Monatsarchive: Juni 2013

Ankunft in Salvador, Bahia, Brasilien

Unfassbar aber wahr: Zweieinhalb Wochen lang fuhren wir mal wieder “hart am kein Wind”. Doch wir haben es geschafft und sind nun in Salvador!
Bei dem Versuch die Marianne heute in eine günstigere Marina zu fahren, ließ uns dann leider schon wieder unser Motor im Stich. Ein Glück haben wir ja Segel, aber die letzten Meter mussten wir uns trotzdem in die enge Marina ziehen lassen. Marianne lässt sich anscheinend nicht gerne an die Leine nehmen, denn schon wieder wären wir bei dem Manöver fast mit dem Schlepper kollidiert. Aber es ist ja alles gut gegangen und wir sind gesund und munter!
Unterstützung haben wir zur Zeit von “Leicht Wind Lena” und auch “Cyclone Céline” kann uns noch ein paar Tage unter die Arme greifen, euch in der nächsten Zeit mal wieder Unerhörtes und Ungesehenes zu zeigen. Falls doch noch jemand Lust auf ein Praktikum hat, einfach melden. Ahoi!

Die Crew vor ihrer Marianne vor dem Zentrum von Salvador mit dem Wahrzeichen der Stadt, dem Elevador Lacerda

Die Crew vor ihrer Marianne vor dem Zentrum von Salvador mit dem Wahrzeichen der Stadt, dem Elevador Lacerda

Blick vom Praça Tomé de Souza auf den Hafen

Blick vom Praça Tomé de Souza auf den Hafen – © 2013, Lena Kuhlmann

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Tropical Wave

Deep inside the daily live

Einer unserer Leser, alias Vera, meint wir brauchen eine Motorpumpe um eintretendes Wasser bei Kollision abzupumpen um nicht unterzugehen. Die MARLIN ist allerdings nach German Loyds Vorschriften bebaut. Sprich, es gibt fünf wasserdichte Sektoren auf dem Schiff. Vorpieck, Eignerkabine, Salon und Achterkabinen, Motorraum, Achterschiff (wir nennen es Keller). Alle Sektionen sind wasserdicht untereinander, incl. aller Leitungsverbindungen und Sümpfe und Bilgenpumpen. So, die Sinkneigung von 26 Tonnen Aluminium ist also schon mal gedämpft, ich würde mal sagen, dass die MARLIN quasi unsinkbar ist ;-) Zumindest wenn wir die Tür zur Eignerkabine zumachen. Für die Eisklasse fehlt ihr noch nen bisschen was. Aber dazu später.

Ich muss aber zugeben, dass auch ich schon mit einer großen Pumpe geliebäugelt habe, die dann jahrelang rumsteht und nicht benutzt wird. Vielleicht schlage ich da dann doch noch mal zu. Doch im Moment kommt eine Tropical Wave nach der anderen aus Europa über den Atlantik und bringt uns Regen, Wind und viele Wolken. Aus solchen Tropical Waves werden später im Jahr auch tropische Stürme und Wirbelstürme entstehen. Uns ist das aber relativ egal. Wir verlegen wieder vors Dorf, nachdem wir die Nacht schlecht geschlafen habe. Ein Squall und Regenschauer nach der anderen hat uns wachgerüttelt. Nächtliches Wechseln der ganzen Familie, von Schlafplätzen ist immer die Folge. Maya kommt zu uns, ich flüchte vor Maya Schnarchen ins Pilothaus und lande in Mayas Bett, wo mich nach Sonnenaufgang Lena mit einem Dagobert Comic weckt, den ich vorlesen soll. Wir lieben es an Board unserer MARLIN zu wohnen.

Classic Schoner Nina vermißt auf seiner Reise nach Australien

ninaschooner_426354cSV Nina, ein unter US Flagge segelnder Schoner ist höchstwahrscheinlich auf seiner Reise von New Zealand nach Australien gesunken. Der Verbleib der 8 köpfigen Crew ist inklar, es ist möglich, dass es ihnen gelang, sich in eine Rettungsinsel zu begeben. WEITERLESEN

Inside the Reef

Private Inseln und was der Atlantik uns schickt.

Auf der berühmten ToDo Liste für unser schickes rotes Feuerwehrboot steht jetzt nicht mehr viel. Eigentlich nur noch der Wassermacher. Das uns hier keine 10.000 Euro zur Verfügung stehen ist klar. Deshalb fällt Spectra und EchoTec aus. „Zugeschaut und Mitgebaut!“, so heißt die Devise. Die Einzelteile für unseren sind in den USA günstig zu kaufen und nach dem ich mir gestern die Installation von meinem Freund Rene angeschaut habe, ist das Projekt eigentlich auch nicht besonders schwierig. Vor allen Dingen haben wir etwas, was auf der LADY immer fehlte. Platz. Auch der YACHT IN TRANSIT Import nach Grenada hat ja besser geklappt als ich dachte. Siehe Batterien. Also denn mal los. CAT Pumpe, 24V Antriebseinheit, ein paar Ventile, Filter und Manometer und zwei Membranen. Dann sollte der ToDo Eintrag mit dem Trinkwasser auch gestrichen werden.

Wir haben gegen Mittag verlegt, hinter die kleine Insel „Petit Vincent“. Ein acht Meter tiefer Kanal lädt mit türkisen Wasser zum Ankern ein. Dahinter ein paar hundert Meter Riff, auf der sich die Brandung des offenen Atlantik bricht. Das war es, was wir so lange in den patagonischen Kanälen um Kap Hoorn vermisst haben. Nur das das kleine Inselchen in Privatbesitz ist, dass stört vor allen Dingen Maya und Lena. „Warum dürfen wir nicht an den weißen Sandstrand? „Betreten verboten“ Auf Grenada gibt es so ein Gesetz nicht, denn alle Strände sind für alle da. Aber „Petit Vincent“ das gehört schon zu St. Vincent. Und da sind die Gesetze wohl anders. Also versuchen wir im Riff zu schnorcheln, aber die 20 Knoten Wind ohne Schatten, dass ist für unsere Jungtaucher noch etwas zu wild. Sie sind begeistert von den Fischen, aber das üben wir besser morgen noch mal in Lee der kleinen Insel.

Abends wird der Himmel schwarz und es frischt auf 25 Knoten auf. Die angesagte Tropical Wave zieht über unsere Köpfe hinweg. Der Ankerplatz wird etwas wackelig, es klappert im Rigg, wir aktivieren den Ankeralarm auf dem AIS von Vesper Marine. Das braucht fast keinen Strom, läuft immer durch, hat einen eigenen LCD Bildschirm und sendet auch unsere Position. Möchte ich nicht mehr missen, dieses kleine Ding. Der Ankeralarm ist prima, wir sehen wie die MARLIN vor der Kette hin und her schwoft. Den Anker habe ich natürlich schon schnorchelnd kontrolliert. Der hat sich tief im Sand eingegraben. Mitten in der Nacht fängt es an zu piepsen. Erst mal für mich, mit einer leichten Hörschwäche ausgestattet, unhörbar. Aber Nathalie wird wach. Da haben wir den Radius doch etwas eng gesetzt. Hat das Gerät nicht mehr genug Satelliten in View, wird die Position wohl etwas ungenau, was am GPS liegt. Der Rest der Nacht verläuft ruhig, bis auf Kinder die ins Bett der Eltern wollen. Nene, das wollen wir ihnen ja grade abgewöhnen.

Geiles am Wind Segeln

Unter Segeln ist die MARLIN der Hit

Das Wichtigste zuerst. Ortwin hat heute Geburtstag. Unser größter Fan und Dauerleser, gleichzeitig mein Vater ist heute 81 Jahre geworden und tanzt immer noch auf der virtuellen Party mit. Wir wünschen Dir an dieser Stelle noch mal alles Gute und vielen Dank noch Mal für Deine Hilfe bei der Verwirklichung des MARLIN Projekts.

Die Nacht an der Island Ronda war schrecklich. Ich habe kaum geschlafen. Erst zieht mitten in der Nacht eine tropische Front mit 25 Knoten Wind über unseren Ankerplatz und ein Charterboot rutscht nur ein paar Dezimeter an uns vorbei. Auch wir rutschen 10 Meter weiter. Der Ankergrund ist echt nur Korallenschutt auf Steinplatte. Danach kommt eine „Kein Wind Phase“ und die Kette rumpelt den Rest der Nacht über die Steine am Boden, der Krach überträgt sich mit der Kette aufs Boot. Kein Auge habe ich zugemacht.

Aber dann geht es los. Aufräumen für Aufkreuzen unter Segeln. Wir geben uns alle Mühe, alles wegzustauen. Doch aus dem Aufkreuzen wird nix. Die MARLIN läuft brav Höhe nur mit ZWEI Reffs im Groß und kleiner Fock. Soviel Höhe, dass wir Carriacou gegen den 20 Knoten starken NE Passat noch mit 5-6 Knoten anlaufen können. Auch der Autopilot tut was er soll. Hinter Carriacou hauen wir gewohnheitsmäßig, wie auf der LADY, den Motor rein, doch dass sollten wir uns echt abgewöhnen. Erstens wegen dem enormen Dieselverbrauch des 165 Turbo Laders und einfach, weil die MARLIN besser, viel besser segelt, als motort. Wir haben jetzt kein Motorsegler mehr, sondern ein erstklassiges Segelschiff.

An der Nordspitze von Carriacou geht es um die Ecke, wieder die Nase in den Passat und diesmal durch die Riffe zum Ankerplatz unserer Freunde der MIRA aufkreuzen. Aus der Theorie werden nun wichtige Eckwerte, die wir erst später an den aufgezeichneten Tracking Werten auf dem MAC sehen. Am Wind können wir mit 45 Grad und mit sechs Knoten durch die Wellen und bleibt nicht stecken, so wie wir das von unserer LADY kannten. Die MARLIN gleitet mit ihren 18 Metern souverän durch die zwei Meter hohe Welle. Das Deck bleibt weitestgehend trocken, aber es ist recht schräg. Keiner wird seekrank.

Der VMG Wert liegt bei 4-5 Knoten und der Wendewinkel ist kleiner 90°. Mit etwas mehr Segel können wir diesen wohl noch etwas verkleinern. Erst mal sind wir zufrieden und der Anker fällt vor Petit Martinique hinter dem Riff. Kurs voraus: Europa. Nathalie und ich, wir haben beide echt Lust die MARLIN eine längere Strecke zu segeln. Im Moment stehen aber erst einmal viele Traumankerplätze und journalistische Arbeit an.

Segeln, segeln.. Ne wat schön.

Die ganze Familie lässt sich ins Wasser fallen

Jep, wir sind tatsächlich an einen einsamen Ankerplatz (mit nur drei anderen Booten) an der Insel Ronde gelandet, haben den Anker geschmissen und bekommen einen Squall nach dem anderen ab. Wir genießen den Saft aus den neuen Batterien. Licht und Kühlschrank, ohne schlechtes Gewissen. Ankeralarm auf dem AIS, ohne schlechtes Gewissen und sogar nachts noch die Tasten schwingen, ohne schlechtes Gewissen und der roten LED am Victron Schaltpanel: Low Voltage. Der Superwind tut seinen Teil dazu, zumindest wenn die Böen einfallen. Für jeden gab es eine dicke Schnitte Yellowfin-Tuna. Leider nicht selber gefangen. Aber das kommt noch, da bin ich mir sicher. Im Moment probieren wir weiter aus. Gustav, der Autopilot funktioniert jetzt meistens auch. Ganz selten hat er mal einen Aussetzer, dessen Ursache mir nicht klar ist. Da muss noch mal nachgebessert werden. Ansonsten können Nathalie und ich jetzt das Boot mit vier Händen handeln, Segel setzten, und der Kahn rennt. Das macht natürlich ordentlich Spaß. Wir sind ja erst zwei Monate auf der MARLIN, da muss wirklich noch nicht alles perfekt sein und wir können stolz sein, das der Kahn wieder so geil funktioniert. Als wir ihn übernommen haben, hatten eigentlich alle Systeme derbe Defekte.