Monatsarchive: Januar 2015

Abschlusspressemeldung: Die boot Düsseldorf bleibt ein sicherer Hafen

Erwartungen der Branche erfüllt / 240.200 Besucher sorgten für gute Stimmung in den Messehallen / Überdurchschnittlich viele Gäste aus dem Ausland

Die ADAC Sportschifffahrt präsentiert sich auf der boot wie gewohnt in der Halle 14, Stand A 65.

Die Leistungen der ADAC Sportschifffahrt waren auf der boot 2015 wieder sehr gefragt.

Die boot Düsseldorf bleibt ein sicherer Hafen für die internationale Boots- und Wassersportwirtschaft: Die weltgrößte Boots- und Wassersportmesse, die am Sonntag, 25. Januar, nach neun Tagen endete, hat die Erwartungen ihrer Aussteller in weiten Teilen der Angebotspalette erfüllt. 240.200 Boots- und Wassersportler aus rund 60 Ländern reisten nach Düsseldorf, um sich in 17 Messehallen bei 1.741 Ausstellern aus 57 Ländern über Bootspremieren, neue Wassersportgeräte, Ausrüstungen und maritime Dienstleistungen zu informieren. Zum Vergleich: 2014 kamen 248.600 Besucher zur boot.

„Wir sind mit dem Messeverlauf zufrieden, auch wenn wir an das Spitzenergebnis des Vorjahres nicht anknüpfen konnten. Das Winterwetter am traditionell besucherstärksten zweiten Samstag hielt viele Gäste vom Messebesuch ab. Hinzu kamen geringfügige Verluste an einigen Wochentagen. An der Gesamtbewertung der Messe und ihrer Position in der Messelandschaft ändert das nichts: Mit traditionell weit über 200.000 hochkarätigen Besuchern im kaufkraftstärksten Raum Europas bleibt die boot Düsseldorf ein Garant für gute Kontakte und Geschäfte und ein verlässlicher Marktplatz für die Boots- und Wassersportbranchen“, so Werner Matthias Dornscheidt, Vorsitzender der Geschäftsführung der Messe Düsseldorf. „Das Programm „360° Wassersport erleben“ greift nachhaltig. Die 20 Erlebnis- und Themenwelten wurden hervorragend besucht. Fast 25 Prozent der Besucher, vor allem Familien und wassersportinteressierte Jugendliche, nutzten die Angebote, Wassersport unter Hallendächern zu erleben und sich über die verschiedenen Disziplinen zu informieren. Wir leisten damit einen wichtigen Beitrag für die Zukunft der Branche.“

Auch Jürgen Tracht, Geschäftsführer des Bundesverbandes Wassersportwirtschaft (BVWW), Köln, bewertet die boot 2015 positiv. „Die große Zahl an Bootspremieren und Neuheiten haben ihre Wirkung nicht verfehlt. Die Boots- und Yachtkäufer aus dem In- und Ausland honorierten die innovativen Bootskonzepte in allen Größen und Klassen. Die Aussteller konnten sich an allen Messetagen über gut besuchte Stände mit Käufern und vielen Kaufinteressierten freuen, die gezielt Angebote einholten.“

Das Segelboot oder die Segelyacht ist nach wie vor des boot-Besuchers Liebling: Fast die Hälfte interessierte sich für den Bootssport unter Segeln. Knapp jeder Dritte wollte sich über Motorboote informieren. Das gilt auch für Bootsausrüstungen und Zubehör. Bei mehr als jedem vierten Besucher standen Tauchreisen und Tauchausrüstungen auf dem Einkaufszettel. Jeden Fünften zog es in die Reisewelten in den Hallen 13 und 14.

Sehr erfreulich entwickelt sich der Auslandsbesuch. Weit über 50.000 internationale Gäste reisten in diesem Jahr zur boot an den Rhein. Jeder Dritte kam aus dem Süden, Osten und Norden Deutschlands.

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Der richtige Umgang mit Rettungsmitteln wurde bei der ADAC Sicherheitsshow demonstriert. Foto: Constanze Tillmann

Nach Angaben von BVWW-Geschäftsführer Jürgen Tracht liegt das Neuboot-Geschäft auf dem guten Vorjahresniveau. Dies treffe sowohl für Motorboote als auch für den Markt rund um Segelyachten und Segelboote zu. In manchen Segmenten seien auch Zuwächse zu verzeichnen. „Die Nachfrage nach großen Yachten zieht wieder an. Die Branche konnte auf der Messe vielversprechende, internationale Kontakte knüpfen und hat gut verkauft. Viel Dynamik liegt auch im Segment am anderen Ende der Skala: Das Interesse an Kleinbooten wird deutlich von der Regelung beflügelt, dass Boote bis 15 PS führerscheinfrei gefahren werden dürfen.“Die 20 Erlebniswelten der boot 2015 trafen mit ihren Mitmachangeboten, Gästen und Informationsprogrammen den Nerv der Besucher. Die Renner in diesem Jahr: das Segel Center mit seinen Weltenbummlern und Stars aus dem Leistungssport sowie das Tauchsport Center mit dem Schnuppertauchbecken. Hoch im Kurs standen auch das Motorboot Center, die Urlaubswelt und die Beach World als Treffpunkt für junge Wassersportler. Die an den Wochenenden vom ADAC und AWN durchgeführte Sicherheitsshow fand dabei auch erfreulichen Zuspruch.

Die Anbieter von hochwertigen Bootsausrüstungen und Zubehör profitieren von der demografischen Entwicklung. Ihre Umsätze überschreiten das Vorjahresniveau deutlich. Viele Bootseigner jenseits der Lebensmitte ziehen die Aufwertung ihres Bootes dem Kauf eines Neubootes vor. Sie investieren gutes Geld in hochwertige Komfortausrüstungen wie Bord- und Unterhaltungselektronik, Kochgeräte sowie Kühl- und Klimatechnik für ihr „zweites Heim“.

Den Herstellern von Tauchsportausrüstungen verschaffte die boot 2015 eine Atempause. Gute Umsätze im Handel und eine exzellent besuchte Tauchsporthalle dokumentierten, dass das Interesse am Tauchsport nach wie vor groß ist. Das macht der Branche Mut. Sie muss aufgrund der schwierigen politischen Lage in Ägypten, dem wichtigsten Tauchrevier für Einsteiger, jedoch seit Jahren empfindliche Umsatzeinbußen hinnehmen.

Der Chartermarkt verzeichnet gute Vorbuchungen für die Wassersportsaison 2015. Nach einem norddeutschen Sommer 2014 mit Sonne satt sind besonders die führerscheinfreien Charterscheinreviere im deutschen Binnenbereich und die Ostsee stark gefragt. International hoch im Kurs steht das Mittelmeer, vor allem das beliebte Charterrevier Kroatien und Griechenland, das mit einem guten Preis-Leistungs-Verhältnis punkten kann.

Auf Anhieb erfolgreich: das neue Thema Kreuzfahrten. Im Cruise Pavilion in der Halle 14 informierten sich den repräsentativen Besucherbefragungen zufolge rund 14.000 Besucher über die Möglichkeiten, Ferien auf den Decks internationaler Cruiser zu erleben. Die Erwartungen der beteiligten Reedereien wurden deutlich übertroffen.

In der Gesamtwertung heimste die boot 2015 wieder Top-Noten ein: Laut den ersten Befragungen sahen 98 Prozent der Besucher ihre Erwartungen erfüllt.

Die nächste boot Düsseldorf findet vom 23. bis 31. Januar 2016 statt.

Windpilot USA – eine ganz besondere Geschichte

Liberty med KopieIM LAND DER UNBEGRENZTEN ELLENBOGEN
In der Neuen Welt gehen die Uhren – und die Menschen – diagonal entgegengesetzt proportional verkehrt – also exakt wie in unserer Alten Welt – nur eben einige Stunden zeitverschoben – weshalb sich mancher dort besser aufgehoben, weil er zumindest glaubt, in Sun Shine States, seine Knete hipper zu verdienen, oder auf fremder Leute Rücken, das eigenes Leben ein wenig besser zu überbrücken. Oder anders rum: Wer in der alten Welt nicht mehr zu Potte kommt, oder wem hier vielleicht der Boden zu heiss geworden, der findet nur wenige Flugstunden entfernt, ein von ihm bis dato unbelastetes Terrain, auf dem er seine Ellenbogen dann erneut ausprobieren kann. WEITERLESEN

Pedal the world – geht sogar in 365 Tagen

SV Muoza – Gerlinde Sailer + Gunther Redondo AT

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Was macht man mit all den Kenntnissen, die man im Beruf, in Ausbildungen, im Leben erworben hat? Wie geht man mit dem Bedürfnis um, einen Schritt weiter zu gehen, seine Lebenserfahrung zu vertiefen, über das klassische Berufsleben hinaus anzuwenden? Das Büro mit der Welt zu tauschen? 2001 entdeckten Gerlinde und Gunther während einer Auszeit in Australien das Segeln. Seither hält sie das Thema in ihrem Bann.

Klar zur JungfernfahrtEs kommt wie es kommen muss: Interesse wird zu einer Idee, wird zu einem Entschluss, wird zur Umsetzung, wird Wirklichkeit. Ein handliches, seetüchtiges und für weite Reisen ausgestattetes Segelboot wird angeschafft und bezogen. Die Reise ist jetzt. WEITERLESEN

Warten auf den Absprung

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Über einen Monat ist es nun her, dass wir auf Madeira angekommen sind. “Maverick” ruckelt schon ordentlich an den Leinen, weil sie weiter möchte und auch wir können es kaum erwarten, den Absprung über den Atlantik zu machen. Wir hatten ja auch schon Wasser und etliche Lebensmittel gebunkert, schließlich wollte Johannes nur noch die YACHT-Geschichte fertig schreiben, die letzten Anpassungen sollten am Boot vorgenommen werden und dann: Tschüß Europa!

Die letzte Woche über hat Johannes aber leider krank in der Koje verbracht. Auf Madeira scheint gerade eine Grippe-Epidemie zu herrschen, wie dieses Journal berichtet (übrigens ist bei Min. 07:05 auch “Maverick” zu sehen). Und weil Johannes Madeira so mag, hat er diesen Trend gleich mitgemacht. Mit Fieber und Schüttelfrost war an Arbeiten nicht zu denken. Mittlerweile ist er auf dem Weg der Besserung und hat auch schon die ersten Seiten tippen können, aber er soll sich erstmal auskurieren, bis wir an die Weiterfahrt überhaupt nur denken.

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Um mich abzulenken, habe ich uns an einem Nachmittag mit ein paar Töpfen Farbe und unzureichendem Pinselequipment auf der Hafenmauer verewigt. In Funchal und in weiteren Häfen hinterlassen viele durchreisende Segler ein Bild, das bezeugt, dass sie tatsächlich da waren. Wir finden es beide sehr schade, dass Johannes 2005 kein Bild gemalt hat, damals war ihm solch sentimentaler Kram wohl nicht so wichtig ; ) Dabei ist es unheimlich spannend zu sehen, wer hier schon alles gelegen hat, bekannte und unbekannte Namen präsentieren sich uns auf der langen Kaimauer. Manche Bilder sind älter als wir, sie wurden in den frühen 80er Jahren gemalt und haben über dreißig Jahren Wind und Wetter getrotzt. Ob unser Bild auch so lange hält?

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Zur Zeit peilen wir die Abfahrt für das Ende der kommenden Woche an. Ob wir das einhalten können, hängt vordergründig davon ab, wie schnell Johannes gesund wird.

Cati

Der große Traum vom neuen Boot. Oder: Auf der BOOT in Düsseldorf.

Schön, aber nicht unbedingt jedermanns Traum: Die BOOT wartet mit allerhand Superlativen auf. Im Folgenden ein Artikel über einige dort sichtbaren Superlative.
„Das erste baut man für seinen Feind.
Das zweite baut man für seinen Freund.
Das dritte baut man für sich selber.“
Jeder, der einmal ein Haus gebaut oder eine Wohnung selber renoviert hat, kennt diese kluge Weisheit. Oft denke ich: Vielleicht gilt für das eigene Boot das gleiche? Denn auch wenn ich LEVJE, mein derzeitiges Schiff, sehr liebe, heißt „ein eigenes Boot besitzen“ immer: Im Kopf schon am nächsten Boot arbeiten. Ob man glücklich ist mit seinem Boot oder nicht: Es gibt immer ein „Danach.“ Ein „Das-wird-dann-aber…“, das noch perfekter ist. Größer, natürlich. Und schneller. Nicht so schuckelig durch die Hacksee geht. Und… und … und.
Das Behältnis der Wünsche, die wir mit dem nächsten Boot verbinden, es ist unendlich groß. Was mich umtreibt, ist: ein Boot, um drauf zu leben. Sechs, sieben Monate im Jahr. Im Sommer, um behaglich draußen zu sein. Mit langen Cockpit-Bänken, um die Zeit gemütlich in Buchten zu verbringen, einfach arbeiten, gemütlich lesen, schreiben zu können. Und auf langen Segelschlägen komfortabel zu reisen. Im Winter gemütlich zum Drauf-Sein und trotzdem Erleben, was Draußen vor sich geht. Auch während dreier Tage türkischen Küstenregens mit 40mm Niederschlag pro 3h, wie die vergangene Woche. Oder in der Adria an Weihnachtstagen, an denen man sich bis Punkt vier im T-Shirt in der Sonne räkelt. Und sich dann, wenn die Sonne sinkt, ebenso schlagartig ins Innere seines Gehäuses zurückzieht, auf einen Tee oder was immer. Ein Boot, das zuverlässig und sicher draußen auf dem Meer ist. Und im Winter komfortabel.
Der Zaubertrank heißt: Vom nächsten Boot träumen. Das tut der Segler im Winter. Wenn er abends durch den Hafen schlendert. Und andere Boote ankuckt. Durchs Winterlager streift und schätzend Kielformen, Faltpropeller, Skeg-Konstruktionen betrachtet. Über Bootsmessen schlendert und zumindest einmal, einmal: auf jedem Wunschkandidaten drauf steht. Drin steht. Einmal drinnen durch geht, von vorn nach hinten. Und sich einmal den Kopf anhaut.
Der Traum vom nächsten Boot. Das ist auch der Stoff, aus dem man erfolgreiche Messen schneidert.
Also: mache auch ich mich auf den Weg zur BOOT nach Düsseldorf. Und die empfängt mich mit allerhand Superlativen. „Die weltgröße…“. „Die meisten…“. „Die weltweit größte…“, klären Moderator und Moderateuse erst einmal minutenlang beim erhofften Vortrag über „Navigation per Tablett“ auf, um dann nach Minuten die erste Frage zum Thema abzufeuern: „Segeln Sie denn mit Ipad oder Android?“ Hmpf.
Tatsächlich bietet die BOOT eine Menge Superlative: In den Hallen stehen unglaublich viele Boote herum. An Superlativen findet man:
Die schönsten Kurven.
 

 

Und die vor allem in der Klasse zwischen 22 und 30 Fuß. Hübsch anzusehen sind sie ja, fast alle. Das Segment der Binnensegler hat wahrhaft aufgerüstet: Optisch. Leistungsmäßig. Und auch verbal: „Daysailer“ heißen sie heute: Wunderschöne Teile, die hier herumstehen. 35-Fuß lange Unvernunft in ihrer bezauberndsten Form, um den Tag auf dem See abzuhängen. In diesem Segment hat sich schon wahrhaft viel getan, denkt man an die einstigen „Kartoffelsuppen-Kreuzer“ und „Brotzeit-Schifferl“ der Siebziger Jahre. Damals, als nicht nur Autos, sondern auch Boote noch „die Familie“ als Zielgruppe anvisierten, als Autos und Boote noch für Familien konzipiert und gebaut wurden und nicht als „Dienstwagen“ fürs morgendliche „Dienstwagen-Race“ auf dem Büro-Zubringer. „Daysailer“: ein schmuckes Segment. Aber wer kauft das? Oder ist „Daysailer“ die Antwort auf einen von schönen Gebrauchtbooten blockierten Markt? In dem nur mit ästhetischen Stimuli, mit „Ferrari-Effekten“ neue Käufer zu finden sind?

 

Der zäheste vom „Eigenen-Boot-Träumer“.
Mit einem Superlativ ganz anderer Art in der Klasse 22-30 Fuß wartet Digger mit seinem BENTE-Projekt auf: Ihn trieb die Suche nach dem, was „danach“ kommt beim Thema „Mein-ideales-Schiff-zum-drauf-Leben-ist-ein-kleines-Schiff“, sein Boot selbst zu konstruieren. Was auf der HANSEBOOT an Digger’s Messestand noch in Sperrholz im Entwurfstadium herumstand, hat jetzt Form angenommen. Der Wunsch, das ideale Boot zu finden, steht jetzt in GFK vor uns. Sieht verdammt schnell aus. Chapeau, Digger, für den Superlativ „der Zäheste“, was Durchhalte-Vermögen beim Traum vom eigenen Boot angeht.

 

Die allerneuesten Lärmendsten.
Superlative ganz anderer Art sind auch in Düsseldorf versammelt: die allerneuesten und lärmendsten Gizmos sind zu besichtigen, bevor sie uns im kommenden Sommer in den Buchten erfreuen werden. Ich habe mich im Sommer immer gefragt, welche Erdspalte sie wohl ausspuckt, all die Parasailer-Gizmo’s und lärmenden „Banana-Boats“. Jetzt weiß ichs. Die Erdspalte ist in Düsseldorf. An neuen lärmenden Superlativ-Gizmo’s hätten wir anzubieten:
Ein „Alien-Dings“, mit dem man – nebst Partnerin – fünf Meter am Gartenschlauch überm Meer schweben kann. Eine Art auf-den-Rücken-geschnallter Laubbläser, der den Nutzer der Schwerkraft entbindet. Man kann damit wie ein Ungeheuer von unter Wasser auftauchen. Und sich wie ein Käfer an langem Schlauch in die Luft erheben. Schaurig. Laut.

 

„Le dernier cri“ auf dem Banana-Boat-Sektor ist dieses „Dingsda“, das aussieht wie der stählerne Wurfstern eines Samurai. Ab nächstem Sommer zieht es gelangweilt Kreischende durch die Bucht. Er wird schön, der nächste Sommer.
Und mein Traum?
Und wie sieht es mit dem aus, was mich hierher trieb, auf die Messe? Ein Boot zum Drauf-Leben zwischen 31 und 37 Fuß? Mit meinen einfach 4 Regeln, die ich in einem früheren Beitrag zur HANSEBOOT formulierte? Stehhöhe? Lange Salonbänke? Lange Cockpitbänke? In den Wellen stabil? Im Hafen gemütlich wie eine Wohnung?
Zwischen 31 und 37 Fuß ist nicht soooo viel zu sehen in Düsseldorf. Die Hersteller frönen hier der Superlative, einem „The bigger the better.“ 58 Fuß-Yachten sind zu sehen, von Serien-Herstellern. Und die zeigen auch gleich 64-Fuß-Yachten und 82-Fuß-Yachten. Ist denn der Markt dafür so groß? Am Stand eines italienischen Segelyacht-Herstellers, den wir alle kennen und lieben für seine schönen und schnellen Schiffe in der über 40-Fuß-Klasse, und der tatsächlich mit Superlativ-guten Ideen beim Innendesign seiner Yachten aufwartet, komme ich der Wahrheit näher: „We had a very good show here in Dusseldorf“, sagt der Verkäufer, „we had so many interested sailors from Spain and Israel here, but unfortunately not from Germany.“
Aha.
„The Bigger, the better“ gilt also nur „for the happy Few“. Und die kommen derzeit nicht aus Germany.
Auf der Suche nach meinem Schiff zum „Drauf-Leben“, idealerweise zwischen 33 und 37 Fuß, gerate ich Düsseldorf auch an interessante Konzepte. An die eine oder andere Center-Cockpit-Yacht, auf der ich dann zum x-ten mal stehe. Auf einer HALLBERG-RASSY 40, zum Beispiel, der man aber unter Deck anmerkt, dass sie „von Außen nach Innen“ konstruiert ist – mit entsprechenden Schwachstellen im Innenraum.
Den konstruktiv genau anderen Weg – „von Innen nach Außen“ – ging SIRIUS, Werftbauer aus Plön. Leider auch nur mit größtmöglicher YACHT auf der Messe, einer 40er mit sechs Kojen und (!) eigenem (!!) Werkstatt-Raum (!!!). Das ist natürlich zu groß. Ich will allein drauf Leben. Und zu zweit. Gelegentlich zu Dritt. Aber als Konzept: Klasse.
Interessant natürlich auch das SENSE-Konzept von BENETEAU, das ich seit einigen Jahren verfolge. Aber in Düsseldorf liefert BENETEAU einen Superlativ der anderen Art ab, der mit der „Marketing-Zitrone der Messe“ für Kunden-größtmöglich-vor-den-Kopf-stoßendes Marketing prämiert werden sollte. Auf die BENETEAUs am Stand darf jeder, wie er will. Auf die ausgestellte SENSE darf nur, wen die Hostessen nach Vorlage seiner Visitenkarte & Registrierung & Gesichtsprüfung auch drauflassen. Lead-Generierung a-la Hau-drauf. Die SENSE, ein Boot zum „Drauf-Leben“? Verkauft mit KEMPINSKI- und HYATT-„For-the-happy-Few“-Effekt? Autsch.
Und so läßt mich denn die „Messe der Superlative“ etwas ratlos zurück, was meinen Traum angeht vom idealen Boot, um drauf zu leben. Aber vielleicht gehört ja auch das zum Spiel. Und macht die Schönheit des Lebens aus: Einen Traum zu haben ist das Wichtige. DAS ist das Elexier. Und vor allem: das MACHEN.
Die Beeindruckendsten.
Einen Superlativ aber liefert mir die Messe dann doch. Zum „Boot-Kucken“ komme ich ja nur in den Gesprächspausen. Denn die Messe ist angefüllt mit Gesprächen. Mit Vertriebspartnern. Mit Autoren unseres ersten Buchprojektes GEWITTERSEGELN, denen wir Konzept und Layout unseres Buches, das im März erscheinen wird, vorstellen. Und ein ums andere Mal, bin ich beeindruckt von den Leuten, die ich zum ersten Mal kennenlerne und die uns ihre Beiträge, ihre Geschichten für das Buch zur Verfügung stellen. Keiner von den „Happy-Few“. Aber alles SeglerInnen mit großer Leidenschaft für Boot und Segeln. Was mich an diesen Leuten beeindruckt, ist ihre Offenheit, der Schalk, der aus den Augen von Conny und Kim blitzt. Die Entschlossenheit von Marc, der nach überstandener schwerer Tumor-Erkrankung seine nächsten Jahre anderen an Krebs Erkrankten schenken und mit Ihnen segeln gehen wird. Die Abgeklärtheit von Reinhardt oder die Leidenschaft von Ursula. Der Humor von Dirk. Claus, der das Meer irgendwie als Musik betrachtet – und er eine Note darin. Oder Peter mit seiner Geschichte, dass er nie aufs Wasser durfte im „anderen“ Deutschland, aus politischen Gründen. Und Last but not least Christopher, der bei aller Racing-Euphorie so ruhig und zurückhaltend war.
Ihnen – nicht den Düsseldorfer Superlativen – sei dieser Post gewidmet.

Skipper arbeiten ohne Grenzen!

ADAC Sportschifffahrt unterstützt den Start des neuen Projekts TRECVET Core Curriculum

Auch Skipper sollen künftig grenzenlos tätig werden können.

Auch Skipper sollen künftig grenzenlos tätig werden können.

Es gibt zwar einen einheitlichen Binnenmarkt und stark vereinfachte Verwaltungsverfahren für EU-Bürger, damit diese überall in Europa leben und studieren können, doch werden bestimmte berufliche Qualifikationen von verschiedenen Mitgliedsstaaten immer noch nicht anerkannt.

Ein neues von der EU gefördertes Projekt, dessen Auftaktveranstaltung am 13./14. November 2014 in Palma de Mallorca stattfand, befasst sich mit der eingeschränkten Mobilität von Berufsskippern auf kommerziell genutzten Freizeityachten innerhalb der Europäischen Union. Deutscher Projektpartner ist der Bundesverband Wassersportwirtschaft, die ADAC Sportschifffahrt unterstützt das Projekt tatkräftig.

Die Initiative mit der Bezeichnung TCC-SCV (TRECVET Core Curriculum for Skippers of Small Commercial Vessels) wird von 10 Partnern aus den 9 Ländern Belgien, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Kroatien, Rumänien, Slowakei, Spanien und Tschechische Republik durchgeführt.

Innerhalb des TCC-SCV wird das Datenbankprogramm (Comparison Tool), das 2011 im Rahmen des ersten TRECVET Projekts entwickelt wurde, auf 6 Qualifikationen aus Deutschland, Frankreich, Kroatien, Großbritannien, Slowenien und Spanien erweitert. Mit dieser Software (die ähnliche Qualifikationen aus verschiedenen Ländern klar und objektiv gegenüberstellt) werden auch Informationen über die Gemeinsamkeiten und Unterschiede aller 6 Qualifikationen herausgearbeitet. Diese Daten werden an die Seeschifffahrtsbehörden in der Tschechischen Republik und Rumänien weitergegeben, die zurzeit den entsprechenden Rechtsrahmen für diesen Berufszweig erstellen.

Die vom TCC-SCV Projekt durchgeführte detaillierte Analyse der grundlegenden Elemente des theoretischen und praktischen Ausbildungsumfangs der jeweiligen nationalen Qualifikationen wird den Seeschifffahrtsbehörden die erforderlichen Informationen liefern, um andere nationale Qualifikationen zu verstehen. In einem nächsten Schritt wird das Konsortium diese Angaben nutzen, um ein Europäisches Kerncurriculum für die Qualifikation eines Berufsskippers vorzuschlagen.

Die Software und die Projektergebnisse werden auf der Abschlusskonferenz des Projekts im Juni 2016 in Brüssel (Belgien) den EU-Institutionen, nationalen Seeschifffahrtsbehörden, Ausbildungseinrichtungen, Berufskapitänen und -skippern sowie Industrieverbänden vorgestellt.

Weitere Informationen über das Projekt unter: www.tcc-scv.eu und in den sozialen Netzwerken: LinkedInTwitterFacebook

Wharram Pahi 42 – for sale – zu verkaufen € 48.000,–

mahinepahidesign1DAS BESONDERE ANGEBOT
SV Mahuini ist nach 12 Jahre Singlehand Weltumsegelung zu verkaufen. Deutscher Eigner Ingo Baumann übergibt sein Schiff seeklar für weitere Langtörns in jedem beliebigen Hafen in Europa. Derzeit noch in der Karibik, wird das Schiff im Frühjahr 2015 nach Europa überführt.

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Die Spezifikation:
MAHUINI was built 1995-1998 with the best materials (all invoices available) and to a very high standard. The present owner has sailed her for 12 years and has just finished a singlehanded circumnavigation.
MAHUINI is optimized for a small crew or singlehanded sailing. This includes some slight modifications to the plans: a conventional rig for easy handling, less bunks and more comfortable living space, there is even a desk with a comfortable office chair. With little effort you can bring her back to the plans, then she is great for cruising with family. For outside living in warm climate there are 2 large cockpits under a Bimini of 10 sqm/110sqft. I had the command pod when I bought her – and never missed it after removal, but I would miss my huge cockpit every day, for safe reefing, meeting friends, laying in the hammock, gymnastics, sleeping under the stars…
MAHUINI is in absolutely sound condition, well maintained and “ready to go” immediately. Sails and outboards are from 2012.

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2x Mainsail (1998 and 2012), Lazybag (2014)
3xGenoa (1998, 2006 and 2012), roller reefing
2xStaysail (1998, 2012), roller furling
1xYankee (1998) on additional forestay
2x YAMAHA 15hp 4 stroke with high thrust props, electric starters and remote control
Hydraulic steering, Windpilot wind steering, electric autopilot (Autohelm)
Electric anchor windlass and 2 anchors (CQR and Bruce) with chain/rope
Fresh water tankage 270 l, black water tankage 45l, fuel tankage 200 l.
8x55AH AGM Batteries (2011), 4x85W solar panels, 2KW inverter (230V), towing generator
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Compass, Log, depth sounder, GPS, navigation software and worldwide charts on a laptop
1x double bunk, 1x double bunk (convertible), 2 bunks presently used as stowage
All windows (Lewmar) opening
Large well insulated fridge with water cooled Danfoss compressor
Asking price: 48,000 EURO, building plans included.
MAHUINI is German registered (European VAT paid) and available for inspection in the Caribbean until April 2015 and in South West England from July 2015. Delivery possible to any other place in Europe or the US east coast after purchase.
Please write an email to for additional information or more photos.
Informationen direkt beim Eigner Ingo Baumann: i.baumann@gmx.net

Unser Buch „Unter Segeln zu Hause“ ist erschienen

Meilenstein erreicht. Kauf mich – Ich bin ein tolles Buch

“Das war ja ein toller Vortrag! Durch die Gänge vor dem YACHT-Stand ist am Sonntag morgen kaum noch einer durchgekommen“, unser befreundeter Autor Nils lacht über beide Mundwinkel. „Toll habt ihr das gemacht.“ Er ist nicht der Einzige, der uns am letzten Wochenende die Hand schüttelt und gratuliert. Dauernd schaue ich in strahlende Augen, in die Gesichter von alten Bekannten und hunderten von neuen Freunden. Immer lächeln, geht es mir durch den Kopf, diese Menschen dir gegenüber können nicht dafür, dass Du eigentlich müde bist von dem ganzen Rummel und heute morgen um sechs Uhr schon aufgestanden bist. Wir schaffen das. Wir lächeln und es ist die Wahrheit. Auch wir sind stolz und glücklich, dieses Werk fertig gestellt zu haben und es auf die Reise zu schicken, hoffentlich viele Menschen von der Idee des Reisens unter Segeln zu begeistern und zum Nachmachen zu motivieren. Sieben mal stehen wir zwischen 30 und 90 Minuten auf unterschiedlichen Bühnen, zeigen Bilder die bewegen und erzählen mit Selbstironie was uns wie bewegt hat auf unserer letzten Reise.

Jeder der das Buch mit Widmung von den Autoren haben will, kann sich bei uns melden und wir schicken das per Post raus.

Mare Più macht ein zweites Buch. Nach GewitterSegeln. Mit der Community. Diesmal über: SturmSegeln.

Unser derzeitiger Favorit unter den Cover-Entwürfen für das neue Projekt. Das beste Foto zum Thema Segeln im Sturm, das wir unter allen Einsendungen für dieses Projekt erhalten, wird von einer fünfköpfigen Jury ausgewählt. Und kommt aufs Cover. Haben Sie ein gutes Sturmfoto? Oder eine gute Geschichte?
Drei Beaufort: Ist purer Spaß.
Vier Beaufort: Ist Freude.
Fünf Beaufort: Ist Freude. Mit Bangen gemischt.
Sechs Beaufort: Ist Bangen. Mit Freude gemischt.
Sieben Beaufort: Ist Bangen.
Acht Beaufort: Ist Angst.
Neun Beaufort: „Where is my Mommy?“
Vor vielen, vielen Jahren, auf meinem allerersten Törn lernte ich diese Regel von Lutz. Er war hohes Tier in einem großen, großen Konzern. Er liebte das Segeln. Sein Stolz war es, den „Marchaj“ ganz gelesen zu haben, ein typisches Siebziger Jahre Hardcore-Fachbuch darüber, wie ein Segel optimal zu trimmen ist. Theoretische Physik. Aerodynamik. Von Vorne bis Hinten.
„Ich hab‘ den Marchaj gelesen“, sagte Lutz, wenn mal wieder was schief ging auf dem Törn. Wenn beim Bojenmanöver der Festmacher nicht auf der Klampe, sondern in der Schraube hing. Und wir irgendwie anders als die 25 Anderen im Bojenfeld hingen. Wenn wir wieder mal ausgelaufen waren, die Frauen unten noch mit Abwasch beschäftigt waren, und hinter der Huck ein handfester Sechser über uns herfiel. Unter Segeln war Lutz unschlagbar.
Die Beaufort-Einteilung von Lutz ist zeitlos gültig. Sie beschreibt, was in uns vorgeht, wenn es bläst. Wenn der Wind weht, mehr als uns lieb ist. Wenn wir die Zerbrechlichkeit unseres kleinen Gefährts ganz besonders empfinden. Und wir gleichzeitig schweigen ob der Schönheit der entfesselten Elemente, in deren Mitte wir uns auf unserem zarten Fahrzeug bewegen. Wenn wir sorgenvoll unseren Mast hinaufschauen. Dem Verklicker zusehen, wie er tanzt.
Mare Più macht ein Buch darüber. Ein zweites Buch, das nur aus den Geschichten und Erfahrungen der Community besteht. Von Seglern. Für Segler. Es wird nach unserem ersten Titel GewitterSegeln, an dem derzeit das millemari.-Team letzte Hand anlegt, im Mai erscheinen. Wieder wird dieses Buch von millemari. verlegt, dem Buchverlag von Mare Più.
Diesmal wird es auch um Erlebnisse gehen, beim Segeln im Sturm. Vor allem aber um Ihr Know-How. Um Ihre Reviererfahrung in europäischen Revieren mit den typischen Starkwind- und auch Sturm-Phänomenen, die wir Segler da draußen antreffen. Es geht um Ihr Know-How zu Atlantik-Tief, Bora, Mistral, Meltemi, Südwest und Co. Es geht um Ostsee, Nordsee, Atlantik, Mittelmeer.
Wenn Sie etwas Typisches für Revier und Starkwind-Phänomene erlebt haben, wenn Sie Ihre Wetterbeobachtungen, ihre beste Sturmtaktik in diesen Revieren, Ihr schönstes SturmFoto anderen Seglern weitergeben wollen: melden Sie sich per Mail an. Stichwort: SturmSegeln. Mit korrekter Mail- und auch Postanschrift. Oder direkt in der in diesen Augenblicken gegründeten FACEBOOK-Gruppe Sturmsegeln.
Wir schicken Ihnen das Skipperbriefing für unser neues Buch SturmSegeln nach der BOOT, wo Sie uns jetzt gerade treffen können.
Nach der BOOT geht’s los.
Mit Segeln im Sturm.
Mit SturmSegeln.
Ihre
millemari.’s

Wiedersehen mit Funchal

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Seit gestern Abend liegen wir in der Marina Funchal und sind damit zum ersten Mal in einem Hafen, den Johannes schon 2005 auf seiner ersten Reise besucht hat. Für Johannes eine ganz besondere Erfahrung, denn manches hat sich verändert, vieles ist aber auch noch so, wie er es von damals in Erinnerung hat. Meine Erwartungen an die Marina waren recht gering, denn in vielen Revierführern wird sie gar nicht mehr gelistet und von etlichen Seiten wurde uns von dem Hafen abgeraten (zu dreckig, zu unruhig, zu überfüllt …). Im Vergleich zu Quinta do Lorde mag das wohl auch stimmen. Dort braucht man nun wirklich nicht zu befürchten, dass man auf dem Weg zur Toilette von den allgegenwärtigen Touri-Fängern zu einer Walsichtungsbootfahrt genötigt wird. Aber während wir es in den letzten Tagen in Quinta do Lorde sehr ruhig hatten, spürt man in Funchal halt das Leben. Dieser Hafen wirkt auf mich authentisch und hat irgendwie Hand und Fuß. Wir liegen an einer sehr exponierten Stelle direkt an der Hafenmole, den ganzen Tag über schlendern Touristen an der “Maverick” vorbei. Ganz oft kommen wir dabei sehr nett ins Gespräch, werden gefragt, woher, wohin … Und was die Toiletten angeht, vor denen wir so gewarnt worden sind: Wir hatten es schon wesentlich schlimmer auf dieser Reise. Nein, ich mag Funchal wirklich sehr!

Eigentlich wollten wir nach Calheta im Westen der Insel verholen, denn die Marina hat uns sehr gut gefallen, als wir dort mit dem Auto waren. Direkt gegenüber gibt es zum Beispiel einen Supermarkt, ein unschlagbarer Vorteil für die Vorbereitung unserer Atlantiküberquerung. In Quinta do Lorde gibt es nur ein Supermärktchen, das zumindest außerhalb der Saison keine frischen Lebensmittel bereithält. Funchal ist da eine Steigerung, aber auch hier werden wir einige Kilometer zurücklegen, bis wir alles an Bord haben. Das Beste an Calheta wäre der Sandstrand direkt neben der Marina gewesen. Als wir uns dann aber per Email erkundigt haben, ob es in dem Hafen auch Internet gibt, damit Johannes seinen Artikel in die Redaktion schicken kann, antwortete man uns, dass für uns kein Platz in der Marina sei. Kaum zu glauben, schließlich ist gerade Nebensaison und als wir vor nicht mal einer Woche dort waren, war der Hafen nahezu ausgestorben …

Also dann doch Funchal, wo man für unsere kleine “Maverick” auch ohne empfohlene Reservierung ganz unkompliziert noch einen Platz hatte. Vor allem ist die Marina deutlich günstiger, wir sparen fast 10 Euro täglich gegenüber Quinta do Lorde, bei der wir sogar 30 Prozent TO-Rabatt bekommen haben. Während unserer Abwesenheit war der Mehrpreis gut investiertes Geld, denn wir wussten unser Schiff sicher und haben zwischendurch sogar einmal Fotos per Email bekommen. Auf die ganze Zeit gemessen klafft nun aber ein dickes Loch in der Reisekasse und wir freuen uns auf die Regionen, in denen wir endlich bequem ankern können. Funchal ist dafür nicht mehr vorgesehen.

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Auf dem Weg nach Funchal konnten wir auch die Segelbilder für die YACHT aufnehmen. Ganz schön viel Arbeit, ein gutes Foto zu bekommen. Johannes hat mich im Schlauchboot ausgesetzt und ist etliche Male an mir vorbeigesegelt. Hier schon mal ein kleiner Vorgeschmack von dem Ergebnis:

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Witzigerweise konnte Blogleser Björn beim Anflug auf die Insel zufälligerweise dieses tolle Foto von unserem Fotoshooting machen. Das Weiße über dem Triebwerk ist Johannes mit der “Maverick”, der aufgeschäumte Meeresstreifen rechts daneben bin ich im Dingi.

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Cati

Vassilingalou – Die Profis

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WIR SIND PROFIS
(Crotone – Italien)
Es ist Oktober und wir sind so spät dran. Die letzten bissigen Ostwinde treiben dichte Wolken beladen mit bleiernen Schauern. Über dem hohen Wellenbrecher sehen wir hin und wieder eine Windhose in der Ferne wüten und sind dankbar, nicht auf See sein zu müssen. Das Bild ist schon seit Tagen grau in grau. Natürlich liegen wir nicht im Yachthafen. Obwohl es dort keine weiteren Segler gibt und die Piere verlassen liegen – fast wie nach einer Epidemie – wird man uns erbarmungslos zur Kasse bitten. Wir liegen im Kommerzhafen. Porto Nuovo. Kostenlos. Zwischen rostigen Service Barkassen, ausrangierten Fischerkähnen, Schleppern und allerlei Tauwerk kreuz und quer. An den Liegeplatz haben wir Hand über Hand verholt, hüpfend von Bord zu Bord. Die katzengroßen Ratten staunen jede Nacht über unser weißes Deck und haben sicher Angst um ihre grauen Pfötchen.

Vier Mächte machen sich die Herrschaft über den dreckigen Hafen streitig: die Polizia Locale, die Carabinieri, die Douane und die Guardia Costiera. Die einen netter als die anderen, mit gebügelten Uniformen, mit polierten Knöpfen, mit großen Motorbooten und Maschinenpistolen. Wir sind sicher.

Seit drei Tagen sind wir hier, warten auf das passende Wetterfenster und flicken in den Regenpausen hoch oben auf der Steinpier unser Dingi. Von unserer Werkstatt aus sieht man die majestätische Burg, das Fischerviertel, unseren Mast über den Salingen und den Vorhafen mit den konfiszierten Schiffen, die auf die Einschmelzung warten. Der Italienische Staat will sie nicht wieder verkaufen, um die Gefahr weiteren Schmuggels zu verringern. Sie werden von ihren Wächtern geplündert und unter dem Tresen verhökert. Schraube für Schraube, Tag für Tag. Die Sonnenbrillen der Mächtigen haben viel zu dunkle Gläser, um Licht auf diese Spiele zuzulassen. „Alles Banditen“, sagt ein Freund, der mit seinem Büs´chen wöchentlich Saisonarbeiter transportiert und uns Grüsse aus der alten Heimat bringt. Ein letzter warmer Gruß, ein letztes Fläschchen Traubenschnaps, bevor uns die Ferne schluckt. „Alles Banditen“, sagt unser bärenhafter Freund und seine Karre wirbelt den Hafenstaub hoch.

Der stämmige, krummbeinige Nachbar von der dreck-orange farbenen Serviceplattform lächelt freundlich und zeigt mir seine Raucherzähne, oder was von ihnen übrig geblieben ist. Ob wir was bräuchten? Nein, danke! Wir tauschen Floskeln, während der Kleber am Dingi trocknet. Ich bin der Meinung, dass die obere Hälfte des Mastes vom konfiszierten Segler, der an seinem Kahn festgebunden ist, mit dem nächsten stärkeren Wind auf seine Schlafstätte runter knallen wird. Er guckt hin und es scheint, als wenn er die knarzenden sieben Meter Aluminium Spiere, die völlig losgelöst durch die Gegend wedelt, zum ersten mal tatsächlich sieht. Wir müssen kleben, er zieht sich zurück. Meine Bemerkung scheint aber tiefen Eindruck auf ihn hinterlassen zu haben, denn er starrt fortan des öfteren ehrfürchtig zur Mastspitze hoch. Als wir am Nachmittag einen blauen Riss in der Wolkendecke und drei Sonnenstrahlen mit einem Kaffee feiern, hält er es nicht mehr aus und kommt nach Hilfe fragen. Die Angst hat ihn gepackt und da ich dies unwollend in die Wege geleitet habe, fühle ich mich irgendwie verantwortlich. Wir sind doch Segler, gibt es denn nicht einen Weg? Können wir den nichts tun? Er sei zu schwer und unbeholfen, aber wir seien doch Profis. Wir gucken uns an, es ist keine große Sache. Inga sichert mich, ich klettere, haben wir schon so oft gemacht.

Der Nachbar trippelt aufgeregt umher und kann vor lauter Freude nicht aufhören, zu plaudern. Wir dürfen uns dann auch nehmen, was wir brauchen, sagt er zufrieden. Ich bin schnell oben an der Saling. Die hängenden Stücke Hauptwant verlängere ich mit Schoten und Inga verspannt sie unten am Deck. Es muss ja nicht gesegelt werden. Kaum mit der Steuerbordseite fertig, steht am Ufer die Guardia Costiera und winkt mich charmant vom Mast herunter. Der Nachbar ist verschwunden wie altes Geld aus dem Umlauf. Kontrolle! Sind wir hier angemeldet? Wann? Papiere, Stempel. Was habe ich da oben verloren? Es scheint alles in Ordnung zu sein, denn sie entfernen sich rasch. Wieder im Mast, Backbord Seite. Die Spiere steht wie angewurzelt. Wir vertauen den russischen Stahlkahn noch räsonabel, denn jedes schwimmende Objekt verdient Respekt, auch wenn damit hungrige Emigranten geschmuggelt wurden. Fertig. Das kahl-rasierte Deck bietet nicht viel Lohn und mir ist nicht nach Werkeln. Was können wir den brauchen? Neue Schoten, oder zumindest welche, dessen Mantel nicht schon in Fetzen hängt. Und zwei Blöcke. Kahn, auch wenn man dich einschmilzt, wirst du mit uns weiter über die Weltmeere segeln.

Früh am nächsten Morgen spleiße ich im Cockpit eine Leine zum Frühstück, als mich das Gefühl einnimmt, dass ich beobachtet werde. Die Raucherzähne. Blut angelaufene Augen zeugen von nächtlicher Feier. Er muss da schon länger gestanden haben, offenbar um zu überlegen. Aber Was? Dann zeigt er auf einen der Blöcke und auf sich – MEINS ! Ich staune. Er wird ungeduldig und zeitgleich ungemütlich. Das Grau der Wolken ist nichts gegen die Farbe meiner Gedanken: Wem werden die Mächtigen hinter den Sonnenbrillen wohl glauben, wenn er erzählen sollte, dass er mich nicht in den Mast geschickt habe? Wo würden sie suchen, wenn er eine Liste der am Bord der russischen Yacht fehlenden Gegenstände und Ausrüstung vorlegen sollte? Wie könnten wir nachweisen, dass unsere lieben Winschen auch wirklich die unseren sind? Ich gebe ihm also den Block hoch – und er entfernt sich watschelnd und murmelnd:“ ..Banditi..“

Eine halben Stunde später scheint die Sonne in unsere Segel. Die alten Schotten summen vergnügt unter ihren Fetzen. Wir sind so spät dran, auf Los gehts los.
Pointe-à-Pitre, 14.01.2014
Vassilingalou