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Weltweite Trinkwasserversorgung an Bord einer Yacht ohne Wassermacher

Trinkwasser auf einer Blauwasseryacht

Wasser ist ein Grundnahrungsmittel! Wir brauchen es wie die Luft zum Atmen oder den Wind zum Segeln – das dürfte unstrittig sein. Doch wie gelingt es, an Bord einer Blauwasseryacht – beispielsweise auf einer Weltumsegelung – stets mit frischem Trinkwasser versorgt zu sein?

Trinkwasser ist wichtig für die Ernährung.

Die logische Lösung scheint ein Wassermacher zu sein. Und das stimmt auch irgendwie. Allerdings sollte sich jeder Eigner im Klaren darüber sein, dass er ausfallen kann und dass ausreichend Energie zur Verfügung stehen muss, um ihn zu betreiben. Nichtsdestotrotz ist der Wassermacher ein sinnvoller und beliebter Ausrüstungsgegenstand – insbesondere, wenn er regelmäßig genutzt wird und das Budget die Anschaffung erlaubt.

In diesem Beitrag soll es jedoch nicht um Wassermacher gehen, sondern um die Versorgung mit Trinkwasser, wenn kein Wassermacher an Bord zur Verfügung steht (oder derselbige ausgefallen ist).

Die Qualität des Trinkwassers

Grundsätzlich ist die Versorgung mit Wasser weltweit entlang der Küsten nicht schlecht, und zum Duschen oder Abwaschen wird man fast überall welches bekommen. Wer beispielsweise eine Weltumsegelung auf der klassischen Barfußroute plant, wird sich wundern, wie gut alles erschlossen ist. Dennoch: Interessant wird es, wenn das Wasser auch getrunken werden soll. Dann stehen zwei Fragen im Vordergrund: Wo bekomme ich trinkbares Wasser und wie kann ich es frisch halten?

Wasser bunkern in Griechenland. Stimmt die Qualität?

Im eigenen Interesse sollte die Crew sich im Vorwege über die Qualität des Leitungswassers informieren — beispielsweise auf der Internetseite des Auswärtigen Amts oder einer vergleichbaren Institution. Eine Liste dazu gibt es hier.

Hin und wieder unumgänglich: Flaschenwasser

Besteht auch nur der geringste Zweifel an der Qualität des Trinkwassers, sollte auf Flaschenwasser aus dem Supermarkt ausgewichen werden (auch zum Zähneputzen). Es ist weltweit überall recht preiswert erhältlich – insbesondere, wenn es in großen Gebinden erworben wird. Eine gute Größe sind 5-Liter-Gebinde. Die lassen sich noch gut tragen und unter Deck auch bei Seegang handhaben. Ein Trichter ist hilfreich, wenn es um das Umfüllen in kleinere Flaschen geht.

Wir haben auch schon sogenannte Wassergallonen gekauft (ca. 19 Liter) und an Bord verwendet. Diese haben wir dann allerdings direkt in die Tanks gekippt, weil sie sonst zu unhandlich sind. In manchen Ländern lohnt es sich, dabei darauf zu achten, dass das Qualitätssiegel am Flaschenkopf intakt ist und nicht Schindluder mit dem Inhalt der Flasche betrieben wurde.

Wassergallonen werden gebunkert. Hier in Indonesien.

Natürlich können auch die Einheimischen zur Qualität des Trinkwassers befragt werden – schließlich kennen sie ihr lokales Wasser am besten. Diese Information ist allerdings mit Vorsicht zu genießen, da ihre Mägen in der Regel von klein auf an das lokale Wasser gewöhnt wurden und weniger empfindlich reagieren können als unsere Verdauungssysteme. Das betrifft insbesondere auch das Wasser aus Bächen.

Regenwasser aufsammeln

Eine Alternative ist das Aufsammeln von Regenwasser. Hierzu gibt es an Bord einer Yacht mehrere Möglichkeiten. Eine Variante ist das Aufsammeln von Regenwasser über das Bimini. Je nach Bauform lassen sich die Trinkwasservorräte unter Umständen schnell aufstocken. Bei uns haben wir am Rand zwei kleine Regenrinnen montiert, über die das Wasser mittels Schläuchen in den Tank geleitet werden kann.

Regenwasser wird mit dem Bimini aufgesammelt.

Hinweis: Beim Dauerkonsum von Regenwasser ist Vorsicht geboten, da es keinerlei Mineralien enthält. Die Nahrungsaufnahme sollte dann um Elektrolyte ergänzt werden – was bei vielen Blauwasserseglern in den Tropen ohnehin üblich ist.

Je nach Größe des Biminis kommen schnell große Mengen Wasser zusammen. Ich erinnere mich noch gut, wie wir in den Salomonen in einem heftigen tropischen Schauer in kurzer Zeit 60 Liter Wasser eingesammelt haben. Da wir auf unserer HIPPOPOTAMUS keinen Wassermacher haben — ein Segen.

Alternativ funktioniert es auch, auf einem Amwind-Kurs mit gesetztem Großsegel Wasser einzusammeln. An der Baumnock bildet sich dann bei den meisten Schiffen ein Sturzbach (sofern der Baumniederholer und die Schot genug dicht genommen wurden).

In beiden Fällen sollte man erst ein wenig Wasser ablaufen lassen, um Salz, das durch überkommende Gischt abgelagert wurde, abzuspülen.

Konservierung des Trinkwassers

Sind die Tanks wieder gefüllt, weil eine verlässliche Trinkwasserquelle gefunden wurde, ist es ratsam, das Wasser zu konservieren. Hierzu gibt es im Handel verschiedene Zusätze. Bei uns bewährt sich seit Jahrzehnten das Mittel Micropur. Das ist ein geschmacksneutrales Wasserentkeimungsmittel, das bis zu sechs Monate Lagerfähigkeit erlaubt. Zudem ist es bei Überdosierung unschädlich und in der Version ohne Chlor und Jod bis zu zehn Jahre haltbar. Man kann es wahlweise in kleinen Mengen für viel Geld in der Apotheke kaufen oder im Wassersportfachhandel in großen Mengen für wenig Geld.

Wird Wasser mehr als sieben Minuten gekocht, sterben die Keime ab.

Alternativ kann auch Wasser abgekocht werden, das ist aber eher etwas für kleine Mengen. Es sollte dann jedoch mindestens sieben Minuten kochen, um alle Keime abzutöten. Außerdem können Filter eingesetzt werden.

Und nicht zuletzt hilft es, das Wasser beim Bunkern durch einen Kohlefilter am Schlauch laufen zu lassen oder einen solchen Filter gleich an Bord zu installieren.

Regelmäßige Reinigung der Wassertanks

Mindestens einmal im Jahr sollten mit einem Reinigungsmittel für Tanks (gibt es beim Schiffsausrüster) alle Wassertanks und Schläuche an Bord gereinigt werden. Das geht einigermaßen schnell und schafft zusätzliche Sicherheit.

Wenn wir unser Schiff für eine längere Zeit irgendwo liegen lassen, füllen wir grundsätzlich die Tanks randvoll und geben eine größere Menge Wasserentkeimungsmittel hinzu. Nach der Rückkehr an Bord wird der Tank dann mehrfach gespült und neues Wasser in den Tank gegeben. Das funktioniert bei uns seit Jahrzehnten problemlos.

Lagerung in Kanistern

Kanister, die zur Wasseraufbewahrung genutzt werden, sollten an einem dunklen Ort gestaut werden, um Algenbildung vorzubeugen. Bei der Farbe des Kanisters gehen die Meinungen auseinander. Bei hellen Kanistern wird die Algenbildung begünstigt, dafür kann man sehen, wenn etwas wächst. Bei dunklen Kanistern ist es umgekehrt. Wir haben weiße Kanister benutzt und sie in der dunklen Backskiste verstaut. Das war ein guter Kompromiss.

Kanister werden häufig auch zur Wasseraufbewahrung genutzt.

Fazit

Wer keinen Wassermacher an Bord hat, ist regelmäßig auf eine alternative Wasserversorgung angewiesen. Die vorstehenden Ansätze sollen helfen, diese zu realisieren.

Was dabei natürlich immer hilft, ist Trinkwasser zu sparen, wenn es geht. So kochen wir Nudeln mitten auf dem Ozean mit einer Mischung aus Tank- und Salzwasser (Verhältnis 1:1). Geduscht wird alle zwei Tage mit Seewasser. Nur am Ende wird der Körper kurz mit Frischwasser abgespült. Und auch den Abwasch haben wir mit Salzwasser erledigt. Hierfür gibt es bei uns an der Spüle in der Pantry einen kleinen Handpump-Hahn, der Salzwasser unter dem Schiff ansaugt.

Duschen verbraucht viel Frischwasser.

Seit nunmehr 80.000 Seemeilen habe ich keinen Wassermacher an Bord. Daher finden die vorstehenden Punkte regelmäßig Anwendung und es funktioniert sehr gut.

In diesem Sinne sei noch ein fiktiver Dialog zwischen zwei Blauwasserseglern ergänzt:

Segler A: „Was macht ihr an Bord, um Trinkwasser zu konservieren?”
Segler B: „Erst filtrieren wir es und dann kochen wir es ab.”
Segler A: „Klingt gut. Macht ihr sonst noch was?“
Segler B: „Ja, dann trinken wir sicherheitshalber Bier!“

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Dream Yacht Charter

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Kompetenz im Umgang mit Booten und Menschen

Die Sportbootschule Well Sailing bietet neben der Ausbildung für alle Führerscheinqualifikationen in Theorie und Praxis zahlreiche Weiterbildungskurse, wie Hafenmanöver, Sicherheitstraining, Motorenkunde, Wetterkunde, aber auch Segelreisen auf den unterschiedlichsten Revieren an.

Es werden sämtliche Qualifikationen im Sportbootbereich angeboten inkl. Sportseeschiffer und Sporthochseeschiffer, wobei die besondere Expertise anerkanntermaßen auf den höheren Qualifikationen inklusive dem World Sailing zertifizierten Sicherheitstraining liegt.

Die Stützpunkte liegen in Hamburg Altona/Ottensen sowie mitten in der quirligen Neustädter ancora Marina. In der Marina findet sich eine besonders anregende Lernatmosphäre mit Blick auf den Hafen und die Lübecker Bucht.

Die Sportbootschule Well Sailing ist bekannt für ihren hohen Sicherheitsstandard und für die Kompetenz auf dem Gebiet der Crewführung. So wird unter anderem viel Zeit und Energie auf die Aus- und Fortbildung der Trainer*innen verwendet – ist es doch ein großer Unterschied, etwas zu können und etwas beibringen zu können.

Zum Angebot von Well Sailing zählen auch Seminare zum Thema Crewführung und Crew Ressource Management von dem Autor*innen-Team Birgit Carstensen und Richard Jeske. Die beiden haben bei Delius Klasing das Buch Moderne Crewführung auf Sportbooten veröffentlicht.

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Segeln/Chartern in Istrien – Kroatiens Revier ganz im Norden

Los geht’s ab Pula – dem Zentrum der Halbinsel Istrien

Meine Stimmung ist auf dem Höhepunkt. Die Brise ist nahezu perfekt, vier Beaufort aus Nordost, und das bei Kurs Nordwest, „das ist gut“, sage ich, und reibe mein Kinn. Ein schneller Blick hinauf in die Segel, sie stehen, dann noch ein Blick voraus. Ich prüfe die Entfernungen zu zwei, drei anderen Yachten und lasse meine Augen einmal über den Horizont wandern. Noch eine kleine Kurskorrektur, dann übernimmt der Autopilot surrend seinen Job. Zeit, sich genauer umzuschauen.

Blaues Meer und schöne Briese: Istrien bietet perfekte Segelbedingungen

An Steuerbord erhebt sich Istrien aus der blauen Adria, grüne Hügel, von Macchia und Pinien überzogen. In kleinen Wölkchen schwebt würzige Luft vom Land herüber. Lavendel. Thymian. Myrte.

Istriens Küsten sind mit sattem Grün überzogen und bieten viel Abwechslung

Voraus liegt Fazana, ein kleiner Fischerort, der nur ein paar Seemeilen nördlich der Marina Veruda von Pula liegt. Doch uns zieht es nach Westen, auf die Brijuni-Inseln, einst Lieblingseiland des jugoslawischen Diktators Tito und heute ein Nationalpark.

Istrien bleibt das Ziel der Segelreise

Dabei lässt die Mehrheit der Chartersegler Istrien links liegen, „die wenigsten segeln diese wunderschöne Küste ab“, bestätigte auch der Stützpunktleiter bei der Schiffsübergabe. „Die Mehrheit setzt von Pula aus Kurs Südost Richtung norddalmatinische Gewässer.“ Sie steuern die Kvarner-Bucht mit den vielen kleinen und größeren Inseln an, Krk und Rab, Cres und Susak. Dort, so zeigt ein Blick in die Seekarte, gibt es noch mehr Buchten und Häfen als in Istrien, mehr, als man auf einem Urlaubstörn je ansteuern könnte.

Liegt der Charterstützpunkt nicht in dieser schönen Stadtmarina von Pula, liegt er nebenan in der Marina Veruda

Doch unter widrigen Umständen – wenn zum Beispiel die berüchtigte Bora weht – kann der Törn über den Kvarner Golf ein Höllenritt sein. Die Region gilt als echte Bora-Schneise, hier fegen die aus dem Küstengebirge herabstürzenden Fallwinde besonders stark übers Meer.

Warum also nicht in Istrien bleiben, wo postkartenschöne Orte aneinandergereiht liegen wie Perlen auf einer Kette, und wo der Wind für gewöhnlich deutlich sanfter mit den segelnden Touristen umgeht?

Die Perlenschnur der hübschen Küstenorte wie hier Vrsar haben einiges zu bieten

Denn sollte die Bora tatsächlich einmal wehen, ist sie hier ein abgeschwächter und ablandiger Segelwind, der dicht unter der Küste auch keinen Seegang verursacht. Zugegeben, schöne und einsame Ankerbuchten sollen hier rar sein, dafür gibt es ein dichtes Netz an modernen Marinas und geschützten Stadthäfen.

Die Brijuni-Inseln sind schön, charmant und teuer

Es sind die ersten Seemeilen auf unserer Charteryacht LE PACHA, einer Dufour 382. In der Entfernung blinzelt Fazana an Steuerbord über den Horizont, voraus aber liegt Veli Brijuni, die größte der insgesamt 14 Brijuni-Inseln, ein Nationalparkgebiet.

Der Hafen ist nahezu leer, eine Fähre durchpflügt das Wasser und macht fest, man sieht aus der Ferne ein paar Urlauber über die Pier schlendern und in den zwei Inselhotels verschwinden. „Viel mehr Möglichkeiten, sich auf Brijuni einzuquartieren, gibt es auch nicht“, sagt der Hafenmeister, der umgerechnet einen dreistelligen Eurobetrag für eine Nacht verlangt. Ob sich das lohnt?

Die Highlights der gepflegten Brijuni-Insel können bequem mit dem gemieteten Golfcart erreicht werden

Wir marschieren los, rasten an dem kleinen Kiosk, der sich unter die steinalten Eichen duckt, kosten die Schokoladentorte, die dort angeboten wird und den Cappuccino, dann wandern wir um das Hafenbecken herum, an der Kirche St. German vorbei und den Hotels, weiter ins Grüne, über den Golfplatz und an den Wiesen vorüber, auf denen Zebras grasen und somalische Schafe, indische Rinder, Lamas und Pfauen.

Im noch zu Titos Zeiten angelegten Safaripark grasen die Zebras

„Das sind alles Geschenke von Titos Staatsgästen“, hatte der Hafenmeister nach dem Anlegen erzählt. Über 30 Jahre hatte Josip Broz Tito auf Brijuni das Zepter in der Hand, er empfing Staatsgäste und Hollywoodstars. Die Präsidenten Nehru und Nasser waren da, Gaddafi, Willy Brandt und Jassir Arafat, Fidel Castro, Indira Gandhi, Sophia Loren und Richard Burton, wie die Fotodokumentation in dem kleinen Museum im 70er-Jahre-Style bezeugt.

Beim Museumsbesuch kann man entdecken, dass einige bekannte Besucher auf der Inseln waren

Auf Brijuni könnte man ein paar Tage bleiben. Mit dem Golfcart über die Insel schaukeln, die Strauße mit trockenen Gräsern füttern, noch ein paar bewundernde Blicke über Titos grünen Cadillac streichen lassen. Doch die Liegegebühr ist hoch und wir wollen weiter, also: Kurs abstecken, Leinen los, Segel setzen.

Rovinji – die Perle des Reviers mit neuer Marina

Nächstes Ziel: Rovinj. Knapp zwölf Seemeilen sind es bis dorthin, besagt die Seekarte. Die Adria liegt glatt wie ein Laken da, kein Windhauch ist zu spüren, so tuckern wir unter Motor Richtung Norden. Irgendwann springen Delfine aus dem Meer, erst zwei, dann vier, dann fünf, sie spielen mit der Bugwelle, durchteilen mit ihren Rückenflossen das Wasser, bis sie abtauchen und wieder in der Adria verschwinden.

Kurz vor Rovinj zeigt sich an Steuerbord ein kleiner Ankerplatz, die Bucht Lon, an deren Ufer Aleppokiefern, Zedern und Pinien stehen. Doch uns zieht es weiter bis ins Stadtzentrum.

Tatsächlich keine Seltenheit im Revier sind Begegnungen mit Delfinen

 Immer ganz dicht zusammen: Natur und Kultur

Rovinj gilt als eine der schönsten Städte weit und breit. Alte Fassaden ragen aus dem Meer, mal bräunlich, mal gelb, mal rot, mal rosa, im Hintergrund der Glockenturm der Euphemia-Kirche, der dem Markusturm in Venedig zum Verwechseln ähnlich sieht. Wir treiben an Rovinj vorbei, an der Halbinsel, die rund in die blaue Adria ragt. Möwen kreischen. „Wir machen da hinten fest!“, sage ich irgendwann und deutet auf die Stadtpier nördlich der Altstadt direkt unterhalb des kleinen Marktplatzes.

Der Kurs führt dicht an der Halbinsel mit der Altstadt von Rovinji vorbei
Wer an der kleinen Stadtpier keinen Platz findet, macht in der neu eröffneten Marina Rovinji fest

Steinalt und pittoresk ist der Ort, schmale Gassen winden sich durch die Altstadt, man kann an kleinen Boutiquen und Galerien vorbeischlendern und landet ein paar Minuten später im zweiten Hafenbecken, im malerischen Katarina, in dem Hunderte Fischerboote schaukeln und das für Yachten gesperrt ist.

Der große Stadthafen ist den Fischer- und Ausflugsbooten vorbehalten

Alte Männer sitzen in den Cafés und spielen Karten, Fischer flicken in der Abendsonne ihre zitronengelben Netze, Einheimische und Touristen flanieren auf und ab, kaufen hier ein Armband und dort ein duftendes Lavendelsäckchen und kehren später am Abend in einem der vielen Lokale ein.

In den Gassen von Rovinji verstecken sich auch kleine Boutiquen und Galerien

Wer sucht, der findet auch schöne Ankerbuchten

An Istriens Küste ist das nächste Ziel nie fern. Kleine zauberhafte Städtchen, Häfen vor alten Fassaden, nur Buchten sind rar. Ich brüte eine kleine Weile über der Seekarte und finde, was ich suche: Eine kleine Einbuchtung hinter dem Kap Križ am Eingang des Limski-Kanals, „hier können wir unseren Anker werfen“, sagt ich. Nach einer Stunde Fahrt rauscht die Kette aus dem Ankerkasten, der Haken taucht gurgelnd ein in türkis schimmerndes Wasser.

Die Ankerbucht am Kap Križ kann es locker mit denen in anderen Landesteilen aufnehmen

Ringsherum Hügel, von Kiefern und Pinien überzogen, die ihre Wurzeln in den kargen Boden krallen. Man sieht bis zum Grund, sieht die Seegrashalme, die bei jeder Bewegung des Wassers erzittern, den feinen Sand in wellenförmigem Muster. Man hört, wie das dumpfe Stampfen des Schiffsdiesels verstummt und spürt, wie die gleichförmigen Vibrationen in sanftes Schaukeln übergehen.

Ankern, baden, sonnen – auch das kann man an Istriens Küste

Jetzt, im Mai, ist die Bucht nahezu leer, auch in Stadthäfen und Marinas findet sich immer ein schönes, freies Plätzchen. Ohnehin bieten Frühjahr und Herbst tolle Segelbedingungen: Da weht an Istriens Küste meist eine angenehme Segelbrise und die Temperaturen sind zwar schon sommerlich, aber noch nicht heiß. In den Sommermonaten muss man dagegen auch mit Hitze und Flaute rechnen.

Wie grüne Dinosaurier liegen die Miniinseln vor Vrsar

Nächstes Ziel mit Traumkulisse: Porec

Keine zehn Seemeilen weiter nördlich liegt Porec. Der Wetterbericht lässt erahnen, dass die Bora das Wasser in der Kvarner Bucht gerade in eine Wellenwüste verwandelt, hier hingegen weht nur eine schöne und ablandige Brise von gut vier, fünf Beaufort. So werfen wir die Leinen los, segeln gen Norden und zurren die Leinen bereits rund eineinhalb Stunden später an zwei alten, in der Uferpromenade eingelassenen Eisenringen fest.

Auch in Porec gibt es direkt an der Promenade der Altstadt Platz für Yachten

Unsere Charteryacht liegt in erster Reihe, rundherum alte Palazzi. Hier und da ragen Glockentürme aus dem Häusermeer, und die berühmte dreischiffige Euphrasius-Basilika ist nur wenige Gehminuten entfernt. Doch bevor wir Porec erkunden, ordern wir im Café Epoca gleich gegenüber des Liegeplatzes Cappuccino und Kuchen. „Wir bringen es gleich rüber an Bord“, sagt die Bedienung und nickt in Richtung des Cockpits.

Klar, in der Hauptsaison wird der Platz an der Promenade von Porec schon mal knapp

Auch Porec verzaubert. In den schattigen Gassen, auf dem Decumanus, der herausgeputzten Einkaufsstraße. Auf den Plätzen mit ihren blanken Pflastersteinen und in der Basilika, die seit 1997 UNESCO-Weltkulturerbe ist. Eine alte Dame ganz in Schwarz legt einer vorbeigehenden Touristin besonders die Apsis ans Herz, „schauen Sie sich unbedingt die Wandmosaike an!“, sagt sie bestimmt, „und auch die thronende Maria mit dem Jesuskind auf dem Schoß.“

Wie Rovinj liegt auch die Altstadt von Porec auf einer Art Halbinsel

Istriens Wasserqualität lobte schon Jacques Cousteau

Die Basilika von Porec ist nur ein weiterer von vielen guten Gründen, an Istriens Westküste zu segeln. Und neben den vielen zauberhaften Orten und dem dichten Netz von Marinas und Stadthäfen gibt es noch ein weiteres Plus: die Badewasserqualität. Schon Jacques Yves Cousteau lobte das blitzsaubere und kristallklare Wasser der Adria, und daran hat sich nichts geändert: Überall an der istrischen Westküste weht die blaue Flagge, die die gute Wasserqualität und sensiblen Tourismus bescheinigt.

Das Meer vor Istriens Küste ist blau und schön wie ein Ozean

Die Perlenkette nimmt kein Ende: Umag und Novigrad

Nördlich von Porec liegen nur noch zwei Städtchen auf dem Weg: Novigrad und Umag. Wieder Orte wie aus einem Urlaubsprospekt, mit italienisch anmutenden Palazzi und marmorglänzenden Plätzen, dazwischen blaue Adria vor grüner Küste. Eine leichte Brise füllt die weißen Segel unserer Charteryacht und treibt uns voran. Eine Motoryacht rast vorbei. Die Sonne wirft glitzernde Sterne auf die Wasseroberfläche, es gurgelt und schäumt. Und irgendwann tauchen wieder Delfine auf, drei, vier, fünf, und springen und schwimmen in der Bugwelle.

In Istrien sind deutlich mehr Eigner- als Charteryachten unterwegs

Novigrad war einst griechische Kolonie, später römische Siedlung und irgendwann sogar einmal Bischofssitz. Historische Spuren, die man dem mittelalterlichen Städtchen noch ansieht, die man an den gewaltigen Festungsmauern ausmachen kann und auch an dem Campanile, der hier einmal mehr wie ein Zwilling des Markusturms aussieht.

In Novigrad gibt es hinter der großen Hafenmole auch ein Muringfeld

Wir schlendern durch das 1400 Jahre alte Seestädtchen, stöbern in kleinen Boutiquen, flanieren durch die autofreie Altstadt, am freistehenden Glockenturm vorbei und kehren später in die Konoba Cok ein, in der der Küchenchef frittierte Fischhaut, Tunfischtatar und Oktopus auf Kichererbsenmus serviert.

Wer auch hochwertige Küche schätzt, wird in Istriens Küstenorten fündig

Bleibt noch Umag, das sich in die sichelförmige Bucht ganz im Norden Istriens schmiegt. Eine warme Brise pustet durch die Gassen, lässt die Blüten der Bougainvillen wippen. Gerade mal 150 Meter breit ist die Landzunge, ein paar Schritte nur, und man ist auf der anderen Seite, dort, wo Wellen an den Restauranttischen schmatzen und die Wirte vor ihren Fischvitrinen um Gäste buhlen.

Auch Umag liegt wieder malerisch auf einer Halbinsel

Fazit: Istrien steht für sich selbst und ist eine eigene Reise wert

Auf dem Törn zurück gen Süden werden all die zauberhaften Orte noch einmal an uns vorbeihuschen wie eilige Reisende. Auf halber Strecke werden wir noch in Vrsar stoppen, in dem 1700 Seelen zählenden Fischerort, wir werden in der Marina festmachen oder an der Stadtpier und wahrscheinlich noch zum kleinen, steinigen Strand wandern, der einen halben Kilometer von der Altstadt entfernt liegt.

Ein Flair italienischer Lebensart umgibt die Gassen von Vrsar

Dann geht’s weiter – an Rovinj vorbei, irgendwann schwimmen die Brijuni-Inseln an Steuerbord vorüber und Pula kommt in Sicht, die größte und älteste Stadt Istriens. Schon von Weitem werden wir das hoch über der Stadt thronende und berühmteste Bauwerk der gesamten Küste sehen: das 2000 Jahre alte römische Amphitheater, das ellipsenförmig und riesig da liegt. Dahinter ist Istrien dann fast zu Ende, dahinter breitet sich die Kvarner Bucht aus. Aber das ist eine andere Geschichte, eine andere Reise. Keine, die irgendjemand an Bord während der Woche in Istrien jemals vermisst hat.

Unbedingt sehenswert: das alte Amphitheater von Pula direkt neben der Stadtmarina

Charter

Charter: Das größte Charterangebot Istriens gibt es in der Marina Veruda bei Pula. Aber auch in den nahen anderen Orten finden sich weitere Anbieter. Natürlich ist das Revier auch problemlos von den Charterstützpunkten im Kvarner rund um Rijeka zu erreichen, selbst auf einem einwöchigen Törn. Dazu kann jeder Venedig-Törn sehr gut mit Istrien verbunden werden. Das Angebot an verfügbaren Yachten ist wie überall in Kroatien groß und vielfältig.

In Kroatien finden sich neben den klassischen Charteryachten (meist zwischen zehn und 15 Meter Länge) auch Katamarane, Spezialanbieter und viele Firmen, die Kojencharter und Ausbildungstörns anbieten sowie Minikreuzfahrten auf Motorseglern. In Kroatien ist neben dem Sportbootführerschein auch eine Funklizenz notwendig, die man zur Not auch vor Ort erwerben kann.

In Istrien gibt es ein reichhaltiges Charterangebot von Booten jeder Klasse

Diese Charter-Agenturen helfen dir, eine Yacht zu finden

Für eine deutschsprachige Beratung und die zuverlässige Buchung von Charteryachten bewährter Anbieter können diese Firmen behilflich sein:

Weitere Infos zum Revier

Brijuni Inseln

Ja, der Besuch der Inseln ist teuer: Die erste Tarifstufe ist pauschal für Schiffe bis 14,99 Meter. Je nach Jahreszeit werden zwischen 100 und fast 200 Euro verlangt. Im Preis inbegriffen ist für alle Crewmitglieder der Eintritt in den Nationalpark, ins Museum und in den Safaripark. Nach dem Bezahlen im Hotel Neptun im Hafen von Veli Brijun (Festmachen mit Muringleinen an der Hafenpier) darf man auch die Ankerbucht Mikula auf der Nachbarinsel Mali Brijun anlaufen (Festmachen an Murings). Auf der heute unbewohnten Insel gibt es eine 175 Meter lange Festungsanlage aus dem 19. Jahrhundert, in der einst über 500 Soldaten Dienst hatten.

Zu besonderen Gelegenheiten wird der alte Cadillac von Tito noch einmal bewegt

Wind und Wetter

Im Sommer weht in diesem Revier öfter ein aus Nordwest kommender Wind, der auch hier Mistral genannt wird. Er setzt meist vormittags ein und erreicht am Nachmittag 3 bis 4 Beaufort, am Abend schläft er üblicherweise wieder ein. An heißen Flautentagen kann man am Nachmittag mit einer Seebrise rechnen. Die berüchtigte Bora, ein ablandiger Nordostwind, kann Starkwind bringen, ebenfalls der Südwind Jugo. Jährliche Sonnenstunden in Istrien: 2380!

Die Segelbedingungen in Istrien können als einfach und anfängerfreundlich bezeichnet werden

Häfen und Ankerplätze

Alle sechs größeren Küstenstädtchen bieten Marinas, dazu gibt es noch sechs weitere Yachthäfen und zahlreiche kleinere Anlegestellen. An städtischen Anlegern liegt man preiswerter als in den modernen Marinas. Die Anzahl an schön gelegenen, einsamen und sicheren Ankerbuchten ist beschränkt, Bojenfelder wie im Süden des Landes gibt es nur wenige.

Der städtische Anleger von Rovinj wird durch eine große Marina auf der anderen Seite des Ortes ergänzt

Anreise

Mit dem Auto sind es ab München noch etwa 600 Kilometer, meist finden sich überall (kostenpflichtige) sichere Parkmöglichkeiten. Mit dem Flugzeug kann man ab etwa einem halben Dutzend deutscher Städte direkt nach Pula fliegen (je nach Stadt mit Eurowings, Lufthansa, Ryanair, Easyjet oder Croatia Airlines).

Der größte Charterstützpunkt in Istrien ist die Marina Veruda

Literatur & Seekarten

• Küstenhandbuch Kroatien 1, Edition Maritim
• 888 Häfen und Buchten, Eigenverlag
• Kartensatz NV Atlas Croatia HR01, NV Verlag
• Kartensatz DEKL 7, Delius Klasing Verlag

Und noch ein Tipp!

Viele allgemeine Infos und bunte Geschichten rund um Istrien gibt es in dem jährlich erscheinenden “Istrien-Magazin“, das online kostenlos zur Verfügung steht

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Winschen Wartung – Schritt für Schritt. Eine Foto-Anleitung

Winschen sind ein wichtiger Ausrüstungsgegenstand

Die Winschen sind ein wichtiger Ausrüstungsgegenstand an Bord einer Segelyacht und sie müssen von Zeit zu Zeit gewartet werden. Das Intervall ist abhängig von der Beanspruchung und dem Revier. Ich gucke bei uns an Bord einmal pro Saison unter das Winsch-Gehäuse (das ist schnell geöffnet) und wenn das Fett schwarz ist oder Dreck vorhanden ist, folgt eine Wartung.

Bei der Wartung passiert eigentlich gar nicht viel. Die Winsch wird auseinandergenommen, alle Teile gereinigt und neue Federn/Sperrklinken eingesetzt. Damit das so reibungslos gelingt, wie es hier klingt, habe ich die folgende bildreiche Anleitung erstellt. Viel Spaß damit.

Die Wartung der Winsch

Als erstes muss die Winsch geöffnet werden. Jede Winsch ist ein bisschen anders, das Prinzip ist aber immer das gleiche. Man nimmt sie von oben nach unten auseinander. Dabei sollte man sich die Reihenfolge merken oder gegebenenfalls Fotos machen. Dazu gehört auch, sich bei selbstholenden Winschen die Position des Einfädlers zu merken. In diesem Beispiel wird eine Winsch von Lewmar vom Typ ST46 gewartet.

Bei unseren Lewmar ST Winschen wird der Deckel mit der Hand abgeschraubt.

Nun liegt die Platte mit dem Einfädler frei und kann nach oben abgenommen werden.

Nun wird die Trommel abgezogen – das geht recht leicht.

Die Lagerringe können abgenommen werden.

Als nächstes werden die beiden Fixierungen für den Einfädler vom Selbstholer entfernt. Sie halten allerdings nicht nur den Einfädler der Winsch in Position, sondern auch die Welle. Bei der Beispielwinsch hier sind es zwei Stück.

Die Welle wird herausgezogen.

Dann werden die Bolzen/Achsen der Zahnräder mit einem Schraubenzieher vorsichtig angehoben und herausgezogen. Danach kann man die Zahnräder seitlich aus der Winsch holen.

Achtung: Die Zahnradmechanik besteht aus vielen verschiedenen Teilen. Ich würde sie als Ganzes rausholen, um nicht zu riskieren, dass die Sperrklinken samt Federn herausfallen und im Selbstlenzer verschwinden.

Nun ist die Winsch nackt und kann gereinigt werden. Manche Segler verwenden hierfür Waschbenzin oder legen die Teile in Diesel. Ich reinige sie seit Jahrzehnten immer nur mit Küchenkrepp und konnte bisher nicht feststellen, dass das irgendeinen Unterschied macht – außer, dass man sich die Sauerei mit dem Diesel spart. An hartnäckigen Stellen setze ich ein Multi-Spray ein.

Es beginnt der mühsame Teil. Die Einzelteile werden gereinigt.

Die Doppelzahnräder sollten vorsichtig auseinandergenommen werden, zumindest bei diesem Modell sitzen in ihnen die Sperrklinken samt Federn. Sie sind verantwortlich für das Klicken bei der Winsch. Sie sind im Prinzip eines der wichtigsten Bauteile der Winsch, da diese ohne sie nicht funktionieren würde. Schließlich sorgen sie dafür, dass die Winsch nur in eine Richtung dreht.

Hinweis: Die Federn sind winzig und man kann sie leicht verlieren. Sie sollten von Zeit zu Zeit getauscht werden – ebenso der Sperrklinken.

Das Wiedereinsetzen der Sperrklinken gelingt, indem die Feder in die Klinke gelegt wird und mit zusammengeklappter Feder in die Lücke geschoben wird.

Nachdem alles gereinigt wurde, werden die Teile in umgekehrter Reihenfolge wieder zusammengesetzt und dabei mit Winschenfett gefettet. Inwieweit dabei auch die Sperrklinken gefettet werden, bietet Diskussionsstoff. Die Meinungen gehen hier etwas auseinander. Einige sagen, man darf sie nicht fetten, andere sagen, man soll sie fetten. Ich habe sie bisher immer leicht gefettet und hatte damit nie Probleme. Zum Fetten kann man sich gut Einmalhandschuhe anziehen.

Vor dem Zusammenbau noch eben mit einem Q-Tipp die Löcher reinigen, in denen die Bolzen/Achsen laufen, damit sie ganz eingeschoben werden können und altes Fett nicht den Platz versperrt.

Beim Einsetzen der Fixierung für die Welle muss die Welle ein wenig angehoben werden, damit die Fixierung ganz in der Rille landet.

Die Gummidichtung des Deckels würde ich ganz leicht fetten, damit die Winsch vor Gischt und anderen Seewassereinflüssen gut geschützt ist. Am Ende wird die Winsch mit der Winschkurbel ein wenig gedreht, damit sich das Fett gut verteilt. Bei Zweigangwischen muss in beide Richtungen gedreht werden.

Kurzum: Eine Winsch zu warten ist kein Hexenwerk. Und solange am Ende nicht irgendwelche Teile über sind, sollte das dann passen.

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Nah und schön: Segeln in der Lübecker Bucht und nach Fehmarn

Häfen, Strände, Städte: Die Lübecker Bucht hat alles

Lübecker Bucht, Anfang August. Dunkle Wolken türmen sich auf, kräftiger Wind nimmt die Kitesurfer mit hinaus aufs Meer, treibt sie vor sich her. In den Yachthäfen hämmern die Fallen wütend gegen Masten, an den kilometerlangen Sandstränden stemmen sich Familien gegen Wind und Wetter. Egal, wohin man schaut, ob in den Himmel, auf das Thermometer oder die Wettervorhersage – überall lauert der Herbst. Und die Prognose prophezeit auch für die kommenden Tage Windböen in Sturmstärke und Tageshöchsttemperaturen von unter 20 Grad, also „Schietwetter“, wie der Norddeutsche zu sagen pflegt.

Kann Feriensegeln auch bei Wind und Wetter Spaß machen? Wir werden sehen

Eine Wetterlage, die an der Ostsee auch im Sommer keine Ausnahme ist. Mal gibt es einen traumhaften Sommerauftakt, mal einen Hitzesommer, dann wieder einen Altweibersommer. Dazwischen muss leider immer auch mit nassen und windigen Tagen gerechnet werden. Planen lässt sich das nicht. Und so kommt es vor, dass selbst in der Hauptferienzeit viele Crews auf der Nord- und Ostsee immer mal wieder auf eine harte Probe gestellt werden. Inklusive Törnplanänderungen und Hafentage.

Trotzdem schön: Neustadt mit dunkler Gewitterfront

Los geht es in Burgtiefe auf Fehmarn

Auch wir haben auf unserer Reise in der zweiten Augustwoche so eine Woche erwischt. Der Wetterbericht kündigt durchgängig starke Westwinde mit reichlich Regen und zahlreichen Gewittern an. Kann man die lange geplante Segelreise bei viel Wind und schlechtem Wetter trotzdem absegeln? Kann ein Sommertörn in Regenkleidung Spaß machen? Und: Wird das Wetter nicht vielleicht viel schlechter geredet als es in Wirklichkeit ist?

In Burgtiefe auf Fehmarn zerrt unsere Charteryacht an ihren Leinen, das Basispersonal macht Mut: „Von Fehmarn aus könnt ihr in alle vier Himmelsrichtungen segeln und euren Törn ideal den Windbedingungen anpassen.“ Dazu zeigt sich auch in Schlechtwetterphasen immer mal wieder die Sonne, so auch am Übergabetag. Am Freitagnachmittag schieben Sonne und Wind die Wolken beiseite, für ein paar Stunden scheint die Ferienidylle perfekt. Auf dem Burger Binnensee tummeln sich Jollensegler und Surfer, gegenüber am feinsandigen Ostseestrand genießen Familien Sommergefühle. Eltern lümmeln sich in Strandkörben, Kinder bauen Sandburgen, es gibt Eis und Pommes rot-weiß.

Kaum ist die Sonne da, sind die Urlauber zur Stelle

Doch das sommerliche Wetter ist nur von kurzer Dauer, Wind und Wolken mahnen zu einer angemessenen Törnplanung. Wer von Fehmarn aus einen Wochentörn beginnt und mit kräftigen westlichen Winden rechnen muss, landet fast automatisch in der Lübecker Bucht. „Hier kann man geschützt vor hohen Wellen und mit halbem Wind hoch und runter segeln“, erzählt der Basismitarbeiter bei der Übergabe. Und dabei Orte wie Großenbrode, Grömitz, Neustadt, Niendorf und Travemünde ansteuern. Wie sich noch herausstellen wird, sind diese Ziele dabei keinesfalls Notlösungen, sondern auch bei gutem Wetter eine echte Törnoption – gekrönt von einem städtischen Höhepunkt. Doch dazu später mehr.

Einmal durch die Lübecker Bucht bis Travemünde

Am Morgen ist die Luft kühl, die See bleiern, weiß-graue Wolken bedecken den Himmel und erzeugen ein milchiges Licht. GO AHEAD fährt unter Maschine durch das enge Fahrwasser des Burger Binnensees, ab der grünen Tonne Burg 1 übernehmen die großen weißen Segel der Harmony 47. Noch bläht ein frischer Ostwind die Segel auf, hinter Dahmeshöved geht es rum in die Lübecker Bucht, mit Kurs Südsüdwest pflügt das Boot durch die Wellen. „Herrlich“, findet meine Frau Karen die Backstagbrise und die acht Knoten Geschwindigkeit, „kommt, lasst uns weitersegeln bis nach Travemünde.“

Das Segeln wird bei den Bedingungen auf jeden Fall spannender

Travemünde begrüßt uns mit Blitz und Donner, einem grünen Frachtriesen im Fahrwasser und dem Wahrzeichen der Stadt, der Viermastbark PASSAT. Der gleichnamige Yachthafen liegt unmittelbar dahinter, am Ostufer der Trave gegenüber der Stadt. Am Westufer entlang der Promenade befinden sich die Liegeplätze des Lübecker Yacht Clubs, „von den 80 Boxen sind 35 für Besucher“, erklärt der freundliche Hafenmeister nach dem Festmachen. „Hier ist eigentlich immer was frei, die meisten Segler wissen nur einfach nicht, dass sie auch bei uns festmachen können.“

Die Liegeplätze direkt an der Promenade von Travemünde sind auch ganz nah am Ostseestrand

Unsere Kinder möchten angeln und auf dem Bungee-Trampolin am nahe gelegenen Strand springen. Doch zuerst einmal kommt das, was auf diesem Törn noch häufiger kommen soll: Platzregen, Windböen und dunkle Gewitterwolken. Gut, dass moderne Schiffe dicht wie Konservendosen sind, dass es Bücher, Kniffel, Skat & Co gibt.

Gerade bei Schlechtwetter bietet das Revier Schutz und Abwechslung

Und dass man hier am Westufer direkt an der Promenade liegt und zwischen den Regengüssen schnell an Land springen kann. An diesem Tag allerdings bleiben Promenade und Strand wie leergefegt. Erst am Tag darauf, an einem Sonntagvormittag mit Sonnenschein, werden die Menschenmassen wieder flanieren und vor der Priwallfähre Schlange stehen, die die Besucher zur PASSAT bringt. Bis dahin erstrahlt der älteste Leuchtturm Deutschlands, das stillgelegte Bauwerk aus dem Jahre 1539, das inzwischen ein Museum ist.

An Strand und Strandkörben herrscht in Travemünde kein Mangel

Plötzlich landet Lübeck auf dem Törnplan

„Klar kann man die Trave hoch bis nach Lübeck segeln“, erklärt der Hafenmeister beim Klönschnack am Steg. „Sie müssen nur die Öffnungszeiten der Eric-Warburg-Brücke berücksichtigen.“ Eine geniale Idee, um einen Tag mit reichlich Wind und Schauerböen sinnvoll zu nutzen. Zumal direkt im Stadtzentrum von Lübeck eine Marina liegt.

Das neue Ziel auf dem Törnplan heißt Lübeck

„Können wir hier nicht anhalten und baden?“, fragt unsere Tochter, als wir auf der Untertrave die Stülper Huk passieren. Die kleine, unverbaute Bucht mitten in einem Naturschutzgebiet ist ein idealer Ankerstopp. Drei Boote verstecken sich hier vor dem böigen Westwind. Durch das üppige Grün am hügeligen Ufer schlängeln sich Wanderwege, und der schmale Sandstreifen davor lädt schon aus der Ferne zum Baden ein.

Sogar einen Ankerplatz gibt es: Auch die Stülper Huk wäre einen Stopp wert

Doch wir müssen weiter, noch elf Seemeilen sind es bis zur Eric-Warburg-Brücke, elf Seemeilen, die sich als Wundertüte entpuppen. Pötenitzer Wiek, Holzwiek, Schlutuper Wiek, Breitling – immer wieder dehnt sich die Trave zu breiten Wasserflächen aus und erlaubt Segeln auch außerhalb des Fahrwassers. Man passiert mehrere Ankerplätze und über ein Dutzend Bootshäfen, darunter so idyllische Anlegestellen wie Gothmund, ein privater Fischerhafen, hinter dem sich ein halbes Dutzend reetgedeckter Häuser ins Schilf duckt. Doch die 9,5 Meter tiefe Fahrrinne wird ebenso von großen Schiffen befahren, und so ziehen auch Kaianlagen, Schiffbauhallen, Container- und RoRo-Terminals vorüber.

Auch auf der Trave ist geschütztes Segeln möglich

Pünktlich um 17.30 Uhr wird der Verkehr auf der Brücke gestoppt. Das gewaltige, knapp 40 Meter lange Tragwerkteil klappt hoch in den wolkenverhangenen Himmel. „Und das alles nur für uns?“, staunt unserer Sohn Jakob, als er bemerkt, dass die GO AHEAD das einzige Boot ist, das die Brücke passiert.

Die kleine Marina, die sich kurz darauf an Backbord zeigt, besteht aus einem 100 Meter langen, dicht belegten Schwimmsteg und versprüht mediterranen Flair. Ganz im Gegensatz zu uns, die wir vor dem nächsten Schauer unsere nassen Segeljacken zum Trocknen an den Baum hängen.

Das Holstentor unweit des Hafens ist Lübecks Wahrzeichen

Lübeck. Die von Wasser umgebene Altstadt gilt mit ihren über 3000 Patrizierhäusern, dem Gängeviertel, den sieben Kirchtürmen und den alten Salzspeichern seit 1987 als Weltkulturerbe. Die reiche Hansestadt war Heimat von Heinrich und Thomas Mann, und Lübecks Niederegger Marzipan ist in der ganzen Welt bekannt. „Geht einfach hier über die Straße und ihr seid mittendrin“, sagt der Hafenmeister. Wir verschieben den Stadtbummel auf den nächsten Morgen, denn im Holstenhafen nebenan findet gerade ein alljährliches Festival statt: bunter Budenzauber unter Pagodenzelten, dazu Livemusik auf einer schwimmenden Bühne. Eine unerwartete Abwechslung in städtischem Ambiente.

Trotz dunkler Wolken ist Festivalstimmung in Lübecks Altstadt

Nächte an Bord eines Segelbootes können bei schlechtem Wetter auch im Hafen reichlich unruhig werden. Schlagende Fallen, quietschende Fender, zerrende Leinen, heulender Wind und prasselnder Regen gehören zu den Unruhestiftern. Morgens um vier Uhr sitzt Karen aufrecht in der Koje, geweckt von Wassertropfen im Gesicht. „Das Schiff ist doch undicht“, stöhnt sie und wischt die Verkleidung trocken. Doch dann wird klar, dass man auch Schwitzwasser in die Liste mit aufnehmen muss, wenn bei Dauerregen ausreichende Lüftung unmöglich wird.

Trotz viel Regen bleibt die Stimmung an Bord gut

Gäbe es eine Ratingagentur für Jahreszeiten, wäre der Hochsommer unserer Reise wohl längst auf Herbst herabgestuft worden. Jeder Sonnenstrahl, der durch das dunkle Wolkennetz kommt, wird zum Glücksmoment, zum Wärmespender, zum Erzeuger magischer Lichtstimmungen. Rare Momente, die man umso intensiver erlebt.

Sonne und Gewitterwolken erzeugen wie hier in Neustadt oft magische Lichtstimmungen

Strand und Meer in Niendorf, Neustadt und Grömitz

So zum Beispiel die abendliche Überfahrt von Niendorf nach Neustadt an Tag vier der Reise, sieben Seemeilen durch die Neustädter Bucht, auf denen der Wind eine kurze Pause einlegt und die mutigen unter der Crew den Sonnenuntergang im T-Shirt genießen. Oder zwei Tage später am Strand vom Grömitz, als Sonne und Gewitterwolken einen leuchtenden Regenbogen in den Himmel malen und Nora als einzige das erste und letzte Mal auf der Reise in der Ostsee baden geht.

An feinen Sandstränden wie hier in Grömitz fehlt es nirgends

Intensive Erlebnisse gibt es auch dann, wenn man sich trotz vorhergesagter Böen bis neun Windstärken aufrafft, weiterzusegeln. Die Befriedigung über ein gelungenes Hafenmanöver ist ungleich größer, der Lerneffekt eines misslungenen ebenso. Auch in den Häfen rückt man näher zusammen. In dem idyllischen aber kleinen Hafen von Niendorf dürfen wir an einem Fischkutter festmachen, in Neustadt erlöst uns der Skipper einer Ausbildungsyacht von der Platzsuche und bittet uns, längsseits zu kommen.

In den Häfen entlang der Lübecker Bucht ist alles stets bestens organisiert

„Die Badesachen kann ich wegpacken“, seufzt Karen beim Blick auf den Wetterbericht für die letzten zwei Tage. Was – zugegeben – einen der größten Pluspunkte des Reviers zunichte macht. Denn egal ob Grömitz, Niendorf oder Travemünde, immer findet sich unmittelbar neben den Liegeplätzen ein herrlicher weißer Sandstrand, der trotz Kurtaxenpflicht wie geschaffen wäre für ausgedehnte Strandaufenthalte. Und immer wieder könnte man auch die kilometerlangen, einsamen und verwilderten Strandabschnitte zwischen Grömitz und Großenbrode für einen Ankerstopp nutzen oder die bekannten Badeorte ohne Marina, etwa Haffkrug, Scharbeutz oder Kellenhusen.

Selbst Ankerplätze wie hier im Burger Binnensee finden sich bei gemäßigter Wetterlage viele

Auch die Insel Poel und Kühlungsborn liegen ganz nah

„Auf einem Wochentörn kann man auch Mecklenburg mit in den Törnplan integrieren“, hatte der Mitarbeiter der Basis bei der Übergabe erklärt, „Wismar, die Insel Poel oder Kühlungsborn sind in kurzen Tagesetappen gut zu erreichen.“ Dumm nur, wenn sich der Abstecher, wie in dieser Woche, nur mit harten Amwindkursen auf dem Rückweg erkaufen lässt. Doch auch so gibt es noch mehr Ziele als genug. „Ob man den Großenbroder Binnensee anlaufen soll oder nicht, darüber ließe sich trefflich streiten“, schreibt Jan Werner in seinem Revierführer Ostseeküste, „manche finden ihn ziemlich langweilig.“

Heiligenhafen gleich gegenüber von Fehmarn ist auch ein Nahziel des Reviers

Gar nicht langweilig ist hingegen Heiligenhafen auf der anderen Seite der Fehmarn-Sund-Brücke, die mit 22 Meter Durchfahrtshöhe für die meisten Segler gut passierbar ist. Die riesige Marina mit 1000 Liegeplätzen beherbergt auch die größte Charterflotte des Reviers, der Reiz des Ortes wird aber durch seine Gegensätze erzeugt. Auf der einen Seite der Marina liegen der lebhafte Ferienort und der Fischereihafen, in dem frischer Fisch direkt vom Kutter verkauft wird. Auf der anderen beginnt der lange, einsame Nehrungshaken Graswarder mit kilometerlangem Strand und Vogelschutzgebiet.

Der Fischereihafen von Heiligenhafen verspricht im Sommer lebendige Abwechslung

Die Ferieninsel Fehmarn hat gleich mehrere Häfen

Auch Fehmarn hat mehr zu bieten als unseren Ausgangshafen Burgtiefe. Wer als Besucher kommt und nicht an den Südstrand möchte, ist vermutlich besser in Burgstaaken aufgehoben. Stadthafen, Fischereihafen und der kleine Yachthafen sorgen hier für reichlich maritimes Flair, man kann ein U-Boot besichtigen, an einer Kletterwand ein Getreidesilo hochklettern oder in den Hafengastronomien Essen gehen. Das Zentrum von Burg aber ist auch von hier aus weit entfernt, fast zwei Kilometer. Die beiden anderen besuchenswerten Häfen der Insel liegen in der Orther Bucht, sowohl Orth als auch Lemkenhafen sind gemütliche kleine Hafendörfer mit Grillplatz, Kinderspielplatz und Fahrradverleih.

Der Stadthafen von Burgstaaken ist ausschließlich für Besuchsyachten da.

Doch dafür bleibt auf unserem Törn keine Zeit mehr, von Grömitz aus geht es zurück nach Burgtiefe, die schön geschwungene Hafenpromenade bleibt im Kielwasser zurück. Der Himmel ist grau, der Westwind hat mit 25 Knoten noch eine Schippe draufgelegt, dazu lauern überall dunkle Gewitterfronten. Glücklicherweise segelt man hier unter Landschutz und wird von großen Wellen verschont, ideale Voraussetzungen also, um Starkwindsegeln unter kontrollierten Bedingungen zu üben.

Wer mit Kindern unterwegs ist könnte schon in Grömitz Tage verbringen

„Groß oder Genua?“, fragt Karen, eingepackt in Latzhose, Gummistiefel und Regenjacke. Zum Ende hin mutiert die Sommerreise endgültig zum Schwerwettertörn, wir entscheiden uns trotz halbem Wind nur für die Genua und erleben, dass diese Besegelung völlig ausreichend, und vor allem auch leicht und sicher zu bedienen ist. Und dass man besser vor der Gewitterfront das Segel entweder verkleinern oder ganz bergen sollte. Sonst zerren, wie bei uns, plötzlich 40 Knoten Wind an Rigg, Segel und Freibord. Ist man da erstmal mittendrin, stellt sich die Frage, was zu tun ist. Jetzt noch bergen oder abwettern? Das einzige Boot auf gleichem Kurs und mit gleicher Besegelung schießt prompt in den Wind. Wir ändern den Kurs um 50 Grad, laufen vor dem Wind ab und nehmen so für die Dauer der Starkwindfront den Druck aus dem Schiff.

Vor der Gewitterfront war das Segeln noch entspannt

Trotz Regen und Sturm: Die Lübecker Bucht hat Spaß gemacht

In Burgtiefe heult der Wind um das Hafenbecken herum, dennoch müssen noch ein Tankstellen- und das letzte Anlegemanöver gefahren werden. Danach ist die Befriedigung groß und die stolzgeschwellte Brust breit. Dieses Jahr ist es nicht der warme Sand unter den nackten Füßen, nicht der Abend auf einer sonnigen Restaurantterrasse und nicht der Ankerstopp mit Kopfsprung in die warme Ostsee, der in Erinnerung bleibt. Es sind die gemeinsam gemeisterten Herausforderungen eines Schlechtwettertörns, die neu dazu gewonnenen Erfahrungen und die intensiven Lichtstimmungen während der wenigen Sonnenstunden. Und die Erkenntnis, dass die Lübecker Bucht keine Notlösung, sondern ein sehenswertes Reiseziel mit reichlich Abwechslung ist.

Eine der Top-Sehenswürdigkeiten der Lübecker Bucht: die PASSAT in Travemünde

Charter

Fehmarn, Heiligenhafen, Neustadt, Rostock – das Charterangebot rund um die Lübecker Bucht ist vielfältig. Katamarane gibt es so gut wie keine, für die sind, ebenso wie für die 50-Fuß-Klasse, viele der Liegeplätze zu klein. Ein Schlauchboot ist an der Ostsee nicht zwingend notwendig, im Prinzip kann man jeden Abend im Hafen festmachen. Wer aber auch ankern möchte, sollte eines dabeihaben. Wenn nichts anderes vereinbart ist, werden Charterschiffe in der Ostsee in der Regel ohne Bettzeug, Bettwäsche und Handtücher angeboten. Neben dem Sportbootführerschein See ist sind auf der Ostsee eine Funklizenz und ein Pyroschein (kann meist auch durch Schnelleinweisung vor Ort erworben werden) erforderlich.

Auch in Burgtiefe auf Fehmarn gibt es gute Chartermöglichkeiten

Diese Charter-Agenturen helfen dir, eine Yacht zu finden

Für eine Beratung und die zuverlässige Buchung von Charteryachten bewährter Anbieter an der deutschen Ostseeküste können diese Charter-Agenturen behilflich sein:

Weitere Infos zum Revier

Navigation & Seemannschaft

Ohne nennenswerte Strömung und fast ohne Tidenhub macht es die Ostsee dem Urlaubssegler leicht. Anhaltender und starker NO-Wind kann den Wasserstand in der Lübecker Bucht um bis zu drei (!) Meter steigen lassen, bei SW-Wind fällt er dementsprechend. Dann können, gerade in Engen, auch erhebliche Strömungen auftreten.

Auf Berufsverkehr von und nach Lübeck-Travemünde ist zu achten, dazu verkehren viele Hochgeschwindigkeitsfähren im Revier. Alle Fahrwasser und Hafeneinfahrten sind gut betonnt, wegen teilweise fehlender Befeuerung eignen sich aber nicht alle für eine nächtliche Ansteuerung. Innerhalb der 5-Meter-Linie muss mit großen, unverzeichneten Steinen gerechnet werden. Ein Hochspannungsgleichstromkabel entlang der Mecklenburger Küste kann Magnetkompassfehlweisungen bis 60 Grad verursachen.

Auch mit dicken Pötten muss im Revier gerechnet werden

Häfen und Ankerplätze

Zwischen Fehmarn, der Lübecker Bucht und der Mecklenburger Küste gibt es ein dichtes Netz an Häfen. Große Marinas wechseln sich mit kleinen Bootshäfen, Werftanlegern, Stadthäfen und liebevoll gepflegten Vereinshäfen ab. Im Vergleich zum Mittelmeer sind die Liegepreise moderat. Auch wenn in den Revierhandbüchern nur wenig über Ankerplätze geschrieben steht, sind Ankerstopps, auch für die Nacht, an vielen Stellen möglich.

Wie hier in Neustadt sind fast alle Liegemöglichkeiten im Revier schön gelegen

Literatur & Seekarten

• Jan Werner, Ostseeküste 1, Travemünde bis Flensburg Delius Klasing Verlag.
• Sportbootkartensatz NV2: Lübecker Bucht, NV-Verlag
• Sportbootkartensatz DEKL 2, Delius Klasing Verlag
• Für den Landgang: Dieter Katz, Ostseeküste von Lübeck bis Kiel, Michael Müller Verlag

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Praxis-Tipp: Schäkel gegen unbeabsichtigtes Öffnen sichern

Gerade wieder ist es einem befreundeten Segler passiert: Beim entspannten Segeln im Mittelmeer auf einer Charter-Yacht fällt plötzlich ein Schäkel ohne Bolzen an Deck. Und das unter Vollzeug. Es folgt die hektische Suche. Dann herrscht Gewissheit – am Reffsystem des Großsegels fehlt eine Leinenverbindung; dem Takt der See folgend, baumelt die Reffleine unter dem Baum. Der Fehler kann mit Bordmitteln behoben werden. Gerade noch mal gut gegangen.

Das gilt es zu vermeiden: Ein Schäkel hat sich unbeabsichtigt geöffnet.

Eigentlich sollte es aber gar nicht erst zu so einer Situation kommen. Zumal sie mit einer simplen Sicherung vermeidbar wäre. Dennoch sind auf den meisten Segelyachten kaum Schäkel gegen ein unbeabsichtigtes Öffnen gesichert. Auf Langfahrtyachten sieht das schon anders aus. Vielen Blauwasserseglern ist bewusst, was es bedeuten kann, wenn ein Schäkel aufgeht. Es kann gravierende, gegebenenfalls lebensbedrohliche Folgen für Schiff und Crew haben.

Insbesondere auf einer Langfahrt finden vergleichsweise viele rhythmische Bewegungen (Seegang) oder auch langwieriges Motoren mit konstanten Vibrationen statt. Das alles sind Faktoren, die ein unbeabsichtigtes Öffnen eines Schäkels begünstigen – er rüttelt sich langsam los/auf.

Dieser Schäkel am Unterliekstrecker wurde gegen unbeabsichtigtes Öffnen gesichert.

Abhilfe ist schnell geschaffen. Es reicht, alle Schäkel mit einem passenden Kabelbinder oder Draht zu sichern. Damit kann sich der Bolzen nicht von alleine lösen. Die meisten Segler bevorzugen Kabelbinder, da sie schnell montiert und wieder entfernt werden können. Sie sollten dann allerdings seewasserbeständig und UV-resistent sein.

Kabelbinder sollten UV-beständig sein. Dieser hier ist gebrochen.

Wer es umweltfreundlicher mag, kann Draht verwenden. Vorzugsweise solchen, der nicht rostet. Mit ihm kann der Bolzen genauso wie mit einem Kabelbinder fixiert werden. Einfach die Enden verzwirbeln.

In diesem Sinne: Mast- und Schotbruch 😊

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Segeln/Chartern in den Kykladen – Inselhopping auf Ios, Mykonos, Naxos, Paros, Santorin und mehr.

Die griechischen Inseln der Kykladen können eine windige Angelegenheit sein

Schneeweiße Häuser, blaue Kuppeln und leuchtende, kleine Kapellen. Karge Hügel, bizarre Felsen und Blau, soweit das Auge reicht. Wer in den Gewässern der Kykladen segelt, weiß, was ihn erwartet. Der kennt die postkartenschönen Motive, die strahlend-weißen Windmühlen von Mykonos, den mächtigen, in der Abendsonne rötlich-schimmernden Krater von Santorin und die altertümlichen Säulen von Delos.

Der rötlich-schimmernden Krater von Santorin

Und: Wer in den Gewässern der Kykladen segelt, weiß hoffentlich auch um die Tatsache, dass ein Törn in der Südägäis mitunter rauer sein kann als eine Segelreise auf der Nordsee. Aber das sollte nicht abschrecken. Denn wer eine ordentliche Brise nicht scheut, kann hier zauberhafte Ecken entdecken. Der kann fernab der ausgetretenen Tourismus-Pfade einsame Buchten ansteuern, seine Yacht zwischen den einheimischen Fischerbooten vertäuen und urgriechisches Leben erleben.

In den griechischen Häfen geht es meist entspannt und authentisch zu.

Rund 50 Inseln liegen im Kreis um die einst heilige Insel Delos

Ungefähr 50 Inseln stehen bei einem Törn durch die Kykladen zur Auswahl, die wie ein Kreis – ein Kyklos – um die einst heilige Insel Delos liegen. Die bekanntesten und beliebtesten sind Mykonos, Paros, Naxos und Santorin.

Heilige Insel Delos

Zu den schönsten und weniger bekannten Inseln rund um Delos zählen die noch ursprünglichen Inseln Kea, Sifnos, Sikinos und die nördlichen Kykladen-Inseln Andros und Tinos. Doch welche Inseln, Häfen und Buchten auf einem Kykladen-Törn angesteuert werden, bestimmt meist in erster Linie der Meltemi.

Tipp: Von Athen oder dem ein wenig südlicher gelegenen Yachthafen Lavrion ausgehend, sollte man planen, über die nördlichen Kykladen-Inseln gen Osten zu segeln, um dann über die südlichen und westlichen zurückzukehren.

Kithnos ist ein idealer Zwischenstopp, vor allem bei viel Wind

In jedem Fall bietet sich auf der Insel Kithnos ein erster Zwischenstopp an, bei Ostwind in der Ankerbucht Ormos Kolona. Hinter einer sanften Sandbarre liegt eine schmale, langgestreckte, nach Westen offene Bucht, in der man in völlig unberührter Natur ankern kann. Und in der man sogar bei sieben Windstärken und mehr wie in Abrahams Schoß liegt – es sei denn, der Wind dreht. „Aber dass starker Ostwind über Nacht auf Westwind dreht, habe ich noch nie erlebt!”, meint der amerikanische Skipper der FETICH – und ignorierte die Wettervorhersage, die darauf bestand.

Tavernen und Sonnenuntergänge gibt es nicht nur auf Kithos.

Als er die Bucht am kommenden Morgen gegen Wind von sechs, in Böen acht Beaufort und Wellen von zwei Meter Höhe verlassen muss, bereut er, dass er es nicht schon Stunden zuvor getan hat. „So etwas habe ich noch nie erlebt”, wundert sich der erfahrene Mittfünfziger über die griechischen Wetterverhältnisse im Mai. Ebenso wie zwei deutsche Ehepaare aus Düsseldorf und Kassel, die schon seit zweieinhalb Wochen im Inselmeer der Kykladen unterwegs sind und jeden Tag mehr Wind hatten, als ihnen lieb war.

So schön ruhiges Wasser wie hier im Krater bei Santorin gibt es selten.

Prächtig und einst sehr wichtig: Syros

Wer auf Syros festmacht, staunt nicht schlecht. Da stehen klassizistische Prachtbauten statt kleiner Kubus-Häuser, da fühlt man sich eher an München erinnert als an Mykonos. Um 1820 war das Kykladen-Städtchen so wichtig wie Athen und verfügte über den bedeutsamsten Hafen ganz Griechenlands. Doch außer der prächtigen Oper (einer Kopie der Mailänder Skala), eleganten Villen und einem Platz aus reinstem Marmor ist nicht viel geblieben, das Leben spielt sich heute eher woanders ab.

Syros

Mykonos – Highlight mit weiß getünchten Häusern

Beispielsweise auf einer der bekanntesten Kykladen-Inseln: auf Mykonos. In der Bucht ganz im Süden der Insel etwa, in Ormos Ornos. Wo Bambussonnenschirme am Sandstrand Schutz vor der Sonne bieten und die Berge drum herum vor dem Wind. Hier könnte man bleiben, würde nicht die Chora – Mykonos-Stadt – mit ihren weiß getünchten Häusern und den verwinkelten Gassen, mit den kleinen Kirchen und mit dem Wahrzeichen der Insel, dem Pelikanpaar, locken.

Hier könnte man bleiben: Ormos Ornos auf Mykonos.

Einziger Wermutstropfen: Die Marina liegt zweieinhalb Kilometer entfernt vom schmucken Städtchen und allem Sehenswerten. Dafür kann man im Hafen in der Tourlos-Bucht sicher und fest vertäut liegen – und von hier aus Mykonos-Stadt besuchen, zum Beispiel mit einem Motorroller (Mietstation im Hafen) oder mit dem Bus.

Mykonos gehört zu Recht mit zu den Sehnsuchtszielen der Kykladen.

Einst Geheimtipp, heute Kultinsel: Paros

Paros. Anfang der 70er Jahre war die Insel noch ein Geheimtipp unter Rucksackreisenden, heutzutage liegt Paros auf der Route eines jeden Kykladen-Reisenden. Kein Wunder: Schließlich zählen Parikia, der Hauptort, und Naoussa, der Bilderbuchhafen im Norden, zu den schönsten Kykladen-Siedlungen überhaupt. Und an jeder Inselecke verzaubern schöne, kleine Strände.

Segler zieht es zumeist in den Schatten der würfelförmigen, blendend-weißen Häuser von Parikia (vorausgesetzt, sie sind erfolgreich an den zahlreichen Riffen und Felsen vor der Bucht Ormos Parikia vorbeigefahren!).

Bildhübsch und lebendig: Naoussa auf Paros

Oder sie segeln nach Naoussa, in die Bucht ganz im Norden, wo bunte Fischerboote im Hafenbecken wippen und sich dahinter ein Ort erstreckt, der typischer nicht sein könnte. Weiß mit ein paar blauen Tupfen, mit roten Kirchendächern und urigen kleinen Tavernen. Und mit einer Bucht vor der Tür, die in jeder Ecke geschützte Ankerplätze versteckt hält. Den schönsten vielleicht ganz im Norden der Ormos Ay Ioannou, im Schatten des kleinen Klosters und in Dingi-Entfernung zu einem wunderschönen Strand.

Naxos: schöne Strände, malerische Städtchen

Naxos ist anders, stiller, weniger herausgeputzt, griechischer. Staubige Schotterpisten schlängeln sich durch ein Dickicht aus Mohn und Tamarisken, Zitronen wuchern bis an die Küste. Der Boden ist so fruchtbar, dass im hügeligen Inselinneren Kartoffeln, Gemüse, Obst und Wein im Überfluss gedeihen. Und Naxos-Stadt ist so malerisch, dass die Entscheidung Tag für Tag schwerfällt, ob man sich lieber in den schmalen Gassen herumdrücken und die Türme, Stadttore und das uralte Kastro bewundern sollte. Oder ob man nicht doch lieber schnurstracks einen der schönen Strände ansteuern sollte, etwa den wilden und ursprünglichen Plaka-Strand. Auf Naxos könnte man Tage bleiben. Würde da nicht die nächste Insel warten.

Naxos: stiller, weniger herausgeputzt, griechischer!

Partyinsel Ios: am Tage verschlafen, am Abend eine einzige Freiluftdisco

Ios. Legt man am Tag an, wirkt die Insel ein bisschen wie Dithmarschen am Wochenende. Der Hauptort Chora ist ein verschlafenes Dörfchen, die Gassen sind leergefegt, die Fensterläden zugeklappt. Spätnachmittags schlurfen ein paar Alte zwischen den weißen Kubus-Häuschen, den Kapellen und Kirchen umher, und hin und wieder sieht man Urlauber träge an ihrem griechischen Kaffee nippen. Aber plötzlich, ungefähr gegen Sonnenuntergang, schält sich ein überraschendes Bild aus der Dämmerung. Dann flackern Neon-Schilder auf, Tische werden rausgeschleppt, aus den Bars dröhnt Musik. Und das Bilderbuchstädtchen oben auf dem Hügel verwandelt sich in eine einzige Freiluftdisco.

Am Abend erwacht Ios.

Santorin: wunderschön, aber für Segler eine Herausforderung

Verschwindet die Party-Insel Ios dann irgendwann im Kielwasser, dauert es nicht mehr lange, bis sich langsam die gewaltigen, rot-schimmernden Kraterwände aus dem milchigen Dunst erheben, an denen sich hoch oben schneeweiße Häuserwürfel festklammern. Dann ist einer der Hot Spots der Kykladen-Welt in Sicht: Santorin.

Hot Spot der Kykladen-Welt: Santorin

Aber so schön das berühmte Eiland auch ist, so schwer macht es Seglern das Festmachen oder Ankern, denn irgendwie bleibt jede der möglichen Alternativen ein wenig unbefriedigend. In Skala Thira, dem kleinen Hafen unterhalb des Hauptortes Thira, liegen zwar ein paar wenige Mooringtonnen aus, doch sind die Liegeplätze nicht so sicher, dass man sein Schiff unbeaufsichtigt zurücklassen möchte. Bei Oia liegen im „Kratersee“ auch noch ein paar Muringbojen unterhalb der Ortschaft, aber es ist Glückssache, ob eine frei ist.

Oia auf Santorin am Abend

Im Yachthafen am Südkap von Santorin liegt man zwar sicher, aber weit ab vom Schuss. Bleibt zu guter Letzt vielleicht noch die Möglichkeit, auf der Ostseite der gegenüberliegenden kleinen Insel Thirasia festzumachen, von der es einen Shuttle-Service nach Santorin gibt. Und von der man den postkartenschönsten Blick auf Santorin bei Sonnenuntergang hat.

Hier lässt es sich aushalten. Auf zum Abendessen auf Santorin.

Fazit: Es gibt viele Gründe fürs Wiederkommen

Auf der Rückreise zur griechischen Festlandsküste liegen noch ein paar der unbekannteren Inseln auf dem Weg. Folégandros beispielsweise, eine der kleinsten Kykladen-Inseln mit grandiosen senkrechten Felsabstürzen und dem malerischen Ort Chóra. Sifnos, ein ehemaliger Geheimtipp unter Seglerinnen und Seglern, wo seit der Antike die unterschiedlichsten Gefäße getöpfert werden und man schon seit Menschengedenken kleine kulinarische Köstlichkeiten zaubert: revíthokeftédes etwa, vegetarische Bällchen.

Natürlich gibt es auf den griechischen Speisekarten auch viel Fisch.

Wie gesagt, rund 50 Inseln zählen zur Inselwelt der Kykladen, rund die Hälfte davon ist bewohnt. Man kann sich also damit trösten, ohnehin nicht alles gesehen zu haben. Und wiederkommen zu müssen. Etwa, um dann einmal Amorgos und die kleinen Ostkykladen anzusteuern, wo Ende der achtziger Jahre der Kinofilm „Im Rausch der Tiefe“ gedreht wurde. Oder um sich vielleicht das grüne Andros, das heilige Tinos und das schroffe Kea vorzunehmen. Oder schlicht, um zu sehen, welches Wetter Poseidon beim nächsten Mal für einen bereithält.

Tipp: Ausführliche Revier-Informationen für einen entspannten Segeltörn in den Kykladen – inklusive eines Routenvorschlags von Griechenland-Experte Michael Amme – findest du hier.

Eine Segelyacht auf den Kykladen chartern

Die größten Charterflotten, um das Revier der Kykladen zu erreichen, liegen in Athen, die meisten davon in der Kalamaki Marina. Eine Tagesetappe näher dran ist der Ausgangshafen Lavrion, in dem immer mehr Flottenbetreiber ihre Yachten stationieren. Es ist aber auch eine Option, das Revier von Osten aus anzusteuern. Gerade zur Meltemi-Zeit erspart einem das den Gegenwindkurs zurück nach Athen. Auf der Insel Kos gibt dafür das passende Charterangebot.

Auf den Kykladeninseln selbst ist das Charterangebot knapp, es gibt eine Basis auf Mykonos und Paros. Doch die Flugverbindungen dahin sind unstet und man muss gegebenenfalls mit der Fähre von Athen aus anreisen.

Mittagessen auf Santorin mit Ausblick über die weitläufige Bucht

Diese Charter-Agenturen helfen dir, eine Yacht zu finden

Für eine deutschsprachige Beratung und die zuverlässige Buchung von Charteryachten für einen Törn durch die Kykladen bei bewährten Anbietern können diese Firmen behilflich sein:

Ausführliche Informationen zum Revier

Revier-Info Griechenland: Segeln/Chartern in den Kykladen

Mit einer Yacht durch die Inselwelt der griechischen Kykladen zu segeln ist ein Highlight. Welche sehenswerten Ziele auf dem Weg liegen und was dabei beachtet werden muss, verrät dieser kompakte Revier-Überblick.

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Erfahrungsbericht einer Achtjährigen: Ein Jahr Segelabenteuer um den Atlantik

Im Juli 2014 stachen die damals siebenjährige Neele, ihre Eltern und ihre zwei Brüder in See – ein Jahr lang wollten sie auf einem Segelschiff die Welt erkunden. Wie es zu dieser Entscheidung kam, mit welchen gemischten Gefühlen die Familie kämpfen musste und wie der Familienalltag auf dem Wasser aussah, davon erzählt Neele in diesem persönlichen Erfahrungsbericht.

Meine Familie und ich an Bord unserer ANNE

Die Wunschvorstellung: ein einjähriger Segeltörn in die Karibik

„Was haltet Ihr davon, ein Jahr lang auf einem Segelschiff zu leben?“ Die Frage unserer Eltern kam völlig unerwartet. Sie hatten seit einiger Zeit einen Segelschein, und wir hatten alle zusammen auch schon einen kurzen Segelurlaub gemacht. Mama und Papa waren völlig fasziniert vom Blauwassersegeln – aber dass sie diese Leidenschaft wirklich ausleben wollten, davon war bislang nie die Rede gewesen.

Es lag wohl an einem Buch, das meine Mutter kürzlich gelesen hatte. Darin ging es um eine Familie, die mit einem Segelschiff bis in die Karibik und wieder zurück gesegelt war. Meine Mutter begann zu träumen, zeigte das Buch meinem Vater und träumte mit ihm gemeinsam. Und nun fragten sie uns also, ob wir uns vorstellen könnten, gleich ein Jahr lang auf einem Segelschiff zu leben.

Auf zu neuen Ufern – ich war unsicher, ob das gut wird

Wir – das sind meine Eltern, meine beiden Brüder und ich. Mein älterer Bruder Lasse war am dem Tag gerade neun, mein jüngerer Bruder Torge fünf und ich selbst sieben Jahre alt. Die Jungs fanden, das war eine tolle Idee: weniger Schule, mehr Abenteuer. Ich hingegen war ziemlich unsicher und fand die Idee nicht ganz so gut. Würde ich meine Freundinnen, meine Familie und alle Menschen, die mir sonst noch wichtig waren, nicht fürchterlich vermissen? Was würde aus Aimo, unserem Hund, werden und aus meinen griechischen Landschildkröten, Asoka und Padme?

Eigentlich wollte ich, dass alles so blieb wie es war. Aber mir war auch klar, dass man nur selten die Gelegenheit hat, auf der halben Erdkugel mit einem Segelschiff unterwegs zu sein … Doch selbst die Argumente meiner Eltern wie „In der Karibik kannst du sogar mit Schildkröten schwimmen“, vermochten mich nicht zu überzeugen.

Meine Geschwister und ich auf den Azoren

Die Entscheidung: eine Familienangelegenheit

Mama und Papa wollten ihren Traum nicht so schnell aufgeben und sprachen immer wieder davon. Aber sie wollten mich auch nicht zu dieser Reise zwingen. Ich bat sie darum, in Ruhe darüber nachdenken zu dürfen. Meine Eltern gaben mir diese Möglichkeit und erwähnten ihren Traum solange nicht mehr. Endlich wurde ich ernstgenommen.

Eine Woche lang dachte ich intensiv über alles nach: über das Boot und darüber, was eine einjährige Auszeit für meine Freundschaften bedeuten würde. Vor allem aber musste ich auch daran denken, dass alle anderen von der Idee so begeistert waren. Dann nahm ich all meinen Mut zusammen: „Mama, Papa, wenn die Reise euer allergrößter Traum ist, dann komme ich mit.“. Meine Eltern hätten wohl am liebsten Luftsprünge gemacht. Eine Bedingung aber hatte ich: eine Erinnerung an meine Freunde im Bordgepäck.

Die Vorbereitungen: eine passende Segelyacht finden

Gleich am nächsten Tag begann unsere Suche nach einem Schiff. Wir schauten uns ein paar Boote an und stellten schnell fest, dass es schwer ist, eines zu finden, das allen Anforderungen entspricht. Wir wünschten uns zum Beispiel einen absenkbaren Esstisch (Tipp aus einem der unzähligen Segelbücher meiner Mutter) und natürlich ausreichend Stauraum für eine fünfköpfige Familie.

Endlich hatten wir eines Tages unser Traumboot gefunden – ein Schiff, das selbst uns Kindern gefiel. Dennoch kauften meine Eltern es nicht gleich, sondern wir überlegten erst einmal: Ist dies wirklich das Boot, das wir suchen? Ein Boot, auf dem wir ein Jahr leben wollen? Unser Zögern erwies sich als großer Fehler: Ein anderer Interessent war entscheidungsfreudiger und schnappte uns das Boot vor der Nase weg. Sehr enttäuscht mussten wir nach einem neuen Gefährt Ausschau halten.

Unsere ANNE – eine Beneteau 423

Beim nächsten Mal waren wir schlauer. Wir besichtigten ein Boot, bei dem alles passte,sogar ein Hochbett hatte es – sehr zur Freude von uns Kindern. Es war genau DAS Boot, das wir suchten. Dieses Mal überlegten wir nicht lange, und meine Eltern kauften es sofort.

Jetzt fing die Planung der Reise erst so richtig an. Wir fuhren mehrmals nach Heiligenhafen, um unser Boot zu putzen. Es hieß NOORDZEE, und weil der Name unsnicht gefiel, tauften wir es in ANNE um. Doch es gab für die Reise noch weitaus mehr zu tun, als die ANNE auf Vordermann zu bringen. Zum Beispiel mussten der Schulalltag und das Leben an Bord geplant werden. Ein halbes Jahr brauchten wir, um die Reise vorzubereiten.

Schule an Bord

Die Abfahrt: auf in ein Segelabenteuer

Am 3. Juli 2014 sollte es dann endlich losgehen. Die ANNE lag bereits im Hamburger Hafen. Meine Eltern verstauten die letzten Sachen und dann verabschiedeten wir uns von einer Familie, die uns zum Boot begleitet hatte und uns versprach, uns während der Reise zu besuchen. Wir stiegen auf das Boot, legten ab und segelten los, den Wind im Rücken und begleitet von befreundeten Schiffen – und stürzten uns in ein fantastisches Abenteuer.

Es war gar nicht so anstrengend, wie ich es mir vorgestellt hatte, mit einer tagelangen Fahrt und furchtbaren Stürmen. Nein, wir fuhren nur Tagestörns und wir Kinder schliefen nachts im Bauch der ANNE. Vor meinem Geburtstag, dem 15. Juli, durfte ich selbst entscheiden, ob ich ihn an Land oder auf dem Meer feiern wollte. Ich entschied mich dafür, durch die Nacht zu segeln, damit wir dann am Geburtstagsmorgen im Hafen ankommen konnten. „Aye, aye, Kapitän!“, sagte meine Mutter zum Spaß. Und so liefen wir am nächsten Morgen in den ersten französischen Hafen, Cherbourg, ein.

Ein fliegender Fisch ist an Bord gelandet

Halbzeit: Zwischenstopp auf Martinique

Nach einem halben Jahr, also im Dezember, hatten wir bereits den Atlantik innerhalb von 23 Tagen überquert und waren in der Karibik angekommen – um genau zu sein, auf einer französischen Insel namens Martinique. Nur waren wir leider eine Woche später auf der anderen Seite des Atlantiks angelangt als die anderen Teilnehmer der Atlantic Odyssey Ralley von Jimmy Cornell und darüber sehr enttäuscht. Mein Papa hatte gesehen, dass ein Sturm aufziehen sollte, deshalb waren wir vorsichtshalber eine Woche später von den Kanarischen Inseln losgesegelt.

Der Tag, an dem wir ankamen, aber war ein ganz besonderer. „Mama, Papa, Land in Sicht, da ist Martinique“, sagte ich. Ich schaute durch das Fernglas und zeigte auf den kleinen grünen Punkt am Horizont. Da meldete sich unser Funkgerät zu Wort: „ANNE, ANNE für VIDA, bitte kommen!“. Eine kurze Pause und dann kam es wieder: „ANNE, ANNE für VIDA, bitte kommen!“. Jetzt nahm mein Vater das Gerät in die Hand und sprach: „Hallo VIDA, schön, dass Ihr noch da seid“. Angelika, eine Freundin unserer Familie, antwortete: „Wir sehen euch auf dem Bildschirm. Wir sind alle an eurem Anlegeplatz und nehmen eure Leinen an, denn der Hafen ist ziemlich voll.“ Noch zwei Stunden würde es dauern, um den Hafen zu erreichen, also machten wir schnell Schularbeiten und räumten das Boot ein wenig auf – Bordalltag!

Bordalltag – alle fassen mit an

Als wir in den Hafen einliefen, stand jeder auf seiner Position. Papa am Steuer, Mama an einer Leine und Lasse an einer anderen. Torge und ich hatten beide einen Fender in der Hand. Das Anlegen verlief wie immer problemlos – wir waren längst eine eingespielte Crew!

Die Highlights: Familienbesuche und Weihnachten an Bord

Noch ein paar Tage genossen wir zusammen mit der Gruppe aus der Segel-Rallye bei gemeinsamen Badeausflügen und feierten sogar einen Kindergeburtstag auf einem der Boote. Doch dann setzten wir unsere eigene Route fort. Mit an Bord: unser Opa, der inzwischen zu Besuch gekommen war.

Gemeinsam fuhren wir zum südlichsten Punkt unserer Reise, zur Insel Grenada. Am 24. Dezember wachten wir alle gemeinsam auf und erlebten einen Heilig Abend der etwas anderen Art: Wir segelten zum Tauchen in ein geschütztes Gebiet, in dem Wasserschildkröten lebten. Das Wasser war schön klar, so konnten wir die Schildkröten sehr gut beobachten. Am Abend aßen wir zur Feier des Tages Lobster.

Zusammen mit anderen Kindern der Rallye vor dem Start

Inselhopping: Tagestörns zu den Kleinen Antillen

Während der nächsten Monate fuhren wir immer nur kurze Tagestörns von einer Insel zur nächsten. Manchmal regnete es, aber meistens war es tagsüber angenehm warm. Jeden Morgen standen wir um sieben Uhr auf, frühstückten und machten dann Schularbeiten.

Morgens konnten wir uns besser konzentrieren, weil es noch nicht so warm und auf den anderen Booten noch nichts los war. Wenn es doch schon mal wärmer wurde und wir mit den Schularbeiten noch nicht fertig waren, gönnten wir uns eine kleine Badepause. Mit Taucherflossen, Tauchermaske und Schnorchel ausgestattet vergingen diese „großen Pausen“ wie im Flug.

So verbrachten wir die nächsten drei Monate in der Karibik, genauer gesagt, vor den Inseln der Kleinen Antillen. Mir gefielen eigentlich alle Inseln. Am spannendsten fand ich aber die einsamen und unbewohnten Inseln. Dort konnten wir Kinder ungestört spielen und das große Abenteuer in vollen Zügen genießen.

Schulpause: Mein Bruder Lasse beim Schnorcheln

Die Rückreise: über die Bahamas nach Hause

Doch wie bei jeder Reise mussten auch wir uns irgendwann auf den Rückweg machen. Es war schon April und wir wollten im September wieder in unserem „alten“ Leben ankommen. Also hieß es: Auf geht es zu den Bahamas!

Auf der Insel Great Exuma bekamen wir erneut Besuch: dieses Mal von meinem Onkel, meiner Cousine und meinem Cousin. Zusammen verbrachten wir 14 Tage auf den Bahamas. Weil es auf dem Schiff etwas eng wurde, waren wir oft am Land und unternahmen viele Ausflüge. Dabei haben wir schwimmende Hausschweine, Riffhaie und Leguane gesehen. So viel erlebten wir, dass uns die Zeit auf den Bahamas vorkam wie eine Ewigkeit, genauso wie bereits die ganze bisherige Reise.

Ich fahre gerne mit dem SUP am Ankerplatz

Dann aber begann er schließlich doch, der lange Rückweg bis nach Hause: Erneut ging es einmal über den Atlantik, mit Zwischenstopps auf Bermuda und den Azoren. Der Rückweg war leider nicht so ruhig wie der Hinweg. Es war ziemlich holprig und wir hatten hohe Wellen. Zudem wurde das Wetter immer ungemütlicher. Morgens war es so kalt, dass wir unsere Socken und die langen Hosen herausholen mussten. Wir wollten nur noch eins: Endlich ankommen.

Von den Azoren fuhren wir wieder nach Nordspanien in eine Stadt namens La Coruna. Wir hatten den Nordatlantik einmal komplett umsegelt und kreuzten nun genau nach einem Jahr zum ersten Mal unser Kielwasser.

Ausguck aus dem Mast

Von La Coruna aus segelten wir anschließend erneut über die Biskaya und schließlich wieder in den Hafen Cherbourg – genau am Tag vor meinem Geburtstag Der 14. Juli ist der Nationalfeiertag der Franzosen und es gab ein großes Feuerwerk. So konnte ich zum zweiten Mal meinen Geburtstag auf dem Schiff feiern.

Mein Bruder hat Spaß!

Die Ankunft: ein Abenteuer geht zu Ende

Am Mittag machten wir uns auf den restlichen Weg bis nach Hause. Und dann endlich, am 1. August 2015, kamen wir im Hamburger Hafen an. Unsere Freunde empfingen uns bei sonnigem Wetter. Meine beste Freundin war auch da, doch ich habe sie im ersten Moment gar nicht erkannt, denn auch sie hatte sich verändert. Und so schlossen wir unsere Reise glücklich und erfolgreich ab.

Unsere schöne Zeit geht zu Ende

Im Nachhinein finde ich die Idee vom Segeltörn also doch ganz gut, denn ich habe viel gelernt, viel erlebt und viel gesehen! 😊

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Törnbericht Biskaya: Von den Azoren nach Brest – ein Segeltörn für Hartgesottene?

Dauergäste auf diesem Segeltörn: Delfine

Manchmal sieht man sie nur ganz kurz: Ein glatter, schwarzer Rücken hebt sich aus dem Wasser, dann zeigt sich die Flosse, kurz darauf verschwindet sie wieder im tiefblauen Meer. Ein anderes Mal begleiten uns mehrere Delfine eine Viertelstunde oder länger. Sie gleiten am Schiff vorbei, lassen sich zurückfallen, verschwinden in der Tiefe und tauchen wenig später wieder auf. Scheinbar mühelos können sie die neun Knoten Geschwindigkeit unserer X482 mithalten.

Delfine sind Dauergäste auf der Überfahrt.

Wir sind unterwegs von den Azoren nach Brest, um unsere Segelyacht JOSEPHINA, eine 15 Meter lange X-482, zu überführen. Wir – das sind wir vier: Tine ist Grundschullehrerin und segelt seit ihrer Jugend, sie hat lange Törns auf der THOR HEYERDAHL und der FRIDTJOF NANSEN mitgesegelt und arbeitet als Skipperin in Kiel. Tobi ist von Beruf Landschaftsgärtner und ebenfalls seit Jahren auf dem Wasser unterwegs, meistens in Holland. Mit Schiffsführer Joachim bin ich bereits im vergangenen Jahr zusammen von Estland aus hinüber in die finnischen Schären gesegelt. Drei Erfahrene und ich, der noch die eine oder andere Erfahrung sammeln muss.

Am Steg in Camret sur Mer: unsere Segelyacht JOSEPHINA, eine X-482.

Von Horta aus geht es immer Kurs Ost

Vor einigen Tagen sind wir in Horta gestartet, seitdem segeln wir immer Kurs Ost. Wir haben das Groß im zweiten Reff und die Fock auf ein Drittel eingerollt, trotzdem bringen uns die 33 Knoten Wind aus Südwest schnell und stetig voran: Die Etmale liegen um die 200 Seemeilen.

Unsere einzige Aufgabe: Wir müssen das Schiff auf Kurs halten

Unser Leben an Bord wird von den Wachen bestimmt, von zwei langen Wachen tagsüber (6 bis 12 Uhr und 12 bis 18 Uhr), die ich als weniger anstrengend empfinde, und von den Nachtwachen – dazu später. Rundherum eine sich ständig verändernde Kulisse: „Dass es so viele Grautöne gibt …“, denke ich. Die Wellenberge und -täler rollen heran und verschwinden unter unserem Kiel, und eigentlich besteht unsere einzige Aufgabe darin, das Schiff auf Kurs zu halten.

Schönes Segeln. Am Ruder wird stündlich gewechselt.

Wir wechseln stündlich am Ruder, doch die Krängung erfordert eine sehr ungewöhnliche Körperhaltung hinter dem Steuerrad. Wir müssen sie nach kurzer Zeit immer wieder korrigieren, sonst schläft das eine Bein ein oder die Schulter beginnt zu stechen. Und ist einer von uns mal einen Moment unaufmerksam, braucht er gar nicht auf den Kompass zu schauen – der Wind „klingt“ plötzlich anders in den Segeln und jeder weiß sofort: Dieser Kurs stimmt nicht!

Von Horta aus geht es immer nach Osten. Weiter und weiter …

Besser als gar kein Kaffee: Krümel-Kaffee

Wir gehen immer zu zweit Wache, daher kann sich die Person, die gerade nicht am Ruder steht, auch um andere Dinge kümmern: Sie kann Verpflegung organisieren oder die notwendigen Logbucheinträge erledigen. Und sie kann Krümel-Kaffee kochen, den eigentlich niemand so richtig mag, der aber, wenn die Filtertüte mit dem Kaffeepulver das zweite Mal durch die Kombüse geflogen ist, die einzige Alternative bleibt.

Besonders wichtig auf so einem Törn: aktuelle Wetterinformationen

Rückblick: Bei der Planung und Vorbereitung der Überführung stand immer wieder die Frage nach dem Wetter im Mittelpunkt. Anfang April ist das Azoren-Hoch noch nicht so stabil wie im Mai, daher ist es wichtig, das richtige Wetterfenster zu erwischen. Wir entschlossen uns daher, eine Beratung von Meeno Schraders Firma WetterWelt in Kiel in Anspruch zu nehmen.

Besonders wichtig: aktuelle Wetterinformationen!

Um tatsächlich jeden Tag aktuelle Informationen erhalten zu können, musste auch noch für die entsprechende Infrastruktur gesorgt werden. Wir entschieden uns für ein Panasonic Toughbook sowie für ein Iridium Satellitentelefon. Auf dem Rechner (mit 12-Volt-Netzteil) installierten wir die Seaman Pro-Software und das Programm Onsatmail. Um ein Backup für die Navigation zu haben, lief auf dem Toughbook noch die NV-Chart-App mit den Atlantikkarten 1 bis 3. Über das Iridium-Telefon schickten wir jeden Tag unsere Position an WetterWelt und bekamen per Mail die entsprechenden Informationen. Die ausgewerteten Wettermodelle waren stets aktuell und entsprachen fast auf die Stunde genau der Wetterentwicklung. Zusätzlich luden wir noch die täglich aktualisierten GRIB-Daten in den Seaman Pro (Kartendarstellung).

Ein durchziehendes Tief in der Biskaya macht einen Strich durch die Rechnung!

Die Biskaya ist bekannt für schweres Wetter

Unser ursprünglicher Plan lautete, nonstop von Horta nach Brest zu segeln, doch nun macht uns ein durchziehendes Tief in der Biskaya einen Strich durch die Rechnung. Das ist hier keine Seltenheit: Das Seerevier der Biskaya – vor der französischen Westküste und der spanischen Nordküste gelegen – ist berüchtigt und bekannt für seine schweren Verhältnisse, für seine Stürme und für hohe Wellen. Zum Glück werden wir rechtzeitig über die bevorstehende Wetteränderung informiert, unsere Wetterberater machen uns einen anderen Vorschlag: Wir sollen La Coruna in Spanien ansteuern.

La Coruna bleibt im Kielwasser achteraus.

So anstrengend wie schön: die Nachtfahrten

Es wird wieder Nacht, und in den Nächten dauert jede Wache vier Stunden lang. Besonders in diesen Wachen wird klar, was eine Windsteueranlage wert wäre, wenn sie denn vorhanden wäre – gerade bei kleiner Crew. Es gibt zwar einen Autopiloten an Bord, doch den können wir nur einsetzen, wenn die Maschine läuft.

Dennoch sind die Nachtwachen schön: Es gibt helle Nächte mit einem herrlichen Sternenhimmel und Nächte, in denen es so finster ist, dass schon der Bug des Bootes von einer schwarzen Wand verschluckt wird. Das ist vor allem dann beklemmend, wenn wir mit hoher Geschwindigkeit in so ein „schwarzes Loch“ hineindonnern. Dann ist die See voraus nicht zu sehen und die Wellen sind erst zu spüren, wenn sie gegen unseren Bug krachen. Auch seitlich kommt die Gischt nachts aus dem Nichts.

Geschafft! Nach einer Nachfahrt geht wieder die Sonne auf.

Im Plotter wimmelt es von AIS-Signalen

Inzwischen macht sich die lange Zeit auf See bemerkbar: Wir sind müde, die Körperpflege beschränkt sich auf eine morgendliche Katzenwäsche. Und die Gerichte, die in der Kombüse gekocht werden, sind nur noch einfachster Natur. Meist gibt es Nudeln, Reis oder Kartoffeln, dazu Gemüse, Cornedbeef oder Ei.

Ich habe das Gefühl, dass Hunger und die Lust zu kochen proportional zu Belastung und Müdigkeit abnehmen!

Mehr als vier Tage liegen hinter uns, als wir auf die Costa de la Muerte zusteuern und das Verkehrstrennungsgebiet Finisterre queren. Wir peilen den rechten Winkel zur Querung an und versuchen, die 23 Seemeilen möglichst schnell hinter uns zu bringen. Im Plotter wimmelt es von AIS-Signalen und zu allem Überfluss wird der Nebel immer dichter. Es wirkt gespenstisch, dass da so viele große Pötte unterwegs sein sollen – wir aber keinen zu Gesicht bekommen. Als die Nacht hereinbricht, steuern wir die spanische Küste hoch Richtung La Coruña, die Hundewache (2 bis 6 Uhr) sieht schon die Leuchtfeuer. Um 9 Uhr machen wir nach fünfeinhalb Tagen und knapp 1.000 Meilen im Hafen von La Coruña fest.

Der Herkulesturm in La Coruna

La Coruña – Galiziens schöne Hafenstadt

La Coruña – die schöne Hafenstadt Galiciens, die mit dem Herkulesturm aus dem 2. Jahrhundert auftrumpft, dem ältesten noch intakten und in Betrieb stehenden Leuchtturm der Welt. Es ist Sonntagabend, in der Altstadt von La Coruña wird die Fastenwoche vor Ostern eröffnet. So erleben wir, wie tonnenschwere Heiligenfiguren auf vielen Schultern durch die engen Gässchen der Altstadt geschleppt werden und Kinder Heiligenbildchen verteilen. Vielleicht kann etwas Heiligenschutz auf dem Weg über die Biskaya ja nicht schaden?

Über die Biskaya – das berühmt-berüchtigte Seegebiet

La Coruña – Brest. Der Wind weht stetig, es gibt kaum Welle. In der Rückschau in Brest werde ich denken, dass dieses der schönste Tag auf unserem Törn gewesen ist – mit einem hellen und klaren Nachmittag und einer sternenklaren Nacht. Doch für den zweiten Tag unserer Biskaya-Überquerung hatte der Wetterbericht einen zunehmenden Wind auf um die 30 Knoten vorhergesagt. Keine Böen.

Das Wetter auf der Biskaya ist leider rau …

Nun nimmt der Wind zu. Uns treiben 33, 34 Knoten voran, in Böen 42 Knoten. Wir nehmen die Fock ganz weg und laufen nur mit Groß im zweiten Reff weiter. Aber gegen 17:00 Uhr schlafen Wind und Welle wieder ein. So steuern wir ganz entspannt auf die französische Küste zu und legen am Abend in dem kleinen Fischerort Camaret-sur-Mer an. Die alte Kapelle über dem Hafen lässt nur erahnen, wie viele Gebete hier für eine gute Heimfahrt gesprochen wurden.

Das Segeln hat uns zur Crew zusammengeschweißt

Von hier aus sind es nur noch ein paar Seemeilen bis nach Brest. Dann wird Skipper Joachim die JOSEPHINA mit neuer Crew nach Kiel weitersegeln. Und ich werde zurückschauen auf einen Törn mit viel Wind, reichlich Welle und mit vielen Delfinen. Und auf Tage, in denen das Segeln eigentlich fremde Menschen zu einer tollen Crew zusammengeschweißt hat.

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Praxis-Tipp: Fallen/Leinen tauschen oder in den Mast einziehen

Mitunter eine Herausforderung: der Leinentausch

Wer kennt das nicht? An Bord muss eine Leine ausgetauscht werden. Bei einer Schot ist das in der Regel einfach, weil sie nicht versteckt läuft. Muss hingegen Tauwerk getauscht werden, das durch den Mast führt oder unter dem Deck durchgeleitet wird, wird es komplizierter. Vor allem auch, wenn die Leine um irgendwelche Blöcke oder Rollen geführt wird.

Beim Leinentausch gibt es einige Varianten, das neue Tauwerk dorthin zu bekommen, wo das alte ist. Grundsätzlich werden dabei die alte und neue Leine verbunden. Am einfachsten geht das mit Tape.

Leinentausch mit Tape-Verbindung

Die Fixierung von Leinen aneinander mit Tape hat allerdings den Nachteil, dass die Verbindung deutlich dicker wird als der Leinendurchmesser und zudem unflexibler ist. Damit läuft die Leinenverbindung nicht gut um die Rollen herum.

Nicht ideal – eine Tape-Verbindung

Auch ist die Tape-Verbindung nicht die stabilste. Bei zunehmender Masthöhe haben die Leinen ein recht hohes Eigengewicht und die Tape-Verbindung kann sich beim Einfädeln durch den Mast lösen. Das ist mehr als ärgerlich, wenn die alte Leine im Mast verschwindet und die neue noch nicht drin ist… Ein sehr lästiges Unterfangen, das dann zu lösen.

Wenn alles geklappt hat, muss man das Tape noch wieder von der Leine sauber abbekommen. Gelegentlich ist auch das mühsam.

Leinentausch mit Takelgarn

Alternativ wird daher eine Verbindung durch Takelgarn genutzt. Beide Leinen werden aneinandergenäht. Das hält gut, ist flexibel und meist nicht deutlich dicker als die Leine.

Alternative: die Verbindung mit Takelgarn

Aber es ist immer lästig, bei jedem Leinenwechsel die Enden wieder aneinander zu nähen. Insbesondere, wenn man für das Winterlager die Fallen vom Mast oder Boot entfernen möchte und damit regelmäßig die Leinen ein- und ausfädelt. Wenn man dann auch noch eine Hilfsleine dafür braucht, hat man die Arbeit gleich zweimal.

Abhilfe schafft da eine simple, aber effektive Lösung.

Leinengarn mit Takling und Schlaufe

Wir haben bei uns an Bord an den Fallen und Leinen, die etwas kniffelig einzufädeln oder auszutauschen sind, ans Ende jeweils eine Schlaufe genäht. Diese wird durch einen einfachen Takling gesichert.

An diese Schlaufe kann zum Entfernen der Leine, z.B. im Winterlager, einfach eine dünne Hilfsleine angeknotet werden. Die Leinen sind schnell verbunden und können problemlos durch enge Stellen gezogen werden. Bevor es im Sommer wieder ins Wasser geht, läuft das ganze Retour.

Wenn wir neue Fallen einziehen müssen, bekommt das neue Fall ebenfalls eine Schlaufe mit Takling. Die neue und die alte Leine können dann über ein dünnes Stück Takelgarn direkt miteinander verbunden werden. Ausnahme: Die Fallen haben einen Augspleiß. Dann geht der Leinenwechsel nur über eine Hilfsleine.

Zwei Leinen wurden mit dem Schlaufen-Takling verbunden.

Das Verbinden der Schlaufen geht am besten mit gewachstem Takelgarn. Das ist etwas klebrig, sodass die Knoten gut halten. Wer Sorge hat, dass sich was löst, kann diese Verbindung mit einem Tape zusätzlich sichern. Wir verzichten darauf inzwischen.

Die eingenähten Schlaufen samt Takling sind insgesamt so klein, dass sie im Alltag nicht stören, wenn sie am Ende der Leine verbleiben. Durch den Takling ist zudem die Naht, der Knoten und auch das Leinenende sauber gesichert. Unsere letzten Fallen haben wir gerade alle ausgetauscht. Die Schlaufen waren noch immer dran und hielten den Leinenwechsel problemlos durch.

Tipp: Die Leinen beim Verbinden nicht zu eng zusammenknoten. Es kann sonst schwierig sein, die Verbindung zu lösen, ohne die Schlaufen kaputt zu machen. Daher besser etwas
Abstand lassen.

Bei den Schlaufen genug Abstand zum Tauende lassen.

Eine Schlaufe herstellen in 3 Schritten

1) Durch das Tauwerksende drei circa 1–2 Zentimeter lange Schlaufen nähen. Dabei je nach Leinenende mindestens einen Zentimeter Abstand zum Ende halten.

2) Schlaufe nah am Tampen verknoten.

3) Einfachen Takling um das Tauwerkende legen und dabei den Knoten der Schlaufe mit einwickeln. Fertig ist das Leinenende.

Wer möchte, kann die Farben passend zur Leine wählen, dann fällt das Ganze noch nicht mal auf und auf das Design an Bord wurde auch noch geachtet. 🙂

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Segeln in Schottland: Törnbericht und Tipps für die Hebriden

Raus aus dem Kaledonischen Kanal – rein in den Archipel der Hebriden

Knarzend öffnet sich das über 100 Jahre alte Schleusentor von Corpach, die vom Regen schweren Festmacherleinen klatschen zurück an Deck. Die Segel gehen hoch, der Motor verstummt, heißer Morgenkaffee wird aus dem Niedergang ins Cockpit gereicht. Langsam ziehen die mit dichtem Grün überzogenen Bergketten vorüber, das Schiff treibt mehr, als dass es segelt. Plötzlich, bei der Meerenge Corran Narrows, kocht die See. Die VELDANA wird vom Ebbstrom erfasst und mit neun Knoten über Grund Richtung Atlantischer Ozean gespült.

Eine der letzten Schleusen vor dem Ziel der Reise: die Inseln der Hebriden.

Skipper Ulf grinst, das Kielwasser der 30 Tonnen schweren Hochseeyacht gurgelt. Endlich, nach dem ewigen Auf und Ab der 28 Schleusen des Kaledonischen Kanals, sind wir zurück in der offenen See. Voraus liegt die schottische Westküste und ihre Inselwelt mit so bekannten Namen wie Skye, Rum und Mull. Die eigentlichen Ziele der Reise aber heißen Uist, Barra, Lewis und Harris, abgelegene Inseln im Nordatlantik, besser bekannt unter ihrem gemeinsamen Namen: Äußere Hebriden.

Nach den Tagen im Kaledonischen Kanal endlich wieder Platz zum Segeln.

Die Inneren und die Äußeren Hebriden sind das Ziel der Reise

Die Chancen, das ambitionierte Törnziel zu erreichen, stehen nicht schlecht. An Bord sind wir eine Gruppe erfahrener Segler und die 20 Meter lange VELDANA eine hochsee-erprobte, klassische Blauwasseryacht. Grund zur Sorge besteht dennoch. Mit stoischer Ruhe lässt Ulf das Schiff ausschließlich segeln, egal ob mit einem oder mit zehn Knoten Geschwindigkeit. „Schön ist es hier ja überall“, findet er und überlässt die Törnplanung den Windverhältnissen.

Werden wir so das kniffelige Revier mit seinen starken Strömungen und schmalen Durchfahrten bezwingen können? Unser Ziel Äußere Hebriden auch unter widrigen Wetterbedingungen erreichen? Wir werden sehen.

Die Wetterbedingungen ändern sich ständig

Nachdem der Ebbstrom unsere Segelyacht vom nördlichen ins südliche Loch Linnhe gespült hat, reißt jetzt der Himmel auf. Der Wind nimmt zu. Kurze, spitze Wellen schmeißen sich gegen den Bug und schaufeln glitzernde Wasserfontänen über das Vorschiff.

Vorschiffsarbeit wie in alten Tagen

Die große Genua muss runter, die kleine Fock hoch, auf der VELDANA bedeutet das Vorschiffsarbeit wie früher: Segelsäcke schleppen, Stagreiter anschlagen, Fallen bedienen, schlagendes Segeltuch bändigen. Gelassen schlappt Ulf stilecht in gelber Öl-Latzhose und blauer Skippermütze übers Vordeck. Bis eine kräftige Bö das alte Tuch in zwei Teile teilt.

Oban ist ein Seglertreff mit Whiskey-Destillerie

Die Materialermüdung zwingt zum Stopp in Oban. Während der Segelmacher das schwere Vorsegel in seinen Van hievt, schlendern wir durch die hübsche Hafenstadt. Wir besuchen das Visitors Center der Oban Distillery und kraxeln hinauf zur kuriosen Nachbildung des römischen Kolosseums oberhalb der Stadt. Am Fährhafen serviert ein Fischerimbiss Burger mit Krebsfleisch und im Pub Oban Inn wird schon zur Mittagszeit getrunken, gelacht und gesungen.

In Oban ganz normale Straßenkleidung: der Schottenrock

„Leinen los um Dreizehnhundert“, verkündet Ulf am nächsten Morgen, soll heißen: Auslaufen um ein Uhr mittags. Dann nämlich setzt die Strömung durch den schmalen Sound of Mull in Fahrtrichtung. Ohne Tidenkalender und Strömungsatlas geht in schottischen Gewässern gar nichts, auch wenn extreme Strömungen mit fünf und mehr Knoten wie an den Corran Narrows eher die Ausnahme sind.

Die Strömungen im Revier machen eine sorgfältige Planung der Etappen notwendig.

Tobermory ist so hübsch, dass selbst Kreuzfahrer hier stoppen

„Hier sieht`s aus wie in Neuseeland“, findet Crewmitglied Trixi und meint die sattgrünen und hügeligen Landzungen und Bergrücken, die wie riesige Kuscheltiere im blaugrauen Wasser liegen. Mal bebaut mit einem Farmhaus, einem alten Castle oder einem Leuchtturm, mal bewohnt von ein paar struppigen Galloway-Rindern oder einer Herde Schafe. Ansonsten nur unbewohnte, pure Natur.

Entlang der stark zerklüfteten schottischen Westküste und ihrer vielen vorgelagerten Inseln segelt man meist dicht unter Land. Die fast seenartigen Wasserflächen werden abhängig von ihrer Lage und Form Sound, Loch, Lynn oder Passage genannt. Geschützte Reviere, in denen man auch bei sieben oder acht Windstärken noch bedenkenlos auslaufen kann.

Geschützte Gewässer und grüne Inseln sind das Markenzeichen des Reviers.

Tobermory. Ganz im Norden der Insel Mull liegt einer der schönsten Hafenorte Schottlands. Eine Postkartenidylle aus knallbunten Häusern in einer halbkreisförmigen Bucht. Der schmucke Ort besteht fast ausschließlich aus Läden, Cafés, Restaurants und Hotels. Die winzige Marina, die Whiskeybrennerei und die tollen Wandermöglichkeiten ziehen nicht nur viele Segler an, selbst Kreuzfahrtschiffe stoppen hier gelegentlich.

Tobermory auf der Insel Mull ist eine der Perlen im Revier.

Die Bordküche wird laufend mit frischen Makrelen bereichert

„Ich besorge das Abendessen“, beschließt Lars aus Hamburg, nachdem der schwere Anker 20 Meter tief in der dunklen Bucht verschwunden ist. Bewaffnet mit zwei Makrelenangeln, Schneidebrett, Messer und Pütz begibt er sich aufs Achterdeck. Und zieht wie selbstverständlich innerhalb einer halben Stunde drei Dutzend kräftige Makrelen an Bord. „Klappt genauso gut wie letzte Woche in der Nordsee“, freut er sich über den Fang, „jetzt im Sommer sind die Gewässer hier einfach voll davon.“ Ohne Kopf und Schwanz, dafür aber in Mehl gewendet, landen die Fische in der Pfanne. In heißem Öl knusprig gebraten, sind sie zusammen mit Pellkartoffeln, frischem Salat und einem spanischen Rotwein eine echte Delikatesse.

So macht Angeln Spaß: Makrelen satt.

Vierter Tag. Der MTU-Diesel unserer Segelyacht streikt, das Törnziel Äußere Hebriden gerät in Gefahr. Phillipe, ein nach Tobermory ausgewanderter französischer Mechaniker, kann das Problem auch nach zwei Tagen Schrauben an Filtern, Pumpen und Einspritzdüsen nur teilweise beheben. Mehr als 1.000 Umdrehungen nimmt der alte Diesel einfach nicht mehr an. „Wird schon“, bleibt Ulf entspannt, „wir haben ja Wind zum Segeln und sonst lassen wir unterwegs einfach eine Insel aus.“

Die Zwangspause in Tobermory dient auch der Entspannung.

Urig und wild sind unbekannte Ziele wie die Insel Muck

„Dead slow ahead“, heißt Ulfs Kommando bei der Ansteuerung von Muck – also langsamste Fahrt voraus. Im Hauptort der kleinsten der sogenannten vier „Small Isles“, auf Port Mor, gibt es nur eine Handvoll Häuser. „Wie kann man hier nur leben?“, fragt sich Grit beim Spaziergang über die von Puffin- und Möwenkolonien bewohnte Insel. Gerade einmal 30 Einwohner nennen die Insel ihr Zuhause. Sie züchten Schafe, Rinder und Ponys, fahren zum Fischen raus aufs Meer und vermieten im Sommer ein paar ihrer Cottages an Ruhe suchende Urlauber.

Ein Dutzend Häuser und 30 Bewohner machen die Insel Muck zu einem liebenswerten Stopp.

Unter Vollzeug kreuzen wir am siebten Tag der Reise die Westküste von Skye entlang nach Norden. Svenja, Gert und Marion betteln den Rest der Crew um warme Klamotten an, am Flughafen von Aberdeen waren ihre Taschen spurlos verschwunden. Nur gut, dass am nächsten Morgen warme Sonnenstrahlen im Loch Harport das Deck aufheizen und man bei der ersten und einzigen Gelegenheit für ein Salzwasserbad noch nicht einmal einen Bikini braucht.

Mit allem, was eine Ketch-Takelung an Segelgarderobe hergibt, ab in die Flaute.

Flaute und Sonnenschein ermöglichen ein seltenes Bad in schottischen Gewässern.

Wetter in Schottland: four sesaons a day

Typisch Schottland. Der sonnige Morgen mit leichten Winden wird noch am Vormittag durch eine neblige Waschküche mit Flaute abgelöst. Und keine drei Stunden später rauscht unsere Ketsch unter doppelt gerefftem Groß und sauber genähter Fock bei sechs Windstärken aus Nordwest in die Uig Bay ein, begleitet von sintflutartigen Regenfällen aus tiefschwarzen Wolken. Die Einheimischen nennen solch ein Wetter auch schlicht: four seasons a day!

Eben noch Flaute, dann wieder Powersegeln – die Wetterwechsel kommen schnell.

Im Uig Hotel, der ehemaligen Kutschenstation des Ortes, kommt es doch noch zu einem Happy End. Das bereits verloren geglaubte Gepäck ist wieder aufgetaucht und wird die 300 Kilometer hierher nachgeliefert. Auch die dunklen Wolken haben sich verzogen. Und direkt neben der Bordwand grunzt ein silbrig-grau schimmernder Seelöwe. Jetzt trennen uns nur noch 25 Seemeilen von unserem Törnziel. „Kurs Nord zu Ost“, gibt Ulf die Richtung vor und auf Kanal 16 trällert die Frauenstimme von Stornoway Radio ohne Pause.

Die wenig scheuen Seelöwen lassen sich immer wieder auch dicht am Schiff blicken.

Die Äußeren Hebriden sind eine 120 Seemeilen lange Inselkette

Am zehnten Tag unserer Reise erreichen wir die Äußeren Hebriden. Die 120 Seemeilen lange und wild zerzauste Inselwelt legt sich wie ein riesiger Wellenbrecher vor die Nordwestküste Schottlands. Die Bewohner des windzerzausten Inselmeeres aus endloser Moorlandschaft, strahlend weißen Sandstränden und Tausenden von Salz- und Süßwasserseen werden nur durch die milden Temperaturen des Golfstroms geschont. Ihr bescheidenes Auskommen verdienen sie sich als Kleinbauern, Fischer oder Lachsfarmer. Oder sie sind mit der Herstellung von Harris Tweed beschäftigt, einem der teuersten Stoffe der Welt.

Die VELDANA erreicht die Äußeren Hebriden bei Tabert auf South Harris.

„Ciamar a tha sibh anh diugh?“ zu Deutsch: „Wie geht es Ihnen?“ fragt uns ein älterer Angler nach der Ankunft in Tarbert auf der Insel Harris. Ihre gälische Sprache haben sich die kauzigen Bewohner bewahrt, auch Wegweiser und Straßenschilder kennen oft nur die Sprache der Ureinwohner. Mit dem Bus fahren wir einmal quer über die Insel, im Inselnorden über zerklüftete Mondlandschaften aus riesigen Steinblöcken, im Westen über rundgeschliffene Hügelketten. Vorbei an kilometerlangen Sandstränden, knallgrünen Grasbänken, einem Golfplatz und dem Standing Stone Clach Mhic Leoid.

Immer freundlich und kauzig: Krabbenfischer in Leverburgh auf Lewis

Lustige Namen: Das nächste Ziel heißt Lochmaddy

Die Leuchtturminsel Sgeir Ghlas inmitten der Felsen und Untiefen des Loch Tarberts möchte Ulf beim Auslaufen am nächsten Morgen „mit einer Kabellänge Abstand an Backbord passieren.“ Danach geht es, erstmals auf dieser Reise, wieder südwärts. Die einzige Stadt der Äußeren Hebriden, Stornoway im Norden der Insel Lewis (8.200 Einwohner), schaffen wir auf dieser Reise nicht mehr. Dafür aber Lochmaddy auf North Uist.

Unzählige Inseln versperren in der fjordartigen Zufahrt nach Lochmaddy den Weg, eine Handvoll Seezeichen weist den Weg. Wir dürfen an der Innenseite des Fährterminals festmachen, bekommen Wasser und Strom gelegt, alles gratis. Auch wenn der verschlafene Hauptort der Insel nicht viel zu bieten hat, die flache Landschaft aus endlosen Heideflächen und weißen Sandstränden gehört zur schönsten der Hebriden. Und: Wer nicht zu Fuß gehen möchte, kann die Insel von der Poststation aus mit dem Postbus erkunden.

Marinas muss im Revier niemand erwarten, Anlegestellen wie hier in Lochmaddy gibt es trotzdem fast immer.

Segeln unter Vollzeug. Mit blau-weißem Spinnaker und rot-weißem Besanstagsegel, mit vollem Groß und gesetztem Besansegel schafft VELDANA gerade mal knappe vier Knoten, zwei davon durch südsetzenden Strom. Voraus aber liegen 45 Seemeilen bis zur südlichsten und letzten Insel der Äußeren Hebriden, bis nach Barra. „Wenn die Tide kentert, fahren wir rückwärts“, versucht Lars dem Schipper ein paar Motorstunden abzuschwatzen. Der aber gibt stattdessen das Kommando „klar bei Makrelenangel“ und schmeißt pünktlich zum Fischessen kurz nach Sonnenuntergang vor Sandwick im Loch Carnan den Anker. Den Rest der Wegstrecke erledigen wir am nächsten Morgen mit fünf Windstärken aus Nordwest.

Ankern umgeben von grünen Hügeln gehört mit zu einem Trip durch die Hebriden.

Auch Barra bestätigt die Eindrücke der Reise: wild, grün, romantisch

Castelbay. Der alte Heringshafen der Insel Barra wird beschützt vom Kisimul Castle, einer alten Festungsanlage auf einer vorgelagerten Insel. An Land gibt es ein paar typische, spitze Giebeldachhäuser im Schutz der grauen Felsen, eine Kirche mit viereckigem Sandsteinturm, ein Pub und eine Tankstelle. Die Straßen auf der zwölf Kilometer langen Insel sind einspurig, das Inselinnere ist nur für Wanderer erreichbar. Insgesamt leben auf Barra gerade einmal 1.300 Einwohner. Trotzdem betreibt die kleine Insel einen Flughafen mit täglichen Linienflügen nach Glasgow.

Castlebay ist das gemütliche Inselzentrum von Barra.

Flug BA 8852 von British Airways startet um 11.50 Uhr in Tràigh Mhór auf der Insel Barra, für einen Teil der Crew ist der Törn hier zu Ende. Von der wilden und abgeschiedenen Inselwelt geht es zurück in die Zivilisation. Mit einem Seesack voller Erinnerungen: an ständige Wetterwechsel, starke Strömungen, gelbe Ölklamotten und gebratene Makrelen.

Kaum zu glauben aber wahr: Tràigh Mhór ist eine weite Bucht aus Muscheln und Sand, die bei Hochwasser im Meer versinkt. Der harte Boden der Bucht ist bei Niedrigwasser die Landepiste des Flughafens. Tatsächlich ist das der einzige tidenabhängige Flughafen der Welt. Ein letztes Mal wird die Tagesplanung vom Tidenkalender bestimmt, so steht es auch im Flugplan: „Flight times subject to tides.“

Auf Barra bestimmt der Tidenkalender sogar die Flugzeiten.

Weitere Infos zum Revier

Charter

Keine der bekannten großen Charterfirmen betreibt an der schottischen Westküste einen Stützpunkt. Die meisten lokalen Firmen vor Ort betreiben kleine Stützpunkte mit vier bis zehn Schiffen. Davon aber gibt es entlang der schottischen Westküste einige. Fündig wird man beispielsweise bei Skye Yachts oder Sail Babachro.

Rund um Oban sind die meisten Charteranbieter an der schottischen Westküste.

Einige deutsche Charter-Agenturen kennen den schottischen Markt und können bei der Buchung der Charteryacht behilflich sein. Neben den herkömmlichen Charteryachten sind hier in den Flotten auch Yachten von Herstellern wie Westerly oder Moody vertreten.

Beim Tabert Store auf der Insel Lewis gibt es neben allerlei Praktischem auch viele Infos.

Anreise

Mit dem Flugzeug bis nach Glasgow, Edinburgh, Aberdeen oder Inverness. Weiter geht es mit dem Zug oder mit dem Bus zum Ausgangshafen. Mit dem eigenen Boot sind es von Helgoland bis nach Inverness knapp 500 Seemeilen, dann weiter durch den Kaledonien-Kanal (etwa drei Tage).

Wind und Wetter

Sehr abwechslungsreich. Auch in den Sommermonaten muss man mit durchziehenden Tiefdruckgebieten, wechselnden Winden und Niederschlag rechnen. Zum Glück aber ändert sich die Wetterlage meist sehr schnell. Im Sommer herrschen nur selten über 20 Grad. Westwinde dominieren. Frei nach dem Motto: Wenn dir das Wetter nicht gefällt, warte eine halbe Stunde 😉

Häfen und Ankerplätze

Richtige Yachthäfen gibt es auf dem Törn keine. Hin und wieder gibt es kleine Anlegestellen, oder man darf an der Innenseite des Fähranlegers festmachen. Meistens aber wird geankert, schweres Ankergeschirr ist bei den häufig starken Winden Pflicht.

Literatur & Seekarten

Die Schottische Westküste von „The Yachtsman’s Pilot“ von Imray ist in vier Bände aufgeteilt: „The Western Isles“ (Äußere Hebriden), „Skye and Northwest Scotland“, „Isle of Mull and adjacent coasts“, „Clyde to Colonsay“. Für den Landgang: Schottland, Andreas Neumeier, Michael Müller Verlag

Der Beitrag Segeln in Schottland: Törnbericht und Tipps für die Hebriden erschien zuerst auf Blauwasser.de.