Monatsarchive: März 2016

Nightwalk

Rückzug

Ich war ganz schön traurig heute. Julio von den Rangern ist mir ja sehr ans Herz gewachsen. Die Cubaner sind wirklich so ein liebenswertes Völkchen! Maya und Lena wollten auch nicht wegsegeln! Natürlich wegen den Schweinchen nicht. Zum Abschluss gab es noch nette Gastgeschenke, damit wir nicht verhungern auf dem Weg. Wir laufen um 17 Uhr aus und weg ist der Wind. Dann läuft der Motor. Morgen wäre Wind, aber wir segeln ja nicht nach dem Wind, sondern nach dem Terminkalender. Und so sitze ich in meiner Nachtwache, die MARLIN schneidet das Meer mit ihrem Bug in zwei Teile und alle schlafen. Was für eine göttliche Ruhe. Ziel ist mal wieder der unumgängliche Leuchtturm bevor es nach Cien Fuegos geht, Crew 13 das Schiff verlässt und Landurlaub für Wnuk/Müller angesagt ist. Endlich komme ich mal nach Trinidad und Havanna. Außerdem will Nathalie noch ein vernünftiges Röntgenbild von meiner Schulter. Sie traut dem Schulterbraten noch nicht, obwohl es wirklich langsam aber stetig besser wird. Man wird sehen. Gleich ist Cayo Largo querab.

 


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Schweinerein

Sonnenuntergänge unter Palmen

Lena hat ihren tierischen siebten Sinn mal wieder eingesetzt und knuddelt mit den Schweinchen der Insel. Die anderen Kinder sind angesteckt und knuddeln direkt mit. Die kleinen Schweinchen bekommen Namen und werden mit selbstgemachten Halsbändern geschmückt. Zwei Mal am Tag müssen wir auf die Insel um die neuen Haustiere zu besuchen. Noch ist keiner auf die Idee gekommen die Schweinchen mit nach Cien Fuegos oder nach Deutschland zu nehmen. Na, ich werde dieses Thema nicht ansprechen.

Die Entspannung verbreitet sich auch bei den Erwachsenen, die abwechselnd schnorchelnd Kreise über das Hausriff drehen oder mit den Kindern zur Insel fahren, um den Transport zu sichern, dort unter den Palmen zu sitzen und Kokosnusswasser zu trinken. Die Entspannung nimmt keine Ende, so sieht es im Moment aus, aber dem ist nicht so. Bald wird es Anker auf heißen und wir müssen gen Ost segeln, am besten über Nacht, damit die Kinder schlafen und gar nicht erst seekrank werden.

Christian, Papa, Manager und selber Eigner einer Comfortina bei Gelting, genießt die Zeit auf der MARLIN ganz besonders. Er ist schon lange Jahre Leser unseres Blogs und verfolgt täglich unser Leben. Einmal für zwei Wochen mit Maren seiner Frau und seinen Kindern in der Karibik war ein lang ersehnter Traum von ihm. Jetzt ist er da und segelbreit glücklich, wie man sieht.

 


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Eiweißschock

Lobsteressen

In Cuba gehören alle Lobster dem Staat, der diese dann an an die Touristen verkauft oder exportiert. Goldwaagenerbsenzähler also bitte hier nicht weiterlesen. Wie durch ein Wunder steht eine rote Kiste mit der noch kalten Ware mit ca. 10 Langusten am Steg und einer der Jungs bereitet uns ein herzliches Abendessen, dass wir uns bis zum Anbruch der Dunkelheit munden lassen. „Lecker, lecker, aber einmal während des Aufenthalts auf der Marlin ist genug“, ist die einheitliche Meinung. Lecker, aber nicht jeden Tag. Das ist auch die Meinung der Jungs die eher eines der Schweine schlachten, einem Huhn den Kopf abschlagen oder den Jutias (Baumratten) das Überleben schwer machen. Der Staat lässt sie eher auf sich gestellt auf der Insel. Gemüse ist Mangelware. Alle zwei Wochen kommt das Versorgungsschiff und bringt Zigaretten, ein paar wenige Lebensmittel. Die MARLIN ist auch so eine Art Versorgungsschiff. Rum, Rasierer, Seife und eine gebrauchte Harpune bringen wir als Gastgeschenke mit. Geld ist hier auf den Cayos nichts wert.

Die Rückfahrt ist abenteuerlich. Angewandte Astro-Navigation durch das unbeleuchtete Riff unter sternklarem Himmel, mit acht Leuten, im sicheren Dinghy und „nur“ 3,3 PS über 1,7 Meilen. Gut, dass wir immer genug Sprit dabei haben, die Seekuh immer funktioniert und vor allen Dingen der Skipper das neue Aqua Signal Ankerlicht an den Lazybags angebracht hat. Eigentlich soll das in den Masttop, aber das als Einarmsegler, geht wohl grade nicht. Auf jeden Fall finden wir die MARLIN dann doch und die ganz still gewordenen Kinder fangen wieder an zu schnattern, als sie sich wieder sicher fühlen.

 


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Entschleunigung

Träumen, Essen, Trinken… Leben Leben sein lassen

Entschleunigung. Diese Wortschöpfung beanspruche ich aus unserer ersten Weltumsegelung. Doch nicht nur das Wort, sondern auch seine Umsetzung und Realisation auf der MARLIN, beanspruche ich, zugegebener Maße auch andere. Segeln mit der MARLIN ist meer als nur Kojencharter, so passiert auch mit meiner aktuellen Crew 13. Nathalie und Maren genießen es, dass die Kinder machen können was sie wollen. Den Tag verbringen sie auf dem an der MARLIN angebundenen Paddelbord (SUP: Stand up Paddelboard) Nathalie freundet sich mit dieser absolut ungefährlichen Sportart sofort an. Morgen will sie sogar die 1,7 Meilen bis nach Cayo Campo auf dem Teil paddeln, mit Maya versteht sich. Ich kann nicht mit. Einarmig kann man kein Paddelbord fahren – Aber Kiten kann man einarmig ;-) Haha.

Auf Cayo Largo angekommen gibt es ein großes „Haaaaallllloooo MARLIN. Wir haben euch schon gesehen. Ein rotes Schiff, dass muss die MARLIN sein! Wie heißt ihr noch mal?“ Maya und Lena laufen über den Holzsteg: „Hier hat Papa unsere Namen vor zwei Jahren unsere Namen ins Holz geritzt!“ Da stehen sie: Maya. Lena.“ „Ich heiße Julio.“ Julio ist Chef der vierköpfigen Ranger Crew, die dafür sorgen, das Cayo Campo so bleibt wie es ist. Die Befürchtungen, dass hier jetzt plötzlich Amerikaner mit Booten von Kreuzfahrtschiffen anlanden, sind Unsinn und wahrscheinlich wird das auch noch sehr lange dauern. Auf Cayo Campo sind sogar die Chartersegler aus Cayo Largo seltener als selten anzutreffen. Zu weit weg von Cien Fuegos und der Rückweg gegen den stetigen Ostwind, ist für die Catamare viel zu sportlich mit einem Wendewinkel von 140°. Für uns ist das eher ein Kinderspiel, was einfach nur etwas länger dauert und sportlicher ist als das Downwindsegeln.

Das Leben auf der MARLIN ist mit vier Kindern und vier Erwachsenen zwar anstrengend, aber nicht unangenehm. Die Erwachsenen reißen sich zusammen, die Kinder geben Gas. Ein totales Chaos ist in den Kabinen, im Salon bleibt es weitestgehend ordentlich. Cool. So hatte ich mir das vorgestellt. Bis zum Ende der Woche werden wir sicherlich hier bleiben. Schöner geht nicht. Für Morgen sind wir von Julio und seinem Team zum Abendessen eingeladen. Was wird es geben? Lobster natürlich. Nur zwei Bootlängen auf unserem Hausriff haben wir die gutschmeckenden Tiere schon gesichtet. Nicht nur einen, sondern mindestens 12, in einer eindrucksvollen Größe, laufen sie einfach zwischen den Korallenstöcken herum. Aber selber ernten wollten wir nicht. Das sollen andere machen, für die es zum täglichen Leben gehört.

 


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Sonnensegler #22 Zurück an Bord

Vom Segelboot zum Kanaldampfer

IMG_20160326_092845Angefangen hat die Tour am Donnerstag Abend etwa 19 Uhr. Ich habe meinen Rhythmus einen Tag zuvor auf Nachtschicht umgestellt und ziemlich lange geschlafen. Sabrina war mit ihrer Bronchitis so gut wie durch. Bei mir haben sich wieder Schnupfen und Halsschmerzen angeschlichen, aber ansonsten war ich fit.
Die Niederländische Grenze lag schnell hinter uns, ebenso die Belgische. An beiden Übergängen war es erstaunlich entspannt.
Die Grenze zu Frankreich wurde stärker bewacht als noch im Dezember, aber auch hier durften wir ungehindert passieren.
Ich hatte mich bereits auf eine ziemlich langweilige Nacht eingestellt, während Sabrina die meiste Zeit geschlummert hat. Eine CD nach der anderen musste das Radio durchleiern, um mich bei Laune zu halten.
Die Mautstationen wurden ebenso von schwer bewaffneten Polizisten überwacht, aber das kannten wir ja bereits von der letzten Tour, ein paar Monate zuvor. Wir haben nur gehofft, dass wir nicht zu denen gehören würden, deren Fahrzeug ausgeräumt und durchsucht wird. Bisher hatten wir wirklich Glück.
Die Mautstation vor Paris wurde besonders gut kontrolliert, allerdings aus meiner Sicht irgendwie ein wenig merkwürdig organisiert. Viel blaues Blinklicht und noch mehr Pylonen. Hab mir dann erst mal eine freies Mautgatter zum bezahlen ausgesucht. Ich wundere mich ja immer wieder, warum so viele Menschen sich in der Mitte knubbeln und anstehen, obwohl man mit einem Schlenker nach rechts oder links gleich ein freies Terminal vor sich hätte. Vielleicht eine Art Herdentrieb? Ich weiß es nicht, bin aber jedenfalls ganz nach rechts außen an ein freies Gatter gefahren und hab das Ticket bezahlt. Nachdem die Schranke hoch gezogen wurde, lag vor mir ein durcheinander aus Pylonen. Einige Autos, die ohnehin bereits mittig durch die Anlage sind und jetzt links neben mir waren, wurden von Polizisten kontrolliert. Die Lage sah ziemlich entspannt aus und ich hab kurz überlegt, ob ich im 90° Winkel nach links ziehen und mich hinten anstellen soll? Aber zum einen soll man sich ja nicht unnötig auffällig verhalten und zum anderen war direkt vor mir eine eindeutige Lücke zwischen den Pylonen. Also wirklich eindeutig!
Was machen? Eine Sekunde, zweiter Gang, noch eine Sekunde…
Irgendwie war ich im Kopf wohl schon auf Eos und habe mir gedacht: Im Zweifelsfall erst mal Kurs halten!
Also geradeaus.

Etwa 100m weit sind wir gekommen, dann wurde laut gepfiffen und gerannt. Die Polizisten waren plötzlich überhaupt nicht mehr entspannt und auch die automatischen Gewehre hingen jetzt nicht mehr nur locker um den Hals.
Der Modus stand mehr oder weniger sofort, ich hab noch schnell das Fenster geöffnet und zumindest eine Hand nach oben gehalten.
Bevor der erste an der Tür war hab ich mich bereits entschuldigt. Er war schnell an der Tür, hat uns dann sehr ernst gemustert, ins Auto geschaut und während ich irgendwie versuchen wollte mich zu erklären, fing er ganz leicht an zu lächeln und fragte dann: „Deutsch?“
Ich hab genickt.
„You can go this way!“ meinte er nur und zeigte in Richtung Autobahn.

Das wars, mehr nicht.
Merci beaucoup!

Das war der einzige Zwischenfall. Morgens um kurz vor 8 Uhr, viele 100 Kilometer später, hat die Fähre den kleinen Renault Modus und uns über die Gironde geschaukelt. Diesmal hat er es endlich auch an den Atlantik geschafft, mit gerade mal 4,7l Diesel pro hundert Kilometer.

Schlüssel umdrehen, Türen auf, in die Kajüte schnuppern. Alles gut!

Nur außen hat Eos ein wenig gelitten. Die Winterstürme haben ein paar Spuren hinterlassen, aber nichts wildes.

Der restliche Tag war gefüllt mit Kisten schleppen, einrichten, alles für den Krantermin vorbereiten.

Am Samstag sind wir mit Eos dann eine große Runde durch den Hafen zum Technik Ponton gedreht. Eine große Runde deshalb, weil im Hafen gerade gebaggert wird. Man muss quasi eine Umleitung fahren.
Etwa eine Stunde später lag der Mast auf seinen neuen Lagerpunkten. Dann zurück in die Box, Wanten, Stagen und das ganze Gerödel sortieren, fixieren, abpolstern. Noch ein Großeinkauf, endlich duschen.

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Traumankern am Hausriff

Im Paradies angekommen

Als nächstes Ziel habe ich grade „keine Ahnung“ eingetragen. Die Marlin liegt auf 2,5 Meter Tiefe im kristallklaren Wasser. Unter uns Seegras mit fußballgroßen Lambischnecken, eine Bootslänge entfernt Korallenblöcke mit bunten Fischschwärmen, ein schwarzer Rochen begrüßt die Kinder, kommt nah und schwebt langsam unter ihnen durch. Keine 100 Meter vor uns bricht sich das Meer des Yucatan Beckens über dem Riff. Mit Maya und Lena liege ich im Segelsack des Genackers an Deck, mit dem iPad in der Hand erkunden wir den ungestört dunklen Nachthimmel, Lena liest mir die Infos in der App zum Jupiter vor. Schöner kann das Leben eigentlich nicht sein. Wir liegen quasi mitten im offenen Meer ohne ein anderes Schiff, die mit zwei Rangern, einem Schwein und hunderten von zutraulichen Affen bewohnte Insel ist in 2 Meilen nur mit dem Dinghy zu erreichen. Ein Ort der dazu verleiten lässt zu denken: Wenn irgendwann sterben, dann hier.

Der Weg hierher war nicht unbedingt einfach, weil Maren sich so Vorwürfe gemacht hat, dass sie ihren Kindern etwas Schreckliches antut. Alle Kinder sind heute Morgen sofort seekrank geworden als es quasi im Morgengrauen ohne vernünftiges Frühstück auf’s offene Meer rausging. Um den Weg zu schaffen ging das leider nicht anders. Auch 300 Liter Diesel musste noch gebunkert werden. Gut, dass unser Wassermacher 1a funktioniert, denn das Wasser von Cayo Largo ist ungenießbar zum Trinken, zum Duschen ein Anmaßung. Nathalie und Micha haben erwartungsgemäß einen kleinen Disput beim Segeln. Ich habe meine eigene Art entwickelt, die MARLIN kompromisslos sicher zu führen. Nathalie stinkt es natürlich vom Alten was sagen zu lassen. Wir finden einen Weg für die nächsten zwei Wochen. „Besser wäre es natürlich, Du gibst den Job in Flensburg auf und ziehst mit den Kindern wieder auf die MARLIN. Wir können ja auch in Südafrika, auf den Azoren, den Kanaren oder in Lissabon leben, wo beide arbeiten können.“ Ein Wort findet das nächste. Es mag romantisch sein um die Welt gesegelt zu sein und zwei Kinder bekommen zu haben, die Folgen sind derweilen gar nicht so einfach.

 


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Familie an Bord genommen

Schwimmen mit Delfinen

Man mag unterschiedlicher Meinung sein über Delfinschwimmen. Für die Kinder ist das zum derzeitigen Alterszeitpunkt aber noch ziemlich egal. Christian lädt alle vier Kinder zum Schimmen mit den bekannten Delfinen von Cayo Largo ein und erhält natürlich großen Zuspruch. Nebst Küsschen und diversen Kunststückchen können die Delfine vor allen Dingen Personen auf ihren Nasenspitzen aus dem Wasser heben und senkrecht balancieren. Das war natürlich das High Light des ersten Tages an Bord. Morgen geht es weiter nach Cayo Campus zu den Affen.

 


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In Sizilien. Auf dem Boot. Im Gründonnerstags-Sturm.

Und irgendwie hatte ich es wieder nicht hingekriegt. Hatte es einfach nicht gemacht. Hatte das, was wichtig ist, einfach aus den Augen verloren. Ich hatte mir vorgenommen: „Im Winter mindestens einmal pro Monat am Meer.“ Auf LEVJE, die jetzt im Süden Siziliens im Hafen von Marina di Ragusa liegt. Nicht weniger als eine Woche. Mindestens. 
Aber wie das Leben so läuft: Ein netter Winter in Oberbayern. Eine spannende Aufgabe in Berlin.  Und weg ist der gute Vorsatz. Aus „Mindestens einmal monatlich“ wurde flugs „kein einziges Mal in vier Monaten.“ Mein Leben war spannend. Doch ich scharrte mit den Hufen, endlich, endlich in diesem Winter wieder auf mein Schiff zu kommen. Ich spürte, wie mein Schiff an den Leinen ruckte, ein Lebewesen erwacht in den Winterstürmen Siziliens. Nachts lag ich wach: „Schwimmt sie noch?“
Heute war es soweit. Früh aufgestanden, die letzten Dinge im Seesack verstaut, proppenvoll mit Werkzeug, Schrauben, Bolzen, Plastikflaschen voll „Harz & Härter“. Zwei Beutel mit Ostereiern, meine Lieblingssorte, die mir Katrin neben den Seesack legt. Minuten später stehe ich allein am Bahnhof, en Seesack geschultert, mein Schritt ist federleicht, obwohl der Seesack zusammen mit dem kleinen Rucksack für meine elektronische Ausrüstung mehr als 20 Kilo wiegt. Rollkoffer? Nein. Ich spüre es nicht, das Gewicht, weil andere Gewichte heute morgen von mir abfallen, während ich im lichtlosen Grau auf dem Bahnsteig stehe, beim Umsteigen nehme ich zwei Stufen auf einmal. Das Herz: es hüpft.

Der kleine Militärflughafen weit weit im Westen, von dem die Maschinen mit der aufgemalten gelben Harfe abheben. Noch nie bin ich mit RYANAIR geflogen, es ist eine verflixte Gängelei, vorher und während wir abgefertigt werden. Gedrängel und Gegängel im Wechsel, eingepfercht sein – da hilft auch kein noch so flotter Marketing-Refrain. Ein Massenprodukt, das mit Massen gefüllt sein will, sonst funktioniert es nicht, ich überlege, wie man – eingepfercht und nicht nur der Beinfreiheit beraubt, dieser Art von Massentransport, es ist ja nichts anderes, Positives abgewinnen könnte. Ich schließe die Augen. Schlafen ist gut. Der Blick aus dem Fenster auf die Weite der Berge – ja der entschädigt.

 

Anflug auf Palermo. Als die Wolken aufreissen, sagt jemand hinter mir: „Merkwürdig. Ich sehe Schnee. Und Berge.“ Doch was aus der Luft wie Schnee aussieht, ist Gischt. Wind, der tief unter uns auf dem Meer Wellen aufwirft, Gischt, die von hoch oben weiß aussieht, wenn Kämme brechen.

Und tatsächlich. In Palermo weht es. Wie fast immer, liegt der Flughafen einer Insel am Meer, beim Aussteigen warnt der Purser, dass man aufpassen solle, „heavy gusts outside“. Als ich aussteige, galoppieren graue Wolkenfetzen über den Berg, der archaisch hinter dem Rollfeld aufragt. Pfützen, die flirren, als lägen sie unter einem Triebwerk. Der Autoverleiher, ein netter Rothaariger, der versucht, mir noch für 170 € eine Extra-Versicherung anzudrehen. Nettes Palaver. Italien.

Ich rolle durch die Dämmerung. In Palermo Stau, es ist sechs, dann auf der Autobahn Richtung Süden. Windboen treiben meinen Kleinwagen immer wieder aus der Spur, aber sie lassen etwas nach. Regenschauer, kein Mittelmeer-Regen, eher feines Gesprühe. Meerwetter. Atlantikwetter. Zwischen den Bergen kurz der Vollmond, der zwischen jagenden Wolken sich zeigt. Als ich ihn sehe, weiß ich wieder, wie richtig es ist, immer wieder aufzubrechen, genau das und dies hier zu suchen, und wenn es nur für Tage, Stunden ist. Freude, die beim Anblick des Mondes wie ein Blitz durch mich zieht. Die letzten Kilometer, ein Gekurve durch düstere Wälder von Schilf, lange Halme, die sich im Wind biegen, wenn der Scheinwerfer des Wagens sie fasst.
Als ich endlich den Hafen erreiche, ist es mondlos, wolkenverhangen, Finsternis. Eigentlich wollte ich noch etwas essen gehen, aber die Sorge um mein Boot treibt mich gleich zum Hafen, jetzt um neun ist eh fast alles zu. Marina di Ragusa, Ferienort. Winterschlaf. Fetzen von Planen, die von Zäunen wehen.

Dann stehe ich endlich vor LEVJE. Sieht alles gut aus, von der Pier. Die Persenning bläht sich und bauscht im heftigen Nordwest, ein Brausen in den Masten. Ein paar ausgerissene Zeisinge, es muss heftig geweht haben hier die letzten Monate, die Trikolore, die ich neu im Herbst aufzog, sie ist in der Dunkelheit reduziert auf „Uno Colore“. Der Rest: verweht, vom Wind zerzaust, zerfasert, zerstoben.

Ich klettere an Bord. Fühlt sich so gut an, der gewohnte Tritt am Bug in den Bügelanker, in einem Schwung hinauf mit dem Seesack auf den Rücken in den Bugkorb, LEVJE schwingt freundlich in einer Böe nach Steuerbord. „Guten Tag.“ Mein Gesicht ein dümmliches Grinsen, ich freue mich einfach nur, als wäre es Weihnachten, wieder hier zu sein. Schnell das Steckschot geöffnet. Ich tappe im Dunkel nach unten, jedes Mal erwarte ich, im Dunkel mit den Füßen in eisiges Schwappen zu tauchen, weil ein Bordverschluss leise aufgab, im Winter. Aber alles ist trocken. Ich taste im Dunkel nach dem Hauptschalter, drehe kurz den Knochen. Licht springt an, ich habe beim Weggehen vorbereitet, dass alle Lichter gleichzeitig angehen. Mein erster Blick: Alles gut, alles trocken. Batterien so la-la. Nur die Kartoffeln in der Bilge habe Triebe bekommen, ich dachte ja im späten Dezember, gleich wär’ ich wieder da. Alles trocken. Alles gut. Freude packt mich, wieder auf meinen Boot zu sein, Freude, tief kindlich und kindisch zugleich, ich streichle LEVJEs Mastfuß, wie immer, wenn ich komme, wenn ich gehe.
Die Beziehung eines Menschen zu seinem Gefährt: Sie ist bemerkenswert immer dann, wenn es nicht um „ es Haben“, sondern um „damit etwas Machen“ geht. Natürlich handelt es sich ja alles nur um ein paar industriell gefertigter und montierter Teile, Glas, Harz, Härter, Alu und Holz, im Wesentlichen. Aber zu jedem wichtigen Gefährt hatte ich auch immer eine besondere Beziehung. Mein erstes Fahrrad, auf dem ich nach der Schule, wenn das Wetter es zuließ, jeden Nachmittag aufbrach, um irgendwo im Dorf herumzustreunen, nach Erfahrungen, Abenteuern zu suchen, hieß „Emma“. So wie die Lokomotive von Lukas in dem Buch, das ich Nachmittags auf den heißen Pflastersteinen liegend wieder und wieder verschlang. Das erste Motorrad, das den Radius deutlich vergrößerte, die „wilde Wutz“. Der kleine rote Golf. Vielleicht ist das so: Ein Gefährt wird zum Gefährten, wenn man mit ihm ganz neue Schritte ins Leben geht. Neue Wege beschreitet. Wenn man ihm neue Erfahrungen verdankt, Weite im Kopf. Und Stunden des Glücks.

Ich schaue mich unter Deck um. Die Fenster blieben im prasselnden Winterregen alle dicht. Draussen macht der Wind Geräusche wie ein dahinbrausender Zug, der sich in die Kurve neigt. Ein schrilles Pfeiffen zwischen den Wanten. Ein dumpfes Wummern vom Meer hinter der Mole. Hundertfaches Sirren und Schwirren in der Luft. Ein Rauschen und Branden, Levje, die in den Böen hin und herschwingt, dazwischen der brummende Ton einer Orgel. Levjes Mastfuß, der vibriert. Die Tausenderlei Töne, die schwächer werden, nur um gleich wieder anzuschwellen, das Sirren und Schwirren und Brummen und Pfeiffen, das über allem liegt im Dunkel. Und ich mittendrin, geborgen, behütet in der Unwirtlichkeit, in der mein kleines Schiff schwingt, während ich Wasser für einen Topf mit Penne aufsetze und mir eine der letzten griechischen Bierdosen öffne: Bin glücklich während ich im Cockpit sitze, und hinausschaue in die brausende Finsternis.

„Das Leben eines Menschen ist, was seine Gedanken daraus machen.“ Der alte Kaiser, der das schrieb, hatte recht – im Guten wie im Schlechten. Ich stelle mir vor: Wie er diese Zeile im matten Licht einer Öllampe seinem Sekretär diktierte – der alte Kaiser lebte meist im Militärlager, ein Kaiser zwar, aber im Zelt, die zwanzig Jahre seiner Regierung fast nur in widrige Grenzkriege im Norden verwickelt. „Das Leben eines Menschen ist, was seine Gedanken daraus machen.“

 
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Mehr Geschichten vom Autor von MARE PIU: 
 
 
Ein Mann verliert seinen Job.
Aber statt zu resignieren, begibt er sich einfach auf sein kleines Segelboot.
Und reist in fünf Monaten: Von München nach Antalya.
Was passiert, wenn wir unser angestammtes Leben ändern?

Demnächst Vorträge in:

            Donnerstag, 31.3.2016, 19:30 Uhr: URANIA, Berlin                                                                                     
     An der Urania 17, 10787 Berlin, Tel. 030 218 90 91
Donnerstag 7.4.2016, 19:30 Uhr: GEOBUCH, München
Rosental 6, 80331 München, Tel. 089 265030

 

Demnächst der Film in:

Sonntag 10.4.2016, 11:00 Uhr: Kino im ANDREASSTADEL, Regensburg                           
 
 
 

Start Boating – Entdecke eine neue Welt

Ende Mai beginnt die bundesweite Start-Boating-Tour – Jetzt Probefahrten buchen

Start Boating

Einsteigen, ablegen und Spaß haben. So lautet die Devise bei der bundesweiten Kampagne für den Bootssport.

Die Faszination Bootssport kann man nur live erleben. Start Boating bietet allen Interessierten die Möglichkeit, das Ruder einmal selbst in die Hand und sich mit Familie oder Freunden den Wind so richtig um die Nase wehen zu lassen.

Insgesamt 12 Boote zwischen 4 und 10 m Bootslänge stehen für die kostenlosen Testfahrten zur Verfügung. Ob Segel- oder Motorboote, ob sportlich rasant oder komfortabel, Start Boating schafft magische Momente auf dem Wasser.

Anmeldungen sind online über die Kampagnenwebsite www.start-boating.de jederzeit möglich. Bootsführerschein oder maritimes Fachwissen sind nicht erforderlich. Unsere erfahrenen Instruktoren begleiten die Gäste bei ihren ersten Bootserfahrungen und zeigen, wie einfach der Einstieg in den Bootssport ist.

Ende Mai beginnt die bundesweite Start-Boating-Tour an der Ostsee und endet Ende September am Bodensee.

Die Tour-Stationen auf einen Blick:

27.-29. Mai 2016                  Neustadt in Holstein (hanseboot ancora boat show)

18./19. Juni 2016                  Berlin/Potsdam

02./03. Juli 2016                    Warnemünde/Ostsee

13./14. August 2016             Koblenz/Rhein (Rhein in Flammen)

03./04. September 2016      Düsseldorf/Rhein

17./18. September 2016      Bremen/Weser

24./25. September 2016      Friedrichshafen/Bodensee (Interboot)

Start Boating wird durch den Bundesverband Wassersportwirtschaft e.V. (BVWW) sowie durch den Deutschen Boots- und Schiffbauer-Verband e.V. (DBSV) organisiert. Das Start Boating Journal steht zum kostenlosen Download zur Verfügung. Die ADAC Sportschifffahrt unterstützt die Kampagne und steht Interessierten mit umfassenden Informationen zu zahlreichen Revier- und Sachthemen beratend zur Seite.

Kurs Cayo Largo liegt an

Capitana, Maya und Lena sind im Landeanflug

“In 30 Minuten heben wir den Anker.“ Ich muss mich grade mal durchsetzen weil ich heute Nacht noch in Cayo Largo ankommen will. Wir müssen motoren, denn es ist kaum Wind. Die Sonne ist untergegangen, der Mond aufgegangen. Für die nächste Woche ist Sonne und gar kein Wind angesagt. Na, das passt doch zum Plan. Familienurlaub. Vier Erwachsene, vier Kinder, glasklares Wasser, Strand und Sonne, Schnorcheln und Lobster essen, den Tag Tag sein lassen…

Leuchtturmwärter Rafael hat heute ein fürstliches Mittagessen für uns gekocht. Derweilen wir essen, genießt er den Rum, den ich ihm mitgebracht habe. Rafa hat mich tief in sein Herz geschlossen. Wir erzwingen den Leuchtturm und oben angekommen merke ich, dass die Batterie meiner Kamera leer ist. Na super Wnuk. Nach dem Essen gehe ich mit Maxime schnorcheln, was sich als die beste Reha für meinen Arm herausstellt. Ohne die Schwerkraft an der Oberfläche kann ich meine Arm vorsichtig anheben, sogar nach vorne strecken, was mich sehr erleichtert und hoffen lässt in absehbarer Zeit wieder meinen Kite in den Himmel zu ziehen. Also viel Schwimmen und Schnorcheln in den nächsten zwei Wochen! Schlimm sind die Nächte, meist wache ich früh morgens mit Schmerzen auf, muss dann aufstehen und eine Runde ums Deck laufen, die Zähne zusammenbeißen anstatt Pillen zu schlucken. Es wird mir eine Lehre sein.

 


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Kofferfisch „El Loco“

Maxim im Perti Heil Fieber

“Micha? Darf ich angeln?“ Maxim steht mit cooler Sonnenbrille vor mir im Cockpit. Kann ich bei so einer schönen Sonnebrille Nein sagen? Im Regal der aktuellen Kinderkoje liegt Maya’s Angel. „Na klar. Hol mal Maya’s Angel“ Sie wird schon nichts fangen, geht mir durch den Kopf, weil filetieren muss ich den Fisch dann doch wieder und das einarmig. Geht schlecht.

Noch in der Dunkelheit kommt der Hafenmeister in Cienfuegos an Bord, um uns unsere Pässe zu bringen, um zu schauen wie viele Cubaner wir verstecken, die wir als Flüchtlinge im Storageroom mitnehmen und natürlich um einen Cafe zu trinken. Ich bin nervös. Wir legen ab mit neuer Crew. Diesmal Familie mit zwei recht jungen Kindern und ich als Einarmsegler. So ganz wohl ist mir bei der Sache nicht. Wir haben ein Wetterfenster mit kaltem Nordwind und ich erwarte ordentlich Wind draußen. 6-7bft wird es geben, murmel ich mir in die Tasche. Der Charterkai ist mal wieder voll. Die dürfen bei dem Wind nicht raus. „Wir setzen das dritte Reff im Groß.“ „sonst nix?“, schaut mich Christian an? Maren’s Augen kümmern sich jetzt schon um die Kinder. Kenn ich alles. Nur nicht… eben einarmig. Wir setzten das Segel mit der Elrekrowinsch, Chris geht in den Wind. Acht Knoten Fahrt. MARLIN eben. Es wird mehr und mehr Wind. „…und was machen wir wenn mehr Wind kommt!“ „Kommt nicht!“ Die Wellen werden immer höher, den Kindern wird schlecht und müde. Ausnahmsweise dürfen sie im Pilothaus einschlafen und ihr Seekrankheit verpennen. „Nimm eine Hand an eine Speiche des Ruderrads. Fühlst Du den Ruderdruck? Das ist die MARLIN. Jetzt leicht dagegendrücken. Da zeigt Dir das Schiff wo es hin will, bei der Besegelung.“ Christian hektische Ruderausschläge beruhigen sich. Er fängt an zu lächeln und entspannt sich. „Ah. Jetzt hat es Click gemacht.“ „O.k. Dann leg ich mich mal ne halbe Stunde hin.“ Chris und Maren reiten durch die aufgewühlte See mit 9 Knoten Richtung Leuchtturm. Alles gut.

“Rrrrrrrrrrrrr“, stehe ich mit Chris in der Küche und teile El Loco, den Kofferfisch genau mittig und längs in zwei Teile. Womit? Mit der Fein Vibrationssäge. Der Fisch hat ein komplett geschlossenes Skelett. Mit dem Messer ist da nix zu machen, außerdem will ich das pittoreske Skelett auf einem Stück Holz aufgeklebt im Salon an Wand der MARLIN haben. Grade haben wir den Längsschnitt fertig, klopft es an der Bordwand. Rafael, mein Freund der Leuchtturmwärter kommt an Bord. „Was macht ihr da?“, mit einem geübten Griff greift er in den bereits offenen Fisch und trennt das köstliche Fleisch vom Skelett und schneidet uns die Filets raus. O.k. Wieder was gelernt. Die Reste von El Loco flattern jetzt unter dem Geräteträger zum Trocknen.

Ähnlich wie Maya hat Maxim die Angel hinter das Heck der MARLIN geworfen und fünf Minuten später einen Fisch an der Angel und uns Abendessen gefangen. Gut gemacht Maxim. Danke.

 


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