Archiv der Kategorie: blauwasser.de

Gekenterte Segelyacht. Dramatischer Seenotfall auf der Jade.

Vier Personen in Seenot

Etwa auf halber Strecke zwischen den beiden Sielhäfen Hooksiel und Horumersiel im Wangerland ist am Sonntagnachmittag, 5. Mai 2019, ein rund zehn Meter langer Jollenkreuzer aus Horumersiel auf der Außenjade eine knappe Dreiviertelseemeile vor der Küste gekentert. Vier Menschen befanden sich in Seenot.

Die Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS) war schnell vor Ort und konnte drei der vier Besatzungsmitglieder lebend an Land bringen. Einer 49-jährigen Frau hingegen konnten die Seenotretter nicht mehr helfen. Ihre sofortige Wiederbelebung blieb erfolglos.

Zehn Minuten nach der Alarmierung vor Ort

Bereits zehn Minuten nach der Alarmierung waren die Seenotretter vor Ort. „Drei Männer saßen auf dem Rumpf des gekenterten Bootes“, berichtet Seenotretter Michael Schmitz, Schiffsführer des Tochterbootes. Eine weitere Person befand sich bewusstlos im Wasser. Inwieweit Rettungswesten getragen wurden ist unklar.

Die bewusstlose Person wurde über die Bergungspforte von den Rettungsmännern an Bord der JOHANN FIDI genommen. Sie begannen sofort mit der Wiederbelebung konnten die 49-Jährige Frau jedoch nicht mehr retten.

Drei Segler harrten auf dem Rumpf aus

Während der Rettungsaktion stiegen zunächst zwei der drei 55, 28 und 26 Jahre alten Segler vom Rumpf der gekenterten Yacht ebenfalls auf das Tochterboot über. „Der Schiffsführer selbst stand stark unter Schock, wir mussten ihn mehrfach nachdrücklich auffordern, ebenfalls überzusteigen“, sagt Schmitz. Einer der anderen beiden Segler unterstützte die Seenotretter bei der Reanimation der Frau.

Die Seenotretter hatten den Landrettungsdienst alarmiert. Im Hafen von Hooksiel übergaben sie die Geretteten an Feuerwehrleute und die Besatzung des Rettungshubschraubers „Christoph 26“ aus Sande, der direkt am Liegeplatz der BERNHARD GRUBEN gelandet war. Alle Bemühungen, die 49-jährige Frau zu retten, blieben erfolglos.

Seenotkreuzer BERNHARD GRUBEN – Foto: Die Seenotretter – DGzRS

Das Seenotrettungsboot BALTRUM der Freiwilligen-Station Horumersiel nahm die kieloben treibende Segelyacht auf den Haken, um sie aus dem Gefahrenbereich zu schleppen. „Sie driftete Richtung See und drohte, ins Jadefahrwasser zu treiben“, beschreibt Günter Ihnken, Vormann der BALTRUM, die Situation. Das Seenotrettungsboot schleppte den Havaristen an die Wattkante und legte ihn dort vor Anker. Die Seenotretter informierten die Verkehrszentrale über das Schifffahrtshindernis.

Zur Unglückszeit herrschte auf der Jade Nordwind der Stärke fünf Beaufort mit ein bis anderthalb Metern Seegang bei ablaufendem Wasser. Alle vier Segler stammen aus Niedersachsen. Die Wasserschutzpolizei Wilhelmshaven hat die Ermittlungen zur Unglücksursache aufgenommen.

Nach Angaben der Segelzeitschrift YACHT war die erfahrene Crew unter Spinnaker unterwegs als eine Böe einfiel. Vermutlich kam es zu einem Sonnenschuss mit schweren Folgen.

Der Beitrag Gekenterte Segelyacht. Dramatischer Seenotfall auf der Jade. erschien zuerst auf Blauwasser.de.

Erfahrungsbericht: Vorausschauendes Echolot von GARMIN (Panoptix)

Was passiert vor dem Bug?

Die Technik an Bord von Blauwasseryachten nimmt immer mehr zu und immer mehr Informationen stehen auf Knopfdruck zur Verfügung. Ob das immer ein Segen ist, sei mal dahingestellt. Auf jeden Fall hat dieser Trend dazu geführt, dass ich mich gefragt habe, ob ein klassisches Echolot, das nur nach unten und nicht nach vorne schaut, eigentlich noch zeitgemäß ist. Das war im letzten Sommer, als ich gesehen habe, dass der Navigationsgerätehersteller GARMIN mit dem Panoptix-Geber ein interessantes Modell auf den Markt gebracht hat.

Der Panoptix-Geber PS51-TH

GARMIN verspricht, dass man mit dem Geber in einem Winkel von 20 Grad in der horizontalen und 90 Grad in der vertikalen Ebene bis zu 90 Meter vorausschauend den Meeresboden lesen kann. Außerdem misst der Geber die Wassertemperatur.

Da wir viel in Tidenrevieren und Schärengewässern unterwegs sind, hat mich das neugierig gemacht. Die Vorstellung, den Meeresboden mehrere Schiffslängen im Voraus zu scannen, fand ich spannend. Deshalb habe ich mir von GARMIN den Panoptix PS51-TH-Geber samt Montagesatz zusenden lassen und bei uns im Schiff eingebaut.

Von oben gut zu sehen – der Scanbereich von 20 Grad in der horizontalen Ebene.

Einbau des Panoptix-Gebers

Wichtig ist, den passenden Montageort für den Geber zu finden, der mit einer entsprechenden Einbauhülse aus Edelstahl für den Rumpfdurchbruch geliefert wird. Dabei müssen zwei Dinge beachtet werden. Erstens: Der Geber guckt anders als klassische Echolotgeber aus dem Rumpf heraus. Zweitens: Der Geber muss in Abhängigkeit von der Rumpfform an einer bestimmten Stelle montiert werden, da andernfalls unbrauchbare Ergebnisse entstehen.

Der eingebaute Geber guckt aus dem Rumpf.

Das klingt kompliziert, ist dank der mitgelieferten Anleitung jedoch kein Problem. Dort ist alles ausführlich beschrieben. Wer beispielsweise einen Kurzkieler sein Eigen nennt, muss den Geber 30 bis 60 Zentimeter vor dem Kiel in der Nähe der Mittelachse einbauen. Außerdem soll der Geber an einem flachen Ort mit einem Rumpfquerschnittswinkel von weniger als 6 Grad montiert werden – andernfalls ist ein entsprechender Anpassblock zu verwenden, der ebenfalls zum Lieferumfang gehört und mittels dessen Schrägen bis 20 Grad ausgeglichen werden können.

Der Rumpfquerschnittswinkel wird ermittelt.

Hinweis zum Rumpfquerschnittswinkel: Der Rumpfquerschnittswinkel ist der Winkel zwischen einer horizontalen Linie und dem Schiffsrumpf an einem einzelnen Punkt. Man kann den Rumpfquerschnittswinkel mit einer Smartphone-App, einem Winkelmesser, einem Gradmesser oder einem digitalen Nivelliergerät messen. Je nach Form des Rumpfes kann ein Schiff mehrere Rumpfquerschnittswinkel haben. Wichtig ist nur, den Rumpfquerschnittswinkel am Ort der Montage zu ermitteln.

Weitere Informationen zur Geber-Installation gibt es hier.

Anschluss des Panoptix-Gebers

Die Verkabelung des Gebers ist relativ unkompliziert. Er wird mit zwei Kabeln ausgeliefert. Das eine ist für die Stromversorgung (Spannung: 10 bis 35 Volt, Leistung: 10 Watt, Sicherung nicht vergessen). Das andere ist das Datenkabel (RJ45-Stecker). Die Datenleitung wird mit dem GARMIN-Netzwerk oder direkt mit einem GARMIN-Plotter verbunden. Welche Anzeigegeräte kompatibel sind, kann über die Homepage von GARMIN ermittelt werden.

Weitere Informationen zur Kompatibilität der Geräte gibt es hier.

Der Panoptix-Geber in der Praxis

Interpretation des Bildes

Bevor ich weiter ins Detail gehe, möchte ich einmal kurz aufzeigen, wie das Bild generell gelesen wird. Dazu habe ich den nachstehenden Screenshot eingefügt.

Auf diesem Screenshot beträgt die aktuelle Wassertiefe 21,8 Meter und die Wassertemperatur 23,80 Grad Celsius. Der Geber sitzt im Screenshot links oben in der Ecke. Am oberen Bildrand ist die Entfernung zum Geber zu sehen. Am linken Bildrand die Wassertiefe.

Das bedeutet: 20 Meter vor dem Geber beträgt die Wassertiefe rund 17 Meter. 60 Meter vor dem Geber hingegen beträgt die Wassertiefe nur noch zehn Meter. Es wird also langsam flacher.

Reichweite des Panoptix-Gebers

Generell kann der Geber den Grund bis zu 90 Meter weit analysieren – das sind 300 Fuß. Allerdings auch nur bis zum acht- bis zehnfachen der aktuellen Tiefe. Ist es nur drei Meter tief, kann nicht weiter als 30 Meter vorausgeschaut werden.

Das ist gut in dem folgenden Beispiel aus dem Flachwasserbereich zu sehen. Da der Geber nur bis zum Zehnfachen der Wassertiefe messen kann, ergibt es keinen Sinn, den Bereich von 45 bis 90 Meter darzustellen. Daher hat das Gerät die Skalierung automatisch angepasst. Diese Funktion kann im Menü ein- oder ausgeschaltet werden.

Einfluss des Abstrahlwinkels

Wie eingangs erwähnt, schaut das Echolot in der horizontalen Ebene in einem Winkel von 20 Grad nach vorne. Dabei ist es gleichgültig, wo in diesem Korridor die flachste Stelle ist. Es wird immer der flachste Wert genommen und auf dem angeschlossenen Plotter als Punkt dargestellt. Mit anderen Worten: Ich erhalte kein dreidimensionales Bild, sondern ein zweidimensionales Bild, wie es die vorstehende Grafik ja auch schon gezeigt hat.

Das bedeutet im Umkehrschluss, dass das Ergebnis in größerer Entfernung ungenau wird. Damit meine ich: Ist es 35 Meter vor dem Geber am backbordseitigen Rand des Kegels 6,5 Meter tief und am steuerbordseitigen Rand acht Meter tief, wird das Gerät immer den flacheren Wert von 6,5 Metern anzeigen – wie es auf dem folgenden Bild auch zu sehen ist (roter Kreis).

Es wird ein zweidimensionales Bild ausgegeben und der flachste Wert gezeigt.

Das ist eine wichtige Information bezüglich der Auswertung der Bilder – vor allem vor dem Hintergrund, dass der Winkel des Kegels in der horizontalen Ebene 20 Grad beträgt. Um besser zu verstehen, was diesbezüglich ein Winkel von 20 Grad bedeutet, liste ich einmal auf, wie breit der Korridor in der entsprechenden Entfernung ist.

Abstand zum Geber –> Breite des Korridors
10 Meter –> 3,5 Meter
30 Meter –> 10,6 Meter
50 Meter –> 17,6 Meter
70 Meter –> 24,7 Meter
90 Meter –> 31,7 Meter

Das Verhältnis liegt also bei ungefähr 3:1. Das bedeutet: In 50 Metern Entfernung wird in einem Korridor von etwa 18 Metern Breite die flachste Stelle auf dem Gerät ausgegeben. Im offenen Wasser sollte dies keine große Problematik mit sich bringen. Bei Fahrten in engen Fahrwassern, wie beispielsweise den Schären, oder auf Flüssen und Kanälen kann dieser Effekt jedoch dazu führen, dass das Ufer in den Korridor hineingerät und optisch auf dem Plotter suggeriert, dass vor dem Bug nicht mehr genug Wasser vorhanden ist. Den gleichen Effekt hätte man beim Passieren einer Spundwand, wie das folgende Bild zeigt.

Die Wand im Bild befindet sich rund 18 Meter vor dem Bug. Sie entsteht durch Fahrt entlang einer Spundwand. Für die Interpretation bedeutet dies, dass ich in so einem Fall beobachten muss, ob die Flachstelle näher kommt oder immer gleich weit entfernt bleibt. Das ist ein wenig verwirrend, aber unter dem Strich ja durchaus sinnvoll.

Zur Verdeutlichung: Ich konnte diesen Effekt beispielsweise in Holland auf dem Noordzeekanaal zwischen Amsterdam und IJmuiden feststellen. Wir sind hier recht nah am Ufer gefahren. Genau genommen sind wir bewusst exakt parallel zum Ufer gefahren und hätten somit immer die gleiche Wassertiefe in der Vorausschau sehen müssen. Etwa 10 bis 11 Meter.

Dadurch, dass der Kegel jedoch die angesprochene Öffnungsweite von 20 Grad hat, kam, je weiter voraus wir gemessen haben, immer mehr Ufergefälle in den Kegel. Das zeigt das folgende Foto vom Display.

Die gemessene Tiefe unter dem Schiff ist 10,8 Meter. Rund 20 Meter voraus ist es nur noch neun Meter tief und in 30 Metern Entfernung nur noch sieben Meter. Wir haben den Kurs gehalten und die flacheren Werte sind nicht nähergekommen. Dann ist alles in Ordnung.

Dieser Effekt sollte bei der Interpretation bekannt sein. Im Extremfall kann es sogar sein, dass unter Wasser eine Wand zu sehen ist. Solange sie nicht näher kommt, ist alles gut!

Apropos „Wand“. Man kann auch die eigene Ankerkette mit dem Geber sehen. Das zeigt das folgende Bild recht gut. Es handelt sich um die rote Linie vor dem Bug. Das Signal ist nicht sehr stark und wird daher rot dargestellt. Größere Fische erscheinen übrigens in der gleichen Art und Weise – als roter Fleck.

Verschiedene Ansichten

Es gibt zwei verschiedene Ansichten. Die eine zeigt die tatsächlich empfangenen Daten. Die andere ein grafisch aufbereitetes Bild. Die tatsächlich empfangenen Daten sehen so aus:

Es ist 32,4 Meter tief, und im Bereich 10 Meter bis 50 Meter vor dem Geber gibt es in 30 Metern Wassertiefe Echos (rot-gelbe Fläche). Diese Information wird grafisch aufbereitet, sodass dann dieses (besser lesbare) Bild entsteht.

Das Ergebnis ist das gleiche. Allerdings wird der Bereich ab 50 Metern Entfernung grafisch hinzugedichtet. Was man auch daran erkennt, dass er sehr dunkel ist und kaum noch Echo-Konturen aufweist (braune Schattierungen).

Grenzen der Technik

Hier ein anderes Beispiel für einen ansteigenden Meeresboden. Auf dem folgenden Bild ist die Seekarte zu sehen:

Der Anstieg des Meeresbodens ist klar zu erkennen. Als Referenz für den Maßstab kann die 80-Meter-Linie am unteren Rand des Seekarten-Bildes genutzt werden.

Auf dem grafisch aufbereiteten Bild ist der Anstieg ebenfalls sehr gut zu erkennen. Die Messungen des Panoptix-Gebers sind eine wertvolle Hilfe.

Schwieriger wird es, wenn das ganze anders herum passiert – also wenn der Meeresboden schnell abfällt und es tiefer wird. Das kann das Echolot nicht sehen beziehungsweise anzeigen. Genau genommen ist das aber ja auch nicht wichtig. Schließlich wollen wir für gewöhnlich wissen, wenn es zu flach wird und nicht wenn es zu tief wird.

Logischerweise geht das Panoptix auch nicht beim Rückwärtsfahren. Das am Rumpf vorbeiströmende Schraubenwasser sorgt dafür, dass das Echo unsauber wird.

AHRS-Sensor zur Bewegungsstabilisierung

Außerdem ist das Panoptix mit einem sogenannten AHRS-Sensor zur Bewegungsstabilisierung ausgestattet. AHRS steht für „Attitude Heading Reference System“. Damit werden unter anderem Rollbewegungen und Kursänderungen erfasst. So kann das aufbereitete Bild bei rauer See besser und ruhiger dargestellt werden.

Einsatz bis acht Knoten Speed

Von der Bauart her kann der Panoptix-Geber, der ja aus dem Rumpf herausragt, bis zu einer Geschwindigkeit von 45 Knoten verwendet werden. Vorausschauende Tiefenangeben wiederum können nur bis zu einer Geschwindigkeit von acht Knoten ermittelt werden.

Der Geber schaut aus dem Rumpf heraus.

Kranen

Da der Geber, wie angesprochen, aus dem Rumpf herausragt, muss beim Kranen darauf geachtet werden, dass die Krangurte nicht den Geber beschädigen. Bevor wir unser Schiff im Winter aus dem Wasser kranen, ziehen wir daher den Geber vorher raus und stecken einen Blindstopfen, der zum Lieferumfang gehört, in den Rumpfdurchlass.

Dabei schießt natürlich kurzzeitig Wasser in das Boot. Als Größenordnung: Es kommen etwa zehn Liter Wasser in das Schiff – wenn man schnell ist 🙂

Fazit

Ich persönlich empfinde das vorrauschauende Echolot als Bereicherung an Bord. In schwierigen Gewässern mit unklaren Tiefenverhältnissen macht es das Leben leichter. Beispielsweise in einem Tidenrevier, wenn über eine Barre in einen Fluss eingesteuert wird. Die Berechnung der Tide ist dann das eine. Die Überprüfung der Realität im Display das andere. Das gibt mehr Sicherheit.

Allerdings ist es wichtig, sich mit der Interpretation der Daten vertraut zu machen, da andernfalls Fehlinterpretationen entstehen können und dann wird das Leben alles andere als einfacher 🙂

Unterm Strich kann man sagen: Grundberührungen sind kostspielig, gefährlich und vor allem oft vermeidbar. Mit diesem Gerät werden sie noch vermeidbarer!

In diesem Sinne wünsche ich immer eine Handbreit Wasser unter dem Kiel.

Offizielles Video des Herstellers

Falls es interessiert: Hier noch das offizielle Video des Herstellers:

Der Beitrag Erfahrungsbericht: Vorausschauendes Echolot von GARMIN (Panoptix) erschien zuerst auf Blauwasser.de.

Törnbericht: Mit der Charteryacht von Heiligenhafen nach Kopenhagen

Der Südosten Dänemarks ruft!

Der Himmel ist blau und wolkenlos, kein Windhauch kräuselt die See, in der späten Nachmittagssonne spiegeln sich die Rümpfe und Masten der Boote im Hafenbecken. Auf dem Parkplatz davor laden Segler die Inhalte ihrer Kofferräume auf rote Handkarren, auf den Stegen stapeln sich Taschen, Seesäcke mit Bettzeug und Proviantkisten. Stützpunktmitarbeiter flitzen von Boot zu Boot, Kinder keschern Krebse und Väter stecken ihre Köpfe tief in Backskisten. Übergabetag auf der Charterbasis Heiligenhafen, Sommerferien in Deutschland.

Graswarder heißt der idyllische Nehrungshaken hinter dem Hafen Heiligenhafen.

Nebenan im Fischereihafen ist Volksfeststimmung, zehn Tage Hafenfest wie jedes Jahr, mit Riesenrad, Livemusik, Fischbude, Zuckerwatte und Feuerwerk. Die Sonne wirft ihre letzten Strahlen über den Horizont, von ganz oben aus dem Riesenrad lasse ich den Blick über den Hafen schweifen, vor mir liegt ein Meer aus Masten in Miniaturformat, die aussehen wie glühende Wunderkerzen. Dahinter glänzt der Graswarder, dieser idyllische Nehrungshaken mit seinem kilometerlangen Strand und dem Dutzend reetgedeckter Ferienhäuser. Dann erst kommt ein schmaler Streifen tief dunkelblaue Ostsee, am Horizont liegt Fehmarn, irgendwo dahinter das Ziel unserer Sommerreise – Kopenhagen.

Anders als im Mittelmeer finden sich an der Ostsee mehr besondere Charterboote.

Sportlich: mit der Familie auf einer Performance-Yacht

Unser Charterschiff, die PUNTA D’ORO, ist eine regattatauglich ausgestattete Salona 38 race und eine Verlegenheitslösung. Der Plan, nach Kopenhagen zu segeln, entstand spontan. „Sorry, aber die typischen Familienschiffe sind immer schon früh im Jahr ausgebucht“, hatte Dirk Kadach vom Charterzentrum Heiligenhafen erklärt, „wir haben nur noch große 50-Fußer oder die Salona.“ Niemand aus meiner Familiencrew ist Regattasegler, mit Kindern an Bord gibt es andere Themen als Speed und Segeltrimm. Doch die Zeiten von Windelnwechseln, Trotzphasen und Schwimmkursen sind Schnee von gestern. Warum also nicht?

Wer durch die Ostsee nach Kopenhagen segelt, hat auch ein paar schöne Seestrecken vor sich.

Der erste Eindruck am Steg: „Cooles Schiff“, sagt meine Tochter Nora. Das Heck ist offen, die beiden Steuerräder schweben frei an schräg aus dem Aufbau ragenden Steuersäulen, im Cockpit gibt es weder Tisch noch Gerätekonsole, dafür eine in den Boden eingelassene Travellerschiene. Die Yacht ist ausgerüstet mit Lattengroß, Gennaker, Spinnakerbaum und zusätzlichen Cockpitwinschen. Ich gerate ins Träumen: Ist das im Ansatz nicht fast schon ein Open 40, mit denen die Regattaprofis in Gleitfahrt Ozeanwellen mit hohen zweistelligen Geschwindigkeiten surfen?

Von den deutschen Ausgangshäfen aus liegt Kopenhagen im Nordosten. Karte: Webapp Navionics

Naja. Im Fachjargon nennt man solche Schiffe eher Performance Cruiser. Und die Etappen auf einer Reise von Heiligenhafen nach Kopenhagen heißen Gedser, Klintholm und Rødvig. Auf dem Hinweg sind das 120 Seemeilen, wer etwas sehen und nicht wie die Profis durch die Nacht preschen möchte, der sollte für eine Rundreise von Heiligenhafen nach Kopenhagen und zurück zehn Tage einplanen.

Erster Stopp: Gedser

Das erste Etappenziel ist eine Enttäuschung: Gedser hat nicht viel mehr zu bieten als einen solide geführten Hafen in grüner Umgebung. Der Ort selbst ist der südlichste ganz Skandinaviens und geprägt von einem riesigen Parkplatz und dem Fährhafen der Reederei Scandlines. Im Zweistundentakt legen die Fähren hier ab, Ziel: Rostock. Der Rest des Ortes mit seinen 700 Einwohnern wirkt trostlos, selbst in der Hauptsaison.

Auf der Werfthalle von Gedser wird dänischer Lokalpatriotismus praktiziert .

Wunderschön: die Kreidefelsen von Klintholm

Ganz anders Klintholm, das zweite Etappenziel, gelegen im Südosten der Insel Møn. Eine Gegend mit leicht hügeliger Landschaft, vielen grünen Feldern und dem Markenzeichen der Insel, den Kreidefelsen. „Das Schöne an Klintholm sind seine feinsandigen Strände, die bis an beide Seiten des Hafens reichen“, hatte unser Liegeplatznachbar in Gedser erzählt.

Der Kreidefelsen von Møns Klint ist in Dänemark so bekannt wie der Königsstuhl auf Rügen.

Unverbaut, naturbelassen und kilometerlang eignen sich die feinsandigen Strände zum Baden und Spazierengehen, für Familiencrews ist Klintholm ein Ort mit Suchtpotenzial. Auch, weil der in Yacht- und Fischereibecken aufgeteilte Hafen ein charmantes Flair besitzt, mit Ferienhäusern direkt am Hafen, Fischräucherei, Hafenrestaurant und kleinem Supermarkt.

Direkt hinterm Hafen beginnt der lange und feinsandige Strand von Klintholm.

50 Seemeilen liegen zwischen Klintholm und Kopenhagen

Doch wir wollen raus. Raus auf See. Irgendwie sind wir seit Beginn der Reise mit unserer Renn-Charteryacht am liebsten auf dem Wasser. Zum Glück dominieren Sommer, Sonne und Leichtwind. „Irre, wie das Schiff ohne viel Wind trotzdem so schnell ist“, freut sich meine Frau Karen. Wir machen fünf, sechs Knoten Fahrt unter Bedingungen, bei denen auf anderen Booten schon längst der Flautenschieber zum Einsatz gekommen wäre. Jeder zusätzliche Windhauch wird sofort in Geschwindigkeit umgesetzt, aber auch in Schräglage. „Keine Ahnung, wie gut wir mit diesem leichtfüßigen Schiff bei ruppigen Bedingungen zurechtkommen“, gebe ich zu bedenken.

Jeder Windhauch wird auf der Salona in Geschwindigkeit übersetzt – und in Schräglage.

Doch die sind nicht in Sicht. Die sommerliche Ostwindlage dreht Richtung Süd, wieder sind für den nächsten Tag nur zwei bis drei Windstärken angesagt. Bis nach Kopenhagen sind es 50 Seemeilen, der einzige logische Zwischenstopp ist Rødvig. Wir grübeln über Seekarte und Törnführer, „können wir bei dem Wind nicht nonstop bis Kopenhagen segeln und Rødvig für den Rückweg aufsparen?“, fragt Karen.

Die Tage im Sommer sind lang, auch lange Etappen können problemlos bei Tageslicht gesegelt werden.

Der Himmel ist gelborange, das Deck nass vom Tauwasser, im Nordosten kriecht die Sonne über den Horizont. Es ist kurz nach fünf, die Kinder schlafen noch, der Wasserkessel dampft und an Backbord leuchtet Møns Klint, die höchste Steilklippe Dänemarks. Drei Seemeilen lang zieht eine bis zu 128 Meter hohe Kreideküste vorüber, die hoch oben bis zur Abbruchkante bewaldet ist. Dicht unter der Küste hat ein einsamer Ankerlieger das ruhige Wetter genutzt und die Nacht vor dieser imposanten Kulisse verbracht. „Sieht echt hübsch aus“, findet mein Sohn Jakob, der kurz seinen Kopf aus dem Niedergang streckt.

Ein einsamer Ankerlieger hat bei ruhigen Bedingungen die Nacht am Kreidefelsen verbracht.

Mit Nordkurs und einem Becher heißen Kaffee in der Hand geht es dem freien Horizont entgegen Richtung Kopenhagen, „ich liebe diese Morgenstimmung“, sagt Karen. Das milde Licht, die einsetzende Sonnenwärme und die Einsamkeit auf dem Wasser erzeugen einen inneren Frieden, für den es keinen Yogakurs und kein Schweigeseminar braucht. Doch dann kommt das Kommando zum Setzen des Gennakers, ein Segel, das für die Familiencrew nicht zum Standardrepertoire gehört.

Auf der PUNTA D’ORO ist das „bunte Tuch“ schwarz und häufig im Einsatz.

Vorliek, Hals, Talje, Bugbeschlag, Schotenführung – wer nur gelegentlich mit dem Segel hantiert, muss vor dem Manöver ein paar Rätsel lösen. Dann zieht das Fall das leichte, schwarze Tuch in die Höhe, das Stoffknäuel raschelt im Wind, „sind da jetzt auch keine Knoten drin, Papa?“, stellt Jakob die Frage, die alle an Bord beschäftigt. Das Fall ist oben, die Schot kommt dicht, mit einem lauten „Plopp“ öffnet sich das Segel. Der runde Ballon steht herrlich prall im leichten Wind, das Schiff zieht an, „toll, was wir mit diesem Boot alles für Optionen haben“, stelle ich erfreut fest.

Vorsicht Leinensalat: Beim Segeln mit Gennaker werden die Leinen nicht weniger.

Kopenhagen: Hauptstadt mit Welthafen

Kopenhagen. Die dänische Hauptstadt liegt an einer bedeutenden Schifffahrtsroute, dem Øresund. Dieser verbindet die Ostsee mit dem Kattegat und markiert die Grenze zwischen Dänemark und Schweden. Über ihn spannt sich eine gigantische Brücke, die später in einen Tunnel übergeht, seit dem Jahr 2000 sind die Metropolregionen Kopenhagen und Malmö miteinander verbunden.

Eine gigantische Brücke verbindet Dänemark und Schweden.

Für Segler gibt es bei der Ansteuerung von Kopenhagen abseits des Fahrwassers für die dicken Pötte genug Platz.

Bei der Ansteuerung kommen viele Fähren und Frachter, Fischer und Segler in Sicht, es gibt Verkehrstrennungsgebiete, abzweigende Fahrwasser, zahlreiche Leuchtfeuer, Untiefentonnen, Windparks und Inseln, dazu große Hafenanlagen. Aber: „Man braucht sich vor diesem Welthafen nicht zu fürchten“, schreibt Jan Werner in seinem Törnführer als einleitenden Satz zu Kopenhagen.

Weit zu sehen – der Windpark vor Kopenhagen.

Auf dem Weg zum Zentrum passieren wir mit unserer Charteryacht erst das alte Wahrzeichen der Stadt, die Bronzeskulptur der Kleinen Meerjungfrau, kurz darauf das neue Wahrzeichen: ein 335-Millionen-Euro-Geschenk des Reeders Mærsk Møller, ein Opernhaus am Wasser. Das liegt genau gegenüber vom Schloss Amalienborg, der Stadtresidenz von Königin Margarethe II, dazu in Sichtweite der Konzernzentrale des Stifters.

Auch Kopenhagen hat mit dem Opernhaus am Wasser ein Kulturwahrzeichen geschaffen.

Hinter dem Opernhaus muss man sich entscheiden. Links geht es zu den Liegeplätzen des Christianshavn Kanal, dort herrscht „eine Atmosphäre, wie man sie sonst in Europa nur noch in einer Amsterdamer Gracht findet“, schreibt Jan Werner.

Blick über den Christianshavn – Foto: Janne Brauckmann.

Doch wir biegen nach rechts ab, mitten in das touristische Epizentrum der Stadt, rein in den postkartenschönen Nyhavn. Was einen Segler in diesem kurzen, schmalen Kanal erwartet? Bunte Häuserfassaden, Menschenmassen, hölzerne Traditionsschiffe, Cafés, Restaurants, musizierende Straßenkünstler und Ausflugsboote im Minutentakt.

Der Nyhavn ist die Touristenattraktion von Kopenhagen – mit Liegeplätze für Yachten.

Eine Art Parkuhr kassiert das Liegegeld, 300 Kronen, umgerechnet 40 Euro. Frau und Tochter möchten die Strøget ansteuern, die älteste und längste Einkaufsmeile Europas. Hier und in den Nebenstraßen gibt es nicht nur die internationalen Ketten, sondern auch skandinavisches Möbeldesign und lokale Modelabels. Wir Männer entdecken neben dem Liegeplatz einen Segway-Vermieter und brausen mit E-Power durch die Stadt. Vorbei an wunderschönen klassizistischen Häuserfassaden, zum Wachwechsel der königlichen Leibgarde vor dem Schloss Amalienborg, rüber nach Christianshavn, in den Stadtteil mit seinen bunten Stadthäusern direkt am Kanal, seinen engen Kopfsteinpflastergassen und alternativen Bewohnern.

Zu festgelegten Zeiten tauscht die Leibgarde vor dem Schloss Amalienborg ihr Personal.

Dänemarks Hauptstadt ist jung, lebendig und international

Dänemarks grüne Hauptstadt hat sich mit seinen knapp 600.000 Einwohner zu einer echten Metropole mit moderner Architektur, avantgardistischen Museen und einem ausgefallenen Nachtleben gemausert – jung, lebendig und sehr international. Im Nyhavn sitzen die Menschen abends samt Picknick und Weinflasche am Kanal. „So ein Liegeplatz mittendrin ist toll“, findet Karen, „hier könnte ich Tage bleiben.“

Im Nyhavn haben die Kneipen und Restaurants bis spät in die Nacht geöffnet.

Kurs Rødvig – viele Stellnetze, reizvolle Umgebung

An Tag sechs aber wird es Zeit für die Rückreise, das Tagesziel heißt Rødvig, der gepflegte Hafen in der Provinz ist ein Kulturschock. Mit roten Fischerhäuschen auf der Pier und geklinkerten Einfamilienhäusern im Ort, mit Duschmarke, Fahnenmast, Blumenkübel und Hafenkiosk. Ein sicherer Hafen mit schwieriger Anfahrt, in der ganzen Umgebung stehen bis weit vor der Küste Stellnetze im Weg. Lediglich zum Hafen führt eine Art trichterförmige Zufahrt. Die einschlägigen Törnführer empfehlen etwa 1,5 Seemeilen Abstand zur Küste.

Doch die Umgebung ist reizvoll: Am Strand entlang geht es zu den weißen Kalksteinklippen von Stevens Klint. Wandert man bis Højerup, sieht man eine uralte Kirche am Abgrund stehen. Der Altarraum ist bereits abgestürzt, der Rest der Kirche wurde gesichert, von einem Balkon aus gibt es einen tollen Ausblick über die steilen Klippen und die dunkelblaue Ostsee hinweg bis zum Horizont.

Von den steilen Klippen bei Højerup aus hat man einen tollen Blick über die Ostsee.

Der Bøgestrom – Tiefgang beachten!

Dann treffen 1,98 Meter Tiefgang auf zwei Meter Solltiefe, zwischen Møn und Seeland führt der Bøgestrom hindurch. „Ich habe auch fast zwei Meter Tiefgang und bin da schon häufig durchgefahren, das ist kein Problem“, hatte uns ein befreundeter Ostseekenner mit auf den Weg gegeben. Schwache, achterliche Winde wehen unser Charterschiff durch den Tonnenstrich, plötzlich, mitten im Fahrwasser und genau zwischen einem Tonnenpärchen, macht es einen Satz. Der Kiel rumpelt über den Sand, die Crew erschrickt, dann geht es weiter, als wäre nichts geschehen. Waren wir zu optimistisch? Ist die Rinne ungenügend ausgebaggert? Oder der Wasserstand einfach zu niedrig?

Vorsicht im Bøgestrom – die Zufahrt Richtung Smålands-Fahrwasser ist nicht für jeden Tiefgang geeignet.

„Die Umstände, die im Bøgestrom zu Wasserstandsveränderungen führen, sind so komplex, dass man mit einer Faustregel nicht weiterkommt“, steht im Handbuch. Wir melden die Grundberührung beim Charterzentrum, doch später beim Abtauchen wird man nichts finden. „Rutscht der Kiel nur über eine sandige Bodenwelle, passiert eigentlich nie etwas Ernstes“, wird der Basismitarbeiter anschließend erklären.

Der Klassiker in Dänemark – die Klebemarke für den Nachweis der bezahlten Liegegebühr.

Møn – ein bisschen wie Saltkrokan

Viel Zeit bleibt uns nicht mehr, nach dem Schrecken im Bøgestrom geht es nach Stege auf Møn. Ein Glücksfall, vor allem wegen des roten Badehauses am Ende des Hafens. Im warmen Licht der Abendsonne treffen sich hier die Bordkinder zum Baden und Toben, die Eltern schwimmen dem Horizont entgegen oder dösen in der Sonne, „ein bisschen wie Ferien auf Saltkrokan“, findet meine Frau.

Saltkrokan in Dänemark – Badespaß am Badehaus von Stege.>

An Vordingborg vorbei geht es durch den Ulvsund und Masnedsund bis ins Smålands Fahrwasser. Der Name täuscht, statt eines Fahrwassers öffnet sich hier ein fast kreisrundes und im Durchmesser über 20 Seemeilen großes Revier: Mit vielen Küstenhäfen und einem halben Dutzend kleiner Inseln ähnelt es der bekannten Dänischen Südsee.

Klein und idyllisch: die Insel Femø

Wir machen auf der Insel Femø fest, der kleine Hafen ist am späten Nachmittag bereits rappelvoll. Ansonsten geht es auf dem Eiland mit seinen 119 Einwohnern in zwei Miniortschaften sehr ruhig zu. Es gibt eine große Kirche, einen kleinen Gasthof und in der Saison sind im Hafen ein Kaufmannsladen und ein Imbiss geöffnet. Die Insel ist flach, grün und erholsam, nur einmal im Jahr herrscht Ausnahmezustand: Jeden Sommer findet hier ein über die Inselgrenzen hinaus bekanntes Jazz-Festival statt.

Der kleine Yachthafen von Femø ist in der Sommersaison gerne mal überfüllt.

Bis zurück nach Heiligenhafen sind es noch einmal 55 Seemeilen. „So lange Etappen hätten wir früher nie geplant“, sagt Karen, „aber mit dem Schiff freue ich mich darauf.“ Wieder geht es früh am Morgen los, mit der Sonne im Rücken liegt der Große Belt voraus, die Autobahn der Frachter und Fähren. Wir preschen mit Südkurs parallel zur Schifffahrtsroute dahin, kreuzen den Kiel-Ostsee-Weg und ziehen dicht an Fehmarn vorbei dem Ziel entgegen. Erst vor der Hafeneinfahrt starten wir die Maschine, zum Kaffee am Nachmittag sind die Leinen fest.

Der Flautenschieber bleibt aus, auch bei wenig Wind macht die Salona guten Speed.

Das Fazit: tolle Strände, eine bunte Metropole und eine super Regattayacht

„Und, wie war’s?“, fragt der Stützpunktmitarbeiter nach unserer Rückkehr. Wir gucken uns an, schauen in braungebrannte Gesichter mit windzerzausten Haaren und grinsen. Klar, die idyllischen Landschaften, die gemütlichen Häfen, die Strände und die bunte Metropole Kopenhagen bieten eine perfekte Kulisse für eine tolle Sommerreise.

Das eigentliche Highlight der Reise war aber ein anderes: „Das Charterschiff war super!“, antwortet Jakob. Denn das hat aus einer gemütlichen Familiencrew eine richtige Segler-Crew mit Spaß am schnellen Segeln gemacht. „So lahme Charterboote wie sonst nehmen wir in Zukunft nicht mehr, oder Papa?“

Ein Sommer im Norden kann herrlich idyllisch sein.

Charter

Die dänische Metropole kann von jedem deutschen Ausgangshafen auf einem zehn- bis 14-tägigen Törn entspannt in Tagesetappen erreicht werden. Am kürzesten ist die Entfernung von den Charterstützpunkten auf Rügen, Fehmarn und denen in Heiligenhafen und Rostock. Die Entfernungen von den Charterstützpunkten in Flensburg und Kiel sind dagegen etwas weiter. Das Angebot an hochwertigeren oder schnellen Yachttypen wie der Salona ist in der Ostsee deutlich größer als im Mittelmeer.

Einer der vielen Charterstützpunkte an der deutschen Ostseeküste ist Heiligenhafen.

Wenn nichts anderes vereinbart ist, werden Charterschiffe in der Ostsee, anders als sonst üblich, ohne Bettzeug, Bettwäsche und Handtücher angeboten. Auch Schlauchboote sind nicht im Charterpreis enthalten, weil hier meistens in Häfen festgemacht wird. Selbstverständlich können alle diese Extras, wie auch ein Außenbordmotor, bei Bedarf fast überall mit dazu gebucht werden. Neben dem Sportbootführerschein See ist auf der Ostsee eine Funklizenz und ein Pyroschein (kann meist auch durch Schnelleinweisung vor Ort erworben werden) erforderlich.

Diese Charter-Agenturen helfen dir, eine Yacht zu finden

Für eine deutschsprachige Beratung und die zuverlässige Buchung von Charteryachten bewährter Anbieter können diese Firmen behilflich sein:

Weitere Infos zum Törn nach Kopenhagen

Anreise

Alle Ostseehäfen und Charterstützpunkte lassen sich am besten mit der Bahn oder dem Auto erreichen. Per Auto: Kiel und Flensburg über die A7, Lübeck, Fehmarn und Heiligenhafen über die A1 und Rostock und Rügen über die A 19 bzw. die A 20. Meist gibt es gute Unterstellmöglichkeiten in den Häfen. Flugverbindungen direkt zu den Küstenstädten sind rar; die zu den meisten Ausgangshäfen am nächsten gelegene Metropole ist Hamburg.

Wind und Wetter

Das Wetter an der Ostsee bleibt auch im Sommer eine Wundertüte. Von mediterran-heiß bis herbstlich-kühl sollte man mit allem rechnen, das Regenzeug darf auf einem Ostseetörn nie fehlen. Auch die Windrichtungen variieren laufend, westliche Winde bringen eher Wolken und feuchtes Wetter, Ostwinde dagegen mehr trockenes und sonniges Wetter. Anders als im Mittelmeer gibt es hier fast immer guten Segelwind zwischen drei und sechs Beaufort.

Navigation

Kaum Gezeiten und damit auch kaum Tidenstrom. In den schmalen Meerengen zum Smålands Fahrwasser, im Guldborg-, Grøn-, Masned- und Ulvsund können bei Starkwind Strömungen auftreten (im Grønsund bis zu sechs Knoten!). Der Guldborgsund ist flach, mit viel mehr als 1,40 Meter sollte man nicht rechnen, der Grønsund hat fünf Meter, der Bøgestrom etwa zwei Meter Wassertiefe. Im ganzen Revier gibt es viele Tonnen, Fahrwasser und Feuer, dazu sehr gute Hafenanlagen und Befeuerungen.

Häfen und Ankerplätze

Auf dem Weg um Falster und Møn herum bis nach Kopenhagen gibt es nur wenige Häfen, die Strecke durch das Smålands Fahrwasser hat dagegen zahlreiche Häfen, darunter auch viele kleine Inselhäfen. Die Liegegebühren für 38 Fuß liegen zwischen 20 und 30 Euro, nur Kopenhagen ist mit etwa 40 Euro teurer. Im Sommer werden die Häfen sehr voll.

Literatur und Seekarten

  • Jan Werner, Dänemark 2.
  • Für die deutsche Küste von Flensburg bis Travemünde: Jan Werner, Ostseeküste 1.
  • Sportbootkartensatz DEKL 4 für Dänemark, DEKL Satz 2 für die Deutsche Küste ab Heiligenhafen und DEKL 1 für Törns ab Flensburg und Kiel.
  • Bei den Sportbootkartensätzen vom NV-Verlag reicht für Törns ab Rostock, Heiligenhafen und Fehmarn der Kartensatz NV 2, für Törns ab Kiel und Lübeck braucht es dazu den Kartensatz NV1.

Der Beitrag Törnbericht: Mit der Charteryacht von Heiligenhafen nach Kopenhagen erschien zuerst auf Blauwasser.de.

Praxis-Tipp: Bei längerer Abwesenheit die Dichtung der Luke fetten

Abwesenheit: Umgang mit Luken und Fenstern

Es gibt wohl kaum einen Schiffseigner, der nicht schon einmal für einen längeren Zeitraum das Boot alleine gelassen hat. Sei es, dass die Yacht im Winterlager verweilte oder das Schiff für eine gewisse Zeit in einer Marina gelassen wurde. Auch bei uns kommt das regelmäßig vor. Vor kurzem noch lag unsere HIPPOPOTAMUS für drei Monate in Portugal in einer Marina, während wir in Deutschland waren.

Schwierig finde ich nach längeren Pausen immer das Öffnen der verschiedenen Luken und Fenster, weil die Gummidichtung am Rahmen zu kleben scheint und sich die Luke oder das Fenster nur mit viel Kraftaufwand öffnen lässt. Auch hatte ich manchmal Sorge, dass die Dichtung beim Öffnen beschädigt werden könnte.

Für diese Herausforderung gibt es eine ganz simple Lösung, die von unserem Segelfreund Jochen stammt. „Du musst die Dichtung der Luke einfach nur mit genug Vaseline einstreichen, bevor du sie schließt!“. Gesagt – getan.

Die benötigte Vaseline gibt es in nahezu jedem Supermarkt.

Im Supermarkt habe ich eine Dose Vaseline gekauft und den Inhalt großzügig mit dem Finger auf die Dichtung bei geöffneter Luke aufgetragen. Insgesamt drei Luken und zwei Fenster. Zusammen hat das keine fünf Minuten gedauert. Ein kleiner Schritt mit großer Wirkung!

Die Vaseline lässt sich gut mit dem Finger auftragen.

Während der dreimonatigen Abwesenheit war die Luke durchgehend geschlossen, und als ich kürzlich wieder an Bord kam, ließ sie sich einfach so öffnen. Das Fett hatte das Gummi geschmeidig gehalten und die angesprochene „Verklebung“ schlicht verhindert. Daher möchte ich diesen simplen Tipp gerne weitergeben.

Danke Jochen!

Der Beitrag Praxis-Tipp: Bei längerer Abwesenheit die Dichtung der Luke fetten erschien zuerst auf Blauwasser.de.

Argos Yachtcharter & Touristik GmbH

Beschreibung

Tradition, die verpflichtet

Begonnen hat alles 1979 mit einer eigenen Charterfirma in der Türkei. Cengiz Inceören kannte sein Heimatland genauso gut wie die Kunden in seiner deutschen Heimat. Als Pionier der Charterbranche hat sich die Firma im Laufe der Zeit auf die Vermittlung von Charteryachten spezialisiert. Insgesamt 40 Jahre lang hat der umtriebige Unternehmer daran gearbeitet, ARGOS Yachtcharter zu einer der führenden deutschen Charteragenturen auszubauen. In 2019 hat er das Ruder an seinen Sohn Bora Inceören übergeben, der heute als Geschäftsführer die Geschicke der Firma mit ihren neun festangestellten Mitarbeitern leitet. Im Zuge der Umgestaltung ist auch der weltweit größte Flottenbetreiber Dream Yacht Charter als Gesellschafter in die Firma eingestiegen.

Die Familie aus Wiesbaden kennt in der Branche fast alles und jeden, vor allem aber die Charterstützpunkte und ihre Flottenbetreiber in allen Destinationen der Welt. „Wir wollen sicherstellen, dass unsere Kunden vor Ort keine bösen Überraschungen erleben und ihre Urlaubszeit von Anfang bis Ende voll genießen können“, sagt Bora Inceören. „Dafür arbeiten wir vor Ort nur mit Firmen zusammen, die erstklassige Boote und einen zuverlässigen Service haben.“

Neben der Vermittlung von Segelyachten (Bareboat Charter) in allen weltweiten Charterdestinationen bietet ARGOS Yachtcharter viele weitere Möglichkeiten, um die schönsten Urlaubsdestinationen der Welt vom Wasser aus zu erleben: Kabinencharter, Flottillensegeln, Crewed Yachten, Fun-Regatten, Hausboote, Motor-Katamarane und Gulet Charter. Und die Touristik-Abteilung der Firma kümmert sich um Flüge und Hotelbuchungen. Bei ARGOS gibt es alles aus einer Hand – Tradition verpflichtet.

Kontakt

ARGOS Yachtcharter & Touristik GmbH
Storchenallee 5
65201 Wiesbaden
Deutschland

Telefon +49 611 66051
Telefax +49 611 691236
mail@argos-yachtcharter.de
www.argos-yachtcharter.de

Ansprechpartner

Büro München
Telefon +49 89 47084324
muenchen@argos-yachtcharter.de

Mehr erfahren

Der Beitrag Argos Yachtcharter & Touristik GmbH erschien zuerst auf Blauwasser.de.

Törnbericht: Segeln in Estland – Sehenswertes Revier im Baltikum

Törnstart mit Gegenwind

Das Wasser der aufgewühlten Ostsee strahlt im Gegenlicht der Sonne dunkelblau. Das Echolot misst 31 Meter, der frische Westwind zerrt am Rigg unserer Charteryacht und auf den kurzen, steilen Wellen tanzen weiße Schaumkronen. Von Backbord nähert sich ein großes Fährschiff, wir donnern mit Westkurs gegen die anrollenden Wellen an. Der Diesel unserer Hanse 400 bollert vor sich hin, stampft sich das Schiff fest, fällt die Logge auf unter drei Knoten.

Verhältnisse wie diese kennt jeder Ostseesegler, der bei Westwind schon mal von Fehmarn nach Kiel oder von Rügen nach Rostock musste. Doch wir sind weit nach Osten gereist, um Neuland zu entdecken: In Estland gibt es noch nicht lange Charteryachten. Ein Vertreter der Charterfirma hatte uns gestern in Tallinn empfangen, „2013 war unser erstes Jahr mit Bareboatcharter“, hatte ich erfahren. Jetzt stampfen wir durch das Seegebiet des Finnischen Meerbusens, es scheppert und kracht, die Entdeckungstour beginnt holprig.

Die ersten Seemeilen im neuen Revier bringen erstmal Spritzwasser an Deck

Estland ist das nördlichste Land der Baltischen Staaten, im Osten grenzt es an Russland. Kann man da wirklich segeln gehen und unbeschwert Urlaub machen? Oder erwarten einen hier die hässlichen Auswüchse jahrzehntelanger, kommunistischer Misswirtschaft? Marode Infrastruktur, kilometerlange Plattenbausiedlungen, grimmige Bewohner, ausufernde Bürokratie? Dazu vielleicht noch eine durch Industrie und Militär verunstaltete Natur?

Erste Antworten auf diese Fragen hatte die jetzt im Kielwasser liegende Metropole Tallinn geliefert. Verblüffend jung, weltoffen, modern und rausgeputzt zeigt sich Estlands Hauptstadt. Die Old City Marina am Fuße der Altstadt ist ein moderner Yachthafen mit Schwimmstegen, Yachtclub, freiem WLAN, Konferenzraum, Sauna, Restaurant und Supermarkt.

Die Old City Marina liegt nur wenige Gehminuten von Tallinns Altstadt entfernt

Tallinns Altstadt zählt zum UNESCO-Weltkulturerbe

Tallinn ist eine der ältesten Städte der Ostsee, das Zentrum der 400.000 Einwohner zählenden Stadt ist ein einziges Freilichtmuseum. Die engen Gassen der Unterstadt, die Adelshäuser und das Domschloss der Oberstadt, dazu die alte Stadtmauer, die alles umgibt – die Altstadt zählt seit 1997 zum UNESCO-Weltkulturerbe.

Der erste Eindruck von Tallinn ist umwerfend: jung, lebendig, rausgeputzt

Junge Studenten in Trachten buhlen rund um den Rathausplatz um Kunden für ihre mittelalterlichen Jahrmarktspiele, ein paar Schritte weiter trifft sich das Szenepublikum in den schicken Bars der Stadt, wir besuchen auch das neue Meeresmuseum. „Hier gibt es so viel zu entdecken“, hatte mein Bruder Martin, Architekt aus Köln, vor dem Ablegen gesagt, „man könnte Tage bleiben.“

Doch wie zeigt sich das Land abseits seiner fein gemachten Metropole? Wir erreichen Lohusalu nach quälend langen Stunden der Stampferei. Entlang der Nordwestküste, auf dem etwa 80 Seemeilen langen Weg bis zu den großen Inseln Hiiumaa und Saaremaa, gibt es nur eine Handvoll Häfen. Die Etappen sind 20 bis 30 Seemeilen lang, später, zwischen dem Festland und den Inseln, liegen die möglichen Ziele dichter beieinander. Segelt man an der Nordwestküste noch entlang der offenen und exponierten Ostseeküste, wird sich der Reviercharakter danach schlagartig ändern: enge Fahrwasser, geringe Wassertiefen, geschützte Gewässer.

Lohusalu: ruhig, einsam und abgeschieden

Lohusalu. Der Hafen liegt an der Spitze einer flach in die Ostsee auslaufenden Landzunge und am Ende einer weitläufigen, feinsandigen und von Nadelbäumen gesäumten Strandbucht. „Hier ist es ja richtig hübsch“, findet meine Mutter Heike aus Berlin. Der winzige Ort mit seinen drei Dutzend Häusern liegt einen Kilometer entfernt. Der Hafen ist ruhig, einsam und abgeschieden, doch die Infrastruktur ist beachtlich: eine rund um die Uhr besetzte Hafenmeisterei, moderne Sanitäreinrichtungen mit Saunabereich, Muringbojen, Strom und Wasser, eine Tankstelle, ein Restaurant und Leihfahrräder. Wir sind eine von drei Besucheryachten im Hafen und offenbar ein Highlight für den Hafenmeister: Er hisst für seine neu angereisten deutschen Gäste traditionsbewusst die deutsche Flagge.

Der kleine Hafen von Lohusalu ist gepflegt, ruhig und gut ausgestattet

Dirham – kleiner Hafen mit reichlich Genuss

Am nordwestlichsten Zipfel des estländischen Festlands liegt Dirhami. Eine große Mole für Handelsschiffe gibt der im inneren Hafen gelegenen kleinen Schwimmsteganlage Schutz. Hier ist alles etwas einfacher und weniger aufgeräumt als in Lohusalu, die Überraschung jedoch ist der Hafenkiosk am Ende der Kaje. Was nach Pommesbude aussieht, entpuppt sich als Gourmettempel: Im Dirham Summer Café gibt es nur frisch zubereitete Speisen, zur Vorspeise eine thailändische Kokosmilchsuppe, als Hauptgericht ein fangfrisches Seelachsfilet aus Norwegen mit gedünstetem Gemüse und Basmatireis. Und zum Nachtisch eine Quarkspeise mit frischen Erdbeeren, kandierten Haferflocken und frischem Basilikum. Heike ist sprachlos: „So gutes Essen an einem so abgeschiedenen Platz, das bekomme ich selbst in Berlin-Mitte nicht besser!“

Unerwartet und lecker: Der Hafenkiosk von Dirham

Plötzlich sitzt ein Segler aus Österreich mit am Tisch: Helmut aus Kärnten. Während des Essens ist er mit seiner 12,50 Meter langen Fels-Yacht eingelaufen, „die habe ich für 20.000 Euro bei Ebay ersteigert“, erzählt der ehemalige Unternehmer. „Doch bevor ich das Schiff ins Mittelmeer überstelle, möchte ich noch eine Ostseerundreise machen und nach St. Petersburg segeln.“ Er ist von Deutschland aus über Polen, Litauen und Lettland hierher gesegelt, „Estland gefällt mir am besten, es ist das am weitesten entwickelte Land hier“, sprudelt es aus ihm heraus. „Die Hafeninfrastruktur ist super, fast überall gibt es ein freies WLAN, es ist sauber, die Leute sprechen gutes Englisch und sind engagiert und freundlich.“

Der Strand gleich neben dem Hafen von Dirham lädt zu Spaziergängen ein

Nach dem Essen spazieren wir am Strand dem späten Sonnenuntergang entgegen. Dünengras raschelt im Wind, dahinter leuchtet dunkelgrün ein dichter Kiefernwald, am Ufer und im Wasser davor liegen unzählige kleine und große Findlinge. „Die sind mit der letzten Eiszeit aus Finnland hierhergekommen“, weiß Martin zu berichten. Tatsächlich war das ganze Land unter einer dicken Eisschicht begraben, die Küsten und das Hinterland sind flach, es gibt viele Wälder, Strände und mit dichtem Schilf bewachsene grüne Ufer.

Das Land ist flach, die Natur grün, für Segler gibt es viel zu entdecken

Die Gewässer um Hiiumaa und Saaremaa

Voosi kurk, Haapsalu laht, Väinameri und Hiiu väin heißen die kleinen Seegebiete, die die im Westen gelegenen großen Inseln Hiiumaa und Saaremaa umgeben. Gewässer wie Minenfelder, überall versperren Flachstellen, kleine Inseln und Findlinge den Weg, auch an den tiefen Stellen ist es nicht mehr als sechs, sieben Meter tief. Zum Glück ist das Gebiet gut betonnt, enge Fahrwasser und viele Seezeichen weisen den Weg, „fast wie in den Boddengewässern rund um Rügen“, sage ich, während wir von Norden her auf einer Richtfeuerlinie in das geschützte Revier einfahren.

Die Betonnung des Reviers rund um die vielen Inseln ist vorbildlich

In Lee der kleinen Insel Hobulaid werfen wir den Anker für einen Mittagsstopp, danach schlängeln wir uns bis in die späten Abendstunden zur Ansteuerung von Orjaku auf der Insel Hiiumaa. Kurz vor dem drei Seemeilen langen Fahrwasser bis zum Hafen bergen wir die Genua, fahren einen Aufschießer, drehen den Zündschlüssel und hören – nichts. Wir versuchen es wieder und wieder, halten uns mit dem Großsegel auf Kurs, hören ein Klacken, prüfen die Batteriespannung und klopfen mit dem Hammer auf den Anlasser – doch der Motor bleibt still.

Der späte Sonnenuntergang in den hohen Breiten erleichtert die Törnplanung

„Klar bei Anker“ heißt das nächste Kommando. Kurz darauf liegen wir etwas abseits des Fahrwassers am Haken. Es ist bereits 22.30 Uhr, die Sonne ist gerade untergegangen, doch unser Ansprechpartner von der Charterfirma sagt: „No problem, ich rufe einen Freund an, der kann euch vielleicht helfen.“ Eine halbe Stunde später kommt jemand mit einem kleinen Motorboot angetuckert, übernimmt eine Leine und schleppt uns bis zum Liegeplatz. Die Seglergemeinschaft an Estlands Küste ist klein, da kennt jeder jeden und hilft.

„Bis 1991 durften wir hier gar nicht segeln, die Häfen waren kontrolliert und die Küste geschlossen“, wird unser Helfer später erzählen. Er schätzt, dass es heute nicht mehr als 300 Segelyachten im Land gibt, „der Sport ist hier bisher nicht so populär, die Leute glauben, das sei etwas Elitäres.“

Warten auf Hilfe – zum Glück wird es auch nach Sonnenuntergang nicht wirklich dunkel

Estland ist weniger Ostblock und mehr Skandinavien

Die Geschichte Estlands ist eine bewegte; während des zweiten Weltkriegs wurde das kleine Land kurzzeitig auch von den deutschen Nazis besetzt. Dann, im Herbst 1944, wurde es wieder unter sowjetische Herrschaft gestellt, damals wurden alle privaten Boote beschlagnahmt oder vernichtet. Die Russen waren hier nie beliebt, die Menschen waren durch ihre Nachbarländer Schweden und Norwegen schon immer eher westlich geprägt. „Auch unsere Sprache ähnelt dem Finnischen, wir sind nordische Menschen“, wird uns eine Dame vom Tourismusamt auf Saaremaa später erzählen. Erst 1991 erlangte das Land die Unabhängigkeit zurück, 2004 kam der EU-Beitritt und 2011 wurde der Euro eingeführt. Heute spürt man überall im Land eine Aufbruchstimmung.

Die Fischerei bleibt trotz Umbruch und Fortschritt ein uraltes Gewerbe

Ein Revier – zu groß für eine Woche

Die Insel Hiiumaa ist eine Perle. Es gibt eine Handvoll Häfen, schöne Strände, alte Windmühlen und den drittältesten noch in Funktion befindlichen Leuchtturm der Welt. Er ist das Wahrzeichen der Insel. Wir besuchen das 1531 in Betrieb genommene massive Bauwerk und kraxeln im Inneren 36 Meter hoch bis zur Aussichtsplattform.

Der Leuchtturm von Hiiumaa steht weit abseits der Küste

Zurück im Hafen von Orjaku, hier treffen wir eine deutsche Crew, die ebenfalls gechartert hat. „Wir sind von den Leuten und der Gegend super begeistert“, sagt der Kölner Skipper, „nur leider muss man hier auch im Sommer seine dicken Klamotten mitbringen.“

Unsere Hiobsbotschaft am Abend heißt: Der Anlasser ist defekt. Die Ersatzteilbeschaffung dauert ein bis zwei Tage, doch unser Vercharterer gibt sofort Entwarnung: „Im Hafen liegt ein Ersatzschiff bereit, eine Elan Impression 344, ihr könnt sofort umziehen.“ Das Schiff gehört ebenfalls zur Charterflotte, es ist das Boot eines Eigners aus Orjaku.

Wir packen ein und wieder aus, zum Glück müssen wir heute nur noch wenige Seemeilen bis zu unserem nächsten Ziel Orissaare auf Saaremaa segeln. Trotzdem wird spätestens hier deutlich, dass es unmöglich ist, das Revier in einer Woche zu erschließen. Saaremaa ist dreimal so groß wie Rügen, eine Umrundung der Insel misst 160 Seemeilen, mehr als eine Stippvisite ist für uns nicht mehr drin.

Wie hier auf der Insel Saaremaa erinnert auch der Baustil an Skandinavien.

Saaremaa: im Wandel und mitunter wunderschön

Orissaare. Erstmals versprüht ein Hafen den Charme einer alten Ostblockanlage. Die kleine Hafenpier ist mit Plattenbeton belegt und komplett mit LKW-Reifen behangen, weiter hinten steht ein verfallenes Lagerhaus. Die Umgebung aber ist wunderschön: Der Hafen liegt geschützt von der Insel Muhu an der schmalen Durchfahrt Välke väin. Grüne Schilfufer wuchern bis ans Wasser, es gibt ein einfaches, aber neues Toilettengebäude im Schwedenstil und der Hafenmeister, der eigentlich Lehrer ist, bewirtschaftet in seinen Sommerferien auch die Hafenkneipe.

In Orissaare auf Saaremaa ist die Infrastruktur bescheiden, die Menschen dafür gastfreundlich

Seine Mutter spricht Deutsch und zeigt uns am nächsten Tag die Insel. Erst fahren wir nach Kuivastu, in den Fährhafen, der Saaremaa mit dem Festland verbindet. Hier hat vor einigen Jahren ein neuer Yachthafen eröffnet. Die schönere Umgebung aber hat Simisti gleich nebenan zu bieten, ein winziger Hafen mit 12 Liegeplätzen. Sehr hübsch ist auch das Fischerdorf Koguva, der flache Hafen ist ganz neu, das hübsche Café nebenan auch, ein guter Platz zum Verweilen. Ständig werden entlang der Küste alte Anlagen erneuert und neue gebaut, kaum ein Hafenhandbuch ist hier auf dem neuesten Stand.

Viele neue Hafenanlagen wie die in Kuivastu entstehen im Land

Kuressaare ist eine alte Kurstadt mit Tradition

Das Zentrum des Yachttourismus auf Saaremaa liegt im Süden der Insel, im Yachthafen der Hauptstadt Kuressaare. „Mittlerweile kommen jeden Sommer mehr und mehr Boote aus Deutschland hier vorbei“, erzählt uns der Hafenmeister. Der Ort mit seiner spätgotischen Bischofsburg lässt seine alte Tradition als Kurstadt wieder aufleben, die Hotels bieten heilende Meeresschlammkuren an, und ganz in der Nähe gibt es schneeweiße Sandstrände und hübsche Küstenwanderwege.

Schöne Natur, spektakuläre Sonnenuntergänge und feinsandige Strände sind in Estland ständige Begleiter

Für unsere siebentägige Reise, deren Ende naht, sind das viel zu viele Ziele. Zum Glück haben wir einen Oneway-Törn gebucht und müssen nicht bis nach Tallinn zurücksegeln. Dafür stoppen wir auf der kleinen Insel Sviby, machen einen Fahrradausflug und testen beim Baden an einem Ankerplatz in der Nähe das wirklich kalte Wasser. „Geht doch“, findet Martin und schwimmt gleich mehrmals um unsere Yacht herum.

Kalt aber machbar: ein Badestopp vor der Insel Sviby

Törnende in Haapsalu

Haapsalu. Der lebendige Ort an der Westküste ist für einen Törnabschluss bestens geeignet. Im Yachthafen herrscht reges Treiben, es gibt ein Hafenrestaurant und eine Bar, und die kleine Stadt trumpft mit Galerien, Cafés und Museen auf, mit dem hölzernen Kursaal, einer seichten Strandbucht und einer parkähnlichen Anlage rund um die mittelalterliche Burgruine. Der Stützpunktleiter ist zur Abnahme des Schiffes in die Stadt gekommen, „und, wie hat es Euch bei uns gefallen?“, will er wissen.

Im alten Kursaal von Haapsalu ist ein stilvolles Café untergebracht

Fazit: Nicht nur die Infrastruktur ist top

Eine berechtigt Frage … Und plötzlich wird uns klar, dass wir schon seit Tagen einen gänzlich unbeschwerten Urlaubstörn genießen. Alle Vorbehalte und Sorgen während der Vorbereitung sind seit dem Start der Reise verflogen. Seglerisch wird sich hier jeder, der schon mal in der heimischen Ostsee gesegelt ist, sofort zuhause fühlen, und die vorhandene Infrastruktur für Yachttouristen hat alle Erwartungen übertroffen. Auch die flache Natur mit ihren vielen Stränden, Wäldern und Schilfufern hat alle an Bord unserer Charteryacht begeistert. Die größte Überraschung aber waren die Menschen. Ihr kraftvoller Wille, aus ihrer noch so jungen Freiheit etwas Neues zu gestalten, ist so ansteckend, dass man am liebsten bleiben und mit Anpacken möchte.

Die Lichtstimmungen sind nur eine der bleibenden Erinnerungen an Estland

Charter

Fast alle Charterangebote in Estland starten ab Tallinn

Der Yachttourismus in Estland ist jung, viel mehr als ein Dutzend Charteryachten gibt es nicht, dazu ein paar wenige Mitsegelangebote oder Yachten mit Skipper. Fast alle Angebote starten in Tallinn, gegen Aufpreis kann ein Oneway nach Haapsalu vereinbart werden (unbedingt lohnenswert bei nur einer Woche Törndauer). Weil die Chartersaison kurz und damit die Rentabilität vermutlich schwierig ist, sind in die Charterflotte auch ältere Schiffe integriert. Und Eignerschiffe, was zum Teil an besonderen Ausstellungsmerkmalen wie einem Teakdeck oder ein mit Utensilien des Eigners gefülltem Stauraum zu erkennen ist. Im Ganzen aber darf mit einem herkömmlichen Charterablauf gerechnet werden.

Diese Charter-Agenturen helfen dir, eine Yacht zu finden

Für eine deutschsprachige Beratung und die zuverlässige Buchung von Charteryachten bewährter Anbieter können diese Firmen behilflich sein:

Weitere Infos für einen Törn in Estland

Revier

Estlands Ostseeküste ist von der Grenze zu Russland im Osten bis nach Lettland im Süden etwa 250 Seemeilen lang. Im Westen liegen nahe der Küste noch einige große und kleine Inseln, sie bilden ein zum Teil in sich geschlossenes, geschütztes und binnenähnliches Revier. Von Tallinn zu den großen Inseln Hiiumaa und Saaremaa und wieder zurück sind es ohne Inselumrundung etwa 200 Seemeilen, bei einem einwöchigen Törn sollte man die Option Oneway mit Abgabe/Start in Haapsalu prüfen.

Navigation & Seemannschaft

Entlang der offenen Ostseeküste sind die nautischen Bedingungen vergleichbar mit denen der deutschen Ostseeküste, in den geschützten Gewässern rund um die Inseln Hiiumaa und Saaremaa im Westen mit denen der Boddengewässer. In beiden Fällen liegen entlang der flachen Küsten aber wesentlich mehr Steine. In schmalen Durchfahrten muss mit Strömungen gerechnet werden, bei Starkwind treten diese auch entlang der Küstengewässer auf. Der Tidenhub ist vernachlässigbar, Wasserstandsänderungen durch Wind, Luftdruck und Wassereintrag mit einer Amplitude von bis zu 2,30 Meter können aber auftreten.

Anreise

Nach Tallinn gibt es zahlreiche günstige Flugverbindungen. Direkt ab Frankfurt mit Lufthansa oder über Helsinki, Kopenhagen, Riga, Amsterdam oder Oslo entweder mit Eurowings, Finnair, Air Baltic, Scandinavian Airlines, KLM oder Estonian Air. Der Transfer vom Flughafen zum Hafen dauert etwa 15 Minuten und kann für 25 Euro (bis 4 Personen) gebucht werden. Ein Taxi vom Onewaystop Haapsalu zum Flughafen Tallinn dauert etwa eine Stunde und kostet um die 100 Euro. Über Land ist Tallinn von Berlin aus 1.500 Kilometer entfernt.

Wind & Wetter

Am schönsten ist die Zeit der „weißen Nächte“ von Mitte Mai bis Ende Juli, wenn es nur für wenige Stunden dunkel wird und die Durchschnittstemperaturen 15 bis 18 Grad betragen. Es kann im Juli aber auch richtig heiß werden, hohe Tagestemperaturwechsel machen das Revier auch im Sommer anfällig für Nebel. Ein stabiles Hochdruckgebiet sorgt für die besten Segelbedingungen, es muss aber immer mit durchziehenden Tiefdruckgebieten und Starkwind gerechnet werden.

Häfen & Ankerplätze

Auch mit Hilfe der EU wird nach wie vor viel in die maritime Infrastruktur investiert, wobei Estland im Vergleich zu den anderen Baltischen Staaten bereits viele Anlegemöglichkeiten besitzt. Die Dichte an Häfen ist für einen entspannten Urlaubstörn ausreichend, viele der Anlagen haben einen bemerkenswert guten Standard. In den Handbüchern werden kaum Ankerplätze beschrieben, trotzdem findet man entlang der Küste ausreichend Möglichkeiten für Ankerstopps. Die Hafengebühren für ein 12-Meter-Schiff betragen um die 20 Euro.

Eine sehr hilfreiche Webseite bei der Hafenwahl ist diese hier. Sie listet alle Häfen des Betreibers SL Marinas auf.

Literatur & Seekarten

– Hillar Kukk und Jeano Martin Ots, Estonian Cruising Guide
– Fay and Graham Cattell, Harbours of the Baltic States, Cruising Association

Der Beitrag Törnbericht: Segeln in Estland – Sehenswertes Revier im Baltikum erschien zuerst auf Blauwasser.de.

Praxis-Tipp: Praktische Aufbewahrung von Brillen an Bord

Wohin mit der Brille?

Für gewöhnlich hat jedes Crewmitglied an Bord einer Segelyacht eine Brille dabei – die Sonnenbrille. Wer generell eine Brille trägt, bringt dann auch noch diese mit. Mit anderen Worten: Bei einer größeren Crew kommen da schnell ein paar Brillen zusammen. So kenne ich das auch von meiner vierköpfigen Familie. Wir alle sind Brillenträger und somit haben wir immer mindestens acht Brillen an Bord.

Für gewöhnlich hat jedes Crewmitglied eine Brille dabei.

Die Frage, die sich mir dabei auf Dauer stellte, war die nach dem „Wohin mit den Brillen?“. In meinen Augen ergibt es keinen Sinn, dass jedes Crewmitglied die Brille in der Kabine lagert. Nicht selten braucht man die Brille schnell und immer mal wieder – beispielsweise bei unbeständigem Wetter. Eben waren noch Wolken da und dann kommt die Sonne durch und das helle Deck und die See blenden. Oder am Kartentisch. Wer eine Lesebrille benötigt, muss diese dann jedes Mal für die Navigation hervorkramen und anschließend wieder verstauen. Das kann schnell lästig werden.

Kurzum: Die Brillen sollten meiner Meinung nach schnell griffbereit und vor allem in der Nähe des Niedergangs beziehungsweise Kartentischs sein. Daher haben wir bei uns an Bord ein selbstgebautes Brillenband installiert. Es befindet sich über dem Kartentisch und alle Brillen an Bord werden dort angehangen.

Das Brillenband bei uns an Bord

Es gibt verschiedene Wege, das Brillenband zu realisieren. Beachtet werden sollte dabei, dass die Brillen sich nicht gegenseitig zerkratzen können – etwa weil sie sich im Takt der Wellen bewegen und aneinander scheuern. Außerdem darf eine Brille nicht versehentlich runterfallen.

Bei dieser Variante können die Brillen verkratzen.

Bei uns an Bord hat es sich seit vielen Jahren bewährt, das Tauwerk doppelt laufen zu lassen. Jede Brille wird zwischen den beiden Tauen mit einem Bügel hindurchgeschoben. Das verhindert ein ungewolltes lösen – beispielsweise bei starkem Schwell. Der Abstand zwischen den Brillen wird mit Knoten realisiert. Dabei werden die beiden Taue einfach alle sechs bis acht Zentimeter miteinander verknotet. Alternativ können Wäscheklammern genutzt werden. Das erlaubt etwas mehr Flexibilität – sieht aber weniger schön aus.

Ich kenne auch einige Eigner, die ein Gummiband statt eines Taus benutzen. Ich persönlich bin davon nicht ganz so überzeugt, da die Gummibänder mehr wippen und mit der Zeit ausleihern und ersetzt werden müssen.

Improvisierte Variante auf einem Charterschiff. Nicht schön, aber funktional :-).

Übrigens lässt sich das Brillenband auch auf Charterschiffen realisieren. Einfach beim nächsten Törn ein Stück Tauwerk mitnehmen. Für gewöhnlich lässt sich unter Deck immer eine Leine zwischen dem Handlauf und irgendeiner Stütze spannen.

Viel Spaß beim Ausprobieren.

Der Beitrag Praxis-Tipp: Praktische Aufbewahrung von Brillen an Bord erschien zuerst auf Blauwasser.de.

Törnbericht Italien: Segeln und Chartern in Sizilien und den Ägadischen Inseln

Die vergessenen Inseln Italiens liegen im Westen von Sizilien

Sie heißen Favignana, Marettimo und Levanzo. Und sie führen ein beschauliches und bescheidenes Leben, denn die Show wird ihnen gestohlen von ihren berühmten sieben Brüdern und Schwestern – von Lipari, Stromboli, Vulcano & Co. Die Liparischen Inseln kennt fast jeder, die Ägadischen Inseln dagegen fast niemand.

Viele Segelcrews, die ein Schiff ab Palermo chartern, haben die Qual der Wahl. Sie müssen sich entscheiden zwischen den Liparischen Inseln im Osten der Basis oder den kleinen Ägadischen Inseln westlich von Sizilien. Der Mitarbeiter des Charter-Stützpunktes in Palermo weiß, wohin seine Kunden wollen: „Die meisten folgen den Rauchzeichen des Vulkans auf Stromboli da hinten am Horizont“, erklärt er mit einer ausladenden Handbewegung Richtung Osten, „sie wollen unbedingt unsere ‚sieben liparischen Perlen‘ kennen lernen.“

Der karibisch anmutende Zwischenstopp in San Vito Lo Capo auf Sizilien gehört mit zum Törn.

Die Geheimtipps heißen Favignana, Levanzo und Marettimo

Die drei kleinen Geschwister im Westen bleiben, was sie immer schon waren: „Ein echter Geheimtipp! Vergessen und verschlafen, dabei aber ursizilianisch und wunderschön“, wie uns die Leiterin unserer Charteragentur bei der Buchung vorgeschwärmt hat. Und tatsächlich: Auf diesen von kristallklarem und fischreichem Wasser umgebenen Inseln finden Blauwassersegler oder Chartersegler nicht nur kleine Häfen und ruhige Ankerbuchten, sondern stets auch ein neues Reich.

Favignana, wo mit 4.000 Einwohnern der Großteil der ägadischen Bevölkerung lebt, ist die abwechslungsreichste und am ehesten touristisch erschlossene Insel. Levanzo, mit nur knapp 200 Einwohnern das kleinste und ruhigste Eiland, das mit seinen weißen Würfelhäusern an Griechenland erinnert und in Beschaulichkeit kaum zu überbieten ist. Und Marettimo, ein gezackter Felsklotz, der wild und urig ist wie seine überwiegend fischenden Bewohner. Oder, um es mit den Worten des Charter-Stützpunktleiters zu sagen:

Ein Inselreich, abgenabelt vom großen Touristenstrom, viel idyllischer und entspannter als die Liparischen Inseln

Plätze wie die Cala Rotonda auf der Insel Favignana sind das Ziel der Reise.

Somit bleibt die Vulkaninsel Stromboli – auch Leuchtturm des Mittelmeeres genannt – achteraus. Doch vor dem Abenteuer Ägadische Inseln liegt zunächst das Abenteuer Sizilien. Eine Insel voller Leben, ursprünglich und lebendig, mit stolzen Bewohnern und extremen Eindrücken: die Farben von Himmel und Meer, die Gerüche der Kräuter und Blüten, der Wind, wenn er als heißer Schirokko aus der nahen Wüste Afrikas bläst.

Palermo ist eine faszinierende Stadt.

Palermo, die Stadt der Extreme

Pate dieser Extreme ist die Inselhauptstadt selbst, Palermo gleicht einem Hexenkessel: Lärm und Gestank können hier schon mal infernalische Züge annehmen. Dazu sammeln sich die sozialen Gegensätze gleich hinter dem Yachthafen. Elegante Boutiquen und befrackte Ober in der einen Straße, gleich daneben Arbeiterviertel zwischen den Ruinen ehemaliger Paläste. „Sie werden die Stadt lieben oder hassen, fliehen oder bleiben wollen. Laue Neutralität lässt Palermo nicht zu“, steht im Reiseführer geschrieben.

Überall in der Stadt Palermo pulsiert das Leben, egal zu welcher Tageszeit.

Wir genießen die pulsierende Metropole und verlassen am nächsten Morgen die goldene Muschel, wie die Bucht von Palermo schwärmerisch genannt wird. Der Kurs führt gegen einen leichten Nordwestwind, der hier in den Sommermonaten an der Nordküste Siziliens häufig weht. Ein Kurs ins Ungewisse, denn auch der Westen Siziliens ist so etwas wie seglerisches Niemandsland, das erst in den letzten Jahren mit neuen Charter-Stützpunkten auch in Marsala und Trapani mehr in den Fokus gerückt ist. Vorher waren hier allenthalben ein paar Langfahrtsegler anzutreffen.

Im Westen die Ägadischen Inseln, im Norden Palermo. Karte: Webapp Navionics

Sizilien pur im Golfo di Castellamare

Grund genug, nicht auf direktem Wege zum Capo San Vito, der Nordwestspitze Siziliens, zu segeln. Zumal eine Kursänderung in die zehn Seemeilen große und offene Bucht des Golfo di Castellamare auch besseren Segelwind verspricht. Hier finden sich gleich mehrere Orte mit guten Hafenanlagen, die alles andere als Touristennester sind, und das, obwohl jeder von ihnen das Zeug dazu hätte.

Terrasini

Die Küstenorte Trappeto und Terrasini zum Beispiel haben herrliche Sandstrände gleich neben dem Hafen. Und Castellamare, die größte Stadt im Golf, besticht durch einen wunderschönen alten Ortskern, durch ein Häuser-Labyrinth, das durchzogen ist von kleinen Treppenwegen und schmalen Brücken.

Authentische Orte wie Castellamare an der Westküste Siziliens machen den Törn zum Erlebnis.</

Am Hafen von Castellamare bestimmen die Fischer mit ihren unzähligen kleinen, bunten Booten das Geschehen. Aus faltigen Gesichtern strahlen wache, freundliche Augen. Von Sonne und Salzwasser gegerbte Hände schleifen und streichen gemächlich das Holz der Unterwasserschiffe. In den Straßen und Gassen sorgen die Händler mit bunten Früchten und inseleigenem Gemüse, mit fangfrischem Fisch und handgemachten Wurstspezialitäten für Leben. Und in den Cafés und Bars schieben die Wirte in Sekundenschnelle Espresso und Cappuccino über den Stehtresen. Italienische Lebensart pur – da ist es fast ein kleines Wunder, das hier nur vereinzelt ein paar Segelyachten vorbeikommen.

Kleine Strandnischen bieten schöne Tagesankerplätze im Zingaro Nationalpark.

Wandern und Baden im Zingaro Nationalpark

Ein paar Seemeilen weiter westlich wird es dann noch einsamer auf dem Wasser, obwohl dort ein Highlight für Naturfans wartet: der Zingaro Nationalpark. Hier wird die wildschöne und ursprüngliche Berglandschaft geschützt, wird Flora und Fauna Raum gegeben und haben Straßen und Hotels keinen Platz. Türkisfarbendes Wasser schimmert in kleinen Badebuchten, Unmengen von Zwergpalmen säumen die schmalen Wanderwege, verschiedenste Vogelarten flattern durch die Lüfte. Wer bei ruhigem Wetter einen Stopp einlegen möchte, kann über kleine Pfade kraxeln, die bis in 900 Meter Höhe führen. Ein Teil unserer Crew wandert bis zum nächsten Küstenörtchen San Vito lo Capo, der Rest der Mannschaft schafft die paar Seemeilen auch locker alleine.

Der Hafen von San Vito lo Capo bietet sichere Liegeplätze vor schöner Kulisse.

Karibik-Feeling in San Vito lo Capo

Der Ort hat einen Yachthafen, einen für Gästeyachten reservierten Steg und einen Hafenmeister, der fast immer zur Stelle ist, wenn eine neue Yacht einläuft. Das ist hier häufiger der Fall als irgendwo sonst im Revier. Zum einen wegen der strategisch günstigen Lage direkt am Nordwestkap der Insel. Zum anderen aber auch aufgrund des schneeweißen und endlos langen Sandstrandes gleich neben der Hafenmole. Das Wasser schimmert bis weit hinaus türkis, vereinzelt gesprenkelt mit weißen Ankerliegern, die Promenade strahlt palmengrün. Und dahinter reihen sich weiß-gekalkte Häuser aneinander. Sommer, Sonne, Strand – Karibikflair auf sizilianisch.

Der feinsandige Strand gleich neben dem Hafen macht den Stopp zu einem Highlight der Reise.

Auf Sizilien wurde das Speiseeis erfunden

Im Ort gibt es wie an jedem Tag der Reise eine besondere sizilianische Spezialität – Eis. Die Insel rühmt sich, die süße Leckerei erfunden zu haben (damals noch mit Schnee vom Ätna). Neben gewöhnlichem gelati gibt es hier auch granita, ein halbflüssiges Wassereis, das in offenen Gläsern serviert wird. Oder pezzi dori, die „harten Stücke“, die als die edleren sizilianischen Eisspezialitäten gelten. Sizilien – das ist für Eis-Fans so etwas wie der Himmel auf Erden.

Egal ob Eis- oder Kaffeespezialitäten: Immer ist die Qualität erstklassig.

Zur Hölle auf Erden kann hingegen der weitere Weg zu den Ägadischen Inseln werden. Aber nur, wenn bei starkem Nordwind am Kap eine gefährliche See steht. Wir haben nur leichte Nordwestwinde und merken dennoch, dass die See zwischen der Westküste Siziliens und den Ägadischen Inseln kabbelig ist. Grund dafür ist eine stete Strömung zwischen dem Festland und den Inseln, die mit gut einem Knoten nach Nordosten setzt.

Mattanza – das Spektakel um den Tunfisch

Problematisch kann auch die Ansteuerung von Favignana zwischen Ende April und Mitte Juni werden: wenn auf der Insel die traditionelle mattanza stattfindet, die heiße Schlacht um den Tunfisch, der hier auf seinem uralten Wanderweg zu seinem Laichplatz abgefangen wird.

Dann liegen hundert Kilometer Stahlseil kilometerweit vor der Nordküste aus, 3.500 Schwimmer und neun Kilometer Netze, die sich zum Land hin verjüngen und für den Fisch in der sogenannten Todeskammer enden. Wer hier nicht aufpasst, der hat am Ende nicht nur Ärger mit seinem Vercharterer, sondern auch mit den tonnaroti, den muskelbepackten, furchtlosen Thunfischfängern.

Weil die Bestände aber durch Überfischung zu sehr dezimiert wurden, konnte die mattanza ab 2008 nicht mehr stattfinden. Erst 2017 hatten sich die Bestände erholt und die Behörden genehmigten erstmals wieder eine mattanza. Ob und in welcher Form das Spektakel um den Tunfisch in Zukunft wieder regelmäßig stattfindet, bleibt abzuwarten.

Die stillgelegte Thunfischfabrik auf der Isolette Formica erinnert an die Tradition der mattanza.

Favignana ist das touristische Zentrum der Ägadischen Inseln

Von einer möglichen mattanza abgesehen beschert Favignana dem Segler einen außerordentlich freundlichen Empfang. Der rege Fährverkehr in dem auch für Segelyachten gut geschützten Hafen zeugt davon, dass die Insel die am häufigsten Besuchte des Archipels ist. Auf Sommerbesucher, insbesondere auf Tagestouristen, hat man sich hier eingestellt: Es gibt einen Supermarkt, eine Disco, eine Spielhalle und einen Fahrrad- und Mopedverleih.

Wer in Favignana länger als nur den Tag über bleibt, ist Genießer oder Segler. Wir treffen Morton aus dem schottischen Inverness, der schon seit ein paar Wochen mit seinem Stahlselbstbau auf Blauwasserreise ist und zwischen den Inseln kreuzt. Er verrät uns seinen Lieblings-Ankerplatz: „Die kreisrunde Bucht Cala Rotonda im Südwesten ist gut geschützt und hat weit und breit nur freie Natur. Dazu gibt es einen erstklassigen Ausblick auf den Sonnenuntergang.“

Zentrum der Ägadischen Inseln: Favignana

Highlights aber existieren auf dieser, auf zwei Schmetterlingsflügel aufgeteilten und neun Kilometer langen Mittelmeer-Insel noch mehr. Man kann sie mit dem Fahrrad oder Moped auf dem Landweg entdecken oder gemeinsam mit Crew und Schiff über den Seeweg. Zum Beispiel Lido Burrone, der längste Sandstrand der Insel, oder die Cala Rossa mit ihrem tropisch-türkisfarbenem Wasser. Und sogar einen zweiten Hafen gibt es auf Favignana, Punta Lunga auf der Südseite. Auch wenn dieser kleine pittoreske Fischeranleger mit den paar Häusern an Land für Yachten zu flach ist, in Lee davon lässt sich gut ankern.

Zu klein für Yachten aber trotzdem schön: Punta Lunga auf Favignana

Nur eines sollte man sich bei der Umrundung der Insel merken: „Unterwasserfelsen säumen die Küste und gerade auf der Nordseite scheint es mehr davon zu geben als in der britischen Seekarte Nr. 964 verzeichnet sind“, schreibt Rod Heikell in seinen Revierhandbuch ‚Italien Waters Pilot‘. Ansonsten aber möchte man einfach nur bleiben, jeden Tag eine neue Bucht besuchen und jeden Abend ein neues Restaurant.

Die Cala Rotonda auf Favignana ist eine der am besten geschützten Ankerbuchten.

Auf Levanzo wird Geschichte erlebbar

Es sind zwar nur drei Inseln, die wir mit unserer Charteryacht besuchen wollen, aber die Eroberung der anderen beiden Ägadischen Inseln wird uns nicht leicht gemacht. Das verrät mir ein Blick ins Handbuch: Levanzo, nur drei Seemeilen weiter nördlich gelegen, hat keinen Hafen, hier muss vor dem Städtchen geankert werden, was nur bei Nordwind möglich ist. Dann aber hat man die Wahl zwischen einem Badeausflug zur schönsten Bucht der Insel, der Cala Minnola, oder einer Wanderung zum Leuchtturm am Capo Grosso am Nordzipfel der Insel.

Bunte Höhlenmalerei aus der Steinzeit im dunklen Fels

Oder aber man begibt sich wie wir zu einem Ausflug in die Vergangenheit, zum einzigartigen Schatz der Insel, der Grotta Genovese. „Die Höhlenmalereien stammen aus der Steinzeit und sind zwischen 10.000 und 12.000 Jahre alt“, erklärt der Tourguide, der uns, einige der wenigen Gäste der Insel, mit seinem kleinen Boot zur Inselattraktion schippert. Zu den in bunten Farben auf die Felswände gepinselten Hirschen, wilden Stieren und Jägern. Und – wie sollte es hier auch anders sein – zur ältesten Abbildung eines Thunfisches.

Auf Levanzo gibt es zwar keinen Hafen, dafür wird hier Geschichte erlebbar.

Spätestens hier, auf dieser vom Rest des Weltgeschehens abgeschnittenen Insel, hat auch der Letzte seinen Alltag endgültig hinter sich gelassen. Und ist bereit für das Finale.

Marettimo – Insel der Taucher

„Das Finale“ heißt Marettimo. Die Möglichkeiten zum Festmachen für Fahrtenyachten sind allerdings auch auf Marettimo beschränkt, dabei hat der Ort sogar zwei Hafenbecken. Doch in das eine, Scala Veccia, rollt stets der Seegang aus Norden hinein, in das andere, Scala Nuova im Süden, der aus südlichen Richtungen. In dem einen liegen die Fischer und die Gästeplätze am Schwimmsteg sind begrenzt, in dem anderen machen auch die Fähren fest und das Anlegen ist erst nach Verlassen des letzten Passagierschiffes erlaubt. Und natürlich verholen sich – je nach Wetter – die Fischer und einheimischen Boote immer als erstes in das jeweils sichere Becken. Zum Glück aber gibt es auch Flaute oder Winde aus östlichen und westlichen Richtungen, dazu gibt es auch zwei Ankerplätze.

Irgendwo findet sich auch auf Marettimo ein freier Platz zum Festmachen.

Das erste, was Massimo, der die Bar oberhalb des Hafens betreibt, von uns Neuankömmlingen wissen will, ist, was uns denn hierher verschlagen habe. „Because this here is behind God“, sagt er und meint wohl, dass Marettimo eine ziemlich gottverlassene Gegend ist. Aber ehe wir uns und unsere Gründe für die kleinen Ägadischen Inseln erklären können, sitzen wir mit Massimo am Tisch und erfahren alles über die abgelegene Wilde. „Ein echtes Tauchparadies ist das hier, so viel klares Wasser und solch einen Fischreichtum gibt es sonst nirgendwo im Mittelmeer“, erzählt Massimo. „Und die Aussicht vom Monte Falcone ist einzigartig“, gerät er ins Schwärmen. „Pantelleria, ja selbst Afrika kann man von hier aus sehen“, behauptet der stämmige Sizilianer mit der dunklen Stimme.

Der gemütliche Ort von Marettimo ist hübsch und friedlich.

Die 800 Inselbewohner aber reizt die Fremde nicht. Lieber bleiben sie in ihrem kleinen Dorf an der einzigen halbwegs flachen Stelle der Insel. Und genießen ihr ruhiges Dasein, denn Stress und Hektik sind in den wenigen Gassen des Ortes Fremdwörter. Ebenso wie Touristenschwärme und Bettenburgen; neben ein paar Privatzimmern gibt es nur ein Hotel. Dennoch wirkt die Insel um einiges „städtischer“ als Levanzo, die Menschen begegnen Fremden hier mit Offenheit und Herzlichkeit.

Im Hinterland offenbart sich eine schroffe und bizarre Felslandschaft, die sich von einem Ufer bis zum anderen zieht. Und die man auf unzähligen kleinen Pfaden durchwandern kann, fast immer ohne eine Menschenseele zu treffen. Nur Falken und mit etwas Glück auch Adler kreuzen den Weg. Ein echtes Wanderparadies mit Abschaltgarantie und grandiosen Ausblicken. „Und abends“, so lautet Massimos Tipp, „gehst Du in eines der drei Restaurants, in denen Mama die Menüfolge bestimmt und nicht irgendeine Speisekarte.“

Unbedingt erwähnenswert sind die stets glücklichen und freundlichen sizilianischen Einwohner.

Fazit: Die Ägadischen Inseln sind Italiens Geheimtipp

Am nächsten Morgen heißt es früh aufstehen und der aufgehenden Sonne entgegen segeln. Zurück Richtung Palermo, wunderbar geschoben vom scheinbar stetigen und jetzt achterlichen Nordwestwind. Im Kielwasser bleibt ein Inselparadies zurück, das geduldig und bescheiden auf seine Entdecker wartet. Eines, das den Besucher mit Überraschungen verwöhnt und mit bleibenden Eindrücken verabschiedet. Wer sich auf den Weg in den Westen Siziliens und zu den „drei Perlen“ der Ägadischen Inseln macht, dem wird mit Sicherheit eines nicht fehlen: Die Liparischen Inseln 🙂

Charterbasis

Charterbasen im Revier gibt es auch im Yachthafen von Trapani.

Die Chartermöglichkeiten für eine Reise zu den Ägadischen Inseln haben in den letzten Jahren stetig zugenommen. Gab es früher nur Yachten ab Palermo, sind jetzt auch die Stützpunkte Marsala und Trapani dazugekommen, die noch näher an den Inseln gelegen sind. Bekannte überregionale Flottenbetreiber sind hier genauso vertreten wie kleinere, einheimische Anbieter. Insgesamt kann man hier zwischen einem guten halben Dutzend Anbietern wählen, die in der Regel die üblichen Charterflotten mit Yachten zwischen 30 und 50 Fuß anbieten. Für alle Ausgangshäfen bietet sich der Flughafen Palermo an.

Diese Charter-Agenturen helfen Dir, eine Yacht zu finden

Für eine deutschsprachige Beratung und die zuverlässige Buchung von Charteryachten bewährter Anbieter für einen Törn durch dieses Revier können diese Firmen behilflich sein:

Der Beitrag Törnbericht Italien: Segeln und Chartern in Sizilien und den Ägadischen Inseln erschien zuerst auf Blauwasser.de.

Checkliste: Reparatur und Wartung – das gehört auf jede Yacht.

Starke Beanspruchung der Technik an Bord

Wer eine Blauwasserreise unternimmt, erlebt neben den vielen schönen Dingen auch immer wieder Rückschläge technischer Art. Es gibt wohl kaum einen Bootseigner, der nicht schon fluchend vor irgendeinem kaputten Ausrüstungsgegenstand gesessen hat. Nicht umsonst gibt es das weitbekannte Bild von den Blauwasserseglern: Sie reparieren sich an den schönsten Ankerplätzen um die Welt. Kein Wunder: In einer salzig-feuchten Umgebung wird die gesamte Technik an Bord einer Blauwasseryacht dauerbeansprucht.

In der Regel gehen die Dinge frei nach Murphy’s Law immer dann kaputt, wenn gerade keine Werkstatt in der Nähe ist und kein Händler ein Ersatzteil im Lager hat. Dagegen muss man sich wappnen. Häufig muss dabei auch improvisiert werden. Ich erinnere beispielsweise noch gut, wie die Steuerung der Ankerwinde durch Korrosion den Geist aufgab. Natürlich passierte das am Ashmore-Reef zwischen Australien und Indonesien. Das Riff ist zwar einer der schönsten Plätze, die wir je besucht haben, aber es besteht eben auch nur aus Korallen, Sand und Wasser. Notgedrungen haben wir aus einer Plastikdose und zwei Ersatz-Tastern eine neue Steuerung gebaut. Sie ist heute noch im Einsatz — analog dem Motto: »Nichts ist so beständig wie ein Provisorium.«

„Nichts ist so beständig wie ein Provisorium“ — eine selbstgebaute Steuerung für die Ankerwinde.

Checkliste: Das gehört an Bord

In der Folge sollten Werkzeuge, Verschleißteile, Ersatzteile und Schmierstoffe in ausreichender Menge mitgeführt werden. Jedes Schiff ist anders ausgerüstet, und so ist das eine sehr individuelle Angelegenheit. Dennoch habe ich nachfolgend eine Checkliste mit Dingen, die an Bord immer mitgeführt werden sollten, zusammengestellt. Der Form halber sei erwähnt, dass die Liste keinen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt, und ich freue mich über Ergänzungen bei den Kommentaren am Ende des Beitrags.

Was generell an Bord sein sollte

  • Gewindebolzen, Muttern, Unterlegscheiben und Schrauben in verschiedenen Größen aus Edelstahl. Tipp: Mit einem Magneten kann man rausfinden, ob eine Schraube aus Edelstahl ist. Sie darf nicht magnetisch sein.
  • Schlauchschellen und Schlauchstücke in verschiedenen Größen
  • Gewebe-, Klebe- und Isolierband
  • Sekundenkleber
  • Epoxidharz und -härter nebst Gewebematte. Dies gilt nicht nur für GFK-Schiffe. Mit Epoxy kann man auch Metall und Holz verkleben oder in Stand setzen. Zum Mischen werden zudem Messbecher, Umrührstäbe und Einweghandschuhe benötigt.
  • Schweißelektroden/Schweißgerät (abhängig vom Rumpfmaterial)
  • Kabelbinder in verschiedenen Größen, die UV-beständig und langlebig sind.
  • Batterien/Akkus
  • Spanngurte. Leider gibt es im Handel kaum welche mit Edelstahl-Beschlägen.

An Bord sollte lieber zu viel als zu wenig Werkzeug mitgeführt werden.

Diese Werkzeuge sollten an Bord sein

Blauwassersegler reparieren sich an den schönsten Ankerplätzen um die Welt.

Wartung und Pflege

  • Schmier- und Gleitmittel
  • Winschenfett, Stevenrohrfett und Vaseline
  • Farben und Lacke
  • Rostschutzmittel
  • Kontaktspray
  • Aceton (Hinweis: In Kolumbien ist der Besitz von Aceton verboten)
  • Terpentin
  • Silikonspray
  • Bremsenreiniger (zum Reinigen von Verschmutzungen im Motorraum)
  • Politur

Ein regelmäßiger Ölwechsel gehört zur Wartung des Motors.

Motor und Außenborder

  • Ölfilter, Kraftstofffilter und Luftfilter
  • Impeller (mindestens zwei)
  • Dichtungen
  • Keilriemen
  • Stopfbuchse oder Wellenpackung/Fett
  • Opferanoden
  • Ölabsaugpumpe und Altölkanister
  • Motoröl und Getriebeöl sowie ggf. Öl fürs Zweitakter-Gemisch
  • Zündkerzen
  • Kühlmittel für den inneren Kreislauf – sofern es zwei Kreisläufe gibt

Eine undichte Luke kann zu großen Problemen führen.

Rigg, Takelage und Segel

  • Blöcke in verschiedenen Größen
  • Tauwerk in verschiedenen Stärken
  • Segeltuch
  • Segeltape und/oder Reparaturset
  • Takelgarn und -nadeln#
  • Mastrutscher, Stagreiter
  • Splinte und Bolzen in diversen Größen
  • Schäkel in verschiedenen Größen
  • Ersatz-Wantenspanner
  • Fett für Rollanlage
  • Bolzenschneider oder Wantenschussgerät

Ersatzteil auf Lager? Ein Schiffsausrüster in Griechenland.

Elektrik

  • Messgerät/Multimeter
  • Leuchtmittel und LED-Einsätze
  • Kabel mit verschiedenen Querschnitten und in verschiedenen Farben
  • Installationsmaterial: Aderendhülsen, Kabelschuhe, Klemmen, Schrumpfschläuche und Vulkanisierband (beständig gegen Öle, Bremsflüssigkeit, Salzwasser und UV-Strahlen)
  • Sicherungen in unterschiedlichen Dimensionierungen
  • Relais
  • Crimp- und Abisolierzange
  • Ersatzregler Lichtmaschine

Ein Multimeter hilft Fehler zu finden.

Verschleiß der Ausrüstung

  • Beim elektrischen Autopilot kann in Erwägung gezogen werden, eine separate Steuereinheit als Ersatz mitzunehmen. Hydrauliköl zum Nachfüllen sollte immer an Bord sein.
  • Windfahnensteuerung. Hier gehen gerne mal versehentlich die Flügel aus Sperrholz verloren. Ohne Ersatz ist man dann aufgeschmissen.
  • Wer einen Diesel- oder Benzingenerator sein Eigen nennt, sollte analog zum Motor auch hier die typischen Ersatzteile und Schmierstoffe mitführen. Beispielsweise Impeller oder Keilriemen.
  • Bordtoilette: Je nach Hersteller gibt es sogenannte Wartungskits mit allen gängigen Dichtringen.
  • Windgenerator: Bei extrem langen Reisen in autarke Regionen sollten Ersatz-Rotorblätter an Bord sein. Es kann immer vorkommen, dass ein Vogel nachts den Generator übersieht (leider).
  • Das Schlauchboot ist am Ankerplatz auf vielen Yachten häufig im Einsatz. Für kleine Reparaturen und zum Flicken wird entsprechendes Dicht- und Flickmaterial benötigt.

Ersatzteilversand im Ausland

Mitunter kommt es vor, dass ein Ersatzteil versendet werden muss. Das ist in unserer globalisierten Welt glücklicherweise nicht mehr schwierig. Selbst in entlegenen Palmenhütten gibt es Stationen der großen Versandunternehmen. Wo früher vor allem die Stützpunktleiter von Blauwasservereinen halfen, lagern die Pakete heutzutage eher in Marinas, auf Postämtern oder in anderen Abholstationen. Und dank der Trackingnummern kann online ständig eingesehen werden, wo das Paket ist.

Eine Kartuschenpresse gehört an Bord.

Hinzu kommt, dass immer mehr Schiffsausrüster weltweit versenden und es so immer einfacher wird, an Teile zu gelangen. Dabei gibt es eigentlich nur zwei Haken. Erstens: die Versandkosten. Zweitens: die Zollbehörden. Über die Versandkosten sollte man sich im Klaren sein — insbesondere bei Express-Lieferungen — und sie vorab klären. Das größere Problem sind die Zollbehörden. Zwar wird der Gegenstand nur kurz in das Land eingeführt und mit der Ausreise der Yacht wieder ausgeführt, aber das gehört in der Regel nicht zum Alltag der Beamten. Hier kann es zu großen zeitlichen Verzögerungen kommen. Wir haben uns beispielsweise Seekarten nach Neuseeland senden lassen und vor Ort zwei Wochen auf das Paket gewartet, weil es im Zoll festhing.

Dieses Paket hing in Neuseeland zwei Wochen im Zoll fest.

Mitunter werden saftige Zölle fällig, was sich selten umgehen lässt. Zwei Ansätze können helfen: Zum einen sollte auf dem Paket dick „YACHT IN TRANSIT“ stehen, um unmissverständlich klar zu machen, dass der Artikel gar nicht eingeführt wird, sondern beim Ablegen das Land wieder verlässt. Zum anderen hilft es weiter, wenn der Versender die Ware als Warenmuster deklariert und den Warenwert idealerweise mit null einstuft — vor allem bei einem kostenlosen Garantietausch. In jedem Fall sollte immer die Legalität der Maßnahme geprüft werden.

Fazit

Wie eingangs erwähnt, wird auf einer Weltumsegelung oder Blauwasser-Reise das Material stark beansprucht und es kommt unweigerlich zu Verschleiß, Ausfällen, Bruch und Defekten. Sicherlich helfen eine gute Vorbereitung und regelmäßige Wartung, aber nichtsdestotrotz wird es Situationen geben, in denen man auf sich alleine gestellt ist und etwas reparieren muss. Die vorstehende Liste soll dabei helfen, auf diesen Fall gut vorbereitet zu sein. Wie gesagt: Sie erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit und ich freue mich über Ergänzungen über die Kommentarfunktion.

In diesem Sinne: Mast- und Schotbruch.

Der Beitrag Checkliste: Reparatur und Wartung – das gehört auf jede Yacht. erschien zuerst auf Blauwasser.de.

Segeln auf den Kanarischen Inseln: entspannt rund Lanzarote

Die Lavainsel bietet die perfekte Kulisse für eine Charterwoche unter Segeln

Unter Deck ist alles sicher verstaut, die Luken sind dicht, die Ventile geschlossen. Auch an Deck ist alles vorbereitet, das Schlauchboot rutschfest vertäut, der Anker gesichert, das Großsegel gesetzt. Gleich hinter der Hafenmole drehe ich den Bug unserer Charteryacht CARLOTTA Richtung Wind und Welle, die Maschine läuft ruhig auf 1.900 Umdrehungen weiter, das Schiff taucht ein in die Wellen, Gischt spritzt übers Vordeck. Motorsegeln gegen Passat und Atlantikwelle.

Herrliches Atlantiksegeln erwartet jeden, der sich für einen Törn auf den Kanarischen Inseln entscheidet.

Der etwas ruppige Start gehört mit zu dem Plan, einen mediterranen Bummeltörn in einem Revier zu wagen, das als anspruchsvolles Hochseerevier mit wenigen Anlandeplätzen und weiten Distanzen bekannt ist: den Kanarischen Inseln. Die Idee dazu lieferte ein neuer Charterstützpunkt in Arrecife auf Lanzarote.

Mittelmeerfeeling im Atlantik: Segler vor den Papagayo-Stränden

Rund Lanzarote: 100 Seemeilen, vier Häfen, drei Ankerstopps

„Wer hier startet und einfach nur rund Lanzarote segelt, der hat eine tolle und abwechslungsreiche Urlaubswoche mit kurzen Entfernungen vor sich, wie man sie aus dem Mittelmeer kennt“, hatte der Firmenchef im Winter auf der Bootsmesse für sein neues Angebot geworben. Das Studium der nautischen Unterlagen belegt seine Aussage. Auf einem knapp 100 Seemeilen langen Rundtörn können auf Lanzarote drei Häfen besucht werden, die kleine Insel La Graciosa im Norden hat ebenfalls einen Hafen, und einen weiteren gibt es an der nahe gelegenen Nordküste von Fuerteventura. Sogar ein paar vor dem Passatwind gut geschützte Ankerplätze sind beschrieben.

Die langgezogene Insel bietet schöne Ziele auf kurzen Entfernungen. Karte: Webapp Navionics

Traumhaft schön und einsam: Ankern vor den Papagayo-Stränden

Ein paar Ungewissheiten aber bleiben: Sind die Ziele auf der fast vollständig von vegetationslosen Lavafeldern und erstarrten Schlacken bedeckten Insel überhaupt attraktiv? Bleibt das Segeln in dem meist windigen Revier mitten im Atlantik nicht trotzdem extrem anspruchsvoll? Sind die Etappen gegen den vorherrschenden Nordostpassat überhaupt segelbar? Wir wollen auf unserem einwöchigen Törn Antworten finden; der Stützpunktleiter ist sich schon vor Reisebeginn sicher: „Ihr werdet sehen, das Revier bietet die perfekte Kulisse für eine tolle Segelwoche!“

Blauer Atlantik, Sonnenschein und eine schöne Brise sind die Zutaten des Törns.

Mit sechs Knoten durchschneidet die neue Bavaria 46 Cruiser die Atlantikwellen; stampft sich das Schiff fest, sinkt die Geschwindigkeit auf unter vier Knoten. „Ich hatte mir die Atlantikwelle länger und ruhiger vorgestellt“, sagt Mitsegler Tom – der Unternehmer kommt wie alle vier Crewmitglieder aus Hamburg. Stoisch hält er das Schiff auf Kurs, immer wieder spritzt ihm die Gischt ins Gesicht, „das Geschepper erinnert irgendwie an eine aufgewühlte Ostsee.“

Bei der Etappe um die Nordspitze ist Spritzwasser einkalkuliert

Auf der ersten Etappe, die von Arrecife aus rund um die Nordspitze von Lanzarote führt, haben wir es mit einer Windsee zu tun, verursacht durch böigen Nordwind mit bis zu 25 Knoten. Doch anders als in der Ostsee ist das Meer schon wenige Seemeilen vor der Küste über 1.000 Meter tief, strahlend blau und voller Leben. Bereits auf den ersten Meilen begleitet eine Delfinschule das Schiff. Und José, der einheimische Basismitarbeiter, hatte erklärt: „Jetzt im April beginnt die Tunfischsaison, eine gute Zeit zum Hochseeangeln.“

Spielende Delfine sind immer wieder ein herrliches Schauspiel.

Ein bunter Oktopus aus Gummi rauscht im Kielwasser der CARLOTTA hinterher, nach zweieinhalb Stunden Stampfen geht der Bug durch den Wind. Der Großbaum kracht von der Steuerbord- auf die Backbordseite, wir setzten die Genua, das Tuch knallt im Wind. Mitsegler Frank, Zahnarzt mit ruhiger Hand, zerrt das Segel mit Hilfe der Winschkurbel dicht. Das voluminöse Schiff legt sich auf die Seite, der Motor geht aus, mit Westnordwestkurs liegt jetzt hoch am Wind die Nordspitze der Insel an. Die Bavaria Cruiser 46 ist kein Rennpferd, doch das Schiff vermittelt ein sicheres Gefühl.

Auf den Etappen mit Nordkurs muss mit Gegenwind gerechnet werden.

La Graciosa ist durch einen flachen, kaum eine Seemeile breiten Kanal von Lanzarote getrennt. Es gibt einen Fischerort samt Hafen, die Insel ist Teil des Naturschutzgebietes Archipiélago Chinijo. Angeln ist hier verboten, das Ankern nur in einer ausgewiesenen Bucht erlaubt. Wer die Insel und den Hafen anlaufen möchte, braucht eine Genehmigung, die CARLOTTA nicht hat. „Heute kann ich euch keine mehr besorgen, die Behörde ist geschlossen“, hatte uns José am Samstag bei der Übernahme gesagt. „Aber fahrt einfach hin, im Moment ist nicht viel los, und wenn es Probleme gibt, ruft mich an.“

Der Hafen von La Graciosa liegt direkt am Ort mit seinen weißen Würfelhäusern.

Überall im Revier sind die Häfen über UKW Kanal 9 erreichbar

Auf UKW Kanal neun bekommen wir die Erlaubnis zum Festmachen, der kleine Hafen mit seinen flachen, weißen Häusern, seinen zwei langen Schwimmstegen, den bunten Fischerbooten und den kleinen Fähren ist auf Anhieb sympathisch. „In der Hauptsaison geht ohne Voranmeldung gar nichts“, hatte José berichtet. „Wenn im Oktober, November und Dezember die vielen Fahrtensegler auf ihrem Weg in die Karibik auf den Kanarischen Inseln haltmachen, ist der Hafen total überfüllt.“

Durch den entspannten Ort von La Graciosa führen nur Schotterpisten.

Im Stundentakt erreicht eine Katamaranfähre mit Tagestouristen aus Lanzarote den kleinen Inselhafen Caleta del Sebo. Es gibt keine asphaltierten Straßen, auch durch den Ort selbst führen nur staubige Sandpisten, „sieht aus wie im Wilden Westen“, findet Tom. Die wenigen Inselautos sind fast alles Land Rover, es werden Touren zu den schönsten Stränden der Insel angeboten, dem Playa de Las Conchas und dem Playa Lambra. Mit dem Mietfahrrad, Typ robustes Mountainbike, erreicht man die Strände in einer Dreiviertelstunde.

Die ersten feinsandigen Strände von La Graciosa liegen gleich neben dem Hafen im Ort.

Eine Schotterpiste führt durch eine baumlose Lavalandschaft, vorbei an gleichmäßig geformten und hoch aufragenden Vulkankegeln. Die Vegetation beschränkt sich auf ein paar Bodenflechten und kniehohes Gestrüpp, doch die archaische Mondlandschaft hat etwas Ästhetisches und findet, genauso wie die von Lanzarote, weltweit kaum Parallelen.

So viel Grün ist in der Steinwüste von La Graciosa fast schon selten.

La Graciosa ist ein liebens- und lohnenswertes Ziel

Der 700-Seelenort selbst ist eine junge Fischersiedlung, die mehr und mehr auch vom Tourismus lebt. Es gibt zwei Supermärkte, einen Travellift, einen Campingplatz, Geldautomaten, Arzt und Metzger, eine Tauchstation, Post, Apotheke und Bäckerei. Natürlich auch mehrere Cafés und Restaurants, sogar eine Disco hat der ruhige Ort zu bieten. Verlässt am Abend die letzte Fähre die Insel, sind die Dorfbewohner und die wenigen Segler und Landtouristen unter sich. Besucht wird die Insel vor allem von jungen Individualtouristen und coolen Surfern, die an der Westküste die perfekte Welle suchen.

Der Hafenmeister kassiert das Liegegeld und gibt Tipps für die Insel.

Abends gibt es günstige Tapas auf luftigen Terrassen

Am Abend gibt es auf der Terrasse des Restaurants Girasol gleich neben dem kleinen Ortsstrand gezapftes San Miguel-Bier und landestypische Spezialitäten: kleine frittierte Paprikaschoten mit Meersalz, gebratene Champignons mit frischem Oregano, in Bierteig frittierte Oktopusse, Riesengarnelen in Knoblauchöl, gebackene Pellkartoffeln in Salzkruste mit scharfer roter Soße, Hähnchen mit Serrano-Schinken und Salat mit überbackenem Ziegenkäse. Die Teller werden hin und her gereicht, jeder probiert alles, in den folgenden Tagen werden Tapas zur Lieblingspeise erklärt. Nirgends kostet das Essen mehr als 60 Euro für vier Personen – Getränke inklusive. Die Kanaren sind ein vergleichsweise preiswertes Reiseland.

Lecker, günstig, abwechslungsreich: Tapas gehören zu Spanien.

Sollen wir noch einen weiteren Tag auf der Insel verbringen? „Ich würde fünf von sieben Tagen dort bleiben“, meinte José bei der Einweisung, „ganz ehrlich, es ist mein absoluter Lieblingsplatz.“ Wir verholen zum Playa Francesa im Süden, die Bucht ist der einzige erlaubte Ankerplatz. Mittlerweile ist Montag, die Behörden sind wieder geöffnet, José hat uns angemeldet, die Genehmigung ist kostenlos. Die Bucht ist eine Perle, unverbaut und mit einem halbmondförmigen, weißen Sandstrand. Jetzt im April ist CARLOTTA die einzige Segelyacht, bis auf einen einsamen Eremiten in einem Steinverschlag ist die Bucht menschenleer.

Die Bucht Playa Francesa wird im Hintergrund von Lanzarote überragt.

Die Natur zeigt sich kraftvoll und unberührt

Bei sieben Meter Wassertiefe fällt der Anker, später werden es nur noch fünf sein, jetzt zur Springzeit gibt es gut zwei Meter Tidenhub. Nennenswerte Strömungen im offenen Wasser hat das nicht zur Folge, nur die flach auslaufenden Strände verändern sich erheblich. Wir gehen spazieren und Strandgut sammeln, dösen im Cockpit, bereiten Nudelsoße und Salat zu; nur ins Wasser möchte niemand. Immer wieder verdecken Wolkenfelder die Sonne und frischer Nordwind fegt über Deck, und der Atlantik hat nicht einmal 20 Grad Wassertemperatur zu bieten.

Beim Anlanden immer bedenken, dass es auch einen moderaten Tidenhub gibt.

Tag drei beginnt mit der längsten Segeletappe der Reise, bis zur Marina Rubicon ganz im Süden sind es 35 Seemeilen. „Entlang der gesamten Westküste von Lanzarote gibt es keine einzige Anlandestelle“, hatte José erklärt. Mit Vollzeug und auf Raumschots-Kurs prescht unsere Charteryacht gen Süden, hinter der Abdeckung von La Graciosa setzt die Atlantikdünung ein. Immer wieder heben die langgestreckten Wellen das Heck in die Höhe und rollen gurgelnd unter dem Schiff durch. Ins Surfen kommt das Fahrtenschiff nicht, bei sieben bis acht Knoten ist Schluss. „Die Geschwindigkeit ist perfekt“, meint Mitseglerin Anita und wechselt den Köder der Schleppangel, „heute geht bestimmt was!“

Auf Südkurs prescht das Schiff mit achterlichem Wind dahin.

Doch der Tunfisch will nicht beißen, stattdessen besuchen uns Silbermöwen und Sturmtaucher, wieder spielt eine Delfinschule mit unserm Bug. Die Tiere springen aus dem Wasser, tauchen unter dem Boot durch, geben lustige Quietschlaute von sich und klatschen mit ihren Flossen in den Wellen. Kameras klicken, Handys filmen, „ist das herrlich“, findet Anita, „was für eine tolle Segelreise.“

Atlantik pur: Passat, Delfine, Hochseeangeln

Hinter dem Punta Pechiguera beginnt die kurze Südküste von Lanzarote, das Wellenbild löst sich auf, die Wassertiefe steigt an auf 30 Meter. Am Ufer ziehen ausgedehnte Touristensiedlungen vorüber, in der Meerenge zwischen Lanzarote und Fuerteventura ist jetzt auch auf dem Waser mehr los. Fähren kreuzen unseren Kurs, ein paar Segelboote und Sportfischer. In Ufernähe geht eine Touristenattraktion auf Tiefe: ein gelbes Unterseeboot. Am Playa Dorada stehen die gelben Sonnenliegen und Sonnenschirme wie Zinnsoldaten in Reih und Glied, drumherum weiße, mehrgeschossige Apartmenthäuser und Hotels.

An der Südküste von Lanzarote gibt es mehrere Touristensiedlungen.

Marina Rubicon ist das nautische Zentrum von Lanzarote

„Marina Rubicon, Marina Rubicon, this is Sailing Yacht Carlotta, Carlotta.“ In den Häfen des Reviers wird erwartet, dass man sich auf UKW-Kanal 9 anmeldet. Der moderne Yachthafen ist ein lebendiger Ort mit Pool, Promenade, Geschäften, Cafés und Restaurants, der auch von den vielen Pauschaltouristen besucht wird. Außerdem ist der Hafen ein beliebtes Zentrum der Hochseesegler, die Wände der Bar One auf der Hafenmole sind tapeziert mit Fotos von Segelikonen. Der Seglertreff wurde sogar mal zur besten Seglerbar der Welt gekürt.

Rund um die Marina Rubicon gibt es viele Geschäfte, Restaurants und Bars.

Später treffen wir zufällig Boris Aljinovic, den bekannten Berliner Charakterdarsteller mit der großen Nase, der in der Marina Rubicon sein Boot über den Winter liegen hat. „Ein perfekter Ausgangsort“, findet der ehemalige Tatort-Kommissar, „von hier aus kann ich mal eben nach Puerto Calero und nach Arrecife segeln oder gegenüber auf der Insel Lobos ankern. Am schönsten ist es natürlich nebenan vor den Papagayo-Stränden.“

Der Berliner Schauspieler Boris Aljinovic auf seiner Contessa 32

Mit dem Dinghi durch die Lagune der Isla de Lobos

Die Isla de Lobos vor der Nordküste Fuerteventuras liegt nur sieben Seemeilen von der Marina Rubicon entfernt, im Süden der Insel gibt es einen geschützten Ankerplatz. Hinter einer Landzunge öffnet sich eine lagunenartige Landschaft, an den schroffen Felsküsten liegen die wenigen Häuser einer winzigen Siedlung. Wanderwege führen über die Insel, und im kleinen Restaurant Antonito el Farero wird ein Mittagstisch serviert. Die Sonne brennt, die Badeplattform ist riesig, Tom springt ins Meer. „Mann, ist das kalt!“, schreit er, schwimmt um das Schiff, greift sich eine Taucherbrille und freut sich: „Eigentlich gar nicht so schlimm.“

Der Atlantik ist nicht so warm wie das Mittelmeer und nichts für Warmduscher.

Ist der Ankerplatz für die Nacht zu unruhig, kann im Hafen von Corralejo gegenüber auf Fuerteventura festgemacht werden. Wir aber kreuzen mit unserer Charteryacht zurück zur Südküste von Lanzarote, unser Ziel sind die Strände von Papagayo. Der Wind hat nachgelassen, die See in der sechs Seemeilen breiten Meerenge zwischen den beiden großen Kanareninseln ist ruhig, T-Shirt-Segeln in warmer Abendsonne. Die Badebucht El Papagayo liegt zwischen steilen und rötlich leuchtenden Felsen, dahinter breiten sich die kilometerlangen und unbebauten Sandstrände des gleichnamigen Nationalparks aus.

Die trockene Lava- und Vulkanlandschaft von Lanzarote ist auch bei den Papagayo-Stränden allgegenwärtig.

Unbebaut und archaisch schön: Ankerplatz El Papagayo

Der Anker fällt vor einer traumhaft einsamen und naturbelassenen Strand- und Lavalandschaft, bestens geschützt vor den vorherrschenden Nordostwinden. Die Badegäste sind alle schon weg, wir fahren mit dem Schlauchboot rüber zum Strand, toben wie kleine Kinder durch die Wellen und genießen mit einer Dose Bier in der Hand die letzten Strahlen des Sonnenuntergangs. Beseelt fallen wir später in unsere Kojen, „was für ein super Segelrevier“, findet Frank. CARLOTTA ist die einzige Yacht am Ankerplatz.

Für alle an Bord das schönste Ziel der Reise sind die abends menschenleeren Strände von El Papagayo.

Auch Puerto Calero und Arrecife sind lohnenswerte Ziele

Die beiden letzten Etappen sind kurz, nach Puerto Calero sind es keine zehn Seemeilen, wieder beißt kein Tunfisch. Die private Marina protzt mit Pollern aus Messing und Badeleitern aus Edelstahl, die Restaurant- und Ladenzeile ist erstaunlich belebt, einen richtigen Ort gibt es nicht. Im Restaurant El Tomate wird frischer Tunfisch angeboten, „kommt, wir fangen eh keinen mehr“, meint Tom. Aus der Küche kommen vier riesige und perfekt angebratene Steaks, außen kross und innen noch roh, „besser geht es nicht“, freut sich auch Anita.

Puerto Calero ist eine moderne Marina mit entspannter Atmosphäre.

Fazit: Ein Bummeltörn auf den Kanaren ist möglich

Arrecife, Start- und Endpunkt der Reise, ist das vermeintlich am wenigsten attraktive Ziel. Doch die neue Marina mit großer Shoppingmeile ist tadellos, das nahegelegene Hafenviertel einen Bummel wert und im La Bulla werden die besten Tapas der ganzen Woche serviert. Schon wieder eine positive Überraschung in einem Revier, das bis jetzt nicht den Ruf hatte, für einen entspannten Bummeltörn zu taugen. Doch genau das haben wir erlebt: kurze Entfernungen, einen Mix aus Ankerplätzen und Häfen, eine Urlaubswoche wie im Mittelmeer. Nur mit besseren Windverhältnissen, günstigeren Preisen und dem Schuss Abenteuer Atlantik.

Die beste Tapas-Bar der Reise: La Bulla im Start- und Endhafen Arrecife

Charter

Das Charterangebot an Yachten auf den gesamten Kanarischen Inseln ist im Vergleich zu Mittelmeerdestinationen klein. Auf den Inseln Lanzarote, Teneriffa und Gran Canaria bieten gerade mal eine Handvoll Charterunternehmen zusammen nur etwa 70 Schiffe an. In der Sommersaison (die auch schön ist!) sind es sogar noch weniger, da einige Yachten wieder zurück ins Mittelmeer überführt werden. Was übrigens eine gute Gelegenheit für eine schöne Blauwasserreise zu meist sehr günstigen Konditionen ist.

Der Yachthafen von Arrecife hat auf der Hafenmole eine große Geschäfts- und Gastronomiezeile.

Das vergleichsweise knappe Angebot liegt in erster Linie daran, dass das Segeln in den offenen Atlantikpassagen zwischen den Inseln als anspruchsvoll gilt und die Etappen dann bisweilen auch weit sind. Wer dagegen ab Lanzarote chartert oder mitsegelt und nur die Insel umrundet, der vermeidet Gewaltetappen. Chartermöglichkeiten, Mitsegelangebote oder sogenannte Crewed-Charter-Angebote gibt es entweder ab Arrecife (ganz in der Nähe vom Flughafen) oder ab dem maritimen Zentrum der Insel, der Marina Rubicon ganz im Süden.

Diese Charter-Agenturen helfen dir, eine Yacht zu finden

Für eine deutschsprachige Beratung und die zuverlässige Buchung von Charteryachten bewährter Anbieter auf Lanzarote oder den umliegenden Kanareninseln können diese Firmen behilflich sein:

Diese Firmen bieten organisierte Reisen an

Flottille, Kojencharter, Crewed-Charter, Segelkreuzfahrt – die Möglichkeiten Lanzarote und/oder die Kanarischen Inseln unter Anleitung oder in der Gruppe kennenzulernen sind vielfältig. Diese Firmen bringen dich aufs Wasser:

Der Beitrag Segeln auf den Kanarischen Inseln: entspannt rund Lanzarote erschien zuerst auf Blauwasser.de.

Richtig Ankern in der Strömung

Ankern – ein wunderbares Erlebnis

Wenn wir mit unserem Segelschiff unterwegs sind, kommt es regelmäßig vor, dass wir die Nacht vor Anker verbringen. Für meine Familie und mich ist es eine der schönsten Arten den Segeltag ausklingen und beginnen zu lassen. Die Ruhe am Ankerplatz, das sanfte Plätschern der Wellen am Rumpf und die Möglichkeit, unser Schiff abseits überfüllter Marinas in einer idyllischen Umgebung zu verankern, machen für mich den Reiz aus. Dabei kommt es nicht selten vor, dass Strömung am Ankerplatz vorhanden ist – insbesondere auf dem Revier vor unserer Haustür, der Nordsee, gehören die Gezeiten zum Bordalltag.

An der Nordsee gehört das Ankern im Strom zum Bordalltag.

Gleichwohl das Ankern mit Strömung nicht viel anders abläuft als das Ankern ohne Strömung, gilt es, ein paar Dinge zu beachten, die das Bordleben leichter machen. Dabei möchte ich weniger auf das Ankermanöver als solches eingehen, sondern vielmehr aufzeigen, was es eben alles noch zu beachten gibt, wenn am Ankerplatz Strömung fließt.

Wind und Strömung

Für die Position des Schiffes am Ankerplatz sind zwei Faktoren maßgeblich verantwortlich. Strömung und Wind. Dabei spielt ihre jeweilige Stärke eine erhebliche Rolle.

Eine starke Strömung bei Flaute oder schwachem Wind führt dazu, dass sich das Boot in den Strom legt. Je stärker die Strömung ist, desto schneller geschieht dies und desto stabiler ist für gewöhnlich die Position des Schiffes. Ist die Strömung nicht so stark, schwojt das Schiff mehr umher. Weht der Wind stark und die Strömung ist nicht so stark, ist das Boot hingegen bestrebt, sich mit dem Bug in den Wind zu legen.

An diesem Ankerplatz setzt ordentlich Strom.

Es gibt also anders als beim Ankern ohne Strömung (wo nur der Wind eine Rolle spielt) zwei verschiedene Einflussfaktoren, die die Position des Schiffes am Ankerplatz bestimmen. Befinden sie sich im Einklang, ist das unproblematisch – das ist beispielsweise dann der Fall, wenn Wind und Strömung in dieselbe Richtung setzen.

Anstrengend werden kann es hingegen, wenn der Wind einigermaßen stark weht und der Strom einigermaßen stark setzt – und das in konträre Richtungen. Dann fängt das Schiff an kräftig hin und her zu schwojen. Mehr noch: Es kann dazu kommen, dass das Schiff über den Anker fährt.

Ankerkralle benutzen

Kommt es zu einer solchen Situation, kann es passieren, dass die Ankerkette am Rumpf scheuert und im ungünstigsten Fall dabei sogar den Rumpf beschädigt. Dies gilt es natürlich zu vermeiden. Bei uns an Bord setzen wir dafür eine sogenannte Ankerkralle ein. Das ist eine Kralle mit einem Tau dran. Die Kralle wird in die Kette eingehakt und das Tau auf einer Klampe belegt. Dann wird die Kette stark gefiert, sodass sie zugentlastet ist und herunter hängt. Beim Ankern in der Strömung muss hierbei darauf geachtet werden, dass die Kralle unter Wasser in die Kette einhakt, damit Kette und Kralle nicht den Rumpf beschädigen können.

Ankerkralle im Einsatz

Aber auch sonst würde ich beim Ankern immer eine Ankerkralle verwenden, weil das Umverlagern des Zuges auf die Klampe die Lager der Ankerwinde entlastet und schont. Außerdem vermindert dieses Vorgehen eine Schallübertragung der Scheuergeräusche der Ankerkette am Meeresboden.

Der Wind ist stärker als die Strömung. Die Yacht wird über die Kette geschoben.

Wenn die Kombination aus Wind und Strömung zu anstrengend wird, kann mit einem Treibanker, einer Pütz oder einem Heckanker Abhilfe geschaffen werden.

Einsatz eines Treibankers

Gewinnt der Wind zunehmend die Oberhand, führt dies wie geschrieben dazu, dass das Schiff am Ankerplatz stark schwojt. Dann hilft es, mit einem Hilfsmittel die auf das Schiff wirkende Strömung so zu verstärken, dass der Wind das Nachsehen hat. Beispielsweise kann ein Treibanker eingesetzt werden. Das ist ein großer, trichterförmiger Körper, der am Heck achteraus gelassen wird.

Ausgebrachter Treibanker am Heck einer Yacht

Die Strömung fließt durch den Trichter und es entsteht Druck auf dem Trichter. Das führt dazu, dass die Yacht in die Strömung ausgerichtet wird, weil der Treibanker sich in den Strom legt. Alternativ kann auch eine stabile Pütz verwendet werden. Auf Dauer ist jedoch ein Treibanker vorzuziehen.

Tipp: Da der Treibanker unter der Wasseroberfläche ist, kommt es immer mal wieder vor, dass Segler ihn beim Ankeraufgehen vergessen. Er wird schlicht übersehen. Im ungünstigsten Fall gelangt er dann beim Manöver in die Schiffsschraube. Daher sollte für diesen Fall immer am Zündschlüssel ein Warnhinweis angebracht werden.

Der große Vorteil des Treibankers ist, dass man ihn auch gut in Revieren mit wechselnden Strömungen benutzen kann. Beispielsweise auf einem Fluss mit Ebbe und Flut. Während die Tide kippt, hängt er für gewöhnlich senkrecht herunter. Nach dem Tidenkipp baut er sich dann in der neuen Position wieder auf. Mit einem ausgebrachten Heckanker wäre dies so nicht möglich.

Treibanker lassen sich an Bord gut stauen.

Treibanker sind in der Regel aus flexiblem Material. Normalerweise beanspruchen sie wenig Stauraum, haben kaum Gewicht und sind erschwinglich. Es spricht daher wenig dagegen, einen Treibanker an Bord zu haben.

Heckanker

Der Heckanker ist eine andere Alternative, das Schiff im Strom mit dem Bug zum Strom auszurichten. Diese Variante würde ich allerdings nur auf Gewässern einsetzen, deren Strömung immer in die gleiche Richtung fließt. Beispielsweise auf dem Rhein. Wechselt die Strömung hingegen alle sechs Stunden im Takt der Gezeiten, müsste jedes Mal der Heckanker neu ausgebracht werden. Das halte ich für wenig praktikabel.

Diese Yacht ankert im Strom in Indonesien.

Ruder mittschiffs

Generell wird beim Ankern in der Strömung das Ruder in die Mittschiffsposition gestellt und fixiert. Alles andere führt dazu, dass das Schiff mächtig am Anker zerrt und versucht seitlich wegzufahren. Mir ist das schon mal aus Versehen in einem Priel auf der Nordsee passiert. Auf einmal war die Strömung so stark, dass das Schiff versucht hat, an den Rand des Priels zu fahren, und dabei mächtig am Anker gezerrt hat und diesen über mehrere Meter durch das Watt gezogen hat.

Länge der Ankerkette

Wie die Länge der auszubringenden Ankerkette ermittelt wird, habe ich hier ausführlich beschrieben. Allerdings sollte dabei immer im Hinterkopf behalten werden, dass in einigen Gezeitenrevieren die Länge der ausgebrachten Ankerkette immer so bemessen werden muss, dass ich bei Hochwasser genug Kette gesteckt habe. Auch kann Revieren mit Strömung – wenn es der Platz erlaubt – etwas mehr Kette als Puffer gesteckt werden.

Je nach Revier kann man sich vor Anker bei Niedrigwasser trockenfallen lassen.

Je nach Revier und Schiffsform kann man sich vor Anker bei Niedrigwasser auch trockenfallen lassen. Immer wieder ein besonderes Erlebnis. Aber das steht auf einem anderen Blatt 🙂

Umgang mit dem Tidenkipp

In Gezeitenrevieren kippt, über den groben Daumen gesagt, alle sechs Stunden der Strom. Auf den Ebbstrom folgt der Flutstrom und umgekehrt. Dazwischen liegt die sogenannte Phase des Stauwassers. Das führt dazu, dass das Schiff bei jeder Richtungsänderung der Strömung in eine neue Ankerposition geht und der Anker am Meeresboden mehr oder minder ausgegraben und wieder neu eingegraben wird. Ein Vorgang, der manchen Skipper beunruhigt und davon abhält in Strömung zu ankern. Das muss so nicht sein. Hier kann man sich mit einem Trick behelfen – insbesondere auch dann, wenn der Tidenkipp mitten in der Nacht ist.

Die Tide kippt und die Yacht schwojt herum.

Ich programmiere bei uns grundsätzlich eine Ankerwache. Dabei wird ein Punkt festgelegt und der Abstand zum selbigen überwacht. Wird der Abstand zu groß, geht ein Alarm los. Dabei legt der Skipper fest, wie groß der Radius um das Schiff sein soll. Beim Ankern in Gezeitengewässern ist die Position der Yacht für gewöhnlich sehr stabil an einem Punkt. Daher kann der Radius entsprechend klein gewählt werden. Kommt es zum Tidenkipp, wird der Alarm ausgelöst und ich werde informiert und kann den Vorgang überwachen.

Die Ankerwache ist eine wertvolle Hilfe.

Einsatz von Instrumenten

Auf vielen Yachten sind Multifunktionsanzeigen im Einsatz, die unter anderem die folgenden beiden Werte anzeigen: „Fahrt durchs Wasser“ und „Fahrt über Grund“. In einem Revier mit Strömung kann für gewöhnlich mit einem Blick auf diese beiden Werte sehr schnell festgestellt werden, ob der Anker rutscht oder hält.

Beträgt die „Fahrt über Grund“ quasi null Knoten und die „Fahrt durchs Wasser“ beispielsweise zwei Knoten, hält der Anker. Die zwei Knoten entsprechen in dem Beispiel der Geschwindigkeit, mit der das Wasser unter dem Schiff hindurchströmt – dadurch kommt es zu einer „Fahrt durchs Wasser“, obwohl das Schiff vor Anker liegt. Im nachstehenden Foto sind es 2,07 Knoten. Die „Fahrt über Grund“ hingegen liegt bei 0,08 Knoten. Das passt!

Anker hält, wie die Instrumente bestätigen.

Beträgt die „Fahrt über Grund“ hingegen zwei Knoten und die „Fahrt durchs Wasser“ null Knoten, hält der Anker nicht mehr. Der umgekehrte Fall ist eingetreten und das Schiff treibt mit der Strömungsgeschwindigkeit fort.

Mit anderen Worten: In einem Revier mit Strömung macht das Schiff vor Anker immer Fahrt durchs Wasser und nie über Grund! Nebenbei bemerkt: eine gute Gelegenheit, beim Nichtstun Seemeilen zu sammeln 😉

Vertrauen in das Ankern mit Strömung gewinnen

Segler, für die das Ankern in der Strömung Neuland ist, können sich das Leben etwas leichter machen, wenn sie beim ersten Mal sehr rechtzeitig am Ankerplatz vor dem Dunkelwerden ankommen. Im Idealfall erlebt man schon mal einen Tidenkipp bei Tageslicht und bekommt so ein Gefühl dafür, wie sich das anfühlt.

Frühes Ankommen macht das Ankern entspannter.

Außerdem kann dabei schnell festgestellt werden, ob das eigene Ankergeschirr zu der gegebenen Bodenbeschaffenheit passt. Hält der Anker problemlos nach dem Tidenkipp, ist dies normalerweise auch bei jedem weiteren Tidenkipp der Fall.

Sicherheitsleine ausbringen

Ein Sicherheitshinweis sei noch erlaubt: Wer an einem Ankerplatz mit Strömung über Bord fällt, kann erhebliche Probleme bekommen gegen die Strömung zu schwimmen, um zum Schiff zurückzukommen. Ab zwei Knoten Strömungsgeschwindigkeit wird es für die meisten gar unmöglich. Eine Leine mit einem Fender hinter dem Heck kann hier gegebenenfalls Abhilfe schaffen.

Fazit

Ankern im Strom ist kein Hexenwerk, da es sich genau genommen gar nicht so sehr vom normalen Ankern ohne Strömung unterscheidet. Die vorstehenden Punkte sollten allerdings beachtet werden, damit das Ankern im Strom Spaß macht.

Magische Momente gibt es immer wieder vor Anker.

Wer das Ankern im Strom wagt, wird mitunter mit einem beeindruckenden Naturschauspiel belohnt – beispielsweise in Revieren mit starkem Tidenhub. Eben noch ist eine gigantische Wasserfläche überspült und ein paar Stunden später ragen an derselben Stelle die Sandbänke hoch hinaus und die Landschaft erhält ein völlig neues Gesicht. Spätestens dann wird den meisten Seglern klar: Es lohnt sich!

Der Beitrag Richtig Ankern in der Strömung erschien zuerst auf Blauwasser.de.

Revier-Info Galapagos: Einklarieren, Formalitäten, Auflagen, Ankerplätze und Infrastruktur

Galapagos: die Formalitäten bei der Einreise

Nach etwas über 30 Tagen Aufenthalt auf Galapagos habe ich eine Zusammenfassung erstellt, die vielleicht dem einen oder anderen Segler hilft, falls Galapagos mit dem Boot angesteuert werden soll.

Erforderliche Dokumente

Ein ganz wichtiges Dokument ist das sogenannte Autografo (Fahrerlaubnis), das man vier bis sechs Wochen vor der Einreise nach Galapagos bei einem der Agenten beantragen muss. Dafür benötigt der Agent für gewöhnlich alle Dokumente, die bei der Einreise nach Galapagos auch benötigt werden, in gescannter Form. Wer ohne Autografo einreist, ist den Behörden ausgeliefert und darf vor allem nur maximal eine Insel anlaufen.

Wichtiges Dokument: das Autografo

Außerdem werden die Schiffspapiere, die Reisepässe der Crewmitglieder, ein Nachweis über die Schiffsversicherung, die Krankenversicherung sowie die Frequenzzuteilungsurkunde samt Funklizenz benötigt. Weitere Infos zum Umgang mit Behörden und den Papieren gibt es auch hier.

Mit dem Antrag muss auch ein Termin festgelegt werden, zu dem die Einreise erfolgen soll. Später ankommen ist kein Problem. Zu früh ankommen hingegen schon. Ab dem Termin bleiben 30 Tage, um den Archipel zu besuchen. Alternativ können auch 60 Tage beantragt werden – dann fallen zusätzliche Gebühren an.

Galapagos ist ein reizvolles Ziel.

Auflagen bei der Einreise nach Galapagos

Generell kommen die Vertreter der verschiedenen Behörden an Bord. Einreisen und Ausreisen kann man auf den Inseln San Cristobal oder Santa Cruz. Auf der Insel Isabela müssten die Behörden extra anreisen, daher ist diese Insel nicht geeignet.

Bei der Einreise selbst gilt es, folgende Auflagen zu erfüllen: Es dürfen kein Frischfleisch, keine Orangen, keine Beeren, keine Chilis und kein Frischkäse eingeführt werden. Zudem muss die eigene Yacht gegen Insekten und Ratten ausgeräuchert sein. Der Nachweis darüber wird mit einem sogenannten „Fumigation certificate“ erbracht – sofern es nicht älter als vier Wochen ist. Alternativ wird bei der Einreise ausgeräuchert. Preiswerter und weniger aufwendig ist es in Panama oder Ecuador Festland.

Einklarieren am Ankerplatz

Und auch das Unterwasserschiff findet Beachtung. Es darf absolut keinen Bewuchs haben. Andernfalls muss man wieder 40 Seemeilen hinaus aufs offene Meer fahren – dort befindet sich die Grenze des Nationalparks. Außerhalb des Nationalparks kann man das Schiff dann reinigen. Nach der erneuten Einreise wird es nochmals inspiziert.

Umgang mit Abfällen an Bord

Außerdem müssen an Bord gut sichtbar und beschriftet drei Abfalleimer bereit stehen. Je einer für Bio-, Rest- und Recycling-Müll. Dazu gehören auch zwei Hinweisschilder mit der Message „Do not throw garbage over Board“ oder „Do not discharge black water into the sea“

Das Büro des Hafenkapitäns auf Cristobal

AIS-Pflicht auf Galapagos

Das AIS (Automatic Identification System) muss mit einem Transponder (Sendeeinheit) ausgestattet sein und darf nicht ausgeschaltet werden. Das war für uns eine Herausforderung, da bei uns die gesamte Navigation an derselben Sicherung hängt und wir damit unnötig viel Energie verbrauchen. Mein Mann Ferry hat das AIS daraufhin auf eine gesonderte Sicherung ummontiert.

Kennzeichnungspflicht für Rettungsmittel

Alle Sicherheitseinrichtungen (Rettungsinsel, Wurfleine, MOB-Boje, …) müssen mit dem Bootsnamen beschrieben sein. Überprüft werden könnten bei der Einreise beispielsweise: Rettungsring(e), Feuerlöscher, Erste-Hilfe-Kasten, Radar, VHF, EPIRB, Rettungswesten oder Signalmittel – und das auf jeder Insel aufs Neue!

Ankernde Yachten

Was kostet es, nach Galapagos zu segeln?

Wir sind ein 43-Fuß-Segelboot und haben 1.680,- USD bezahlt für den Agenten, den Nationalpark, das genannte Autografo und diverse andere Abgaben. Im Gegenzug haben wir drei der fünf bewohnten Inseln besucht (San Cristobal, Santa Cruz und Isabela).

Ein möglicher Agent ist dieser hier: www.galapagosyachtservices.com

Artenvielfalt im Nationalpark Galapagos

Auf das Segeln im Nationalpark haben wir verzichtet, weil es uns zusätzlich 200,- USD pro Tag gekostet hätte und ein lokaler Guide an Bord mitgenommen werden muss, der zu bezahlen und zu versorgen ist.

Hinzu kommen außerdem noch die lokalen Zarpe – das sind die Genehmigungen, die benötigt werden, um von Hafen zu Hafen zu segeln. Denn jedes Mal, wenn eine Insel verlassen wird, wird eine Zarpe, die zwischen 10 und 15 USD kostet, benötigt. Jeweils eine für das Aus- und Einlaufen. Bei jeder neuen Insel hat man wieder eine Inspektion, wo sie wieder alles überprüfen können. War die Inspektion auf Santa Cruz einfach, war es auf Isabela mehr als genau – ist aber sicherlich von den handelnden Personen abhängig.

Natürlich wird nicht alles so heiß gegessen, wie es gekocht wird! Beispielsweise hatten wir eine Flasche Olivenöl übersehen, die uns in die Motorbilge gerutscht war. Die musste natürlich entfernt werden, aber es gab keine Rüge!

Allgemeine Informationen zu den Inseln

Sicherheit

Auf allen Inseln ist es sehr sicher. Es käme niemand auf die Idee, auf ein fremdes Boot zu gehen. Verliert man etwas in der Stadt und es bemerkt jemand, wird es einem gebracht!

Mit dem Wassertaxi geht es an Land.

Wassertaxi

Gleich vorweg: Wer nach Galapagos segelt, benötigt kein Dingi. Stattdessen gibt es Wassertaxen. Natürlich könnte man dennoch auf die Idee kommen, das eigene Dingi zu nutzen, aber das ist aus zwei Gründen nicht ratsam. Erstens gibt es kein Dingi-Dock und man darf ohnehin nicht einfach so irgendwo anlanden. Zweitens sind die verspielten Seelöwen allgegenwärtig und die möchte man nicht wirklich in seinem Dingi haben, weil es danach stinkt und mit Exkrementen verschmutzt ist.

Ein Wassertaxi erreicht man über UKW-Seefunkanal 14. Die Preise und die Verfügbarkeiten variieren von Insel zu Insel.
– San Cristobal: 1,00 USD von 6.00 bis 19.00 Uhr
– Santa Cruz: 0,80 USD von 6.00 bis 19.00 Uhr.
– Isabela: 2,00 USD von 6.00 bis 21.00 Uhr.

Fortbewegung an Land

Sofern man nicht zu Fuß unterwegs sein möchte, gibt es an Land Taxen in Form von weißen Pick-ups. Die Preise sind in der Stadt fix und schwanken zwischen 1,50 und 2,00 USD. In San Cristobal und auf Santa Cruz warten die Taxen direkt an der Pier. Auf Isabela muss man gut einen Kilometer Fußmarsch in Kauf nehmen.

Mit Pick-ups gelangt man über die Inseln des Archipels.

Seelöwen und Vögel

Die Seelöwen sind allgegenwärtig. Besonders die Badeplattformen der Yachten sind für sie ein beliebter Tummelplatz. Wenn das Cockpit frei zugängig ist, nehmen sie auch dieses als Rastplatz. Pelikane und Vögel bevorzugen eher die Seereling. Eines haben sie alle gemeinsam: Sie sind lieb, putzig und sie hinterlassen ihre Spuren.

Wir haben einen Seelöwen auf der Badeplattform zu Besuch.

Wir haben uns aus Fendern eine Sperre gebaut, um zu verhindern, dass die Seelöwen in unser Cockpit gelangen. Mit Erfolg!

Die Fender-Sperre bei uns an Bord

Ankerplätze

Die Ankerplätze sind mehr oder minder alle Schwell oder Dünung ausgesetzt und folglich rollig. Puerto Baquerizo Moreno auf San Cristobal geht ganz gut, da der Ankerplatz im Lee der Insel ist, wenn der Passatwind weht. Aber auch dann können die vielen Bootstaxen und Dingi-Zubringer für die Ausflugsschiffe Schwell erzeugen. Das gilt für alle Inseln gleichermaßen. Insbesondere auf Isabela fahren die Ausflugsschiffe tagsüber direkt an den ankernden Yachten vorbei. Entsprechend ruhig ist es dafür in der Nacht.

Typischer Ankerplatz im Archipel. Hier Puerto Baquerizo Moreno.

Die Tiefen variieren zwischen vier und acht Metern – der Tidenhub beträgt etwa zwei Meter. Geankert wird fast überall auf Sand. In Santa Cruz wäre ein Heckanker von Vorteil, um den Bug zur anrollenden Dünung auszurichten, aber der ist schwer ausbringbar ohne Beiboot.

Restaurants

Auf allen Inseln kann man für fünf bis acht USD gut zu Mittag essen. Ein Burger oder Sandwich kostet zwischen sieben und zwölf USD. Pizza mehr als zwölf USD. Ein großes Bier kostet zwischen fünf und sieben USD!

Galapagos ist bekannt für seine Riesen-Schildkröten.

Versorgung

Die Versorgung ist auf San Cristobal und Isabela eher einfach. Auf Santa Cruz gibt es einen Fischmarkt am Hafen und einen Gemüsemarkt etwa einen Kilometer entfernt. Dort werden auch Fleisch und Fisch an Ständen angeboten. Außerdem gibt es einen Supermarkt direkt am Hafen. Dieser hat nicht immer alles vorrätig und er ist sehr teuer.

Waschsalon

Wer Wäsche waschen muss, findet auf jeder Insel einen Waschsalon. Der Preis für ein Pfund Wäsche beträgt ein US-Dollar.

Internetzugang

Hierbei hilft eine lokale SIM-Karte. Wir haben unsere in Ecuador von einer Segelyacht übernommen. Auf Galapagos kann diese Karte für 10 USD aufgeladen werden. Konkret erhält man dann 2 GB und 200 Minuten lokale Sprechzeit und freies „WhatsApp“. Sonstige soziale Netze sind nicht inkludiert, somit kommt rasch einiges an Megabytes zusammen. Wir haben also alle paar Tage nachgeladen! In den Restaurants und Kaffes ist das WLAN generell ziemlich langsam. Aktualisierungen von Apps sind reines Wunschdenken.

Ein Highlight! Tauchen mit den Seelöwen

Sightseeing und Touren

Es gibt auf allen Inseln Attraktionen, die kostenfrei sind. Über Agenturen kann man Inseltouren buchen (etwa 45 bis 60 USD). Auch der Besuch der anderen Inseln ist möglich. Das kostet eher 120 bis 200 USD. Und natürlich gibt es jede Menge Tauchschulen, die für 160 bis 180 USD ganztägige Ausflüge mit dem Boot anbieten. Dabei sind zwei Tauchgänge enthalten. Außerdem gehört zu fast jeder Tour auch noch schnorcheln dazu. Das Equipment und das Handtuch sind im Preis innbegriffen. Besonders reizvoll ist ein Tauchgang mit Hammerhaien durch die Felsspalte der vorgelagerten Insel Kicker Rock.

Tauchen in der Felsspalte am Kicker Rock ist ein Highlight!

Bei den Tagesausflügen ist zudem immer ein Mittagsessen inkludiert. Man kommt einfach mit seinem Badeanzug, mehr benötigt man nicht. Die Gruppen bestehen meist aus 16 Personen: 16 passen ins Bootstaxi, 16 Leute sind im Ausflugsschiff erlaubt. Wer Glück hat, erwischt ein Boot mit weniger Gästen.

Ein Schwarm Hammerhaie

Die ganz großen Kreuzfahrtschiffe dürfen Galapagos nicht mehr anlaufen. Die Obergrenze für Kreuzfahrer liegt aktuell bei 100 Personen, weil das Ökosystem der Inseln nicht so viele Personen auf einen Schlag verkraften kann.

Bezahlung

Kreditkarten sind so ein Thema. In den meisten Restaurants werden bei der Bezahlung mit der Kreditkarte 10% aufgeschlagen. Bei den Agenturen für die Touren sind es sogar bis zu 12%. Beim Supermarkt wiederum gibt es keinen Aufschlag. Nur ganz wenige Geldautomaten geben mehr als 200 USD pro Abhebung her und dann behalten sie 4 USD für die Transaktion ein.

Auf Isabela gibt es gar keinen Geldautomat. In Santa Cruz haben wir endlich einen Automaten entdeckt, der 400 USD hergibt und nur 2 USD für die Abhebung verlangt. Die Agenten wollen alle nur Bargeld. Unserem Agenten konnten wir das Geld vorab überweisen und wir zahlten nur eine kleine Differenz vor Ort in Bar.

Statue von Charles Darwin

Fazit – War es das wert?

Wenn Ihr mich fragt, ob sich der ganze Aufwand und die Kosten gelohnt haben, dann lautet die Antwort: Ja! Die Tiere, die Pflanzen und die Vulkanlandschaft hautnah zu erleben, ist schon einmalig. Ob ich es nochmals machen würde, weiß ich nicht, eher Nein! Wir haben Galapagos nun gesehen und es gibt noch genug andere schöne Plätze zu entdecken.

Ferry findet ebenfalls, dass es sich gelohnt hat und wunderschön war, bezeichnet es aber auch als eine „once in a life time“-Sache.

Wer mehr über unsere Reise bis Galapagos erfahren möchte, kann uns hier verfolgen: www.alrisha.at

Der Beitrag Revier-Info Galapagos: Einklarieren, Formalitäten, Auflagen, Ankerplätze und Infrastruktur erschien zuerst auf Blauwasser.de.