Monatsarchive: November 2015

Sicherheit in Gürtelform: Neue Rettungsweste für Schwimmer und Stand-Up-Paddler

PN SECUMAR FREE 100_Motiv1_web

Im Ruhezustand kaum größer ein Gürtel, stellt die FREE 100 im Ernstfall ein Netz bzw. einen doppelten Boden dar.

Ein Netz und doppelter Boden gibt Akrobaten ein beruhigendes Gefühl – die Rettungsweste SECUMAR FREE 100 erledigt das Gleiche für Schwimmer und andere, die auf Nummer sicher gehen möchten. Denn nicht selten kommt es vor, dass sich Schwimmer im Freiwasser auf der sicheren Seite wähnen und plötzlich sind Probleme da: beispielsweise in Form eines Krampfes oder wenn die Kräfte nachlassen. Dann schlägt die Stunde der SECUMAR FREE 100. Das ist die neue Rettungsweste der 100-Newton-Auftriebsklasse, die im Ruhezustand einem etwas dickeren Gürtel ähnelt: In einer kleinen Tasche an einem Hüftgurt ist der Schwimmkörper eng zusammengefaltet. Tests haben ergeben, dass der Gürtel beim Schwimmen kaum spürbar ist. Tritt der Notfall ein, zieht der Verunglückte den Schwimmkörper aus der Tasche vor dem Oberkörper hoch und dann direkt über den Kopf. Per Handauslösung wird eine CO2-Patrone aktiviert, das Gas strömt in den Schwimmkörper, sorgt für den Auftrieb und stabilisiert Weste und Mensch.

SECUMAR FREE 100

Aufgeblasen stellt die FREE 100 eine vollwertige Rettungsweste nach DIN EN ISO 12402-4 dar.

Ab dem kommenden Frühjahr wird diese Rettungsweste im Fachhandel erhältlich sein, deren Funktionsweise auf der anderen Seite des Atlantiks schon weiter verbreitet ist. In den USA gehören Rettungswesten dieses Typs zu den beliebtesten Modellen. Während eine Rettungsweste der 150N- oder 275N-Auftriebsklasse für die meisten Wassersportarten unerlässlich ist, bietet die SECUMAR FREE 100 ein gutes Back-Up-System für leichte Anforderungen, zu denen vor allem das Schwimmen, aber auch das immer beliebter werdende SUP (Stand-Up-Paddeln oder Stehpaddeln) gehört – hier ist mit der Weste im Gürtel Sicherheit vorhanden, wobei der Oberkörper frei bleiben kann.

Seit Jahrzehnten steht das Unternehmen Bernhardt Apparatebau GmbH u. Co. für innovative Produkte. Konsequente Forschung und höchste Qualitätsansprüche haben Bernhardt Apparatebau zu einer weltweit führenden Position auf dem Gebiet der Seenotrettungsmittel und von der Technik her verwandten Produkten verholfen.

Weitere Informationen sind im Internet zu bekommen unter http://www.secumar.com, oder https://www.facebook.com/Secumar.

Bremen: Spannende Vorträge in der Segelmacherei

Nach der Saison ist vor der Saison! Und damit die Wartezeit auf die neue Saison nicht zu lang wird, lädt die Segelmacherei Beilken zu drei spannenden Vorträgen in ihr neues Loft im Herzen von Bremen ein.

Den Auftakt macht im Januar 2016 Weltumsegler, Buch-Autor und Blauwasserexperte Sönke Roever. 1200 Tage lang ist der Hamburger mit seiner Frau Judith auf einem Schiff mit nur zehn Metern Länge 35.000 Seemeilen um die Welt gesegelt. Sein Live-Vortrag steckt voller unterhaltsamer Geschichten über Land und Leute sowie das Leben an Bord und hat deutschlandweit schon mehr als 20.000 Besucher begeistert.

Einen Teil der 1200 Blauwassertage verbrachten Judith und Sönke Roever auch vor Traumkulissen in der Karibik.

Einen Teil der 1200 Blauwassertage verbrachten Judith und Sönke Roever auch vor Traumkulissen in der Karibik.

Im Februar folgt der bekannte Meteorologe Ralf Brauner vom Deutschen Wetterdienst mit einem interessanten Fachvortrag. Wetterexperte Brauner erklärt die Grundlagen des Seewetters und zeigt detailliert auf wie die Wetterinformationen von Seglern interpretiert und genutzt werden können.

Nicht weniger spannend wird es im März, wenn Weltumsegler und Extremsportler Bernd Mansholt von seiner abenteuerlichen 5000-Seemeilen-Reise an das weiße Ende der Welt – Grönland – erzählt. An Bord, zwei Männer, die sich über das Internet kennen lernten und noch nie zuvor miteinander segelten. Nach drei Monaten Sozialexperiment und vielen Stürmen, kehrt Mansholt als Einhandsegler nach Deutschland zurück. Was ist passiert? Die Antwort gibt er in seiner live kommentierten Bildershow.

und Extremsportler Bernd Mansholt von seiner abenteuerlichen 5000-Seemeilen-Reise an das weiße Ende der Welt – Grönland – erzählt.

Extremsportler Bernd Mansholt erzählt von seiner abenteuerlichen 5000-Seemeilen-Reise an das weiße Ende der Welt – Grönland.

Freuen Sie sich auf drei unvergessliche Abende, die Vorfreude auf die nächste Saison machen und keinesfalls nur etwas für Segler sind.

Fr. 15. Januar 2016 | 1200 Tage Samstag – Sönke Roever

Fr. 19. Februar 2016 | Grundlagen des Seewetters – Ralf Brauner

Fr. 11. März 2016 | Blind Date nach Grönland – Bernd Mansholt

Beginn ist jeweils 19.30 Uhr | Kartenvorbestellung unter info@blauwasser.de | Eintritt 15,- Euro

Detaillierte Informationen zu den Vorträgen unter www.blauwasser.de/termine

Festgesaugt

Festgesaugt

Morgenstimmung

Unser Logbuch verkörpert die Basis der MARLIN Zeitrechnung und der „deutschen“ Disziplin an Bord. Stündlich machen wir abwechselnd einen Eintrag mit unserer Position, unserer Geschwindigkeit, Daten über das Wetter und der Navigation. Besondere Ereignisse werden hier festgehalten. Besonders ernst nimmt Claudia diese Aufgabe, zumindest wenn sich wach und heiter ist. So hat jeder seine Aufgabe und Bestimmung an Bord.

Sieh zu, dass Du der alte bleibst, mit allen Ecken und Kanten, die manche mal stören, mal lächeln, mal wundern lassen. Hauptsache der Kern stimmt! Nette Worte die Jürgen mir über email da aus meiner Wahlheimat Schleswig Holstein schickt. Ich werde mal drüber nachdenken, oder wnukisch, eben auch nicht. Meine Crew auf jeden Fall hat keine Probleme mit mir. Sie haben alle gemerkt, dass es weit weniger stressfull ist den squall selber abzuwettern, als mich mitten in der Nacht aus meinen Träumen zu reißen. Die Stimmung an Bord ist hinreißend. MARLIN gleitet nur so dahin, wir hinterher. Jeder genießt die verbleibende Zeit auf seine eigene Weise, im Beiboot , am Steuer, schnarchend in der Koje, zur Mittagszeit treffen sich alle am großen Kirschholztisch im Saloon. Es könnte nicht besser sein. Nein, wir angeln im übrigen nicht. Der Freezer ist immer noch voll mit Thun- und anderen Fischen von den Kapverden. Überhaupt ist die ganze Versorgungslage ebenfalls entspannt. Außer dass es keine Cola mehr gibt, weil Susann meinte, daß wir genug Cola gekauft haben und diese eh alles andere als gesund ist, was wir derzeit aber nicht ändern können. Oder soll ich doch mal die Angel rauswerfen? Versuchen eine Cola zu angeln.

Emil Nolde

Nathalie schenkt mir einen kleinen Bildband Emil Noldes Malereien vom Meer. Das mich inspiriert einen Teil der Wache und dem darin liegenden Sonnenaufgang an der Reling zu verbringen. Ohne auch nur ein einziges störendes Windrad, sehe ich wahrscheinlich einen der hundertmillionen views die uns unserer Planet jeden Tag auf’s Neue schenkt und die viel zu unbeachtet einfach so an uns vorbeigehen. Warum ergreift uns alle jeder Sonnenauf- und Untergang so sehr, wenn wir uns ihm bedeutungsschwanger widmen? Vielleicht weil es unsere eigenen Leben im Zeitraffer zeigt? Wie viel Zeit zwischen Entstehung und Untergang liegt, ist dabei doch immer schon ein recht unwichtiger Bestandteil der Beschreibung gewesen. Das kann unsere Erde doch am besten. Zeitlos sein. Darstellend, wie wenig Zeit ihr doch eigentlich zu bedeuten hat.

Unser Autopilot spinnt ein bisschen. Im oberen Lager des Ruderstocks sind komische Geräusche zu hören. Wir können nicht herausfinden, warum und vor allen Dingen nicht woher die kommen. Nur, dass es sich keineswegs um ein Problem handelt, was wir akut behandeln müssen. Geht einer von uns Handsteuer, ist das Geräusch weg. Und wir gehen gerne Handruder. Auch der Alternativautopilot macht keine Geräusche. Na so was. Normal denke ich mir. In Trinidad werden wir das mal weiter in der Tiefe untersuchen und fixen.


Mitsegeln auf der MARLIN. CUBA 2016. www.marlin-expeditions.com

SV Karl – Nike Steiger GER – White Spot Pirates

CHRONOLOLGIE EINER ERFOLGREICHEN JAGT

Nike Augen
Mit einem Video begann die Jagd, um einer jungen Dame mit erstaunlich grossen Plänen, zumindest für ihre Zeit auf See zu Steuerbefreiung zu verhelfen.

Bereits in der ersten Videominute wurde klar, dass es mit diesem Justierungsfehler niemals klappen sollte, weshalb ich die folgende Mail bereits Ende 2014 verfasste: WEITERLESEN

Bergfest – Noch 999 Meilen zu segeln

20151129

Micha hat Geburtstag

Alle Jahre wieder kommt dieser Tag der sich Geburtstag nennt. Viele Jahre freut man sich darüber. Irgendwann mit vierzig oder so, nimmt die Freude dann doch schlagartig ab. Eigentlich wird man ja doch nur noch daran erinnert, dass man wieder ein Jahr älter geworden ist. Ich rede mir ein, dass man nun einen anderen Sinn darin finden sollte. „Falten sind doch auch schön.“ „Erst graue Haare machen Männer richtig interessant!“ Solche und ähnliche Sprüche schwirren mir durch den Kopf. Während ich so vor mich hin sinniere, fließt draußen der Atlantik an mir vorbei. Schönes ZuHause hab ich da, bei dem ab und an das Küchenfenster (Küchenbullauge) von der Überwasseransicht zur Unterwasseransicht wechselt, ein Fisch von Draußen nach Drinnen in den Topf schaut, welchen Kollegen es denn heute Abend auf der MARLIN zu essen gibt. Grade vom Mittagschlaf gekommen, habe ich mich schrecklich verschluckt, was mir ca. seit meinem letzten Geburtstag öfters vorkommt. Mal schauen welches Leiden dem jungen W. aus D. im kommenden Jahr zu seinem Repertoire hinzugefügt wird.

Meine Crew hat mir gleich zwei Geschenke heute gemacht. Erst einmal die 1a Geburtstagshalse am heutigen Morgen um genau 5:00, weil wir dann doch mehr Richtung New York als Karibik gesegelt sind. Dunkel und ungemütlich war es. Die Mädchen haben geschlafen und wir durften ausnahmsweise alles alleine machen. Zur Sicherheit haben wir die Genua einfach mal weggerollt und den Spinnackerbaum in aller Ruhe auf die andere Seite genommen. Der abnehmende Mond hat die fast romantische Scene auf 20 Grad N und 47 Grad West in kaltes, graues Licht gesetzt. Mit der inneren Kamera habe ich alles gefilmt, chemisch in meinem Hirn abgespeichert. Viel schöner als neumodisch digital. So bin ich grade eher drauf. Sail Fast. Live Slow. Und genau da, wo dieser Spruch herkommt, da segeln wir hin. Nach Union Island in den Grenadinen.

 

20151129a

Segeln ist geil!

Zum Zweiten, habe ich ein im doppelten Sinn schräges Frühstück bekommen. Die Tassen sind vom Tisch geflogen, es gab für jeden zwei gekochte Eier, Pfannekuchen und Obstsalat von der Gemüsefraktion. Susann hat extra für mich einen Geburtstagskuchen gebacken! Zwei Wochen ist meine Crew jetzt an Bord und inzwischen fest eingefleischt. Wir kennen alle unsere Macken und Haken, Eigenarten und Gerüche, segeln und leben friedlich über den Ozean. „Habe ich gut ausgesucht aus den dutzenden von Bewerbern, die gerne hätten mitgewollt“, sage ich mir selbst immer wieder. Zu Recht. Streit gab es noch gar nicht. Und weil Chris so ein toller Hecht ist, die Halse und alle anderen Manöver vorher so toll koordinierte, bei der Crew beliebter ist als der Alte, habe ich ihn dann berechtigter Weise beim Frühstück befördert und zum Co-Skipper ernannt. „Chris. Du hast es einfach drauf. Du bist der erste dem ich das sage bei den letzten zehn Crews, die mit mir gesegelt sind, eigentlich überhaupt.“ Chris genießt die Anerkennung und alle klopfen laut ihre Zustimmung auf MARLIN’s Holztisch dazu. Was folgt sind die Geschenke meiner Töchter und von Nathalie, die aus der fernen Heimat ihren Weg auf die MARLIN gefunden haben, aber auch die Aufmerksamkeiten meiner Crew, für die alle, ich mich an dieser Stelle noch mal herzlichst bedanke.

Jetzt haben wir es hinter uns. Das Bergfest. Heute Abend gibt es noch mal mein Lieblingsessen: Greencurry und zur Feier des Tages ein gute Flasche argentinischen Malbec’s aus den Tiefen der Bilge, den heimlichen Verstecken der MARLIN. Vor uns liegen weit weniger als 999 Meilen. Und jede 8 Minuten wird es eine Meile weniger. MARLIN fliegt über das Wasser. Majestätisch hebt sie ihren fast senkrechten Bug mit der Schnauze über die Wellen, teil sich die Woogen. Toll ist es ihr zu zusehen, mit dabei zu sein. Viel zu schnell sind wir. Ich will gar nicht ankommen. Es geht mir so gut auf See zu sein. Fast würde ich gern heimlich den Kurs ändern. Wohin? Ist doch eigentlich egal. Dahin wo kein Land ist. Geburtstagsstimmung? Vielleicht sollte ich zum Kochen schon mal einen Kochwein öffnen. Heute ist es ausnahmsweise ja erlaubt.

 


Mitsegeln auf der MARLIN. CUBA 2016.www.marlin-expeditions.com

 

Alles fließt

20151127

Richard über seine Erfahrung mit Schwerkraft und Beschleunigung.

Heraklit hat festgestellt: „Alles fließt“. Dieses Gesetz gilt zwar bestimmt auch auf der Marlin, aber hier gibt es noch ein anderes, wesentlich elementares Gesetz: Alles fliegt. Auch dieses Gesetz unterliegt den Newton‘schen Gesetzen der Schwerkraft, alles fliegt nach unten. Und zwar alles, was nicht schnell genug festgehalten werden kann oder einfach nicht richtig zurückgestellt wurde. Es gibt da verschiedene Gefahrenklassen, von fliegenden Gütern. Oberste Gefahrenklasse ist eindeutig heißes Fett und kochendes Wasser. Damit hat dann eindeutig Richard (ich selbst) den derzeitigen Rekord: Micky näherte sich in taumelnder Art der Kombüse, in der eine frisch aufgebrühte aber eben nicht justierte und freistehende Kaffeekanne mit brühend heißem Kaffee stand. Dem oben erwähnten Gesetz folgend flog dieser Kaffee über das wunderschöne CUBA T-Shirt von Micky, der damit gleichzeitig den Drucker vor ernsthaftem Schaden schützte. Sehr gefährlich sind auch Kühlschränke nach längerer Besucher-Abstinenz, man weiß nie, was einem entgegenfliegt (Chris zum Beispiel zahlreiche Eier, deren Inhalt er zwar nach Bruch noch retten konnte, die sich aber dann freundlich in der Schüssel im Kühlschrank ausschütteten). Messer gehören auch zur oberen Gefahrenklasse und werden – da regelmäßig in Gebrauch auch immer wieder gerne genommen. Aufgrund der strengen Instruktion von Sue wissen allerdings alle an Board, dass im Körper steckende Messer keinesfalls ohne Rettunssanitäterin zu entfernen sind. Dies war Teil der inoffiziellen Sicherheitsunterweisung.

Wahrhaft tollkühn ist das Zubereiten von Speisen oder auch einfach nur das Verzehren derselben. Für die Furchtsamen gibt es ein Schüsseln mit Löffel im Pilothaus, sind wir mutig, essen wir gemeinsam am Tisch. Die Einnahme der Speisen ähnelt dabei weniger einem gepflegten „Käptens-Dinner“ als einem Veitstanz oder einem modernen Balett aus den 80er Jahren. Gewichtszunahme wird also während der Überfahrt kaum ein wirklich ernstzunehmendes Problem für die Crew sein – und das obwohl das Essen vom Skipper und Micky köstlich ist, der Verzehr ist einfach so kraftraubend, dass man eigentlich eine fünfte und sechste Mahlzeit einplanen könnte.

 


Mitsegeln auf der MARLIN. CUBA 2016.www.marlin-expeditions.com

 

Bedingungsloser Horizont

20151126

Sonne, Mond und Sterne – unsere täglichen Begleiter.

Der Alltag hat uns endgültig erreicht. Die MARLIN tanzt mit der See, wir alle tanzen im Inneren der MARLIN. Miki und ich, wir teilen uns den Küchendienst. Klar, dass die Böen des Trade Winds immer dann kommen, wenn die Thunfischsteaks in der Pfanne brutzeln. Und wer am Steuer steht, wenn der Skipper kocht, der hat es schwer. Da kommt schon mal der eine oder andere ungelenkte Spruch Richtung Cockpit. Aber wenn man zusätzlich zu seinem eigenen Gewicht noch zwei Pfannen und einen Topf auf dem Herd balanzieren muss, ist das nicht unbedingt immer einfach.

Ich träume mich durch den Tag. Fühle mich wie berauscht, von der See, von der Bewegung, von der Freiheit. Mit großer Besatzung an Bord ist das gar nicht so einfach. Sue hat auf Suche nach der temporären Einsamkeit den Zufluchtsort zuerst gefunden. Nein, nicht die Badeplattform, nicht das Klo, nicht der Motorraum, sondern das Dinghy. Auf dem Vordeck festgebunden, mit dem gemütlichen Gennacker im Segelsack, bietet es den perfekten Ort um die Füße hochzulegen, die Seele baumeln zu lassen und an all das zu denken, an das was man normalerweise eben nicht denkt. Ich gebe mir heute auch mal zwei Stunden Dinghy. Nachts mit dem iPad und Skyguide ist es besonders unterhaltsam. Jetzt vermisse ich sie ja doch, meine Kinder. Aber ob die es interessieren würde beim Alten im Arm zu liegen und zu lesen was in den Sternen geschrieben ist. Wer weiß. Auch immer ein bisschen Zufall, da mache ich mir mal gar nichts vor. Die Sehnsucht ist immer am stärksten, wenn man nicht beieinander ist. Meine Sehnsucht nach 5 Grad in Flensburg hält sich stark in Grenzen. Auf die Grenadinen freue ich mich rein vom Klima her doch mehr. Im April kommt die Familie auf die MARLIN nach Kuba. Da freue ich mich sehr.

 


Mitsegeln auf der MARLIN. CUBA 2016.www.marlin-expeditions.com

 

Miki’s Target: CUBA

20151125

Gar nicht schräg

Ordentlich Wind hatten wir die letzten 24 Stunden. So langsam wissen alle wo dran sie ziehen müssen um die MARLIN ganz schön in Fahrt zu bringen, so heißt das doch. Wir ziehen jetzt alle an einem Seil. Und Schupps: Heutiges Etmal 198 Meilen. Nicht schlecht. Mit Rückenwind den Berg runter würde ich sagen. Alle sind wohlauf. Kurs Cuba liegt an.

Wir sind die Helden

20151125a

“Moment? Cuba. Kurs Cuba liegt an?“ Wir frühstücken gemeinsam am Morgen. Da sind immer alle dabei. Seit drei Tagen diskutieren wir, planen wir, verwerfen wir das nächste Segelmanöver. Die Halse. Warum? Ganz einfach: Wir segeln seit den Kapverden mit der Backbord Backe und 120 Grad zum achterlichen Wind aus 90 Grad. Dabei sind wir 2 Knoten schneller als platt vorm Wind. Mal abgesehen von der ganzen Geigerei, die wir uns ersparen, machen wir ordentlich Nord. Halt Cuba. Auch wenn wir einen Umweg von 150 Meilen segeln werden, so kommen wir im Endeffekt doch früher an, als auf dem direkten Weg. Toll. Was? Ist aber nicht auf meinem Mist gewachsen. Das Open Source Wetter Routing Programm qtVlm macht’s möglich. Ein Muss auf jeder Segelyacht. Bleibt der Wind uns erhalten und kein Bruch dazu, werden wir am 29ten eine Skipper-Geburtstags-Halse drehen. Dann kommt jetzt noch Skippers Erfahrung dazu und wir werden nach meiner Meinung am 3-4ten Dezember die Grenadinen erreichen, die letzten 50 Meilen motoren, weil der Wind schwächelt. Erwartungsgemäß 12 Tage für die Passage. So, jetzt habe ich mich aber weit aus dem Fenster gelehnt. Am Ende wird man es sehen. Tja Miki. Für Cuba musst Du dann doch noch mal wieder kommen im Mai nächsten Jahres. Vielleicht bringst Du ja Deine geliebte Rosalia mit, von der Du mir jede Nacht vorschwärmst. „Rosalia, ach Rosalia…“

 


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Mein krummer Weg in das Musikbusiness – Fernsehscherge in den 90ern


Ich möchte heute einmal nicht von Segeln oder Musikproduktion erzählen, sondern ein paar Jahre zurückgehen und etwas aus meinem Leben als Musiker berichten. Denn Mitte der 90er passierten zwei Dinge, die es mir ermöglichten meinen Traum irgendwann einmal nur von der Musik leben zu können, endlich zu verwirklichen. Da ich auch einige Fragen zu dem Thema erhalten habe, hier einmal die ganze Story.


Es ist Anfang der 90er, die Haare sind (noch) lang, der Verstand kurz und die Träume von der Musik groß, aber so richtig in Gang komme ich mit dem Thema noch nicht. Mehrere lokale Bands und einige Auftritte im Jahr, mehr läuft noch nicht. 

Das Flugzeugbau Studium läuft noch halbherzig als Notlösung nebenher, sollte es mit der Musik doch nichts werden. Fertig werden wollte ich trotz Jobangeboten irgendwie nicht, denn ich hatte Angst meinen Traum von der Musik zu verlieren und in einem Büro zu versauern. Und das Schicksal meinte es gut mit mir. Mein Praktikumssemester erledigte ich an einem Theater als Ton- und Lichttechniker. Überwiegend Komödien. Doch das Publikum blieb aus und Stück für Stück verschwand das Personal, da es nicht bezahlt werden konnte. Aber ich blieb. Denn das Praktikum war mir wichtiger als das Geld.Und so machte ich dann eben auch Vorhang, Platzanweiser, Kartenabreisser etc. Doch dann war das Ohnsorg Theater auf Gastspiel und die Kasse füllte sich wieder. Ich bekam den Lohn der letzten vier Monate und als Dankeschön für meine Treue die Aufgabe die Band für ein geplantes Musical in Eigenproduktion zusammenzustellen. Ein Hauptgewinn! Denn das Musical lief hervorragend und ich kam aus dem Dunkel der Technik in die Scheinwerfer der Bühne. Für insgesamt 6 Jahre in Folge.

Musicals
Fast zeitgleich passiert dann noch etwas: Ich bin mit meiner damaligen Freundin gerade in einen Hamburger Vorort gezogen, wo sie ein Fingernadelstudio eröffnet hat. Eine Kundin ist zufälligerweise die damalige Frau von Matthias Reim. Und zufälligerweise suchen sie für einen Videodreh einen langhaarigen Gitarristen (damals war ich eigentlich noch “Gitarrist”, bevor ich zum Bass gefunden habe). So kamen die beiden dann eines morgens gegen 1300h ungefragt bei uns vorbei um mich zu besichtigen. Ich war gerade aufgestanden (Musiker und Student!) und wusste nicht so recht wie mir geschah, und war für das Video engagiert. Damals konnte ich nicht einmal ansatzweise ahnen, das sich durch diesen Zufall mein Traum vom Berufsmusiker erfüllen würde und ich ein paar Jahre später über 100 Fernsehsendungen als Playbackmietscherge für diverse Künstler absolviert habe, ich in Musicals spiele und mit Matthias Reim eine Zeit lang auch live auf Riesenbühnen unterwegs bin. 

 


Videozusammenschnitt meiner diversen Fernseheinsätze  
Doch der Reihe nach: Ohne jeden Plan komme ich zum Videodreh in eine Bochumer Disko. Jeder kennt sich und ich fühle mich doch erst einmal recht verloren. Im Laufe des Tages wird der Titel gefühlte 200 Mal wiederholt und ich tue schön so, als würde ich richtig gut spielen können. Die Atmosphäre wird dann immer lockerer und nach den ersten Bieren komme ich so langsam mit meinen zukünftigen Kollegen ins Gespräch. Nach 2 Tagen ist dann der Dreh beendet und es geht wieder zurück ins “normale” Leben.
Noch mit langer Matte
Allerdings scheine ich der Promotiondame der Plattenfirma gefallen zu haben, denn nach Wochen meldet sie sich bei mir und fragt nach meiner Verfügbarkeit für einige TV-Shows an. Natürlich sage ich sofort zu, da die Gage stimmt und für uns alle Flüge und Hotels gebucht werden. Und schon ein paar Tage später sitze ich erst im Flieger, danach in einem Fernsehstudio und mime in meiner ersten Sendung wie Hitparade, Schlagerparade oder Musik liegt in der Luft. Ich kann mich nicht mehr erinnern. Die Aufzeichnung an sich ist entspannt, ich kenne den Titel und 3 Minute gute Laune sind auch locker drin. Ich fühle mich absolut wohl und angekommen, Lampenfieber gibt es nicht. Warum auch? Verspielen kann man sich ja nicht und wenn ich nicht von der Bühne falle, ist die Aufgabe erfüllt. Für diese 3 Minuten Sendung ist man jedoch 3 Tage unterwegs, macht 2 Probendurchläufe und eine Generalprobe mit und verbringt Stunden im Studio bzw. dessen Kantine. 

Ich komme ja noch aus der Vor MTV/VIVA Zeit und da gab es eben nur Disco, Hitparade, Formel 1, Musikladen und das wars auch schon….soll heissen, alle Vögel, die jetzt in der Kantine oder im Studio um mich herum sitzen, kenne ich irgendwie aus dem Fernsehen. Rex Gildo, Dieter Thomas Heck, Ireen Sheer, Roberto Blanco, Jürgen Drews, Dieter Bohlen und auch immer ein paar internationale Stars stehen am Buffett an, holen sich ein Bier oder hängen irgendwo ab. Und ich mittendrin krampfhaft bemüht so zu tun, als wäre das ganz alltäglich…was es ja auch bald werden sollte. An den Abenden geht es dann stets in ein Sternerestaurant und danach an die Hotelbars der Luxushotels… Kostenübernahme immer von der Plattenfirma. Und das haben wir natürlich ausgenutzt. Wir, das waren eigentlich immer die gleichen paar Mucker mit wenigen Neuzugängen. Wir kamen perfekt miteinander aus und wurden auch im “echten” Leben Freunde und sogar Band. Ich denke diese guten Vibes und unsere ansteckende Feierlaune waren auch der Grund dafür, das wir sehr oft gebucht wurden. Sowohl Künstler als Plattenfirmenleute waren einfach gerne mit uns unterwegs. Und wenn ich mir die Videos ansehe, hatten wir es auch irgendwie drauf…es passte wohl perfekt in die Zeit. 
Nun hat ja jeder Künstler immer wieder ein neues Album oder Single mit der er unterwegs ist, doch danach ist wieder eine Zeitlang Ruhe. So wurden wir dann von anderen Künstlern und deren Firmen abgeworben und ich begann meine Rotation an diversen Instrumenten. Wenn ich gefragt wurde, ob ich Schlagzeug, Saxophon, Piano oder was auch immer spielen kann, war meine Antwort immer: Ja, aber klar, natürlich!! Das bedeutete dann immer für sich alleine ein paar Tage zu proben, um so auszusehen als könnte man es wirklich. Merkt eh kein Mensch, wenn man sich ein wenig reinhängt. Die Einstellung führte natürlich zu mehr Jobs und Einnahmen, und machte mir selten Probleme. Ausnahme: Mein erster Job als Drummer für Wolfgang Petry… ums verrecken konnte ich als Schlagzeugnovize die 16tel HiHat nicht durchhalten, ohne die Sticks zu verlieren. Am Ende kam ich dann irgendwann drauf einfach 8tel zu spielen, den Unterschied sieht man im TV eh nicht. Und kaum das ich damit klar kam, klappten dann auch die 16tel, verrückt! Eine Fussmaschine für die Bassdrum gibts eh nicht im TV, alle Becken sind tot und auf den Fellen liegen dicke Gummimatten. Wichtig ist nur gut gelaunt auszusehen und die Tom-Fills draufzuhaben, denn hier gibt es manchmal Close-Ups. 
Später gab es dann aber doch einmal zwei doofe Situationen. Einmal mit Bonnie Tyler live auf einem Mega-OpenAir. Hier war zwar die Musik auch Playback aber das Drumset war komplett auf der Lautsprecheranlage. Beim ersten Tritt auf die Bassdrum wummste es aus der PA und ich wurde blass. Bevor ich aber auch nur ein Wort zur Technik sagen konnte, ging der Titel schon los. Hört euch mal Hero und Total Eclipse von Bonnie Tyler an, da war ich aber alles andere als locker mit einem Mal.


Mein zweiter FauxPas: Am Flügel mit G.G. Anderson. Tonart Eb-dur. Ich habe aber, um es mir leichter zu machen, immer in D-Dur gemimt. Die gedämmten Fernsehklaviere geben natürlich auch nie einen Mucks von sich! Vor mir war ein russischer Wunderpianist dran, danach dann gleich wir. Und natürlich war es ein echter, lauter Flügel. Das hört zwar keiner der Zuschauer zuhause, wohl aber alle im Studio und natürlich auch der Sänger. Da habe ich mich dann aber auch irgendwie durchgeschummelt und so GETAN als würde ich die Tasten wirklich drücken. 
Man wird oft nach Erlebnissen mit den Stars gefragt, oder wie der eine oder andere denn so wäre. Dazu kann man aber immer wenig sagen. Bühnenmensch und Privatmensch sind oft unterschiedlich, aber privat dann eben doch ganz normale Menschen. Und die Kontake bleiben immer auf der Oberfläche. Das größte Problem ist eigentlich das tagelange Herumhängen und warten. Das sind so 90% der Zeit, und da ist kein noch so extremer Bühnenmensch dauerhaft durchgeknallt. Im Gegenteil: Alle hängen rum wie im Wartesaal und man ist froh, wenn man endlich dran ist. Nach der Sendung wird dann meist gefeiert, und die Kollegen der Branche trinken auch gerne einen oder auch mal einen mehr. Aber alle kennen sich seit Jahren und keiner will es sich mit dem TV verscherzen. So gesehen passiert dann nicht viel mehr als bei jeder Firmenfeier. Meist wird erfolglos gebaggert und viel gelabert, mal geht der eine mit der anderen aufs Hotelzimmer, oder irgendwer kotzt in den Fahrstuhl. Das war dann aber auch schon das Extremste. Unsere Beschäftigung um die Zeit rumzukriegen war eher das Kartenspiel “Schwimmen”… das sagt doch einiges aus! Überhaupt wurde alles schnell zu einem Job, den man möglichst professionell erledigen wollte, denn ich konnte davon wirklich einige Zeit sehr gut leben!

Surreal sind dann eher diese Situationen: Mit einem Mal sitzt man neben Rex Gildo, Dieter Thomas Heck, Karel Gott, Stefan Raab, Vicky Leandros und Roberto Blanco und zieht ihnen beim Kartenspiel die D-Mark aus der Tasche. Einzig Bohlen ist immer etwas Besseres und nie mit dabei. Und Drews immer bei irgendwelchen Mädels. Und wir sind wie immer die letzten an der Hotelbar. Zum Frühstück gibt es dann statt Bier aus Gläsern einfach Bier aus Tassen.

Mir war klar, das das nicht ewig so weitergehen konnte und so kam es dann auch nach ein paar Jahren. Andere Künstler, andere Promoter und unsere Hackfressen konnte auch niemand mehr sehen, so oft wie wir dabei waren. Das Theater, in dem wir auch im Dreierteam spielten, fing uns zunächst auf. Aber auch hier war irgendwann Schluss, weil die kleinen Theater nicht mehr gegen die großen Musicalhäuser ankamen. Ich war dann noch eine zeitlang mit Matthias Reim auf Tour, diesmal als echter Musiker am Bass. Aber irgendwann kreiste auch über ihm der Pleitegeier und die Show war vorbei und ich musste mich neu orientieren. Aber das ist eine andere Story. Ich hätte ja auch etwas anständiges lernen können..

Mein krummer Weg in das Musikbusiness – Fernsehscherge in den 90ern

Ich möchte heute einmal nicht von Segeln oder Musikproduktion erzählen, sondern ein paar Jahre zurückgehen und etwas aus meinem Leben als Musiker berichten. Denn Mitte der 90er passierten zwei Dinge, die es mir ermöglichten meinen Traum irgendwann einmal nur von der Musik leben zu können, endlich zu verwirklichen. Da ich auch einige Fragen zu dem Thema erhalten habe, hier einmal die ganze Story.

Es ist Anfang der 90er, die Haare sind (noch) lang, der Verstand kurz und die Träume von der Musik groß, aber so richtig in Gang komme ich mit dem Thema noch nicht. Mehrere lokale Bands und einige Auftritte im Jahr, mehr läuft noch nicht. 
Das Flugzeugbau Studium läuft noch halbherzig als Notlösung nebenher, sollte es mit der Musik doch nichts werden. Fertig werden wollte ich trotz Jobangeboten irgendwie nicht, denn ich hatte Angst meinen Traum von der Musik zu verlieren und in einem Büro zu versauern. Und das Schicksal meinte es gut mit mir. Mein Praktikumssemester erledigte ich an einem Theater als Ton- und Lichttechniker. Überwiegend Komödien. Doch das Publikum blieb aus und Stück für Stück verschwand das Personal, da es nicht bezahlt werden konnte. Aber ich blieb. Denn das Praktikum war mir wichtiger als das Geld. Und so machte ich dann eben auch Vorhang, Platzanweiser, Kartenabreisser etc. Doch dann war das Ohnsorg Theater auf Gastspiel und die Kasse füllte sich wieder. Ich bekam den Lohn der letzten vier Monate und als Dankeschön für meine Treue die Aufgabe die Band für ein geplantes Musical in Eigenproduktion zusammenzustellen. Ein Hauptgewinn! Denn das Musical lief hervorragend und ich kam aus dem Dunkel der Technik in die Scheinwerfer der Bühne. Für insgesamt 6 Jahre in Folge.

Musicals
Fast zeitgleich passiert dann noch etwas: Ich bin mit meiner damaligen Freundin gerade in einen Hamburger Vorort gezogen, wo sie ein Fingernadelstudio eröffnet hat. Eine Kundin ist zufälligerweise die damalige Frau von Matthias Reim. Und zufälligerweise suchen sie für einen Videodreh einen langhaarigen Gitarristen (damals war ich eigentlich noch “Gitarrist”, bevor ich zum Bass gefunden habe). So kamen die beiden dann eines morgens gegen 1300h ungefragt bei uns vorbei um mich zu besichtigen. Ich war gerade aufgestanden (Musiker und Student!) und wusste nicht so recht wie mir geschah, und war für das Video engagiert. Damals konnte ich nicht einmal ansatzweise ahnen, das sich durch diesen Zufall mein Traum vom Berufsmusiker erfüllen würde und ich ein paar Jahre später über 100 Fernsehsendungen als Playbackmietscherge für diverse Künstler absolviert habe, ich in Musicals spiele und mit Matthias Reim eine Zeit lang auch live auf Riesenbühnen unterwegs bin. 

 


Videozusammenschnitt meiner diversen Fernseheinsätze  
Doch der Reihe nach: Ohne jeden Plan komme ich zum Videodreh in eine Bochumer Disko. Jeder kennt sich und ich fühle mich doch erst einmal recht verloren. Im Laufe des Tages wird der Titel gefühlte 200 Mal wiederholt und ich tue schön so, als würde ich richtig gut spielen können. Die Atmosphäre wird dann immer lockerer und nach den ersten Bieren komme ich so langsam mit meinen zukünftigen Kollegen ins Gespräch. Nach 2 Tagen ist dann der Dreh beendet und es geht wieder zurück ins “normale” Leben.
Noch mit langer Matte
Allerdings scheine ich der Promotiondame der Plattenfirma gefallen zu haben, denn nach Wochen meldet sie sich bei mir und fragt nach meiner Verfügbarkeit für einige TV-Shows an. Natürlich sage ich sofort zu, da die Gage stimmt und für uns alle Flüge und Hotels gebucht werden. Und schon ein paar Tage später sitze ich erst im Flieger, danach in einem Fernsehstudio und mime in meiner ersten Sendung wie Hitparade, Schlagerparade oder Musik liegt in der Luft. Ich kann mich nicht mehr erinnern. Die Aufzeichnung an sich ist entspannt, ich kenne den Titel und 3 Minute gute Laune sind auch locker drin. Ich fühle mich absolut wohl und angekommen, Lampenfieber gibt es nicht. Warum auch? Verspielen kann man sich ja nicht und wenn ich nicht von der Bühne falle, ist die Aufgabe erfüllt. Für diese 3 Minuten Sendung ist man jedoch 3 Tage unterwegs, macht 2 Probendurchläufe und eine Generalprobe mit und verbringt Stunden im Studio bzw. dessen Kantine. 

Ich komme ja noch aus der Vor MTV/VIVA Zeit und da gab es eben nur Disco, Hitparade, Formel 1, Musikladen und das wars auch schon….soll heissen, alle Vögel, die jetzt in der Kantine oder im Studio um mich herum sitzen, kenne ich irgendwie aus dem Fernsehen. Rex Gildo, Dieter Thomas Heck, Ireen Sheer, Roberto Blanco, Jürgen Drews, Dieter Bohlen und auch immer ein paar internationale Stars stehen am Buffett an, holen sich ein Bier oder hängen irgendwo ab. Und ich mittendrin krampfhaft bemüht so zu tun, als wäre das ganz alltäglich…was es ja auch bald werden sollte. An den Abenden geht es dann stets in ein Sternerestaurant und danach an die Hotelbars der Luxushotels… Kostenübernahme immer von der Plattenfirma. Und das haben wir natürlich ausgenutzt. Wir, das waren eigentlich immer die gleichen paar Mucker mit wenigen Neuzugängen. Wir kamen perfekt miteinander aus und wurden auch im “echten” Leben Freunde und sogar Band. Ich denke diese guten Vibes und unsere ansteckende Feierlaune waren auch der Grund dafür, das wir sehr oft gebucht wurden. Sowohl Künstler als Plattenfirmenleute waren einfach gerne mit uns unterwegs. Und wenn ich mir die Videos ansehe, hatten wir es auch irgendwie drauf…es passte wohl perfekt in die Zeit. 
Nun hat ja jeder Künstler immer wieder ein neues Album oder Single mit der er unterwegs ist, doch danach ist wieder eine Zeitlang Ruhe. So wurden wir dann von anderen Künstlern und deren Firmen abgeworben und ich begann meine Rotation an diversen Instrumenten. Wenn ich gefragt wurde, ob ich Schlagzeug, Saxophon, Piano oder was auch immer spielen kann, war meine Antwort immer: Ja, aber klar, natürlich!! Das bedeutete dann immer für sich alleine ein paar Tage zu proben, um so auszusehen als könnte man es wirklich. Merkt eh kein Mensch, wenn man sich ein wenig reinhängt. Die Einstellung führte natürlich zu mehr Jobs und Einnahmen, und machte mir selten Probleme. Ausnahme: Mein erster Job als Drummer für Wolfgang Petry… ums verrecken konnte ich als Schlagzeugnovize die 16tel HiHat nicht durchhalten, ohne die Sticks zu verlieren. Am Ende kam ich dann irgendwann drauf einfach 8tel zu spielen, den Unterschied sieht man im TV eh nicht. Und kaum das ich damit klar kam, klappten dann auch die 16tel, verrückt! Eine Fussmaschine für die Bassdrum gibts eh nicht im TV, alle Becken sind tot und auf den Fellen liegen dicke Gummimatten. Wichtig ist nur gut gelaunt auszusehen und die Tom-Fills draufzuhaben, denn hier gibt es manchmal Close-Ups. 
Später gab es dann aber doch einmal zwei doofe Situationen. Einmal mit Bonnie Tyler live auf einem Mega-OpenAir. Hier war zwar die Musik auch Playback aber das Drumset war komplett auf der Lautsprecheranlage. Beim ersten Tritt auf die Bassdrum wummste es aus der PA und ich wurde blass. Bevor ich aber auch nur ein Wort zur Technik sagen konnte, ging der Titel schon los. Hört euch mal Hero und Total Eclipse von Bonnie Tyler an, da war ich aber alles andere als locker mit einem Mal.

Mein zweiter FauxPas: Am Flügel mit G.G. Anderson. Tonart Eb-dur. Ich habe aber, um es mir leichter zu machen, immer in D-Dur gemimt. Die gedämmten Fernsehklaviere geben natürlich auch nie einen Mucks von sich! Vor mir war ein russischer Wunderpianist dran, danach dann gleich wir. Und natürlich war es ein echter, lauter Flügel. Das hört zwar keiner der Zuschauer zuhause, wohl aber alle im Studio und natürlich auch der Sänger. Da habe ich mich dann aber auch irgendwie durchgeschummelt und so GETAN als würde ich die Tasten wirklich drücken. 
 Man wird oft nach Erlebnissen mit den Stars gefragt, oder wie der eine oder andere denn so wäre. Dazu kann man aber immer wenig sagen. Bühnenmensch und Privatmensch sind oft unterschiedlich, aber privat dann eben doch ganz normale Menschen. Und die Kontake bleiben immer auf der Oberfläche. Das größte Problem ist eigentlich das tagelange Herumhängen und warten. Das sind so 90% der Zeit, und da ist kein noch so extremer Bühnenmensch dauerhaft durchgeknallt. Im Gegenteil: Alle hängen rum wie im Wartesaal und man ist froh, wenn man endlich dran ist. Nach der Sendung wird dann meist gefeiert, und die Kollegen der Branche trinken auch gerne einen oder auch mal einen mehr. Aber alle kennen sich seit Jahren und keiner will es sich mit dem TV verscherzen. So gesehen passiert dann nicht viel mehr als bei jeder Firmenfeier. Meist wird erfolglos gebaggert und viel gelabert, mal geht der eine mit der anderen aufs Hotelzimmer, oder irgendwer kotzt in den Fahrstuhl. Das war dann aber auch schon das Extremste. Unsere Beschäftigung um die Zeit rumzukriegen war eher das Kartenspiel “Schwimmen”… das sagt doch einiges aus! Überhaupt wurde alles schnell zu einem Job, den man möglichst professionell erledigen wollte, denn ich konnte davon wirklich einige Zeit sehr gut leben!

Surreal sind dann eher diese Situationen: Mit einem Mal sitzt man neben Rex Gildo, Dieter Thomas Heck, Karel Gott, Stefan Raab, Vicky Leandros und Roberto Blanco und zieht ihnen beim Kartenspiel die D-Mark aus der Tasche. Einzig Bohlen ist immer etwas Besseres und nie mit dabei. Und Drews immer bei irgendwelchen Mädels. Und wir sind wie immer die letzten an der Hotelbar. Zum Frühstück gibt es dann statt Bier aus Gläsern einfach Bier aus Tassen.

Mir war klar, das das nicht ewig so weitergehen konnte und so kam es dann auch nach ein paar Jahren. Andere Künstler, andere Promoter und unsere Hackfressen konnte auch niemand mehr sehen, so oft wie wir dabei waren. Das Theater, in dem wir auch im Dreierteam spielten, fing uns zunächst auf. Aber auch hier war irgendwann Schluss, weil die kleinen Theater nicht mehr gegen die großen Musicalhäuser ankamen. Ich war dann noch eine zeitlang mit Matthias Reim auf Tour, diesmal als echter Musiker am Bass. Aber irgendwann kreiste auch über ihm der Pleitegeier und die Show war vorbei und ich musste mich neu orientieren. Aber das ist eine andere Story. Ich hätte ja auch etwas anständiges lernen können..

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Susann beim Haifischfang

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Meine Atlantik Truppe und ich

Ich bin grade davon wach geworden, dass seit Stunden der Baumniederholer gegen sein Führungsrohr knallt, wenn eine besonders hohe Welle unter der MARLIN durchgeht. „Ich weiß nicht wo das Geräusch herkommt“, meint Chris lethargisch. Claudia nickt energisch dazu. Die beiden haben sich bestimmt schon seit zwei Stunden auf’s intensivste darüber unterhalten, wer alle 10 Minuten mit ner Brechstange aufs Vordeck haut. Da stapfe ich in Unterhose, Rettungsweste und AVN Messerschnittsohlen bei Vollmond aufs Vordeck, fluche laut und unverhohlen, kläre den Kicker – Rundumblick – und den gleichen Weg mit unterschiedlichen Flüchen wieder zurück. Wieder ins Bett. Aber da kann ich jetzt nicht mehr schlafen. Dann schreibe ich jetzt eben Logbuchbericht.

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Das sind sie. Alle zusammen. Chris, Claudia, Miki, Susann und Richard. Alle bester Laune, satt und motiviert. Es wird viel gelacht, gewitzelt und alle können beides: Austeilen und Einstecken von Sprüchen. Das gefällt mir, wenn man nicht immer aufpassen muss, was ich von mir gebe. Meiner Crew gefällt es, dass sie nicht immer aufpassen müssen, was sie zum Skipper sagen. Grins. Man muss da ja immer aufpassen. Nicht dass ich im Beiboot lande und nach Timor segeln muss. War doch Cook der in Timor anlandete. Oder? Kann ich grade nicht googeln.

Ich wollte ja eigentlich nen Photo von Claudia & Susan, entspannt mit Sonnenbrillen und Schirmchendrink, sich auf dem Vordeck rekelnd. „Du hast ja nicht alle Tassen im Schrank. In die Schublade lass ich mich nicht reinpressen. Hast Du denn schon geschrieben, dass Claudia und ich hier diejenigen sind, die die ganze Segelei zu allererst ernst nehmen?“ Man sieht: Ich habe es nicht einfach. Und mit Susann schon mal gar nicht. Wieder Grins. Diesmal: Breites Grinsen. „Auf der Badeplattform, da will ich ein Photo von mir. Das ist cool.“ Ich erzähle Susann jetzt nicht dass die weißen Megahaie dadrauf konditioniert sind, hinter den Schiffen herzuschwimmen und zu warten bis organische Küchenabfälle verklappt werden. Nachher glaubt sie mir das noch.

Bisschen was Seglerisches: Abstand zu den Kapverden bereits 531 Meilen. Abstand zum Ziel nur noch 1624 Meilen. Letztes Etmal über Grund 176 Meilen.

 


Mitsegeln auf der MARLIN.www.marlin-expeditions.com