Archiv der Kategorie: SY Marlin

Was bin ich?

20140621

Wer fragt sich das nicht manchmal?

Der Verlust des Genackers liegt mir noch schwer auf dem Magen. Natürlich mache ich mir Vorwürfe. Mal abgesehen vom Unglück kostet so ein neues Teil ja auch nicht unbedingt wenig Geld. Ich habe direkt Sven, von Rolly Tasker Sails ein e-mail geschrieben, um herauszufinden, bis zu welchem Preis sich eine Reparatur eigentlich lohnt. Und „Bumm“ da reißt heute Mittag die Flaschenzugkonstruktion des Baumniederholers aus Dyneema. Also das Dyneema reißt. Jetzt nicht grade so schlimm wie der Genacker, aber eben doch wieder was. Grund: Verschleiß. Ermüdung. In Flensburg müssen wir dann doch mal ein bisschen was erneuern an Deck. Zumindest von den tragenden Teilen. Und. Und. Und.

Wir fahren jetzt die Genau ausgebaumt und das Groß ebenfalls fast vor den Wanten. Natürlich mit Bullenstander. Julian, macht nicht nur gute Fotos, s.o., sondern hat nach einer Woche die Basics und Meer an Bord verstanden. Heute hat er Zentimeter, für Zentimeter mit einem Thunfisch gekämpft um diesen an Bord zu bekommen. Immerhin acht Kilo. Dann habe ich ihm gezeigt wie man das Filet aus dem Fischleib trennt. Die Reste haben wir an die Haie unter uns verfüttert. Aber auch an Deck macht sich Julian gut. Versteht schnell und erledigt seine Aufgaben präzise und eigenständig. Maya und Lena erkennen die Konkurrenz und kommen auch mehr raus, fangen an zu winschen und zu machen. Das geht schneller als gedacht. Mir geht es gut meine Kinder an Bord zu haben. Könnte es schöner sein? Ja. Auf den Azoren kommt Lukas, mein zweiter Sohn noch dazu, um mit nach Flensburg zu segeln. Dann ist das Vaterglück komplett. Die Zeit werde ich dann komplett recorden.

Die andere Seite

Schön mit den Kindern an Bord, denke ich mir grade auf der anderen Seite. Am Wochenende mal segeln gehen auf der Flensburger Förde. Abends wieder in der Marina und ein Bier mit Freunden. Hier sieht das grade anders aus. Einhand wäre ja auch nicht schlecht. Da setzte ich mein Leben aufs Spiel. „Na und!“ Mit all meinen Kindern und meiner Frau 8.000 km übers Meer zu fahren sieht das dann doch etwas anders aus. Da fährt nen dicker Batzen an Verantwortung mit. Darf man nicht vergessen. Ist nicht zu unterschätzen. Das gibt graue Haare!

Hinter uns ist eine Kaltfront noch ist nicht ganz klar wann die uns besuchen kommen wird, also nassregnet. Zu den üblichen Grib Files nutzen wir auf dem Nordatlanik Bodendruckkarte, 48 Stunden Vorhersage und Satellitenbild. Interessiert Dich das? Schaust Du hier:

http://www.ssd.noaa.gov/goes/east/natl/ir4.jpg

http://weather.noaa.gov/pub/fax/QDTM10.TIF

http://weather.noaa.gov/pub/fax/PYEA11.TIF

Diese Daten bekommen wir über das Winlink System und Saildocs. Die Daten sind optimiert um die mit Kurzwelle und PACTOR zu empfangen. Wer noch nicht weiß, wie es geht, mehr wissen will und mich noch nicht bereits kennt, der schaut hier: www.lunatronic.net

Nicht so mein Tag gewesen der Freitag. So sitze ich auf dem Deckshaus und schaue aufs Meer. Hab ja noch nen bisschen Zeit das zu tun. Bevor man losfährt, zu einem solchen Trip ist man immer schrecklich nervös und wenn man die erste Woche hinter sich hat, dann wird man irgendwie ruhiger. Man hat sich gewöhnt an das Bordleben, an die Bewegung, das Wetter. Die Wellen sind doch nicht so hoch, wie man sie manchmal erwartete. Irgendwie wird man das schon schaffen. Und ganz langsam wird mir klar, dass ich es ja gar nicht eilig habe. Ganz im Gegenteil. Auch Maya und Lena, auch nicht Nathalie oder Julian. Wir alle genießen jeden Tag der Reise, lassen ihn passieren. Es ist nicht langweilig. War es noch nie. Es ist einfach wunderschön.

Gennaker zweigeteilt

20140620a

Pechsträhnen die Dritte

Und der Jürgen, der hat noch geschrieben: „Micha, mach Deinen Genacker nicht kaputt!“ Gestern Nacht, ich hatte grade nach einem netten QSO mit DJ9UE, meinem neuen Freund Rüdiger, das Mikrophon wieder an seinen Platz gehängt, da macht es: „Päng!“ Kennen wir ja schon. Sofort stehen Nathalie und Julian im Niedergang. „Was’n passiert?“ „Der Genacker ist am Bug ab!“ „Ja, soneneverdammterscheiß…!“ Ich denk noch: Gibt Schlimmeres! Den haben wir gleich wieder drin. Und lasse die Genackershot los. 12 Knoten Wind liegen aus raumshots an. 220qm (Wie groß ist Deine Wohnung?) Tuch fliegen nach backbord und machen einen Höllenlärm. Jetzt kommt der Fehler: „Komm wir holen den im Socken (Bergeschlauch) runter“ Bis wir die Handschuhe anhaben, sagen wir mal 5 Minuten, und vergeblich versucht haben den Socken runterzuziehen, hat der Wind und das fliegenden Bugshothorn schon sein Werk getan und den Genacker in zwei Teile gefetzt.

“Hätte, Hätte Fahrradkette…“ findet wieder Anwendung. Aber jetzt liegen die besagten 220qm Tuch im Wasser und wir müssen aufpassen, dass die sich nicht um den Kiel und Propeller wickeln. Mit sechs Händen geht das relativ schnell. In der Dunkelheit können wir nicht genau sehen, wie groß der Schaden ist. Aber eine Reparatur mit Bordmitteln fällt aus. Der ist hinüber. Ein Lieg ist komplett durchgerissen. Ob ein Segelmacher den hinbekommt? Wir werden sehen.

Das vordere Schothorn hatte ich mit einem soliden Tampen mit einen eingespleißtem Klappschäkel und einem Block angebracht. Tampen ist noch da. Den Klappschäkel hat es komplett zerfetzt, auch am Schothorn des Segels ist der auch nicht mehr. Aber das war kein „guter“. Tja. Hinterher, weißt Du immer mehr. Das Großfall habe ich zusätzlich zu dem Klappschäkel aus Titan, mit einem soliden Bändsel gesichert. Warum hatte ich das hier nicht auch gemacht. Oder einfach einen Palstek Knoten?

Man lernt ja nicht aus. Ich hätte das Spifall lösen sollen und mit der Leine des Bergeschlauchs das Tuch vom Mast runter ziehen sollen. Dann wären wir jetzt noch zwei Knoten schneller. Nächste Mal weiß ich Bescheid.

“Das war ein kurzer und teurer Spaß!“, meint Nathalie. Wo sie Recht hat, hat sie Recht. Dann schauen wir mal, das nicht noch mehr kaputt geht.

Gennakersegeln

20140621

langsam, aber stetig

Unsere Autobahnauffahrt entpuppte sich leider eher als Einfahrt zur verkehrsberuhigten Zone, sind wir wohl irgendwo falsch abgebogen. Kaum lag Micha im Bett, ist auch der Wind schlafen gegangen. Ich weiß nicht mit welchen Tricks oder Gebeten er die 9 Knoten Wind erzeugt hat, ich konnte es auf jeden Fall nicht. Ein paar Stunden also wieder dümpeln, treiben, doch als das GPS auf einmal anzeigte, dass wir aufgrund einer südsetzenden Strömung rückwärts treiben, haben wir wieder den magischen Schlüssel gedreht und Emma ne Runde tuckern lassen.

Dann wieder Wind. Gennaker setzen, vorderen Pol optimieren, Groß wegnehmen, dreimal kräftig pusten und schon stehen 220 qm knisterndes Tuch am Himmel. Schön. Sehr schön. Aber nicht schnell. Dazu reicht der Wind nicht aus. Von 6 Knoten achterlichem Wind bleibt eben kaum was übrig, was will man machen. „Laut Grib Files haben wir jetzt schon 10 Knoten Wind!“ Der Standardspruch des Tages. Leider existiert der Wind nur auf den Grib Files, wir machen mal 2, mal 3, auch mal kurzfristig 4 Knoten Fahrt unter Gennaker. Mehr ist nicht drin. Aber das Barometer fällt langsam, irgendwann müssen wir aus diesem Hochdruckzentrum rauskommen und die richtige Auffahrt finden. Vielleicht mal die Straßenkarte andersrum halten? Oder Brille aufsetzen?

Wir nehmen es gelassen, denn eigentlich geht es uns ja gut. Es gibt frische Doradenfischstäbchen, es wackelt nicht, alle haben viel Zeit füreinander, die Sonne scheint, es sind noch nicht alle Bücher gelesen und nicht alle Spiele gespielt. Trotzdem, bitte alle weiter kräftig pusten, damit wir ankommen, bevor die Backskisten leer sind. Etmal: magere 82,4 Seemeilen.

Inzwischen ist es Nacht. Ich bin wieder anne Wache. Ganz ohne Gebete: 10-14 Knoten Wind und dieses Ding da oben. Jetzt geht es ab. 7+. Cool. Bisschen schummrig is mir aber auch. Na ja. Ein Genua-Sheet los und es flattertet im Wind. Kurs Azoren liegt an.

The Windfinder

20140619

Auf die Autobahn aufgesegelt

Wir hatten noch mal ordentlich Durststrecke in den letzten 12 Stunden. Nathalie konnte am letzten Morgen noch gutes Leichtwindsegeln am Wind. Dann hat es sich ausgepustet und ab Nachmittag läuft die dicke Emma für gute 7 Stunden ohne technische Probleme. Die Wassertanks sind schnell mit herrlichen Marlin Wassermacherwasser gefüllt. Wir trinken was das Zeug hält. Das LunaBarometer steigt langsam auf 1023.1 bis die See bleiern ist. Wir sind mitten im Hochdruckkeil und nichts bewegt sich. Die See ist ein Spiegel, der Himmel gemalt und mit Zauberfeenstaub geht die Sonne unter, ein paar Tümmler ziehen neben uns durch die Saragossa See. Der Skipper ist ungeduldig und will endlich Wind. Doch der Mast der MARLIN bleibt senkrecht. Erst um 23 Uhr fällt das Barometer endlich wieder und ganz leicht kommt eine Brise aus SSE. Zwei Knoten, drei Knoten. Mal etwas mehr, wieder weniger. „Julian, komm das Main hoch. Jetzt!“ Ich stehe am Mast und lasse mein stattliches Gewicht fallen, nehme dabei das Großfall mit und Julian zieht nach. Langsam werden wir gut und schnell, Wenn nichts harkt, bekomme ich das Großsegel fast bis zum Top hoch. Heute harkt es und Julian kommt ins schwitzen, beim nachwinschen. Fünf Knoten Wind. Das Groß rausstellen, Bullenstander dran, Genua raus. Gibt es was Schöneres, als nach zwei Tagen Flaute den Wind wieder zu finden? Nein. Je nach Einfall des launigen Windes laufen wir mit 5-7 Knoten durch die Nacht. Der Mond ist aufgegangen und leuchtet uns den Weg. Nächste Abfahrt Bermudas 430 Meilen.

Etmal von Dienstag auf Mittwoch waren mal 120 Meilen. Keine Schäden.

Delfine zum Sonnenaufgang

Meine Morgenstunden

Nach ein paar Nächsten auf See hat sich der Wachrhythmus eingependelt. Julian übernimmt die Wache bis 12, unterstützt von Micha, der für den Fall des Falles im Deckshaus schläft, von 12 bis 3 ist Micha dran, ab drei beginnt mein Tag. Dafür gehe ich zwischen acht und neun mit den Kindern ins Bett und komme so zu meinen 6-7 Stunden Schlaf. Um drei Uhr morgens gehört dann die MARLIN mir und da vor 8 hier niemand freiwillig die Augen aufmacht, habe ich meine Ruhe. Am Anfang hab ich mich irgendwie durch die Stunden gequält, versucht wachzubleiben, doch seit ich die Wache mit frischem Kaffee und Frühstück beginne, fühlt es sich an wie Tagesanfang und die Müdigkeit bleibt aus. Halbmond und Sonnenaufgang helfen kräftig mit.

Mittlerweile werde ich von alleine um drei Uhr wach, schicke Micha in die Koje und setze mich mit meinem Laptop ins Deckshaus. Da war doch was, wollten wir nicht ein Buch schreiben? Genau. Wenn alle Morgenwachen so entspannt sind, wie im Moment, können wir die Deadline sicher einhalten.

Pünktlich zum Sonnenaufgang höre ich an der Bordwand ein leises Prusten. Drei große Delfine besuchen die MARLIN und lassen sich trotz der Schneckngeschwindigkeit von 3 Knoten zu Kunststückchen inspirieren. Immer wieder dreht sich der größte auf den Rücken, zeigt seinen weißen Bauch und lässt auffordernd die Schwanzflosse schlagen. Die Delfindame Estefanie im Ozeanarium auf den Rosarios hat das immer gemacht, um uns zum Spielen ins Wasser zu locken. Nee, keine Chance Freunde, hier schläft noch alles und wenn mir die MARLIN wegschwimmt, werden sie mich wohl nicht wiederfinden.

Mond und Micha da – Wind weg

20140618

Wir haben es fast geschafft in den Jet Stream

Passage Planing: Bisschen schwer zu erkennen, aber wir stehen 500 Meilen südöstlich der Bermudas. Die Grafik stellt die Winde für Freitag dar. Dann stehen wir ca. 100 Meilen nördlich der Bermudas und da ist dann die Auffahrt zur Autobahn. Bis dahin dürften wir ab Mittwoch Nachmittag erst mal leichten Rückenwind haben. Also ab heute. „Julian, da ziehen wir den Genacker wir in den Mast!“ Ach, der schläft schon.

20140618a

Unsere beiden Hübschen interessiert das wenig. Einer der letzten Tage oben ohne ist heute vergangen. Grade abends wird es inzwischen empfindlich kalt, was meint: 24 Grad. Macht denen aber auch nix. „Es gibt ja Decken. Und in Flensburg ist Hochsommer!“ Das Pilothaus ist ihr Platz um den Tag mit Schule, Spielen, Büchern und uns zu verbringen. Überhaupt spielt sich außer Essen und Schlafen eigentlich alles im Pilothaus ab.

Und wie geht es mir? Meine Wache fängt grade an. Der Wind schläft ein und heute tut mir mein Winscharm (Erweiterung eines Tennisarms) sauweh. Also weiß ich, dass er noch da ist. Das Rigg knarrt, die Segel schlagen noch manchmal, in 30 Minuten mehr und dann werde ich wohl wie gestern für zwei Stunden den Motor anmachen, bis dann um drei oder vier ein kleines Lüftchen um die Ecke kommt. Oder auch nicht. Auf jeden Fall hatten wir einen perfekten Am Wind Tag mit 20° Schräglage, immer sieben Knoten+, herrliches Wetter und blauer Himmel. Unvergessliches Segel. Kein Photo mit der Kamera, aber mit den Augen gemacht. Abgespeichert und für den ganz privaten Gebrauch einsortiert: Atlantiküberquerung 2014 Richtung Azoren, unvergessliche Momente.

Petra: Wie lange dauert denn so eine Atlantiküberquerung? Gut Frage. Also im Moment sind wir ja froh wenn wir so um die 100 Meilen Am Tag machen, weil wir wenig Wind haben und meist auf die Nase. Auf der Autobahn können wir das dann hoffentlich ausgleichen und einen insgesamten Durchschnitt von gefühlten 150 Meilen pro Tag machen. Also Bahamas – Flensburg, einen Monat reines Segeln.

Sazoo: An dieser Stelle noch mal lieben Dank noch mal für Deinen Link. Gut so?

Etmal von Montag auf Dienstag waren grade mal 82,1 Meilen. Sechs Motorstunden in den letzten vier Tagen.

Begleitung

20140617a

Weiter Kurs Nord

Schon gestern Abend tauchte einer meiner Lieblingsvögel auf See auf, ein Tropenvogel. Unverkennbar an seiner langen schmalen Schwanzfeder und dem roten Schnabel. Nervös tänzelt er Runde um Runde um die MARLIN. Heute Morgen kam er wieder und hat Verstärkung mitgebracht. Zu sechst umkreisen sie nun unser Schiff und der Verdacht drängt sich auf dass sie es auf die Schwanzflosse der Dorade abgesehen haben, die am Geräteträger baumelt und in den nächsten 4-8 Wochen durch Salz, Luft und Sonne soweit konserviert sein soll, dass sie geruchsneutral das Kopfende von Julians Bett zieren kann. Jagdtrophäen gehören schließlich nicht in die Schublade. Die Tropenvögel palavern aufgeregt und hektisch über Stunden miteinander, ein paar Mal versucht einer den Mast als Landeplatz zu nutzen, wird aber von diversen Antennen und Geräten abgehalten. Wieder großes Palaver. Anscheinend diskutiert man die Lage.

Wir interessieren uns mehr für die Wetterlage. Schon wieder sieht es furchtbar dunkel am Horizont aus. Doch wir haben Glück, sämtliche Regengüsse ziehen backbord und steuerbord an uns vorbei. Zurück bleibt, wir können es kaum glauben: Wind. Ein perfekter subtropischer Segeltag, blauer Himmel, blaues Meer mit weißen Schaumkrönchen, 6 bis 7 Knoten Fahrt. Der einzige Haken, wir segeln schon wieder hoch am Wind. Aber wer will sich beschweren, wenn die Wetterkarte Flaute angesagt hat. Die Dorade ruft im Kühlschrank und will auf den Tisch. Heute erst mal klassisch, in Mehl gewendet und Butter gebraten. Michael und Dani, wir essen eine Portion für Euch mit, machen wir gerne!

Jetzt wo es Essen gibt sind die Tropenvögel übrigens wieder verschwunden. Vielleicht liegt es auch am Breitengrad, denn die Tropen haben wir mittlerweile verlassen. 29 Grad Nord ist erreicht, die Nächte werden merklich kühler.

Julian hat den ersten Fisch in seinem Leben gefangen

20140617

Und gar nicht mal so klein

Neben viel Wasser, einem ständigen Horizont und Wind aus allen Richtungen gibt es auch gelegentlich einen guten Fang. „Catch oft he day!“, machte heute Julian. Ich stand grade unter der Dusche, da hieß es plötzlich: „FISCH!“ Normalerweise rechnet man mit einem kleinen Thunfisch oder in Kuba immer mit einem Barakuda, aber mit einer ausgewachsenen männlichen Dorade oder Goldmakrele, damit rechnet keiner. Vor allen Dingen nicht Julian, der ordentlich zu tun hatte das 13,8kg Prachtvieh, mit 1,42cm Länge an Bord zu bekommen. Herzlichen Glückwunsch Julian, dass Dir Dein Angelglück und mein voller Teller treu bleibt.

Wir reiten durch die Nacht. Der Wind ist weg und die Sterne klar. Abnehmender Mond, aber immer noch hell wie am Tag. Um 00:00 Uhr ist der Wind schlafen gegangen und ich drehe den Schlüssel um. Ich mein nicht fünf Knoten Schwachwind. Das haben wir die ganze Zeit und ab vier Knoten Wind wird gesegelt. Schlafen gegangen, meint kein Wind. Dann nehmen wir eben den Diesel den wir ja dafür mitgenommen haben. Im schlimmsten Fall müssen wir die Bermudas nicht passieren, sondern anlaufen um zu tanken. Aber von der Diskussion sind wir noch weit entfernt. Die dicke Emma dieselt im Moment brav vor sich hin und schiebt uns mit vollem Groß durch die Flaute. Am Morgen wird es wieder ein Lüftchen geben und ab 38°N hoffentlich Wind aus irgendeiner Richtung außer von vorn.

”Der ist ja größer als ich!”, schreit Maya und tänzelt auf einem Bein freudig im Cockpit umher. Eindeutig zu viel gesegelt in ihrem Leben und zu viel Fisch bekommen, denke ich mir nur. Das Gaff zum Einholen größerer Fische hat sich kurzerhand in zwei Teile zerlegt. So machen wir dem Tier einen kurzen Kampf und ich gebe ihm noch im Wasser mit der Harpune den Gnadenstoß. Sonst hätten wir den MaiMai, polynesischer Name für die Goldmakrele, auch gar nicht an Bord bekommen. Da fängt Lena plötzlich an zu heulen: „Ihr dürft dieses schöne Tier nicht töten.“ Nach pädagogischem Hin und Her mit der Mama: „Natürlich möchte ich den Fisch essen, aber ich will nicht, dass ihr den schönen Fisch tötet.“ O.K. Wir haben grade ein typisches Problem. Aber Lena beruhigt sich wieder. Der Hunger siegt. Die Alternative zu Reis und Bohnen siegt. Wir haben nämlich den Eisschrank NICHT voll mit Fleisch, sondern abgetaut.

Was Du jetzt denkst, schreibst Du ins Gästebuch. Da freuen wir uns über eine Antwort auf See, denn wir sind tausende von Meilen weit weg und ohne Sozial Media. Ist das schön!

Mistnacht

20140616

Auf die Mappe!

Gestern Abend zum Sonnenaufgang war dann die erste da. Schwarz, bis in den Himmel mit Blitzezucken und grollen. „Die zieht nicht an uns vorbei. Die zieht genau über uns drüber.“ Und dann gab es auf die Mappe. Zwar nicht mit wahnsinnig viel Wind, aber aus allen Richtungen, alle 15 Minuten anders. Und Regen was das Zeug hält. Petrus hat mal wieder ein paar Fotografen mit vielen Blitzlichtern geschickt um uns auf den Nordatlantik zu begrüßen und ein bisschen einzuschüchtern. Er hat mal klar gemacht wer hier der Chef ist. Er hat eindeutig gewonnen. Im Gegensatz zu sonstigen Gewittern, wo man einfach mal eben drunter her fährt hat das von gestern Nacht mal so eben zwei Drittel der Nacht gedauert. Segel rauf, Segel runter. Keiner kommt zu seinem Schlaf, außer MayaLena, die verknoten sich in der Kinderkoje und stecken nur einmal kurz den Kopf raus. „Mama, geh Du zurück zu Papa, sonst ist der so alleine im Cockpit!“ Unsere Kinder werden größer. Nathalie stellt sich ans Ruder und beruhigt die Situation. „Is doch gar nicht alles so schlimm!“ Tolle Frau. Muss ihr erst mal eine nachmachen.

Nach dem die ganzen Tampen geordnet sind, Petrus sich jemand anderen zum Ärgern gesucht hat passiert was: Wind is wech. Fast wech, den Rest nutzen wir um weiter nach Norden zu setzten, den in der Nacht sind wir ein ganzes Stück nach Südost versetzt worden. Am heutigen Morgen dann Windstille. Blaue wabernde Murmel aus dem Eis Wasser Folie bis zum Horizont. Ich mach mich wieder bei Julian beliebt und halte ihn auf Trab. Ein richtigen Bullenständer machen wir an den Baum und bereiten alles vor um den Genacker endlich mal hochzuziehen. Es bleibt aber beim Hochziehen. Wind ist echt keiner da. Noch nicht einmal ein Hauch. Aber Julian hat die Technik verstanden, das ist das Wichtigste. Wir motoren. Gut das die dicke Emma läuft.

Etmal gestern auf heute 80sm. Dritter Tag auf See.

Denn eindeutig besten Gästebucheintrag hat Sofaseglerin Heike und „Bodensee Sportbootfahrerin“ geschrieben. Wir haben herzlichst gelacht. Super Heike! Kommste halt irgendwann mal auf die MARLIN mit. Unfähig bin ich auch als Skipper. Siehe dem Eintrag: Die Geburt der dicken Emma. Nobody ist perfekt! Noch nicht einmal ich. Ich hoffe Du bist durch unsere gesamte Geschichte durch und kannst jetzt wieder ein normales Leben führen und nur das tägliche Leben der MARLIN’s miterleben.

Wir bedanken und ganz recht herzlich für das Autorengehalt von eben jener Heike (Frank) via Spendenbutton. Immer wieder schön zu merken dass anderen, das was man schreibt oder produziert etwas „Mehrwert“ ist.

Abschied

20140615a

Kurs Nord

Mehrere Stunden Flaute liegen hinter uns. Ich habe geschlafen. Nathalie hat an den Segeln gespielt, damit wir nicht zurück fahren und Julian hat auf den Horizont geschaut und nichts gesagt. Was machen die Kinder? Nathalie fordert Sie auch heute am Sonntag mit Schule, was sie als vollkommen normal empfinden, weil ihnen eigentlich, wie allen anderen, der Tag schon egal ist. Maya lernt am Nachmittag Schach auf dem iPad. Lena irgendein pädagogisches Musikinstrument Programm

Auf dem Photo sieht man unsere Französisch-Kanadische Freunde, deren Kinder unseren die Wartezeit auf den Bahamas nicht zu lange hat werden lassen. Zum Abschied nageln wir Schilder mit den Entfernungen „Nach Hause“ an die Säule zu den dutzenden anderen. Schwer romantisch! Und machen das notwendige Gruppenfoto dazu mit Selbstauslöser. Alle lächeln, alle sind glücklich. Glückliche Seglerherzen. Doch dann war Abschied.

Am Nachmittag kommt dann plötzlich wieder Wind auf. Unsere Geschwindigkeit ist gleich Fahrt durchs Wasser plus Golf Strom, gleich Windgeschwindigkeit bis 10 Knoten. Wie die MARLIN das macht? Von unserer IRON LADY sind wir das nicht gewohnt. Der Motor bleibt aus. Der Himmel ist blau. Wenn das mal immer so bleibt. Wir machen Nord mit Ostkomponente um den Golf Strom auszunutzen und bei 38 Grad Nord die Kurve nach Ost zu bekommen. Mit Rüdiger Hirche von www.intermar-ev.de konnten wir schon einmal funken. Leider ist die Tagesfrequenz auf 14.313 immer durch ein paar Texaner belegt, die sich trotz meiner Bemühungen, nicht dazu bewegen lassen, die Frequenz zu wechseln. Alternativ mailen wir. Intermar ist zwar kein Ersatz zu Rene von der MIRA, aber der verweilt immer noch in Deutschland und ist Pommes Rot-Weiß ;-) Sausack.

Bis Flensburg noch 4658.65 sm, Etmal gestern auf heute 159sm. Zweiter Tag auf See.

Offshore

20140615

Kurs Bermudas liegt an

729 Meilen noch bis zum Wegpunkt. Wir kommen gut voran und verlassen grade das Gebiet um die Bahamas Richtung Nord. Mannschaft und Boot sind in bester Verfassung. Wir gewöhnen uns langsam an den Bootsalltag. Mit leichten halben und achterlichen Winden segelt die MARLIN unglaublich flott nach Nord. Hat sie es nun doch eilig? Der Golf Strom ist mit uns und setzt noch mal einen Knoten drauf. Doch die Vorhersage sagt: Flaute. Zumindest heute Nachmittag. Nun, wir werden es überstehen. Unser 30 Tonnen Leichtwindsegler wird uns schon weiter treiben. Den neuen 220 qm Genacker haben wir bisher noch nicht gesetzt.

Julian übernimmt die erste Wache von 21-00 Uhr, ich die zweite bis drei und dann kommt die Capitana und begrüßt den Tag. Angenehme Besetzung. Zumindest so lange der Wind so bleibt. Sogar einen kleinen Skipjack Tuna hatten wir schon an der Angel. Nicht so mein Fall im Topf, aber Nathalie kann da ja manchmal zaubern. Ich beschäftige mich da lieber mit Neufang ab Sonnenaufgang,

Über die neue Aktivität im Gästebuch freuen wir uns sehr. Das belebt doch die Freude am Schreiben sehr. Nur, wer ist Conny aus Kapellen. Das beschäftigt mich jetzt schon den ganzen Nachmittag. Na, vielleicht bekomme ich ja noch kleine Erinnerungshilfe.

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20140612

We are lucky guys

“Immer noch nicht weg?“ „Ne unser Anker klemmt!“ O.K. Spass. Also der Wasserpumpenimpeller ist seit gestern Abend da und sogar schon an seinem Platz. Einer der dreien. Beim Einbau wurde auch klar, warum der letzte Impeller so kurz gehalten hat. Die neuen Impeller sind weich und geschmeidig, das alte Ding wohl überlagert und hat seine Weichmacher verloren. Tja, so kann es gehen. Aber vielleicht auch nur eine Ausrede? Wer weiß es schon. Der dicken Emma geht es jetzt auf jeden Fall bestens. Ein dicker Kühlwasserstrahl kommt aus dem Auspuff. Das mit der Deckswaschpumpe als Kühlwasserpumpe war wohl doch etwas unterdimensioniert. Der Auspuffschlauch wurde da an der Oberseite 140 Grad heiß, jetzt, nach der Reparatur grade mal siebzig. Für die Kühlung des Motors hat es allemal gereicht. Aber der nasse Auspuff, der braucht eben doch was Wasser.

Eigentlich könnten wir los. Aber es ist spät geworden. Der Flieger mit dem Ersatzteil kam nicht um 13 Uhr wie geplant, sondern um 18:30. Jetzt ist es dunkel, ein lokales Gewitter hat Nordwind gebracht und so bleiben wir eben doch bis morgen. Morgen ist aber der berühmte Freitag der 13te und da startet man eben nicht zu einer Oceanüberquerung und ich abergläubischer Skipper schon mal gar nicht. Is so. Da kann ich noch den Motorenraum sauber machen und mit den Kindern an den Strand fahren.

Internet ist alle. Eine Woche hatten wir gezahlt. War auch gut. Jetzt für einen Tag brauchen wir das nicht. Unsere Mails bekommen wir eh über PACTOR. Einen freien Hotspot gibt es nicht. Ab morgen gibt es eh keine Internet mehr und FB braucht man auch nicht. Ich habe fünfhundert Freunde und keiner redet mit mir. Ab und an ein Kommentar. Viele Daumen hoch. „Gefällt mir!“ Was heißt das schon? Früher haben unsere Leser im Gästebuch kommentiert, heute muss ich in FB gehen um meine Kommentare zu lesen. Was für ein Müll. Ich freu mich richtig auf die vor uns liegende Zeit ohne. Ich werde die Zeit haben meinen wirklichen Freunden ein schönes Mail zu schreiben, werde Zeit haben einen schönen Blog zu schreiben und Zeit haben so ein wunderschönes Video mit Maya zu machen wie das, was wir übermorgen vielleicht hier veröffentlichen werden. Wer weiß das schon. Auf jeden Fall gehe ich jetzt wieder ins Bett und ziehe mir die Decke über den Kopf. Achtung! Freitag der dreizehnte kommt.

Sven! Danke für Dein Autorengehalt über den Spendenbutton.