Archiv der Kategorie: törn.de

Schlüsselburg …

… ist erreicht. Vor den Toren des Ladogasees liegen wir an einer einfachen Mauer. Hier beginnt ganz klar die postsowjetische Realität. Es ist aber trotzdem sehenswert und interessant. Freitag wollen wir weiter Richtung Swir, den Fluss zu Europas zweitgrößtem See Onega. Es ist übrigens recht frisch und regnerisch. Der Wind hat heute mit bis zu guten sechs geblasen. Morgen schreib ich mal wieder etwas länger. Dos swidanije & Ahoi … Von meinem iPhone gesendet

Auf der Newa

Es ist vollbracht. Wir sind durch St. Petersburg durch und haben auch die letzte Hubbrūcke vor Schlüsselburg passiert. In der Newa teilweise 5 Knoten Gegenstrom und zwischendurch ein Anleger an einer Baggerplattform zum warten. Der Hammer. Seit gestern Abend 19 Uhr waren wir unterwegs. Seit 14.30 Uhr sind nun die Leinen fest. Ein Minihafen in the middle of nowhere etwa 10 km vor Schlüsselburg. Ahoi. Von meinem iPhone gesendet

Chaos

Was für ein Chaos. Zunächst heißt es wir, sollten um Mitternacht losfahren um den Lotsen abzuholen. Dann werden wir gebeten doch erst Um eins loszufahren. Um halb eins klingelt das Telefon, wir müssten sofort los da der Wasserstand steigt und wir sonst nicht unter die erste Brücke passen. Also los. Hundert Meter vor der Brücke dann die Info, dass die Brücke selbst bei normalem Wasserstand zu tief ist. Von besagter – neuer – Brücke wussten wir bis dato übrigens nichts. Also Abbruch und zurück in die Marina. Morgen neuer Anlauf auf komplett neuer Route mit Riesen Umweg. Willkommen in Russland.

Es geht weiter

Moin zusammen und Gruss aus dem nach wie vor sonnigen St. Petersburg. Nachdem wir uns gestern in der wirklich sehenswerten Stadt die Hacken schief gelaufen haben, steht heute ein etwas entspannterer Tag auf dem Programm. Wasser tanken, Proviant nachbunkern und vielleicht noch etwas Körperpflege, dann wollen wir heute um Mitternacht zur ersten Brücke der Newa aufbrechen, dort den Lotsen an Bord nehmen und anschließend durch das nächtliche Petersburg tuckern. Ich bin schon ganz gespannt. Nachher kommt auch nochmal Sail-Agent Vladimir an Bord um letzte Dinge mit uns zu besprechen. Das Wetter soll heute im Laufe des Tages etwas eintrüben und für die Nacht ist sogar etwas Regen gemeldet. Na mal schauen. Am Stadtrand von St. Petersbrug werden wir dann nochmal eine Pause einlegen bevor es abends weiter Richtung Schlüsselburg und den beiden letzten Brücken der Newa geht. Keep on tracking und bis später !

Foto-Shooting im russian style !

Foto-Shooting im russian style !

From Russia with love

Nach zwei langen Etappen gen Osten und nunmehr schon zwei Tagen in St. Petersburg, wird es Zeit für einen neuen Blog-Eintrag über die zurückliegenden Ereignisse. Ich sitze in Carpes Bauch. Draußen ballert sie Sonne bereits den dritten Tag in Folge und am Heck plätschert leise die Strömung eines Seitenarms der Newa, dem mächtigen Fluss, der mitten durch St. Petersnburg fliesst. Viktor sitzt derweil in der Bugkoje und fummelt an seinem Fluss-Funkgerät herum, welches er sich aus welchem Grund auch immer zusätzlich gekauft hat. So langsam komme ich mir hier vor wie in einem Elektronik-Fachgeschäft, so viel Funk-, Navigations-, Handy- und Tracking-Gedöns fliegt hier herum. Und apropos Elektronik. Wie jeden Tag, gab es auch heute morgen eine Überraschung. Unser lieber Nachbar hat heute Nacht nämlich mal eben unseren Landstrom ausgestöpselt und so sind alle Akkus die eigentlich laden sollten noch immer leer. Irgendwie hat man manchmal das Gefühl, dass hier jeder einfach macht was er will. Dazu aber später mehr. Zunächst mal zurück nach Finnland, genauer gesagt nach Utö. Nach zwei schönen Tagen auf dem kleinen Felsen-Eiland ging es am Morgen des 8. Juni los. Auf dem Programm steht ein kurzer Schlag von etwa 35 Seemeilen nach Rosala/Nötholm. Einem kleinen Hafen etwa 20 Seemeilen vor Hanko und damit ein guter Zwischenstopp auf meinem Weg zu eben dieser westlichsten Stadt Finnlands. Die Sonne scheint, jedoch ist der Wind nach dem gestrigen Starkwind heute fast gänzlich eingeschlafen. Also erst mal den Jockel an und ungefähr 3 Stunden durch das große Schärenfahrwasser Richtung Osten. Im Laufe des Vormittags stellt sich dann doch etwas Wind ein und ich setze die Segel .. gut so. Zwar eiern wir recht langsam aber dafür wieder ohne Dieselverbrauch und Geknatter meinem heutigen Etappenziel entgegen. Wie üblich mache ich zwischendurch ein 10 Minuten-Lünzjen („Koblenzerisch“ für Schläfchen) , da plappert es plötzlich aus dem Funk: „Carpe Diem, Carpe Diem, Carpe Diem …“. Noch leicht benebelt denke ich, „… war das für mich ?“. Ich stolpere zur Funke und antworte. Und tatsächlich, der Funkspruch galt mir. Ein ebenfalls deutscher Skipper, der entweder auch Guido hieß oder mich eben so ansprach, meldet sich von seiner etwa 25 Fuß langen kleinen Segelyacht, die mich gerade in etwa 50 Meter Abstand auf Gegenkurs passiert. Und während ich noch überlege , dass das mit den Lünzjen vielleicht hier doch so keine gute Idee ist, beginnt ein kurzer netter Plausch über das übliche Seemanngsarn wie Wetter, Route Ziele und so weiter und so fort. Dann ziehen wir beide wieder unserer Wege und schon bald ist die kleine Yacht des Gesprächspartners achteraus verschwunden. Die restliche Fahrt verläuft dann auch undramatisch. Hier und da kreuzen ein paar andere Segler und Motorboote meinen Weg. Dazwischen immer wieder die vielen keinen Fähren, welche die unzähligen Inselchen miteinander verbinden und nun weiß Gott keine Rücksicht auf irgendwelche dem Fahrwasser folgenden Boote nehmen. Um halb vier Nachmittags habe ich dann die Leinen gfest. Rosala liegt in einer kleinen, bewaldeten Bucht und hält sofort das, was der Hafenführer mit ein paar Bildchen angekündigt hat. Gemütlich, finnisch, ja fast kandisch mutet es hier an. An den Stegen liegen gerade mal zwei andere Boote. Also massig Platz zum längsseits anlegen. Gerade habe ich meine Strippen fest da kommt eine finnische Familie den Steg entlang und hält zielstrebig auf mich zu. Der Papa sieht aus wie ein Wikinger, lacht freundlich und spricht mich gleich ganz aufgeregt und interessiert an. Er würde mein Boot aus dem Internet kennen und könnte es gerade gar nicht glauben mich hier zu treffen. Einmal mehr bin ich platt wie ne Flunder wie weit die Reichweite meiner Filmchen in der Zwischenzeit geworden ist. Der Finne heißt jedenfalls Janni und ist ein echt netter Kerl. Er ist zusammen mit Frau und Tochter im Jahresurlaub und was liegt da näher, als den finnischen Archipelago mit seinen zigtausend Inseln unsicher zu machen. Wir trinken ein Bier auf seiner 37er Bennetau, schwatzen über dies und das, bevor es für mich ein erstes mal kurz an Land geht. Im Sommer scheint auch hier mächtig was los zu sein, denn an Land finden sich gleich mehrere Einrichtungen die darauf schließen lassen. Ein kleiner Boots-Shop, ne Tanke, Kiosk und Cafe, Sauna und sogar ein kleiner Tante-Emma-Laden sind vorhanden. Der Laden hat geöffnet und so trete ich gleich ein und kaufe ein paar Kleinigkeiten. Die bucklige Laden-Chefin ist freundlich, spricht aber kein Gramm Englisch, was den kurzen Talk etwas erschwert. Nach einer Dusche und einem gemütlichen Abend geht’s dann ab in die Heia. Der nächste Morgen ist mucksmäuschenstill. Die Bucht liegt ganz still um mich herum. Ein paar Mücken schwirren herum und es bläst kein Lüftchen. „Ich glaube ich bleibe heute noch hier“, überlege ich. Spätestens morgen muss ich in Hanko sein, wo Viktor am Abend mit dem Zug eintreffen soll. Und genauso mache ich es dann auch. Ich zahle eine weitere Nacht im Mini-Laden (20 Euronen), fülle Diesel und Wasser auf und sorge für etwas Ordnung an Bord. Immerhin will ich morgen keine komplette Rumpelkammer vorweisen, wenn Viktor n Bord kommt. Nachmittags unternehme ich dann eine kurze Wanderung in das nahegelegenen Dorf Rosala. Etwa 3 km geht es durch dichten Wald, vorbei an vielen kleinen Wochenendhäuschen bis ich den Ort erreiche. Der Grund für meinen Besuch ist das hier beheimatete „Viking Centre“, ein Freilicht-Museum über die mittelalterlichen Haudegen, welche unter anderem auch hier früher ihr Unwesen getrieben haben sollen. Ein Dreiviertelstündchen bin ich unterwegs, muss trotz des übersichtlichen Orts sogar einmal nach dem Weg fragen und erreiche schließlich die liebevoll und offenbar in privater Eigeninitiative gestaltete Ausstellung. Auf einem großen Gelände gibt es ein kleines Besucherzentrum mit Filmvorführung und originalgetreu nachgebauten Häusern, Schuppen, einer Kirche, Waffenarsenal und sogar zwei Wikingerschiffe. Auf dem ganzen Gelände laufen außerdem entsprechend gekleidete Wikinger und „Wikingerinnen“ herum. Janni und Family sind auch am Start. Ansonsten ist nicht viel los, was für urige Stimmung sorgt und ein eigentümliches Mittelalter-Feeling aufkommen lässt. Schön hier. Zurück im Gasthafen sehe ich dann hinter mir eine neues Motorboot am Steg. Am Heck ein deutsche Flagge und an Bord ein deutsches Rentner-Ehepaar auf mehrmonatiger Fahrt durch die Ostsee. Auch hier folgt der übliche Schnack, gefolgt von einer Diskussion über die Vorzüge und Nachteile einer Kurzwellenfunkanlage, mit der der Eigner sogar Gespräche bis nach Japan führen und verfolgen kann. Es wird Zeit für Hanko. Gute 20 Meilen beträgt die Distanz, die aufgrund des erneut schwächelnden Winds heute nochmal unter Maschine zurücklegt wird. Wieder folge ich dem Fahrwasser, welches ich mir wegen des Wochenendes mit vielen anderen Wassersportlern teile. Eins fällt dabei mal wieder auf. In Finnland braucht man keinerlei Bootsführerschein oder sonstige Qualifizierung zum Führen eines Bootes. Diese Info habe ich aus dem Revierhandbuch. Außerdem steht dort zu lesen, dass man sich deshalb auf mitunter unkonventionelles Fahren, insbesondere sehr schnelle Boote und nicht immer regelgerechtenn Manövern einstellen soll. Und genau so isses auch. Der Finne kennt offenbar nur zwei Gashebel-Stellungen .. voll oder eben leer. Dazwischen gibts nix. Im Fahrwasser hämmern alle 10 Minuten irgendwelche PS-Monster mit bis zum Anschlag aufgerissenen Vergaserklappen an mir vorbei.Vorzugsweise in ungefaähr 3 Meter Abstand, was snicht nur einen Höllenlärm macht, sondern auch für Schwell sorgt der mich immer wieder aufs Neue durchschüttelt. Außerdem halten die Boote oft bis zum letzten Moment genau auf einen zu. Da muss man echt geschmeidig bleiben und darauf hoffen, dass einen der Fahrer sieht und rechtzeitig ausweicht. Mit meinen gut 4 Knoten Jockelfahrt kann ich da eh nicht viel ausweichen. Kurz vor der Ankunft in Hanko geht es noch durch eine enge Zufahrt mit Revierwachturm und x Kardinalstonnen die vor den vielen Felsen und Untiefen warnen. Im großen Hafen mache ich dann wenig später fest. Nach längerer Zeit mal wieder mit der guten alten Heckboje, was aber gut und problemlos klappt. Der Hafen its im Gegensatz zu den vorherigen Stationen gut besucht. Im Laufe des Nachmittags trudeln immer mehr Boote und Yachten ein, die den Steg zu nahezu zwei Dritteln auslasten. Bei der Hafenmeisterin buche ich zunächst eine Nacht für 28 Öcken und erhalte einen WIFI-Code der ausnahmsweise aber mal nicht funktioniert. Außerdem schmeisse ich eine Maschine Wäsche an und genehmige mir eine Dusche. Dann beginnt das Warten auf Viktor. Um halb acht soll er kommen und deshalb wundere ich mich, als ich um kurz vor halb sieben eine SMS von ihm bekomme, dass er gleich da sei. Der Grund dafür ist aber schnell gefunden. Ich Vollhirsch habe es nämlich bislang nicht geschnallt, dass in Finnland keine MESZ gilt, sondern die Uhren eine weitere Stunde vorgestellt werden müssen. Das ganze nennt sich dann OESZ (Osteuropäische Sommerzeit). Und ich Doofmann hatte mich auf Utö schon mal über die unzuverlässigen Öffnungszeiten des Kaufmannsladen gewundert :-). Jedenfalls ist Viktor da und nach kurzem Marsch durch das nicht besonders ansehnliche Hanko gibt es ein großes Hallo. Zurück durch die grauen und etwas tristen Straßen des etwa 9000 Einwohner zählenden Städtchens gehts zur Marina. Die betonnierten Bürgersteige sind ganz schön marode und sogar Viktor meint, dass ihn der ein oder andere Straßenzug an seine Kindheit in Sibirien erinnere. Der Hafen hingegen ist eine fast schon pulsierende Zentrale des Städtchens. Überall ist viel los, es gibt eine gute Handvoll Restaurants und Cafes und die Dorfjugend knattert mit Mopeds und aufgemotzten Autos durch die Pampa. Den Abend beschließen wir mit einer Pizza und einem 7,50 Euro Bier beim Finnen-Italiner. Den nächsten Tag verbringen wir noch komplett in Hanko und versorgen uns mit dem Nötigsten im Supermarkt. Ansonsten gammeln wir ein wenig, gehen auf die nahegelegene Aussichtplattform und kochen abends lecker Nudeln. Zudem wundere ich mich kurz, als ich für die weitere Nacht plötzlich 5 Euro weniger bezahlen muß als am Vortag und der nun völlig andere WIFI-Code jetzt auch funzt. Für den kommenden Tag ist eine stabile Windlage aus zunächst Südwest und später genau West gemeldet. Die Brise soll dabei von zunächst 15-20 auf später über 30 Knoten zunehmen. Also eigentlich genau meine Verhältnisse, die eine schnelle Fahrt und einen guten Kurz versprechen. Von daher haben wir uns auch dazu entschlossen Helskini links liegen zu lassen und in einem langen Schlag bis nach Haapasaari durchzurauschen. Die kleine Insel ist der letzte finnsiche Außenposten vor der russischen Grenze und zugleich er Ort zum ausklarieren. Dazu bald mehr … Ahoi !

Russland

Wir haben’s geschafft. St. Petersburg ist erreicht. Die Einreise war ok, wenn auch ungewohnt aufwändig. Gerade ist viel los und seit heute bin ich auch erst wieder online. Der nächste Blog und Bilder folgen also bald. Von daher noch etwas Geduld. Ich geb wie immer alles. Ahoi ! Von meinem iPhone gesendet

Russia

Geplaatst door Guido Dwersteg op vrijdag 16 juni 2017

Haapasaari

Einen echten Power-Schlag haben wir da gestern hingelegt. Gleich morgens um drei lokaler Zeit ging es mit dem aufkommenden Südwest aus Hanko los. Unser Ziel: Haapasaari in etwa 140 Seemeilen Entfernung. Der letzte Außenposten Finnlands unmittelbar an der russischen Grenze. Die Fahrt war lang und kalt. Hinzu kam eine fast elfstündige Dauerdusche und schlechte Sicht. Wirklich alles war und ist nass. Auf den letzten Meilen dann über 30 Knoten Wind von achtern und bemerkenswert hohe Wellen für die Ostsee. Am frühen morgen müssen wir dann noch duzende Fischernetze und Reusen umkurven bevor wir um 4 Uhr endlich die Leinen fest hatten. Die Insel ist mal wieder der Hammer. Dazu später mehr. Bei den Grenzern waren wir eben auch schon. Allerdings müssen wir morgen unmittelbar vor unserer Abfahrt nach Kronstadt ausklarieren. Dass russische Abenteuer beginnt also. Ahoi. Von meinem iPhone gesendet

Finnland Baby !

Der Abend und die Nacht im schwedischen Sandhamn sind kurz. Außerdem ist es echt frisch. In der Koje wickele ich mich dick in meine Decke ein, bis es morgens um halb fünf aus den Federn geht. Draußen regnet es und der graue Himmel taucht die urige Umgebung in ein milchig gespenstisches Licht. Es ist nämlich schon richtig hell. So wirklich gemütlich ist es dennoch nicht und Lust auf den langen Schlag zu den finnischen Aland-Inseln macht das Wetter auch nicht gerade. Aber es hilft ja nix. Ich muss weiter Richtung Helsinki wo ich am 10. Juni mit Viktor verabredet bin und der Wind sollte heute für die etwa 75 Meilen auch gut passen. Um 6.25 Uhr werfe ich die Leinen los. Vor der Hafenzufahrt kreuzt noch eine große Fähre meinen Weg, dann bin ich wieder allein. Unter Maschine geht es anschließend hinaus aufs freie Wasser, wo ich eine halbe Stunde später die Segel setze und den Motor in den vorübergehenden Ruhestand schicke. Es bläst mit den gemeldeten 4 bis 5 Windstärken aus Süd. Das bringt uns bei einem Kurs von ca. 55 Grad und halbem Wind auf gute 5 Knoten Fahrt. Im weiteren Tagesverlauf soll der Wind weiter zunehmen und auf Südwest drehen. Soll heißen, ich werde später wohl irgendwann das Groß wieder bergen und dann bei den prognostizierten 20 bis 25 Knoten achterlichen Wind wieder nur unter Genua nach Körka fahren. Dort gibt es im Süden der Insel den kleinen Gasthafen von Karlby in den ich möchte. Die Zufahrt soll laut Revierhandbuch zwar sehr flach, dafür aber gut betonnt und bei Tageslicht relativ problemlos zu befahren sein. Ich bin gespannt. Es läuft jetzt gut. Carpe pflügt durch die See, unter mir gurgelt das Wasser am Rumpf und im Laufe des Vormittags werden auch die Temperaturen wieder etwas erträglicher. Gegen 13 Uhr bemerke ich dann jedoch, wie der Wind spürbar nachlässt. „Äh .. Moment mal …“, denke ich. Der sollte doch eigentlich zunehmen. Doch leider ist dem nicht so. Nur der angesagte Winddreher auf Südwest kommt wie versprochen und ich segle wie vorher überlegt fortan erst mal nur mit der vollen Genua weiter. Das geht anfangs dann doch noch besser als befürchtet. Um halb drei ist es dann aber mehr oder weniger vorbei mit dem Wind. Gerade mal 2 Beaufort wedeln noch etwas Luft von achtern in die Genua. Unser Durchschnittsspeed beträgt nur noch etwas um die 3 Knoten. Bei der noch ausstehenden Reststrecke von sicher 25 Seemeilen, würde das eine Ankunft am sehr späten Abend und damit im nahezu Dunkeln bedeuten. Denn auch wenn es hier wirklich lange hell ist, wird’s dann gegen Mitternacht doch noch etwas finsterer. Dann wird es schwer unbefeuerte Tonne zu erkennen, geschweige denn deren Farbe sicher zu beurteilen. Die auf den Alands meist nur dünnen Spieren die den Fahrweg rechts und links abgrenzen, haben nämlich in der Regel keine Topzeichen oder sonstige Unterscheidungsmerkmale, außer eben der Farbe. „Datt is mir zu unsicher …“; entscheide ich wenig später und schalte zur Unterstützung der Genua den Diesel an. So kommen wir immerhin auf knappe 5 Knoten und einer Ankunft bei halbwegs guten Sichtverhältnissen sollte damit nix mehr im Wege stehen. Am Ende dauert es bis kurz vor 10 Uhr abends, bis ich den kleinen Hafen von Karlby erreicht habe. Die Infos über die Zufahrt haben nicht untertrieben. Bis zum Beginn der Tonnen bzw. Spieren muss man sich genau an die installierten Richtmarken halten. Diese bestehen hier aus großen signalfarbenen Schildern die – analog zu einem Richtfeuer – an Land stehen und deren Peilung übereinander stehen muss. Als die ersten Spieren in Sicht kommen, wird es dann wirklich eng und der Tiefenmesser zeigt teilweise nur noch 50 cm Wasser unterm Kiel an. Das macht mich zwar noch nicht so richtig nervös, ich weiß aber auch, dass hier schnell mal ein einzelner Stein rumliegen kann und der verbliebene halbe Meter dann von jetzt auf gleich verschwunden ist. Langsam und hochkonzentriert fahre ich also durch das Fahrwasser bis nach einer letzten Biegung endlich ein paar Häuser auftauchen: Karlby ist erreicht. Die letzten Spieren stehen hier übrigens an anderen als auf der Karte verzeichneten Stellen. Scheinbar hat sich hier unlängst was geändert. Noch einmal taste ich mich langsam um die roten und grünen Stangen herum bis ich endlich längsseits an einem Holzsteg liege. Außer mir ist hier absolut kein Mensch, geschweige denn ein anderes Boot zu sehen. Auch das kleine Hotel ist fest verrammelt und keine Socke zu sehen. Mir solls wurscht sein. Ich bin froh endlich da zu sein, stöpsele den Landstrom ein und mache es mir für eine schnelles Essen und ein Folge NARCOS unter Deck gemütlich. Ich bin in Finnland ! Als ich am nächsten Morgen durch mein Kojenfenster schaue, strahlt die Sonne bereits von einem tiefblauen Himmel herab. Sehr schön. Ich koche mir nen Kaffee und klettere ins Cockpit. Die Umgebung ist echt ein Traum und einmal mehr fühle ich mich im Astrid-Lindgren-Land. In ein paar hundert Metern Entfernung höre ich eine Motorsäge und eine kleines Arbeitsschiff baggert irgendwo im Fahrwasser herum. Ich bin also dich nicht ganz alleine hier. Im Hotel oder der kleinen Hafenmeister-Baracke finde ich aber auch heute Morgen niemanden. Also spare ich mir das Liegegeld. Nach dem Frühstück drehe ich noch eine kurze Runde. Lasse kurz die Drohne fliegen, um diesen zauberhaften Ort auch von oben zu bannen und mache mich wenig später auf den Weg nach Utö. Die Insel Utö kenne ich insbesondere aus Bastian Haucks sehr schönem Segelfilm „Raus ins Blaue“. Auch wenn nur wenige Szenen dort spielen, möchte ich das ehemalige militärische Sperrgebiet mit seinen gerade mal 50 Einwohnern nun auch unbedingt selbst besuchen und erkunden. Wind ist heute leider nur sehr wenig da und so geht’s zunächst unter Maschine wieder auf dem engen Fahrwasser hinaus. Dabei versuche ich mich genau an die Route zu halten, die ich am Vorabend genutzt hatte. Nur ein einziges mal gerate ich wohl etwas zu nah an den Tonnenstrich und plötzlich beginnt der Alarm meines Echolots zu piepen. Mir gefriert sogleich das Blut in den Adern. Sofort kuppele ich die Maschine aus, checke nochmal meine Position im Fahrwasser und stoppe zur Sicherheit auf. Gerade als Carpe steht, schrappe ich kurz mit dem Kiel über den Grund. Mist … !! Noch einmal vergewissere ich mich, dass ich noch im Fahrwasser bin. Das bin ich, wenn – wie gesagt – auch ziemlich am Rand. Ich setze also ein paar Meter zurück und schaue unter Deck schnell den Track meiner gestrigen Einfahrt an. In der Tat bin ich nur ungefähr zwei Meter von meiner gestrigen Kurslinie abgewichen und zack, Grundberührung. Aber kein Grund zur Sorge. Carpe ist wenn überhaupt nur mit nem halben Knoten auf den Hubbel getrieben. Das steckt mein Bötchen ganz locker weg. Mit etwas mehr Abstand zum Fahrwasserrand klappt die Passage dann auch problemlos und ich habe hier plötzlich wieder anderthalb Meter Wasser unterm Kiel. Puh …. Der Weg nach Utö ist wunderbar. Zwischen den kargen finnischen Schären geht es für etwa 20 Meilen Richtung Südost. Wenn der Wind das Segeln erlaubt, setze ich immer wieder die Tücher und schalte den Diesel aus. Ein wirklich schöner und auch mal wieder überschaubarer Segeltag. Nach guten 3 Stunden Fahrt kommt dann am Horizont der Leuchtturm von Utö sowie zwei mächtige rotierende Radarantennen in Sicht. Scheinbar gibt es hier auch heute noch etwas Militär. Der Leuchtturm ist übrigens das älteste Leuchtfeuer Finnlands und wurde irgendwann im 18. Jahrhundert angezündet. Auch vor Utö gibt es ein enges Fahrwasser für die Ansteuerung der Bucht mit ihren Anlegemöglichkeiten. Entweder kann man direkt an die hölzerne Pier gleich beim Dorf gehen oder an einem etwas weiter draußen gelegen Schwimmponton festmachen. Da dort im Gegensatz zu der Dorfpier Strom und Wasser vorhanden sein soll, entscheide ich mich zunächst für den etwas außerhalb gelegenen Ponton und mache die Leinen fest. Ein erster kurzer Spaziergang führt mich anschließend in den Ort, zum Leuchtturm und dem zentralen Info-Punkt der Insel, dem Kaufmannsladen. Hier treffe ich unter anderem auf die nette Laden-Besitzerin und einen finnischen Segler. Der bestätigt mir auf meine Nachfrage, dass es an der Dorfpier sehr wohl Strom gebe und das man hier sowieso viel besser liegen würde. „OK …“, denke ich, kaufe ein paar Kleinigkeiten im Mini-Laden und verhole Carpe anschließend zu dem etwas zentraleren Anleger. Kurz zuvor hatte ich beobachte wie die finnische Küstenwache ein sehr kleines Segelboot in die Bucht geschleppt hatte, welches nun unmittelbar vor mir an der Pier liegt. An Bord eben die drei estnische Jungs mit Motor- und auch anderen Problemen von denen ich schon kurz in einem früheren Blog berichtet hatte. Der Platz beim Dorf ist tatsächlich besser. Spätestens als gegen Abend noch zwei, drei weitere Boote eintrudeln und ich abends von Antti, dem Finnen-Segler aus dem Kaufmannsladen zu selbst gemachten Pfannekuchen auf seine mächtige Stahlyacht eingeladen werde. Auch die Esten kommen dazu und freuen sich über die Verpflegung nach einem durchwachsenen Tag. Wegen des gemeldeten Starkwinds bleibe ich für zwei Tage auf der wirklich wundervollen kleinen Insel Utö. Ich unternehme ausgedehnte Spaziergänge an alle Ende der Insel, besuche die kleine Dorfkirche, entdecke riesige Atellerie-Geschütze aus Zeiten des kalten Kriegs und besuche das einzige Hotel de Insel. Dieses ist in den ehemaligen Militärbaracken untergebracht die – aus grauem Beton gefertigt – auf einer Landzunge stehen. Hier gibt es das einzige Restaurant der Insel, was ich mir nicht entgehen lassen will. Nachdem ich mir nen Platz gesucht habe bekomme ich die Karte und den Hinweis, dass es leider nur Fisch geben würde. Und zwar nur einen. „Warum soll ich dann die Karte studieren?“, frage ich sinngemäß. Woraufhin die Bedienung anfängt zu lachen und die Karte wieder mitnimmt. Das Essen ist jedenfalls echt gut und der Besuch wie eine kleine Zeitreise in die Siebziger. Der gemeldete Starkwind ist mittlerweile auch durchgezogen und wurde von prasselndem Regen abgelöst. Zurück an Bord mache ich es mir gemütlich und schaue noch einmal auf die Seekarten. Morgen geht es weiter Richtung Osten. Mal schauen, wo ich am Ende lande ….

Warten auf Viktor

So, ich bin in Hanko angekommen und habe gleich mal eine Runde große Wäsche gemacht. Jetzt warte ich auf Viktor, der um sieben mit dem Zug kommt. Und übrigens … das Internet klappt hier gerade nicht … tzzzz. Ahoi. Von meinem iPhone gesendet

Video-Botschaft für Philipp Kahmann

Und hier die zweite Video-Botschaft als Dankeschön für die Unterstützung beim „UM DEN TIGER“ Crowdfunding. Lieber Philipp Kahmann auch an Dich vielen Dank für deine Unterstützung und alles Gute aus Rosala/Finnland. Extra für dich also hier ein paar bewegte Bilder von meinem bisherigen Weg Richtung Finnland. Ahoi !



Rosala/Nötholm

Leinen fest in Rosala/Nötholm nach gut 35 Meilen durch die Turku-Schären. Geiler Tag mit nur leichten Winden. Morgen geht’s nach Hanko, wo ich Samstag Viktor einsammele. Bis Helsinki schaff ich’s bis zum 10. nicht unter segeln, da kaum Wind die kommenden Tage. All good & Ahoi.

Von meinem iPhone gesendet