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Törnbericht: Segeln in Estland – Sehenswertes Revier im Baltikum

Törnstart mit Gegenwind

Das Wasser der aufgewühlten Ostsee strahlt im Gegenlicht der Sonne dunkelblau. Das Echolot misst 31 Meter, der frische Westwind zerrt am Rigg unserer Charteryacht und auf den kurzen, steilen Wellen tanzen weiße Schaumkronen. Von Backbord nähert sich ein großes Fährschiff, wir donnern mit Westkurs gegen die anrollenden Wellen an. Der Diesel unserer Hanse 400 bollert vor sich hin, stampft sich das Schiff fest, fällt die Logge auf unter drei Knoten.

Verhältnisse wie diese kennt jeder Ostseesegler, der bei Westwind schon mal von Fehmarn nach Kiel oder von Rügen nach Rostock musste. Doch wir sind weit nach Osten gereist, um Neuland zu entdecken: In Estland gibt es noch nicht lange Charteryachten. Ein Vertreter der Charterfirma hatte uns gestern in Tallinn empfangen, „2013 war unser erstes Jahr mit Bareboatcharter“, hatte ich erfahren. Jetzt stampfen wir durch das Seegebiet des Finnischen Meerbusens, es scheppert und kracht, die Entdeckungstour beginnt holprig.

Die ersten Seemeilen im neuen Revier bringen erstmal Spritzwasser an Deck

Estland ist das nördlichste Land der Baltischen Staaten, im Osten grenzt es an Russland. Kann man da wirklich segeln gehen und unbeschwert Urlaub machen? Oder erwarten einen hier die hässlichen Auswüchse jahrzehntelanger, kommunistischer Misswirtschaft? Marode Infrastruktur, kilometerlange Plattenbausiedlungen, grimmige Bewohner, ausufernde Bürokratie? Dazu vielleicht noch eine durch Industrie und Militär verunstaltete Natur?

Erste Antworten auf diese Fragen hatte die jetzt im Kielwasser liegende Metropole Tallinn geliefert. Verblüffend jung, weltoffen, modern und rausgeputzt zeigt sich Estlands Hauptstadt. Die Old City Marina am Fuße der Altstadt ist ein moderner Yachthafen mit Schwimmstegen, Yachtclub, freiem WLAN, Konferenzraum, Sauna, Restaurant und Supermarkt.

Die Old City Marina liegt nur wenige Gehminuten von Tallinns Altstadt entfernt

Tallinns Altstadt zählt zum UNESCO-Weltkulturerbe

Tallinn ist eine der ältesten Städte der Ostsee, das Zentrum der 400.000 Einwohner zählenden Stadt ist ein einziges Freilichtmuseum. Die engen Gassen der Unterstadt, die Adelshäuser und das Domschloss der Oberstadt, dazu die alte Stadtmauer, die alles umgibt – die Altstadt zählt seit 1997 zum UNESCO-Weltkulturerbe.

Der erste Eindruck von Tallinn ist umwerfend: jung, lebendig, rausgeputzt

Junge Studenten in Trachten buhlen rund um den Rathausplatz um Kunden für ihre mittelalterlichen Jahrmarktspiele, ein paar Schritte weiter trifft sich das Szenepublikum in den schicken Bars der Stadt, wir besuchen auch das neue Meeresmuseum. „Hier gibt es so viel zu entdecken“, hatte mein Bruder Martin, Architekt aus Köln, vor dem Ablegen gesagt, „man könnte Tage bleiben.“

Doch wie zeigt sich das Land abseits seiner fein gemachten Metropole? Wir erreichen Lohusalu nach quälend langen Stunden der Stampferei. Entlang der Nordwestküste, auf dem etwa 80 Seemeilen langen Weg bis zu den großen Inseln Hiiumaa und Saaremaa, gibt es nur eine Handvoll Häfen. Die Etappen sind 20 bis 30 Seemeilen lang, später, zwischen dem Festland und den Inseln, liegen die möglichen Ziele dichter beieinander. Segelt man an der Nordwestküste noch entlang der offenen und exponierten Ostseeküste, wird sich der Reviercharakter danach schlagartig ändern: enge Fahrwasser, geringe Wassertiefen, geschützte Gewässer.

Lohusalu: ruhig, einsam und abgeschieden

Lohusalu. Der Hafen liegt an der Spitze einer flach in die Ostsee auslaufenden Landzunge und am Ende einer weitläufigen, feinsandigen und von Nadelbäumen gesäumten Strandbucht. „Hier ist es ja richtig hübsch“, findet meine Mutter Heike aus Berlin. Der winzige Ort mit seinen drei Dutzend Häusern liegt einen Kilometer entfernt. Der Hafen ist ruhig, einsam und abgeschieden, doch die Infrastruktur ist beachtlich: eine rund um die Uhr besetzte Hafenmeisterei, moderne Sanitäreinrichtungen mit Saunabereich, Muringbojen, Strom und Wasser, eine Tankstelle, ein Restaurant und Leihfahrräder. Wir sind eine von drei Besucheryachten im Hafen und offenbar ein Highlight für den Hafenmeister: Er hisst für seine neu angereisten deutschen Gäste traditionsbewusst die deutsche Flagge.

Der kleine Hafen von Lohusalu ist gepflegt, ruhig und gut ausgestattet

Dirham – kleiner Hafen mit reichlich Genuss

Am nordwestlichsten Zipfel des estländischen Festlands liegt Dirhami. Eine große Mole für Handelsschiffe gibt der im inneren Hafen gelegenen kleinen Schwimmsteganlage Schutz. Hier ist alles etwas einfacher und weniger aufgeräumt als in Lohusalu, die Überraschung jedoch ist der Hafenkiosk am Ende der Kaje. Was nach Pommesbude aussieht, entpuppt sich als Gourmettempel: Im Dirham Summer Café gibt es nur frisch zubereitete Speisen, zur Vorspeise eine thailändische Kokosmilchsuppe, als Hauptgericht ein fangfrisches Seelachsfilet aus Norwegen mit gedünstetem Gemüse und Basmatireis. Und zum Nachtisch eine Quarkspeise mit frischen Erdbeeren, kandierten Haferflocken und frischem Basilikum. Heike ist sprachlos: „So gutes Essen an einem so abgeschiedenen Platz, das bekomme ich selbst in Berlin-Mitte nicht besser!“

Unerwartet und lecker: Der Hafenkiosk von Dirham

Plötzlich sitzt ein Segler aus Österreich mit am Tisch: Helmut aus Kärnten. Während des Essens ist er mit seiner 12,50 Meter langen Fels-Yacht eingelaufen, „die habe ich für 20.000 Euro bei Ebay ersteigert“, erzählt der ehemalige Unternehmer. „Doch bevor ich das Schiff ins Mittelmeer überstelle, möchte ich noch eine Ostseerundreise machen und nach St. Petersburg segeln.“ Er ist von Deutschland aus über Polen, Litauen und Lettland hierher gesegelt, „Estland gefällt mir am besten, es ist das am weitesten entwickelte Land hier“, sprudelt es aus ihm heraus. „Die Hafeninfrastruktur ist super, fast überall gibt es ein freies WLAN, es ist sauber, die Leute sprechen gutes Englisch und sind engagiert und freundlich.“

Der Strand gleich neben dem Hafen von Dirham lädt zu Spaziergängen ein

Nach dem Essen spazieren wir am Strand dem späten Sonnenuntergang entgegen. Dünengras raschelt im Wind, dahinter leuchtet dunkelgrün ein dichter Kiefernwald, am Ufer und im Wasser davor liegen unzählige kleine und große Findlinge. „Die sind mit der letzten Eiszeit aus Finnland hierhergekommen“, weiß Martin zu berichten. Tatsächlich war das ganze Land unter einer dicken Eisschicht begraben, die Küsten und das Hinterland sind flach, es gibt viele Wälder, Strände und mit dichtem Schilf bewachsene grüne Ufer.

Das Land ist flach, die Natur grün, für Segler gibt es viel zu entdecken

Die Gewässer um Hiiumaa und Saaremaa

Voosi kurk, Haapsalu laht, Väinameri und Hiiu väin heißen die kleinen Seegebiete, die die im Westen gelegenen großen Inseln Hiiumaa und Saaremaa umgeben. Gewässer wie Minenfelder, überall versperren Flachstellen, kleine Inseln und Findlinge den Weg, auch an den tiefen Stellen ist es nicht mehr als sechs, sieben Meter tief. Zum Glück ist das Gebiet gut betonnt, enge Fahrwasser und viele Seezeichen weisen den Weg, „fast wie in den Boddengewässern rund um Rügen“, sage ich, während wir von Norden her auf einer Richtfeuerlinie in das geschützte Revier einfahren.

Die Betonnung des Reviers rund um die vielen Inseln ist vorbildlich

In Lee der kleinen Insel Hobulaid werfen wir den Anker für einen Mittagsstopp, danach schlängeln wir uns bis in die späten Abendstunden zur Ansteuerung von Orjaku auf der Insel Hiiumaa. Kurz vor dem drei Seemeilen langen Fahrwasser bis zum Hafen bergen wir die Genua, fahren einen Aufschießer, drehen den Zündschlüssel und hören – nichts. Wir versuchen es wieder und wieder, halten uns mit dem Großsegel auf Kurs, hören ein Klacken, prüfen die Batteriespannung und klopfen mit dem Hammer auf den Anlasser – doch der Motor bleibt still.

Der späte Sonnenuntergang in den hohen Breiten erleichtert die Törnplanung

„Klar bei Anker“ heißt das nächste Kommando. Kurz darauf liegen wir etwas abseits des Fahrwassers am Haken. Es ist bereits 22.30 Uhr, die Sonne ist gerade untergegangen, doch unser Ansprechpartner von der Charterfirma sagt: „No problem, ich rufe einen Freund an, der kann euch vielleicht helfen.“ Eine halbe Stunde später kommt jemand mit einem kleinen Motorboot angetuckert, übernimmt eine Leine und schleppt uns bis zum Liegeplatz. Die Seglergemeinschaft an Estlands Küste ist klein, da kennt jeder jeden und hilft.

„Bis 1991 durften wir hier gar nicht segeln, die Häfen waren kontrolliert und die Küste geschlossen“, wird unser Helfer später erzählen. Er schätzt, dass es heute nicht mehr als 300 Segelyachten im Land gibt, „der Sport ist hier bisher nicht so populär, die Leute glauben, das sei etwas Elitäres.“

Warten auf Hilfe – zum Glück wird es auch nach Sonnenuntergang nicht wirklich dunkel

Estland ist weniger Ostblock und mehr Skandinavien

Die Geschichte Estlands ist eine bewegte; während des zweiten Weltkriegs wurde das kleine Land kurzzeitig auch von den deutschen Nazis besetzt. Dann, im Herbst 1944, wurde es wieder unter sowjetische Herrschaft gestellt, damals wurden alle privaten Boote beschlagnahmt oder vernichtet. Die Russen waren hier nie beliebt, die Menschen waren durch ihre Nachbarländer Schweden und Norwegen schon immer eher westlich geprägt. „Auch unsere Sprache ähnelt dem Finnischen, wir sind nordische Menschen“, wird uns eine Dame vom Tourismusamt auf Saaremaa später erzählen. Erst 1991 erlangte das Land die Unabhängigkeit zurück, 2004 kam der EU-Beitritt und 2011 wurde der Euro eingeführt. Heute spürt man überall im Land eine Aufbruchstimmung.

Die Fischerei bleibt trotz Umbruch und Fortschritt ein uraltes Gewerbe

Ein Revier – zu groß für eine Woche

Die Insel Hiiumaa ist eine Perle. Es gibt eine Handvoll Häfen, schöne Strände, alte Windmühlen und den drittältesten noch in Funktion befindlichen Leuchtturm der Welt. Er ist das Wahrzeichen der Insel. Wir besuchen das 1531 in Betrieb genommene massive Bauwerk und kraxeln im Inneren 36 Meter hoch bis zur Aussichtsplattform.

Der Leuchtturm von Hiiumaa steht weit abseits der Küste

Zurück im Hafen von Orjaku, hier treffen wir eine deutsche Crew, die ebenfalls gechartert hat. „Wir sind von den Leuten und der Gegend super begeistert“, sagt der Kölner Skipper, „nur leider muss man hier auch im Sommer seine dicken Klamotten mitbringen.“

Unsere Hiobsbotschaft am Abend heißt: Der Anlasser ist defekt. Die Ersatzteilbeschaffung dauert ein bis zwei Tage, doch unser Vercharterer gibt sofort Entwarnung: „Im Hafen liegt ein Ersatzschiff bereit, eine Elan Impression 344, ihr könnt sofort umziehen.“ Das Schiff gehört ebenfalls zur Charterflotte, es ist das Boot eines Eigners aus Orjaku.

Wir packen ein und wieder aus, zum Glück müssen wir heute nur noch wenige Seemeilen bis zu unserem nächsten Ziel Orissaare auf Saaremaa segeln. Trotzdem wird spätestens hier deutlich, dass es unmöglich ist, das Revier in einer Woche zu erschließen. Saaremaa ist dreimal so groß wie Rügen, eine Umrundung der Insel misst 160 Seemeilen, mehr als eine Stippvisite ist für uns nicht mehr drin.

Wie hier auf der Insel Saaremaa erinnert auch der Baustil an Skandinavien.

Saaremaa: im Wandel und mitunter wunderschön

Orissaare. Erstmals versprüht ein Hafen den Charme einer alten Ostblockanlage. Die kleine Hafenpier ist mit Plattenbeton belegt und komplett mit LKW-Reifen behangen, weiter hinten steht ein verfallenes Lagerhaus. Die Umgebung aber ist wunderschön: Der Hafen liegt geschützt von der Insel Muhu an der schmalen Durchfahrt Välke väin. Grüne Schilfufer wuchern bis ans Wasser, es gibt ein einfaches, aber neues Toilettengebäude im Schwedenstil und der Hafenmeister, der eigentlich Lehrer ist, bewirtschaftet in seinen Sommerferien auch die Hafenkneipe.

In Orissaare auf Saaremaa ist die Infrastruktur bescheiden, die Menschen dafür gastfreundlich

Seine Mutter spricht Deutsch und zeigt uns am nächsten Tag die Insel. Erst fahren wir nach Kuivastu, in den Fährhafen, der Saaremaa mit dem Festland verbindet. Hier hat vor einigen Jahren ein neuer Yachthafen eröffnet. Die schönere Umgebung aber hat Simisti gleich nebenan zu bieten, ein winziger Hafen mit 12 Liegeplätzen. Sehr hübsch ist auch das Fischerdorf Koguva, der flache Hafen ist ganz neu, das hübsche Café nebenan auch, ein guter Platz zum Verweilen. Ständig werden entlang der Küste alte Anlagen erneuert und neue gebaut, kaum ein Hafenhandbuch ist hier auf dem neuesten Stand.

Viele neue Hafenanlagen wie die in Kuivastu entstehen im Land

Kuressaare ist eine alte Kurstadt mit Tradition

Das Zentrum des Yachttourismus auf Saaremaa liegt im Süden der Insel, im Yachthafen der Hauptstadt Kuressaare. „Mittlerweile kommen jeden Sommer mehr und mehr Boote aus Deutschland hier vorbei“, erzählt uns der Hafenmeister. Der Ort mit seiner spätgotischen Bischofsburg lässt seine alte Tradition als Kurstadt wieder aufleben, die Hotels bieten heilende Meeresschlammkuren an, und ganz in der Nähe gibt es schneeweiße Sandstrände und hübsche Küstenwanderwege.

Schöne Natur, spektakuläre Sonnenuntergänge und feinsandige Strände sind in Estland ständige Begleiter

Für unsere siebentägige Reise, deren Ende naht, sind das viel zu viele Ziele. Zum Glück haben wir einen Oneway-Törn gebucht und müssen nicht bis nach Tallinn zurücksegeln. Dafür stoppen wir auf der kleinen Insel Sviby, machen einen Fahrradausflug und testen beim Baden an einem Ankerplatz in der Nähe das wirklich kalte Wasser. „Geht doch“, findet Martin und schwimmt gleich mehrmals um unsere Yacht herum.

Kalt aber machbar: ein Badestopp vor der Insel Sviby

Törnende in Haapsalu

Haapsalu. Der lebendige Ort an der Westküste ist für einen Törnabschluss bestens geeignet. Im Yachthafen herrscht reges Treiben, es gibt ein Hafenrestaurant und eine Bar, und die kleine Stadt trumpft mit Galerien, Cafés und Museen auf, mit dem hölzernen Kursaal, einer seichten Strandbucht und einer parkähnlichen Anlage rund um die mittelalterliche Burgruine. Der Stützpunktleiter ist zur Abnahme des Schiffes in die Stadt gekommen, „und, wie hat es Euch bei uns gefallen?“, will er wissen.

Im alten Kursaal von Haapsalu ist ein stilvolles Café untergebracht

Fazit: Nicht nur die Infrastruktur ist top

Eine berechtigt Frage … Und plötzlich wird uns klar, dass wir schon seit Tagen einen gänzlich unbeschwerten Urlaubstörn genießen. Alle Vorbehalte und Sorgen während der Vorbereitung sind seit dem Start der Reise verflogen. Seglerisch wird sich hier jeder, der schon mal in der heimischen Ostsee gesegelt ist, sofort zuhause fühlen, und die vorhandene Infrastruktur für Yachttouristen hat alle Erwartungen übertroffen. Auch die flache Natur mit ihren vielen Stränden, Wäldern und Schilfufern hat alle an Bord unserer Charteryacht begeistert. Die größte Überraschung aber waren die Menschen. Ihr kraftvoller Wille, aus ihrer noch so jungen Freiheit etwas Neues zu gestalten, ist so ansteckend, dass man am liebsten bleiben und mit Anpacken möchte.

Die Lichtstimmungen sind nur eine der bleibenden Erinnerungen an Estland

Charter

Fast alle Charterangebote in Estland starten ab Tallinn

Der Yachttourismus in Estland ist jung, viel mehr als ein Dutzend Charteryachten gibt es nicht, dazu ein paar wenige Mitsegelangebote oder Yachten mit Skipper. Fast alle Angebote starten in Tallinn, gegen Aufpreis kann ein Oneway nach Haapsalu vereinbart werden (unbedingt lohnenswert bei nur einer Woche Törndauer). Weil die Chartersaison kurz und damit die Rentabilität vermutlich schwierig ist, sind in die Charterflotte auch ältere Schiffe integriert. Und Eignerschiffe, was zum Teil an besonderen Ausstellungsmerkmalen wie einem Teakdeck oder ein mit Utensilien des Eigners gefülltem Stauraum zu erkennen ist. Im Ganzen aber darf mit einem herkömmlichen Charterablauf gerechnet werden.

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Für eine deutschsprachige Beratung und die zuverlässige Buchung von Charteryachten bewährter Anbieter können diese Firmen behilflich sein:

Weitere Infos für einen Törn in Estland

Revier

Estlands Ostseeküste ist von der Grenze zu Russland im Osten bis nach Lettland im Süden etwa 250 Seemeilen lang. Im Westen liegen nahe der Küste noch einige große und kleine Inseln, sie bilden ein zum Teil in sich geschlossenes, geschütztes und binnenähnliches Revier. Von Tallinn zu den großen Inseln Hiiumaa und Saaremaa und wieder zurück sind es ohne Inselumrundung etwa 200 Seemeilen, bei einem einwöchigen Törn sollte man die Option Oneway mit Abgabe/Start in Haapsalu prüfen.

Navigation & Seemannschaft

Entlang der offenen Ostseeküste sind die nautischen Bedingungen vergleichbar mit denen der deutschen Ostseeküste, in den geschützten Gewässern rund um die Inseln Hiiumaa und Saaremaa im Westen mit denen der Boddengewässer. In beiden Fällen liegen entlang der flachen Küsten aber wesentlich mehr Steine. In schmalen Durchfahrten muss mit Strömungen gerechnet werden, bei Starkwind treten diese auch entlang der Küstengewässer auf. Der Tidenhub ist vernachlässigbar, Wasserstandsänderungen durch Wind, Luftdruck und Wassereintrag mit einer Amplitude von bis zu 2,30 Meter können aber auftreten.

Anreise

Nach Tallinn gibt es zahlreiche günstige Flugverbindungen. Direkt ab Frankfurt mit Lufthansa oder über Helsinki, Kopenhagen, Riga, Amsterdam oder Oslo entweder mit Eurowings, Finnair, Air Baltic, Scandinavian Airlines, KLM oder Estonian Air. Der Transfer vom Flughafen zum Hafen dauert etwa 15 Minuten und kann für 25 Euro (bis 4 Personen) gebucht werden. Ein Taxi vom Onewaystop Haapsalu zum Flughafen Tallinn dauert etwa eine Stunde und kostet um die 100 Euro. Über Land ist Tallinn von Berlin aus 1.500 Kilometer entfernt.

Wind & Wetter

Am schönsten ist die Zeit der „weißen Nächte“ von Mitte Mai bis Ende Juli, wenn es nur für wenige Stunden dunkel wird und die Durchschnittstemperaturen 15 bis 18 Grad betragen. Es kann im Juli aber auch richtig heiß werden, hohe Tagestemperaturwechsel machen das Revier auch im Sommer anfällig für Nebel. Ein stabiles Hochdruckgebiet sorgt für die besten Segelbedingungen, es muss aber immer mit durchziehenden Tiefdruckgebieten und Starkwind gerechnet werden.

Häfen & Ankerplätze

Auch mit Hilfe der EU wird nach wie vor viel in die maritime Infrastruktur investiert, wobei Estland im Vergleich zu den anderen Baltischen Staaten bereits viele Anlegemöglichkeiten besitzt. Die Dichte an Häfen ist für einen entspannten Urlaubstörn ausreichend, viele der Anlagen haben einen bemerkenswert guten Standard. In den Handbüchern werden kaum Ankerplätze beschrieben, trotzdem findet man entlang der Küste ausreichend Möglichkeiten für Ankerstopps. Die Hafengebühren für ein 12-Meter-Schiff betragen um die 20 Euro.

Eine sehr hilfreiche Webseite bei der Hafenwahl ist diese hier. Sie listet alle Häfen des Betreibers SL Marinas auf.

Literatur & Seekarten

– Hillar Kukk und Jeano Martin Ots, Estonian Cruising Guide
– Fay and Graham Cattell, Harbours of the Baltic States, Cruising Association

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Praxis-Tipp: Praktische Aufbewahrung von Brillen an Bord

Wohin mit der Brille?

Für gewöhnlich hat jedes Crewmitglied an Bord einer Segelyacht eine Brille dabei – die Sonnenbrille. Wer generell eine Brille trägt, bringt dann auch noch diese mit. Mit anderen Worten: Bei einer größeren Crew kommen da schnell ein paar Brillen zusammen. So kenne ich das auch von meiner vierköpfigen Familie. Wir alle sind Brillenträger und somit haben wir immer mindestens acht Brillen an Bord.

Für gewöhnlich hat jedes Crewmitglied eine Brille dabei.

Die Frage, die sich mir dabei auf Dauer stellte, war die nach dem „Wohin mit den Brillen?“. In meinen Augen ergibt es keinen Sinn, dass jedes Crewmitglied die Brille in der Kabine lagert. Nicht selten braucht man die Brille schnell und immer mal wieder – beispielsweise bei unbeständigem Wetter. Eben waren noch Wolken da und dann kommt die Sonne durch und das helle Deck und die See blenden. Oder am Kartentisch. Wer eine Lesebrille benötigt, muss diese dann jedes Mal für die Navigation hervorkramen und anschließend wieder verstauen. Das kann schnell lästig werden.

Kurzum: Die Brillen sollten meiner Meinung nach schnell griffbereit und vor allem in der Nähe des Niedergangs beziehungsweise Kartentischs sein. Daher haben wir bei uns an Bord ein selbstgebautes Brillenband installiert. Es befindet sich über dem Kartentisch und alle Brillen an Bord werden dort angehangen.

Das Brillenband bei uns an Bord

Es gibt verschiedene Wege, das Brillenband zu realisieren. Beachtet werden sollte dabei, dass die Brillen sich nicht gegenseitig zerkratzen können – etwa weil sie sich im Takt der Wellen bewegen und aneinander scheuern. Außerdem darf eine Brille nicht versehentlich runterfallen.

Bei dieser Variante können die Brillen verkratzen.

Bei uns an Bord hat es sich seit vielen Jahren bewährt, das Tauwerk doppelt laufen zu lassen. Jede Brille wird zwischen den beiden Tauen mit einem Bügel hindurchgeschoben. Das verhindert ein ungewolltes lösen – beispielsweise bei starkem Schwell. Der Abstand zwischen den Brillen wird mit Knoten realisiert. Dabei werden die beiden Taue einfach alle sechs bis acht Zentimeter miteinander verknotet. Alternativ können Wäscheklammern genutzt werden. Das erlaubt etwas mehr Flexibilität – sieht aber weniger schön aus.

Ich kenne auch einige Eigner, die ein Gummiband statt eines Taus benutzen. Ich persönlich bin davon nicht ganz so überzeugt, da die Gummibänder mehr wippen und mit der Zeit ausleihern und ersetzt werden müssen.

Improvisierte Variante auf einem Charterschiff. Nicht schön, aber funktional :-).

Übrigens lässt sich das Brillenband auch auf Charterschiffen realisieren. Einfach beim nächsten Törn ein Stück Tauwerk mitnehmen. Für gewöhnlich lässt sich unter Deck immer eine Leine zwischen dem Handlauf und irgendeiner Stütze spannen.

Viel Spaß beim Ausprobieren.

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Törnbericht Italien: Segeln und Chartern in Sizilien und den Ägadischen Inseln

Die vergessenen Inseln Italiens liegen im Westen von Sizilien

Sie heißen Favignana, Marettimo und Levanzo. Und sie führen ein beschauliches und bescheidenes Leben, denn die Show wird ihnen gestohlen von ihren berühmten sieben Brüdern und Schwestern – von Lipari, Stromboli, Vulcano & Co. Die Liparischen Inseln kennt fast jeder, die Ägadischen Inseln dagegen fast niemand.

Viele Segelcrews, die ein Schiff ab Palermo chartern, haben die Qual der Wahl. Sie müssen sich entscheiden zwischen den Liparischen Inseln im Osten der Basis oder den kleinen Ägadischen Inseln westlich von Sizilien. Der Mitarbeiter des Charter-Stützpunktes in Palermo weiß, wohin seine Kunden wollen: „Die meisten folgen den Rauchzeichen des Vulkans auf Stromboli da hinten am Horizont“, erklärt er mit einer ausladenden Handbewegung Richtung Osten, „sie wollen unbedingt unsere ‚sieben liparischen Perlen‘ kennen lernen.“

Der karibisch anmutende Zwischenstopp in San Vito Lo Capo auf Sizilien gehört mit zum Törn.

Die Geheimtipps heißen Favignana, Levanzo und Marettimo

Die drei kleinen Geschwister im Westen bleiben, was sie immer schon waren: „Ein echter Geheimtipp! Vergessen und verschlafen, dabei aber ursizilianisch und wunderschön“, wie uns die Leiterin unserer Charteragentur bei der Buchung vorgeschwärmt hat. Und tatsächlich: Auf diesen von kristallklarem und fischreichem Wasser umgebenen Inseln finden Blauwassersegler oder Chartersegler nicht nur kleine Häfen und ruhige Ankerbuchten, sondern stets auch ein neues Reich.

Favignana, wo mit 4.000 Einwohnern der Großteil der ägadischen Bevölkerung lebt, ist die abwechslungsreichste und am ehesten touristisch erschlossene Insel. Levanzo, mit nur knapp 200 Einwohnern das kleinste und ruhigste Eiland, das mit seinen weißen Würfelhäusern an Griechenland erinnert und in Beschaulichkeit kaum zu überbieten ist. Und Marettimo, ein gezackter Felsklotz, der wild und urig ist wie seine überwiegend fischenden Bewohner. Oder, um es mit den Worten des Charter-Stützpunktleiters zu sagen:

Ein Inselreich, abgenabelt vom großen Touristenstrom, viel idyllischer und entspannter als die Liparischen Inseln

Plätze wie die Cala Rotonda auf der Insel Favignana sind das Ziel der Reise.

Somit bleibt die Vulkaninsel Stromboli – auch Leuchtturm des Mittelmeeres genannt – achteraus. Doch vor dem Abenteuer Ägadische Inseln liegt zunächst das Abenteuer Sizilien. Eine Insel voller Leben, ursprünglich und lebendig, mit stolzen Bewohnern und extremen Eindrücken: die Farben von Himmel und Meer, die Gerüche der Kräuter und Blüten, der Wind, wenn er als heißer Schirokko aus der nahen Wüste Afrikas bläst.

Palermo ist eine faszinierende Stadt.

Palermo, die Stadt der Extreme

Pate dieser Extreme ist die Inselhauptstadt selbst, Palermo gleicht einem Hexenkessel: Lärm und Gestank können hier schon mal infernalische Züge annehmen. Dazu sammeln sich die sozialen Gegensätze gleich hinter dem Yachthafen. Elegante Boutiquen und befrackte Ober in der einen Straße, gleich daneben Arbeiterviertel zwischen den Ruinen ehemaliger Paläste. „Sie werden die Stadt lieben oder hassen, fliehen oder bleiben wollen. Laue Neutralität lässt Palermo nicht zu“, steht im Reiseführer geschrieben.

Überall in der Stadt Palermo pulsiert das Leben, egal zu welcher Tageszeit.

Wir genießen die pulsierende Metropole und verlassen am nächsten Morgen die goldene Muschel, wie die Bucht von Palermo schwärmerisch genannt wird. Der Kurs führt gegen einen leichten Nordwestwind, der hier in den Sommermonaten an der Nordküste Siziliens häufig weht. Ein Kurs ins Ungewisse, denn auch der Westen Siziliens ist so etwas wie seglerisches Niemandsland, das erst in den letzten Jahren mit neuen Charter-Stützpunkten auch in Marsala und Trapani mehr in den Fokus gerückt ist. Vorher waren hier allenthalben ein paar Langfahrtsegler anzutreffen.

Im Westen die Ägadischen Inseln, im Norden Palermo. Karte: Webapp Navionics

Sizilien pur im Golfo di Castellamare

Grund genug, nicht auf direktem Wege zum Capo San Vito, der Nordwestspitze Siziliens, zu segeln. Zumal eine Kursänderung in die zehn Seemeilen große und offene Bucht des Golfo di Castellamare auch besseren Segelwind verspricht. Hier finden sich gleich mehrere Orte mit guten Hafenanlagen, die alles andere als Touristennester sind, und das, obwohl jeder von ihnen das Zeug dazu hätte.

Terrasini

Die Küstenorte Trappeto und Terrasini zum Beispiel haben herrliche Sandstrände gleich neben dem Hafen. Und Castellamare, die größte Stadt im Golf, besticht durch einen wunderschönen alten Ortskern, durch ein Häuser-Labyrinth, das durchzogen ist von kleinen Treppenwegen und schmalen Brücken.

Authentische Orte wie Castellamare an der Westküste Siziliens machen den Törn zum Erlebnis.</

Am Hafen von Castellamare bestimmen die Fischer mit ihren unzähligen kleinen, bunten Booten das Geschehen. Aus faltigen Gesichtern strahlen wache, freundliche Augen. Von Sonne und Salzwasser gegerbte Hände schleifen und streichen gemächlich das Holz der Unterwasserschiffe. In den Straßen und Gassen sorgen die Händler mit bunten Früchten und inseleigenem Gemüse, mit fangfrischem Fisch und handgemachten Wurstspezialitäten für Leben. Und in den Cafés und Bars schieben die Wirte in Sekundenschnelle Espresso und Cappuccino über den Stehtresen. Italienische Lebensart pur – da ist es fast ein kleines Wunder, das hier nur vereinzelt ein paar Segelyachten vorbeikommen.

Kleine Strandnischen bieten schöne Tagesankerplätze im Zingaro Nationalpark.

Wandern und Baden im Zingaro Nationalpark

Ein paar Seemeilen weiter westlich wird es dann noch einsamer auf dem Wasser, obwohl dort ein Highlight für Naturfans wartet: der Zingaro Nationalpark. Hier wird die wildschöne und ursprüngliche Berglandschaft geschützt, wird Flora und Fauna Raum gegeben und haben Straßen und Hotels keinen Platz. Türkisfarbendes Wasser schimmert in kleinen Badebuchten, Unmengen von Zwergpalmen säumen die schmalen Wanderwege, verschiedenste Vogelarten flattern durch die Lüfte. Wer bei ruhigem Wetter einen Stopp einlegen möchte, kann über kleine Pfade kraxeln, die bis in 900 Meter Höhe führen. Ein Teil unserer Crew wandert bis zum nächsten Küstenörtchen San Vito lo Capo, der Rest der Mannschaft schafft die paar Seemeilen auch locker alleine.

Der Hafen von San Vito lo Capo bietet sichere Liegeplätze vor schöner Kulisse.

Karibik-Feeling in San Vito lo Capo

Der Ort hat einen Yachthafen, einen für Gästeyachten reservierten Steg und einen Hafenmeister, der fast immer zur Stelle ist, wenn eine neue Yacht einläuft. Das ist hier häufiger der Fall als irgendwo sonst im Revier. Zum einen wegen der strategisch günstigen Lage direkt am Nordwestkap der Insel. Zum anderen aber auch aufgrund des schneeweißen und endlos langen Sandstrandes gleich neben der Hafenmole. Das Wasser schimmert bis weit hinaus türkis, vereinzelt gesprenkelt mit weißen Ankerliegern, die Promenade strahlt palmengrün. Und dahinter reihen sich weiß-gekalkte Häuser aneinander. Sommer, Sonne, Strand – Karibikflair auf sizilianisch.

Der feinsandige Strand gleich neben dem Hafen macht den Stopp zu einem Highlight der Reise.

Auf Sizilien wurde das Speiseeis erfunden

Im Ort gibt es wie an jedem Tag der Reise eine besondere sizilianische Spezialität – Eis. Die Insel rühmt sich, die süße Leckerei erfunden zu haben (damals noch mit Schnee vom Ätna). Neben gewöhnlichem gelati gibt es hier auch granita, ein halbflüssiges Wassereis, das in offenen Gläsern serviert wird. Oder pezzi dori, die „harten Stücke“, die als die edleren sizilianischen Eisspezialitäten gelten. Sizilien – das ist für Eis-Fans so etwas wie der Himmel auf Erden.

Egal ob Eis- oder Kaffeespezialitäten: Immer ist die Qualität erstklassig.

Zur Hölle auf Erden kann hingegen der weitere Weg zu den Ägadischen Inseln werden. Aber nur, wenn bei starkem Nordwind am Kap eine gefährliche See steht. Wir haben nur leichte Nordwestwinde und merken dennoch, dass die See zwischen der Westküste Siziliens und den Ägadischen Inseln kabbelig ist. Grund dafür ist eine stete Strömung zwischen dem Festland und den Inseln, die mit gut einem Knoten nach Nordosten setzt.

Mattanza – das Spektakel um den Tunfisch

Problematisch kann auch die Ansteuerung von Favignana zwischen Ende April und Mitte Juni werden: wenn auf der Insel die traditionelle mattanza stattfindet, die heiße Schlacht um den Tunfisch, der hier auf seinem uralten Wanderweg zu seinem Laichplatz abgefangen wird.

Dann liegen hundert Kilometer Stahlseil kilometerweit vor der Nordküste aus, 3.500 Schwimmer und neun Kilometer Netze, die sich zum Land hin verjüngen und für den Fisch in der sogenannten Todeskammer enden. Wer hier nicht aufpasst, der hat am Ende nicht nur Ärger mit seinem Vercharterer, sondern auch mit den tonnaroti, den muskelbepackten, furchtlosen Thunfischfängern.

Weil die Bestände aber durch Überfischung zu sehr dezimiert wurden, konnte die mattanza ab 2008 nicht mehr stattfinden. Erst 2017 hatten sich die Bestände erholt und die Behörden genehmigten erstmals wieder eine mattanza. Ob und in welcher Form das Spektakel um den Tunfisch in Zukunft wieder regelmäßig stattfindet, bleibt abzuwarten.

Die stillgelegte Thunfischfabrik auf der Isolette Formica erinnert an die Tradition der mattanza.

Favignana ist das touristische Zentrum der Ägadischen Inseln

Von einer möglichen mattanza abgesehen beschert Favignana dem Segler einen außerordentlich freundlichen Empfang. Der rege Fährverkehr in dem auch für Segelyachten gut geschützten Hafen zeugt davon, dass die Insel die am häufigsten Besuchte des Archipels ist. Auf Sommerbesucher, insbesondere auf Tagestouristen, hat man sich hier eingestellt: Es gibt einen Supermarkt, eine Disco, eine Spielhalle und einen Fahrrad- und Mopedverleih.

Wer in Favignana länger als nur den Tag über bleibt, ist Genießer oder Segler. Wir treffen Morton aus dem schottischen Inverness, der schon seit ein paar Wochen mit seinem Stahlselbstbau auf Blauwasserreise ist und zwischen den Inseln kreuzt. Er verrät uns seinen Lieblings-Ankerplatz: „Die kreisrunde Bucht Cala Rotonda im Südwesten ist gut geschützt und hat weit und breit nur freie Natur. Dazu gibt es einen erstklassigen Ausblick auf den Sonnenuntergang.“

Zentrum der Ägadischen Inseln: Favignana

Highlights aber existieren auf dieser, auf zwei Schmetterlingsflügel aufgeteilten und neun Kilometer langen Mittelmeer-Insel noch mehr. Man kann sie mit dem Fahrrad oder Moped auf dem Landweg entdecken oder gemeinsam mit Crew und Schiff über den Seeweg. Zum Beispiel Lido Burrone, der längste Sandstrand der Insel, oder die Cala Rossa mit ihrem tropisch-türkisfarbenem Wasser. Und sogar einen zweiten Hafen gibt es auf Favignana, Punta Lunga auf der Südseite. Auch wenn dieser kleine pittoreske Fischeranleger mit den paar Häusern an Land für Yachten zu flach ist, in Lee davon lässt sich gut ankern.

Zu klein für Yachten aber trotzdem schön: Punta Lunga auf Favignana

Nur eines sollte man sich bei der Umrundung der Insel merken: „Unterwasserfelsen säumen die Küste und gerade auf der Nordseite scheint es mehr davon zu geben als in der britischen Seekarte Nr. 964 verzeichnet sind“, schreibt Rod Heikell in seinen Revierhandbuch ‚Italien Waters Pilot‘. Ansonsten aber möchte man einfach nur bleiben, jeden Tag eine neue Bucht besuchen und jeden Abend ein neues Restaurant.

Die Cala Rotonda auf Favignana ist eine der am besten geschützten Ankerbuchten.

Auf Levanzo wird Geschichte erlebbar

Es sind zwar nur drei Inseln, die wir mit unserer Charteryacht besuchen wollen, aber die Eroberung der anderen beiden Ägadischen Inseln wird uns nicht leicht gemacht. Das verrät mir ein Blick ins Handbuch: Levanzo, nur drei Seemeilen weiter nördlich gelegen, hat keinen Hafen, hier muss vor dem Städtchen geankert werden, was nur bei Nordwind möglich ist. Dann aber hat man die Wahl zwischen einem Badeausflug zur schönsten Bucht der Insel, der Cala Minnola, oder einer Wanderung zum Leuchtturm am Capo Grosso am Nordzipfel der Insel.

Bunte Höhlenmalerei aus der Steinzeit im dunklen Fels

Oder aber man begibt sich wie wir zu einem Ausflug in die Vergangenheit, zum einzigartigen Schatz der Insel, der Grotta Genovese. „Die Höhlenmalereien stammen aus der Steinzeit und sind zwischen 10.000 und 12.000 Jahre alt“, erklärt der Tourguide, der uns, einige der wenigen Gäste der Insel, mit seinem kleinen Boot zur Inselattraktion schippert. Zu den in bunten Farben auf die Felswände gepinselten Hirschen, wilden Stieren und Jägern. Und – wie sollte es hier auch anders sein – zur ältesten Abbildung eines Thunfisches.

Auf Levanzo gibt es zwar keinen Hafen, dafür wird hier Geschichte erlebbar.

Spätestens hier, auf dieser vom Rest des Weltgeschehens abgeschnittenen Insel, hat auch der Letzte seinen Alltag endgültig hinter sich gelassen. Und ist bereit für das Finale.

Marettimo – Insel der Taucher

„Das Finale“ heißt Marettimo. Die Möglichkeiten zum Festmachen für Fahrtenyachten sind allerdings auch auf Marettimo beschränkt, dabei hat der Ort sogar zwei Hafenbecken. Doch in das eine, Scala Veccia, rollt stets der Seegang aus Norden hinein, in das andere, Scala Nuova im Süden, der aus südlichen Richtungen. In dem einen liegen die Fischer und die Gästeplätze am Schwimmsteg sind begrenzt, in dem anderen machen auch die Fähren fest und das Anlegen ist erst nach Verlassen des letzten Passagierschiffes erlaubt. Und natürlich verholen sich – je nach Wetter – die Fischer und einheimischen Boote immer als erstes in das jeweils sichere Becken. Zum Glück aber gibt es auch Flaute oder Winde aus östlichen und westlichen Richtungen, dazu gibt es auch zwei Ankerplätze.

Irgendwo findet sich auch auf Marettimo ein freier Platz zum Festmachen.

Das erste, was Massimo, der die Bar oberhalb des Hafens betreibt, von uns Neuankömmlingen wissen will, ist, was uns denn hierher verschlagen habe. „Because this here is behind God“, sagt er und meint wohl, dass Marettimo eine ziemlich gottverlassene Gegend ist. Aber ehe wir uns und unsere Gründe für die kleinen Ägadischen Inseln erklären können, sitzen wir mit Massimo am Tisch und erfahren alles über die abgelegene Wilde. „Ein echtes Tauchparadies ist das hier, so viel klares Wasser und solch einen Fischreichtum gibt es sonst nirgendwo im Mittelmeer“, erzählt Massimo. „Und die Aussicht vom Monte Falcone ist einzigartig“, gerät er ins Schwärmen. „Pantelleria, ja selbst Afrika kann man von hier aus sehen“, behauptet der stämmige Sizilianer mit der dunklen Stimme.

Der gemütliche Ort von Marettimo ist hübsch und friedlich.

Die 800 Inselbewohner aber reizt die Fremde nicht. Lieber bleiben sie in ihrem kleinen Dorf an der einzigen halbwegs flachen Stelle der Insel. Und genießen ihr ruhiges Dasein, denn Stress und Hektik sind in den wenigen Gassen des Ortes Fremdwörter. Ebenso wie Touristenschwärme und Bettenburgen; neben ein paar Privatzimmern gibt es nur ein Hotel. Dennoch wirkt die Insel um einiges „städtischer“ als Levanzo, die Menschen begegnen Fremden hier mit Offenheit und Herzlichkeit.

Im Hinterland offenbart sich eine schroffe und bizarre Felslandschaft, die sich von einem Ufer bis zum anderen zieht. Und die man auf unzähligen kleinen Pfaden durchwandern kann, fast immer ohne eine Menschenseele zu treffen. Nur Falken und mit etwas Glück auch Adler kreuzen den Weg. Ein echtes Wanderparadies mit Abschaltgarantie und grandiosen Ausblicken. „Und abends“, so lautet Massimos Tipp, „gehst Du in eines der drei Restaurants, in denen Mama die Menüfolge bestimmt und nicht irgendeine Speisekarte.“

Unbedingt erwähnenswert sind die stets glücklichen und freundlichen sizilianischen Einwohner.

Fazit: Die Ägadischen Inseln sind Italiens Geheimtipp

Am nächsten Morgen heißt es früh aufstehen und der aufgehenden Sonne entgegen segeln. Zurück Richtung Palermo, wunderbar geschoben vom scheinbar stetigen und jetzt achterlichen Nordwestwind. Im Kielwasser bleibt ein Inselparadies zurück, das geduldig und bescheiden auf seine Entdecker wartet. Eines, das den Besucher mit Überraschungen verwöhnt und mit bleibenden Eindrücken verabschiedet. Wer sich auf den Weg in den Westen Siziliens und zu den „drei Perlen“ der Ägadischen Inseln macht, dem wird mit Sicherheit eines nicht fehlen: Die Liparischen Inseln 🙂

Charterbasis

Charterbasen im Revier gibt es auch im Yachthafen von Trapani.

Die Chartermöglichkeiten für eine Reise zu den Ägadischen Inseln haben in den letzten Jahren stetig zugenommen. Gab es früher nur Yachten ab Palermo, sind jetzt auch die Stützpunkte Marsala und Trapani dazugekommen, die noch näher an den Inseln gelegen sind. Bekannte überregionale Flottenbetreiber sind hier genauso vertreten wie kleinere, einheimische Anbieter. Insgesamt kann man hier zwischen einem guten halben Dutzend Anbietern wählen, die in der Regel die üblichen Charterflotten mit Yachten zwischen 30 und 50 Fuß anbieten. Für alle Ausgangshäfen bietet sich der Flughafen Palermo an.

Diese Charter-Agenturen helfen Dir, eine Yacht zu finden

Für eine deutschsprachige Beratung und die zuverlässige Buchung von Charteryachten bewährter Anbieter für einen Törn durch dieses Revier können diese Firmen behilflich sein:

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Checkliste: Reparatur und Wartung – das gehört auf jede Yacht.

Starke Beanspruchung der Technik an Bord

Wer eine Blauwasserreise unternimmt, erlebt neben den vielen schönen Dingen auch immer wieder Rückschläge technischer Art. Es gibt wohl kaum einen Bootseigner, der nicht schon fluchend vor irgendeinem kaputten Ausrüstungsgegenstand gesessen hat. Nicht umsonst gibt es das weitbekannte Bild von den Blauwasserseglern: Sie reparieren sich an den schönsten Ankerplätzen um die Welt. Kein Wunder: In einer salzig-feuchten Umgebung wird die gesamte Technik an Bord einer Blauwasseryacht dauerbeansprucht.

In der Regel gehen die Dinge frei nach Murphy’s Law immer dann kaputt, wenn gerade keine Werkstatt in der Nähe ist und kein Händler ein Ersatzteil im Lager hat. Dagegen muss man sich wappnen. Häufig muss dabei auch improvisiert werden. Ich erinnere beispielsweise noch gut, wie die Steuerung der Ankerwinde durch Korrosion den Geist aufgab. Natürlich passierte das am Ashmore-Reef zwischen Australien und Indonesien. Das Riff ist zwar einer der schönsten Plätze, die wir je besucht haben, aber es besteht eben auch nur aus Korallen, Sand und Wasser. Notgedrungen haben wir aus einer Plastikdose und zwei Ersatz-Tastern eine neue Steuerung gebaut. Sie ist heute noch im Einsatz — analog dem Motto: »Nichts ist so beständig wie ein Provisorium.«

„Nichts ist so beständig wie ein Provisorium“ — eine selbstgebaute Steuerung für die Ankerwinde.

Checkliste: Das gehört an Bord

In der Folge sollten Werkzeuge, Verschleißteile, Ersatzteile und Schmierstoffe in ausreichender Menge mitgeführt werden. Jedes Schiff ist anders ausgerüstet, und so ist das eine sehr individuelle Angelegenheit. Dennoch habe ich nachfolgend eine Checkliste mit Dingen, die an Bord immer mitgeführt werden sollten, zusammengestellt. Der Form halber sei erwähnt, dass die Liste keinen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt, und ich freue mich über Ergänzungen bei den Kommentaren am Ende des Beitrags.

Was generell an Bord sein sollte

  • Gewindebolzen, Muttern, Unterlegscheiben und Schrauben in verschiedenen Größen aus Edelstahl. Tipp: Mit einem Magneten kann man rausfinden, ob eine Schraube aus Edelstahl ist. Sie darf nicht magnetisch sein.
  • Schlauchschellen und Schlauchstücke in verschiedenen Größen
  • Gewebe-, Klebe- und Isolierband
  • Sekundenkleber
  • Epoxidharz und -härter nebst Gewebematte. Dies gilt nicht nur für GFK-Schiffe. Mit Epoxy kann man auch Metall und Holz verkleben oder in Stand setzen. Zum Mischen werden zudem Messbecher, Umrührstäbe und Einweghandschuhe benötigt.
  • Schweißelektroden/Schweißgerät (abhängig vom Rumpfmaterial)
  • Kabelbinder in verschiedenen Größen, die UV-beständig und langlebig sind.
  • Batterien/Akkus
  • Spanngurte. Leider gibt es im Handel kaum welche mit Edelstahl-Beschlägen.

An Bord sollte lieber zu viel als zu wenig Werkzeug mitgeführt werden.

Diese Werkzeuge sollten an Bord sein

Blauwassersegler reparieren sich an den schönsten Ankerplätzen um die Welt.

Wartung und Pflege

  • Schmier- und Gleitmittel
  • Winschenfett, Stevenrohrfett und Vaseline
  • Farben und Lacke
  • Rostschutzmittel
  • Kontaktspray
  • Aceton (Hinweis: In Kolumbien ist der Besitz von Aceton verboten)
  • Terpentin
  • Silikonspray
  • Bremsenreiniger (zum Reinigen von Verschmutzungen im Motorraum)
  • Politur

Ein regelmäßiger Ölwechsel gehört zur Wartung des Motors.

Motor und Außenborder

  • Ölfilter, Kraftstofffilter und Luftfilter
  • Impeller (mindestens zwei)
  • Dichtungen
  • Keilriemen
  • Stopfbuchse oder Wellenpackung/Fett
  • Opferanoden
  • Ölabsaugpumpe und Altölkanister
  • Motoröl und Getriebeöl sowie ggf. Öl fürs Zweitakter-Gemisch
  • Zündkerzen
  • Kühlmittel für den inneren Kreislauf – sofern es zwei Kreisläufe gibt

Eine undichte Luke kann zu großen Problemen führen.

Rigg, Takelage und Segel

  • Blöcke in verschiedenen Größen
  • Tauwerk in verschiedenen Stärken
  • Segeltuch
  • Segeltape und/oder Reparaturset
  • Takelgarn und -nadeln#
  • Mastrutscher, Stagreiter
  • Splinte und Bolzen in diversen Größen
  • Schäkel in verschiedenen Größen
  • Ersatz-Wantenspanner
  • Fett für Rollanlage
  • Bolzenschneider oder Wantenschussgerät

Ersatzteil auf Lager? Ein Schiffsausrüster in Griechenland.

Elektrik

  • Messgerät/Multimeter
  • Leuchtmittel und LED-Einsätze
  • Kabel mit verschiedenen Querschnitten und in verschiedenen Farben
  • Installationsmaterial: Aderendhülsen, Kabelschuhe, Klemmen, Schrumpfschläuche und Vulkanisierband (beständig gegen Öle, Bremsflüssigkeit, Salzwasser und UV-Strahlen)
  • Sicherungen in unterschiedlichen Dimensionierungen
  • Relais
  • Crimp- und Abisolierzange
  • Ersatzregler Lichtmaschine

Ein Multimeter hilft Fehler zu finden.

Verschleiß der Ausrüstung

  • Beim elektrischen Autopilot kann in Erwägung gezogen werden, eine separate Steuereinheit als Ersatz mitzunehmen. Hydrauliköl zum Nachfüllen sollte immer an Bord sein.
  • Windfahnensteuerung. Hier gehen gerne mal versehentlich die Flügel aus Sperrholz verloren. Ohne Ersatz ist man dann aufgeschmissen.
  • Wer einen Diesel- oder Benzingenerator sein Eigen nennt, sollte analog zum Motor auch hier die typischen Ersatzteile und Schmierstoffe mitführen. Beispielsweise Impeller oder Keilriemen.
  • Bordtoilette: Je nach Hersteller gibt es sogenannte Wartungskits mit allen gängigen Dichtringen.
  • Windgenerator: Bei extrem langen Reisen in autarke Regionen sollten Ersatz-Rotorblätter an Bord sein. Es kann immer vorkommen, dass ein Vogel nachts den Generator übersieht (leider).
  • Das Schlauchboot ist am Ankerplatz auf vielen Yachten häufig im Einsatz. Für kleine Reparaturen und zum Flicken wird entsprechendes Dicht- und Flickmaterial benötigt.

Ersatzteilversand im Ausland

Mitunter kommt es vor, dass ein Ersatzteil versendet werden muss. Das ist in unserer globalisierten Welt glücklicherweise nicht mehr schwierig. Selbst in entlegenen Palmenhütten gibt es Stationen der großen Versandunternehmen. Wo früher vor allem die Stützpunktleiter von Blauwasservereinen halfen, lagern die Pakete heutzutage eher in Marinas, auf Postämtern oder in anderen Abholstationen. Und dank der Trackingnummern kann online ständig eingesehen werden, wo das Paket ist.

Eine Kartuschenpresse gehört an Bord.

Hinzu kommt, dass immer mehr Schiffsausrüster weltweit versenden und es so immer einfacher wird, an Teile zu gelangen. Dabei gibt es eigentlich nur zwei Haken. Erstens: die Versandkosten. Zweitens: die Zollbehörden. Über die Versandkosten sollte man sich im Klaren sein — insbesondere bei Express-Lieferungen — und sie vorab klären. Das größere Problem sind die Zollbehörden. Zwar wird der Gegenstand nur kurz in das Land eingeführt und mit der Ausreise der Yacht wieder ausgeführt, aber das gehört in der Regel nicht zum Alltag der Beamten. Hier kann es zu großen zeitlichen Verzögerungen kommen. Wir haben uns beispielsweise Seekarten nach Neuseeland senden lassen und vor Ort zwei Wochen auf das Paket gewartet, weil es im Zoll festhing.

Dieses Paket hing in Neuseeland zwei Wochen im Zoll fest.

Mitunter werden saftige Zölle fällig, was sich selten umgehen lässt. Zwei Ansätze können helfen: Zum einen sollte auf dem Paket dick „YACHT IN TRANSIT“ stehen, um unmissverständlich klar zu machen, dass der Artikel gar nicht eingeführt wird, sondern beim Ablegen das Land wieder verlässt. Zum anderen hilft es weiter, wenn der Versender die Ware als Warenmuster deklariert und den Warenwert idealerweise mit null einstuft — vor allem bei einem kostenlosen Garantietausch. In jedem Fall sollte immer die Legalität der Maßnahme geprüft werden.

Fazit

Wie eingangs erwähnt, wird auf einer Weltumsegelung oder Blauwasser-Reise das Material stark beansprucht und es kommt unweigerlich zu Verschleiß, Ausfällen, Bruch und Defekten. Sicherlich helfen eine gute Vorbereitung und regelmäßige Wartung, aber nichtsdestotrotz wird es Situationen geben, in denen man auf sich alleine gestellt ist und etwas reparieren muss. Die vorstehende Liste soll dabei helfen, auf diesen Fall gut vorbereitet zu sein. Wie gesagt: Sie erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit und ich freue mich über Ergänzungen über die Kommentarfunktion.

In diesem Sinne: Mast- und Schotbruch.

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Segeln auf den Kanarischen Inseln: entspannt rund Lanzarote

Die Lavainsel bietet die perfekte Kulisse für eine Charterwoche unter Segeln

Unter Deck ist alles sicher verstaut, die Luken sind dicht, die Ventile geschlossen. Auch an Deck ist alles vorbereitet, das Schlauchboot rutschfest vertäut, der Anker gesichert, das Großsegel gesetzt. Gleich hinter der Hafenmole drehe ich den Bug unserer Charteryacht CARLOTTA Richtung Wind und Welle, die Maschine läuft ruhig auf 1.900 Umdrehungen weiter, das Schiff taucht ein in die Wellen, Gischt spritzt übers Vordeck. Motorsegeln gegen Passat und Atlantikwelle.

Herrliches Atlantiksegeln erwartet jeden, der sich für einen Törn auf den Kanarischen Inseln entscheidet.

Der etwas ruppige Start gehört mit zu dem Plan, einen mediterranen Bummeltörn in einem Revier zu wagen, das als anspruchsvolles Hochseerevier mit wenigen Anlandeplätzen und weiten Distanzen bekannt ist: den Kanarischen Inseln. Die Idee dazu lieferte ein neuer Charterstützpunkt in Arrecife auf Lanzarote.

Mittelmeerfeeling im Atlantik: Segler vor den Papagayo-Stränden

Rund Lanzarote: 100 Seemeilen, vier Häfen, drei Ankerstopps

„Wer hier startet und einfach nur rund Lanzarote segelt, der hat eine tolle und abwechslungsreiche Urlaubswoche mit kurzen Entfernungen vor sich, wie man sie aus dem Mittelmeer kennt“, hatte der Firmenchef im Winter auf der Bootsmesse für sein neues Angebot geworben. Das Studium der nautischen Unterlagen belegt seine Aussage. Auf einem knapp 100 Seemeilen langen Rundtörn können auf Lanzarote drei Häfen besucht werden, die kleine Insel La Graciosa im Norden hat ebenfalls einen Hafen, und einen weiteren gibt es an der nahe gelegenen Nordküste von Fuerteventura. Sogar ein paar vor dem Passatwind gut geschützte Ankerplätze sind beschrieben.

Die langgezogene Insel bietet schöne Ziele auf kurzen Entfernungen. Karte: Webapp Navionics

Traumhaft schön und einsam: Ankern vor den Papagayo-Stränden

Ein paar Ungewissheiten aber bleiben: Sind die Ziele auf der fast vollständig von vegetationslosen Lavafeldern und erstarrten Schlacken bedeckten Insel überhaupt attraktiv? Bleibt das Segeln in dem meist windigen Revier mitten im Atlantik nicht trotzdem extrem anspruchsvoll? Sind die Etappen gegen den vorherrschenden Nordostpassat überhaupt segelbar? Wir wollen auf unserem einwöchigen Törn Antworten finden; der Stützpunktleiter ist sich schon vor Reisebeginn sicher: „Ihr werdet sehen, das Revier bietet die perfekte Kulisse für eine tolle Segelwoche!“

Blauer Atlantik, Sonnenschein und eine schöne Brise sind die Zutaten des Törns.

Mit sechs Knoten durchschneidet die neue Bavaria 46 Cruiser die Atlantikwellen; stampft sich das Schiff fest, sinkt die Geschwindigkeit auf unter vier Knoten. „Ich hatte mir die Atlantikwelle länger und ruhiger vorgestellt“, sagt Mitsegler Tom – der Unternehmer kommt wie alle vier Crewmitglieder aus Hamburg. Stoisch hält er das Schiff auf Kurs, immer wieder spritzt ihm die Gischt ins Gesicht, „das Geschepper erinnert irgendwie an eine aufgewühlte Ostsee.“

Bei der Etappe um die Nordspitze ist Spritzwasser einkalkuliert

Auf der ersten Etappe, die von Arrecife aus rund um die Nordspitze von Lanzarote führt, haben wir es mit einer Windsee zu tun, verursacht durch böigen Nordwind mit bis zu 25 Knoten. Doch anders als in der Ostsee ist das Meer schon wenige Seemeilen vor der Küste über 1.000 Meter tief, strahlend blau und voller Leben. Bereits auf den ersten Meilen begleitet eine Delfinschule das Schiff. Und José, der einheimische Basismitarbeiter, hatte erklärt: „Jetzt im April beginnt die Tunfischsaison, eine gute Zeit zum Hochseeangeln.“

Spielende Delfine sind immer wieder ein herrliches Schauspiel.

Ein bunter Oktopus aus Gummi rauscht im Kielwasser der CARLOTTA hinterher, nach zweieinhalb Stunden Stampfen geht der Bug durch den Wind. Der Großbaum kracht von der Steuerbord- auf die Backbordseite, wir setzten die Genua, das Tuch knallt im Wind. Mitsegler Frank, Zahnarzt mit ruhiger Hand, zerrt das Segel mit Hilfe der Winschkurbel dicht. Das voluminöse Schiff legt sich auf die Seite, der Motor geht aus, mit Westnordwestkurs liegt jetzt hoch am Wind die Nordspitze der Insel an. Die Bavaria Cruiser 46 ist kein Rennpferd, doch das Schiff vermittelt ein sicheres Gefühl.

Auf den Etappen mit Nordkurs muss mit Gegenwind gerechnet werden.

La Graciosa ist durch einen flachen, kaum eine Seemeile breiten Kanal von Lanzarote getrennt. Es gibt einen Fischerort samt Hafen, die Insel ist Teil des Naturschutzgebietes Archipiélago Chinijo. Angeln ist hier verboten, das Ankern nur in einer ausgewiesenen Bucht erlaubt. Wer die Insel und den Hafen anlaufen möchte, braucht eine Genehmigung, die CARLOTTA nicht hat. „Heute kann ich euch keine mehr besorgen, die Behörde ist geschlossen“, hatte uns José am Samstag bei der Übernahme gesagt. „Aber fahrt einfach hin, im Moment ist nicht viel los, und wenn es Probleme gibt, ruft mich an.“

Der Hafen von La Graciosa liegt direkt am Ort mit seinen weißen Würfelhäusern.

Überall im Revier sind die Häfen über UKW Kanal 9 erreichbar

Auf UKW Kanal neun bekommen wir die Erlaubnis zum Festmachen, der kleine Hafen mit seinen flachen, weißen Häusern, seinen zwei langen Schwimmstegen, den bunten Fischerbooten und den kleinen Fähren ist auf Anhieb sympathisch. „In der Hauptsaison geht ohne Voranmeldung gar nichts“, hatte José berichtet. „Wenn im Oktober, November und Dezember die vielen Fahrtensegler auf ihrem Weg in die Karibik auf den Kanarischen Inseln haltmachen, ist der Hafen total überfüllt.“

Durch den entspannten Ort von La Graciosa führen nur Schotterpisten.

Im Stundentakt erreicht eine Katamaranfähre mit Tagestouristen aus Lanzarote den kleinen Inselhafen Caleta del Sebo. Es gibt keine asphaltierten Straßen, auch durch den Ort selbst führen nur staubige Sandpisten, „sieht aus wie im Wilden Westen“, findet Tom. Die wenigen Inselautos sind fast alles Land Rover, es werden Touren zu den schönsten Stränden der Insel angeboten, dem Playa de Las Conchas und dem Playa Lambra. Mit dem Mietfahrrad, Typ robustes Mountainbike, erreicht man die Strände in einer Dreiviertelstunde.

Die ersten feinsandigen Strände von La Graciosa liegen gleich neben dem Hafen im Ort.

Eine Schotterpiste führt durch eine baumlose Lavalandschaft, vorbei an gleichmäßig geformten und hoch aufragenden Vulkankegeln. Die Vegetation beschränkt sich auf ein paar Bodenflechten und kniehohes Gestrüpp, doch die archaische Mondlandschaft hat etwas Ästhetisches und findet, genauso wie die von Lanzarote, weltweit kaum Parallelen.

So viel Grün ist in der Steinwüste von La Graciosa fast schon selten.

La Graciosa ist ein liebens- und lohnenswertes Ziel

Der 700-Seelenort selbst ist eine junge Fischersiedlung, die mehr und mehr auch vom Tourismus lebt. Es gibt zwei Supermärkte, einen Travellift, einen Campingplatz, Geldautomaten, Arzt und Metzger, eine Tauchstation, Post, Apotheke und Bäckerei. Natürlich auch mehrere Cafés und Restaurants, sogar eine Disco hat der ruhige Ort zu bieten. Verlässt am Abend die letzte Fähre die Insel, sind die Dorfbewohner und die wenigen Segler und Landtouristen unter sich. Besucht wird die Insel vor allem von jungen Individualtouristen und coolen Surfern, die an der Westküste die perfekte Welle suchen.

Der Hafenmeister kassiert das Liegegeld und gibt Tipps für die Insel.

Abends gibt es günstige Tapas auf luftigen Terrassen

Am Abend gibt es auf der Terrasse des Restaurants Girasol gleich neben dem kleinen Ortsstrand gezapftes San Miguel-Bier und landestypische Spezialitäten: kleine frittierte Paprikaschoten mit Meersalz, gebratene Champignons mit frischem Oregano, in Bierteig frittierte Oktopusse, Riesengarnelen in Knoblauchöl, gebackene Pellkartoffeln in Salzkruste mit scharfer roter Soße, Hähnchen mit Serrano-Schinken und Salat mit überbackenem Ziegenkäse. Die Teller werden hin und her gereicht, jeder probiert alles, in den folgenden Tagen werden Tapas zur Lieblingspeise erklärt. Nirgends kostet das Essen mehr als 60 Euro für vier Personen – Getränke inklusive. Die Kanaren sind ein vergleichsweise preiswertes Reiseland.

Lecker, günstig, abwechslungsreich: Tapas gehören zu Spanien.

Sollen wir noch einen weiteren Tag auf der Insel verbringen? „Ich würde fünf von sieben Tagen dort bleiben“, meinte José bei der Einweisung, „ganz ehrlich, es ist mein absoluter Lieblingsplatz.“ Wir verholen zum Playa Francesa im Süden, die Bucht ist der einzige erlaubte Ankerplatz. Mittlerweile ist Montag, die Behörden sind wieder geöffnet, José hat uns angemeldet, die Genehmigung ist kostenlos. Die Bucht ist eine Perle, unverbaut und mit einem halbmondförmigen, weißen Sandstrand. Jetzt im April ist CARLOTTA die einzige Segelyacht, bis auf einen einsamen Eremiten in einem Steinverschlag ist die Bucht menschenleer.

Die Bucht Playa Francesa wird im Hintergrund von Lanzarote überragt.

Die Natur zeigt sich kraftvoll und unberührt

Bei sieben Meter Wassertiefe fällt der Anker, später werden es nur noch fünf sein, jetzt zur Springzeit gibt es gut zwei Meter Tidenhub. Nennenswerte Strömungen im offenen Wasser hat das nicht zur Folge, nur die flach auslaufenden Strände verändern sich erheblich. Wir gehen spazieren und Strandgut sammeln, dösen im Cockpit, bereiten Nudelsoße und Salat zu; nur ins Wasser möchte niemand. Immer wieder verdecken Wolkenfelder die Sonne und frischer Nordwind fegt über Deck, und der Atlantik hat nicht einmal 20 Grad Wassertemperatur zu bieten.

Beim Anlanden immer bedenken, dass es auch einen moderaten Tidenhub gibt.

Tag drei beginnt mit der längsten Segeletappe der Reise, bis zur Marina Rubicon ganz im Süden sind es 35 Seemeilen. „Entlang der gesamten Westküste von Lanzarote gibt es keine einzige Anlandestelle“, hatte José erklärt. Mit Vollzeug und auf Raumschots-Kurs prescht unsere Charteryacht gen Süden, hinter der Abdeckung von La Graciosa setzt die Atlantikdünung ein. Immer wieder heben die langgestreckten Wellen das Heck in die Höhe und rollen gurgelnd unter dem Schiff durch. Ins Surfen kommt das Fahrtenschiff nicht, bei sieben bis acht Knoten ist Schluss. „Die Geschwindigkeit ist perfekt“, meint Mitseglerin Anita und wechselt den Köder der Schleppangel, „heute geht bestimmt was!“

Auf Südkurs prescht das Schiff mit achterlichem Wind dahin.

Doch der Tunfisch will nicht beißen, stattdessen besuchen uns Silbermöwen und Sturmtaucher, wieder spielt eine Delfinschule mit unserm Bug. Die Tiere springen aus dem Wasser, tauchen unter dem Boot durch, geben lustige Quietschlaute von sich und klatschen mit ihren Flossen in den Wellen. Kameras klicken, Handys filmen, „ist das herrlich“, findet Anita, „was für eine tolle Segelreise.“

Atlantik pur: Passat, Delfine, Hochseeangeln

Hinter dem Punta Pechiguera beginnt die kurze Südküste von Lanzarote, das Wellenbild löst sich auf, die Wassertiefe steigt an auf 30 Meter. Am Ufer ziehen ausgedehnte Touristensiedlungen vorüber, in der Meerenge zwischen Lanzarote und Fuerteventura ist jetzt auch auf dem Waser mehr los. Fähren kreuzen unseren Kurs, ein paar Segelboote und Sportfischer. In Ufernähe geht eine Touristenattraktion auf Tiefe: ein gelbes Unterseeboot. Am Playa Dorada stehen die gelben Sonnenliegen und Sonnenschirme wie Zinnsoldaten in Reih und Glied, drumherum weiße, mehrgeschossige Apartmenthäuser und Hotels.

An der Südküste von Lanzarote gibt es mehrere Touristensiedlungen.

Marina Rubicon ist das nautische Zentrum von Lanzarote

„Marina Rubicon, Marina Rubicon, this is Sailing Yacht Carlotta, Carlotta.“ In den Häfen des Reviers wird erwartet, dass man sich auf UKW-Kanal 9 anmeldet. Der moderne Yachthafen ist ein lebendiger Ort mit Pool, Promenade, Geschäften, Cafés und Restaurants, der auch von den vielen Pauschaltouristen besucht wird. Außerdem ist der Hafen ein beliebtes Zentrum der Hochseesegler, die Wände der Bar One auf der Hafenmole sind tapeziert mit Fotos von Segelikonen. Der Seglertreff wurde sogar mal zur besten Seglerbar der Welt gekürt.

Rund um die Marina Rubicon gibt es viele Geschäfte, Restaurants und Bars.

Später treffen wir zufällig Boris Aljinovic, den bekannten Berliner Charakterdarsteller mit der großen Nase, der in der Marina Rubicon sein Boot über den Winter liegen hat. „Ein perfekter Ausgangsort“, findet der ehemalige Tatort-Kommissar, „von hier aus kann ich mal eben nach Puerto Calero und nach Arrecife segeln oder gegenüber auf der Insel Lobos ankern. Am schönsten ist es natürlich nebenan vor den Papagayo-Stränden.“

Der Berliner Schauspieler Boris Aljinovic auf seiner Contessa 32

Mit dem Dinghi durch die Lagune der Isla de Lobos

Die Isla de Lobos vor der Nordküste Fuerteventuras liegt nur sieben Seemeilen von der Marina Rubicon entfernt, im Süden der Insel gibt es einen geschützten Ankerplatz. Hinter einer Landzunge öffnet sich eine lagunenartige Landschaft, an den schroffen Felsküsten liegen die wenigen Häuser einer winzigen Siedlung. Wanderwege führen über die Insel, und im kleinen Restaurant Antonito el Farero wird ein Mittagstisch serviert. Die Sonne brennt, die Badeplattform ist riesig, Tom springt ins Meer. „Mann, ist das kalt!“, schreit er, schwimmt um das Schiff, greift sich eine Taucherbrille und freut sich: „Eigentlich gar nicht so schlimm.“

Der Atlantik ist nicht so warm wie das Mittelmeer und nichts für Warmduscher.

Ist der Ankerplatz für die Nacht zu unruhig, kann im Hafen von Corralejo gegenüber auf Fuerteventura festgemacht werden. Wir aber kreuzen mit unserer Charteryacht zurück zur Südküste von Lanzarote, unser Ziel sind die Strände von Papagayo. Der Wind hat nachgelassen, die See in der sechs Seemeilen breiten Meerenge zwischen den beiden großen Kanareninseln ist ruhig, T-Shirt-Segeln in warmer Abendsonne. Die Badebucht El Papagayo liegt zwischen steilen und rötlich leuchtenden Felsen, dahinter breiten sich die kilometerlangen und unbebauten Sandstrände des gleichnamigen Nationalparks aus.

Die trockene Lava- und Vulkanlandschaft von Lanzarote ist auch bei den Papagayo-Stränden allgegenwärtig.

Unbebaut und archaisch schön: Ankerplatz El Papagayo

Der Anker fällt vor einer traumhaft einsamen und naturbelassenen Strand- und Lavalandschaft, bestens geschützt vor den vorherrschenden Nordostwinden. Die Badegäste sind alle schon weg, wir fahren mit dem Schlauchboot rüber zum Strand, toben wie kleine Kinder durch die Wellen und genießen mit einer Dose Bier in der Hand die letzten Strahlen des Sonnenuntergangs. Beseelt fallen wir später in unsere Kojen, „was für ein super Segelrevier“, findet Frank. CARLOTTA ist die einzige Yacht am Ankerplatz.

Für alle an Bord das schönste Ziel der Reise sind die abends menschenleeren Strände von El Papagayo.

Auch Puerto Calero und Arrecife sind lohnenswerte Ziele

Die beiden letzten Etappen sind kurz, nach Puerto Calero sind es keine zehn Seemeilen, wieder beißt kein Tunfisch. Die private Marina protzt mit Pollern aus Messing und Badeleitern aus Edelstahl, die Restaurant- und Ladenzeile ist erstaunlich belebt, einen richtigen Ort gibt es nicht. Im Restaurant El Tomate wird frischer Tunfisch angeboten, „kommt, wir fangen eh keinen mehr“, meint Tom. Aus der Küche kommen vier riesige und perfekt angebratene Steaks, außen kross und innen noch roh, „besser geht es nicht“, freut sich auch Anita.

Puerto Calero ist eine moderne Marina mit entspannter Atmosphäre.

Fazit: Ein Bummeltörn auf den Kanaren ist möglich

Arrecife, Start- und Endpunkt der Reise, ist das vermeintlich am wenigsten attraktive Ziel. Doch die neue Marina mit großer Shoppingmeile ist tadellos, das nahegelegene Hafenviertel einen Bummel wert und im La Bulla werden die besten Tapas der ganzen Woche serviert. Schon wieder eine positive Überraschung in einem Revier, das bis jetzt nicht den Ruf hatte, für einen entspannten Bummeltörn zu taugen. Doch genau das haben wir erlebt: kurze Entfernungen, einen Mix aus Ankerplätzen und Häfen, eine Urlaubswoche wie im Mittelmeer. Nur mit besseren Windverhältnissen, günstigeren Preisen und dem Schuss Abenteuer Atlantik.

Die beste Tapas-Bar der Reise: La Bulla im Start- und Endhafen Arrecife

Charter

Das Charterangebot an Yachten auf den gesamten Kanarischen Inseln ist im Vergleich zu Mittelmeerdestinationen klein. Auf den Inseln Lanzarote, Teneriffa und Gran Canaria bieten gerade mal eine Handvoll Charterunternehmen zusammen nur etwa 70 Schiffe an. In der Sommersaison (die auch schön ist!) sind es sogar noch weniger, da einige Yachten wieder zurück ins Mittelmeer überführt werden. Was übrigens eine gute Gelegenheit für eine schöne Blauwasserreise zu meist sehr günstigen Konditionen ist.

Der Yachthafen von Arrecife hat auf der Hafenmole eine große Geschäfts- und Gastronomiezeile.

Das vergleichsweise knappe Angebot liegt in erster Linie daran, dass das Segeln in den offenen Atlantikpassagen zwischen den Inseln als anspruchsvoll gilt und die Etappen dann bisweilen auch weit sind. Wer dagegen ab Lanzarote chartert oder mitsegelt und nur die Insel umrundet, der vermeidet Gewaltetappen. Chartermöglichkeiten, Mitsegelangebote oder sogenannte Crewed-Charter-Angebote gibt es entweder ab Arrecife (ganz in der Nähe vom Flughafen) oder ab dem maritimen Zentrum der Insel, der Marina Rubicon ganz im Süden.

Diese Charter-Agenturen helfen dir, eine Yacht zu finden

Für eine deutschsprachige Beratung und die zuverlässige Buchung von Charteryachten bewährter Anbieter auf Lanzarote oder den umliegenden Kanareninseln können diese Firmen behilflich sein:

Diese Firmen bieten organisierte Reisen an

Flottille, Kojencharter, Crewed-Charter, Segelkreuzfahrt – die Möglichkeiten Lanzarote und/oder die Kanarischen Inseln unter Anleitung oder in der Gruppe kennenzulernen sind vielfältig. Diese Firmen bringen dich aufs Wasser:

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Richtig Ankern in der Strömung

Ankern – ein wunderbares Erlebnis

Wenn wir mit unserem Segelschiff unterwegs sind, kommt es regelmäßig vor, dass wir die Nacht vor Anker verbringen. Für meine Familie und mich ist es eine der schönsten Arten den Segeltag ausklingen und beginnen zu lassen. Die Ruhe am Ankerplatz, das sanfte Plätschern der Wellen am Rumpf und die Möglichkeit, unser Schiff abseits überfüllter Marinas in einer idyllischen Umgebung zu verankern, machen für mich den Reiz aus. Dabei kommt es nicht selten vor, dass Strömung am Ankerplatz vorhanden ist – insbesondere auf dem Revier vor unserer Haustür, der Nordsee, gehören die Gezeiten zum Bordalltag.

An der Nordsee gehört das Ankern im Strom zum Bordalltag.

Gleichwohl das Ankern mit Strömung nicht viel anders abläuft als das Ankern ohne Strömung, gilt es, ein paar Dinge zu beachten, die das Bordleben leichter machen. Dabei möchte ich weniger auf das Ankermanöver als solches eingehen, sondern vielmehr aufzeigen, was es eben alles noch zu beachten gibt, wenn am Ankerplatz Strömung fließt.

Wind und Strömung

Für die Position des Schiffes am Ankerplatz sind zwei Faktoren maßgeblich verantwortlich. Strömung und Wind. Dabei spielt ihre jeweilige Stärke eine erhebliche Rolle.

Eine starke Strömung bei Flaute oder schwachem Wind führt dazu, dass sich das Boot in den Strom legt. Je stärker die Strömung ist, desto schneller geschieht dies und desto stabiler ist für gewöhnlich die Position des Schiffes. Ist die Strömung nicht so stark, schwojt das Schiff mehr umher. Weht der Wind stark und die Strömung ist nicht so stark, ist das Boot hingegen bestrebt, sich mit dem Bug in den Wind zu legen.

An diesem Ankerplatz setzt ordentlich Strom.

Es gibt also anders als beim Ankern ohne Strömung (wo nur der Wind eine Rolle spielt) zwei verschiedene Einflussfaktoren, die die Position des Schiffes am Ankerplatz bestimmen. Befinden sie sich im Einklang, ist das unproblematisch – das ist beispielsweise dann der Fall, wenn Wind und Strömung in dieselbe Richtung setzen.

Anstrengend werden kann es hingegen, wenn der Wind einigermaßen stark weht und der Strom einigermaßen stark setzt – und das in konträre Richtungen. Dann fängt das Schiff an kräftig hin und her zu schwojen. Mehr noch: Es kann dazu kommen, dass das Schiff über den Anker fährt.

Ankerkralle benutzen

Kommt es zu einer solchen Situation, kann es passieren, dass die Ankerkette am Rumpf scheuert und im ungünstigsten Fall dabei sogar den Rumpf beschädigt. Dies gilt es natürlich zu vermeiden. Bei uns an Bord setzen wir dafür eine sogenannte Ankerkralle ein. Das ist eine Kralle mit einem Tau dran. Die Kralle wird in die Kette eingehakt und das Tau auf einer Klampe belegt. Dann wird die Kette stark gefiert, sodass sie zugentlastet ist und herunter hängt. Beim Ankern in der Strömung muss hierbei darauf geachtet werden, dass die Kralle unter Wasser in die Kette einhakt, damit Kette und Kralle nicht den Rumpf beschädigen können.

Ankerkralle im Einsatz

Aber auch sonst würde ich beim Ankern immer eine Ankerkralle verwenden, weil das Umverlagern des Zuges auf die Klampe die Lager der Ankerwinde entlastet und schont. Außerdem vermindert dieses Vorgehen eine Schallübertragung der Scheuergeräusche der Ankerkette am Meeresboden.

Der Wind ist stärker als die Strömung. Die Yacht wird über die Kette geschoben.

Wenn die Kombination aus Wind und Strömung zu anstrengend wird, kann mit einem Treibanker, einer Pütz oder einem Heckanker Abhilfe geschaffen werden.

Einsatz eines Treibankers

Gewinnt der Wind zunehmend die Oberhand, führt dies wie geschrieben dazu, dass das Schiff am Ankerplatz stark schwojt. Dann hilft es, mit einem Hilfsmittel die auf das Schiff wirkende Strömung so zu verstärken, dass der Wind das Nachsehen hat. Beispielsweise kann ein Treibanker eingesetzt werden. Das ist ein großer, trichterförmiger Körper, der am Heck achteraus gelassen wird.

Ausgebrachter Treibanker am Heck einer Yacht

Die Strömung fließt durch den Trichter und es entsteht Druck auf dem Trichter. Das führt dazu, dass die Yacht in die Strömung ausgerichtet wird, weil der Treibanker sich in den Strom legt. Alternativ kann auch eine stabile Pütz verwendet werden. Auf Dauer ist jedoch ein Treibanker vorzuziehen.

Tipp: Da der Treibanker unter der Wasseroberfläche ist, kommt es immer mal wieder vor, dass Segler ihn beim Ankeraufgehen vergessen. Er wird schlicht übersehen. Im ungünstigsten Fall gelangt er dann beim Manöver in die Schiffsschraube. Daher sollte für diesen Fall immer am Zündschlüssel ein Warnhinweis angebracht werden.

Der große Vorteil des Treibankers ist, dass man ihn auch gut in Revieren mit wechselnden Strömungen benutzen kann. Beispielsweise auf einem Fluss mit Ebbe und Flut. Während die Tide kippt, hängt er für gewöhnlich senkrecht herunter. Nach dem Tidenkipp baut er sich dann in der neuen Position wieder auf. Mit einem ausgebrachten Heckanker wäre dies so nicht möglich.

Treibanker lassen sich an Bord gut stauen.

Treibanker sind in der Regel aus flexiblem Material. Normalerweise beanspruchen sie wenig Stauraum, haben kaum Gewicht und sind erschwinglich. Es spricht daher wenig dagegen, einen Treibanker an Bord zu haben.

Heckanker

Der Heckanker ist eine andere Alternative, das Schiff im Strom mit dem Bug zum Strom auszurichten. Diese Variante würde ich allerdings nur auf Gewässern einsetzen, deren Strömung immer in die gleiche Richtung fließt. Beispielsweise auf dem Rhein. Wechselt die Strömung hingegen alle sechs Stunden im Takt der Gezeiten, müsste jedes Mal der Heckanker neu ausgebracht werden. Das halte ich für wenig praktikabel.

Diese Yacht ankert im Strom in Indonesien.

Ruder mittschiffs

Generell wird beim Ankern in der Strömung das Ruder in die Mittschiffsposition gestellt und fixiert. Alles andere führt dazu, dass das Schiff mächtig am Anker zerrt und versucht seitlich wegzufahren. Mir ist das schon mal aus Versehen in einem Priel auf der Nordsee passiert. Auf einmal war die Strömung so stark, dass das Schiff versucht hat, an den Rand des Priels zu fahren, und dabei mächtig am Anker gezerrt hat und diesen über mehrere Meter durch das Watt gezogen hat.

Länge der Ankerkette

Wie die Länge der auszubringenden Ankerkette ermittelt wird, habe ich hier ausführlich beschrieben. Allerdings sollte dabei immer im Hinterkopf behalten werden, dass in einigen Gezeitenrevieren die Länge der ausgebrachten Ankerkette immer so bemessen werden muss, dass ich bei Hochwasser genug Kette gesteckt habe. Auch kann Revieren mit Strömung – wenn es der Platz erlaubt – etwas mehr Kette als Puffer gesteckt werden.

Je nach Revier kann man sich vor Anker bei Niedrigwasser trockenfallen lassen.

Je nach Revier und Schiffsform kann man sich vor Anker bei Niedrigwasser auch trockenfallen lassen. Immer wieder ein besonderes Erlebnis. Aber das steht auf einem anderen Blatt 🙂

Umgang mit dem Tidenkipp

In Gezeitenrevieren kippt, über den groben Daumen gesagt, alle sechs Stunden der Strom. Auf den Ebbstrom folgt der Flutstrom und umgekehrt. Dazwischen liegt die sogenannte Phase des Stauwassers. Das führt dazu, dass das Schiff bei jeder Richtungsänderung der Strömung in eine neue Ankerposition geht und der Anker am Meeresboden mehr oder minder ausgegraben und wieder neu eingegraben wird. Ein Vorgang, der manchen Skipper beunruhigt und davon abhält in Strömung zu ankern. Das muss so nicht sein. Hier kann man sich mit einem Trick behelfen – insbesondere auch dann, wenn der Tidenkipp mitten in der Nacht ist.

Die Tide kippt und die Yacht schwojt herum.

Ich programmiere bei uns grundsätzlich eine Ankerwache. Dabei wird ein Punkt festgelegt und der Abstand zum selbigen überwacht. Wird der Abstand zu groß, geht ein Alarm los. Dabei legt der Skipper fest, wie groß der Radius um das Schiff sein soll. Beim Ankern in Gezeitengewässern ist die Position der Yacht für gewöhnlich sehr stabil an einem Punkt. Daher kann der Radius entsprechend klein gewählt werden. Kommt es zum Tidenkipp, wird der Alarm ausgelöst und ich werde informiert und kann den Vorgang überwachen.

Die Ankerwache ist eine wertvolle Hilfe.

Einsatz von Instrumenten

Auf vielen Yachten sind Multifunktionsanzeigen im Einsatz, die unter anderem die folgenden beiden Werte anzeigen: „Fahrt durchs Wasser“ und „Fahrt über Grund“. In einem Revier mit Strömung kann für gewöhnlich mit einem Blick auf diese beiden Werte sehr schnell festgestellt werden, ob der Anker rutscht oder hält.

Beträgt die „Fahrt über Grund“ quasi null Knoten und die „Fahrt durchs Wasser“ beispielsweise zwei Knoten, hält der Anker. Die zwei Knoten entsprechen in dem Beispiel der Geschwindigkeit, mit der das Wasser unter dem Schiff hindurchströmt – dadurch kommt es zu einer „Fahrt durchs Wasser“, obwohl das Schiff vor Anker liegt. Im nachstehenden Foto sind es 2,07 Knoten. Die „Fahrt über Grund“ hingegen liegt bei 0,08 Knoten. Das passt!

Anker hält, wie die Instrumente bestätigen.

Beträgt die „Fahrt über Grund“ hingegen zwei Knoten und die „Fahrt durchs Wasser“ null Knoten, hält der Anker nicht mehr. Der umgekehrte Fall ist eingetreten und das Schiff treibt mit der Strömungsgeschwindigkeit fort.

Mit anderen Worten: In einem Revier mit Strömung macht das Schiff vor Anker immer Fahrt durchs Wasser und nie über Grund! Nebenbei bemerkt: eine gute Gelegenheit, beim Nichtstun Seemeilen zu sammeln 😉

Vertrauen in das Ankern mit Strömung gewinnen

Segler, für die das Ankern in der Strömung Neuland ist, können sich das Leben etwas leichter machen, wenn sie beim ersten Mal sehr rechtzeitig am Ankerplatz vor dem Dunkelwerden ankommen. Im Idealfall erlebt man schon mal einen Tidenkipp bei Tageslicht und bekommt so ein Gefühl dafür, wie sich das anfühlt.

Frühes Ankommen macht das Ankern entspannter.

Außerdem kann dabei schnell festgestellt werden, ob das eigene Ankergeschirr zu der gegebenen Bodenbeschaffenheit passt. Hält der Anker problemlos nach dem Tidenkipp, ist dies normalerweise auch bei jedem weiteren Tidenkipp der Fall.

Sicherheitsleine ausbringen

Ein Sicherheitshinweis sei noch erlaubt: Wer an einem Ankerplatz mit Strömung über Bord fällt, kann erhebliche Probleme bekommen gegen die Strömung zu schwimmen, um zum Schiff zurückzukommen. Ab zwei Knoten Strömungsgeschwindigkeit wird es für die meisten gar unmöglich. Eine Leine mit einem Fender hinter dem Heck kann hier gegebenenfalls Abhilfe schaffen.

Fazit

Ankern im Strom ist kein Hexenwerk, da es sich genau genommen gar nicht so sehr vom normalen Ankern ohne Strömung unterscheidet. Die vorstehenden Punkte sollten allerdings beachtet werden, damit das Ankern im Strom Spaß macht.

Magische Momente gibt es immer wieder vor Anker.

Wer das Ankern im Strom wagt, wird mitunter mit einem beeindruckenden Naturschauspiel belohnt – beispielsweise in Revieren mit starkem Tidenhub. Eben noch ist eine gigantische Wasserfläche überspült und ein paar Stunden später ragen an derselben Stelle die Sandbänke hoch hinaus und die Landschaft erhält ein völlig neues Gesicht. Spätestens dann wird den meisten Seglern klar: Es lohnt sich!

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Revier-Info Galapagos: Einklarieren, Formalitäten, Auflagen, Ankerplätze und Infrastruktur

Galapagos: die Formalitäten bei der Einreise

Nach etwas über 30 Tagen Aufenthalt auf Galapagos habe ich eine Zusammenfassung erstellt, die vielleicht dem einen oder anderen Segler hilft, falls Galapagos mit dem Boot angesteuert werden soll.

Erforderliche Dokumente

Ein ganz wichtiges Dokument ist das sogenannte Autografo (Fahrerlaubnis), das man vier bis sechs Wochen vor der Einreise nach Galapagos bei einem der Agenten beantragen muss. Dafür benötigt der Agent für gewöhnlich alle Dokumente, die bei der Einreise nach Galapagos auch benötigt werden, in gescannter Form. Wer ohne Autografo einreist, ist den Behörden ausgeliefert und darf vor allem nur maximal eine Insel anlaufen.

Wichtiges Dokument: das Autografo

Außerdem werden die Schiffspapiere, die Reisepässe der Crewmitglieder, ein Nachweis über die Schiffsversicherung, die Krankenversicherung sowie die Frequenzzuteilungsurkunde samt Funklizenz benötigt. Weitere Infos zum Umgang mit Behörden und den Papieren gibt es auch hier.

Mit dem Antrag muss auch ein Termin festgelegt werden, zu dem die Einreise erfolgen soll. Später ankommen ist kein Problem. Zu früh ankommen hingegen schon. Ab dem Termin bleiben 30 Tage, um den Archipel zu besuchen. Alternativ können auch 60 Tage beantragt werden – dann fallen zusätzliche Gebühren an.

Galapagos ist ein reizvolles Ziel.

Auflagen bei der Einreise nach Galapagos

Generell kommen die Vertreter der verschiedenen Behörden an Bord. Einreisen und Ausreisen kann man auf den Inseln San Cristobal oder Santa Cruz. Auf der Insel Isabela müssten die Behörden extra anreisen, daher ist diese Insel nicht geeignet.

Bei der Einreise selbst gilt es, folgende Auflagen zu erfüllen: Es dürfen kein Frischfleisch, keine Orangen, keine Beeren, keine Chilis und kein Frischkäse eingeführt werden. Zudem muss die eigene Yacht gegen Insekten und Ratten ausgeräuchert sein. Der Nachweis darüber wird mit einem sogenannten „Fumigation certificate“ erbracht – sofern es nicht älter als vier Wochen ist. Alternativ wird bei der Einreise ausgeräuchert. Preiswerter und weniger aufwendig ist es in Panama oder Ecuador Festland.

Einklarieren am Ankerplatz

Und auch das Unterwasserschiff findet Beachtung. Es darf absolut keinen Bewuchs haben. Andernfalls muss man wieder 40 Seemeilen hinaus aufs offene Meer fahren – dort befindet sich die Grenze des Nationalparks. Außerhalb des Nationalparks kann man das Schiff dann reinigen. Nach der erneuten Einreise wird es nochmals inspiziert.

Umgang mit Abfällen an Bord

Außerdem müssen an Bord gut sichtbar und beschriftet drei Abfalleimer bereit stehen. Je einer für Bio-, Rest- und Recycling-Müll. Dazu gehören auch zwei Hinweisschilder mit der Message „Do not throw garbage over Board“ oder „Do not discharge black water into the sea“

Das Büro des Hafenkapitäns auf Cristobal

AIS-Pflicht auf Galapagos

Das AIS (Automatic Identification System) muss mit einem Transponder (Sendeeinheit) ausgestattet sein und darf nicht ausgeschaltet werden. Das war für uns eine Herausforderung, da bei uns die gesamte Navigation an derselben Sicherung hängt und wir damit unnötig viel Energie verbrauchen. Mein Mann Ferry hat das AIS daraufhin auf eine gesonderte Sicherung ummontiert.

Kennzeichnungspflicht für Rettungsmittel

Alle Sicherheitseinrichtungen (Rettungsinsel, Wurfleine, MOB-Boje, …) müssen mit dem Bootsnamen beschrieben sein. Überprüft werden könnten bei der Einreise beispielsweise: Rettungsring(e), Feuerlöscher, Erste-Hilfe-Kasten, Radar, VHF, EPIRB, Rettungswesten oder Signalmittel – und das auf jeder Insel aufs Neue!

Ankernde Yachten

Was kostet es, nach Galapagos zu segeln?

Wir sind ein 43-Fuß-Segelboot und haben 1.680,- USD bezahlt für den Agenten, den Nationalpark, das genannte Autografo und diverse andere Abgaben. Im Gegenzug haben wir drei der fünf bewohnten Inseln besucht (San Cristobal, Santa Cruz und Isabela).

Ein möglicher Agent ist dieser hier: www.galapagosyachtservices.com

Artenvielfalt im Nationalpark Galapagos

Auf das Segeln im Nationalpark haben wir verzichtet, weil es uns zusätzlich 200,- USD pro Tag gekostet hätte und ein lokaler Guide an Bord mitgenommen werden muss, der zu bezahlen und zu versorgen ist.

Hinzu kommen außerdem noch die lokalen Zarpe – das sind die Genehmigungen, die benötigt werden, um von Hafen zu Hafen zu segeln. Denn jedes Mal, wenn eine Insel verlassen wird, wird eine Zarpe, die zwischen 10 und 15 USD kostet, benötigt. Jeweils eine für das Aus- und Einlaufen. Bei jeder neuen Insel hat man wieder eine Inspektion, wo sie wieder alles überprüfen können. War die Inspektion auf Santa Cruz einfach, war es auf Isabela mehr als genau – ist aber sicherlich von den handelnden Personen abhängig.

Natürlich wird nicht alles so heiß gegessen, wie es gekocht wird! Beispielsweise hatten wir eine Flasche Olivenöl übersehen, die uns in die Motorbilge gerutscht war. Die musste natürlich entfernt werden, aber es gab keine Rüge!

Allgemeine Informationen zu den Inseln

Sicherheit

Auf allen Inseln ist es sehr sicher. Es käme niemand auf die Idee, auf ein fremdes Boot zu gehen. Verliert man etwas in der Stadt und es bemerkt jemand, wird es einem gebracht!

Mit dem Wassertaxi geht es an Land.

Wassertaxi

Gleich vorweg: Wer nach Galapagos segelt, benötigt kein Dingi. Stattdessen gibt es Wassertaxen. Natürlich könnte man dennoch auf die Idee kommen, das eigene Dingi zu nutzen, aber das ist aus zwei Gründen nicht ratsam. Erstens gibt es kein Dingi-Dock und man darf ohnehin nicht einfach so irgendwo anlanden. Zweitens sind die verspielten Seelöwen allgegenwärtig und die möchte man nicht wirklich in seinem Dingi haben, weil es danach stinkt und mit Exkrementen verschmutzt ist.

Ein Wassertaxi erreicht man über UKW-Seefunkanal 14. Die Preise und die Verfügbarkeiten variieren von Insel zu Insel.
– San Cristobal: 1,00 USD von 6.00 bis 19.00 Uhr
– Santa Cruz: 0,80 USD von 6.00 bis 19.00 Uhr.
– Isabela: 2,00 USD von 6.00 bis 21.00 Uhr.

Fortbewegung an Land

Sofern man nicht zu Fuß unterwegs sein möchte, gibt es an Land Taxen in Form von weißen Pick-ups. Die Preise sind in der Stadt fix und schwanken zwischen 1,50 und 2,00 USD. In San Cristobal und auf Santa Cruz warten die Taxen direkt an der Pier. Auf Isabela muss man gut einen Kilometer Fußmarsch in Kauf nehmen.

Mit Pick-ups gelangt man über die Inseln des Archipels.

Seelöwen und Vögel

Die Seelöwen sind allgegenwärtig. Besonders die Badeplattformen der Yachten sind für sie ein beliebter Tummelplatz. Wenn das Cockpit frei zugängig ist, nehmen sie auch dieses als Rastplatz. Pelikane und Vögel bevorzugen eher die Seereling. Eines haben sie alle gemeinsam: Sie sind lieb, putzig und sie hinterlassen ihre Spuren.

Wir haben einen Seelöwen auf der Badeplattform zu Besuch.

Wir haben uns aus Fendern eine Sperre gebaut, um zu verhindern, dass die Seelöwen in unser Cockpit gelangen. Mit Erfolg!

Die Fender-Sperre bei uns an Bord

Ankerplätze

Die Ankerplätze sind mehr oder minder alle Schwell oder Dünung ausgesetzt und folglich rollig. Puerto Baquerizo Moreno auf San Cristobal geht ganz gut, da der Ankerplatz im Lee der Insel ist, wenn der Passatwind weht. Aber auch dann können die vielen Bootstaxen und Dingi-Zubringer für die Ausflugsschiffe Schwell erzeugen. Das gilt für alle Inseln gleichermaßen. Insbesondere auf Isabela fahren die Ausflugsschiffe tagsüber direkt an den ankernden Yachten vorbei. Entsprechend ruhig ist es dafür in der Nacht.

Typischer Ankerplatz im Archipel. Hier Puerto Baquerizo Moreno.

Die Tiefen variieren zwischen vier und acht Metern – der Tidenhub beträgt etwa zwei Meter. Geankert wird fast überall auf Sand. In Santa Cruz wäre ein Heckanker von Vorteil, um den Bug zur anrollenden Dünung auszurichten, aber der ist schwer ausbringbar ohne Beiboot.

Restaurants

Auf allen Inseln kann man für fünf bis acht USD gut zu Mittag essen. Ein Burger oder Sandwich kostet zwischen sieben und zwölf USD. Pizza mehr als zwölf USD. Ein großes Bier kostet zwischen fünf und sieben USD!

Galapagos ist bekannt für seine Riesen-Schildkröten.

Versorgung

Die Versorgung ist auf San Cristobal und Isabela eher einfach. Auf Santa Cruz gibt es einen Fischmarkt am Hafen und einen Gemüsemarkt etwa einen Kilometer entfernt. Dort werden auch Fleisch und Fisch an Ständen angeboten. Außerdem gibt es einen Supermarkt direkt am Hafen. Dieser hat nicht immer alles vorrätig und er ist sehr teuer.

Waschsalon

Wer Wäsche waschen muss, findet auf jeder Insel einen Waschsalon. Der Preis für ein Pfund Wäsche beträgt ein US-Dollar.

Internetzugang

Hierbei hilft eine lokale SIM-Karte. Wir haben unsere in Ecuador von einer Segelyacht übernommen. Auf Galapagos kann diese Karte für 10 USD aufgeladen werden. Konkret erhält man dann 2 GB und 200 Minuten lokale Sprechzeit und freies „WhatsApp“. Sonstige soziale Netze sind nicht inkludiert, somit kommt rasch einiges an Megabytes zusammen. Wir haben also alle paar Tage nachgeladen! In den Restaurants und Kaffes ist das WLAN generell ziemlich langsam. Aktualisierungen von Apps sind reines Wunschdenken.

Ein Highlight! Tauchen mit den Seelöwen

Sightseeing und Touren

Es gibt auf allen Inseln Attraktionen, die kostenfrei sind. Über Agenturen kann man Inseltouren buchen (etwa 45 bis 60 USD). Auch der Besuch der anderen Inseln ist möglich. Das kostet eher 120 bis 200 USD. Und natürlich gibt es jede Menge Tauchschulen, die für 160 bis 180 USD ganztägige Ausflüge mit dem Boot anbieten. Dabei sind zwei Tauchgänge enthalten. Außerdem gehört zu fast jeder Tour auch noch schnorcheln dazu. Das Equipment und das Handtuch sind im Preis innbegriffen. Besonders reizvoll ist ein Tauchgang mit Hammerhaien durch die Felsspalte der vorgelagerten Insel Kicker Rock.

Tauchen in der Felsspalte am Kicker Rock ist ein Highlight!

Bei den Tagesausflügen ist zudem immer ein Mittagsessen inkludiert. Man kommt einfach mit seinem Badeanzug, mehr benötigt man nicht. Die Gruppen bestehen meist aus 16 Personen: 16 passen ins Bootstaxi, 16 Leute sind im Ausflugsschiff erlaubt. Wer Glück hat, erwischt ein Boot mit weniger Gästen.

Ein Schwarm Hammerhaie

Die ganz großen Kreuzfahrtschiffe dürfen Galapagos nicht mehr anlaufen. Die Obergrenze für Kreuzfahrer liegt aktuell bei 100 Personen, weil das Ökosystem der Inseln nicht so viele Personen auf einen Schlag verkraften kann.

Bezahlung

Kreditkarten sind so ein Thema. In den meisten Restaurants werden bei der Bezahlung mit der Kreditkarte 10% aufgeschlagen. Bei den Agenturen für die Touren sind es sogar bis zu 12%. Beim Supermarkt wiederum gibt es keinen Aufschlag. Nur ganz wenige Geldautomaten geben mehr als 200 USD pro Abhebung her und dann behalten sie 4 USD für die Transaktion ein.

Auf Isabela gibt es gar keinen Geldautomat. In Santa Cruz haben wir endlich einen Automaten entdeckt, der 400 USD hergibt und nur 2 USD für die Abhebung verlangt. Die Agenten wollen alle nur Bargeld. Unserem Agenten konnten wir das Geld vorab überweisen und wir zahlten nur eine kleine Differenz vor Ort in Bar.

Statue von Charles Darwin

Fazit – War es das wert?

Wenn Ihr mich fragt, ob sich der ganze Aufwand und die Kosten gelohnt haben, dann lautet die Antwort: Ja! Die Tiere, die Pflanzen und die Vulkanlandschaft hautnah zu erleben, ist schon einmalig. Ob ich es nochmals machen würde, weiß ich nicht, eher Nein! Wir haben Galapagos nun gesehen und es gibt noch genug andere schöne Plätze zu entdecken.

Ferry findet ebenfalls, dass es sich gelohnt hat und wunderschön war, bezeichnet es aber auch als eine „once in a life time“-Sache.

Wer mehr über unsere Reise bis Galapagos erfahren möchte, kann uns hier verfolgen: www.alrisha.at

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Nordtoern-Segelreisen

Beschreibung

Mitsegelangebote vom Atlantik bis hin zur Ostsee

Seit 1998 teilt das erfahrene Team von Nordtoern-Segelreisen mit Gleichgesinnten die Leidenschaft fürs Segeln. Während der Schwerpunkt anfangs bei Yachtcharter in der Ostsee und Segelreisen in Skandinavien lag, kamen anschließend die Reviere Nordsee und Atlantik und sogar die Karibik und Grönland hinzu.

Das Unternehmen legt auf den Segelreisen besonderen Wert auf Sicherheit und gute Seemannschaft – das Teamsegeln auf der Hochseeyacht mit ihrem seglerischen Potenzial macht den Spaß und den Charakter der Segelreisen aus. Dazu gehört es auch, die jeweils gegenwärtigen Grenzen und Möglichkeiten von Wetter, Seegebiet, Schiff und Crew zu erkennen, zu akzeptieren und zu genießen und anschließend im Hafen die gemeinsame Leistung zu feiern.

Es ist immer ein erfahrener Skipper oder eine erfahrene Skipperin an Bord. Unerfahrene MitseglerInnen integrieren sich nach ihren Fähigkeiten ins Team und können mit viel Spaß in lockerer Reiseatmosphäre nach ihren Bedürfnissen lernen. Das Miteinander und die besondere Stimmung an Bord tragen oftmals dazu bei, dass schnell und nachhaltig Freundschaften entstehen.

Mittlerweile hat sich Nordtoern auf die atlantischen Inseln spezialisiert – im Winter gibt es Segelangebote in den Kanarischen Inseln, im Sommer im Azoren-Archipel oder auf Nord- und Ostsee.

Kontakt

Nordtoern
Thomas Dühren
22159 Hamburg
Deutschland

Telefon +49 40 64 49 20 60
Telefax +49 40 64 49 20 61
info@nordtoern.de
www.nordtoern.de

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Wie gelingt der Wiedereinstieg in den Alltag nach einer langen Reise?

Der Wiedereinstieg ist ein individueller Prozess

Rund um das Thema „Wir gönnen uns eine Auszeit“ beschäftigt ein Aspekt potentielle Aussteiger auf Zeit ganz besonders. Und das ist der Wiedereinstieg in den Alltag nach der Rückkehr. So unterschiedlich die Menschen und ihre Lebenssituationen sind, so unterschiedlich wird sich auch der individuelle Wiedereinstieg gestalten.

Uns ist der Wiedereinstieg nach der Reise gelungen, das muss aber nicht zwangsläufig so sein. Es hängt von ganz vielen verschiedenen Faktoren ab, wie die Zeit danach empfunden und das Leben vielleicht auch neu geordnet wird. So kennen wir beispielsweise die Geschichten von mehreren Ehepaaren, die wir während unserer Reise kennengelernt haben und die sich nach der Rückkehr in Deutschland getrennt haben.

Sehnsuchtsziele wie die Karibik machen den Wiedereinstieg nicht einfacher.

Der Start ist die Basis für die Rückkehr

Ich bin mir sicher, dass es neben Zielstrebigkeit und technischem Verständnis eine ganz wichtige Voraussetzung gibt, eine glückliche Zeit unterwegs zu erleben – nämlich aus einem ausgefüllten und zufriedenen Leben heraus zu starten. Dann sind auch die Weichen für einen guten Wiedereinstieg richtig gestellt.

Eine Auszeit und einen Wiedereinstieg in den Alltag mit „Vollkaskoschutz“ gibt es nicht. Wahrscheinlich ist es auch gerade dieses Risiko, diese Ungewissheit, die viele Menschen letztlich davon abhält, lang gehegte Reisepläne in die Tat umzusetzen.

Die Reiseroute von Antje und Ingo Paulus

„Habt Ihr euch schon wieder eingelebt? Wie ist das, sich nach so einer langen und schönen Zeit wieder an den Alltag zu gewöhnen?“ Diese Fragen wurden uns nach der Rückkehr am häufigsten gestellt. Und auch ich habe während unserer Reise die Frage nach dem Wiedereinstieg in den Alltag einem gestandenen Salzbuckel, den wir unterwegs getroffen haben und der das schon einmal durchgemacht hat, gestellt. „Schwer, sehr schwer.“ Mehr hat er nicht gesagt, als ich ihn auf Lanzarote bei einem Sundowner in unserem Cockpit danach fragte. Eigentlich keine überraschende Antwort und doch hätte ich lieber etwas Anderes, Ermutigenderes, Zuversichtlicheres gehört.

Wie haben wir unseren eigenen Wiedereinstieg erlebt?

Meine eigene Antwort fällt etwas anders aus: Es war nicht leicht, aber gar nicht so schlimm. Wir kamen braungebrannt, voller positiver Eindrücke und mit großem Tatendrang zurück. Im Gepäck hatten wir unglaublich viele wunderbare Erinnerungen, die uns keiner nehmen konnte und von denen wir ein Leben lang zehren werden.

Unser Hanseat 70 – die AMAZONE

Viele neue Bekanntschaften haben wir gemacht, bei manchen wurde eine Freundschaft daraus. Wir haben magische Nächte auf dem Atlantik erlebt, Orte besucht, deren Namen wir zuvor noch nie gehört hatten. Nun sahen wir endlich unsere Familie und Freunde wieder und voller Schwung sind wir an die Aufgaben gegangen, die an Land auf uns warteten. Es gab wieder Jahreszeiten, die Menschen um uns herum sprachen unsere Sprache und wir konnten im Supermarkt um die Ecke Rote Grütze kaufen, die ich auf unserer Reise schon so lange vermisst hatte.

“Magische Momente”

Es war schön, im Oktober in Bremen mal wieder über den Freimarkt zu bummeln, „Eis wie Sahne“ zu genießen und den Duft von gebrannten Mandeln in der Nase zu haben. Aber auch raschelndes Herbstlaub und Tage, die grau und verregnet waren, geheizte Räume und überfüllte Busse gehörten wieder zu unserem Alltag. Da war es wohl ganz normal, dass wir aktiv an der ersten Erkältungswelle des Herbstes teilnahmen.

Einkaufen: Unterwegs oft ein Abenteuer, in der Heimat „normal“

Natürlich hat sich in unserer Heimatstadt einiges verändert, während wir auf Blauwassertörn waren. Diese Veränderungen haben sich aber auf unseren beruflichen Wiedereinstieg durchaus positiv ausgewirkt. Das war besonders für Ingo nicht selbstverständlich. Seine Firma wollte ihn für die Auszeit nicht beurlauben und so blieb nach mehr als zwei Jahrzehnten Betriebszugehörigkeit nur die Kündigung.

Wir haben auf unserer Reise Seglerinnen und Segler getroffen, die Rente bezogen oder in den vorgezogenen Ruhestand gegangen sind, die sich beurlauben lassen konnten oder ihren Betrieb verpachtet oder verkauft haben. Wir haben aber niemanden in unserem Alter von Anfang 50 getroffen, der seine gut dotierte, sichere Arbeitsstelle gekündigt hat. Zu kündigen war für Ingo ein harter, schwerer Schritt, der ihm nicht leichtgefallen ist. Diesen Mut aufzubringen und auf die eigenen Fähigkeiten, die Zukunft und einen gelingenden Wiedereinstieg zu vertrauen, das war eine der größten Herausforderungen dieser Reise – ja, es hat die Reise sogar erst möglich gemacht.

Glückliche Ankunft in der Heimat nach 14 Monaten

Ingo war nach der Rückkehr drei Monate arbeitssuchend und hat währenddessen eine Fortbildung zum Qualitätsmanager sehr erfolgreich abgeschlossen und festgestellt, dass Lernerfolg nicht vom Alter abhängt. Ganz im Gegenteil: Während der Reise hatte er sich besonders als Skipper vielfältigen, physischen sowie psychischen Herausforderungen zu stellen. Diese hat er angenommen und bewältigt, sodass er „hellwach“ und mit großem Elan zurückkehrte. Er hatte sich unter anderem in seiner alten Firma beworben und ist wieder eingestellt worden.

Antje und Ingo Paulus während der Reise

Ich kehrte planmäßig in meine Behörde zurück, musste aber den Arbeitsplatz wechseln und bekam ein neues Aufgabengebiet übertragen. Neue Kolleginnen und Kollegen, neue Anforderungen und Arbeitsabläufe kamen auf mich zu. Mit Interesse und Tatkraft habe ich mich dem gestellt und fühle mich dort sehr wohl.

Unsere erwachsenen Söhne haben Haus und Garten während unserer Abwesenheit sehr gut in Schuss gehalten. Die beiden haben sich zusammengerauft und mit ihrer Zweier-WG eine gute Zeit gehabt, mit allem, was dazugehört – die eine oder andere Party natürlich auch. Unser Jüngster hat während unserer Abwesenheit seine Berufsausbildung erfolgreich abgeschlossen. Auch in dieser Hinsicht ist alles gut gelaufen, obwohl Mama und Papa nicht zu Hause waren. Kurz nach unserer Rückkehr haben die beiden (damals 24 und 22 Jahre alt) gemeinsam eine Wohnung gemietet und eine Studenten-WG gegründet. Nach wie vor haben wir ein vertrauensvolles, enges Verhältnis zu unseren Kindern und genießen es, gemeinsam Zeit zu verbringen. Wir nehmen das nicht als selbstverständlich und sind dankbar, dass es so ist.

Im hektischen Alltag in Deutschland erinnern wir uns gern an die außergewöhnliche Zeit an Bord zurück. So wunderbar es auch war, Familie und Freunde wiederzusehen, so sehr vermissen wir die Sonne, das warme türkisfarbene Wasser und die täglichen Runden, die wir um die AMAZONE geschwommen waren. Natürlich fehlt uns auch das selbstbestimmte Leben im Einklang mit der Natur. Mit den unzähligen tollen Erlebnissen und wunderbaren Eindrücken „im Gepäck“ war der Wiedereinstieg aber auch gut zu schaffen. Wir hatten die vielfältigen Herausforderungen gemeistert und kamen gestärkt mit offenem Blick und körperlicher wie geistiger Vitalität zurück. Die vielfältigen und schönen Erinnerungen sitzen nicht wie ein Stachel im Fleisch, sondern sie beflügeln uns, den Alltag an Land zu bestehen. Hin und wieder träume ich mich zurück an Bord, sitze an der Pinne, spüre den Wind in den Haaren, das Salz auf der Haut und steuere die AMAZONE mit vollen Segeln durch die schäumende See und die Delfine, die uns begleiten, scheinen uns zuzulächeln – that‘s life!

Entspannte Momente auf See an Bord der AMAZONE

Und was wurde aus dem Schiff?

Und unsere Gefährtin, die AMAZONE, wie ist es ihr ergangen? Wir haben sie nach und nach von ihrem Übergewicht befreit und einige Wagenladungen mit Ausrüstung von Bord geholt. Sentimentale Stimmung kam bei mir auf, als die Kokosnuss, die seit Tobago an Bord war, und unser geliebter ADAC-Karibik-Reiseführer mit vielen anderen Dingen, die sich im Laufe der Reise angesammelt haben, von Bord kamen.

Zentimeter um Zentimeter kam unsere AMAZONE weiter aus dem Wasser. Wir haben uns doch gewundert, dass sie trotz der enormen Zuladung ihre guten Segeleigenschaften behalten hatte. 12.000 Seemeilen und 800 Motorstunden haben Spuren hinterlassen, was ja auch nicht sonderlich überraschend ist. Wir haben 14 Monate auf und mit der AMAZONE gelebt, sie ist während der Reise nicht an Land geholt worden, wir haben jede Nacht an Bord verbracht.

14 Monate hat das Paar aus Bremen an Bord gelebt.

Nach unserer Rückkehr Anfang August sind wir nur noch einmal dazu gekommen, mit ihr zu segeln. Ingos Fortbildung ließ es zeitlich einfach nicht zu, mit ihr unterwegs zu sein. Im Herbst kam sie an Land auf ihren Winterlagerhallenplatz. Viele Überholungsarbeiten standen an, wir mussten viel Zeit und Geld investieren, um sie wieder auf Hochglanz zu bekommen.

Fazit zum Wiedereinstieg in den Alltag

Tatsächlich lag der Wiedereinstieg für uns also irgendwo dazwischen – zwischen „sehr schwer“ und „sehr schön, wieder zu Hause zu sein“. Aber dieses Risiko, dass der Wiedereinstieg hart werden oder vielleicht sogar misslingen könnte, mussten wir eingehen. Die Alternative wäre gewesen, gar nicht erst loszufahren. Das kam für uns nicht in Frage.

Wir bereuen es nicht, uns auf das Abenteuer einer Auszeit eingelassen zu haben. Ganz im Gegenteil, wir hatten die beste Zeit unseres Lebens. Tief in uns spüren wir eine große Dankbarkeit, dass wir unseren großen Traum leben durften und es nicht nur beim Träumen geblieben ist. Und ja, wir wollen wieder lossegeln. Kaum dass wir zurück waren, schmiedeten wir schon wieder Reisepläne. Der Langfahrt-Virus hat uns gepackt! Der Countdown läuft unter: https://welt-ahoi.de/

Tipp der Redaktion: Das Buch zur Reise

Antje Paulus hat zusammen mit ihrem Mann Ingo das Buch „14 Monate Sommer – unter Segeln in die Karibik und zurück“ geschrieben. Die beiden begeisterten Segler aus Bremen berichten über die intensiven Vorbereitungen und die unzähligen Reiseerlebnisse, die sie während ihrer 14-montigen Atlantikrunde mit ihrer Hanseat 70 AMAZONE erlebt haben.

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Törnbericht: Ruhig und relaxed rund Menorca segeln

Schöne Buchten und viel einsame Natur prägen Menorca

Wie eine Zahnwurzel schneidet sich die Cala Coves in die hohen, schroffen Felsen. Durchlöcherte Klippen ragen in den milchigen Himmel und werfen das Echo zurück: das laute Rasseln der Ankerkette und das gleichmäßige Tuckern des Motors. Dann kehrt Ruhe ein. Die Sonne wirft ihre letzten blassen Strahlen über das glasklare Wasser. Ein paar Sturmtaucher kreischen. Auf dem Herd dampft ein großer Topf Spaghetti. Und mit Einbruch der Dunkelheit lassen die Bordlautsprecher Jack Johnsons ruhige Folk-Stimme über die Bucht summen.

Cala Coves

Segelurlaub wie aus dem Bilderbuch. Erst am Vormittag hatte wir unsere Charteryacht übernommen, Einkäufe und einen Stadtbummel unternommen. Und dann waren wir mit einer leichten Nordbrise um den schwarz-weiß geringelten Leuchtturm der Isla del Aire gesegelt, um anschließend in diese ehemals von Hippies bewohnte Höhlenbucht einzulaufen.

In den Felshöhlen rund um die Bucht Cala Coves hausen im Sommer die Hippies.

„Genauso habe ich mir das vorgestellt“, freut sich Martin, Architekt aus Köln, beim Abendessen im Cockpit. Anfang Mai für eine Woche Sommer im Süden tanken, in einem überschaubaren Revier mit kurzen Distanzen und gutem Wetter. Doch was an Tag eins der Reise so verheißungsvoll beginnt, soll schon bald sein jähes, unerwartetes Ende finden.

Schöner Segelwind treibt unser Charterschiff zunächst die Südküste entlang.

Die Saison auf Menorca ist kurz, die Nebensaison ruhig

Doch davor treffen wir ein deutsches Seglerpaar, das ebenfalls auf der Insel gechartert hat und vor vier Jahren schon einmal rund Menorca gesegelt ist. „Wir schätzen die Ruhe und Abgeschiedenheit von Menorca sehr“, erklärt der pensionierte ehemalige Geschäftsführer die Besonderheit der Insel. „Außerdem bietet die Insel alles, was wir mögen: kurze Entfernungen, historische Städte und viele wunderschöne und einsame Ankerbuchten“, ergänzt seine Frau.

Ausgangs- und Zielpunkt für Charterreisen ab Menorca ist meist die Hauptstadt Mahón.

In der Tat hat die kleine Baleareninsel, die nur ein Fünftel so groß wie Mallorca ist, alles, was man für einen Kurztrip benötigt: eine Handvoll Hafenstädte, unzählige Sandstrände, Küstenwanderwege, dazu 70 beschriebene Ankerbuchten. Alles zu erreichen auf einer Rundreise von gerade einmal 70 Seemeilen. „Zugegeben, eine nautische Herausforderung ist die Inselumrundung nicht“, hatte ich meine Crew vor der Reise auf eine entspannte Woche eingestimmt.

Menorca: 70 Seemeilen misst der Törn um die Insel. Karte: Webapp Navionics

Über die Höhlenbucht hat sich im Laufe der Nacht eine dichte graue Wolkenschicht geschoben, die Lufttemperatur hat plötzlich Ostseeniveau erreicht. „Ich gehe trotzdem baden“, entscheidet Martin und auch Crewmitglied Sureen springt hinterher.

In der Nebensaison muss auch im Mittelmeer mit einem Wetterumschwung gerechnet werden.

Beim Frühstück klingelt das Handy: „Heute Nacht zieht ein Sturm auf“, meldet sich der Stützpunktleiter, „mit viel Regen und Wind bis zu 40 Knoten aus westlicher Richtung.“ Beim Blick auf die Seekarte zeigt sich das Dilemma: Außer bei Nordwind bieten die zahlreichen, meist sandigen und vielfach unverbauten Buchten der Südküste nur unzureichend Schutz. „Puh“, stöhne ich, „die Buchten sind alle viel zu offen, da rollt bestimmt überall die Welle rein.“

Mahón ist das Zentrum der Insel

Zum Glück hat die Insel auch ein paar sichere Häfen zu bieten. Mahón, die Hauptstadt mit Charterbasis, ist nach Sydney der zweitgrößte Naturhafen der Welt. Dieser drei Seemeilen tiefe, fjordähnliche Einschnitt an der Ostküste ist nicht nur sicher, er kann auch bei fast jeder Wetterlage angelaufen werden. Hier machen die Kreuzfahrer, Fähren und Frachter fest, hier gibt es die meisten Yachtliegeplätze und hier kann man durch die schmalen Gassen eines dichtgedrängten Häusermeers schlendern. Aber auch die drei anderen Hafenorte liegen alle in sicheren, schluchtartigen und tiefen Einschnitten. Fornells und Addaia an der rauen, wilden und abgelegenen Nordküste, Ciutadella ganz im Westen.

Alte Häuser und schöne Geschäfte wie hier in Ciutadella sorgen auch beim Landgang für Abwechslung.

Ciutadella ist die Perle der Insel

Mit 28 000 Einwohnern ist Ciutadella der zweitgrößte Ort der Insel und unser Fluchthafen für die Nacht. Das Liegeplatzangebot für Besucheryachten ist in dem schmalen Fjord begrenzt, im Sommer ist der Hafen stets chronisch überlastet. Weil der Ort attraktiv ist und wegen seiner Nähe zu Mallorca, zieht er viele Yachten an. Etwas Abhilfe hat der Bau eines Fährhafens gleich südlich der schluchtartigen Hafeneinfahrt geschaffen.

Direkt an der Promenade von Ciutadella befinden sich die schönsten Liegeplätze.

Auch das deutsche Ehepaar hat mit ihrer kleinen Charteryacht den Hafen als Unterschlupf gewählt und neben dem Clubgebäude vom Club Nautico festgemacht. Wir ergattern einen der schönen Gastliegeplätze direkt an der Promenade. „Tenga otro“, sagt der freundliche Marinero beim Anlegen, zeigt hoch in den grauen Himmel und zupft eine zweite Sorgeleine aus dem Wasser. Soll heißen: Vertäut euch lieber mit zwei Muringleinen, da ist einiges im Anmarsch. Kassiert wird auch direkt an der Kaimauer, „für das, was man hier an Serviceleistungen bekommt, ist der Hafen zu teuer“, schreibt der Autor des an Bord befindlichen nautischen Handbuchs. Wir aber sind froh über einen sicheren Platz.

Der Törn zum Sommeranfang beschert blühende Landschaften.

Shoppen und Sightseeing in Ciutadella

Segelneuling Sureen ist darüber hinaus begeistert über den Platz vor der von Restaurants gesäumten Promenade. „Als Landtourist gehe ich sonst immer an den Stadthäfen spazieren und beneide die Leute auf ihren Booten“.

Der historische Ort selbst lockt mit prächtigen Patrizierpalästen, engen Altstadtgassen und vielen Einkaufsmöglichkeiten. Im Delikatessenladen „El Paladar“ hängen luftgetrocknete Schinkenkeulen an der Wand, und es gibt das Wahrzeichen der Insel zu kaufen, den aus Kuhmilch hergestellten Mahón-Käse. Das andere Wahrzeichen gibt es gleich nebenan: Die Avarca-Sandale ist ein ehemaliger Bauernschuh, der sich heute in den Kollektionen führender Designer findet.

Eine der zahlreichen Inselspezialitäten von Menorca

Am späten Abend kündigt sich der Sturm durch sintflutartige Regenfälle an. Zu diesem Zeitpunkt gab es auf der Nachbarinsel Mallorca bereits Erdrutsche, Straßensperren, Stromausfälle und vollgelaufene Schiffe.

Richtig brenzlig wird es nachts um halb vier. Schwere Sturmböen fegen über den Hafen hinweg, an Land wirbeln Caféhausschirme durch die Luft, und auf dem Wasser zerren die Schiffe an ihren Leinen. Mit jeder Bö fangen die Schiffe erneut an zu tanzen, auf den Decks der Schiffe herrscht Hochbetrieb in Unterhose. Angescheuerte Heckleinen werden gedoppelt und Muringleinen neu durchgesetzt. Einige Boote scheppern gegen die Kaimauer, bei anderen drohen sich die rollenden Riggs zu verhaken. Der Windmesser zeigt Geschwindigkeiten bis 49 Knoten an, an Schlaf ist nicht mehr zu denken.

Das Unwetter mit Sturmböen und starken Regenfällen kommt in der Nacht.

Menorca ist klein, die Optionen aber sind groß

Der Sturm wirbelt nicht nur Schiffe, sondern auch Törnpläne durcheinander. „Wir bleiben heute im Hafen“, entscheidet das deutsche Seglerpaar auf ihrer Bavaria 32, „der Wetterbericht spricht von 3,50 Meter hohen Wellen.“

Doch als der Wind am Nachmittag vollständig eingeschlafen ist, werden wir unruhig und laufen dennoch aus. Schon in der Ausfahrt von Ciutadella steht eine chaotische See, hinter dem Cabo de Banjos rollen dann riesige Wellenberge heran. Die Crew bekommt grüne Gesichter und ich sorge mich um die Sicherheit. Die schroffe Nordseite der Insel ist bis zum nächsten sicheren Unterschlupf eine 20 Seemeilen lange Leeküste. „Kommt, wir vergessen das für heute“, sage ich mehr zu mir selbst und drehe den Bug zurück Richtung Ciutadella.

Die exponierte Nordküste bietet nur wenige Schutzmöglichkeiten.

Wieder gibt es zwei Muringleinen, wieder wird das Hafengeld fällig, wieder macht sich die Crew auf zu einem Stadtbummel. „So kühles und raues Wetter ist um diese Jahreszeit sehr ungewöhnlich“, entschuldigt sich die Dame von der Tourismusinformation im Ort. Im April kann das Wetter durchaus noch recht wechselhaft sein. „Im Mai sollte es mit schweren Stürmen aber vorläufig vorbei sein“, schreibt Paul Kinzelmann in seinem Revierhandbuch ‚Menorca für Sportschiffer’. Starkwind in den Sommermonaten ist dagegen fast immer die Folge einer Mistral- oder Sciroccolage.

Auffrischender Nordwind und anrollende Wellenberge treiben unsere Segelyacht an Tag vier der Reise zurück an die Südküste. „Nicht zu fassen“, stöhne ich über die fehlgeschlagene Umrundung der Mini-Insel. Die Crew nimmt es gelassen und freut sich auf die Cala Turqueta. Eine der vielen einsam gelegenen Bilderbuchbuchten mit Sandstrand, türkisen Wasserfarben und felsigen Ufern. „Mit Sonne ist das hier bestimmt karibisch schön“, meint Sureen, springt ins Meer und schwimmt an den Strand. Dem anhaltenden Schmuddelwetter mit Nieselregen zum Trotz.

Im Süden der Insel sind viele schöne Buchten mit Sandstrand wie hier die Cala Turqueta.

Ankern bei der Isla del Llatzeret

Am Nachmittag geht es zurück bis vor die Einfahrt von Mahón. Dort, hinter der Halbinsel La Mola, befindet sich ein durch die Isla del Llatzeret rundum geschützter Ankerplatz. „Lieber keine Experimente mehr“, sage ich zu meiner Crew, denn für die Nacht ist eine Winddrehung auf Ostsüdost vorhergesagt.

Ankern bei der Isla del Llatzeret

Beim Abendspaziergang zur monumentalen Festungsanlage von La Mola scheint plötzlich die Sonne. Die zerklüftete Insel- und Küstenlandschaft und die mit sattem Grün bewachsenen Klippenhänge erstrahlen in einem warmen Licht. „Sieht aus wie in Schottland hier“, findet Martin.

Sehr geschützt, sehr idyllisch und dazu mit tollem Ausflugsziel: Ankerplatz bei der Festungsanlage La Mola.

Fornells ist das Topziel der Nordküste

Leider bleibt auch das Wetter schottisch, die schroffe Nordküste steht trotzdem auf dem Programm. „Fornells ist ein hübscher kleiner Fischerort, den man gesehen haben sollte“, zitiert Sureen den Reiseführer.

In der Bahia de Fornells, einem über zwei Seemeilen tiefen, seenartigen Einschnitt, trifft die Crew auch die Bavaria des deutschen Ehepaars wieder. „Sehr ruhig hier“, erzählt die Rentnerin, „nicht einmal zum Liegegeld kassieren ist jemand gekommen.“

In den kleinen Gassen und auf den Caféstühlen am Hafen sitzen nur vereinzelt ein paar Touristen. „Anders als auf Mallorca oder in anderen Mittelmeerrevieren ist unsere Saison hier nur zweieinhalb Monate lang“, hatte der Stützpunktleiter zu Beginn des Törns erklärt. Das sei auch ein Grund dafür, warum die Restaurants hier etwa 30 Prozent teurer sind. „Die müssen in dieser kurzen Zeit ihr ganzes Jahresgeschäft machen.“

Zeit auf den Terrassen von Cafés und Restaurants zu verbringen, ist eine beliebte Beschäftigung.

Das deutsche Ehepaar hatte am Abend zuvor im El Pescador Platz genommen und Seeteufel in Menorquiner Käsesoße und Calamaris mit grünen Bohnen bestellt. „Sehr gute Küche, sehr zu empfehlen“, schwärmen die Segler über das Fischrestaurant in erster Reihe. Überhaupt ist das Ehepaar, das erst nach der Pensionierung mit dem Segeln begonnen hat, mit dem Törn, der Insel und dem örtlichen Charterunternehmen sehr zufrieden. Und das, obwohl sie wegen des schlechten Wetters mehrere Ruhetage eingelegt und neben Mahón nur drei Ziele erreicht haben.

Der kleine Hafen des Ortes von Fornells bietet sichere Liegeplätze vor schöner Kulisse.

Es Grau erinnert an Griechenland

Unser letzter Ankerstopp liegt hinter der Isla Colom. Wieder ganz einsam, wieder ohne Bebauung, wieder mit Strand und felsigen Ufern. An der Küste gegenüber leuchten die ganz in weiß gestrichenen Häuser der kleinen Siedlung Es Grau. „Sieht aus wie ein griechisches Dorf“, findet Sureen.

Es Grau: Unser letzter Ankerstopp

Das Fazit lautet: wenig Trubel, viel Natur

Neben den lebendigen Altstädten, den unzähligen Sandstränden, der schroffen Felskulisse und den kurzen Distanzen sind es verträumte Plätze wie diese, die den Reiz der Insel ausmachen. „Auf Ibiza und Mallorca ist uns viel zu viel Trubel, wir lieben es, wenn wenig los ist und wir eine Bucht auch mal für uns alleine haben“, erzählt das deutsche Seglerpaar zum Abschluss der Reise. Wer so denkt, ist auf Menorca genau richtig.

Charter

Der Hafen von Mahon ist Ausgangspunkt von Chartertörns direkt ab Menorca.

Das Angebot an Charteryachten ab Menorca ist sehr beschränkt. Praktisch ist, dass der Ausgangshafen in Mahón nur fünf Minuten vom Flughafen entfernt ist. Alternativ kann Menorca aber auch problemlos von Mallorca aus angesteuert werden, die Inseln trennen nur 20 Seemeilen.

Auf Mallorca gibt es zahlreiche Anbieter mit zusammen hunderten Schiffen, hier findet jeder ein passendes Angebot. Der Charterstützpunkt Port de Pollenca ist etwa 30 Seemeilen von Menorca entfernt, der von Porto Colom 40 Seemeilen. Die meisten Charteranbieter auf Mallorca aber sind in der Bucht von Palma, die etwa 80 Seemeilen von Menorca entfernt ist.

Diese Charter-Agenturen helfen Dir, eine Yacht zu finden

Für eine deutschsprachige Beratung und die zuverlässige Buchung von Charteryachten bewährter Anbieter für einen Törn durch dieses Revier können diese Firmen behilflich sein:

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Solarpanel fürs Boot – Komponenten, Funktionsweise, Größe, Typ und Montage

Blauwassersegler benötigen viel Energie

Ob Weltumsegelung oder mehrmonatiger Blauwassertörn, wichtig für das Leben und Überleben an Bord ist die ausreichende und zuverlässige Stromversorgung. Die zahlreichen elektrischen Verbraucher wie beispielsweise Licht, Navigationsinstrumente, Kühlschrank, Bilgenpumpe oder Laptop bringen die Bordbatterien bei Langfahrten häufig an ihre Grenzen.

Es gibt verschiedene Lösungen, um den Strombedarf auf einer Fahrtenyacht zu decken. Fast immer kommt dabei auch eine Solaranlage zum Einsatz. Ist sie richtig dimensioniert, kann sie den kompletten Strombedarf decken und die Starter- und Verbraucherbatterie wie ein Generator laden.

Damit das alles so reibungslos klappt, wie es hier klingt, ist es wichtig zu verstehen, wie die einzelnen Komponenten einer Solaranlage funktionieren und wie der Strombedarf an Bord ermittelt wird. In diesem Beitrag möchte ich beides erläutern.

Die Komponenten einer Solaranlage

Eine Solaranlage besteht aus drei Komponenten: dem Solarmodul, dem Laderegler und den Batterien. Letztere sind in der Regel schon an Bord vorhanden.

Das Solarmodul

Ein Solarmodul wandelt Licht in Strom um. Je stärker die einfallende Lichtintensität ist, desto größer ist der erzeugte Strom. Der vom Modul erzeugte Strom wird zum Laden der Batterien verwendet. Dabei kann man sich eine Solaranlage wie ein normales Ladegerät vorstellen analog einer Lichtmaschine oder einem Generator. Allerdings gibt es den genannten Unterschied, dass die Höhe des Ladestroms immer von der Lichtintensität abhängt.

Mit anderen Worten: Sobald Licht auf das Solarmodul fällt, wird Strom erzeugt und die Batterie permanent mit einem mehr oder weniger großen Ladestrom geladen.

Ein typisches Solarmodul, wie es auf Fahrtenyachten zum Einsatz kommt.

Zur Erhöhung des Ladestroms können mehrere Solarmodule – auch unterschiedlicher Größe – parallel geschaltet werden.

Zur Erhöhung der Ladespannung können mehrere Solarmodule – gleicher Größe – in Reihe geschaltet werden.

Der Laderegler

Der Laderegler wird zwischen dem Solarmodul/den Solarmodulen und der Batterie angeschlossen. Seine Aufgabe ist es, den Ladestrom zu regeln und die Batterie sicher vor einer Überladung oder einer zu tiefen Entladung zu schützen. Außerdem dient der Laderegler der Batteriepflege.

Der Laderegler regelt den Ladestrom und schützt die Batterie sicher vor einer Überladung oder einer zu tiefen Entladung.

Je nach Aufbau des Ladereglers können auch zwei getrennte Batteriesysteme an einem Laderegler angeschlossen werden. Auf den meisten Blauwasseryachten ist das die Grundanforderung, da es dort immer eine Starterbatterie für den Motor und eine Verbraucherbatterie (auch Bordnetzbatterie genannt) für die einzelnen Verbraucher an Bord der Yacht gibt.

Wichtig zu verstehen ist, dass Solar-Laderegler die speziellen Eigenschaften von Solarmodulen ausnutzen und speziell dafür entwickelt wurden. Sie dürfen daher nicht als Laderegler für andere Stromquellen eingesetzt werden.

Die folgende Skizze zeigt den Aufbau und den elektrischen Anschluss eines Solarsystems auf dem Boot:

Aufbau und elektrischer Anschluss eines Solarsystems an Bord einer Yacht

Wichtig: In der Literatur wird teilweise behauptet, dass man unter Umständen auf den Laderegler verzichten kann. Ich persönlich halte dies nicht für sinnvoll und empfehle ausdrücklich die Verwendung eines Ladereglers. Kommt es zu einer Überspannung, die ein Laderegler ausgeglichen hätte, ist der Schaden an der Batterie um ein Vielfaches höher als der Anschaffungspreis des Ladereglers.

Bedarfsermittlung und Dimensionierung der Solaranlage

Um eine zur Yacht und Anwendung passende Solaranlage zu planen, hat sich folgende Vorgehensweise bewährt: Im ersten Schritt wird der Bedarf ermittelt. Im zweiten Schritt wird abgeklärt, welche Leistung an welchem Standort denkbar ist, bevor im dritten und letzten Schritt der passende Modultyp ausgewählt wird. Nicht jedes Modul passt zu jedem Schiff.

Schritt 1: den Bedarf ermitteln

Um den Bedarf zu ermitteln, wird zunächst einmal der Ist-Zustandes des Bootes analysiert. Die erste Frage, die dabei im Raum steht, ist die Frage, wie groß die Versorger-Batteriebank ist. Die Größe – auch Kapazität genannt – wird in Amperestunden (Ah) angegeben.

Unter Batteriebank versteht man mehrere parallel miteinander verbundene Batterien bei einem System mit einer Spannung von 12 Volt. Wird das Bordnetz mit einer Spannung von 24 Volt betrieben, werden die Batterien in Reihe miteinander verbunden.

Wurde die Kapazität ermittelt, wird als nächstes analysiert, welche Verbraucher an dieser Batteriebank angeschlossen sind. Verbraucher mit einem hohen Energiebedarf sind beispielsweise der Kühlschrank, der Wassermacher oder der Autopilot und je nach System auch die Navigationsanlage (Plotter, AIS, Radar, GPS etc.).

Auf Basis der Verbraucher wird eine sogenannte Energiebilanz erstellt. Dabei werden die verschiedenen Tagesbedarfe aller Verbraucher an Bord addiert, um den täglichen Energieverbrauch zu ermitteln.

Beispiel für eine Energiebilanz an Bord einer Blauwasseryacht

Hilfreich bei der Erstellung der Energiebilanz ist ein Online-Bedarfsrechner, wie er beispielsweise hier oder hier zu finden ist.

Der tägliche Verbrauch im vorstehenden Beispiel beträgt 35,4 Ah oder 424,5 Wh. Demnach müsste die Solaranlage so dimensioniert werden, dass sie diesen Tagesbedarf decken kann. Damit das gelingt, müssen neben dem ermittelten Stromverbrauch auch die Kapazität der Batterie und die Lichteinstrahlung in Abhängigkeit von Jahreszeit und Region bedacht werden.

Schritt 2: das Revier berücksichtigen

Entscheidend für die Leistungsausbeute eines Solarmoduls ist die Menge und Intensität des eintreffenden Lichtes. Und diese wiederum hängen entscheidend davon ab, in welcher Region der Welt der Törn geplant ist. Dazu ein Beispiel: In der folgenden Grafik wurde die Leistungsausbeute in Abhängigkeit zweier Segelreviere gegenübergestellt. Verglichen werden Palma de Mallorca (Mittelmeer) und Kopenhagen (Ostsee).

Leistungsausbeute Palma de Mallorca (Mittelmeer) und Kopenhagen (Ostsee) im Vergleich

Die Leistungsausbeute pro Tag an einem Standort kann bequem mit einem Online-Ertragsrechner ermittelt werden. Dabei wird für gewöhnlich eine horizontale Montage der Solarmodule ohne jegliche Teilabschattung als Basis genommen. Ein solcher Ertragsrechner ist beispielsweise hier zu finden.

Aus der Berechnung ergibt sich also, welchen Tagesertrag ein Solarsystem erzeugen wird. Der Bedarfsrechner sollte so aufgebaut sein, dass dabei berücksichtigt wird, dass an einigen Tagen die Sonne mehr und an anderen weniger scheint (Monatsmittelwert).

Der Wert für den Ertrag stellt dann einen für die Praxis verwertbaren Mittelwert dar. An besonders schönen Tagen wird mehr, bei Regenwetter weniger Strom erzeugt. Diese Schwankungen müssen von der Batterie überbrückt werden. Deshalb ist in Verbindung mit Solaranlagen immer eine ausreichend groß dimensionierte Batterie notwendig. Häufig ist es sinnvoller, die Batteriekapazität zu erweitern als die Solaranlage zu vergrößern, um die Schwankungen in der Einstrahlung besser ausgleichen zu können.

Schritt 3: den Modultyp und den Montageort auswählen

Bewährte Montageorte auf einem Segelboot

Übliche Montageplätze auf Fahrtenyachten sind (siehe vorstehende Grafik):
1. Die feste Montage an Deck oder auf einem Hardtop durch Verkleben oder Verschrauben.
2. Die Befestigung auf dem Bimini, der Sprayhood oder auf dem Geräteträger.
3. Die mobile Anwendung an Deck – beispielsweise das Auslegen oder die Befestigung mit Tauen oder Tampen. In dem Fall erfolgt der Anschluss dann über eine 12-Volt-Steckdose ohne eine zusätzliche elektrische Montage.

Beispiel für die Decksmontage

Grundsätzlich kann ein Solarsystem auch aus einem Mix dieser drei Arten bestehen. An Bord der Yacht wäre dann ein Teil der Module fest an Deck montiert zur dauerhaften Ladung der Batterien. Zusätzlich könnten beim Aufenthalt an Bord, Module auf Bimini und/oder Sprayhood aufgeclipst werden und/oder mobile Solarmodule auf dem Deck ausgelegt oder mit Tauen befestigt werden.

Beispiel für die Befestigung auf dem Bimini

Der Vorteil einer Montage auf dem Bimini ist eine deutlich geringere Abschattung als bei der Decksmontage.

Beispiel für die Befestigung auf dem Hardtop

Bei der mobilen Verwendung an Deck erfolgt die Befestigung normalerweise mit Tauen und Tampen. Der Vorteil der mobilen Verwendung ist eine perfekte Ausrichtung zur Sonne – auch bei niedrigem Sonnenstand.

Es gibt hierbei Module am Markt, die den Laderegler bereits enthalten und daher nur noch mittels eines Steckers über eine Steckdose mit dem Bordnetz verbunden werden müssen. Sobald sie eingesteckt wurden, beginnen sie die Batterie zu laden. Das sind sogenannte Plug-&-Play-Module. Einfacher geht es nicht.

Beispiele für die mobile Benutzung der Module an Bord

Der Einfluss von Teilabschattung auf die Leistungsausbeute eines Solarmoduls

Um die optimale Leistungsabgabe zu erzielen, sollten Montageflächen für die Solarmodule ausgewählt werden, die möglichst selten abgeschattet werden. Auf keinen Fall sollten die Module unterhalb von Reling, Handlauf, Antennenhalterungen, Leinen und ähnlichem montiert werden, da je nach Art des Schattens erhebliche Leistungseinbußen entstehen können.

Dazu sei erklärt, dass ein Solarmodul aus mehreren Solarzellen besteht, die in Reihe verschaltet sind. Kommt es zu einer Verschattung einer einzelnen Zelle des Moduls oder eines Teilbereiches verändert sich die Leistungsabgabe des Solarmoduls sehr stark. Das gesamte Modul ist immer nur so leistungsstark wie die am schwächsten beleuchtete Solarzelle.

Dieser Effekt betrifft Solarmodule aller Hersteller, unabhängig ob Mono- oder Multikristallzellen verbaut sind. Auch Bypass-Dioden können diesen Effekt nicht verhindern. Die folgende Grafik zeigt den Leistungsabfall bei diversen Abschattungen.

Beispiele für die Auswirkung der Verschattung eines Solarmoduls

Der Einfluss des Einfallwinkels auf die Leistungsausbeute eines Solarmoduls

Um die optimale Leistung aus einem Solarmodul herauszuholen, müsste die Sonne immer im rechten Winkel auf das Modul einfallen und auf alle Zellen des Moduls im gleichen Winkel treffen.

Natürlich kann man sich auf einem Boot alle erdenklichen Mechanismen einfallen lassen, um das Modul nach der Sonne zu führen. In der Praxis wird man diesen Aufwand wohl kaum betreiben wollen und können. Daher montieren die meisten Eigner die Solarmodule auf ebenen Flächen und nehmen den Leistungsverlust in Kauf.

Wichtig ist, dabei zu beachten, dass die Module bei der Montage nicht zu stark gekrümmt werden, damit alle Zellen des Moduls im gleichen Einfallswinkel von der Sonne beschienen werden. Ein um den Großbaum gewickeltes Solarmodul kann kaum Leistung erzeugen, wie die folgende Grafik zeigt.

Beispiele für die Auswirkung des Einfallswinkels

Fazit

Für Blauwassersegler ist ein Solarmodul eine ideale Ergänzung zum bestehenden Energiemanagement an Bord. Die Solaranlage erzeugt Strom ohne Abgase und ohne laufenden Motor. Das bedeutet im Umkehrschluss: mehr genussvolles Ankern in stillen Buchten und weniger kostspielige Aufenthalte in teuren Marinas. Mehr noch: Solarstrom bedeutet Unabhängigkeit – insbesondere bei einer Langfahrt oder Weltumsegelung.

Weitere Infos zum Thema gibt es unter: www.sunware.de

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Törnbericht Italien: Elba, Giglio, Capraia und das toskanische Festland

Segeln/Chartern im grünen Archipel der Toskana

Die Sonne steht senkrecht am Himmel, die Quecksilbersäule des Bordthermometers steigt auf 33 Grad im Schatten und ein zarter Lufthauch versucht die Segel zu füllen. Vergeblich, denn das schwere Tuch der Genua fällt immer wieder in sich zusammen. Unsere Charteryacht PRETTY WOMAN macht hoch am Wind kaum mehr als eineinhalb Knoten Fahrt. Uns ist das egal, wir dösen in der Sonne, lassen die Beine von der Badeplattform ins blaue Meer baumeln oder lesen im Schatten des Biminis ein Buch. Kommt Durst auf, steht auf dem Cockpittisch eine aufgeschnittene und saftig rote Wassermelone bereit.

Schöne Kulisse und leichte Winde sorgen für entspannte Bedingungen.

Nach einer Weile aber werde ich nervös, „so kommen wir viel zu spät an und bekommen unseren Liegeplatz nicht mehr“, sage ich zu meiner Familiencrew. Alleine mache ich mich an die Arbeit, rolle das nutzlose Vorsegel ein, starte den Motor, hole die Großschot dicht, kupple den Vorwärtsgang ein und beschleunige auf 2.200 Umdrehungen. Mit sechseinhalb Knoten schneidet der Bug unserer Segelyacht – einer Sun Odyssey 45 – durch die ruhige See, weg von der Nordküste von Elba, hin zur Nachbarinsel Capraia, 24 Seemeilen entfernt.

Ziel Capraia: Die ehemalige Strafkolonie ist schroff, schön und Teil eines Nationalparks.

Start in Portoferraio

Wir sind mit der Charteryacht von Portoferraio aus gestartet, der Hauptstadt von Elba und Stützpunkt verschiedener Charterunternehmen. Es ist Ende Juli, Hauptsaison und Hochsommer zugleich. Kann man zu dieser Jahreszeit einen Urlaubstörn in einem der beliebtesten italienischen Reviere unternehmen? Oder ist es da viel zu heiß, viel zu teuer und viel zu voll?

Trotz Hochsommer reicht der Wind immer wieder auch für volle Segel.

Auf dem Törnplan stehen einige der Toskanischen Inseln, dazu ein Besuch der Festlandsküste. Beides wirft weitere Fragen auf: Ist die Reiseroute ohne Stopp auf Korsika eine attraktive und sinnvolle Variante? Und: Wie fühlt es sich an, bei der Ansteuerung des Hafens von Giglio die Unglücksstelle des havarierten Kreuzfahrtschiffes COSTA CONCORDIA zu passieren?

Capraia: Im Sommer werden die Liegeplätze knapp

Der Stützpunktleiter des Charterunternehmens hat uns seine volle Unterstützung zum Gelingen des Törns angekündigt: „Wenn Ihr einen Liegeplatz benötigt, ruft mich an, ich versuche für euch zu reservieren.“ Diesen Service bietet er allen Gästen an, „jetzt in der Hauptsaison ist es schon sehr voll, und ohne Italienischkenntnisse ist die Kommunikation mit den Hafenmeistern manchmal schwierig.“ Auch auf Capraia sind wir angemeldet, doch der Platz wird nur bis spätestens 18 Uhr freigehalten.

Der kleine Inselhafen von Capraia versprüht eine entspannte Atmosphäre.

Am Nachmittag erreichen wir den kleinen Inselhafen, im Minutentakt laufen weitere Yachten ein. Die Hafenmeisterin und drei weitere Mitarbeiter weisen die Ankömmlinge ein. An den Gürteln ihrer kurzen Hosen klemmen Funkgeräte, ihre Vornamen sind in die Ärmel ihrer roten Polohemden gestickt, gekonnt bugsieren sie mit dem Schlauchboot die Yachten in die richtige Richtung. Sie reichen Muringleinen an, belegen Heckleinen und geben Tipps beim Manövrieren.

Die Hafenmeister sind wie hier auf Capraia immer zur Stelle.

Auch in den anderen Häfen dieser Reise werden wir auf hilfsbereites Stegpersonal treffen, doch der Service und das knappe Liegeplatzangebot im gesamten Revier hat einen Preis, der bis auf wenige Euro überall identisch ist: 100 Euro pro Nacht. Man darf dafür einen sicheren Liegeplatz inklusive Wasser und Strom erwarten, nur moderne Sanitäranlagen oder funktionierende WLAN-Netze sollte man nicht voraussetzen.

Festmachen mitten im Zentrum

Die Häfen liegen fast immer zentral am alten Hafenort, ganz nah entlang der lebendigen Promenaden. Überall ist die Kulisse durch alte, meist in hellen Pastellfarben gestrichene Häuserfassaden, Palmen, bunte Blumenbeete und zahlreiche Hafencafés geprägt. In Capraia ist der Hafenort nur winzig, es gibt drei Restaurants, eine Bar mit Eisdiele, eine Apotheke, Souvenirladen und frischen Fisch am Hafen. Schnell ist der letzte Liegeplatz belegt, wer später kommt, kann an den Murings vor der Hafenmole festmachen oder ankern. „In der zweiten und dritten Augustwoche sind auch immer alle Murings vergeben“, sagt die Hafenmeisterin.

Die Murings vor dem Hafen von Capraia funktionieren mit Vor- und Achterleine.

Der eigentliche Hauptort der ehemaligen Gefängnisinsel liegt einen Kilometer entfernt, hoch oben auf den mit wildem Grün und vielen Kakteen bewachsenen Klippen. Ein öffentlicher Bus pendelt für einen Euro pro Fahrt hin und her. Eine Handvoll enge Gassen, eine riesige Kirche, ein kleiner Supermarkt und ein gewaltiges Fort lohnen den Besuch, ebenso die tollen Ausblicke auf das dunkelblaue Mittelmeer.

Über die schönsten Buchten der Inseln weiß keiner besser Bescheid als die Hafenmeisterin. „Die Cala Rossa mit ihrer roten Felswand ganz im Süden ist die schönste, wer eine Bucht mit Strand sucht, sollte in die Cala del Ceppo oder die Cala della Mortola fahren.“

Der Badeplatz direkt neben dem Hafen von Capraia ist besonders bei Tagestouristen beliebt.

Über Elba und Giglio bis zur Festlandsküste

Unsere Route an Bord der Charteryacht führt jedoch zurück über Elba nach Giglio, später über die Festlandküste bis zum Ausgangshafen Portoferrario, zusammen sind das etwa 200 Seemeilen in zehn Tagen. „Elba ist ja viel kleiner als gedacht“, sagt meine Frau Karen beim Studium der Seekarte, „bei einer Umrundung kommen ja kaum 50 Seemeilen zusammen.“ Damit ist Elba allerdings immer noch die größte der Toskanischen Inseln, es gibt sechs Häfen und ein gutes Dutzend Ankerplätze. Wobei der Hafen von Cavo für Segelyachten wie unsere viel zu klein ist und das Anlaufen der Marina di Campo wegen gefährlicher Schwellbildung vom Charter-Unternehmen aus verboten wird.

Eine der vielen Ankerbuchten Elbas liegt im Golfo di Viticcio.

Auf dem Weg zur Bucht Golfo di Barbatoia im Südwesten von Elba bleibt der Wind erneut aus, das nur etwa 100 Meter tiefe Meer ist bis auf eine alte Dünung ruhig und spiegelglatt. Der Autopilot surrt, die Maschine brummt, wieder steigt das Thermometer. Im Sommer bietet das Mittelmeer eine Sonnen-, aber keine Windgarantie, doch nebenan auf Korsika wühlt der Mistral gerade die Westküste auf. Wir dagegen können auf halbem Weg die Maschine stoppen, die Badeleiter runterlassen und zur Abkühlung in das dunkelblaue Meer springen. Das ist warm, weich und salzig, „himmlisch“, findet Karen.

Klares und warmes Wasser laden ein zum Baden und Schnorcheln.

Golfo di Barbatoia

Mit einer kleinen Brise Wind trödeln wir uns unter Segeln bis in die Bucht hinein, die Sonne steht bereits tief, und die rundgeschliffene Felsküste leuchtet gelborange. Am feinsandigen Strand im Scheitel stehen die Sonnenschirme und Liegen in Reih und Glied, eine Badezonenabsperrung zwingt die zwei Dutzend ankernden Segelyachten in den vorderen Teil der tief eingeschnittenen Bucht. An Land finden wir eine einfache Pizzeria, es gibt Salat, Wein und Pizza Frutti di Mare für 15 Euro pro Person. „So muss eine Pizza sein“, findet mein Sohn Tim, „ein dünner Boden und kross im Steinofen gebacken.“

Pizza ist in Italien immer gut, preiswert und in vielen Variationen zu haben.

Am nächsten Morgen tanzen die Kaffeetassen auf dem Cockpittisch, ein Südostwind pustet Wellen in die Bucht. Der Wind soll anhalten und offenbart ein Dilemma: Alle Ankerplätze an der Süd- und Ostküste der Insel werden bei dieser Wetterlage unbrauchbar, nirgends gibt es einen Platz, der versteckt hinter einer Landzunge Abdeckung bietet. Einzige Alternative: Porto Azzurro. Wir rufen den Stützpunktleiter an und fragen, ob er uns einen Liegeplatz reservieren kann, „das ist heute ganz schlecht“, sagt er, „es ist Wochenende, da kommen immer viele Segler vom Festland rüber.“

Ziellos kreuzen wir die Südküste entlang, überlegen, ob wir uns die 40 Seemeilen bis nach Giglio auch gegen den Wind und schon heute vornehmen sollen, dann kommt ein Rückruf: „Ich weiß selbst nicht wie, aber ich habe einen Platz für euch bekommen – in Porto Azzuro!“

Porto Azzuro bietet beschränkte Liegeplatzkapazitäten für Besucher.

Hafenfest in Porto Azzuro

Porto Azzuro ist ein schmucker Ort, „der vielleicht schönste Hafen der Insel“, schreibt der Reiseführer. Der große Piazza Matteotti liegt direkt an der Hafenpromenade und ist voller Leben. An der großen Außenmole liegen ein paar protzige Großyachten, die zwei Schwimmstege für Besucheryachten sind schon am Nachmittag rappelvoll. Selbst die große Hafenbucht Cala di Mola nebenan wird zum Mastenwald, für die Nacht finden hier über 100 Segelyachten Platz.

Einheimische und Touristen mischen sich in Porto Azzuro zu einem lebendigen Mix.

Am Abend herrscht Ausnahmezustand im Ort, es ist nicht nur Wochenende, sondern auch Fischerfest mit Ruderwettbewerb, Prozession und Livemusik. Auf der Straße werden kistenweise Sardinen und Calamari frittiert, und die Terrassen der Restaurants sind bis auf den letzten Platz belegt. Kinder toben über den Platz und durch die Gassen, in den Bars werden bis spät in die Nacht Averna, Espresso und Vino bianco ausgeschenkt, die ausgelassene Atmosphäre wird gleichermaßen von Touristen und Einheimischen geprägt.

Zum Fischerfest in Porto Azzuro gibt es auch eine Prozession.

Giglio hat nur 1.440 Bewohner

Nächstes Ziel: Giglio. Bevor die kleine Insel südlich von Elba durch das Unglück der COSTA CONCORDIA weltbekannt wurde, galt das beschauliche Eiland mit seinen 1.440 Bewohnern als eine Art Geheimtipp für Wanderer, Taucher und Badeurlauber. Halbmondförmig zieht sich die Häuserzeile von Giglio Porto um die kleine Hafenbucht, Restaurantterrassen ragen auf Stelzen bis ins Wasser, das kleine Hafenbecken ist mit dem Fähranleger und den vielen Murings für die einheimischen Boote restlos belegt.

Jeden Nachmittag wird die Innenseite der Außenmole für Besucheryachten freigegeben, knapp zwei Dutzend Boote können dann mit dem eigenen Anker römisch-katholisch festmachen. Aber nur bis zum nächsten Morgen um zehn Uhr, dann wird die Mole für ankommende Ausflugsschiffe wieder geräumt.

An der Hafenmole von Giglio wird ohne Muringleine und mit eigenem Anker festgemacht.

Immer präsent: das Unglück der „Costa Concordia“

Der Bürgermeister der Insel, Sergio Ortelli, betreibt in Giglio Porto eine Apartment- und Rollervermietung. „Wir haben Platz für bis zu 10.000 Besucher“, sagt der Mann, der auch in der Nacht der COSTA-CONCORDIA-Katastrophe schon im Amt war. „Die meisten ausländischen Besucher kommen aus Deutschland“, sagt der silberhaarige Unternehmer, der im Bergdorf Giglio Castello seinen Amtssitz hat. Ein sehenswerter Ort in 400 Meter Höhe mit einem Labyrinth aus engen Gassen, einem Inselmarkt, dem riesigen Castello und tollen Ausblicken über das Tyrrhenische Meer.

Das Bergdorf Castello kann mit einem öffentlichen Bus vom Hafen aus besucht werden.

Das Wrack der COSTA CONCORDIA, das direkt neben der Hafeneinfahrt gelegen hat, ist Ende Juli 2014 zur Verschrottung nach Genua geschleppt worden. „Trotzdem fühlt sich das irgendwie komisch an“, hatte Karen beim Einlaufen in den Hafen gesagt. Wir besuchen die Gedenktafel an der Hafenmole und finden unter den Namen der 32 Opfer auch zwölf Deutsche. Für einen Moment bleiben wir wortlos und andächtig stehen. „Unfassbar, wie das passieren konnte“, sage ich mehr zu mir selbst.

Die Gedenktafel für die Opfer der „Costa Concordia“ bringt die Bilder des Unglücks zurück.

Giglio: Baden, schnorcheln, relaxen

Rund um Giglio gibt es viele kleine Badebuchten; die in der Nähe des Hafens heißen Cala dell’Arenella, Cala Canelle oder Cala delle Caldane. Kleine felsige Einschnitte, zum Teil mit feinsandigen Stränden, herrliche Badeplätze und gute Schnorchelgründe. Ganz im Norden der Insel liegt Seno di Campese, eine große und weite Strandbucht, Zentrum des Badetourismus mit sicherem Ankergrund.

Die große Badebucht Seno di Campese ist auch ein sicherer Ankerplatz.

Die Toskanische Inselgruppe besteht aus sieben Inseln, Pianosa und Montechristo sind von einem Nationalparkgebiet umgeben und dürfen nicht angelaufen werden. Ganz weit im Norden liegt die Insel Gorgona, die wie Capraia und Pianosa früher einmal eine Gefängnisinsel war. Heute darf die winzige Hafenbucht Cala dello Scalo angelaufen werden, der Rest der Insel ist ebenfalls Nationalparkgebiet. Auf Giannutri, zehn Seemeilen südlich von Giglio, gibt es verschiedene Ankermöglichkeiten und an Land ein paar Sommerhäuser, ein Hotel und ein Restaurant.

Wie hier bei Porto Santo Stefano gibt es viele ruhige Plätze im Revier.

Die Halbinsel Promotorio dell’Argentario

Die Tage verrinnen, der Schweiß tropft. Mit unserer Charteryacht machen wir einen Abstecher ans Festland. Promotorio dell’Argentario ist eine Art Insel, die über drei Landzungen mit dem toskanischen Festland verbunden ist. Hier liegen die beiden Häfen Santo Stefano und Porto Ercole, dazu einige Einschnitte zum Ankern unterhalb steiler und einsamer Felswände.

Porto Ercole ist kein Hafen, der auf Besucheryachten wartet, die verschiedenen Schwimmsteganlagen haben alle einen anderen Betreiber, fast alle Plätze sind von Dauerliegern belegt. Wir ergattern einen Platz, kraxeln den steilen Weg bis zur alten Festungsanlage hoch und genießen den Ausblick über die große Hafenbucht, die grünen Hänge und die alten Häuser der Stadt, in der Entfernung sind hinter einem langen Strand flache Salzwiesen zu erkennen.

Auch am toskanischen Festland wie hier in Porto Ercole finden sich herrliche Ziele.

Unten im Hafen beobachten wir Fischer in Gummistiefeln, die ihre großen und rustikalen Kutter entladen. Später am Abend sehen wir auf der belebten Hafenpromenade zahlreiche gut und teuer eingekleidete Italiener, die in den edlen Restaurants, den stylischen Bars und den zahlreichen Boutiquen des Ortes unterwegs sind. „Interessante Mischung“, findet Karen, „scheinbar wieder so ein alter Fischerort, der langsam vom Jetset übernommen wird.“

Fischer entladen ihre Kutter.

Cala Grande

Zum Baden am nächsten Tag segeln wir in die Cala Grande, auch diese Bucht ist gut gefüllt, einsame Plätze sollte man um diese Jahreszeit hier im Revier nicht erwarten. Am Abend schonen wir die Bordkasse und werfen neben Santo Stefano den Anker, wieder so ein hübscher und lebendiger Küstenort. Und Heimat der bekannten Schiffswerft Cantiere Navale dell’Argentario, eine Qualitätswerft, die auch viele bekannte Holzyachten restauriert hat.

Die Cala Grande ist ein schöner Tagesankerplatz zum Baden.

Zurück auf Elba beginnt das Ringen um einen Liegeplatz erneut. Wir versuchen es auf eigene Faust, telefonieren mit dem Hafenmeister von Rio Marina, ein Ort mit „altmodischem Charme“, wie der Revierführer schreibt. „Nein, wir haben gerade Bauarbeiten und absolut keinen Platz“, bekommen wir in gebrochenem Englisch als Antwort. Die Ankerplätze auf dem Weg zurück nach Portoferraio sind alle sehr exponiert, schon der kleinste Schwell bedeutet eine unruhige Nacht. Wir entscheiden uns für einen Ankerplatz neben der Einfahrt zum winzigen Hafen Cavo, genießen das Baden in der untergehenden Sonne und später die lebendige Atmosphäre des kleinen Urlaubsortes.

In Cavo auf Elba geht es beschaulich und einheimisch zu.

Portoferraio ist das touristische Zentrum des Reviers

Der letzte Abend gehört Portoferraio. Nach der Abnahme des Charterschiffes spazieren wir durch den Hafen, in dem auch einige Megayachten festgemacht haben und einen Hauch von St. Tropez versprühen. Uniformierte Crews bewachen beleuchtete Gangways, entlang der Promenade flanieren Menschenmassen an unzähligen Cafés, Restaurants und Bars vorüber, es gibt Straßenmusiker und Schmuckverkäufer, schöne Geschäfte und alte Gebäude.

Portoferraio ist das Zentrum des Reviers mit viel Unterhaltung.

Fazit

Auf der Reise hat es nicht an hübschen und lebendigen Küstenorten gefehlt, auch Ankermöglichkeiten waren reichlich vorhanden und das Baden war herrlich. Einen Abstecher nach Korsika hat an Bord unserer Segelyacht niemand vermisst, nur eines konnte das Revier in der Hauptsaison nicht bieten: Ruhe und Einsamkeit. Doch die soll es hier auch geben, versichert der Stützpunktleiter am Ende des Törns, „dafür allerdings müsst Ihr in der Nebensaison wiederkommen.“

Im Hafen von Portoferraio macht vom Fischerboot bis zur Megayacht alles fest, was schwimmt.

Charter

Wer auf der Charterbasis in Portoferraio auf Elba startet, beginnt seine Reise mitten im Revier. Die Fähre von Piombino aus dauert etwa eine Stunde, es gibt aber auch ein paar wenige Flugverbindungen nach Elba. Mehr Angebote an Charteryachten gibt es am nahen Festland, innerhalb von 15 Seemeilen von Elba entfernt liegen die Ausgangshäfen Piombino, Follonica, San Vincenzo oder Punta Ala. Der Ausgangshafen Cecina ist 25 Seemeilen entfernt, der von Castiglioncello 30 Seemeilen. Auf allen Stützpunkten darf man einen standardisierten Service und Yachten der bekannten Serienboothersteller zwischen etwa 31 und 53 Fuß erwarten. Die Auswahl an Katamaranen ist in diesem Revier begrenzt.

Der zentralste Ausgangshafen mit Charterbasis für das Revier ist Portoferraio auf Elba.

Diese Charter-Agenturen helfen Dir, eine Yacht zu finden

Für eine deutschsprachige Beratung und die zuverlässige Buchung von Charteryachten bewährter Anbieter für dieses Revier können diese Firmen behilflich sein:

Der Beitrag Törnbericht Italien: Elba, Giglio, Capraia und das toskanische Festland erschien zuerst auf Blauwasser.de.