Monatsarchive: Oktober 2016

Unterwegs an den Wasserfällen der Krka.

In meinem vorletzten Post beschrieb ich den Weg auf LEVJE 
von der Adriaküste hinauf durch den Krka-Fjord.
Heute die Fortsetzung – wie es ist, an den Wassern der Krka.

Zu den Landschaften, die mich immer wieder anziehen und das seit vielen Jahren, gehören die Krka und ihre Wasserfälle bei dem kleinen kroatischen Städtchen Skradin. Hat man auf dem eigenen Boot die knapp 20 Kilometer Weg durch den engen Krka-Canyon hinaufgefunden bis Skradin, geht es plötzlich nicht weiter. Eine Brücke versperrt den Weg. Sie markiert den Anfang des Nationalparks, dessen Mittelpunkt, die großen Wasserfälle, man entweder nach einstündiger Wanderung oder 10 Minuten Fahrt mit dem Ausflugsschiff erreicht.

Kühle umfängt den Besucher am Morgen, selbst in der größten Augusthitze ist es bei den Wasserfällen angenehm kühl. Aber das ist nicht der Grund, warum sie Jahr für Jahr mehr Besucher anziehen. Die Krka-Wasserfälle sind ein einzigartiges Reich der Wasserwesen. Eine andere Welt voll kleiner Inselchen, Terrassen, Becken, Buckel, Bäche, Strudel. Vielleicht macht dies die Faszination dieses Ortes aus. Strömendes, fließendes, strudelndes, stürzendes, fallendes Wasser. Wasser in allen  Arten der Bewegung. Buchstäblich eine Landschaft im Fluss. Und eine Landschaft im freien Fall. Und würde ich an Elementarwesen glauben, und an Kobolde und Wichte und Wassergeister: Ich würde sie hier suchen, genau hier. Denn ich wäre sicher: Sie wären hier zuhause.

Das Leben ist ein langer, ruhiger Fluss. So richtig lang aber ist die Krka mit ihren 70 Kilometern selbst im kleinen Kroatien nicht. Aber ein ruhiger Fluss, das ist die Krka, zumindest über weite Strecken. Sie entspringt einem Wasserfall in den Bergen, kaum eine Autostunden vom Meer entfernt. Sie fließt meist ruhig und träge, sie ist ein beschaulicher, breit in die Schilfgürtel eingebetteter Fluss, fast ein Strom, und sie bleibt träge – wenn ihr nicht plötzlich ein Absturz quer liegt. Immerhin sieben Mal ist das der der Fall, und jeder dieser Abstürze ist eine Attraktion. Man kann sie von Skradin aus besichtigen. Erklimmt die Skradinski Buk, und besteigt oben das nächste Ausflugsschiff, das durch dichte Schilfwälder zu den Roski slap, den nächsten Wasserfällen, hinter denen bereits das nächste Ausflugsschiff wartet. Das den Reisenden zum nächsten Wasserfall, den Miljakcka-Fällen. Und so geht das immer weiter, ein Karussell der Kaskaden und Wasserfälle.

Wir bleiben heute bei Wasserfällen von Skradin. Wir steigen nicht auf das erste Ausflugsschiff oben, das uns zum alten Franziskanerkloster Visovac auf einer Insel mitten im See bringt. Wir schauen einfach auf die Krka, wie sie dort oben still daliegt wie ein See, eingerahmt von dichten Schilfgürteln, ein Blaugrün im großen Grün des späten Sommers, still fließendes, tiefgründiges Süßwasser, eine Orgie von Sommer und Süßwasser für den, der vom Meer kommt. Die Krka steht hier praktisch still. Kein Haus, kein Feld am unzugänglichen Ufer. Nur Schilf und Wassergesträuch, durch das die Krka  unmerklich, uneinsehbar auf die vor ihr liegende, fast 50 Meter hohe Felskante zutreibt.

So undurchdringlich der Schilfwall aussieht, der den Fluss lückenlos einrahmt: Irgendwo findet er einen Weg hindurch wie Wasser in einer hohlen Hand. Es sind zuerst unzählige kleine Stromschnellen, Strudel, Wirbel. Wasser, das durch Schilf wie dürre Finger rinnt, sich seinen Weg nach unten sucht. Die Wasser-Fluss-Landschaft verbreitert sich zwischen den Felswänden auf mehrere Hundert Meter. Überall sprudelt, gurgelt, pulst und fließt es in kleinen Strömen.

Der träge Strom: Er ist zu hunderten kleiner Wesen geworden, die sich talwärts springen. Erst zaghaft und in kleinen Bächen. Die größer werden, sich wieder vereinigen, über erste schmale Terrassen hinunterstürzen. Ein leises Murmeln wie durch Röhren, ein Gluckern, während der Wind die Halme bewegt.

Aber das ist erst der Anfang. Und an diesem Anfang stehen tatsächlich winzige Lebewesen. Denn die Kalkstein-, die Tuff- und Travertinbecken, die braunen Terrassen, die den Fluss einfassen, sie sind geschaffen von seinen Mikroorganismen. Die Barrieren, über die Fluss stürzt, erschuf er sich selbst. Ein Jahrhunderttausende altes Zusammenwirken aus Wasser und kleinsten Organismen, die an dieser Stelle, an der der Fluss durch die Kalksteinberge bricht, eine Reaktion hervorriefen, angesiedelt irgendwo zwischen Chemie und Biologie. Sie war es, aus der eine Landschaft fallenden Wassers aus Schalen und Becken und Schüsseln und Gumpen und Trichtern entstand.

Der Fluss: er hat sich nun mehr Raum genommen. Er und die Landschaft, sie sind jetzt eins. Der Fluss, das Fließen, ist Landschaft und Schönheit. Es ist ein baumbestandener Garten voll natürlicher Terrassen und Kaskaden, und jede Terrasse und jede Kaskade sind Fließen. Ein Rauschen liegt nun über allem. An einer Stelle Wasser stürzt von allen Seiten in ein Becken, ein großes Natur-Jacuzee, das sich bodenlos öffnet. Wasser verschwindet Kubikmeterweise  in der Öffnung und stürzt sich weiter unten über die nächste Travertin-Wand in die Tiefe.

Aberhunderte sprudelnder Kaskaden, kleiner und großer Wasserfälle, die in irgendwelche Becken münden, sich wieder verzweigen, mäandern und stürzen und hinunterspringen.

Am anderen Ende des Getöses, ganz rechts außen, unter Bäumen ein alter Kanal. Das Licht, das unter hohen Bäumen aufs Wasser trifft, erinnert er an den Canal du Midi im Süden Frankreichs. Langsam streicht hier der Fluß entlang, lax flösselt ein Schwarm Forellen träge gegenan, warum sich abrackern, wo doch der Fluss alles herbeiträgt bis ins aufgesperrte Maul?

Hahnenfuss flutet, wiegt sich, schwingt in der Strömung, als würde nicht er durchs Wasser bewegt, sondern als wäre er ein Lebewesen, das sich mit hundert Armen bedächtig im Strom wiegt.

Immer schneller stürzt die Krka nun nach unten, wir nähern uns dem letzten Kapitel, dem letzten Stück der Wasserfälle. Breit wie Fußballfelder fallen die Wassermassen über die 17 Tuff- und Travertin-Terrassen. Treppenstufen und Absätze, die das Wasser auf seinem letzten Wegstück aus 25 Metern Höhe zurücklegt. Es ist ein Schauspiel wie aus dem Lustgarten eines Rokoko-Fürsten, nur dass es an dieser Stelle bis zu 300 Kubikmeter Wasser pro Sekunde sind, die über die Beckenränder springen. An einer Stelle ein kleines Rinnsal, das sich aus zehn Metern Höhe nach unten ergießt. Daneben ein gewaltiger Schwall, der aus der Travertinwand donnert wie aus einer Düse. An anderer Stelle ein Überhang mit einer Grotte darunter, über die langsam Wasser perlt, um sich unten in der Gischt zu sammeln.

Am Ende der letzten Terrasse sammelt sich das Wasser. Und fließt wieder träge, träge weiter dem Meer zu. Aber der Eindruck, dass ab hier alles seinen ruhigen Gang geht, der täuscht. Denn hier, wo die Tuff- und Travertinbecken enden, beginnt ein weiteres Wunder: das Süßwasser der Krka trifft hier mitten im Binnenland auf Meerwasser. Der Fluß zieht das warme Meerwasser über mehr als 20 Kilometer unter dem kalten Süsswasser durch den Canyon hinauf bis dorthin, wo die Wasserfälle in die Tiefe stürzen.

Und vielleicht ist dies dann auch das allergrößte Vergnügen, das die Krka dem Segler bereitet: Wo LEVJE fünf Kilometer weiter flussabwärts still in einer Schilfbucht liegt, einfach Schwimmen zu gehen, oben, wo bis zwei Meter Tiefe eiskaltes Bergwasser strömt. Und nach unten zu tauchen, wo am Grund der Krka das sommerwarme Salzwasser fließt. Nein, ich könnte mit LEVJE jeden Sommer zurückkehren und mich herumtreiben, in dieser grandiosen Welt der Wassers.

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Mare Più: heißt „mehr Meer“. 
Und wenn Sie mehr Geschichten 
über die Menschen am Meer lesen wollen:


Wie es ist, auf einem kleinen Segelboot
• Italien
• Griechenland
• Türkei
zu bereisen. Und in fünf Monaten: Von München nach Antalya zu reisen.


Auch als Film:  

Sonntag, 16. Oktober 2016 20.15 Live im Kino
im Rahmen der Allgäuer Filmkunstwochen
im Filmhaus Huber, Bad Wörishofen.


Das sagt die Presse über Buch und Film:

„… ein Sehnsuchtsbuch par excellence.
Und ein echtes sinnliches Erlebnis.“
MÄRKISCHE ZEITUNG im Oktober 2015

„… eröffnet dem Weltenbummler ganz wunderbare Traumziele, auf die man 
bei üblicher Herangehensweise schwerlich gekommen wäre.“
YACHT im Mai 2015 

„Die Besonderheit des einstündigen Streifens ist seine Ruhe. 
Eine Ruhe, die der Film mit poetisch angehauchter Sprache und sinnlichen Bildern von Szene zu Szene eingehender vermittelt.“
SEGELREPORTER im Dezember 2015

„… ein schönes, ein gelungenes Werk, animierend und inspirierend.“
LITERATURBOOT im Juli 2015

„Absolut empfehlenswert!
Für Reisebegeisterte ist ‚Einmal München-Antalya, bitte!‘ definitiv zu empfehlen.“
RATGEBER.REISE. im Juni 2015


Wir können auch anders

Ein Sonntag auf der MARLIN

Nach den stressigen letzten Tagen haben wir uns einen Sonntag verdient und auch bekommen. Mit der Morgendämmerung erstrahlt über uns blauer Himmel, am Horizont erscheinen typische atlantische Kumuluswolken rundum, alle bestaunen die eindrucksvolle Dünung um uns herum, die MARLIN fährt Aufzug, beim Morgenkaffee wird diskutiert ob die MARLIN nun zwei oder vier Stockwerke auf und ab fährt. Die Morgenwache (seit 4 Uhr wach) mag gar nicht in die Kojen verschwinden, so schön ist’s. Einziger Wermutstropfen ist der stetig tuckernde Motor, der uns leider schon seit einigen Stunden anschiebt – wir müssen gerade mal eben den Wind einholen. Es dauert nicht lange und das schöne Wetter zieht sich durch alle Kojen, Sonnenschein durchflutet das Boot und verteilt die gesamte Crew übers Schiff. Auch ein erschöpfter Spatz freut sich mit uns. Auf dem Vorschiff wird getanzt, die Hängematte findet ihren Platz, das Gemüseschnippeln wird auf Deck verlegt, Musik erklingt, David Bowie singt für uns. Zum Nachmittagskaffee versammelt sich die Crew im Pilothaus und verstrickt sich in Ermangelung der Sonntagszeitung in weltpolitische Diskussionen – unter uns 4000 Meter Wasser. Während wir den Blogeintrag verfassen guckt ein Teil der Crew in die Röhre (Radar) und bestaunt die dort sichtbaren Wolkenformationen (squalls), nicht beunruhigt da diese sich neben uns und nicht vor uns befinden. Die Idee zum Reffen entsteht und stellt sich sogleich als eine Spitzenidee dar: schlagartig ist der Squall über uns und Skipper Jan steuert die MARLIN souverän in den Wind um Zeit zum Reffen zu gewinnen. Damit hatte die sonntägliche Lethargie ein jähes Ende: so ist Segeln, sei stets bereit.

Unbekannter Verfasser

hanseboot 2016 Ostsee-Seminar

Jahr für Jahr stechen mehr Segler in See, um einen ganzen Sommer auf der Ostsee zu verbringen. Es locken die dänische Südsee, der grüne Stockholmer Schärengarten, das beeindruckende Baltikum oder helle Nächte im Bottnischen Meerbusen. Neben einer guten Routenplanung und richtiger Ausrüstung kommt es vor allem auf wertvolle Informationen im Vorfeld eines solchen Törns an. Im letzten Jahr feierte auf der hanseboot das hanseboot Ostsee Seminar Premiere. Nun wird es aufgrund des großen Erfolges wiederholt.

Auf der hanseboot 2016 gibt gleich am ersten Messetag, Samstag, 29. Oktober 2016 der erfahrene Weltumsegler, Ostsee-Experte und Buchautor Sönke Roever wichtige Informationen für einen Sommer auf der Ostsee. Neben zahlreichen nautischen Informationen und Erfahrungsberichten zu den zehn Anrainerstaaten geht es im hanseboot Ostsee-Seminar auch um die richtige Ausrüstung für das Schiff: Welche Segel sind sinnvoll, welche Kommunikationsmittel sollten zum Einsatz kommen und wie sieht es mit Ankergeschirr und Sicherheit aus? Auch auf den Umgang mit Nachtwachen und Schlafmanagement geht Roever ein. Ein anderer Seminarteil beschäftigt sich speziell mit der Kursbestimmung im Schärengebiet, läuft das Navigieren in den Gewässern von Finnland, Norwegen und Schweden doch anders ab als in den heimischen Revieren.

Ein anderer wichtiger Punkt bei jeder Reiseplanung: das Wetter. Dr. Meeno Schrader – Wetterrouter und -berater sowie TV- und Hörfunk Wetterexperte – stellt die Großwetterlage der Ostsee vor und gibt Tipps, wann am besten wohin gesegelt werden kann. Abgerundet wird das Programm durch einen Vortrag von Frederike Buhse und Hinnerk Röber – die beiden segelten mit einer betagten 27-Fuß-Yacht 100 Tage lang um die Ostsee. Ihr Video-Logbuch erfreute sich großer Beliebtheit im Internet. Erfrischend und unterhaltsam berichten sie von ihrem endlosen Sommer auf der Ostsee

hanseboot Ostsee-Seminar, Lotseninsel Vinga bei Göteborg

Das vollständige Programm und die Anmeldeformalitäten sind zu finden unter:
http://www.blauwasser.de/ostsee-seminar

Die Teilnahme am eintägigen Seminar kostet 95,- Euro pro Person. Darin enthalten ist neben dem Seminarbesuch und dem Messe-Eintritt für das ganze Wochenende auch ein signiertes Exemplar von „Auszeit unter Segeln“. Eine Begleitperson zahlt 50,- Euro. Eine Voranmeldung ist zwingend erforderlich!
Kartenreservierung unter [email protected]

 

Die ADAC Sportschifffahrt auf der hanseboot

Ob bootstouristischen Informationen im TourSet-Format, Marinaführer online, Informationen zum Gebrauchtbootkauf, Sicherheit an Bord oder Führerscheinfragen: Auf der hanseboot am Messestand der ADAC Sportschifffahrt in der Halle B3 EG können sich Mitglieder und Interessierte umfangreich beraten lassen. Außerdem erfahren sie hier alles rund um den Internationalen Bootsschein, die ADAC Wassersportversicherungen sowie die Vorteile bei der Yachtcharter oder in den Stützpunktmarinas.

Rabatt für ADAC Mitglieder

Gegen Vorlage Ihrer ADAC Clubkarte zahlen Sie vor Ort für das Tagesticket mit Comebackfunktion* nur 11 statt 13 Euro. Oder sichern Sie sich unter hanseboot.de/ticket Ihr vergünstigtes Ticket vorab online – Gutscheincode „HB1616“ angeben und nur 10 statt 12 Euro zahlen.

* 1x zahlen, 2x kommen: berechtigt zum Wiedereintritt an einem beliebigen weiteren Nachmittag (Sa. und So. ab 15 Uhr, Mo. – Fr. ab 17 Uhr).

 

SV Lop To – Kerstin Neermann + Helmut Siebrecht DE

ÜBER BLÖDHEIT IN BRASILIEN UND EINEN RISS IN DER SEGLER EHRE

credits by Helmut Siebrecht

credits by Helmut Siebrecht

Am naechsten Morgen dreht der Wind (der Schuft), wie vorhergesagt, auf Sued. Wir gehen wieder Anker auf. Auf der Bucht kraeuselt sich keine noch so kleine Welle. Fischernetze gibt es auch nur sehr vereinzelt. In zwanzig Minuten motoren wir zurueck ueber die Bucht. Gestern Nacht haben wir fuer die gleiche Strecke fast zwei Stunden gebraucht.

Bezahlen tun wir fuer unseren Bockmist mit einem verlorenen Paddel, einem Benzinschlauch, der Lenzpuetz und einem nassen Vorschiff. Mit einem geprellten Arm, zwei zerschnittenen Fingern. Und mit einem tiefen Riss in unserer Segler Ehre. WEITERLESEN

Spiel mir das Lied vom Tief

Ein Theater in 6 Akten

17 Uhr. Lara kocht. Heute gibt es Spaghetti mit Gemüsetomatensauce und Salat. Sie macht das wirklich gut, super Gerüche steigen aus der Pantry auf. Nach dem Essen sind alle satt und glücklich, bis auf die Crewmitglieder die mit der Seekrankheit kämpfen. Wer, wird an dieser Stelle nicht verraten. Auf Wache sind Sue und Lars, die sich auf ihren ,,Feierabend” um 20 Uhr freuen.

20 Uhr: Jede Wache hat 4 Stunden und ist mit 2 Personen besetzt. Jans Wache beginnt jeweils um 20 bzw.um 8 Uhr. Seit einer Stunde ist klar, dass Jan seinen Wachpartner krankheitsbedingt verloren hat. In einer Crewbesprechnung haben wir uns darauf geeinigt, dass Sue bis 22 Uhr bleibt und Micha ab 22 Uhr, also 2 Stunden vor seiner eigentlichen Hundewache da sein wird. Eine besondere Konstruktion aus Büchern und der Safetyline auf dem Pilothaustisch musste herhalten, um Skipper Jans Wunsch nach einer Runde Kniffel zu erfüllen.

22 Uhr: alle schlafen, bis auf Jan und Micha…

Der Vorhang geht auf und das Wind-und Wettertheater nimmt seinen Lauf. Prolog:23:00 Uhr – Der Wind frischt deutlich auf (33-36 kn, 7-8 bft), es ist wolkenverhangen fast nebelig mit einem feinen Sprühregen.

1. Akt : Sue wird zur Unterstützung geweckt, das 3. Reff muss ins Groß. Die Genua muss weg. Alles klappt, bis auf die Tatsache, dass das Groß eine besonders enge Beziehung mit den Lazyjacks eingeht. 24 Uhr: Alle schlafen bis auf Micha und Lara. An dieser Stelle muss man allerdings kurz erklären, dass Schlafen in diesem Fall nicht schlafen im eigentlichen Sinne bedeutet. Auf die Frage an die Crew, wie man diesen Zustand beschreiben kann, kamen folgende Anregungen: an der Bordwand kleben oder im Leesegel hängen, baumelnd wie auch immer…aber auf keinen Fall wirklich schlafen.

2. Akt: 04:00 Uhr Wachwechsel – Es gibt eine kurze Übergabe. Aktuell haben wir stark wechselnde Windstärken, denen durch Abfallen zu begegnen ist. Unser Hauptziel ist möglichst im Auge des Sturmtiefs zu bleiben, also Richtung Ost zu segeln. Gesagt, getan….. Was uns ,,etwas” beunruhigt: Der freie Fall des Barographen spiegelt das Wettergeschehen sehr gut wieder. Das bedeutet: Da kommt noch was!

3. Akt: 04:40 -Das erste Mal bei dieser Überfahrt wird die Tür des Pilothauses geschlossen. Es regnet in Strömen und hat deutlich abgekühlt. Leider, leider musste die aktuelle Wache Sue und Lars, das warme nette Pilothaus verlassen, da doch einige Tätigkeiten zu erledigen sind. Da wären: Wenden mit Normalregen, das Groß ausreffen mit Starkregen, Genua setzen mit Horizontalregen, Wende mit Scheißregen, ….Bilder vom “VolvoOceanRace” erscheinen im Lichte der Stirnlampe.

4. Akt: 08:00 – alle Schlafenden, schlafen in der Zwischenzeit wohl wirklich. Lars und Sue sehen ihren Feierabend gefährdet. Mit Hoffnung erfüllt uns die Tatsache, dass es endlich hell ist und aufgehört hat zu regnen. Unser Problem ist, dass wir in der Zwischenzeit keinen Wind mehr haben – wie damit umgehen?

5. Akt: Skipper Jan betritt die Bühne und schmeißt den Motor an.

Unbekannter Verfasser

Durch’s Auge des Tiefs

Nichts Neues im Westen

Außer der Computer Simulation kann ich im Moment nicht viel anbieten von der MARLIN. Ich bekomme auch mehr Lebenszeichen als ausführliche Informationen. Aus Erfahrung weiß ich, dass keiner Lust und Laune hat unten am Bordrechner zu sitzen. Die MARLIN segelt hart und maximal am Wind um Ost zu machen und dem Tief in die östliche Flanke zu entfliehen. Dort gibt es hoffentlich den erhofften Südwind um in Richtung Kanal zu kommen. Bei dem Kurs wird das Vorschiff unbewohnbar, der Bug knallt durch drei Meter hohe Wellen. Um so mehr gibt es zu erzählen wenn man im Hafen ankommt. Auf jeden Fall macht die MARLIN Crew da grade keinen Sonntags-Nachmittagstörn sondern einen auf jeden Fall unvergesslichen Schlag durch die Biskaya.

SV Worlddancer II – Heike + Herwig Münch DE

ANGLER OHNE ERFAHRUNG – ARMER FISCH – STOLZER ANGLER

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Hallo lieber Peter,
Nun sind wir schon 1 1/2 Jahre unterwegs. Für uns eine lange und superschöne Zeit. Wir haben keinen Tag bereut.
Was wir nun einmal sagen müssen ist, dass unser „PETERLE“ ein treuer verlässlicher Gefährte ist.
Nach kurzer Eingewöhnung hat er uns ohne Schwierigkeiten bei fast allen Winden und Wellen zum richtigen Ziel gesteuert. Das machte richtig Spaß.
Wir genießen zur Zeit Südamerika, bevor wir uns in die Hurrikan freie Zone der Karibik wieder hinein steuern.
Wir hoffen dich und deine Familie wohlauf und grüssen ganz lieb.
Heike und Herwig SV Worlddancer II French Guiana
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SV Naja – Elke + Werner Nagel DE

DIE KARIBIK – WAHN, MYTHOS ODER REALITÄT? – STIMMUNGSBERICHT AUS CARTAGENA

SV Naja - credits Werner Nagel

SV Naja – credits Werner Nagel

„Wir sind enttäuscht von der Karibik“. – Warum hören wir das so oft von anderen Seglern? Hoffnungsfroh und mit einem bestimmten Bild vor Augen brechen jedes Jahr zig Segelyachten auf, queren den Atlantik, um in der Karibik anzukommen. WEITERLESEN

SV Atanga – Ulla Jörs + Joachim Willner DE

STIMMUNGSBILDER AUS DER KARIBIK – NEREID´S RALLY – EIN FAZIT

Foto: Joachim Willner

Foto: Joachim Willner

Du hast Lust in einer Gruppe von maximal 20 Yachten zu segeln? Dann nimm an der der Nereid’s Rally teil.

Hat es sich gelohnt an der Rally teilzunehmen? Ist es die 450,00 EUR Startgebühr wert? Kann man die Tour auch auf eigene Faust unternehmen? Fragen über Fragen, ein Teufelskreis.

Für uns hat es sich in jedem Fall gelohnt. Achim hat in der Zwischenzeit vom ‚Vergessen-Trunk‘ genascht. Die Erinnerungen an die mühseligen Tage der Kreuzens sind verschwunden.

1.) Die Rally verkürzt die Wartezeit auf das Ende der Hurrikan-Saison. Grenada und die Nachbarinseln sind attraktiv und dort lässt es sich angenehm leben.

Jedoch. Schnell ist man dort gefangen in der organisierten Unterhaltung für gelangweilte Segler: Bingo am Mittwoch, montags Pizza zum halben Preis und freitags Einkaufen bei Le Bouche. Dem französischem Schlachter, der mit Bio-Fleisch wirbt, jedoch moralisch fragwürdige Entenstopf-Leber verkauft. WEITERLESEN

Keine Post ist gute Post. Die MARLIN rennt nach NE.

Sturmtief aus NW erwartet

Wie aus dem Nichts soll am Wochenende ein Sturmtief nördlich der MARLIN auftauchen und dann Süd ziehen und ordentlich fallen. Mir macht der Wetterbericht etwas Stirnrunzeln und schlechten Schlaf. Von Bord der MARLIN bekomme ich immer einen automatischen Positionsreport, wenn Skipper Jan ein PACTOR Verbindung macht. Das Mittagsbesteck sammel ich und kann hier eingesehen werden. „Mach Ost und beeil Dich!“ ist der Konsens meiner Morgenmail an den Skipper. Aber eigentlich ist alles gar nicht so schlimm. Die Starkwinde mit 8Bft werden aus W kommen. Das kann die MARLIN ablaufen. „Ihr schaukelt das schon.“

Mit dem Schaukeln muss es auch zu tun habe, dass ich außer den 12 Uhr Mittagsbesteck mit Position, weder tolle Logbuchberichte, noch tolle Fotos bekomme, um hier mal was zu posten. Ich kann also nur versichern, dass es allen gut geht und die MARLIN wie geplant Etmale um 160 Meilen in die richtige Richtung macht. Was will man mehr? Ein kurzes Telefonat mit Jan über Iridium, hat das am Nachmittag bestätigt.

Ist eigentlich schon aufgefallen, dass hier gar nicht mehr Rede von meiner leidigen Krankheit ist? Monatelang ging es um nichts anderes. Gefällt mir. Mir geht es super. Ich fühle mich gesund und munter. Bis Mitte November brauche ich nicht mehr ins Krankenhaus.

Sie haben es geschafft loszukommen. Im Oktober durch die Biskaya.

Morgenmail an meine Crew

Moin Jan und Crew, ihr habt es geschafft. Leinen los! Wer lossegelt und nicht innerhalb 12 Stunden zurück im Hafen ist, der kommt auch an. Mit den Seebeinen habt ihr alle morgen durch das Thema. Dann werdet ihr euch an Bord bewegen, als wenn ihr nie woanders gewesen seid. Hey, ich bin stolz auf euch. Auch das schöne Crewfoto habe ich noch bekommen. Stelle ich heute mal ins Netz. Ich hoffe ihr hab die Herrschaft über all die MARLIN Technik und kommt ohne große Probleme durch. Zum Wetter: Eure Lage ist schon recht herbstlich. Mit jedem Grad Nord werdet ihr es merken. Die GRIB Files erzählen alle sechs Stunden neue Märchen. Dem sollte man nicht zu viel Bedeutung geben. Ihr könnt dem Wetter eh nicht ausweichen. Da kommt ein Tief von Westen mit einer Front, die aber weit nördlich von euch liegt. Auf Erfahrung würde ich einfach Kurs Portsmouth anlegen. Das sollte weitestgehend gehen. Bekommt ihr starke Winde, könnt ihr einfach 12 Stunden auf 135° zum Wind ablaufen. Durch eure hohe Geschwindigkeit, von fast 9 Knoten, macht ihr dann aus 35 Knoten TWS 25 Knoten AWS, fahrt dann halt mal 12 Stunden nicht genau auf der Linie. Die gedachte Linie La Coruna – Brest ist no Go Area! Aber davon werdet ihr überhaupt nicht betroffen sein. Jedes Tief bringt euch segelbaren Wind. Das Azorenhoch würde euch Nord Winde bringen. Also: Alles gut. Weiter so! GO! MARLIN GO! Die Positionsmeldungen über Sailmail und Kurzwelle laufen jetzt prima. Kommt alles an. Ich wünsche euch Mast und Shotbruch. Daumen hoch! Micha.

Crew 19 an Bord

Mannschaft komplett

Nachdem Lara am Freitag, Bente, Micha und Lars am Samstag angekommen sind, habe ich mit meiner Ankunft am Sonntag die Crew komplettiert. Die Anreise hat bei allen problemlos geklappt….leider nein. Am Freitag Abend gab es die erste Schrecksekunde, die sich dann zu einer schlaflosen Nacht von Bente und Micha ausbaute. Ihr Gepäck war leider in Düsseldorf hängengeblieben. Nun waren sie zwar auf den Azoren, aber halt ohne Schwerwetterkleidung, warme Unterwäsche, Gummistiefel…..So hätten sie nicht segeln können. Zum Glück konnte alles geregelt werden und die Taschen wurde am Sonntag morgen nachgeliefert. Der wunderschöne Sonntag wurde zum Erkunden der Stadt, eines nahgelegenen Hügels und natürlich der Marlin genutzt. Eine so große Yacht benötigt schon ein bisschen Zeit zum kennenlernen. Skipper Jan hat mit der Einweisung in den Motorraum und Deck begonnen. Außerdem einen Überblick über das laufende und stehende Gut gegeben. Den Tagesabschluss bildetet das gemeinsame Essen mit einer kleinen Vorstellungsrunde in der ,,Stadt“. Erstes Resümee: Jan und ich haben super Glück gehabt oder besser gesagt Schiffseigner Micha hat uns eine tolle Mannschaft zusammen gestellt. Für Morgen steht die Einweisung in das restliche Schiff, Planen und Einkaufen und eine Geburtstagsfeier auf dem Plan. Einen Tisch in der legendäre Seglerkneipe Peter Cafe Sport ist schon reserviert.

Sue