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Die globalen Windsysteme der Erde – vom Profi erklärt

Wie entsteht das Wetter auf unserem Planeten?

Ein gigantisches, erdumspannendes System von Luftdruck-, Luftströmungs- und Klimazonen prägt den Wind und das Wetter auf unserem Planeten. Dabei sind diese Zonen nicht regellos über die Erdkugel verteilt. Vielmehr orientieren sie sich grob an den Breitenkreisen. Beispielsweise wehen in der Nähe des Äquators die Passatwinde und an den Polen eher östliche Winde. Die Breitenlage ist ein entscheidender Klimafaktor und wir müssen sie daher näher betrachten.

Die Erwärmungsleistung der Sonne

Während die Rotation der Erde um die eigene Achse und um die Sonne dafür sorgt, dass an dem Wechsel zwischen Tag und Nacht und zwischen Sommer und Winter alle Gebiete auf der Erde teilhaben, hängt die maximale Erwärmungsleistung der Sonne von der Breitenlage ab.

Stetige Winde wehen für gewöhnlich in der Passatwind-Zone.

Um das zu verstehen, hilft ein physikalisches Gesetz von Lambert. Es besagt: Die Erwärmungsleistung der Sonne ist umso stärker, je steiler der Winkel zwischen Sonnenstrahlen und der die Strahlung absorbierenden Oberfläche ist. Mit anderen Worten: Da, wo die Sonne senkrecht über der Erde (im Zenit) steht, ist es am wärmsten.

Die Kugelgestalt der Erde und der Winkel der Erdachse zur Einfallsrichtung der Sonnenstrahlen führen dazu, dass die Sonnenstrahlen in hohen Breiten mit einem flacheren Einfallswinkel auf die Erdoberfläche treffen als in niederen Breiten. Die gleiche Menge an Strahlungsenergie verteilt sich also in den Polarregionen auf eine viel größere Fläche als in den Tropen.

Der Einfallswinkel der Sonnenstrahlung hängt von der geografische Breite ab

Für jeden Quadratmeter bleibt deshalb in hohen Breiten nur wenig vom Erwärmungspotenzial der Sonne übrig. Da kann die Sonne am Polartag auch 24 Stunden scheinen. Entscheidend für ihre Kraft, die Luft zu erwärmen, ist nämlich nicht die Dauer der Einstrahlung, sondern ihre Höhe über dem Horizont.

In den Tropen steht die Mittagssonne besonders hoch am Himmel und deshalb ist ihre Kraft, die Luft zu erwärmen groß – auch wenn der lichte Tag dort nur selten länger als 13 Stunden dauert.

Die Entstehung von Klimazonen

Infolge der Kugelgestalt der Erde entscheidet die geografische Breite über den Einfallswinkel der Strahlung und damit über die Erwärmungskraft der Sonne. Mit der Kugelgestalt der Erde, ihrer Orientierung zur Sonne und dem Lambert’schen Gesetz zur Erwärmungskraft der Sonne erklärt sich die an der geografischen Breite orientierte Lage vieler Klimazonen.

Die Sonne ist der Motor der globalen Wettersysteme – Foto: Alexas_Fotos/Pixabay

Generell gilt, dass eine warme Luftmasse ein geringeres spezifisches Gewicht besitzt als eine kalte und deshalb am Grunde dieser Luftmasse ein geringerer Luftdruck herrscht als unter der kalten Luftmasse. So wird die Lage zweier bedeutender Glieder des globalen Luftdrucksystems verständlich: Die innertropische Tiefdruckzone und die Hochdruckgebiete über Arktis und Antarktis.

Die Natur hat den Wind geschaffen, um Luftdruckunterschiede auszugleichen und vom höheren zum tieferen Druck zu strömen. So setzt sich die Luft in dem Bereich der Atmosphäre, der uns Wassersportler interessiert, also in den untersten Schichten der Atmosphäre, in den Polarzonen in Richtung niedere Breiten – also zum Äquator – in Bewegung. Allerdings gelangen die Luftmassen auf diesem direkten Weg nicht von den Polen bis in die Tropen. Der Grund dafür ist die ablenkende Kraft der Erdrotation, die sogenannte Corioliskraft. Sie führt zu kreisförmigen Bahnen der Luftbewegung.

Die mittleren Breiten sind eine unbeständige Zone

Auf diese Weise bilden sich zwischen Polarhochs und innertropischer Tiefdruckzone zwei weitere große, erdumspannende Wind- und Wetterzonen: in subpolaren und mittleren Breiten eine unbeständige Zone, in der sich wandernde Tiefs und Zwischenhochs quasi die Klinke in die Hand geben, und in den Subtropen eine Hochdruckzone. Zu diesen beiden Zonen gehören zwei Druckgebilde, die ganz wesentlich unsere nordatlantische Wetterküche prägen: das Islandtief und das Azorenhoch.

Segeln unterm Azorenhoch

Aus der unterschiedlichen Erwärmungskraft der Sonne, die abhängig von der Breitenlage ist, resultierten also die großen Klimazonen und die erdumspannenden, großen Luftdruckgürtel.

Die globalen Wettersysteme

Von der Luftdruckverteilung ist es nur noch ein kleiner Schritt zum Verständnis der großen Windsysteme der Erde. Die Winde dienen wie beschrieben dem Luftdruckausgleich, sie wehen von Hochdruck zu Tiefdruck. Wegen der Corioliskraft erfolgt dieser Ausgleich nur langsam und auch nur im untersten Atmosphärenstockwerk, der sogenannten Reibungsschicht. Deshalb sind Hochs und Tiefs mitunter sehr langlebige Gebilde.

Vorgänge in höheren Luftschichten: Hochs und Tiefs regenerieren sich hier.

Außerdem sorgen dynamische Vorgänge in höheren Luftschichten dafür, dass sich die Hochs und Tiefs immer wieder regenerieren können – in subpolaren Breiten besonders die Tiefs, in subtropischen Breiten besonders die Hochs. Unsere gemäßigte Klimazone befindet sich dazwischen und ist deshalb oft von einem sehr unbeständigen Wetterablauf geprägt, bei dem sich Hochdruck- und Tiefdruckphasen abwechseln. Ebenso unstet sind hier die Wind- und Temperaturverhältnisse: Mal finden subtropische Luftmassen, ein anderes Mal Polarluft ihren Weg ins Revier.

Das Schema der globalen Windzonen besteht aus folgenden Gliedern:

Polare Ostwinde

Relativ beständige, kalte Winde aus Nordost bis Ost (Nordhalbkugel) bzw. Südost bis Ost (Südhalbkugel) zwischen Polarhoch (arktische und antarktische Polarregionen) und tieferem Luftdruck in subpolaren Breiten.

Westwindzone der gemäßigten Breiten

Unbeständige, mal warme, mal kalte Winde, vorherrschend aus West bis Südwest (Nordhalbkugel) bzw. West bis Nordwest (Südhalbkugel), zwischen der subpolaren Zone lebhafter Tiefdrucktätigkeit und dem subtropischen Hochdruckgürtel.

Einfaches Schema der globalen Luftdruck- und Windgürtel

Tropische Ostwinde (Passatwinde)

Sehr beständige, warme Winde aus Nordost (Nordhalbkugel) bzw. Südost (Südhalbkugel) zwischen dem subtropischen Hochdruckgürtel und der äquatorialen Tiefdruckrinne. Das sind die typischen Passatwinde, nach denen eigens ein Segel benannt wurde.

Das hier beschriebene Bild von erdumspannenden Luftdruckbändern und Zirkulationssystemen ist nur eine vereinfachte und die durchschnittlichen Bedingungen wiedergebende Darstellung für eine idealisierte Erde. Sie hilft, die Entstehung der Winde und die Anordnung der Luftströmungen besser zu verstehen. Tatsächlich können Druck und Winde tagtäglich, jahreszeitlich und auch geografisch größeren Schwankungen unterworfen sein, die von diesem Muster abweichen.

Rekordsommer 2018. Hier: Hochsommer in Norwegen

Dies betrifft einmal die normalerweise sehr unbeständige Klimazone der mittleren Breiten, die mitunter auch sehr beständige Wetterlagen erleben kann – wie der lange Sommer 2018 zeigte. In anderen Regionen der Erde trifft dieses Schema nur in einigen Monaten im Jahr zu, zu denen vor allem die Monsungebiete mit ihren jahreszeitlich wechselnden Winden, besonders in Südasien, zählen.

Aus diesem Grund lohnt sich ein Blick auf die jahreszeitlichen Unterschiede im Muster der globalen Luftdruck- und Windgürtel.

Jahrezeitliche Schwankugen der globalen Wettersysteme

Wetterlage im Januar

Im Januar wird die subpolare Tiefdruckzone von zwei großen Tiefdruckschwerpunkten beherrscht: Der eine befindet sich über dem nördlichen Nordatlantik zwischen Grönland und Island (Nordatlantiktief). Der andere befindet sich über dem nördlichen Nordpazifik im Bereich der Alëuten (NAME DES TIEFS).

Schema der globalen Luftdruck- und Windgürtel im Januar

Diese beiden Tiefs prägen Wind und Wetter auch in weiten Teilen der angrenzenden Gebiete. Das Nordatlantiktief, mit lebhaften, vorherrschend südwestlichen Winden, beeinflusst zum Beispiel auch den Westen, die Mitte und den Norden Europas.

Weiter südwärts liegt der subtropische Hochdruckgürtel. Ein besonders starker Hochdruckschwerpunkt ist in dieser Zone über dem Tibetischen Hochplateau ausgebildet.

Weiter südlich der Hochdruckachse weht es meist aus Nordost. Über Südasien wird dieser Nordostwind Wintermonsun oder Nordostmonsun genannt. Die Nordostwinde streben der innertropischen Tiefdruckzone zu, die ein wellenförmiges Band bildet und sich über den Kontinenten relativ weit vom Äquator südwärts entfernt hat.

Französisch Polynesien im Pazifik am Rande der subtropischen Hochdruckzone

Weitaus gleichmäßiger und nahezu parallel zu den Breitengraden sieht das Luftdruck- und Windmuster auf der Südhalbkugel aus. Die Zentren der subtropischen Hochdruckzone liegen auf den Ozeanen in 35 bis 45 Grad südlicher Breite. Nördlich dieser Zone weht der Südostpassat, und südlich weht es stark bis stürmisch aus westlichen Richtungen. Die subpolare Zone mit ausgeprägter Tiefdrucktätigkeit befindet sich im Januar am Rande des antarktischen Kontinents in der Nähe des Polarkreises.

Wetterlage im Juli

Im Juli ist die subpolare Tiefdruckzone der Nordhalbkugel deutlich schwächer als im Januar ausgeprägt. Die südlich angrenzende Hochdruckzone ist dafür kräftiger und liegt weiter nördlich als im Winter. Dafür fehlt ihr südasiatischer Vertreter. An seine Stelle ist eine Tiefdruckzone getreten, die nichts anderes darstellt als das Band der innertropischen Tiefdruckrinne, das sich in dieser Erdregion besonders weit vom Äquator entfernt. Das hat zur Folge, dass über Südasien bis in Teile des tropischen Afrikas hinein nun Winde wehen, die den winterlichen entgegengesetzt sind: der Südwestmonsun.

Schema der globalen Luftdruck- und Windgürtel im Juli

Nur wenig verändert gegenüber Januar erscheint hingegen der subtropische Hochdruckgürtel der Südhalbkugel. Damit sind in dieser Hemisphäre auch die angrenzenden Windgürtel des Südostpassats und des starken Westwindes außerordentlich stabil.

Das Gleiche gilt für die subpolare Zone mit ausgeprägter Tiefdrucktätigkeit, die sich sommers wie winters am Rande des antarktischen Kontinents in der Nähe des Polarkreises befindet.

Wetterlage im Mittelmeer

Diese jahreszeitlichen Nord-Süd-Verlagerungen der Luftdruck- und Windgürtel führen in ihren Randbereichen zu wechselnden Windregimen. So kommen weite Teile des Mittelmeerraums im Sommer unter die Fittiche des Hochdruckgürtels mit viel Flaute, im Winter hingegen zieht sich die Hochdruckzone nach Süden zurück und überlässt wechselhaften Westwinden das Regime im Mittelmeer.

Typisches Mittelmeer-Wetter im Sommer

Die Kalmen

Im Kernbereich der großen Subtropenhochs sind die Winde schwach und unstet. Nicht selten halten sich auch hartnäckige Windstillen, die Kalmen. Gerieten in frühen Zeiten der Segelschifffahrt die Großsegler-Flotten, die mit vielen Pferden auf ihrem Weg nach Mittelamerika waren, in eine solche Kalmen-Zone, kamen sie mitunter wochenlang nicht von der Stelle. Sie mussten die mitgebrachten Pferde schlachten, welche mit ihnen ums Trinkwasser konkurrierten.

Die See voll treibender Pferdekadaver – ein Anblick, der damals typisch für diese Kalmenzone war. Er verlieh der subtropischen Hochdruckzone den noch heute gebräuchlichen Namen: Rossbreiten.

Wenig Wind und dicke Wolkentürme – die Kalmen

Innertropische Konvergenzzone

Nur wenig Wind gibt es auch in der Tiefdruckzone in der Nähe des Äquators, in der die Passate beider Hemisphären konvergieren, also aufeinanderprallen. Innertropische Konvergenz heißt der Fachbegriff für diese Zone, die seemännischen Bezeichnungen lauten Mallungen (deutsch) bzw. Doldrums (englisch).

Innertropische Konvergenzzone – wechselhaftes tropisches Wetter

Passatwindzone

Beliebter bei den Seefahrern und Blauwasserseglern sind die tropischen Ostwinde, die Passate. Sie sind durch eine große Beständigkeit, eine moderate Stärke im Bereich 4 bis 6 Windstärken und durch vorherrschend schönes Wetter gekennzeichnet.

Segeln in der Passatwindzone

Die Passatwinde förderten in früheren Jahrhunderten ganz wesentlich den Handel und die Entdeckungsfahrten auf See – ebenso wie die wind-, aber nicht ganz so wetterbeständigen Monsune des Indischen Ozeans.

Die spanischen Seeleute zu Zeiten Christoph Kolumbus schufen für die atlantische Passatzone den Namen „el golfo de las damas“ – so leicht ließ sich im Passat navigieren, dass in deren Augen sogar eine Frau das Ruder hätte übernehmen können. Heutzutage sind die Passate besonders das Dorado der Blauwassersegler. Viele Windsurfer bevorzugen ebenfalls diese Windzone – die Passatküsten machen etwa 30 Prozent aller Küstenzonen der Erde aus.

Die Westwindzone

Genug Wind für den Wassersport bietet auch die Westwindzone, allerdings sind Wind und Wetter hier unbeständiger. Und auf der Südhalbkugel gibt es in dieser Zone oft zu viel des guten Windes. Dort bremst kaum ein Land Wind und Welle.

Unter den alten Seefahrern waren die Westwinde der Südhalbkugel gefürchtet. In Anspielung auf die Windgeräusche in der Takelage und die jeweiligen Breitengrade hießen sie Roaring Forties („brüllende Vierziger“), Furious Fifties („wilde Fünfziger“) und Shrieking Sixties („kreischende Sechziger“). Auch Wellington auf Neuseeland liegt in dieser Starkwindzone und verdankt ihr den Ruf als windigste Hauptstadt der Welt.

Fazit

Wie dargestellt, hängt das Wettergeschehen global zusammen. Für ein grobes Verständnis lässt es sich aber ganz gut in vier Zonen eingliedern, die in beiden Hemisphären gleichermaßen auftreten. In der Nähe der Pole herrschen die polaren Ostwinde vor. Dann kommt die Westwindzone der gemäßigten Breiten. In Richtung Äquator folgt die tropische Ostwindzone (Passatwinde), die schließlich am Äquator in die Äquatoriale Tiefdruckrinne mündet (Innertropische Konvergenz).

Grundlage für diese Aufteilung ist die Sonne bzw. der Winkel der Sonneneinstrahlung auf die Erdoberfläche. Dieser Winkel bestimmt die Erwärmung und bildet damit die Grundlage und den Nährboden für die globalen Wettersysteme.

So soll es sein: entspanntes Segeln.

Bei aller Vereinfachung muss jedoch klar sein, dass das hier beschriebene Bild von erdumspannenden Luftdruckbändern und Zirkulationssystemen nur eine vereinfachte und die durchschnittlichen Bedingungen wiedergebende Darstellung für eine idealisierte Erde ist. Es hilft, die Entstehung der Winde und die Anordnung der Luftströmungen besser zu verstehen. Tatsächlich können Druck und Winde tagtäglich, jahreszeitlich und auch geografisch größeren Schwankungen unterworfen sein, die von diesem Muster abweichen. So ist das Wetter nun mal …

Tipp der Redaktion: Das Buch zum Thema von Michael Sachweh

Dieser Text stammt in abgeänderter Form aus dem lesenswerten Fachbuch „Wetterkunde für Wassersportler“. Die entscheidende Frage aller Segler ist doch: „Kann ich morgen die Segel setzen oder bleibe ich besser an Land?“ Oder: „Wann ist ein guter Zeitpunkt für meinen Wassersport-Urlaub?“ Antworten auf solche Fragen erhoffen sich Segler von Wetter-Apps und den Wettervorhersagen professioneller Meteorologen. Dabei sind die Grundlagen der Wetterkunde für jeden Wassersportler leicht zu erlernen. Zum praktischen Verständnis von Wellen, Wind und Wolken, von Seegang und Gezeiten werden vor allem fundierte Grundlagenkenntnisse benötigt. Michael Sachweh erläutert ausführlich in seinem Ratgeber, wie sie gefunden werden.

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Schöner Segeln! Törnbericht: Flensburger Förde, Als Sund und Geltinger Bucht

Die Flensburger Förde und ihre angrenzenden Gewässer

Die Sonne strahlt, der Wind bläst böig, das Wasser ist dunkelblau wie ein Ozean. Auf den winzigen Wellenkämmen thronen weiße Schaumkronen, im Gegenlicht der Sonne sieht das Meer aus wie ein Glitzerteppich. Die Genua ist gerefft, unsere Charteryacht BENNO rauscht mit einem Schrick in den Schoten und sechseinhalb Knoten auf das bekannteste Seezeichen der Flensburger Förde zu: die Schwiegermutter.

Das wichtigste Seezeichen der Flensburger Förde: die Rote Fahrwassertonne 6, auch Schwiegermutter genannt.

„Da müsst ihr unbedingt im Fahrwasser bleiben“, hatte der Stützpunktleiter des Charter-Unternehmens in Flensburg, gewarnt, „gleich daneben ist das Wasser nur noch einen halben Meter tief.“ Klar, eine Schwiegermutter schneidet man nicht, zumindest nicht ungestraft 😉

Vorgestern hatten wir unsere Segelyacht, eine Bavaria 40 Cruiser, übernommen, mit an Bord sind zwei Erwachsene, zwei Jugendliche und zwei Kinder. Es ist Ende Juli, in den meisten Bundesländern sind Sommerferien, „im Sommer sind die meisten unserer Gäste Familiencrews“, erzählte der Chef der Stützpunktcrew vorgestern am Steg.

Auch die BENNO-Crew hat die geschützten Gewässer der Förde für den Familientörn gewählt.

Die vielen Nahziele rund um die Flenburger Förde reichen für einen ganzen Törn

Von Flensburg aus liegt einem die Ostsee zu Füßen. Der Kleine und der Große Belt, die Insel Fünen, die Dänische Südsee, die Schlei, auch Samsø, Anholt, Kopenhagen und Fehmarn. Doch auf unserer Charteryacht interessieren diese Ziele niemanden. „Wir wollen ganz entspannt quer über die Flensburger Förde und zur Insel Als schippern“, sagt der 18-jährige Marlin, Schüler aus Idstein bei Frankfurt, während er das Ruder fest umklammert hält und dicht an der Schwiegermutter vorbeiprescht.

Am Übergabetag hatten wir die wuseligen Steganlagen des Stützpunktes gleich nach dem Einchecken verlassen und im Zentrum von Flensburg festgemacht. Zu Fuß ging es durch die Einkaufspassage der Stadt, zur Museumswerft und durch die Sankt-Jürgen-Straße. In den kleinen, am Hang gebauten und bunt angemalten Häusern hatten früher die Kapitäne, Steuerleute, Schiffbauer und Fischer gewohnt, die Stadt hat neben einer Verkehrssünderdatei auch eine große Seefahrttradition.

Von den Liegeplätzen direkt im Zentrum von Flensburg kann man die Stadt zu Fuß erkunden.

Die Staatsgrenze zu Dänemark verläuft mitten durch die Flensburger Förde, Grenzkontrollen gibt es bis auf Stichproben aber keine. Die Törnziele liegen mal in Deutschland und mal in Dänemark, das zeigte sich bereits am Tag nach der Übergabe. Zum Mittagsstopp hatten wir in Glücksburg festgemacht und am Abend in Gråsten.

Segeln im Zickzack zwischen Deutschland und Dänemark

Auf der deutschen Seite waren wir erst am Strand und dann auf der sonnigen Terrasse des Clubhauses, auf der dänischen Seite wollten wir in den Schlossgarten der Königsfamilie. Doch der war geschlossen, Königin Margrethe II. und ihr Prinzgemahl Henrik verbringen gerade ihren Urlaub im Sommerschloss.

Das Sommerschloss der Dänischen Königsfamilie auf der Nordseite der Flensburger Förde

„Jetzt alles dicht holen und hoch an den Wind,“ heißt das Kommando des Skippers nach dem Passieren der Schwiegermutter. Die Förde schlängelt sich durch das Land, Kurse und Segelstellungen ändern sich ständig. An Land ziehen grüne Weiden, ockerfarbene Kornfelder und kleine Laubwäldchen vorüber, auf dem Wasser kreuzen große Regattayachten und kleine Jugendkutter unseren Kurs, moderne Serienbauten und skandinavische Youngtimer.

Viele Schiffe und nahe Küsten sind das Markenzeichen der Flensburger Förde.

Die Flensburger Förde ist etwa 25 Seemeilen lang, der größte Teil davon ist zwischen ein und zwei Seemeilen breit, nur auf der Außenförde weitet sich das Revier. Vor den großen Wellen der offenen Ostsee ist man hier bestens geschützt, es gibt knapp zwei Dutzend Häfen, viele Strände, Campingplätze, einsame Ankerplätze, kleine Ortschaften und zwei Städte.

Die Flensburger Förde ist an ihren Küsten gesäumt von unzähligen Stränden.

Ganz viel Abwechslung auf kurzen Distanzen

Der frische Südwestwind pfeift mit vier bis fünf Windstärken über die Förde, „wie lange fahren wir noch?“, will Jakob wissen, mit neun Jahren das jüngst Crewmitglied an Bord. Wer möchte, könnte alle paar Seemeilen einen Stopp einlegen, „wir wollen den guten Segelwind ausnutzen und bis nach Sonderborg segeln“, sagt Jakobs Mutter Karen. Bis zur größten dänischen Stadt des Reviers sind es noch zehn Seemeilen, „in knapp zwei Stunden gibt es Hotdogs“, verspricht sie.

Bei den vielen Kurswechseln in der Förde gibt es für die Jugend an Bord immer was zu tun.

Sonderborg. Wieder kreuzt die Königsfamilie unseren Weg, dieses Mal in Form der „Dannebrog“, die nach der dänischen Flagge benannt ist und im Südhafen festgemacht hat. Die bildhübsche, 1932 gebaute und fast 80 Meter lange Motoryacht dient der Königsfamilie als Residenz für offizielle Anlässe und Urlaubsfahrten.

Die dänische Königsyacht DANNEBROG im Hafen von Sonderborg

In der knapp 30.000 Einwohner zählenden Stadt ist alles ganz nah: das Schloss mit seinem Museum, die über zwei Meter große, von Günter Grass geschaffene Bronzeskulptur “Butt im Griff”, der Küstenweg zum Yachthafen, die schöne Altstadt, die Klappbrücke über den schmalen Als Sund und die Hafenpromenade des Südhafens mit seinen Cafés und Restaurants. Genau hier, direkt neben dem Hafenmeister, gibt es auch den versprochenen Hotdog mit dem in Dänemark typischen Pølser, dem knallroten Würstchen.

Viele warten am Kai entlang der Promenade von Sonderburg bis zur nächsten Öffnung der Klappbrücke.

Idylle pur im Als Sund

Noch schmaler und noch geschützter als die Flensburger Förde ist der zwischen Festland und der Insel Als gelegene Als Sund. Mit Remouladenresten in den Mundwinkeln passieren wir die Klappbrücke, deren nächste Öffnungszeit auf einer Digitalanzeige zu sehen ist. Baumreihen, Wiesen und Felder ziehen vorüber, Kühe grasen am Ufer und glotzen, der Sund ist nur ein paar hundert Meter breit. Hier und da liegen entlang der unbebauten Küste einsame Ankerlieger, vor dem bewaldeten Ufer bei Sottrupskov gibt es einen Holzsteg zum Festmachen, beliebt ist auch die Strandbucht hinter dem Sandriff der Arnkilshuk, „ganz schön idyllisch hier“, findet Karen.

Im schmalen und idyllischen Als Sund können anders als sonst im Revier Strömungen auftreten.

Schneller als erwartet sind wir durch den nur sechs Seemeilen langen Sund gesegelt, das Handbuch verrät warum: Im Sund muss mit ein bis zwei Knoten Strom gerechnet werden, der nach Norden schiebt. Sonst halten sich die navigatorischen Herausforderungen im Revier in Grenzen, es gibt kaum Tidenhub und alle Fahrwasser, Gefahrenstellen und Hafenzufahrten sind bestens betonnt und befeuert. Doch der Stützpunktleiter hatte gewarnt: „Bei extremen Wetterbedingungen können bis zu drei Meter Wasserunterschied auftreten.“ Hervorgerufen durch anhaltende und starke Winde, bei Nordost steigt der Wasserstand, bei Südwest sinkt er.

Die Gewässer rund um die Flensburger Förde sind auch für Anfänger und Familiencrews sehr gut geeignet.

Schon wieder ein Abzweig: Augustenborg Fjord

Am Ende des Als Sund biegen wir mit unserer Charteryacht ab in den Augustenborg Fjord, der gleichnamige Ort ist das Ziel für die Nacht. „Können wir nicht noch kurz stoppen und baden gehen“, fragt Siebtklässlerin Nora, das einzige Mädchen an Bord. Doch keiner hat Lust, „guck dir doch die vielen Quallen an“, sagt ihr großer Bruder Tim, „da geh ich nicht rein.“ Egal ob Förde, Sund oder Fjord, in manchen Jahren können Quallen das Badevergnügen beeinträchtigen.

Eine Charteryacht segelt am Schloss Augustenborg im gleichnamigen Fjord vorbei.</p

Der Sommer an der deutschen Ostsee bleibt ein Überraschungs-Ei

„Puh, ein Bimini wäre jetzt nicht schlecht“, findet Karen und deckt den Frühstückstisch im Cockpit, „da schmilzt uns ja die Butter weg.“ Auch an Tag vier der Reise herrschen Mittelmeertemperaturen, wir haben unglaubliches Glück, denn in diesem Jahr hatte der Sommer bisher nur Wind, Regen und kühle Temperaturen zu bieten. Die Schränke in unseren Kabinen sind voll mit Gummistiefeln, Mützen, Regenklamotten und Funktionsunterwäsche, doch bis zum Ende der Reise werden wir nur Badehose, T-Shirt und Flipflops benötigen. „Wozu ins Mittelmeer fahren, wenn man auch hier richtig Sommerurlaub machen kann“, wird Karen zum Ende des Törns sagen. Aber klar, der Sommer an deutschen Küsten ist alles andere als verlässlich.

Badevergnügen beim Ankern im Horuphav

Nach dem Frühstück ist die Butter weich wie Winschenfett und die Kinder spielen mit Gummiboot und Luftmatratze. Kein Törnplan und keine lange Segeletappe drängen zum Aufbruch, wir haben Zeit für das Schloss Augustenburg, den Schlossgarten und einen Waldspaziergang. Und landen irgendwann an einem kleinen Strand neben einem von dichtem Schilf umgebenen roten Holzhaus, dem Ruderklub des Ortes.

Versteckte Strandnischen und einsame Natur wie hier im Augustenborg Fjord gibt es reichlich im Revier.

Geschützte Gewässer garantieren sicheres Segeln

Der Wind hat auf Ostsüdost gedreht und auf zwei Windstärken abgenommen, mit Schmetterlingsbesegelung dümpeln wir vor dem Wind dahin. Ein Bullenstander sorgt für Sicherheit, die Außenlautsprecher für Unterhaltung, ohne Eile schippern wir vom Augustenborg Fjord in den Als Fjord. Mit unserer Segelyacht brauchen wir für die zehn Seemeilen bis in die große und rundum geschützte Bucht von Dyvig auf der Insel Als dreieinhalb Stunden, „herrlich erholsam“, findet Karen.

Rinder stehen auf einer Landzunge, die auch die schmale Einfahrt in die Bucht von Dyvig markiert.

Plötzlich liegt Afrika vor dem Bug: „Das sieht ja aus wie eine Tränke in der Serengeti“, findet Marlin und meint damit eine Horde Rinder, die auf einer bis an die Fahrwassertonne ragende Sandzunge am Wasser stehen. Noch spannender aber ist die quietschgelbe und neongrüne Kletter- und Rutschburg, die gleich neben der Steganlage von Dyvig Bro auf dem Wasser schwimmt. Der 2010 eröffnete Hafen ist so etwas wie die In-Location des Reviers, nicht nur für Familiencrews.

Der Hafen von Dyvig und das rote Hotel mit Holzfassade erfüllen jedes Skandinavien-Klischee.

Bullerbü-Romantik in Dyvig auf der Insel Als

Auf der Wasserburg geht es trotz Quallenalarm hoch her, und im Hafen herrscht pralle Urlaubsstimmung. Vor der kleinen Eisdiele im Hafen stehen Familien Schlange, Kinder toben umher und spielen mit Hula-Hoop-Ringen, Diabolos und Ringwurfspielen. Oder sie recken ihre Köpfe über ein Streichelbecken, in dem sie ihre am Badesteg gefangenen Muscheln und Krebse untersuchen. In den Abendstunden sieht man Väter die Hafengrills anheizen und Mütter die um den Hafen aufgestellten Holztische eindecken. Segelferien auf Dänisch.

Im Hafen von Dyvig herrscht im Sommer stets Urlaubsatmosphäre.

Im Sommer der Hit: der Kiosk auf dem Hafensteg

Ganz anders das rot-weiße Dyvig Badehotel direkt am Hafen, eine stilvolle vier-Sterne-Unterkunft. Auf der Terrasse direkt am Hafen werden dänischer schwarzer Hummer, marinierte Muscheln und Austern serviert, doch an der Rezeption können auch Take-away-Gerichte bestellt werden: Hacksteak mit Kartoffeln und Salat oder gebratene Scholle mit Johannesbeere und Buttersauce.

Im Dyvig Badehotel direkt am Hafen kann sehr gut gegessen werden.

Tolle Ankerplätze bieten Abwechslung

Zurück zur Flensburger Förde, genauer gesagt in den Horuphav, einen fünf Seemeilen tiefen Einschnitt im Norden der Außenförde. Trotz Hochsaison kommen hier nur wenige Boote hin, die Ufer sind bis auf ein paar wenige Bauernhöfe unbebaut, überall entlang der von Feldern und Baumreihen gesäumten Küste gibt es ruhige und idyllische Ankerplätze.

Freies Ankern im Horuphav ist überall erlaubt und idyllisch schön.

Unser Anker fällt am Nordufer vor einem kleinen Laubwald, wir baden, angeln und sonnen uns an Deck, beim Abendbrot im Cockpit schauen wir der Sonne beim Untergehen zu. Keine Hafenhektik und kein Zivilisationslärm stören die Einsamkeit, wir verbringen die Nacht am Ankerplatz, „das war der schönste Tag der ganzen Reise“, wird Nora später sagen.

Ungestörtes Badevergnügen am Ankerplatz von Horuphav

Wie gemalt und fast schon kitschig: Sonnenuntergang im Horuphav

Überall Urlaubsorte mit Hafen und Sandstrand

Im Süden der Außenförde, in der Geltinger Bucht, stoppen wir in Wackerballig. Vom flachen Hafen aus führt ein 200 Meter langer Steg zum Strand, die meisten Badegästen kommen von dem dahinter gelegenen Campingplatz. Auch schön, aber wir nutzen die Freiheit des Schiffes, einen noch besseren Platz zu finden.

Wackerballig in der Geltinger Bucht ist ein beliebtes Ziel auch von Campern.

Wir fliehen zurück auf die Förde, segeln in den Abend hinein, zurück in die Innenförde bis nach Langballigau. Der kleine Hafen ist völlig überfüllt, der Hafenmeister dagegen ganz entspannt. „Kein Problem“, meint er, nachdem wir als Päckchenlieger die schmale Einfahrt fast zugeparkt haben, „da kommt man ja noch durch.“ Extra für uns besorgt er eine Kabelrolle und freut sich: „Mit Euch sind heute 71 Gastlieger im Hafen, das ist neuer Rekord.“

Kleiner Hafen mit entspannter Atmosphäre: Langballigau

Das Beste an Langballigau ist nicht der schöne Strand nebenan, nicht das hübsche Dorf und nicht der gemütliche Hafen, sondern das Bistro Odinfischer. Scampis, Ofenkartoffeln und Krabben kommen hier genauso auf den Teller wie fangfrischer Fisch. Wir bestellen nach dem Festmachen ein halbes Dutzend Fischbrötchen und sitzen zum Sonnenuntergang in Strandkörben auf der Außenterrasse.

Das Bistro Odinfischer in Langballigau ist mehr als ein Fischimbiss und eine beliebte Adresse.

Vorbei an der Schwiegermutter geht es zurück Richtung Flensburg zu den Ochseninseln. Auf der größeren der beiden zu Dänemark gehörenden Inseln haben drei Deutsche lange Zeit einen Hafen und eine alte Werft, einen Zeltplatz und ein Restaurant betrieben. Sie organisierten Kulturveranstaltungen und Konzerte, kümmerten sich um Schafe, Hunde, Katzen und den Esel Hironimo. Die brüchige Steganlage, der Strand und die halbfertigen Boote auf der Werftanlage sind ein riesiger Abenteuerspielplatz, der relaxte Hippie-Style des Ortes lud zum Verweilen ein, die günstigen Liegegebühren auch. Doch seit ein paar Jahren ist es aus mit den Ochseninseln, die Pächter haben sich zerstritten. Niemand weiß, wie es weitergeht, viele Segler vermissen das besondere Ausflugsziel. Doch die dänischen Umweltbehörde (der Staat ist Eigentümer der Insel) hat bisher keiner der zahlreichen Initiativen einen neuen Pachtvertrag erteilt. Zukunft ungewiss. Ankern auf engem Raum kann man hier immer noch.

Bis zur Schließung der Insel ging es auf den Ochseninseln charmant, unaufgeräumt und friedlich zu.

Fazit: Sommerurlaub vom Feinsten

Sieben Tage Ostseesegeln gehen zu Ende. Wir sind 110 Seemeilen gesegelt, haben acht Häfen besucht, drei Ankerplätze und zwei Holzsteganlagen. Wir haben uns an Stränden und auf Caféterrassen in der Sonne gelümmelt, sind mit gerefften Segeln durch die Förde gezischt und haben Kinder an Fendern durch das Wasser gezogen. Wir konnten herrschaftliche Schlösser, kuschelige Ortskerne und königliche Yachten bestaunen und sind unglaublich vielen Booten und Seglern begegnet. „Können wir nicht an die Flensburger Förde ziehen?“, fragt Jakob, nachdem wir die Yacht schweren Herzens zurückgegeben haben, „hier ist es doch viel schöner als zu Hause.“

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Chartern und Segeln im Mittelmeer: Wie finde ich das richtige Revier?

Das Mittelmeer bietet mehr als 30 Charterdestinationen

Leckeres Essen, warmes Klima und ein entspannter Lebensstil – das ist es, was Millionen von Urlaubern jährlich ans Mittelmeer zieht. Für diejenigen, die lieber an Bord einer Yacht den Süden Europas erkunden, bedeuten die Gewässer klares blaues Wasser, Buchten zum Schwimmen und Schnorcheln, viele Möglichkeiten für Landgänge. Auf alle Fälle aber erwartet Segelcrews viel Abwechslung.

Wie hier in Hvar sind es auch die vielen schönen Hafenorte, die das Mittelmeer so attraktiv machen.

Etwa 30 Charterreviere stehen im Mittelmeer für die Auswahl des nächsten Törnziels zur Verfügung. Insbesondere Neulinge fragen sich: Welches Revier ist für mich und meine Crew das richtige? Worin unterscheiden sie sich? Und wie finde ich heraus, ob das geplante Ziel auch wirklich meinen Bedürfnissen und Fähigkeiten entspricht?

Viele suchen im Mittelmeer ein Revier mit vielen Buchten zum Baden und Schnorcheln.

Die individuelle Ausgangssituation

Egal ob ich die Yacht selber chartere und mit eigener Crew anreise oder ob ich als Mitsegler mit dabei bin: Bei der Wahl der richtigen Charterdestination im Mittelmeer ist es hilfreich, zunächst einige persönliche Voraussetzungen zu klären. Folgende Fragen helfen dabei, sich zu orientieren:

Wie groß ist die Segelerfahrung?

Welche Erfahrung hat der Skipper – ist es sein oder ihr erster Törn als verantwortlicher Bootsführer? Wer seinen ersten Mittelmeertörn macht, ist in einem geschützten Revier mit überschaubaren Windbedingungen, kurzen Distanzen und guter Infrastruktur auf jeden Fall erst einmal besser aufgehoben. Ist der Skipper bereits erfahren, stehen ihm auch die anspruchsvollen und windigen Mittelmeerdestinationen offen.

Navigatorisch anspruchsvolle Reviere sollten von Anfängern zu Beginn gemieden werden.

Aber auch die Erfahrung der einzelnen Crewmitglieder ist zu beachten. Wenn man als alter Hase mit Freunden unterwegs ist, die zum ersten Mal an Bord eines Segelschiffes gehen, ist es durchaus ratsam, die Seetauglichkeit der Mitsegler erst einmal in einem Einsteigerrevier zu prüfen. Weil sich jeder an Bord wohl fühlen und nicht mit grünem Gesicht über der Reling hängen sollte.

Hinweis: Die konkreten Revierbeispiele zu den unterschiedlichen Voraussetzungen beschreibe ich im zweiten Teil des Artikels.

Bei der Wahl des richtigen Reviers müssen sich alle Mitsegler an Bord wohl fühlen.

Mit wem bin ich unterwegs?

Die Zusammensetzung der Crew spielt bei der Wahl der Destination eine entscheidende Rolle. Familien mit kleineren Kindern legen meist mehr Wert auf kurze Distanzen und geschützte Gewässer, auf Badespaß oder Besuche von interessanten Küstenorten, wo man Fischern bei der Arbeit zusehen kann.

Wer zu zweit unterwegs ist, sucht vielleicht eher die Abgeschiedenheit romantischer Buchten oder die Nähe zu historischen Kulturstätten. Und manche sportliche Crew schätzt gerade den anspruchsvollen Törn mit vielen Seemeilen und navigatorischen Herausforderungen.

Die individuellen Interessen der Crew müssen bei der Wahl des Reviers berücksichtigt werden.

Welche individuellen Vorlieben gibt es?

Will die Crew hauptsächlich von Bucht zu Bucht bummeln oder lieber viele Seemeilen sammeln? Steht pure Erholung und Entspannung in einsamer Natur und beschaulichen Küstenstädtchen im Vordergrund oder werden vorwiegend Action, Nachtleben und Kulturevents in lebhaften Hafenstädten gesucht? Vielleicht möchte die Crew auch den Besuch einer Metropole einplanen oder die Möglichkeit haben, jeden Abend in einem Restaurant einzukehren. Oder man möchte die ganze Planung lieber abgeben, viele Leute kennenlernen und deshalb an einer Flottille teilnehmen. Die Vorlieben sind vielfältig, das Mittelmeer aber auch: Fast immer findet sich für jede Präferenz auch die passende Lösung.

Einsame Buchten mit antiken Ruinen finden sich beispielsweise oft in der Türkei.

Zu welcher Jahreszeit und wie lange bin ich unterwegs?

Steht zum Beispiel nur eine Woche Urlaub zur Verfügung, möchte die Crew schnell und direkt an den Ausgangshafen kommen, um nicht so viel Zeit mit der Anfahrt zu verschwenden. Wichtig ist dann auch die Lage der Charterbasis: Versprüht der Ausgangshafen bereits Urlaubsatmosphäre (oft verbringt man ja hier die erste und die letzte Nacht) und sind die schönen und interessanten Ziele von hier aus auch wirklich gut zu erreichen? Wer zwei Wochen unterwegs ist, kann dagegen eher einmal eine Anreise ohne Direktflug oder eine Ausgangsbasis mit Schönheitsfehlern wählen, ohne das Gesamturlaubserlebnis zu gefährden.

Die Top-Ziele des Reviers wie hier Capri sollten vom Ausgangshafen in Reichweite liegen.

Und klar, die Wahl der Saison hat ebenfalls ihren Einfluss: auf das Wetter, die Preise von Schiffen und Liegegebühren und darauf, wie voll es im Revier ist. Zum Beispiel treten manche Wetterphänomene nur zu bestimmten Jahreszeiten auf und meist ist es in der Nebensaison unbeständiger und windreicher. Oder es gibt Reviere, in denen selbst in der Nebensaison noch richtig was los ist, und andere, die in der Hochsaison schon fast keinen Spaß mehr machen.

Los geht’s: Das ist dein Revier

Sind die Fragen oben erst einmal beantwortet, fällt die richtige Revierauswahl viel leichter. Im Folgenden findest du Reviervorschläge für ganz klassische Crewkonstellationen und persönliche Interessen.

Für Anfänger, Familien und Segler, die entspannt unterwegs sein wollen

Wer entspannte Bedingung für seinen Törn sucht, sollte auch im Mittelmeer bestimmte Destinationen meiden.

Meine Favoriten für alle, die das erste Mal als Skipper die Verantwortung übernehmen, für Segeleinsteiger, Familien und Crews, die gerne an Bord entspannen, um in jeder Bucht die Luftmatratze zu Wasser zu lassen. Und trotzdem nicht auf die Annehmlichkeiten einer Hafeninfrastruktur verzichten wollen.

Dalmatien

Dieser Küstenabschnitt in Kroatien mit seinen unzähligen Inseln und mehreren Tausend Kilometer Küstenlinie bietet ein Eldorado für einen entspannten Segeltörn voller abwechslungsreicher Momente. Die Distanzen sind in Dalmatien kurz, das nächste Ziel immer in Sicht und die Auswahl an Zielen beinahe grenzenlos. Zudem sorgen die vielen Inselketten für sehr gut geschützte Gewässer. Und die nautische Infrastruktur ist extrem gut ausgebaut: Zum Übernachten stehen unzählige Häfen und Marinas zur Verfügung, es gibt Restaurantbuchten (Konobas genannt) und Bojenfelder in den Buchten, die auch dem Anfänger ohne Ankerkenntnisse das Übernachten in schönen Buchten ermöglichen.

Die vielen Bojenfelder in Kroatien ermöglichen auch dem Anfänger, in Buchten zu übernachten.

Mallorca

Die Insel ist eine Wundertüte und kann fast jeden Törncharakter erfüllen. Die Infrastruktur ist top, es gibt luxuriöse Yachthäfen, einsame Naturbuchten, traditionelle Fischerdörfer, Nightlife, Shoppingmeilen und reichlich Strandleben – hier ist alles möglich!

Insbesondere die Südostküste von Mallorca ist ideal für das Buchtenbummeln auf kurzen Distanzen, dutzende Strandbuchten wie die Cala Domingos oder Cala Mitjana warten auf eine Entdeckung. Dazu bieten hier die vielen Hafenorte wie Porto Cristo, Portocolom, oder Cala Figuera reichlich Abwechslung mit sicheren Liegeplätzen.

Die vielen Ankerbuchten auf Mallorca sind alle nie weit vom nächsten sicheren Hafen entfernt.

Ionisches Meer

Das in Griechenland beliebteste Segelrevier bietet, ähnlich wie Kroatien, eine große Vielfalt auf kurzen Distanzen. Nur das Gesamtrevier ist kleiner, aber für ein paar Wochen Abwechslung reicht es allemal. Die Segelbedingungen sind einfach, der Wind meist schwach und gut vorhersagbar. Zwischen den Inseln und der Festlandküste können weniger erfahrene Crews auch deshalb entspannt und ruhig umhersegeln, weil das Revier gut vor der offenen See geschützt ist.

Eines aber muss man bei dem Wechsel in ein griechisches Revier wissen: Die Infrastruktur mit Marinas ist deutlich weniger ausgebaut. Und an den meisten Anlegeplätzen wird römisch-katholisch festgemacht. Das bedeutet, mit dem eigenen Anker im Hafenbecken und Rückwärts an die Hafenmole. Ein Manöver, das kein Hexenwerk ist, aber etwas Übung benötigt.

Bei fast allen Anlegestellen in Griechenland kommt der eigene Anker zum Einsatz.

Flottille

Wer seinen ersten Chartertörn nicht alleine bestreiten will oder lieber in Gesellschaft mit anderen Crews unterwegs ist, der ist auf einer Flottille genau richtig. Dabei kümmert sich ein Führungsteam um Routenplanung, Wetter und Liegeplätze und im Verbund von meist bis zu etwa zwölf Yachten geht es gemeinsam durch das Revier. Inklusive Abendprogramm und gemeinsame Unternehmungen. Die drei oben genannten Reviere sind übrigens Klassiker für Flottillenangebote.

Kommunikativ, geführt, entspannt: Flottillen sind nicht nur für Anfänger eine Alternative.

Für Seebären mit Erfahrung, die Action auf dem Wasser oder eine nautische Herausforderung suchen

Die Crew ist geübt und hat genug Erfahrung, um in Revieren mit mehr Wind und einer anspruchsvolleren Navigation zu bestehen. Sie will Seemeilen schrubben, dabei darf es gerne auch sportlich werden. Eine Infrastruktur mit allem Pipapo ist zweitrangig, schließlich ist man Segler und hat alles, was man braucht mit an Bord. Für solche Crews sind die folgenden Mittelmeerreviere meine Favoriten:

Wer bei soviel Starkwind trotzdem entspannt unterwegs sein möchte, sollte Erfahrung haben.

Kykladen

In der zentralen Inselwelt der griechischen Ägäis ist dank des kräftigen Meltemi-Windes segeln mit viel Wind angesagt. In der Hochsaison zwischen Mitte Juni und Mitte September bläst hier ein kräftiger Nordwind. Meist aber bei T-Shirt-Wetter, strahlend blauem Himmel und dunkelblauer Ägäis – einfach herrlich! Und: Die vielen Kykladen-Inseln liegen bisweilen weit auseinander, Tagesetappen von 30 oder 40 Seemeilen auf offener See sind hier keine Seltenheit. Die Kykladen im Sommer sind und bleiben mit das Anspruchsvollste, was man im Mittelmeer erleben kann.

Im Hochsommer ist in der ganzen Ägäis oft viel Starkwind.

Sardinien

Das Segelrevier rund um die zweitgrößte Insel im Mittelmeer ist anspruchsvoll. Warum? Zum einen treibt der Mistral hier immer mal wieder sein Unwesen. Zum anderen sorgt die Trichterfunktion der Meerenge der Straße von Bonifacio hier regelmäßig für höhere Windgeschwindigkeiten als im restlichen westlichen Mittelmeer. Dazu kommt, dass es kaum ein anderes Revier mit derart vielen Inseln, Inselchen, Felsen und Untiefen gibt. Ein Mienenfeld, das eine sehr saubere Navigation voraussetzt.

Was die Infrastruktur, die Dichte an Häfen und feinsandigen Ankerbuchten betrifft, ist das Revier allerdings bestens auch für Anfänger und Buchtenbummler geeignet. Was man sonst noch wissen sollte? Das Hauptrevier der Insel, die bekannte Costa Smeralda im Nordosten, ist auch die Spielwiese der Supereichen. Deshalb sind die Liegegebühren hier meist deutlich höher als in vielen anderen Mittelmeerdestinationen.

Wer in Sardinien zwischen den vielen Steinen unterwegs ist, muss sehr sauber navigieren.

Liparische Inseln

Die Inseln im Norden von Sizilien werden auch Äolische Inseln genannt. Die Ziele heißen hier Lipari, Stromboli, Vulcano & Co. Ein Revier, das vielleicht deshalb mehr Erfahrung voraussetzt, weil die Auswahl an Häfen und Ankerbuchten sehr beschränkt ist. Die Vulkanischen Inseln fallen steil ins Meer ab, brauchbare Ankertiefen sind selten und der Hafenbau schwierig. Kommt dazu Wind auf, muss man wissen, welche Plätze noch sicher sind, oder bereit sein, Pläne zu ändern und Ausweichhäfen anzusteuern.

Oft gibt es nicht viel mehr Infrastruktur als eine kleine Steganlage wie hier auf Vulcano.

Für Naturliebhaber, Buchtenbummler und Ruhesuchende

Wer die Hektik des Alltages und vielleicht auch ein wenig die Zivilisation hinter sich lassen möchte, um in der Abgeschiedenheit der Natur zur Ruhe zu kommen, dem möchte ich folgende Reviervorschläge ans Herz legen:

Mallorca

Für viele vielleicht überraschend, aber wahr: Des Deutschen liebste Mittelmeerinsel hat so viele Gesichter, dass sich hier tatsächlich auch noch Ruhe und einsame Natur finden lässt. Ganz besonders gut an der schroffen Nordwestküste Mallorcas. Immer wieder unterbrechen kleine Dörfer wie Banyalbufar oder Port de Valdemossa die steile Küstenlinie, dazu gibt es weitere herrlich einsame Buchten wie Cala Figuera, Sa Foradada oder Cala Tuent. Und mit Port de Sóller einen sicheren Hafen, in den man sich bei aufkommendem Wind zurückziehen kann. Aber auch an anderen Stellen der Insel gibt es ruhige Alternativen, dazu die schönen Naturschutzinseln Cabrera und Sa Dragonera, beide wundervolle Oasen der Ruhe.

Einsame Buchten wie hier Sa Foradada gibt es viele im Nordwesten von Mallorca.

Kornaten

Kroatien hat vielfältige Möglichkeiten für einen Törn in Abgeschiedenheit. Selbst in abgelegenen und einsamen Buchten gibt es oftmals Restaurantstege oder Bojenfelder. Ganz besonders häufig im Nationalpark der Kornaten, die Inselkette in der Mitte des Landes. Der von den großen Charterbasen in Sibenik, Biograd oder Zadar nur wenige Seemeilen entfernte Nationalpark ist ein Eldorado für Bootsfahrer. Verträumte Buchten, majestätische Felsklippen und die schönsten Buchtenrestaurants des Mittelmeers erwarten einen. Aber aufgepasst, das Ankern und Übernachten ist nur mit Eintrittskarte erlaubt.

Die unzähligen Buchten in den Kornaten bieten ruhige und abgeschiedene Plätze zum Anlanden.

Türkei

Die Mutter der Buchtenbummeldestinationen liegt in der Türkei. Zahlreiche Buchten sind in die Landschaft eingebettet und somit gut geschützt. Und überall haben die Restaurantbetreiber sich ganz auf Segler eingestellt. Sie haben Steganlagen gebaut, Murings ausgebracht und stellen Toiletten und nicht selten auch Wifi zur Verfügung. Viele der unzähligen Restaurantbuchten sind fast schon kleine Häfen in abgeschiedener und einsamer Natur. Einfach herrlich erholsam und wunderschön.

Wer die Küste weiter im Norden besegelt oder im Hochsommer kommt, sollte wissen, dass auch die türkische Küste im Einflussbereich des Meltemi-Windes liegt und dieser mitunter ordentlich Fahrt aufnehmen kann.

In der Türkei ist die Infrastruktur selbst in abgeschiedenen Buchten meist vorbildlich.

Sporaden

Die Inselgruppe liegt im nördlichen Teil der Ägäis und besteht aus vier größeren und einigen kleinen Inseln. Traumhafte Ankerbuchten, reizvolle Häfen und der ursprüngliche Charme der Griechen prägen dieses Revier. Hier ist man abseits der Touristenpfade – Massentourismus ist hier, zumindest abseits der Hauptinsel Skiathos, ein Fremdwort.

Die Navigation in den Sporaden ist leicht und selbst der Sommerwind Meltemi weht hier, wenn überhaupt, deutlich schwächer als im restlichen Griechenland. Kein Geheimtipp mehr – aber definitiv eine Empfehlung für Naturliebhaber und Buchtenbummler.

Auch die kleinen Hafenorte der Sporaden bieten eine entspannte Atmosphäre.

Reviere mit besonderem Flair

Côte d’Azur – die mondäne Dame der Reviere

Die Côte d’Azur gilt seit jeher als Hotspot des Jetsets. Von mondänen Badeorten wie St. Tropez bis hin zu typischen Fischerorten – die Französische Riviera ist landschaftlich vielfältig und bietet viel mediterranes, südfranzösisches Flair. Dazu moderne und teils luxuriöse Marinas, aber auch ruhige Buchten und schöne Strände inmitten eines „normalen“ Lebens. Und die vor der Küste liegenden Inseln Iles d’Hyères sind noch einmal ganz anders, genauso wie die felsigen Buchten der Calanque auf dem Weg Richtung Marseille. Ein Revier, in dem sich auch Einsteiger oder Familien gut zurechtfinden, da Wind und Gewässer keine allzu großen Herausforderungen an die Crew stellen.

Die Côte d’Azur bietet exklusive Atmosphäre und Anlegestellen.

Ibiza – Party, Strand und Segeln

Allen feierwütigen Crews, die neben dem Segelspaß auch eine ordentliche Auswahl an Clubs und Bars wünschen, um bis zum Morgengrauen Party machen zu können, lege ich die Destination Ibiza ans Herz. Die spanische Baleareninsel ist ein relativ leicht zu navigierendes Segelrevier mit geringen Strömungen und allgemein mäßigen Winden. Auch sind die Entfernungen kurz (eine Inselumrundung inklusive des Besuchs von Formentara misst gerade mal 70 Seemeilen) und die Destination ist deshalb auch für weniger erfahrene Crews geeignet.

Viele Buchten auf Ibiza haben den gewissen Karibikflair.

Metropolen-Törn

Warum den Segeltörn nicht mit einem Besuch einer großen Stadt verbinden? Im Mittelmeer gibt es dafür reichlich Gelegenheit. Viele der Metropolen liegen ganz nah an den Ausgangsbasen der Charterstützpunkte. Und mit der eigenen Yacht in einen der großen Seehäfen einzulaufen, ist definitiv ein unvergessliches Erlebnis. Dazu bieten viele der Metropolen auch Liegeplätze direkt im Zentrum. Und auch wenn die Liegepreise happig sein können, sind sie garantiert noch günstiger als ein Doppelzimmer im Hotel. Folgende Städte lassen sich gut in einen Mittelmeertörn integrieren: Genua, Barcelona, Marseille, Nizza, Palma, Neapel, Venedig, Dubrovnik, Palermo und Athen.

Marseille ist mit seinen Liegeplätzen mitten im Zentrum der Stadt ein attraktives Metropolenziel.

Ich wünsche Euch ganz viel Erfolg und Spaß bei der Vorbereitung und Durchführung eurer Mittelmeerreise. Wenn ihr noch mehr Infos braucht, schaut einfach hier vorbei.

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Törnbericht: Segeln zu den goldenen Perlen der Côte d‘Azur – die Îles d‘Hyères

Die Inseln sind der Rückzugsort der Côte d‘Azur

Nirgendwo sonst gibt es derart geballt mehr Schöne und Reiche, mehr Megayachten, mehr Protz und Prunk als an der Côte d’Azur. Hier tobt das Leben. Ob in St. Tropez zum Beispiel oder in Cannes, ob in Nizza oder in Monaco. Doch wo, bitte schön, kann man an dieser Küste noch ein ruhiges Plätzchen finden, eine einsame Badebucht womöglich? Noch dazu in der Hochsaison? „Nicht leicht”, meint unser Vercharterer, der selbst oft in diesen Gewässern unterwegs ist. „Aber nicht unmöglich“, schiebt er mit geheimnisvollem Lächeln hinterher. „Segelt zu den ‚Goldenen Inseln’, und Ihr werdet ein kleines Wunder erleben.“

Wer etwas mehr Ruhe und Erholung sucht, segelt zu den Îles d’Hyères.

Wir folgen seinem Rat, machen uns auf zu den „Goldenen Inseln“, die eigentlich Îles d’Hyères heißen und nur zwei Seemeilen vom Festland entfernt im azurblauen Meer schwimmen. Verstreut über 18 Seemeilen liegen ganz im Westen Porquerolles, in der Mitte Port-Cros und weiter östlich dann die Île du Levant. Inmitten einer der ältesten und erschlossensten Ferienregionen der Welt – hier soll ein echter Garten Eden sein?

Von der Festlandsküste geht es rüber zu den nahe gelegenen Inseln.

Die Hektik der Festlandküste bleibt im Kielwasser zurück

Also hoch die Tüten und nichts wie weg aus Bandol, einem dieser typischen und überlaufenen Ferienorte der französischen Mittelmeerküste. Weg von den Lautsprechertürmen, aus denen die ganze Nacht über Livemusik dröhnt. Und weg von den stinkenden Blechlawinen, die die Uferstraße verstopfen. Es kommt, wie es eigentlich immer kommt: Kaum sind die Leinen los, die Fender verstaut und die Segel gesetzt, kehrt Ruhe ein. Alle Hektik bleibt an Land zurück. Kein Lärm, kein Gestank. Nur Wind, Wellen und Meer. Und eine Yacht getragen vom weißem Tuch, die in gleichmäßigen Bewegungen das tiefblaue Wasser durchpflügt und unermüdlich ihrem Ziel entgegenläuft.

Unser Ziel ist ein „Croissant“, so jedenfalls sieht Porquerolles, die größte der drei „Goldenen Inseln“ auf der Seekarte aus. An ihrer Nordseite finden sich seichte Buchten mit feinsandigen Stränden, an der Südküste stürzen Felsen steil in die offene See. Der einzige Hafen des Eilands, Port de Porquerolles, liegt in der nördlichen Krümmung des Frühstückshörnchens. Und ist proppevoll. „Nachmittags ist meist schon alles belegt“, sagt uns der Mitarbeiter im Hafenbüro neben der Ankunftspier freundlich aber bestimmt. „Im Juli und August sollten Sie sich vorher anmelden“, werden wir über die örtlichen Gegebenheiten aufgeklärt. „Oder Sie sind spätestens mittags hier.“

Also wieder raus aus dem Hafen und rein in die Ankerbucht. Wir nehmen die weite und offene Bucht gleich nebenan, unmittelbar vor dem Plage de la Courtades. Der Anker fällt auf den Grund und die Crew ins Wasser. „Viel besser als der Hafen“, findet meine Tochter Nora und taucht ab Richtung Strand.

Die Ankerbucht liegt gleich neben dem Hauptort von Porquerolles.

Als ich danach mit einem Café au Lait unterm Biminitop sitze, fallen mir die Worte unseres Vercharterers wieder ein – das kleine Wunder. Mein Blick schweift aus dem Cockpit ins türkisfarbene Wasser (wirklich, wie in der Südsee!), dann über den feinsandigen Strand bis zum sanft ansteigenden Pinienhain.

Auch mit 50 Yachten bleibt die Ankerbucht von Porquerolles noch entspannt.

Und obwohl der Hafen voll ist, wir die Ankerbucht mit rund 50 anderen Yachten teilen und der Strand belegt ist wie in Timmendorf zur Hochsaison – hier ist das etwas anderes. Vielleicht, weil keine stinkende Blechschlange über die Uferstraße schleicht. Vielleicht, weil keine Jetskis über die Ankerketten knattern. Vielleicht aber auch wegen dieses einzigartigen Geruchs, der zu uns hinüberweht.

330 Einwohner, ein Hafen, viele Weinberge, kaum Autos

Porquerolles duftet nach Hustenbonbons, nach Honig und Eukalyptus, nach Thymian, Myrte und Pinien. Eine Insel voller üppig-grüner Vegetation, sieben Kilometer lang und drei Kilometer breit. Mit fünf Ankerbuchten und einem Hafen, mit zehn Forts und drei Weingütern, mit 330 Einwohnern im Winter und rund 10.000 Besuchern an Hochsommertagen. Hier lässt es sich aushalten, denke ich im Stillen. Auch wenn wir, wie es scheint, die Einsamkeit teilen müssen.

Auf der Nordseite der Insel finden sich selbst im Hochsommer noch einsame Badenischen.

Der Nachmittag geht zu Ende, wir machen unser Beiboot klar. Für einen Landgang und weil wir Hunger haben. „Wer weiß, ob wir bei so vielen Menschen im Restaurant überhaupt Platz finden“, gibt Nora zu bedenken. Werden wir, weiß unser Reiseführer, und erklärt nebenbei auch den Grund für die Menschentrauben, die sich langsam über die breite Pier des Hafens schieben. Denn abends, so gegen 18 Uhr, verschwinden die Tagestouristen wieder im Bauch der Fähren, steht dort geschrieben. Sie kehren der „Goldenen Insel“ den Rücken und nehmen Kurs auf die Touristenzentren der Küste. Und dann, mit dem letzten Tuten, kehrt Ruhe ein auf Porquerolles. Die Insel atmet auf.

Spätestens nach der letzten Fähre gehört die Insel wieder den Einheimischen.

Wir entschließen uns für einen Willkommensdrink auf dem schattigen Balkon einer Gastronomie. In der offenen Bucht dümpeln ein Dutzend Yachten an clubeigenen Moorings. Daneben erstreckt sich der Yachthafen, der trotz seiner 500 Liegeplätze klein und gewachsen wirkt. Es herrscht ein lebendiges Treiben, vor allem auf der Innenseite der langen Außenmole, wo sich die meisten der 200 Besucherplätze befinden. Hier wird gebastelt und geplauscht, gedöst und gegessen.

Der Yachthafen von Porquerolles ist hübsch gelegen und bietet guten Service.

Oliven, Muscheln, Weißwein – französische Lebensart

„Was heißt denn eigentlich ‚tourteaux‘“, will meine Frau Karen nach einem kritischen Blick auf die Speisekarte wissen. Wir sitzen im Sainte-Anne, einem Restaurant am Dorfplatz, dem ehemaligen Exerzierplatz. Vor uns die Speisekarte mit reichhaltigem Angebot, leider nur auf französisch. Deshalb bestelle ich mit einem Fingerzeig ebenso einen großen Topf frischer Muscheln, wie er auch auf dem Nachbartisch steht. „Moules“, wie mir beigebracht wird. Und ein Glas Weißwein, den inseleigenen. Der/die/das „tourteaux“ entpuppt sich als ein Taschenkrebs. Guten Appetit!

Alles, was lecker ist, kommt in Frankreich auf den Tisch.

Wo der schmackhafte Inselwein genau wächst, wollen wir erkunden. Wozu wir uns für einen Hafentag entschließen. Die ersten Yachten verlassen bereits die Marina, große und kleine weiße Segel füllen mit der sanften Morgenbrise ihre Bäuche. Und tragen ihre Fracht raus aus der Idylle und rein in die Irre. Rüber zur Schickimicki-Küste des Festlandes. Wir aber lassen uns nicht verführen, bleiben unserem Vorhaben treu und genießen die Côte d’Azur en miniature. Jetzt, am Morgen, sogar mit einem Platz am Steg.

Der Wein von der Insel ist nicht nur vor Ort sehr beliebt.

Nach einem petit-déjeuner (Frühstück mit Baguette, Marmelade und Milchkaffee) flüchten wir vor der ersten Fähre dieses Tages, die neue Touristen bringt. Wir flüchten per Mountainbike ins Inselinnere, radeln durch einsame Pinienhaine, schrecken Fasane auf. Zum Weingut, wie gesagt, danach die Südwestküste entlang, zwischen Heidekraut und Schilfgürteln hindurch immer weiter bis zum Cap d’Armes. Genauer gesagt, bis zum Phare de Porquerolles, dem Leuchtturm.

Das alte Leuchtfeuer auf der Insel von Porquerolles weist Seefahrern den Weg.

Nächstes Ziel, nächste Insel: Port-Cros

Am nächsten Tag sehen wir das Phare de Porquerolles in unserem Kielwasser verschwinden, als wir Kurs auf Port-Cros nehmen. Denn weil die Distanzen zwischen den Inseln nicht besonders groß sind, peilen wir unser nächstes Ziel nicht auf direktem Weg an, sondern gönnen uns eine Umrundung Porquerolles.

Wild stürzen an Backbord schroffe Felsnasen in die funkelnde See, zwischendurch wollen uns kleine, einsame Buchten bestechen, doch noch zu bleiben. Aber wir wissen, wir kommen wieder, und halten deshalb fest an unserem Ziel. Segeln zum Spaß mitten durch Petit und Gros Sarranier, zwei nicht ganz ungefährliche, dem Südostzipfel der Insel vorgelagerte Felsen. Dann sieben Seemeilen hinaus auf die offene See, bis uns die Îles de Bagaud, ein schroffer Felsen ausschließlich für Vögel, die Zufahrt in den Hafen Port-Cros versperrt.

Auf der Luvseite der Insel brandet das Mittelmeer.

Wir mogeln uns von Süden hindurch, bergen die flatternden Segel, nehmen Kurs auf das Fahrwasser und vergessen vor lauter Staunen fast das Einbiegen. Vor uns ein Gemälde mit einem Ort aus einem Dutzend ockerfarbener Häuser, einer Lehmstraße, gesäumt von einem Kranz hoher Palmen, davor zwei Holzstege für kleine Yachten – und all das eingerahmt von dichtbewaldeten Hängen und tropischen Blütenpflanzen. Der Eindruck einer Südseeinsel drängt sich geradezu auf, ein Stückchen Äquator mitten in Südeuropa.

Die kleine Steganlage und der Miniort Port-Cros haben reichlich Charme.

Die meisten Gäste bleiben nur einige Stunden, die Insel hat nur ein Hotel mit 23 Zimmern. Dazu kommen ein paar Einheimische (im Winter unter 10!), das Gros bilden die Segler, die eine der Murigbojen vor dem Hafen oder einen der 75 Plätze an den beiden Stegen ergattern konnten. Kleine Schiffe haben hier große Chancen. Denn die Wassertiefe an den Stegen nimmt schnell ab und nur wenige der Muringtonnen sind auch für große Schiffe geeignet.

Die Lehmstraßen und die Stege des Hafens von Port-Cros

Entspannte Atmosphäre auch bei den Menschen vor Ort

Wir haben zwar nur 38 Fuß unterzubringen, aber auch für die sind wir mal wieder hoffnungslos zu spät. Doch aufgeben wollen wir nicht. „Wo immer Ihr ein Plätzchen findet, könnt Ihr festmachen, nur nicht da, wo die Fähren liegen“, rät der Hafenmeister, offenbar gut geübt im Umgang mit penetranten Seglern. Doch wir nehmen seine Offerte wörtlich, lassen den Anker im Hafenbecken fallen und verzurren das Heck am Kopf des Holzsteges. Was uns nur seinen staunenden Blick einbringt, nicht aber eine Rüge.

Der Innenteil des Hafens ist den kleinen lokalen Booten vorbehalten.

Danach erobern wir Port-Cros. Zu Fuß natürlich, ein anderes Transportmittel gibt es hier nicht, nicht einmal Fahrräder. Stattdessen 40 Kilometer Wanderwege durch Nationalparkgebiet, durch dichtes Grün und durch Wälder von Buckelkiefern. Und Strände, die menschenleer sind, und an denen wir Turnschuhe gegen Flossen tauschen. Um die Unterwasserwelt zu bewundern, die ebenso wie das Land seit 1963 unter Schutz steht. Fische und Seegraswiesen ziehen an unseren Brillengläsern vorbei, die Sonne bringt das Meer auf Badewannentemperatur. Wenn das kein kleines Wunder ist…

Ankerplätze laden zum Bleiben ein

Doch jedes Wunder hat einen Haken, der von Port-Cros ist das Liegegeld. Um Dauerlieger zu vertreiben, werden hier einfach täglich die Gebühren erhöht. Was bleibt, sind die Ankerplätze in der Umgebung. Zum Beispiel der gegenüber vor der kleinen Insel Bagaud, ein Reservat der Vögel, das nicht betreten werden darf. Oder die große und geschützte Bucht Port Man im Osten von Port-Cros. Wieder so ein Südseeplatz, türkisfarbenes Wasser und feiner Sand, zum Bleiben schön.

Port Man im Osten von Port-Cros bietet eine schöne Ankermöglichkeit.

Doch wir wollen weiter, Richtung Osten zur Île du Levant, der letzten der drei Îles d’Hyères. Doch auch wenn sich Port de l’Ayguade verdächtig nach Hafen anhört – es ist keiner, die einzige Pier bleibt den Fähren vorbehalten. Wir müssen mit unserer Yacht ankern, und das mehr schlecht als recht. Denn in der Passage zwischen Port-Cros und der Île du Levant steht fast immer Schwell, so auch heute. Für einen Tagesbesuch in dem am Berghang gelegenen Dorf Heliopolis jedoch liegen wir sicher. Wir besteigen den Minibus, fahren hinauf in das Dorfzentrum, das 118 Meter über dem Meeresspiegel thront. Und schlendern durch die Gassen, die von kleinen Villen gesäumt sind. Und danach? Zum Strand, denken wir. Doch da wird es richtig ernst. Denn gelten im Ort und am Schiffsanleger Tanga-Slips noch als korrekte Bekleidung, muss man am Plage des Grottes, um böse Worte zu vermeiden, die Hüllen lieber ganz fallen lassen. Denn das internationale Mekka der Nudisten hat so seine eigenen Vorschriften, die Freikörperkultur hat hier schließlich eine lange Geschichte, genauer gesagt seit 1931.

An allen anderen Stränden wie hier auf Porquerolles ist Badebekleidung angesagt.

Wir wollen weiter, müssen weiter, denn aufkommender Wind lädt nicht zum Verweilen ein. Und der Rest der Insel ist ohnehin militärisches Sperrgebiet, er darf weder befahren noch betreten werden. Wir entscheiden uns stattdessen für ein anderes Ziel, für eine Bucht im Süden von Porquerolles. Für die kleine und einsame Anse du Parfait, die einzige, die Seglern Schutz bietet vor aufkommendem Nordwind. Wozu auch weitersegeln? Zu den Schönen und Reichen wohlmöglich, nach St.Tropez, Cannes oder Nizza? Dort wird sein, was man erwartet: Jubel und Trubel, Prunk und Protz. Hier auf den drei Iles d’Hyères hingegen findet sich das eigentliche Wunder: eine kleine Oase des Friedens inmitten einer der geschäftigsten Ferienregionen der Welt.

Die Iles d’Hyères bieten Ruhe und Sonnenuntergänge am Ankerplatz.

Tipp: Ausführliche Revier-Informationen für einen entspannten Segeltörn zu den Iles d’Hyères findest du hier.

Charter

Das größte Charterangebot in der Nähe der Inseln findet sich in Bandol und in der Bucht von Toulon. Französische wie internationale Flottenbetreiber haben hier ihre Stützpunkte. Die Schiffe sind in den Sommermonaten voll ausgelastet und es empfiehlt sich eine rechtzeitige Buchung.

Diese Charter-Agenturen helfen dir, eine Yacht zu finden

Für eine deutschsprachige Beratung und die zuverlässige Buchung von Charteryachten bei bewährten Anbietern für einen Törn zu den Iles d’Hyères können diese Firmen behilflich sein:

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Riss im Segel reparieren durch Kleben – Schritt-für-Schritt-Anleitung

Welche Risse im Segel können repariert werden?

Die Segel einer Fahrtenyacht werden häufig genutzt – schließlich dienen sie der Fortbewegung des Schiffes 🙂 Dabei kommt es hin und wieder auch zu Schäden am Segel. Besonders ärgerlich sind dabei Risse im Segeltuch.

Große Risse sind mitunter gar nicht zu reparieren und bedürfen für gewöhnlich des fachkundigen Auges eines Segelmachers. Kleine Risse hingegen können oft mit Bordmitteln behoben werden. Das ist gut. So können wir das Segel weiter nutzen und die Reise zum nächsten Hafen unter Segeln fortsetzen. Insbesondere auf Langfahrt sind Reparaturen mit Bordmitteln von großer Relevanz.

Riss im Segel einer Fahrtenyacht

Es gibt drei Methoden, um einen Riss im Segel zu reparieren

Grundsätzlich gibt es drei verschiedene Methoden, das Segel zu flicken. In diesem Beitrag geht es nur um die Segelreparatur mit Zweikomponenten-Kleber. In zwei weiteren Beiträgen zeige ich, wie eine Segelreparatur durch Nähen oder eine Segelreparatur mit selbstklebendem Tuch erreicht wird.

Vorbereitende Maßnahmen beim Segelrissflicken

Fäden entfernen

Allen drei Methoden ist gemein, dass zunächst alle gerissenen Fäden auf beiden Seiten der Rissstelle mit einer scharfen Schere entfernt werden.

Mit der Schere werden die Fäden rund um den Riss im Segel entfernt.

Reparaturbereich reinigen

Darüber hinaus sollte der Reparaturbereich trocken, staub- und fettfrei sein. Ist das nicht der Fall, kann die Stelle mit Spiritus oder Waschbenzin gereinigt werden. Zur Not geht auch Vodka. Rum bitte nicht verwenden – er enthält Zucker!

Interessant ist, dass der Zwei-Komponenten-Kleber auch auf einem nassen bzw. salzigen Segel funktioniert. Das ist ein nicht unerheblicher Vorteil.

Segelreparatur mit Zweikomponenten-Kleber

Bei dieser Variante wird das Segel mit einem Zweikomponenten-Kleber auf Epoxid-Basis geklebt. Da es sich bei Epoxy um einen giftigen Werkstoff handelt, sollten Nitryl-Schutzhandschuhe getragen werden (Vinyl-Handschuhe lösen sich auf). Ein gängiges Produkt ist Dr. Sails. Wir haben es im Folgenden verwendet.

Unter die Reparaturstelle muss etwas gelegt werden, das mit Epoxy beschmutzt werden darf (beispielsweise ein Korkuntersetzer). Mit andern Worten: Die Reparatur sollte nicht direkt auf der Cockpitbank aus Teakdeck durchgeführt werden.

Diese Materialen werden benötigt.

Wichtig bei dieser Variante ist, darauf zu achten, dass die Fläche plan ist. Das Segel darf sich nicht verziehen. Das ist von Bedeutung, da die Klebestelle nicht korrigiert werden kann. Im ungünstigsten Fall kommt es sonst zu einer dauerhaften Faltenbildung im Segel. Man könnte sagen: Hier muss mit Gefühl gearbeitet werden. 🙂

Als Reparaturmaterial kommt ein altes Segeltuch infrage. Es gibt kein spezielles Flicken-Tuch in dem Sinne. Zur Not geht auch neues Tuch von der Rolle, dass man beim Segelmacher bekommen kann.

Bevor geklebt wird, muss die Webrichtung des Segels ermittelt werden, damit die Kräfte optimal in den Flicken eingeleitet werden. Der Flicken muss parallel zur Webrichtung laufen. Es ist nicht immer einfach, bei einem Segel zu erkennen, in welche Richtung die Webrichtung läuft. Hier kann sich mit einem Trick beholfen werden. Es wird ein spitzer Bleistift auf das Segel gesetzt und geguckt, in welche Richtung er geführt wird.

Stark vergrößerte Bleistiftlinie. Sie folgt der Webrichtung.

Vor allem bei Dacron-Tuch ist die Laufrichtung schwer zu erkennen. Dort liegen die Fäden alle im rechten Winkel zueinander und der Bleistift-Trick hilft, die Richtung zu finden. Bei Hydranet-Tuch, das auf Fahrtenyachten weit verbreitet ist, kann man das hingegen mit bloßem Auge erkennen.

Habe ich die Webrichtung des kaputten Segeltuches und des Flickens ermittelt, helfen zwei große Bleistiftkreuze. Eines auf dem Segel – eines auf dem Flicken. Die Ausrichtung muss unbedingt deckungsgleich sein!

Mit dem Kursdreieck können zwei Kanten angezeichnet werden und dann kann der Flicken ausgeschnitten werden. Er bekommt analog zum Reparieren mit Segeltape ebenfalls runde Ecken, die dem Radius einer Zwei-Euro-Münze folgen.

Im nächsten Schritt wird der potentielle Aufkleber ausgerichtet.

Dann wird die Kontur des Aufklebers auf das Segel gezeichnet.

Als letzter Schritt vor dem Kleben wird das Segel entlang der Kanten mit Tape abgeklebt. Dabei werden auch die runden Ecken berücksichtigt. So können später leichter Kleberrückstände entfernt werden.

Der Kleber selber befindet sich in einer Kunststofffolie, die aus zwei Kammern besteht. In der einen befindet sich das Harz – in der anderen der Härter. Das Material aus beiden Kammern wird gemischt und fleißig von der einen in die andere Kamera hin und her geschoben, damit das Verhältnis stimmt. Auch farblich muss es zu einer homogenen Masse werden. Man muss dabei nicht hetzen, sollte aber auch nicht ewig warten. Die Handling-Zeit beträgt etwa 4 Minuten. Wenn der Kleber hart wird, hat man zu lange gebraucht. 🙂

Zum Auftragen kann man gut eine Ecke der Kunststofffolie abschneiden (spätestens jetzt sollten die Handschuhe angezogen werden). Die Hülle funktioniert dann wie eine Spritze beim Backen und erlaubt eine gewisse Feindosierung.

Der Inhalt wird in Bahnen auf den Aufkleber aus Segeltuch aufgetragen.

Dann wird der Flicken aufgeklebt und mit einem Spachtel fest gestrichen (nicht zu fest aufdrücken und aufpassen, dass der Flicken dabei nicht verrutscht). Überschüssiges Klebe-Material wird nicht entfernt.

Nach 22 Minuten ist das Material laut Hersteller ausgehärtet und der überschüssige Kleber kann entfernt werden. Man kann ihn einfach abrubbeln oder abziehen.

Danach wird das Tape entfernt. Der Clou: Das Segel ist sofort wieder komplett einsatzbereit.

Hinweis: Das Klebematerial wird nicht hart. Das soll es ja auch nicht. Vielmehr bleibt das Material flexibel, was für die Eigenschaften eines Segels ja auch durchaus wichtig ist.

Abschließend sollte auf der Rückseite noch ein Streifen Segeltape aufgeklebt werden, damit sich an den ursprünglichen Riss-Kanten nichts verhaken kann. Das ist kein Muss, es wäre aber besser.

Fazit

Mit den vorstehend beschriebenen Maßnahmen kann auch der Laie mit Bordmitteln kleinere Risse im Segel unkompliziert kleben. Wichtig ist in jedem Fall, dass die Stelle fett- und staubfrei ist und ich entsprechendes Reparaturmaterial an Bord habe. Dazu gehört im Wesentlichen Segeltuch und der erwähnte Zweikomponentenkleber. Im Idealfall wurde dann am Ende der Saison alles nicht benötigt, aber wie heißt es so schön: „Haben ist besser als brauchen!“

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Revier-Info Griechenland: Segeln/Chartern in den Kykladen

Navigation

Zu dieser zentralen Inselgruppe der Ägäis gehören etwa 25 bewohnte und unzählige kleinere Inseln, die sich auf ein Seegebiet von etwa 100 mal 120 Seemeilen verteilen. Start- und Zielhafen der meisten Charteranbieter ist Athen im Nordwesten des Reviers. Wer mit der eigenen Yacht anreist, kommt meistens aus dem Saronischen Golf (ca. 50 Seemeilen), von Kreta (ca. 60 Seemeilen) oder aus dem Inselreich Dodekanes (ca. 70 Seemeilen).

Wer ab Athen chartert, sollte, wenn der Meltemi-Wind aus Nord- bis Nordwest weht, reichlich Zeit für die Rückfahrt einplanen. Zudem sollte man auf den Gegenwindetappen möglichst früh am Morgen starten, wenn der Wind noch nicht volle Stärke erreicht hat.

Die Navigation ist kein Kinderspiel, aber auch kein Hexenwerk.

Die Navigation ist verhältnismäßig einfach, die nächste Insel meist in Sichtweite. Alle Hafeneinfahrten sind befeuert, viele Kaps mit Leuchtfeuer ausgestattet – Navigation und Landfall sind somit auch nach Einbruch der Dunkelheit möglich. Besondere Vorsicht ist bei Meltemi auf den Leeseiten der Inseln geboten: Die Windgeschwindigkeiten der Fallwinde erreichen hier schnell mal 7 bis 8 Beaufort.

Ein Höhepunkt im Revier: der Krater von Santorin

Wetter

In Bezug auf Wind und Wetter scheint Griechenland immer für eine Überraschung gut zu sein. Der berühmt-berüchtigte lokale Wind in der Ägäis heißt Meltemi. Dieser Nordwind bläst mit 4 bis 5 Beaufort, kann aber durchaus auch Starkwindstärke erreichen. Ansonsten weht der Wind in den frühen Morgenstunden am schwächsten, in den Nachmittagsstunden am stärksten und schwächt sich über Nacht wieder ab. Fallwinde und Düseneffekte können den Meltemi zusätzlich verstärken.

Sportliches Segeln im Meltemi

Anders ausgedrückt: Im April kann man schon mal zwei Wochen bestes Sommerwetter mit im Durchschnitt weniger als vier Beaufort haben. Im Mai kann der Wetterbericht für die Ägäis auch mal tagein, tagaus vor „thunderstorms“ warnen. Und in den Hochsommermonaten Juni, Juli und August pustet einem der Meltemi um die Nase – und der gönnt Seglerinnen und Seglern manchmal tagelang keine Verschnaufpause.

Gerade in der Nebensaison darf auch mit herrlich ruhigem Wetter gerechnet werden.

Verursacht wird der Meltemi durch das Druckgefälle zwischen einem Hitzetief in Kleinasien und dem Azorenhochkeil im westlichen Mittelmeer. Was auch bedeutet, dass hier auch bei Starkwind fast immer die Sonne scheint und Temperaturen zwischen 25 und 30 Grad die Regel sind. In der Vor- und Nachsaison ist das Revier in der Regel wunderschön sonnig und milde, mit Wettereinbrüchen in Form von kühlen und feuchten Tiefdruckgebieten muss aber gerechnet werden.

Doch wie gesagt: Das sollte wissen, wer durch die Inselwelt der Kykladen kreuzen will. Der Wind gehört dazu wie ein alter Pope in seine Kirche. Wie die altertümlichen Säulen auf die Insel Delos. Und wie die einst bedeutende Kykladen-Hauptstadt Ermoupolis auf die Insel Syros.

Häfen und Ankerplätze

Jede Insel und jeder Ort hat in der Regel auch seinen eigenen Hafen. Diese kommunalen Hafenanlagen sind aber nicht zu verwechseln mit Marinas, die speziell für Sportboote ausgestattet sind (von denen es im Revier nur ganz wenige gibt). Wasser- und Stromanschlüsse sind somit ebenso wenig die Regel wie Muringleinen zum Festmachen.

Die Häfen der Kykladen sind immer authentisch und liegen zentral.

Der für den Skipper auffälligste Unterschied zu anderen Mittelmeerrevieren ist, dass er für jedes Hafenmanöver den Anker einsetzen muss. Längsseits festzumachen ist in den häufig kleinen und vollen Fischer- und Fährhäfen nicht möglich. Dafür aber liegt man stets zentral mitten im Ort, dazu auch preiswert, nicht selten sogar ganz umsonst. Denn die geringen Liegegebühren werden meistens gar nicht erst erhoben. Ebenfalls umsonst ist die schier unendliche Auswahl von Ankerbuchten. Jede Insel hat gleich mehrere davon zu bieten, sodass sich auch bei wechselhaftem Wetter immer ein geschützter Platz finden lässt.

Längsseits festmachen wie auf Ios ist eher eine Ausnahme.

Landgang

In den Kykladen jagt ein Highlight das andere, jeder Ort ist eine Sehenswürdigkeit für sich. Ein Sundowner im Viertel „Klein Venedig“ auf Mykonos gehört ebenso zum Pflichtprogramm wie das verrückte Nachtleben des jungen Publikums in der alten Chora von Ios-Stadt.

Am Abend ein Highlight: Mykonos

Nicht zu vergessen Santorin mit seinem postkartenschönen, am Kraterrand gelegenen Ort Thira: ein wahres Shoppingparadies. Im wahrsten Sinne des Wortes malerisch schön ist es in Naoussa auf Paros, der Hafen ist ein beliebtes Motiv jeder Malreisegruppe.

Zum Malen schön – Paros

Charter

Die größten Charterflotten, um das Revier der Kykladen zu erreichen, liegen in Athen, die meisten davon in der Kalamaki Marina (45 Seemeilen bis Kithnos). Näher dran ist der Ausgangshafen Lavrion (20 Seemeilen bis Kithnos), in dem immer mehr Flottenbetreiber ihre Yachten stationieren. Es ist aber auch eine Option, das Revier von Osten aus anzusteuern. Gerade zur Meltemi-Zeit erspart einem das den Gegenwindkurs zurück nach Athen. Auf der Insel Kos gibt es dafür das passende Charterangebot (ca. 80 Seemeilen bis Santorin).

Mittagessen auf Santorin mit Ausblick über die weitläufige Bucht

Auf den Kykladeninseln selbst ist das Charterangebot knapp, es gibt eine Basis auf Mykonos und Paros. Doch die Flugverbindungen dahin sind unstet und man muss gegebenenfalls mit der Fähre von Athen aus anreisen.

Diese Charter-Agenturen helfen dir, eine Yacht zu finden

Für eine deutschsprachige Beratung und die zuverlässige Buchung von Charteryachten für einen Törn durch die Kykladen bei bewährten Anbietern können diese Firmen behilflich sein:

Törntipp für 14 Tage ab/bis Athen oder Lavrion

1. Tag: Athen oder Lavrion – Loutra/Kithnos (48 oder 27sm). Ein Bad in den heißen Quellen gleich neben dem Hafen.

2. Tag: Loutra – Ermoupolis/Syros (28 sm). Bummel durch die prächtige Hauptstadt der Kykladen.

Das antike Delos

3. Tag: Ermoupolis – Delos – Mykonos Marina/Mykonos (26 sm). Tagsüber die Ruinen des antiken Delos bewundern, dann das Nachtleben von Mykonos.

4. Tag : Mykonos Marina – Naoussa/Paros (22 sm). Fotobummel durch den malerischen Fischerhafen.

Mykonos: ein Sehnsuchtsziel in den Kykladen

5. Tag: Naoussa – Myrsini/Schinousa (22 sm). Wanderung zum kleinen ursprünglichen Ort Myrsini auf der Bergkuppe.

6. Tag: Myrsini – Ios Hafen/Ios (19 sm). Tagsüber den Strand genießen, abends das verrückte Nachtleben in der Altstadt.

Ios

7. Tag: Ios Hafen – Thira/Santorin (20 sm). 300 Meter Kraterwand zum Ort Thira hochkraxeln, dann zum Sonnenuntergang weiter nach Oia.

8. Tag: Thira – Karavostasi/Folgeandros (29 sm). Baden, bummeln, aufs Wasser schauen. Oder die grandiose Chora auf den steil aus dem Meer ragenden Felsen besuchen.

Die Einheimischen sind entspannt und Seglern gegenüber aufgeschlossen.

9. Tag: Karavostasi – Ormos Vathy/Sifnos (25 sm). Baden, faulenzen und das Kloster Taxiarchis besuchen.

10. Tag: Ormos Vathy – Leivadion/Sérifos (18 sm). Mit dem Bus (oder 30 Minuten zu Fuß) hoch zur Chora und den Panoramablick über den Hafen genießen.

11. Tag: Leivadion – Ormos Fikiadha/Kithnos (24 sm). In der rundum geschützten Bucht an der feinen Sandbarre das Baden genießen.

12./13. Tag: Rückreise nach Lavrion oder Athen / Sicherheitstag.

Literatur & Seekarten

• Charterführer Kykladen, Edition Maritim
• Griechische Küsten – Häfen und Ankerplätze, Edition Maritim
• Hafenführer Ägäis – Griechenland, Zentralraum und Kykladen, See Verlag
• Törnführer Griechenland 2, Delius Klasing

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Praxis-Tipp: Umrechnung Windstärke/Windgeschwindigkeit – so einfach geht das!

Die Wetterquelle gibt die Einheit vor

Früher gab es da so eine Art ungeschriebenes Gesetz. Wer ein echter Blauwassersegler ist, der redet bei Windgeschwindigkeiten in der Einheit Knoten. Und alle jene Segler, die viel in Dänemark unterwegs sind, reden von Metern pro Sekunde. Je nachdem, was in der jeweiligen Szene so an Wetterinformationen verbreitet wurde. Sei es im Radio oder per Funk.

Das Gros der deutschen Segler ist allerdings mit Windstärken nach der Beaufort-Skala aufgewachsen, die seit Jahrzehnten vom Deutschen Wetterdienst verbreitet wird – „Deutsche Bucht Oooooooooooooooooost 4 -5“ knisterte es in meiner Kindheit aus dem Grenzwellenempfänger auf dem elterlichen Schiff, als der Wetterbericht noch zu festen Zeiten ausgesendet wurde. Das war früher …

Heute gelten Knoten als Standardeinheit

In Zeiten von Apps und Gribfiles, die die Windgeschwindigkeit in der Standard-Einstellung in Knoten angeben, haben viele Segler angefangen, mit den Knoten „klar zu kommen“, und zu Beginn irgendwo im Hinterkopf heimlich in Beaufort umgerechnet – gleichwohl das in der App/den meisten Programmen umgestellt werden kann.

Viele Apps (hier Squid) geben die Windgeschwindigkeit in Knoten an (unten links).

Zumindest am Anfang rechnen Segler von der Windgeschwindigkeit in Knoten nach Windstärken in Beaufort um. Irgendwann ist das Knoten-Schema schließlich in den Kopf übergangen. Und spätestens dann, wenn man mit einem 30-Fuß-Schiff mal 30 Knoten Wind erlebt hat, weiß man, dass weniger Wind besser – oder sagen wir mal angenehmer – zum Segeln ist; auch wenn die ganz Hartgesottenen unter uns das eventuell anders sehen 🙂 Solche Werte wie die 30-Knoten-Schwelle brennen sich dann im Gehirn ein.

Mit dieser Formel ist die Umrechnung simpel

Vordergründig fällt es etlichen Seglern schwer, zwischen den verschiedenen Skalen umzurechnen, weil das eben nicht linear verläuft. 8 Knoten Windgeschwindigkeit sind beispielsweise 3 Beaufort. 26 Knoten Windgeschwindigkeit hingegen 6 Beaufort. Im ersten Fall ist der Teiler 2,7 – im letzteren 4,3. Heißt das nun im Umkehrschluss, dass wir die Umrechnung auswendig lernen sollten? Nein, das müssen wir ganz sicher nicht. Es gibt eine wunderbare Formel, die relativ gut bei der Umrechnung funktioniert. Sie lautet: Die Windstärke in Beaufort ist Windgeschwindigkeit in Knoten plus fünf geteilt durch fünf. In der Kurzform kann man sich auch einfach das hier merken:

Plus fünf, durch fünf!

Bei 15 Knoten Windgeschwindigkeit hätten wir demnach: 15 + 5 = 20 : 5 = 4 Beaufort. Oder bei den angesprochenen 26 Knoten Windgeschwindigkeit: 26 + 5 = 31 : 5 = 6,2 Beaufort.

Tipp: Bei „krummen“ Zahlen wie der gerade erwähnten „31“ kann das Teilen durch 5 etwas nerven. Dann fällt es einigen Menschen leichter, stattdessen den Ausgangswert zu verdoppeln und ihn anschließend durch 10 zu teilen. Also 2 x 31 = 62 : 10 = 6,2 🙂

Für gewöhnlich muss man da aber gar nicht mit Nachkommastellen rechnen (wir wollen ja eine einfache Formel haben). Vielmehr reicht es auf- oder abzurunden. Der Wind ist ja ein dynamischer Prozess und in erster Linie will ich ja wissen, ob es beispielsweise 5 oder 7 Beaufort sind. Bei den angesprochenen „26 Knoten“ kann ich daher auch getrost auf 25 Knoten abrunden und damit rechnen. Und dann gilt eben: 25 Knoten Windgeschwindigkeit + 5 = 30 : 5 = 6 Beaufort.

Wenn der Wind stimmt: entspanntes Segeln!

Wie bei so vielen Tricks im Leben ist diese Berechnung nicht hundertprozentig korrekt, aber doch ein erstaunlich guter Anhaltspunkt. Insbesondere für den Bereich 1 bis 7 Beaufort. Da beträgt die Abweichung unter 1 Beaufort (maximal 0,8).

In der folgenden Grafik kann ganz gut nachvollzogen werden, wie erstaunlich gut das funktioniert. Ich habe alle Werte, die auf- oder abgerundet dieselbe Windstärke ergeben, grün eingefärbt. Gelb ist eine Abweichung von 1 Beaufort. Orange zeigt eine Abweichung von 2 Beaufort und der rötliche Farbton eine Abweichung von drei Beaufort.

Nur der Form halber: Manche Segler kennen die Formel so ähnlich und rechnen stattdessen:

Durch fünf, plus eins

Das ist das gleiche. Die Formel wurde lediglich mathematisch umgeformt. Ergo: 25 Knoten Windgeschwindigkeit : 5 = 5 +1 = 6 Beaufort.

Wer es etwas genauer mag, kann alternativ die folgende Formel benutzen:

Plus zehn, durch sechs

Fairerweise muss ich anmerken, dass diese Formel noch genauer ist, aber ich finde sie beim Rechnen etwas sperrig – wegen der „6“. Die „5“ ist leichter zu rechnen. Nichtdestotrotz ist diese Varianten noch genauer, wie die folgende Tabelle zeigt.

Meter/Sekunde in Knoten umzurechnen, ist noch einfacher!

Wer in dieser Gedankenreihe nun auch noch Meter pro Sekunde umrechnen möchte, hat es noch einfacher.

Meter/Sekunde = Knoten durch zwei

Das ist simpel. Demnach sind 20 Knoten etwa 10 Meter pro Sekunde Windgeschwindigkeit. Das liegt daran, dass sich hier zwei Dinge mathematisch glücklich verketten. Zum einen müssen wir Meter in Seemeilen umrechnen. Da eine Seemeile aus 1.852 Metern besteht, ist der Teiler 1.852. Zum anderen gelten Knoten als Seemeilen pro Stunde und wir müssen die Stunde in die Sekunden runterbrechen. Da eine Minute 60 Sekunden und eine Stunde 60 Minuten hat, ist der Teiler 3.600 (60 x 60). Wir haben also 1.852 Meter pro 3.600 Sekunden und das ergibt eben 0,51444 … – also ungefähr die Hälfte.

Wer also die Angabe 10 Meter pro Sekunde hört, weiß dann schnell, dass das etwa 20 Knoten sind und das wiederum sind dann ja etwa 5 Beaufort (plus fünf durch fünf!). So einfach ist das – zumindest als schnelle Annäherung im Kopf!

Auch hier habe ich mal eine Tabelle nach dem gleichen Schema erstellt, die zeigt, dass mit dieser kleinen Ungenauigkeit gut an Bord gelebt werden kann. Die Abweichung beträgt aber auch nur 2,9 Prozent [ ((1.852/3.600)/(1/2)) – 1 ].

Fazit

Ich persönlich finde die Umrechnung von Knoten nach Beaufort oder von Knoten in Meter/Sekunde mit diesen Formeln recht simpel und hilfreich. Für den schnellen Praxisgebrauch sind sie völlig ausreichend. Insbesondere im Bereich 1 bis 7 Beaufort. So kann auch der knotenunversierte Segler schnell umrechnen. In diesem Sinne wünsche ich frohes Rechnen und vor allen Dingen immer den richtigen Wind!

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Segeln/Chartern Kroatien: 17 Revier-Tipps für Liegeplätze in Norddalmatien

Norddalmatien gehört zu den beliebtesten Segelrevieren Kroatiens

Fest steht: Geheimtipps an der kroatischen Küste gibt es schon lange nicht mehr. Schon gar nicht zwischen Zadar und Sibenik, dem Filetstück des Landes, zu dem auch das Nationalparkgebiet der Kornaten gehört. Die Trümpfe dieses Reviers liegen auf der Hand und locken jedes Jahr zehntausende Segler an: alte, historische Städte mit verwinkelten Altstadtgassen, dutzende Inseln mit einsamen Anlegestellen, kristallklares Badewasser, gutes und oft günstiges Essen, kurze Distanzen und dazu die Möglichkeit, das Revier mit dem eigenen Auto erreichen zu können.

Egal ob mit der eigenen Yacht oder dem riesigen Charterangebot in den großen Marinas von Zadar, Sukosan, Biograd, Murter, Jezera, Vodice oder Sibenik: das Angebot an Ankerbuchten, Stadthäfen, Marinas und Restaurants mit Festmacherstegen ist unerschöpflich.

Einsame Anlegeplätze wie diese auf der Kornateninsel Levrnaka sind der Trumpf des Reviers.

Was bleibt, ist die Qual der Wahl und die Erkenntnis, selbst nach einem zweiwöchigen Bummeltörn nur einen Teil der möglichen Anlandeplätze gesehen zu haben. Vielleicht bleibt sogar auch die Sorge, einen der attraktivsten Plätze verpasst zu haben …

17 Topp-Tipps für Liegeplätze

Damit ihr unbeschwert und gut informiert auf die Reise gehen könnt und wisst, was Euch wo erwartet, zeige ich euch die wichtigsten Törnziele des Reviers – von der einsamen Badebucht bis hin zur Küstenmetropole.

1. Zadar – Metropole mit Meeresorgel

Zadar gilt als ein wirtschaftliches Zentrum Dalmatiens und ist zudem ein perfekter Ausgangspunkt für einen Törn. Auch, weil es hier einen internationalen Flughafen, ein Fährterminal und eine moderne Marina mit einem halben Dutzend Charteranbietern gibt.

Wer die Altstadt unter die Lupe nehmen will, muss von der Marina Zadar hinübersetzen auf die andere Seite der Hafenbucht, am besten und schnellsten mit der kleinen Ruderbootfähre am Ende der Hafenmole. Von der neuen Hafenpromenade lässt sich der „schönste Sonnenuntergang weltweit” bewundern, so jedenfalls schwärmte Alfred Hitchcock während seines Urlaubs im Jahr 1964. Heute wird das Naturschauspiel mit Musik aus einer Meeresorgel untermalt. Bei dieser Attraktion der Stadt drücken Meereswellen Luft durch die in Hohlräumen unterhalb der Promenade installierten Orgelpfeifen, das Klangbild hat etwas entspannt-mystisches.

Hier auf den Stufen der Promenade von Zadar spielt die Meeresorgel zum Sonnenuntergang.

Die Altstadt selbst hat durch die Bombenangriffe im zweiten Weltkrieg ebenso gelitten wie durch die der jüngsten Vergangenheit. Vieles der 3.000 Jahre alten Stadtgeschichte ist auf diese Weise verloren gegangen. Vieles aber wurde auch wieder aufgebaut, Zadar ist heute eine lebendige und junge Stadt mit Geschäften, Bars und Cafés.

2. Molat – Insel der Ruhe

Der gemütliche, kleine Ort der gleichnamigen Insel zieht immer mehr Yachten an, mittlerweile fast 2.000 pro Jahr. Auf dem Slip am Hafen sind die kleinen hölzernen Fischerboote aufgebockt und bekommen einen neuen Anstrich. In dem mit runden Kugellaternen beleuchteten Hafenbecken kann der freundliche Hafenmeister mittlerweile bis zu 30 Yachten festmachen. Überall gibt es Wasser- und Stromanschlüsse, Muringleinen, dazu eine kleine Sanitäranlage.

Die hübsche, ruhige Bucht ist von Pinien umgeben und von Natursteinhäusern, wucherndem Wein und Gemüsegärten. Die meisten Besucher der Insel kommen mit dem eigenen Boot, für Landbesucher fehlt die Infrastruktur. Auf der Hafenpier gibt es einen kleinen Supermarkt und eine Pizzeria, die auch direkt an Bord liefert. Dazu, im Scheitel der Bucht, ein Restaurant. Ein sehr entspannter winziger Inselort, nur bei starken Westwinden ist der Hafen tabu.

Auf Molat scheint ein wenig die Zeit stehen geblieben zu sein.

3. Pantera – Bucht der vielen Möglichkeiten

Vor der Nordspitze der 25 Seemeilen langen und schmalen Insel Dugi Otok ragt der Bug eines auf Grund gelaufenen und gesunkenen italienischen Frachters aus dem kristallklaren Wasser. Bei ruhigem Wetter ist das Wrack ein lohnenswerter Badestopp, im flachen Wasser rundherum lässt sich gut ankern.

Das Wrack vor Dugi Otok kann bei ruhigem Wetter angefahren werden.

Die Nacht verbringt man lieber an den Murings in der riesigen, kreisrunden Ankerbucht Pantera nebenan, umgeben von einsamer, unverbauter Natur. Abwechslung verspricht ein Spaziergang zum 40 Meter hohen Leuchtturm oder zu einem der beiden nahe gelegenen Kiesstrände. Wem es hier zu einsam ist, der kann im südlichen Ende der Bucht in der Marina Veli Rat festmachen und in dem gepflegten gleichnamigen Miniort auf den weinberankten Terrassen verschiedener Konobas (Restaurants) zum Essen gehen oder einfach nur die ruhige, einheimische Atmosphäre genießen.

Die kleine Marina von Veli Rat bietet sichere Liegeplätze in schöner Natur.

4. Veli Iz – der Töpferort

Der kleine Hauptort der Insel Iz bietet auf seiner Südseite eine Marina, dazu Slip, Travellift, Landliegeplätze und Yachtservice. Die städtische Pier auf der Nordseite ist nur für flachgehende Boote zu empfehlen, hier gibt es auch eine Hotelanlage mit kleinem Strand und betonierten Liegeflächen.

Ein Meer aus roten Ziegeldächern bestimmt das Ortsbild und trotz der zahlreichen Insel-Besucher wird das Dorfleben immer noch von den 450 Einwohnern geprägt. Zum Beispiel von den alten Männern des Ortes, die sich Tag für Tag auf dem schönen Caféplatz neben den bunten Fischerbooten tummeln. Einige von ihnen beherrschen noch das Töpferhandwerk, das auf der Insel Iz eine lange Tradition hat. Im Ethnographischen Museum im Ort kann man alte Exponate bestaunen, die heute selten gewordenen Töpferwaren werden meist von Urlaubern als Erinnerungsstücke erstanden.

In Veli Iz gibt es ein entspanntes Dorfleben, einen kleinen Hafen und gute Restaurants.

5. Sali – Minimetropole mit Flair

Zwar leben gerade einmal 1.000 Einwohner in Sali auf Dugi Otok, dennoch ist Sali mehr als lebendig. Die bunten Häuser am Hafenrand sind frisch gestrichen, es gibt viele Cafés und Restaurants, eine Eisdiele, einen Supermarkt und einen Geldautomaten, dazu Souvenirläden, eine Touristeninformation und im Sommer ist die Einklarierungsbehörde offen.

Auf beiden Seiten des Gemeindehafens stehen bis zu 60 Liegeplätze mit Muringleinen zur Verfügung, das innere Hafenbecken gehört den einheimischen Fischern. Im alten Lesesaal des Ortes finden viele Konzerte und Veranstaltungen statt, es gibt eine alte Fischfabrik, einen uralten Olivenhain und einmal im Jahr ein dreitägiges Ortsfest. Und nur wenige Minuten entfernt liegt am Nordrand des Ortes eine schöne Badebucht. Hier kann man auf dem terrassierten Hang unter schattenspendenden Pinien liegen und über das betonierte Ufer ins kühlende Nass gelangen. Wer dringend zurück zum Festland muss, kann mit der Schnellfähre nach Zadar gelangen.

Das Inselzentrum von Dugi Otok ist der lebendige Ort Sali.

6. Mala Proversa – Schaulaufen der Yachten

Die enge Durchfahrt am Südzipfel von Dugi Otok ist mit 25 Meter Breite und bis zu vier Knoten Strömung ein navigatorischer Leckerbissen. An der engsten Stelle weisen zwei Tonnenpaare, groß wie die Fahrwassertonnen der Elbmündung, durch den vier Meter tiefen Wasserweg. Wer unter Segeln passiert, sollte den Zündschlüssel zur Hand haben, die Windverhältnisse können sich durch die Landabdeckung schnell ändern.

An der schmalsten Stelle kann man auf der Insel Katina festmachen, entweder an einem der beiden Liegeplätze an der kleinen Pier oder in der Bucht gegenüber an Murings. Und wer im Restaurant Aquarius oder in dem Bagatela einkehrt, kann beim Mittagstisch die vorbeiziehenden Yachten beobachten.

An der engen Durchfahrt kann man vorbeiziehende Yachten beobachten.

7. Telascica-Bucht – Naturpark mit Highlights

Die fast fünf Seemeilen tief in die Südspitze von Dogi Otok einschneidende Telascica-Bucht ist ein riesiger Naturhafen mit mehreren Buchten und Inseln. Wer sie ansteuert, hat plötzlich das Gefühl, auf einem Binnensee zu segeln, vorbei an unbewohnten Hängen, mal karg, mal bewaldet. Irgendwann erreicht man im nördlichsten Zipfel, versteckt hinter zwei Inseln, die Magrovica-Bucht, einen rundum geschützten Ankerplatz, an dessen Ufern eine Hand voll Häuser stehen und jede Menge Olivenbäume.

Nicht nur Olivenbäume, auch knallrote Granatäpfel wachsen in der Magrovica-Bucht.

In der urigen Taverna Goro werden an rustikalen Holztischen dalmatinische Spezialitäten serviert. Zum Beispiel Na zaru, eine mit Knoblauch gespickte Goldbrasse, gegrillt auf einem mit Olivenholz geschürten Holzofen.

Der Wirt verleiht auch Motorroller, mit denen man zu den Attraktionen der Bucht, dem Salzsee Mir und den Steilklippen von Grpascak (mit 166 Meter die höchsten der Adria) gelangt. Die Bucht ist ein Naturpark, daher werden Gebühren kassiert (inklusive Müllentsorgung und Festmachen an einer der vielen ausgebrachten Murings). Billiger ist es, wenn man das Ticket vorab in einem der letzten Häfen kauft.

Die Bucht Magrovica liegt vier Kilometer vom Salzsee und den Steilklippen entfernt.

8. Luka Zut – zum Festmachen schön

Die zweitgrößte Kornateninsel gehört noch nicht zum gebührenpflichtigen Nationalparkgebiet, ist mit nur ein paar Dutzend Häusern aber ebenso dünn besiedelt wie der Rest des Archipels. Dennoch gibt es hier in der einsamen Naturbucht eine ACI-Marina mit 130 Liegeplätzen, geöffnet nur in der Saison von März bis Oktober. Gleich nebenan hat das Festa-Restaurant seine Anlegekapazitäten stets erweitert und modernisiert. Und ist eine der Top-Adressen für außergewöhnliche Fischgerichte. Wie immer in kroatischen Restaurantbuchten ist auch hier für Gäste des Restaurants das Liegen kostenlos. Nur Wasser und Strom muss extra bezahlt werden. Neben Toiletten gibt es hier auch Duschen, dazu werden ein paar Gästezimmer für Landbesucher vermietet. Auf der gemauerten Terrasse steht modernes Mobiliar, das gepflegte Anwesen ist umgeben von schöner, ruhiger Natur. Die gehobene Küche hält, was sie verspricht, und ist teurer als anderswo.

Egal ob am Marina- oder Restaurantsteg: Luka Zut ist schön und entspannt.

9. Zaklopica – Auszeit vor Anker

Die winzige Ankerbucht am Ostufer der langgestreckten, elf Seemeilen langen Insel Pasman ist ein idealer Badestopp. Während draußen in dem Pasmanskikanal der Schiffsverkehr von und nach Biograd im Minutentakt vorbeizieht, herrscht in der rundum mit grünen Nadelhölzern bewachsenen Bucht Ruhe und Einsamkeit – auch, weil der Ankerplatz mit den zehn Muringbojen bereits voll belegt ist. Und weil die Insel Pasman trotz guter Verbindungen zum Festland vom Tourismus bisher weitgehend verschont geblieben ist. Das unverbaute Ufer der Bucht ist von Steinen gesäumt, zum Sonnenbaden bleibt man lieber an Deck, auch der Sprung ins kühle Nass ist von hier aus wesentlich sicherer.

Heute gibt es in Zaklopica nicht nur Muringbojen sondern auch ein Restaurant.

10. Vrulje – karge Schönheit

Mitten im Kornati Nationalpark gelegen ist diese Ansammlung von etwa 45 Häusern die größte Siedlung der Kornaten und eines der beliebtesten Ziele im Revier. Kein Wunder, denn die malerische Lage inmitten der kargen, von Steinmauern durchzogenen Hügellandschaft ist einmalig. Die attraktivsten Liegeplätze sind die an der Mole direkt vor der Konoba Ante.

Weitere Liegeplätze gibt es am Steg gegenüber bei der Konoba Robinson, dazu liegen in der Bucht noch Murings aus. Die kleinen Hafenbecken im Scheitel der Bucht sind flach und nur für Fischerboote zugänglich. Die beschauliche Idylle wird zeitweise nur durch das Brummen des Generators gestört. Auch hier ist es wesentlich preiswerter, das Ticket schon vorab in einem der letzten Häfen zu kaufen.

Die kleine Siedlung Vrulje ist die größte im Nationalpark Kornati.

11. Opat – Bucht mit Ausblick

Schöne, stark frequentierte Bucht am Südzipfel der Insel Kornat. Das schönste an dem Platz ist der 800 Meter lange Pfad, der hoch hinauf zum Südzipfel der Insel führt. Von hier aus genießt man einen weiten Blick über das vegetationsarme Nationalparkgebiet. Unten in der Bucht ist der Steg des Restaurants Opat, das sehr beliebt und hochpreisig ist. Sowohl an den Molen (flach, nur mit dem Bug anlegen!) als auch an dem Schwimmsteg (mehr Tiefgang) liegen Muringleinen aus.

Hinweis: Der Ankergrund in der Mitte der Bucht hält schlecht.

Die schöne Aussicht über die Kornaten lohnt den Aufstieg.

12. Smokvica – zum Verlieben schön

Eine Bucht wie aus dem Bilderbuch: die tief Richtung Norden einschneidende Bucht Lojena, in der man Tage bleiben könnte. Auch die Terrasse des kleinen, freundlichen Restaurants Piccolo ist ein Traum, das Essen vorzüglich, das Ambiente familiär, die Preise gehoben. Weil der Grund an der Pier flach ist, halten die Restaurant-Besitzer extra lange Bretter bereit, die „Leihgangway” ermöglicht so auch hier den bequemen Ausstieg über das Heck, ohne das Ruder zu gefährden. Oder man macht an der Handvoll Muringbojen fest. Gegenüber gibt es das Restaurant Mare, die Wassertiefen am Betonanleger sind hier größer.

Die Liegeplätze direkt vor den Restauranttischen wie hier beim Piccolo sind ein Klassiker im Revier.

Ein Dutzend Häuser säumen den Scheitel der Bucht, ein paar Fischerboote dümpeln im Hafen, der Rest der Insel besteht aus einsamer, erholsamer Natur. Die allerdings ist für die ansonsten absolut kargen Kornateninseln recht fruchtbar. Ein Spaziergang zum Gipfel Veliki (94 Meter hoch) wird mit einem tollen Blick über den Archipel belohnt.

13. Kaprije – lebensfroh und grün

Das lebensfrohe Dorfleben mit seinen 500 Einwohnern findet rund um den Hafen statt, die Männer vertreiben sich die Zeit auf der Bocciabahn, die alten Frauen mit Kopftüchern tratschen am Straßenrand. In den Gärten der Häuser wachsen Granatäpfel, Feigen, Oliven und Mandarinen, überall blüht Oleander und die Hänge sind mit dichter Macchia bewachsen.

Gut ausgestattet mit Muringleinen sowie Strom- und Wasseranschlüssen ist die Hafenmole von Kaprije.

In dem beliebten Inselhafen wurde die Hafenmole vor vielen Jahren verlängert, aber viel mehr als für ein Dutzend Boote ist dennoch nicht Platz. Man kann aber auch an den Muringbojen im Scheitel der Bucht festmachen, nur Ankern ist verboten. Im hinteren Teil der Bucht hat fast jedes Haus seinen eigenen Steg, für Kielyachten aber ist nirgends genug Wasser.

14. Zlarin – Korallenschmuck und Badeglück

Die Insel und der gleichnamige Ort sind ein beliebtes Ausflugsziel für Tagesbesucher, für die Einwohner des nahen Sibenik und für viele Yachten. An der gemauerten Pier des Yacht Club Zlarin finden etwa 40 Boote Platz, zur Ausstattung gehören Murings und Strom- und Wasseranschluss. Von hier aus kann man sich direkt in die gemütlichen Korbsessel des Hafenrestaurants plumpsen lassen. 🙂

Weiter hinten säumen stattliche Bilderbuchpalmen die Hafenpromenade, die zwei- bis dreigeschossigen, restaurierten Häuser im venezianischen Stil verleihen dem Ort einen historischen Charme. Entlang der weiträumigen Hafenbucht gibt es Kies- und Felsstrände, dazu betonierte Liegeflächen und Strandduschen.

Der gemütliche Inselort Zlarin trumpft auch mit seiner alten Bebauung.

Die Insel ist bekannt für ihr Korallenvorkommen, dem einzigen an der kroatischen Adria. Heute findet man die verzweigten Äste aber nur noch jenseits der 100-Meter-Wasserlinie, in diesen Tiefen lohnt sich kein Raubbau mehr. Korallenschmuck aber wird dennoch noch verkauft, etwa im örtlichen Korallenmuseum.

15. Sibenik – Stadt am Fluss

Sibenik ist neben Zadar die Metropole des Reviers, gelegen an der Mündung des Flusses Krka, zu erreichen durch den landschaftlich sehr schönen Kanal Sveti-Ante. Marmorgepflasterte Gassen führen durch eine beeindruckend schöne und autofreie Altstadt, die von der Festung Sv. Ana überragt und von dem Dom Sv. Jakov beherrscht wird. Steile Treppenwege, belebte Plätze, viele Geschäfte und Boutiquen sowie eine wunderschöne Hafenfront machen Sibenik zu einem lohnenswerten Stopp – auch wenn die Liegeplätze an der zentralen Stadtpier (die Marina ist zwei Meilen weit entfernt) schlecht geschützt sind, weder Wasser noch Strom zu bieten haben und dennoch nicht billig sind. Hier wird auch für kurzfristiges Anlegen kassiert, meist der halbe Tagessatz. Die knatternden Autos und Motorräder, die einem fast durchs Cockpit fahren, gibt es gratis dazu. Dennoch: Wer ein wenig städtischen Flair sucht, findet hier den schönsten Metropolen-Liegeplatz des Reviers.

Insbesondere abends ist das Leben in Sibenik bunt und voll.

16. Skradin – Baden unterm Wasserfall

Von Sibenik aus geht es über den Flusslauf Krka und den See Jezero nach Skradin. Eine etwa fünf Seemeilen lange Revierfahrt unter Hochspannungsmasten und zwei Brücken hindurch, die landschaftlich äußerst reizvoll und eine tolle Abwechslung ist.

Die Attraktion des Ortes sind die Krka-Wasserfälle, die von hier aus mit einem kleinen Fährboot, dem Mietfahrrad oder zu Fuß zu erreichen sind. Und ein Ausflugsziel der Extraklasse ist, denn die Wasserfälle mit ihren Verengungen und Stromschnellen fallen über sieben Stufen 46 Meter in die Tiefe.

Im Sommer haben die Krka-Wasserfälle Freibadcharakter.

Doch auch der kleine Ort Skradin ist liebens- und sehenswert und hat eine voll ausgestattete Marina, den Dorfkai und etwas Ankerplatz zum Festmachen. Bewaldete Hügel umgeben das langgestreckte Städtchen mit seinem hoch aufragenden Kirchturm und den Fluss, dessen Verlauf sich im dichten Grün verliert. Schmale Gassen schlängeln sich durch das alte Städtchen und vor postkartenschönen Häusern blühen Bougainvillen. Motoryachten liegen an der Dorfpier, vor den alten Gemäuern, auf der mediterrane Promenade flanieren die Urlauber, ein Hauch von St. Tropez schwebt in der Luft.

Der kleine Ort Skradin versprüht mediterranen Flair.

17. Prvic – Inselidylle mit Charme

Als „nettes Dorf“ beschreibt Revierpapst Karl-Heinz Beständig Prvic knapp aber zutreffend in seinem Hafenführer 888 Häfen und Buchten. Und er hat recht: Dem Besucher präsentiert sich ein herausgeputztes Hafenörtchen mit entspannter Atmosphäre und renovierten Häusern mit frisch lackierten Fensterläden.

Im Sommer ist der kleine Hafen von Prvic schnell voll.

Das „nette Dorf“ ist in einer tief eingeschnittenen und mit viel Grün bewachsenen Bucht im Süden der gleichnamigen Insel gelegen. Ein Hotel und zwei Apartmenthäuser beherbergen die wenigen Landbesucher, ein kleiner Dorfplatz mit Palme und Denkmal ziert die Hafenfront. In der Hauptgasse gibt es zwei Galerien, einen Supermarkt und eine Bar und im Ort laden günstige Restaurants zum Abendessen ein. Und wer sich entspannen möchte, findet vor der Hafenmole Steinplatten zum Sonnenbaden und Schwimmen. Die 15 Liegeplätze an der Innenseite der Hafenmole, allesamt ausgestattet mit Murings, Strom und Wasser, sind begehrt und meist belegt, ebenso die zwölf Muringbojen in der Bucht.

Charter

In Norddalmatien, zwischen Zadar im Norden und Sibenik im Süden, ist die Dichte an Charterstützpunkten am größten. Zadar, Sukosan, Biograd, Murter, Jezera, Vodice und Sibenik heißen die großen Ausgangshäfen, von hier aus sind die Entfernungen zu den beschriebenen Törnzielen am geringsten.

Charterbasen wie hier in Jezera auf Murter gibt es in Norddalmatien viele.

Neben den bekannten internationalen Charteranbietern gibt es eine Vielzahl lokaler Anbieter mit kleinen und mittleren Flottengrößen, auch deutsche oder österreichische Firmen operieren vor Ort. Die meisten Flotten bestehen aus den für den Chartermarkt typischen Marken wie Bavaria oder Dufour, die Schiffsgrößen bewegen sich meist zwischen 29 und 54 Fuß. Das Angebot an Katamaranen nimmt auch hier langsam zu. Auch einige Mitsegelangebote operieren von den erwähnten Häfen.

Diese Charter-Agenturen helfen dir, eine Yacht zu finden

Für eine deutschsprachige Beratung zum Revier Norddalmatien/Kornaten und die zuverlässige Buchung von Charteryachten bewährter Anbieter in Kroatien können dir diese Firmen behilflich sein:

Wetter

Im Hochsommer häufig schwachwindig bei hohen Lufttemperaturen bis über 30 Grad und warmen Wassertemperaturen bis 24 Grad. Auf den äußeren Inseln treten im Tagesverlauf häufig Nordwestwinde auf. Gefürchtet ist der berüchtigte Fallwind Bora, der vereinzelt auch im Sommer mit 6 bis 9 Windstärken aus nordöstlicher Richtung auftreten kann.

Literatur & Seekarten

• Müller und Strassburger, Küstenhandbuch Kroatien, Band 1, Edition Maritim
• Dieter Berner, Charterführer Kroatien, Küste von Zadar bis Sibenik, Edition Maritim
• Karl-H. Beständig, Kroatien, 888 Häfen und Buchten, Eigenverlag
• Dieter Berner, Kroatien und Montenegro, Delius Klasing
• Für den Landgang: Lore Marr-Bieger, Mittel- und Süddalmatien, Michael Müller Verlag

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Riss im Segel reparieren mit Tape – Schritt-für-Schritt-Anleitung

Welche Risse im Segel können repariert werden?

Die Segel einer Fahrtenyacht werden häufig genutzt – schließlich dienen sie der Fortbewegung des Schiffes 🙂 Dabei kommt es hin und wieder auch zu Schäden am Segel. Besonders ärgerlich sind dabei Risse im Segeltuch.

Große Risse sind mitunter gar nicht zu reparieren und bedürfen für gewöhnlich des fachkundigen Auges eines Segelmachers. Kleine Risse hingegen können oft mit Bordmitteln behoben werden. Das ist gut. So können wir das Segel weiter nutzen und die Reise zum nächsten Hafen unter Segeln fortsetzen. Insbesondere auf Langfahrt sind Reparaturen mit Bordmitteln von großer Relevanz.

Riss im Segel einer Fahrtenyacht

Es gibt drei Methoden, um einen Riss im Segel zu reparieren

Grundsätzlich gibt es drei verschiedene Methoden, das Segel zu flicken. In diesem Beitrag geht es nur um die Segelreparatur mit selbstklebendem Tuch. Alternativ gibt es noch die Segelreparatur durch Nähen oder die Segelreparatur mit Zweikomponenten-Kleber.

Vorbereitende Maßnahmen beim Segelrissflicken

Fäden entfernen

Allen drei Methoden ist gemein, dass zunächst alle gerissenen Fäden auf beiden Seiten der Rissstelle mit einer scharfen Schere entfernt werden.

Mit der Schere werden die Fäden rund um den Riss im Segel entfernt.

Webrichtung ermitteln

Außerdem spielt die Webrichtung des Segels eine Rolle. Damit die Kräfte optimal in den Flicken eingeleitet werden, muss dieser parallel zur Webrichtung laufen. Es ist nicht immer einfach, bei einem Segel zu erkennen, in welche Richtung die Webrichtung läuft. Hier kann sich mit einem Trick beholfen werden. Es wird ein spitzer Bleistift auf das Segel gesetzt und geguckt, in welche Richtung er geführt wird.

Stark vergrößerte Bleistiftlinie. Sie folgt der Webrichtung.

Vor allem bei Dacron-Tuch ist die Laufrichtung schwer zu erkennen. Dort liegen die Fäden alle im rechten Winkel zueinander und der Bleistift-Trick hilft, die Richtung zu finden. Bei Hydranet-Tuch, das auf Fahrtenyachten weit verbreitet ist, kann man das hingegen mit bloßem Auge erkennen.

Reparaturbereich reinigen

Darüber hinaus sollte der Reparaturbereich trocken, staubfrei, fettfrei und vor allem salzfrei (!) sein. Ist das nicht der Fall, kann die Stelle mit Süßwasser gereinigt werden. Außerdem helfen Spiritus oder Waschbenzin. Zur Not geht auch Vodka. Rum bitte nicht verwenden – er enthält Zucker!

Segelreparatur mit selbstklebendem Tuch

Für diese Reparatur-Variante muss ich sogenanntes Klebetuch an Bord haben. Gut geeignet ist das selbstklebende Tuch, mit dem Segelnummern oder Trimmstreifen aufgeklebt werden. Im Handel findet man es unter dem Namen „Insignia Nummerntuch“. Das Tuch ist gewebt, bis zu einer Breite von 1,4 Metern erhältlich und äußerst einfach zu handhaben.

Nummerntuch gibt es in verschiedenen Größen.

Bei einer Reparatur mit Segeltape/selbstklebendem Tuch verbleiben die zerfetzten Tuchteile am Segel. Je nachdem, in welchem Winkel der Riss zur Laufrichtung des Gewebes liegt, brauche ich einen großen oder kleinen Flicken. Im Zweifel hilft viel viel 🙂

Mit einem Zollstock wird die Größe des Risses ermittelt.

Tipp: Folgende Formel kann zur Ermittlung der Größe dienen: Der Flicken muss mindestens doppelt so lang sein wie der Riss und mindestens genauso hoch, wie der Riss lang ist. Konkret: Ist der Riss 14 Zentimeter lang, brauche ich einen Flicken von 28 (doppelt so lang) x 14 (genauso hoch) Zentimetern. Damit steht an allen Enden des Risses die halbe Länge des Risses über – also sieben Zentimeter.

Generell gilt beim Kleben: Eine Rundung hat weniger Angriffsfläche als eine Ecke. Daher sind Leuchttürme beispielsweise rund. Deshalb werden auch die Ecken des Flickens abgerundet. Ein guter Größengeber für die Rundung ist ein Zwei-Euro-Stück.

Zum Kleben wird das Segel gespannt, damit es möglichst glatt ist. Zum Beispiel kann eine dicke Korkplatte (Topfuntersetzer) helfen. In der Segelmacherei haben wir dafür große Tische, auf denen wir das Segel mit Nadeln fixieren. Das ist an Bord natürlich kaum möglich.

Tipp: Wenn möglich, die Nadeln bei den Nahtstellen einstechen, damit das Segel keine weiteren Löcher bekommt. Ein Malspiker ist nicht geeignet – er ist zu groß.

Nun wird eine kleine Ecke von Klebetuch abgezogen und der Flicken mit der Ecke auf das Segel gesetzt. Mittels Knickecke klebt nicht gleich der ganze Aufkleber und er kann in Ruhe ausgerichtet werden.

Stimmt die Ausrichtung, wird die restliche Folie entfernt und der Flicken mit hoher Reibung festgestrichen. Dadurch entsteht Hitze. Die Hitze sorgt dafür, dass der Kleber gut haftet. Alternativ kann auch ein heißer Wasserkessel auf das Segel gestellt werden – dabei hilft auch der Korkuntersetzer 😉

Theoretisch reicht es, nur von einer Seite zu kleben – besser ist aber von beiden Seiten. Der zweite Kleber für die Rückseite sollte unbedingt ein anderes Maß haben, da sonst eine Knickkante im Segel entsteht und das wäre dann die nächste Bruchstelle. Im Beispiel von oben könnte man drei Zentimeter an allen Seiten reduzieren. Also statt 28 x 14 Zentimeter den zweiten Flicken auf der Rückseite mit einer Größe von 22 x 8 Zentimetern aufsetzen. Das reicht allemal. Auf dem Bild ist das gut im Gegenlicht zu sehen.

Fazit

Mit der beschriebenen Maßnahme kann auch der Laie mit Bordmitteln kleinere Risse im Segel unkompliziert mit selbstklebendem Segeltuch reparieren. Wichtig ist in jedem Fall, dass die Stelle vorher gut gereinigt wird und ich selbstklebendes Segeltuch/Tape an Bord habe. Im Idealfall wurde dann am Ende der Saison alles nicht benötigt, aber wie heißt es so schön: „Haben ist besser als brauchen!“

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Revier-Info: Flensburger Förde, Als Sund und Geltinger Bucht

Das Revier: kurze Distanzen und Abwechslungsreichtum

Sie fühlen sich an, als ob sie ein Revier wären. Die Rede ist von der Flensburger Förde, dem Als Sund und der Geltinger Bucht. Der Grund dafür? Sie liegen so dicht beieinander. Von Flensburg an der gleichnamigen Förde bis nach Dyvig – einem äußerst beliebten Ziel vieler Segler – im Herzen des Als Sundes sind es gerade mal 30 Seemeilen. Dazwischen reihen sich unzählige Häfen und Ankerplätze aneinander. Es ist ein Mikrorevier, das viel Raum zum Entdecken bietet.

Weiter Horizont, schöne Städte, schmale Fahrwasser, idyllische Küsten – das Revier bietet alles.

Die Flensburger Innenförde selbst ist etwa 17 Seemeilen lang, die breite Außenförde acht, die Nordufer sind dänisch, die Südufer deutsch. Eine komplette Umrundung der Insel Als ist 45 Seemeilen lang, die Dänische Südsee ist vom Ende der Außenförde 15 Seemeilen entfernt. Zwischen Dänemark und Deutschland herrscht freier Grenzverkehr und es finden – wenn überhaupt – nur äußerst sporadisch Kontrollen statt.

Segeln auf dem Als Sund – mitunter sportlich, aber ohne große Wellen.

Wie gesagt: Auf engstem Raum liegt hier alles ganz dicht beieinander und genau das macht den Reiz dieses Reviers aus. Kurze Tagesetappen sind genauso möglich wie längere Schläge. Und wenn einmal das Wetter einen Strich durch die Rechnung macht und plötzlich den Törn verleidet, kann jederzeit rechts ran gefahren und ein passender Hafen gefunden werden. Deshalb ist das Revier gleichermaßen beliebt bei Familien-Crews, Einsteigern und alten Hasen.

Navigation & Seemannschaft

Die Innenförde und die Gewässer zwischen dem Festland und der Insel Als sind auch bei viel Wind durch die nahen Landmassen sehr gut geschützt. Die weitläufige Außenförde gilt zwar offiziell schon als Seerevier, aber auch hier segelt man einigermaßen behütet. Generell lässt sich sagen, dass die Förde bis an die Ufer tief ist – allerdings liegen dort viele Steine.

In Ufernähe gibt es viele große Steine.

Im Großen und Ganzen gibt es vier wichtige Flachstellen (was nicht bedeutet, dass an anderen Stellen bedenkenlos durch die Gegend gefahren werden kann), an denen Yachten regelmäßig auflaufen.

In der Förde selbst entdeckt man fast nur Sportboote, erst im Kleinen Belt trifft man auch auf Berufsschiffe.

In der Flensburger Innenförde liegt ein ausgedehntes Flach bei Holnishaken zwischen den roten Tonnen 6 und 8. Insbesondere an der Tonne Nummer 6 ist das Wasser gleich daneben nur noch einen halben Meter tief. Diese Tonne trägt daher auch den Spitznamen „Schwiegermutter“. Das liegt auf der Hand: Eine Schwiegermutter schneidet man nicht, zumindest nicht ungestraft 😉

Die berühmte Tonne „Schwiegermutter“

Außerdem gibt es an der deutschen Küste ein großes Flach beim Leuchtturm Kalkgrund, der das östliche Ende der Geltinger Bucht markiert. Er wird nördlich umrundet – gleichwohl es einige ortskundige Skipper gibt, die wissen, wo man südlich über das Flach gelangt. Hiervon möchte ich dringend abraten – sofern man nicht absolut ortskundig ist. Stichwort: „Große Steine“.

Leuchtturm Kalkgrund

Außerdem gilt es, am Eingang zum Alsfjord aufzupassen, da sich in unmittelbarer Nähe zur Marina Sonderborg ein weiteres Flach befindet (die rote Tonne gehört an Backbord passiert). Das gleiche gilt für die Nord-Untiefentonne auf halber Strecke im Als Fjord beim Abzweig nach Augustenborg. Sie markiert die Untiefe Snogbæk Hage.

Insgesamt gibt es sehr viele Seezeichen und Feuer in diesem Revier. Man ist geneigt zu behaupten, dass es vorbildlich ausgeschildert ist. Daher ist dieses Revier auch ideal zum Üben und für die Ausbildung.

Untiefe Snogbæk Hage

Strömungen und Wasserstandsänderungen können normalerweise in diesem Teil der Ostsee vernachlässigt werden, sie treten nur bei starken und anhaltenden Winden auf. Einzig im Als Sund setzt relativ konstant ein Strom von ein bis zwei Knoten nach Norden. Das kann übrigens von Bedeutung sein, wenn man weiß, wann in Sonderburg die Klappbrücke öffnet …

Wetter

Zu jeder Jahreszeit darf mit gutem Segelwind gerechnet werden, leider kann es auch im Hochsommer immer wieder zu Starkwind und Regen kommen. Lange Regenperioden sind selten, es muss aber mit kurzfristigen Temperaturschwankungen gerechnet werden.

Der Dreiklang aus Sommer, Sonne und Segeln ist leider in keinem Revier der Welt garantiert.

Wind aus Westen bringt meist Wolken und mehr Regen mit sich, bei Ostwind gibt es viel Sonne und etwas kühlere Temperaturen. Egal zu welcher Jahreszeit man unterwegs ist, wetterfeste Kleidung gehört mit an Bord.

Häfen und Ankerplätze

Entlang der Flensburger Förde, der Geltinger Bucht und der Insel Als gibt es über zwei Dutzend Häfen (liegen vor Heckpfählen) und über ein Dutzend sehr gut geschützte Ankerplätze (besonders geschützt und beliebt ist das Ankern an den Ochseninseln, im Als Sund und bei Dyvig).

Tagesausklang im behüteten Als Sund vor Anker

Wer es mit dem Ankern nicht so hat, findet hier reizvolle Törnziele: Gerne angesteuert werden die Marina in der Innenstadt von Flensburg (gute Versorgung, sehenswerte Stadt und ein beliebter Beach Club „Flensburger Beach“ direkt vorm Bug beim stadtnahen Yachthafen), Glücksburg (nette Umgebung, Yachtschule und bei Regen Zuflucht in der Saunalandschaft „Fördeland Therme“), Langballigau (hübsches Dorf, gemütlicher Hafen), Høruphav (kleiner Hafen – alternativ gegenüber vor den Steilklippen ankern), Sonderborg (Altstadt, Marina, Stadthafen, viel zu entdecken) und Dyvig (Pilgerort der Fahrtensegler im Sommer).

Das Angebot und der Standard der Hafenanlagen im Revier ist vorbildlich.

Die Liegepreise für eine 40-Fuß-Yacht liegen in der Hochsaison um die 25 bis 30 Euro, sie sind in Dänemark etwas höher als in Deutschland. Das gleiche gilt für Proviant und gastronomische Angebote. Allerdings ist es bei deutschen Crews nicht sonderlich verbreitet, in Dänemark essen zu gehen („Einmal Hot-Dog satt bitte“) – vielmehr sind die Häfen abends übersäht mit grilllustigen Seglern, die bei Bier, Wein und Wurst an einfachen Holztischen über die Tageserlebnisse auf dem Wasser fachsimpeln und schwärmen, während die Kinder Krebse angeln oder sich an dänischem Softeis laben :-).

Ankerlieger bei den Ochseninseln

Charter

Natürlich ist es am einfachsten, das Revier von den vielen Charterstützpunkten rund um Flensburg zu erkunden. Wer mehr segeln möchte oder mehr Zeit hat, erreicht diese Ecke der Ostsee aber auch locker von Kiel (etwa 40 Seemeilen), Fehmarn/Heiligenhafen (etwa 50 Seemeilen) oder einem der nahen dänischen Ausgangshäfen.

Das Angebot an Charteryachten rund um die Flensburger Förde ist groß und abwechslungsreich.

Die Yachten im Charterbetrieb sind meist zwischen 30 und 50 Fuß groß, Katamarane gibt es so gut wie keine. Für die sind, ebenso wie für die 50-Fuß-Klasse, viele der kleinen Häfen nur eingeschränkt geeignet. Ein Schlauchboot ist an der Ostsee keine Selbstverständlichkeit, auch Außenbordmotoren müssen dazu gebucht werden. Möglichst rechtzeitig, die verfügbare Anzahl ist meist begrenzt.

Wenn nichts anderes vereinbart ist, werden Charterschiffe in der Ostsee in der Regel ohne Bettzeug, Bettwäsche und Handtücher angeboten. Neben dem Sportbootführerschein See ist auf der Ostsee eine Funklizenz und ein Pyroschein (letzterer kann meist auch durch Schnelleinweisung vor Ort erworben werden) erforderlich.

Diese Charter-Agenturen helfen dir, eine Yacht zu finden

Für eine deutschsprachige Beratung und die zuverlässige Buchung von Charteryachten für einen Törn durch die Flensburger Förde und den Als Sund bewährter Anbieter können diese Firmen behilflich sein:

Ankern und Grillen am Strand gegenüber von Høruphav

Literatur & Seekarten

• Revierführer für die Flensburger Förde: Jan Werner, „Ostseeküste 1“, Delius Klasing Verlag.
• Revierführer für die Insel Als: Jan Werner, „Dänemark 1“, Delius Klasing Verlag.
• Toll für alle Ankerplätze, aber nur noch gebraucht zu bekommen: Gerti und Harm Claußen, „Ankerplätze in Dänemark“, Verlag Edition Maritim.
• Sportbootkartensatz 1: „Kieler Bucht und Rund Fünen“, Delius Klasing Verlag.
• NV Atlas 1: Rund Fünen – Kieler Bucht, NV-Verlag

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Packliste Segeltörn für Mitsegler – Das muss unbedingt mit!

Was muss mit?

Ob ein Segeltörn ein voller Erfolg wird, hängt von vielen Faktoren ab – vom Skipper und der Crew, von der Route und dem Wetter, von der Chemie zwischen den Mitseglerinnen und Mitseglern und vom Zustand des Schiffes. Und natürlich kann man sich auch unwohl fühlen, wenn man an Bord ankommt und feststellt: Ich habe mein Brillenband vergessen, oder meine Cappy! Oder gar das Visum, das fürs nächste Ziel unbedingt nötig ist! Mit der von uns zusammengestellten Packliste passiert euch das nicht. Wir haben zusammengetragen, was unbedingt mitmuss!

Übergabe an der Charterbasis. Schnell kommt viel Gepäck zusammen.

Wer nicht mit dem ersten Schritt an Bord im Fettnäpfchen landen möchte, lässt auf jeden Fall den Hartschalenkoffer daheim – logisch! Der Stauraum an Bord ist begrenzt, am besten lassen sich Reisetaschen und Rucksäcke verstauen. Ein Seesack ist natürlich auch eine top Lösung, den kann man ganz klein zusammenknautschen, und manche sind sogar noch wasserdicht!

Taschen sind besser als Hartschalenkoffer

Das Wichtigste im Gepäck: anständige Segelkleidung

Außerdem benötigt ihr weder Wechselkleidung für jeden Tag noch eine große Kollektion an Ausgehkleidung. Zu viel Kleidung verursacht Chaos in der Kabine und sprengt zudem noch die knappen Schrankkapazitäten an Bord! Was jedoch unbedingt ins Gepäck gehört: praktische und passende Kleidungsstücke – und zwar abgestimmt auf das jeweilige Revier. Auf einem sommerlichen Törn rund Elba benötigt man natürlich mehr Shirts, Röcke und Shorts als auf einer herbstlichen Segelreise auf dem IJsselmeer. Doch ganz egal wohin die Reise geht: Anständige Segelkleidung – bestehend aus Segelhose und -jacke sowie Gummistiefeln – gehört immer ins Gepäck!

Das Wichtigste im Gepäck: anständige Segelkleidung

Checkliste: Das gehört in die Tasche!

Mit unserer Packliste für Mitsegler seid ihr garantiert gut aufgestellt. Natürlich kann es sein, dass ihr sie individuell erweitern möchtet, zum Beispiel um ein ganz bestimmtes Currygewürz, das ihr braucht, wenn ihr für die Crew euer Lieblingsessen zaubert. Doch es wird euch an nichts fehlen, wenn ihr eure Taschen oder Seesäcke mithilfe unserer Packliste füllt.

(Segel-)Kleidung

  • Segel- oder Regenjacke (mit Kapuze)
  • Segel- oder Regenhose
  • (Boots-)Schuhe mit hellen Sohlen und feinem Profil (um zu verhindern, dass sich kleine Steinchen in den Sohlen festtreten und dann Kratzer an Bord verursachen)
  • Gummistiefel (helle Sohlen, feines Profil)
  • Mütze
  • Sonnenhut oder Cappy
  • Segelhandschuhe (alternativ Fahrradhandschuhe)
  • Schwimmweste (wenn nicht an Bord bereits vorhanden)
  • Bikini/Badehose
  • revierabhängige Wechselkleidung
  • ggf. lange Kleidung als Sonnenschutz
  • Schlafanzug/Nachthemd
  • Badelatschen/Flip-Flops (für Sanitäranlagen in Häfen)
Badebekleidung und Buch sollten bei einem Törn in die Sonne nicht fehlen

Dokumente

  • Personalausweis oder Reisepass (auf Gültigkeit achten!)
  • Visum (falls nötig)
  • Krankenversicherungskarte bzw. Auslandskrankenversicherung
  • Führerschein (um ggf. Auto oder Roller zu mieten)
  • Segelscheine
  • Seemeilenbuch
  • Bargeld (in Landeswährung) für die Bordkasse, für Restaurantbesuche etc.
  • EC-Karte und/oder Kreditkarte
  • Kopie des Ausweises (hilfreich bei Verlust des Originals)
  • Flug- bzw. Bahnticket
  • ggf. und je nach Reiseziel Impfausweis

Ein Tipp aus der BLAUWASSER-Redaktion – erprobt und für gut befunden:

Alle Mitseglerinnen und Mitsegler bringen einen verschlossenen Briefumschlag mit an Bord, auf dem der Name und eine Kontaktperson bzw. eine Notfallnummer vermerkt sind.
In diesem Umschlag ist die persönliche Krankheitsgeschichte hinterlegt – mit Allergien, Empfindlichkeiten, Besonderheiten etc. Der Briefumschlag kann im Notfall vom Skipper geöffnet werden (beispielsweise, wenn die entsprechende Person vom Baum am Kopf getroffen wurde und nicht bei Bewusstsein ist o. ä.). So sind im Falle eines Falles sofort alle wichtigen Informationen zur Hand.

Werden die Informationen während des Törns nicht benötigt, erhalten die Mitsegler ihre Umschläge am Ende der Reise verschlossen zurück.

Auf Charteryachten gehört Bettwäsche oft zum Angebot und der Schlafsack kann zu Hause bleiben

Schlafen

  • Schlafsack oder Bettwäsche
  • Bettlaken
  • Kopfkissen (sind mitunter nicht an Bord)
  • Ohrstöpsel (z.B. Ohropax – sie helfen gegen schnarchende Crewmitglieder, schlagende Fallen etc.)
Darf im Gepäck nicht fehlen – Smartphone oder Kamera für die Erinnerungen

Persönliches

  • Handy plus Ladegerät und Kopfhörer
  • Kamera plus Ladegerät
  • Taschenlampe oder Stirnlampe inkl. Ersatzbatterien
  • Taschenmesser oder Multitool
  • Geschirrhandtücher
  • kleiner Rucksack für Tagesausflüge
  • Brillenband
  • Wet-Bag (wasserdichte Tasche für Dinghi-Fahrten oder Badeausflüge zum Strand)
  • ggf. Angel (z. B. zum Schleppen: mit kräftiger Leine und großem Haken/Köder)
  • Taucherbrille, Schnorchel und Flossen
  • Reiseführer
  • Lektüre
  • Spiele
  • ggf. Schreibzeug
  • Playlisten auf iPod oder Handy
Eine sehr persönliche Angelegenheit – die Bordapotheke

Reiseapotheke

  • Medikamente gegen Reise- bzw. Seekrankheit
  • Schmerztabletten
  • Durchfallmedikamente
  • Mückenschutz
  • Sonnenschutz
  • Taschentücher
  • persönlich benötigte Medikamente (gegen Allergien etc.)
Pflicht und Inspiration: Reisepass und Reisführer

Fazit

Wer dieser Packliste entsprechend seine Reisetasche oder seinen Seesack packt, wird ganz sicher alles Wichtige dabeihaben. Und kann sich somit auf das Wesentliche konzentrieren: auf das Segeln!

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Kiriacoulis Mediterranean

Beschreibung

Yachtcharter neu gedacht

Seit 1980 weitet Kiriacoulis Mediterranean seine Aktivitäten im Yachtcharter-Markt mit stets neuen Produkten und Stützpunkten aus. Heute betreibt die griechische Firmengruppe eine Charterflotte aus 400 Yachten in sechs Mittelmeerländern und der Karibik.

Insgesamt stehen dem Kunden bei Kiriacoulis Mediterranean 23 Stützpunkte zur Verfügung:
– acht in Griechenland: Athen, Kos, Rhodos, Korfu, Lefkas, Skiathos, Paros und Mykonos
– sechs in Kroatien: Pula, Biograd, Trogir, Krvavica, Zadar, Split
– vier in Italien: Toskana (Puntone), Sizilien (Sant‘Agata di Militello und Marsala), Sardinien
– zwei in Frankreich: Côte d’Azur (Bormes-les-Mimosas) und Korsika (Propriano)
– je einer auf Malta, in Spanien (Costa Brava) und in der Karibik (St. Martin)

„Wir scheuen keine Kosten und keinen Aufwand, um den hohen Standard unserer Flotte zu halten“, erklärt Fanis Kiriacoulis. „Auch stecken wir viele Ressourcen in die Aus- und Weiterbildung unserer Mitarbeiter und die Ausweitung unseres Service.“ Damit hat sich die Firma in der Branche eine hohe Zuverlässigkeit erarbeitet. Dieser Einsatz und die breite Streuung von Stützpunkten hat der Firma eine treue Kundschaft eingebracht.

Kontakt

Kiriacoulis Mediterranean
7 Alimou Ave, Alimos
17455 Athens
Greece

+ 30 210 9886187
+ 30 210 9844529
charter@kiriacoulis.com
www.kiriacoulis.com

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