Monatsarchive: Mai 2016

Einhand um Malta, Teil II.

Sie heißen mit Vornamen Stanley, Joe und Eliza. Und mit Nachnamen Mizzi, Caruano oder auch einfach nur Borg. Ihre Sprache ist Arabisch. Geschrieben wird in lateinischen, nicht arabischen Buchstaben. 93% der Bevölkerung sind katholisch – und zwar streng. Die Autos auf den Straßen stammen aus aller Herren Länder – aber gefahren wird wie in England: Links.


Der Hafen von Mgarr auf Gozo, maltesisch „Im-Mdscharrr“ gesprochen. Man muss sich aber daran gewöhnen, dass auf Malta Orte mehrere Namen haben. So heißt Mgarr auch Ghainsieliem (gesprochen ‚Aihinsiiel‘). Und wer im Bus auf Gozo nach Mgarr will: der kommt nur weiter, wenn auf dem Bus VAPUR steht. Malta, für Malta-Versteher.

Die Liste der Dinge, bei denen Malta Melting Pot und kultureller Mischmasch ist, reicht lang. REPUBBLIKA TA‘ MALTA, wie sie in der eigenen arabischen Sprache heißt, ist Mitglied der EU, mit 400.000 Einwohnern eines der kleinsten Mitglieder, aber mit 1.400 Einwohnern je Quadratkilometer der dichtbesiedeltste Staat in Europa. Ein bunt schillerndes Inselarchipel von vier Inselchen, deren größte Malta, gerade mal 28 Kilometer lang und durchschnittlich 10 Kilometer breit ist.

Malta bietet Superlative: Es ist kleiner als Deutschlands kleinstes Bundesland Bremen. In seiner Bevölkerungsdichte nur 15% darunter. Malta hat um 300 Sonnentage pro Jahr und 27 Banken, deren Namen ich nicht kenne und deren Geschäftsmodelle ich nur erahnen kann und nicht weiß, ob ich das wirklich möchte. Und: Malta hat sehr niedrige Steuern. Und über den gesamten Archipel hinweg Immobilienpreise wie München.

Malta liegt – von allen Richtungen aus – in der Mitte des Mittelmeeres. Von Sizilien aus sind es nach Gozo gerade mal 45 Seemeilen, die jetgetriebenen Katamaran-Fähren Valetta – Pozzallo fegen die Strecke mit über 35 Knoten in gerade mal 90 Minuten entlang – mit bis zu 340 LKWs im Bauch versteht sich. Ich brauchte auf LEVJE dafür knapp acht Stunden, meine acht Weinflaschen eingerechnet  ;-)). Speed ist nicht alles – siehe dazu meinen Bericht über die Überfahrt…

                                                            … weiterlesen bei: Einhand von Sizilien nach Malta. Hier.

Malta lernte ich 1980 kennen. Als 19jähriger war ich allein hierher gereist, angelockt hatte mich ein Buch über die Belagerung Maltas durch die Türken im 16. Jahrhundert. Meine Frau versucht mir immer zu erklären, ich hätte damals karotten-rotes Haar besessen, sei ungewöhnlich hellhäutig gewesen – was ich seit je heftigst dementiere. Aber an Malta zerbröseln meine Dementis: Es war Juni 1980, eine Stunde am Strand reichte für Sonnenbrand an beiden Füßen, der in Wahrheit Verbrennungen waren. Für drei Tage konnte ich nur liegen, nicht laufen. Leider hatte ich zu lesen nur einen Band mit Lessing-Gedichten dabei. Da 1980 Hotelzimmer nicht nur auf Malta meist eine öde Angelegenheit waren (Fernseh war Luxus, Smartphone war Zukunft), lernte ich eben wimmernd Lessing Gedichte auswendig. Ein paar kann ich heute noch.

Unterwegs in den Tempeln von Gigantija.

Wie damals, vor 36 Jahren, lockt mich auch heute Malta’s Geschichte. Es gab bereits in den Achziger Jahren eine Menge zu sehen: Rätselhafte Gleisspuren im Fels an vielen Stellen auf der Insel, die „Cart Tracks“. Gewaltige steinerne Anlagen aus einer Zeit weit vor unserer Zeit. Niemand hatte damals Antworten oder Erklärungen für diese Rätsel. Heute weiß man deutlich mehr: Das letzte Jahrzehnt brachte eine Menge Forschungsergebnisse und die Gewissheit, dass diese Inseln Schauplatz der ersten europäischen Hochkultur waren, deren Sakralbauten fast doppelt so alt wie Stonehenge oder die Pyramiden der Pharaonen sind.

Die St. Paul’s Catacombs. Ein riesiges Gewirr unterirdischer Gänge, Kammern, Stollen, Nischen, Schächte. Ein Labyrinth – und unter der alten Hauptstadt Mdina/Rabat nicht das einzige. Denn da gibt es noch die St. Agatha’s Catacombs, die St. Katald Catacombs, die St. Augustine’s Catacombs, die…

In den kommenden Wochen möchte ich die Inseln unter Segeln umrunden und über Buchten und Häfen berichten. Ich werde über die Tempel von Gigantija schreiben und über die unter dem heutigen Rabatt liegende Totenstadt berichten. Über die Menschen, die hier leben.

Ein maltesischer Seemann auf der Fähre nach Gozo. Mit ungewöhnlicher Akribie schießt er die Pilotleine für die rechts außen liegenden Festmacher-Trossen auf – damit beim Anleger auch wirklich alles klappt ;-))

Und natürlich: Über das große Blau, in das die Inseln eingebettet liegen.

Die Marina von Mgarr auf Gozo. 

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Mit „Start Boating“ Freizeitkapitän für einen Tag

ADAC-Sportschifffahrt unterstützt kostenfreie Schnupperfahrten

Delphine vorm Bug einer Segelyacht

Die Faszination des Motorbootfahrens und Segelns können auch ungeübte Freizeitkapitäne in diesem Jahr in Deutschland erleben. Am 27. Mai startet die Kampagne „Start Boating“ in der Neustädter Bucht an der Ostsee. Die Deutschlandtour geht mit vielen Stopps quer durch die Republik und endet am 25. September in Friedrichshafen am Bodensee.

Bei „Start Boating“ dürfen Interessierte das Ruder eines Segel- oder Motorboots selbst in die Hand nehmen und gemeinsam mit Familie oder Freunden Seewind schnuppern. Die Boote sind zwischen vier und zehn Meter lang und stehen für kostenlose Testfahrten bereit. Ein Sportbootführerschein ist nicht erforderlich. Erfahrene Instruktoren zeigen allen Wassersportbegeisterten, wie einfach solch ein Schiff zu steuern ist. Die Anmeldung zur kostenlosen Probefahrt erfolgt online unter www.start-boating.de.

Folgende Termine stehen zur Auswahl:

  • Ostsee, Neustädter Bucht, 27. – 29. Mai
  • Havel, Großraum Berlin/Potsdam, 18. – 19. Juni
  • Ostsee, Warnemünde, 2. – 3. Juli
  • Rhein, Koblenz, 13. – 14. August
  • Rhein, Düsseldorf, 3. – 4. September
  • Weser, Bremen, 17. – 18. September
  • Bodensee, Friedrichshafen, 24. – 25. September

Der ADAC ist Partner der Initiative „Start Boating“ und unterstützt den Wassersport in Deutschland seit vielen Jahren. Mit dem sogenannten Charterschein kann auf ausgewiesenen Wasserstraßen im Binnenland jedermann – auch ohne Bootsführerschein – das Ruder selbst in die Hand nehmen. Auf weiteren Wasserstraßen ist der Einstieg meist bis zu einer Motorisierung von 15 PS ebenfalls ohne Sportbootführerschein möglich. Weitere Informationen erhalten Interessenten im Start-Boating-Magazin.

Wir haben Cuba verlassen

Kurs Bimini liegt an

“Ich bin dann mal weg. An diesem Wochenende nehme ich mir mal frei von der MARLIN, meinem Job als Skipper. Meine Crew versteht das, nach einer Erklärung. Denn ihr Urlaub ist mein Job und da brauche ich auch mal eine Pause. Sonst werde ich grantig. Ich telefoniere über Face Book mit Nathalie und den Kids, lasse mich durch Havanna treiben. Auch vom Logbook habe ich mal ein, zwei Tage Abstand genommen. Hat gut getan. Gestern dann ein Besuch im Hospital wegen meiner Schulter. Fragst Du zehn Ärzte, bekommst Du zehn Meinungen. Wie beim Segeln. Ich bin soweit schmerzfrei, also kann es losgehen. Horta ist mein persönliches Ziel. Horta zum 1. July. Dann eine Marina für die MARLIN und ein Flugzeug für mich nach Hamburg. So langsam wir die Sehnsucht nach meiner Familie und dem deutschen Sommer immer größer.

Wir haben ausklariert und laufen Nord. Auf der Suche nach dem Golf Strom. Erst einmal müssen wir nach Freeport. Dort steigt Nadja am kommenden Sonntag aus und bei Fedex liegen hoffentlich Ersatzteile für unseren Wassermacher, der im Moment wegen undichten Endstopfen nur auf einer Membrane läuft. Einklarieren ist auf Bimini Islands geplant. Egal wie lange wir dort sind. Eine Nacht oder zehn Tage, müssen wir ein dreimonatiges Cruising Permit erwerben für 300 USD. Happig? Was?

 


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Auf zu neuen Ufern – Der deutsche Götakanal

Am Ende des letzten Jahres habe ich die Ostsee fast komplett in einem Törn gesehen. Natürlich gäbe es noch unzählige Ecken und Häfen zu entdecken; ein ganzes Seglerleben reicht nicht aus um die Ostsee komplett zu kennen, so hört man oft. Und doch habe ich irgendwie den Drang in der nächsten Saison etwas ganz anderes zu entdecken. Und so wandern die Blicke im Winter oft über Karten der nordeuropäischen Küsten. Wo könnte es nur hingehen? Holland? Zu voll. England? Vielleicht ein wenig für die kleine Nonsuch, und so viel Zeit  werde ich dieses Jahr nicht haben. Also am Ende doch wieder den großen Urlaub in der Ostsee verbringen? Doch einige Grübelrunden später stand das Hauptziel für die nächste Saison fest. Und es liegt nicht einmal 100km Luftlinie von Kappeln entfernt. Sogar näher als mein Arbeitsplatz in Hamburg. Und doch ist es mir auf dem Wasser völlig neu…

Als Kind hatte ich das Glück fast jedes Jahr Urlaub auf den nordfriesischen Inseln machen zu können. Für mich als Nordseekind gehören die endlosen Sandstrände, die breiten Dünengürtel und Sandbänke mit Seehunden zu den schönsten Küstenformen die ich mir vorstellen kann. Und die sind and er Ostsee nunmal ziemlich selten. Tausende Deutsche würden nie woanders urlauben als auf Sylt, Amrum, oder Föhr. Und doch gibt es dort kaum Wassertourismus. Wenn sich die Ostseesegler mal in die Nordsee verirren, dann sind es meist die ostfriesischen Inseln oder die Elbe, Klar, die Nordfriesischen sollen ein anspruchsvolles und wenig erschlossenes Revier sein, schwierig zu navigieren und immer im Einklang mit den Gezeiten zu befahren,  doch wiegt es das durch die schon mit der von Land aus traumhaften Landschaft auf. Und speziell auf Sylt müsste es doch den einen oder anderen erfahrenen Hamburger Segler im Urlaub geben der sich schon mal dasselbe gedacht hat. Hüstel Hüstel… Und jetzt werde ich jedenfalls mal schauen was da so dran ist, und ob es sich lohnt diesen Landstrich mit dem Schiff außen vor zu lassen. Es geht zu den nordfriesischen Inseln!

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Schon im Mai geht es los. Der erste Tag der Reise ist kaum eine große Erwähnung wert. Es geht von Kappeln nach Kiel und in den Nord-Ostsee-Kanal. Das spannendste am Tag war noch die Flotte an Schiffen die vom Hamburger Hafengeburtstag am letzten Wochenende auf dem Weg zurück die Ostsee waren. Gorch Fock, Shtandart, und allerlei graues Kleingetier kamen mir entgegen. Während ich noch auf die Schleuse wartete kamen die deutschen Schnellboote aus der Schleuse gepest. Diese haben die komische Angewohnheit immer wenn ich sie treffe die Stereoanlage voll aufgerissen zu haben. Der Kapitän muss echt locker drauf sein. Das letzte Mal hatte ich das Vergnügen als ich die Elbe, ebenfalls auf dem Rückweg vom Hafengeburtstag hinabgedümpelt bin, und auf einmal Musik hörte. Noch während ich schaute ob ich vielleicht das Radio angelassen hatte, wurde ich von einem Schnellboot überholt. 3 Mann auf dem Außenfahrstand mit Sonnenbrille und es lief „Highway to the Danger Zone“ in fahrwasserausfülender Lautstärke. Tom Cruise lässt grüßen….

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Abends machte ich dann vor der Gieselauschleuse fest. Wie so oft auf den Kanaltouren ins Winterlager. Doch bisher war hier immer Endstation. Doch am folgenden Tag ging ich dann das erste Mal zum Schleusenmeister in seine Dienststube – „Eintritt nur in dienstlichen und Schifffahrtsangelegenheiten gestattet“. Statt die schnelle Route über die Elbemündung wähle ich den landschaftlichen reizvolleren Weg über die Eider. Nach nur einem Tag „Anreise“ bin ich also in völlig neuen Gewässern unterwegs. Das hätte ich letztes Jahr ja auch einfacher haben können!; )

Die Kenner werden es schon bemerkt haben. Zur Zeit ist die Gieselauschleuse leider für die Schifffahrt gesperrt. Dieser Törn fand bereits im Mai 2015 statt. Hoffen wir mal, dass sie bald wieder funktioniert, damit vielen das folgende traumhafte Revier ohne den Umweg über die Elbe ermöglicht wird. An der Einsatzbereitschaft des Personals vor Ort mangelt es sicher nicht. 


Doch entgegen seinem Türschild entpuppte sich der Geselle als außerordentlich hilfsbereiter und lustiger Zeitgenosse. Ein Eindruck der sich in den nächsten Tagen häufen sollte… Und kurze Zeit später öffnete sich die Brücke und das Schleusentor – die ich sonst immer als unbewegliche Kulissen wahrgenommen habe – und ich war auf der Eider. Gefühlt sofort ein anderes Revier als vorher.

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Die Eider ist ein verträumte Flusslauf und windet sich von hier in zahllosen Schleifen bis zur Nordsee. Wegen ihrer  Beschaulichkeit wird sie auch oft als deutscher Göta Kanal bezeichnet. Ein Eindruck den ich in teilen wohl bestätigen kann. Nach einer weiteren unspektakulären Schleuse einige Kilometer weiter befinde mich in einer ausgewiesenen Binnenlandschaft. Immer wieder geht es durch kleine Dörfer und Siedlungen, am Ufer befinden sich Bäume die bis ins Wasser ragen und am Ufer stehen Schafe. Genau wie vor einem Jahr hat auch diese verträumte Binnenlandschaft trotz der Motorstunden sofort eine beruhigende Wirkung auf mich. Man ist hier sofort in einer komplett anderen Welt; hier drehen die Uhren langsamer. Was man auch daran merkt, dass ich den ganzen Tag über nur in vereinzelten Dörfern mal kurz Handyempfang habe. Und noch eine Tatsache ist hier ganz ähnlich wie im Göta Kanal. Hier gibt es, abgesehen von einigen Ausflugsdampfern, keine Berufsschifffahrt mehr. Das hat den schönen Nebeneffekt, dass die Sportschifffahrt hier Priorität 1 ist. Schleusen, Brücken, alles geht nach Anforderung sofort für mich auf. Doch selbst in unserer Größe sind hier nicht viele Boote unterwegs. Ich könnte mir gut vorstellen in der Hochsaison noch mal einige Tage hier zu verbringen um dem Trubel anderswo an Nord- und Ostsee auszuweichen. Könnte man hier besser segeln, wäre ich bestimmt länger hier geblieben, aber die Natur gleicht auch dieses kleine Manko alle mal aus.

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Später mach ich eine kleine Mittagspause in einem der vorbeigleitenden Dörfer namens Süderstapel. Obwohl der Hafen weit im Binnenland liegt, gibt es hier einen kleinen Hafen voll mit stattlichen Yachten und sogar eine kleine Werft. Soweit zum maritimen. Was mich im Ort selbst erwartet überrascht mich aber noch viel mehr. Süderstapel ist verschlafen, hübsch, und mutet fast dänisch an. Klar, war ja auch alles lange Zeit dänisches Gebier hier… Statt einem gesichtslosen Dorf auf dem platten Land erwartet mich an diesem von allen Bundesstraßen und Autobahnen umgangenen Ort ein wahres Kleinod. Lange Zeit wandere ich ziellos umher, an kleinen Katen und liebevoll gepflegten Gärten bevor es mich weiterzieht. Eigentlich hätte ich hier auch gut übernachten können, doch wegen Crewverstärkung zieht es mich noch einen Hafen weiter auf die andere Uferseite nach Nordfeld.

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Mit jedem Meter wird die Landschaft nordseeähnlicher. Schon seit geraumer Zeit säumen kleine Sommerdeiche das Ufer. Bis zur Errichtung der Schleuse Nordfeld 1936 war dieses Gebiet, welches heute die tidefreie Binneneider bildet, nämlich von den Gezeiten durchspült. Nun wird das Fahrwasser auch noch mit den nordseetypischen Pricken markiert. Bald darauf mache ich an einem kleinen Steg fest an dem schon einige Boote liegen. Hafenmeister gibt es hier keinen. Der Hafen gehört einem kleinen Wassersportverein. Ein zufällig vorbeischauendes Mitglied kassiert von mir ganze 8€ und schließt die Duschen für mich auf. Hier gehen die Uhren noch anders als an den großen touristischen Zentren der Ostseeküste. Auch wieder ein Eindruck der sich in den nächsten Wochen noch positiv verstärken sollte.

Schon hier, direkt an der Schleuse zu den Gezeiten riecht es nach Nordsee. Die salzige Luft lässt mich mich sofort wie Zuhause fühlen. Bisher war die Nordsee meist recht biestig zu mir, doch nun freue ich mich auf das spannende neue Revier vor mir. Morgen geht es erst richtig los.

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Segler unter sich …

Carcassonne und wie es weiter ging

IMG_5664Am 30.04. fahre ich, mal wieder bei Regen, nach Carcassonne. Mittlerweile bin ich dieses Wetter gewohnt. Habe mein Zelt über den Mast gelegt und stehe darunter, dick eingepackt in Ölzeug. In Südfrankreich, ein paar Stunden vorm 1. Mai.
Die wenigen Schleusen bis Carcassonne sind schnell gemacht. An einer treffe ich auf Metin, den Schleusenmeister. Wir unterhalten uns zunächst auf Englisch, dann meint er, dass sein Deutsch wesentlich besser sei und wir plaudern über seine Zeit in Bremen, Frankreich und den Job am Kanal. Hätte gerne länger dauern können, aber ich muss weiter und mache gegen Mittag endlich in Carcassonne fest.
Geschafft!
Carcassonne war mein großes Ziel dieser Reise für den 30. April. Hier wollte ich mich mit Sabrina treffen.
Am Abend kommt sie, nach einem 1.300 Kilometer Nonstop Etmal, mit unserem Auto hier an. Endlich wieder zu Zweit an Bord!

Die Zeit nach dem Wiedersehen wurde allerdings von der Nachricht über den plötzlichen, unglaublich frühen Tod eines guten Freundes überschattet. Die Stimmung an Bord ist stark getrübt. Wir bleiben noch zwei Tage im Hafen und fahren dann mit gemischten Gefühlen weiter in Richtung Mittelmeer. Sabrina mit dem Auto von Schleuse zu Schleuse nebenher, oder ich im Auto und Sabrina mit Eos im Canal-du-Midi.
Es fällt schwer, Spaß dabei zu haben. Trotzdem freuen wir uns über die kurze Zeit gemeinsam.
Sabrina fährt Eos zum ersten Mal Einhand und obwohl sie schon lange nicht mehr mit ihr unterwegs war, klappt alles wunderbar.
Nur der Tag an den Schleusen in Beziers läuft überhaupt nicht rund. Wir brauchen etwa 5 Stunden für die Schleusentreppe und die anschließende einzelne Schleuse im Ortskern. In den 5 Stunden müssen wir etwa 4 Stunden warten. Koordination? Information? Fehlanzeige.
Das Gelände um die Treppe selbst ist eine große Baustelle, komplett abgeriegelt, mit hohen, abgeschlossenen Zäunen. Sabrina braucht etwa eine Stunde, um zum Boot zu kommen. Es gelingt am Ende nur, weil der Kapitän einer großen Peniche sie mit seinem Schiff von der einen zur anderen Seite übersetzt.
Am Ende dieses Tages, am 05. Mai, erreichen wir im Prinzip das Mittelmeer. Eos wird an den Erdnägeln, etwa 1,5 Kilometer vom Meer entfernt, im Kanal festgebunden und wir bleiben zwei Tage hier, bevor Sabrina wieder mit dem Auto zurück nach Deutschland fährt.

Ich überlege, ob ich Eos eine Weile allein im Kanal lasse und mit zurück fahre, aber entscheide mich schließlich schweren Herzens dagegen und bleibe an Bord.

Unter Segeln nach Malta.

Wenn ich mich richtig einschätze, bin ich nicht unbedingt ein mutiger Mensch. Ich meide Horrorfilme und Grusel. Ich habe nie welche gesehen. Ich werde es wohl auch nie. Als Kind ging ich hohen Rutschen und Achterbahnen aus dem Weg. Ich traute mich nicht.

Ich halte mich auch heute noch nicht für mutig. Ich weiß auch nicht, was mich heute bewegt, immer wieder auf meinem kleinen, einfachen Boot von 1987 allein hinauszufahren. Ich weiß nur, wie mich draussen, wenn das Land hinter mir zu Schemen verblasst und Land voraus noch nicht erkennbar ist, oft ein Gefühl überrascht: In der Weite alle Angst verloren zu haben, mich sicher zu fühlen, vermeintlich, im Unwirtlichen, wo alles nur noch Bewegung ist. Und kein Halt nirgends. Mich irgendwie geborgen zu fühlen dort, wo nur noch Himmel und Wind und Wasser um mich ist.

Ich hatte mir Sorgen gemacht, vor der Überfahrt. Der Winter an der Südküste Siziliens war ungewöhnlich mild und freundlich gewesen, kaum Stürme. Aber im Mai war plötzlich alles anders. Es scheint, als würde schlechtes Wetter in Deutschland keinen Tag später seinen Weg über Rhone-Tal, Mistral hierher ins südliche Mittelmeer finden und einen böigen Nordwest schicken, der sich tagelang zwischen 5 und 7 Beaufort bewegt, ein kalter Wind, der nach diesigen Tagen Himmel und Luft und Landschaft über Sizilien blank putzt, dass es eine Freude ist.

Nicht genug damit. Die Wetterberichte, die am Tag vorher noch „abflauen“ und „14-18 kn“ ankündigten, korrigierten sich bis zum Morgen des betreffenden Tages regelmäßig auf „17-27 kn“, und oft genug zeigte mein kleiner Handwindmesser keine drei Meter über dem Boden auch 30 kn an.

Meinen Aufbruch von Marina di Ragusa nach Malta verschob ich deshalb mehrfach. Nicht dass LEVJE, mein 31-Fuß-Schiff, das nicht abkönnte, zumal halber Wind. Nicht dass 50 Seemeilen, etwa 10 Stunden Überfahrt, nicht allein zu schaffen wären. Ich kann zwar nur ahnen, was für Wellen das bei acht Windstärken sein mögen da draußen, wo der Meeresboden zwischen Sizilien und Malta von über Tausend auf einhundert Meter ansteigt, auch das könnte mein Schiff sicher ab. Aber vor Kurzem hatten wir das Vorstag zerlegt – die ganze Anlage demontiert, gereinigt, und manches andere auch. Kein Wetter für einen allerersten Testschlag nach langem Winter. Ich wäre lieber dafür ein paar Stunden an der Küste entlanggesegelt – für den Fall des Falles.

Aber dann brachte das Wetter seine eigenen Notwendigkeiten ins Spiel: „Dienstag nach Pfingsten unverändert Nordwest 16-26 kn. Mittwoch und folgende Tage: 10 Knoten. Aus Süd“. Da, wo ich hinwollte. Die Wahl hieß: „Morgen rausgehen. Und den Starkwind nutzen.“ Oder ab Mittwoch: „10-12 Stunden unter Motor gegenan.“

Ich entschied mich fürs Erstere. Weil der Wind am späten Nachmittag immer deutlich auffrischte, beschloss ich, ganz Früh am Morgen loszusegeln.

Aufbruch.

Um 4.30 Uhr weckt mich mein iPAD. Ich war sowieso jede Stunde wach geworden. Gemein, wie er war, war der Wind am Vorabend nach fulminantem Schlußspurt bei Sonnenuntergang eingeschlafen. Das weite Hafenbecken zum ersten Mal seit Tagen im Abendlicht still wie ein Ententeich. Frohgemut hatte ich meine Entscheidung richtig geheißen, hatte Seestiefel, Schwerwetter-Klamotten, Rettungsweste und Lifebelt aus dem Schrank geholt und im Salon ausgebreitet. Als ob ich mich beschwören wollte: „Morgen? Wird nicht wieder verschoben! Morgen gehst Du raus!“

Kaum liegt die gelbe Schwerwetterjacke im Salon, beginnt der Wind von Neuem zu orgeln. Er holte nur zwei Stunden Luft. Um Mitternacht werde ich wach, das Rigg vibriert im Wind und mit ihm das ganze Boot. Und so geht es bis Morgens um drei, ich schlafe, angespannt, mit offenen Ohren. Um 4.30 Uhr dann – Stille draußen. Ruhe. Ich stehe auf, tappe zum Niedergang, schaue hinaus dahin, wo sich im Osten Grau zeigt. Stille. Noch ein kurzer Blick in den Wetterbericht: Der verhieß etwas ganz anderes, ich stelle fest: Die Vorhersagen in WINDGURU haben noch einmal zugelegt, sagen mehr Wind voraus.

Blöd. Soll ich? Ich checke zwei weitere Wetterberichte. Aberglaube. Alle haben noch einmal ihre Prognose verschlechtert. Was mache ich? Warnende innere Stimmen. WANN soll man drauf hören? WIE soll man drauf hören?

Dann besinne ich mich auf meine alte Regel. „Geh nachschauen, wenn es draußen vor dem Zelt raschelt“. Ich habe über diese Regel schon einmal geschrieben, in einem Post über die Angst beim Segeln. „Geh nachschauen, was draußen ist!“ „In unserem Kopf geht es viel bedrohlicher zu als draussen“, kommentierte mir damals Anna. Ich betrachte kurz und liebevoll mein Schiff, dessen Details. Den Mastfuß. Die Bändsel, die im Niedergang hängen. Ihre Pinne. Soweit hat LEVJE mich nun schon einhand getragen, von Slowenien nach Antalya, und von Antalya hierher über Kreta nach Sizilien. Irgend etwas wird nicht funktionieren. Aber LEVJE wird mich auch nicht vollkommen hängen lassen, da draussen, wenn’s heftig wird. Los!

                                                                                 Weiterlesen bei: Reden wir mal über die Angst.

Sonnenaufgang Marina di Ragusa 5.53 Uhr. Ich starte LEVJE’s Motor. Hole die Vorsegel-Persenning herunter. Es ist gut, dass ich sie draufgelassen hatte, sie ist klatschnass. Tau. Das heißt im Mittelmeer eigentlich: Schönes Wetter. Ein gutes Zeichen. Nebenan steckt Aylin den Kopf aus dem Boot, wie jeden Morgen grüße ich sie auf Türkisch mit einem „Gün Aydin, Aylin hanim!“, was ihr ein Lächeln entlockt und ein fröhliches „Gün Aydin, Thomas Bey!“ Ihr Mann, Goran, ist auch schon wach, im schwedischen Holzfäller-Hemd krabbelt er aus der Kuchenbude ihrer weit gereisten HALLBERG-RASSY. Aylin, die mir in nettem türkischen Englisch zuruft, dass das Wetter nur hier an der Küste schlecht, aber vor Malta deutlich besser werden würde. Noch einen Schluck Tee. Er ist nicht mehr warm, ich nehme mir zum x-ten Mal vor, die kürzlich zu Bruch gegangene Thermoskanne endlich zu ersetzen. Ein kurzer Blick ringsum, die Sonne kriecht in meinem Rücken langsam über die flache Küste.

Ich starte den Motor. Beruhigendes Bullern. Meine Bugleinen habe ich am Abend vorher auf Slip gelegt. Ich werfe zuerst die achtere Lee-Muring los. Dann gehe ich langsam zum Bug. Springe in meinen Seestiefeln hinunter auf die Pier, werfe die Lee-Bugleine los. Dann steige ich zurück auf LEVJE. Nur ein Windhauch aus Nordwest. Überhaupt nicht die jetzt für sechs Uhr Morgens angekündigten 14-16 kn. Ich warte, bis auch dieser Hauch verebt ist, um nur nicht auf Aylin und Goran’s Boot getrieben zu werden, vor ihrer beider Augen meinen Ableger zu verpatzen. Dann hole ich die Bugleine ein. Langsam zieht die achtere Muring LEVE nach hinten aus der Box, ich löse die Muring, ziehe LEVJE von Hand an der glibberigen Muring noch weiter in die Gasse. Hafenschlunz an den Händen. Meer. Kaltes Salzwasser. Grüner Glibber. LEVJE zieht langsam nach hinten, ich lasse die Muring ins Wasser fallen, schaue ihr nach, wie sie langsam, langsam im Türkis versinkt. LEVJE dreht rückwärts in die Gasse ein, wie ich es wollte, ich lege den Vorwärtsgang ein, lege die Pinne hart steuerbord, und LEVJE nimmt langsam Fahrt auf. Aylin und Goran winken im Morgenlicht. Ich bin stolz. In Marina di Ragusa, wo in diesem Winter viele Segler überwinterten, wurde jeder Segler, wenn er aufbrach, von seinen Nachbarn, mit denen er Seite an Seite den Winter verbrachte, verabschiedet. So habe auch ich mein kleines Abschiedskomittee, das mir winkt und „Fair Winds“ zuruft! Ich bin gerührt – denn Aylin und Goran auf ihrer CANTANA 3, sie waren gute Nachbarn. Sehr gute!

Auf der Mole der bullige Marinero, mit dem ich neulich in Streit geriet. Beinahe wäre es eskaliert, sein belehrender letzter Satz „Ich hätte bei acht Windstärken nichts auf der Außenmole verloren, es sei gefährlich, „Cosi funziona Italia!““ hatte mich zum Explodieren gebracht. Streiten auf Italienisch – hat was! Aber nun steht „Cosi-funziona-Italia!“ um sechs auf der Mole, dem Schauplatz unserer Debatte, winkt mir lebhaft und ruft „Buon Vento!“, den Abschiedsgruß der italienischen Segler. Los!

Und dann sind wir um die Mole herum. Schwell. Schwell aus Südwest. Ich muss für die nächsten Stunden Richtung Malta, zur Insel Gozo, Kurs Südsüdwest, 195 Grad steuern. Was heißt das denn? Doch nicht den angekündigten Nordwest? Macht nichts. Der Schwell ist jedenfalls so unangenehm, dass ich sofort beschließe, das Großsegel zu setzen, damit das Boot nicht so sehr hin und her geigt. Geklapper im Rigg, Gegeige unter mir, ich mag das nicht am Morgen, stolpere mehr als dass ich stehe oder gehe, übers Cockpit, so geht das gar nicht, hoch mit dem Großsegel, dann liegt LEVJE auf einer Seite und es wird deutlich ruhiger. Großsegel-Setzen klappt auf Anhieb – außer dass ich mal wieder das Großfall beim Einhängen ins Segel um die Leinen des Lazy-Jack vertörne. Idiot. Aber dann ist das Großssegel oben, der neue Schnappschäkel am Großschotblock hält den Druck, die neuen Travellerblöcke laufen etwas zäher. Mal sehen, wo Paolo, der Segelmacher, das Großsegel geflickt hat? Sieht ok aus. Leichter Wind aus Nordwest. LEVJE liegt ruhig im Schwell.

Wir motoren durch die Wellen. Zeit für ein zweites Frühstück. Etwas San Daniele, etwas Provolone di Ragusa, steinhartes Brot, das schmeckt am besten, zwei getrocknete schwarze Oliven. Das Herumstehen hat den Tee auch nicht wärmer gemacht, die Thermoskanne, sie fehlt, zum 100sten Mal. Langsam nimmt der Nordwest zu, er ist immer noch weit entfernt von jeder schlechten Vorhersage.

Gegen acht Uhr kann ich den Motor abstellen. Ich habe die Genua ausgerollt, wir laufen nun mit etwas mehr als fünf Knoten bei 12 Knoten Wind dahin. Etwas vorlicher als halber Wind – mehr Süd sollte es nicht werden. Langsam verschwindet die Küste Siziliens hinter mir im morgendlichen Dunst. Ein italienischer Trawler, der ächzend die Last seines Netzes zieht, quert meinen Kurs, der Fischer winkt mir aus dem engen Fenster seines Steuerhauses zu. Ein freundlicher Mensch, in der Weite des Wassers, fern vor der Küste. Alles läuft. Nur die Pinne: sie quietscht bei jeder Drehung fürchterlich. Der Autopilot muss sich mühen.

Segel am Horizont weit hinter mir, auf meinen Kurs. Da will noch jemand nach Malta. Und nutzt das Wetterloch.

Der Wind nimmt zu. Wir sind jetzt bei 15 Knoten, bei vorlichem Wind hätte ich längst reffen müssen, aber bei diesem halben Wind sind wir schnell unterwegs, 5,8 bis 6,3 Knoten zeigt das iPAD als Speed-over-Ground, das ist nicht schlecht für LEVJEs 31 Fuß Länge. Wenn nur dieses widerwärtige Geräsch von der Pinne nicht wäre. Ich gehe unter Deck, hole mir die Dose mit Gleitöl, vielleicht ist ja nur das obere Ruderlager vom sandigen Regen in Sizilien voll. Wenn es regnet, in Sizilien, dann kommt der Regen immer aus Süd. Und weil die Wüste so nah ist, ist der Regen hier immer rot von Wüstenstaub. Nach jedem Regen ist LEVJE gescheckt wie ein Gepard, überall rote Farbtupfer, die Leinen über den Winter sind alle sandfarben, die meisten habe ich einfach in Marina di Ragusa in die Waschmaschine gesteckt. Aber je mehr ich mich mit dem Öl Mühe: Das Quietschen, es bleibt. Merkwürdig. Es kommt immer, wenn der Autopilot die Pinne nach Steuerbord drückt, ein melodisches, auf meinen Knochen schabendes Kriiieeeek — Kriiiieeek — Kriiiieeek. Vielleicht ist ja die Ruderwelle verbogen? Sven vermutete das im Herbst.

Die Wellen. Und ein Problem.

LEVJE läuft nun richtig schön, hält konstant über sechs Knoten. Die Schaumkronen im Westen haben deutlich zugenommen, aus dem Schwell sind lange Roller geworden. LEVJE liegt zu schräg, die Segelfläche ist zu groß. Und vor allem: Sie hat plötzlich eine ungute Neigung, aus dem Ruder zu laufen, unser Kurs sieht auf dem Wasser wie besoffen aus. wie eine Schlangenlinie auf dem Wasser. Schlangenlinie unter Autopilot ist ja schon ok. Aber dies hier ist eindeutig zu viel. Irgendwie blöd. Ich beschließe zu reffen. Also ins Groß das erste Reff. Weil LEVJE ein Sieben/Achtel-Rigg besitzt, beginne ich immer hier. Und weil der Wind einen Moment härter weht, denke ich: gleich gehts jetzt los! Und beschließe, gleich das zweite Reff einzubinden. Schon Arbeit. Nach vorne turnen. Reffkausch im Reffhaken am Lümmelbeschlag einhängen. Wieder nach hinten. Reffleine dicht holen. Alles funktioniert. Sehr gut. Aber zweites Reff? Das war nun auch übertrieben, nach dem langen Winter sind wir etwas aus der Übung. Nur noch viereinhalb Knoten, so wird das auch nix. Trotzdem bin ich vorsichtig, betrachte mir das Ganze erst mal 10 Minuten. LEVJE segelt eindeutig aufrechter, angenehmer. Der befürchtete Windsprung ist ausgeblieben. Auch keine Windzunahme, nichts. Nur das Quietschen der Pinne ist geblieben. Und die Schlangenlinie.

Kriiieeeek — Kriiiieeek — Kriiiieeek.

Ich reffe aus aufs erste Reff. Sehr gut. LEVJE beschleunigt wieder auf über sechs Knoten. Eindeutig die richtige Besegelung. Ich sehe zu, wie mein Schiff läuft, freue mich darüber, wie die Segel stehen, wie die Segel ziehen. Freue mich über mein Schiff. Und gleichzeitig malt mein Hirn über das Geräusch der Pinne. Ich gehe nach unten, lasse LEVJE für einen Moment selber laufen. Lege mich in meine Koje, krieche nach hinten, über mein Bett, durch meine Koje hindurch, bis ganz nach hinten ins Achterschiff, da wo ich das Dinghi gestaut habe. Da wo der Ruderkoker, das Rohr, in dem das Ruder läuft, von oben nach unten durchs Schiff läuft. Ich höre, wie keine Zwanzig Zentimeter neben meinen Kopf bei sechs Knoten das Wasser am Schiff entlanggurgelt, spüre unter mir im Dunkel des engen Winkels fast 200 Meter Wassertiefe, auf denen mein Schiff unter Autopilot gerade führerlos dahingleitet. Der Ruderkoker. Ich konzentriere mich ganz auf ihn. Kriiieeeek — Kriiiieeek — Kriiiieeek. Das Geräusch kommt genau von da. Aber nicht vom oberen Ruderlager. Sondern von unten. Vom unteren Ruderlager!?

Ich gehe wieder nach oben. Der Wind hat noch einmal leicht zugenommen, 18-20 Knoten zeigt der Windmesser nun konstant, Spitze 22 kn, aber weil alles fast Halbwind ist, nimmt LEVJE es locker. Nur die Schlangenlinie wird extremer.

Drei Stunden. Ich habe jetzt etwa ein Drittel geschafft. Bin 17, 18 Seemeilen von Sizilien entfernt, das ich längst hinter mir nicht mehr erkennen kann. Bin 26 Seemeilen von Malta entfernt, ringsum nur Wasser, die lang anrollenden Wellen aus Westsüdwest, kein kurzes Mittelmeer-Adria-Hick-Hack, bei dem sich die Wellen im 2,50-Meter-Abstand folgen, sondern laaaaange, weite Roller. LEVJE, die jugendliche, nimmt sie wie eine Jolle, wie ein federleichtes irisches Curagh, mit dem die Fischer an der Westküste das Meer befuhren, ein mit Fell bespanntes Etwas aus Holzstäben auf dem Atlantik, das sich wie ein Korken über die Wellen bewegt. So segelt LEVJE.

Kriiieeeek — Kriiiieeek — Kriiiieeek.

Ich muss was tun. So geht das nicht. Ich hänge den Autopiloten aus, nehme die Pinne in die Hand. Das ist nicht normal?! Sie vibriert in meiner Hand. Sie zittert regelrecht. Ich kenne das, von früher, vom Motorrad. Da ist ein Lager kaputt. Hat die Ruderwelle doch irgendwann etwas abbekommen? Nicht dass ich wüsste! Mein Hirn überlegt krampfhaft, ob ich irgendwo doch an einem Stein aufgesetzt habe? Oder die Pinne bei der langen Überfahrt im Herbst von Korfu nach Sizilien nachts von einem treibenden Baumstamm im Starkwind etwas abbekam?

                                                                          Weiterlesen bei: Von Korfu nach Sizilien. Hier.                                                                  

Aber mir fällt nichts ein. Während ich überlege, zittert die Pinne in meiner Hand in langsamen Ausschlägen. Sie pulsiert. Und was am Übelsten ist: Wenn LEVJE, weil wir zuviel Segel draufhaben, nach luv giert, in den Wind schießen will, kostet es mich alle Kraft, die Pinne zu mir nach Steuerbord zu ziehen. Und LEVJE wieder auf Kurs zu bringen. Und das alles unter Zunahme des schabenden, merkwürdigen Geräusches. Kann eine verbogen Pinne so ein Geräusch verursachen?

Ich beschließe, den Autopiloten zu schonen. Und LEVJE von Hand zu steuern. So kann ich die Schlangenlinie verkleinern. Und die Ausschläge auf ein Minimum reduzieren. Das häßliche Geräusch, der Kraftaufwand, sie bleiben.

Trotzdem macht das Steuern Spaß. Ich mache mir zwar Gedanken, was ich tun würde, wenn das Ruder vollständig blockiert. Was ich machen würde, wenn es ausfällt? An der Nordküste Kroatiens habe ich mal jemanden angetroffen, einen slowenischen Segler, dessen Ruder gebrochen war, der hilflos auf 10 Meter im Wind vor Umag geankert hatte. Ich habe ihn damals abgeschleppt, fast drei lange Stunden die sechs Seemeilen über die Grenze bis nach Piran, wo wir die slowenische Küstenwache verständigten, die ihn dann übernahm. Sein Boot hinter mir im Schlepp, das damals ebenfalls die übertriebene Schlangenlinie fuhr. Ich überlege, was ich tun würde, in so einem Fall, und so weit draußen. Aber so schlimm scheint es nicht zu sein. Das Ruder ist schwergängig, aber der Zustand der Schwergängigkeit ist stabil. Das Boot lässt sich gut Steuern, nur Kraft kostet es, und das Gefühl, dass da zwei harte Flächen aufeinander scheuern, wo es eigentlich leicht gleiten sollte, das ist blöd.

Ich beschließe, den Autopiloten noch einmal einzuspannen. Und mir die Sache unter Deck genau anzusehen. Hole mir Katrins Schminkspiegel aus ihrem Schapp. Und meine stärkste Taschenlampe. Räume den Ruderkoker unter Deck frei. Leuchte den ganzen Ruderkoker eingehend ab, eingeklemmt ins enge Dunkel von LEVJEs Heck. Farbe blättert ab. Jahrelanger Dreck. Und während ich von hinten mit dem Spiegel, das dachrinnengroße Rohr ableuchte, sehe ich auf der anderen Seite, eigentlich unsichtbar für mich, eine rostige Warze. Schnell lege ich mit Stahlwolle frei, was sich unter Rost und Korrosion befindet. Ein Schmiernippel! Ein Ventil, dafür gedacht, regelmässig etwas zu fetten! Das habe ich noch nie gesehen! Da habe ich nun jedes Frühjahr meinen Motor akribisch gewartet. Mich ums Rigg gekümmert und um alles, woran Segler zuerst denkt. Aber dass sich unsichtbar auf der von mir abgewandten Seite ein Schmiernippel befindet, der mich förmlich um drei Teelöffel Fett anzubetteln scheint: Daran habe ich nicht gedacht. Und Fettpresse habe ich auch keine an Bord. Hätten Sie gerade zufällig eine zur Hand? Für einen einzigen Schmiernippel? Den einzigen an Bord?

Ich erlöse den armen Autopiloten von seiner Quälerei mit der schwergängigen Pinne. Fast die Hälfte der Distanz habe ich zurückgelegt. Hoffentlich hat meine Nachlässigkeit nicht zuviel am Lager selbst beschädigt? Es sind schließlich gewaltige Kräfte am Werk, jetzt, wo der Windmesser regelmäßig Richtung 22 Knoten klettert und LEVJE immer mehr in den Wind schießen will. Aber der Zustand bleibt stabil, ich steuere mein Boot eben selber von Hand. Ich konzentriere mich ganz auf die Telltales im Vorsegel, um nur ja wenig Ausschläge zu produzieren. Ich reffe aufs zweite Reff, um Druck aus dem Schiff zu nehmen. LEVJE läuft.

Noch etwa 18 Seemeilen bis zum Ziel, die Mgarr-Marina auf Gozo im Channel zwischen Malta und Gozo. Ich bin allein da draußen. Mein Schiff segelt stabil. Das Ruderproblem, die Schwergängigkeit verschlechtern sich, aber nur geringfügig. Mein Oberarm schmerzt, es kostet Kraft, LEVJE immer wieder aus der Schlangenlinie zurückzubringen. Aber dafür ist das hier draußen alles auch zu herrlich. Diese ganz andere Welt, die sich zeigt, wenn man das Land hinter sich gelassen hat. Nur noch Wasser und Wind und Himmel. Das Gefühl, in den Wellen dieser Welt geborgen zu sein, wächst in mir. Mir fällt ein, was Aylin gestern auf ihrer Facebook-Seite postete, es scheint so richtig, was Moitessier über die Weite, die er fand, schrieb:

„I am a citizen of the most beautiful nation on earth,
a nation whose laws are harsh yet simple,
a nation that never cheats,
which is immense and without borders,
where life is lived in the present.
 In this limitless nation of wind, light and peace,
there is no other ruler besides the sea.“

Es ist alles so groß, so unglaublich und weit, dass alles, was ich mir an Sorgen an Land jemals gemacht habe, winzig klein ist plötzlich, klein und nichtig, ein Fitzelchen, genauso wie die Insel, die hinter mir liegt. Etwas, was ein anderer Kosmos ist, ein unglaublich weiter Kosmos, in dem so ganz andere Gesetze gelten.

Delfine!

Und als wollten sich die Gesetze dieser ganz anderen Welt nachdrücklich in Erinnerung bringen, sehe ich plötzlich einen Schatten im Bug. Ein langer Schatten, ein dunkler Fleck, nur sekundenlang. Ich hänge den Autopiloten ein. Und sause nach vorn. Ein kleiner Delfin. Vielleicht 1,50 lang. Mit weißem Bauch. Delphinus delphis, ein Gemeiner Delphin. Noch einer. Sie machen sich einen Spaß daraus, den Bug der in Schlangenlinie dahinpreschenden LEVJE zu queren, bei voller Fahrt, quer knapp unter dem Bug hindurchzutauchen, blitzschnell wegzudrehen, in die Tiefe zu verschwinden. Meine Schlangenlinie mit ihrer Schlangenlinie zu kreuzen, gemeinsam schreiben wir Zeichen, Worte, Muster in die Weite, die gleich wieder fort sind. Und vergessen. Plötzlich tauchen sie wieder auf, sind wieder da im Bug meines Schiffes, lassen sich im Tempo zurückfallen, was ihnen alles einfällt, im Bug mitschwimmen, wieder abtauchen, wieder auftauchen. Bewegung, die eine Sprache, Kommunikation ist, die ich mehr ahne als verstehe. Oder jedenfalls nur so viel: Leben ist Freude. Ist Spiel.

Und? Wieviele Delfine können Sie auf dem Bild entdecken. Ein Tipp: Es sind vier…

Sie scheinen mir zuzulächeln, die beiden. Es scheint schon eine ganze Weile so zu gehen, ohne dass ich sie bemerkt hätte. Ich husche nach hinten, ins Cockpit, um meine Kamera zu holen. Als ich sie endlich habe, sind die Delphine – weg. Ich halte angestrengt Ausguck. Und dann sehe ich sie wieder: an Steuerbord, querab. Nicht zwei, sondern fünf, sechs. Sie sind alle nicht groß, etwa Kindergröße. Und wie innig miteinander spielende Kinder schrauben sich die sechs durch die Wellen, knäueln, schmiegen, kuscheln sich im schnellen Schwimm umeinander, nähern sich LEVJE an. Entfernen sich. Ein geschmeidiges, schnelles Gleiten durch die Wellen, knapp unter der Meeresoberfläche, ein sich Balgen. Dann – weg! Ich bleibe allein zurück auf LEVJE. Und bin benommen vor Glück, wie immer, über Delphine und ihre Art, mit uns Kontakt aufzunehmen, mit uns zu kommunizieren.

„Thanks for all the fish!“

Ankunft. Und Epilog.

Ich erreichte Mgarr-Marina am Nachmittag gegen 16 Uhr. Ich schreibe nun nicht darüber, dass mich der Wind auf den letzten drei Seemeilen vor dem Hafen von Mgarr auf Gozo mit 24-26 Knoten erwischte. Weil der Nordwest in der Düse zwischen Inseln sich noch einmal mächtig verstärkt.
Segeln ist: Versuchen zurechtzukommen mit dem Wenigen, das man hat, in dem, was man vorfindet.

Ich schreibe auch nicht darüber, dass es Kraft kostete, aufzubrechen und loszufahren, mich jedenfalls, wie immer.

Aber dass es sich gelohnt hat, weil alles von der Warte dort draußen plötzlich klein ist und mich diese Erfahrung jedes Mal aufs Neue bewegt, wo ich doch dachte: „Ich kenne das.“ Dies will ich festhalten.

In den nächsten Tagen berichte aus Malta, einer weiteren vergessenen Insel.

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Der Musiker Claus Aktoprak ein halbes Jahr unterwegs 
in den schwedischen Schären.
Was für Erfahrungen er machte …. hier zum Trailer.

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über die Menschen am Meer lesen wollen:


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Auch als Film:  


Das sagt die Presse über Buch und Film:


„… ein Sehnsuchtsbuch par excellence.
Und ein echtes sinnliches Erlebnis.“
MÄRKISCHE ZEITUNG im Oktober 2015

„… eröffnet dem Weltenbummler ganz wunderbare Traumziele, auf die man 
bei üblicher Herangehensweise schwerlich gekommen wäre.“
YACHT im Mai 2015 

„Die Besonderheit des einstündigen Streifens ist seine Ruhe. 
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sail4friendship

We reached Hemingway Marina

Ich würde mal sagen, wir haben unseren gemeinsamen Weg gefunden. Ich selbst glaube nicht, dass es einfach ist mit mir als Skipper zu segeln. Meine klaren Vorstellungen und Weisungen lassen nicht unbedingt viel Platz für menschliche und seglerische Experimente, dafür gibt es Erfahrungen, segelspezifisches Wissen und siebte Sinne aus denen man sein Ding machen kann, wenn man denn will und wenn man den irgendwann vorhat, selbst die sieben Weltmeere zu bezwingen. So wäscht eben die eine Hand die andere und die MARLIN schwimmt weiter in die richtige Richtung. Der Schreibfluss, wenn ich solche Sätze schreibe, ist enorm ungezwungen und frei. Es macht mir Spaß nicht nur zu segeln sondern auch zu schreiben und die Worte fließen zu lassen. Is so. Soll so. Bleibt so. Fliest so hinne.

Wir haben Hemingway erreicht. Kein Wind. Der Motor hat gedröhnt. Muss man durch. Auch den Golf Strom haben wir so nicht gefunden. Nicht in einer, nicht in zwei, nicht in zehn Meilen von der Küste entfernt. Die Hemingway Marina, im Verdacht leerstehend zu sein, ist ruhig, etwas abgeschieden, mäßig mit Yachten gefüllt, aber ehrlich gesagt, cubanisch nett. Ein Euro pro Fuß, zahlen wir auch in La Coruna und bekommen noch nicht einmal ein Lächeln vom Hafenmeister. Ich hab Freitags frei, habe ich entschieden, entere allein den Havana Malecon, die Altstadt, das Leben oder das was Havana als Leben zeichnet. Hier und dort ein Bier, ein Cafe einen Rum, lass ich mich treiben, genieße das Leben. Havana ist anders als das restliche Cuba. Ich kann noch nicht sagen wie, warum, vielleicht werde ich, wahrscheinlich werde ich nicht lang genug in Havana bleiben um zu sagen, warum es denn nun so anders ist. Havana braucht auf jeden Fall Meer Zeit. Meine Crew ist grade unterwegs, lookout for Havana, nach einem Verproviantierungsvormittag. Walter hat uns gefahren, zu einem Straßengemüsestand gebracht, der nicht nur unglaublich günstig war, sondern dazu noch 90% von dem hatte, was auf meinem Zettel stand. Ich bleibe zu Boot, enjoye die Ruhe um ein paar Worte zu Papier zu bringen, um meinen freien Tag zu verbringen. Ich bin mir nicht sicher, ob ich heute nach dem Abendessen, was ich meinen Mitseglern zaubern werde, noch mal mein Havana erobern werde. So oft ist man ja eigentlich nicht hier. Was für eine Frage.

 


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Traurigkeit

Verbotenes Land

Da steht der kleine Jonas an der Reling und schaut auf’s Land. In dem kleinen Fischerboot steht ein Beamter in grüner Militäruniform. Kein Begrüßungskommando, sondern ein DDR Grenzschutzkommando. „Nein, ihr dürft hier nicht an Land kommen.“ An Land eine Badebucht in der Kinder lachen, ein Schwein quiekt, ein Schulbus hält an. „Wir haben aber die Fahrtgenehmigung.“ Ich versuche es noch mal in kleinlaut. Der Beamte bleibt hart. Ist wohl seine Weisung. Also verzichte ich auf weitere Diskussionen. Bringt ja nun nichts, außer Ärger. Und Ärger mit der Guarda Frontera, den brauchen wir grade nicht.

Wir dürfen nicht an Land, weil das hier keine Marina mit Zoll und Grenzschutz ist, erkläre ich meinen Mitseglern. „Stand auch so im Revierführer!“, schlaumeiert Michi. „Probieren geht über studieren!“, schlagfertige ich zurück. Hätte auch anders sein können. Eigentlich ist Cuba ja Libre. Auf jeden Fall ist mir das so in meiner ganzen Seglerlaufbahn noch nicht vorgekommen. Einmal in Indien, durften wir nicht an Land, mussten erst die Beamten abwarten, dann aber mit den fertigen Papieren war alles gut. Hier in Cuba ist das immer noch anders. Trotz Visa im Pass, trotz Passagengenehmigung. An der Südküste dürfen wir Segler eigentlich überall anhalten, Land und Leute besuchen, an der Nordküste nur an wenigen Stellen. Könnte ja ein Cubaner mit uns wegfahren in die nahen Staaten. Wenn die wüssten. Genau dahin will nämlich der Skipper nicht.

 


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Unsere cubanischen Freunde

Fish and Chips

“Was wollt ihr? Lambies? O.K. Wir kommen gleich wieder.“ Zwei Stunden später steht Ulli auf der Badeplattform und befreit den nahrhaften Muskel der Schnecken, von Haut und Innereien. Vierzig Stück sind es mindestens. Ulli hält heldenhaft durch. Was wird es auf dem Nordatlantik zu essen geben? Lambies. Lambies in Tomate, Lambies in Kokosnuss, Lambies gebraten und eingelegt…

Mittags sind wir eingeladen zum Essen auf der Insel. Es gibt Fish. Fish fritiert. Chips fehlen, weil aus. Das Öl bringen wir selber mit. „Habt ihr Teller?“ „Na klar. Wir haben eine richtige Küche.“ Sie haben genau einen Teller, gegessen wird mit den Fingern am Strand. Aber sie lachen, die Cubaner, die ganze Zeit. Es gibt Bier aus MARLIN Beständen. Es gibt Rum aus MARLIN Beständen in abgeschnittenen Bierdosen. Eigentlich habe ich Becher eingepackt, aber so ist es viel authentischer, viel cubanischer, viel echter. Der Himmel ist blau und das Wasser karibisch warm. Meine Mitsegler sind glücklich. Als noch eine Trink-Kokosnuss dazu kommt, sind wir vollkommen auf der Schatzinsel angekommen. Die MARLIN liegt wie ein alter Rahsegler am Horizont vor dem Riff. Wir dürfen hier eigentlich gar nicht sein, wenn es nach der Guarda Costa geht. Unsere Fischer auch nicht. Vielleicht die Insel auch nicht. Ob wir so etwas Schönes, Verbotenes in einer Woche auf den Bahamas auch finden werden? Wer weiß schon was den Skipper wieder wohin treibt. Die Nacht ist wundersam. Am Himmel ein Kunstwerk aus Lichtern, Blitzen und bizarren Wolken. Elektrizität die sich entlädt. „Bleib nur fern genug“, denke ich mir und finde den gesegneten Schlaf in meiner Koje.

 


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Unterwegs in Sizilien.

Es ist Frühjahr. Und weil LEVJEs alte Vorsegel-Furlex-Roll-Anlage ein wenig klemmt, haben Sven und ich die ganze Anlage abmontiert und am Steg zerlegt. Ganz schön tricky und einfach gemacht, es würde sich allein schon lohnen, mal über so etwas Raffiniertes wie eine Vorsegel-Roll-Anlage von 1992 zu schreiben [interessiert das jemand? Bitte Kommentar hinterlassen, ab 10 Kommentaren schreibe ich ;-)].

Kaum ist Sven in den Mast geklettert, kaum ist das ganze Vorstag samt Rollern, Schlitten, Schienen, Rutschern, Ösen, Kegeln ausgehängt, kaum liegt die 8 Meter lange Pracht sich windend vor uns auf der Holzpier, zerrupfen wir es auch schon in seine Einzelteile. Und irgendwann, nachdem wir zwischen 7 Schienenstücken, Vorstag-Draht mit Haken- und Ösen, Abstandshaltern, Distanzhalte-Haken, Einfädlern, zerlegten Winschtrommeln sitzen, perlen uns aus eben jenen Winschtrommeln kleine Kugeln entgegen. Kugeln aus Kugellagern. „Die sehen aber fertig aus“, sagt Sven mit Kennerblick, als ich jede der Kugeln aufgefangen, in einem Wechselbad aus Diesel, WD-40 und Krepp-Papier gescheuert, gereinigt, vom Schmutz der letzten Jahre entfettet habe. 104 Kugeln. Allesamt sehen sie matt aus, ermattet vom jahrzehntelangen eingequetscht Dienst tun müssen, sich drehen müssen, wenn irgendwo einer zieht. Den Winter reglos eingesperrt sein, weil keiner da ist, um mal zu ziehen. Nein, wen wundert, dass die erbsengroßen Kugeln nicht mehr blinken mögen.

104 Kugeln. 
Und wo kriegen wir neue her, an der sizilianischen Südküste, hier im freundlichen Badeort Marina di Ragusa, spezialisiert auf 104 furiose Sorten Gelati, nicht aber Kugellager? Wir packen unser Bündel, das kleine schwarze Gummischälchen mit den 104 Kugeln, setzen uns in unseren geliehenen FIAT PANDA und rollen von der Küste weg in die Hügel, hinauf ins schöne Ragusa. Dort sitzt der YANMAR-Händler meines Vertrauens, zwar repariert er meist nur YANMAR-Landmaschinen, aber hin und wieder ist eben auch ein Schiffsdiesel dabei. Und seit er mir die Wasserpumpe für meinen Schiffsdiesel, die in Deutschland beim Händler satte 1.100 €, in der milden Türkei 800 € kostet, fürs halbe Geld beschafft hat, liege ich Mustafa, der die „Ricambi“, das Ersatzteillager betreut, eh zu Füßen. Als ich ihm mein schwarzes Schälchen mit den 104 Kugeln hinhalte, schweigt er einen Moment. Denkt nach. Und sagt dann: „Modica.“ „Modica??“ „Ihr müsst nach Modica. Da gibts einen Laden, der hat nur Spezialwerkzeug. Und Kugellager.“


Also rollen wir im Panda den atemberaubenden Hügel der 70.000 Einwohner-Stadt Ragusa hinunter und über eine ebenso atemberaubende Schlucht – ich schrieb über sizilianische Schluchten in einem vorigen Beitrag – in die 54.000-Einwohner Stadt Modica. Modica ist nicht klein. Es gibt Modica Alta, oben auf dem Hügel. Und Modica Bassa, unten in der Schlucht. Und nach mancherlei Auf- und Ab und hügelan und hügelab im kleinen Panda, das schwarze Schälchen mit den 104 Kügelchen sorgsam auf den Knien wie einen Schatz balancierend, stehen wir im Laden von Salvatore. Ich bin entzückt. Der Laden, sein Angebot, besteht aus lauter Zangen, Hebeln, Werkzeugen, die ich nie im Leben vorher sah. Sie sind meist rot. Geile rote Sprengring-Zangen sehe ich an der Wand. In mindestens 17 Größen, mit unterschiedlichen Griffen. Andere rote Stahlteile, gewunden, gebogen, hakenartig, hebelkräftig – alles Dinge, um irgendetwas aufzubekommen, Festsitzendes zu lösen, zu öffnen, was sich mit Finger, Häkelnadel, Schraubenzieher einfach nicht lösen, aufbekommen lässt. Salvatores Laden: Ein einziges Sammelsurium an Gerätschaften, um irgendetwas zu aufzuschrauben, umzubiegen, festzuziehen, abzuziehen, anzutreiben. Und: Salvatores Laden in Modica, in dem wir mit unserem schwarzen Schälchen und den 104 Kugeln in einer Reihe hinter drei anderen Bittstellern wie beim Rabbi stehen, ist einer der Gründe, warum ich mir um Italien wirtschaftlich wenig Sorgen mache. Italien besitzt kaum große Aktiengesellschaften, wie wir sie kennen. Dafür Abertausende von Familienbetrieben, die irgendetwas Spezielles herstellen, vertreiben. Familienbetriebe, die für irgend etwas ganz Spezielles wie Grappa, Fahrradsättel oder aus Metall gestanzte Brotkörbe und Zitronenpressen Weltmarktführer sind. Die Salvatores – sie tragen das Land.

Salvatore, mit Vollbart, selber sitzt hinter dem Tresen, Werkzeuge sind in dem engen, 3,50 hohen Raum um ihn gruppiert wie ein Bühnenbild. Ein Kunde nach dem anderen tritt vor, äußert seine Bitte. Als wir dran sind, halte ich ihm mein schwarzes Schälchen hin mit den 104 Kugeln. Salvatores Vollbart entfahren kehlige Laute, sizilianisch, das ich nun gar nicht verstehe, während er eines der Kügelchen wiegend, wägend zwischen Fingern wie Schraubstöcken dreht. „Non o, non da Inox“. Das habe ich verstanden. Salvatore verschwindet kurz hinter dem Bühnenbild, irgendwo in der Tiefe, ein Scharren im Hintergrund, ein schwerer Karton, der sachte in großen Pranken zu Boden geht. Dann ist er wieder da. Genau die Kügelchen, die wir gerne hätten. Erbsengroß. Und wunderschön blinkend. Nagelneu. Nur leider nicht aus Edelstahl. Sie würden rosten, die 104 Kügelchen, samt Lagerschalen würde Meer und Salzwassergischt sie innerhalb Wochen einfach zu bröseligen Klumpen Rost verbacken. Wieder gurgelt der Vollbart, während er die Kügelchen zwischen seinen harten Handwerkerfingern dreht. „Ma son buon“. Er sagt, meine matten Kügeln wären nicht schlecht?! 

Ohne hinzusehen, greift Salvatore einen Magneten aus der Tiefe seiner schweren Schublade, er ist fingerlang und bananenförmig. Der Magnet zieht drei, vier Kügelchen an, Salvatore wiegt den Magneten leicht, die Kügelchen perlen hängend die Krümmung entlang, fallen nicht ab. „Son buon“, gurgelt es aus dem Vollbart, er grinst uns an. Und besieht sich die Lagerschalen. „Tornatore“, dröhnt der Vollbart. Und „pulire“. Eine Dreherei, um die Lagerschalen auf Vordermann zu bringen! Salvatore beschreibt uns einen Weg irgendwohin, ich verstehe nur „al fine dell villagio“, am Ortsende, wir verabschieden uns fröhlich von Salvatore, dem Rabbi. Und kullern im Panda wieder hügelauf, hügelan, unser schwarzes Schälchen sachte auf den Knien balancierend, begleitet, geführt, engelsgleich, von zwei begeisterten Frauenstimmen aus zwei Navigationssystemen unserer zwei Tabletts, weil Sven und ich herausfinden wollen, welches unserer beiden Navi’s denn in den Härten steil ansteigender, winkeliger Einbahn-Kleinstadt-Gassen Siziliens denn nun wirklich nicht aufgibt. Aber am Ende funktioniert die uralte, vor-Software-Navigation am besten: Einfach jemand fragen. Und schon der fünfte, den wir ansprechen, kennt  Giovanni, den Tornatore. Er liegt an der steil ansteigenden Straße, drei Mal sind wir vorbeigefahren, Rabiner, Magier brauchen nun mal kein Ladenschild. Nur eine Werkstatt mit Drehbänken. Giovanni sieht sich die Teile an. Wir sollen in einer Stunde, besser zwei wiederkommen. Kurz vor sieben also.


Zwei Stunden also. Und weil italienische Kleinstädte, die meisten jedenfalls, schön sind und geheimnisvoll, wie Frauen – die meisten jedenfalls! – lassen wir unser Schälchen mit den  104 Kügelchen im Panda vor Giovannis Werkstatt zurück. Und streichen durch die Stadthügel. Allerdings nicht lang. Sven hat sich sogleich verguckt: Er ist fasziniert von den Schokoladen, die da im Schaufenster liegen, geformt wie Legosteine. Und schon stehen wir in der Pasticceria, dem Süßwarenladen von Giovanni, dem Konditor. Er stellt die Schokolade in kleinen Ziegelsteinchen selber her, seit bald 25 Jahren, wo er den Laden von seinem Schwiegervater übernahm. Er steht fröhlich grinsend mit seiner Frau hinter seinem Tresen. Ob er denn im Internet wäre, in Google, wenn ich nun über ihn schriebe, über ihn 


berichten würde? Na klar. Und ich bitte, meine Leserin, meinen Leser dieses Blogs: Sollten Sie nach Modica kommen diesen Sommer oder wann immer, doch Giovani zu erzählen, dass er nun tatsächlich in GOOGLE wäre. Und der Ciocolato di Modica, den Giovani herstellt, ebenfalls.


Überhaupt: Ciocolato di Modica! Es gibt sie in fast jedem Laden in Modica und auch in Marina die Ragusa. Dicke Blöcke bitterer Schokolade, deren Zuckerkristalle immer noch erhalten sind, eine Mischung aus süß und bitter, die herrlich an den Zähnen knirscht, während man im Mund voll reinen Kakaos zu sein scheint. Das Rezept, erzählt Giovani, ist alt. Im 16.Jahrhundert sei es nach Modica gekommen, die Spanier waren wir 600 Jahre Herren Siziliens und haben es aus Spanien mitgebracht. Das Besondere ist, dass Ciocolato di Modica eigentlich nur daraus besteht: Aus einer speziellen Sorte Kakao. Und Zucker. Vielleicht noch ein Gewürz. Etwas Zimt. Oder Vanille. Oder Ingwer. Oder Chilli. Nüsse. Aber 


sonst: Nichts. Keine Milch. Keine Butter. Kein Pflanzenfett. Nichts. Ein Reinheitsgebot nur für Schokolade. Und weil Giovani auch sein Eis selber macht, können wir nicht umhin, Giovani auch gleich noch zwei Eis abzukaufen, das Leben kann schön sein, wenn 104 Kügelchen es mal so richtig auf Trab bringen.


Wir streifen weiter durch die Hügel von Modica. Nicht nur, dass ich oben am Dom der schrumpelig-warzigen Zitronenfrucht, der Cedri, nicht widerstehen kann, die man am Stand oben vor der Kirche bekommt und mit peperonciertem Salz isst. Wir stolpern in den „FIAT Club di Modica“, der oben vor der Kirche seine Prunkstücke aufgebaut hat. Ein FIAT Cinquecento schöner als der andere, eine nette Ansammlung knuddeliger kleiner Kisten, gemacht für steile Winkel und Schlagloch-Pisten, die sich auf Sizilien „Autostrada“ oder „Strada Statale“ nennen. Es ist ziemlich hart für die Stoßdämpfer, will man auf diesen Straßen unterwegs sein und mit dem Verkehr mithalten. Italienische Autofahrer sind, sagen wir, „zügig“ unterwegs, wer schleicht, tuts bitte rechts am Straßenrand, und da ist die Piste noch holpriger. 















Und gleich auf der anderen Seite der zu einer fahrbaren Gelateria umgebaute Fiat, der Gelati e Grannite, das sizilianische Sorbet. Zwei Kügelchen. Heute schon zum zweiten Mal. Macht vier. Es ist aber auch zu verführerisch, in keinem anderen Land der Erde möchte ich leben, was Essen und Trinken angeht, was die Küche angeht: die einfachen Dinge, sind die Menschen hier, auch die einfachen, Könige.


Als es kurz vor sieben ist, stehen wir vor Giovanni. Er sieht müde aus. Und zeigt uns stolz die Lagerschalen. Er hat sie in die Drehbank gespannt und einmal abgedreht. Sauber sehen sie nun wieder aus, wie neu. Nun dürften sich die 104 Kugeln auch wieder wohlfühlen. Und die Genua sollte sich wieder leichter ausrollen lassen.

Und Giovanni? Er ist eigentlich Albaner. Er kam vor 15 Jahren hierher nach Modica, nicht aus Not, aber auf der Suche nach einem besseren Leben als Zuhause. Und warum nach Modica? Sein Cousin wäre hier gewesen, hätte ein Restaurant eröffnet gehabt, das gut funktionierte. Also sei er nach Modica gekommen, hätte hier neu angefangen. Und heute: Ist die Dreherei, der Betrieb seiner. Er lebt gut hier. Und hätte er mir nicht seine Geschichte erzählt – dann hätte ich Giovani für einen waschechten Sizilianer, einen Bewohner dieser Insel gehalten. 

Aber vielleicht ist er ja genau das.




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Das sagt die Presse über Buch und Film:


„… ein Sehnsuchtsbuch par excellence.
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MÄRKISCHE ZEITUNG im Oktober 2015

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bei üblicher Herangehensweise schwerlich gekommen wäre.“
YACHT im Mai 2015 

„Die Besonderheit des einstündigen Streifens ist seine Ruhe. 
Eine Ruhe, die der Film mit poetisch angehauchter Sprache und sinnlichen Bildern von Szene zu Szene eingehender vermittelt.“
SEGELREPORTER im Dezember 2015

„… ein schönes, ein gelungenes Werk, animierend und inspirierend.“
LITERATURBOOT im Juli 2015

„Absolut empfehlenswert!
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RATGEBER.REISE. im Juni 2015




Sailing to Havanna

Stoppover at Paraiso

“So . Meine Damen und Herren. Schluss mit Segeln. Zwischenstopp im Paradies.“ Warst Du schon mal hier?“ „Nö!“ Wir fahren langsam, langsam übers Riff und das dahinterliegende Lagune. „Sieben, Drei, Zwei… Meter“ Ich will grade zum Gashebel greifen um den Notstop einzuleiten, da geht es wieder auf sieben Meter. „Puh. Glück gehabt.“ Ein Stück weiter fällt der Anker auf sieben Meter. Grundstruktur unbekannt. „Das war jetzt schon ein bisschen riskant“, erkläre ich meinen Mitseglern. Sonnenuntergang von hinten, genau Hochwasser, keine Karte. Das war keine Sichtnavigation – Das war Navigation nach siebten Sinn.“ Wir ankern weit draußen und es gibt Pago. Ein sehr guter leckerer Snapper der im Freezer der MARLIN wohnte. „Jetzt ist der Freezer leer. Ihr habt mir die Haare vom Kopf gegessen. Nur noch drei Lobsterschwänze, dann ist es morgen Zeit den Freezer mal abzutauen. Ich vermute mal, das es hier aber jede Menge Lambie Schnecken gibt. Morgen müssen wir uns neu verproviantieren. Auf die kubanische Art.“

Nadia ist die Frau von Michi. Mit Michi ist Michael gemeint. Als Abgrenzung zu mir mit i am Ende statt a. Michi ist Bootsjunge und segelt mit bis auf die Azoren. Eigentlich segelt Michi sogar weiter. Nadja weiß das. Nadia ist entspannt und jetzt auch noch entschleunigt auf der MARLIN. Nadia ist Mutter von Jonas. Jonas ist meist auch entspannt. Manchmal ist Jonas aber gar nicht entspannt. So wie elf Monate alte Buben halt so sind. Meine Achtung steht ihr zu, wie gelassen sie mit Jonas dann umgeht. Neben Michis Bett im heimatlichen Pfullingen stappeln sich die Delius Klasing Schinken, zum Beispiel von den Autoren Müller / Wnuk und ähnlichen. Na, was geht wohl in Michis Kopf vor. Überstunden bei Bosch oder der freie Blick auf den Horizont des Meeres? Die beiden haben sich beim Segelfliegen kennengelernt. Irgendwann ist Michi auf Nadias Flugplatz gelandet und geschehen ist es. Schwer romantisch was? Beneidenswert jung sind die beiden Segelflieger die sich jetzt grade anfreunden mit den senkrechten Segeln. „Geht es Dir gut Nadia? Gefällt es Dir auf der MARLIN? Hast Du keine Angst, dass Michi sich ins Meer verliert?“ „Schon geschehen. Alles gut. Das Schicksal findet immer seinen eigenen Weg.“ Nadja schaut wieder auf’s Meer.

“Wenn keiner was dagegen hat, bleiben wir morgen hier. In Havanna geben wir eh nur unötig Geld aus.“ Nickende Köpfe.

 


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