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Segeln meets Hockey: Warmlaufen für das Bundesliga-Finale

Beim sportartenübergreifenden Wettkampf traten die Meister im Hockey (1. Damen vom Der Club an der Alster) in gemischten Teams mit den Meistern im Segeln (Norddeutscher Regatta Verein) und Journalisten gegeneinander an.

Auf diese Weise konnte nicht nur das Verständnis der unterschiedlichen Sportarten füreinander gestärkt werden, auch die Journalisten bekamen einen direkten Einblick in die Herausforderungen beim Segeln. Zwar meinte es Rasmus mit dem Wind nicht wirklich gut mit den Akteuren, denn die Alster lag den ganzen Tag über spiegelblank da. Doch damit war der Wettkampf umso mehr angefacht. In der ersten Wettfahrt des Tages gestattete Oliver Schwall, Geschäftsführer des Bundesliga-Vermarktes Konzeptwerft, das Pumpen und konnte so miterleben, mit welch körperlichem Einsatz sich Hockeyspieler und Journalisten für ihre segelerfahrenen Steuerleute in die Wanten warfen. In der zweiten Wettfahrt war dann Fingerspitzengefühl gefragt. Denn ohne besondere Vortriebsmittel mussten die Crews ihre J/70-Yachten über den Kurs navigieren und dabei den leichtesten Hauch erspüren.

Bei extrem leichten Winden war der Blick für die Böen gefordert.

Der sportliche Wettkampf war vor dem Hintergrund des 150-jährigen Jubiläums des NRV ein Höhepunkt in der Verbindung des traditionsreichen Segelclubs an der Alster und dem Hockeyverein, Der Club an der Alster (DCADA), der einst aus dem NRV hervorgegangen war und im kommenden Jahr sein 100-jähriges Bestehen feiert. 1919 gründeten Mitglieder der „Alsterpiraten“ (ein Zusammenschluss jugendlicher Mitglieder des NRV) den Club an der Alster. Der NRV gründete somit den DCADA und beide Hamburger Clubs sind viel mehr als nur die Deutschen Meister ihrer Sportarten. Beide Clubs haben mittlerweile mehrere tausend Mitglieder und fördern neben dem Breitensport auch den Leistungssport.

„Hockey und Segeln sind wirklich sehr unterschiedliche Sportarten, aber wenn man mit anderen Sportlern zusammenkommt, hat man immer gleich einen guten Draht zueinander. Auch wenn wir heute nur wenig Wind hatten, sind wir doch ein paar gute Rennen gefahren. Es hat unglaublich viel Spaß gemacht, und ich würde es sofort wieder tun. Ich freue mich jetzt schon, wenn wir den Seglern das Hockeyspielen ,beibringen‘. Die Gegeneinladung steht“, sagte Friedrich Gröpper, Kapitän der 1. Herren vom Der Club an der Alster, nach der Siegerehrung. Oliver Schwall nahm diese Einladung für den NRV gerne an: „Wir freuen uns darauf, wenn wir uns im kommenden Jahr auf dem Hockeyplatz treffen. Heute war es seglerisch sehr schwierig. Das ist ein klarer Vorteil beim Hockey, denn da wird es kaum Spielausfälle wegen des Wetters geben.“

Generalprobe für das Podium: Die Teilnehmer der geselligen Regatta wurden mit Urkunde, Medaille und Pokal auf dem Originalpodest der Bundesliga geehrt.

Spaß beiseite, jetzt wird es ernst, heißt es nun in den kommenden drei Tagen in der Segel-Bundesliga. Mit dem Finale der Ersten Liga entscheidet sich, wer 2018 die Meisterschale entgegennehmen darf. Beste Voraussetzungen hat der dreimalige Meister vom NRV. Der Titelverteidiger führt die Tabelle souverän an und kann bereits mit einem Mittelfeldplatz seinen vierten Titel gewinnen.

Alle Interessierten sind daher in den Norddeutschen Regatta Verein (Schöne Aussicht 37) eingeladen, um den Meisterschafts-Thriller in geselliger Public-Viewing-Atmosphäre zu erleben. Neben einer großen Leinwand stehen Snacks, Getränke und kleine Überraschungen bereit.

Wer nicht vor Ort sein kann, für den werden die Rennen am Freitag ab 12.00 Uhr und Samstag ab 11.00 Uhr live auf segelbundesliga.de übertragen. Ergänzend ermöglichen die SAP Sailing Analytics mit einem Live Leaderboard, 2D-Visualisierungen und GPS-Tracking Seglern, Fans und allen Interessierten das Renngeschehen jeder Zeit und überall zu verfolgen. Alle Ergebnisse ab Donnerstag auf sapsailing.com.

Winterlager: Richtig aufgebockt

Wer plant, das Schiff aus dem Wasser zu nehmen, aber statt geschützter Winterhalle den günstigeren Bock im Außenlager auserkoren hat, liegt im Herbst und Winter nicht gefahrenfrei vor Wind und Wetter. Im Gegenteil: Da sich die Yacht im Sturm so nicht wiegen kann, sondern sich ihm starr aufgebockt entgegenstellt, zerrt er in besonderem Maße an Rigg und Rumpf. Folgende Präventions-Maßnahmen helfen hier, Schäden zu vermeiden, bevor sie entstehen.

1. Die richtige Platzwahl

Wer die Möglichkeit dazu hat, sollte sich seinen Liegeplatz im Außenlager selbst wählen. Orkantief ‚Christian‘ hat gezeigt: Stellplätze direkt an hohen Hallenwänden sind relativ sicher – durch den jeweiligen Lee- oder Luvstau, der bei Wind an ihnen entsteht. Dicht beieinander gestellte Yachten auf ‚freiem Feld‘ fielen hingegen vielerorten nach bekanntem Domino-Effekt um. Nicht allein der Wind entscheidet dann über die Sicherheit, sondern auch die Sorgfalt des Nachbarn. Hat er seinen Bock zu klein gewählt, kippt er eher und reißt Nachbarboote meist mit ins waagerechte Elend.

2. Der richtige Lagerbock

Wesentliche Ursache für frühzeitiges Kippen bei brachialem Seitenwind sind zu unterdimensioniert gewählte Böcke. Wind- und Bootslasten, die auf einen Bock einwirken, lassen sich von Werften auf Normalverhältnisse berechnen, sodass man Sicherheitsreserven einplanen kann. Ein sicherer Lagerbock sollte mindestens 75 besser 80 Prozent der maximalen Schiffsbreite aufweisen, um auch bei stärkeren Seitenwinden standhaft zu bleiben. Straßentrailer sind, wie der Name schon sagt, für die Straße und wegen ihrer geringen Breite von maximal 2,55 m bei besonders hohem Schwerpunkt für ein Winterlager in Reihe draußen ungeeignet.

3. Richtig stabilisiert?

Auch Lagerböcke lassen sich zusätzlich stabilisieren: durch Pallhölzer, die angewinkelt im 45 Gradwinkel, die Auflage vergrößern und damit die Gefahr zu kippen verkleinern. Ob auf Rasen, Schotter oder Teer – situatives Handeln zum Arretieren der Hölzer ist gefragt. Mitunter können bei kleineren Yachten auch luvseitig eingepflockte Leinen helfen.

4. Richtig – wenig Fläche auch an Land

Abdeckplanen sollten bei heranziehenden Stürmen entfernt – und gegen starke Winde zumindest gut abgesichert werden: Am besten sitzen Planen flush an Deck, wo sie durch die Süll-Lochleiste stramm fixiert werden. Sie an der Reling zu fixieren, ist keine gute Idee, will man auch im nächsten Jahr mit Seezaun segeln. Überlappende Planen straff nach unten zum Rasen ziehen. Beschwerende Beton-Eimer, die zusätzlich in Ösen der Plane eingehängt werden, pendeln im Wind und verringern ruckartiges Ziehen an der Plane.

5. Richtig – ohne Rigg

Vielerorten sieht man Yachten im Außenlager auch geriggt stehen. Macht man aus Bequemlichkeit, aber natürlich setzt das den Schwerpunkt nach oben. Hinzu kommt, dass der Wind in das Rigg einweht, ohne dass die Yacht diese Kräfte – anders als im Wasser, wo das Schiff schwoien kann – auffangen kann. Die Kräfte, die dadurch auf die Püttinge, Salingsaufnahmen, Stagen, Wanten und letztlich auch auf die Auflagepunkte am Rumpf wirken, sind so ungleich größer und direkter. Materialschonend ist das nicht.

Offizieller Neustart bei Bavaria

Der 17. Oktober 2018 dürfte ein weiteres historisches Datum in der 40jährigen Geschichte von Bavaria sein. Heute wurde offiziell der Neustart der fränkischen Werft für Segel- und Motoryachten mit einem symbolischen Druck auf den Startknopf in Giebelstadt gefeiert. Dr. Tobias Brinkmann, von der Kanzlei Brinkmann & Partner, übergab die Werft mit seinen 550 Mitarbeitern in Giebelstadt und seinen 250 Bootsbauern in Rochefort/Frankreich an Kai Brandes und Dr. Ralph Kudla, als Vertreter der neuen Investoren CMP, sowie an die weiteren Geschäftsführer von Bavaria, Erik Appel für Produktion, Stefan Klaassen für Vertrieb und Peter Rindler für Finanzen. Brinkmann hatte Ende April, nach dem überraschenden Insolvenzantrag von Bavaria, die Leitung der Werft übernommen und bis Mitte September nach einem neuen Investor gesucht.

 

Sicherheit für alle Beteiligten

„Bavaria hat wieder Wasser unter dem Kiel und kann nun wieder Fahrt aufnehmen“, so fasste Kai Brandes, Geschäftsführender Gesellschafter von CMP Capital ManagementPartners aus Berlin, auf einer Pressekonferenz bei Bavaria in Giebelstadt die neue Zukunft der fränkischen Werft zusammen. „Wir freuen uns über den erfolgreichen Abschluss der Transaktion: Der Kaufvertrag ist unterzeichnet, die Freigabe des Bundeskartellamts liegt vor und das Closing, also die Erfüllung aller vertraglichen Bedingungen, hat gerade stattgefunden. Das bedeutet Sicherheit für die Mitarbeiter, für die Kunden und Händler sowie für die Lieferanten“, führte Brandes weiter aus. Doch bei CMP liegt die größte Arbeit nun bei Dr. Ralph Kudla, der als Geschäftsführer oder genauer gesagt Chief Restructuring Officer (CRO), Bavaria nun in ertragreichere Fahrwasser führen soll. Rund vier bis sechs Monate rechnet der erfahrene Sanierer bis Bavaria wirklich auf neuem Kurs ist. Für das nun verkürzte Geschäftsjahr bis 31. Juli 2019 werden noch rote Zahlen die Bilanz prägen. Im darauffolgenden Geschäftsjahr bis Ende Juli 2020 soll schon eine schwarze Null erreicht werden. Im laufenden Geschäftsjahr sollen noch 400 bis 500 Segel- und Motoryachten gebaut werden.

 

In Eigenregie entwickeln und bauen

Kern der neuen Strategie ist es, sich wieder auf traditionelle Markenwerte von Bavaria wie ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis zu besinnen. Und man will sich in der Konstruktion wieder stärker auf das eigene Team an Ingenieuren besinnen, statt Baupläne nur von außen einzukaufen. „Wir wollen, dass unsere hervorragend ausgebildeten und engagierten Mitarbeiter vorrangig alle Yachten in eigener Regie entwickeln und bauen. Die Belegschaft identifiziert sich sehr mit Bavaria Yachtbau, sie ist der Kern unseres Unternehmens“, sagte Geschäftsführer Erik Appel, seit Dezember 2017 Chief Operating Officer von Bavaria Yachtbau. „Deshalb wollen wir das Stammpersonal weiter aufbauen und gleichzeitig das Verhältnis der Leiharbeitnehmer verringern. Das hilft erheblich, Produktionskosten zu senken. Um die Leistungsfähigkeit der Werft zu erhöhen, werden wir das eigene Engineering, also die technische Entwicklung von Yachten, wieder bei Bavaria Yachtbau konzentrieren, interdisziplinäre Teams sind bereits gebildet. So werden wir die Übergabe neu entwickelter Modelle vom Engineering in die Produktion besser organisieren und Kosten senken. Das Engineering und der Möbelbau werden als Kernkompetenzen im eigenen Haus fortgeführt.“

 

Modellpalette umstrukturieren

Erste Ergebnisse für die Neustrukturierung wurden bereits umgesetzt. Die Motoryachten E40 und E34, die in den letzten zwei Jahren zahlreiche Preise und Awards gewannen, werden nicht mehr produziert. Das Flaggschiff Bavaria C65, das bisher auf einer Werft in Kroatien gebaut wurde, ist ebenfalls nicht mehr im Programm. Die Motoryacht R55, die ebenfalls in Kroatien gebaut wurde, wird ab Frühjahr 2019 nun von der Bavaria Stammmannschaft in Giebelstadt gefertigt. Und auch die neue Bavaria C50, die dieses Jahr auf der boot in Düsseldorf ihre Weltpremiere feierte, wurde wieder vom Band in den Prototypenbau gebracht. Nach erfolgreichem Re-Engineering wird die C50 ab November 2018 wieder in die Serienproduktion gehen. Die Erkenntnisse daraus werden nun auf die C57 und die kleine Schwester C45 übertragen. Der neue COO hat die Machbarkeit des größten Segelschiffs für das Werk Giebelstadt sichergestellt. Inzwischen ist die C57 im Band, parallel werden die Erkenntnisse aus der C50 in die laufende Produktion der C57 umgesetzt.

Die Modellpalette mit zurzeit 26 Modellen soll in Zukunft auf zehn bis zwölf Kernmodelle fokussiert werden. Man will die Modellpalette attraktiver und gleichzeitig qualitativ hoch verlässlich gestalten, betont die neue Geschäftsführung von Bavaria. Neuentwicklungen sind ab dem 2019 geplant und sollen auf der boot 2020 vorgestellt werden.

 

Rückkehr auf den Wachstumspfad

Dr. Ralph Kudla, Partner bei CMP, ist seit einer Woche auch Geschäftsführer von Bavaria Yachtbau und folgt damit auf Dr. Tobias Brinkmann. Seine Aufgabe als Chief Restructuring Officer (CRO) sowie Verantwortlichkeit für Personal, Recht, Einkauf und die Beteiligung Bavaria Catamarans in Frankreich skizziert er so: „Um nachhaltige Wettbewerbsfähigkeit wiederzuerlangen, braucht es ein Höchstmaß an Erfahrung in Veränderungsprozessen und Konsequenz im operativen Handeln. Für die Realisierung der Maßnahmen zur Neuausrichtung des Unternehmens stellt CMP über die von ihr beratenen Fonds daher nicht nur finanzielle Mittel bereit, sondern unterstützt bei Bedarf das Management vor Ort. Stabilisierung, Weiterentwicklung und Rückkehr auf den Wachstumspfad sind Kernthemen der Restrukturierung. Darüber hinaus gilt es, die zukünftige Modellpalette festzulegen. Das stellt die größte Herausforderung dar, und wir werden uns hierfür sicher ein gutes halbes Jahr Zeit nehmen, um erste Entscheidungen zu treffen und Impulse zu setzen.“

 

Bavaria Catamarans wird wieder Nautitech

Die französische Beteiligung „Bavaria Catamarans“ wird künftig wieder unter ihrem bewährten Markennamen „Nautitech“ auftreten und vermarktet. Dr. Ralph Kudla weiß: „Bavaria steht für Yachten, Nautitech für Katamarane. Es ist uns wichtig, dass beide Unternehmen ihre jeweilige Identität in Zukunft noch stärker herausstellen können. Fachlich werden beide eng zusammenarbeiten und die Partnerschaft zwischen Deutschland und Frankreich lebendig ausbauen.“

 

Auf die Kunden hören

Dr. Ralph Kudla blickt voraus: „Wir wollen verloren gegangenes Vertrauen zurückgewinnen: Versprechen und Liefertermine von Bavaria wollen wir einhalten, die Qualität soll wieder besser werden. Und wir wollen unsere Händler enger in die Strategie- und Produktentwicklung einbeziehen. Hierzu wird unter anderem ein Händler-Beirat eingeführt. So werden wir Kunden-Feedback hören, aufgreifen und möglichst schnell in Verbesserungen am Produkt umsetzen.“

Küche für unterwegs: Destination Kitchen Set 24

Gerade auf Kleinkreuzern bietet die Pantry nicht genügend Platz für Kochutensilien. GSI Outdoors hat jetzt eine praktische Tasche vorgestellt, die alles Notwendige enthält: Allzweckmesser, Reibe, Schneidebrett, Pfannenwender, Schöpflöffel, Schneebesen, Gewürzstreuer, Beutelchen für Essig, Öl oder Saucen. Außerdem vier komplette Besteck-Sets, Geschirrtuch und Spülschwamm. Das Kitchen Set 24 findet in dem 30 mal 29 Zentimeter großen Softcase platz. So ist das Set auch ausreichend mobil, um die Küche mal schnell aus dem Boot auf den Steg oder auf das Hafengelände zu verteilen. Alle Utensilien sind so gefertigt, dass sie entweder klapp- oder ausziehbar sind. Das Gewicht von 800 Gramm fällt da kaum auf. Auch für Regatta­einsätze durchaus tauglich.
www.gsioutdoors.com

Zwei Sabbatjahre für fünf Ringe

Ringe haben sein Leben maßgeblich mitbestimmt. Zwei Kampagnen im Zeichen der olympischen Ringe (2008 im Tornado und 2012 im Star) hat er schon auf dem Buckel. Dazu gesellen sich zehn Jahre im Dienste seines Arbeitgebers mit den vier Ringen, der AUDI AG in Ingolstadt. Jetzt rücken die olympischen Ringe wieder in den Fokus. Johannes Polgar legt bei Audi zwei Sabbatjahre ein, um sich ganz und gar auf seine dritte Olympia-Kampagne konzentrieren zu können. „Ich bin wirklich froh, dass alle mitspielen und mir das ermöglichen. Meine Frau hat Verständnis für meine sportlichen Ambitionen, mein Arbeitgeber ermöglich mir zwei Sabbatjahre, und Caro hat sich ausgerechnet mich für dieses Unternehmen ausgesucht“, so der 41-jährge Vollblutsegler, der seit der Kieler Woche 2017 zusammen mit Carolina Werner (Surendorf) im olympischen Nacra 17 segelt.

„Auf dem olympischen Revier vor Enoshima (Japan) ist mir klar geworden, dass ich unbedingt hier an den Spielen teilnehmen will und dafür alles tue“, so Polgar. Ganze 76 Kilo bringt der 183-Meter-Mann noch auf die Waage. Mit dem mobilen Telefon aus dem Büro am Ohr und dem Handy zum gleichzeitigen Simsen in der Hand empfängt mich Polgar in seinem Büro in Ingolstadt. Die Doppelbelastung der Kampagne und des aufreibenden, aber geliebten Berufs als zuständiger Mann für Event- und Sportmarketing bei Audi hinterlassen Spuren. „Wir haben an einigen Schrauben gedreht. Ich werde im operativen Geschäft entlastet und muss daher seltener bei Veranstaltungen vor Ort sein“, so Polgar vor einem Jahr. Doch jetzt geht der olympische Zyklus in die entscheidende Phase und auch bei der  Idee einer  neuen Kampagne im mittleren sportlichen Alter in Verbindung mit dem Fulltimejob muss nun priorisiert werden. „Aber es ist eine riesige Chance, mir diesen Traum noch einmal zu erfüllen“, weiß Polgar, dass olympisches Segeln kaum noch etwas mit Amateurdasein zu tun hat.

Ehefrau Kathrin unterstützt ihren Mann dabei voll und ganz, schließlich kennt sie das Gefühl, an den Spielen teilzunehmen, aus eigener Erfahrung. Kathrin Kadelbach war 2012 vor London mit Vorschoterin Friederike Belcher im 470er Olympiateilnehmerin. Auch Kathrins Vater Achim Kadelbach (Bronze 1960) und Großvater Hans Kadelbach nahmen als Segler an Olympischen Spielen teil. Kein Wunder also, dass bei Katrin und Johannes Polgar der olympische Geist zuhause ist.

Einen großen Unterstützer bei der Verwirklichung seines Traums fand Johannes Polgar auch im Hause Audi. Marc Lichte, Chefdesigner von Audi, ist selbst ambitionierter Segler – ob auf einem Laser in seinem Heimatverein, dem Bayerischer Yacht- Club, oder auf einer X-Yacht auf der Ostsee. Lichte trainiert nicht nur seine Bauchmuskeln, sondern er bekommt an Bord den Kopf frei, um Kraft und Kreativität für seinen Beruf zu tanken. Auf seiner „Heima“ – finnisch für „zuhause“ – ist er genau das. Und so war es dann auch Lichte, der Polgar darin bestärkte, nach Lösungen zu suchen, um sein ambitioniertes Ziel zu erreichen. Und die wurden gefunden. Die Audi AG gewährt Polgar ein doppeltes Sabbatjahr und bleibt als Partner an Bord seines Nacra 17. „Ich bin für die Unterstützung zuhause und bei Audi extrem dankbar“, strahlt Johannes „Jojo“ Polgar dann auch über das ganze Gesicht, wenn es um das Thema Nacra 17 und die Olympischen Spiele geht.

„Den letzten Ausschlag, alles auf die olympische Karte zu setzen, gab der World Cup vor Enoshima“, erklärt Polgar. Es sei ein absolut tolles Revier. Welle, Wind, ablaufend, drehend – alles wie in Kiel auf Bahn Hotel, schwärmt der 41-Jährige wie ein Jugendlicher vom zukünftigen Olympiarevier. Auch ein Crash mit den Österreichern Thomas Zajac/Barbara Matz konnte das Wohlfühlgefühl nicht beeinträchtigen. „Das mussten wir verdrängen, genau wie das Wissen um einen nur geflickten Rumpf“, so der Vollblutsegler, der weiß, dass auch Rückschläge und deren Verarbeitung zu den Vorteilen von Routine gehören. In einer Nachtschicht wurde der Rumpf repariert, und zwei neunte Plätze zum Abschluss und der 6.Platz bei der Enoshima Olympic Week zeigen, was möglich gewesen wäre.

Für Carolina Werner, Polgars 24-jährige Vorschoterin, ist es auch schon die zweite olympische Kampagne. Sie und ihr ehemaliger Steuermann Paul Kohlhoff galtenals „Wonderkids“ vor Rio, wo das Team Platz 13 belegte. Es folgte die überraschende Trennung. Beide schlugen unterschiedliche Wege ein. Caro Werner segelte in der TP52 Super Serie unter Profibedingungen mit, ohne jedoch den olympischen Segelsport ganz aus den Augen zu verlieren. Jojo bringe viel Erfahrung mit, und es passe auch menschlich, so Werner über ihren neuen Steuermann Polgar. Und der macht klare Ansagen: Das Ziel sei nicht nur die Teilnahme an den Olympischen Spielen in Japan, das Ziel sei eine Medaille, so Polgar, der sein olympisches Segeln als bislang noch unvollendet betrachtet.

Der Weg dorthin ist harte Arbeit. Wie professionell die beiden deutschen Crews Polgar/Werner und Paul Kohlhoff/Alica Stuhlemmer (Kiel) sich vorbereiten, zeigt allein die Tatsache, dass sie durchweg zusammen trainieren und sich gegenseitig stärker machen. Der Zwist nach der Trennung Kohlhoff/Werner ist Geschichte, es gibt nur ein Ziel. „Wir gehören zu den wenigen Nationen, die zwei starke Teams haben, die sich gegenseitig fordern und stärken“, so Polgar. Im Oktober ging es zehn Tage nach Weymouth (England), um mit den Briten zu trainieren, es folgten Tage in Aarhus (Dänemark), um sich mit den Dänen  auszutauschen und zu messen, danach fast Schlag auf Schlag Trainingseinheiten und Regatten – und natürlich steht auch die Kieler Woche 2019 fest im Regattaplan.

Ende des Jahres 2019 gilt es dann, bei der WM vor Auckland (Neuseeland) das deutsche Nationen-Ticket im Nacra 17 zu lösen, bevor die beiden deutschen Teams bei der WM 2020 im Februar vor Melbourne (Australien) zu Konkurrenten werden. Denn dort entscheidet sich, wer die deutschen Farben bei den Olympischen Spielen 2020 vor Enoshima (Japan) vertreten wird.

„Wer verliert, muss Sparringspartner für den Gewinner werden“, so Polgar, der alles daran setzt, sein unvollendetes Werk im Zeichen der fünf olympischen Ringe zu vollenden, bevor er sich als Marketing-Mann wieder ganz auf die vier Ringe in Ingolstadt konzentriert. – Hermann Hell

Navigation mit der Papierseekarte: Symbole und Zeichen

Seit dem Siegeszug der elektronischen Navigation sind auch die großformatigen Papierseekarten auf dem Rückzug. Seitdem Tablets wie das iPad die Navigation zum Kinderspiel gemacht haben, liegen die guten alten Seekarten oft ungenutzt im Kartentisch und werden maximal noch als Backup-Lösung für Plotter und Co. an Bord behalten.

Navigationssoftwares erstellen mithilfe von ‚Autorouting’ automatisch Routen, die in den allermeisten Fällen fehlerfrei sind. Trotzdem darf ihnen nicht blind vertraut werden. Eine manuelle Kontrolle ist stets durchzuführen. Was dann aber unter Umständen fehlt, ist das genaue Wissen über den Verlauf der Route. Es mussten sich keine Gedanken darüber gemacht werden, wo welche Untiefe verläuft und an welcher Stelle eine Kursänderung zu machen ist.

Studien haben gezeigt, dass Studenten, die mit einem Stift schrieben, sich Inhalte besser merken konnten, als diejenigen, die sie in einen Computer tippten. Dies kann auch auf die Kartenarbeit mit Zirkel, Dreieck und Bleistift angewendet werden. Eine auf der Papierseekarte vorbereitete Route ist im Kopf präsenter. Falls die Elektronik einmal ausfällt, und das wird sie irgendwann mal, dann ist die Papierseekarte wieder die ultimative Navigationshilfe. Es ist daher immer sinnvoll, vor dem Ablegen eine saubere Routenplanung auf Papier durchzuführen.

Der folgende interaktive Kartenausschnitt soll einige Elemente aus der Seekarte in Erinnerung rufen. Denn wer weiß, vielleicht liegen Ihre Seekarten ja auch schon lange ungenutzt in der Backskiste.

Neue Ausgabe des NV. Atlas Korsika

Im Jahr 2017 nahm der NV. Verlag erstmals Seekarten für das Seegebiet um die zu Frankreich gehörende Insel Korsika in sein Sortiment auf. Die Einführung war so erfolgreich, dass die gesamte Auflage inzwischen vergriffen ist. Nun ist die neue Ausgabe des NV Atlas Korsika (FR11) in einer überarbeiteten Version erhältlich. Es wurden zahlreiche Hafenpläne aktualisiert und insgesamt mehrere Tausend Anpassungen, Berichtigungen und Korrekturen eingearbeitet. Wie bei allen NV-Kartensätzen ist im Preis auch die Nutzung der Seekarten in digitaler Form für Smartphones und Plotter mit der NV-App inbegriffen.
Preis: 49 Euro www.nvcharts.com

(Bild: NV. Verlag)

Wahl zum Segler des Monats September

Im September konnten die Seesegler ihr Können unter Beweis stellen. Traditionell gehen die großen Yachten vor Porto Cervo auf Titeljagd. Bei der Weltmeisterschaft der Swan-Yachten fiel die „OneGroup“ der neuen deutschen Segelinitiative One-Team besonders auf. Mit einer jungen Mannschaft, die an den Profisport herangeführt werden soll, setzte sich hier Skipper und Eigner Stefan Heidenreich gegen ein Feld von Profis durch und gewann damit den Premieren-WM-Titel in der noch jungen Klasse der ClubSwan 50.

Mit ganz besonderen Herausforderungen hatten in diesem Jahr die Teilnehmer am Silverrudder zu kämpfen. Die Einhand-Regatta rund um Fünen hat sich innerhalb kürzester Zeit zu einem Anziehungsmagneten für Skipper entwickelt, die allein das große Regatta-Abenteuer erleben wollen. 450 Solo-Segler wollten in diesem Jahr dabei sein. Die beschränkte Meldeliste war im vergangenen November innerhalb kürzester Zeit gefüllt. Doch dann kam es ganz anders. Die Wetterprognosen mit einem Sturmtief über dem Regattagebiet hielten die meisten Skipper bereits von der Anreise nach Fünen ab. Nur rund 100 Yachten gingen schließlich an den Start, und davon kehrte rund die Hälfte frühzeitig wieder um. So erreichten 53 Yachten in sechs Wertungsklassen das Ziel. Gleich vier Deutsche durften sich über die Klassensiege freuen. Sie alle bewiesen nicht nur Mut, bei diesen Bedingungen auf das Wasser zu gehen, sondern auch eine ausgezeichnete Seemannschaft, um das Rennen schließlich auf Platz eins zu beenden. Sie alle stehen in der Auswahlliste für die Wahl zum Segler des Monats September. Die Publikumswahl auf sail24.com ist vom 16. bis 23. Oktober freigeschaltet.

 

Wahl zum Segker des Monats September






Messe-Überblick: Hamburg Boat Show 2018

Ohne Theorie keine Praxis: Der Hamburg Boat Show Campus bietet zahlreiche Workshops und Seminare für Wassersportprofis von Wassersportprofis, in denen Experten wie Peter G. Boot, ehemaliges Mitglied der Royal Marine, ihr Wissen weitergeben und Segler sowie Motorbootfahrer ihre Kenntnisse vertiefen können, um Sicherheit und Routine auf dem Wasser zu erlangen.

Die Vorträge behandeln unter anderem Themen wie Radar und Plotter und bieten die Möglichkeit, das Gelernte interaktiv anzuwenden und Erfahrungen auszutauschen. Im UKW-Funkauffrischungsseminar üben die Teilnehmer beispielsweise mithilfe von original UKW-Funkgeräten typische Szenarien aus der Praxis, um auf See nicht ins kalte Wasser geworfen zu werden (Programm und Anmeldung unter: www.hamburg-boat-show.de).

Fachvorträge zu den verschiedensten Themen sorgen für ein volles Infotainment-Programm zur Hamburg Boat Show

Fernweh bei der Charter- & Törnberatung

Wer für seinen nächsten Segel- oder Motorboottörn noch Inspiration oder Unterstützung bei der individuellen Planung benötigt, sollte einen Abstecher zur Charter- und Törnberatung machen. In kostenfreien und unabhängigen Gesprächen stehen die Wassersportexperten Michael Amme und Jürgen Straßburger mit ihren jahrelangen Erfahrungen Rede und Antwort. Ob Balearen, Griechenland, Côte d‘Azur, Türkei oder Kapverdische Inseln – zu beinahe jedem Revier haben die Fachmänner Hintergrundwissen und nützliche Tipps parat (Reservierungen unter: www.hamburg-boat-show.de).

Bootsbau zum Mitmachen

Wer auf der Messe nicht gleich ein Boot kaufen kann, baut es einfach selbst. Beim Family Boat Building wird fünf Tage lang von drei Familien gehämmert, geschliffen und zusammengesetzt. Ein Elternteil und ein Kind fertigen unter sachkundiger Anleitung ein Holz-Dinghy. Planken, Spanten, Stringer und Bodenwrangen werden vorgefertigt, und für den Bau werden in der Halle B5 drei kleine Hellinge aufgestellt. Die Besucher können den Fortschritt während des Messeverlaufs beobachten, bevor am letzten Messetag die drei Boote für ihre Jungfernfahrt zum ersten Mal zu Wasser gelassen werden.

Treffen der Wassersport-Community

In der Lounge Dock 6 in der gleichnamigen Halle B6 ist der Treffpunkt für alle organisierten und aktiven Wassersportler. Die Club Area für die Mitglieder des Deutschen Segel Verbandes (DSV) der Klassenvereinigungen und des Deutschen Motor Yacht Verbandes (DMYV) bietet Platz in entspannter Atmosphäre, um über die aktuellen Themen der Branche zu fachsimpeln, zu schnacken oder einfach ein bisschen Seemannsgarn zu spinnen. Im Dock 6 treffen sich Gleichgesinnte, sie tauschen sich aus und das ein oder andere Bierchen geht aufs Haus.

Das Meer in der Wohnung

Mit dem Bereich „Maritime Kunst“ hält das Meer Einzug in die eigenen vier Wände. In Form von stimmungsvollen Gemälden und Fotografien bis hin zu rustikalen Skulpturen aus alten Schiffsplanken wird das blaue Element deko-tauglich gemacht. Ob Öl oder Acryl, Holz oder Stein, klein oder groß – in der Ausstellung mit Werken aller Größen und Formen wird jeder Kunstliebhaber und Wasserfreund fündig.

(Bild: Hamburg Boat Show)

Öffnungszeiten, Preise und Veranstalter

Die Hamburg Boat Show startet am Mittwoch, 17. Oktober, und endet am Sonntag, 21. Oktober. Die Veranstaltung hat täglich von 10.00 bis 18.00 Uhr geöffnet, am Freitag bis 20.00 Uhr. Die Tageskarte kostet 14 Euro, ermäßigt 12 Euro. Kinder von 6 bis 16 Jahren zahlen 6 Euro. Die Familienkarte gibt es für 32 Euro.

Teilweise parallel findet die Hamburg Motor Classics vom 19. bis 21. Oktober in den A-Hallen des Messegeländes statt. Besucher der Veranstaltungen erhalten bei der jeweils anderen eine Ermäßigung von 2,50 Euro auf den regulären Eintrittspreis.

Die Hamburg Boat Show wird vom Branchenverband, dem Deutschen Boots- und Schiffbauerverband (DBSV), veranstaltet. Die Wassersportmesse wird ermöglicht durch den DBSV, die Messe Friedrichshafen und die Hamburg Messe und Congress GmbH. Infos unter: www.hamburg-boat-show.de

Dream Yacht Charter investiert in Argos Yachtcharter

Argos Yachtcharter wurde 1979 als Familienunternehmen gegründet. Beginnend mit der Vercharterung von Segelyachten in der Türkei entwickelte sich das Unternehmen zu einer der führenden internationalen Charteragenturen in Deutschland. Dream Yacht Charter ist seit seiner Gründung Hauptpartner der Agentur.

Nun investiert Dream Yacht Charter in Argos Yachtcharter und festigt damit die Zusammenarbeit mit der Agentur. Das weltweit größte Charterunternehmen übernimmt die Anteile von Argos-Gründer Cengiz Inceören, der das Unternehmen zum 01.01.2019 verlassen wird, und ist damit zukünftig Mehrheitsgesellschafter. Argos Yachtcharter wird durch seinen Geschäftsführer Bora Inceören weitergeführt.

„Argos setzt seine Arbeit wie gewohnt fort. Wir bleiben eine Agentur und werden alle Marken auch weiterhin mitvermarkten“, erklärt Aysegül Inceören von Argos Yachtcharter auf Anfrage von Sail24.

Thomas Zajac steuert Pegaso

Mit dere Rekordzahl von 2.100 Booten startet heute die traditionelle Segelregatta “Barcolana”. Bei der 50. Auflage der größten Regatta der Welt haben sich nicht weniger als 38 österreichische Boote angemeldet. Nationalteam-Segler Thomas Zajac ließ es sich nicht nehmen, nach den Österreichischen Hochseemeisterschaften an der kroatischen Küste vor Biograd direkt nach Triest anzureisen, um auf der „Pegaso“ – einem 60-Fuß-Carbon-Racer – das Steuer zu übernehmen. Der Nacra-17 Experte (Bronze-Medaille 2016 vor Rio de Janeiro auf dem Nacra 17 zusammen mit Tanja Frank) ist auf dem sonst rein italienischen Boot außerdem für die Taktik verantwortlich. „Für mich ist es eine große Ehre als einziger Österreicher im Team das Steuer auf diesem Top-Boot zu übernehmen. Die Top-10 könnten für uns durchaus möglich sein.“
Die “Barcolana” findet seit 1969 jährlich am zweiten Sonntag im Oktober statt und verwandelt Triest in die Welthauptstadt des Segelsports. Der Name der Regatta leitet sich vom Triestiner Stadtteil Barcola ab.

Flottillentörn ins Baltikum: South Coast Baltic Boating Rally 2018

Hoch über der Estrella leuchtet der wolkenlose Himmel noch blassblau, am Horizont längst kräftig orangerot. Steuerbord schimmern entfernt die fast weißen Strände der Kurischen Nehrung, backbord wogen bis zum Horizont die dunklen Wellen der Ostsee. Und für einen kurzen Augenblick stehen sich an diesem Sommerabend drei Tage nach Aufbruch in Danzig sogar die untergehende Sonne und der aufsteigende Mond gegenüber. Das einzige Manko: Der Wind zeigt sich launisch, hat wieder etwas nachgelassen. Frisch ist es trotzdem. So sei das hier nun mal, bemerkt Skipper Adam Walczukiewicz. Gelassen dreht er das Ruder um ein paar Grad, zieht den Reißverschluss seiner Jacke einfach ein Stückchen höher und hält Ausschau nach anderen Booten.

Sonnenuntergang nach einem langen Tag auf See – irgendwo zwischen Kaliningrad und Klaipėda

Die Crew kämpft gegen die Müdigkeit, aber diesen fast perfekten Segel-Moment will sich dann doch keiner entgehen lassen. Nach und nach klettern alle an Deck und zücken ihre Smartphones. Mit dem Verschicken der Bilder müssen sie sich allerdings ein wenig gedulden. Noch sind die Geräte ins russische Netz eingeloggt. Gebannt wird gemeinsam eine Weile aufs Meer geschaut – und dann schließlich belustigt spekuliert, ob Schlafmangel besonders anfällig für romantische Szenerien wie diese mache. Mehr als 18 Stunden am Stück befindet sich das achtköpfige Team des Leitboots nämlich inzwischen auf See, ebenso wie die Crews rund 20 anderer Boote, die an der diesjährigen, bereits dritten SOUTH COAST BALTIC Boating Rally teilnehmen.

Skipper Adam Walczukiewicz ist auf der südöstlichen Ostsee zu Hause

Alle, die hier dabei sind, haben neben der Liebe zum Segeln mindestens eins gemeinsam: Sie wollen die südliche Ostseeküste mit dem eigenen Boot erkunden. Im Rahmen der Rally geht das für sie ganz bequem: Von der Route über die für die Teilnehmer kostenlosen Liegeplätze bis hin zum Landprogramm ist alles organisiert – jeder nur so viel er will, lautet dabei die Devise. Gleich drei Länder stehen für die knapp einwöchige Tour der internationalen Flottille auf dem Plan: Polen, Russland und Litauen, genau genommen die Regionen rund um Danzig, Kaliningrad und Klaipėda.
Peter Wattler ist mit zwei Freunden aus seinem Solinger Segelclub auf der Seewolf dabei und fasst zusammen, was die meisten Rally-Teilnehmer wohl sofort unterschreiben würden: „Ich brauchte nicht lange überlegen, ob ich bei der Rally mitmache, für mich hat sie nur Vorzüge: Ich muss mich um die Organisation nicht selber kümmern, lerne interessante Leute kennen und sehe nicht nur die Häfen, sondern auch eine ganze Menge von den Städten und ihrem Hinterland.“ Für ihn sei das besonders spannend, schiebt er nach, schließlich kenne er den südöstlichen Teil der Ostsee bisher noch gar nicht.

Danzig: Juwel der Ostseestädte

Tag 1, 22 Uhr, Marina Gdańsk: Nachdem sich der polnische Auftaktabend samt Musik und Snacks dem Ende zugeneigt hat, kehrt langsam Ruhe im Hafen ein. Zwischen den Booten eilen allerdings noch eifrig Segler hin und her. Fragen über Fragen an das SOUTH COAST BALTIC-Team, bevor die bunte Truppe am nächsten Morgen Richtung Kaliningrad aufbrechen will: Sind alle Reisepässe und Visa-Unterlagen da? Nicht mehr Alkohol an Bord als erlaubt? Und wo genau befindet sich eigentlich der russische Kontrollpunkt? Zum Abschluss des Tages gibt es an Bord der meisten Boote dann noch ein Gute-Nacht-Bier – mit direktem Blick auf das Krantor. Schon in ein paar Stunden wird es losgehen: Um vier Uhr früh öffnet die Zugbrücke in der Altstadt extra für die Rally-Boote.

Um in die Marina Gdańsk zu gelangen, müssen die Teilnehmer die Zugbrücke in der Altstadt passieren

Besser gelegen könnte die Marina wohl kaum sein. Direkt gegenüber des Hunderte Jahre alten Wahrzeichens von Danzig, das am Vormittag übrigens besonders schön angeleuchtet wird, und nur einen Katzensprung vom malerischen historischen Kern der knapp 500.000-Einwohner-Stadt entfernt, der zwar im Zweiten Weltkrieg zerstört, aber hinterher wieder aufgebaut wurde. In nicht einmal fünf Minuten erreicht man zu Fuß die prachtvolle Langgasse, kann den Neptunbrunnen und das Rechtstädtische Rathaus bewundern. Die Marienburg (Burg Malbork), UNESCO-Weltkulturerbe, einstige Machtzentrale der Deutschen Ordensritter und größter Backsteinbau Europas, liegt etwa 50 Kilometer weiter südöstlich. Aber nicht nur, wer sich für die bewegte Geschichte der Region begeistert und sich an prachtvollen historischen Gebäuden nicht sattsehen kann, ist hier goldrichtig: Mit Sopot liegt in unmittelbarer Nachbarschaft Danzigs auch einer der beliebtesten Badeorte Polens. So viel herrlich feinen Sand wie an der südlichen Ostseeküste bekommt man wohl kaum irgendwo zu sehen.

Das mittelalterliche Krantor diente einst zum Be- und Entladen von Schiffen und war ursprünglich komplett aus Holz. Heute befinden sich Ausstellungsräume des Polnischen Schifffahrtsmuseums hinter den restaurierten Mauern

Kaliningrad: Russisches Kontrastprogramm

Etwa acht Stunden nach Aufbruch in Danzig trudeln die ersten Yachten in Baltijsk ein. Hier liegt er also, der russische Kontrollpunkt. So kurz vor dem Einklarieren steigert sich die Aufregung. Dass Baltijsk – deutlich sichtbar – auch Hauptstützpunkt der Baltischen Flotte ist, macht es nicht unbedingt besser. Jetzt bloß nichts falsch machen. Probleme gibt es heute aber keine. Ganz im Gegenteil: Der Empfang am Grenzkontrollanleger fällt herzlich, das Prozedere unkompliziert aus. Nicht einmal eine halbe Stunde lang werden Boot und Passagiere jeweils kontrolliert, bevor sie ihre Weiterreise durch den Seekanal antreten dürfen. Motor statt Segel heißt es nun allerdings. Egal, an Bord der Estrella wird die gemütliche Fahrt einfach für eine Stärkung genutzt – der polnische Skipper hat Żurek eingepackt, eine deftige Mehlsuppe mit Ei und Wurst. Noch circa 20 Seemeilen bis nach Kaliningrad.

Nach einem trüben Tagesbeginn in Danzig reißt am russischen Kontrollpunkt in Baltijsk endlich die Wolkendecke auf

Die Hauptstadt der gleichnamigen, von Polen und Litauen umgebenen Oblast ist unzweifelhaft die ungewöhnlichste Station der Rally: Unter dem Namen „Königsberg“ einst Hauptstadt Ostpreußens, nach dem Zweiten Weltkrieg dann Teil des sowjetischen Staatsgebiets und in diesem Sommer Austragungsort der Fußballweltmeisterschaft. Statt historischer Schönheit so weit das Auge reicht, wie in Danzig, gibt es hier Kontraste satt. Die Metropole und ihre Umgebung, die gerade einmal 500 Kilometer Luftlinie von Berlin entfernt liegen und den westlichsten Teil Russlands bilden, quellen fast über vor lauter Gegensätze, die spannende Entdeckungsreisen versprechen.

Kurz vor dem Start der WM-Vorrundenpartie Spanien – Marokko wird Kaliningrad von Fangesängen erfüllt. Einige Rally-Teilnehmer hatten Glück und konnten Karten für das Spiel ergattern

Vorbei an der Christ-Erlöser-Kathedrale mit ihren goldenen Kuppeln, dem gotischen Dom und modernen WM-Stadion, alten Fischersiedlungen, heruntergekommenen­ Sowjet-Plattenbauten und endlosen Wiesen fahren die Rally-Teilnehmer auf den Landausflügen unter anderem zum weltweit einzigen Bernsteintagebau nach Jantarny, an die wilde Steilküste von Swetlogorsk und von dort wieder zurück, mitten in die vor Fußballfreude nur so sprühende Stadt. Die Kurische Nehrung, die zum Weltnaturerbe der UNESCO zählt und hier an der Küste ihren südlichsten Punkt hat, passt da nicht mal mehr ins Programm.

Klaipėda: Wilde Weite

An Tag 5 sind morgens um halb drei alle hellwach, nicht ganz freiwillig allerdings. Es herrscht Aufbruchsstimmung. Litauen wartet – genauso wie die Eisenbahnbrücke im Hafengebiet von Kaliningrad, die nun schon zum zweiten Mal extra für die vielen Rally-Boote geöffnet wird. Als sie sich langsam hochschiebt, quietscht und knarrt es. Ansonsten ist es vollkommen still. Nacheinander gleiten die Boote hindurch und dann weiter kanalauswärts an großen Kränen und Hallen vorbei. Ihre Masten spiegeln sich im glatten Wasser. Richtig dunkel ist es auch jetzt nicht. Wie so oft auf dieser Reise. Die Sommersonnenwende macht sich hier deutlicher bemerkbar als an der deutschen Küste.

Die Marina im Museum des Weltozeans liegt hinter einer Hubbrücke, die nur nachts geöffnet wird

Klaipėda, Litauens einzige Hafenstadt, ebenfalls lange ostpreußisch und damals „Memel“ genannt, liegt am nördlichen Ende der knapp 100 Kilometer langen Kurischen Nehrung und bildet die letzte Station der Rally. Mit ihren nicht einmal 200.000 Einwohnern ist die Stadt zwar deutlich kleiner als Danzig und Kaliningrad, ihre Atmosphäre aber quirlig und weltoffen. Die kompakte Altstadt mit den vielen restaurierten Fachwerkhäusern sollte bei einem Besuch daher genauso auf dem Programm stehen wie das atemberaubende Umland mit seinen berühmten Sanddünen, den riesigen Wäldern und der einmaligen Vogelwelt.

Traditionelle Kurenkähne können dank ihres geringen Tiefgangs auch die seichtesten Stellen des Haffs befahren

Praktisch: Segler können sowohl im Kastellhafen im Herzen der Stadt als auch gegenüber, direkt auf der Kurischen Nehrung festmachen, zum Beispiel im Smiltynė Yachtclub oder Yachthafen Nida. Für die Rally-Teilnehmer bildet Smiltynė zwar die Basis, kreuz und quer durch die Region geht es für sie zwei Tage lang aber trotzdem: Mit der Fähre hinein in Klaipėdas Zentrum, im Reisebus wieder hinaus zur ornithologischen Station nach Ventė, per Boot rüber nach Juodkrantė, zu Fuß hinauf auf die höchste Sanddüne Europas und schließlich mit dem Kurenkahn das Kurische Haff hinab. Trotz allgemeiner Erschöpfung sind sich hinterher alle einig: Das hat richtig Lust gemacht auf mehr.

Das Kurische Haff ist durch die Kurische Nehrung von der Ostsee getrennt. Da sich hier keine großen Wellen aufbauen, kann auch bei starkem Wind noch ganz bequem gesegelt werden

Am allerletzten Rally-Tag, auf einem kleinen Abstecher nach Nida, erlebt die Crew der Estrella dann doch noch ihren komplett perfekten Segel-Moment: Kurz vor dem kleinen Küstenort zeichnet sich der Sand der Kurischen Nehrung nicht mehr nur als heller Streifen am Horizont ab, sondern türmt sich direkt neben der Estrella meterhoch auf. Vom Himmel strahlt die Nachmittagssonne hinab in die Gesichter, in den Bäuchen schwappt die warme litauische Fischsuppe vom Mittagessen leicht hin und her und hält die Kälte zumindest für eine Weile ab – und der Wind bläst mit bis zu 30 Knoten.


SOUTH COAST BALTIC

SOUTH COAST BALTIC ist eine Initiative der Regionen Vorpommern (DE), Bornholm (DK), Zachodniopomorskie (PL), Pomorskie (PL), Kaliningrad (RU) und Klaipėda (LT) zur Vermarktung der südlichen Ostseeküste als Wassersportregion. Neben dem grenzüberschreitenden Austausch und der Qualitätsentwicklung von Häfen und Marinas ist es Ziel des EU-geförderten Projekts, den Bekanntheitsgrad der Wassersportregion zu steigern – etwa durch die sommerliche Boating Rally und einen kostenlosen Hafenführer, der zur boot 2019 in überarbeiteter Neuauflage erscheinen wird. Mehr Infos zur Initiative und dem Wassersportrevier südliche Ostseeküste unter: www.southcoastbaltic.eu.


Infos zur Einreise in die Region Kaliningrad gibt’s hier.