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Sechs deutsche Crews hoffen auf den Coup

Ganz entspannt kann die Kieler Woche auf den Abschluss der ersten Hälfte zusteuern. Nach einem weiteren „schönen Tag auf dem Wasser“, wie es Regatta-Organisationsleiter Dirk Ramhorst umschrieb, ist schon ein volles Programm im Plan. „Zum Abschluss segeln wir in einem schmaleren Zeitfenster“, sagte Ramhorst, der erwartet, dass nach dem letzten Rennen am Dienstag viele Segler zügig abreisen werden. Denn eine große Siegerehrungszeremonie wird es wegen Corona nicht geben. Lediglich die Top-Platzierten können sich ihre Trophäen abholen und werden damit dann noch mal fotografiert. Ein halbes Dutzend deutscher Athleten*innen steuert dabei auf Kurs Kieler-Woche-Sieg. Die Dänen haben zwei heiße Eisen im Feuer, Niederlande und Polen jeweils eins.

420er

Mit dem Start in die Finalrunden haben die polnischen 420er-Teams ernst gemacht. Lagen sie in der Vorrunde noch in Lauerposition, schoben sich nun gleich zwei Crews an die Spitze. Zofia Korsak/Karolina Cendrowska landeten einen Sieg und zwei zweite Plätze zum Sturm auf Rang eins. Ihre Landsmänner Patryk Kosmalski/Tomasz Lewandowski kassierten im ersten Tagesrennen zwar einen siebten Platz, konterten dann aber mit zwei Siegen. Zu Rang drei ist damit schon ein guter Vorsprung eingespielt. Den Bronzeplatz als beste Deutsche nehmen Lilli Zellmer (Rahnsdorf), Tochter von 2004er-Olympiastartet Lucas Zellmer (Berlin), und Vincent Bahr, Sohn von 1992-Olympiateilnehmerin Peggy Bahr, ein. Sie mussten am Montag eine Frühstart-Disqualifikation in den drei Rennen verkraften.

Im 420er dominiert der polnische Nachwuchs. Foto: www.segel-bilder.de

505er:

Nachdem Wolfgang Hunger und Holger Jess an den ersten beiden Tagen schon einen dritten Platz als schlechtesten Resultat in der Fiven-Flotte kritisch beäugten, konnte ihnen der Ausrutscher im achten Rennen (Platz 7) gar nicht schmecken. Tatsächlich ist für das Duo aus Strande und Eckernförde der Weg aber geebnet in Richtung des nächsten Kieler-Woche-Sieges. Mit 13 Punkten Vorsprung auf die härtesten Verfolger, Kai Bertallot/Moritz Klingenberg (Kiel), und gar 19 auf die drittplatzierten Stefan Böhm/Gerald Roos (Ville) reicht Hunger/Jess am Dienstag ein zwölfter Platz in den beiden abschließenden Rennen zum Gesamtsieg.

Contender

Der Bann ist gebrochen: Die deutschen Contender-Segler können den Dänen zur Kieler Woche doch die Tagessiege streitig machen. An Tag drei durften sowohl Weltmeister Max Billerbeck (Kollmar) als auch der WM-Vierte von 2019, Markus Maisenbacher (Hannover), jeweils einmal im Ziel als Sieger jubeln. An der Gesamt-Überlegenheit der Dänen ändert das indes nichts. Sören Dulon Andreasen führt weiterhin in der Dänen-Kombi vor Jesper Armbrust und Max Billerbeck. Markus Maisenbacher ist vor dem Abschlusstag Achter.

Europe

Mit einem konstanten Tag in einer ansonsten wechselhaften Ergebnisserie von vielen Spitzenseglern hat sich der Kieler Johann Tammen an die Medaillenplätze herangearbeitet. Von Platz vier aus hat er am morgigen Abschlusstag bei Punktgleichheit zum Dritten und nur drei Punkten Rückstand zum Zweiten durchaus Chancen auf das Podium. Die Spitze indes ist unangefochten. Anna Livbjerg (Dänemark) ist kaum mehr vom Goldkurs abzubringen. Dahinter stehen aktuell Cyril Richard (Frankreich) und Simon Christoffersen (Dänemark) auf zwei und drei.

In der J/80 gibt es den bewährten Zweikampf zwischen den Crews um Steuermann Martin Menzner und Arne Wilken. Nachdem Wilken im Vorjahr den Bug vorn hatte, steuert Menzner 2020 dem Kieler- Woche-Sieg entgegen. Foto: www.segel-bilder.de

J/24

Zwei Siege in vier Rennen reichten nicht zur Übernahme der Spitze. An Tag drei der J/24-Konkurrenz schien es, als könnte Manfred König (Hamburg) erfolgreich den Thron stürmen. Doch nach zwei Tagessiegen platzte die Erfolgsserie (Rang zehn) und so konterte sich Stefan Karsunke (Hamburg) zurück auf die Top-Position. Das Rennen um den Kieler-Woche-Sieg ist zwischen den beiden Crews damit bis zum Abschluss eng. Frank Schönfeldt (Hamburg) wird als Dritter wohl nicht mehr eingreifen können.

J/70

Vier Rennen und ein neuer Führender: Das Geschehen bei den J/70 hatte an Tag drei jede Menge zu bieten. Der bisherige Spitzenreiter Michael Grau (Hamburg) startete mit den Platzierungen 2 und 1 zwar top in den Tag, musste dann aber einen elften Platz in die Wertung einbringen und kassierte zum Abschluss sogar eine Frühstart-Disqualifikation. Das spielte seinem NRV-Vereinskameraden Claas Lehmann in die Karten, der zwar ohne Tagessieg blieb, aber solide zur Übernahme der Top-Position segelte. Carsten Kemmling als Dritter komplettiert nach einem wechselhaften Tag das NRV-Trio an der Spitze. „Wir haben das Projekt langfristig angelegt, segeln seit zwei Jahren zusammen. Ich habe eine tolle Truppe, und wenn man harmoniert, dann kann man auch gegen Semiprofis wie die von Michael Grau bestehen“, berichtet Spitzenreiter Claas Lehmann, der bereits seit 1984 in verschiedenen Klassen bei der Kieler Woche aktiv und noch immer stolz auf die erste Trophäe von der weltgrößten Regattawoche ist. Für den Abschlusstag setzt er auf guten Wind und die Vermeidung von Zweikämpfen. Dabei hat er den Luxus, im Gegensatz zur Konkurrenz noch keinen echten Streicher in der Serie zu haben. Für die kommenden Jahre setzt der Hamburger darauf, auch mal für ein deutsches Top-Ergebnis bei einer internationalen J/70-Meisterschaft sorgen zu können.

J/80

Schnell unterwegs und mit dem richtigen Blick für die Dreher und Böen: Martin Menzner lässt auf seinem Heimatrevier gemeinsam mit seiner Crew in der J/80 nichts anbrennen. Nach neun Wettfahrten streichen die Kieler einen dritten Platz und bringen sieben Siege und einen zweiten Rang in die Wertung ein. Da werden die Konkurrenten Arne Wilcken (Kiel, Platz 2) und Torsten Voss (Flensburg, Platz drei) nichts mehr an Menzners zwölften Sieg seit 2006 drehen können.

Laser 4.7

Batbold Gruner steht vor seinem größten Erfolg in der Laser 4.7-Klasse: Gekonnt hält der Niedersachse die internationale Konkurrenz in der Laser-Nachwuchsklasse auf Distanz. Obwohl der Start ins erste Rennen des Tages misslang, überzeugte der Segler vom Zwischenahner Meer mit Top-Geschwindigkeit auf dem Kurs und punktete mit einem 4., 6. und ersten Platz. Aber die skandinavischen Verfolger bleiben dran. Erik Norlén (Schweden) und Magnus Heegard (Dänemark) verbuchten auch jeweils einen Tagessieg und werden dem Deutschen zum Abschluss einen harten Fight liefern. „Ich werde morgen früh aufstehen, mich ein bisschen einlaufen und dann rechtzeitig auf das Wasser gehen, um mich einzufahren. Ich werde natürlich auf den Schweden achten und nicht gerade auf der anderen Seite starten“, erklärt Gruner sein taktisches Konzept, um den ersten Platz zu verteidigen. Die komplizierten Winde am Montag auf der Bahn kamen ihm entgegen, da er Gleiches von seinem Heimatrevier gewohnt ist.

Laser Radial

Die Weltmeisterin von 2018, Emma Plasschaert, lässt dem Nachwuchs den Vortritt. Die Belgierin brachte an Tag drei zwei Rennen nicht ins Ziel, so dass der Niederländer Paul Hameeteman nun unangefochten an der Spitze steht. Während sich der Brite Arthur Farley vor der Dänin Anna Munch auf Rang zwei setzte, rutschte Plasschaert auf den fünften Rang ab – trotz eines zweiten Platzes zum Tagesabschluss.

Musto Skiff

Keine Veränderungen gab es auf den ersten drei Rängen der rasanten Skiffs. Iver Ahlmann (Kiel) knüpfte nahtlos an die Siegesserie des Vortages an und vergrößerte seinen Vorsprung auf Verfolger Paul Dijsktra (Niederlande) und Jan Busch (Aachen).

„Die blanke Sensation!“

Dieses Urteil über die Premiere der Blokart-Segler zur Kieler Woche lässt eigentlich keine Frage mehr offen: „Das war die blanke Sensation!“, sagt Alexander Bruhn, der deutsche Klassen-Boss der kleinen Land- und Strandsegler.

In glühender Euphorie geht er aber doch ins Detail: „Das war das Beste überhaupt, was ich in der Blokart-Szene in Deutschland erlebt habe: ein enger Kurs mit allen Elementen, echtes Formel-eins-Feeling. Die Leute sind sofort stehen geblieben, wenn wir gesegelt sind. Wir wurden beklatscht und angefeuert und haben das in den Wagen auch direkt mitbekommen. So etwas habe ich noch nicht erlebt“, sprudelt es aus Alexander Bruhn heraus. Selbst die coolen Skater, deren Parcours direkt an den Kurs der Blokart-Segler grenzte, unterbrachen ihre Aktionen, um die Segler anzufeuern.

Das Gelände des MFG 5 in Kiel-Friedrichsort hat sich aus Sicht von Alexander Bruhn als perfekt erwiesen: das ehemalige Flieger-Areal mit Blick auf die Förde, die harte Betonpiste unter den Reifen, die Möglichkeit, Zuschauer gefahrlos an die Piste zu bringen. „Wir wollen auf jeden Fall wiederkommen, haben schon Kontakt mit dem Grünflächenamt Kiel aufgenommen. Der Wind ist optimal, kann frei über das Gelände wehen. Der Untergrund ist ideal, und wir haben keinerlei Probleme mit Ebbe und Flut, können so ein riesiges Zeitfenster nutzen“, sagt Bruhn.

In diesem Jahr reichte es, um inklusive Practice-Race zum Auftaktwochenende der Kieler Woche insgesamt 16 Rennen zu starten – und das, obwohl der Sonntag wegen der Abreise der holländischen Teilnehmer frühzeitig beendet wurde. Zum ersten Auftritt der Landsegler zur Kieler Woche ging zwar nur ein kleines Feld von neun Startern auf den Kurs. Für zukünftige Events sieht Bruhn aber deutlich mehr Potenzial: „Wir hatten mit unseren Postings auf Social Media ein unglaubliches Feedback, auch international. Zu großen Events wie Europameisterschaften kommen schon mal 60 bis 80 Piloten. Das könnte in Kiel ähnlich sein.“

Für solche Starterfelder würde das Setup aufgepeppt. Während jetzt noch manuell gestartet und ausgewertet wurde, käme dann eine Starterampel und ein elektronisches Transponder-Auswertungssystem zum Einsatz. „Anders als diesmal starten wir dann in Gewichtsgruppen und unterteilt nach Production- und Performance-Kategorie. Da würden die Starts mit bis zu zwölf Teilnehmern Schlag auf Schlag erfolgen.“ Mit zwei Minuten Vorstart-Phase und acht Minuten langen Rennen ließe sich bei den guten Kieler Winden eine riesige Flotte mit viel Aktion auf dem engen Parcours bewältigen.

Alexander Bruhn, der deutsche Klassen-Boss der kleinen Land- und Strandsegler, war vom Auftritt in der Kieler Woche begeistert. Foto: Sascha Klahn/Kieler Woche

Alexander Bruhn sieht in der Kieler Woche für die Blokarts auf dem Gelände des MFG 5 eine riesige Chance: „Das Areal ist eine ideale Eventfläche. Nirgends zur Kieler Woche ließe sich Land- und Segelprogramm enger zusammenbringen.“

Sportlich durfte sich Bruhn zudem freuen. Der selbst segelnde Klassenchef und Organisator feierte den Gesamtsieg und damit den Premieren-Triumph zur Kieler Woche vor dem Holländer Oscar Hallewas und Reinhard Kranz (Kiel). „Aber die Ergebnisse waren in diesem Jahr nur nebensächlich.“ In den unterschiedlichen Kategorien gab es zudem folgende Sieger:

Performance:
Heavy: Oscar Hallewas
Middle: Reinhard Kranz
Light: Christel Kranz
Production:
Heavy: Rob van Loenhout
Middle: Julius Hornung
Light: Alex Bruhn

Doppelter Einsatz für Belgierin Emma Plasschaert

Weltmeisterlicher Glanz auf der Bahn der Laser Radial in der offenen Disziplin. Unter die vor allem jugendlichen Männer hat sich auch ein Star der weiblichen Olympiaszene gemischt: Die Belgierin Emma Plasschaert ist spätestens seit ihrem WM-Sieg 2018 vor Aarhus eine heiße Anwärterin auf olympisches Edelmetall. Und auch bei der WM 2019 und der WM 2020 im Februar vor Melbourne/Australien segelte die 26-Jährige in die Top-Ten. Doch seit der WM gab es keine Regatten mehr für die Laser. Die Kieler Woche kostet Emma Plaschaert daher voll aus, segelt in der ersten Hälfte in der offenen Klasse und in der zweite Hälfte in der olympischen Frauen-Disziplin.

„Nach der langen Pause seit Februar ist es großartig, endlich wieder Rennen segeln zu können. Normalerweise würde man sicherlich nicht beide Regatten in einer Woche segeln. Das ist physisch sehr hart. Aber jetzt ist es eine gute Möglichkeit, um wieder in den Modus zu kommen“, berichtet die Belgierin, die vor allem die Europameisterschaft Anfang Oktober in Polen im Fokus hat. Dass die deutschen Frauen in der ersten Hälfte der Kieler Woche auf der Bahn fehlen, überrascht sie nicht: „Für die Deutschen ist die zweite Hälfte in der nationalen Qualifikation für Tokio wichtig. Da konzentrieren sie sich drauf.“ Emma Plasschaert selbst hat diesen Stress nicht mehr. Sie ist bereits national für die Spiele in Tokio nominiert worden und hat ihren Plan – soweit es die Corona-Situation zulässt – auf den Sommer 2021 ausgerichtet.

Jetzt genießt es Emma Plasschaert mit einigen Landsfrauen, aber auch starker weiblicher Konkurrenz aus Schweden, Dänemark und Polen, sich mit dem männlichen Nachwuchs zu messen: „Das macht wirklich Spaß. Sonst trifft man ja doch immer die gleichen Gegnerinnen. Jetzt haben wir mal ganz andere Gesichter auf der Bahn.“ Auf Rang zwei hinter dem Niederländer Paul Hameeteman und direkt vor der Dänin Anna Munch steuert sie auf einem guten Kurs Richtung Podium in der ersten Kieler-Woche-Hälfte, um dann ab Donnerstag im reinen Frauen-Feld voll auf Angriff zu setzen.

Startzeiten am Montag, den 7.Sept.:

11 Uhr: 420er, Europe auf Bahn Juliett

11.30 Uhr: Laser 4.7, Laser Radial Open auf Bahn TV-Bahn/Hotel

11.30 Uhr: J/24, J/70, J/80 auf Bahn Charly

13 Uhr: 505er, Contender, Musto Skiff auf Bahn Echo

ORCi-IDM der Seesegler:

11.30: 1. Start auf Bahn Alpha.

Geplant sind für alle Klassen und Bahnen je drei Wettfahrten, Musto Skiff vier Wettfahrten.

Vorhergesagt sind 3 Beaufort bis Mittag, nachmittags um 4 Beaufort, auf der Außenbahn am Spätnachmittag bis 5 Beaufort.

Beste Stimmung bei Eckernförde-Regatta

Rund 30 Seemeilen hatten die 90 Mannschaften nach der Auftaktregatta von Kiel nach Eckernförde hinter sich – mit höchst unterschiedlichen Erlebnissen in Wind und Welle. Während die fliegenden Dänen um Nicolai Sehestedt auf dem GC32-Katamaran in 1:52:50 Stunden durchs Ziel foilten und den Streckenrekord nur deshalb verpassten, weil sie eine Bahnmarke nach falscher Rundung erneut nehmen mussten, kostete die Crew der „Lillemor“ das Erlebnis bis zur Zieldurchfahrt über 7:43:41 Stunden aus. Und während die Crew auf der größten Yacht des Starterfeldes, der Maxi 75 „Calypso“, die See bei Böen um 30 Knoten locker durchschnitt, stampfte das kleinste Boot im Feld, die 24 Fuß große Waarschip „Findus“, mit gerefften Segeln durch die Wellenberge.

Entsprechend unterschiedlich war der Erschöpfungsgrad der Segler, als es am Sonntagmorgen zur Rückregatta nach Kiel ging. Der Kurs führte die Flotte anders als in den vergangenen Jahren nicht zum Kieler Leuchtturm, sondern bis in die Kieler Innenförde, da aus Corona-Gründen der Leuchtturm nicht von der Wettfahrtleitung besetzt werden darf. Auf dem Rückweg von Eckernförde nach Kiel ging es so erneut über die volle Kurslänge, allerdings deutlich entspannter zu als noch am Vortag. Wind und Welle hatten einen Gang zurückgeschaltet, die Regenschauer waren weniger heftig.

Siegerehrung einmal anders: In der Startgruppe Rot ging der Preis an „Lilla Blas“, Thomas Beyer (Kiel). Der Skipper wurde in Eckernförde Corona-gerecht einzeln zur Preisabgabe aufgerufen. Foto: www.segel-bilder.de

„Beste Bedingungen“, freute sich Wettfahrtleiter Ralf Paulsen, der fast die gesamte Flotte des Vortages auf den Kurs schicken konnte. Nur wenige Crews hatten gleich die Segel gestrichen, einige weitere gaben unterwegs auf. Zum Rückrennen nicht am Start waren auch die schnellen Dänen auf ihrem Katamaran, die von vornherein nur den Rekordangriff auf der Hintour im Fokus hatten. So war bei den Katamaranen und Trimaranen der Weg frei für das Team um die Brüder Helge und Christian Sach (Zarnekau), die mit der „itelligence“ nach 2:34:54 Stunden die Ziellinie vor dem Kieler YC als Erste kreuzten. Berechnet setzte sich in der Wertung der Multihulls auf dem Rückweg allerdings Lars Kämpfe (Flensburg) durch.

Sportlich im Fokus waren daneben die Teilnehmer des Welcome Race nach ORC-Vermessung. Zwei Mannschaften durften sich dabei über einen Doppelsieg freuen. In der Gruppe ORC III+IV lag sowohl auf der Hin- als auch auf dem Rückregatta die „Patent 4“ von Jürgen Klinghardt (Lübeck) mit Steuermann Henning Tebbe (Hamburg) an der Spitze. In der ORC II gelang der komplette Erfolg der „Rarotonga“ von Werner Lemmel (Berlin). Wechselhaft war dagegen das Geschehen an der Spitze der ORC I. Während auf dem Weg von Kiel nach Eckernförde das Jugendprojekt des Kieler Yacht Clubs („Zukunft IV“) unter Steuermann Johannes Müller top war, münzte auf dem Rückkurs die „Calypso“ von Gerhard Clausen ihre Größe und Schnelligkeit auch in einen berechneten Sieg um. Auf eine Siegerehrung in Kiel mussten die Crews verzichten.

Die Siegerliste des Welcome Race:

Kiel-Eckernförde:

Multihulls: „Rockwool“, Nicolai Sehestedt (Dänemark)
ORC I: „Zukunft IV“, Johannes Müller (Kiel)
ORC II: „Rarotonga“, Werner Lemmel (Berlin)
ORC III+IV: „Patent 4“, Klinghardt/Tebbe (Lübeck/Hamburg)

Eckernförde-Kiel:

Multihulls: „Dragonfly“, Lars Kämpfe (Flensburg)
ORC I: „Calypso“, Gerhard Clausen (Hamburg)
ORC II: „Rarotonga“, Werner Lemmel (Berlin)
ORC III+IV: „Patent 4“, Klinghardt/Tebbe (Lübeck/Hamburg)

Die Siegerliste Aalregatta:

Kiel-Eckernförde:

Startgruppe Rot: „Lilla Blas“, Thomas Beyer (Kiel)
Startgruppe Gelb: „Olga“, Claus Köhnlein (Kiel)
Startgruppe Grün: „Martha“, Felix Halberstadt (Kiel)
Startgruppe Blau: „Koilinen“, Sven Johnson (Kiel)

Eckernförde-Kiel:

Startgruppe Rot: „Lilla Blas“, Thomas Beyer (Kiel)
Startgruppe Gelb: „Astarte“, Klaus Ricklefs (Kiel)
Startgruppe Grün: „Martha“, Felix Halberstadt (Kiel)
Startgruppe Blau: „Shipman“, Thorsten Dmoch (Kiel)

Konzept 2020 geht auf

Der Wind war gut, bis die Schauer kamen. Nach dem großen Schauer kam er ganz zum Erliegen. Daher haben wir nicht in allen Klassen das volle Programm geschafft“, berichtete Regatta-Organisationsleiter Dirk Ramhorst. Neben dem Segelsport hat Ramhorst aber auch den Blick auf die Einhaltung der Hygieneregeln: „Wir haben den Eindruck, dass es gut angenommen wird. Und unser Konzept greift. Nach fünf Fällen von Temperaturauffälligkeiten haben wir Schnelltests vorgenommen, die aber alle negativ waren.“

420er

Die Akteure in der Nachwuchsklasse gehörten zu denjenigen, die nur ein verkürztes Programm segeln konnten. Allerdings war nicht allein der Wind schuld, sondern auch die Ungeduld der jungen Segler. Durch einige Frühstarts ging zu viel Zeit verloren, um auch noch das dritte geplante Rennen über die Bahn zu bringen. Die Ergebnisse der Klasse, die wegen der großen Meldezahl in zwei Gruppen segelt, wurden am Abend noch gerechnet.

Sonne und Wind gab es zu den zwei Wettfahrten der 420er. Foto: Sascha Klahn

505er

Bei den Fiven führt kein Weg an Wolfgang Hunger (Strande) und Holger Jess (Eckernförde) vorbei. Die Seriensieger der Kieler Woche sind auch in 2020 das Paradebeispiel für Beständigkeit. Alle bisherigen Wettfahrten kamen sie in den Top-Drei ins Ziel, übernahmen damit klar die Gesamtführung. Wolfgang Hunger steuert damit seinen 23. Erfolg an. „Die Serie ist schon ein Thema, weil man immer wieder darauf angesprochen wird. Und das beeinflusst auch“, sagt Hunger. Stress auf der Bahn gab es allerdings aus einem anderen Grund: „Am ersten Tag ist uns in der zweiten Wettfahrt der Großschotblock gebrochen, und eine 1:2-Übersetzung ist dann nicht besonders gut. Zwischen den Rennen müssten wir daher etwas umbauen“, so Hunger. Die Konkurrenz konnte es nicht ausreichend nutzen. Und an Tag zwei waren Hunger/Jess mit der Serie 1, 1, 3 kaum zu schlagen. „Das dritte Rennen war sehr wechselhaft. Wir waren mal auf Platz eins, aber auch mal nur Achter. Daher ist Rang drei okay“, sagte Vorschoter Holger Jess, der mit seinem Steuermann jede Gelegenheit nutzt, um sich mit der Konkurrenz zu messen: „Wir haben an Pfingsten Trainings organisiert, waren vor vier Wochen bei der Dänischen und vor zwei bei der Schwedischen Meisterschaft“, so Jess. „Wir sind dankbar, dass die Kieler Woche gesegelt wird und sehr motiviert. Nur so über die Förde zu segeln, ist dann eben doch etwas langweilig“, ergänzt Hunger. In der Gesamtwertung haben sich die beiden ein kleines Punktepolster vor Kai Bertallot/Moritz Klingenberg (Kiel) und Stefan Böhm/Gerald Roos angelegt.

Contender

Die fehlende Regatta-Praxis macht Contender-Weltmeister Max Billerbeck (Kollmar) weiterhin am Start zu schaffen. „Die erste Kreuz muss ich eigentlich gar nicht segeln“, ärgerte er sich über die jeweiligen Platzierungen in den drei Rennen an der ersten Tonne. Danach startete er zwar jeweils eine Aufholjagd, schaffte es immerhin auf die Ränge 3, 5, 7. In der Gesamtwertung rutschte er damit aber hinter seinen Trainingskollegen Eike Martens (Hamburg) auf Rang vier ab. „Eike ist stark gesegelt“, zollte Billerbeck Respekt. Ohne Makel agieren die Dänen. Sören Dulong Andreasen und Jesper Armbrust teilen bisher alle sechs Tagessiege untereinander auf. Andreasen führt insgesamt knapp vor seinem Landsmann.

Europe

Nach einem Tag mit Schwarz-Rot-Gold an der Spitze präsentiert sich das Feld der Europes wieder in gewohnt rot-weißem dänischen Outfit. Anna Livbjerg, die Kieler-Woche-Titelverteidigerin, kann ihre Frühstart-Disqualifikation aus dem zweiten Rennen streichen und steht nun an der Spitze eines dänischen Trios mit den Verfolgern Simon Christoffersen und Frederik Blöcher. Bester Deutscher ist auf Platz neun der Kieler Johann Tammen.

J/24

Seit Jahren gehört die Crew um Stefan Karsunke aus Hamburg zu den Top-Mannschaften in der J/24-Szene. Auf einen Kieler-Woche-Sieg muss das Team aber lange warten. 2006 hat Karsunke zuletzt das Event gewonnen, jetzt öffnet sich wieder das Tor zu einem weiteren Sieg. Nach fünf Wettfahrten liegen die Hamburger vor den Stadtrivalen von Manfred König und Hauke Krüss.

J/70

Das Hamburger Spitzenduo hat sich zu einem Trio erweitert. Claas Lehmann, der ehemalige 505er-Weltmeister, machte an Tag zwei mit einem Tagessieg und einem dritten Platz gehörigen Druck auf die beiden Spitzen-Steuermänner des Auftakts, Michael Grau und Carsten Kemmling. Auf Platz eins bleibt der Deutsche Meister von 2019, Michael Grau. Sein Taktiker David Chapman, der Profi aus Australien, hatte sich schon vorher auf die Rennen gefreut: „Der Samstag war schon sehr tough – wellig und windig. Wir sind besser zurechtgekommen, als wir es erwartet hätten. Denn wir mögen lieber flaches Wasser und moderaten Wind. Deshalb sind die leichteren Bedingungen besser für uns.“ In der ersten Tageswettfahrt spiegelte sich das zwar nicht im Ergebnis wider, denn mit Platz zehn segelte die Grau-Crew das Streichresultat ein. Danach aber überzeugten sie mit einem überlegenen Tagessieg. Auch Carsten Kemmling musste sein Streichresultat hinnehmen, liegt nun punktgleich mit Lehmann auf Gesamtrang zwei.

J/80

Boot repariert, Schnelligkeit wiedergefunden. In der J/80 ließ sich Martin Menzner (Stein) bisher nur von einem gerissenen Unterliekstrecker von Platz eins abbringen. Nachdem der Schaden am Samstagabend wieder repariert worden ist, gab es am Sonntag zwei weitere Siege zur klaren Gesamtführung. Dem Speed können auch die German-Open-Sieger von 2019 nicht folgen. Arne Wilcken (Kiel) muss als Zweitplatzierter derzeit die Überlegenheit der Menzner-Crew anerkennen. „Die sind einfach schnell“, so Thore Hansen aus dem Wilcken-Team.

Batbold Gruner aus Bad Zwischenahn verteidigte die Führung in der Nachwuchsklasse Laser 4.7. Foto: Sascha Klahn 

Laser 4.7

Einem herausragenden ersten Tag ließ Batbold Gruner einen guten zweiten Tag folgen, konnte die Ergebnisse von zwei Siegen zum Auftakt aber nicht ganz wiederholen: „Es ist noch ganz gut ausgegangen, aber ich habe heute nicht in den Modus gefunden, hatte nicht den Speed von gestern“, blickte er mit einer großen Portion Selbstkritik auf die Ergebnisse. Die reichten allerdings, um die Spitze zu verteidigen. Nach den Plätzen 5, 3, 4 führt der Dritte der Deutschen Jugendmeisterschaft von 2018 vor dem Schweden Erik Norlén und dem Dänen Magnus Heegard. „Nachdem so viele Regatten ausgefallen sind, hat die Kieler Woche einen extrem hohen Stellenwert“, so Gruner.

Laser Radial

Der Nachwuchs macht es der Weltmeisterin schwer: Bei den Laser Radial konnte sich der Niederländer Paul Hameeteman an der belgischen Top-Seglerin Emma Plasschaert vorbeischieben. Unter den 81 Teilnehmern lieferten sich die beiden Benelux-Segler*innen ein Fernduell segelten in verschiedenen Gruppen. Hameeteman hatte seine Konkurrenz besser im Griff, punktete mit 1, 1, 2, während der Weltmeisterin von 2018 diesmal mit 2, 2, 5 kein Tagessieg gelang. Auf Rang drei lauert die Dänin Anna Munch. Die hat bereits einen Kieler-Woche-Sieg in den Büchern stehen – allerdings 2014 in der Europe. Auf die Position als bester Deutscher hat sich Anton Nikolai Loeck geschoben. Der Flensburger belegt Rang acht.

Musto Skiffs

DDie Musto Skiffs legten vom ersten auf den zweiten Tag einen erstaunlichen Zuwachs hin. Die Beteiligung wuchs um 50 Prozent von acht auf zwölf Starter. Ein dennoch unbefriedigendes Meldeergebnis, das Deutschlands Top-Segler Iver Ahlmann aber zu begründen wusste: „Corona ist der Hauptgrund. Von den Niederländern fehlen einige, weil sie in dieser Saison nicht fit sind. Zudem wird in England gerade die nationale Meisterschaft gesegelt. Aber von dort wäre wegen Corona ohnehin kein großer Zulauf gekommen.“ 2020 ist ein hartes Jahr für die deutsche Szene der rasanten Skiffs. Eigentlich hätten sie im August vor Eckernförde gesegelt werden sollen, wurde wegen der Pandemie aber abgesagt. „Wir wollen die WM nun in zwei Jahren in Deutschland wiederholen. So ein Ereignis gibt einer Klasse immer einen Push. Aber es ist gar nicht so einfach, die richtigen Leute für die Klasse zu finden. Der Kreis wird wegen des großen Angebots immer kleiner“, sagt Ahlmann, der mit drei Siegen in Folge die Führung übernahm: „Ich habe Druck auf Paul Dijkstra gemacht und dann von seinen Fehlern profitiert.“ Der Niederländer nimmt Platz zwei vor Jan Busch (Aachen) ein.

Führungswechsel bei den Seeseglern

Der Platz an der Spitze war für den schnellen Gleiter nur einen Tag lang reserviert. Bei der Deutschen Meisterschaft der Seesegler zur Kieler Woche musste die „Halbtrocken 4.5“ von Michael Berghorn (Kiel) die Top-Position in der Gruppe ORC I+II wieder räumen. Nach der Langstrecke brachten die ersten Up-and-Down-Wettfahrten diejenigen Yachten in Position, die über starke Am-Wind-Eigenschaften verfügen. Auch in der Gruppe ORC III gab es einen Führungswechsel von der „Halbtrocken“ von Knut Freudenberg (Flensburg) auf die „Immac Fram“ mit Steuermann Kai Mares (Dänischenhagen). Lediglich die „Bostik Bad Boys“ (Jan Schmidt, Flensburg) verteidigte ihre Auftaktführung in der ORC IV.

Neuer Spitzenreiter bei den ORC I+II sind die Europameister von 2019, die „Sportsfreund“ mit Steuermann Gordon Nickel. Dabei hat die Mannschaft das Boot in diesem Jahr erst am Donnerstag ins Wasser gebracht und dann erstmals am Freitag gemeinsam trainiert. „Bei der ersten Halse habe ich noch gedacht: ,Oha, das wir spannend!‘ Aber dann haben wir uns schnell zurechtgefunden“, berichtete Crew-Mitglied und Klassenvereinigungsvorstand Bertil Balser. Dass die „Halbtrocken 4.5“ zum Auftakt nicht zu schlagen war, hatte Balser erwartet: „Dazu war der Anteil der Reach-Kurse auf der Langstrecke zu groß.“ Nach zwei Tagen profitiert die „Sportsfreund“ von ihrer Konstanz (2, 3, 3, 1). Die „Intermezzo“ von Jens Kuphal auf Gesamtplatz zwei legte zwar eine starke Performance auf den Up-and-Down-Kursen hin (7, 1, 1, 5.5), schleppt aber noch den siebten Rang von der Langstrecke mit, der nicht gestrichen werden kann. „Auf der Langstrecke waren wirklich alle Kurse dabei, die das Boot nicht mag“, so Kuphal. „Auf den Up-and-Downs haben wir die richtige Antwort gegeben. Wenn wir einen perfekten Start hinlegen, dann haben wir alle Optionen in der Hand. Leider mussten wir in der dritten Tageswettfahrt einen Frühstart bereinigen.“ Noch sei in der Meisterschaft alles offen, sagte der „Intermezzo“-Eigner und das sportliche Niveau sei sehr in der ORC I+II sehr hoch. Im Zwischenklassement führt die „Sportsfreund“ vor der „Intermezzo“ und der „Halbtrocken 4.5“.

Vier Starts und vier Siege in der IDM-Klasse ORC IV: die Melges 24 „Bostik Bad Boys“. Bei der geplanten gemeinsamen Wertung mit der Klasse ORC III wird es nicht reichen. Foto: www.segelbilder.de

Zurück zur Überlegenheit des Vorjahres: So könnte das Motto der „Immac Fram“ in der ORC III lauten. Nachdem es in der Langstrecke am Samstag „nur“ zum zweiten Platz reichte, war die Crew in den Kurzwettfahrten am Sonntag top auf Kurs. Auf zwei Siege und einer längeren Flautenpause folgte allerdings ein dritter Platz. So bleibt der Titelkampf mit der „Halbtrocken“ um Eigner und Steuermann Knut Freudenberg spannend, der nach dem Sieg auf der Langstrecke auch auf dem letzten Up-and-Down am Sonntag triumphierte. Zudem ist die dänische „Stony VIII“ noch mitten drin im Meisterschaftsgeschehen.

Eroberte in der Klasse der ganz Großen die Spitze: Die „Sportsfreund“ (Gordon Nickel) führt in der Klasse ORC I. Foto: www.segel-bilder.de

Wie sich die Ergebnisse der ORC III zum IDM-Abschluss am Dienstag in der Meisterschaftswertung auswirken, zeigt sich erst nach Einberechnung der Klasse ORC IV. Die kleinen Schiffe starten zwar in einer eigenen Gruppe und segeln auch einen eigenen Kieler-Woche-Sieger aus, für die Deutsche Meisterschaft gibt es allerdings eine gemeinsame Wertung. Und da geht es nach berechneter Zeit. Für die in ORC IV makellosen „Bostik Bad Boys“ scheint es aktuell in der kombinierten Wertung nicht zu einer Top-Platzierung zu reichen.

In knackigen Runden über die Betonpiste

Die Förde glitzert direkt an der Kai-Kante, die Kieler Kran-Kulisse grüßt im Hintergrund: Bei ihrem ersten Auftritt zur Kieler Woche haben die Piloten*innen der Blokarts den Top-Spot der Landeshauptstadt erwischt. Neun Aktive in den kleinen Kisten präsentieren auf der weltgrößten Segelveranstaltung einen weiteren Aspekt des Sports. Auf der kleinen Betonpiste des ehemaligen MFG 5 in Friedrichsort genießen die Landsegler das maritime Flair und die Aufmerksamkeit im Rahmen der Kieler Woche.

„Es ist großartig, hier segeln zu können. Wir sind den Organisatoren sehr dankbar, dass sie das möglich gemacht haben“, sagt Alexander Bruhn, der Deutschland-Repräsentant der Klasse. „Blokart-Segeln macht einfach riesigen Spaß. Es ist eine Mischung aus Segeln und Kartfahren.“ Auch wenn es nur eine kleine Gruppe von neun Teilnehmer*innen ist, die in Friedrichsort auf die Piste geht, kommt Bruhn regelrecht ins Schwärmen: „Wir haben wirklich den geilsten Kurs auf der gesamten Kieler Woche bekommen“, sagt er und weist auf den freien Blick über die Förde: „Wir müssen nur den Kopf drehen und können die Yachten unter Spinnaker sehen. Man muss aufpassen, dass man nicht ein bisschen horizontverliebt wird.“

So befruchten sich die Kieler Woche und die Kart-Segler gegenseitig. So nah ran an den Segelsport kommt man sonst nicht. Noch sind die Blokarts zwar ein Randaspekt zur Kieler Woche, und auf dem MFG 5 schauen nur ein paar Fußgänger und Radfahrer vorbei. Die bleiben aber sofort stehen, zücken die Smartphones, um die rasanten Aktionen festzuhalten.

„Wie die Kat- und Eissegler auch sind wir schneller als der Wind“, sagt Bruhn. „Dabei ist es so einfach: Schoten dicht und los geht’s!“ Das Setup der Blokarts ist in der Tat denkbar reduziert: ein surfähnliches Segel auf einem dreirädrigen Buggy, von denen einige mit aerodynamischer und windschützender Verkleidung ausgestattet sind. Viele Trimmmöglichkeiten gibt es nicht im Kart, und so kommt es darauf an, den Wind gut lesen zu können und das Gefährt immer in Fahrt zu halten.

Anders als auf den großen Landsegel-Regatten, zu denen auch schon mal 60 Karts an den Start gehen, ist das Geschehen in Kiel sehr familiär, funktioniert vielfach in direkter Absprache zwischen der Wettfahrtleitung um die beiden Schwestern Fabia und Malena Paschen (MSC Hamburg) und den Akteuren. „Zwei Minuten bis zum Start“, heißt das Signal von den beiden Schwestern. „Nee, mach noch mal. Aber mit Countdown bis zu den zwei Minuten“, kommt es zurück. Also beginnt das Prozedere noch mal.

Dann aber geht es los. Mit etwas Schwung per Hand auf Hinterrad werden die Buggys aus dem Wind gedreht. Schnell nehmen die Wagen Fahrt auf, drehen in der Vorstartphase ein paar Runden, um auf Touren zu kommen. Der Blick der Piloten*innen ist auf die Rote Fahne gerichtet. Wenn die fällt, ist das Rennen eröffnet: Gedränge am Start – Bremsmanöver – wieder beschleunigen. Ein kurzer Kreuzkurs, rund um zwei Straßenhütchen, dann auf den Vormwindkurs, anschließend auf den Halbwinder. Der enge Parcours bietet alle Optionen, knackige Runden mit engen Begegnungen.

Zwischendurch wird per Zuruf noch mal das Regelwerk geklärt: „Sorry, wollte dich nicht abdrängen.“ „Darf ich das?“ Zur Kieler-Woche-Premiere treffen eben alte Hasen wie Klassen-Chef Alexander Bruhn und pure Anfänger aufeinander. Krisha Paschen, die Mutter der beiden Wettfahrtleiterinnen, hat sich spontan zu einem Start in Kiel entschieden. Bis zum Morgen kannte sie nur das Segeln auf dem Wasser mit einem RS Aero. An Land musste sie ordentlich Lehrgeld bezahlen. „Der Einstieg war etwas holprig. Ich hatte ein zu großes Segel und bin viermal mit dem Wagen umgekippt“, berichtet sie. Mit einem kleineren Segel läuft es dann besser, und die Hamburgerin ist begeistert: „Ich fühle mich wie in der Formel eins!“

Es ist eine bunte Gruppe, die sich in Kiel zusammengefunden hat. Hier segeln alle Performance- und Gewichtsklassen, die sonst getrennt agieren, gemeinsam über den Parcours. Und auch im Alter gibt es keine Limits: Christel Kranz ist mit ihren 73 Jahren noch lange nicht zu alt für das Abenteuer.

Nach den Trainingsrennen am Freitag war der Samstag vollgepackt mit offiziellen Rennen. Und auch heute soll es noch bis zu 20 Mal über den Kurs gehen, bevor am späten Nachmittag der historisch erste Sieger im Blokart-Segeln zur Kieler Woche im 139. Jahr feststeht.

TV statt 470er: Die 470er sind bei der diesjährigen Kieler Woche ebenso wie 2019 nicht am Start. Da auch die EM auf Mallorca abgesagt worden ist, steht die nationale Ausscheidung in der Zweihandjolle still. Die Frauen haben allerdings schon den deutschen Nationenplatz gesichert. Doch ganz ohne Kieler Woche geht es für die 470er-Frauen nicht. Anna Markfort, Vorschoterin von Frederike Loewe, ist als Reporterin im Kielerwoche.tv-Einsatz. Ihre Trainingskollegin Theres Dahnke (alle Kiel) ist in der Jury aktiv.

Open zum Training: Die Top Ten der Welt haben für die Laser-Radial-Wettfahrten der Frauen im zweiten Teil der Kieler Woche gemeldet. Dazu tritt ab Donnerstag auch das komplette Medaillentrio aus Rio de Janeiro (Brasilien) in Kiel an. Doch nur wenige nutzen die gemischten Radial-Open-Regatten im ersten Teil der Kieler Woche zum Testen, so die belgische Weltmeisterin von 2018, Emma Plasschaert, und die amtierende WM-Fünfte aus Polen, Magdalena Kwasna. Die deutschen Top Seglerinnen schonen sich für den zweiten Kieler-Woche-Teil, wenn es um die interne deutsche Olympia-Qualifikation geht.

Strahlende Gesichter zum Auftakt

Der Regattachef der Kieler Woche, Dirk Ramhorst, strahlte schon früh am ersten Tag der Kieler Woche 2020. Die Segler auf dem Wasser, die Wind- und Wettervorhersage verheißungsvoll: Alles deutete auf einen reibungslosen Auftakt in die besondere Ausgabe der Kieler Woche hin. Und auch am Abend durfte sich Ramhorst weiter freuen. Mit drei Wettfahrten für alle zehn Jollenklassen konnte das geplante Programm gesegelt werden. Die Bedingungen mit böigen und drehenden Winden waren dabei durchaus anspruchsvoll.

420er

Der stärkste deutsche Nachwuchs im 420er agiert jenseits der See-Reviere. Das scheint sich auch zur Kieler Woche zu bewahrheiten. Die Düsseldorfer Florian Büscher/Jacob Lanzinger haben die Führung inne. Dahinter folgen berühmte deutsche Seglernamen. Lilli Zellmer (Rahnsdorf), Tochter von Ex-Olympiasegler Lucas Zellmer, segelt mit Vincent Bahr (Berlin) derzeit auf Rang zwei. Die dritte Position nehmen Jonathan Steidle/Leonardo Honold aus Überlingen ein.

505er

Schafft es Wolfgang Hunger, seine Rekord-Siegesserie vor Kiel auf 23 Erfolge zur Kieler Woche auszubauen? Das ist eine der zentralen Fragen in der ersten Hälfte der weltgrößten Segelveranstaltung. Gemeinsam mit Vorschoter Holger Jess muss sich der Arzt aus Strande in seinem Wohnzimmer mit 25 Konkurrenten höchster Qualität auseinandersetzen. Darunter weitere Weltmeister und auch der FD-Olympiasieger von 1988 Jörgen Bojsen-Möller. Am ersten Tag lief es sehr gut für die Abonnement-Sieger: Mit der Serie 2, 3, 2 sind Hunger/Jess allerdings nicht Spitze. Diese Position nimmt der leitende Trainer des Kieler YC ein. Kai Bertallot steuerte mit Vorschoter Moritz Klingenberg zu zwei Siegen und einem zweiten Platz. Vor den Gesamtdritten Hunger/Jess schoben sich noch Stefan Böhm/Gerald Roos (Ville).

Contender

Der amtierende Contender-Weltmeister Max Billerbeck gilt als Leichtgewicht und als Leichtwindspezialist. Aber mit den Plätzen 8,3,2 liegt der deutsche Segler des Jahres nach dem ersten Tag bei fünf Windstärken als bester Deutscher auf Rang drei. Foto Klahn/Kieler Woche

Deutscher Meister, Weltmeister und Deutschlands Segler des Jahres 2019. Das vergangene Jahr lief nahezu perfekt für Max Billerbeck. Nur zur Kieler Woche musste sich der Bootsbauer geschlagen geben. Mit Platz zwei hinter Sören Dulong Andreasen war er 2019 aber auch hier auf dem Treppchen. Der Däne ist auch in diesem Jahr das Maß der Dinge vor Kiel, führt nach den ersten drei Wettfahrten mit zwei Siegen und einem dritten Platz. Billerbeck musste erst einmal wieder in den Regattamodus finden: „Es ist erst die zweite Regatta in Deutschland. Mir fehlt noch die Routine – gerade bei den Starts. Ich habe mich nicht so gut vorbereitet gefühlt, und es war nicht mein Wind. Für die Bedingungen fehlen mir rund 15 Kilo. Dafür lief es eigentlich ganz gut.“ Mit den Plätzen 8, 3, 2 liegt er im Zwischenklassement auf Platz drei. Im letzten Rennen musste Billerbeck sogar noch einen Frühstart bereinigen, freute sich daher umso mehr über den ersten Tag. Für den morgigen Sonntag ist weniger Wind angesagt. Gute Voraussetzung für einen deutschen Angriff auf das führende Dänen-Duo mit Sören Dulong Andreasen und Jesper Armbrust.

Europe

Die Europe-Klasse ist zur Kieler Woche seit Jahren eine skandinavische Domäne. Diesmal mischt sich ein Deutscher kräftig ein. Martin Kotte (Müritz) hält nach einem zehnten Platz zum Auftakt sowie einem Tagessieg und einem dritten Platz die Dänen Simon Christoffersen und Frederik Blöcher knapp auf Distanz.

Laser 4.7

Batbold Gruner vom Zwischenahner Meer bewies bei den Laser 4.7 ein sehr gutes Gespür für den Kieler Wind. Er startete mit einem dritten Platz, ließ dann zwei Siege folgen, um sich auf Platz eins des Zwischenklassements wiederzufinden. Beeindruckend vor allem der Sieg im dritten Rennen. An der letzten Luvmarke lag er noch auf Platz drei, setzte dann auf Angriff und wählte auf dem Vormwindkurs einen anderen Kurs als die beiden vor ihm Liegenden. Mit Erfolg: Gruner zog vorbei, verteidigte die knappe Führung bis ins Ziel und ballte schließlich die Siegerfaust nach einem starken Auftakt. Hinter dem Deutschen folgen die Dänin Annelie Friis Jensen und der Schwede Erik Norlén.

Laser Radial

Ole Schweckendiek (KYC) wechselte erst zu dieser Saison vom Laser 4.7 in den Laser Radial. Mit Platz 17 zeigte sich der Nachwuchssegler aus Kiel zufrieden.

Im ersten Teil der Kieler Woche wird die Laser Radial-Klasse offen gesegelt. Damit konkurriert der männliche Nachwuchs mit den Frauen aus dem olympischen Circuit. Und noch kann Emma Plasschaert, die Weltmeisterin von 2018, die Jungs in Schach halten. Die Belgierin führt nach drei Rennen (1, 3, 1) vor dem Niederländer Paul Hameeteman (2, 1, 2) und dem Norweger Theodor Middelthon (1, 2, 4). Der beste Deutsche folgt auf Platz neun. Eric Mallach aus Hamburg nimmt diese Position derzeit ein. Für Ole Schweckendiek, Deutschlands Nachwuchssegler der Jahres 2019, ist es die erste Bewährungsprobe im Laser Radial, nachdem er im vergangenen Jahr alle großen deutschen Regatten im Laser 4.7 gewonnen hat. „Ich bin sehr zufrieden. Es hat alles gut geklappt. Die Konkurrenz aus vielen Ländern ist sehr stark“, berichtete der Schweckendiek, der sich gern mit den Top-Athletinnen misst und die Gelegenheit nutzt, um sich etwas abzugucken: „Natürlich will man immer gewinnen. Ich bin ambitioniert, trainiere sehr viel und möchte gern an meine Erfolge vom Laser 4.7 anknüpfen.“ Dazu fehlen dem Kieler noch vier bis fünf Kilo zum Optimalgewicht. Die will er sich in den kommenden Monaten antrainieren, um dann in 2021 im Laser Radial anzugreifen, und sobald es möglich ist, in den olympischen Laser Standard zu wechseln. Derzeit liegt er im Zwischenklassement auf Rang 17.

Musto Skiff

Nur ein kleines Feld der kippeligen Musto Skiffs traute sich bei den Wetterbedingungen auf das Wasser. Der Niederländer Paul Dijkstra führt die Flotte nach drei Rennen vor den Deutschen Iver Ahlmann (Kiel) und Ralf Bussing (Steinhude) an.

J/24

Einer Berliner Crew ist es gelungen, eine Lücke in die Armada der Hamburger J/24-Segler zu schlagen. Zwischen den Elbe-Crews von Stefan Karsunke (Platz eins) und Hauke Krüss (Platz drei) platzierte sich die Mannschaft von der Havel um Frithjof Schade.

J/70

Die größte Kielboot-Einheitsklasse zur Kieler Woche bilden die J/70. 32 Mannschaften aus drei Nationen sind glücklich, endlich Regatta segeln zu können. An der Spitze entwickelt sich ein Zweikampf der NRV-Teams. Michael Grau, der Deutsche Meister des vergangenen Jahres, hat aufgrund des Streichers nach der Serie 5, 2, 1 den Bug vorn. Es folgt Segelreporter Carsten Kemmling, der 2017 die IDM-Premiere der J/70 gewonnen hatte, mit der Serie 3, 1, 2. Aber auch die Niederländer um Maarten Jamin (1, 4, 6) legten eine beständige Serie von Top-Ergebnissen hin.

J/80

Das Spitzenteam schlägt zurück. Nachdem die J/80-Dominatoren der vergangenen Jahre um Martin Menzner (Stein) in 2019 die großen Regatta-Siege der Mannschaft von Arne Wilcken (Kiel) überlassen mussten, steuern sie nun wieder auf Erfolgskurs. Nach zwei Siegen konnte sie in der dritten Wettfahrt nur ein gerissener Unterliekstrecker stoppen. Doch mit 1, 1, 3 führen sie das Klassement vor Arne Wilcken (2, 2, 1) und Torsten Voss (Flensburg, 3, 3, 4) an.

Spektakulärer Start in die Kieler Woche 2020

Der Termin ist ein anderer, das Spektakel auf dem Wasser bleibt. Auch nach der Corona-bedingten Verlegung vom Juni in den September geizt die Kieler Woche nicht mit aufregenden Segelmomenten. Seesegler*innen und Zuschauer*innen an der Kiellinie surften mit dem Start ins Geschehen gleich auf einer Adrenalinwelle. 130 Yachten wurden vor dem Sportboothafen Düsternbrook auf die Mittelstrecke geschickt, die dänischen Profis um Nicolai Sehestedt versuchten auf ihrem fliegenden Kat den Angriff auf die Rekordzeit Kiel-Eckernförde, und der holländische Renner „van Uden“ schlug auf der Startlinie quer und legte sich vor der Flotte der Teilnehmer um die Deutsche Seesegel-Meisterschaft auf die Seite.

Doch der Reihe nach: Wind aus West, ein grauer Himmel mit blauen Flecken und ein paar Schauern bildeten das Szenario zum ersten Tag der Kieler Woche. Kein Problem für die Seesegler, wird dieses Wetter der Kieler Woche doch seit Jahren als typisch angedichtet. Mit dem ersten Start wurde es auch sofort rasant. Die Multihulls wurden auf den freien Weg nach Eckernförde geschickt – mit einer klaren Ansage des dänischen Rockwool-Teams. Die Katamaran-Experten sind seit diesem Jahr Part des hochprofessionellen SailGP-Circuits. Da die Formel eins des Segelsports aber pausiert, haben sich Steuermann Nicolai Sehestedt und seine Crew die Rekordjagd in der Ostsee zur Aufgabe gemacht. Der Kieler-Woche-Auftakt mit der Regatta Kiel-Eckernförde stand dabei auch im Fokus des rot-weißen Teams, das dafür seinen foilenden GC32 auf den Kurs brachte.

Die Referenzzeit auf dem knapp 30 Seemeilen langen Kurs zwischen Kiel und Eckernförde steht seit 2014 bei einer Stunde, 47 Minuten und 22 Sekunden durch den 70-Fuß-Trimaran Musandam-Oman Sail. Die „Rockwool“ ist zwar nur halb so groß, schaltet aber mit seinen Foils auf Flugmodus. Und mit dem Start hoben die Dänen auch gleich ab. Punktgenau mit dem Startschuss rollten sie den Gennaker aus und zogen dicht an der Kiellinie entlang. Zu dicht, um diesen Schlag lange durchstehen zu können. In Landabdeckung klatschten die Rümpfe auf das Wasser. Sehestedt musste zwei frühe Halsen hinlegen und kreuzte damit hinter dem Sach-Team auf dem nicht-foilenden M32-Katamaran „itelligence“ den Kurs. Bis kurz vor Friedrichsort benötigten die Dänen, um sich wieder an den Zarnekauern vorbeizuarbeiten. Im Anschluss flogen sie zwar dem Ziel entgegen, aber der Wind stand nicht dauerhaft kräftig genug durch, um den Rekord zu ermöglichen. Fünf Minuten fehlten dem „Rockwool“-Team schließlich zum Rekord von 2014.

Die „Rockwool“ (Dänemark) um Steuermann Nicolai Sehestedt verpasste den Geschwindigkeitsrekord von Kiel nach Eckernförde um fünf Minuten. Der Rekord steht seit 2014: Eine Stunde, 47 Minuten und 22 Sekunden benötigte der 70-Fuß-Trimaran Musandam-Oman Sail

Währenddessen hatten sich auch die Yachten des Welcome Races und der Aalregatta auf den Weg gemacht, die naturgemäß deutlich länger für die Strecke nach Eckernförde brauchen werden. Bis zum Abend werden die Flotten der ORC- und Yardstick-Wertung im benachbarten Ostseeort erwartet, um dort bei einem frisch geräucherten Aal im Päckchen des Eckernförder Hafens zu liegen und einer Siegerehrung unter Corona-Bedingungen zu erleben. Nur per Funkaufruf und nach Crews sortiert dürfen die Preisträger zum Empfang der Trophäen aufmarschieren.

Den Abschluss des Startreigens vor Kiel bildeten die 28 Crews der Deutschen Seesegel-Meisterschaft. Die wurden von den Wettfahrtleitern Eckart Reinke und Ralf Paulsen allerdings auf einen anderen Kurs geschickt. Da es für die Meisterschaftssegler bereits am Sonntag zu den Up-and-Down-Rennen auf der Außenförde geht, werden sie am Samstagabend wieder in Schilksee erwartet. Bis dahin müssen sie aber ein gehöriges Stück Arbeit erledigen. Bis vor Schleimünde führt der Kurs für die großen Yachten nach ORCi-Vermessung. Rund 65 Seemeilen hat Reinke abgesteckt, die Klassen der mittleren und kleinen Schiffe müssen immerhin 45 Seemeilen segeln. „Die Kieler Woche in diesem Jahr kann an Land nicht so viel bieten, wie sonst üblich. Daher können wir auch bis spät in den Abend hinein segeln. Das werden wir auch in den kommenden Tagen so handhaben“, erklärt Reinke.

Vor dem langen Kurs gab es zum Start für die schnelle „van Uden“ zunächst einmal einen Schreckmoment. Das Junioren-Projekt ist von Skipper Gertjan Poortman in den vergangenen Wochen auf Performance getrimmt worden. Und nun wollte die junge Crew auch zeigen, was in ihr steckt. Mit Hochgeschwindigkeit und exaktem Timing rauschte die Ker 46 an die Linie, der Gennaker ging auf – alles sah perfekt aus. Doch der Gennaker war nicht ganz oben, eine Böe drückte ins Tuch, die „van Uden“ lief aus dem Ruder, schlug quer und legte gleich einen doppelten Sonnenschuss hin. Der Abstand zu den verfolgenden Booten reichte zwar, um die Yacht rechtzeitig wieder aufzurichten, aber die schnelle Führung war dahin.

So setzte sich die „Halbtrocken 4.5“ von Michael Berghorn an die Spitze. Die frisch aus Australien importierte Mills 45 hatte sich schon zum Blueribboncup vor zwei Wochen als schnellste Yacht in der deutschen Ostsee-Regattaszene präsentiert und wird nun auch am Abend als First Ship Home wieder in Schilksee erwartet. Ob es auch berechnet zu einer Topplatzierung reichen wird, muss sich zeigen, denn die Konkurrenz ist stark. Mit der „Sportsfreund“ um Steuermann Gordon Nickel und der „Intermezzo“ von Jens Kuphal sind die amtierenden Europa- und Deutschen Meister dabei. Und bei den Yachten der mittleren und kleinen Kategorie zielen die Wetten über den Gesamtsieg auf die „Immac Fram“ um Skipper Kai Mares, auch wenn die sich zum Start in die Kieler Woche noch etwas zurückhielt, um dann das Feld aufzurollen.

Nach den Seeseglern gingen ab 13 Uhr auch die zehn Klassen auf den Dreiecksbahnen vor Schilksee auf die Bahn. Drei Rennen sind für die Jollensegler geplant.

Erste Bewährungsprobe und Saisonhöhepunkt

Endlich Segeln, endlich Meisterschaftskampf! Wenn die Kieler Woche am morgigen Samstag mit dem ersten Start um 9 Uhr in ihre 126. Auflage im 139. Jahr startet, dann beginnt eine der ungewöhnlichsten Ausgaben der weltgrößten Segelveranstaltung seit 1882. Doch allen Corona-bedingten Einschränkungen und Auflagen zum Trotz ist die Begeisterung unter den Segler*innen groß, endlich wieder in den Modus einer Großregatta zu kommen. Einer der Höhepunkte der Kieler Woche 2020 wird die Internationale Deutsche Meisterschaft der Seeseglerinnen werden, die zum Auftakt aus der Kieler Innenförde auf den Mittelstrecken-Kurs geschickt werden.


Das Hafenvorfeld im Olympiahafen von Schilksee hat ein ungewöhnliches Kieler-Woche-Kleid angelegt. Dort, wo sich sonst die Pagoden der Schausteller und Partner aneinanderreihen, prägen nun Absperrgitter das Bild. Pfeile auf den Boden weisen den Weg, Supervisor stehen bereit, um Fragen zu beantworten. Aber sowohl Organisatoreninnen und Helferinnen als auch Aktive haben sich mit der ungewöhnlichen Situation arrangiert. Mit Abstand und dem Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes werden die Jollen aufgebaut, die je nach Klasse in abgetrennten Bereichen sortiert sind.
Während sich die Jollen schnell an das neue Setup gewöhnt haben, taten sich bei den Yachten ein paar unerwartete Probleme auf. Da im Hafen nur ein begrenztes Kontingent an Liegeplätzen zur Verfügung steht, passten nicht alle geplanten Boxen mit den Ausmaßen der Yachten zusammen. Doch mit entsprechender Flexibilität aller Beteiligten wurden diese Probleme schnell gelöst.
Für die Titelanwärter unter den Yacht-Crews stand am Freitag noch intensive Bootspflege an. Diverse Teams schickten Taucher in das Wasser, um das Unterwasserschiff auf High-Performance zu trimmen. So musste auch Nils Reichert ins Wasser. Gemeinsam mit Knut Freudenberg strebt er auf der „Halbtrocken“ die Titelverteidigung bei der Deutschen Meisterschaft der Doublehand-Offshore-Segler an, aber auch bei der IDM der Seesegler mit voller Crew in der Gruppe ORC 3 / 4 will die „Halbtrocken“, die First 36.7, im Kampf um die Medaillen eingreifen.
„Die Crew ist heiß auf die Kieler Woche. Es ist das erste Mal in diesem Jahr, dass wir in dieser Zusammensetzung segeln können“, berichtet Freudenberg. „In unserer Gruppe ist die ‚Immac Fram‘ favorisiert. Da passt der Rennwert, und die Mannschaft hat wohl intensiv trainiert. Unser Ziel ist es, in die Top-Drei zu kommen.“ Zur Titelverteidigung bei den Doublehandern sieht Freudenberg viele Fragezeichen: „Die Gruppe ist anders aufgestellt als im vergangenen Jahr. Und für uns sind die Kurse wichtig. Wir brauchen große Kreuzanteile, um unseren Rennwert raussegeln zu können.“


Eine große Blackbox ist die Kieler Woche für die Crew der „Sportsfreund“. Die Europameister des vergangenen Jahres haben das Boot, eine X 41, erst vor zwei Tagen ins Wasser gebracht und wollten am Freitag noch einen kleinen Trainingsschlag machen, um dann in der ORC-Gruppe 1 / 2 wieder auf den Erfolgskurs einschwenken zu können.


Eine Regatta im Vorsprung ist in dieser Gruppe die „Intermezzo“, die beim Blueribboncup vor zwei Wochen den Gruppensieg einfahren konnte. Allerdings musste Eigner und Steuermann Jens Kuphal seine Mannschaft auf der Landmark 43 noch kurzfristig umbauen. Die zweimalige Weltumseglerin Annie Lush hat ihr Kommen von Mallorca absagen müssen. „Zum Glück haben wir mit Phil Blinn einen guten Ersatz finden können“, ist Kuphal zuversichtlich, nach dem IDM-Sieg im vergangenen Jahr nun wieder um den Titel mitkämpfen zu können. Die Yacht ist dafür hervorragend vorbereitet, hat im Winter unter der Regie von Trimmer Max Gurgel ein intensives Refit erhalten. Wichtigste Punkte dabei: Der Kiel hat ein verändertes Profil erhalten, und die gesamte Yacht wurde um 450 kg Gewicht erleichtert. „Das war erstaunlicherweise gar nicht so schwierig. Obwohl der ehemalige Eigner Claus Landmark zwei Mal mit dem Boot Weltmeister war, hat er das Boot auch noch zum Cruisen genutzt. So konnten wir einige Ausrüstung wie eine Keramik-Toilette, Kühlschrank, Elektronik-Winschen und große Batterie für die Bakstag-Hydraulik ausbauen“, berichtet Gurgel. „Im Rennwert war die Veränderung gar nicht so groß. Wir müssen nach GpH eine Sekunde schneller segeln. Das sollte zu schaffen sein.“


*Die Seesegel-Meisterschaft hat auch für internationale Crews eine hohe Anziehungskraft. Für die „Happy Hour“ aus Polen, eine Italia 9.98, ist die Kieler Woche die erste Bewährungsprobe überhaupt. „Wir haben das Boot zu dieser Saison aus Dänemark gekauft, konnten bisher nur zwei lokale Regatten segeln“, so Steuermann Robert Gwózdz. „Jetzt freuen wir uns, auf hohem Niveau segeln zu können. Unser Ziel ist die ORC-WM im kommenden Jahr in Estland.“ Vor einer Woche hat die Überführungscrew die Überfahrt von Gdynia angetreten, um rechtzeitig in Kiel zu sein.
Ein allererster Test für die gesamte Mannschaft ist die Kieler Woche auch für die niederländische „van Uden“. Gerdjan Poortman und Jaap van Rijckevorsel führen als Trainer das Junioren-Projekt auf der Ker 46, übernehmen an Bord lediglich die Position als Runner, um die junge Mannschaft mit einem Durchschnittsalter von 21 Jahren zu beobachten und zu führen. „Wir haben das Projekt mit dem ‚Rotterdam Offshore Racing Team‘ im Winter gestartet, wurden dann aber durch Corona ausgebremst. Erst im Juli konnten wir mit dem Training beginnen. Die Kieler Woche wird unsere erste Regatta. Wir sind sehr froh, dass die Organisatoren das möglich machen“, erklärt Poortman. Die Umschulung der bisherigen Jollen- zu Seeseglern zielt darauf ab, den Weg in das professionelle Segeln zu öffnen. „Der Fokus zur Kieler Woche liegt auf uns selbst, um uns zu verbessern. Natürlich wollen wir immer gewinnen. Aber die Yacht ist eher IRC- als ORC-optimiert.“ Daher ist das große Ziel der Kampagne die Teilnahme am Fastnet Race im kommenden Jahr. Die Teilnahme an der IDM der Seesegler zur Kieler Woche 2020 wird dahin der erste Meilenstein.
Mit den ersten Starts am Samstag ist der Kampf um die deutschen Titel eröffnet. Die IDM-Segler gehen ab 10.30 Uhr auf die Bahn. Zuvor starten die Yachten der breitensport-orientierten Regatten um das Welcome-Race und der Aalregatta.

Obwohl die Kieler Woche 2020 in ihrem Angebot für Interessierte und Zuschauer deutlich eingeschränkt ist, ergeben sich doch einige Möglichkeiten, um Segelsport zu erleben.
Maritimes Erlebnis: Kieler Woche plus X können auch Segel-affine Nicht-Bootseigner live erleben. Eine große Auswahl an Schiffen, unter anderem die „Thor Heyerdahl“, bieten Halbtages-, Tages und Abendtörns an. So kostet ein Abendtörn auf der „Thor Heyerdahl 30 Euro. Ein besonderes Highlight ist sicherlich die Segelparade am Samstag, den 12. September, an der viele kleine und große Schiffe teilnehmen. Buchung unter: www.kiel-sailing-city.de/schiffstouren

Open-Camp-Schnupperstörns: Das Camp 24/7, das bis Ende der Kieler Woche geöffnet ist, bietet zur Kieler Woche Minitörns auf Segelkuttern an. Die Kosten betragen 7 Euro, eine Anmeldung ist unbedingt erforderlich. www.camp24-7.de/veranstaltungen

Segelkino: Alle kennen das Autokino, die Segelstadt Kiel bietet ein Segelkino. Zum einen natürlich für Skipper mit eigenem Boot, aber auch Nicht-Bootseigner können das Segelkinio an Bord eines Traditionsseglers erleben. Alle Boote bekommen einen Ankerplatz zugewiesen, und das Segelkinoprogramm am Küstenkraftwerk der Stadtwerke Kiel kann starten. Die Vorstellung beginnt ab Samstag, den 5. September täglich um 20 Uhr. Check-in ist täglich um 18 Uhr, Rückkehr um 22.30. Buchung für 35 Euro unter: www.kiel-sailing-city.de/schiffstouren

Messe: Boot & Fun inwater legt los

Die Messe Boot & Fun inwater präsentiert vom 4. bis 6. September 2020 die aktuellen Trends im Wassersport und lädt in die Blütestatt Werder (Havel) zum Schauen, Testen und Kaufen ein. Mit einem Ausstellerzuwachs von rund 20 Prozent im Vergleich zum Vorjahr, erwartet die Besucher somit nicht nur ein einzigartiges, sondern auch ein besonders umfangreiches Angebot rund um den Wasser- und Outdoorsport. Bereit stehen Boote der Marken Bavaria, Fjord, Galeon, Jeanneau, Marex, Prestige, Sea Ray sowie erstmalig in diesem Jahr auch von Aquador, Beneteau, Nimbus und Finval. Vergrößert hat sich ebenfalls das Repertoire an Hausbooten und Angelbooten auf der Schau.

Auf der Boot & Fun inwater gelten die aktuellen Hygiene- und Sicherheitsregeln.

Weitere Informationen finden Sie auf der Website der Boot & Fun inwater.

Das sagen Aussteller vor Beginn der Veranstaltung

„Für uns ist das Besondere an der Boot & Fun inwater, dass die Boote und Yachten in ihrem Element Wasser zu entdecken und erleben sind. Wir sind sehr stolz, dass die Veranstaltung zum dritten Mal in unserer Marina Havelauen in Werder (Havel) im schönsten Binnenrevier Europas stattfindet“, Armin Burchardi, 1. Vorsitzender Werder Maritim e.V.

„Wir freuen uns sehr auf die Boot & Fun inwater, da es für uns und die meisten Kunden die erste Messe seit Februar ist. Ich finde es besonders wichtig, dass wir alle wieder nach vorne blicken und den erholsamen Wassersport wieder leben können. Ich vermute, dass die Boot & Fun inwater dieses Jahr einen besonderen Stellenwert hat und damit auch eine enorme Wirkung für Markt und Kunden. Da sie im Hafen und damit draußen stattfindet, ist es für uns alle leichter, die Hygiene-Maßnahmen umzusetzen“, Meik Lessing, Enjoy Yachting.

„Als Aussteller der ersten Stunde kommen wir immer wieder gerne zur Boot & Fun inwater. Die Mischung aus Messe mit wirklichen Kaufinteressenten und Veranstaltung für Jedermann macht die inwater so attraktiv für uns“, Torben Thies, VMG Marine GmbH.

„Wir wollen unsere Marke NUVA YACHTS bekannter machen und natürlich auch gerne Boote verkaufen. Wir hoffen darauf, dass die ansprechende Präsentation im Wasser den Style und die Vorzüge dieser modernen Boote zum Vorschein kommen lässt. Wir sind das erste Mal bei der Boot & Fun inwater und freuen uns auf den Event“, Thomas Bohrer, Yachtzentrum Damp.

„Wir freuen uns, dass wir in einer der schönsten Marinas Brandenburgs unsere Festrumpfschlauchboote in ihrem Element den interessierten Besuchern vorstellen können. Von Händlerkollegen wissen wir um den Reiz der die Boot & Fun inwater durch ihr maritimes Flair für Besuchern und Ausstellern ausmacht“, Stefan Steinkröger, Ribcenter GmbH.

„Ich freue mich auf eine gute Messe in einer schönen Location, nette Kunden und gute Geschäfte. Und ich hoffe auf tolles Wetter“, Aleksandr Volkovskij, FINVAL BOATS.

Lutz/Beucke: Der dritte Anlauf zu den Olympischen Spielen

“Hier wissen wir, wie der Hase hoppelt!

Es war 2006 auf einer der täglichen Pressekonferenz der Kieler Woche in Schilksee. Das Thema: Nachwuchssegeln, Jugendklassen im Rahmen der Kieler Woche. Tina Lutz vom Chiemsee war als zweimalige Opti-Weltmeisterin für die 420er, Susann Beucke aus Strande für die 29er-Nachwuchsegler/innen eingeladen. „Wir haben während der PK gemerkt, dass wir uns nett finden. Tina war cool und mir sofort sympathisch“, so Susann Beucke. Sie stieg bei Lutz ins Boot und gewann adhoc die 420er-EM. Bis heute segeln die beiden zusammen und treten bei der Kieler Woche (5.-13. September) im olympischen Frauen-Skiff, dem 49erFX, an.

Die bayerische-schleswig-holsteinische Verbindung führt bei ihrer dritten gemeinsamen Olympiakampagne nach zwei von drei Ausscheidungsserien mit zwölf Punkten Vorsprung vor den Kieler-Woche-Titelverteidigerinnen Victoria Jurczok/Anika Lorenz aus Berlin, gegen die sie in der deutschen Qualifikation für die Spiele 2016 verloren hatten. Die Kieler Woche ist die dritte und letzte Ausscheidungsserie, hier fällt die Entscheidung, wer zu den Spielen 2020/2021 fährt. Sollten Jurczok/Lorenz ihren Kieler-Woche-Titel verteidigen (25 Punkte), dann würde Lutz/Beucke Rang Sieben genügen, um das Ticket zu lösen. 

Nach der langen Zwangs-Sommerpause folgt in Kiel das erste Kräftemessen mit der deutschen und internationalen Konkurrenz. „Es ist ein tolles Teilnehmerfeld. Die Weltmeisterinnen sowie die Olympiasiegerinnen haben gemeldet und sind dank der Wildcard am Start. Das Interesse an der Kieler Woche ist riesig. Und für uns ist es ein Härtetest nach dem Sommer. Kiel ist unser Saisonhöhepunkt. So bereiten wir uns so auch vor und haben nichts anderes im Regattakalender“, so Beucke. Auch die Sportdirektorin des Deutschen Segler-Verbandes, Nadine Stegenwalner, schwärmt vom Starterfeld der Kieler Woche: „Das Teilnehmerfeld ist hochklassig, auf WM-Niveau.“

Wo sie antreten, gehören sie zu den Favoriten: Die amtierenden Weltmeisterinnen Tamara Echegoyen/Paula Barcelo aus Spanien. Tamara Echegoyen hatte mit ihrer ehemaligen Vorschoterin Berta Betanzos vor Rio um zwei Punkte Bronze verpasst. Wie die Rio-Goldgewinnerinnen Martine Grael/Kahena Kunze aus Brasilien, die WM-Zweiten Charlotte Bobsen/Saskia Tidey (BGR), die WM-Dritten Stephanie Roble/Maggie Shea (USA) und die WM-Zehnten Tess Lloyd/Jaime Ryan (AUS) profitieren sie von der Wildcard.

Ferner kommt es zum Kräftemessen mit den Weltmeisterinnen des Vorjahres Annemieke Bekkering/Annette Duetz. Die Olympia-7. aus den Niederlanden mussten sich in diesem Jahr bei der WM mit Rang acht zufriedengeben. Zu den weiteren Favoritinnen vor Kiel zählen die Französinnen Lili Sebesi/Albane Dubois, die bei der WM im Frühjahr Rang vier belegten.

Auf heimischem Revier sind Tina Lutz/Susann Beucke (beide 29 Jahre) immer für Titel oder Medaillen gut. Sie konnten 2013 und 2016 die Kieler Woche gewinnen, wurden 2017 vor Kiel Europameisterinnen. „Kiel gefällt uns sehr gut. Kiel ist ein Revier, auf dem wir unser Skiff super schnell eingestellt haben. Hier wissen wir, wie der Hase hoppelt. Auch ohne viel Training gibt es einen Heimvorteil. Hoffentlich spielen wir ihn auch aus“, so Beucke. Inzwischen hat sie ihren Beinbruch auskuriert, den sie sich zum Jahreswechsel im Training zugezogen hatte, Tina Lutz schreibt an der Masterarbeit. Aber im Mittelpunkt stehen die Olympischen Spiele in Japan. „Dafür habe ich mein Studium abgebrochen und lebe im Bus. Natürlich sind wir, vermutlich wie fast alle, wegen der Corona-Pause etwas außer Shape, aber wir haben ein ganz großes Ziel“, erklärt die 29-Jährige.

Entscheidend ist das Duell mit den Kieler-Woche-Titelverteidigerinnen Victoria Jurczok/Anika Lorenz aus Berlin (WM-5.). Nur eine dieser beiden Topcrews kann Deutschland in Japan bei den Olympischen Spielen vertreten. Jurczok/Lorenz, die 2016 bei den Spielen Rang neun belegten und mit dem dritten Rang bei der WM 2016 und der EM 2017 internationale Medaillen-Plätze ersegelten, liegen nach zwei Qualifikationsserien 12 Punkte zurück, aber noch ist das Ticket vor dem Kieler Finale in Reichweite.

Für Lutz/Beucke ist es der dritte Anlauf. 2012 scheiterten sie im 470er, 2016 im 49er FX. Doch aller guten Dinge sind drei. Einer Crew, die trotz zwei gescheiterter Anläufe und den Rückschlägen zum Jahresbeginn nun ins 15. gemeinsame Jahr geht, ist es zuzutrauen.

„Übrigens: Ich bin als Stranderin richtig stolz auf meine Kieler Woche. Sie hat sich rechtzeitig richtig positioniert“, freut sich Beucke auf die Regatten der Kieler Woche. Ganz sicher werden die Beiden bei einer Pressekonferenz in Kiel Schilksee noch mehr zu erzählen haben. (hel)