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Hunger schraubt Rekordmarke auf 22 Siege

Die Karibik lässt grüßen: 29 Grad über Land und 26 Grad über Wasser schienen die Athleten der Kieler Woche am vierten Tag in fremde Gefilde zu katapultieren. Einzig der Wind schwächelte etwas zum Abschluss der Regatten in den internationalen Klassen. Dennoch gelangen noch einmal zwei Rennen in den elf Klassen. Dreimal durften sich deutsche Teams über Kieler-Woche-Gold freuen. Insgesamt trugen sich acht Nationen in die Siegerliste ein.

Besonders intensiv lachte die Sonne für Wolfgang Hunger (Strande). Der Rekordweltmeister im 505er und der Rekord-Kieler-Woche-Sieger feierte auf seinem Heimatrevier seinen 22. Sieg. Mit an Bord: Holger Jess (Eckernförde), der somit auf der Kieler Außenförde auch schon elfmal siegreich war – achtmal davon mit Wolfgang Hunger. Das Duo, das nach längerer Trennung im vergangenen Winter zur WM in Australien wieder gemeinsam aufgetreten ist, hatte bereits ein Rennen vor Abschluss den Sieg sicher. Zwar reichte es in der leichten Brise nur zum sechsten Rang in der ersten Wettfahrt des Tages, aber die britischen Verfolger, Penny und Russell Clark, konnten den Rückstand nicht ausreichend verkürzen, um noch einmal Platz eins anzugreifen. Damit war das Abschlussrennen reines Trainingssegeln für Hunger/Jess. „Die erste Wettfahrt heute war schon spannend. Wir sind in der Mitte gestartet und nur als Zwölfte oben angekommen, immerhin haben wir uns dann noch als Sechste ins Ziel gerettet. Damit war alles klar. Danach konnten wir dann ein bisschen unseren Speed für die Europameisterschaft testen“, erklärte Wolfgang Hunger. Mit den zweitplatzierten Briten und dänischen Brüdern Jörgen und Jacob Bojsen-Möller war absolute Weltspitze vor Kiel am Start. Holger Jess wünschte sich für die Zukunft aber auch mehr Masse: „Wenn einige mal aufhören, in der Liga rumzujuxen, und sich mal wieder richtig messen wollen, dann wachsen auch wieder die Felder.“

Auf der gleichen Bahn wie die 505er segelten die Flying Dutchman. Und hier gelang den Ungarn Szabolcs Majthényi/András Domokos eine absolute Rarität: Nach elf Rennen mussten sie sogar einen ersten Rang streichen, denn in allen Wettfahrten ließen sie die komplette Konkurrenz hinter sich. Damit machten die FD-Rekordweltmeister das halbe Dutzend an Siegen vor Kiel voll. Noch häufiger siegten die Ungarn allerdings bei den Welttitelkämpfen: Zwölfmal gewannen Majthényi/Domokos den WM-Titel – zuletzt im Februar vor Neuseeland. Vor Kiel mussten sich auf den Rängen zwei und drei die Tschechen Jiri Hruby/Roman Houdek sowie Kai Schäfers/Andreas Happich (Arnsberg) geschlagen geben.

Mit dieser eindrucksvollen Bilanz übertrafen die Flying Dutchman alle weiteren Seriensieger der Kieler Woche in den internationalen Klassen. In höchst überzeugender Manier krönten sich dennoch die Triumphatoren in der Europe, der 2.4mR, Laser 4.7 sowie den Skiffs zu Kieler-Woche-Siegern.

Anna Livbjerg hatte die gemischte Konkurrenz aus Männern und Frauen in der Europe jederzeit im Griff. Die Dänin agierte stets in den Top-Drei und landete acht Tagessiege in den elf Wettfahrten. Damit führte sie ein skandinavisches Trio an. Carl Ljunggren (Schweden) verteidigte durch einen Sieg in der letzten Wettfahrt den zweiten Rang gegen Kristian Medina-Praest (Dänemark).

Heiko Kröger dominierte das Feld der 2.4mR aus Seglern mit und ohne Behinderung. Foto: Kieler Woche / Sascha Klahn

In der 2.4mR wurde das letzte angesetzte Rennen nicht mehr gesegelt und die Flotte der inklusiven Klasse von Seglern mit und ohne Behinderung in den Hafen geschickt. Am Ergebnis hätte die elfte Wettfahrt ohnehin nichts mehr geändert, zu überlegen segelte Heiko Kröger vor der Konkurrenz. Der Hamburger hatte nach fünf Siegen zum Auftakt in der zweiten Hälfte zwar eine „Ergebnisdelle“, bei insgesamt sieben Siegen, zwei zweiten und einem dritten Platz gab es aber keinen Zweifel an seinem zwölften Kieler-Woche-Sieg. Einen starken Auftritt legte auch Kalle Dehler hin. Der Neueinsteiger in diese Mini-Yacht hat perfekt in die Klasse gefunden, beendete die Serie vor Kiel mit zwei Tagessiegen. Kurzum: Dem 63-Jährigen gehört die Zukunft. Der drittplatzierte Finne Antti Kokkala ist sechs Jahre älter. „In Kiel zu gewinnen, ist immer schön. Ich habe mich riesig gefreut, dass es geklappt hat“, sagte Kröger und erklärte zum Aus des Segelns bei den Paralympics: „Darüber sind wir hinweg. Die Paralympics haben wir nicht mehr nötig. Wir haben es geschafft, so in das normale Leben zu wechseln, wie es wohl in keiner anderen Sportart möglich ist.“

Bestens in Form war Ole Schweckendiek bei den Lasern 4.7. Der Kieler ist mit 14 Jahren der jüngste Sieger bei den internationalen Klassen 2019. Foto: Kieler Woche / Sascha Klahn

Mit gerade einmal 14 Jahren ist Ole Schweckendiek der bisher jüngste Kieler-Woche-Sieger dieses Jahres. Nachdem der Kieler bei der Europameisterschaft in Südfrankreich vor drei Wochen als Dritter in der Altersklasse U16 groß aufgetrumpft hatte, toppte er nun seine bisherige Performance. Erst im vergangenen Jahr ist er vom Opti in den Laser umgestiegen, jetzt war er der Konkurrenz haushoch überlegen. Mit dem Sieg im vorletzten Rennen machte er alles klar und hat nun schon Pläne für die nächste Klasse: „Im Sommer steht noch die Deutsche Meisterschaft zur Travemünder Woche an, danach werde ich dann irgendwann in den Laser Radial umsteigen.“ Auf dem Podium zur Sieger-Pressekonferenz hatte er offenbar Spaß: „Vielleicht kann ich im nächsten Jahr wieder hier sein.“

Internationale Sieger gab es in den schnellen Skiff-Klassen. Bei den Musto Skiffs wahrte der Brite Peacock seine Top-Position vor dem Niederländer Paul Dijkstra. Iver Ahlmann (Büdelsdorf) gelang noch knapp der Gewinn der Bronze-Medaille. Bei den Foiling Dinghys gab es zwar zwei Deutsche auf dem Podium. Aber der Schweizer Adriano Petrino verwies Max Lutz (Kiel) und Julian Ramm (Itzehoe) auf die folgenden Plätze.

In den weiteren Klassen gab es am Schlusstag noch einige Verschiebungen und Abstürze von der Spitze. Mit der Frühstart-Disqualifikation auf dem Konto mussten die bis Montag Führenden im 29er, Jonas Schupp/Moritz Hagenmeyer (Ammersee), vorsichtig agieren. Doch dann ging in den drei Tagesrennen komplett der Rhythmus verloren. Das Duo rutschte noch bis auf Platz zehn ab. So war der Weg frei für die skandinavische Konkurrenz. Mit der besten Leistungskurve des Schlusstages sprangen die Norweger Mathias Berthet/Alexander Franks-Penty auf Platz eins und verwiesen Ville Korhonen/Edvard Bremer (Finnland) sowie Marius Westerlind/Olle Aronsson (Schweden) auf die weiteren Podiumsplätze.

Auch ein weiterer Deutscher stürzte zum Finale noch von der Spitze. Christoph Homeier (Bremen) konnte die im starken Wind erwirtschaftete Vorgabe bei den Contendern nicht durch die schwache Brise retten. Europameister Sören Andreasen (Dänemark) und der Deutsche Meister Max Billerbeck (Kollmar) zogen noch vorbei. „Ich bin ja leider nicht als Super-Leichtwind-Crack bekannt, daher war es klar, dass es schwierig wird. Mir fehlte bei solchen Bedingungen der Speed. Das haben Sören und Max besser hinbekommen“, sagte Homeier, kündigte aber auch gleich den Angriff auf seinen vierten Kieler-Woche-Sieg im nächsten Jahr an.

Im Laser Radial hatten die Deutschen nichts mit der Titelvergabe zu tun. Malte Winkel war hier als Zehnter der beste GER-Segler. Ein beachtliches Ergebnis, ist er doch nur aus Trainings- und Spaßgründen vom 470er in den Laser umgestiegen. An der Spitze mischte sich das internationale Feld noch einmal durch. Wonn Kye Lee (Singapur) gewann im Schlussspurt vor Emma Savelon (Niederlande) und Otto Henry (Australien).

Bei der einzigen Meisterschaft im Rahmen der 125. Kieler Woche, der Europameisterschaft der OK-Jollen, demonstrierte Superstar Fredrik Lööf seine Überlegenheit. Mit dem Sieg im ersten Tagesrennen hatte der Schwede seinen Titel aus dem Vorjahr bereits verteidigt und konnte dann ganz entspannt an Land segeln. Valerian Lebrun (Frankreich) und Thomas Hansson-Mild (Schweden) folgten auf den weiteren Podiumsplätzen. Jan Kurfeld (Wismar), lange mitten im Medaillenkampf dabei, erlebte einen schwarzen Tag. Nachdem er bereits am Montag wegen Pumpens ein Rennen aufgeben musste, durchkreuzte die Jury auch am letzten Tag seine Pläne. Als er in der Verfolgerfahrt nach dem Abfallen wieder anluvte, wertete die Jury seine Körperbewegung als Pumpen. Mit der erneuten Gelben Flagge war nicht nur das Rennen beendet, sondern Kurfeld auch mit der Meisterschaft durch. „Einige werten die Aktion, andere anders“, ärgerte sich der Wismaraner und ging zum Abschlussrennen nicht mehr an den Start. Mit dreimal voller Punktzahl rutschte er noch auf Platz 23 ab.

Ergebnisliste Kieler Woche Teil 1

2.4mR (open): (10) 1. Heiko Kröger (Ammersbek,1/1/1/1/1/2/1/1(3)2) Punkte 11; 2. Kalle Dehler (Greifswald,2/3/2/4/4(5)3/3/1/1) 23; 3. Antti Kokkala (FIN,10/2(23)2/2/1/5/2/2/3) 29; 4. Håkon Bentsen Veholmen (NOR,(9)4/7/8/3/4/4/4/4/9) 47; 5. Ulli Libor (Frei-Laubersheim,4/6/4/3/6/3/7(11)9/6) 48; 6. Per Ahrbom (SWE,6/9/6/7/7(10)6/10/5/8) 64;

29er (Euro Cup): (16) 1. Mathias Berthet / Alexander Franks-Penty (NOR 16/5(39)36/1/1/1/1/1/1/1/4/2/5/1/1) Punkte 77; 2. Ville Korhonen / Edvard Bremer (FIN (60)10/3/14/3/1/2/1/2/5/7/5/18/3/4/8) 86; 3. Marius Westerlind / Olle Aronsson (SWE 9/1/9/8/5/3/11/5/9/6/5/6/5/6(17)7) 95; 4. Alice Moss / Carl Hörfelt (SWE 4/7/2/7/15/9/7/7/10/3/12/2/11/9(36)6) 111; 5. Stephan Baker / Oliver Duncan (USA 1(60)1/60/6/17/4/2/1/7/9/1/7/10/3/13) 142; 6. Ewan Wilson / Fin Armstrong (GBR 9/26/18/2/10/5/6/4/5/8/19/14/8/8(28)3) 145;

5O5er: (11) 1. Wolfgang Hunger / Holger Jess (Strande,3/1/1/4/1/1/1(7)4/6/4) Punkte 26; 2. Penny Clark / Russell Clark (GBR,(13)5/2/1/2/4/5/1/10/2/3) 35; 3. Jørgen Bojsen-Møller / Jacob Bojsen-Møller (DEN,1(12)3/2/5/10/2/3/5/1/6) 38; 4. Roger Gilbert / Ben Mcgrane (GBR,(7)7/4/5/3/7/4/2/3/3/2) 40; 5. Thomas Gillard / Geoff Edwards (GBR,4/3(14)10/4/6/9/6/1/5/1) 49; 6. Philippe Boite / Mathieu Fountaine (FRA,2/4/8(31)9/3/7/4/7/12/5) 61;

Contender: (11) 1. Soren Andreasen (DEN,4/8/9/2/3/3/2/1/2(10)1) Punkte 35; 2. Max Billerbeck (Bokholt-Hanredder,3/4(10)7/9/5/3/3/1/1/2) 38; 3. Christoph Homeier (Bremen,9/2(23)1/2/2/1/2/4/14/9) 46; 4. Dirk Lafleur (NED,10/3(24)3/6/6/6/5/3/6/11) 59; 5. Joachim Harpprecht – Gm (Molfsee,5/1/6/13(16)14/12/7/5/2/4) 69; 6. Jörg Schlienkamp (Herten,7/25/7/4/1/1/5/4/6/25(49)) 85;

Europe: (11) 1. Anna Livbjerg (DEN,1/1/1(3)1/1/1/3/1/1/2) Punkte 13; 2. Carl Ljunggren (SWE,6/8(12)4/3/2/3/2/3/10/1) 42; 3. Kristian Valentin Medina Præst (DEN,(17)17/3/5/2/5/2/4/2/2/4) 46; 4. Robert Zink (Marl,3/5/5/1(29)6/4/5/8/7/5) 49; 5. Kilian Vermeersch (BEL,10(14)2/7/5/3/10/6/9/4/10) 66; 6. Marisa Roch (Wees,4/3/6/8/7/10/12(13)13/5/7) 75;

FD: (11) 1. Szabolcs Majthényi / András Domokos (HUN,(1)1/1/1/1/1/1/1/1/1/1) Punkte 10; 2. Jiri Hruby / Roman Houdek (CZE,5/3/3/5/2/3/2/2/2/3(8) 30; 3. Kai Schäfers / Andreas Happich (Hamm,2/4/2/3/3/2(22)3/6/5/2) 32; 4. Shmuel Markhoff / Lars Stöckmann (Frankfurt,(10)6/6/2/6/6/5/6/4/4/4) 49; 5. Dirk Bogumil / Torsten Bahr (Berlin,4/2/5(22)22/4/3/4/3/2/3) 52; 6. Olaf Ballerstein / Jobst Wellensiek (Hamburg,11/5/8/7/7/5/8/7/12(14)5) 75;

One Person Foiling Dinghy: (13) 1. Adriano Petrino (SUI,1/1(4)2/1/1/1/1/1/1/3/1/1) Punkte 15; 2. Max Lutz (Schilksee,2(5)1/1/3/2/2/2/2/2/1/2/2) 22; 3. Julian Ramm (Kiel,(15)3/3/7/5/3/3/3/3/3/2/5/15) 55; 4. Eliott Savelon (NED,7/8/8/6/6/4/4/4/4/5/5(15)15) 76; 5. Erik Karlsen (NOR,6/10/10/10/7/5/5/5/5/4/6/6(15)) 79; 6. Frithjof Schwerdt (München,5/7/6/4/4(15)15/15/15/15/6/3/15) 110;

Musto Skiff: (13) 1. Rick Peacock (GBR,(4)4/2/3/2/2/4/1/1/2/4/1/3) Punkte 29; 2. Paul Dijkstra (NED,3/2/5/1/1/1/1/4/2/11/8(23)4) 43; 3. Iver Ahlmann (Büdelsdorf,1/1/1(9)5/6/9/6/6/5/2/2/6) 50; 4. Jono Shelley (GBR,(23)7/7/6/4/3/7/2/4/1/3/5/1) 50; 5. Jamie Hilton (GBR,6/5/6/5/3/5/3/3/3/6/1/4(12)) 50; 6. Roger Oswald (SUI,7/3/3/7/6/7(10)8/7/7/6/3/2) 66;

Laser 4.7: (11) 1. Ole Schweckendiek (Kiel,5/2/2/2/1/2/1/6/1/1(16)) Punkte 23; 2. Calle Lindbom (SWE,2/8/3(13)2/5/5/9/4/9/10) 57; 3. Jonas Mager (Hamburg,8/7/13/5/4(16)2/1/6/2/15) 63; 4. Josse Bonatz (Kiel,(25)6/4/10/12/1/9/4/13/21/2) 82; 5. Eduards Plavins (LAT,17/15/8/1/9/3/11/11/10/5(28)) 90; 6. Bendix Piet Mayer (Konstanz,15/20(22)6/8/10/3/16/5/8/1) 92;

Laser Radial open: (11) 1. Wonn Kye Lee (SGP,(64)2/8/12/2/3/1/17/5/5/1) Punkte 56; 2. Emma Savelon (NED,2/21/1/9/3/6/7/2/3(27)3) 57; 3. Otto Henry (AUS,1/10/4/6/1/2/14/5/1(19)14) 58; 4. Tayte Stefaniuk (CAN,4/1/2/3/3/1/19/4/19/6(26)) 62; 5. Otto Dahlberg (FIN,3/7/1/12/6/12/2/11/22(64)4) 80; 6. Luke Cashmore (NZL,3(64)22/3/5/9/16/8/7/2/9) 84;

OK EM: (10) 1. Fredrik Lööf (SWE,5/1/2/1/1/2/1/2/1(92)) Punkte 16; 2. Valerian Lebrun (FRA,13(92)1/2/4/1/2/3/5/9) 40; 3. Thomas Hansson-Mild (SWE,24(34)5/3/5/4/10/1/4/3) 59; 4. Bo Petersen (DEN,(92)3/4/5/9/8/12/17/2/1) 61; 5. Stefan De Vries (NED,11/6/6/10/2/3/5/8(15)12) 63; 6. Mads Bendix (DEN,7/5/8(16)10/7/11/4/8/8) 68;

„Gleiche Chance für alle“

Vier Seglerinnen sind im Feld der 2.4mR. Sie segeln nicht nur für die Einzelwertung sondern sind auch zugleich Teamleiterinnen. Team Sabine führt momentan die Wertung der Mixed-Inklusions-Teamwertung bei der Kieler Woche an.

„Es ist eine tolle Sache, mit guten Seglern in einem Team zu sein“, schwärmt Ulli Libor. Er liegt mit Team Karin (Karin Hofmann, Jürgen Freiheit, Ulli Libor) auf Rang drei. Die Teamwertung wurde neu eingeführt, ersetzt nicht die Einzelwertung sondern ergänzt sie. Die Punkte der Teammitglieder aus den Einzelwertungen werden zusammengezählt. Die Mannschaft mit den geringsten Punkten geht in Führung. Mit der zusätzlichen Trophy, die Immac sponsert, wolle die Klasse nicht nur zeigen, dass sie Inklusion lebe und sich dafür bestens eigne, sondern auch neue Segler für den 2.4mR gewinnen und vor allem mehr Frauen für das Segeln in der „Miniatur Hightech Segelyacht“, wie Ulli Libor den 2.4mR gerne nennt, begeistern. „Das Equipment ist nicht so teuer und der Einstieg daher einfacher“, wirbt Libor für die Klasse.

In einem Mixed-Inklusions-Team muss sowohl mindestens eine Frau als auch ein Segler/Seglerin mit Behinderung segeln. Da es nur vier Frauen im Feld gibt, durften sie sich ihre Mannschaft zusammenstellen. Sabine Mohr entschied sich für Heiko Kröger und Stefan Klötzing. Auch die Briten haben eine Frau am Start, ein Team um Jazz Turner zusammengestellt und segeln um die Trophy mit.

„Es gibt keine andere Sportart, bei der Männer, Frauen und Menschen mit Behinderung gegeneinander antreten und jeder die Chance hat zu gewinnen“, so Ulli Libor. Damit lebe diese Klasse den Olympischen Gedanken wie keine andere. „Gleiche Chance für alle.“

Die 2.4mR Klasse sei geprägt vom freundschaftlichen Gedanken – auch wenn auf dem Wasser mit Ehrgeiz um Plätze und Punkte gekämpft werde. Die Teamwertung verstärke noch das freundschaftliche Miteinander.

Hinweis für die Redaktionen:
Für heute sind ab 11 Uhr in allen Klassen zwei Wettfahrten geplant, bei den 29ern drei. Der letzte Start ist um 14 Uhr möglich. Die Seebahnen starten um 12.30, letzte Startmöglichkeit 14.30.

Spitzen-Crews der Seebahn hamstern Siege

Die „Sportsfreund“-Crew um Skipper Gordon Nickel (Stade) bei den großen Yachten und die „Immac Fram“ mit Kai Mares (Dänischenhagen) am Ruder betätigen sich als fleißige Siegeshamster und fahren auf dem Stollergrund einen ersten Platz nach dem anderen ein.

Ein wenig leidet die Beteiligung zum Kiel-Cup bei den Yachten der Klasse ORC I+II unter dem großen Seesegel-Angebot zum Auftakt der Segelwoche. Waren es zur Maior-Regatta vor sechs Wochen noch 18 Crews, die auf den Kurs auf der Kieler Außenförde gingen, sind nun einige Yachten abhanden gekommen, die sich für die Eckernförde-Regatta statt des Kiel-Cups entschieden haben. Andere mussten im wahrsten Sinne die Segel streichen. So hat die „Moana“ in diesem Frühjahr den Mast verloren und musste das Regattaprogramm vorerst auf Eis legen. Die Spitze der Szene ist aber geschlossen vertreten, und so finden sich auf den ersten Plätzen die gleichen Namen wie zur Maior.

Unangefochten an der Spitze der ORC I+II agiert erneut die „Sportsfreund“ von Eigner Axel Seehafer (Heiligenhafen). Allerdings muss Seehafer aus beruflichen Gründen auf einen Start zur Kieler Woche verzichten. „Das ist sehr schade, denn wir würden gern mit unserem etatmäßigen Steuermann segeln. Aber es ist natürlich toll, dass Axel es uns trotzdem ermöglicht, hier zu starten“, sagt Bendix Hügelmann aus der „Sportsfreund“-Crew. Mit Gordon Nickel steht ein Ersatzmann mit höchstem Renommee am Ruder. Im vergangenen Jahr segelte Nickel mit der „One Spirit“ zum deutschen Meistertitel in der ORC III, jetzt lenkt er die X41 von Seehafer souverän an der Spitze. Dahinter mischt sich allerdings – anders als zur Maior – die Landmark43 von Jens Kuphal ins Feld der weiteren X41. Die „Intermezzo“ ist jeweils das schnellste Schiff auf der Bahn und spielt auch berechnet in den Toprängen mit. Die „Halbtrocken 4.0“ von Michael Berghorn (Kiel) und die „Sydbank“ mit Torsten Bastiansen (Flensburg) lauern eng gestaffelt dahinter.

In der ORC III wahrt die „Immac Fram“ ihre Top-Position von der Maior, auch wenn es dem Schwesterschiff, der „One Spirit“, vereinzelt gelingt, vor der Mares-Crew ins Ziel zu fahren. Damit ist es der jungen Crew gelungen, den kompletten Umbruch der Mannschaft im Vergleich zum Vorjahr, als die „One Spirit“ den deutschen Meistertitel gewann, zu kompensieren. Sören Brandt (Kiel) hat die Skipper-Position übernommen und eine gute Einstellung des Bootes und der Mannschaft gefunden. Hinter dem Duo der beiden Italia 9.98-Yachten etabliert sich Knut Freudenberg, der Deutsche Meister von 2013, mit seiner Crew der „Halbtrocken“ auf Platz drei.

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Guter Wind, schnelles Segeln!

Das gilt wohl auch für Heiko Kröger. Dem elften Kieler-Woche-Sieg des Hamburgers steht kaum noch etwas im Weg. Der 2.4mR-Meister segelte in den neun Wettfahrten bisher sieben Siege, einen zweiten und einen dritten Platz ein. Damit ist die Konkurrenz von 22 Athleten aus sieben Nationen überfordert. Der letzte Tag in den internationalen Klassen wird für den Paralympics-Sieger von 2000 daher zum Schaulaufen.

Auch Anna Livbjerg aus Dänemark segelt in der Europe in einer eigenen Liga – bei allen Windbedingungen. Ihre Bilanz entspricht der von Kröger, daher reicht der Dänin in den beiden noch ausstehenden Rennen ein mittlerer Platz, um ihren Kieler-Woche-Sieg von 2017 zu wiederholen.

Noch beeindruckender ist die Serie von Szabolcs Majthényi/András Domokos. Im Flying Dutchman gewinnen die ungarischen Weltmeister einfach jedes Rennen. Kai Schäfers (Arnsberg) musste mit Vorschoter Andreas Happich zwar vorerst den zweiten Platz räumen und rutschte auf Rang drei ab, aber damit ist der Vize-Weltmeister dennoch zufrieden. Zur WM in Neuseeland segelte Schäfers an der Vorschot von Kay-Uwe Lüdtke. „Aber nach der WM und der DM hatte mein Steuermann nicht mehr genug Zeit. Dass ich jetzt die Pinne übernommen habe, ist kein Problem. Ich segele FD seit meinem 14. Lebensjahr und wechsele immer zwischen Steuer und Vorschot.“

Die 29er wurden mit vier Wettfahrten im Vergleich zum Vortag (fünf Rennen) etwas geschont. Für Elena Krupp/Carla Borlinghaus (Wörthsee) steht nach dem Tag ein 24. Rang unter den 118 Teams in der Liste. „Damit sind wir zufrieden, denn im Vergleich der Mädchenteams, die zu den Youth Worlds in Polen fahren, sind wir derzeit Zweite“, sagte Elena Krupp. An der Spitze des gesamten Feldes stehen gar die Jungs vom bayerischen Nachbarsee. Jonas Schupp/Moritz Hagenmeyer (Ammersee) werden zu den Youth Worlds bei den 29er-Jungs die deutschen Farben vertreten und sind dafür schon bestens in Form. „Es lief alles super, auch wenn wir eine Frühstart-Disqulifikation kassiert haben. Aber wir sind zuversichtlich, dass wir den Platz halten können“, sagte Steuermann Schupp, während sein Vorschoter warnte: „Morgen müssen wir aufpassen und etwas vorsichtiger agieren. Der Frühstart haut schon rein.“

Nach einem harten Tag am Sonntag konnten die Foiling Dinghys in der etwas abgeschwächten Brise ein wenig durchatmen. Gleichwohl hat sich das Feld der Piloten auf den fliegenden Motten und Wespen deutlich reduziert. Die kräftigen Winde und die wilden Wellen vom Sonntag hatten sowohl Mensch als auch Material mitunter überfordert. Viele Teilnehmer mussten eine Extrarunde in der Werkstatt drehen. So startete nur noch ein Sextett in den dritten Tag. Die Zieleinläufe scheinen dabei festgezurrt zu sein. In fast schöner Regelmäßigkeit kreuzte der Schweizer Adriano Petrino vom Luganersee die Ziellinie vor den Kielern Max Lutz und Julian Ramm, die beide Hochgeschwindigkeiten aus ihren Zeiten als Konkurrenten im olympischen 49er gewohnt sind.

Bei den Musto Skiffs hält der Brite Rick Paecock die Spitze. Iver Ahlmann (Büdelsdorf) als bester Deutscher lauert als Vierter knapp hinter dem Podium.

Wird es doch noch einmal eng mit dem 22. Kieler-Woche-Sieg von Wolfgang Hunger? Nach einer souveränen Serie in den ersten sieben Wettfahrten haben Hunger und Vorschoter Holger Jess die Tür für die britischen Verfolger Penny und Russell Clark zunächst einmal geöffnet. Mit einem siebten Platz segelten die Hausherren ihren Streicher ein, während die Eheleute aus England als Sieger ins Ziel rauschten. Doch in der folgenden Wettfahrt wurde mit den Plätzen vier für Hunger/Jess und zehn für Clark/Clark der alte Abstand wieder hergestellt.

Der Contender-Europameister des vergangenen Jahres dreht auf und macht Druck auf den Führenden. Nach einem mittelmäßigen Einstieg in die Kieler Woche bei den leichteren Winden am Samstag hat der Däne Sören Dulon Andreasen immer besser in den Wettkampf gefunden und den Abstand zu Spitzenreiter Christoph Homeier (Bremen) auf nur noch zwei Punkte verkürzt. Dass ihm die Kieler Förde liegt, hat der Mann aus Hellerup immer wieder bewiesen – zuletzt im vergangenen Herbst, als er die Deutsche Meisterschaft vor Schilksee gewann.

In den beiden Laser-Klassen ist das Abschneiden der deutschen Teilnehmer von unterschiedlicher Bedeutung. Während bei den jungen 4.7-Seglern der Kieler Ole Schweckendiek als überlegen Führender vor seinem bisher größten Karriere-Erfolg steht, hat die Kieler Woche für Malte Winkel bei den Laser Radial nur Spaßcharakter. Winkel segelt sonst 470er. Da die Klasse aber aus dem Programm gestrichen wurde, stieg er kurzerhand um. „Ich wollte unbedingt vor Kiel segeln. Strategie und Taktik kann man gut auf dem Laser üben. Und es macht Spaß. Die Olympia-Teilnahme im 470er im nächsten Jahr steht aber klar im Vordergrund“, sagte Winkel, der aktuell auf Platz 14 liegt. Die Spitze hat der Australier Otto Henry übernommen.

Bei der Europameisterschaft der OK-Jollen wurde der Angriff auf die Spitze für Jan Kurfeld hart ausgebremst. Die WM-Dritte des vergangenen Jahres kassierte im ersten Rennen des Tages seinen Streicher und musste auch danach ein paar weitere Punkte zuviel im Vergleich zu EM-Titelverteidiger Fredrik Lööf kassieren. Der Schwede ist daher rundum zufrieden: „Es ist ein einzigartiges Event, und die OK-Jolle ist für mich ein wenig back to the roots. Nach einigen Jahren professionellen Segelns liegt der Fokus nun auf der Familie und meiner zehnjährigen Tochter. Dafür ist die OK-Jolle toll. Eine schönes kleines Boot und tolle Leute in der Klasse. In Kiel war ich das erste Mal mit 16 Jahren und habe große Erinnerungen an die Zeit mit meinem Vater hier.“ Lööf führt die EM-Wertung vor dem Franzosen Valerian Lebrun und Jan Kurfeld an. Der zweimalige Weltmeister André Budzien (Schwerin) hat dagegen noch nicht so in Tritt gefunden. „Aber das Boot hat Potenzial. Noch haben wir nicht so zusammengefunden. Das kommt bestimmt zur nächsten Saison. Ich muss mich noch etwas einfuchsen.“

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Kurz, nervenaufreibend, siegreich

Ein kurzes, dafür aber spannendes Finale lieferten sich zwei deutsche und zwei Schweizer Teams bei der Youth Sailing Champions League während der Kieler Woche.

Nach den noch zu absolvierenden restlichen Qualifikationsrennen lagen Konstantin Steidle, Finn Kenter, Tom Lembcke und Patrick Hasse vom Bodensee Yacht Club Überlingen auf einem aussichtsreichen Platz für das ausgegebene Ziel: Titelverteidigung. Denn sie beendeten die Qualifikationsserie an der Spitze des Gesamtklassements und hatten so einen Sieg bereits auf dem Konto. Nun mussten sie noch einen zweiten in den Finalrennen erringen.

Gleich zu Beginn gaben sie richtig Gas. Etwas zu viel, denn als der Startschuss ertönte, waren sie bereits über der Startlinie. Die erste Schreckminute des Teams, das den Fehler schnell korrigierte und dann zur Aufholjagd auf der ersten Kreuz aufbrach. Während der Flensburger Segel Club und die Schweizer Teams Regattaclub Oberhofen und Yachtclub Bielersee die linke Seite wählten, entschieden sich die Überlinger für rechts. Ein Risiko, das sich auszahlte. Trotz des Frühstarts erarbeiteten sie sich die Führung auf der ersten Kreuz zurück, umrundeten als Erste die Tonne und gingen auf Kurs Titelverteidigung. Auf den Vorwindkursen holten die Oberhofener zwar immer etwas auf, doch der Sieg war den Überlingern nicht mehr zu nehmen. Nach 13 Minuten und sechs Sekunden und einem Top-Speed von über zehn Knoten gewannen sie das Rennen und so auch die Youth Sailing Championsleague nach einem kurzen Finale mit nur einer Wettfahrt. Zweiter wurde der Regattaclub Oberhofen vor dem Flensburger Segel Club und dem Yachtclub Bielersee auf den Plätzen drei und vier.

Der geplante Start-Ziel-Sieg sei am Start ein bisschen schief gegangen, erklärten die Vier vom Bodensee nach dem Zieleinlauf. „Es war ein bisschen zu spannend. Wir könnten ja auch einfach mal normal starten und segeln“, sagt Konstantin Steidle lachend.

„Nach dem Fehlstart war klar, dass wir auf die andere Seite gehen müssen. Ein Winddreher hat es und dann erleichtert, auch wenn es an der Tonne knapp geworden ist“, fassen sie die erste Kreuz zusammen. Die Wellenbewegungen konnten die Oberhofener gut nutzen. „Aber die Überlinger haben auf der zweiten Kreuz einen zu großen Vorsprung herausgefahren“, erklären die Zweitplatzierten, warum sie das Duell auf dem Vorwindkurs nicht mehr gewinnen konnten.

Nach nur einem Finalrennen machten die vier vom Bodensee den Sieg perfekt. Den zweiten Platz errang Regattaclub Oberhofen (SUI) vor dem Flensburger Segel Club. Foto: Kieler Woche / Sascha Klahn

Zufrieden zeigten sich auch die Flensburger. Sie freuten sich über den dritten Platz. Nach einer erfolgreichen Rennserie am ersten Tag kamen sie nicht mehr an die Ergebnisse heran. „Wir haben alles versucht, aber hatten Probleme reinzufinden und es nicht mehr bis ganz vorne geschafft.“ „Es war ein tolles Event mit coolen Teams und guten Gegnern“, sind sich Konstantin, Finn, Tom und Patrick einig. Im kommenden Jahr wird die Titelverteidigung in den Händen eines fast neuen Teams liegen. Drei der vier Segler sind dann zu alt und wollen im Erwachsenenbereich in der Bundesliga weitersegeln.

Förderung für aufstrebende Seglerinnen

Seglerinnen aus Ländern, in denen Segeln nicht so sehr auf der Agenda steht, bekommen die Chance, bei den olympischen Spielen starten zu können. Nicht in Form einer Wildcard – sondern vielmehr durch die Unterstützung des Emerging Nations Program des Weltsegelverbandes. So können sie bei Events mitsegeln, was ihnen aus finanzieller oder struktureller Sicht ansonsten nicht möglich wäre. So auch bei der Kieler Woche.

Mariela Nikolova kommt aus Bulgarien, Deisy Nhaquile aus Mosambik. Beide erfüllen die Kriterien, um die Förderung für Seglerinnen aus Schwellenländern zu erhalten und sind zur Kieler Woche angereist. Die Laser-Seglerinnen starten zunächst in der Laser open Klasse, dann im zweiten Teil der olympischen Klassen im Feld der Laser Radial.

„Die Seglerinnen sind Teil eines länger laufenden Programms, das es Seglern aus Schwellenländern, insbesondere Athletinnen, ermöglichen soll, einen strukturierten Entwicklungspfad von der Jugend bis zum Olympiastatus zu finden“, fasst Rob Holden vom Weltsegelverband zusammen. „Mit der Förderung wird es möglich, dass sie es zu den olympischen Spielen schaffen können“, sagt Nadine Stegenwalner, Vizepräsidentin des Weltsegelverbandes. „Es ist keine Rundumfinanzierung und kein sicherer Startplatz bei den Spielen“, so Stegenwalner. Das Ziel sei es, die allgemeine Beteiligung an Großveranstaltungen zu erhöhen. Dies beinhaltet sowohl eine höhere Beteiligung von Frauen als auch, dass mit dieser Maßnahme die Leistungslücke bei den Olympischen Spielen 2020 in Tokio verringert werden soll. „Die Segler kommen daher aus Nationen, die unter die World Sailing Definition einer aufstrebenden Nation fallen“, erklärt Rob Holden, der die Seglerinnen im Programm betreut.

Um als aufstrebende Nation aus Sicht von World Sailing zu gelten, werden eine Reihe von Faktoren berücksichtigt. „Dazu gehören die im Land vorhandenen formalen Coaching- und Trainingsstrukturen, die Qualifikation für die Olympischen Spiele (dies umfasst derzeit London 2012 und Rio 2016) sowie eine dreiseitige Einladungen zur Teilnahme an den Olympischen Spielen“, führt Rob Holden aus. Bulgarien und Mosambik erfüllen diese Kriterien. „Während Bulgarien und Mosambik beide über gute Segelstrukturen verfügen, haben sie kein Programm für Hochleistungssportler entwickelt, und es gibt nur sehr wenig andere – wenn überhaupt – hochkarätige Segler, die es ihnen schwer machen, einen Olympiastandard zu erreichen und zu halten.“ Zudem könne die Finanzierung schwierig sein, insbesondere bei den Kosten für hochwertige Trainer und Ausrüstung, sowie die Reisekosten für Events. „Indem sie also Teil einer Gruppe sind, die Unterstützung erhält, versucht World Sailing, so diese Barrieren zu verringern oder zu beseitigen.“

Nicht nur das Land, sondern auch die Seglerinnen müssen bestimmte Kriterien erfüllen, um gefördert zu werden. „Die Seglerinnen haben gezeigt, dass sie das Wettbewerbsniveau haben, um auf dem Elitelevel zu konkurrieren, aber oft nicht über die Mittel oder Unterstützung verfügen, um regelmäßig an diesen Events teilzunehmen“, erklärt Rob Holden. Meist sei ein weiteres Problem, dass sie nicht als Vollzeit-Sportler trainieren können. „Sowohl Mariela als auch Deisy schlossen sich 2016 den Programmen der Youth Emerging Nations an und sind nun auf dem Senior-Pfad.“

Seit 2018 erhielten die Seglerinnen Unterstützung für die Teilnahme an unterschiedlichen Events. Dazu zählten die Andalusische Olympische Woche 2018 als Auswahlveranstaltung und ein komplettes Unterstützungspaket für die Segelweltmeisterschaft 2018 im dänischen Aarhus, inklusive einem zweiwöchigen Trainingslager. „Im Jahr 2019 werden die Seglerinnen bei der Teilnahme an der Laser-Radial-Weltmeisterschaft in Sakaiminato, Japan, unterstützt, bevor wir andere Veranstaltungen auf mögliche Unterstützung prüfen.“

In diesem Jahr wird zudem die Teilnahme an der Kieler Woche gefördert, was aus einer Initiative von Felix Weidling vom KYC entstanden ist. Nach dem Gespräch zwischen dem KYC-Regattasekretär und World Sailing entstand eine Zweiteilung der Förderung. „Sie waren bestrebt, die Segler vom Programm bis zur Veranstaltung zu unterstützen, um den Seglern mehr Veranstaltungs-Erfahrung zu bieten, und da die Kieler Woche ein so großes Event im Regatta-Kalender ist, passt sie hervorragend“, so Rob Holden. „Die Kieler Woche gibt den Seglerinnen den Zugang zu Veranstaltung, Charterbooten und Unterkunft, während World Sailing die Flüge unterstützt und den Seglern einen Coach zur Verfügung stellt.“

Deisy Nhaquile aus Nosambik genießt die unterschiedlichen Bedingungen der Kieler Woche, besonders die wechselnden Windbedingungen.  Foto: Kieler Woche / www.segel-bilder.de

Die geförderte Deisy Nhaquile (Mosambik) ist von Kiel beeindruckt: „Es war gut und hart die letzten beiden Tage in Kiel zu segeln. Auf unserem Heimrevier gibt es nicht so viel Wind. „Ich kann hier in Kiel durch die Winddreher viel Technisches lernen. Zuhause weht er konstant aus Süd oder Nord.“

Mit Blick zu den Spielen in Japan ist die 18-Jährige realistisch: „Für Deutschland oder beispielsweise Frankreich ist es einfach, sich für die olympischen Spiele zu qualifizieren. Aber für uns ist das schwierig – ohne das Programm können wir das nicht finanzieren.“

Kiel – Eckernförde und zurück: „Ein Traum!“

Die Beine ausgestreckt, ein Bier in der Hand: Auf der „Desna“ von Sven Wackerhagen (Kiel) herrschte eine zufrieden-entspannte Stimmung, nachdem die Yacht wieder in Schilksee festgemacht hatte. Die Knierim 49 hatte die Rückregatta des Welcome-Race von Eckernförde nach Kiel als schnellste Yacht abgespult, und die Crew durfte bereits die Sonne genießen, als das Gros des Feldes noch auf der Bahn war.

Nach einem langen Tag auf See am Samstag zur Aalregatta und dem Welcome-Race und einer noch längeren Sommernacht in Eckernförde hatte Wettfahrtleiter Ralf Paulsen mit seinem Team 155 Crews auf die Rückreise nach Kiel geschickt. Es erwartete die verschiedenen Startgruppen eine lange Kreuz aus der Bucht hinaus und ein schneller Ritt unter Gennaker oder Spinnaker ins Ziel – viel Arbeit für die Regattaleitung und Genussegeln für die Teilnehmer. Es war der krönende Abschluss eines gelungenen Auftakt-Wochenendes für die Seesegler. Denn dem sommerlichen Törn nach Eckernförde folgte ein lauschiger Abend im Stadthafen der gemütlichen Ostseegemeinde und ein prächtiges Feuerwerk. „Mit der Siegerehrung am Samstag in Eckernförde waren wir um 22 Uhr zwar etwas spät dran, aber alle hatten einen tollen Abend“, berichtete Paulsen.

Die Starts in den zweiten Teil der Regatta verliefen dann reibungslos. „Wir hatten einen Nullstart und dann eine wunderschöne Kreuz“, berichtete Wackerhagen, der allerdings gern kniffligere Aufgaben zu lösen gehabt hätte: „Navigatorisch stellte die Bahn keine Herausforderung. Das könnte man in Zukunft sicherlich ein bisschen ändern. Der Samstag wir in diesem Punkt schon anspruchsvoller.“ Der Spaß kam allerdings an Bord der silber-glänzenden „Desna“ nicht zu kurz. „Auf dem letzten Stück haben wir bei 14 bis 15 Knoten Wind unter Gennaker einen Bootsspeed von 11,5 Knoten erreicht. Das war großartig. Wir sind nach dem Ziel einfach weitergefahren, wollten gar nicht aufhören“, schwärmte Wackerhagen nach dem zweieinhalbstündigen Törn von Eckernförde nach Kiel und setzte ein klares Ausrufezeichen hinter die beiden ersten Kieler-Woche-Tage auf der Seebahn: „Ein Traum!“

Am Abend gab es für die Klassensieger der Mittelstrecken-Regatta die Siegerehrung auf der Bühne mitten im Olympiazentrum Schilksee. Darauf müssen die Crews der ORCi-Klasse noch zwei Tage warten. Sie segelten nach der mittleren Strecke am Samstag, an Tag zwei gleich drei Up-and-Downs. „Traumhafte Bedingungen, eine großartig arbeitende Wettfahrtleitung. Das war wirklich ein Top-Tag“, schwärmte Jens Kuphal (Berlin) von der „Intermezzo“. Er hatte am Samstag noch das Welcome-Race auf der „Einstein“, dem Imoca Open 60 des Offshore Team Germany, gesegelt und ist nun auf die ORC-Bahn zurückgekehrt. Hinter der souveränen „Sportsfreund“ um Steuermann Gordon Nickel (Stade) liegt die „Intermezzo“ auf Platz zwei der ORC 1+2. In der Klasse der kleineren Yachten (ORC 3) bestimmen die beiden Italia 9.98 das Geschehen. Die „Immac Fram“ mit Steuermann Kai Mares (Dänischenhagen) liegt vor der „OneSpirit“ um Skipper Sören Brandt (Kiel).

Ergebnisse Aalregatta

Startgruppe rot Kiel – Eck
1. „NixMitX“ Soenke Driller (Gifhorn) Punkte 1;
2. „Trankvile“ Klaus Robert Von Waldow (Eckernförde) 2;
3. „GER 6755” Thomas H. Beyer (Kiel) 3;

Startgruppe gelb Kiel – Eck
1. „Espada” Walter Meier-Kothe (Kiel) Punkte 1;
2. „Olga“ Claus Köhnlein (Kiel) 2;
3. „Run“ Ralf Neumann (Kiel) 3;

Startgruppe grün Kiel – Eck
1. „Martha“ Felix Halberstadt (Kiel) Punkte 1;
2. „Padekö Likedehler“ Ralf Giercke (Lübeck) 2;
3. „Nølle“ Nils Müller (Kiel) 3;

Startgruppe blau Kiel – Eck
1. „Fiete“ Thorsten Dmoch (Kiel) Punkte 1;
2. „Südwind“ Ludger Hüttermann (Eckernförde) 2;
3. „Ildfluen“ Dirk Hammer (Eckernförde) 3;

Startgruppe rot Eck – Kiel
1. „GER 6755” Thomas H. Beyer (Kiel) Punkte 1;
2. „Bajazzo“ Dirk Lemke (Eckernförde) 2;
3. „Phoenix“ Jan Reiners (Bremen) 3;

Startgruppe gelb Eck – Kiel
1. „Espada” Walter Meier-Kothe (Kiel) Punkte 1;
2. „Keep Smiling“ Ingo Bergmann (Kiel) 2;
3. „Carpe Vivem“ Andreas Betz (Kiel) 3;

Startgruppe grün Eck – Kiel
1. „Aquaplaning“ Thomas Flach (Berlin) Punkte 1;
2. „Padekö Likedehler“ Ralf Giercke (Lübeck) 2;
3. „Martha“ Felix Halberstadt (Kiel) 3;

Startgruppe blau Eck – Kiel
1. „Fiete“ Thorsten Dmoch (Kiel) Punkte 1;
2. „Jole“ Claas-Hendrik Wiechell (Hamburg) 2;
3. „Koillinen“ Sven Johnson (Kiel) 3

Ergebnisse Welcome-Race

Startgruppe Albin Ballad Kiel – Eck
1. „Strolch“ Michael Langhans (Otterndorf) Punkte 1;
2. „Fliegender Stern“ Klaus Lange (Hamburg) 2;
3. „Albino“ Karl-Heinz Wulf (Kiel) 3;

Startgruppe Albin Ballad Eck – Eck
1. „Strolch“ Michael Langhans (Otterndorf) Punkte 1;
2. „Fliegender Stern“ Klaus Lange (Hamburg) 2;
3. „Albino“ Karl-Heinz Wulf (Kiel) 3;

Startgruppe Folkeboote Kiel – Eck
1. „Ylva“ Ulf Kipcke (Neumünster) Punkte 1;
2. „Till“ Jürgen Breitenbach (Kiel) 2;
3. „Lilli“ Andreas Haubold (Berlin) 3;

Startgruppe Folkeboote Eck – Kiel
1. „Ylva“ Ulf Kipcke (Neumünster) Punkte 1;
2. „Till“ Jürgen Breitenbach (Kiel) 2;
3. „Hellene“ Carsten Stick (Altenholz) 3;

Startgruppe Multihull Kiel – Eck
1. „Tri“ Lars Kaempfe (Flensburg) Punkte 1;
2. „Trifeldt“ Karsten Hochfeldt (Kiel) 2;
3. „no error!!“ Jan Van Dyk (Bremen) 3;

Startgruppe Multihull Eck – Kiel
1. „Trifeldt“ Karsten Hochfeldt (Kiel) Punke 1;
2. „Moskito“ Hans-Peter Eggert (Kollmar) 2;
3. „N700K“ Piotr Kopczynski (POL) 3;

Startgruppe ORC1 Kiel – Eck
1. „Xenia” Ralf Lässig (Bremerhaven) Punkte 1;
2. „Bajazzo” Sven Zoller (Elmshorn) 2;
3. „Desna” Sven Wackerhagen; (Kiel) 3;

Startgruppe ORC2 Kiel – Eck
1. „Adamas” Jan Peters (Heiligenhafen) Punkte 1;
2. „Stardust” Alf Henryk Wulf (Stuttgart) 2;
3. „needles and pins” (Kiel) 3;

Startgruppe ORC3 Kiel – Eck
1. „Topas” Dr. Harald Brüning (Kiel) Punkte 1;
2. „Quattro” Klaus-Peter Boock (Schellhorn) 2;
3. „Blanc Bleu” Joerg Delecate (Kiel) 3;

Startgruppe ORC4 Kiel – Eck
1. „Jynx” Patrik Heinrichs (Berlin) Punkte 1;
2. „Husky” Hasso Hoffmeister (Bullenhausen) 2;
3. „Hans Uhl” Hans Köster (Flensburg) 3;

ORC Club Welcome Race ORC1 Eck – Kiel
1. „Xenia” Ralf Lässig (Bremerhaven) Punkte 1;
2. „Desna” Sven Wackerhagen (Kiel) 2;
3. „Zukunft IV” Jan Oswald (Kiel) 3;

ORC Club Welcome Race ORC2 Eck – Kiel
1. „Rarotonga” Werner Lemmel (Berlin) Punkte 1;
2. „Adamas” Jan Peters (Heiligenhafen) 2;
3. „Stardust” Alf Henryk Wulf (Stuttgart) 3;

ORC Club Welcome Race ORC3 Eck – Kiel
1. „Maxima” Klaus-Peter Boock (Schellhorn) Punkte 1;
2. „GER 197” Michael Haacke (Bremerhaven) 2;
3. „Bazz” Torsten Nickels (Jork) 3;

ORC Club Welcome Race ORC4 Eck – Kiel
1. „Max” Eckart Pirwitz (Kiel) Punkte 1;
2. „Hans Uhl” Hans Köster (Flensburg) 2;
3. „Fakse” Leif Kemmerich (Göttingen) 3;

75 Rennen in Traumbedingungen

Die Kieler Woche muss sich in ihrer Jubiläumsausgabe für die kommenden Tage wohl in verbaler Zurückhaltung üben. Gut möglich, dass ihr sonst die Superlative ausgehen. Denn dem perfekten Samstag folgte Champagner-Segeln am Sonntag, und dieser Trend soll nicht abreißen.

Für die Akteure in den elf internationalen Klassen auf den Dreiecksbahnen war der Sonntag in jedem Fall ein spritziges Vergnügen. Ein beständiger Ostwind mit vier bis fünf Beauforts sorgte für eine stattliche Welle in der Strander Bucht. Geschwindigkeitsrausch auf den Spinnaker- und Gennaker-Kursen die Wellen hinab war damit garantiert, allerdings auch ein anstrengender Tag. Denn gerade auf den Innenbahnen rollten die Wellen aus Ost in Kreuzseen des Fahrwassers sowie der Regattabegleitboote hinein und machten die Amwind-Kurse zur Schwerstarbeit. Und mit insgesamt 75 Starts spulten die Wettfahrtleitungen auf den verschiedenen Bahnen und Startgruppen ein Mammutprogramm ab.

Bei der Europameisterschaft der OK-Jollen spitzt sich der Zweikampf zwischen dem zweimaligen Vize-Weltmeister Fredrik Lööf (Schweden) und Jan Kurfeld (Wismar) zu – mit klaren Vorteilen für den Schweden. Der Weltranglisten-Führende lässt mit seinen Platzierungen wenig Zweifel daran, dass er seinen EM-Titel aus dem vergangenen Jahr verteidigen will. Platz fünf zum Auftakt in die Regatta ist bisher Lööfs Streichresultat. Danach folgten drei Siege und ein zweiter Platz. Jan Kurfeld gelang zum Auftakt zwar ein Sieg. Danach musste er sich aber immer hinter Lööf einreihen. Doch mit sechs Punkten Abstand zur Mitte der Meisterschaft ist der Titelkampf noch nicht entschieden. „Ich bin noch zu defensiv gestartet, nachdem ich zur WM zwar Frühstart-Disqualifkationen kassiert habe. Danach habe ich mich aber immer nach vorn gearbeitet. Der Speed stimmt, da bin ich mit Freddy auf einem Level. Die Devise für die kommenden beiden Tage ist also: Angriff!“

5O5er Segler Wolfgang Hunger strebt mit seinem Vorschoter Holger Jess seinen 22. Kieler-Woche-Titel an. Foto: Kieler Woche / www.segel-bilder.de

Nach einer sechsjährigen Durststrecke scheinen für Wolfgang Hunger (Strande) die Zeichen wieder auf Kieler-Woche-Sieg zu stehen. Der Rekordsieger ist auf seinem Hausrevier auf der Jagd nach seinem 22. Titel vor Kiel. Und dabei kann er auf die Unterstützung von Holger Jess (Eckernförde) bauen. Gemeinsam segelten die Beiden zwischen 1997 und 2007 zu sieben Siegen im 505er, anschließend trennten sich die Wege. Hunger gewann in der Folge mit Julien Kleiner sechsmal, Jess holte sich zwei weitere Siege mit Meike Schomäker und Michael Quirk. Seit der WM in diesem Januar bilden Hunger/Jess wieder ein Team – offenbar eine Erfolgskombination. Nach sechs Rennen mit vier Siegen zeigen sie der internationalen Konkurrenz aus sechs Nationen klar das Heck. „Im ersten Rennen hatten wir noch nicht den optimalen Speed, aber danach können wir sehr zufrieden sein“, sagte Hunger, und Jess ergänzte: „Wenn man so lange miteinander gesegelt ist, dann ist es einfacher, sich wieder aufeinander einzustellen. Bei Allround-Bedingungen läuft es sehr gut.“ Wolfgang Hunger ließ durchblicken, dass der mögliche 22. Sieg vor Kiel schon Bedeutung für ihn hat: „Der letzte Kieler-Woche-Titel liegt ja schon etwas zurück. Wir strengen uns also schon an.“

Nach fünf Siegen in Folge kann Heiko Kröger seinen zweiten Rang im sechsten Rennen bisher streichen. Foto: Kieler Woche / Sascha Klahn

Die bisher weiße Weste von Heiko Kröger (Hamburg) in der 2.4mR hat in der sechsten Wettfahrt einen leichten Fleck bekommen. Nach fünf Siegen in Folge verstrickte sich der Paralympicssieger von 2000 zum Abschluss des zweiten Tages mit dem zweimaligen Olympiamedaillen-Gewinner Ulli Libor (Hamburg) in einen Zweikampf. Dabei verloren sie Antti Kokkala auf der anderen Kursseite aus den Augen. Der Finne nutzte die Chance, flutschte durch und sicherte sich den Sieg vor Kröger und Libor. An der klaren Gesamtführung von Kröger vor Kalle Dehler (Greifswald), Kokkala und Libor änderte das indes nichts.

Klassenboss Ulli Libor hat neben der eigenen Leistung („Platz vier ist doch nicht schlecht“) vor allem die Weiterentwicklung der Klasse im Blick: „Die 2.4 ist das perfekte Boot, um chancengleich gegeneinander zu segeln: egal welches Alter, egal ob Mann oder Frau und ob mit oder ohne Behinderung.“ Daher trägt die Klasse zur Kieler Woche erstmals die Mixed Incluison Trophy aus, bei der Dreierteams gewertet werden. Das Trio muss eine Frau und eine/n Segler/in mit Behinderung im Team haben. Drei deutsche und eine englische Mannschaft sind vor Kiel am Start. „Zur Deutschen Meisterschaft auf dem Baldeneye-See werden wir die Trophy ein zweites Mal aussegeln und stellen uns dann auch internationale Auftritte vor“, so Libor.

In den weiteren Klassen sorgte der zunehmende Wind mitunter für einige Verschiebungen. So musste Iver Ahlmann bei den Musto Skiffs seine klare Führung vom Vortag an Paul Dijkstra abgeben. Der Niederländer siegte in allen Tagesrennen. Dafür konnte bei den Contendern der deutsche Favorit Christoph Homeier (Bremen) an die Spitze stürmen. Im 29er übernahmen die Finnen Ville Korhonen/Edvard Bremer die Spitze, nachdem sie am ersten Tag noch in die Spur finden mussten. Aus Kanada kommt der aktuell Führende der Laser Radial. Tayte Stefaniuk führt ein international sehr gemischtes Feld an. Dagegen ist im Laser 4.7 ein Lokalmatador an der Spitze. Ole Schweckendiek vom Kieler YC legt eine souveräne Serie von Top-Ergebnissen hin. Internationale Überflieger gibt es in den drei weiteren Klassen. Adriano Petrino (Schweiz) hat die Klasse der Foiling Dinghys im Griff, Anna Livbjerg (Dänemark) leistete sich bei fünf Siegen in der Europe nur einen „Ausrutscher“ mit einem dritten Platz. Und absolut makellos ist gar die Serie der ungarischen FD-Segler Szabolcs Majthényi/András Domokos. Die Bilanz der Dauerweltmeister: Sechs Starts, sechs Siege.

Ergebisse

Skinfit siegt bei der RUND UM

Fritz Trippolt vom Yacht Club Bregenz hat mit seinem Katamaran ‚Skinfit‘ die 69. RUND UM gewonnen. Die 100 Kilometer lange Wettfahrt wurde erst auf den letzten 600 Metern entschieden, als die Führung bei einem sehr schwachen Wind mehrmals wechselte. Zweiter wurde Sammy Smits mit der Green Horny vom Yacht-Club Arbon mit einem Rückstand von gut einer Minute. Den dritten Platz belegte sein Vereinskamerad Albert Schiess mit der ‘Holy Smoke’.

Der Gewinner des Blauen Bandes brauchte bei meist nordöstlichem Wind gut 9 Stunden und 30 Minuten für die 100 Kilometer lange Strecke von Lindau über Romanshorn, Konstanz, Überlingen und zurück nach Lindau. Das Kleine Blaue Band holte Enrico Müller vom Windsurfclub Langenargen mit einer Duetta 94. Steuermann Eric Monnin litt mit seinem foilenden Einrumpfboot ‚Monofoil Gonet‘ unter dem schwachen Wind und fuhr meist in Verdrängerfahrt. Foilende Boote können bei kräftigeren Winden wie auf Kufen aus dem Wasser kommen und dadurch kräftig beschleunigen. Gewinnerin des Blauen Pokals ist die Schweizer ‘Misia’, die als zehnte ins Ziel kam. Insgesamt waren 305 Boote gestartet.

Die Regatta hatte mit viel Stress für die meisten Segler begonnen und ist mit einem spannenden Finale wie selten gesehen zu Ende gegangen. Den Startschuss am Freitagabend um 19.30 Uhr (21.6.2019) gab vor dem Lindauer Löwen Bayerns Innenminister Joachim Herrmann, zugleich Ehrenkommandant der nordbayrischen Böllerschützen. Während die Katamarane der Startgruppe eins bei leichtem Nordostwind auf und davonzogen, suchten die fast 300 Schiffe der Startgruppen zwei und drei den besten Startplatz direkt in Lee des Startschiffs Hohentwiel. „Dutzende Schiffe verkeilten sich ineinander, die Mannschaften waren nur noch mit Abhalten beschäftigt,“ beobachtete der Vorsitzende des Lindauer Segler-Clubs, Karl-Christian Bay, das Geschehen. „Die versuchten alle, sich lautstark im Regattafeld durchzusetzen.“ Die Wettfahrt selbst verlief relativ entspannt. „Es gab immer wieder leichten Wind, nur der Überlinger See hatte die üblichen Flautenlöcher,“ fasst Wettfahrtleiter Achim Holz das Geschehen zusammen. „Und auch das Treibholz machten den Teilnehmern kaum Probleme, Schäden sind uns keine bekannt geworden. Nur ein Schiff hatte unter Wasser einen dicken Ast eingefangen und verlor relativ viele Plätze, bis der Kiel wieder frei geräumt war.“ Der Zieleinlauf der ersten Schiffe war dann wieder spannend wie selten. Fritz Trippolt mit der ‚Skinfit‘ führte lange Zeit souverän, stand dann aber an der letzten Bahnmarke 600 Meter vor dem Ziel in einem Flautenloch. „Das kann man mit einem alten Mann nicht mehr machen,“ gab sich der spätere Gewinner an Land erleichtert. „Ich dachte schon, das wird wieder wie im vergangenen Jahr, als die ‚Green Horny‘ auf den letzten Kilometern an uns vorbeizog.“ In diesem Jahr überholte ihn der ‚Sonnenkönig‘ – und ‚Green Horny‘ und die ‚Holy Smoke‘ hatten noch die Chance,  Trippolt auf den vierten Platz zu verweisen. Die ‚Skinfit fand jedoch dicht unter Land einen Brisenhauch aus Ost, kam wieder in Fahrt und querte die Ziellinie mit gut einer Minute Vorsprung.Der Gewinner des Blauen Bandes brauchte bei meist nordöstlichem Wind gut 9 Stunden und 30 Minuten für die 100 Kilometer lange Strecke von Lindau über Romanshorn, Konstanz, Überlingen und zurück nach Lindau. Gewinnerin des Blauen Pokals ist die Schweizer ‘Misia’, die als zehnte ins Ziel kam.Das Kleine Blaue Band holte Enrico Müller vom Windsurfclub Langenargen mit einer Duetta 94.Bei den Einrumpfbooten litt Steuermann Eric Monnin mit seinem ‚Monofoil Gonet‘ unter dem schwachen Wind und fuhr meist in Verdrängerfahrt. Foilende Boote können bei kräftigeren Winden wie auf Kufen aus dem Wasser kommen und dadurch kräftig beschleunigen.Insgesamt waren 305 Boote gestartet.„Wir hatten in diesem Jahr zum ersten Mal die Firma KWINDOO als Partner,“ so der LSC-Vorsitzende Karl-Christian Bay. „So konnten wir nicht wie früher nur einige wenige Schiffe tracken, heuer war fast das gesamte Feld im Internet abgebildet, die Zuschauer an Land konnten die Fahrt der gesamten RUND UM Teilnehmer verfolgen.“ Die RUND UM wird ermöglicht durch die boot Düsseldorf, MUSTO und KWINDOO.
Ergebnisse der RUND UM und Pressebilder in mittlerer Auflösung finden Sie auf der LSC-Homepage unter:https://www.lsc.de/rund-um-2019/

140 segelnde Schönheiten

Es war perfekt“ schwärmte Jens Burmester vom Rendezvous der Klassiker, dem Abschluss der Classic Week 2019.

Als es vor Kiel an den Start ging, hatten die Segler der klassischen Yachten bereits eine Woche mit vielen Regatten gesegelt. So sei es auch nicht so schlimm gewesen, dass aufgrund eines angesagten Kreuzfahrtschiffes, das dann doch nicht fuhr, der Start um 30 Minuten verschoben und die Strecke um ein Viertel gekürzt werden musste.

Etwa 540 Segler zeigten ihre 140 Schiffs-Schönheiten auf der Kieler Förde. Es sind deutlich mehr als im vergangenen Jahr. „Wir haben auch kleinere Schiffe aufgegriffen“, erklärte Jens Burmester vom Freundeskreis Klassische Yachten, der die Classic Week organisierte. Zudem liege das aber auch daran, dass das Rendezvous der Klassiker innerhalb der Classic Week liege. „Die Zahlen sprechen für sich“, freut sich Burmester. Es sei eine riesige bunte Mischung mit spannenden Wettfahrten gewesen.

Im Sonnenschein unter Spinnaker segelten sie von Eckernförde nach Laboe und jeder Segler freute sich über die Vielfalt der Schiffe. Denn allen bot sich ein buntes Bild, da die Startreihenfolge der Yachten verändert wurde. Zuerst wurden die vermeintlich langsamsten gestartet. „Es hat einige Überraschungen gegeben“, so Burmester. Denn so langsam waren diese dann doch nicht. Über die Hälfte der Wettfahrt lagen sie vorne, bevor sie von den schnelleren Jachten überholt wurden. „Das System hat sich sehr bewährt. Alle waren begeistert davon.“  Eine Wiederholung 2020 ist gewünscht.

Glitzern auf dem Wasser, Leuchten in den Augen

So konnten wir die Klassen bei einer östlichen Brise auf die Bahnen schicken. Es haben sich super segelbare Bedingungen entwickelt. Es war ein perfekter Tag, alle waren zufrieden.“ Der Blick voraus verheißt sogar noch eine Steigerung, denn Wetter-Experte Meeno Schrader verkündet weiterhin viel Sonne bei steigenden Temperaturen und zunehmender Thermik-Brise.

Unter diesen Voraussetzungen gelangen am Samstag vier Rennen bei den 29er-Skiffs, zwei bei den OK-Jollen, die vor Kiel um den EM-Titel kämpfen, und drei in den anderen neun internationalen Klassen.

Die OK-Jollen segelten auf der weit außen gelegenen Bahn und kämpften dort mit der schwächer ausgeprägten Thermik. Die Spitzensegler ließen sich aber auch dadurch nicht davon abhalten, sich in Szene zu setzen. Der Schwede Fredrik Lööf, Olympiasieger von 2012 im Starboot und bei den vergangenen beiden OK-Worlds jeweils Vize-Weltmeister, übernahm die EM-Führung vor Jan Kurfeld. Der Wismaraner hat als Titelverteidiger der Kieler Woche gute Erfahrung an die Förde und segelte im vergangenen Jahr auf WM-Rang drei. Den aktuell dritten EM-Rang nimmt der Neuseeländer Greg Wilcox ein, der Weltmeister von 2002. Noch nicht in Fahrt kam indes André Budzien (Schwerin). Der zweimalige OK-Weltmeister ist lediglich 15.

Für die Musto Skiffs ist die Kieler Woche eine wichtige Werbeplattform für das kommende Jahr. Dann soll in Eckernförde die Weltmeisterschaft gesegelt werden, und die Kieler-Woche-Teilnehmer werden nach den Tagen vor Kiel nach Eckernförde gehen, um dort das Revier zu testen. Bestens in Form ist Iver Ahlmann, der mit drei Siegen in drei Rennen klar die Führung inne hat. „Der Bootsspeed hat geholfen. Zweimal habe ich einen Start-Ziel-Sieg hingelegt, einmal musste ich mich etwas durch das Feld arbeiten“, berichtete der Büdelsdorfer. Die Verfolger, Niederländer Paul Dijkstra und der Brite Rick Peacock, werden in den kommenden Tagen Iver Ahlmann in den Fokus nehmen.

Mit Frithjof Schwerdt (Hamburg) ist ein ehemaliger Musto-Skiff-Weltmeister inzwischen in die Moth-Klasse umgestiegen und foilt nun zur Kieler Woche über die Förde. Allerdings muss er sich an die neue Klasse noch gewöhnen: „Der Umstieg von der Einheitsklasse auf eine Konstruktionsklasse ist schon enorm. Man muss viel am Boot arbeiten, um schnell zu sein und zu bleiben.“ Schwerdt ist derzeit Siebter, die Führung hat der Schweizer Adriano Petrino vor dem Kieler Max Lutz und Sven Kloppenburg (Ratzeburg) inne.

Max Lutz aus Kiel spielte seine Revierkenntnisse bei den foilenden Motten aus. Foto: segel-bilder.de/Kieler Woche

Am fleißigsten gingen am ersten Kieler-Woche-Regattatag die 29er auf Punktejagd. Sie schafften vier Wettfahrten, an deren Ende die dänische Mädchen-Crew Katrine Isaksen/Sarah Damgaard das Geschehen bestimmt. Trotz einer Frühstart-Disqualifikation haben sie die Führung vor Jonas Schupp/Moritz Hagenmeyer inne. Für die Crew vom Diessner SC ist die Kieler Woche ein wichtiger Gradmesser, nehmen sie doch im Juli für Deutschland an den Youth Worlds in Polen teil.

Bei den 505ern scheint sich schon nach dem ersten Tag mit drei Rennen ein Zweikampf zwischen den Kieler-Woche-Serien-Siegern zu entwickeln. Wolfgang Hunger (Strande) hat auf der Jagd nach seinem 22. Titel vor Kiel mit Holger Jess (Eckernförde) an der Vorschot derzeit die Führung inne – vor dem dänischen FD-Olympiasieger Jörgen Bojsen-Möller und dessen Bruder Jacob.

In den weiteren sechs internationalen Klassen in der ersten Hälfte der Kieler Woche gibt es drei internationale und drei deutsche Führungen. Während bei den Laser Radial die Niederländerin Emma Savelon an der Spitze steht, hat bei den jungen Laser 4.7 Ole Schweckendiek (Kiel) den Bug vorn. Die Europe-Klasse scheint die Däning Anna Livbjerg mit drei Siegen in drei Rennen fest im Griff zu haben, und mit dem gleichen Ergebnis dominieren die ungarischen Weltmeister Szabolcs Majthényi/András Domokos die Klasse der Flying Dutchman. Wechselhafte Ergebnisse bei den Contendern bringen nach drei Wettfahrten Utz Müller (Kempen) in die Rolle des Führenden. Ein fast schon gewohntes Bild ergibt sich beim Blick auf das Tableau der 2.4mR: Heiko Kröger (Hamburg) führt die Flotte der 22 Teilnehmer an.

Welcome-Race: Viel Sonne, langer Tag

Ein riesiges Feld in kleinen Häppchen wurde den Zuschauern am Sportboothafen Düsternbrook als Amuse-Gueule zur Kieler Woche serviert. 250 Yachten in 15 Starts gingen zwischen 9 Uhr und 12 Uhr auf den Seebahn-Kurs – mit durchaus unterschiedlichen Zielen: Während die Teilnehmer an der Aalregatta in einer Art Volkslauf die 28 Seemeilen von Kiel nach Eckernförde angingen, segelten die Aktiven des Welcome-Races den gleichen Kurs mit sportlicheren Ambitionen. Neu im Kieler-Woche-Startprogramm waren die Yachten nach ORC-Wertung im Kiel-Cup. Ihr Weg führte zwar auch bis zur Eckernförder Bucht, von dort aber zurück nach Kiel. Als Aufwärm-Programm für ihr großes Etappen-Rennen nach St. Petersburg/Russland nutzten die Nord-Stream-Yachten den Tag, während für die drei Ocean-Racer der Kieler-Woche-Auftakt ein interner Vergleich zweier Bootsklassen war.

Der nördliche Wind, der in die Kieler Innenförde hineindrückte, bescherte den Yachten einen anspruchsvollen Start in die Regatta. Statt wie häufig unter achterlichen Winden aus der Förde zu gleiten, mussten sie diesmal auf den ersten Meilen viele Kreuzschläge absolvieren. Der nachlassende Wind auf der Außenförde erleichterte die taktische Herausforderungen nicht und machte den weiteren Verlauf zu einer Nervenprobe. Auch für die Wettfahrtleitungen, die intensiv die meteorologischen Entwicklungen beobachteten, um eine Bahnverkürzung in Betracht zu ziehen. Die war aber nicht nötig, alle Crews wurden schließlich über den vollen Kurs geschickt. Allerdings war im Ziel schließlich Geduld gefordert. „Das Ziel war bis 19.30 Uhr offen. Und das haben die letzten Yachten auch gebraucht“, berichtete Wettfahrtleiter Ralf Paulsen von einem langen Tag auf See, nach dem auch noch die Auswertung anstand.

Zügig unterwegs war hingegen die „Ember Sea“ von Jens Burmeister (Rostock). Die Brenta 55 war in der ersten Startgruppe des Welcome-Race und um 14.45 Uhr auch erste Yacht im Ziel. Noch schneller waren indes die um 12 Uhr gestarteten Ocean Racer. Die frisch getaufte „Einstein“ des Offshore Team Germany (OTG), ein Imoca Open 60, und die beiden VO65 „Akzonobel“ und „Brunel“ boten zum Start ein seltenes Bild in Kiel, nutzten den weiteren Verlauf aber eher zum Bootstest. „Den Start haben wir gewonnen. Danach ist Chris Nicholson auf der ‘Akzonobel’ aber deutlich vorbeigezogen. Sie hatten den Vorteil des Code-Zero. Wir mussten auf das große Vorsegel noch verzichten“, berichtete OTG-Teammanager Jens Kuphal (Berlin).

Altbundeskanzler Gerhard Schröder war beim Nord Stream Race mit seiner Ehefrau Soyeon Schröder-Kim an Bord der ClubSwan 50.  Foto: www.segel-bilder.de

Auch für die internationale Flotte des Nord Stream Races fiel der erste Tag der Kieler Woche unter das Motto „Aufwärmen“. Die Inshore-Wertung mit drei Wettfahrten gewann das Team Schweden vor der deutschen Mannschaft vom NRV Hamburg. Besonderer Gast an Bord war Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder mit seiner Frau Soyeon Schröder-Kim. Schröder wird am Sonntag den Startschuss für das Etappenrennen von Kiel nach Kopenhagen über Stockholm und Helsinki nach St. Petersburg geben. „Das war heute ein guter Auftakt für das Nord Stream Race. Und Gerhard Schröder hat Spaß gehabt“, sagte Oliver Schwall von der Agentur Konzeptwerft, Vermarkter des Rennens.

Zufrieden zeigte sich auch die Regattavereinigung Seesegeln. Die RVS hatte in Absprache mit den Kieler-Woche-Organisatoren eine Umgestaltung des Kiel Cups umgesetzt. Die ORC-Yachten segeln ihren Cup nun von Samstag bis Dienstag und kehren damit am Samstag gleich wieder nach Schilksee zurück, statt in Eckernförde zu übernachten. „Das muss sicher noch etwas mehr publik gemacht werden, damit es mehr Mannschaftren annehmen. Aber es ist auf jeden Fall eine Straffung des Programms“, sagte Bendix Hügelmann, der Zweite Vorsitzende der RVS. Er selbst hatte allen Grund, den Tag zu genießen, gehörte er doch an Bord der „Sportsfreund“ zur siegreichen Crew in der ORC I+II um Steuermann Gordon Nickel (Stade). Die Klasse ORC III gewann die „Immac Fram“ von Steuermann Kai Mares (Dänischenhagen).