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Rückkehr der World-ARC-Segler

Am Samstag, 13. April, endete die World ARC 2018/19 dort, wo sie im Januar 2018 begonnen hatte – an der Küste von Saint Lucia. Unterstützt vom World Cruising Club schlossen 38 Segler auf 16 Yachten ihre Weltumsegelung ab, während der sie drei Ozeane überquert und mehr als 18 Länder besucht hatten. 13 der Boote waren Anfang 2018 gestartet.
Die Crews der Madrigal und PretAixte in Rodney Bay © World Cruising Club
Wie auch in den letzten Jahren wurde der Abschluss des Segelabenteuers mit einer Schiffsparade, einem feierlichen Empfang und einem Rallye-Dinner gefeiert. „Der letzte Tag der World ARC ist immer etwas Besonderes, mit einer tollen Atmosphäre, die von allen sehr geschätzt wird, und wird zu Recht im großen Stil gefeiert“, sagte der Geschäftsführer des World Cruising Club Andrew Bishop. „Das erneute Überqueren der Startlinie in Rodney Bay ist ein emotionaler Moment für diejenigen, die ihre Weltumsegelung abschließen. Herzlichen Glückwunsch an die diesjährigen Weltumsegler!“
Die Route der World ARC © World Cruising Club
Die World ARC startet jedes Jahr in Saint Lucia (Januar) und Australien (September) und ermöglicht eine Weltumsegelung in einer multinationalen Flotte. Während der 15-monatigen Rallye legen die Teilnehmer gut 26.000 Seemeilen zurück. Statt der kompletten Strecke können aber auch nur einzelne Etappen mitgesegelt werden. An der World ARC 2018/19 nahmen insgesamt mehr als 400 Segler auf 42 Booten teil.

Fischer/Graf übernehmen Führung in Genua

Gemächlicher Start in den World Cup vor Genua: Nach Abschluss der Trofeo Princesa Sofia ist der Tross der Top-Segler Richtung Italien weitergereist. Allerdings starten vor Genua nur acht der zehn Olympia-Disziplinen. Und am ersten Tag kamen nur die Skiffs und Nacras zum Zug. Mit starken deutschen Ergebnissen. Fischer/Graf führen bei den 49ern, Jurczok/Lorenz sind Dritten bei den 49ernFX.

Zum Start in das Geschehen war ohnenhin nur ein Teil der acht Flotten auf der Bahn geplant. Doch bei leichten und schwankenden Winden zwischen 5 und 12 Knoten gelang auch hier nicht das komplett vorgesehene Programm. Die Skiffs schafften je zwei Rennen, den Nacras gelang das nur in einer Gruppe, die andere muss am zweiten Tag nachsitzen. Dann starten auch die Laser, 470er und Finns ins Geschehen.

Unter der perfekten italienischen Sonne hatten Tim Fischer/Fabian Graf einen Start nach Maß im Feld der 65 Crews. Mit Startnummer 007 lautet ihr Auftrag offenbar: Sieg. Gleich beide Mal kreuzten sie als Top-Crew die Ziellinie und stehen damit zunächst mit einem makellosen Bild an der Spitze des Feldes, das mit der absoluten Weltklasse besetzt ist. Auf Platz zwei liegen die Neuseeländer Isaac McHardie/William McKenzie zwar mit einem Sieg und einem zweiten Platz in der Paralellgruppe ebenfalls stark im Rennen. Doch dahinter zeigt sich, wie schwierig es ist, in dieser Konkurrenz eine konstante Serie auf die Bahn zu bringen. Auch die Superstars Peter Burling/Blair Tuke (Neuseeland) müssen das nach ihrem Comeback vor Mallorca nun schmerzlich erfahren. Ihre aktuelle Platzierung: Rang 31.

„Das deutsche Team pusht sich momentan gut voran“, erklärte Graf. „Und wir versuchen, besser als unsere Teamkollegen zu sein. Wir trainieren viel und haben ein gutes Coaching. Es gibt viele talentierte Leute in diesem Team.“ Graf macht keinen Hehl daraus, dass er nicht nur das deutsche Team insgesamt voranbringen, sondern sich selbst gemeinsam mit Vorschoter Fabian Graf für die Spiele 2020 qualifizieren will. Die Ausscheidung für Tokio beginnt in diesem Spätherbst mit der WM. Als junge Mannschaft haben Fischer/Graf aber auch noch die folgenden Spiele 2024 vor Marseille durchaus im Fokus.

Starke deutsche Auftritte gab es in den vergangenen Jahren auch immer wieder bei den Skiff-Frauen. Auch diesmal sind die ehemaligen WM-Dritten Victoria Jurczok/Aniko Lorenz gut in die Regatta gestartet. Mit zwei vierten Plätzen in ihrer Gruppe sind sie aktuell Dritte im Feld der 48 Duos. Die Spitze haben die Schwedinnen Julia Gross/Hanna Klinga vor den Olympiasiegerinnen Martine Grael/Kahena Kunze (Brasilien) inne.

Bei den leichten Winden vor Genua hat sich die deutsche Rangfolge in der Klasse der Nacra17 vorerst gedreht. Während vor Mallorca noch Paul Kohlhoff/Alica Stuhlemmer klar den Ton angeben und als einzige die Goldflotte erreichten, erwischte nun die interne Konkurrenz den besseren Start. Johannes Polgar/Carolina Werner segelten mit den Plätzen 7 und 5 einen konstanten Start. Kohlhoff/Stuhlemmer konnten mit der anderen Gruppe nur eine Wettfahrt absolvieren und mussten sich dort mit dem 18. Platz begnügen. Der Tag heute wird zunächst mit dem zweiten Rennen in dieser Gruppe fortgesetzt, bevor alle Segler wieder auf die Bahn geschickt werden.

Gold, Silber und große Hoffnung

Die Segel-Saison in Europa erwacht gerade erst, doch in Übersee und auf Schnee und Eis geht bereits etwas. Und es scheint sich wieder etwas kräftig zu bewegen im deutschen Hochseesegeln. So stehen die Worldcup-Siege mit dem Snowkite und die Silbermedaille beim legendären Bacardi-Cup der Stare als Erfolge zur Wahl und müssen sich behaupten gegen den Traum vom Crew-Weltrennen unter deutscher Flagge.

Vorschoter Frithjof Kleen machte beim Bacardi-Cup Olympiasieger Mateusz Kusznierewicz schnell. Foto: Martina Orsini

Frithjof Kleen (Bacardi-Cup, Platz 2): Wenn sich die Starboot-Elite trifft, dann ist Weltklasse am Start. Das gilt umso mehr, wenn es vor Miami um den Bacardi-Cup geht, eine der prestigeträchtigsten Regatten in der Ex-Olympiaklasse. Frithjof Kleen ist im Star einer der begehrtesten Vorschoter überhaupt. Egal bei wem er an den Strippen zieht, der Berliner macht das Boot schnell. Diesmal das von Olympiasieger Mateusz Kusznierewicz, mit dem er auf Platz zwei segelte.

Florian Gruber beherrscht das Kiten auf jedem Untergrund. Im Schnee ist der Worldcup-Sieger eine Klasse für sich. Foto: Lasse Schneppenheim

Florian Gruber (Snowkite Worldcup-Gold): Florian Gruber beherrscht den Kite in Perfektion – und das in jedem Aggregatzustand des Untergrundes. Bei den Worlds in Aarhus 2018 war er bester Deutscher auf Rang zwölf. Beim Snowkite-Worldcupfinale im Engadin/Schweiz räumte er nun alles ab. Event-Sieg im Longdistance-Race und Course Racing. Dazu die Saisonsiege in diesen beiden Disziplinen und folgerichtig auch der Sieg im Gesamt-Worldcup. Der Garmisch-Partenkirchener ist eine gute Option für Olympia 2024.

Mit der Ex-„Acciona“ bringt das Offshore Team Germany ein starkes Boot auf die Bahn und will zum „The Ocean Race“. Foto: Jean Marie Liot

Offshore Team Germany (Kampagne für „The Ocean Race“): Seit bald zwei Jahrzehnten wartet Deutschland wieder auf eine Kampagne unter schwarz-rot-goldener Flagge beim Etappenrennen rund um die Welt mit großer Crew. Jetzt scheint es Wirklichkeit zu werden. Das Offshore Team Germany hat große Ambitionen für „The Ocean Race“ 2021/22. Das Boot ist da, Skipper Robert Stanjek und Teammanager Jens Kuphal sind voller Engagement. Die Hoffnung auf eine deutsche Profikampagne erhält mit dem OTG-Startschuss Nahrung.

Segler des Monats März

“Ceeref” gewinnt 44Cup in Montenegro

Zum Abschluss des 44Cup in der Bucht von Tivat/Montenegro gab es noch einmal einen rundum guten Tag. Drei weitere Rennen wurden über die Bahn gebracht. Nach insgesamt neun Wettfahrten in den vier Tagen triumphierte die „Ceeref“ von Igor Lah (Slowenien).

Mit dem Erfolg dokumentierte die Mannschaft um Taktiker Adrian Stead, dass es vor allem darauf ankommt, beständige Ergebnisse einzufahren. „Ceeref“ kam am Abschlusstag ohne Tagessieg aus, punktete mit der Serie 2, 2, 3 aber eindrucksvoll. Dem hatte aus der Konkurrenz nur die russische „Nika“ von Vladimir Prosichins annähernd Gleichwertiges entgegenzusetzen. Taktiker Tom Slingsby (Australien) führte das Team zurück in die Erfolgsspur. Wäre der „Nika“ nicht ein rabenschwarzer zweiter Tag in die Quere gekommen, sie hätte in den Kampf um den Sieg noch eingreifen können. So aber war der Erfolg der „Ceeref“ zum Auftakt der fünfteiligen Serie vor der „Nika“ ungefährdet. Auf Platz drei trug sich die multinationale „Aqua“ von Eigner Chris Bake (Neuseeland) ein.

Die „Aqua“ setzte zum Beginn des Abschlusstages das erste Ausrufezeichen. In der leichten, aber gut segelbaren Brise erarbeiteten sich Bake und Taktiker Cameron Appleton einen klaren Vorsprung vor der „Ceeref“. Doch das zweite Rennen des Tages bestätigte Appletons Aussage: „Diese Klasse ist so unglaublich spannend, weil alle Crews eng beieinander liegen.“ Eine schmerzliche Erkenntnis für die „Aqua“ an diesem Tag. Denn dem Tagessieg folgte der achte und vorletzte Platz. Damit war der Platz auf dem Podium plötzlich in Gefahr. Aber der vierte Rang in der letzten Wettfahrt ließ die „Aqua“ dennoch über den dritten Gesamtrang jubeln. Denn diesmal patzte die „Peninsula Petroleum“. Eigner John Bassadone (Großbritannien) und Taktiker Ed Baird (USA) verspielten Platz drei durch einen achten Rang zum Abschluss.

Über Achtungserfolge zum Abschluss durften sich noch die russische „Bronenosec“ und die französische „Aleph“ freuen. Die Russen standen schon am Vortag vor einem Tagessieg. Dann aber machte ihnen der geplatzte Spinnaker einen Strich durch die Rechnung. Nun gelang ihnen die Revanche. Und die „Aleph“ kann immerhin für sich in Anspruch nehmen, als letzte Siegerin von Montenegro die Flotte zum nächsten Event nach Rovinj/Kroatien zu führen.

OTG nimmt erste Mini-Hürde

Die erste Hürde auf dem Weg zum Mini-Transat-Teilnahme des Offshore Team Germany ist genommen. Das Ergebnis bei der Plastimo Lorient lag zwar deutlich unter den Erwartungen des Duos Morten Bogacki/Robert Stanjek, aber der Mini „Lilienthal“ zeigte in den Phasen mit Reach-Bedingungen, wo sein eigentliches Potenzial liegt.

„Es gibt nichts zu beschönigen: Wir wollten ein anderes Ergebnis als Platz 19 unter den 68 Startern und Rang 10 in der Gruppe der Protos. Aber so ist das im Sport, man muss auch Enttäuschungen verkraften“, erklärte Robert Stanjek. Er ärgerte sich nach einem zähen Rennen unter schwachen Winden auf Zwei-Drittel des Kurses vor allem über die Rundung der Belle Ile, dem südlichsten Punkt des 230 Seemeilen langen Kurses. „Wir hatten uns gerade wieder in eine vernünftige Position vorgearbeitet, waren dann aber zu konservativ in der Annäherung an die Insel: Das Routing sagte rechts, das Gefühl links. Wir haben uns daher in der Mitte gehalten und sind schließlich hängen geblieben. Etwas lokale Revierkenntnis hätte uns sicher geholfen.“ So aber rutschten die Franzosen auf der Innenbahn nah an der Insel durch. Lediglich in den 50ern passierte „Lilienthal“ die Belle Ile, setzte dann aber zum Zielsprint und zur großen Aufholjagd an. Endlich kamen mit Winden zwischen 20 bis 24 Knoten aus achterlichen Richtungen die Bedingungen für den Plattbug-Mini. Mit Top-Speed über 13 Knoten preschte das deutsche Duo durch das Feld, sammelte Konkurrent um Konkurrent ein und schaffte schließlich noch den Sprung unter die Top-20 aller Teilnehmer beim ersten gemeinsamen Auftritt.

Da konnte auch OTG-Teammanager Jens Kuphal wieder durchatmen. Er hatte in Berlin am Live-Tracker mitgelitten: „An der Belle Ile mochte ich schon gar nicht mehr hingucken. Aber dann kamen zum Glück Reach-Bedingungen. Dafür ist die ‘Lilienthal’ gebaut.“ Er erinnerte sich an die Plastimo-Regatta im vergangenen Jahr, als die „Lilienthal“ mit Jörg Riechers und ihm selbst als Co-Skipper an Bord in der gleichen Situation war. „Das Rennen diesmal war wie eine Kopie von 2018. Auch damals sind uns die Locals an der Insel durchgerutscht. Am Ende waren wir 16. unter 58 Teilnehmern und nur siebter Proto, Jörg war damals total genervt vom durchwachsenen Saisonauftakt.“

So konnte ein Haken hinter dem ersten Rennen der Saison und dem ersten gemeinsamen Auftritt von Morten Bogacki/Robert Stanjek gemacht werden. Trotz Müdigkeit trat das Duo stattdessen gleich in die Analyse ein: „Es war gut, uns seglerisch kennenzulernen. Die ersten Meilen sind auf dem Konto. Morten hat bei den Manövern eine starke Performance gezeigt, ich hatte die Möglichkeit, viel zu steuern. Das war wichtig. Aber es hat sich auch gezeigt, dass ein eingespieltes Team das Boot wesentlich schneller wieder auf Topspeed bekommt. Das haben wir schmerzlich erfahren müssen“, berichtete Stanjek. Hinzu kamen ein paar kleine Stolpersteine in der Ausrüstung. Der Windgeber lief nicht exakt, und die Segelgarderobe ist noch nicht wieder auf Top-Niveau.

Morten Bogacki, der im Herbst das Mini-Transat mit „Lilienthal“ segeln wird, hat aus dem Saisonauftakt viel Erfahrung gezogen: „Wir waren ohne gemeinsames Training zum ersten Mal gemeinsam auf dem Boot. Und das hat gleich super harmoniert. Unter diesen Voraussetzungen durfte man sicherlich nicht zu viel erwarten. Wichtig war für mich der Input von Robert. Er hat noch mal einen ganz anderen Blick. Die Bedingungen waren lange schwierig für das Boot. Für leichten Wind und Kreuz-Bedingungen ist die ‘Lilienthal’ eben nicht gemacht. In den Abendflauten haben wir viel verloren.“ Umso mehr konnten beide die Abschlussnacht genießen. „Das waren defintiv ‘Lilienthal’-Bedingungen“, schwärmte Bogacki, und Stanjek ergänzte: „Auf diesen Kursen ist das Boot eine Waffe.“

Abenteuer Atlantik: Erster Test für Morten Bogacki

Das Offshore Team Germany (OTG) startet die nächste Kampagne. Im September 2019 soll der OTG-Mini „Lilienthal“ zum zweiten Mal das Mini-Transatlantikrennen (Mini Transat La Boulangere) bewältigen – diesmal mit Morten Bogacki als Solo-Piloten.

Die ersten Vorbereitungsmeilen für 2019 im Regattamodus auf dem Atlantik werden an diesem Wochenende ins Logbuch eingetragen.

Für 46 Minis geht es am Freitag bei der Plastimo Lorient auf den 250 Seemeilen langen Kurs, der die Crews in einem Dreieckskurs von der französischen Hafenstadt zur Südspitze der Bretagne (Penmach) und um die Belle Ile herumführt. Morten Bogacki wird dieses Zweihand-Rennen gemeinsam mit Robert Stanjek segeln. OTG-Skipper Stanjek, der als Team-Captain das Weltrennen „The Ocean Race“ 2021/22 im Fokus hat, wird seinen Teamkollegen Bogacki als Co-Skipper unterstützen, die nächsten Seemeilen auf das Mini-Konto zu packen, um die Voraussetzungen für einen Start beim Mini Transat La Boulangere zu erfüllen.

Das Mini Transat La Boulangere, das am 22. September gestartet wird, ist das größte Einhand-Transatlantikrennen und der ultimative Test für aufstrebende Hochseesegler. Zum 22. Mal wird der Kurs die Solo-Segler auf ihren 6,50 Meter kleinen Yachten über zwei Etappen von La Rochelle/Frankreich zunächst nach Las Palmas de Gran Canaria und dann weiter nach Le Marin in Martinique über den Atlantik führen. Die zweite Etappe startet nach einer mehrwöchigen Pause Anfang November vor Gran Canaria. Über 15 bis 20 Tage führt der Kurs die Segler bis in die Karibik. Das Leben an Bord in diesen zwei bis drei Wochen ist äußerst beengt. Die Navigation, Reparaturen, Zubereitung von Mahlzeiten, kurze Schlafintervalle – nichts ist wirklich komfortabel, aber möglich.

Auf den neuen Mini-Prototypen wie der „Lilienthal“ ist das Leben ein echter Sport. Der Schwenkkiel mit seinen Blöcken und Leinen in der Mitte des 1,40 Meter hohen Cockpits dominiert das Ambiente. Die Daggerboards an den Seiten, dahinter eine schwarze, nasse Kabine von 50 cm Breite lassen wenig Raum, in dem die Skipper ihre kurzen Schlafintervalle finden sollen.

Wer solche Strapazen aushalten möchte, muss wissen, worauf er sich einlässt. Morten Bogacki begann früh mit dem Segelsport: Optimist, 420er, dann der olympische 470er mit diversen Meistertiteln und einer erfolgreichen Zeit in der Nationalmannschaft sowie Einsätze als Steuermann der Bundesliga-Mannschaft des Düsseldorfer YC stehen in seiner Vita.

Doch der 33-Jährige ist nicht nur ein erfolgreicher Segler, sondern auch ambitioniert im Beruf. 2016 erlangte er seine Approbation als Arzt, ist als Radiologe in der Rendsburger Klinik aktiv. Um Beruf und Segelleidenschaft nebeneinander leben zu können, arbeitet der Düsseldorfer, der inzwischen in Kiel lebt, auf halber Stelle. Sein Arbeitszeitkonto ist gut gefüllt, um in den nächsten Wochen die Vorbereitung für das Ziel Mini-Transat segeln zu können.

Nach der Plastimo folgen weitere Regatten in Frankreich – dann einhand, um sich schon auf den großen Qualifier einzustellen. Noch im Frühjahr will Bogacki die 1000 Seemeilen lange Schleife von La Rochelle/Frankreich nach Irland und zurück segeln. „Um die Voraussetzungen für das Mini-Transat zu erfüllen, brauche ich noch 900 Regattameilen und eben die 1000-Seemeilen-Qualifikation“, erklärt Bogacki. „Wenn alles gut läuft, dann habe ich alles im Frühjahr zusammen. An Himmelfahrt wollte ich wieder nach Deutschland kommen. Aber auch danach gäbe es noch genügend Möglichkeiten, um die geforderten Meilen zu segeln.“ Durch die Teilnahme am Zweihand-Rennen Mini-Fastnet im vergangenen Juni hatte Bogacki die ersten 600 Seemeilen in kleiner Crew in der Hochsee absolviert. Aktuell ist er der einzige Deutsche, der sich für den Start beim Mini-Transat 2019 in die Meldeliste eingetragen hat.

Im Winter hat Bogacki die „Lilienthal“ selbst für den Einsatz im Atlantik frisch gemacht. Da die zunächst beauftragte Werft in Frankreich den Zeitplan nicht einhalten konnte, holte der 33-Jährige den Mini per Trailer nach Kiel und baute ihn hier neu auf. Die Aufnahmen für die Outrigger (die Riggausleger) am Cockpit mussten verstärkt, die Winschen gewartet und die Eletronik auf den neuesten Stand gebracht werden. Vor zwei Wochen fuhr Morten Bogacki das Boot gemeinsam mit OTG-Boatcaptain Adrain Bleninger nach Lorient, um es ins Wasser zu bringen, den Mast zu stellen, Kiel und Ruder zu montieren. Jetzt gilt es, weitere Erfahrungen mit der „Lilienthal“ zu sammeln, die durch ihren breiten Scow-Bug auffällig daher kommt und ehemals auch mit Foils ausgestattet werden sollte. Die Foils wurden dann zwar nicht umgesetzt, da ein sicheres „Fliegen“ mit den kurzen Booten bei langer Welle nur schwer zu realisieren ist. Doch die „Lilienthal“ zeigte dennoch ihr Potenzial, segelte beim vergangenen Mini-Transat auf Platz zwei.

Bogacki dämpft vor seiner ersten Atlantiküberquerung allerdings zu hochfliegende Erwartungen: „Meine Priorität ist es, das Boot sicher über den Atlantik zu segeln. Daher werden wir ‘Lilienthal’ auch jetzt nicht mit Foils ausstatten, auch wenn vielleicht ein paar Neuentwicklungen mit Foils kommen“, sagt Bogacki. Zu einer sportlichen Zielformulierung lässt sich der Mini-Transat-Novize dann doch hinreißen: „Auch wenn man noch die Entwicklungen der neuen Boote abwarten muss, hat das Boot sicherlich ein Potenzial, um unter den ersten Sieben ins Ziel zu kommen.“

Doch es gelte, dieses Bootspotenzial auch auf die Bahn zu bringen. Und da ist mehr gefragt, als seglerisches Können. Schlafen und Essen entscheiden darüber, wie groß die Ressourcen auf der Langstrecke sind. „Da brauche ich noch Training, um festzustellen, wie mein idealer Power-Napp-Rhythmus ist. Möglicherweise teste ich das im Schlaflabor. Das Boot über 12 bis 15 Minuten allein segeln zu lassen, ist sicherlich machbar. Aber auch mal 45 Minuten zu schlafen, verlangt schon viel Mut“, sagt Morten Bogacki, der nach dem Mini-Transat noch weitere Pläne mit dem Offshore Team Germany verfolgen möchte. Etappenweise Einsätze beim „The Ocean Race“ 2021/22 wären denkbar. Und auch die neugeschaffene Olympia-Disziplin des Mixed-Offshore-Segelns für Marseille 2024 passt ins Profil von Morten Bogacki und in das des Offshore Team Germany: „Man muss schon sagen, dass das OTG in den vergangenen Jahren Einiges richtig gemacht hat. Und einige Bootsentscheidungen durch World Sailing und die großen Regatten spielen dem Team nun genau in die Karten.“

Segelprofis entdecken Montenegro

Die professionellen Segel-Circuits sind stets auf der Suche nach neuen, interessanten Locations. Der 44Cup hat in seiner 13. Saison erstmals Montenegro entdeckt. Zum Auftakt des Events zeigte sich die Bucht von Kotor zwar von einer ungemütlichen Seite, aber es gelangen zwei Wettfahrten, und Porto Montenegro bewies an Land seine Qualitäten.

Mit dem Segel-Programm des ersten Tages durften die Akteure auf den neun RC44-Yachten sehr zufrieden sein. Denn dass Wettfahrtleiter Peter Reggio den schwachen Winden noch zwei Wettfahrten abringen würde, danach sah es lange nicht aus. Aber mit den Schauern kam jeweils eine gute, allerdings drehende Brise auf, in die Reggio die Rennen platzierte. Die Teams „Ceeref“ und „Nika“ sammelten jeweils die Tagessiege ein und stehen nach Tag eins auch an der Spitze des Klassements.

Das Revier in Montenegro ist im weltweiten Segler-Circuit zwar noch wenig bekannt, aber perfekt für große Ereignisse. Das Hafenareal von Porto Montenegro, das in den vergangenen zehn Jahren um den ehemaligen Werftstandort aufgebaut worden ist, bietet eine umfangreiche Infrastruktur für Gäste mit Familien, aber auch höchste Ansprüche. Der Yacht-Club mit eigenem Pool, Strandareal und Gelegenheiten für gesellige Abende ist eine feine Adresse. Und die Bucht von Kotor ist zwar Teil der Adria, aber geschützt wie ein See. Dennoch ist die Fläche ausreichend, um selbst die 44-Fuß-Yachten der RC44-Klasse auf den Rennkurs zu schicken.

In einer Südwest-Brise, die über die vorgelagerte Halbinsel kommend für wechselhafte Winde sorgte, legte zunächst das „Ceeref“-Team gut vor. Der britische Taktiker Adrian Stead, der auch von deutschen Eignern wie Hasso Plattner („Phoenix“) oder Tilmar Hansen („Outsider“) gern eingesetzt wird, machte keinen Hehl aus seinen hohen Ansprüchen an die Saison. „Im letzten Jahr haben wir die Saison letztlich durch ein oder zwei einzelne Rennen verloren, das wollen wir jetzt umdrehen. Unser Ziel ist ganz klar der Saisonsieg“, so Stead. „Aber das wollen viele. Die Klasse wird mit ihrer Kombination aus Eigner-Steuerleuten mit Amatuer-Status, vier Profis und weiteren Amateuren an Bord auf höchstem Niveau gesegelt. Da geht alles sehr eng zu.“

Und das musste die „Ceeref“-Crew von Eigner Igor Lah (Slowenien) im weiteren Rennverlauf erfahren. Gleichauf mit der „Nika“, bei der Superstar Tom Slingsby (Australien) die Taktik-Ansagen macht, ging es im Split auf die zweite Kreuz. „Nika“ kam auf der linken Seite besser durch, setzte sich vor der monegassischen „Charisma“ an die Spitze und verteidigte die Führung bis ins Ziel.

„Ceeref“, in Rennen eins noch auf Rang drei abgerutscht, gelang allerdings in der zweiten Wettfahrt die Revanche. Wie eng es bei diesen Rennen zugeht, musste dabei das schwedische „Artemis“-Team schmerzlich an der ersten Tonne erfahren. Auf der linken Seite sah die Mannschaft um Ex-Match-Race-Weltmeister Andy Horton (Taktik) und Olympiasieger Iain Percy (Trimm) sehr gut aus, hoffte noch vor der Flotte an der Tonne durchschlüpfen zu können. Doch um wenige Meter klappte es nicht, und in einem radikalen Abfallmanöver musste „Artemis“ die Parade der Vorfahrt-berechtigen Konkurrenten abnehmen. Statt Rang eins stand somit der letzte Platz in den Notizbüchern der Tonnenrundung.

Vorn gingen „Nika“ und „Peninsula Petroleum“ mit America’sCup-Gewinner Ed Baird als Taktiker in den Fight um Platz eins. Doch am Ende triumphierte „Ceeref“, das in einem 30-Grad-Winddreher auf dem letzten Downwinder noch auf Platz eins segelte.

„Es war großartig, super enge Rennen“, berichtete Slingsby, der nach fünf Jahren erstmals wieder im RC44-Circuit dabei ist. „In der zweiten Wettfahrt hatten wir einen schlechten Start, aber die rechte Seite hat sich ausgezahlt. Wir kamen als Zweiter oben an. Aber auch danach war noch viel möglich. Mit den Drehern und Böen geht es hoch und runter. Bei diesen Bedingungen und in diesem engen Feld darf man eben nie aufgeben. Es kann immer etwas gehen.“

Ergebnisse nach Tag eins:

  • 1. „Ceeref“, Igor Lah (Slowenien), 4 Punkte
  • 2. „Nika“, Vladimir Prosikhin (Russland), 5 Punkte
  • 3. „Peninsula Petroleum“, John Bassadone (Großbritannien), 7 Punkte
  • 4. „Aqua“, Chris Bake (Großbritannien), 10 Punkte
  • 5. „Charisma“, Nico Poons (Monaco), 10 Punkte
  • 6. „Tavatuy“, Pavel Kuznetsov (Russland), 11 Punkte
  • 7. „Bronenosec“, V. Liubomirov & K. Frolov (Russland), 14
  • 8. „Artemis Racing“, Torbjörn Törnqvist (Schweden), 14
  • 9. „Aleph Racing“, Hugues Lepic (Frankreich), 15

Erste Galileo PLB: Präzisere Ortung

Die McMurdo FastFind und Kannad SafeLink PLBs sind Teil des Such- und Rettungssystems und ergänzen die EPIRBs als erste Galileofähige Ortungsgeräte. Diese Multi-Konstellationsempfänger arbeiten mit einer größeren Anzahl von Satelliten zusammen, und sollen so eine verbesserte globale Abdeckung bieten und beschleunigte Rettungsmissionen unterstützen. Die Standorterkennung soll dadurch verbessert und präziser werden, da die Geräte neben dem bewährten GPS-Netzwerk auch Koordinaten aus dem Galileo-Satellitennetz empfangen.

„Wir freuen uns sehr, unsere verbesserten PLBs auf dem europäischen und US-amerikanischen Markt einzuführen“ sagte Chris Loizou, Vice President of Maritime bei Orolia. „Die Kombination aus Galileo- und GPS-GNSS-Fähigkeit bedeutet, dass unsere Kunden von einer Abdeckung vom Nord- bis zum Südpol profitieren werden.“

Als weltweit einziger Anbieter eines durchgängigen Such- und Rettungssystems – einschließlich Notsendern, Satellitenbodenstationen, Missionskontroll- und Rettungskoordinierungssystemen sowie Rettungsprodukten – entwickelt, integriert und testet McMurdo Produkte als Teil eines Live-Such- und Rettungssystems. Das gewährleistet eine bessere Zusammenarbeit zwischen Notsignalübertragung und -empfang, so dass die Träger der Geräte sicher sein können, dass ihre Signale schnell bei den Such- und Rettungsbehörden ankommen.

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Mallorca-Abschied ohne Medaille

Bei der Trofeo Princesa Sofia hatte sich das German Sailing Team ohnehin nur für drei Medal Races qualifiziert. Da am Abchlusstag hoher Wellengang in die Bucht von Palma drückte, konnten nur noch die beiden 470er-Damencrews ins Geschehen eingreifen – allerdings ohne Resultatsveränderung. Die Deutschen reisen ohne Medaille von der Balearen-Insel ab.

Für das beste deutsche Resultat sorgten die 49er: Justus Schmidt/Max Boehme landeten auf Platz fünf. Die Kieler waren vor dem Finaltag die einzige deutsche Mannschaft, die überhaupt noch eine Chance auf das Podium gehabt hätte. Doch die 49er mussten wie auch die Nacra17 an Land bleiben. Die äußeren Bedingungen waren für die schnellen, fragilen Klassen zu herausfordernd. „25 Knoten Wind wären durchaus machbar gewesen, aber die hohe Welle eben nicht mehr. Die Absage geht in Ordnung, obwohl wir gerne um eine Medaille gekämpft hätten“, beschrieb Justus Schmidt das Szenario.

Schmidt/Boehme nahmen den Rennausfall und damit die verpasste Medaillenchance dennoch gelassen: „Wir freuen uns sehr, dass wir mit unserem Ergebnis an unsere schon im Training gezeigten Leistungen anknüpfen konnten. Dieses Ergebnis bestätigt unseren Weg und tut unserem Selbstbewusstsein gut“, sagte Schmidt. Das sah auch DSV-Sportdirektorin Nadine Stegenwalner so: „Justus Schmidt und Max Boehme haben gezeigt, dass mit ihnen wieder voll zu rechnen ist. Dass es für die beiden anderen deutschen Top-Teams im 49er dieses Mal nicht fürs Medaillenrennen gereicht hat, tut der Tatsache keinen Abbruch, dass wir in der Skiff-Disziplin der Männer auf sehr gutem Weg sind.“

Auch die 49erFX-Frauen sind stark aufgestellt. Tina Lutz und Susann Beucke segelten auf Gesamtplatz sieben. Victoria Jurczok und Anika Lorenz schlossen die Serie als Neunte ab. „Die beiden Teams trainieren sehr effizient miteinander und stehen sicher auf unserer Haben-Seite“, sagte Stegenwalner.

Stark präsentierten sich vor Mallorca die Nacra-17-Crew Paul Kohlhoff und Alica Stuhlemmer. Doch nach der Führung nach Tag eins kostete schließlich eine Pech-Serie die Finalteilnahme. Eine Tüte am Ruder bremste die junge Crew ein, ein gebrochener Trapezhaken erzwang eine Renn-Aufgabe, und ein unverschuldeter Crash kostete schließlich zuviele Punkte. In einem vorläufigen Klassement standen Kohlhoff/Stuhlemmer zwar noch auf Rang zehn, doch in der korrigierten Version rutschten sie auf Platz elf ab. Damit hätten sie am Abschlusstag unabhängig von der Renn-Absage ohnehin nicht mehr segeln können. „Es war ein bisschen viel Pech im Spiel, doch das kann im Segelsport eben auch passieren“, sagte Paul Kohlhoff. „Wir sind insgesamt mit unseren Leistungen zufrieden und wollen in Genua beim Worldcup an diesem Punkt weitermachen und wieder angreifen.“

Auf Tuchfühlung zur Weltklasse gingen erneut die 470er-Seglerinnen Frederike Loewe und Anna Markfort als Achte. Und die Hamburger Schwestern Luise und Helena Wanser übertrafen mit Rang neun alle Erwartungen. Es war ihre erste Medal-Race-Teilnahme in einem Welltklassefeld. „Frederike und Anna haben sich im Kreis der Besten etabliert. Sie zeigen früh in der Saison, dass mit ihnen auf Kurs Olympia zu rechnen ist“, resümierte Stegenwalner nach dem zweiten Top-Ergebnis für Loewe/Markfort in dieser Saison.

Nach einem guten Einstieg in die Serie, die dann allerdings auf Rang 13 endelte, hatte sich Laser-Seglerin Svenja Weger ein Lob der Sportdirektorin verdient: „Svenja ist auf dem richtigen Weg. Der Trainerwechsel funktioniert offenbar gut, die Zusammenarbeit mit Jonasz Stelmaszyk wirkt konstruktiv, zielführend und beflügelnd.“

Enttäuschend dagegen die Resultate bei den 470er-Männern, im Laser Standard und Finn. Hier gab es kein deutsches Ergebnis in den Top-20. Besonders Laser-Ass Philipp Buhl musste sich als 33. deutlich unter Wert geschlagen geben. Der Weltranglisten-Dritte kam mit den unbeständigen Bedingungen nicht zurecht. Die DSV-Sportdirektorin macht sich deswegen aber keine Sorgen: „Philipp hat seine Weltklasse schon so oft unter Beweis gestellt. Man kann auch als verlässlicher Leistungsgarant unglückliche Serien erleben. Ich bin überzeugt, dass er schon sehr bald zu seiner bekannten Stärke zurückfindet und zeigen wird, was ihn auszeichnet.“

Geplatzte Podiumsträume

Am letzten Tag der Finalrunde sind diverse Medaillen-Träume des German Sailing Team (GST) geplatzt. Zwar gehen sechs GST-Crews in das Medal Race, aber nur noch die 49er Justus Schmidt/Max Boehme haben eine Chance auf das Podium.

49er
Beständigkeit hat sich ausgezahlt für die Ex-Europameister Schmidt/Boehme aus Kiel. Das Duo leistete sich mit Rang 20 nur einen Ausrutscher, war ansonsten in den zwölf Wettfahrten immer in oder knapp an den Top-Ten platziert. Damit ziehen die Beiden als Fünfte und einzige Deutsche in die entscheidende Wettfahrt ein und haben auf Rang drei nur neun Punkte Rückstand. Selbst die neuseeländischen Superstars Peter Burling/Blair Tuke müssen sich hinter den Deutschen einreihen (Rang sieben). Während zum Abschluss am Samstag also Bronze möglich und Silber noch nicht völlig außer Reichweite ist, ist die Goldmedaille bereits an die Briten Dylan Fletcher/Stuart Bithell vergeben.

49erFX
Tina Lutz/Susann Beucke haben in den 15 Rennen der Skiff-Frauen eine ähnlich starke Performance abgerufen wie Schmidt/Boehme. Allerdings reicht das im stärker aufgesplitteten Damen-Feld „nur“ zu Rang sieben vor dem Medal Race. Und das Podium ist bereits unerreichbar. Gold ist ebenfalls schon vergeben an die brasilianischen Olympiasiegerinnen Grael/Kunze. Als Neunte haben auch noch Victoria Jurczok/Anika Lorenz den Cut für das Medal Race geschafft.

Nacra 17
Am Ende wurde es noch einmal knapp für Paul Kohlhoff/Alica Stuhlemmer. Gerade einmal einen Punkt Vorsprung auf Rang elf rettete die junge Crew, die nach dem ersten Tag noch geführt hatte, ins Ziel. Damit ziehen die Kieler als Zehnte in das Medaillenrennen ein, könnten mit einem guten Abschluss noch ein paar Plätze klettern. Gold, Silber und Bronze wird indes unter Australien, Italien und Großbritannien ausgesegelt.

470er Frauen
Mit zwei Crews in der finalen Wettfahrt sind die deutschen 470er-Frauen einmal mehr stark vertreten. Allerdings kann es für die neuntplatzierten Frederike Loewe/Anna Markfort und Luise und Helena Wanser (Rang 10) kaum weiter nach oben gehen. Es sieht vielmehr danach aus, dass sich die britische Olympiasiegerin Hanna Mills mit Eilidh McIntyre für die Niederlage vom Worldcup vor Miami revanchieren wird. Vor zwei Monaten war das Duo von Loewe/Markfort noch vom Goldthron gestoßen worden. Jetzt dürften sich die Britinnen Platz eins kaum noch nehmen lassen.

In den weiteren Klassen wird das Medal Race ohne deutsche Beteiligung gesegelt. Laser-Radial-Seglerin Svenja Weger rutschte nach einer guten Woche zum Abschluss der Finalrunde noch auf Platz 13 ab. Philipp Buhl fand nur zu vereinzelt guten Ergebnissen im starken Laser-Feld, konnte seine Leistungsfähigkeit ansonsten nicht abrufen und kassierte mit Platz 33 einen noch härteren Dämpfer als beim verpatzten Jahresauftakt vor Miami. Trotz intensiver Trainingsarbeit vor Mallorca fehlt auch den Finns der Anschluss an die Weltspitze. Mit dem Start der Goldgruppe ging es immer ein Stück weiter nach unten. Max Kohlhoff beendet die Woche als bester Deutscher auf Platz 21. Und auch die 470er-Männer müssen Mallorca mit einer Platzierung deutlich hinter der Medal Race-Qualifikation beenden. Malte Winkel/Matti Cipra landeten als beste Deutsche auf Platz 23.

Revierprofil: Südsardinien

Revier: Vielfältiges Revier. Segler können entspannt von Bucht zu Bucht bummeln oder ambitioniert Seemeilen sammeln.
Seekarten: NV.Atlas Italy IT3 – Sardinia East und NV.Atlas Italy IT 4 – Sardinia West
Nautische Literatur: Rod Heikell: „Küstenhandbuch Italien“. Klaus-Jürgen Röhring: „Törnführer Korsika – Sardinien – Elba“ ist weniger empfehlenswert.
Wind & Wetter: Von Juli bis September meist bestes Sommerwetter. In der Vorsaison gemischt.
Wind: An der Südküste tagsüber meist stark auffrischender Wind aus SW, an der Westküste bis fünf Beaufort aus West bis Nordwest. An der Ostküste vorwiegend leichte Thermik.
Wetterberichte: Auf Kanal 68 wird rund um die Uhr ein Wetterbericht in Italienisch und Englisch gesendet. Über das Internet: Windy.com oder in der Seaman-App von WetterWelt.

© Jan Bindseil

Leuchtfeuer & Seezeichen: Das Revier ist in der Regel gut betonnt und befeuert. Vorsicht ist im Kanal von San Pietro geboten, außerhalb des nur spärlich betonnten Fahrwassers wird es schnell flach.
Gezeiten & Strom: Der Tidenhub ist gering; Gezeitenstrom ist nicht feststellbar.
Navigation: ausschließlich Terrestrisch.
Beste Zeit: Juni, Juli und September. Nachsaison ab Oktober kann sehr schön sein.
Anreise: Von einigen Flughäfen in Deutschland wird Cagliari direkt angeflogen. Charterschiffe können auf Wunsch auch in Cagliari übernommen werden.
Einreise & Zoll: EU- und Schengenland.
Sprache: Italienisch. Englisch wird teilweise verstanden.
Klima: Mediterran, mit sehr heißen Sommern.
Kleidung: Leichte Sommerkleidung für den Landgang, ein Pullover für an Bord. An der Westküste kann das Ölzeug gefragt sein.
Sicherheit: In Cagliari sollten Wertgegenstände sicher verstaut sein. In sonstigen Häfen sollte zumindest das Boot beim Landgang verschlossen werden.

Windverhältnisse

Mistral: Aus West oder Nordwest aus dem Rhonetal kommend, trifft er, besonders in der Vor- und Nachsaison, oft in Sturmstärke auf die Westküste. Selbst im Sommer sind Sie vor ihm nicht sicher.
Scirocco: Selten im Sommer. Doch im Frühjahr und Herbst erreicht dieser feucht-schwüle SE-Wind, der fast immer Regen mit im Gepäck hat, nicht selten Sturmstärke. An der Süd- und Ostküste finden Sie nur in Häfen und Marinas Schutz vor ihm.
Libeccio: Typisches Vorderseitenwetter eines durchziehenden Tiefs. Selten im Sommer, unangenehm in der Vor- und Nachsaison, doch sehr gefährlich – vor allem an der West-, aber auch der Südküste – vom Herbst bis ins Frühjahr hinein. Windrichtung SW bis W.
Maestrale: Sardiniens Schönwetter-Wind. Im Idealfall setzt er am späten Vormittag ein, erreicht vier bis fünf Beaufort am Nachmittag und verabschiedet sich mit der sinkenden Sonne. In diesem Fall wird er aus Nordwest auf die Küste stehen. Ist er schwächer, kann er von der Thermik leicht auf West, im Süden Sardiniens auch auf Südwest gedreht werden.
Thermik an der Südküste: In den Sommermonaten baut sich, bedingt durch die starke Erwärmung der Insel, eine auflandige Thermik auf. Sie kann in den Nachmittagsstunden bis zu vier Windstärken aus Süd erreichen. Der Wind schläft abends ein.

Kampf um das Medal Race

Nach drei flauen Tagen hat sich der Wind gedreht bei der Trofeo Princesa Sofia. Mit einer kräftigen Nordwest-Brise drückten die Ausläufer des Mistrals in die Bucht von Palma und ordneten die Teilnehmerfelder neu.

49erFX
Aussichtsreichste Medaillenkandidaten aus deutscher Sicht bleiben die Skiff-Damen Tina Lutz/Susann Beucke. Nach zwei guten Rennen am zweiten Tag der Goldflotte kassierten sie zwar ihr Streichresultat, sind aber als Vierte nur knapp hinter dem Podium. Victoria Jurczok/Anika Lorenz hatten einen starken Tag und sind als Zehnte gut im Rennen für das Medal Race, das am Samstag ausgetragen wird.

49er
Justus Schmidt/Max Boehme kommen immer besser in Fahrt. Zwar kassierten auch sie heute ihr Streichresultat, segelten aber auch einen dritten und einen achten Rang am ersten Tag der Goldflotte ein. Damit sind die Kieler auf Platz sieben nun wieder an der Hamburg-Berliner Crew Tim Fischer/Fabian Graf (Platz 12) vorbeigezogen.

Nacra17
Ein gebrochener Trapezhaken verdarb Paul Kohlhoff/Alica Stuhlemmer den Tag. Nach wechselhaften Ergebnissen (27, 4) in einer kräftigen und stark drehenden Brise mussten die Kat-Artisten das letzte Rennen aufgeben. Damit sind die Führenden des ersten Tages nun auf Platz neun abgerutscht. Aber die Laune lassen sich die jungen Kieler nicht verderben. „Kopf hoch! Morgen ist der letzte Tag der Goldgruppe und wir können noch in drei weiteren Rennen das Medal Race klarmachen. Die Vorhersage sieht sehr gut aus.“

Laser Radial
Auch Svenja Weger wahrt ihre Chance auf das Medal Race. Nach ihrem Tagessieg am Mittwoch gab es diesmal allerdings ordentlich etwas auf das Punktekonto für die Laser-Seglerin. Als Zehnte hat sie nur noch ein schmales Polster vor den verbleibenden Wettfahrten.

470er Frauen
Der Freude am Mittwoch folgte die Ernüchterung am Donnerstag. Die Wanser-Schwestern (Luise und Helena) mussten nach den beiden Tagessiegen im leichten Wind nun den Verhältnissen Tribut zollen. Zweimal Plätze in den 30ern warfen die jungen Hamburgerinnen auf Platz zehn zurück. Die deutschen Teamkolleginnen Frederike Loewe/Anna Markfort zogen wieder vorbei und sind nun Neunte.

Laser Standard
Es geht zwar aufwärts für Philipp Buhl, aber für ein Top-Resultat zum Abschluss wird es wohl nicht mehr reichen. Immerhin segelte der Allgäuer mit Platz elf und sieben wieder in der Weltelite mit, kletterte damit von Platz 40 auf 22 nach oben.

Finn
Nach guten Einzelergebnissen gerät für die deutschen Finn-Segler das Medal Race nun doch außer Sichtweite. Max Kohlhoff (17.) und Phillip Kasüske (22.) brauchen einen starken Freitag, um doch noch in die ersehnten Top-Ten hineinzusegeln.

470er Männer
Punktgleich liegen die besten deutschen 470er auf den Plätzen 24 und 25. Während Daniel Göttlich/Linus Klasen als 25. auf der Stelle traten, konnten sich Malte Winkel/Matti Cipra nach oben und an den jungen Trainingskollegen vorbeiarbeiten.