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Jetzt im Handel: Segler-Zeitung 10-2020

Die neue Ausgabe der Segler-Zeitung lesen:

Messe-Auftakt im Coronajahr

Sehr geehrte Leser, es ist schon erstaunlich. Dies ist bereits die Oktober-Ausgabe der Segler-Zeitung, und wir beschäftigen uns jetzt mit dem Winterlager. Wo ist die Saison nur geblieben? Klar, viel Zeit ging bereits durch den verspäteten Saisonstart verloren, Corona sei Dank. Doch inzwischen ist auch klar, wir haben in Deutschland bisher das Schlimmste verhindern können, die Maßnahmen haben sich bezahlt gemacht, das große Chaos im Gesundheitssystem ist ausgeblieben.

Kritik gegen diese Maßnahmen zu äußern, ist legitim, aber dass jetzt Tausende in Berlin ohne Masken und Mindestabstand dagegen demonstrieren, ist unsolidarisch. Die meisten Menschen haben in den letzten Monaten Opfer gebracht, um uns dahin zu bringen, wo wir jetzt stehen: im Vergleich zu vielen anderen Ländern nämlich in einem Land mit verhältnismäßig geringen Infektionszahlen. Aus dem Ausland hören wir immer wieder hochachtungsvolle Stimmen, wie gut Deutschland die Lage gehandelt hat. Nur deshalb können wir in dieser Ausgabe auch auf die beginnende Messesaison blicken.

Mit der Interboot in Friedrichshafen bekommt die Wassersportbranche ihre dringend benötigte Plattform im Süden Deutschlands. Und auch darauf schaut man aus dem Ausland mit Interesse. Die meisten großen Messen, wie Cannes oder die METS in Amsterdam, wurden für dieses Jahr abgesagt. Doch ein ausgeklügeltes Hygienekonzept soll während der Interboot in ihrer „Special Edition“ für Sicherheit sorgen. Natürlich sind auch wir von der Segler-Zeitung vor Ort und werden berichten.

Aus sportlicher Sicht ist das Corona-Jahr 2020 insgesamt eher durchwachsen. Die meisten Events wurden abgesagt oder stark zusammengeschrumpft. Was uns in der Redaktion im letzten Monat besonders gefreut hat, war der Erfolg des 21jährigen Newcomers Lennart Burke, der sich bei der Einhand-Offshore-Regatta Les Sables-Acores gegen die französische Mini 6.50-Elite durchsetzen konnte und sich einen starken dritten Platz sicherte.

Wir wünschen Ihnen viel Spaß beim Lesen dieser Ausgabe und eine schöne Nachsaison!

Die neue Ausgabe der Segler-Zeitung lesen:

Freude, Stolz und Dankbarkeit

Bis zum Start der Regattawoche steckten die Verantwortlichen unter der Führung von Dirk Ramhorst, Sven Christensen und Fabian Bach im Zwiespalt zwischen Hoffen und Bangen, waren in ständiger Abstimmung mit den politischen Entscheidungsträgern und brachten die Aktualisierungen der Corona-Verordnungen in die Planungen ein. „Mit der Entscheidung über die Verschiebung der Kieler Woche begannen anstrengende Monate. Wir haben dabei nicht nur auf die politischen Entscheidungen reagiert, sondern auch Lockerungen antizipiert“, so Ramhorst. Immer wieder gab es dabei Momente, die viele Fragezeichen aufwarfen. „Als vor drei Wochen die Entscheidung getroffen wurde, dass weiterhin auf Großevents verzichtet wird, mussten wir uns fragen: Was heißt das für uns?“ Aber auf die Zahl der aktiven Sportler hatte diese Entscheidung keinen Einfluss, und so konnte die Kieler Woche, die in ihren fünf Veranstaltungsbereichen mit jeweils mehreren Hundert Aktiven kalkulierte, an den Start gehen.

… und an Land. Foto: www.segel-bilder.de

In den Regattatagen spielten dann alle Faktoren mit – selbst das Wetter. Durch beständig gute Winde konnte in fast allen Klassen das maximale Programm gesegelt werden, die Qualität der Klassen war auf einem Niveau wie selten in den vergangenen Jahren. „Wir sind natürlich am Strahlen. Die Felder waren top-besetzt. Die Olympia-Qualifikation des DSV, aber auch für andere Nationen haben die Regatta aufgewertet. Im nächsten Jahr werden wir das nicht erreichen können, wenn die Olympischen Spiele stattfinden. Aber 2022 mit Blick auf Paris 2024 wird es wieder nach oben gehen. Diese Kieler Woche hat uns nach vorn gespielt, das werden die Sportler nicht vergessen“, sagt Ramhorst und schöpft aus der Bestätigung, die es im Wochenverlauf gab, viel Kraft: „Das gibt Energien zurück, die in den vergangenen Wochen verbraucht wurden!“ Sich mit einer Segellegende wie Olympiasieger Santiago Lange aus Argentinien am Zaun gegenüber zu stehen und die Dankbarkeit zu bekommen, dass die Kieler Woche den Schritt gewagt hat, sei großartig gewesen so Ramhorst: „Ein Gänsehaut-Moment!“

Insgesamt hatten es die Segler genossen, bei dieser Kieler Woche im Fokus zu stehen, viel Platz für sich und ihre Boote zu haben. Die Auflagen, die erfüllt werden mussten, haben die meisten Sportler gern auf sich genommen, um endlich wieder eine Großregatta bestreiten zu können. Mit Blick auf 2021 wird sich das Organisationsteam die Frage stellen müssen, was dann die neue Normalität ist. Jetzt aber können alle Beteiligten den Blick zurück genießen. Ramhorst: „Es gab viel Achtung für unseren Mut. Die Kieler Woche 2020 war Balsam für die Seele.

Messe-Überblick: Interboot 2020

Die Special Edition der Interboot in Friedrichshafen ist eine der ersten großen Wassersportmessen, die in Europa nach der Corona-Pause stattfindet. Dementsprechend groß ist die Vorfreude auf allen Seiten.

Klaus Wellmann, Geschäftsführer der Messe Friedrichshafen, erklärt: „Wir freuen uns, wieder Messen durchführen zu dürfen und blicken optimistisch auf die erste Veranstaltung, die nach dem Lockdown im Frühjahr auf dem Messegelände stattfinden wird – selbstverständlich mit ganz speziellen Sicherheits- und Hygienemaßnahmen und unter Wahrung sämtlicher Auflagen, um den Besuch der Interboot zu einem sicheren Einkaufserlebnis zu machen“. Dazu gehören etwa die Vorgabe zum Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung und die Online-Ticketbuchung

Mit einem komprimierten Angebot hat sich die Messe an die aktuellen Herausforderungen angepasst und legt den Fokus in diesem Jahr auf eine klassische Produktschau und auf die Vermittlung von Fachwissen. Insgesamt rund 200 Aussteller präsentieren in sechs Hallen Boote, Funsport und Zubehör. Der Interboot-Hafen kann coronabedingt nicht in Betrieb genommen werden.

© Messe Friedrichshafen

Interboot Academy

Von der UKW-Funkauffrischung übers Mittelmeer-Seminar bis hin zum Radar-/Plotter-Seminar: Das Angebot der Vorträge und Workshops während der Interboot Academy bietet den Wassersportfreunden fachlich kompetent aufbereitete Informationen aus erster und erstklassiger Hand. Für diese kostenpflichtigen Programmpunkte ist eine Anmeldung notwendig.

Segel- & Reise-Kompetenz-Center

Ein Treffpunkt für Segler und Motorbootfans ist die Halle A3: Im Segel- & Reise-Kompetenz-Center spiegelt sich die gesamte Vielfalt des Bootsports wider. Neben klassischen Daysailor-Konzepten und alternativen Segellösungen werden verschiedene Traumreviere vorgestellt.

Das Reisen steht auch bei der Charter- & Törnberatung im Mittelpunkt. Wer den nächsten Törn plant, findet bei den Experten Michael Amme und Jürgen Strassburger kostenfreie und neutrale Beratung zu jeder Menge Destinationen weltweit. Die Experten stehen mit ihrem Fachwissen Rede und Antwort.

IBN-Aktionsfläche

Praktische Segeltipps: Coach Oliver Ochse vermittelt Wissenswertes und Informatives rund um das Wassersportrevier Bodensee auf der IBN-Aktionsfläche in Halle A4.

Trailertraining

Als ungewohnte Herausforderung stellt sich für viele das Fahren mit Anhänger dar, besonders wenn es ums Rückwärtsfahren geht. Unter fachkundiger Anleitung kann das Manövrieren mit einem Bootsanhänger beim Trailertraining geübt und vertieft werden. Experten geben dabei ihr Wissen und jede Menge Tipps und Tricks weiter.

Interboot Trophy

Auf hochklassigen Regatta-Sport müssen Segelfans auch dieses Jahr nicht verzichten: Die Interboot Trophy geht am zweiten Messe-Wochenende, von Samstag, 26. September bis Sonntag, 27. September, an den Start. Bereits zum 16. Mal findet diese Tradition ihre Fortsetzung und zum zweiten Mal sind die Crews der J/70-Klasse direkt vor der Uferpromenade in Friedrichshafen mit an Bord.

Ocean Film Tour Vol. 7

Ein visuelles Highlight bietet die International Ocean Film Tour Vol. 7 am Donnerstag, 24. September um 18:30 Uhr. Das Programm aus insgesamt fünf Kurzfilmen entführt Meeresbegeisterte in spannende (Unter-)Wasserwelten. Ob unaufhaltsame Surferinnen, spektakuläre Segelabenteuer oder der Schutz der Ozeane: Die Ocean Film Tour macht Lust auf Meer. Der Eintritt ist im Ticketpreis der Messe enthalten.

Wann: 19. bis 27. September 2020, 10.00 bis 18.00 Uhr
Wo: Messe Friedrichshafen
Preise: Tickets können nur online gebucht werden
Tageskarte: 11,00 €
Ermäßigte Tageskarte (Schüler, Studenten, Rentner, Menschen mit Behinderung): 9,00 €
Kinder 6 bis 14 Jahre: 5,00 €
Familienkarte (Eltern mit allen Kindern von 6 bis 14 Jahre): 27,00 €
Kinder unter 6 Jahren: kostenlos

Zum Tages-Programm


Uns findet ihr auf der Interboot an Stand FW-08.

Sicherheit am Messestand in Corona-Zeiten

Traditionell beginnt mit dem Herbst die Messesaison für Boote, Yachten und alles was dazu gehört. Vor der Corona-Pandemie sprach man in dieser Zeit bei der typischen Erkältung nach der Messe manchmal scherzhaft über die „Messeseuche“. Jetzt ist dies ein ernstes Thema und die Firmen setzen auf neue Produkte und Regeln um die Mitarbeiter vor einer Erkrankung zu schützen.

Aktuell ist der Messekalender stark ausgedünnt und es gab zahlreiche Absagen. Einige Messen finden jedoch trotz der herrschenden Pandemie statt und setzen auf ausgeklügelte Hygienekonzepte. So z.B. auch die Interboot in Friedrichshafen, die Boot und Fun in Berlin und natürlich der Branchenprimus boot aus Düsseldorf.

Die Hygienekonzepte der Messen setzen auf die Einhaltung von Abständen und wo nötig, auf Abgrenzung und Abschottung. Viele Unternehmen werden Sicherheitsschilde aus verschiedenstem Material nutzen, um ihre Mitarbeiter zu schützen. Das Problem dabei: auf Messen möchte man ins Gespräch kommen und viele der Schutzschilde setzen auf Kunststoffgläser die akustisch abschirmend wirken und so das Gespräch deutlich erschweren.

Der Architekturspezialist Vector Foiltec aus Bremen hat jedoch eine Lösung entwickelt, die nicht nur einen guten Schutz vor Tröpfcheninfektionen bietet, sondern auch schalldurchlässig und chemisch resistent ist. Das „Texlon Safety Shield“ genannte Schutzschild ist damit ideal für den Einsatz auf Messen geeignet, bei dem es gerade auf die Möglichkeit guter Gespräche ankommt. Anders als bei Glas, durchdringt Schall die Folie und beeinträchtig dadurch nicht die Verständigung oder die Raumakustik.

Das Texlon Safety Shield kann ein wichtiger Baustein in den Hygienekonzepten von Firmen sein. Grafik: Vector Foiltec

Die Folie des „Texlon Safety Shield“ kommt ursprünglich aus dem Fassadenbau, ist transparent, sehr robust und kann problemlos desinfiziert werden. Das „Safety Shield“ System wird als kleines Paket verschickt und lässt sich schnell und einfach montieren. Die Standardgrößen sind für die häufigsten Einsatzorte optimiert.

Philipp Lehnert, Geschäftsführer von Vector Foiltec: „Unser Safety Shield ist im Grunde genommen nichts weiter als eine Miniaturfassade. Das Texlon ETFE System verwenden wir normalerweise in größeren Maßstäben, als Gebäudehülle. Durch das Coronavirus ist eine Angst entstanden, durch Tröpfchen infiziert zu werden. Personal auf Messen lebt täglich mit diesem Risiko. Hier können transparente Folien einen einfachen, aber effektiven Schutz herstellen und die Infektionsgefahr verringern. Wir wollen mit unserem Texlon Safety Shield eine simple Möglichkeit bieten, den Schutz vor Infektionen zu erhöhen und eine gelassenere Atmosphäre zu schaffen.“

Robust, leicht zu desinfizieren und einfach in der Handhabung. Foto: Vector Foiltec

Vector Foiltec ist bekannt für das Texlon ETFE System, mit dem transparent Dächer und Fassaden auf der ganzen Welt umgesetzt werden. In der Architekturszene hat das Unternehmen aus Bremen, welches mittlerweile mit 18 Büros weltweit vertreten ist, neue Maßstäbe gesetzt und die Bauindustrie nachhaltig beeinflusst. Neben großen Stadien oder Zoos wurde im letzten Jahr unter anderem das New Yorker Kulturzentrum „The Shed“ mit einer Fassade aus dem Foliensystem aus Bremen gebaut. Als Weltmarktführer im architektonischen Folienbau und Erfinder des Texlon ETFE Systems, hat Vector Foiltec bereits über 1.500 internationale Projekte in den Bereichen Stadionbau, Atrien, Shoppingcenter, Zoos und Gartenparks, öffentliche Gebäude, Schwimmbäder, Schulen und Universitäten realisiert.

Link zum Produkt: safety-shield.de

Umweltschutz: Dimension-Polyant auf dem Weg zur Klimaneutralität

Durch den Einsatz von Ökostrom und -gas konnten die Emissionen des Standorts bereits zu 85 Prozent reduziert werden, wie das Unternehmen in einer Pressemitteilung erklärte. Alle noch verbleibenden sollen nun in Zusammenarbeit mit dem Anbieter Climate Partner ausgeglichen werden. „Wir haben uns für das Klimaschutzprojekt ‚Plastikfreie Ozeane‘ entschieden“, teilt Geschäftsführer Uwe Stein mit. „Durch den Segelsport haben wir nicht nur eine besondere Verbindung zum blauen Nass, sondern wir wissen auch, dass der Ozean eine wesentliche Bremse des Klimawandels ist. Das von uns unterstützte Projekt verhindert, dass Plastikmüll ins Meer gelangt, und schützt auf diese Weise indirekt das Klima.“ Kombiniert wird es mit einem Gold-Standard-Klimaschutzprojekt, einem Windpark auf den Philippinen, um zertifizierte Emissionsminderungen zu erreichen, so das Unternehmen. Mit jeder Tonne CO2 würden 10 Kilogramm Plastikmüll kompensiert.

Für die kommenden Jahre hat sich Dimension-Polyant aber noch mehr vorgenommen. „Unser Ziel ist es, den ohnehin schon umweltfreundlichen Sport Segeln langfristig noch umweltfreundlicher zu machen“, sagt Stein. Neben dem Angebot von klimaneutralen Produkten soll unter anderem auch der Einsatz von recycelten Materialien weiter erhöht werden. Zudem wolle man zusammen mit der Segel-Community einen aktiven Beitrag zum Klimaschutz leisten. Geplant sei es, Segelmacher direkt mit ins Boot zu holen. Dabei gehe es darum, noch enger mit Segelmachern zusammenzuarbeiten, die schon eine klimaneutrale Produktion sicherstellen können oder bereit sind, entsprechende Maßnahmen zu ergreifen. Auch eine Kooperation mit Testimonials aus der Szene ist geplant. Friedrich Deimann, Green-Boats-Gründer und Gewinner des Bremer Umweltpreises, konnte bereits für die Kampagne gewonnen werden.

Langfristig sollen die Maßnahmen zur Klimaneutralität nicht nur die Produktionsphase berücksichtigen, sondern die Gesamtlebensdauer des Produkts, so das Ziel von Dimension-Polyant. „Uns interessiert auch, was nach der Verwendungsphase passiert“, erklärt Stein hierzu. „Denn es geht uns nicht nur darum, möglichst umweltfreundlich zu produzieren. Wir wollen auch Einfluss darauf haben, was mit unseren Segeltuchen passiert, wenn die Lebensdauer des Segels erreicht ist.“ Aus diesem Grund habe man sich dazu entschlossen, mit dem Sächsischen Textilforschungsinstituts (STFI) zusammenzuarbeiten und an Wiederverwertungsprozessen für Rohstoffe aus dem gebrauchten Segel zu forschen, damit diese dem Kreislauf wiederhinzugefügt werden können.

Gewagt, gelernt, gewonnen

Für Kiels Oberbürgermeister Ulf Kämpfer ist die etwas andere Kieler Woche ein Erfolg: „Wir haben es geschafft zu zeigen, dass man in Coronazeiten eine solche Veranstaltung machen kann – mit Mut, Kreativität und Verantwortungsbewusstsein.“

Viele Veranstaltungen wie die Konzerte auf der „Secret Stage“, Live-Übertragungen der Auftritte von Top-Acts oder die Windjammer-Segelparade seien sehr gut besucht gewesen. Auch neue Formate wie das Segelkino wurden gut angenommen.

Für Kämpfer steht fest: „Wir haben viel Neues gewagt und wertvolle Erfahrungen gesammelt. Und am Ende haben ganz viele gewonnen: Die Segler*innen, die sich nur hier in Kiel in diesem Jahr auf Weltniveau messen konnten. Die Veranstaltungsbranche, für die wir ein starkes Signal in schwierigen Zeiten gesetzt haben. Die Bands, die endlich wieder live spielen konnten. Und vor allem die Kieler-Woche-Fans, denen wir besondere Gemeinschaftserlebnisse ermöglichen konnten.“

Insgesamt wurden rund 38.000 Tickets für die Veranstaltungen der Kieler Woche 2020 gebucht – 44.000 hätten zur Verfügung gestanden. Hinzu kommen die spontanen Besucherinnen auf den Erlebnisarealen, die Teilnehmerinnen von Regattabegleitfahrten und die rund 30.000 Zuschauer*innen der Windjammerparade, bei der insgesamt 400 Boote ein besonderes Bild auf die Förde zauberten.

Online hatten die Livestreams der Kieler Woche auf unterschiedlichen Kanälen rund 195.000 Zuschauer*innen.

Auch Philipp Dornberger, Leiter des Kieler-Woche-Büros, ist zufrieden mit dieser „KiWo“, die vor allem organisatorisch eine große Herausforderung war: „Vieles hat von Beginn an gut funktioniert. Manches haben wir im ‚laufenden Betrieb‘ angepasst. Gerade das zweite Wochenende hat gezeigt, dass die Menschen immer mehr in Kieler-Woche-Stimmung gekommen sind.“

Einige Neuerungen wie das weltweit erste Segelkino auf der Förde kann sich Dornberger auch als Teil einer „normalen“ Kieler Woche vorstellen: „Das hat wirklich sehr gut funktioniert und die Stimmung war eine ganz besondere.“

Das umfassende Sicherheits- und Hygienekonzept hat sich bewährt. „Das Hygienekonzept für die Kieler Woche hat funktioniert. Wir haben uns zunächst für sehr strenge Vorgaben entschieden, konnten dann feststellen, dass eine dreifache Absicherung von Abstand, Maske und begrenzte Teilnehmer*innenzahl bei Veranstaltungen im Freien nicht überall zwingend notwendig ist. Diese Erfahrungen sind sehr wertvoll für weitere Veranstaltungen in Zeiten der Corona-Pandemie“, erklärt Kiels Gesundheitsdezernent Gerwin Stöcken.

Segeln: Jahreshöhepunkt für viele Aktive

Nach sechs Monaten Regattapause setzte die internationale Segelwelt in diesem Jahr voll auf Kiel. Die Weltspitze reiste an und wurde nicht enttäuscht, denn die Landeshauptstadt überzeugte mit Wind und einem vollen Regattaprogramm.

An Land sorgte die strikte Einhaltung der Hygienevorschriften für die Sicherheit der Seglerinnen. „Zu dem Setup der Kieler Woche an Land kann ich sagen, dass in Summe die Konzepte aufgegangen sind, die wir in den vergangenen Monaten erarbeitet haben. Dies lag neben den Konzepten selbst insbesondere an der hohen Disziplin und der hohen Akzeptanz der Seglerinnen und Betreuerinnen“, so Regattaleiter Dirk Ramhorst. Vielen Seglerinnen hätte unabhängig von den besonderen Rahmenbedingungen der Fokus auf das Segeln gefallen.

„Wir hatten mehrere hundert Pre-Screenings und auch zahlreiche veranlasste PCR-Testungen, die alle negativ waren. Uns wird sicherlich – leider – der eine oder andere Baustein aus unserem Hygienekonzept auch im nächsten Jahr begegnen“, meint Ramhorst und ergänzt: „Der Spruch des einstigen Vorsitzenden des Weltseglerverbandes Paul Henderson aus Kanada – ‚Do it like in Kiel‘ – gilt vielleicht ab sofort im doppelten Sinne“.

Für den Deutschen Segler-Verband zog Sportdirektorin Nadine Stegenwalner ein positives Resümee: „Ein großes Lob an die Organisatorinnen! Wir freuen uns, dass sich die viele Arbeit in der Vorbereitung ausgezahlt hat. Ich konnte auch viel positives Feedback von den Seglerinnen und Trainer*innen – auch intern – hören, die sich sehr gefreut haben, dass ein Event stattfindet und die Aktiven endlich wieder Wettfahrten segeln konnten“.

Der Deutsche Segler-Verband hatte die Kieler Woche in vier Bootsklassen für die Olympia-Qualifikation ausgeschrieben. „Es war eine gelungene Serie mit hochkarätigen Feldern. Und eine Qualifikation vor der eigenen Haustür ist immer etwas Besonderes. Die Segler*innen aus dem German Sailing Team kennen das Revier und Umfeld aus dem Effeff. Und die mediale Aufmerksamkeit ist natürlich höher“, so Stegenwalner.

Die deutschen Skiff-Crews haben die Olympiakriterien nach der Kieler Woche erfüllt und der DSV wird die Crews dem Deutschen Olympischen Sportbund zur Nominierung vorschlagen.

Die 49er-Bronzemedaillengewinner von Rio, Erik Heil und Thomas Plößel, waren als WM-Zweite 2019 und Dritte bei der WM im Frühjahr schon vor der Kieler Woche uneinholbar, doch nun ist es offiziell. Nach der langen Pause seit Februar war die Regatta für die Crew zwar eher holperig, aber die Kieler Woche war ohnehin eher eine Kür.

Ab November steht für Erik Heil dann für drei Monate das Studium im Vordergrund: „Thomas wird sehen, wie er mit unseren Trainingspartnern arbeiten kann. Ab Februar geht es dann voll weiter in Richtung Tokio.“ Und das mit hohen Ambitionen, nachdem Heil/Plößel mit Bronze vor Rio die einzige deutsche Segelmedaille gewannen. Erik Heil legte in Kiel die Messlatte hoch: „Das Ziel ist es, besser zu sein als beim letzten Mal.“

Freude pur versprühten Tina Lutz und Susann Beucke. Das 49erFX-Team sicherte sich vor Kiel im dritten Anlauf das erste Olympiaticket. „Es ist die Belohnung für zwölf Jahre harte Arbeit“, so Beucke. Die Europameisterinnen von 2017 waren zweimal in der nationalen Qualifikation knapp gescheitert, ließen aber nicht locker. „Hartnäckigkeit sticht Talent und Genie aus“, so Tina Lutz. Die Stranderin Beucke (damals 29er) und die Chiemseerin Lutz (damals 420er) hatten sich 2006 bei einer Pressekonferenz der Kieler Woche kennengelernt und beschlossen, künftig gemeinsam zu segeln. Nach 14 Jahren schließt sich so der Kreis in Kiel.

Freude pur. Olympiaqualifikation gewonnen und den Kieler-Woche-Titel gesichert: Tina Lutz (links) und Susann Beucke. Foto: www.segel-bilder.de

Digitale Woche

Die Digitale Woche Kiel, das bundesweit größte öffentlich initiierte Digitalfestival, fand erstmals parallel zur Kieler Woche statt. Neun Tage – ein Thema: Wie kann Digitalisierung unsere Zukunftsfähigkeit stärken? In rund 280 Veranstaltungen konnten fast 38.000 Interessierte online oder vor Ort live an der diwokiel20 teilnehmen. „Wir sind begeistert von der Qualität und Intensität der Diskussionen vor Ort und im digitalen Austausch mit Zuschauenden über die neue Plattform kiel.live,“ so Kathrin Reinicke, Leiterin des Digitale Woche Kiel Büros in der KiWi.

Für Reinicke steht fest: „Unser Konzept eines hybriden Formates für die diwokiel20 ist voll aufgegangen – für die diwokiel21 werden wir in jedem Fall hier anknüpfen!“ Wer den Livestream aus dem diwokiel-Studio verpasst hat, findet die Events in der Mediathek auf der Website der Digitalen Woche Kiel www.digitalewochekiel.de/mediathek.

Die Kieler Woche 2021 wird – Stand jetzt – vom 19. bis 27. Juni 2021 stattfinden. Alle Informationen zur „KiWo“ gibt es unter www.kieler-woche.de.

Sechs Nationen in der Siegerliste

„Wir sind sehr zufrieden, haben bis auf ein paar wenige Ausnahmen das komplette Programm in allen Klassen segeln können. In den Silber-Gruppen der Laser und 29er haben wir wegen des kräftigen Windes zum Abschluss auf ein paar Rennen verzichtet“, bilanzierte Bach. Seinen Wettfahrtleitungen auf den Bahnen stellte er ein Bestzeugnis aus: „Die Teams haben super gearbeitet. Wir hatten natürlich auch Glück mit dem Wind, aber das gehört dazu.“

Die Zusammenarbeit mit den Seglern habe im Großen und Ganzen gut geklappt, so der Chef-Wettfahrtleiter: „Mit einigen werden wir sicherlich sprechen müssen, ob ihre und unsere Vorstellungen der Kieler Woche zusammenpassen. Da geht es um Anzahl der Wettfahrten und auch die Platzierung auf den Bahnen. Aber wir haben eben nur begrenzten Platz auf den Innenbahnen.“ Und gerade in diesem Jahr konnte nicht alle Wünsche erfüllt werden, da wegen der Corona-Pandemie die Teams bewusst klein gehalten wurden und die Anzahl der Organisationsboote reduziert wurde.

„Das Ziel war es, hochklassige Wettfahrten anzubieten. Das hat gut funktioniert. Für 2021 planen wir jetzt wieder mit der Regatta im Juni und hoffen darauf, dass wir mit weiteren Erkenntnissen noch besser mit Corona umgehen können. Dann lassen sich vielleicht einige Maßnahmen zurückschrauben. Aber auch so haben wir gezeigt, dass die Kieler Woche selbst unter diesen Bedingungen Regatten anbieten kann“, so der oberste Wettfahrtleiter für die Dreiecksbahnen.
Sechs Nationen trugen sich in der zweiten Hälfte der Kieler Woche in die Siegerliste ein. Auf Platz eins im Ländervergleich landete dabei Dänemark vor Deutschland.

Gestern bereits die gelungene nationale Olympiaqualifikation, heute Kieler-Woche-Sieg: Für Tina Lutz/Susann Beucke hätte es nicht besser laufen können. Foto: www.segel-bilder.de

49er FX:

Nach dem Sieg in der nationalen Olympia-Qualifikation sicherten sich Tina Lutz/Susann Beucke (Chiemsee/Strande) auch ihren dritten Kieler Woche-Sieg. Nach 2012 und 2016 geht die Kieler Goldmedaille an die deutschen Ausnahmeseglerinnen. Bis zur letzten Wettfahrt war es ein Bug-an-Bug-Rennen mit den Amerikanerinnen Stephanie Roble/Maggie Shea, denen ein zehnter Rang im letzten Rennen nicht reichte, um die deutsche Crew von Platz eins zu verdrängen. Auf Platz drei landeten die Britinnen Charlotte Dobson/Saskia Tidey. „Es ist etwas Besonderes in Kiel zu gewinnen. Heute Abend wird gefeiert“, so die Siegerinnen der deutschen Olympiaqualifikation direkt nach dem Zieleinlauf. Die Familie feierte die Siegerinnen schon beim Einlaufen in den Hafen. Nach den verpassten Tickets für die Olympischen Spiele in London und Rio gelang der Coup im dritten Anlauf.

49er:

Nach einer überlegenen Vor- und einer soliden Finalrunde hätte der dänische Olympiasieger von 2008 Jonas Warrer den Sieg vor Kiel mit dem letzten Zieldurchgang fast verspielt. Gemeinsam mit seinem Vorschoter Jakob Precht Jensen kam er zum Abschluss nicht über einen siebten und einen neunten Platz hinaus. Die Ergebnisse stießen das Tor zum Gesamtsieg einen Spaltbreit auf, und die Vizeweltmeister Diego Botin/Iago Lopez Marra (Spanien) standen bereit. Mit einem ersten und einem dritten Platz zogen sie nach Punkten mit Warren/Precht Jensen gleich. Aber die Dänen hatten aufgrund der besseren Einzelergebnisse das bessere Ende für sich. Die Franzosen Lucas Rual/Emile Amoros kletterten noch auf Rang drei. Für die deutschen WM-Dritten Erik Heil/Thomas Plößel reichte es trotz eines Tagessieges zum Abschluss nicht mehr zu einer Verbesserung im Gesamtranking. Sie beenden die Kieler Woche als Sechste. „Zum Abschluss haben wir die richtige Segeleinstellung gefunden, hatten mehr Speed. Wäre uns der erste Tag nicht missglückt, wäre mehr drin gewesen“, sagte Thomas Plößel.

Finn:

Nach einer nicht zufriedenstellenden Europameisterschaft in der vergangenen Woche in Polen, als er sich mit Platz fünf begnügen musste, hat sich der Niederländer Nicholas Heiner rehabilitiert. Zur Kieler Woche holte er sich den Sieg vor dem Argentinier Facundo Olezza und dem Schweizer Nils Theuninck. „Es war ein wichtiger Erfolg, eine Bestätigung für die Arbeit im Sommer“, so sein Trainer Mark Andrews, vor sieben Jahren selbst Finn-Sieger zur Kieler Woche. „EM-Platz fünf war nicht das, was wir wollten. Die Bedingungen dort waren schwierig, aber das waren sie für alle. Hier passte es besser. Dennoch gibt es noch einige Arbeit. Das ist okay, denn wir wissen nun, woran wir arbeiten müssen.“ Das Ziel für Trainer Andrews ist klar: „In Tokio geht es um eine Medaille. Deshalb fahren wir dahin.“

Paul Kohlhoff und Alica Stuhlemmer setzten sich knapp gegen das Team Lange/Carranza durch und kamen als bestes deutsches Team auf den dritten Platz. Foto: www.segel-bilder.de

Nacra 17:

Zum Abschluss wurde es noch einmal eng mit dem Medaillentraum der Deutschen Paul Kohlhoff/Alica Stuhlemmer (Kiel) vor Kiel. Die argentinischen Olympiasieger Santiago Lange/Cecilia Carranza machten mächtig Druck auf das jüngste Team im Feld. 33 Jahre Lebenserfahrung und der Gewinn von drei Olympiamedaillen trennen die 58-jährige Segellegende Lange vom 25-jährigen Paul Kohlhoff. Vor Kiel aber betrug der Unterschied nur einen Punkt, und der schlug letztlich zugunsten von Kohlhoff/Stuhlemmer aus. Nach einem sechsten und einem zehnten Platz am finalen Tag rettete sich das Heimteam auf dem Bronzeplatz ins Ziel. Lange/Carranza mussten trotz eines Tagessieges und eines vierten Platzes insgesamt mit Rang vier vorliebnehmen. Weit über der versammelten Weltklasse agierten die Italiener Ruggero Tita/Caterina Banti. Ohne Ausrutscher und mit sieben Siegen in den zwölf Rennen verwiesen sie auch die amtierenden Weltmeister John Gimson/Anna Burnet (Großbritannien) deutlich in die Schranken. Der nächste Showdown der Hochgeschwindigkeitsakteure steht ab dem 28. September mit der Europameisterschaft auf dem Attersee in Österreich an.

Svenja Weger beendete die Kieler Woche auf dem 15. Platz. Foto: Sascha Klahn

Laser Radial:

Ein Ausrutscher, und das Kieler Gold ist weg. Diese Erfahrung musste die amtierende Laser-Radial-Weltmeisterin Marit Bouwmeester im finalen Rennen machen. Die Niederländerin kam nur als 20. ins Ziel, kassierte damit ihr Streichresultat und musste die 2019er-Weltmeisterin Anne-Marie Rindom (Dänemark) passieren lassen. „Ich bin überrascht. Gerade bei viel Wind ist Marit eine starke Wettkämpferin. Aber sie hat einige Fehler gemacht, das war mein Glück“, sagte Rindom. „Wir kommen jedes Jahr zur Kieler Woche, es ist immer ein tolles Event. Wir lieben es. Aber dieses Jahr war es besonders hochwertig, da wir nach der WM keine Regatta mehr hatten.“ Rindom nutzte beide Regattahälften der Kieler Woche, segelte zunächst in der offenen Laser-Radial-Klassen und dann bei den olympischen Frauen: „22 Rennen in acht Tagen sind ein perfektes Training für die Europameisterschaft in drei Wochen.“ Danach geht der Fokus bereits in Richtung Tokio: „Ich werde hart arbeiten und erwarte dann wieder einen engen Fight mit Marit.“ Für die deutschen Seglerinnen ging es zur Kieler Woche um wichtige Qualifikationspunkte für die Tokio-Nominierung. Trotz des 15. Platzes konnte Svenja Weger (Kiel) einen kleinen Vorsprung vor der neuntplatzierten Hannah Anderssohn (Warnemünde) wahren. Zufrieden war sie trotzdem nicht: „Heute habe ich es verbockt. Ich bin gut gestartet, war auch nach der ersten Kreuz gut dabei. Dann habe ich aber falsche Entscheidungen getroffen, mich nicht optimal positioniert. Der letzte Downwinder war dann reiner Überlebensmodus. Da hat uns noch einmal eine heftige Böe erwischt.“ Die letzte Ausscheidungsrunde der deutschen Olympia-Anwärterinnen steht nun bei der Europameisterschaft in Polen an. „Ich werde mit meinem Trainer besprechen, wie wir die konkrete Vorbereitung gestalten“, so Weger.

Laser Standard:

Im Finale von Kiel hat Philipp Buhl schon einige Male Finalqualitäten bewiesen. Und auch 2020 stellte der Allgäuer, der Kiel als zweite Heimat hat, seine Gegner in den Schatten. Mit einem ersten und einem dritten Platz eroberte der 30-Jährige noch Platz eins. Geschlagen war einmal mehr Elliot Hanson. Der Brite hatte vor zwei Jahren in einem Millimeter-Finale Buhl den Kieler-Woche-Sieg überlassen müssen, diesmal machte der Unterschied zum Abschluss immerhin vier Punkte aus. Für den deutschen Weltmeister ist es der sechste Titel vor Kiel – gefolgt vom britischen Duo Hanson und Michael Beckett. „Bei Wind zu segeln, habe ich nicht verlernt in der langen Pause. Aber zu gewinnen, ist kein Selbstläufer in dieser Klasse. Es waren sieben, acht aus den Top-15 der Welt am Start“, so Buhl. Gerade die Briten hatten in den vergangenen Monaten in einer starken Trainingsgruppe gearbeitet und waren eine hohe Hürde. „Es freut mich umso mehr, dass es funktioniert hat. Es war seglerisch eine kontrollierte Leistung“, so der deutsche Vorzeigeathlet. In der Corona-Zeit hatte er die Möglichkeiten genutzt, um den Kopf freizubekommen und einige neue Dinge zu probieren. Bis zur Europameisterschaft bleibt der Fokus von Buhl nun beim Laser-Segeln, danach wird es noch einmal etwas entspannter, bevor Anfang des Jahres die konkrete Vorbereitung für Tokio beginnt.

29er:

Mit ihrem Doppelsieg segelte sich das maltesische Geschwisterpaar Richard und Antonia Schultheis in den Fokus der Öffentlichkeit. Die gebürtigen Deutschen sind mit der Familie vor zwölf Jahren auf die Mittelmeerinsel gezogen und haben dort das Segeln gelernt. Nach der Ausbildung im Opti sind sie nun im 29er angekommen, segeln nebenbei auch noch Waszp. Im Nachwuchsskiff agiert das Geschwisterpaar getrennt – jeweils am Ruder mit deutschen Vorschotern. „Zusammen liefe es wohl nicht so gut“, sagt die 17-jährige Antonia, die mit ihrem Vorschoter Ole Ulrich erst seit eineinhalb Monaten ein Team bildet und zur Kieler Woche gleich auf Platz zwei landete. Ihr zwei Jahre jüngerer Bruder Richard segelt dagegen schon seit rund einem Jahr mit Max Körner zusammen und siegte souverän vor Kiel. „Die Verbindung ist über unsere Kontakte nach Deutschland zustande gekommen. Unseren Vorschotern fehlte jeweils ein Steuermann. Im Winter haben wir vor Malta trainiert, jetzt im Sommer auf dem Gardasee“, erklärte Richard Schultheis und freute sich über den Gesamtsieg: „Erwartet haben wir das nicht, aber wir hatten schon hohe Ambitionen.“ Den dritten Platz hinter den beiden maltesischen Teams belegten die Dänen Jens-Christian und Jens Philip Dehn-Toftehöj.

Formula 18:

Zum Abschluss der Kieler Woche bekam die Serie der Kat-Asse Cedric Bader/Nicolaj Björnholt (Frankreich/Dänemark) noch einen „Kratzer“. Mit Rang drei fuhr das Duo sein schlechtestes Resultat ein, sparte sich danach die Abschlusswettfahrt und genoss den triumphalen Sieg mit 39 Punkten Vorsprung vor den ersten Verfolgern Robert Schütz/Rea Kühl (Krefeld) sowie Mikko und Kirsikka Räisänen (Finnland). An Land konnte sich Bader ein Grinsen ob der Überlegenheit nicht verkraften: „Es ist das erste Mal, dass wir zusammen gesegelt sind. Wir haben vorher noch nie gemeinsam auf einem Boot gesessen.“ Ohne Training gingen die beiden auf den Kurs und fuhren neun Siege, einen zweiten und einen dritten Platz in den zwölf Wettfahrten ein. Nach diesem geglückten Projekt könnte das Erfolgsrezept für die Zukunft konsequente Arbeitsteilung lauten. „Wir haben uns jeder auf uns selbst konzentriert“, sagte Nicolaj Björnholt, der sonst selbst am Ruder sitzt. Eine Fortsetzung ist indes nicht fest geplant: „Wir kennen uns über Hobie-Regatten, sind gut befreundet. Aber mein Nummer-Eins-Partner bleibt mein Bruder“, so Bader. Ausschließen wollte er eine Wiederholung aber auch nicht: „Wenn sich die Gelegenheit ergibt…“

OK-Jolle:

Bei den OK-Jollen hatte zum Abschluss der Regatta der Stand vom Vortag bestand. Angesichts der Windbedingungen hatte die Klasse entschieden, nicht mehr auf den Kurs zu gehen. Damit siegte Mads Bendix (Dänemark) vor André Budzien (Schwerin) und Thomas Hansson-Mild (Schweden).

Mit Innovationen durch die Krise

Der Verlauf der vergangenen Tage und das Feedback, das wir bekommen haben, hat uns in unserem Vorgehen bestätigt, frühzeitig unsere Pläne zu kommunizieren“, erklärt Sven Christensen, Geschäftsführer der Vermarktungsagentur Point of Sailing (POS). Die Skepsis, die es im Vorfeld gegeben hat, hat man vielen Partnern nehmen können. Und so ist es gelungen, bis auf eine Ausnahme alle Unterstützer und Sponsoren an Bord zu halten, wenn auch in verändertem Umfang. „Wir haben die Inhalte mit allen Partnern individuell abgesprochen. Einige verschieben ihre Leistungen auf das kommende Jahr, andere leisten zehn Prozent des ehemals vereinbarten Umfangs. Das Gros liegt zwischen 30 und 50 Prozent des ursprünglichen Engagements, und einige sind sogar voll dabeigeblieben“, so Christensen. 

Wichtig für die Sponsoren und Unterstützer war jeweils, wie sie sich bisher in das Event eingebracht haben und wie sie sich diesmal präsentieren konnten – ob sie auf den direkten Kontakt zum Publikum angewiesen sind oder vorrangig auf das Branding der Veranstaltung setzen, das durch die intensive mediale Aufbereitung auch in diesem Jahr gut zu sehen war. Aber trotz der Treue der Unterstützer ist die Kieler Woche in 2020 nur möglich geworden, weil sich die Stadt Kiel zu der Regattawoche bekannt hat und Verluste auffängt. „Durch die Fokussierung auf den Sport wären viele Kosten zum Aufbau der Infrastruktur ausschließlich beim Kieler Yacht-Club hängen geblieben. Das hätte der Club nicht stemmen können, da die Meldegelder für die Deckung der Kosten nicht ausreichen. Hier springt die Stadt ein“, sagt Sven Christensen.

Mit viel Zufriedenheit erfüllt den POS-Geschäftsführer die Umsetzung des über viele Monate entwickelten Corona-Konzeptes. „Bis heute hat alles gut funktioniert, auch wenn es immer einen kleinen Teil von Menschen gibt, die die Maßnahmen nicht wollen. Im Laufe der Woche haben wir feststellen können, dass die Akzeptanz unter den Sportlern noch stärker geworden ist. Das liegt auch daran, dass wir im zweiten Teil die olympischen Klassen am Start hatten. Die wissen durch ihre Professionalität und in ihr Verantwortungsbewusstsein noch viel mehr zu schätzen, dass wir durch die Regeln die Basis für ihr Spielfeld schaffen.“Aus den Maßnahmen der Corona-Version dieser Kieler Woche lassen sich auch einige positive Aspekte für die Zukunft ziehen. „Die Umstellung auf Online in vielen Bereichen hat Vorteile. So konnten wir frühzeitig mit den Meldegelder kalkulieren, weil alle frühzeitig bezahlt haben. Die Einführung des digitalen Flaggenmastes und der Möglichkeit Protest- und Clearingformulare online herunterladen zu können, werden wir beibehalten“, so Christensen. „Außerdem haben wir die interne Kommunikation durch die Nutzung von Video-Meeting-Tools verbessert. Statt zweimal im Jahr in persönlichen Runden wie bisher geben wir den Teams nun einmal monatlich ein Update.“

Sven Christensen, Geschäftsführer der Vermarktungsagentur Point of Sailing (POS). Foto: www.segel-bilder.de

Der Aufwand für die TV-Produktion hat sich trotz gleichbleibender Qualität im Vergleich zu den vergangenen Jahren durch die Corona-Maßnahmen verringert. Ein extra Studio im Olympiazentrum wurde nicht aufgebaut. Die deutschen Moderatoren kommentierten die Rennen aus dem Produktionsbüro in der Kieler Innenstadt, die englisch-sprachigen sogar aus England bzw. Kanada. Christensen: „Das hat super geklappt, ganz ohne Zeitverzögerungen zwischen Bild und Ton.“   

Mitnehmen in künftige Kieler Wochen wollen die Organisatoren von POS auch gern positive Änderungen für die Athleten. So wurden die Möglichkeiten für die Tageshygiene durch zusätzliche Container verbessert, und auch die Abgrenzung der Liegeplätze von den Laufwegen kam gut an. „Das waren gute Maßnahmen. Die Abgrenzungen kann man natürlich offener gestalten als in diesem Jahr, aber sie bieten neben einem besseren Schutz der Boote und Athleten auch Möglichkeiten zu weiterem Branding“, sagt Sven Christensen. 

Doch trotz aller positiver Effekte ist klar, dass die Kieler Woche wieder zu ihrem üblichen Geschehen mit allen Finanzierungsmöglichkeiten zurückkehren muss. Christensen: „Ansonsten ist es wirtschaftlich nicht tragbar und realistisch. Als Agentur haben wir das Jahr nur durch die verbleibenden Einnahmen aus Sponsoring, aus anderen Tätigkeiten wie zur boot und durch Maßnahmen wie Kurzarbeit überstehen können.“
2020 hat die Kieler Woche gezeigt, zu was Kiel.Sailing.City trotz aller Einschränkungen und Probleme in der Lage ist, 2021 muss sie aber wieder die gewohnte Kombination aus Weltklasse-Segelsport und Festival bieten.

Lutz/Beucke holen Kieler-Woche-Sieg

Bis zur letzten Wettfahrt war es ein Bug-an-Bug-Rennen mit den Amerikanerinnen Stephanie Roble/Maggie Shea, denen ein zehnter Rang im letzten Rennen nicht reichte, um die deutsche Crew von Platz eins zu verdrängen. Auf Platz drei landeten die Britinnen Charlotte Dobson/Saskia Tidey. „Es ist etwas Besonderes in Kiel zu gewinnen. Heute Abend wird gefeiert“, so die Siegerinnen der deutschen Olympiaqualifikation direkt nach dem Zieleinlauf. Die Familie feierte die Siegerinnen schon beim Einlaufen in den Hafen. Nach den verpassten Tickets für die Olympischen Spiele in London und Rio gelang der Clou im dritten Anlauf.

Durch das Nadelöhr ins Ziel gehangelt

Eine besondere Herausforderung hatte die schnellste Yacht auf dem Kurs zu meistern. Nach über 18 Stunden auf See rauschte die „Halbtrocken 4.5“ auf dem engen Kurs der Innenförde in den Gegenverkehr der Windjammer-Parade hinein. Doch Eigner und Steuermann Michael Berghorn (Kiel) schlüpfte am Führungsschiff der Parade, der „Alexander von Humboldt“, durch das Nadelöhr von Friedrichsort, hangelte sich dann mit mehreren Wenden dicht unter Land in der Heikendorfer Bucht an der Flotte der Traditionsschiffe und Freizeitsegler vorbei und zog schließlich zum Ziel vor dem Sportboothafen von Düsternbrook.

Nach 18:27:31 Stunden hatte die „Halbtrocken 4.5“ die 134 Seemeilen von Kiel aus in die dänische Südsee, um Aeroe herum, durch den engen Svendborgsund und entlang der Insel Langeland bis zurück nach Kiel absolviert und damit den Schlusspunkt hinter eine intensive Kieler Woche gesetzt. Berghorn und seine Crew nutzten die Regattawoche voll aus, bestritten alle Rennen von der Deutschen Seesegel-Meisterschaft über den Senatspreis bis hin zum Silbernen Band. Mit dem Sieg im Senatspreis sammelte die „Halbtrocken 4.5“ auch eine große Trophäe ein, beim Silbernen Band blieb ihr berechnet allerdings nur der vierte Platz.

Die „X-Day“ von Walter Watermann gewinnt das „Silberne Band“ der Kieler Woche 2020. Foto: www.segel-bilder.de

In der Vermessungswertung der großen ORC-Yachten durfte die „X-Day“ von Walter Watermann (Kiel) mit Skipper Lars Hückstädt feiern. Sie kam zwar rund zwei Stunden nach der „Halbtrocken 4.5“ ins Ziel, hatte berechnet aber über eine Stunde Vorsprung. „Wir hatten ein sehr gutes Rennen, sind gut gestartet und sauber durchgekommen“, berichtete Lars Hückstädt. Nach dem Eingewöhnen zu den Travemünder Seeregatten und dem zweiten Platz beim Blueribboncup vor drei Wochen passten jetzt alle Manöver und auch die navigatorischen Vorgaben im Svendborgsund durch Johannes Frenzel sehr gut. „Wir hatten wohl 15 Segelwechsel und von Langeland runter eine anspruchsvolle Kreuz mit viel Verkehr in der Kieler Förde. Die Crew ist jung und talentiert und hat das sehr gut gemacht“, lobte Hückstädt seine Vorderleute. Für das kommende Jahr plant das Projekt mit weiteren Großaufgaben. Je nach den Möglichkeiten angesichts von Corona könnte es zur Cowes Week nach England, eventuell inklusive Fastnet Race, gehen oder zur Weltmeisterschaft nach Estland.

In der ORC II siegte die „Rarotonga“ von Werner Lemmel (Berlin), in ORC III+IV die „Jalapeno“ von Hinnerk Blenckner (Eckernförde). Frank Krupinska (Kiel) gewann mit der „io“ das Duell der beiden Yardstick-Yachten.

Die Wertung für die Double-Handed-Crews gewann die „Halbtrocken“ (Flensburg) von Knut Freudenberg und Nils Reichert. Ursprünglich war zur Kieler Woche die zweite Deutsche Meisterschaft in dieser Klasse ausgeschrieben worden. Das Starterfeld hatte sich aber schließlich soweit reduziert, dass nur noch ein Quartett übrigblieb – zum Leidwesen von Knut Freudenberg, der seinen Titel aus dem vergangenen Jahr gern in einem echten Leistungstest verteidigt hätte. „Ich verstehe das nicht. In der Flensburger Förde haben wir Zweihand-Regatten teilweise mit 30 Startern, aber wenn es zur Deutschen Meisterschaft geht, dann kneifen sie scheinbar alle.“

Formel eins auf dem Kartoffelacker

Es hat mäßig angefangen, wurde dann mit Böen über 30 Knoten noch sehr herausfordernd. Aber wir haben fast alle Rennen nach Plan geschafft“, berichtete Regatta-Organisationsleiter Dirk Ramhorst. Eine Herausforderung für die Wettfahrtleitungen war der Aufzug der Windjammerparade. „Einige Boote sind durch die Regattabahn gefahren und mussten feststellen, wie schnell ein 49er oder Nacra17 da ist. Zum Glück ist nichts passiert. Aber das muss noch besser kommuniziert werden“, so Ramhorst. Für den Abschlusstag erwartet er einen sonnigen Tag mit noch mehr Wind, der wohl einige Teilnehmer vom Start abhalten wird.

49erFX:

Holprig wie ein Kartoffelacker präsentierte sich der Parcours auf der landnahen Bahn für die 49erFX. Und in wechselhaften Winden mit kurzer Welle lieferten die Skiff-Frauen eine Formel-Eins-Show mit Hochgeschwindigkeit, einschließlich diverser Überschläge ab. Die Ergebnisse purzelten kräftig durcheinander, nur einige wenige Teams zeigten beständige Top-Ergebnisse. Allen voran Tina Lutz und Susann Beucke. Auf ihrem Hausrevier haben sie in der gesamten Serie von elf Wettfahrten noch keinen Ausrutscher stehen. Und mit dem Sieg in der letzten Tageswettfahrt katapultierten sie sich auf Gesamtrang eins. Damit können sie ganz beruhigt in den Abschlusstag gehen, sogar schon den Sekt kaltstellen. Denn in der nationalen Olympia-Ausscheidung sind sie von den zwölftplatzierten Konkurrentinnen Victoria Jurczok/Anika Lorenz nicht mehr einzuholen. „Uns fehlen die Worte. Wir sind super happy mit dem Tag, sind über unsere Möglichkeiten hinausgewachsen. Von außen hat es wohl souverän ausgesehen. Aus der Innensicht hat es sich aber gar nicht so angefühlt“, berichtete Susann Beucke und erklärte: „Es zittert alles. Seit Monaten stehen wir unter Anspannung. Heute Abend feiern wir etwas im Familienkreis.“ Tina Lutz ergänzte: „Ich bin völlig fertig.“ Nach der Erfüllung der Olympia-Kriterien wäre der Kieler-Woche-Sieg das i-Tüpfelchen. Die Verfolgerinnen Stephanie Roble/Maggie Shea (USA) hängen aber mit nur einem Punkt Rückstand dicht am Heck. Auf die drittplatzierten Britinnen Charlotte Dobson/Saskia Tidey ist das Punktepolster dagegen schon groß.

49er:

Je länger der Tag dauerte, desto heftiger wurden die Bedingungen. Die Skiff-Männer bekamen als Starter der Spätschicht die volle Breitseite des Wetters ab. Dennoch brachte die Goldflotte mit den 26 besten Teams vier Rennen über die Bahn. Dabei zeigten die deutschen WM-Dritten Erik Heil/Thomas Plößel, dass sie trotz Trainingsrückstand mit heftigen Winden umzugehen wissen. Mit zwei Siegen, allerdings auch einem 16. und einem 13. Rang kletterten sie auf Gesamtplatz fünf. Während es die bisherigen Zweiten, die Polen Lukasz Przybytek/Pawel Kolodzinski, hart traf, und sie auf Rang zehn zurückgespült wurden, bleiben die Dänen Jonas Warrer/Jakob Precht Jensen trotz mäßiger Ergebnisse auf Platz eins – gefolgt nun von Bart Lambriex/Pim van Vugt (Niederlande) und Lucas Rual/Emile Amoros (Frankreich).

Finn:

Nach der Frühstart-Disqualifikation des Schweizers Nils Theuninck in der ersten Tageswettfahrt steuert Nicholas Heiner (Niederlande) einem scheinbar sicheren Kieler-Woche-Sieg entgegen. Der Finn-WM-Dritte von 2017 und ehemalige Laser-Weltmeister (2014) ergänzte seine Top-Serie durch die Ränge 2, 1, 1 und muss nun am Abschlusstag nur noch ein solides Rennen in den beiden ausstehenden Wettfahrten ins Ziel bringen, um Nils Theuninck und den Argentinier Facundo Olezza auf Distanz zu halten.

Laser Radial:

Hannah Anderssohn liegt als beste Deutsche im Laser Radial auf Rang sieben. Foto: www.segel-bilder.de

Die junge Ungarin Maria Erdi musste in den schwierigen Bedingungen des Samstags einige Federn lassen, wahrte aber ihren Medaillenplatz vor dem finalen Tag. In der Top-Position scheint Marit Bouwmeester (Niederlande) unangefochten, denn der Rückstand der zweitplatzierten Dänin Anne-Marie Rindom beträgt bereits zwölf Punkte. In den Verfolgerrollen geht es für die besten Deutschen um wichtige Punkte in der Olympia-Ausscheidung. Und das Rennen wird vor der Europameisterschaft in Polen im Oktober, die abschließend über die Nominierung entscheidet, spannend. Hannah Anderssohn (Warnemünde) hat nach Punkten als aktuelle Siebte fast mit Svenja Weger (Kiel) auf Rang 13 gleichgezogen. Dabei hatte Anderssohn ihre Karriere eigentlich schon beendet: „Nach dem Sommer 2019 habe ich das Thema Segeln beiseite gelegt. Ich hatte täglich Schmerzen und wollte das nicht mehr auf mich nehmen. Es war eine schwere Entscheidung, die ich aber für meinen Körper getroffen habe“, berichtete die ehemalige Bewohnerin des Kieler Segelinternats. Doch aus der Zusammenarbeit mit einem neuen Athletiktrainer kam sie fitter und schmerzfreier heraus als je zuvor und stieg wieder in den Laser ein, um Spaß zu haben. „Es ist toll, hier wieder mit den Mädels zusammen zu sein. Ich will das einfach genießen, gucke gar nicht auf die Olympischen Spiele, sondern schaue nur von Rennen zu Rennen. Die Hauptsache ist, dass ich die Kieler Woche als zweite Regatta in diesem Jahr schmerzfrei zu Ende bringe.“ Svenja Weger haderte etwas mit den Bedingungen: „Die kurze Welle liegt mir nicht, und für diesen Wind fehlen mir ein paar Kilos. Ich hoffe darauf, dass wir morgen eine etwas längere Welle haben.“

Laser Standard:

Philipp Buhl kämpfte sich am Samstag auf Rang zwei vor. Foto: www.segel-bilder.de

Im starken Wind von Melbourne hat Philipp Buhl im Februar mit dem Gewinn des WM-Titels seine Karriere gekrönt. Zur Kieler Woche zeigt er, dass er mit kräftigen Böen immer noch bestens umgehen kann, auch wenn er sich nach eigenen Worten derzeit nicht in WM-Form fühlt. Mit den Platzierungen 3, 5, 1 kletterte er auf Rang zwei, liegt vor dem finalen Tag zwischen den Briten Michael Beckett und Elliot Hanson.

Nacra 17:

Segeln am Limit waren die Bedingungen für die Nacra17. Doch die Italiener Ruggero Tita/Caterina Banti scheinen dieses Limit nicht zu kennen, flogen zu drei Siegen. Sie zeigten eine Beständigkeit, der kein anderes Team aus der Spitzengruppe folgen konnte. Und so könnten sich die Italiener vor dem Abschluss am Sonntag nur noch selbst schlagen. Selbst die Weltmeister John Gimson/Anna Burnet (Großbritannien) haben nur noch eine winzige theoretische Chance auf den Sieg. Und das deutsche Heimteam, Paul Kohlhoff/Alica Stuhlemmer, wird den Blick von Rang drei eher nach hinten richten müssen, um den Podiumsplatz abzusichern.

Formula 18:

Die Kieler Woche war für die Seriensieger Helge und Christian Sach (Zarnekau) beendet, bevor der dritte Tag begonnen hat. Beim Einsegeln fiel ihnen der Gennaker ins Wasser und brachte soviel Druck auf den Gennakerbaum, dass dieser abbrach. Mit viel Mühe schafften die Brüder alles Eqipment zurück an Land, beendeten den Tag aber ohne Resultat. „Das Ding ist für uns gelaufen“, so Helge Sach. Auf dem Plan steht jetzt noch der Start bei der Berliner Meisterschaft und dann endet die Saison auch schon für die Sieger der deutschen Bestenermittlung. An der Spitze der F18-Katamrane drehen die Katamaran-Multitalente Cedric Bader/Nicolaj Björnholt unbeirrt ihre Kreise. Das französisch-dänische Duo steht nach weiteren drei Siegen bereits vor den beiden Abschlusswettfahrten als Sieger fest. Erste Anwärter auf die weiteren Podiumsplätze sind Mikko und Kirsikka Räisänen (Finnland) und Robert Schütz/Rea Kühl (Krefeld).

OK-Jolle:

Eine Kenterung in der letzten Tageswettfahrt scheint Mads Bendix nicht von seinem ersten Kieler-Woche-Sieg abhalten zu können, möglicherweise aber sein enges Zeitbudget. Der Däne hat bereits sein Boot verpackt und ist auf dem Weg zurück in die Heimat: „Ich muss arbeiten. Das war vorher so geplant. Aber wie ich hörte, wollen die Top-Fünf alle nicht mehr raus auf das Wasser“, so Bendix. Der Laser- und Finnsegler hat seine Olympiaambitionen vorerst auf Eis gelegt und hält sich in der OK-Jolle fit: „Es macht Spaß und ist ein gutes Niveau.“ Das Gesamtergebnis nach drei Tagen weist ihn auf Platz eins vor Andre Budzien (Schwerin) und dem Schweden Thomas Hansson-Mild aus.

29er:

Kämpfen nicht nur um den Kieler-Woche-Sieg sondern auch den Titel beim 29er Eurosaf. Insgesamt sind 90 Skiffs vor Kiel am Start. Richard Schultheis/Max Körner führen vor Antonia Schultheis/Ole Ulrich in der Gesamtwertung. Auf dem Foto führt die Schwester. Foto: Sascha Klahn/Kieler Woche

Die maltesische Doppelführung bei den Nachwuchs-Skiffs hat weiterhin Bestand, und die Vergabe von Gold und Silber auf der Kieler Förde wird wohl zur Familienangelegenheit. Richard Schultheis/Max Körner führen vor Antonia Schultheis/Ole Ulrich und den Dänen Jens-Christian und Jens-Philip Dehn-Toftehöj.

Lutz/Beucke können für Tokio planen

Nachdem sie 2012 und 2016 noch an der internen deutschen Konkurrenz gescheitert waren, können sie nun nicht mehr von den 2016er-Olympiateilnehmerinnen Victoria Jurczok/Anika Lorenz (Berlin) eingeholt werden. Die ausstehenden zwei Wettfahrten können in der Kieler-Woche-Wertung zwar noch für einige Verschiebungen sorgen. Die können aber nicht mehr so stark sein, dass Lutz/Beucke in der dreiteiligen Olympia-Ausscheidung, die die vergangenen beiden Weltmeisterschaften und jetzt die Kieler Woche umfasste, hinter Jurczok/Lorenz zurückfallen. Zudem kann die süd-norddeutsche Kombination mit großem Selbstvertrauen in den finalen Tag zur Kieler Woche gehen. Denn nach einer starken Serie und mit dem Tagessieg zum Abschluss des Samstag haben sie die Kieler-Woche-Führung übernommen.