Archiv der Kategorie: SY Marlin

Schon wieder ein neues Zu Hause

Es nimmt kein Ende

Eigentlich war es einfach nur so geplant, Als ich dann aber im Wohnzimmer unseres neuen Hauses stehe geht mir so durch den Kopf: „Und wie kommen wir hier wieder weg?“ Puerto Montt liegt auf der anderen Seite des Kanals, der Himmel ist strahlend blau und am Horizont sieht man den Vulkan Calbuco. Das ist selten hier. Das niedliche Haus aus Holz, dass ich den nächsten Wochen unser Heim sein wird, liegt direkt am Wasser, ein Hundehütte im Vorgarten und eine Veranda zum Draufsitzen und Wein trinken. Eine richtige Küche, Elternschlafzimmer, drei Kinderzimmer, Wohnzimmer und Esszimmer. Hinten erstreckt sich ein großer Rasen, den wir auch Mähen dürfen. Na prima. Wie in der Heimat.

An der LADY sind ein paar strukturelle Arbeiten zu machen, die erfordern, dass wir für die nächsten vier Wochen das Boot verlassen. Dreck, Farbgeruch und Enge sind nicht Familienkompatibel. Und so ist uns das Angebot das Haus von Jeremy und Vanessa zu mieten nicht nur recht, sondern auch angenehm. Auf der Insel Tenglo, wo das Haus liegt, gibt es keinen Straßen, kein Auto und wenn man dort hin will, muss man die kleine Fähre nehmen. Echt schwer romantisch und natürlich genau, das was zu uns passt. Jeremy hat auch noch einen kleinen schwarzen Welpen, sechs Monate alte, Golden-Retriever-Labrador Mischung. Na? Meine kleine Farm. Oder was? Aber Nathalie meint, dass ich mir keine Sorgen machen muss, weil Maya und Lena die LADY eben lieben über alles. Ich auch und so hab ich sie dann, das gute Wetter ausnutzend, gewaschen und dabei gesehen, was alles zu machen ist. Aus Erfahrung weiß ich was das bedeutet und wie lange das dauert und was es kostet. Und so schön grade alles ist und sich entwickelt. So langsam müssen wir mal in die Hufe kommen, den Kahn fit machen und zurück nach Europa segeln.

Doch Summa Summarum. Mit dem Haus ist es erst einmal prima. Wir werden es einfach mal ein paar Wochen genießen und mal ausprobieren wie Landleben mit festem Wohnsitz ist.

Frühling

Parque Nacional Andino Alerce

Man kann es nicht leugnen, hier ist definitiv Frühling. Das Wetter überrascht aprilmässig mit wechselndem Sonnenschein, Eimerregen und Stürmen und der Stechginster blüht wie es gelber nicht geht. Das er hier eigentlich nicht hingehört und die einheimische Flora verdrängt, kann man ihm in dieser Jahreszeit mit seinem leuchtenden Gelb und dem süßen Duft gut verzeihen.

Es ist Samstag, die Sonne hat sich für den Rest des Tages angekündigt, vier Tage intensiver Schulbildung, etliche Ladungen Wäsche und Putzaktionen liegen hinter uns, Zeit für eine Pause. Puerto Montt, im Lonely Planet Muerto Montt, totes Montt genannt, hat mehr als einen Fischmarkt zu bieten und da Herr Beuger immer noch uns gehört und nicht verkauft ist, packe ich mir kurzentschlossen die Kinder um in den nahegelegenen Nationalpark zu fahren. Eva und ihre beiden Kinder von der …. klettern auch noch ins Auto und los geht’s. Eigentlich kennen wir die Umgebung von Puerto Montt ja noch gar nicht. Kaum verlassen wir die Stadtgrenzen, wird es ländlich, kleine Farmen, Restaurants, Campingplätze, blühende Obstbäume, sehr malerisch. Die See ist dafür weiß , ordentlich Wind aus Süd, auf dem Wasser muss man jetzt wirklich nicht sein. Irgendwann verlassen wir die Teerstrasse und fahren auf einer Schotterpiste immer tiefer in den Wald hinein, 7 km der Eingang zum Park. Mit Parkwächtern haben wir nicht gerechnet, dass sie uns Eintritt abknüpfen, halb so wild, doch dass wir um 5 wieder rausmüssen, passt uns gar nicht, Zwei Stunden bleiben uns zum Laufen, der Conaf-Angestellte grinst: Mit Kindern kommen sie eh nicht bis Wasserfall, viel zu gefährlich, das schaffen die nicht.

Das hätte er nicht sagen sollen, natürlich wollen jetzt vier Kinder und zwei Mütter beweisen, dass sie in Form sind, und los geht es. Wir laufen und warten. Auf die gefährliche Strecke, die unüberwindbaren Felswände, die reißenden Flüsse und tiefen Abgründe. Aber es kommen keine, der Weg windet sich wunderschön durch den Regenwald, riesige Farne, Flechten und am Ende ein tosender Wasserfall. Einen Kilometer weiter wartet eine der jahrtausendealten Alercen, doch die muss bis noch nächste Woche warten, wir wollen schließlich den Parkwächter nicht warten lassen. Macht ihr nichts, denke ich, in dem Alter macht eine Woche auch nichts aus. Zurück im Sauseschritt, Lena gewinnt mit den kürzesten Beinen definitiv die Goldmedaille. Lässig grinsend tragen wir uns in der Conaf-Hütte wieder aus, der Parkwächter lächelt anerkennend.

Zurück an Bord gibt es Spaghetti Vongole auf chilenisch, mit Koriander statt Petersilie, ein Stilbruch? Vielleicht, aber ein verdammt leckerer. Sind ja auch chilenische Muscheln!

Die Post ist da

und endlich wieder Schule

Quasi im Vorbeigehen haben wir auf unserer Rückfahrt aus Santiago am Montag noch ein langerwartetes Päckchen mitnehmen können, das keine Stunde vor unserer Ankunft in Martins Büro in der Hauptstadt von der Post gebracht worden war. Das nenne ich Timing! Frei nach dem Motto Bildung wiegt schwer, nehme ich ein 10 kg Paket im leuchtenden Gelb der Deutschen Post in Empfang. Im Auto warten zwei hibbelige Segelkinder! Was könnte schöner sein, als ein Paket von Oma. Die hat es auch gut gemeint mit uns, und die leeren Ecken des Pakets, das den Ersatz für die geklauten Schulbücher beinhaltete, mit Gummibären, Lakritze und Schokolade gepolstert.

Die Tagebücher der Kinder konnte der Klett Verlag natürlich nicht ersetzen, dafür sind alle anderen Lehrwerke nun wieder an Bord und die Zeit der Internetrecherche und selbstgemachten Arbeitsblätter ist endlich vorbei. Zudem sind wir wieder zu Hause, mit all unseren Materialien, so dass sich die gewohnte home bzw. boat schooling Routine einstellen kann. Rechnen, Lesen, Schreibschrift, Kunst und zur Freude Mayas endlich auch Englisch mit Arbeitsheft.

Doch in der nächsten Woche wird die Schule ein letztes Mal umziehen müssen, denn wir stehen ja nicht zum Vergnügen mit der Lady an Land. Ab Montag wird sich sind Ankerkasten, Bilge und Konsorten die Hauptpersonen und wir müssen raus. Glücklicherweise hat sich heute herausgestellt, dass wir ein Häuschen auf der Isla Tenglo, direkt gegenüber der Werft für wenig Geld mieten können. Ab Mittwoch wird es frei und nur eine kurze Fährenfahrt trennt uns dann von der Lady, statt Baustelle ein Inselhäuschen, da kann man nicht meckern. Hoffen wir, dass es mehr als eine Baracke ist, Sonntag ist Besichtigung angesagt!

Zurück im Regenland

Die Nase voll

Puerto Montt ist ja ein unglaubliches Regenloch. Ein paar Sonnenstrahlen haben erst mal so getan als ob. Ich hab Hans getroffen, Marc ist auch da und man steht auf der Werft zwischen den Booten und unterhält sich wiederum über Boote. Die Themen verändern sich ja nicht weiter :-) Stahl, Alu, Plastik… aber zumindest ist es vorbei, jeden Tag neuen Bekanntschaften zu erklären, dass man um die Welt segelt, jeden Tag in fremden Küchen zu stehen und hunderte von Kilometern zu fahren. War schön, aber ist auch ganz gut jetzt wieder auf unserem Schiff zu sein.

Dann hat es angefangen zu schütten, in Eimern. War klar. Zur Begrüßung. Geht ja auch wieder vorbei. Aber Lust wieder nach Süden zu segeln macht das nicht. Vor allen Dingen nicht, wenn man das schon kennt. Patagonien ist wunderschön, aber unser Kahn ist zu klein für die schnellwachsende Familie. Um es mal auf den Punkt zu bringen. Bei dem dauernden Regen im engen Boot eingeschlossen zu sein, ist nicht einfach. Ob nen größeres Boot die Lösung ist, ist die Frage. Unsere Lösung heißt im Moment Nord. Sprich: Kein Regen. Man kann sich mehr draußen aufhalten, braucht nicht ständig ne Heizung oder Regenschirm. Unsere Segelzeit mit Kindern ist halbrum, wenn wir es so halten wie es geplant war. Aber darin sind wir ja eh nicht gut im Einhalten von Plänen. Wir möchten unseren Kindern gerne noch etwas von der Karibik zeigen, statt der Pinguinen, blaues Wasser, in das man am Morgen einfach mal reinspringt um sich abzukühlen. Tja, man will immer das was man grade nicht hat. Das werden sie auch lernen. So sind wir Menschen.

Kein Bild? Genau. Kein Bild!

Wo könnte es schöner sein als zu Hause

Auf unserer LADY zurück!

Gibt es Schöneres als nach zwei Monaten Autourlaub auf dem eigenen Kiel wieder anzukommen? NEIN! Nach ordentlich letzten Kilometern in der letzten Nacht, gut 1.000 Non-Stop, sind wir um vier Uhr morgens angekommen und uns LADY hat wie erwartet brav gewartet. Das Ankommensbier war eins der leckersten in den letzten Tagen, denn die Stimmung auf der Farm von Westcotts ist leider etwas abgerutscht. Werdende Väter haben es eben nicht ganz einfach und wir haben Verständnis dafür, was aber auch nix geholfen hat. Jedem seine eigene Welt. Und so haben wir dann die Sendung mit neuen Schulbüchern aus Santiago abgeholt und warp, ab ins eigene Heim!

Sorgenvoll betritt der Skipper die LADY. Die Stirn entspannt sich schnell. Die Ruhepause vor den Bewohnern und der noch schnell installierte Solarlüfter im Salon, haben sich voll gelohnt. Das Boot ist wieder knochentrocken, dass was uns so am Herzen lag. Auch die aufgebaute Kuchenbude hat der Dame gut getan. Ein Packet aus der Schweiz mit neuem Batterielader, Trenndiode und Spezialwerkzeug liegen auf dem Kartentisch. Unser Marinero Oscar hat brav alles gemacht was er machen sollte. Bei jedem Sonnenschein die Luken auf. Im Beuger liegt der neue Superwindgenerator. Was nun? Sieht schwer nach Arbeit aus.

Nathalie und ich diskutieren mal wieder. Das altbekannte Thema! Nord/Süd/West… Letzte Woche war es noch Feuerland, diese Woche Galapagos und die Insel Fernandes, die fehl doch eigentlich auch noch und vielleicht diskutieren wir ja noch mal über die Osterinseln, die wir ja auch noch nicht gestreift haben. Also, es bleibt alles beim Alten, so wie man uns kennt. Nur die Kinder werden immer größer und größer.

Bei den Westcotts

Bei den Westcotts

Martin und Melanie laden ein. Blumenkinder

Heute Morgen stehen vier Pferde für uns bereit. Direkt nach dem Frühstück geht es los über die Farm der Westcott’s, der Familie unseres Segel-Freundes Martin. Die Farm ist 25×10km, 2.500 Hektar groß. Das ist für ein Grundstück so groß, wie wir es uns nicht wirklich vorstellen können, auch nicht mit Pferd.

Melanie sehen wir leider nicht so oft, wie wir es gerne tun würden, denn sie ist kurz vor der Geburt ihres ersten Sohns. Das die Beiden uns trotzdem als Gäste empfangen wissen wir um so mehr zu schätzen!

Wir haben ja nun seit Bolivien ordentlich Gas gegeben und die Wüste Atacama hinter uns gelassen. Hier in der Nähe von Valparaiso, auf der Höhe von Santiago ist eindeutig der Frühling ausgebrochen. So war es ja nun auch geplant. Felder voller blühender Blumen sind der Beweis. Es ist warm und schön, was wollen wir mehr.

Observatorio Mamalluca

Zweiter Versuch

Nach zwei Tagen Verschnaufen in Antofagasta mit heisser Dusche und zivilisierter Küche sind wir wir wieder auf dem Weg nach Süden, nach Hause. Das Reisen per Auto, das doch soviel schneller ist, als das gemächliche Tempo der Lady, zehrt an unseren Nerven. Alle freuen sich auf zu Hause, auf die eigenen, vier, wenn auch wackelnden Wände, den festen Bordrechner, die Playmobilkiste, andere Bücher und vor allem auf die Bordroutine. Museen, Kirchen, und andere Sehenswürdigkeiten interessieren uns nur noch am Rande, wir wollen Meilen machen. Doch ein paar Ausnahmen gibt es natürlich noch.

Die erste heisst Mamalluca und ist das Observatorium, dass wir auf der Hinfahrt schweren Herzens ausfallen lassen mussten, da einer der wenigen Wolkennächte im Jahr heraufgezogen war. Vier Tage vor Vollmond sind die Bedingungen zwar aufgrund der Helligkeit, über die wir uns beim Segeln immer freuen, nicht ideal, dafür ist der Himmel wolkenfrei. Um halb neun werden wir in der kleinen Stadt Vicuña in Busse verfrachtet und zur Sternwarte gebracht. Die Sternwarte ist rein auf Tourismus ausgelegt, geforscht wird überall in der Umgebung mit VLTs (very large telescope) und demnächst sogar ELTs (extremely large telescope). 30% aller Teleskope der Welt stehen in Chile, und wer den klaren Himmeln über der Wüste hier jemals gesehen hat, weiß warum. Superlative gibt es in Mamalluca nicht, aber wir sind ja auch keine Hobbyastronomen und sind schon froh, wenn wir hier unten im Süden den Skorpion, Orion und das Kreuz des Südens finden können.

Mit Hilfe unseres enthusiastischen Führers blicken wir vier das erste mal durch ein Teleskop und erwischen gerade noch Saturn mit bunten Ringen und einem Mond, bevor er untergeht, dann Mars und ein paar Sterne. Doch am beeindruckendsten ist die Vergrößerung des Mondes, jeden Krater können wir erkennen, die Oberfläche leuchtet so hell, dass man fast geblendet wird. Unser Führer zeigt uns die Stelle, wo Neil Armstrong einst seine Fahne platzierte, sehen können wir sie nicht, aber das muß ja nichts heissen.

Die Führung endet mit einem Vortrag über die verschiedenen Sternenbilder der südlichen Hemisphäre und einer schlafenden Lena auf dem Schoß. Halb 12 ist eben doch keine Kinderzeit mehr, Maya hält sich wacker und schläft erst in dem Moment ein, als ihr Kopf im Hotel aufs Kissen fällt.

Salz auf Beugers Haut

Abschied von Wladimir und Camilla

Der Salzsee hat dem Beuger ganz schön zugesetzt. Doch wir mussten das Wochenende abwarten bis wir eine Klinik gefunden haben, die mit Dampfstrahler und Hochdruck die Salzkruste Herr wurden. Unterboden, Motorraum und Karosserie sind jetzt blitzblank und frisch konserviert. Beuger strahlt wie neu und wir sind unser schlechtes Gewissen los. Prima Sache so ne Autoklinik. Billig war’s nicht, weil wir ja wieder in Chile sind. Und so machen wir mit 100 Sachen jeden Tag 500 Kilometer nach Süd. Geht relativ schnell, denn die Sehenswürdigkeiten kennen wir ja schon. Antofagasta haben wir auch nicht richtig gesehen, sondern eher die Sauberkeit der Wohnung und die Waschmaschine von Wladimir genossen. Wenn da nur nicht südamerikanisch den ganzen Tag der Fernseher laufen würde. Aber das ist halt so in Südamerika. Keiner guckt hin, Hauptsache das Ding rödelt vor sich hin. Mir wird das ja manchmal zu viel. Aber was meckere ich, der einen „IRONLADY“ Hotspot über das chilenische G3 Netz im Auto betreibt, damit wir ja nicht ohne Internet sind. Berufskrankheit? Finden die vielleicht auch nicht normal.

Wir sind in Caldera angekommen, haben das Schild „Santiago 1000 km“ passiert und haben einen Termin mit meinem Freund und Kunden Martin in Vila Alemania bei Valparaiso am Wochenende. Da bleibt noch ein bisschen Zeit und wenn es klappt besuchen wir noch Franzisco, den ich in Puerto Montt kennengelernt habe. Beides supernette und interessante Menschen. Wir werden sehen, was auf uns zukommt, was lateinamerikanisch klappt und was nicht.

Back in Chile

Durchatmen

Ein letzter Tag offroad bis zur chilenischen Zivilisation. Es beginnt wie schon gewohnt in dieser Gegend, tausend Wege führen ins Nichts, ohne Beschilderung, ohne den geringsten Hinweis auf den Zielort, irgendwie fragen wir uns durch und meinen zumindest die richtige Richtung über den nächsten Salar eingeschlagen zu haben. Autospuren beweisen, dass zumindest schon einer vor uns hier entlanggefahren ist. Nach 10 Minuten Holpern erblicken wir am Horizont unverkennbar drei Jeeps mit Dachgepäck, Touristen mit ortskundigem Fahrer auf dem Weg zu weiteren Sehenswürdigkeiten. Wir heften uns an ihre Fersen und in ihre Staubwolke, um in dieser Einöde zumindest nicht alleine zu sein. Kurze Zeit später halten alle drei vor der Bahnlinie und lassen ihre Gäste aussteigen. Zeit für einen kurzen Plausch. Juan kennt den Weg, entweder hier lang, oder da lang, oder einfach ihm hinterher und dann kurz vor der Grenze rechts ab. Wir entscheiden uns für letzteres und bekommen zum guten Schluß nochmal offroad pur geboten. Statt Hauptstrasse, die in Bolivien schon abenteuerlich genug ist, bietet Juan seinen Gästen und auch uns echtes Camel-Feeling. Micha und ich überlegen ernsthaft, ob wir nun bald fit genug für Paris-Dakar sind. Nur mit Herrn Beuger zusammen natürlich und den tripulantes, die auf der Rückbank Restaurant spielen und sich Sandwich mit Chili con carne servieren.

Nach einer halben Stunde Fahrt durch Salzsee und Dünen mit spektakulären Ausblicken auf die uns umgebenden schneebedeckten Vulkane, erreichen wir die bolivianisch-chilenische Grenze. Die Bolivianer entlassen uns innerhalb von fünf Minuten aus ihrem gastfreundlichen Land, dann geht es weiter bei den chilenischen Kollegen. Das dauert länger und endet erst, nachdem der sympathische Quarantänebeamte unser gesamtes Gepäck durchsucht hat und Käse, Honig, Fussrasseln aus Schafhufen und eine angeknabberte Möhre konfisziert hat. Wegen der Maul- und Klauenseuche. Die Cocablätter durften wir behalten, wer hätte das gedacht.

Zurück in Chile, ein komisches Gefühl. Auf einmal sind die Strassen wieder breiter, es gibt eine Beschilderung und man weiß immer, wo man lang fährt. Dafür ist es einsamer, wo in Bolivien hinter jeder Biegung ein Dorf wartete und in jedem Dorf ein Automechaniker und ein Reifenspezialist, ist in Chile gähnende Leere. An wunderschönen, flamingobewohnten Lagunen am Fuße des schwefelig rauchenden Vulkanes Ollague führt der Weg weiter nach Calama. Da waren wir doch schon, bei der chaotischen Paola zu Gast. Auf Matratze im Wohnzimmer haben wir allerdings heute keine Lust, stattdessen suchen wir die erste Shoppingmall seit Wochen auf, um mit dem dortigen WiFi-Netz unsere nächsten Couchhosts in Antofagasta zu kontaktieren. Bett für die Nacht gesichert.

Herr Beuger bekommt an der nächsten Tankstelle seine erste bleifreie 95er Tankfüllung, mal sehen, ob ihm dieses gesunde Futter überhaupt noch bekommt, nachdem ganzen Sprit in Peru und Bolivien, ist das ja fast wie Müsli statt Hamburger. Dafür kostet die Tankfüllung wieder 80 statt 30 Euro, Reformhaus war eben schon immer teurer. Und auch für uns gehen die Umstellungen weiter. Meter für Meter geht es weiter hinab bis auf Meereshöhe, von 4000 auf null in einem Tag. Hoffentlich gibt das keine Sauerstoffvergiftung. Die Luftfeuchtigkeit steigt und auch die Temperaturen werden deutlich wärmer. In den Cafes von Antofagasta sitzen die Menschen draußen auf der Terrasse, und das am Abend, unglaublich! Ich überlege ernsthaft, heute nach langer Zeit mal wieder ohne Socken ins Bett zu gehen.

Am Ende des langen Tages und einer Irrfahrt durch Antofagasta, weil in Chile die Hausnummer 1230 nicht zwangsläufig zwischen der 1226 und der 1242 liegt, erwarten uns Wladimir und Camilla mit Pizza in ihrer Wohnung mit Blick auf’s Meer. Ein perfekter Tagesabschluß.

Einer der 10 schönsten Tage meines Lebens

Die Überquerung des “Salar de Uyuni” Salzsees

Es gibt sie, diese zehn schönsten Orte der Welt, die man einfach in seinem Leben gesehen haben muss! Must be seen! We did the Salar de Uyuni, in der Trockenzeit mit Herrn Beuger. Sprich wir durften einmal drüber fahren. Great. Genial. Super! Ja es war einer der zehn schönsten Tage meines Lebens. Unten weiß, oben strahlend blau auf fast 4.000 Meter über dem Meeresspiegel.

Es fing alles ganz normal an: „Papa – Ich will nicht auf den Salzsee. Da sind nur die Fußabdrücke von den ganzen Touristen. Das ist total langweilig. Ihr macht wieder tausend Photos und wir langweilen uns!“ Klare Ansage für einen jungen Vater. Ein aufklärendes Gespräch folgt, doch wirklich überzeugen kann auch Nathalie nicht. Da hilft nur Zwang zum Glück. Manchmal muss das wohl sein.

Nun. Maya ist dann doch mitgekommen, Wir haben schlecht gefrühstückt, für zu viel Geld in dem Touristencamp Uyuni. Dann haben wir uns hinter die anderen 20 Toyota Geländewagen an der Tankstelle in Uyuni gestellt. Mit dem Tanken in Bolivien ist das so eine Sache. Die Locals zahlen 3,5 Bolivianos, dass sind 33 Euro Cent! für den Liter Sprit, die Ausländer 9,5 Bolivianos. Das geht gar nicht, finde ich. Nathalie findet das ganz normal. Na gut, dass wir uns wieder so einig sind. Nicht das das Leben im Beuger einfacher wäre als in der eh schon engen IRON LADY! Auf jeden Fall habe ich mir angewöhnt den Tankwarten einen Schein in die Hand zu drücken mit dem Hinweis, dass wir ja vom Herzen her eigentlich Bolivianer sind. Das funktioniert meist auch gut. Manchmal nicht bei der ersten, dann aber bei der zweiten Tankstelle oder bei der dritten oder vierten. Heute soll es anders sein. Nachdem ich mich schon den ganzen Tag über unfreundliche Uyunianer aufgeregt habe und schlechte Laune im Beuger verstreue, steht da dieser nette Tankwart, nachdem wir in der 20er Schlange auf Platz 1 vorgerückt sind und lächelt mich an: „Nicht nötig mit dem Tip!“ Mit dem Blick auf Maya und Lena erklärt er mir dass ausgerechnet heute die Fomulare für die Ausländerabrechnung ausgegangen sind und wir den Sprit auch ohne „Tip“ zum bolivianischen Preis bekommen. Nicht ohne zu erwähnen, dass die Kontrollen ab „Morgen“ in ganz Bolivien so verschärft werden, dass das wohl da letzte Mal war. Letzte Ausnahme sozusagen.

Dann geht es endlich auf den Uyuni!

Nathalie will noch unbedingt am Salzmuseum halten, dass sich dann aber doch als Andenkenladen entpuppt. Und schwupps, jetzt endlich die Sonnenbrillen auf und Papa gibt Gas, denn er will Spaß. Der Salzsee ist glatt wie ein Kinderpopo, leider nicht rutschig, weil es ja grade Trockenzeit ist und nicht regnet. Aber auch gut so, denn so verteilt sich das ganze Salz wenigstens nicht auf und unter dem ganzen Auto. Die Piste ist hart, der Weg durch die Spuren der anderen Wagen vorgegeben. Der typische europäische Zaun und das Gate mit dem Eintrittgeldzahlhäuschen fehlt. Komisch.

Am Anfang des Sees werden in einen kleinen Feld lang noch Salz abgebaut, das verliert sich aber schnell, denn der Uyuni Salzsee ist fast so groß wie der Tititaca See. Unglaublich. Und, wir fühlen uns wirklich wie auf einem See. Die Sonne steht zwischenzeitlich im Zenith, wir vertilgen Unmengen von Wasser und ohne Sonnenbrille würde überhaupt nichts gehen. Es ist unglaublich. Mit hundert Sachen, wir könnten auch Vollgas geben, rasen wir über das Eis, Richtung der Insel Isla Incahuasi. Das Salz ist glatt wie Eis. Nur eigenartige kleine zentimeterhohe Erhebungen, wabenartig, sechseckig, ungefähr einen Quadratmeter groß, vom kristallisieren, vermute ich mal als halbweiser Wikipediaologe. Wir erreichen nach ca. 40 km die Isla und halten auch sofort an der Nordspitze an! „Wow!“ Riesige Korallenkakteen mit bis zu 5 Meter Höhe zieren die Insel. Es ist wie die Landung auf einem anderen Planeten. Wir landen mit dem Beuger an und ziehen ihn an den Strand ;-) Auf geht es. Wir exploren die Insel und steigen den Berg hoch und versuchen die 1.000 Photos zu machen, die Maya prophezeit hat. Wieder am Strand angekommen, packen wir unser Picknickkram aus, und dinieren in aller Ruhe. Alle zehn Minuten, kommt ein Toyota Landcruiser vorbei, aber keiner hält an. Alle fahren an diesem paradiesischen Ort vorbei. Komisch.

Die Auflösung passiert als wir weiterfahren. Um die Ecke parken zwei Dutzend der Beuger Verwandte. Es gibt eine öffentliche Toilette, ein Eintrittskartenhäuschen, ein kleines Restaurant und das volle Touristenprogramm. Auf befestigten Wegen darf man über die Insel gehen, aber auch nur da. Tja, haben wir wieder alles falsch gemacht. Aber ohne es zu wissen. Ich schaue auf Nathalies neue Haarnadel, einen 15 cm langen Korallenkaktusstachel, der in ihrem Haarknoten am Hinterkopf. „Berühren der Kakteen verboten!“

Wir haben trotzdem noch einen wunderschönen Tag auf dem Uyuni Salzsee, erreichen das südliche Ende und schlagen uns über wirkliche Off Road Wege durch bis nach San Juan. Es gäbe, wie jeden Tag, noch so viel zu schreiben, doch irgendwann muss Schluss sein.

Altiplano

Offroad

Von La Paz führen viele Wege nach Chile, doch da schon der Immigrationsbeamte beim Grenzübertritt gesagt hat, dass wir unbedingt zum Salar de Uyuni müssen und seitdem ungefähr jeder zweite dasselbe behauptet hat, ist klar, dass wir diesem Rat folgen müssen. Der Salar de Uyuni ist ein riesiger Salzsee, in der Regenzeit von ein paar Zentimetern Wasser bedeckt, aber jetzt, am Ende der Trockenzeit, so trocken wie eine Sandwüste und komplett befahrbar, wenn man dem Motor nach dem Offroadtrip eine Motowäsche gönnt. Südlich des Salars führt ein Pass über die Anden und über die Grenze nach Chile bis nach Calama in der Nähe von San Pedro de Atacama, womit wir fast 1000 km Ruta 5 in Chile, die wir ja nun schon kennen, abgekürzt hätten. Liegen immer noch noch mehrere tausend vor uns, aber daran denken wir heute lieber nicht.

Nach einem kurzen Zwischenstopp in der sehr untouristischen aber irgendwie auch sehr langweiligen Stadt Oruro, ging es heute 300 km über das Altiplano, die Hochebene. Spätestens mit dem Wechsel von Asphaltstrasse zu Offroadpiste wurde auch die Natur wilder, die ersten Vicuñas tauchten auf und statt unbestellter Felder, verlassener Dörfer und Bauruinen gab es endlich wieder die typische wilde Vegetation der Gegend. Auf halbem Weg verlassen wir die Strasse, fahren an einem kleinen Wasserlauf querfeldein und picknicken zwischen Lamas und bizarren Felsformationen an einem kleinen Wasserlauf.

Ordentlich durchgerüttelt erreichen wir am Nachmittag Uyuni, das Tor zum mächtigen Salzsee, der keine 10 km entfernt liegt. Vor den Hotels parken schon die Jeeps, die das Gepäck ihrer Gäste für die morgige Tour an Bord nehmen. Bis zu 7 Gäste plus Fahrer werden teilweise in die Autos gepackt, wie gut, dass wir unseren Herrn Beuger für uns haben. Morgen früh noch die Wasser- und Benzinvorräte aufstocken, dann kann das nächste Offroadabenteuer beginnen.

Segeln auf dem Titicacasee

Ein Traum wird wahr

Nach dem Frühstück befreien wir heute Herrn Beuger aus seiner Garage und machen uns auf den Weg zum Titicacasee. Für die Yacht wollen wir ein Interview mit dem Commodore des Yacht Clubs Boliviano führen und der hat uns prompt zu einer Sonntagsauslug eingeladen. Das nehmen wir doch gerne an. Drei Stunden quälen wir uns durch den chaotischen Verkehr der Vorstadt El Alto, durch Sonntagsmärkte, Kartoffel- und Klamottenstände, haben unsere obligatorische Auseinandersetzung mit der bolivianischen Polizei, da unser Navi die Einbahnstrassen nicht kennt und warten eine halbe Stunde an der einzigen Tankstelle auf dem Weg, die Benzin hat, auf Sprit für die Weiterfahrt. Maya hatte schon morgens keine Lust ins Auto zu steigen, sie hatte wohl ein Vorahnung.

Doch um Punkt 12 erreichen wir den Club und werden von Luis und seiner Familie begrüßt. Die Marineros des Clubs haben die Hunter 31 schon segelklar an den Steg gelegt, wir gehen an Bord und nachdem wir beim Personal des Restaurants unsere Wünsche für das Mittagessen losgeworden sind, heisst es Leinen los. Wir haben großes Glück und werden mit einer perfekten Nachmittagsbrise inklusiver kleiner Schaumkrönchen beschenkt. Nachdem wir die Segel gesetzt haben, legt sich das Schiff auf die Seite und die Logge zeigt über 5 Knoten. Luis strahlt und erzählt Geschichten zur Entstehung des Clubs, über das Segelrevier und wie er sein Boot erstanden hat. Seine Frau Claudia reicht Schnittchen, unsere Kinder freunden sich mit der vierjährigen Tochter an und über allem strahlt der unfassbar blaue Himmel des Altiplano. Nach zwei Stunden und ein paar Schlägen auf dem See kehren wir zurück in den Club und lassen uns die frischgebratenen Forellen schmecken, ein perfektere Sonntag am See.

Der Rückweg verläuft bedeutend schneller, fahren wir schliesslich auch im Kielwasser von Luis, der sich gekonnt durch den Rückreiseverkehr schlängelt und sämtliche Collectivos und Kleinbusse konsequent rechts liegen lässt. Spontan folgen wir der fünf-köpfigen Familie in ihr Hause im Süden La Paz und während die Kinder im Garten auf dem Trampolin ihre Freundschaft vertiefen, machen wir Erwachsenen das gleiche mit Kaffee und Kuchen auf der Terasse. Die Haus der Familie liegt in einem der begehrtesten Vororte der Großtstadt, auf nur 3300 Metern Höhe lässt es sich entspannt durchatmen und auch die Temperaturen sind milder. Es wird wirklich Zeit für einen Abstieg Richtung Meeresniveau! Noch einen letzten Tag in La Paz, dann geht es weiter nach Süden, Richtung chilenische Grenze!