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Polarlichter

So, ich bin nach fast 18 Stunden Fahrt durch Abend und Nacht wieder auf dem Damm. War doch ganz schön anstrengend. Der Wind blies bereits kurz nach verlassen von Nusfjord mit guten 20 Knoten aus Ost, später in Boen bis 30 Knoten. Ganz schön ruppig, vor allem weil die See hier ungewöhnlich kabbelig und steil daher kommt. Carpe und Windpilot haben das aber wie üblich gut gemeistert und sind stundenlang mit über 7 Knoten durch die aufgewühlte See gerauscht. Am Himmel spielte sich derweil ein unglaubliches Spektakel ab. Immer wieder konnte ich großflächige, grün schimmernde Lichtstreifen beobachten. Manchmal langsam wabernd, manchmal fast explodierend. Ich war so baff und begeistert, dass ich fast vergessen habe , die Kamera zur Hand zu nehmen. Am Ende hab ichs dann aber doch noch geschafft ein, zwei Schnappschüsse zu machen. Die Bilder sind nicht wirklich gestochen scharf .. klar, dass geht mit der Filmkamera und einem „Schuss aus der Hüfte“ nicht wirklich. Aber einen Eindruck bekommt man dennoch. Ich stehe derweil gerade in Traena, einem kleinen Insel-Dörfchen etwa auf halbem Weg Richtung Skagerakk. Eigentlich wollte ich noch ein Stück weiter kommen. Aber ich war heute morgen doch ganz schön geschafft und der für die kommenden Stunden weiterhin gemeldete stramme Wind liess mich dann doch hier ein Päuschen einlegen. Morgen gehts weiter Richtung Küste und Sandnessjoen. So soll es dann schrittweise weiter gehen bis ich von Roervik dann bei passender Wetterlage noch einmal eine längere Etappe einlegen werde. Also dann .. all goood & Ahoi !

Nusfjord

Ein schneller Gruß und ein paar Bilder aus dem traumhaft schönen Nusfjord, bevor ich mich in die Koje verkrümmele. Eigentlich hatte ich den Ort gar nicht auf der Agenda, bis vor ein paar Tagen ein entsprechender Tipp in der Grußbox landete. Gut so. Denn der Ort bzw. das Dorf ist nicht umsonst Teil des UNESCO Weltkulturerbes. Zunächst habe ich die Einfahrt in den Fjord gar nicht gesehen. Man fährt nur auf eine imposante Felswand zu. Erst im letzten Moment öffnet sich das kleine Fahrwasser nach innen. Im Fjord selbst geht es dann in ein noch kleineres seitliches Hafenbecken, welches mit alten hölzernen Fischerhütten gesäumt ist. Ein Traum. Wie üblich bin ich mal wieder alleine, was aber nicht weiter schlimm ist. Ich bin mal gespannt ob es heute Nacht ein paar Nordlichter gibt. Der Himmel ist jedenfalls klar und dunkel genug wird es ja zwischenzeitlich auch. So lange warte ich also noch mit dem schlafen. Morgen vormittag will ich dann gen Süden starten und eine etwas längere Etappe in Angriff nehmen. Mal sehen wie viele Meilen es am Ende werden. Ach übrigens. Ich habe jetzt schon mehrfach die Frage gestellt bekommen, warum man mich nicht bei Marinetraffic etc. (AIS) verfolgen kann. Ganz einfach, ich sende gar kein Signal :-). Für meine aktuelle Position und die bisherige Route nutzt also bitte einfach die entsprechende Karte auf Törn.de. Also dann .. All good & Ahoi !

Lofoten & Video-Botschaft

Geschafft! Die Lofoten sind erreicht und damit eines meiner großen Ziele dieses Törns. Der Weg von Kirkenes bis hierhin hat dann doch etwas länger gedauert als gedacht. Nicht zuletzt wegen der anhaltenden Windkapriolen, oder besser gesagt der fehlenden. Aber egal, denn hier ist es nicht nur schön, sondern affentittengeil. Ein anderes Wort fällt mir da spontan nicht ein .. sorry :-).

Einziger Wermutstropfen ist wie gesagt der Wind. Denn auch hier in der Bucht zwischen Lofoten und Festland gibt es davon nur sehr wenig bzw. wenn, dann nur sehr unstet. Aber Richtung Süden wird das sicher wieder besser werden, wenn ich auch mal wieder auf dem freien Wasser unterwegs bin. Das wird auch der Plan für Freitag oder Samstag sein. Es stellt sich nämlich eine Ostwindphase ein, die ich gerne nutzen würde, um ein paar Meilen gen Heimat zu machen. Was die Lofoten angeht, so habe ich mich mir gestern das wunderbare Skrova angeschaut. Heute bin ich auf der benachbarten Insel Henningsgvaer, die ebenfalls phantastisch ist. Morgen will ich dann weiter nach Nusfjord (Danke für den Tipp in der Grußbox !) und später vielleicht noch nach Reine. Hier war ich auf jeden Fall nicht das letzte mal. Das weiß ich jetzt schon. Aber schaut nur selbst.

Denn es wird schon wieder Zeit für eine Video-Botschaft. Diese geht heute an Jörg Schönbrodt, mit dem ich vor einiger Zeit mal eine ordentliche Sause in Heilgenhafen gemacht habe :-). Also lieber Jörg, vielen Dank auch an Dich und ich hoffe dir gefällt der kurze Clip mit ein paar Eindrücken meiner aktuellen Umgebung. Bis demnächst … Ahoi !



Hallo ?

Ist da jemand ? Ich weiß ja, daß es in Norwegen nicht sooo viel Menschen gibt. Aber hier in Harstad – einer für lokale Verhältnisse eigentlich recht großen Gemeinde – ist gerade ganz schön der Arsch ab. Kaum ein Mensch ist auf den Straßen zu sehen und nur ein paar Möwen und Kormorane kacken fleißig den verwaisten Steg voll. Wird wohl in erster Linie am heiligen Sonntag liegen, an dem es sich die Leute lieber zu Hause gemütlich machen. So mache ich es also auch. Schon den halben Tag lümmele ich im Salon vor mich hin, arbeite mich durch meinen Restproviant und drücke mich erfolgreich vorm Abwasch. Dazwischen war ich einmal kurz an Land, um zu duschen und ein Minirunde durch den Ort zu drehen. Ersteres wird hier in einer Fritten- und Burgerbude erledigt. Kein Scherz. Direkt am Schwimmsteg gibt es nämlich einen Imbiss, was grundsätzlich schon mal nicht schlecht ist. Aber dort wird auch geduscht. Gleich neben der Toilette des Etablissements gibt es nämlich einen entsprechenden Raum. Für das warme Vergnügen werden einem dann 45 Kronen (also knapp 5 Euro) abgeknöpft. Aber wurscht … so langsam habe ich mich an die norwegischen Preise gewöhnt. Achso .. tanken war ich heute auch noch. Und da ich keine Lust hatte, einen Kanister durch den halben Ort zu schleppen, habe ich tatsächlich kurz abgelegt, bin hinten in die Bucht zur Bootstanke und wieder zurück gefahren. Im Logbuch stehen also für heute genau 1,5 Seemeilen verzeichnet. Gestern waren es dann doch ein paar mehr. Gute 40 sollten es eigentlich von Finnsnes bis Harstad sein. Am Ende waren es fast 60, da ich seit langem endlich mal wieder richtig segeln konnte, dafür aber einige Kreuzschläge in Kauf nehmen musste. Davor gabs zunächst ein paar Stunden unter Maschine. Erst am Ausgang des letzten Sunds vor Harstad erreichte ich freies Wasser und im Nu waren plötzlich 20-25 Knoten am Start Das hat mich nach den drömeligen Tagen unter Maschine echt gefordert. Auch weil hier eine sehr kurze und steile Welle steht, die das Segelvergnügen recht unruhig gemacht hat. Spaß hats trotzdem gemacht und Carpe scheinbar auch. Wie ein junger Welpe hüpfte sie durch die kabbelige See und kämpfte sich extrem hoch am Wind Richtung Zielort. Die Infos aus dem Revierführer entpuppten sich hier als überholt. Denn die beschriebene – zur See hin offene – Anlegemöglichkeit, wurde in der Zwischenzeit durch einen großen Schutzwall mit vielen vielen Liegeplätzen dahinter abgelöst. Mir wars recht und so konnte ich mir nach gut 11 Stunden Fahrt aus sicher hundert freien Plätzen meinen Favoriten heraussuchen. Gleich darauf entdeckte ich am Ufer nicht nur besagten Imbiss, sondern auch eine kleine Bude mit Thai-Food. Genau das Richtige nach dem kalten und langen Tag. Nur blöd das die Dame mir vor der Nase die Klappe zuschließt und Feierabend machen will. Nur gutes zureden und Dackelblick haben sie am Ende dazu bewogen, mir doch noch ein paar „Schbringrohls“ und ein leckeres thailändisches Gemüsegericht zu kredenzen. Der Tag endet dann nach einer Dose Bier dann früh in der Koje. Morgen solls weiter nach Lodingen gehen. Der dortige Hafen für Sportboote ist für mich bei Niedrigwasser wohl nicht zu erreichen. Also muss ich meine Ankunft entweder mit ausreichend Tide planen oder eben woanders festmachen. Das kenne ich ja nun schon zu genüge und irgendwo findet man eigentlich immer ein Plätzchen. Und apropos Tide .. auch morgen geht’s wieder durch einen engen Sund (Tjeldesund) mit bis zu 4 Knoten Strom. Nachdem ich beim letzten Sund leider etwas zu früh dran war und so kaum von der „mitreißenden“ Strömung profitieren konnte, will ich das morgen besser hinkriegen. Also Ankunft im Sund zur halben Tide. Denn dann läuft sie am stärksten. Mist .. dann muss ich jetzt wohl doch langsam mal spülen. Ahoi und schönen Sonntag noch !

Finnsnes

Mal wieder mutterseelenallein im kleinen Clubhafen von Finnsnes. Zum tanken braucht man ne Visa Karte und zum duschen ein 20 Kronen Stück. Dreimal dürft ihr raten was ich beides nicht habe :-). Ahoi. Von meinem iPhone gesendet

Tschüß Tromsø

Bin unterwegs nach Fisnes. Gleich kommt der berühmt berüchtigte Rystraumen mit bis zu 6 Knoten Tidenstrom. Ich bin gespannt. Danke auch für die vielen netten Grußbox Nachrichten aus der Heimat. Zuletzt tauchte die Frage auf, ob die Fahrwasser hier viel betonnt sind. Nun, im Norden gibt es eher weniger bis gar keine Tonnen. Dafür viele Leuchtfeuer und sonstige Landmarken als Navigationshilfe. Hier Richtung Lofoten wird’s tatsächlich mehr mit Tonnen, da es hier doch häufiger Untiefen und Felsen mitten in den Fahrwasser gibt. Bis später … Ahoi. Von meinem iPhone gesendet

Tromsoe & Video-Botschaft

„Zurück in der modernen Welt“, dachte ich mir, als ich mir heute Nachmittag im Tromsoer Burger King einen Whopper mit Fritten reingedonnert habe. Mann was ich hatte ich da einen Bock drauf :-). Carpe schaukelt derweil in den zunehmenden Boen im zentralen Yachthafen vor sich hin. Die Marina ist echt nicht schlecht, wenn auch mit knapp 30 Tröten pro Tag recht kostspielig. Gerade weil es auch keine Dusche und Toiletten gibt. Dafür sind es nur ein paar Schritte bis ins Zentrum von Tromsoe. Das was ich bislang gesehen habe, gefällt mir gut. Viele alte Häuser und eine eigentümliche Gemütlichkeit strahlt das Städtchen aus. Das mit der Dusche habe ich dann auch noch geregelt bekommen. Denn eines der benachbarten Hotels hat mich für kleines Geld in den Spa-Bereich gelassen, wo ich dann gleich auch mal in der Sauna war und die Knochen nach der kalten Nacht aufgewärmt habe. Die letzte Etappe war erneut eine Motorfahrt. Nur ganz kurz konnte ich mal die Segel setzen, als es ein Stück über freies Wasser ging und der an und für sich gemeldete Südost kurzzeitig zu spüren war. Ansonsten war heute wieder der kleine Volvo Penta gefragt, der seinen Job aber ohne zu murren erledigt hat. Die Landschaft war in der abendlichen Dämmerung und der Nacht heute ganz besonders beeindruckend. Ich kann es schwer beschreiben, aber es rührt einen fast manchmal zu Tränen, wenn man all diese Schönheit um sich herum sieht. Hin und wieder kreuzt ein Fischerboot oder Frachter meinen Weg und einmal kommt es auch zu der fast alltäglichen Begegnung mit einem der vielen Hurtigruten Schiffe. Auf den letzten Meilen vor Tromsoe gibt’s dann doch noch Wind. Leider genau auf die Nase und wie aus dem Nichts gute 25 Knoten. Dazu kippt auch noch die Tide knapp zwei Meilen vor der großen Tromsoe Brugg und ich krieche nur ganz langsam Richtung Marina. Dann ist es aber doch geschafft und ich finde einen recht gut geschützten Platz an einem der vielen Schwimmstege. Nun brummt der Heizlüfter, der Burger wird verdaut und ich spiele mit dem Gedanken, gleich mal eines der sündhaft teuren Biere trinken zu gehen. Morgen werde ich noch hier bleiben, denn es sind Boen bis zu 40 Konten aus Südwest gemeldet. Außerdem will ich mir die Stadt näher anschauen.

Heute gibt es auch mal wieder eine Video-Botschaft als Dankeschön für die Startnext Crowdfunder. Lieber Thomas Lomparski auch an dich meinen herzlichen Dank für deine Unterstützung und ich hoffe dir gefällt der kurze Clip, den ich in der letzten Stunde hier für dich zusammengebastelt habe. Also dann .. all good & Ahoi !



Wetter, Wetter, Wetter

Ahoi und Hallo aus Skjervoey. Nach dem zweiten Motortag in Folge, liegen Carpe und ich an der ganz schön schaukeligen Gystbrygge und warten auf passende Bedingungen für den Schlag nach Tromsoe. Das ist gar nicht so einfach, denn neben dem Wetter sollte natürlich auch die Tide halbwegs passen. In den engen Sunden kann diese nämlich ganz schön kräftig fließen und so für Rauschefahrt oder eben Stillstand sorgen. Nach gegenwärtiger Prognose will ich heute abend um 10 Uhr die Leinen los werfen und mit dem aufkommenden Südostwind nach Tromsoe aufbrechen. Ich bin gespannt, ob wir in den riesigen Schluchten dann tatsächlich etwas segeln können. Gestern fing es eigentlich ganz gut an. Als ich aus dem kleinen Fischerhafen von Hasvik auslief, bliesen mir schöne 4 Windstärken entgegen. Kurz darauf liefen wir auf Idealkurs und unter Segeln Kurs 240 Grad. Leider währte das Vergnügen aber nicht lang, denn schon bald musste ich die Segel wieder bergen und den Rest der Strecke mangels Brise unter Maschine zurücklegen. Aber ich will nicht meckern. So ist es nun mal hier oben. Zwischen den vielen Bergen und Inseln ist es mit dem Wind wie schon erwähnt ohnehin tendenziell schwer stabile Segelbedingungen zu finden. Hinzu kommt der stetige Wechsel zwischen Starkwind und dann wieder schwachwindigen Bedingungen. Ich fürchte dass sich das bis zu den Lofoten auch nicht groß ändern wird. Denn immerhin bin ich bis dorthin meist in Sunden und Fjorden unterwegs. Morgen abend kommt dann zudem noch ordentlich Wind aus Südwest auf, also genau meiner Hauptzielrichtung. Dieser nimmt dann am Donnerstag bis auf über 40 Knoten in Boen zu. Das hoffe ich dann in Tromsoe abzuwettern, wo ich gerne ein bis zwei Tage bleiben möchte, um mir die Stadt anzuschauen. Von daher auch die anvisierte Nachtfahrt von heute auf morgen. Andernfalls würde ich die nächsten Tage in Skjervoey stehen. Hier ist es zwar auch schön, aber mich zieht es zu den Lofoten. Um mich herum wird es derweil immer kerniger. Hohe Berge mit großen Schneefeldern und sogar Gletschern, glasklares kaltes Wasser und viel nordische Stimmung begeistern mich. So langsam wird es auch mit den Liegemöglichkeiten besser. Wie schon erwähnt gibt es hier sogar eine richtige Gystbrygge (Gaststeiger) extra für Besucher. Eine Dusche habe ich noch nicht gefunden. Das werde ich gleich mal in Angriff nehmen. Auch wird die Dichte kleiner Dörfer und Siedlungen immer mehr. Nach den manchmal einsamen Tagen im ganz hohen Norden mit den teils etwas abenteuerlichen Anlegemöglichkeiten finde ich das gar nicht übel. Man hat das Gefühl wieder etwas mehr in die Zivilisation zu kommen :-). Ansonsten buisness as usual. Habe heute morgen den Motor gecheckt und auch mal nach dem Impeller geschaut. Dann werde ich gleich noch etwas einkaufen, Müll entsorgen und einen Kanister Diesel besorgen, bevor ich eine weitere Runde durch die Bucht drehe. Also dann .. All good & Ahoi !

Hasvik

Ankunft und Leinen fest in Hasvik. Ein Mini-Kaff mit respektablem Fischereihafen. Da Sonntag ist, ist natürlich keine Socke da. Habe mich also wie üblich unter die Fischer gemischt und hoffe, dass ich hier stehen bleiben kann. Ahoi. Von meinem iPhone gesendet

Internet-Fundstücke

Moin Moin aus der Regenhölle von Hammerfest. Es schüttet jetzt seit knapp 30 Stunden ohne Pause und so langsam schwindet der Glauben, dass sich das irgendwann nochmal ändert. Aber Spaß beiseite. Alles gut soweit. Ich stehe nach wie vor am Schwimmsteg in der rechten Ecke des Hammerfester Hafens und harre der Dinge die da kommen. Leider ist es gerade nicht nur sehr nass, sondern auch kalt. Die Temperaturanzeige an der Hauswand gleich neben mir durchbricht nur selten die 7 Grad Celsius Marke. Nachts geht’s gerne auch mal auf 4 bis 5 Grad runter. Nur gut, dass ich doch noch Strom organisieren konnte und so der Heizlüfter verhindert, dass ich nachts den arktischen Heldentod sterben muss. Der Wind lässt nach ebenfalls gut 30 Stunden nun langsam etwas nach. Wirklich viel kam hier im Hafen Gott sei Dank davon nicht an. Draußen muss es mit bis zu 30 Knoten aber ganz schön dengeln. Gerade in dem nach Südwest verlaufenden Fahrwasser kommt es da mit Düse und Fallwinden sicher zu ganz schönen Kapriolen. Aber der Wind ist gar nicht das Ding, ich habe gerade ehrlich gesagt einfach keinen Bock auf einen weiteren Tag unter der Eisdusche. Ich bin froh, Boot und Inhalt gerade mal wieder halbwegs trocken zu haben. Dann warte ich lieber noch bis morgen. Dann wird’s zwar mit dem Wind wieder schwierig, aber dafür soll wenigsten der Regen nachlassen. Segeln wäre selbst gestern und heute trotz ordentlicher Brise schwer geworden, da es in den Fjorden immer wieder zu Abschattungen, Kapeffekten und so weiter kommt. Das bedeutet, man muss im Grunde durchgehend auf standby sitzen, um auf die andauernden Änderungen der Bedingungen zu reagieren. Langer Rede kurzer Sinn, ich bleibe heute noch hier und werde morgen Richtung Hasvik starten. Einem kleinen Fischerhafen etwa 35 Seemeilen von hier entfernt. Dort will ich dann eine Nacht verbringen, um dann weiter nach Skjervoy zu fahren. Das liegt bereits außerhalb der Finnmark und ich bin dann ab sofort in der Troms-Region. Tromsoe soll dann auch das nächste Ziel sein, bevor ich die Lofoten in Angriff nehmen will. Ich habe mir übrigens eben mal den Spaß gemacht und mal nach den Temperaturen in Bergen geschaut. Dort sind es gerade über 20 Grad, während hier oben die Milch gerinnt. Der Hammer was das ausmacht. Heute Abend ist hier dann wohl auch noch die große Party mit Livemusik auf einer fetten Bühne und allerlei Tamtam. Bin mal gespannt. Die Soundchecks laufen jedenfalls seit gestern und lassen Carpe unter den mächtigen Bässen erzittern. Datt wird dann wohl ne Nacht mit Ohrstopfen :-). Ja und dann habe ich in den letzten Tagen immer wieder mal Mails vom Thomas Neumann bekommen, der mich mit Bildern von Webkameras aus dem Internet versorgt hat. So gibt es jetzt also tatsächlich auch mal ein paar Schnappschüsse von Carpe und mir „von außen“. Genauer gesagt aus Vardoe, Honningsvag und Batsfjord. Klasse Thomas, vielen Dank für deine Mühe. Ahoi ! Und noch ein Web-Gimmick, den ich euch nicht vorenthalten möchte hat mich erreicht. Es gibt nämlich eine sehr schöne Panorama-Webcam von Hammerfest. Wenn ihr ganz genau hinschaut, findet ihr Carpe und mich ganz unten links in der Ecke, hinter den roten Dächern. Danke für den Link Stephan Leiner. Zur Webcam hier klicken

Hammerfest

So geschafft. Kalt war es heute aber dafür hat der moderate Wind wieder gut gepasst. Leider gibt’s am brandneuen Pontoon von Hammerfest noch keinen Strom. Morgen ist hier wohl aber ein Fest. Zumindest stehen ein paar Fressbuden und eine Bühne an Land. Dort dann auch ein Stromkasten an den ich mich hängen konnte. Dafür musste ich allerdings nochmal umparken, weil mein Kabel sonst zu kurz wäre. Morgen werde ich wohl hier bleiben. Es gibt nämlich ne gale warning. Sind zwar laut gribs „nur“ maximale 27 Knoten, die aber aus Nordost und später Nordwest. Das bedeutet zunächst Düse im Fahrwasser nach Südwest und später wieder hohe Wellen am offenen Festlandschelf vor Skjervoy. Außerdem soll’s regnen. Wirklich happy bin ich damit auch nicht, denn ansonsten würde der Wind gut passen, um Strecke nach Süd zu machen. Aber so isses nun mal und wenn man nicht muss ist eben Hafentag angesagt. Vielleicht gibt’s ja morgen auch ein Hammerfest (den Kalauer konnte ich mir nicht verkneifen). Ahoi. Von meinem iPhone gesendet

Havoeysund

Mahlzeit zusammen und schönen Gruß aus Havoeysund. Einem winzigen Nest auf halbem Weg vom Nordkap nach Hammerfest. Heute war ein geruhsamer Tag. Jedenfalls im Vergleich zu dem letzten Schlag Richtung Honningsvag. Nach zwei erholsamen Tagen in der kleinen, menschenleeren Clubmarina und einem wirklich schönen Ausflug zum Nordkap, ging es heute morgen früh um 6 unter Maschine los. Wind gabs heute leider keinen. Das war aber nicht wirklich schlimm, den zum einen war die Distanz mit nur 28 Meilen heute überschaubar und außerdem ging es heute quer durch die norwegische Fjordlandschaft, wo es mit segelbarem Wind sowieso immer etwas schwierig ist. Die Fahrt an sich verläuft dann auch undramatisch und kurzweilig. Die Landschaft um mich herum ist der absolute Hammer und lässt mich schwärmen. Hohe karge Berge, weite Wasserflächen und enge Sunde passiere ich heute. Die enge Durchfahrt südlich des Nordkaps ist aber nicht nur für ihre atemberaubende Landschaft bekannt, sondern auch den immensen Tidenstrom, der eine vorausschauende Planung erfordert. Ich habe offenbar alles richtig gemacht, den binnen kurzer Zeit rauscht Carpe mit fast 9 Knoten über Grund durch den Sund. Durchs Wasser machen wir derweil gerade mal 4,5 Knoten. Nicht schlecht der Specht. In der Ausfahrt aus dem Sund kommt mir dann tatsächlich eine andere Segelyacht entgegen. Da muss ich doch gleich mal funken. Es folgt ein kurzer Schnack mit einem Schweden der ebenfalls alleine unterwegs ist. Er ist auf dem Weg nach Kirkenes. Will dann aber wieder kehrt machen und in Tromsoe das Boot überwintern lassen. Daran hatte ich ja auch schon mal gedacht. Mal schauen. Bislang steht der Plan weiterhin nach Deutschland zurück zu segeln. Der Skandinavier macht mich außerdem auf ein U-Boot aufmerksam dass seiner Meinung nach am Horizont zu sehen sei. Ich checke das mit dem Fernglas x mal. Ich glaube aber eher, dass es ich um eine kleine Insel mit Leuchtfeuer handelt. Haben die Norweger überhaupt ne U-Boot Flotte? Na egal. Schon bald taucht in der Ferne Havoeysund auf. Ein echt kleines Kaff inmitten des gleichnamigen Sunds. Hier gibt’s gleich ein paar Hafenbecken die hauptsächlich von – na ratet mal – Fischern genutzt werden. Platz für Gäste gibts hier aber auch. Nach einem kurzen Intermezzo im Fischereihafen verhole ich mich dann doch in das Hauptbecken ganz im Westen. Hier gibt’s direkt vor dem “Zentrum“ einen Schwimmsteg. Platz ist auch. Also angefahren und Leinen fest gemacht. Kurz darauf sitze ich im Rathaus und frage ob ich da nun auch stehen bleiben darf. Die Dame am Empfang ruft darauf hin den Hafenmeister an, der auch schon 10 Minuten später auf Carpe sitzt und viel redet :-). Bleiben darf ich jedenfalls. Muss aber mein Boot ans äußere Ende des Stegs verholen, sobald dieses frei ist. Dort stehen nämlich noch zwei kleine Motorboote. Kurze Zeit später fährt das Äußere dann weg und ich kann umparken. Hinter mir steht derweil noch das andere kleine Boot, auf das von zwei Waldschraten irgendwelches Brennholz geladen wird. Ich verkrümmele mich mal unter Deck. 10 Minuten später scheppert es und Carpe macht einen Satz. Ich springe heraus und sehe das einer der besagten Schrate mich mal eben volles Programm schräg hinten gerammt hat. Platz hatte er eigentlich genug und außerdem hätte er auch noch locker 10 Meter zurücksetzen können. Ich bin begeistert und frage den Typ ob er noch alle Tassen im Schrank hat. Der guckt mich nur an wie ne Kuh beim kacken und verpisst sich sogleich. Darauf hin rufe ich ihm ein paar international verständliche Nettigkeiten hinterher. An Carpe ist außer eine kleinen Schramme an der achteren Gummilippe Gott sei Dank nix passiert. Trotzdem ärgere ich mich. Gar nicht auszudenken, was gewesen wäre, wenn der Dämel gegen den Windpilot gedengelt wäre. Ihr seht also, es wird hier nicht langweilig. Nun habe ich eben noch eine kleine Runde durch den Ort gedreht und für dezente 20 Euro einen Fettteller in der örtlichen Frittenstation zu mir genommen. Heute bleibt hier an Bord also die Küche kalt. Morgen solls mit dem aufkommenden Nordost dann nach Hammerfest gehen. Laut Revierführer die nördlichste Stadt der Welt. Ich bin gespannt.