‚Bang‘.
Es regnet mit unglaublicher Gewalt. Brutal und gnadenlos wird seit vier Tagen Hektoliter weise Wasser über uns ausgegossen.

Vom Festland rollen die Walzen bereits am frühen Nachmittag an.
Schon von weitem kann man das Elend erkennen, was auf einen zugedonnert kommt. Innerhalb von fünf Minuten geht die Sicht auf ‚Null‘. Boen peitschen den Regen über das Ankerfeld, ein einheimischer Kahn, kurz vor der Sinkgrenze, pflügt zwischen uns Seglern durch.
Ohne Kettenvorlauf hält der Anker den Dampfer nicht an der Stelle. Gespannt beobachten wir, wie der Anker zügig eingeholt wird. Selber können wir wenig unternehmen, außer die Hand am Zündschlüssel zu halten.

Beeindruckend ist die Regenfront erkennbar

Beeindruckend ist die Regenfront erkennbar

Eine Minute später

Eine Minute später

Zwei Minuten später - das soll für zwei Stunden so anhalten

Zwei Minuten später – das soll für zwei Stunden so anhalten

Jetzt aber hoch mit dem Anker, Männer
Der Kahn pflügt keine fünzig Meter an uns vorbei

 

Nach zwei Stunden ist der Spuk vorbei. Wir haben mit ‚German Engineering‘ 200 Liter Wasser gefangen. Das freut das Seglerherz. Wir sind sicher, so einen Regen haben wir noch nicht erlebt.
Und wir haben eine neue Baustelle: Die Deckenluke im Salon ist undicht. Ist denn niemals Ruhe auf einem Schiff? Ich hoffe noch auf Selbstheilung. Vielleicht hat sich die Dichtung durch drei Monate Dauer-Trockenheit nur zusammengezogen? Achim ist nicht so optimistisch: „Da muss ich ran, wenn wir in Ecuador sind. Bei Regen kann ich nicht viel machen.“
Sehe ich ein, wir behelfen uns mit einer Regenabdeckung.

War was?

War was?

Wir hoffen, dass sich das Wetter noch einmal beruhigt. Wir wollen hier noch nicht weg. Contadora gefällt uns. Seit ein paar Tagen kennen wir auch das Passwort vom Hotel-Internet.
Das schont die teure lokale SIM-Karte.
Das Passwort zu bekommen,war nicht so einfach, denn die sind trickreich auf Contadora. Wenn man einen Kaffee im Hotel-Restaurant trinkt, gibt es keinen Passwort-Zettel, wie üblich, sondern die Bedienung tippt das Passwort selber in das eigene Handy.
Fies, hoffentlich spricht sich das nicht rum. ;-)

Außerdem gilt noch einsame, unbewohnte Inseln zu entdecken. Vier Wochen dürfen wir noch in Panama bleiben. Ja, müssen wir bleiben, sonst geht sich unser geplanter Aufenthalt in Ecuador nicht auf.
Also, lieber Regengott, halte dich bitte etwas zurück. Die Tanks sind voll.

Folge 10 – Von Ystad nach Karlskrona

Die bisherige Reiseroute

Video

Eine neue Folge des Videologbuchs ist Online. Viel Spaß damit!
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Skippers freier Tag

Was geht in Havanna?

MARLIN und CREW44 sind gut angekommen in der Hemmingway Marina in Havanna. Die letzte zwei Tage sind dann immer noch mal anstrengend. Die CREW will natürlich noch den guten Fisch essen, den sie ja auch bezahlt habe, den Wein auftrinken, damit der nicht verkommt und ich stelle mich noch mal in die Küche. Ein letztes Mal für die 44, bereite ich den Pago an Senf Sahne zu. Im Gegenzug scheuche ich die CREW am nächsten Morgen zu beliebten Grundreinigung mit Kärcher übers Deck und mit Feudel durch Schiff. Das klappt für drei Stunden, dann wird gemeutert und damit nicht die gesamte Blüte der Reise nun in Unmut umschlägt, gebe ich mich Punkt 12:00 befriedigt. „Ihr hättet ja auch einfach 150 Euronen bezahlen können und ich hätte alles selber gemacht.“ Tine meint nur, dass ich dann dann sicherlich eine nette Cubanerin engagiert hätte und das bestimmt nicht selber gemacht hätte. Nun. Die leidliche Endreinigung der MARLIN wird schnell in Vergessenheit geraten und die 11 tollen Segeltage und das andauern gute Essen, die Sonne, die Strände, die Rieseninsekten und und und… werden als einer der positivsten Urlaubserinnerungen im Gedächtnis der Crew an diesen Törn standhalten.

Es war wie immer. Den Rest des Tages verbringe ich damit Wäsche zu waschen. Genau acht Maschinen. Ist doch prima so eine Waschmaschine an Bord zu haben. Kaum habe ich ein große Leine um die MARLIN gespannt wird der Himmel stockdunkel schwarz, es fängt an zu winden und ein dickes Gewitter kommt auf. Es gießt in Eimern. Ich verhole das noch nasse Bettzeug, spanne die Leinen durch die MARLIN um die Wäsche im Schiff aufzuhängen. Super Sache so eine Waschmaschine an Bord. Beim nächsten Schiff gibt es noch einen Trockner dazu. Beide Maschinen, so dass sie auch für 220V/60Hz funktionieren und der Generator nicht die ganze Zeit laufen muss. Denn der Landstrom hier hat nicht wie in Deutschland 50Hz sondern 60Hz und damit gehen alle Motoren ganz einfach und schnell: KAPUTTI!

Für alle Crews ist das Privatleben des Skippers immer ein besonders interessantes Thema. Ein debriefing um kontrovers zu besprechen was gut und was schlecht war am Trip, lasse ich mich diesmal nicht hinreißen. Ich merke, dass die CREW das lieber besprechen möchte, wenn ich nicht dabei bin. Ein Skipper unterliegt klaren seeläufigen Vorstellungen. Was er tut. „Du sitzt mehr am Computer als ich das ganze Jahr. Was schreibst Du denn eigentlich die ganze Zeit?“ Eine Freundin in jedem Hafen der Welt gehört auch zum Bild über den Skipper und vieles andere meer. Durch den Verstand werden die Vorstellungen zur Einheit verknüpft und ich will niemanden seine Visionen nehmen. Wenn ich dann plötzlich rasiert, gutriechend aus der Dusche komme, mir mein letztes sauberes Hemd anziehe, das Sonntagsbesteck über die Daumen stecke und mir offensichtlich 50 CUC in die Tasche stecke, ist doch klar was ich mache. Wenn ich dann noch sage: „Bis Morgen!“ und ins nächste Taxi steige ist das Bild komplett. Bilder sagen doch alles.

 

Oberflächlich rein

Oberflächlich rein

Wird die Schlei je wieder sauber? Diese Frage stellte float im März als Headline über einen Artikel, der sich mit dem Plastikskandal am und im deutschen Ostseefjord beschäftigte. Um es gleich vorweg zu nehmen: Eine positive Antwort im Sinne eines aufrichtigen „Ja!“ können wir nicht geben. Obwohl sich in Sachen Plastik und Schlei während der letzten Wochen einiges getan hat. Nur: Wie effizient sind die Bemühungen, zu denen ein Siebschiff im Einsatz auf der Schlei gehört?

Rückblick: Aus der Schleswiger Kläranlage gelangten über einen Zeitraum von offenbar mehreren Monaten unzählige Plastikteilchen in die Schlei und verunreinigten den Fjord beziehungsweise Meeresarm in streckenweise erheblichem Ausmaß. Wie das passieren konnte? Zu dem Klärwerk gehört ein Faulturm, in dem Klärgase als Energiequelle genutzt werden. Um die Energieausbeute zu steigern, werden – das ist offenbar üblich – zerhäckselte Essensreste in den „Faulschlamm“ beigemischt. Doch diese Lebensmittelreste sind mitunter noch verpackt, wie ein Beitrag des NDR zeigt. Natürlich in Plastik.

Plastikskandal Schlei

Plastikteilchen aus dem Schleiwasser© Stephan Boden

Wer hat Schuld?

Neben den relativ rasch eingeleiteten Säuberungsaktionen auf den betroffenen Uferabschnitten beschäftigte Behörden, Medien und die Öffentlichkeit auch die Schuldfrage. Muss ein Klärwerk dafür sorgen, dass angeliefertes Verpackungsplastik vollständig aufgefangen wird, damit das geklärte Wasser nach mehreren Filterstufen „plastikfrei“ in die Schlei fließt? Oder waren die letzten Anlieferungen der Firma ReFood GmbH & Co KG mit überproportional vielen Plastikrückständen durchsetzt, so dass die vorhandenen Filter überlastet waren und nicht effizient genug wirken konnten?

Am 5. April veröffentlichte die Stadt Schleswig Teile des Vertrags, der zwischen ReFood GmbH & Co KG und den Schleswiger Stadtwerken respektive der örtlichen Abwasserentsorgung getroffen wurde. In einer zeitgleich ausgegebenen Pressemitteilung lenkte der Schleswiger Bürgermeister Arthur Christiansen die Aufmerksamkeit auf bestimmte Absätze im Vertrag. Diese sollen eindeutig belegen, dass „die Verantwortung zum Herausfiltern der Kunststoffteile bei der Firma ReFood liegt“. Christiansen räumte aber auch ein, dass „das gemeinsame Schreddern von Biomasse und Plastik und anschließende maschinelle Herausfiltern der Kunststoffpartikel aus dem Gärsubstrat nicht zu verantworten ist“. Es müsse nun überlegt werden, welche „weiteren technischen und finanziell vertretbaren Filterstufen zusätzlich geschaffen werden können“.

Plastik in der Schlei

Der Schilfsaum zu Beginn des Skandals© Stephan Boden

Wie kommt die Säuberung voran?

Seit März 2018 wurden entlang der Schlei nahezu täglich Reinigungsarbeiten durchgeführt. Mit dabei sind Mitarbeiter der Schleswiger Stadtwerke, beauftragte Lohnunternehmen, Helfer anderer Stadtwerke in Schleswig-Holsteins und freiwillige Helfer aus den Reihen besorgter Bürger. 30 bis 50 Personen sollen täglich im Einsatz gewesen sein. Die Aufräumtrupps haben mehr als 150 Tonnen Schilfreste und Plastik vom Ufersaum entsorgt, heißt es in lokalen Medienberichten. Der Bunde für Umwelt- und Naturschutz (BUND) setzte mit einer Kundgebung vor den Schleswiger Stadtwerken „die Verantwortlichen für die unsagbare Verschmutzung der Schlei“ unter Druck. Gefordert wurde mehr Transparenz. Man wollte wissen, „wie und wann das Plastik wieder aus der Umwelt gelangt“.

Reibungslos verliefen die Säuberungen in Uferbereichen allerdings nicht. Zumindest zu Beginn der Arbeiten monierten Naturschützer, dass in besonders sensiblen Bereichen des Ufer-Ökosystems gnadenlos aufgeräumt werde. Sogar Brutbereiche von Seevögeln seien in Mitleidenschaft gezogen worden. Zudem wurde wiederholt kritisiert, dass Plastikteile, die im Wasser der Schlei trieben, nicht abgeschöpft würden.

Das Siebboot soll’s richten

Darauf reagierten die Stadtwerke mit einer nahezu verblüffenden Maßnahme. Innerhalb von nur knapp drei Wochen konstruierten und bauten sie einen Sieb-Katamaran, um die Schlei „auch von Wasserseite von Kunststoffpartikeln zu befreien“, wie auf der Website der Schleswiger Stadtwerke zu lesen ist. Der Mitte April vorgestellte Katamaran ist neun Meter lang und etwa vier Meter breit. Am vorderen Ende sind zwei schwenk- und ausfahrbare Metallflügel befestigt, die wie ein Trichter funktionieren. Ist der Kat in Fahrt, gelangt Oberflächenwasser in seinen Innenraum und wird dort von einem engmaschigen Metallgitter gefiltert.

Sieb-Katamaran

In nur 20 Tagen nach Eigenentwurf gebaut© Sönke Hansen

Das Boot werde, sofern es die Witterungsbedingungen zulassen, täglich acht Stunden im Einsatz sein, um die Kunststoffpartikel aus dem Wasser mit einer Siebvorrichtung zu entfernen. Die Maßnahme sei mit Schlei-Fischern abgestimmt, fügte man gleich vorsichtshalber hinzu.

Nun ist Plastik in den Meeren und Seen schon seit vielen Jahren ein Reizthema. Die Verschmutzung der Ozeane ist mittlerweile sogar ein Herzensanliegen der UNO. Wer sich mit dem Thema ein wenig beschäftigt weiß, dass es viele Projekte gibt, die mit Booten oder Schiffen Gewässer vom Plastik befreien wollen. Stellvertretend sei das deutsche Projekt One Earth/One Ocean erwähnt. Allen gemeinsam sind relativ lange Entwicklungszeiten, eine oft erst in Praxistests beweisbare Funktionsfähigkeit und meist exorbitant hohe Baukosten. 
Die Stadtwerke Schleswig schafften dieses Kunststück jedoch in kürzester Zeit, die Baukosten werden mit 40.000 Euro beziffert.

Schoofs lobt das Siebschiff

Auf Anfrage von float antwortete Wolfgang Schoofs, Chef der Schleswiger Stadtwerke: „Das Schiff haben wir natürlich nach Internetrecherche selber entworfen und dann in rund 20 Tagen bauen lassen. Das Ausleihen von anderen Schiffen wäre viel zu aufwändig gewesen, daher der Eigenbau.“

Befragt nach der Sammel- beziehungsweise der Siebeffizienz des neuen Siebboots erläutert Schoofs: „Beim Einsatz des Siebschiffes über mehrere Seemeilen täglich ist die Ausbeute an Kunststoffpartikeln sehr gering. Dies liegt daran, dass durch die Stürme im März das meiste Material an die Ufer geschwemmt wurde und wir es dort auch beseitigt haben. Bei einer Fahrt von einem halben Tag haben wir bis jetzt rund zwei Eimer voll organisches Material aufgefangen und wenige Kunststoffpartikel. Noch nicht mal 500 g Plastik.“ Schoofs weiter: „Im Wasser und an den Ufern finden wir kaum noch Plastik, weil die Zufuhr im Februar gestoppt wurde durch Einbau von Sieben auf der Kläranlage. Zudem haben wir laut Lieferscheinen nur 488 kg Plastik erhalten, wovon auch ein großer Teil in der Kläranlage aufgefangen wurde.“

Sieb-Katamaran

Oberflächlich rein?© Sönke Hansen

Alles wieder im Reinen?

Kein Plastik mehr auf der Wasseroberfläche, kein Plastik mehr an den Stränden – ist also alles wieder im Reinen an der Schlei? Kritiker sind der Meinung, dass viele Plastikteile – wie in  mehreren Forschungsprojekten weltweit nachgewiesen – mittlerweile nicht mehr an der Wasseroberfläche treiben, sondern in mehreren Metern Tiefe, wo sie vom Sieb-Katamaran nicht aufgefangen werden können. Dort belasten sie als vermeintliches Fischfutter das Ökosystem erst recht und gelangen letztendlich in unsere Nahrungskette. Andere behaupten, dass je nach Dichte der Plastikteilchen diese bereits auf dem Grund der Schlei liegen und dort ein noch Jahrhunderte dauerndes Dasein fristen, bis sie sich in Micro-Plastikteile verwandelt haben werden.

Wie effizient der Sieb-Katamaran wirklich ist und ob der Bau des mit viel Medien-Tamtam vorgestellten Müllsammelboots wirklich notwendig war, wird sich vielleicht erst im Sommer herausstellen. Denn einige Kommentatoren unken bereits in Internetforen und sozialen Medien, dass sich der Sieb-Kat doch auch hervorragend gegen die nächste „Pest“ einsetzen lasse: Algenteppiche, die den Fjord aufgrund des hohen Phosphat-Zuflusses aus Düngemitteln immer wieder verstopfen.

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Der Beitrag Oberflächlich rein erschien zuerst auf Float Magazin.

Informationen rund um das Mittelmeerskippertreffen der f.re.e 2018

München – Bei dem diesjährigen ADAC Mittelmeerskippertreffen anlässlich der f.re.e. wurden neben Tipps für die Crew auf See auch Informationen zum Revier Friaul-Julisch Venetien und Kroatien vorgestellt. Aktuelle Themen wie die Online-Liegeplatzbuchung und die Gebührensituation in Kroatien standen ebenfalls auf der Agenda.

Quelle: JOJO Wassersport München

Simone Staudacher von JOJO Wassersport München deckte mit ihren Tipps alle Themen rund um die Sicherheit auf See ab wie

  • Gefahren im Revier, an Bord, mit der Crew
  • Schiffsausrüstung
  • Navtex Kroatien
  • Medizin an Bord

Die während des Mittelmeerskippertreffens präsentierten Unterlagen von JOJO Wassersport München liegen hier

ADAC Stützpunktmarina Sant Andrea

Die Vorstellung des Reviers Friaul-Julisch Venetien durch Dr. Giorgio Ardito war sehr interessant und kurzweilig. Begleitet wurde der Vortrag von vielen Fotos, die Lust auf einen Urlaub in dieser Region machen. Werfen Sie einen Blick in die vorgestellten Revierunterlagen und lassen Sie sich inspirieren!

 

Thomas Käsbohrer stellte den Marina-Report Kroatien 2018/2019 vor, der seit Februar als Neuerscheinung vom Verlag millemari vertrieben wird. Der Marina-Report informiert über Marinas, Liegeplatzpreise und umliegende Restaurants.
Die Vorstellung des Marina-Reports können Sie hier nachlesen.

Aktuelle Informationen zu Gebühren für Bootsfahrer in Kroatien

Für 2018 gilt die neue Verordnung über die Festsetzung der Kurtaxe, die sich sowohl nach der Bootslänge als auch nach der Aufenthaltsdauer berechnet. Die Gebühren haben sich vor allem für größere Boote, die sich über einen längeren Zeitraum in kroatischen Gewässern aufhalten, drastisch erhöht. Die Preisübersicht für 2018 finden Sie in folgender Meldung im ADAC Marinaführer.

Auch die Gebühren für den Nationalpark Kornati werden sich in der Saison 2018 erneut erhöhen und zwar um rund 25-35%. Bodo Müller interviewte für das Magazin ‚boote‘ den Nationalparkdirektor Josip Zanze zu den Hintergründen, die zu diesen Preissteigerungen geführt haben. So trägt sich der Nationalpark Kornati nicht selbst und es sind umfangreiche Investitionen z.B. in die Bootsflotte und beim Personal geplant. Das Interview mit Josip Zanze finden Sie im Magazin boote, Heft 05/2018.
Die offizielle Preisliste 2018 wird Anfang Mai von der Verwaltung des Nationalpark Kornati veröffentlicht.

Die ADAC Sportschifffahrt stellt im ADAC Marinaführer umfangreiche Informationen zu zahlreichen Ländern und Revieren zur Verfügung, diese sind auch in den ADAC Geschäftsstellen erhältlich oder können per E-Mail [email protected] angefordert  werden.

 

Aktuelles für den Bootsurlaub rund um das Mittelmeerskippertreffen der f.re.e 2018

München – Bei dem diesjährigen ADAC Mittelmeerskippertreffen anlässlich der f.re.e. wurden neben Tipps für die Crew auf See auch Informationen zum Revier Friaul-Julisch Venetien und Kroatien vorgestellt. Aktuelle Themen wie die Online-Liegeplatzbuchung und die Gebührensituation in Kroatien standen ebenfalls auf der Agenda.

Quelle: JOJO Wassersport München

Simone Staudacher von JOJO Wassersport München deckte mit ihren Tipps alle Themen rund um die Sicherheit auf See ab wie

  • Gefahren im Revier, an Bord, mit der Crew
  • Schiffsausrüstung
  • Navtex Kroatien
  • Medizin an Bord

Die während des Mittelmeerskippertreffens präsentierten Unterlagen von JOJO Wassersport München liegen hier

ADAC Stützpunktmarina Sant Andrea

Die Vorstellung des Reviers Friaul-Julisch Venetien durch Dr. Giorgio Ardito war sehr interessant und kurzweilig. Begleitet wurde der Vortrag von vielen Fotos, die Lust auf einen Urlaub in dieser Region machen. Werfen Sie einen Blick in die vorgestellten Revierunterlagen und lassen Sie sich inspirieren!

 

Thomas Käsbohrer stellte den Marina-Report Kroatien 2018/2019 vor, der seit Februar als Neuerscheinung vom Verlag millemari vertrieben wird. Der Marina-Report informiert über Marinas, Liegeplatzpreise und umliegende Restaurants.
Die Vorstellung des Marina-Reports können Sie hier nachlesen.

 

Interessierte Skipper konnten auf der boot in Düsseldorf die neue App „Marinaführer – HelloPort“ testen, mit der bereits unterwegs ein Hafenplatz verbindlich gebucht und auch bezahlt werden kann. Axel Brinkmann, Redaktionsleiter der ADAC Sportschifffahrt, stellte das Liegeplatzbuchungssystem detailliert vor und demonstrierte die Einbindung von HelloPort in das ADAC Marina-Portal. Die aktuellen Trends zur Online-Liegeplatzbuchung sind hier zusammengefasst.

 

Die ADAC Sportschifffahrt stellt im ADAC Marinaführer mit den bootstouristischen Informationen (BTI) umfangreiche Informationen zu zahlreichen Ländern und Revieren zur Verfügung, diese sind auch in den ADAC Geschäftsstellen erhältlich oder können per E-Mail [email protected] angefordert  werden.

 

Hamburgs maritimes Herz

Hamburgs maritimes Herz

Hamburg ist die Stadt der Schiffe, Hafenkräne, Möwen und Matrosen. Und als gehöre das selbstverständlich hierher, gibt es in Hamburg einen Ausstellungsort für alle, die das Meer und die Seefahrt lieben: Seit fast zehn Jahren ist das Internationale Maritime Museum in der Speicherstadt zuhause. Im Juni wird Jubiläum gefeiert. float war schon einmal da.

Das Museum beherbergt und zeigt die vermutlich weltweit größte Privatsammlung maritimer Objekte, die ein einzelner Sammler zusammengetragen hat. Der 2016 verstorbene Peter Tamm, der zunächst als Journalist und später in Geschäftsführung und Vorstand des Axel-Springer-Verlags Karriere gemacht hat, sammelte seit seinem sechsten Lebensjahr Modellschiffe und maritime Gegenstände aller Art. So kam eine Sammlung zustande, die neben 40.000 Schiffsmodellen und -miniaturen einen riesigen Fundus anderer Objekte umfasst: Schiffsbaupläne, Bücher, Fotografien in großer Zahl, Gemälde, Plakate, Skulpturen, Uniformen, Orden und Insignien sowie nautisches Gerät und andere Originalgegenstände aus 3.000 Jahren Seefahrts- und Marinegeschichte.

Internationales Maritimes Museum Hamburg

Passagierdampfer im Miniaturformat© Anne-K. Jung

Um seine außergewöhnliche Sammlung einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen, gab Tamm sie einer in seinem Namen gegründeten Stiftung weiter, der Peter Tamm sen. Stiftung. Mit der Stadt Hamburg wurde im Jahr 2004 ein Vertrag geschlossen, der die gemeinsame „Errichtung eines Internationalen Schifffahrts- und Meeresmuseums“ projektierte. Nicht unumstritten leistete die Stadt einen großen finanziellen Beitrag zur Gründung: Sie stellte dem Museum ein Haus zur Verfügung.

Im historischen Kaispeicher

Der gewählte Ort könnte kaum geeigneter für seinen Zweck sein: Das Museum ist im ältesten noch erhaltenen Gebäude des Freihafens untergebracht, dem Kaispeicher B aus dem Jahr 1878. Das unter Denkmalschutz stehende Haus wurde umsichtig saniert und zugleich für den Museumsbetrieb umgebaut. Diese Sanierung kostete die Hansestadt mehr als 30 Millionen Euro. Dieser Aufwand hat sich gelohnt. Jeder von Hand aufgearbeitete Ziegelstein, jeder gusseiserne Pfeiler, jedes originale Dielenbrett macht die Atmosphäre der alten Speicherstadt wieder lebendig. Damit wurde für die maritimen Geschichten, die das Museum erzählt, ein äußerst stimmiges Ambiente geschaffen.

Ende 2006 wurde das fertig sanierte Gebäude der Stiftung zur Nutzung als Museum übergeben. Die Einrichtung des Museums und der Aufbau der Ausstellung brauchten noch einmal anderthalb Jahre, bevor am 25. Juni 2008 die Türen öffneten.

Internationales Maritimes Museum Hamburg

Museumseingang© K. Bergmann, CC-0
Internationales Maritimes Museum Hamburg

Vor dem Einzug© M. Jungierek, CC-BY-2.5

Getreu der Überzeugung des Sammlers und Museumsgründers Tamm, dass sich die komplette Menschheitsgeschichte in der Geschichte der Seefahrt abbilde, zeigt das Museum auf 12.000 Quadratmetern Ausstellungsfläche im Grunde alles, was es über die Fortbewegung der Menschen auf dem Wasser zu entdecken gibt. Es ist geglückt, die Vielfalt der Sammlung in ein schlüssiges Konzept zu gießen und alles modern zu präsentieren. Das Museum erzählt die Geschichte der Seefahrt nicht linear, sondern gegliedert in neun Themenblöcke. Keine Epoche wird ausgelassen: Vom Einbaum bis zum Tiefsee-Tauchroboter kommen alle Entwicklungsstufen vor.

Erkundungsgang von Deck zu Deck

Auf jeder der neun Etagen – oder besser: der neun „Decks“ – des alten Speichers findet ein eigenes Thema seinen Raum. Am besten erkundet man das Museum und seine Schätze von oben nach unten. Diesen Tipp gab uns ein Museumsführer, der die Bestände des Hauses wie seine Westentasche kennt. Und noch eine Erkenntnis hat er uns vermittelt: Eine Führung oder alternativ die Nutzung eines Audio-Guides lohnen sich unbedingt. Denn hinter jedem Objekt, das hier zu sehen ist, verbirgt sich ein eigener, kleiner Wissenskosmos. Mit einem Lotsen läuft man weniger Gefahr, sich im Universum der Seefahrtsgeschichte zu verlieren.

Internationales Maritimes Museum Hamburg

Diorama: Containerterminal Bremerhaven
Internationales Maritimes Museum Hamburg

© Anne-K. Jung

Ganz oben auf Deck 9 sind in Vitrinen und Dioramen die Schiffsminiaturen ausgestellt – eine Wunderwelt im Einheitsmaßstab 1 zu 1.250. Das Deck darunter ist der bildenden Kunst gewidmet. Gemälde aus mehreren Jahrhunderten und verschiedenen Ländern illustrieren die Entwicklung der Seefahrt. In der Schatzkammer des Museums gibt es Kunstobjekte aus Silber, Gold und Bernstein zu entdecken. Bizarr ist die Sammlung seltener Knochenschiffe, die zur Zeit der napoleonischen Kriege von gefangenen Seeleuten gefertigt wurden. Ebenfalls auf Deck 8 ist das Atelier von Gemälderestauratorin Bianca Floss, der man bei der Arbeit zuschauen kann. Alle Fachfragen beantwortet sie geduldig.

Internationales Maritimes Museum Hamburg

Restauratorin Bianca Floss in ihrer ‚gläsernen Werkstatt‘ © Anne-K. Jung

Weiter geht es abwärts zum Deck 7 mit dem Namen „Expedition Meer“, das in Kooperation mit dem Konsortium Deutsche Meeresforschung entwickelt wurde. Es ist der Erforschung der Ozeane und der Tiefsee gewidmet. Auf dem Deck darunter geht es um die Handels- und Passagierschifffahrt mit allen ihren Facetten, seit im 19. Jahrhundert Dampfmaschinen und Stahlrümpfe den Schiffbau revolutionierten.
Das Deck 5 „Krieg und Frieden“ beschäftigt sich mit Seeschlachten, Seehelden, heldenhaften Schiffen, schicksalhaften Ereignissen und Einzelschicksalen. Im Wesentlichen fußt diese Bestand auf den marinehistorischen Teilen der Sammlung Tamm – ebenso Deck 4 „Dienst an Bord“, das sich mit dem Leben der Matrosen und Offiziere, Hierarchien an Bord, Symbolen und den Ritualen des Schiffsalltags befasst.

Ins Schwärmen geraten

Fast geschafft, denkt man… doch dann wird es nochmal richtig spannend. Das Deck 3 „Geschichte des Schiffbaus“ zeigt, wie ein Schiff entsteht. Welche Baustoffe fanden vor Jahrhunderten Verwendung, und wie wird ein Schiff im Computerzeitalter gefertigt? Material, Werkzeuge und Konstruktionszeichnungen führen die historische Entwicklung vor Augen.

Die Abteilung darunter, das „Deck 2“, ist der Schifffahrt unter Segeln gewidmet. Vom Wikingerschiff bis zu den Windjammern des frühen 20. Jahrhunderts reicht das Spektrum ausgestellter Exponate. Hier finden sich Modelle und reichlich Anschauungsmaterial zum Thema Besegelung. Auf dem untersten Deck 1 „Die Entdeckung der Welt“ lernen wir etwas über Navigation und Kommunikation. Ohne diese wäre die Erkundung der Welt unmöglich gewesen – ob mittels Kompass und Quadrant oder mit Hilfe von satellitengestützter Positionsbestimmung.

Auf der ersten Etage befindet sich auch die Modellbauwerkstatt des Museums, die für den Erhalt der vielen Schiffsmodelle wichtig ist. Wenn ein Mitarbeiter im Einsatz ist, kann man hier die Arbeiten an den Objekten durch eine Glasscheibe beobachten. Die elf Mitarbeiter der Werkstatt sind allesamt ehrenamtlich im Einsatz, so wie übrigens der Großteil des übrigen Museumspersonals auch. Denn das Museum ist nach wie vor eine private Institution in der Trägerschaft der Stiftung, die für den laufenden Betrieb keine Förderung aus öffentlicher Hand erhält.

Mit großem Einsatz

Ohne den engagierten Einsatz von über 90 ehrenamtlichen Mitarbeitern und des Freundeskreises Internationales Maritimes Museum Hamburg e.V. könnte das Museum in seiner jetzigen Form nicht weiterbestehen. Jeder erlöste Euro ist wichtig. Man ist dabei erfinderisch, und das muss man auch sein. Verschiedene Räume des Museums lassen sich für Veranstaltungen mieten. Besonders beliebt sind Kindergeburtstage, die den Nachwuchs für ein paar Stunden in die Welt der Piraten entführen. Gern von privaten Gruppen gebucht wird auch der hauseigene Schiffsführungssimulator, den die Reederei Hapag-Lloyd dem Museum gestiftet hat: Im raumgroßen Simulator auf „Deck 1“ kann man eigenhändig ein Containerschiff in den Hafen steuern. Unter fachkundiger Leitung, versteht sich.

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Schiffsführungssimulator: Ein Containerschiff steuern
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© Anne-K. Jung

Am Ende der Besuchszeit ist gefühlt noch viel zu viel Museum übrig. Hätte man die ein oder andere kleine Wissensgalaxie noch gründlicher erforschen mögen oder sich in Details verlieren wollen? Zeit bleiben sollte auch für den Museumsshop und die Buchhandlung im Foyer mit dem thematisch passenden Sortiment.

Wer jetzt endgültig k.o. ist und keinen überflüssigen Schritt mehr tun mag: Für ein gutes Essen muss man das Haus gar nicht verlassen. Das Restaurant Catch oft the Day im Erdgeschoss bietet geniale Fischgerichte an und einen hervorragenden Kaffee obendrein.

Tipp: Am Sonntag, den 24. Juni 2018 feiert das Museum sein 10-Jähriges Jubiläum mit besonderen Angeboten. Informationen dazu gibt es in Kürze auf der Museumshomepage.

Koordinaten

Internationales Maritimes Museum Hamburg
im Kaispeicher B, Koreastraße 1
20457 Hamburg
Tel. (040) 30 09 23 00
Öffnungszeiten: täglich 10 -18 Uhr
N 53° 32′ 35.93″ / E 9° 59′ 59.30

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Der Beitrag Hamburgs maritimes Herz erschien zuerst auf Float Magazin.

Grundberührungen

Therorie und Praxis der GPS Navigation

Das mit den Expeditionen stimmt ja zum Teil. Ich stehe im Pilothaus mit der Fernsteuerung des Autopiloten in der Hand. Wir fahren unter Motor mit drei Knoten genau den Track zurück, den wir nach Levisa am Tag davor ohne Probleme reingefahren sind. Der Unterschied ist der Sonnenstand. Die Sonne ist noch niedrig. Es ist früh am Morgen. „Kann nichts passieren, wenn wir den Track genau zurück fahren.“ Dann traue ich meinen Augen nicht. Die Werte vom Echolot gehen von 4,5 auf 3,5 auf 2,4 auf 1,8 und schon werden wir sanft gebremst von Seegras und Schlick, als wenn wir in ein weiches Kissen fahren. „Hmm!“, grummel ich. „Kann ja eigentlich gar nicht sein.“ Ich vermute einen kleinen Sandhügel unter Wasser, renne ums Deck, aber alles sieht gleich tief aus. „Mit Gewalt durchfahren, in der Hoffnung dass es gleich wieder tiefer wird. Wir sind ja genau auf Track“, geht mir durch den Kopf. Genauso schnell wie der Gedanke da ist, siegt die Vernunftshälfte meines „M it dem Kopf durch die Wand – Skippergehirns“. Mit etwas Rückwärtsfahrt ziehe ich den Kiel schmatzend aus dem Schlick zurück. Nur gut das ich dem Track nicht getraut habe und mit Vollgas gefahren bin. Es ist kein Problem. Ich stelle mich aufs Pilothaus. Keine Sicht-Navigation möglich. Die kleinen Wellen werde zu flach vom Licht angestrahlt. Ich putze die Pol-Brille. Meine Crew schaut mich erwartungsvoll an. Da wird mir auch keiner helfen, die erwarten immer das ich weiß was ich mache und das das richtig ist. Zu Recht. Hilft nur siebten Sinn einschalten. Ich kontrolliere das verschiedene Kartenmaterial, Navionics. C-Map. Jetzt das Dinghy wässern und Handloten wäre der richtige Weg. Das dauert mir zu lange. Entweder weiter nördlich oder weiter südlich. Die Gefahr bei der ganzen Geschichte ist, dass es in 50% der Fälle so endet, dass man weder vorwärts noch rückwärts weiter kommt und Hilfe braucht. Das würde aber meinen Fahrplan extrem gefährden. Und ich will ja am 15.6. in Culatra vor Anker liegen und meine Kinder sehen. „Also Wnuk. Wat tun? Schalt mal dein Gehirn ein. Doch loten?“ Südlich von uns sind die Mangroven. An den Rändern der Mangroven haben die Wirbelstürme immer tiefes Wasser ausgegraben. Also weiter südlich. Der erste Versuch, zwei Schiffslängen weiter südlich endet auch mit Schmatz in der Pampe. Der zweite Versuch passt dann. Ich weiß schon in was ich irgendwann mal investieren werde. Ein kleine, mobiles Echolot am Heck des Dinghys um für solche Fälle. Am besten mit Aufzeichnung der Messwerte über eine iPhone App und Übertragung auf die Seekarten. Der zweite Versuch klappt und wir tuckern an der Untiefe langsam vorbei. Geht doch. Ich atme auf. Eine Meile weiter will uns der Track schon wieder über eine Untiefe locken, direkt an den Überresten eines ehemaligen westlichen Kardinalzeichens. Jetzt wird klar, dass die GPS Ungenauigkeit in den hiesigen Gewässern größer als 25 Meter ist. Therorie und Pra xis der GPS Navigation.

Es wird ein schöner Segeltag. Mariana hat deutlich gemacht, dass sie keine Nachtwache mehr will. CREW 44 merkt natürlich das der Skipper wie ein Pferd in die Box will und es eilig hat. Genau vor der Einfahrt der Bahia Cabanas setzt der Wind schlagartig aus. Wir tuckern in die Lagune, suchen uns einen Platz im flachen Wasser auf fünf Meter Tiefe. Mit großem Hallo gibt es Nathalies Spagetti mit Tomatensauce. Auch der Rotweinbestand muss dezimiert werden. Morgen geht es dann weiter bis zum Endpunkt dieses Törns.

 

Folge 9 – Endlich unterwegs

Am 17.4. habe ich nun in Kiel endgültig die Leinen losgeworfen und bin über die Schlei und nach einem Drehtag in Haithabu in 3 Tagen bis Schweden gefahren. Das Video berichtet darüber ausführlich.

Nach meiner Ankunft in Käseberga erhole ich  mich von den Törntagen, da ich zusammen mit Lars Grötzinger an Bord ziemlich stramm durchgesegelt bin. Ausserdem hat der Wind so sehr aufgefrischt, das eine Weiterfahrt an der schwedischen Südküste zu gefährlich wäre. Direkt vor der Hafeneinfahrt reiten Surfer die Brandungswellen, das sagt alles. Hier in Käseberga gibt es die Schiffssetzung „Ales Stenar“, die ebenfalls ausführlich abgedreht wurde.

Sonst ist hier ausser einer Bäckerei und einer Räucherei nichts los. Ich bin das einzige Boot im Hafen, dessen Fahrrrinne bei meiner Ankunft erst ausgebaggert wurde. Perfekte Bedingungen um ein Gefühl für das lange Unterwegssein zu bekommen und das Boot technisch in Ordnung zu bringen. Auch finden langsam alle Gegenstände ihren Platz. Doch jetzt zieht es mich weiter, sobald es etwas weniger regnet laufe ich aus um die Hanöbucht zu durchqueren.

Urlaub im Seenland

Urlaub im Seenland

Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern, die beiden seenreichsten Bundesländer, präsentieren sich jetzt unter dem Namen Deutschlands Seenland mit einer neuen Website. Das schön gestaltete Portal bietet Tourenempfehlungen und Testberichte für das größte vernetzte Wassersportrevier Deutschlands.

Auf der Internetseite findet man neben vielen gut aufgemachten Informationen über Reviere und Angebote zum Beispiel die „Große Rundtour“, eine Routenempfehlung für Motor- und Hausbootfahrer. 586 Kilometer misst die zusammenhängende Strecke. Sie kann, je nach Planung, in zwei bis drei Wochen gefahren werden. Die Tour startet in Berlin und führt durch wunderschöne Reviere an der Havel, der Elbe und der Müritz.

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Romantische Ecken entdecken© Felix Gänsicke, TMV

Der neue Online-Auftritt gibt auch einen Überblick über die Wassersportangebote und ganz unterschiedlichen Naturräume in den Binnenrevieren Brandenburgs und Mecklenburg-Vorpommerns. Neben Tourenempfehlungen für Haus- und Motorboot-Fahrer werden auch die schönsten Paddelreviere mit Geschichten und Serviceinformationen vorgestellt.

„Mit der neuen Marke ‚Deutsches Seenland‘ heben wir die seit zehn Jahren bestehende Kooperation im Wassertourismus mit Brandenburg auf ein neues Niveau.“ sagt Wolfgang Waldmüller, Präsident des Tourismusverbandes Mecklenburg-Vorpommern. Die Zahlen geben ihm recht. Fast sechs Millionen Deutsche können es sich vorstellen, in den nächsten drei Jahren ein Boot auf Flüssen oder Seen zu chartern. In beiden Reiseregionen können Bootsfahrer auf rund 900 Kilometern Wasserstraßen führerscheinfrei unterwegs sein.

Außerdem gibt es jetzt ein gemeinsames Reisemagazin mit dem Titel „Dein Sommer, unser Element“, das kostenlos bei der TMB auf dem neuen Portal zum Download steht.

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