Archiv der Kategorie: SY Marlin

Anfängerglück? Nein, Danke!

20140714
Lukas hat Pech!
Die Nacht ist endlich vorbei, ich konnte kaum schlafen! Wieso ? Keine Ahnung! Mir haben die ganze Nacht die Füße gejuckt, wahrscheinlich, weil wir gestern so tollen Fußball gespielt haben. Ich hab dann einfach versucht im Kopfstand zu schlafen, hat aber nichts gebracht. Das ich heute Morgen keine Brötchen geholt habe, sondern Julian, war völlig klar – keine Frage! Ich saß also müde am Frühstückstisch und mir sind die Augen beim Essen zugefallen. War aber nicht so schlimm, denn ich hatte es im Gefühl, Julian und ich mussten nicht putzen oder reparieren, sondern durften, bis auf ein paar Kleinigkeiten, heute mal machen was wir wollen. Wir entschlossen uns zu Angeln. Nathalie, Silvia und Maya gingen an Land und informierten sich, wie und wo man hier Wandern kann. Julian machte sich auf die Suche nach einem Angel-Shop um uns neue Köder zu besorgen. Micha verzog sich ins Büro. Nach ein paar Minuten kam Julian zurück, die Läden hatten natürlich Mittagspause, war doch klar! Wir legten also los und benutzen das, was wir noch hatten. Julian hatte nach geschätzten 30 Sekunden den ersten sogenannten „Drückerfisch“ an seiner selbstgebauten Handkordel und ich stand mit Maya’s Grundangel daneben und war neidisch. Ich warf noch einmal aus und plötzlich hatte ich einen am Harken! Nach einem kurzen Kampf war es dann aber auch wieder vorbei, er riss den Harken und das Vorfach ab und entschied sich für die große Freiheit – von wegen Anfängerglück! „Mittagessen ist fertig!“ rief Nathalie aus der Küche! Eine kleine Stärkung tat uns alles sehr gut. Vor allem konnten wir darüber sprechen, wie die nächsten Tage ablaufen sollen und wann wir voraussichtlich weiter segeln. Ganz im Gegenteil zu den Mädels waren die Jungs natürlich bettreif nach dem Mittagessen, sie gingen also erneut an Land, um sich die Käserie anzusehen. Lena blieb an Bord und spielte stundenlang mit LEGO, Julian und ich hatten natürlich den Ehrgeiz weitere Drücker an Bord zu holen und Micha machte bis zur Verabredung ein Schläfchen. Als Micha dann endlich mal von mir geweckt wurde, fuhr er zu den Mädels an Land und lies sich mit Maya einen versprochenen Ohrring stechen, sieht echt toll aus, aber mein Ding wär es nicht, Schmuck passt irgendwie nicht zu mir! Und weil ich ja nicht schon genug Pech hatte, flog mir in der Zeit dann der Griff der Spule um die Ohren und verschwand ebenso wie die Schnur spurlos im Wasser – War das klar oder war das klar? Als Micha dann zurück kam, zeigte er Julian und mir wie man Fische ausnimmt und filetiert, das war dann eher meine Stärke. Nun haben wir 8 frische Filets, die wir bei Gelegenheit zu tollen Leckereien verarbeiten können. Und weil wir es den Kindern versprochen hatten, fuhren wir zu guter Letzt tatsächlich nochmal an Land um eine Runde Fußball auf dem Sandplatz mit Meerblick zu spielen. Lena und ich gewannen die Partie mit 10:9 und waren nun auch endlich bereit die Kojen zu besetzen und die Augen endlich zu schließen! Auf YACHT.DE gibt es einen neuen Blogeintrag von der MARLIN mit vielen Bildern.

Und wo warst Du, als Deutschland Weltmeister wurde?

20140713

Leinen los!

Trotz WM-Finale am Abend war es heute für uns an der Zeit, mal das Eisen aus dem Hafenschlick zu holen, um zu sehen, ob die neuen Crew nicht nur putzen, sondern auch segeln kann. Abfahrt früh am Morgen nach dem Frühstück. Nach dem Frühstück haben wir geschafft, früh ist wohl eher relativ. Um halb 12 sind endlich alle soweit und Micha ärgert die Mannschaft zunächst mit Hafenmanövern. Vorwärts, rückwärts, seitwärts, ran, Mann über Bord, Rettungsring aufnehmen. Das klappt, dem Tagesmotto gemäß, erst in der Verlängerung und wird von einem ebenfalls ankernden englischen Mono mit lautem Klatschen bejubelt. Der Rettungsring ist an Bord, Luken dicht und los geht’s. In den Kanälen zwischen Pico, Fajal und Sao Jorge gibt es zum Teil heftige Fallwinde, also zunächst ein Reff ins Groß und die Fock raus. Weiße Wellenkämme, die ersten Delfine, MARLIN nimmt Fahrt auf.

Doch aus den anfänglichen 8 Knoten Wind mit Amwindkurs werden schnell immer weniger. Ein paar Wenden, Genua raus, Reff raus und trotzdem laufen wir nach der halben Strecke Richtung Velas auf Sao Jorge nur noch knapp 4 Knoten. Es ist 15 Uhr, um 19 Uhr Lokalzeit beginnt das Spiel und das wollen wir natürlich nicht verpassen. Sehr großzügig stellen wir die Indikation für die dicke Emma, drehen den Schlüssel und die Genua ein. Punkt 5 erreichen wir den Hafen. Eine imposante Steilküste, eine Marina hinter dem Wellenbrecher. Ob man wohl ankern kann? Die Wetterbedingungen sprechen eindeutig dafür. Doch der Anker hält nicht, zunächst zumindest. Nach kurzer Rücksprache mit dem Hafenmeister, In der Marina gibt es nur Platz an der Steinmauer , kostet 40 Euro, Ankern ist umsonst, fahren wir ein weiteres Ankermanöver. 60 Meter Kette fallen auf 12 Meter Grund und der Anker hält. Perfekt. Die Crew macht sich stadtfein, die Mädchen holen ihren Schminkkasten raus und bemalen sich in den Nationalfarben.

Vom Hafenmeister bekommen wir eine Liste der Bars, die das Spiel übertragen. Eigentlich müsste ich ja noch eure Pässe und Papiere sehen, aber ihr geht jetzt erst mal Fußball gucken, dann feiern und wenn ihr morgen um 12 ausgeschlafen seid, bringt ihr halt die Papiere mit. Alles sehr entspannt hier. In der Bar Arcor direkt gegenüber der Dorfkirche steht der Fernseher, in der Bar sitzen Engländer, Franzosen und viele Portugiesen, die Kneipe gehört einem Brasilianer. Wir sind also in bester Gesellschaft. Deutsche sind keine zu sehen, vermutlich haben die Touristen, die die Azoren bereisen, wenig Interesse an Fußball. Im Laufe des Spiel. Der Anpfiff wird von den Kirchenglocken übertönt, wenn das kein gutes Omen ist. Nur für wen? Die fehlenden Kommentare der deutschen Sportstudios müssen wir aufgrund der portugiesischen Übertragung selber übernehmen, aber wenigstens stehen ab der zweiten Halbzeit über die Hälfte der anwesenden Gäste auf unserer Seite. Ich vermute, dass sie vor allem aus Sympathie zu Maya und Lena für Deutschland die Daumen drücken, die jeden gehaltenen Ball ausgiebig bejubeln. Unsere Rechnung mussten wir trotz Weltmeisterstatus leider bezahlen und Silvi und ich ärgern uns, weil wir beide ohne finanziellen Einsatz auf 1:0 getippt haben. Pech gehabt.

Mittlerweile sind wir zurück auf dem Schiff, ein rolliger atlantischer Ankerplatz, die Gelbschnabelsturmvögel krächzen was das Zeug hält und wenn man die Augen zumacht, hat man durch die unglaubliche Akustik der Steilwand fast das Gefühl, man säße in Brasilien im Stadion. Jetzt noch ein Bier im Cockpit und dann geht es in die Kojen. Pläne machen wir morgen wieder.

Putzen, Putzen und Reparieren

20140712

Bootsleben

“Ich habe in meinem ganzen Leben noch nie so viel geputzt wie hier und heute.“, so kommentiert Lukas diesen Samstag. Das Leben unserer neuen Crew bestand in den letzten Tagen, nebst Eingewöhnung und dem Erkunden von Horta und Pico, vor allen Dingen aus dem Begriff: „Schei..pumpe!“ Unter der Awasserpumpe des Mittschiffklos war es feucht und ekelhaft. „Ich habe ein Reparaturset! Also alles kein Problem.“ Um die MK5 Pumpe auszubauen braucht man allerdings Finger aus Gummi. Julian und Lukas kann ich für die Arbeit begeistern. Als erfahrener Skipper nutze ich die kritiklose Anfangsmotivation von Lukas und die inzwischen gute Bootserfahrung von Julian: „Ihr dürft das Problem alleine beheben. Julian weiß ja wo alle Werkzeuge sind. Hier ist der Ersatzset an Membrane, Ventilen und Dichtungsringen!“ „Kein Problem. Papa! Machen wir.“ Das war vor ein paar Tagen und dann haben die beiden Bootsjungen die Pumpe, einmal, zweimal und dreimal ausgebaut. Das Öffnen der Pumpe fängt dann erst mal mit der Entfernung des Urinsteins an. „Hmm, das ist ja nen doller Job!“ Ich kenne das schon, habe das schon unzählige Male gemacht und eigentlich ist es für mich nix neues, dass nach Stunden Sisyphusarbeit die Pumpe wieder leckt. Am nächsten Tag versuche ich mit Julian den Fehler in der Entlüftung über den Vetus Geruchsfilter zu entdecken. Doch Fehlanzeige. Hier ist alle in Ordnung. Da hilft nur eins. Ich muss die komplette Ersatzpumpe rausrücken. Denn nur das hilft. Alte Pumpe raus und brandneue Pumpe wieder rein. Nur, die Pumpe ist falsch. Der Schwengel geht nach oben und nicht durch die Wand. Falsch bestellt oder falsch geliefert. Ist jetzt auch egal. Im Marineshop von Horta gibt es auf jeden Fall so eine Pumpe nicht. Also aus alter und neuer Pumpe ein passendes Modell basteln. Wieder Pumpe ein- und ausbauen. Ich warte auf Streik und Meuterei. Doch nichts passiert. Die Bootsjungen sind in der Erwartung auf einen reparaturlosen Resturlaub weiterhin motiviert und fassen an, verschwinden im Schrank unter dem Waschbecken, beweisen, dass sie sich a nicht zu fein sind und b mit Schraubenschlüsseln umgehen können. Das beeindruckt mich. Gute Bootsjungen. Am Ende des Tages 3 der Schei..toilette funktioniert die Pumpe und das zusammengeknüllte Zewawischundwegtuch unter ihr bleibt endlich trocken. Die Stimmung steigt. Das war vorgestern.

20140712a

Wer das Bootleben kennt, der weiß, dass es so weiter geht. Die neue Schelle am 10cm Abgasschlauch des nassen Auspuffs, muss am Turboausgang neu angebracht werden. Die war schon auf den Bahamas kaputt gegangen, der kubanische Ersatzschlauch Schlauch, eigentlich von einem Gülletransporter, war quasi durchgebrannt. Eben doch nicht für einen nassen Auspuff gedacht. Das Bootsjungenteam legt wieder los und ich widme mich wichtigeren Arbeiten am PC. Eine halbe Stunde später sitze ich doch mit Julian im Motorraum. Der alte Schlauch geht nicht ab. „Geht nicht, gibt’s nicht!“ Lukas glaubt’s nicht. „Mit Glauben, kommen wir hier auch nicht weiter!“ Zwei Stunden später, ich habe noch erfolglos den neuen Temperatursensor an der dicken Emma eingebaut, wo ich ja eh schon wieder schwarze Hände habe, übergebe ich an Lukas. „Machst Du den Motorraum jetzt sauber? Nachdem Lukas fertig ist, meint Nathalie: „Na, machst Du Dich grade wieder bei der Crew beliebt?“ Sie hatte wohl gehört wie ich zu Lukas meinte: „Sauber ist anders.“ Worauf Lukas für zwei weitere Stunden im Motorraum verschwand. Hört sich nach Ärger an, ist aber nicht so. Die Stimmung ist gut. Wir alle nehmen die Vorbereitungen mit Humor und Julian lacht, weil er das Reparaturleben schon kennt und weiß: Es führt kein Weg daran vorbei. Auf See reparieren ist noch um ein vielfaches schlimmer.

Auch Silvie lässt sich von der allgemeinen Arbeitshysterie anstecken, verbringt den Vormittag mit Nathalie beim Verproviantieren in der Stadt und den Nachmittag mit der Polierpaste an der Reling. Der letzte Schlag war nicht ohne und 316 Edelstahl rostet eben nur nicht, wenn er poliert ist. Das wiederum ist schon ein bisschen her. Polieren und Schleifen ist sehr ähnlich und das kann Silvia. Sie nimmt es mit Humor. Das Ergebnis blendet uns alle. Morgen wollen wir Segeln gehen und am späten Nachmittag das Endspiel der deutschen Elf sehen. Da sind wir ja mal gespannt. Skipper und Capitana bekommen Ausgang um romantisch am Meer zu sitzen und Fisch zu essen. Das ist fast wie Urlaub. Worüber werden wir uns unterhalten? Über Boote und Kinder. Und über Flensburg.

Himmel, Horizont und Häuser

20140711

Ausflug nach Pico

Mein Freund Klaus erzählte mir letztens, dass er gerne ein Haus mit Meerblick auf den Azoren erwerben würde. Auch andere Segler auf Curracao erzählten mir schon von den günstigen Immobilienpreisen auf den portugiesischen Inseln. Wir machen uns heute auf um einen Wanderschlag auf die Nachbarinsel Pico zu machen. Wir lassen die MARLIN mal einen Tag MARLIN sein und um neun Uhr geht es mit der lokalen Schnellfähre über den kleinen Golfo. Alles ist günstig hier auf den Azoren. Zigaretten, Alkohol, Bier und Pommes, aber auch auf dem Markt und im Mega Supermarkt. Die Überfahrt kostet etwas unter vier Euro. Nach Ankunft in Madalena geht es weiter mit dem Bus bis zum Walfangmuseum in der Nähe von Sao Jao. Das Museum ist leider zu, aber direkt daneben gibt es ein pittoreskes Meerschwimmbad. Wir schmeißen uns in die 21 Grad kalte Wasser. Gegen die Kälte wandern wie wieder Richtung Sao Mateus. Es geht rauf und runter und an einem schönen Haus nach dem anderen. Das sind wohl die Häuser, die man so kostengünstig erwerben kann. Meerblick und eigenes Schwimmbad inklusive. Alle Häuser sind schön renoviert und die Grasflächen kurz geschnitten oder mit Vulkanasche geebnet. Leider, wie so oft nur einmal im Jahr bewohnt. Und so sind auf den Straßen keine Menschen anzutreffen. Schwer romantisch und eben doch sehr einsam. Wer einig ist mit sich selbst und gerne alleine ist, seine individuelle Familienblase hat, der wird sich hier wohlfühlen. Der Nachteil an der günstigen Immobile ist, dass wenn man die Immobilie wieder loswerden will, sie dann vielleicht noch nicht einmal zu dem günstigen Preis, zu dem man sie erstanden hat, wieder abstoßen muss. Wir haben ein schwimmendes Haus. Das hat den Vorteil, dass man den Standort beliebig verändern kann.

Nathalie treibt die Herde voran. Es geht über Stock und Stein, rauf und runter. Ja, die Azoren sind ein Paradies für Wanderer. Die Sonne scheint, ein paar Minuten später fegt ein kaltfeuchter Wind um die Ecke und es sieht nach Regen aus. Ich liebe diese Atlantikinseln. Wir kürzen den Weg zum Spielplatz ab. Eine kleines Kiosk steht unter Pinien, ein paar rote Plastikstühle. Vier Jungs sitzen am Tisch, der Müllwagen kommt und die Fahrer gönnen sich, wie wir, ein kühles Bier. Wahrscheinlich ein Geheimtipp. Die Kinder genießen den gepflegten Spielplatz. Der neue Bus, kommt pünktlich nach Plan. Wundersam nach der chaotischen Zeit in Cuba, in Jamaika, der Karibik. Das was wir von den Azoren bisher kennengelernt haben ist sauber und aufgeräumt. Richtig europäisch. Doch ein Haus?

Glück soll sie bringen, die Zeichnung auf der Hafenmauer

20140710

Vorbereitungen zum Schlag in den Ärmelkanal

Abwechselnd schwingen wir den Pinsel, um unser neues MARLIN Logo und den Schriftzug auf die Hafenmauer aufzubringen. Gar nicht so einfach noch einen freien Platz in dem Wusel der tausenden von Zeichnungen von anderen Booten zu finden. Doch letztendlich hat es dann doch geklappt. Jetzt kann es eigentlich losgehen. Doch erst besuchen wir noch ein paar andere Inseln der schönen Azoren.

Eintrag von einem neuen Greenhorn an Bord: Silvia

20140709

Fazit: Echte Menschen, echtes Leben

So, du machst jetzt Heute deinen ersten Logbucheintrag meint Michael einfach mal so, und Nathalie….. kannst ja mal so deine Eindrücke der ersten Tage beschreiben. Gute Idee, nur das ich obwohl ich seit fast fünfundzwanzig Jahren zwischen Nord- und Ostsee bei Flensburg lebe, gerade merke, dass ich immer noch ein waschechter lahmarschiger Berner bin. Denn für diesen Eintrag hier benötige ich satte dreieinhalb Stunden. Nun bin ich aber schon fertig!

Also eine Horizonterweiterung braucht diese Familie hier nicht! Außerhalb der Komfortzone findet das spannende Leben statt, das macht Menschen beweglich. Das ist hier auf der Marlin zu spüren, ab der ersten Minute an Bord. Ich muss jetzt hier mal so richtig rumschleimen, das ist jetzt gerade fällig, auch absolut authentisch und ich habe jetzt die Chance diesen ersten Logbucheintrag zu schreiben, in einer Zeit, wo ich das alles von fast noch außerhalb zu überblicken in der Lage bin.

Die Kinder hier an Bord wachsen in einer selbstverständlichen Eigenverantwortung auf, welche einen gesunden Menschen ausmachen. Chapeau Nathalie und Michael! Es ist eine Freude hier zu sein und in diesen ganz persönlichen Alltag herein gelassen zu werden. Dieser ist autark und gleichzeitig von einer schier unbeschreiblichen Weltoffenheit durchdrungen. Es fühlt sich gerade so an, als ob einer mir die Tür aufhält und sagt: „Komm herein in meine Welt!“ Nach vier Tagen bin ich nun schon fast mitten drin. Sogar eine Loriot-taugliche Frühstücks-Szene habe ich heute beim Frühstück zwischen Michael und Nathalie erleben dürfen. Bevor ich lachen musste, bin ich dann geflüchtet, denn bekanntlich tun sich denn Zwei zusammen, wenn der Dritte anfängt sich einzumischen.

Wir sind hier schon zig mal mit dem Dingi an Land geschippert, mit dem Bus zu den Vulkanen gefahren, zusammen rüber gekraxelt, Verproviantierungseinkauf gemacht, gelernt wie man auf Portugiesisch danke und tschüss sagt, die Schapps der Küche und Kabinen kennengelernt, auch wie man die Klopumpe bedient, an Bordinstrumenten abliest ob gerade genug Strom da ist, um Handy, Lappi oder Akku der Kamera aufzuladen, ein halbes Ohr habe ich auch schon für den Stromgenerator, denn wenn der angeht, kann man sogar einen Staubsauger anschmeißen, soviel Kawumm ist hier auf dem Boot, vorausgesetzt man macht den richtigen Schalter vorher an, ein wahres Technikwunder und ……..die durchschauen das sogar alle, man kann auch die Kinder fragen, wenn man etwas nicht hinbekommt! Mindestens fünf Seiten könnte ich darüber schreiben, was für mich alles neu hier ist und was mir schon alles so „nebenbei“ erklärt wurde.

Ein ironisch gemeintes Schweizer Liedchen zum Abschluss, welches hier nicht gesungen wird: „Der Hans im Schnäggeloch hett alles was är will, und was är will das hett är nit und was är hett das will är nit….dr Hans im Schnäggeloch het alles was är will.“

Vulkantour

20140708

Crewerweiterung

Wir sind zu siebt. In Jamaica haben wir noch schnell einen 11 Liter Druckkochtopf erworben, der so gerade eben auf den Herd passt und nun regelmäßig für die große Crew zum Einsatz kommt. Kleine Läden gehören hier auf Faial längst der Vergangenheit an, im großen Supermarkt Continente gibt es alles, was man auch in Lissabon bekommen kann. Nach über einem Jahr in der teuren Karibik mit amerikanischem Sortiment schwelgen wir in europäischen Delikatessen, Käse, Brot, Schinken, Milchprodukte, feinstes Olivenöl, guter Kaffee, günstiger Wein, es gibt nichts, was es nichts gibt. Herrlich.

Julians Zwillingsbruder Lukas und unsere Schreinerfreundin Silvia aus Flensburg sind eingetroffen, haben vermutlich 30 Prozent der ersten Sicherheitseinweisung auf der MARLIN behalten und leben sich langsam in unseren Bordalltag ein. Auf einmal ist es voll auf der MARLIN, die Kojen sind verteilt, jeder hat sein Schapp und wie immer war es wie Weihnachten, als die Gäste ihre übervollen Taschen ausgepackt haben. Sylvia hat echtes Flens, Rum, Kohlrabi und Schokolade aus der neuen Heimat mitgebracht, Lukas mal wieder einen Impeller und andere Leckerbissen für die dicke Emma, sowie Legoüberraschungen für die Mädels von Johann! Danke, Johann, Jenny, Leon und Paul, Hubschrauber und Hundeschlitten sind gleich begeistert zusammengesetzt worden!

Nach einem Tag Bootsschule und Eingewöhnung habe ich heute die Gunst der Stunde genutzt und unsere neue Crew die Berge rauf und runter gescheucht. Wacholder, Lorbeer, wilder Ingwer, Hortensien und Rhododendron, Krater, Vulkanhöhlen, in den Wolken, über den Wolken, bei strahlend blauem Himmel. Aschefelder, tosenden Meer an Steilklippen, Leuchttürme und alte Walbeobachtungsposten. 8 km Wanderung durch den kompletten Nordwesten der Insel. Wir Erwachsenen spüren mittlerweile jeden einzelnen Muskel im Bein. Die Kinder, auch wenn sie bei manchen Abschnitten ein wenig gejault haben, merken natürlich gar nichts und waren fit genug, noch das Fußballspiel im Peter Cafe Sport mitzunehmen. Micha hat derweil den Kampf gegen oder für die Heizung aufgenommen und mit ein paar Spezialisten telefoniert. Ich habe nicht alles verstanden, aber anscheinend ist die ganze Anlage sehr dilettantisch installiert worden, falscher Boiler, Heizung zusammengeschlossen mit der Beleuchtung um Vorschiff und, und, und. Ein Projekt, dass sich noch nicht abgeschlossen ist.

Morgen ist die erste Verproviantierung angesagt. Lebensmittel für 7 Personen ranschaffen, wie gut, dass der Supermarkt einen Lieferservice hat.

Landfall in Horta

20140706

MARLIN @ Anchor

Ich bin’s der Micha. So. Nach der ersten Nacht kann ich auch die Tasten mal wieder bedienen. Gestern kurz vor Schluss sind wir hier eingelaufen. Der Hafenmeister war unfreundlich. Das kann ich auch. So kennt man mich ;-) Einklarieren in der Heimat. Das ist ja was. „Wie, ihr wollt vor Anker liegen. Das geht nur, wenn die Marina voll ist. Solange Platz ist müsst ihr an die Pier oder in die Box.“ „Für 40 Euro?“ „Klar.“ Der Beginn einer großen Freundschaft. Also verbringen wir die Nacht an der Kaimauer. Mit dem salatschüsselförmigen Kasko der Marlin ist das immer Mist. Die Fender rutschen gerne hoch und der Skipper bekommt schnell richtig viel schlechte Laune. Für solche Spielchen brauchen wir mal zwei dicke, fette, runde, orange, Fischerfender. Haben wir aber noch nicht.

Nathalie socialt mit unseren spanischen Freunden und abends landen wir auf dem Horta Dorfplatz. Hauptsache die Kinder sind glücklich und spielen mit den spanischen Freunden. Ein lokaler Kinderchor trällert auf eine Bühne, an Ständen gibt es die Reste von der Party, die anscheinend schon ein paar Stunden im Gange ist. Jetzt platzt mir der Kragen: „Nathalie, ich gehe jetzt mit Julian ins Peters Sport Cafe. Gin Tonic trinken bis ich tot umfalle!“ Julian hält sich aus dem sich anbahnenden Streit raus. Er will es sich weder mit mir, noch mit Nathalie verscherzen. Armer Kerl. Nathalie gibt nach. Guter Zug.

Heute am frühen Morgen wache ich im Pilothaus auf. Der Kopf ist schwer, ein Fender liegt auf der Kaimauer, es regnet. Ansonsten keine Schäden. Neuer Tag, neues Glück. Nach einen grandiosen Frühstück mit frischen Eiern und echt billigem Croissants packe ich meine Töchter unter den Arm und enter das Toilettenhaus am anderen Ende der Marina. Auf dem Rückweg wieder ins Hafenbüro. Jose oder Jorge ist wieder da. „Wir wollen dann in die Box verlegen!“ „Die ist jetzt anderswertig vergeben.“ „Na, dann können wir ja vor Anker gehen.“ Ich versuche es mal mit „Bitte!“ Wahrscheinlich schauen Maya und Lena so lieb, dass er „Ja!“ sagen muss. Der Hafenmeister hat einen besseren Tag, ich auch und für 5 Euro oder so, liegen wir eine halbe Stunde später vor Anker. Der Tag beginnt besser. Horta ist richtig schön. So wendet sich alles und Jose oder Jorge und ich, wir werden jetzt bestimmt dicke Freunde.

Es ist Samstag Abend und bei Peters Sport Cafe ist schon spät, als ich und Julian dort an der Theke ankommen. „Bier!“ „Wieviel?“ „Fangen wir mal mit sechs an!“ Es blieb nicht bei sechs. Julian und ich trinken uns durch das flüssige Angebot an Schnapps und Longdrinks. Draußen, sitzen wir auf dem Mäuerchen, ein absolut fähiger Alleinunterhalter mit E-Gitarre und Soundcomputer trällert viel besser als der Kinderchor und als er dann irgendwann aufgibt und den Hafen von Horta seiner nächtlichen Bestimmung übergibt, wankt der Boden endlich auch wieder so, wie die letzten drei Wochen auf See es getan hat. Arm in Arm schaffen wir den Weg auf’s eigene Boot. Nathalie ist noch wach und auch hier tritt wieder Ruhe ein. Wie gesagt. Das war gestern. Heute ist ein besserer Tag. Wir sind wieder in Europa. Socken, lange Hosen, Telefon und Internet. „Watten nen Luxus!“

Horta in Sicht

20140705

Vorbereitungen zum Landgang

Wir haben es fast geschafft, Horta ist in Sicht, oder zumindest wäre es das, wenn wir unter die dicke Wolkendecke gucken könnten, hinter der sich die Insel Faial versteckt. Über uns scheint auf jeden Fall die Sonne und das hat sie auch gestern den ganzen Tag getan. Mit Wind von achtern und mäßiger See haben wir die MARLIN gestern einem Großputz unterzogen, sind mit Eimern, Schwämmen und Wischlappen durch das Schiff gewedelt, haben die Landgangklamotten gewaschen, die Fender aufgepumpt, Landleinen rausgesucht und die passende Gastlandflagge aus der hintersten Ecke gekramt. Wann haben wir die das letzte Mal gesetzt? Die portugiesische Flagge? Irgendwann 2000 in Madeira oder an der portugiesischen Küste.

An Backbord hatten wir gestern den ganzen Tag die Insel Flores an Backbord liegen, eine typische atlantische Insel, hätte auch St. Helena oder ein der Kapverden sein können, grün, steil aufragend, vielversprechend. „Mama, können wir hierher nochmal zurücksegeln?“ Mal sehen, Pläne werden jetzt noch keine gemacht, erstmal ankommen. In der Nacht lassen wir ab und an die dicke Emma mitlaufen, der Wind schläft ein zwischen den Inseln, 6 Knoten von hinten reichen bei unseren 30 Tonnen nicht zum Schieben, selbst, wenn wir noch unseren Gennaker hätten.

Noch 24 Seemeilen to go, Zeit Schampoo, frische Klamottem Rasierer und Nagellack rauszuholen und die dreckige Wäsche ganz unten in einen Seesack zu stopfen. Zeit die Gastlandflagge zu hissen.

Endspurt

20140704

Wale und Delfine

Eigentlich hatten wir für gestern einen Schwachwindtag mit ein paar Stunden Motoren, Putzen, Aufräumen und Wäsche waschen geplant, aber ausnahmsweise bekamen wir mal mehr Wind, als angesagt. 6 Knoten Wind, in Böen mal mehr, alles am Wind Kurs, da hatte die dicke Emma natürlich nichts zu tun. Die MARLIN will ankommen, jeden noch so kleinsten Lufthauch verwandelt sie in Geschwindigkeit und ohne es zu merken, laufen wir schon wieder 7 Knoten. Nur die Welle war teilweise etwas unangenehm.

Ansonsten ist alles in Butter auf dem Kutter, Maya und ich arbeiten uns gerade durch sämtliche Plattinge aus dem Bereich Fancy Work unseres Knotenbuchs um all die Seemannspfeife und Marlspieker, mit denen ein ordentlicher Matrose unterwegs ist artgerecht festbändseln zu können. Julian steht viel mit Musik im Ohr am Steuer, vermutlich, weil er nach fast drei Wochen dann doch genug von uns hat und gerne mal in die andere Richtung laufen möchte. Skipper spielt mit der Navigationssoftware, nein, pardon, er installiert und testet sie natürlich zu Berufszwecken und Lena verschlingt ein Buch nach dem anderen und hofft, auf den Azoren endlich wieder Playmobil spielen zu können. „Spruch des Tages: „Wann sind wir da?“ „In drei Tagen!“ „Was, in drei Tagen? So schnell? Maya, wir sind bald da, nur noch 3 Tage!“ Das sind Dimensionen, normalerweise geht es ja bei den Wann-sind-wir-da-Fragen um Stunde, oder Minuten!

Drüben, auf der anderen Seite des Atlantiks, die wir vor knapp drei Wochen verlassen haben, tobt sich gerade der erste Hurrikan aus, Arthur heißt er. Wir bekommen immer noch die Tropical Weather Alerts und auch wenn wir nun schon viele Meilen weit weg sind, hat die schnelle Entwicklung des Systems zu der ein oder anderen Gänsehaut geführt. Genau zwischen der amerikanischen Küste und der Kurslinie, auf der wir vor den Bermudas so elend lahm vorangekommen sind, hat sich dieses System gebildet. Wir sind wirklich noch im letzten Moment aus der Karibik weggekommen. Ein paar Wochen später und das hätte buchstäblich ins Auge gehen können.

Zum Sonnenuntergang hatten wir ein Erlebnis der besonderen Art. Schon seit knapp einer Woche sehen wir vermehrt verschiedene Delfinarten im Wasser. Immer wieder begleitet uns eine kleine Schule für ein paar Minuten, je nach Wellengang mit mehr oder weniger kunstvollen Sprüngen und Saltos. Doch heute Abend hat Julian tatsächlich zwei Orcas entdeckt. Echte Schwertwale. Zwei Stück nebeneinander, unverkennbar, die lange Rückenflosse, der weiße Bauch. Da wurde uns ganz anders und warm ums Herz, diese grandiosen Tiere haben wir bisher nirgendwo auf den Weltmeeren gesehen.

Noch 208 Seemeilen to go, letztes Etmal 144 Seemeilen.

Duschen

20140703

Meilen fressen…

Nachdem die Capitana heute warm geduscht hat, ist für sie die Welt wieder in Ordnung. Ich brauche keine weitere Etmale, das 200+ war ausreichend. Also rauschen wir durch das Azorenhoch und fressen Meilen, statt Steaks. Wir machen grade mal 10° Lage, da können wir uns mal den Basics zuwenden. Die Mittschiffstoilette bekommt einen neuen Toilettensitz aus Gold. (Wer weiß was ein schnöder Lavac Toilettensitz kostet, der wird mich verstehen.) Der alte war so undicht, das die Spülung nicht mehr funktioniert hat. Das Dinghy musste mal wieder mit 3M 5200 fast cure vorm Zusammenfallen gerettet werden. Das neue ist bestellt, aber noch nicht geliefert. Und seit dem wir die aktuellen Marinapreise von Horta wissen, gehen wir dort wohl vor Anker. Passt mir eh besser. Also Dinghy reparieren, sonst (Jetzt bitte auf die Formulierung achten!) bekommen wir nasse Socken! Die dicke Emma braucht einen neuen Filter im Doppelfiltersystem, ein ST60 Display wackelt und die Pumpe von der Lavac retten wir grade noch mal am Mülleimer vorbei. Außerdem Wasser gemacht und versucht Fisch zu angeln. Tja, da war es dann auch schon wieder dunkel und schon sitze ich wieder in meiner Nachtwache mit Vollzeug am Mast. Alles oben was geht. Ne, das Kuttersegel ist nicht gesetzt. Mach ich auch nicht, sonst bekomme ich wieder Seitenhiebe im Internet.

380 Meilen to Go. Letztes Etmal 137 Meilonitos.

Entspannung

20140702

Noch 420 Seemeilen to go!

Nachdem der Skipper sein Jahrhundertetmal bekommen und mit einer Flasche Weißwein am Abend begossen hat, ist nun wieder Ruhe auf dem Schiff eingekehrt. Bei 6 bis 8 Knoten Wind aus SSE muss man gar nicht erst darüber nachdenken, den eigenen Rekord zu brechen, sondern kann wieder zum ganz normalen Ozeanüberquereralltag zurückkehren. Während der Nachtwache im Cockpit sitzen und Sterne gucken oder ein Buch lesen oder eines schreiben, gemütlich die heiße Kaffeetasse in der Hand und die Wolldecke über den Füssen. Keine nassen Füße, steife Nacken, verkrampfte Hände und Muskelkater.

Also, hat ja Spaß gemacht, so mit bis zu 10 Knoten die Wellen hinunterzurauschen, die 30 Tonnen Schiff mit einer, nee, Moment, mit zwei Händen trotz des Windes zu beherrschen, aber am meisten Spaß macht es halt tagsüber, mit lauter Musik im Cockpit und Sonne im Gesicht. Nachts alleine am Ruder im Dunkeln sieht das schon anders aus. Es ist eben nicht geschenkt, so ein Etmal, wie Micha schon geschrieben hat. Eine ganze Ozeanüberquerung nur mit Trimmen, Handgehen, schnell, schnell, schnell, nee, das wär nix für mich. Ich sitze lieber wieder im Cockpit in Lee, spleiße aus der Seele unserer alten Dyneema Reffleinen Textilschäkel und anderen Schnickschnack, spiele mit den Kindern Karten, bringe Julian das 1×1 des Brotbackens bei und schaue zu, wie auf dem GPS Meile um Meile nebenbei dahinschmilzt.

Noch 420 Seemeilen bis Horta. Das sollte in vier Tagen zu schaffen sein. Die anfänglich angesagte Flaute scheint doch auszubleiben, das Azorenhoch tanzt genau in die richtige Richtung, um uns durchgehend Wind und Sonne zu bieten. Den Motor haben wir heute trotzdem mal kurz laufen lassen, um heißes Wasser zum Duschen zu haben. Muss ja nicht jeden Tag sein, aber einmal in der Woche einen heißen Strahl über den Rücken laufen zu lassen, ist ein Luxus, von dem wir auf der Lady nur geträumt haben.