Archiv der Kategorie: SY Marlin

No more Facebook

20140612

We are lucky guys

“Immer noch nicht weg?“ „Ne unser Anker klemmt!“ O.K. Spass. Also der Wasserpumpenimpeller ist seit gestern Abend da und sogar schon an seinem Platz. Einer der dreien. Beim Einbau wurde auch klar, warum der letzte Impeller so kurz gehalten hat. Die neuen Impeller sind weich und geschmeidig, das alte Ding wohl überlagert und hat seine Weichmacher verloren. Tja, so kann es gehen. Aber vielleicht auch nur eine Ausrede? Wer weiß es schon. Der dicken Emma geht es jetzt auf jeden Fall bestens. Ein dicker Kühlwasserstrahl kommt aus dem Auspuff. Das mit der Deckswaschpumpe als Kühlwasserpumpe war wohl doch etwas unterdimensioniert. Der Auspuffschlauch wurde da an der Oberseite 140 Grad heiß, jetzt, nach der Reparatur grade mal siebzig. Für die Kühlung des Motors hat es allemal gereicht. Aber der nasse Auspuff, der braucht eben doch was Wasser.

Eigentlich könnten wir los. Aber es ist spät geworden. Der Flieger mit dem Ersatzteil kam nicht um 13 Uhr wie geplant, sondern um 18:30. Jetzt ist es dunkel, ein lokales Gewitter hat Nordwind gebracht und so bleiben wir eben doch bis morgen. Morgen ist aber der berühmte Freitag der 13te und da startet man eben nicht zu einer Oceanüberquerung und ich abergläubischer Skipper schon mal gar nicht. Is so. Da kann ich noch den Motorenraum sauber machen und mit den Kindern an den Strand fahren.

Internet ist alle. Eine Woche hatten wir gezahlt. War auch gut. Jetzt für einen Tag brauchen wir das nicht. Unsere Mails bekommen wir eh über PACTOR. Einen freien Hotspot gibt es nicht. Ab morgen gibt es eh keine Internet mehr und FB braucht man auch nicht. Ich habe fünfhundert Freunde und keiner redet mit mir. Ab und an ein Kommentar. Viele Daumen hoch. „Gefällt mir!“ Was heißt das schon? Früher haben unsere Leser im Gästebuch kommentiert, heute muss ich in FB gehen um meine Kommentare zu lesen. Was für ein Müll. Ich freu mich richtig auf die vor uns liegende Zeit ohne. Ich werde die Zeit haben meinen wirklichen Freunden ein schönes Mail zu schreiben, werde Zeit haben einen schönen Blog zu schreiben und Zeit haben so ein wunderschönes Video mit Maya zu machen wie das, was wir übermorgen vielleicht hier veröffentlichen werden. Wer weiß das schon. Auf jeden Fall gehe ich jetzt wieder ins Bett und ziehe mir die Decke über den Kopf. Achtung! Freitag der dreizehnte kommt.

Sven! Danke für Dein Autorengehalt über den Spendenbutton.

Island Time

20140611

Zwischen Slow Motion und Aberglaube

Eigentlich sind wir abfahrbereit. Ein schönes Wetterfenster mit Wind im Rücken, aufgefüllter Kühlschrank, ausgeschlafene Crew und entspannte Kinder. Leider fehlt immer noch der Impeller, bzw. die Impeller, denn diesmal haben wir direkt 3 Stück bestellt. Und die Ersatzschrauben für die Dieselrückflussleitung. Liegen noch immer in Nassau. Schiff fällt aus, Schiff fährt zu früh ab, Flieger fällt aus, so geht es seit Dienstagmorgen. Mit Tiffany vom Yanmar Händler habe ich eine Dauertelefonleitung und ich kann sie förmlich mit den Augen rollen hören, wenn sie merkt, dass ich es bin. Da hilft auch rheinische Fröhlichkeit nichts. Nervige Kundin bleibt nervige Kundin.

Hier auf den Bahamas sind eben alle entspannt und ich bin es nicht, ich will los, denn der nächste Termin sitzt uns im Nacken. Freitag, der 13. Da fahren wir NICHT los. Niemals. Der Skipper ist hochgradig abergläubisch und daher versuchen wir alles daran zu setzen vor Mitternacht morgen abend auslaufen zu können. Immerhin ist Vollmond und wir haben unseren Track, wir können also auch noch nach Sonnenuntergang den Anker heben. Die Kinder hingegen bejubeln jede weitere Verzögerung, beschert sie ihnen doch noch einen weiteren Nachmittag mit ihren Freundinnen.

Wir versuchen es weiter mit Gelassenheit zu nehmen, erwerben einen Sack Holzkohle und grillen Würstchen und Kartoffeln am Strand. Und morgen ist einer neuer Tag, ich wette Tiffany freut sich schon auf mich!

Winward Beach

20140608

Sonne, Sand und Wellen

Sonntag, immer noch Wochenende. Familienausflug ist angesagt, nur Micha klinkt sich aus, um ein bisschen Computerarbeit ohne Trubel zu erledigen. Auf Stocking Island gibt es haufenweise Pfade. Ein paar Amis, die hier quasi das ganze Jahr in den Bahamas verbringen, gehen alle paar Tage mit der Machete über die Wege und schlagen sie von tropischen Wucherungen frei. Kreuz und quer kann man über die Insel pilgern, von Lee nach Luv, über die Hügel und wieder zurück. Unsere kleine Karawane wandert mit Picknick und Schwimmzeug bestückt nach Luv zum großen atlantikwärts gelegenen Strand. Über drei Meilen feinster pudriger Sand, stellenweise fühlt es sich an, als würde man in feinstem Kuchenmehl laufen. Wellen perfekter Bodysurfgröße rauschen im Dreiertakt über den flach auslaufenden Strand, stundenlang werfen sich die Mädchen in die tosende Brandung, nur unterbrochen von Sandburgenbauen und Picknick.

Maya und Lena fahren mit Tropenwissen auf und erklären den neuen Freundinnen, die ein Jahr auf der großen Seenplatte und dem Intercostal Waterway verbracht haben und neu sind in den Tropen, ihre Welt. Wie man Einsiedlerkrebse festhält, ohne gezwickt zu werden, wo man das beste Strandgut findet, an welchen Palmen die Kokosnüsse wachsen und dass es nicht schöneres gibt als ein Lagerfeuer am Strand mit gebackenen Kartoffeln und Stockbrot. Leider finden wir kein Holz, der Strand ist nach der Saison komplett abgegrast. Müssen wir wohl am Dienstag in die Stadt und Holzkohle kaufen. Jamaikanische Kartoffeln haben wir noch genug.

Wochenende im Paradies

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Vom Notstop zum Spass haben

Labourday, Regen und horrende Einklarierungsgebühren haben wir hinter uns gelassen, den Schlafentzug erfolgreich in den Kojen bekämpft, nun kann das Wochenende beginnen. Frühmorgens scheint die Sonne vom strahlendblauen Himmel und wie immer erscheint die Umgebung gleich in einem anderen Licht. Während die Männer mit dem Dinghi in die Stadt brausen, machen wir Mädels uns auf den Weg an den Strand. Weißer Pudersand, Bänke unter schattenspendenden Pinien, bizarre Felsformationen, unzählige Pfade, die kreuz und quer über die Insel führen und außer uns – niemand. Auf der Satellitenkarte von Google Maps sieht man rund 150 Yacht vor Anker, derzeit liegen gerade mal 5 in der unmittelbaren Umgebung. Die Zugvögel sind längst zurück in den Staaten oder weitergezogen nach Süden. Nach den 5 Tagen auf See und den drei Wochen in der Marina in Montego Bay fällt es hier nicht schwer, den Unmut über den Zwischenstopp abzulegen. Noch einmal im türkisblauen Tropenwasser baden und mit den Zehen im warmen Sand spielen, wer will da meckern?

Am späten Nachmittag machen wir uns alle gemeinsam auf zum Strandclub „Chat & Chill“. Abenteuerspielplatz für alle, Kletterseile, Schaukeln, Bänke im Schatten der Bäume, Conch-Salatbar und kalte Getränke . Auf dem Weg fällt uns ein Katamaran ins Auge. Schmetterlinge auf dem Bug, Prinzessinnenhandtücher auf der Leine, Schwimmreifen hinter dem Heck. Sichere Anzeichen für Kinder an Bord. Und? Recht gehabt. Auf der französisch-kanadischen PAPILLON DES MERS sind zwei Mädchen zu Hause, 8 und 10. Das Glück ist perfekt. „Sind hier vielleicht Kinder?“ hat Maya auf dem Weg durch die Einfahrt noch gefragt. „Wenn irgendwo auf den Bahamas, dann hier!“ war meine Antwort. Man weiß eben nie, wofür ein Zwischenstopp gut ist, bevor man den Anker geworfen hat.

Boxenstop

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Ich war’s nicht

Wohin soll es denn gehen? Hier auf Exuma ist in der Season alles in amerikanischer Hand. Um die 300 Boote sollen hier liegen und den Exzessen des Fahrtensegelns unterliegen. Wir aber kommen am Ender der Season. Juni ist schon Hurrikanzeit, was uns aber ziemlich am Hintern vorbeigeht. Letzte Saison haben wir schon mal Hurrikanbeobachtung gemacht. Ganz so schnell sind die nicht da und wir brauchen 5 Tage um dem gefährlichen Gebiet nach Norden zu entkommen. Clickst Du hier!

Auf Exuma regnet es heute in Eimern. Heute ist hier „Tag der Arbeit!“ Morgen ist hier Pfingsten, dann Wochenende und am Montag Pfingsten. Dienstag kommt unser neuer Impeller aus Miami in Nassau an und dann am Mittwoch mit dem Postschiff auf Exuma, also hier. Dann richtig rum einbauen und weiter geht’s. So die Planung. Ob das klappt? Ja klar. Auf jeden Fall haben wir entschieden nicht ohne loszufahren.

In unserem YACHT.DE Blog gibt es einen Eintrag! Clickst Du hier!

Und wir nannten Sie die dicke Emma

Skippers Sabotageversuche

“Wenn Du nicht nach Flensburg willst kannst Du mir es auch sagen, anstatt ständige Sabotageversuche in die Manövrierfähigkeit der MARLIN zu machen.“ Meint sie das nun ernst?

Wer sich erinnert, der weiß, dass wir anstatt von Impeller die Deckswaschpumpe zur Kühlung unseres YANMAR nutzen. Klappt auch prima. Trotzdem sind wir bis auf den Ankerplatz auf Exuma / St. Georges /bahams unter Segeln gelaufen, auch den inneren Kanal etc… Alles in Budder auf’m Kudder soweit. Die neuen Impeller kommen am Mittwoch aus Nassau dann zu uns, weil Freitag ist hier Tag der Arbeit, ab Samstag Pfingsten und wie in Deutschland alles zu. Ja, wir wollten ja eh einen Zwischenstopp auf den Bahamas machen. Zu dem Konto auf den Caymans machen wir noch eines auf den Bahamas auf. LOL. Den Anker einfahren, ja, da machen wir dann den Motor an. Klappt auch alles, außer das ich, der Skipper, Fehler muss man zugeben können, den Motor ausmache und erst mal mit der LunaWLANnet auf die Pirsch gehe ob ich nicht ein freies Internet finde. Die Kühlwasserpumpe (Deckswaschpumpe) läuft friedlich weiter. Wnuk also im Internet und die Pumpe drückt den Wassersammler voll mit Salzwasser, dann den Krümmer, dann die Turboeinheit dann die Kolben, bzw. die Zylinder. Klares Bahamas Meerwasser. Jetzt kommt es erst mal nicht weiter. Irgendwann wache ich auf aus meiner Hypnose. Ne, ist kein Aprilscherz.

Nachdem ich meinen Kopf vor Wut über mich selbst gegen die Wand gefahren habe und mich wieder erholt habe von mir selbst, verbringe ich mit Nathalie den angefangenen Abend im Motorraum. Schwarze Nase, schwarze Finger. Hatten wir das nicht schon mal vor einigen Jahren in Panama. Ähnlich. Um das Wasser rauszubekommen drückt man den Dekohebel und dreht den Motor vorsichtig per Hand. Nicht beim Yanmar. Hier müssen wir die Einspritzdüsen komplett ausbauen. Natürlich auch alle Leitungen. Nun wird Emma geboren. Nachdem alle vier Zylinderöffnungen freigelegt sind, starten wir den Motor ohne „Zündung“, also ohne Diesel und in dicken Fontänen schießt das Salzwasser aus dem Motor. Erst in Flüssigkeit, dann als Dampf. Es sieht aus und hört sich an wie Jim Knopfs Lokomotive, die dicke Emma. Und ab sofort heißt unser Yanmar, die „Dicke Emma“. Nach ein paar Runden kommt nichts mehr. Bis zum Ölbad ist noch kein Wasser gekommen. Nun heißt es wieder zusammenbauen. Das geht schnell. Leider bricht eine der Rückflußschrauben beim Eindrehen ab und ich muss so ein 1,5mm bfreites Loch in eine Schraube bohren. Das ist extrem aufwendig und kostet uns weitere zwei Stunden Fluchen, Schimpfen und Kunst, sowie etwa 15 x 1,5mm Bohrer. Die hatten wir zufälliger Weise grade an Bord. Hatte Johann mal mitgebracht.

Der große Moment naht. Alles ist wieder zusammen gebaut. Nathalie startet den Motor. Als die Luft aus den Leitungen raus ist knallt es und der Zylinderkopf reisst in zwei Stücke… Ach Quatsch! Alles ist gut. Die dicke Emma läuft wie geschmiert. Puh! Glück gehabt Echt. Man lernt nie aus. But wenn am Mittwoch die neuen Impeller aus Nassau eintreffen. Bis dahin kann ich den Motorraum putzen!

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Manövertag

20140604

4. Tag auf See

Die MARLIN scheint ihren Rhythmus gefunden zu haben, brettert wie auf Schienen durch das atlantische Wasser. Dauerhaft zeigt die Logge knapp 8 Knoten an, der mitschiebende Strom macht noch gut einen Knoten mehr daraus. Das alles bei gerefftem Groß und voller Genua. Da macht es auch nichts, dass der Himmel bedeckt ist, ab und an ein paar Regentropfen vom Himmel fallen. Die Rauschefahrt macht einfach Spaß, auf der elektronischen Seekarte kann man förmlich zusehen, wie wir weiterkommen.

An Steuerbord taucht am frühen Vormittag das kleine Korallenatoll Mira por Vos (Pass auf Dich auf) auf. Ein paar Sandhaufen, ein paar Seevögel und Riffe. Normalerweise fahren wir an solchen Orten nie vorbei, doch jetzt liegt Georgetown, das Fahrtenseglermekka der Bahamas an, der Wind steht günstig, wir müssen Meilen machen, wenn wir vor dem Wochenende dort ankommen wollen. Bei dem Wetter kann man die Insel sowieso schlecht anlaufen, zu viele unkartographierte Korallenköpfe, die man besser mit der Sonne im Rücken durchfährt, vor allem ohne zuverlässige Maschine. Wir nehmen den Namen des Atolls lieber wörtlich und fahren einen großen Bogen. Fisch soll es hier geben, Angel raus, bleibt aber leider leer, der Haken.

Vergnügt sitzen wir im Deckshaus beim Mittagessen, als plötzlich hinter uns eine schwarze Gewitterwand auftaucht. Ein tropischer Squall, kurz aber heftig. Wir haben Vollzeug stehen. „Ich glaube, wir sollten mal reffen!“ Ich reiße den Jungs ihre Suppenschüssel aus der Hand und drücke ihnen stattdessen die Schwimmwesten und Regenjacken in die Hand. Mittlerweile klappen die Manöver FAST immer prima. Zu dritt haben wir auch ohne Elektrowinsch schnell das Groß ins zweite Reff gebunden und die Genau eingerollt. Noch während wir die Reffleinen dicht holen, pfeifen Böen mit knapp 30 Knoten über die MARLIN hinweg und die Gewitterwolken schütten ihren Inhalt aus. Noch ein Reff ins Groß, wieder an den Mast, durch die schlagenden Segel versteht man kaum sein eigenes Wort, die Kommunikation auf die weite Distanz müssen wir noch üben.

Eine halbe Stunde später ist der Spuk vorbei, Wind weg, Regen weg. Zeit sich dem Impeller zu widmen. Bei nun endgültig abgekühlten Motor baut Micha ein zweites Mal den Impeller aus, leider bestätigt sich der Verdacht, dass das gute Stück wirklich kaputt ist. Eine Resthoffnung war vorher geblieben. Es bleibt also beim Ziel Georgetown. In Nassau sitzt der Yanmar Händler, aber der Weg nach Nassau ist ein umwegiger, wir hoffen einfach mal, dass es auch dort einen Schiffausrüster gibt.

Mayas neunter Geburtstag auf See

20140603

Wie die Jahre verrinnen.

Geburtstag auf See haben Micha und ich schon einige Male gefeiert. Heute ist Maya dran. Nach der rumpeligen, zerkreuzten Nacht mit Maschinenproblemen ist die Stimmung nicht gerade der Knaller, aber wir geben unser bestes Maya trotzdem ein vernünftiges Fest zu bescheren. Um fünf wird es hell, Zeit den Tag zu beginnen, meint die Neunjährige, die sonst immer gerne bis 8 in den Federn bleibt. Also los, Ständchen singen, das erste Geschenk, Lieblingsbrot und Kakao ins Deckshaus. Der traditionell gedeckte Frühstückstisch fällt aufgrund von Schräglage und häufiger Wenden aus, dafür werden die Geschenke einfach mit Luftballons an die Handläufe gebunden und baumeln von der Decke.

Während Maya Bücher, Gutscheine und Bastelzeug auspackt liegt an Backbord keine drei Seemeilen entfernt immer noch Kuba. Wir sind im Eingang der Windward Passage, hinter dem Leuchtturm wartet endlich der Atlantik, doch so ganz scheint die MARLIN nicht hinzuwollen. Eine Wende nach der anderen fahren wir, seit 24 Stunden schon, um dieses blöde Kap endlich zu umrunden und hinter uns zu lassen. Letztes Etmal 60 Seemeilen, auf der Logge stehen gut doppelt so viele Meilen. Nachdem wir uns gegen den Ost nach Ost gekämpft haben, steht der Wind in der Passage, die nach Norden offen ist, natürlich aus Nordost. Wieder Wenden. Maya rollt mit den Augen, schleppt ihre Geschenke bei jeder Wende auf die andere Seite.

Am frühen Nachmittag ist es endlich geschafft, der Leuchtturm liegt querab und der Atlantik vor uns. „Das Wasser ist direkt blauer, oder?“ Es gibt Tortilla, laute Musik, ein Mittagsschläfchen für den Skipper und dann endlich die richtige Geburtstagsparty. Mit Gesichterschminken, Schokoladenessen und Personenraten. Kindergeburtstag auf See eben. Die MARLIN springt in der Zeit auf irgendeinen Zug auf. Der Wind hat etwas nach Osten gedreht, Strömung zieht gut einen Knoten mit. Bei 10 Knoten Halbwind macht die MARLIN unter ordentlich gereffter Garderobe 7,5 Knoten. „Jetzt überqueren wir endlich richtig den Atlantik, bisher hat sich das gar nicht so angefühlt!“ stellt Maya fest. Recht hat sie.

Trotzdem liebäugeln die Skipper mit dem ein oder anderen Hafen auf den Bahamas wegen des Impellers. Die Einfahrt zu den Bermudas ist nicht gerade kurz und einfach. Das Provisorium funktioniert zwar, aber ohne Garantie. Nun wälzen wir die Handbücher und Karten auf der Suche nach einer risikoarmen Hafeneinfahrt. Kurs Long Island auf den Bahamas liegt an. Da kommen wir eh quasi vorbei. Wo es Marinas gibt, sollte man auch einen neuen Impeller finden können.

MARLIN Pechsträhne hört nicht auf.

20140602

Maschinenprobleme

“Piep! Piep! Piep! Piep!“ O.K. Das Problem kenne ich. Motor sofort aus. Überhitzung. Dafür gibt es nur einen Grund. Fehlendes Kühlwasser. Hmm. „Das ist bestimmt der Impeller. Dafür habe ich Ersatz!“ Den Ersatz finde ich auch direkt, aber dann beginnt ein Fahrradkettengeschichte. Hätte-Hätte-Fahrradkette. Davon ausgehend das es sich um normalen Verschleiß handelt, immerhin ist der Impeller schon ein Jahr im Einsatz, ersetze ich den am YANMAR L4AH. Ganz schon heiß so eine Maschine. Zwischenzeitlich treibt die MARLIN und das normale Leben geht weiter. Ich kratze mir den Finger an einer Schlauchschelle auf. „An der habe ich mich vor einem Jahr schon mal aufgekratzt!“ Eine Stunde später läuft der Yanmar wieder. Alles schein gut zu sein. “Piep! Piep! Piep! Piep!“ entsetzte Gesichter auf der MARLIN. Wir motoren seit einer halben Stunde gegenan. Der Impeller ist wieder kaputt. Vermute ich mal. Den überhitzten Motor packe ich nicht an. Falsch einbauen kann man den eigentlich nicht. Noch nicht mal ich ;-))) Also habe ich wohl das Problem beseitigt aber die Ursache nicht. Ich ziehe den Schlauch vom zentralen Wassereingang und stochere den Eingang von innen auf. Seepocken. Das hat Tortuga, der den Unterwasserbauch der MARLIN sauber gemacht hat vergessen zu reinigen. Egal. Das war wohl das Problem. Zu wenig Wasser und beide Impeller sind heiß gelaufen und haben sich aufgelöst. Nur dumm, dass ich keinen weiteren Impeller habe. Da gehen wir Morgen in den Laden um die Ecke und kaufen einen neuen. Doch weit gefehlt. Wir sind underway. Jetzt wegen dem Impeller nach Jamaica zurück? Mir dampft der Kopf. Den Motor brauchen wir. Kurzum nehme ich den Schlauch vom Yanmar und verbinde ihn mit dem Ausgang der nie genutzten Deckswaschpumpe. Ob der Druck und die Leistung reicht? Eine Stunde später wissen wir mehr. Es funktioniert. Die Kühlung reicht um mit dem Motor und 1.600 laufen zu lassen. Mit dem Infrarotthermometer messe ich die Hitze nach. 82° Kühlwasser. Das ist genau wie normal. Und wenn die Pumpe nicht durchhält, haben wir noch andere an Bord. Ob das endlich das Ende der Pechsträhne ist? Eine Stunde später kommt nächtlicher Landwind auf und WIR KÖNNEN SEGELN. Wir entscheiden mit der provisorischen Lösung auf die Azoren zu segeln. Wozu brauchen wir einen Motor? Wir sind ein Segelboot. Hat irgendjemand eine Idee zur Seewasserpumpe? Impeller auf die MARLIN beamen?

Kuba querab

20140601

1. Tag auf See

Die Fahrt beginnt holperig. Wie immer empfängt uns am Flughafen Montego Bay der Kanal zwischen Kuba und Jamaica mit ordentlich Wind und Welle, Kapeffekt mit Kreuzseen. Ganz was feines. Und wer im Eifer der Abfahrt in der Dämmerung vergisst, die Luken richtig dicht zu schließen, wird mit nassen Betten belohnt. Anfängerfehler, wissen wir. Eine Stunde krieche ich mit nassem Lappen durch das Schiff. Das Säubern der Toilette, die gerne mal bei Backbordlage überläuft bringt auch mein Fass zum Überlaufen. Mir ist kotzübel und angesichts der dreistelligen Meilenzahl vor uns, streiche ich die Segel und lege mich ins Bett.

Vier Stunden später wache ich auf und der Spuk ist vorbei. Seegang normal, Kurs hoch am Wind mit guter Ostkomponente, sternenklarer Himmel. Die Nacht vergeht friedlich. Ein richtiger Wachrhythmus stellt sich noch nicht ein, jeder steuert mal, wacht, schläft. Das neue Großsegel steht perfekt und treibt die MARLIN durch die Nacht.

Am Vormittag taucht die Südküste Kubas aus den Wolken auf. Wir sind weiter östlich, als wir gehofft hatten, dennoch fehlen weitere 160 Seemeilen, bis wir durch die Winward Paddage in den Atlantik hinaussegeln können. 160 lange Meilen, auf der Kreuz werden das schnell 300, oder wir motoren. In der Hoffnung auf ein bisschen Landwind am Abend nähern wir uns auf 5 Meilen der kubanischen Küste. Die Berge der Sierra Maestre leuchten grün im Abendlicht. Die Kinder sind traurig, irgendwie da zwischen in dem Grün liegen Santiago und Cayo Granma mit unseren Freunden. Anhalten geht nicht, zu teuer, zu aufwändig. Der Wind nimmt uns die Entscheidung der Kreuz ab, er schläft ein. Schlüssel gedreht, 1600 Touren, Waschmaschine an um die versalzenen Laken zu waschen, heißes Wasser um das Geschirr zu spülen. Eine Stunde später ist die MARLIN wieder vorzeigbar, die neuen Boxen im Cockpit geben ihr bestes. Das Dieselpöttern wird uns wohl die ganze Nacht begleiten.

Startschuss

20140531

4621 Seemeilen bis Flensburg

Zweitägige Stille im Logbuch, das bedeutet nicht etwas, dass wir an einem weißen Strand sitzen und Kokosnüsse trinken, sondern dass wir rund um die Uhr mit der Vorbereitung der Atlantiküberquerung beschäftigt waren. Nach ausgiebigen und gründlichen Kontrollen hat Chefrigger Pieter uns endlich das OK zur Weiterfahrt gegeben. In festem Glauben an dieses positive Ergebnis liefen derweil die letzten Erledigungen.

Die beste Zeit auf dem jamaikanischen Markt einzukaufen ist Samstagsmorgens. Morgens heißt vor acht. Machen wir, allerdings fehlt das Bargeld und die Jagd nach dem Cash nimmt fast kubanische Ausmaße an. Die Bankautomaten funktionieren nicht, sind leer oder gar nicht erst für ausländische Kreditkarten zugelassen. Im zehnten Anlauf rattert die Maschine endlich und wir verteilen unsere Dollars auf den Marktständen. 10 kg Kartoffeln, 8 Kilo Möhren, eine grüne Bananenstaude, 5 suppengroße Kürbisse, 3 feste Kohlköpfe, 5 Kilo Gurken, zwei Wassermelonen, 4 grüne Ananas, 4 Paletten Eier, frisch gelegt. Und so weiter. Am letzten Stand können wir zu unserer großen Freude vier von den praktischen Saftkisten, die jeder hat und keiner verkauft, erwerben um das ganze Zeug auch irgendwie zwischen Lagen von Zeitungspapier zu verstauen. Ja, in Patagonien, da war die Bilge ein Kühlschrank, die Lagerung kein Problem. Der Blick auf die Wassertemperaturkarte zeigt hier eher Niedergarmethodenniveau, 30 Grad.

Wir schleppen unseren Kram an Bord, die drei Leichtmatrosen haben derweil Deck und Cockpit geschrubbt. Wasser auffüllen, Segelkontrolle, Dinghi, Fender verstauen, die letzten Karten runterladen, noch mal eben zu Hause anrufen und ein letztes Mal auf die Wetterkarten im Internet gucken. Noch mal eben den Rigger zum Flughafen fahren und mit vielen Dankeschöns für seinen Einsatz verabschieden, in letzter Minute Gummistiefel gegen nasse Füße im Baumarkt und einen Notwasserkanister fürs Deck besorgen.

Um halb sechs sind wir durch und können die Immigration bestellen. Ein netter Beamter klariert uns aus, macht Witzchen, nimmt seinen Job locker und wünscht uns eine gute Fahrt ohne Probleme. Soviel Herzlichkeit sind wir von den Behörden hier gar nicht gewohnt. Und da kommt er doch noch, der Abschiedsschmerz, von dem ich gestern noch so großspurig behauptet habe, dass der hier in Jamaica sicher nicht auftaucht. Vom Dockmaster bis zur Dame aus dem Büro schütteln wir noch ein paar Hände, dann kann es losgehen. Keine anderen Fahrtensegler sind in der Nähe, um das Horn zu blasen, keine Wetterfensteraufregung oder Aufbruchstimmung. Wir sind die letzten hier im Montego Bay Yacht Club. Waren die letzten, denn jetzt liegt die letzte Fahrwassertonne achteraus und knapp 2800 Seemeilen Luftlinie zu den Azoren vor uns.

Skipper can smile again

20140529

The Rigger is on MARLIN

Das ist Pieter von HALL SPARES. Gestern eingeflogen aus Holland. Heute Morgen direkt in den Mast. Neue Babywanten und neue CNC gefräste Aufnahmen bringt Pieter mit im Reisegepäck. Weiß der Himmel, wie er die am Zoll vorbeibekommen hat. Auf jeden Fall ist es für mich eine vollkommen neue Erfahrung unten zu stehen und Kommandos entgegenzunehmen. „Sechser und Zwölfer Bohrer.“ Eimer runter, Micha in die Werkstatt und wieder Eimer hoch. Normalerweise bin ich derjenige, der die „Kunden“ am Projekt Boot aktiv teilnehmen lässt. Jetzt tut das Pieter mit mir.

Die Tongs, die Aufnahmen der Wanten am Mast waren ja bekanntlich an backbord ausgebrochen. Ursache weiterhin unbekannt. Die neuen sind erheblich größer und stabiler und nach mal mit einen Deckplatte verstärkt. Die Frage ob ich die Dinger nicht auch selber hätte einsetzen können. Ja, bestimmt. Aber Pieter macht so was täglich und das definiert den Profi. Mir wären bestimm zwei Gewindeschneider abgebrochen. Drei Tage hätte ich mindestens gebraucht. Mit gleichem Ergebnis? Pieter bricht auch ein Gewindeschneider ab, aber erst beim letzten Loch und er kann ihn an der anderen Seite rausdrehen. Mittags, fängt es an wie gewohnt aus Eimern zu schütten. Pieter bleibt weiterhin energisch an der Arbeit. Sein Tagesziel sind die neuen Wanten vor Feierabend gesetzt zu haben. Dieses Ziel erreicht er auch. Punkt fünf steht der Mast der MARLIN wieder grade und der Skipper lacht wieder nach Tagen des Schweigens. „Well Done!“, lobe ich Pieter.

20140529a

Ob wir nun den Atlantik entern dürfen ist damit allerdings noch nicht geklärt. Morgen wird Pieter noch mal ins Rigg der MARLIN gehen und sich alles ganz genau anschauen. Bleibt nur zu hoffen dass alles gut ist und wir am Wochenende wieder auf See sind. Drei Wochen Aufenthalt wegen Mastschaden reicht so langsam.