Archiv der Kategorie: SY Marlin

Ade, Tropen!

20140626

kalte Füße

Micha hat Recht gehabt, mit jeder Nacht spüren wir es mehr, dass wir die Tropen verlassen haben. Immer häufiger kommen lange Ärmel und Hosen zum Einsatz. Lena hat sich ihre Hausschuhe aus dem hinterletzten Winkel raussuchen lassen. Hüttenschuhe mit kurzen Hosen, lustige Kombination. „Wenn ich doch kalte Füße habe, Mama!“ Recht hat sie. In meiner Nachtwache, als keiner geguckt hat, habe ich meine alten Schluppen dann auch gleich rausgekramt, muss ich mir noch überlegen, ob ich die verstecke, bevor die anderen wach werden. Wind hatten wir trotz Hoch den ganzen Tag, stetig mit 6 Knoten aus Nord. Am Horizont sehen wir die Front wegziehen, hinter uns kommt Stück für Stück der glasklare, blaue Himmel näher. Der Wind ist kalt und riecht ein bisschen nach Grönland. Schön ist das. Auf einmal setzt man sich wieder freiwillig in die Sonne und genießt die wärmenden Strahlen, anstatt von einem Schattenfleckchen in das nächste zu hetzen. Gegen Abend schläft der Wind tatsächlich ein. Zeit, sich mal wieder ein bisschen um die dicke Emma zu kümmern, Die hat nämlich am Vorabend wieder geschrien, als Micha sie auf dreitausend Touren gescheucht hat, um mal kräftig durchzupusten. Qualm aus dem Motorraum, klarer Fall von Überhitzung. Schon wieder ein Impeller durch? Der Verdacht lag nahe und die Frage nach der Ursache auf der Hand. Um uns vor voreiligen Schlussfolgerungen und Aktionen zu retten, habe ich der Crew kurzerhand eine Flasche Rotwein spendiert. Da hat sogar der Skipper die Motorraumklappe wieder zugemacht. Als Proviantmeister hat man ja immer ein paar Tricks auf Lager. Dicke Emma zieht irgendwo Luft, das ist unsere Vermutung. Wir haben ein zentrales Seewasserventil und über einen Mannifolder wird der Zufluß weitergeleitet. Deckswaschpumpe, Toilettenspülung, Generator, Motor, Wassermacher, ganz schön viele Abgänge. Irgendwo da muss ein Leck sein, dass Wasser raus und Luft rein lässt. Gefunden haben wir es noch nicht, dafür läuft die Emma wieder wie geschmiert. Der Impeller war noch nicht hinüber, Temperatur ist bei 1800 Touren wieder im Lot, keine Mängel festzustellen. Die 48 Stunden Regel hat sich mal wieder bewährt. Trotzdem denken wir darüber nach, beim nächsten Werftaufenthalt der Emma einen privaten, ganz eigenen Seewasserzulauf zu schenken, damit ihr nicht die Toilettenspülung das Wasser abgräbt. Ich finde, das hat sie verdient. Letztes Etmal 111 Seemeilen und ein Dankeschön an Joern für seinen Autorenbeitrag!

Umwege

20140625

Was uns nur hart macht

Das Windsystem mit de Südwestwind 20 Knoten ist uns leider weggefahren. Ohne uns mitzunehmen. Es steht jetzt im Osten von uns und wir liegen dahinter. Der Himmel reißt auf. Sternklare Nacht. Ein neues Hoch Richtung Neufundland bringt uns Nordwind. Ach wie nett. Das is ja genau, was wir im Moment gebrauchen können ;-) Dazu eisekalt mit 22 Grad. Auch die Wassertemperatur stürzt ins unermessliche. Es macht mir den Eindruck, dass wir die Tropen verlassen haben. Auch die Subtropen sollten langsam südlich von uns liegen.

Julian ist grade mal nicht am Heck und hütet die Angeln, da nutzen Nathalie und ich spontan die Möglichkeit auch mal einen Fisch zu fangen. Huch. Wieder eine Dorade. Nicht ganz so groß wie das Monster letztens, aber immerhin, genug um ein paar Tage über die Runden zu kommen. Und das so weit nördlich. Eigentlich ist es Nathalies Fisch, behauptet sie, weil Sie den Zug an der Rute zuerst bemerkt haben will. Ich durfte ihn dann vorsichtig aus dem Wasser ziehen, mit der Harpune erledigen, ausnehmen und filetieren. Ich stinke nun wie Verleihnix in Asterix! Und Frau Chefköchin steht in der Küche und macht feine Gerichte. … Wenn Sie nicht grade über den Schreiner schimpft, der die MARLIN Küche gebaut hat. Ganz meine Meinung. Da muss dringend was gemacht werden. Deshalb kommt ja auch Silvia auf den Azoren an Bord und segelt den weiteren Trip mit uns. Hmm. Wir könnten noch einen Segelmacher gebrauchen ;-)

Die Mädchen, also Maya und Lena nehmen zwischenzeitlich Kontakt mit ihrer neuen Schule in Flensburg via e-mail über Kurzwelle auf und fangen an ihre Zukunft in die Hand zu nehmen. Maya soll direkt nach der Einschulung mit auf Klassenfahrt, was Sie natürlich sehr beschäftigt, denn sie hat ja noch gar keine Freundin in der neuen Klasse. „Wird schon Maya“, tröste ich Sie. „Was macht ihr denn auf der Klassenfahrt?“ „Ein Percussion Workshop in Kiel.“ „Aha!“ Lenas neue Lehrerin fragt über e-mail schon mal nach ob sie denn schon lesen kann. Lena ist fast beleidigt, nimmt sich ein englischen Buch und liest mich in den Mittagsschlaf nach der köstlichen Fischsuppe und Doraden Curry mit Karotten. Karotten gibt es jetzt jeden Tag. Dorade mit Karotte, Karotte mit Goldmakrele, Thunfisch mit Karotten Ragout, Karottensalat, geschnitzte Karotten und dann wieder Karotte mit Dorade. Uns ist so langsam das Gemüse ausgegangen! Aber wir haben noch vier Cetroiles, Kürbisse! Also werden uns die Zähne wohl nicht ausfallen wegen Scorbut.

Mittwoch, also heute ist dann wieder Leichtwindsegeln angesagt. Wie bewege ich 28 Tonnen mit keinem Wind? Aber ich sach was: „Das können wir inzwischen.“

An der Tafel in der Küche steht: “Nur noch 3.468 Meilen bis nach Flensburg!“ Geht doch. Die Stimmung an Bord ist heiter bis sonnig!

Rolly Holly

20140624

Nächtliche Achterbahn – Eintritt frei

Wir kämpfen uns grade nach Nordost. Es war ein Scheißtag. Muss mal deutlich gesagt werden. Am Morgen diese Schwarze Front, die ganze Zeit 20+ Knoten Wind, hohe Kreuzseen, Regen und Chaos im Boot. Jeder ist genervt wegen der Wackelei. Aber eine sinnvolle Kursänderung ist nicht möglich. Wir laufen raumschots. Das Großsegel, was die MARLIN normalerweise so angenehm stabilisiert, nimmt der Genua den Wind weg. Also kein Groß. Ich würde es ja hochziehen. Aber jetzt? Mitten in der Nacht? Stockfinster, es regnet in Strömen. Wegen der Yacht ELUSIVE bin ich ehrlich gesagt stinksauer. Wenn man seine Yacht schon verlässt, dann soll man sie doch bitte auch wieder bergen! Jetzt schwimmt hier so nen undefinierbares Wrack rum, ohne Licht, ohne AIS. Wenn ich mir vorstelle, jetzt mitten in der Nacht auf so ein Teil mit 7 Knoten drauf zubrummen, weil ich es einfach nicht sehen kann? Was für ein Albtraum? Fast noch schlimmer als ein Container im Wasser. Gar nicht auszudenken was passieren würde. Ich kann doch nicht wie ein Motorschiff, die ganze Nacht mit Radar fahren. Ich mein, wir könnten das ja noch, aber das macht doch kein Segler! Oder spinne ich? Was denkt ihr? Borddurchlass auf, bevor man das Boot verlässt? Schreibt doch mal ins Gästebuch. Würde mich ernsthaft interessieren. Klar die Chance so ein Wrack in der Mitte zu treffen ist gering. Aber die Chance das überhaupt zu sehen, war auch gering. Und warum bin ich da hin gefahren. Siebter Sinn? Lässt mir alles keine Ruhe. Außerdem haben wir statt Fisch zu fangen wieder Köder verloren. Die Fische hier beißen die ein Millimeter Stahlseile vor den Ködern einfach durch. Unglaublich. Das müssen Monster sein. Ich gehe auf jeden Fall nicht baden, wenn morgen kein Wind mehr ist. Womit wir beim Thema sind. Das Wetter für die nächsten 24 Stunden. Schwachwind aus Nord oder kein Wind. Und wir mitten in der Kalt/Warm Front, die sich beständig über uns platziert hat. Da hilft auch kein Genacker, da hilft nur die dicke Emma. Aber noch haben wir bis zu 20 Knoten Wind und wir rollen wie besoffen. Zumindest meine Stimmung ist grade am Tiefpunkt. Beoffen könnte ich jetzt auch gebrauchen, zumindest nen bisschen. Aber wir trinken keinen Alkohol, wir rauchen keine Zigaretten. Watten Leben als Segler! Aber wenigstens kommen wir voran. 1.546 Meilen zu den Azoren, 150 Meilen Etmal

Yacht ELUSIVE gefunden

20140623a

Begegnung auf See

Nein, das ist kein Aprilscherz, heute Mittag, pünktlich zum Etmal, eine Front mit dicken grau-schwarzen Wolken und 22 Knoten Wind im Nacken erspäht Micha plötzlich ein Segelboot am Horizont. Keine Segel gesetzt, keine Reaktion auf Kanal 16. Wirkt fast wie ein Geisterschiff. „Mama, was ist denn der fliegende Holländer?“ „Das erkläre ich Dir, wenn wir angekommen sind.“ Albträume auf See ist das letzte was wir gebrauchen können. Auf dem Radar bestimmen wir die Entfernung zu unserem Geisterschiff und nehmen Kurs auf. Keine halbe Stunde später haben wir sie erreicht, die SY ELUSIVE aus New York. Das Schothorn der Genua ist zerfetzt, der Besanmast schlägt im Wind, doch sonst sieht alles in Ordnung aus. Die Schotten sind abgeschlossen, am Heck AB, Tauchflaschen, Kompressor gut verzurrt und festgemacht. Aber kein Lebenszeichen. Mit dem Nebelhorn geben wir ein paar Signale, doch weiterhin nichts zu hören, nichts zu sehen. Was nun? „Hey, Julian, das ist Dein Boot, Du kannst uns ja hinterhersegeln!“ frotzelt Micha und man weiß, ein bisschen Ernst steckt dahinter.

Im Vordergrund steht natürlich die Frage, wer und vor allem wo ist die Besatzung. Glücklicherweise haben wir unser Notfall-Sat-Phone an Bord, eingespeichert die Nummer der Seerettungsstelle Bremen. Denen berichten wir nun von der Yacht mit der Frage, was zu tun sei. Die U.S. Coast Guard wäre wohl der richtige Ansprechpartner gewesen, denn die rufen innerhalb von 10 Minuten zurück. Die ELUSIVE ist ein abgeschlossener Fall, um den 22. Mai wurde die dreiköpfige Besatzung abgeborgen und das Schiff aufgegeben, seither treibt sie unbemannt über den Atlantik. Weitere Maßnahmen sind weder geplant noch notwendig, meint der junge Mann am Telefon, er wird eine Hazard Warning rausgeben.

Da sitzen wir nun, keine 200 Meter von einer aufgegebenen Yacht entfernt. Mitnehmen? Im Schlepp kommt nicht in Frage nur selber segeln. Julian hat noch nicht genug Erfahrung, mich lassen die Kinder sicher nicht von Bord, den Papa eigentlich auch nicht und 1700 Meilen vor dem Bug sind mir auch ein bisschen zu viel, um sie nur mit Julians Hilfe zu segeln. Und was passiert dann, wenn wir ankommen? Einer muss ja die Marina zahlen, den Anwalt für die Formalitäten, Kontaktaufnahme mit Eignern, Versicherung, etc. Wir haben noch immer 22 Knoten Wind und eine See von 3-4 Metern, nicht gerade verlockend, bei den Bedingungen überzusteigen und die Yacht zu checken, ob sie überhaupt segelfähig wäre. Wir wissen ja nicht einmal, warum sie aufgegeben wurde. Zudem ist der Niedergang mit Vorhängeschloss abgeschlossen. Wäre das dann Einbruch? Maya möchte lieber einen Optimisten von Papa geschenkt haben und lehnt das großzügige Angebot einer 42 Fuß GFK Yacht ab. Es ist keine Ovni, keine Allures, keine HR sondern eine etwas in die Jahre gekommene amerikanische GFK Yacht, an der anscheinend noch nicht einmal mehr der Eigner und die Versicherung Interesse haben. Wir gucken uns gegenseitig an und nehmen wieder Kurs Ost auf, die zwei Masten verschwinden schon nach 10 Minuten in der schlechten Sicht der Kaltfront. Liebe Leser, neugierig sind wir natürlich doch ob der Umstände der Aufgabe der Yacht. Ich erinnere mich dunkel, etwas gelesen zu haben, der Name ELUSIVE kam mir sofort bekannt vor. Infos bitte wie immer ins Gästebuch. Es sei gedankt!

Raum und Zeit

20140623

Bermudas querab

Früher gab es ein Musiksendung auf 1live im Radio, Sonntags um 23 Uhr. Raum und Zeit. Sphärische, elektronische Musik zum Wochenausklang. So ähnlich fühlen wir uns heute auf der MARLIN. Zeit und Raum, zwei Begriffe, die auf See irgendwann unwichtig werden und verschwimmen. Der Raum ist eh nur die See, die zwar jeden Tag anders aussieht, aber dennoch bleibt. Mal grau, mal blau, mal ruhig, mal bewegt, aber eben die See, kein Land, kein fester Punkt am Horizont.

Die Zeit ist auch weg. Heute Morgen sind die Jungs erst um 10 aus ihren Betten gestiegen, Frühstück gab es um 11, Mittagessen um 17 Uhr. Doch auch die Zeitangaben stimmen längst nicht mehr, wir sind längst in einer anderen Zeitzone, aber wen stört es? Die Tage werden länger, die Nächte kürzer, rasant schnell, der Körper weiß nicht, woran er sich halten soll. Nur die Wachzeiten, die kennt er mittlerweile und fordert die Freiwachen mit massiver Müdigkeit ein. Lena ist auch verloren in Zeit und Raum und hatte heute einen Bootskoller mit Tränchen. Nur gut, dass solche Stimmungen bei Kindern nie lange anhalten. Alles läuft gut, den ganzen Tag allerfeinstes Vollzeugsegeln mit blauem Himmel und 7 Knoten Fahrt, ein Fisch an der Angel im Morgengrauen, der leider mitsamt Köder in die Tiefe verschwunden ist, ein weiterer Fisch zum Abend, dem wir jedoch die Freiheit geschenkt haben. Eine 40 cm lange Dorade reicht nicht aus, um eine Mahlzeit für die gesamte Familie zu kochen, soll sie lieber noch ein bisschen wachsen. Stattdessen gibt es die letzten Rest vom Thuna, Tortilla von Micha und mein erstes richtig gelungenes französisches Landbrot. Die drei Wochen intensiver Recherche und Übungen zum Thema Backen während wir auf unser Rigg gewartet haben, haben sich gelohnt. Die Zubereitung zieht sich zwar über drei Tage hin, aber was macht das schon, wenn man eh keinen Termin hat.

Zum Abend wurden aus den 12-14 Knoten Wind dann 16, in Böen bis 18. Die MARLIN luvt an, giert und rennt aus dem Ruder. Reffen stößt auf allgemeine Zustimmung. Erstes Reff, keine Änderung, zweites Reff, keine wirkliche Änderung. Da besinnen wir uns auf alte Ladyzeiten. „Mensch, mit der Lady sind wir bei 18 Knoten Wind von hinten auch nur noch mit der Genua gefahren!“ So sehr haben wir uns daran gewöhnt mit unserem Groß zu segeln, dass wir die einfachste Variante für die Nacht fast vergessen hätten. Also Groß runter, Genua raus. Immer noch fast 7 Knoten, aber keine Luvgierigkeit. Dafür wackeln wir nun. Es klappert in den Schränken, klack, klack, klack. Auf dem Navstuhl kann ich mich nur mit größter Körperspannung halten, da ich meine Hände ja zu Tippen brauchen und die Koje muss mit tausend Kissen ausgestopft werden, um nicht hin und her geschleudert zu werden. Zeit für einen Kaffee , Akrobatik am Herd am Morgen.

Socken raus!

20140622

Bermudas voraus.

Ne, wir laufen die Bermudas nicht an. Gestern den Genacker getrocknet und verstaut. Der muss zu einem fleißigen Segelmacher. So weit ich das sehe, ist der zu reparieren, aber am besten in Thailand. Na, da wird der Transport wahrscheinlich zu teuer sein. Mal schauen. Weiß jemand ob es auf den Azoren einen Segelmacher gibt? Uns MARLIN läuft auch ohne Genacker durch die Nacht. Der gebrochene Schäkel ist nicht aufgetaucht. So was.

Rein aus Spaß hab ich schon mal die langen Sportsocken in der Schublade gesucht und nach oben gelegt. Ebenfalls aus Spaß verbinde ich mich schon mal mit der Sailmail Station in Belgien. Das klappt 1a Nachts auf 16 und 20 Mhz. Na dann, kann es ja nicht mehr so weit sein. Azoren liegen an: 1976 Meilen oder so.

Heute dann steht die Montage des Furuno Plotters an. NavNet steht darauf. Allerdings schon etwas älter. Bisher schlief das Ding seinen Dornröschenschlaf unter Lenas Koje in Handtüchern verpackt. Jetzt steht es im Pilothaus, wie ein Fernseher. Warum? Nun, das Ding funktioniert mit GPS Daten und der 24NM Radarschüssel auf dem Heckständer. Und mit kürzerer Distanz zur Flensburger neuen Heimat, macht es mehr Sinn das einsatzbereit zu haben. Ich drücke den „Ein Knopf“ und die blinde Kuh lebt! Sogar AIS könnte man anschließen und einen Schacht für SD Navionicskarten hat es auch. Uns reicht die eingebaute Übersichtskarte. Auf dem Bordrechner ist alles drei- und vierfach vorhanden. Versegeln werden wir uns wohl nicht. Ein Frachter kommt voraus durch und wir spielen den Ernstfall. Frachter in Sicht bei dickem Nebel. Allerdings auch auf AIS von Vesper Marine und das zu einem zehntel des Energieverbrauchs. Elektronik aufm Boot ist alt, wenn der Hersteller sie als Messeneuheit vorstellt! Nicht so PACTOR. Mein Freund Martin hat wohl seine Rente zusammen. Der fährt lieber mit dem Motorrad über die hessischen Berge als zu arbeite. Sein Urlaub sei ihm gegönnt. Keine Modems für die nächsten drei Wochen ;-) Aber mal ernst, wir brauchen den RADAR-Schirm vor allen Dingen um in Squalls, also Regengewitter reinzuschauen um zu sehen, ob es sich lohnt die Gummistiefel rauszuholen. Das geht nämlich prima und man sieht wo es regnet. Den Plotter ständig mitlaufen lassen werden wir wohl nicht. Das tut bei uns der Bordrechner, der MiniMAC läuft 24/7 und ich bin sehr zufrieden über den geringen Stromverbrauch. Überhaupt ist die Energiebilanz mit nur 400 Watt Solar Panel und SuperWind Windgenerator sehr erfreulich. Der Generator kommt zur Batterieladung eigentlich nur alle drei- bis vier Tage zum Einsatz um Wasser zu machen. Das geht bei uns nur mit Fossilen Brennstoffen. Dann aber flott mit 120L die Stunde. Hier wird geduscht, wenn geduscht werden will.

Den Atlantiktörn hatten wir uns insgesamt eher etwas flotter vorgestellt mit einer 60 Fuß Yacht. MARLIN macht das alles sehr gut ohne viel Rumwackelei. Am Wind auch sehr überzeugend flott. Auch bei lauem Lüftchen. Doch wenn es dann von hinten leicht weht, da kommen die 28 Tonnen dann doch ordentlich zur Geltung. Zum Beispiel jetzt. Acht Knoten wahrer Wind raumschots mit Groß ausgestellt, Genua ausgebaut. 135 Grad zum Wind, rappelt nix. Immerhin noch 5 Knoten durchs Wasser, ein halber Knoten Strömung schiebt noch mit. „Also Wnuk, was regste Dich auf?“ Willst schneller als der Wind, musste Dir nen Flieger kaufen. Auf jeden Fall sieht es für die nächsten Tage etwas flotter aus. Da könnte schon mal 20 Knoten drin sein. Wir werden berichten.

Was bin ich?

20140621

Wer fragt sich das nicht manchmal?

Der Verlust des Genackers liegt mir noch schwer auf dem Magen. Natürlich mache ich mir Vorwürfe. Mal abgesehen vom Unglück kostet so ein neues Teil ja auch nicht unbedingt wenig Geld. Ich habe direkt Sven, von Rolly Tasker Sails ein e-mail geschrieben, um herauszufinden, bis zu welchem Preis sich eine Reparatur eigentlich lohnt. Und „Bumm“ da reißt heute Mittag die Flaschenzugkonstruktion des Baumniederholers aus Dyneema. Also das Dyneema reißt. Jetzt nicht grade so schlimm wie der Genacker, aber eben doch wieder was. Grund: Verschleiß. Ermüdung. In Flensburg müssen wir dann doch mal ein bisschen was erneuern an Deck. Zumindest von den tragenden Teilen. Und. Und. Und.

Wir fahren jetzt die Genau ausgebaumt und das Groß ebenfalls fast vor den Wanten. Natürlich mit Bullenstander. Julian, macht nicht nur gute Fotos, s.o., sondern hat nach einer Woche die Basics und Meer an Bord verstanden. Heute hat er Zentimeter, für Zentimeter mit einem Thunfisch gekämpft um diesen an Bord zu bekommen. Immerhin acht Kilo. Dann habe ich ihm gezeigt wie man das Filet aus dem Fischleib trennt. Die Reste haben wir an die Haie unter uns verfüttert. Aber auch an Deck macht sich Julian gut. Versteht schnell und erledigt seine Aufgaben präzise und eigenständig. Maya und Lena erkennen die Konkurrenz und kommen auch mehr raus, fangen an zu winschen und zu machen. Das geht schneller als gedacht. Mir geht es gut meine Kinder an Bord zu haben. Könnte es schöner sein? Ja. Auf den Azoren kommt Lukas, mein zweiter Sohn noch dazu, um mit nach Flensburg zu segeln. Dann ist das Vaterglück komplett. Die Zeit werde ich dann komplett recorden.

Die andere Seite

Schön mit den Kindern an Bord, denke ich mir grade auf der anderen Seite. Am Wochenende mal segeln gehen auf der Flensburger Förde. Abends wieder in der Marina und ein Bier mit Freunden. Hier sieht das grade anders aus. Einhand wäre ja auch nicht schlecht. Da setzte ich mein Leben aufs Spiel. „Na und!“ Mit all meinen Kindern und meiner Frau 8.000 km übers Meer zu fahren sieht das dann doch etwas anders aus. Da fährt nen dicker Batzen an Verantwortung mit. Darf man nicht vergessen. Ist nicht zu unterschätzen. Das gibt graue Haare!

Hinter uns ist eine Kaltfront noch ist nicht ganz klar wann die uns besuchen kommen wird, also nassregnet. Zu den üblichen Grib Files nutzen wir auf dem Nordatlanik Bodendruckkarte, 48 Stunden Vorhersage und Satellitenbild. Interessiert Dich das? Schaust Du hier:

http://www.ssd.noaa.gov/goes/east/natl/ir4.jpg

http://weather.noaa.gov/pub/fax/QDTM10.TIF

http://weather.noaa.gov/pub/fax/PYEA11.TIF

Diese Daten bekommen wir über das Winlink System und Saildocs. Die Daten sind optimiert um die mit Kurzwelle und PACTOR zu empfangen. Wer noch nicht weiß, wie es geht, mehr wissen will und mich noch nicht bereits kennt, der schaut hier: www.lunatronic.net

Nicht so mein Tag gewesen der Freitag. So sitze ich auf dem Deckshaus und schaue aufs Meer. Hab ja noch nen bisschen Zeit das zu tun. Bevor man losfährt, zu einem solchen Trip ist man immer schrecklich nervös und wenn man die erste Woche hinter sich hat, dann wird man irgendwie ruhiger. Man hat sich gewöhnt an das Bordleben, an die Bewegung, das Wetter. Die Wellen sind doch nicht so hoch, wie man sie manchmal erwartete. Irgendwie wird man das schon schaffen. Und ganz langsam wird mir klar, dass ich es ja gar nicht eilig habe. Ganz im Gegenteil. Auch Maya und Lena, auch nicht Nathalie oder Julian. Wir alle genießen jeden Tag der Reise, lassen ihn passieren. Es ist nicht langweilig. War es noch nie. Es ist einfach wunderschön.

Gennaker zweigeteilt

20140620a

Pechsträhnen die Dritte

Und der Jürgen, der hat noch geschrieben: „Micha, mach Deinen Genacker nicht kaputt!“ Gestern Nacht, ich hatte grade nach einem netten QSO mit DJ9UE, meinem neuen Freund Rüdiger, das Mikrophon wieder an seinen Platz gehängt, da macht es: „Päng!“ Kennen wir ja schon. Sofort stehen Nathalie und Julian im Niedergang. „Was’n passiert?“ „Der Genacker ist am Bug ab!“ „Ja, soneneverdammterscheiß…!“ Ich denk noch: Gibt Schlimmeres! Den haben wir gleich wieder drin. Und lasse die Genackershot los. 12 Knoten Wind liegen aus raumshots an. 220qm (Wie groß ist Deine Wohnung?) Tuch fliegen nach backbord und machen einen Höllenlärm. Jetzt kommt der Fehler: „Komm wir holen den im Socken (Bergeschlauch) runter“ Bis wir die Handschuhe anhaben, sagen wir mal 5 Minuten, und vergeblich versucht haben den Socken runterzuziehen, hat der Wind und das fliegenden Bugshothorn schon sein Werk getan und den Genacker in zwei Teile gefetzt.

“Hätte, Hätte Fahrradkette…“ findet wieder Anwendung. Aber jetzt liegen die besagten 220qm Tuch im Wasser und wir müssen aufpassen, dass die sich nicht um den Kiel und Propeller wickeln. Mit sechs Händen geht das relativ schnell. In der Dunkelheit können wir nicht genau sehen, wie groß der Schaden ist. Aber eine Reparatur mit Bordmitteln fällt aus. Der ist hinüber. Ein Lieg ist komplett durchgerissen. Ob ein Segelmacher den hinbekommt? Wir werden sehen.

Das vordere Schothorn hatte ich mit einem soliden Tampen mit einen eingespleißtem Klappschäkel und einem Block angebracht. Tampen ist noch da. Den Klappschäkel hat es komplett zerfetzt, auch am Schothorn des Segels ist der auch nicht mehr. Aber das war kein „guter“. Tja. Hinterher, weißt Du immer mehr. Das Großfall habe ich zusätzlich zu dem Klappschäkel aus Titan, mit einem soliden Bändsel gesichert. Warum hatte ich das hier nicht auch gemacht. Oder einfach einen Palstek Knoten?

Man lernt ja nicht aus. Ich hätte das Spifall lösen sollen und mit der Leine des Bergeschlauchs das Tuch vom Mast runter ziehen sollen. Dann wären wir jetzt noch zwei Knoten schneller. Nächste Mal weiß ich Bescheid.

“Das war ein kurzer und teurer Spaß!“, meint Nathalie. Wo sie Recht hat, hat sie Recht. Dann schauen wir mal, das nicht noch mehr kaputt geht.

Gennakersegeln

20140621

langsam, aber stetig

Unsere Autobahnauffahrt entpuppte sich leider eher als Einfahrt zur verkehrsberuhigten Zone, sind wir wohl irgendwo falsch abgebogen. Kaum lag Micha im Bett, ist auch der Wind schlafen gegangen. Ich weiß nicht mit welchen Tricks oder Gebeten er die 9 Knoten Wind erzeugt hat, ich konnte es auf jeden Fall nicht. Ein paar Stunden also wieder dümpeln, treiben, doch als das GPS auf einmal anzeigte, dass wir aufgrund einer südsetzenden Strömung rückwärts treiben, haben wir wieder den magischen Schlüssel gedreht und Emma ne Runde tuckern lassen.

Dann wieder Wind. Gennaker setzen, vorderen Pol optimieren, Groß wegnehmen, dreimal kräftig pusten und schon stehen 220 qm knisterndes Tuch am Himmel. Schön. Sehr schön. Aber nicht schnell. Dazu reicht der Wind nicht aus. Von 6 Knoten achterlichem Wind bleibt eben kaum was übrig, was will man machen. „Laut Grib Files haben wir jetzt schon 10 Knoten Wind!“ Der Standardspruch des Tages. Leider existiert der Wind nur auf den Grib Files, wir machen mal 2, mal 3, auch mal kurzfristig 4 Knoten Fahrt unter Gennaker. Mehr ist nicht drin. Aber das Barometer fällt langsam, irgendwann müssen wir aus diesem Hochdruckzentrum rauskommen und die richtige Auffahrt finden. Vielleicht mal die Straßenkarte andersrum halten? Oder Brille aufsetzen?

Wir nehmen es gelassen, denn eigentlich geht es uns ja gut. Es gibt frische Doradenfischstäbchen, es wackelt nicht, alle haben viel Zeit füreinander, die Sonne scheint, es sind noch nicht alle Bücher gelesen und nicht alle Spiele gespielt. Trotzdem, bitte alle weiter kräftig pusten, damit wir ankommen, bevor die Backskisten leer sind. Etmal: magere 82,4 Seemeilen.

Inzwischen ist es Nacht. Ich bin wieder anne Wache. Ganz ohne Gebete: 10-14 Knoten Wind und dieses Ding da oben. Jetzt geht es ab. 7+. Cool. Bisschen schummrig is mir aber auch. Na ja. Ein Genua-Sheet los und es flattertet im Wind. Kurs Azoren liegt an.

The Windfinder

20140619

Auf die Autobahn aufgesegelt

Wir hatten noch mal ordentlich Durststrecke in den letzten 12 Stunden. Nathalie konnte am letzten Morgen noch gutes Leichtwindsegeln am Wind. Dann hat es sich ausgepustet und ab Nachmittag läuft die dicke Emma für gute 7 Stunden ohne technische Probleme. Die Wassertanks sind schnell mit herrlichen Marlin Wassermacherwasser gefüllt. Wir trinken was das Zeug hält. Das LunaBarometer steigt langsam auf 1023.1 bis die See bleiern ist. Wir sind mitten im Hochdruckkeil und nichts bewegt sich. Die See ist ein Spiegel, der Himmel gemalt und mit Zauberfeenstaub geht die Sonne unter, ein paar Tümmler ziehen neben uns durch die Saragossa See. Der Skipper ist ungeduldig und will endlich Wind. Doch der Mast der MARLIN bleibt senkrecht. Erst um 23 Uhr fällt das Barometer endlich wieder und ganz leicht kommt eine Brise aus SSE. Zwei Knoten, drei Knoten. Mal etwas mehr, wieder weniger. „Julian, komm das Main hoch. Jetzt!“ Ich stehe am Mast und lasse mein stattliches Gewicht fallen, nehme dabei das Großfall mit und Julian zieht nach. Langsam werden wir gut und schnell, Wenn nichts harkt, bekomme ich das Großsegel fast bis zum Top hoch. Heute harkt es und Julian kommt ins schwitzen, beim nachwinschen. Fünf Knoten Wind. Das Groß rausstellen, Bullenstander dran, Genua raus. Gibt es was Schöneres, als nach zwei Tagen Flaute den Wind wieder zu finden? Nein. Je nach Einfall des launigen Windes laufen wir mit 5-7 Knoten durch die Nacht. Der Mond ist aufgegangen und leuchtet uns den Weg. Nächste Abfahrt Bermudas 430 Meilen.

Etmal von Dienstag auf Mittwoch waren mal 120 Meilen. Keine Schäden.

Delfine zum Sonnenaufgang

Meine Morgenstunden

Nach ein paar Nächsten auf See hat sich der Wachrhythmus eingependelt. Julian übernimmt die Wache bis 12, unterstützt von Micha, der für den Fall des Falles im Deckshaus schläft, von 12 bis 3 ist Micha dran, ab drei beginnt mein Tag. Dafür gehe ich zwischen acht und neun mit den Kindern ins Bett und komme so zu meinen 6-7 Stunden Schlaf. Um drei Uhr morgens gehört dann die MARLIN mir und da vor 8 hier niemand freiwillig die Augen aufmacht, habe ich meine Ruhe. Am Anfang hab ich mich irgendwie durch die Stunden gequält, versucht wachzubleiben, doch seit ich die Wache mit frischem Kaffee und Frühstück beginne, fühlt es sich an wie Tagesanfang und die Müdigkeit bleibt aus. Halbmond und Sonnenaufgang helfen kräftig mit.

Mittlerweile werde ich von alleine um drei Uhr wach, schicke Micha in die Koje und setze mich mit meinem Laptop ins Deckshaus. Da war doch was, wollten wir nicht ein Buch schreiben? Genau. Wenn alle Morgenwachen so entspannt sind, wie im Moment, können wir die Deadline sicher einhalten.

Pünktlich zum Sonnenaufgang höre ich an der Bordwand ein leises Prusten. Drei große Delfine besuchen die MARLIN und lassen sich trotz der Schneckngeschwindigkeit von 3 Knoten zu Kunststückchen inspirieren. Immer wieder dreht sich der größte auf den Rücken, zeigt seinen weißen Bauch und lässt auffordernd die Schwanzflosse schlagen. Die Delfindame Estefanie im Ozeanarium auf den Rosarios hat das immer gemacht, um uns zum Spielen ins Wasser zu locken. Nee, keine Chance Freunde, hier schläft noch alles und wenn mir die MARLIN wegschwimmt, werden sie mich wohl nicht wiederfinden.

Mond und Micha da – Wind weg

20140618

Wir haben es fast geschafft in den Jet Stream

Passage Planing: Bisschen schwer zu erkennen, aber wir stehen 500 Meilen südöstlich der Bermudas. Die Grafik stellt die Winde für Freitag dar. Dann stehen wir ca. 100 Meilen nördlich der Bermudas und da ist dann die Auffahrt zur Autobahn. Bis dahin dürften wir ab Mittwoch Nachmittag erst mal leichten Rückenwind haben. Also ab heute. „Julian, da ziehen wir den Genacker wir in den Mast!“ Ach, der schläft schon.

20140618a

Unsere beiden Hübschen interessiert das wenig. Einer der letzten Tage oben ohne ist heute vergangen. Grade abends wird es inzwischen empfindlich kalt, was meint: 24 Grad. Macht denen aber auch nix. „Es gibt ja Decken. Und in Flensburg ist Hochsommer!“ Das Pilothaus ist ihr Platz um den Tag mit Schule, Spielen, Büchern und uns zu verbringen. Überhaupt spielt sich außer Essen und Schlafen eigentlich alles im Pilothaus ab.

Und wie geht es mir? Meine Wache fängt grade an. Der Wind schläft ein und heute tut mir mein Winscharm (Erweiterung eines Tennisarms) sauweh. Also weiß ich, dass er noch da ist. Das Rigg knarrt, die Segel schlagen noch manchmal, in 30 Minuten mehr und dann werde ich wohl wie gestern für zwei Stunden den Motor anmachen, bis dann um drei oder vier ein kleines Lüftchen um die Ecke kommt. Oder auch nicht. Auf jeden Fall hatten wir einen perfekten Am Wind Tag mit 20° Schräglage, immer sieben Knoten+, herrliches Wetter und blauer Himmel. Unvergessliches Segel. Kein Photo mit der Kamera, aber mit den Augen gemacht. Abgespeichert und für den ganz privaten Gebrauch einsortiert: Atlantiküberquerung 2014 Richtung Azoren, unvergessliche Momente.

Petra: Wie lange dauert denn so eine Atlantiküberquerung? Gut Frage. Also im Moment sind wir ja froh wenn wir so um die 100 Meilen Am Tag machen, weil wir wenig Wind haben und meist auf die Nase. Auf der Autobahn können wir das dann hoffentlich ausgleichen und einen insgesamten Durchschnitt von gefühlten 150 Meilen pro Tag machen. Also Bahamas – Flensburg, einen Monat reines Segeln.

Sazoo: An dieser Stelle noch mal lieben Dank noch mal für Deinen Link. Gut so?

Etmal von Montag auf Dienstag waren grade mal 82,1 Meilen. Sechs Motorstunden in den letzten vier Tagen.