Archiv der Kategorie: SY Marlin

Crew komplett

20140508

Vorbereitungen für den großen Schlag

Einen Matrosen mehr an Bord haben wir uns gewünscht für die Atlantiküberquerung. Eine Person mehr um bequemere Nachtwachen, mehr Hände zum Zupacken, mehr Unterhaltung für die Kinder und einfach einen angenehmeren Trip zu haben. Seit gestern ist der Matrose nun an Bord und nicht nur die beiden Mädchen freuen sich, ihren Bruder hier zu haben.

Ansonsten reichen uns 36 Stunden Montego Bay, um wieder zu wissen, dass wir hier nicht auf das Wetterfenster für den Atlantik warten wollen. Da hilft auch der beste Spielplatz und die freundlichste Marina Crew nicht. Der Ankergrund hier ist einfach zum Wegfahren. 50 Meter Kette und zwei verkattete Anker reichen nicht aus, um die MARLIN von Annäherungsversuchen an die rote Fahrwassertonne abzuhalten. Spritzpistole und Schleifpapier liegen schon bereit für ihren Arbeitseinsatz. Bei jedem Ankermanöver holen wir Plastiktüten oder Angelschnüre raus, alle paar Tage wirbelt ein Kreuzfahrtschiff den Meeresgrund auf. Da kann ja nichts halten. Zwischendurch kommt die Marinepolizei und will uns ein paar Meter weiter nord, süd, rechts oder links haben. Die Stadt ist nur per Taxi zu erreichen, um uns herum nichts als Resorts und Hotels, das wahre Jamaika weit weg. Sind wir genervt? Nee, wir wollen nur nicht hierbleiben. Für die letzten Vorbereitungen, den Wechsel des Segels, Nähen von Lee-Segeln und Motorservice brauchen wir einfach ruhiges Wasser, gute Waschmaschinen und ein Dorf mit Gemüsemarkt in Laufnähe.

Das alles gibt es in Port Antonio, 90 Seemeilen Luftlinie, doppelt so viele Seemeilen Aufkreuzen entfernt. Natürlich nimmt der Wind zu, jetzt wo wir weiter nach Osten wollen, aber bisher ist die Mannschaft guter Dinge. Besser Aufkreuzen mit Wind als Motoren ohne, oder? Sagen wir jetzt, hier vor Anker, wo der Wind wieder nachgelassen hat und keine Böen von 20 Knoten mehr anzeigt.

Erster Jamaica Besuch auf der MARLIN

20140506a

Das sind Rasta Delfine

Wer kennt sie nicht? Flipper und seine Freunde Bob Marley und natürlich Free Willy. Alle kommen heute Morgen vorbei. Das Meer ist ruhig und ich springe mal eben ins Wasser und begrüße die Damen und Herren Besucher. Aber da bekommen sie doch Respect. Das ist auch das Passwort für Jamaica: „Respect Man!“ Und schon gehört man dazu und kann ohne Dauerverfolger durch die Stadt laufen. Noch. Noch sind Maya und Lena klein. Ich bin nen bisschen übermüdet. „Yeah Man!“ Eine Stunde noch, dann lassen wir unser Eisen in den Schlamm der Montego Bay fallen.

Wind wieder wech

20140506

Noch 39 Meilen bis nach Jamaica

Wie so oft Nachts in der Karibik, aber auch anderswo, schläft nicht nur der Skipper gern ein, sondern auch der Wind. Aus 4 Knoten machen wir zwar immer noch 2,8 Knoten Fahrt. Aber der „Schlüsselumdreh-Effekt“ siegt. Nathalie hat mich fast bis drei Uhr schlafen lassen in der Achterkabine. Ohne Kind auf dem Bauch schlafe ich dort tausend mal besser als vorne. Eh sind die Achterkabinen schlaftechnisch der Hit, weil quasi mitschiffs. Dafür darf Nathalie jetzt ausschlafen. Das weiß sie auch. Ich werde sie nicht mehr um fünf aus der Koje schmeißen, sondern ihr irgendwann einen Kaffee ans Bett bringen. Oder: Selber noch mal einschlafen und Wache, Wache sein lassen, weil sicher, weil AIS.

Der Blick auf die Karte ist nicht besonders vielsagend. Wir wollen so schnell wie möglich durch die Caicos Passage auf den offenen Atlantik und dann Richtung Bermudas. Dazwischen liegen noch vierhundert Meilen. Die Hälfte davon an der Südküste Kubas. Noch mal einklarieren in Kuba wollen wir auf keinen Fall. Die 250 Meilen bis zur Ostspitze Kubas sind auf jeden Fall mit ordentlich Gegenwind oder kein Wind gespickt. Der Rest im Moment auch mit Gegenwind. Tja. So sieht es aus. Aber das wird sich noch ändern. Wahrscheinlich werden wir bis Port Antonio an der Nordostspitze von Jamaica nachts aufmotoren müssen… Ich lasse meine Gedanken einfach mal so fließen… Oder doch links rum um Kuba? Aber irgendwie ist es jetzt zu spät dafür. Alles dreht sich, draußen knabbert die Dämmerung am Horizont, ein Frachtschiff „Bulk Patriot“ nimmt Kurs, 2 Meilen an der MARLIN vorbei. So ein aktives AIS ist eine echte Erleichterung der Nacht- und Tagwachen. Das Problem mit der Berufsschifffahrt hat sich erledigt. Die fahren immer auf mindestens 2 Meilen Abstand.

MARLIN Rennt!

20140505a

Noch 65 Meilen bis nach Jamaica

Die neuen Segel machen was her. Nach dem No-Wind-Deaster der letzten Nacht und schlimmen zehn Motorstunden um auf Höhe von Cayman Brac zu kommen, heute wunderschönes Leichtwindsegeln. Die MARLIN macht aus 8 Knoten Wind, 6 Knoten Fahrt. Das kann sie echt gut. Wie das so geht mit 28 Tonnen, wir wissen es nicht. Vielleicht der Konstrukteur. Auf jeden Fall sind wir das Motoren echt nicht mehr gewöhnt und läuft dieser hat der Skipper schlechte Laune. Aber das ist ja nun mal Schnee von gestern. Montego Bay liegt an, wir segeln in der Nacht auch noch im ersten Reff, damit die Damen nicht aus dem Bett fallen. Kaum Welle, ist irgendwie ruhiger als am schwelligen Ankerplatz vor Grand Cayman. Segeln kann so schön sein.