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Adjö Sverige und Hei Suomi !

Es schaukelt und ruckt in den Leinen. Carpe liegt mit etwas Schräglage an der hölzernen Pier von Utö (FIN), während es draußen immer mehr bläst. Der Höhepunkt des Starkwindtiefs sollte aber bald erreicht sein und dann von ordentlichem Regen und abnehmenden Winden abgelöst werden. Die schwarze Wolkenfront ist bereits deutlich zu sehen und zieht gerade über Finnlands ältesten Leuchtturm auf mich zu. Nur gut, dass ich in Erwartung des anstehenden Winds längsseits und vor allem in Lee des Stegs angelegt habe. Hier liege ich im Vergleich zu den übrigen Booten im Hafen sehr komfortabel. Auf der Luv-Seite der Pier slippen die Heckanker und die Yachten müssen bei viel Wind und ungemütlichen Verhältnissen abgesichert oder ebenfalls längsseits verholt werden. Unmittelbar vor mir liegt außerdem ein sehr kleines Segelboot, welches gestern von der finnischen Seenotrettung gebracht wurde. Die drei estnischen Jungs hatten das Boot vor einigen Tagen in Schweden günstig erstanden und sich auf den Weg Richtung Heimat gemacht. 10 Meilen vor der Küste Utö`s fiel dann der Außenborder aus und die drei Segelneulinge ließen sich hier hin schleppen. Nachdem ich Ihnen gestern mit etwas Werkzeug ausgeholfen habe, läuft der Motor nun wieder und sie wollen vielleicht noch heute Nacht weiter fahren. Auch mein gutes Zureden hat da nix gebracht. Sie wollen einfach los und das, obwohl sie allesamt unerfahren und ganz schön durchgeschüttelt sind. Einer der drei geht hier sogar von Bord und fährt mit der Fähre weiter Richtung Turku. Er war wohl auf der Passage von Schweden hierher so seekrank, dass ihm die Lust auf weitere Segelabenteuer vergangen ist. Kann ich verstehen … Ich bin also in Finnland angekommen. Ein neues Land sowohl für den Törn als auch für mich persönlich. Denn hier war ich bislang noch nie gewesen. Die Finnen sind ein scheinbar nettes und gastfreundliches Volk. Überall wird man herzlich gegrüßt, es gibt keinerlei Kontakthemmnisse und überhaupt wirkt alles sehr geerdet und sympathisch. Die letzten Stationen in Schweden hießen derweil Nynäshamn und Sandhamn. Nach einem wunderbare Tag in Visby auf Gotland startete ich am vergangenen Samstag Richtung Norden. Vor mit lagen gute 80 Meilen bis in die Stockholmer Schären. Meinen ursprünglichen Plan, direkt in einem Rutsch zu den Aland-Inseln zu fahren mußte ich aufgrund der sich immer wieder ändernden Wetterlage aufgeben. Also los … Um 4.20 Uhr (in Worten „zwanzig-nach-vier“) ging´s aus der Koje. Im Salon brummt bald darauf der Heizlüfter und mein anfangs kondensierende Atem wird wieder unsichtbar. Man merkt doch, dass ich hier immer mehr in nördliche Gefilde komme. Schon kurz nach dem ablegen kommt dann die gemeldete Brise aus Südwest auf. Mit Groß und Genua geht es gleich gut voran. Wirklich nennenswerten Schiffsverkehr gibt es hier oben im Vergleich zur übrigen Ostsee oder gar der Nordsee nicht. Im Grunde nur ein paar Fähren, die die Inseln und Städte miteinander verbinden sowie ein paar verstreute Segelyachten oder Motorboote. Das ist auch gut so. Denn so kann ich mich immer wieder unter Deck verziehen, in meine Decke mümmeln und in etwa 20-minütigen Etappen kurze Nickerchen machen. Die gute alte Atlantik-Eieruhr macht`s möglich. Wirkliche Erfrischung bringen die Schlafeinlagen aber noch nicht. Diesbezüglich muss ich mich erst wieder an das ganze Prozedere gewöhnen. Momentan habe ich sogar eher das Gefühl, daß mich die Kurzschläfchen noch mehr Banane machen als wenn ich einfach komplett wach bleiben würde. Trotzdem werde ich aber oft einfach zu müde und überhaupt verstreicht die Zeit mit „Penneinlagen“ doch etwas schneller. Die Sonne lässt sich heute den ganzen Tag nicht wirklich sehen. Eine dichte Wolkendecke macht den Tag dunkel und ungemütlich. Außerdem lässt der Wind im Laufe des späteren Nachmittags immer mehr nach. Da er zudem achterlich einfällt, wird die gefühlte Windstärke noch weniger. Um ungefähr 18 Uhr ist es dann vorbei mit Segelherrlichkeit. Die Segel flattern und schlagen im Rigg bzw. fallen bei unserer gierenden Fahrt immer wieder in sich zusammen. Also schalte ich den Motor an und nutze diesen für die letzten gut 2 Stunden als Unterstützung . Mein Ziel für heute war den ganzen Tag übrigens noch nicht ganz klar definiert. Zum einen hatte ich das schwedische Utö gedacht, welches laut Revierführer sehr schön aussah und einen gemütlichen Hafen anbot. Daneben hatte ich mir ein paar Ankerbuchen (Nattäro und Ranö) auf der Karte rausgesucht. Letztere war ein Tipp von den beiden „x-trip“ Seglern, die dort wohl auch gerade vor Anker lagen. Nach der durchgebibberten und durch später zudem noch einsetzenden Regen ungemütlichen Überfahrt, habe mich letztlich aber für den Hafen von Nynäshamn entschieden. Irgendwie stand mir nicht der Sinn ach einsamer Bucht und klappender Dieselheizung, sondern Steg, Landstrom für den Heizlüfter und vielleicht sogar etwas zu essen an Land. Und so kam es dann auch. Der große Hafen bot genug Platz zum längsseits anlegen, mit viel Glück fand ich eine Steckdose mit Strom (der wird hier nämlich eigentlich erst nach der Anmeldung beim Hafenmeister angestellt) und der nächste Fressladen mit einem sehr leckerem Grill-Burger war auch nicht weit. Abgerundet wurde der dann doch noch versöhnliche Abend durch ein schönes gezapftes Carlskrone, von dem ich bis heute nicht genau weiß was es mich gekostet hat :-). Am nächste Morgen konnte ich dann auch endlich mal beim Hafenmeister vorbeischauen. Als ich nämlich am Vorabend um halb neun die Leinen fest hatte, war der verständlicherweise schon im Feierabend. Der nette junge Mann hat mir dann sage und schreibe 36 Euro abgeknöpft. Auch mein Einwand, daß ich ja keinen Strom gehabt hätte (kleiner Schwindel) und zudem keinen Zugang zu den Duschen und Toiletten, änderte daran nix. Sonmist…. Um 10 Uhr hieß es dann erneut Leinen los mit Ziel Sandhamn. Ein weit draußen in den Schären gelegener Ort und damit ein idealer Absprunghafen für den später geplanten Schlag nach Finnland. Mehr als den Hafen und ein paar nahegelegene Wohnblocks habe ich von Nynäshamn also nicht gesehen. Das ist aber nicht so schlimm, es kommt da ja hoffentlich noch so viel auf mich zu. Der Wind ist heute schwach und wird in den Schären zusätzlich durch die vielen kleine Inselchen und Felsen abgeschirmt. Also geht es heute weite Teile der Strecke unter Maschine voran. Ist der Wind auf freien Flächen stark genug zum segeln, setze ich aber immer wieder die Tücher um anschließend ohne das nervige Dieselknattern durch diese wahrlich traumhafte Landschaft zu schippern. Mir wurde vorher berichtet, dass die Stockholmer Schären nicht sooo toll seien wie die etwas südlicher gelegenen. Nun, dass kann ich so nicht bestätigen. Im Gegenteil, ich finde es hier ganz besonders beeindruckend und schön. Aber so gehen die Meinungen und Geschmäcker eben auseinander. Vorbei an großen, kleinen, kargen, dann wieder bewaldeten und oft mit kleinen Ferienhäuschen bestückten Inseln, geht es so Richtung Sandhamn. Ein wirklich schöner Tag auf dem Wasser, den ich mit vielen anderen – meist einheimischen – Seglern teile. Immerhin ist ja heute Sonntag und so nutzen viele Schweden das heute wieder sonnige Wetter für einen Ausflug auf s Wasser. Gegen Abend kühlt es dann wieder spürbar ab und ich bin froh, als ich um halb sieben und nach etwa 35 Seemeilen den schönen Hafen von Sandhamn erreiche. Am Steg steht bereits eine junge Dame die mich heranwinkt und die hier zum anlegen notwendige Mooringleinen bereit hält. Also vorwärts anlegen mit Mooringleine. Wieder eine neue Variante, die ich so bislang noch nicht wirklich kenne. Aus dem Mittelmeer kenne ich das mit den Mooringleinen ja bereits. Hier wird allerdings in der Regel rückwärts angelegt, was im Bezug auf die Kontrolle des Boots meiner Meinung nach einfacher ist. Mit übergebrachter Achterleine kann man so nämlich in diese Leine eindampfen und das Schiff so mit Maschine und Ruderlage kontrollieren bis die Mooringleine am Bug fest ist. Aber vorwärts ? Egal .. ich mache es einfach und siehe da .. es klappt besser als gedacht. Ohne helfende Hand am Steg wird das aber zweifellos deutlich schwieriger und fummelig. Das wenige was ich anschließend von Sandhamn sehe ist wirklich nett. Ein kleiner Ort mit geschotterten Wegen und Sträßchen. Am Hafen ein altes hölzernes Hotelgebäude des „Königlichen schwedischen Segelclubs“, daß mich irgendwie an das Overlook-Hotel aus „Shining“ erinnert und eine wirklich nette und hilfsbereite Hafencrew. In der kleinen Dorfkneipe gibt’s dann wenig später noch ein verdientes Anlegerbier und sehr leckeren Fisch für gerade mal 9 Euro. Da kann man nicht meckern. Der Rest ist Schlaf, denn morgen will ich nach Finnland aufbrechen … Bald mehr … Ahoi ! ,

Körka und Utö

Mein lieber Scholly was ist datt hier schön. Ich fühle mich wie auf einem anderen Planeten. So anders, wundervoll und mitunter bizarr ist es hier. Ich komme gerade von einem kurzen Insel-Rundgang und einem Besuch im Kaufmannsladen auf Utö zurück. Danach habe ich Carpe nochmal umgeparkt. Schon gestern bin ich nach 16 Stunden Fahrt auf den Alands gelandet und habe die erste Nacht in Karlby auf Körka verbracht. Auch dort war es unglaublich schön. Jetzt schmeiße ich gleich den Herd an und warte auf das gemeldete Sturmtief. Internet gibbet leider nicht. Also nochmal kurz via Handy. Später mehr … Ahoi! Von meinem iPhone gesendet

Die letzten Meilen

Noch etwa zwei Stunden bis Karlby auf Kökar. Es ist sonnig aber schweinekalt. Leider war der Wetterbericht heute sehr ungenau. Seit einigen Stunden läuft der Diesel zur Unterstützung der achterlichen Brise. Sonst wird es zu spät und die enge, flache und zudem unbefeuerte Einfahrt will ich noch im Hellen schaffen. Gemeldet waren den ganzen Tag 16 bis 26 Knoten. Die gab’s erst jetzt zum Schluss. Na wurscht …. Finnland ist erreicht. Von meinem iPhone gesendet  

Sandhamn

Da sind es heute doch wieder acht Stunden geworden. Dafür ging’s aber quer durch die spektakulären Stockholmer Schären nach Sandhamn. Ein muckeliger kleiner Ort in the middle of nowhere. Eigentlich ein guter Platz zum relaxen. Allerdings ist der Wind morgen ideal für den Sprung zu den Alands. Dad muss ich nutzen bevor demnächst ein dickes Tief kommt. Internet ist hier nicht wirklich vorhanden. Also hoffentlich bald mehr von den Alands. Der Schlag morgen wird wieder an so die 80 Meilen gehen. Finnland Baby !! Jetzt gibt’s noch nen Fisch und ein Bier in der Dorfkneipe. Ahoi … Von meinem iPhone gesendet

Nynäshamn

Ui … das war lang. Über 15 Stunden von Gotland bis kurz vor Stockholm. Morgen geht’s weiter. Leider spielt mir das Wetter im Bezug auf Helsinki gerade nicht in die Karten. Aber das ist ja fast normal :-). Ahoi … Von meinem iPhone gesendet

Visby/Gotland 2

Viele Grüße aus dem sonnigen Visby auf Gotland. Wohl mein bisheriges Highlight der Reise, so schön ist es hier. Also dann .. viel Spaß damit. Ahoi !



Visby/Gotland

Watt n Tach. Erst viel Wind aus Nord dann plötzlich nix mehr. Also ganze fünf Stunden unter Maschine die zweite Hälfte bis Gotland abgejuckelt. Nach knapp 60 Meilen jetzt die Leinen fest und direkt bei Nachbars drei Bier getrunken. Jetzt geht’s wieder. Dad Wetter macht mich irre. Ahoi :-).

Von meinem iPhone gesendet

Schweden 2

Hihi aus dem Espressohouse in Vestävik. Ich habe gerade einen köstlichen Kyckling Hickory Bagel verschlungen und dazu einen Eimer Kaffee inhaliert. Da es in der Marina mal ausnahmsweise wieder kein Internet gibt, bin ich eben in die Stadt getapert. Hier gibts gleich so viele Netzwerke, dass man gar nicht weiß, in welchen Laden man denn nun gehen soll. Zeit also, ein paar Zeilen zu schreiben. Eins vorab. Ich weiß nicht genau, wie lange der Akku des Laptops hält und schreibe daher so flink wie es geht. Sollte der Beitrag plötzlich abbrechen, wurde ich nicht erschossen, sondern mir ist schlicht und ergreifend der Saft ausgegangen. Also los … Mein letzter Stopp im Blog war ja Kalmar mit der nervigen Kabeltrommel-Story. Nach einer bemerkenswert lauten Nacht (die Promenade scheint der allgemeine Treffpunkt für Halbstarke, Autoraser und sonstige Spezialisten zu sein) stieg ich morgens wie gewohnt ins Cockpit und staunte nicht schlecht über die allgegenwärtigen Müllberge, welche die nächtlichen Besucher hier zurückgelassen haben. Und während ich noch so staune, rückt eine kleine Putzkolonne an und macht in nullkommanix wieder klar Schiff. Ich hab das Ganze mit dem üblichen Kaffee beobachtet und überlegt, warum die doch eigentlich sehr ordnungsliebenden Schweden hier nachts so ne Sauerei veranstalten. Gestern Abend hatte ich noch eine ausgedehnte Runde mit der Kamera durch den großen Hafen von Kalmar gedreht. Dabei traf ich auch wieder auf den Segler, welcher mich bei meiner Einfahrt in den Hafen so freundlich begrüsst hatte. Da geh ich doch gleich mal hin. Der grauhaarige Lockenkopf winkt mich gleich heran und fragt, ob ich Lust auf einen Teller Spaghetti mit Tomatensauce habe. Das lehne ich zwar dankend ab, gehe aber trotzdem zu ihm an Bord. Dort werde ich erst mal von seiner lieben Hündin Jamie abgelutscht und beschnüffelt. Dann beginnt Thomas zu erzählen, dass er sich wegen meiner Filme dazu entschlossen hat Segler zu werden, alle Scheine gemacht hat und sich vor zwei Jahren dann seinen stattlichen höllandischen Segelkutter gekauft hat. Mittlerweile lebt er sogar auf dem Boot und ist ein echter Vollblut-Segler geworden. Vor sechs Wochen ist er im Ijsselmeer gestartet und nun steht er schon im Kalmarsund .. Respekt! Die ganze Geschichte macht mich ziemlich platt. Nie hätte ich gedacht, so viele Menschen mit meinen doch eher dilletantisch gedrehten Filmem zu erreichen und am Ende noch den einen oder anderen zum segeln zu bringen. Das macht mich froh, ein bißchen stolz aber auch irgendwie verlegen. Jedenfalls quasseln wir noch ein wenig, ich unterziehe Jamie einer ausgedehnten Kraul-Kur und dann verabschieden wir uns wieder voneinander. Das war wirklich nett Thomas ! Zurück zum nächsten Tag. Es geht eine gute Stunde nach dem ersten Kaffee los. Heute solls nach Figeholm gehen. Ein Name der irgendwie für komische Assoziationen sorgt. Laut Revierführer soll es auch hier schön ruhig und muckelig sein. Außerdem führt ein schönes Schärenfahrwasser zu dem kleinen Ort. Das will ich natürlich befahren und meine ersten wirklichen Schärenmeilen – möglichst unter Segeln – sammeln. Und so kommt es dann auch. Der Wind bläst erneut aus Süd und dengelt schon nach kurzer Zeit mit guten 25 Knoten von achtern. Wieder ein Kurs nur für die Genua. Schmetterling geht bei der Welle und dem Windpilot als Steuermann nicht wirklich. Ist aber sowieso nicht nötig, denn mit der großen Genua läuft Carpe auch so wie der Teufel Richtung Norden. Bei Borghholm komme ich dann an einem entsprechend betonnten Sperrgebiet vorbei. Dahinter ein imposantes Anwesen mit eigenem Bootshaus und Steganlage. „Das muss das Feriendomizil der schwedischen Königsfamilie sein“, plappere ich mal wieder mit mir selbst. Und genau so isses. Im Revierhandbuch steht nämlich, dass hier ein entsprechendes Sperrgebiet eingerichtet ist, in das man nicht einfahren sollte, wenn man keine Bekanntschaft mit dem schwedischen Geheimdienst machen möchte. Also belasse ich es bei einem staunenden Blick durch das Fernrohr. König, Königin oder einen der Sprösslinge kann ich aber nicht entdecken. Also weiter … Es beginnt die Anfahrt ins Schärenfahrwasser. Ich bin doch ein bißchen aufgeregt, zumal ich unter Segeln da durch fahren will. Immer wieder bläue ich mir im Geiste ein: „Die grünen rechts, die roten links“. Denn man kommt in den engen Fahrwassern doch schneller Durcheinander als man es vorher für möglich hält. Am Ende klappt es aber echt gut. Kreuz und quer durch eine echte Lönneberga-Landschaft mit hunderten kleinen Inseln, schroffen Felsen und kleinen urigen Ferienhäusern gleite ich lautlos nach Figeholm. Die letzten anderthalb Meilen schalte ich dann doch den Jockel ein. So habe ich noch genug Zeit alles für den Anleger vorzubereiten. Auch hier legt man mit den quietschorangen Heckbojen an. Das klappt wieder verdächtig gut und so langsam weicht meine diesbezügliche Unsicherheit immer mehr. Figeholm hält dann auch was es versprochen hat. Ein netter kleiner Ort, mit sehr freundlicher Hafencrew (Kaffee und Kekse inklusive), einer parkähnlichen Hafenanlage, Top-Sanitäranlagen und einer Pizzeria mit eigenem Hausbier in Spuckweite. Was will man da mehr. Hier bleibe ich doch gleich mal zwei Nächte. Denn auch wenn ich zuletzt nicht die wirklich wahnsinnig langen Schläge rausgehauen habe, merke ich die letzte Woche doch schon ganz gut. Also erst mal n büschen ausruhen. Am Boot gibts wie üblich auch was zu fummeln .. aber nix Ernstes. Den kommenden Tag verbummele ich also im Hafen, besuche ausgiebig die Dusche, lasse Drohne und Kamera fliegen und und und. Ein bißchen anstrengend ist dann noch ein Segelkollege der sich trotz leerem Hafen genau neben mich quetschen muss, mich dabei fast rammt und sein Boot anschließend so merkwürdig vertäut, dass es die ganze Zeit vom Wind auf mich getrieben wird. Mein entsprechender Hinweis wird aber geflissentlich irgnoriert und so belasse ich es eben dabei. Manchen ist halt nicht zu helfen. Die nächste Etappe ist wieder ein überschaubare mit etwa 30 Seemeilen. Es geht nach Vestävik, einem Tipp von Schärenbsegler Claus Aktoprak. Wieder durch die Schären geht es hinaus aufs freie Wasser und hier unter vollen Segeln etwa 17 Meilen bis zur Schärenzufahrt vor Vestävik. Ein abslolut traumhaftes Fahrwasser! Oft weit und unter Segeln ohne Probleme zu managen, dann plötzlich sehr eng und das ganze umgeben von einer wahren Modelleisenbahnlandschaft. Knappe 10 Meilen geht es so noch einmal nach Vestävik, wo dann die Suche nach einem Liegeplatz beginnt. Als erstes fahre ich kurz die Vestsävik Marina an (die mittlerweile Pampas Marina heisst). Dort sieht es aber nicht wirklich schön aus. Also gehe ich erst mal auf die andere Seite der Bucht in den großen Gasthamn. Hier liegen gleich Duzende Boote längsseits an den Stegen, die normalerweise fürs anlegen mit Heckboje gedacht sind. Ergebnis .. alle halbwegs vernünftigen Plätze sind voll. Nur der Außensteg mit zentnerweise Vogelkacke und eine halbe Weltreise vom Ufer entfernt ist noch frei. Der Rest des Hafens besteht aus Stegen ohne Landverbindung und privaten Landebrücken an denen man nicht festmachen darf. „Hmmmm ….“, denke ich und fahre kurzentschlossen nochmal zurück zur Pampas Marina. Die ist zwar wie gesagt auch nicht viel schöner, aber dafür zumindest stadtnäher. Ich fahre also hinein, mache irgendwo fest und werde keine 3 Minuten später von einem Hafen-Jonny wieder rausgeschmissen. „No Gasthamn here ..“, heisst es und ich solle wieder auf die andere Seite fahren. „Mann ey ..“, meckere ich kurz und fahre wieder raus. Jetzt weiß ich auch, warum der Laden „Pampas Marina“ heisst. Um dke Ecke seh ich dann noch einen ganz kleinen Hafen mit zwei Schwimmstegen. Mir ist langsam alles wurscht weil es mittverweile auch angefangen hat zu regnen. Ich fahre also zu dem offensichtlich privaten Yachthafen und lege einfach mal an. Danach drehe ich eine Runde über den Werfthof, finde aber niemanden. „Ich bleibe jetzt einfach mal ne Nacht hier“, denke ich noch, da erscheint Magnus. Magnus ist der Hafenbetreiber und er gibt mir mehr oder weinger deutlich zu verstehen, dass er mich hier nicht gerne sieht. So ganz langsam reicht es mir hier. Zum dritten mal lege ich wieder ab und fahre wieder in den großen Gasthamn auf der anderen Seite. Es schüttet wie aus Eimern. Am erstbesten Platz mit seitlichem Schwimmfinger mache ich fest, steige von Bord und bekomme augenblicklich einen Fön. Dort steht nämlich in grossen Buchstaben PRIVAT auf dem Steg. Das kann doch wohl echt nicht wahr sein. Dennoch entscheide ich mich hier jetzt stehen zu bleiben und es drauf ankommen zu lassen. Als um halb acht der nette Hafenmeinster kommt, gibt dieser dann auch Entwarnung. Ich darf stehen bleiben und alles ist gut. Der Rest ist eine Dusche, ne Dose Schweinegulasch mit Eiernudeln und eine Cola. Denn selbst zum Bier trinken habe ich heute keine Lust mehr. Nun werde ich heute Abend mal überlegen wie es weiter geht. Das Wetter ist gerade nicht so optimal und von daher werde ich in den kommenden Tagen wohl wieder mal eine lange Etappe Richtung Alands oder Finnland raushauen. Dort wartet am 10. Juni ja bekanntlich Viktor auf mich. Bald mehr …Ahoi !

Schweden und erster Video-Gruß

Da muss ich bis nach Figeholm (ja, daß heisst wirklich so) fahren, um das bislang pfeilschnellste Internet meines Lebens zu nutzen. Und das obwohl man hier mitten in den Schären liegt, das Dorf sehr klein ist und man hier eher mit Pipi Langstrumpf als Hitec rechnet. Mich freuts natürlich und so nutze ich die Gelegenheit für einen weiteren Blog-Eintrag. Wer weiß schon was da als nächstes kommt.

Wo waren wir stehen geblieben ? Ah ja genau .. auf Utklippan. Ich weiß ja auch nicht genau was gerade mit mir los ist. Aber auch auf Utklippan war die Nacht bereits um 7 Uhr vorbei. Und zwar freiwillig. Etwas verknittert aber dennoch putzmunter stand ich im Salon und schon bald saß ich mit einem Kaffee im Cockpit und bestaunte einmal mehr die urige Umgebung dieses tollen Felsens. Wenig später gings dann los. Die Wettervorhersage meldete für heute im Grunde keinen Wind. Wenn überhaupt sollte es mit 4-5 Konten aus wechselnden Richtungen wehen. Von daher stand heute eine überschaubare Etappe unter Maschine auf dem Programm. Mein Ziel: Kristianopel an der westlichen Seite zu Beginn des Kalmarsunds. Ungefähr 20 Seemeilen galt es zu bewältigen, was mit der neuen Schiffschraube natürlich „ein Klax“ ist :-). Kroch ich früher bei knapp 2000 Umdrehungen mit 4 Knoten durch die Gegend sind es heute an die 5. Sehr gut. Die Fahrt an sich verläuft dann auch undramatisch. Die Sonne hämmert einmal mehr und frittiert mich im Cockpit und schon bald taucht backbord voraus die jetzt bewaldete Küste Schwedens auf. “Yeah !“, denke ich. Ich bin bis nach Schweden gesegelt. Das ist doch schon mal was. Hier war ich zuvor noch nie gewesen. Weder zu Lande, zu Wasser und auch nicht in der Luft. Umso mehr freue ich mich jetzt auf das Land von Königin Silvia und Astrid Lindgren.

In Kristianopel angekommen stand dann eine weitere Premiere auf dem Programm. Nämlich das anlegen mit einer der hier üblichen Heckbojen. Dazu hatte ich mir zu Hause einen der dazu gängigen Bojehaken besorgt. Also los .. langsam den Liegeplatz mit der Boje an Steuerbord ansteuern, beim vorbeifahren den Haken einfädeln und die Leine aus der Hand fieren, während Carpe weiter auf den Steg zu hält. Der Wind pustet leicht von der Seite, stellt aber kein Problem dar. Etwa eine guten Meter vor der Pier stoppe ich die Fahrt langsam aus der Hand mit der Bojenleine auf. Jetzt die Leine auf die Klampe und erneut vorwärts einkupplen um Zug auf der Boje zu halten und sich zu das letzte Stück an den Steg heranzuziehen. Als letztes dann nach vorne die Vorleinen überbringen und geschafft. Das hat doch wirklich gut geklappt fürs erste mal. Ich habs natürlich auch gefilmt und werd`s bei Gelegenheit mal zeigen.

Kristianopel hatte ich im Revierfürer als netten kleinen Hafen gefunden. Und das ist er auch. Die typischen kleine und großen Holzhäuser und -hütten in Rot- und Gelbtönen säumen das Ufer und die wenigen Straßen des Orts. Der Hafenmeister ist ein netter kauziger Mann mit Buckel, der es leider auch nach 5 Versuchen nicht schafft, eine meiner Karten für die Bezahlung der Liegegebühr zu nutzen. Also darf ich ausnahmsweise in bar mit Euro zahlen. Etwas später gelingt es mir am nahen Campingplatz dann doch mit einer Karte etwas Bargeld zu bekommen. Im Hafen selbst ist nicht viel los. Gerade mal eine gute Handvoll Boote liegt hier. Es ist eben noch früh in der Saison. Im Juli und August soll hier die Hölle los sein. Von daher bin ich echt froh so früh hier unterwegs zu sein. Merkwürdig ist nur der leiche AA-Geruch der hier eigentlich den ganzen Tag durch den Hafen weht. Irgendwann hat man sich aber auch daran gewöhnt und so wird Kristainopel zu einem schönen Stopp, den ich hier empfehlen möchte.

Der nächste Tag beginnt wieder früh (watt soll datt ?). Draußen weht bereits eine schöne Brise aus südlichen Richutngen. Das passt bestens zu meinem heutigen Kurs nach Norden. Es soll nach Kalmar gehen. Der hier in der Gegend größten Stadt die dem Sund seinen Namen gegeben hat.Der gemeldete Wind hält was er versprochen hat. Von anfangs 15, geht’s über 20 bis auf 25 Konten. Nur unter Genau und mit der Brise genau von achtern machen wir so gut Strecke. Die knapp 30 Meilen bis zur Anfahrt nach Kalmar vergehen so quasi in Windeseile. Während der ganzen Zeit steuert der Windpilot wie gewohnt sicher und souverän Carpe durch die zunehmend höheren Wellen. Nach zwei Halsen beginnt schließlich die Ansteuerung von Kalmar. Auch ier gibt’s natürlich einige Untiefen und vor allen Dingen dicke Steine und Felsen im Wasser. Also halte ich mich penibel an die Kardinals- und Fahrwassertonnen. Auch wenn die ein oder andere Untiefe laut Karte für mich nicht wirklich gefährlich sein sollte. Aber .. sicher ist sicher. Der Hafen von Kalmar ist dann doch größer als erwarten. Quer durch den Vorhafen mit seinen großen Fracht- und Passagierterminals geht es in eine der hintersten Ecken. Dort befindet sich die große Marina mit sicher gleich 100 Liegeplätzen. Wieder mit Heckbojen. Während der Zufahrt in das große Becken treffe ich übrigens auf ein Segelboot mit deutscher Flagge, dessen Skipper mich gleich beim Namen nennt und freundlich winkt. Echt lustig … da werde ich später doch gleich mal vorbei schauen.

Ich entscheide mich für einen Platz neben einer weiteren deutschen Yacht. Der Eigner Martin hilft mir dann auch gleich beim Anleger, gefolgt von einem kurzen Schnack. Von Hafen zu Hafen hat es ziemlich genau 6 Stunden gedauert. Das ist echt ok und so habe ich durch meine frühe Ankunf noch etwas Zeit für Müßiggang. Denke ich zumindest. Denn es beginnt mal wieder eine Episode aus „der verstecketen Kamera“. Als erstes muss ich aber erst mal was essen. Was trifft es sich da gut, dass gleich zehn Meter von meinem Liegeplatz entfernt ein McDonalds ist. Der Hafen liegt nämlich tatsächlich mitten im Zentrum Kalmars, quasi direkt an der Hauptpromenade an der sich zahlreiche Leute versammeln. Also nix wie rein in den Burgerladen und erst mal was für die Speckrolle getan. Danach will ich mich wieder ums Boot kümmern und zunächst mal Landstrom legen. Alles wird verlegt, eingestöpselt und angeschaltet. Ergebnis: Kein Saft im Boot. „Hmm .. komisch.“, denke ich und fummele erst mal zigfach an den Kabeln und Steckern herum. Aber auch das ändert nichts an dem Problem. Dann kommt mir ein Gedanke. Am Mmorgen in Kristianopel war mir aufgefallen, dass ich das Kabel meiner Kabeltrommel im Backkistendeckel eingeklemmt hatte. Das war demnach etwas gequetscht, wenn meiner Meinung nach auch nicht kaputt. Also messe ich mit dem Stromprüfer mal alles durch. Langer Rede kurzer Sinn: Es geht zwar voller Sstrom in die Trommel rein, am Ende kommen aber nur 160 Volt an. Das ist natürlich zu wenig um das Ladegerät und auch alles andere in Wallung zu bringen. Zwischenzeitlich bin ich sicher eine ganze Stunde mit dem Scheiß beschäftigt und die nach wie vor brennende Sonne beginnt mich lagsam auszudörren. Aber es hilft ja nix. Ich suche die vermeintlich schadhafte Stelle des Kabels , schneide das Stück heraus und überbrücke das Ganze provisorisch. Wieder messe ich und erneut kommt nur die Hälfte des Stroms am Boot an. So langsam bin ich mit meinem Latein dann doch am Ende. Außerdem habe ich ehrlich gesagt keinen großen Bock jetzt hier noch stundenlang an dem ohnehin schon maroden Kabel herumzufummeln. Nächste Idee: Ein Baumarkt. Wer aber schon mal in Schweden war, weiß, dass Samstags um 12 Uhr fast überall der Hammer fällt und alle Geschäfte zu haben. Im Internet finde ich dennoch einen Baumarkt. Sogar ein BAUHAUS, der zudem bis 18 Uhr geöffnet haben soll. Nun ist es bereits kurz nach 17 Uhr und ich muss leider feststellen, dass ich die doch etwas weitere Strecke bis zu dem Markt bis dahin nicht zu Fuß schaffen werde. „Ich brauche ein Taxi“, denke ich. Also versuche ich zunächst via Telefon ne Taxe zu bekommen. Mehr als unverständliche schwedische Bandansagen kann ich allerdings nicht erreichen. Also wetze ich zum Bahnhof. Dort wird’s doch wohl `n Taxi geben. Denkste .. auch hier ist nix mehr los. Auf dem Rückweg zur Marina überholt mich dann tatsächlich doch ein Taxi. Ich pfeife und rufe, sehe aber gleich, dass der Wagen proppenvoll ist und der Fahre abwinkt. OK. Dass wars dann wohl mit einem neuem Kabel heute. Dann lebe ich die nächsten Tage eben in der 12-Volt-Welt und muss versuchen irgendwo anders ein neues Kabel zu erstehen.Doch wieder kommt es anders. Als ich gerade zurück aufs Boot steigen will, hupt es hinter mir. Der Taximann ist wieder da und winkt mich heran. Ich schildere mein Problem und ab geht die Fahrt mit rasanten 30 km/h Richtung Baumarkt. Rasen scheint in Schweden sehr teuer zu sein. Nun denn … um zehn vor sechs erreichen wir tatsächlich den noch geöffneten Baumarkt und ich erstehe eine neue Kabelrolle für 600 Kronen (schätze mal so 60 Euronen). Die ganze Aktion hat mich nicht nur Nerven, unnütze Rennerei und einen geruhsamen Nachmittag gekostet, sondern am Ende zusammen mit dem Taxi-Gedöns über hundert Öcken. Aber egal. So isset halt eben und nun habe ich wenigstens ne brandneue Rolle und wieder Strom im Boot. Morgen solls dann weiter Richtung Norden und erstmals in die Schären gehen .. ich in gespannt.

Und noch was. Es wird langsam Zeit für die erste Video-Botschaft aus dem „UM DEN TIGER“ Crowdfunding. Mein ruß geht nach Österreich zu Horst Hwala, der sich als Erster eine Video-Botschaft als Dankeschön für seine Unterstützung ausgesucht hat. Also dann .. liebe Horst Hwala, vielen Dank für deine Unterstützung und viele Grüße aus dem schwedischen Figeholm:



Ahoi !

Doppelausgabe

Ich bin online ! Also nutze ich die seltene Gelegenheit gleich mal für eine Doppelausgabe. Hier also zunächst ein paar kurze Eindrücke und ein Resümee zum Schlag von Fehmarn nach Bornholm. Anschließend geht’s weiter mit meinem weiteren Weg nach Schweden.



Von Bornholm bis Kristianopel

Dieser Christian oder Kristian scheint ja in der skandinavischen Geschichte eine große Nummer gewesen zu sein. Warum sonst sollten wohl gleich zwei Orte die ich zuletzt besucht habe nach ihm benannt sein. Aber der Reihe nach. Ich sitze hier gerade in Kristianopel in Carpes Bauch, der Heizlüfter sorgt für muckelige Stimmung und draußen riechts gerade streng nach AA. Warum weiß ich nicht. Mein Tank ist es jedenfalls nicht :-). Ich schreibe diesen Text in der Hoffnung ihn morgen in Kalmar endlich hochladen zu können, denn das Thema Internet entwickelt sich hier echt zu einem Dauerbrenner. Schon auf Bornholm war das WLAN out of order. Auf Christansoe und Utklippan gabs schlichtweg kein Internet. Das ist wohl zum einen der Infrastruktur als auch der abgelegenen Lage geschuldet. Irgendwie würde das auch nicht so richtig passen. Das nun auch in Kristianopel ausgerechnet heute die WIFI Anlage „gewartet“ wird ist schon ein echter Zufall. Nun denn … wo fange ich an.

Nach zwei erholsamen Tagen in Roenne auf Bornholm habe ich am Dienstag erneut die Leinen losgeworfen und bin Richtung Christiansoe gestartet. Der gemeldete Wind ließ jedoch auf sich warten und so ging es zunächst unter Maschine bis zur Nordspitze Bornholms. Hier konnte ich dann endlich „anluven“, habe volles Zeug gesetzt und bin mit wahnsinnigen 3 Knoten gen Osten geschippert. Nach einer guten Stunde war allerdings auch hier Ende im Gelände. Der Wind war weg und der Motor wieder an. Schon wenig später zeigte sich am Horizont die Silhouette von Christiansoe. Schon viel habe ich von diesem schroffen Felseneiland gehört und gelesen. Jetzt sollte ich es also endlich auch selbst besuchen können. Nach der Einfahrt in die südliche Zufahrt des kleinen Kanals der Christiansoe von der ebenso winzigen Nachbarinsel Fredericksoe trennt, staune ich nicht schlecht. Der Hafen ist voll. An der Pier an steuerbord liegen bereits zig Boote auf Päckchen und auch auf der linken Seite sind die meisten Heckbojen bereits belegt. „Sonmist ..“, denke ich mir und entscheide sogleich es erstmal an einer der Heckbojen zu versuchen. Zur Sicherheit manövriere ich vorher ganz langsam an eines der benachbarten (deutschen) Boote heran und erkundige mich nach der Tiefe. Die Karte gibt da nämlich nicht wirklich viel her. „Bei uns so um die zweifuffzich“, erhalte ich als Antwort. Der andere Skipper meint ebenfalls, dass das wohl reicht, obwohl sein Tiefenmesser „fürn Arsch“ ist. So richtig wohl fühle ich mich nicht bei der ganzen Sache, entscheide mich dann aber doch für einen Versuch, da die benannten Boote allesamt ein gutes Stück länger sind als ich und ich daher von ähnlichem oder sogar größerem Tiefgang ausgehe. Mit dem Bojenhaken im Anschlag geht es also ganz langsam Richtung Liegeplatz. Die Boje erwische ich gut und weiter geht es im Schneckenspeed Richtung Pier. Dort steht bereits eine helfende Hand und will meine Leine annehmen. Und dann .. ihr ahnt es schon … passiert es: Rumpel-Pumpel-Grundberührung. Gott sei Dank nur ganz leicht und sehr langsam. Sofort ist die Maschine im Rückwärtsgang, der Bojenhaken wieder geborgen und ein amtlicher Fluch über die Insel geplärrt. Mann ey, sowas ärgert mich bis auf die Knochen. Besonders wenn die zuvor befragten Skipper mit dem Kopf schütteln und sogar lachen. Von weiteren Bojenexperimenten habe ich nun verständlicherweise die Nase voll. Also gehe ich bei einer deutschen Studenten-Truppe und einem einheimischen Taucherboot aufs dritte Päckchen. So richtig happy bin ich damit nicht. Zumal ein wirklich guter Platz von nur einer einzigen Yacht aus Polen blockiert wird. Deren Besatzung hatte zuvor meine Päckchen-Anfrage mit dem Hinweis „wir laufen in einer Stunde aus“ abgelehnt. Als wenig später eine weitere polnische Yacht einläuft und auch diese zunächst an meinem Erstanlegeplatz kurz den Grund touchiert, gibt es einen kurzen und beachtlichen Schlagabtausch mit der blockierenden Yacht. Und siehe da .. nur Minuten später legt der zuvor uneinsichtige Blockierer ab und gibt den Platz frei. Richtig so .. als Zeichen meiner Anerkennung helfe ich den Neuankömmlingen gleich mal bei ihrem Anleger und kurz darauf liege ich schon bei Ihnen auf Päckchen. Das gefällt mir schon besser. Erstens nur zweites Päckchen und außerdem habe ich eine Einladung zum grillen bekommen. Den Abend verbringe ich also mit Darek, Viethold und Rafael auf deren Boot. Es gibt reichlich Bier und Wein und noch mehr Fleisch. Denn ursprünglich sollte die Crew aus 6 Personen bestehen. Nun sind sie nur zu dritt unterwegs haben aber entsprechend viel Proviant an Bord. Mein Glück :-). Der Abend ist wirklich klasse und ich höre nicht nur interessante Segelgeschichten aus Polen, sondern kann auch von meinen zurückliegenden und geplanten Abenteuern berichten.

Der nächste Morgen ist dann etwas pelzig. Obwohl ich mich persönlich beim Bier zurückgehalten habe, bin ich doch leicht angeschlagen. So ist die Entscheidung noch einen Tag zu bleiben schnell gefallen. Wind soll es heute sowieso keinen geben. Also verhole ich mich kurz nach dem aufstehen an die jetzt wieder völlig leere Pier und beobachte anschließend wie die erste Fähre des Tages Passagiere und reichlich Fracht ausspuckt. Das ganze Zeug wird von den Einheimischen mit kleinen elektrischen Kettenfahrzeugen (kein Scherz) abtransportiert. Das macht einen Höllenlärm der meinen Schädel zusätzlich brummen lässt. Also muss schnell Ablenkung her. Ich bewaffne mich mit der Gopro, befestige diese an einem Selfie-Stick und filme damit mein Unterwasserschiff, um doch auf Nummer sicher zu gehen, dass die Grundberührung vom Tag zuvor keine Schäden verursacht hat. Das Ergebnis meiner Bemühungen betrachte ich später auf dem Laptop. Alles OK. Noch nicht mal ein Kratzer ist zu sehen. Die Kielbolzen und alles andere sind auch unbeschadet und bombenfest. Da soll nochmal einer was über Bavarias sagen :-).

Utklippan Utklippan voraus Christiansoe Christiansoe Christiansoe Christiansoe Ein polnischer Abend auf Christiansoe Utklippan von oben

Den Tag verbummele ich anschließend mit einer Dusche im „Bad“ Hus, einem Hotdog im Kiosken sowie einer ausgedehnten Wanderung über beide Inseln. Dabei filme ich viel und lasse auch die Drohne fliegen. Die Aufnahmen sind wirklich gut geworden. Umso mehr ärgert es mich, als ich diese abends aus Versehen lösche bevor ich sie auf den Laptop überspielen kann. Hmmmpf. Also schnappe ich mir die Drohne noch einmal und marschiere zu einem guten Punkt ganz am Ende von Fredericksoe. Dort stelle ich fest , dass ich ein Kabel vergessen habe. Aaaargh !! Wieder zurück zum Boot, Kabel eingepackt und wieder zurück gelatscht. Als ich dann wenig später die Drohne endlich in der Luft habe, erscheint der Dorf-Sheriff und Hafenmeister und meint „it`s not allowed „. Da ist es wieder, dass Gefühl bei der versteckten Kamera zu sein. Aber gut .. ich akzeptiere auch das natürlich, packe mein Geraffel wieder ein und verkrümmel mich an Bord. Ein paar Aufnahmen konnte ich ja doch schießen und ich hoffe daraus was schönes basteln zu können.

Next stopp .. Sweden ! Die senile Bettflucht treibt mich schon um halb sieben aus der warmen Koje. Im Boot ist es doch ganz schön frisch. Das liegt wohl in erster Linie an den noch lausigen Wassertemperaturen. Um die zehn Grad soll die Ostsee hier nur haben. Das „kühlt“ natürlich ganz gut von unten durch. Nach Kaffee und Dosen-Vollkornbrot-Frühstück geht’s auch schon bald los. Mein heutiges Ziel heißt Utklippan. Eine noch kleinere Felseninsel als Christansoe, die einen kleinen unbewirtschafteten Nothafen beherbergt. Auf den Bildern im Revierführer siehts jedenfalls schon mal klasse aus .. da muss ich hin ! Die Überfahrt verläuft alles in allem gut ist aber wechselhaft. Bei zunächst halbem Wind um die vier Beaufort kommen wir gut voran. Die Sonne will sich heute noch nicht so wirklich zeigen. Das ändert sich erst mittags. Leider geht mit dem Sonnenschein aber auch der Wind flöten. Das hatte ich schon befürchet. Für mittags war nämich ein kurze Flaute mit anschließendem Winddreher auf Südwest gemeldst. Und so kommt es dann auch. Mit guten 15 Knoten erfasst mich ein schöner raumer Wind und nur unter Genua gehen wir die letzten Meilen an. Nach guten 8 Stunden zeigt sich dann am Horizont der Leuchtturm von Utklippan. Das AIS vor mir zeigt außerdem, dass sich wohl mindestens zwei weitere Yachten hierhin verirrt haben. Gespannt und auf alles gefasst (Tiefe ?) fahre ich langsam durch die Molenköpfe. Die Tiefe ist hier allerdings ausreichend, obwohl im Revierführer vor Versandungen gewarnt wird. Im Schutzbecken liegen dann vier Boote. Ein älterer Holländer hilft ir dann auch beim Anleger, gefolgt von einem kurzen Schwatz über ihre und meine Reisepläne.

Utklippan ist echt der Hammer. Anders kann man es nicht sagen. Meint man Christiansoe wäre klein, dann soll man erst mal hierhin kommen. Ein winziger zweigeteilter Felsen mit eine paar kleineren Schären ringsherum. Ein Leuchtturm und ein paar versprengte Häuser auf der „Südinsel“. Der Rest sind Flechten, Sträucher und Möwen. Im Norden liegen au0erdem einige Robben oder sogar Seelöwen gemütlich auf einem Felsen und blöcken die Sonne an. Die hatte ich auch schon auf Christansoe gesehen. Scheinbar gibt es hier doch eine ganze Menge von den kauzigen Schwimmwürsten. Auch hier streife ich einmal überr die südliche Insel , mache viele Aufnahmen und lasse einmal mehr das Dröhnchen fliegen. Dieses mal gibts keinen Mecker. Denn hier gibt es weder nen Hafenmeister noch sonst irgendwas. Einfach ein Becken mit ein paar Eisenringen zum festmachen, ein Plumpsklo und einen kleiner Aufenthaltsraum …fertig, Und genauso muss es hier auch sein. Mein Abend endet mit einem kurzen Schnack mit meinem zahnlosen schwedischen Nachbar, einem Teller Spaghetti mit Tomatensauce und einer Folge Fargo, meinem neuen Langfahrt-Serien-Highlight aus den USA. Echt gut aber nix für schwache Nerven,

So das muss erst mal reichen. Bald mehr von meinem Weg nach Kristianopel und der nächsten Etappe nach Kalmar. Ahoi !

Kristianopel

Tjor was soll ich sagen. Das mit dem Internet gestaltet sich in Schweden schwieriger als gedacht. Klar, auf Utklippan gibt’s sowas nicht. Aber selbst hier in Kristianopel ist derzeit kein WLAN verfügbar. Na wurscht… heute ging’s unter Maschine über gut 20 Seemeilen nach Norden Richtung Kalmarsund. Das Wetter ist nach wie vor unglaublich geil, auch wenn es wegen des Hochs gerade nur wenig Wind gibt. Morgen geht’s mit hoffentlich besserer Brise nach Kalmar. Eine größte Stadt. Wenn’s da mit dem Internet nicht klappt, weiß ich es auch nicht mehr. Also bis dann …. Ahoi ! Von meinem iPhone gesendet

Utklippan

Ich bin im Paradies. Nach 45 Seemeilen bin ich eben auf dem kleines Felsen Utklippan gelandet. Eine Mini-Insel etwa 10 Meilen vor der schwedischen Küste. Ein Traum. Natürlich ohne Strom, Hafenmeister und Internet. Von daher eine kurze schnelle Meldung via Handy. Hoffe morgen auf Internet. Dann mehr …. Ahoi. Von meinem iPhone gesendet