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Tromsoe & Video-Botschaft

„Zurück in der modernen Welt“, dachte ich mir, als ich mir heute Nachmittag im Tromsoer Burger King einen Whopper mit Fritten reingedonnert habe. Mann was ich hatte ich da einen Bock drauf :-). Carpe schaukelt derweil in den zunehmenden Boen im zentralen Yachthafen vor sich hin. Die Marina ist echt nicht schlecht, wenn auch mit knapp 30 Tröten pro Tag recht kostspielig. Gerade weil es auch keine Dusche und Toiletten gibt. Dafür sind es nur ein paar Schritte bis ins Zentrum von Tromsoe. Das was ich bislang gesehen habe, gefällt mir gut. Viele alte Häuser und eine eigentümliche Gemütlichkeit strahlt das Städtchen aus. Das mit der Dusche habe ich dann auch noch geregelt bekommen. Denn eines der benachbarten Hotels hat mich für kleines Geld in den Spa-Bereich gelassen, wo ich dann gleich auch mal in der Sauna war und die Knochen nach der kalten Nacht aufgewärmt habe. Die letzte Etappe war erneut eine Motorfahrt. Nur ganz kurz konnte ich mal die Segel setzen, als es ein Stück über freies Wasser ging und der an und für sich gemeldete Südost kurzzeitig zu spüren war. Ansonsten war heute wieder der kleine Volvo Penta gefragt, der seinen Job aber ohne zu murren erledigt hat. Die Landschaft war in der abendlichen Dämmerung und der Nacht heute ganz besonders beeindruckend. Ich kann es schwer beschreiben, aber es rührt einen fast manchmal zu Tränen, wenn man all diese Schönheit um sich herum sieht. Hin und wieder kreuzt ein Fischerboot oder Frachter meinen Weg und einmal kommt es auch zu der fast alltäglichen Begegnung mit einem der vielen Hurtigruten Schiffe. Auf den letzten Meilen vor Tromsoe gibt’s dann doch noch Wind. Leider genau auf die Nase und wie aus dem Nichts gute 25 Knoten. Dazu kippt auch noch die Tide knapp zwei Meilen vor der großen Tromsoe Brugg und ich krieche nur ganz langsam Richtung Marina. Dann ist es aber doch geschafft und ich finde einen recht gut geschützten Platz an einem der vielen Schwimmstege. Nun brummt der Heizlüfter, der Burger wird verdaut und ich spiele mit dem Gedanken, gleich mal eines der sündhaft teuren Biere trinken zu gehen. Morgen werde ich noch hier bleiben, denn es sind Boen bis zu 40 Konten aus Südwest gemeldet. Außerdem will ich mir die Stadt näher anschauen.

Heute gibt es auch mal wieder eine Video-Botschaft als Dankeschön für die Startnext Crowdfunder. Lieber Thomas Lomparski auch an dich meinen herzlichen Dank für deine Unterstützung und ich hoffe dir gefällt der kurze Clip, den ich in der letzten Stunde hier für dich zusammengebastelt habe. Also dann .. all good & Ahoi !



Wetter, Wetter, Wetter

Ahoi und Hallo aus Skjervoey. Nach dem zweiten Motortag in Folge, liegen Carpe und ich an der ganz schön schaukeligen Gystbrygge und warten auf passende Bedingungen für den Schlag nach Tromsoe. Das ist gar nicht so einfach, denn neben dem Wetter sollte natürlich auch die Tide halbwegs passen. In den engen Sunden kann diese nämlich ganz schön kräftig fließen und so für Rauschefahrt oder eben Stillstand sorgen. Nach gegenwärtiger Prognose will ich heute abend um 10 Uhr die Leinen los werfen und mit dem aufkommenden Südostwind nach Tromsoe aufbrechen. Ich bin gespannt, ob wir in den riesigen Schluchten dann tatsächlich etwas segeln können. Gestern fing es eigentlich ganz gut an. Als ich aus dem kleinen Fischerhafen von Hasvik auslief, bliesen mir schöne 4 Windstärken entgegen. Kurz darauf liefen wir auf Idealkurs und unter Segeln Kurs 240 Grad. Leider währte das Vergnügen aber nicht lang, denn schon bald musste ich die Segel wieder bergen und den Rest der Strecke mangels Brise unter Maschine zurücklegen. Aber ich will nicht meckern. So ist es nun mal hier oben. Zwischen den vielen Bergen und Inseln ist es mit dem Wind wie schon erwähnt ohnehin tendenziell schwer stabile Segelbedingungen zu finden. Hinzu kommt der stetige Wechsel zwischen Starkwind und dann wieder schwachwindigen Bedingungen. Ich fürchte dass sich das bis zu den Lofoten auch nicht groß ändern wird. Denn immerhin bin ich bis dorthin meist in Sunden und Fjorden unterwegs. Morgen abend kommt dann zudem noch ordentlich Wind aus Südwest auf, also genau meiner Hauptzielrichtung. Dieser nimmt dann am Donnerstag bis auf über 40 Knoten in Boen zu. Das hoffe ich dann in Tromsoe abzuwettern, wo ich gerne ein bis zwei Tage bleiben möchte, um mir die Stadt anzuschauen. Von daher auch die anvisierte Nachtfahrt von heute auf morgen. Andernfalls würde ich die nächsten Tage in Skjervoey stehen. Hier ist es zwar auch schön, aber mich zieht es zu den Lofoten. Um mich herum wird es derweil immer kerniger. Hohe Berge mit großen Schneefeldern und sogar Gletschern, glasklares kaltes Wasser und viel nordische Stimmung begeistern mich. So langsam wird es auch mit den Liegemöglichkeiten besser. Wie schon erwähnt gibt es hier sogar eine richtige Gystbrygge (Gaststeiger) extra für Besucher. Eine Dusche habe ich noch nicht gefunden. Das werde ich gleich mal in Angriff nehmen. Auch wird die Dichte kleiner Dörfer und Siedlungen immer mehr. Nach den manchmal einsamen Tagen im ganz hohen Norden mit den teils etwas abenteuerlichen Anlegemöglichkeiten finde ich das gar nicht übel. Man hat das Gefühl wieder etwas mehr in die Zivilisation zu kommen :-). Ansonsten buisness as usual. Habe heute morgen den Motor gecheckt und auch mal nach dem Impeller geschaut. Dann werde ich gleich noch etwas einkaufen, Müll entsorgen und einen Kanister Diesel besorgen, bevor ich eine weitere Runde durch die Bucht drehe. Also dann .. All good & Ahoi !

Hasvik

Ankunft und Leinen fest in Hasvik. Ein Mini-Kaff mit respektablem Fischereihafen. Da Sonntag ist, ist natürlich keine Socke da. Habe mich also wie üblich unter die Fischer gemischt und hoffe, dass ich hier stehen bleiben kann. Ahoi.

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Internet-Fundstücke

Moin Moin aus der Regenhölle von Hammerfest. Es schüttet jetzt seit knapp 30 Stunden ohne Pause und so langsam schwindet der Glauben, dass sich das irgendwann nochmal ändert. Aber Spaß beiseite. Alles gut soweit. Ich stehe nach wie vor am Schwimmsteg in der rechten Ecke des Hammerfester Hafens und harre der Dinge die da kommen. Leider ist es gerade nicht nur sehr nass, sondern auch kalt. Die Temperaturanzeige an der Hauswand gleich neben mir durchbricht nur selten die 7 Grad Celsius Marke. Nachts geht’s gerne auch mal auf 4 bis 5 Grad runter. Nur gut, dass ich doch noch Strom organisieren konnte und so der Heizlüfter verhindert, dass ich nachts den arktischen Heldentod sterben muss. Der Wind lässt nach ebenfalls gut 30 Stunden nun langsam etwas nach. Wirklich viel kam hier im Hafen Gott sei Dank davon nicht an. Draußen muss es mit bis zu 30 Knoten aber ganz schön dengeln. Gerade in dem nach Südwest verlaufenden Fahrwasser kommt es da mit Düse und Fallwinden sicher zu ganz schönen Kapriolen. Aber der Wind ist gar nicht das Ding, ich habe gerade ehrlich gesagt einfach keinen Bock auf einen weiteren Tag unter der Eisdusche. Ich bin froh, Boot und Inhalt gerade mal wieder halbwegs trocken zu haben. Dann warte ich lieber noch bis morgen. Dann wird’s zwar mit dem Wind wieder schwierig, aber dafür soll wenigsten der Regen nachlassen. Segeln wäre selbst gestern und heute trotz ordentlicher Brise schwer geworden, da es in den Fjorden immer wieder zu Abschattungen, Kapeffekten und so weiter kommt. Das bedeutet, man muss im Grunde durchgehend auf standby sitzen, um auf die andauernden Änderungen der Bedingungen zu reagieren. Langer Rede kurzer Sinn, ich bleibe heute noch hier und werde morgen Richtung Hasvik starten. Einem kleinen Fischerhafen etwa 35 Seemeilen von hier entfernt. Dort will ich dann eine Nacht verbringen, um dann weiter nach Skjervoy zu fahren. Das liegt bereits außerhalb der Finnmark und ich bin dann ab sofort in der Troms-Region. Tromsoe soll dann auch das nächste Ziel sein, bevor ich die Lofoten in Angriff nehmen will. Ich habe mir übrigens eben mal den Spaß gemacht und mal nach den Temperaturen in Bergen geschaut. Dort sind es gerade über 20 Grad, während hier oben die Milch gerinnt. Der Hammer was das ausmacht. Heute Abend ist hier dann wohl auch noch die große Party mit Livemusik auf einer fetten Bühne und allerlei Tamtam. Bin mal gespannt. Die Soundchecks laufen jedenfalls seit gestern und lassen Carpe unter den mächtigen Bässen erzittern. Datt wird dann wohl ne Nacht mit Ohrstopfen :-).

Ja und dann habe ich in den letzten Tagen immer wieder mal Mails vom Thomas Neumann bekommen, der mich mit Bildern von Webkameras aus dem Internet versorgt hat. So gibt es jetzt also tatsächlich auch mal ein paar Schnappschüsse von Carpe und mir „von außen“. Genauer gesagt aus Vardoe, Honningsvag und Batsfjord. Klasse Thomas, vielen Dank für deine Mühe. Ahoi !

Und noch ein Web-Gimmick, den ich euch nicht vorenthalten möchte hat mich erreicht. Es gibt nämlich eine sehr schöne Panorama-Webcam von Hammerfest. Wenn ihr ganz genau hinschaut, findet ihr Carpe und mich ganz unten links in der Ecke, hinter den roten Dächern. Danke für den Link Stephan Leiner.

Zur Webcam hier klicken

Hammerfest

So geschafft. Kalt war es heute aber dafür hat der moderate Wind wieder gut gepasst. Leider gibt’s am brandneuen Pontoon von Hammerfest noch keinen Strom. Morgen ist hier wohl aber ein Fest. Zumindest stehen ein paar Fressbuden und eine Bühne an Land. Dort dann auch ein Stromkasten an den ich mich hängen konnte. Dafür musste ich allerdings nochmal umparken, weil mein Kabel sonst zu kurz wäre. Morgen werde ich wohl hier bleiben. Es gibt nämlich ne gale warning. Sind zwar laut gribs „nur“ maximale 27 Knoten, die aber aus Nordost und später Nordwest. Das bedeutet zunächst Düse im Fahrwasser nach Südwest und später wieder hohe Wellen am offenen Festlandschelf vor Skjervoy. Außerdem soll’s regnen. Wirklich happy bin ich damit auch nicht, denn ansonsten würde der Wind gut passen, um Strecke nach Süd zu machen. Aber so isses nun mal und wenn man nicht muss ist eben Hafentag angesagt. Vielleicht gibt’s ja morgen auch ein Hammerfest (den Kalauer konnte ich mir nicht verkneifen). Ahoi.

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Havoeysund

Mahlzeit zusammen und schönen Gruß aus Havoeysund. Einem winzigen Nest auf halbem Weg vom Nordkap nach Hammerfest. Heute war ein geruhsamer Tag. Jedenfalls im Vergleich zu dem letzten Schlag Richtung Honningsvag. Nach zwei erholsamen Tagen in der kleinen, menschenleeren Clubmarina und einem wirklich schönen Ausflug zum Nordkap, ging es heute morgen früh um 6 unter Maschine los. Wind gabs heute leider keinen. Das war aber nicht wirklich schlimm, den zum einen war die Distanz mit nur 28 Meilen heute überschaubar und außerdem ging es heute quer durch die norwegische Fjordlandschaft, wo es mit segelbarem Wind sowieso immer etwas schwierig ist. Die Fahrt an sich verläuft dann auch undramatisch und kurzweilig. Die Landschaft um mich herum ist der absolute Hammer und lässt mich schwärmen. Hohe karge Berge, weite Wasserflächen und enge Sunde passiere ich heute. Die enge Durchfahrt südlich des Nordkaps ist aber nicht nur für ihre atemberaubende Landschaft bekannt, sondern auch den immensen Tidenstrom, der eine vorausschauende Planung erfordert. Ich habe offenbar alles richtig gemacht, den binnen kurzer Zeit rauscht Carpe mit fast 9 Knoten über Grund durch den Sund. Durchs Wasser machen wir derweil gerade mal 4,5 Knoten. Nicht schlecht der Specht. In der Ausfahrt aus dem Sund kommt mir dann tatsächlich eine andere Segelyacht entgegen. Da muss ich doch gleich mal funken. Es folgt ein kurzer Schnack mit einem Schweden der ebenfalls alleine unterwegs ist. Er ist auf dem Weg nach Kirkenes. Will dann aber wieder kehrt machen und in Tromsoe das Boot überwintern lassen. Daran hatte ich ja auch schon mal gedacht. Mal schauen. Bislang steht der Plan weiterhin nach Deutschland zurück zu segeln. Der Skandinavier macht mich außerdem auf ein U-Boot aufmerksam dass seiner Meinung nach am Horizont zu sehen sei. Ich checke das mit dem Fernglas x mal. Ich glaube aber eher, dass es ich um eine kleine Insel mit Leuchtfeuer handelt. Haben die Norweger überhaupt ne U-Boot Flotte? Na egal. Schon bald taucht in der Ferne Havoeysund auf. Ein echt kleines Kaff inmitten des gleichnamigen Sunds. Hier gibt’s gleich ein paar Hafenbecken die hauptsächlich von – na ratet mal – Fischern genutzt werden. Platz für Gäste gibts hier aber auch. Nach einem kurzen Intermezzo im Fischereihafen verhole ich mich dann doch in das Hauptbecken ganz im Westen. Hier gibt’s direkt vor dem “Zentrum“ einen Schwimmsteg. Platz ist auch. Also angefahren und Leinen fest gemacht. Kurz darauf sitze ich im Rathaus und frage ob ich da nun auch stehen bleiben darf. Die Dame am Empfang ruft darauf hin den Hafenmeister an, der auch schon 10 Minuten später auf Carpe sitzt und viel redet :-). Bleiben darf ich jedenfalls. Muss aber mein Boot ans äußere Ende des Stegs verholen, sobald dieses frei ist. Dort stehen nämlich noch zwei kleine Motorboote. Kurze Zeit später fährt das Äußere dann weg und ich kann umparken. Hinter mir steht derweil noch das andere kleine Boot, auf das von zwei Waldschraten irgendwelches Brennholz geladen wird. Ich verkrümmele mich mal unter Deck. 10 Minuten später scheppert es und Carpe macht einen Satz. Ich springe heraus und sehe das einer der besagten Schrate mich mal eben volles Programm schräg hinten gerammt hat. Platz hatte er eigentlich genug und außerdem hätte er auch noch locker 10 Meter zurücksetzen können. Ich bin begeistert und frage den Typ ob er noch alle Tassen im Schrank hat. Der guckt mich nur an wie ne Kuh beim kacken und verpisst sich sogleich. Darauf hin rufe ich ihm ein paar international verständliche Nettigkeiten hinterher. An Carpe ist außer eine kleinen Schramme an der achteren Gummilippe Gott sei Dank nix passiert. Trotzdem ärgere ich mich. Gar nicht auszudenken, was gewesen wäre, wenn der Dämel gegen den Windpilot gedengelt wäre. Ihr seht also, es wird hier nicht langweilig. Nun habe ich eben noch eine kleine Runde durch den Ort gedreht und für dezente 20 Euro einen Fettteller in der örtlichen Frittenstation zu mir genommen. Heute bleibt hier an Bord also die Küche kalt. Morgen solls mit dem aufkommenden Nordost dann nach Hammerfest gehen. Laut Revierführer die nördlichste Stadt der Welt. Ich bin gespannt.

Video-Botschaft für Patrick Lehner

Lieber Patrick, hier wie versprochen deine persönliche Video-Botschaft aus dem hohen Norden. Vielen Dank für deine Unterstützung und ich hoffe es gefällt dir. Ahoi !



Ab jetzt bergab

Puh. Das war ein Ritt. Fast 18 Stunden war ich in Kälte und Dauerregen unterwegs. Dazu erst wenig, dann viel Wind und ganz schön hohe Wellen. Dazu Nebel und Fischerbootterror. Alles war nass und als es heute morgen um vier mit über 30 Knoten bläst, finde ich im Haupthafen von Honningsvag auch noch keinen Platz. Also weiter in die Bucht. Hier liege ich nun in einem Vereinshafen auf Päckchen und bin völlig alleine. Im Boot ist es mittlerweile trocken und die Klamotten hoffentlich auch bald. Komme mir gerade mehr wie auf einer Expedition als einem Törn vor. Morgen mache ich erst mal nen Ausflug zum Nordkap. Mittwoch dann weiter. Einsame Grüße in die Heimat. All good & Ahoi.

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Wo sind die Pontons ?

Diese Frage habe ich mir gestern gestellt, als ich nach gut 9 Stunden Fahrt in Batsfjord angekommen bin. Es war mittlerweile halb zehn abends und schon ziemlich dunkel, als ich in den großen Fischerei- und Frachthafen eingelaufen bin. Laut meinem für teures Geld gekauften Revierführer (1000 Orte und so weiter) sollen hier am Ende des Hafenbeckens drei Schwimmstege sein, die der örtliche Bootsclub für seine Mitglieder aber auch Gäste bereitstellt. Als ich dann das Ende des langgezogenen Beckens erreiche schaue ich erst mal blöd drein. Denn da is außer Wasser nix. Noch einmal schaue ich auf der Karte nach, ob ich nicht vielleicht in den falschen Fjord eingebogen bin. Aber ich bin richtig, nur die besagten Stege fehlen. Das einizge was noch da ist sind die alten die alten Zugänge zu der Anlage an Land. „Watt soll der Scheiß jetzt ?“, knötere ich prompt. Außerdem schwillt mir langsam der Kamm. Den das Revierhandbuch bietet nicht zum ersten mal falsche bzw. unzureichende Infos. Gut das ich noch Ersatz von Judy Lomax und den großen grünen Havneguide habe. Den darin finden sich gleich zwei Hinweise auf einen weiteren Steg im nördlichen Becken des Hafens. Also drehe ich um 180 Grad und fahre in das kleine Becken. Dort dann tatsächlich ein Schwimmponton mit Fingerstegen. Allerdings sind alle Plätze durch Fischerboote besetzt. Nur am Kopf der Anlage finde ich noch ein Plätzchen. Hier sind zwar auch Fender angebracht und es liegen einige Leinen auf dem Ponton, aber das ist mir jetzt echt Latte. Also festgemacht und erst mal durchgeschnauft. Die Fahrt war zwar nicht besonders lang aber wegen des wechselhaften Winds und vor allem der Kälte anstrengend. Um 13 Uhr war ich aus Vardoe aufgebrochen und mit der aufkommenden Tide und Brise Kurs 315 Grad gefahren. Da der Wind mal wieder genau vom Popo weht, nur mit ausgebaumter Genua. Schmetterling geht mit Windpilot und der trotz schwächelndem Wind ordentlichen achterlichen Welle nicht wirklich. Dann ist der Wind an, aus, an, aus. Erst am späteren Nachmittag stabilisiert sich die Brise und damit auch unsere Fahrt. An Backbord zieht die schroffe und bergige Küste vorbei. Zwischendurch geht’s immer wirder mal in einen Fjord. Sehr schön und imposant zugleich. Unter Deck ist es derweil mal wieder wie im Kühlschrank. Aber so iss datt nun mal im hohen Norden und ich will da nicht zu viel meckern. Etwas später taucht dann hinter mir die „Konig Harald“ auf. Ein Schiff der Hurtigrutenflotte, das genau auf mich zu halten. Also funke ich vorsichtshalber mal den Kapitän an der sich auch brav bedankt. Scheinbar haben die mich tatsächlich noch nicht gesehen. 30 Minuten später zieht der Koloss dann ebenfalls backbord an mir vorbei. An Deck ein paar versprengte Touristen die mir freundlich winken. „Was es da wohl heute zu essen gibt ?“, frage ich mich wie üblich kurz. Im Batsfjord, der zu gleichnamigem Ort führt, weht der Wind dann wieder genau auf die Nase. Also nutze ich für die letzten 5 Meilen den Jockel, bis sich im Hafen oben genanntes zugetragen hat. Als ich an Land bin suche ich auf den umstehenden Fischerbooten nach irgendjemandem, der mir Auskunft geben kann, ob ich hier stehen bleiben kann. Ich habe nämlich kein Bock mitten in der Nach geweckt zu werden und dann hier rumzumanövrieren. Aber obwohl auf den Kähnen alle Lichter brennen, die Plotter brummen und sogar ein Radio läuft, sind keine Menschen an Bord. Vielleicht hängen die gerade in dem nahen Pub rum, der auf der anderen Seite des Hafens Licht macht. Also suche ich weiter und finde in einer kleinen Holzbaracke Eugene. Ein Ukrainer der gerade mit seiner Familie chattet. Dazu stehen eben diese Holzboxen im Hafen rum. Darin Strom, ein Tisch mit Stuhl und viel Charme der 70er. Ich frage also ob mir Eugene helfen kann und ob ich da wovich bin bleiben kann. Eugene sagt alle 5 Sekunden OKAY, bis ich irgendwann bemerke, dass er mich überhaupt nicht versteht. Geil. Dafür kann ich meine neu erlernten russischen Sprachbrocken jetzt nutzen, um mein Problem zu schildern. Und siehe da, er will sich bei seinem eigenen Kapitän erkundigen und mir morgen Bescheid geben. Er selbst ist nämlich auf einem der vielen russischen Trawler Matrose, die hier im Hafen vor sich hin stehen und teilweise rotten. Heute morgen war er dann auch tatsächlich da. Ich könne bleiben, müsse aber bei der Polizei einklarieren. Geld gebe es um die Ecke beim Automat und ein Supermarkt sei auch nicht weit. Sehr nett und hilfsbereit die Russen (oder Ukrainer), wie üblich. Das mit dem Einklarieren ist allerdings Kappes. Denn erstens reise ich ja nicht ein und bin außerdem Bewohner des Schengenraums. Anyway …

Der Ort ist wie Vardoe, urig und rau. Der Supermarkt ist gut sortiert und in der Bäckerei kann man sich so viel Kaffee reinschütten wie hineinpasst. Jetzt sitze ich Carpes Bauch während es leise tröpfelt und bei der gegenwärtigen Flaute plötzlich sehr warm ist. Merkwürdig. Morgen früh geht’s dann für mich los Richtung Nordkap. Gute 90 Meilen will ich entlang der Nordküste segeln, um dann abzufallen und den Hafen von Honningsvag anzusteuern. Der liegt an der südlichen Küste des „Nordkap“ Inselchens. Ob ich das Kap anschließend wirklich nördlich runde, weiß ich ehrlich gesagt noch nicht. Erstens wäre das ein ganz schöner Umweg. Und zweitens bin ich ja ohnehin schon die ganze Zeit auf dem Breitengrad des Kaps unterwegs. Im Grunde wäre das nur für die Galerie und ein weiterer Felsen den ich an Backnord liegen lasse. Der Weg durch den Sund im Süden ist zudem kürzer und ruhiger. Denn bei dem angesagten steifen Wind der nächsten Tage wird’s mit der Welle auf See aber insbesondere am steil aufsteigenden Festlandschelf schon wieder ganz schön knackig. Also dann. Wir werden sehen .. bis denne .. Ahoi !

Eine Steckdose

Takk zusammen! Wie versprochen hier also ein paar aktuelle Zeilen aus dem hohen Norden, genauer gesagt aus Vardoe (ich habe noch immer keine Ahnung wie ich das mit dem durchgestrichenen O auf der Tastatur hinbekomme). Draußen hats gerade angefangen zu pullern und der gemeldete Starkwind aus West beginnnt auch zu blasen. Benannter Westwind ist auch der Grund warum ich noch hier bin. Denn schließlich ist West und später Süd sowas wie miene Generalkurs für die nächsten Wochen. Mal schauen obs morgen besser passt. Stress mache ich mir hier jedenfalls keinen mehr. Der unangenehme Zeitdruck den ich zuletzt in Russland hatte reicht mir erst mal. Nun gilt es langsam und gemütlich voran zu kommen. Hier und da wirds auch mal wieder einen längeren Schlag brauchen .. aber in der Ruhe liegt die Kraft.

Nach meiner Landung im kühlen Kirkenes habe ich den Dienstag mit ein paar kleineren Arbeiten an Carpe und einem Einkauf verbracht. Am späten Abend gings dann mit der Tide los Richtung Vardoe. Die Nächte sind mittlerweile zwar noch nicht ganz duster, aber deutlich dunkler als noch vor Wochen. Also schön Ausguck nach den vielen Mooringbojen und den daran befestigten Booten halten. Der Wind soll eigentlich aus West blasen und später leicht rückdrehen. Als ich den Ausgang des Kirkenesfjords erreiche, bläst es allerdings mit guten 5 Beautfort genau aus Südsüdwest. Datt mit dem Wetter hier ist schon echt ne Nummer. Die Vorhersagen kann man wirklich nur als groben Anhaltspunkt nehmen. Alles was über einen Tag hinaushgeht ist zudem reine Kaffeesatzleserei. Aber wurscht. Ich setze die Genua und lasse Carpe die Zügel. Mit der Tide laufen wir so mit 7-8 Knoten über Grund Kurs 40 Grad. Zeit für ein Nickerchen. Unter Deck ist es nicht nur frisch, sondern schweinekalt. Kälter als draußen im Wind. Das muss an dem kalten Wasser der Barentsee liegen. Jedenfalls bibbere ich mir trotz mehrere Lagen Thermowäsche ganz schön einen ab. Alle halbe Stunde schaue ich nach dem rechten. Denn hier gibts doch ein paar Fischer die kreuz und quer fahren und ihre Netze einsammeln. Und apropos Netze. Ab hier muss man auch wieder nach den vielen Reusen und Stellnetzen Ausschau halten. Neben den bekannten Fähnchen schwimmen daneben auch eine ganze Reihe großer Bojen die das ganze bei Tageslicht recht gut erkennbar machen. Ich vermute hier wird hauptsächlich nach Königskrabben gesucht. Jedenfalls werden die hier an jeder Ecke angeboten und die großen Fangkörbe mit ihren unendlich langen Leinen stehen auch überall an Land herum. Kurz vor Vardoe muss ich dann noch etwas anluven und kann endlich das Groß zur Genua nehmen. Jetzt läufts auch gegen die zwischenzeitlich gekenterte Tide gut und schnell. Die Sonne ist mittlerweile auch aufgegangen und meine Stille Sehnsucht nach dem Heizlüfter verschwindet mit den schnell steigenden Temperaturen immer mehr. Im Hafen von Vardoe komme ich dann sogar regelrecht ins schwitzen, als ich mir zwischen den vielen Fischerbooten ein freies Plätzchen suchen muss. Am Ende stehen Carpe und ich eingkeilt zwischen Duzenden Trawlern und kleineren Fischerbooten. Gemütlich ist es hier und interessant zudem. Denn hier passiert eigentlich die ganz Zeit etwas. Mein eigentliches Highlight ist aber die Steckdose am Steg. Ja genau !! Am Steg gibt es eine Steckdose wie man sie aus Marinas und Sportboothäfen (meine Güte ist das lange her :-)) kennt. Sowas habe ich seit St. Petersburg nicht mehr gesehen. Selbst in Kirkenes gabs keinen Strom am Ponton. Was für ein Luxus.

Nach einen Schläfchen bin ich dann noch ne Runde durch den Ort. Eine typisch nordisches Städtchen. Alles ist relativ einfach und wirkt grob. Das wird nicht zuletzt den hier sehr strengen Wintern geschuldet sein. Da bleibt kein Platz für irgendwelchen Firlefanz. Mir gefällts hier dennoch gut. Ich habe ein Fable für die nordische Einfachheit und die raue Schönheit der Natur. Den Tag lasse ich dann bei einem Asia-Imbiss und später an Bord ausklingen.

Heute habe ich dann mal etwas klar Schiff gemacht und mein Druckwassersystem nach einem vermeintlichen Leck abgesucht. Leider brummt nämlich meine Wasserpumpe alle paar Minuten, um den Druckverlust im System auszugleichen. Ich glaube ich habe es mittlweile gefunden. Die blöde Heckdusche mal wieder. Alles nur Plaste und Elaste. Das kann ja auf Dauer nicht dicht sein. Der hölzerne Leckstopfen steckt jetzt im Schlauch und quillt langsam vor sich hin. Mal schauen obs nachher dicht ist. Ansonsten muss ich andere Maßnahmen ergreifen. Wenn das Wetter nicht noch derber wird, will ich nachher auch nochmal in den Ort ins Internet, watt dillen (so sagt man in Koblenz zum essen :-)) und vielleicht auch mal die lokale Feste und das berühmte Hexen-Memorial besuchen.

Also dann .. ich bin wieder unterwegs. Auch wenns mir hier und da noch schwerfällt, glaube ich mittlerweile auch, dass das hier vielleicht gar nicht so schlecht für mich und meine Rübe ist. Ahoi !

Vardø

Carpe ist vorübergehend zum Fischerboot mutiert und steht seit heute morgen sicher inmitten des Fischereihafens von Vardø. All good & arschkalt. Morgen mehr. Ahoi.

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Start heute Nacht

So … da bin ich wieder bei Carpe Diem. Sie hat die Zwangspause gut überstanden und so musste ich heute nur ein paar Kleinigkeiten erledigen und einkaufen. Das ist in Norwegen immer ein Erlebnis, denn für eine gute Tüte Lebensmittel waren gleich mal 100 Euro fällig. Dafür war mein Platz mit gerade mal 9 Euro pro Tag ein echter Schnapper. Vielen Dank an Freddy und das ganze Hafenteam für eure Gastfreundschaft und Hilfe. Heute Nacht gegen elf will ich dann mit der Tide auch los. Ziel ist Vardø in etwa 50 Meilen Entfernung. Der Wind sollte mit 20 Knoten aus West gut passen. Ein paar Tage wird’s allerdings noch brauchen bis ich richtig angekommen bin. Es fühlt sich doch alles noch sehr komisch an. Auch wenn mein Papa kein wirklicher Seemann war, so fehlt er mir doch gerade an allen Ecken und Enden. Ich hoffe der Segelalltag wird’s bald richten. Also dann … es geht weiter. Ahoi.

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