Archiv der Kategorie: SY Marlin

Trauerfall in der alten Heimat


Trauerfall in der alten Heimat

Ortwin ist tot

Um Mitternacht prügel ich die Schleuder, unser Old Vehicle, über die mondbeschienenen Autobahnen Norddeutschlands zum Niederrhein. Ortwin’s Nachtschwester hat mich angerufen: „Sie sollten sich nicht viel Zeit lassen, wenn Sie ihren Vater noch lebend sehen wollen“ Klare Ansage. Der aufmerksame Leser hat es zwischen den Zeilen schon mitbekommen, dass mit unserem besten Leser unserer Internetseiten was nicht stimmt. Seit unserer Ankunft auf den Azoren spitzt sich die ganze Sache langsam aber sicher zu. Sicher. Klar, genau wie die Geburt, ist der Tod die natürlichste Sache der Welt. Mit dem Tod zurechtzukommen ist dabei wesentlich schwieriger, als mit einem neuen Leben.

Ich habe Ortwin noch rechtzeitig erreicht um vier Uhr an diesem nebeligen Morgen, hinter den alten Rheinarmen in Xanten, mit den Trauerweiden und den Kreuzen am Wegesrand, konnte ihm vor diesem letzten Schritt noch mal in den Arm nehmen. Er ist dann ohne Schmerzen eingeschlafen, als wenn er mich noch mal sehen wollte.

Ortwin war nicht nur eine große und autoritäre Erscheinung in seinem gesamten Leben, sondern auch einer unserer größten Helfer bei der Vollendung unserer Weltumsegelung. Hätte er mir nicht schon als Kind gezeigt, wie man abgebrochene Schrauben wieder rausbekommt, könnte ich heute vielleicht noch nicht einmal eine Bilgenpumpe wechseln. Hätte er mich nicht ohne Bedenken im zarten Alter von zehn Jahren alleine an die Kreissäge, die Flex und das Schweißgerät gelassen, hätte ich ständige Dauerbaustelle IRON LADY niemals um die Welt bekommen. Mit Ortwin habe ich als 14jähriger meine Amateurfunkprüfung gemacht, heute beruht ein großer Teil von Lunatronic, auf dem Wissen von damals. Seine väterliche Devise war immer: „Du musst machen was Du fühlst und für richtig befindest. Diese Entscheidungen kann Dir keiner abnehmen.“ Unser größter Wunsch war, dass er das letzte Stück durch den NOK und die Ostsee nach Flensburg mitsegelt. Da waren wir aber schon ein halbes Jahr zu spät. Ortwin ist nun schlussendlich von uns gegangen. Ich werde Ortwin weit mehr als vermissen.

Ich trinke mir heute Abend eine gute Flasche Wein auf meinen alten Herrn und jeder der ihn kennt und das liest, sollte das gleiche tun.

Trauerfall in der alten Heimat

Ortwin ist tot

Um Mitternacht prügel ich die Schleuder, unser Old Vehicle, über die mondbeschienenen Autobahnen Norddeutschlands zum Niederrhein. Ortwin’s Nachtschwester hat mich angerufen: „Sie sollten sich nicht viel Zeit lassen, wenn Sie ihren Vater noch lebend sehen wollen“ Klare Ansage. Der aufmerksame Leser hat es zwischen den Zeilen schon mitbekommen, dass mit unserem besten Leser unserer Internetseiten was nicht stimmt. Seit unserer Ankunft auf den Azoren spitzt sich die ganze Sache langsam aber sicher zu. Sicher. Klar, genau wie die Geburt, ist der Tod die natürlichste Sache der Welt. Mit dem Tod zurechtzukommen ist dabei wesentlich schwieriger, als mit einem neuen Leben.

Ich habe Ortwin noch rechtzeitig erreicht um vier Uhr an diesem nebeligen Morgen, hinter den alten Rheinarmen in Xanten, mit den Trauerweiden und den Kreuzen am Wegesrand, konnte ihm vor diesem letzten Schritt noch mal in den Arm nehmen. Er ist dann ohne Schmerzen eingeschlafen, als wenn er mich noch mal sehen wollte.

Ortwin war nicht nur eine große und autoritäre Erscheinung in seinem gesamten Leben, sondern auch einer unserer größten Helfer bei der Vollendung unserer Weltumsegelung. Hätte er mir nicht schon als Kind gezeigt, wie man abgebrochene Schrauben wieder rausbekommt, könnte ich heute vielleicht noch nicht einmal eine Bilgenpumpe wechseln. Hätte er mich nicht ohne Bedenken im zarten Alter von zehn Jahren alleine an die Kreissäge, die Flex und das Schweißgerät gelassen, hätte ich ständige Dauerbaustelle IRON LADY niemals um die Welt bekommen. Mit Ortwin habe ich als 14jähriger meine Amateurfunkprüfung gemacht, heute beruht ein großer Teil von Lunatronic, auf dem Wissen von damals. Seine väterliche Devise war immer: „Du musst machen was Du fühlst und für richtig befindest. Diese Entscheidungen kann Dir keiner abnehmen.“ Unser größter Wunsch war, dass er das letzte Stück durch den NOK und die Ostsee nach Flensburg mitsegelt. Da waren wir aber schon ein halbes Jahr zu spät. Ortwin ist nun schlussendlich von uns gegangen. Ich werde Ortwin weit mehr als vermissen.

Ich trinke mir heute Abend eine gute Flasche Wein auf meinen alten Herrn und jeder der ihn kennt und das liest, sollte das gleiche tun.

Verschlafenes Flensburg

20140904

Schöne Tage vor einem langen Winter

Wie zu erwarten verlaufen unsere ersten Tage in Flensburg alles andere als entspannt. Ich miete mir asap einen Mietwagen und muss aus familiären Gründen direkt nach Düsseldorf, Nathalie muss den Alltag „Zuhause!“ allein bewältigen. Dazu unsere alte Wohnung in Düsseldorf, die dringend aufgelöst werden muss. Ein Buch, dem wir viel zu wenig Zeit und Muße im hektischen Alltag gönnen können. Maya fährt direkt auf Klassenfahrt und wir schauen dumm aus der Wäsche. Moment mal: „Wo ist unsere Maya. Die kann doch nicht einfach so wegfahren. Die ist doch erst neun Jahre alt.“ Kein Telefon darf sie mitnehmen. Fünf Tage ohne unsere Tochter. Mal bekommt Nathalie das „arme Dier“, dann ich. Am letzten Wochenende reicht es mir mit dem Mietwagengedöns. Ein Blick ins lokale Kleinanzeigeninternet lässt mich fündig werden. Am gleichen Nachmittag gehört ein 16 Jahre alter Volvo V60, 2.5 Turbo uns. Dunkelblau. Trotz 440 Tausend Km gut erhalten. „Ein typisches Michaauto“ sagt Nathalie. „Die Schleuder“, so wie ich das Auto nenne, ist prima und schafft uns die Freiheit Ziele in der näheren Umgebung zu erreichen. Supermarkt , Freunde, Schule und natürlich Düsseldorf. Die Schleuder hat eine grüne Plakette. Das ist besonders wichtig. So eine Schleuder hatte immer mein alter Freund Guido, der musste sie abgeben, wegen der Umweltunverträglichkeit, wenn ich mich recht erinner. Ich war immer neidisch auf seinen alten Volvo. Der Kombi hat einfach Charme. So wie unsere alte IRON LADY. Ich musste immer einen T-Modell mit Stern fahren. Typischen GF Wagen halt. In Südafrika hatten wir einen 20 Jahre alt Limo mit Stern. In Chile einen 4-Runner mit Schlitzaugen. Jetzt die blaue Schleuder. Bisschen überdimensioniert für unseren Zweck, aber mal so eben ein halbes Vermögen für ein Auto haben wir grade nicht in der Bordkasse. Unter uns. Ein Auto für 1.000 Euro hat eben schon mal Charme von sich aus. Jetzt bist Du neugierig uns willst ein Foto sehen. Na gut. Ich mach heute endlich mal eins. Heute war in dann in Großenbrode bei Herwig und Heike. Die beiden hatten vor ein paar Monaten schon einen M802/at140, ein SCS DR-7400 Pactor Modem und eine LunaWLANnet bei mir gekauft. Herwig hat alles in Profiqualität selber installiert und nutzt jetzt meine örtliche Nähe, mich einfach mal rüber zu holen. Ein bisschen „fishing vor compliments“ war es schon. Ich hätte es nicht besser machen können. Auf seiner Alures 44 wird er ab nächstes Jahr auf große Fahrt gehen und viel Spass an seiner Anlage haben. In einem mehrstündigen Training habe ich den beiden dann noch vermittelt wie sie mit Airmail auf ihrem Macbook arbeiten können und natürlich viele Tricks und Trips aus meiner Erfahrungskiste. Nochmal Herwig: „Gut gemacht. Wenn Du irgendwann auch Amateurfunker auf großer Fahrt bist, wird Dir Rüdiger Hirche bei Intermar immer bestätigen, dass Du ein Top Signal hast.“ Versprochen, ist versprochen. Leider haben wir vergessen noch ein Photo von uns dreien zu machen. Das sollten wir noch nachholen. Ja. Ich bin jetzt in Flensburg. Muss ich wohl mal nen bisschen Werbung hier machen. Aber eigentlich habe ich schon genug Projekte im Moment. Mein Sohn Lukas ist mit ins Lunatronic Team eingestiegen und wir arbeiten gemeinsam an neuen Produkten. Wenn es so weit ist, werde ich natürlich auch hier berichten. So langsam muss ich eben doch mal an meine Rente denken. Grins.

CAORI for Sale

20140901

Dein neues Glück

“Ich will meine Yacht verkaufen.“ Kommt ja immer mal wieder vor, dass ich so einen Satz von einem meiner vielen Segelfreunde höre. „Aber doch nicht Deine geliebte CAORI!“ Und dann kommt eine schon vorher zusammengedachte Aneinanderreihung von lang gesammelten Argumenten, die eigentlich keine sind. Man liebt seine Yacht. „Aber Johann, Du liebst doch Deine Yacht!“ „Nun ja, klar liebe ich meine Yacht.“ Irgendwann hat man, also in dem Fall unser langer, treuer Leser Johann aus Hamburg, seinen Traum vom „Ich will um die Welt segeln!“ zumindest so weit umgesetzt, dass man sich ein Yacht gekauft hat. In Johann’s Fall die 38 Fuß lange und große CAORI. Und dann träumt man und träumt man und kommt irgendwie nicht los. Das Geschäft, die Arbeit, die Kinder und meist die Frau. „Ach irgendwie haben wir nie den Dreh bekommen. Und so bleiben die Träume, Träume. Aus der Weltumsegelung wird die Atlantiküberquerung, aus der Atlantiküberquerung wird das Mittelmeer. Die CAORI hat Johann liebevoll hergerichtet, aber die Ostsee nicht verlassen. Schade drum. Schade für Johann.

Jetzt liegt die CAORI in Kiel. Ein wunderschönes Boot. Ich habe sie selbst mal ein paar Tage gesegelt und das tut sie gut. CAORI ist aus Alu, was viel Arbeit spart und eine sichere Grundlage für den großen Törn bietet. Sicherlich muss jeder sein Traumschiff noch für seine eigenen Bedürfnisse anpassen. Die CAORI bietet die Möglichkeiten. Johann hat mich gebeten die Yacht doch mal unseren Lesern anzubieten, was ich hiermit gerne tue. Aluyachten sind schwer zu finden. Johann’s CAORI stellt nach meiner ehrlichen Meinung ein interessantes Angebot dar. Hast Du Lust, meer zu wissen: Clickst Du hier!

An dieser Stelle bedanken wir uns für die Autorenhonorare von Susanne, Horst und Michael N. ganz besonders.

Flensburger Nachrichten

20140830

Landleben

Wir machen uns rar. Gut so. Seit ein paar Tagen sind wir Flensburger, ordentlich angemeldet beim Einwohnermeldeamt, liegen in der Marina imJaich mitten in Flensburg und machen uns mit dem Landleben bekannt. Wir sind also jetzt Fischköppe, wie die Rheinländer sagen. Das Flensburger Tageblatt hat uns angekündigt, so dass wir bei unserer ersten Landgängen klar über Lars zu identifizieren sind. Ganz gut, dass der Marinasteg mit eine Tür verschlossen ist. Denn kompletten Artikel findest Du hier.

“Und was machen die mit der ganzen Zeit, die wir jetzt so haben?“, magst Du Dich fragen. Nix da mit Zeit. Die Zeit nimmt jetzt das normale Leben in Anspruch. Das Thema „Jede Menge Kohle“, nimmt einen hochrangigen Platz in unserem Leben ein. Nathalie und ich schreiben uns die Finger wund um mit dem dk-Verlag unser neues Buch über die letzten drei Jahre zu produzieren. Nein, es gibt noch keinen Titel. Der Titel ist das schwierigste. Und noch was ist schwierig, nämlich sich nicht ablenken zu lassen, denn zugleich hundert andere Tasks stehen an. So ein Buch schreibt sich auch nicht mal so nebenbei, wenn es denn auch noch gut sein soll. „Ihr macht das schon!“, muntert unsere Lektorin uns auf.

Neben dem Buchprojekt ist Nathalie auf Jobsuche und ich kümmere mich mehr um Lunatronic. Kunden betreuen, Produkte verbessern, erweitern und den Kopf arbeiten lassen. Lena und Maya sind auch voll busy, seit einer Woche gehen Sie nun schon zur Grundschule hier in Flensburg, mit Schulranzen und Regenkleidung kaum noch als Weltumsegler zu erkennen.

Am 19.9.14 sind wir übrigends lokal zu sehen. Auf dem Literaturbootfestival. Da stellen wir uns hin und erzählen, zeigen und lesen vielleicht sogar ein bisschen aus unserem neuen Buch. Wer Lust und Zeit hat sollte hier cklicken.

“Du willst mehr?“

Vielen Dank für die ganzen lieben Willkommens-Mails und Gästebucheinträge. Einigen scheinen unsere fast regelmäßigen Logbucheinträge im täglichen Leben zu fehlen. Das ist wie im ehrlichen kapitalistischen deutschen Leben. Clickst Du auf den Spendenbutton! Schmeißt ein paar Münzen rein und schon schreiben wir los. So ist das in Deutschland. Alles kostet Geld. Jeden Tag. Und zu bloggen kostet Zeit, die uns an anderer Stelle fehlt. Jeder Eintrag mit Bild ist eine Stunde. Mag jetzt ein bisschen direkt sein. Ich habe da auch drüber nachgedacht, ob ich das jetzt so deutlich schreibe. Aber es ist einfach so. Verstehst Du schon. Vielen Dank an dieser Stelle an Heinz-Joachim für sein Autorenhonorar!

In der Wahlheimat angekommen


In der Wahlheimat angekommen

[email protected]

Gesten Abend habe ich zum Ablegen gepfiffen. Denn am Freitag fahre ich ja aus Abergläubigkeit schon mal gar nicht los. Von Kiel aus ging es durch die Kieler Förde, Kieler Bucht, Flensburger Bucht und Flensburger Förde. Die ganze Zeit ordentlich Segelwind und Eimern voller Wasser von Oben. Tolles Wetter haben die hier in der Ostsee. Wir frieren uns den Arsch ab und üben Küstennavigation bei Nacht. Am Morgen um drei Uhr erreichen wir die Ochseninseln, fünf Meilen vor Flensburg. Wir gönnen uns noch eine Mütze Schlaf und schmeißen das Eisen in die Förde. Am nächsten Morgen geht es weiter um neun. Jens, der Mann von Silvi kommt uns mit einem anderen Boot entgegen. Hatten wir auch noch nie. Wir hissen all unsere Gastlandflaggen und laufen in Flensburg ein. Es regnet in Strömen, in Ölzeug und Gummistiefeln erreichen wir unseren Stegplatz. Ein Dutzend Hartgesottener und die lokale Presse, stehen im Regen am Steg und begrüßen uns. Wir laden einfach alle an Bord ein. Die MARLIN ist ja groß genug. Es gibt Sekt und Heißgetränke und es hört sogar auf zu regnen. Wir sind angekommen in unserer Wahlheimat Flensburg.

Am Abend lassen Nathalie und ich unsere vier Kinder auf der MARLIN und starten, mit dem obligatorischen Regenschirm bewaffnet in die Innenstadt um einen ersten Eindruck von unserer Wahlheimat zu bekommen. „Hey, das ist ja richtig schön hier!“ Wir laufen durch die Stadt, erkunden die nähere Umgebung. Der zugewiesene Kopfplatz in der Marina ist echt prima. Der Weg in die Stadt, in die Schule ist easy. „Die Eingeborenen werden Dich verstehen, die haben genauso einen schrägen Humor wie Du!“, meint Natale. Die Menschen können lächeln, zumindest die, die wir so angetroffen haben. Wenn das so weitergeht werden wir uns hier sicherlich sehr wohl fühlen.

Der Kern unserer Leserschaft wird nun sicherlich fragen wie es weiter geht. Wir werden jetzt ein ganz normales Leben starten. Am Montag melden wir uns wieder in Deutschland an, werden uns versichern und um einen Job kümmern. Wir leben erst einmal auf unserem Boot, später werden wir uns eine Wohnung suchen. Das nächste Projekt wird erst mal unser neues Buch sein.

Ob und wie viel wir hier weiter schreiben: Wir wissen es nicht. Ich glaube unser Leben wird jetzt so normal, dass der normale Alltag für andere uninteressant ist. Für alles was die MARLIN betrifft werden wir aber diese Seite erhalten. Wochenendtörns, Auszeiten, wenn dem Skipper die Decke auf den Kopf fällt. Anstehende Umbauten und Erweiterungen. Ziel ist es die MARLIN mit ausgesuchter Crew in der Segelsaison 2015 zu segeln. Genaueres werde wir hier veröffentlichen. Wenn Du dabei sein willst, schreibst Du uns ein e-mail oder kommst uns einfach mal nach Voranmeldung in Flensburg besuchen.

In der Wahlheimat angekommen

20140822

[email protected]

Gesten Abend habe ich zum Ablegen gepfiffen. Denn am Freitag fahre ich ja aus Abergläubigkeit schon mal gar nicht los. Von Kiel aus ging es durch die Kieler Förde, Kieler Bucht, Flensburger Bucht und Flensburger Förde. Die ganze Zeit ordentlich Segelwind und Eimern voller Wasser von Oben. Tolles Wetter haben die hier in der Ostsee. Wir frieren uns den Arsch ab und über Küstennavigation. Am Morgen um drei Uhr erreichen wir die Ochseninseln, fünf Meilen vor Flensburg. Wir gönnen uns noch eine Mütze Schlaf und schmeißen das Eisen in die Förde. Am nächsten Morgen geht es weiter um neun. Jens, der Mann von Silvi kommt uns mit einem anderen Boot entgegen. Hatten wir auch noch nie. Wir hissen all unsere Gastlandflaggen und laufen in Flensburg ein. Es regnet in Strömen, in Ölzeug und Gummistiefeln erreichen wir unseren Stegplatz. Ein Dutzend Hartgesottener und die lokale Presse, stehen am Steg und begrüßen uns. Wir laden einfach alle an Bord ein. Die MARLIN ist ja groß genug. Es gibt Sekt und Heißgetränke und es hört sogar auf zu regnen. Wir sind angekommen in unserer Wahlheimat Flensburg.

20140822a

Am Abend lassen Nathalie und ich unsere vier Kinder auf der MARLIN und starten, mit dem obligatorischen Regenschirm bewaffnet, aber schon mal ohne Regenschirm, in die Innenstadt um einen ersten Eindruck von unserer Wahlheimat zu bekommen. „Hey, das ist ja richtig schön hier!“ Wir laufen durch die Stadt, erkunden sozusagen die nähere Umgebung. Der zugewiesene Kopfplatz in der Marina ist echt prima. Der Weg in die Stadt, in die Schule ist easy. „Die Eingeborenen werden Dich verstehen, die haben genauso einen schrägen Humor wie Du!“, meint Natale. Die Menschen können lächeln, zumindest die, die wir so angetroffen haben. Wenn das so weitergeht werden wir uns hier sicherlich sehr wohl fühlen.

Der Kern unserer Leserschaft wird nun sicherlich fragen wie es weiter geht. Wir werden jetzt ein ganz normales Leben starten. Am Montag melden wir uns wieder in Deutschland an, werden uns versichern und um einen Job kümmern. Wir leben erst einmal auf unserem Boot, später werden wir uns eine Wohnung suchen. Das nächste Projekt wird erst mal unser neues Buch sein.

Ob und wie viel wir hier weiter schreiben: Wir wissen es nicht. Ich glaube unser Leben wird jetzt so normal, dass der normale Alltag für andere uninteressant ist. Für alles was die MARLIN betrifft werden wir aber diese Seite erhalten. Wochenendtörns, Auszeiten, wenn dem Skipper die Decke auf den Kopf fällt. Anstehende Umbauten und Erweiterungen. Ziel ist es die MARLIN mit ausgesuchter Crew in der Segelsaison 2015 zu segeln. Wenn Du dabei sein willst, schreibst Du uns ein e-mail oder kommst uns einfach mal nach Voranmeldung, in Flensburg besuchen.

NOK, NOK – Wer klopft an meinem Häuschen?

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Von Kobolden und umgefallenen Gartenzwergen.

Grade bin ich wieder aufgewacht. Wir liegen an einen Marina Außenmauer und ich bin vom Schwell eines vorbeifahrenden Bootes geweckt worden. Meine Crew ist ausgeflogen. Keiner mehr da. Auch mal ganz schön. Bin ich wohl eingeschlafen. War auch früh am Morgen, heute Morgen. In Brunsbüttel war das, in so einer Mini Marina direkt hinter der Alten Schleuse. Es hat geregnet. Als wir in der Marina an dritter Stelle eines Päckchens liegen, fragte Nathalie zu Recht: „Und wie kommen wir hier wieder raus?“ Nicht ungerecht gefragt. „Weiß ich auch nicht.“ Die MARLIN ist einfach zu groß.

Der Tag verging mit gefühlten 150 Meilen motoren durch den NOK, NOK, den Nord Ostsee Kanal. Julian und Lukas teilen sich die Dauerwache, der Skipper flüchtet regenscheu ins Pilothaus, wenn wieder und wieder eine neue dicke, schwarze Regenwolke über der MARLIN platzt. Dafür gehe ich regelmäßig Emma streicheln. Der Yanmar macht aber brav was er soll, nämlich mit 1600 Touren tuckern und tuckern… MARLIN auf dem Weg in die Ostsee. Ich bin recht konsterniert von der ganzen Situation, fühle mich wie ein Gartenzwerg der 14 Jahre im Vorgarten gestanden hat und nun zu den Pinguinen in den Duisburger Zoo gestellt wird. „Ach Schatz, was guckst Du denn so traurig. Muss ich mir Sorgen machen?“ „Ja musst Du. Sogar ernsthaft“

“Vorleine los! Achterspring zum Eindampfen klarmachen“ Nicht das uns das nicht gut tun würde, endlich zu lernen wie man 18 Meter und 30 Tonnen in engen Marinas bei Seitenwind ein- und ausparkt. Mit Seitenstrahl Ruder kann das je jeder. Haben wir aber nicht. Dafür kackt Lars brav in die Süllkante, ich sehe es nicht und trample rein: „Das bringt Glück!“ Tolle Crew. Zu jedem Missgeschick gibt es einen coolen Kommentar.

Da gehen die Türen zur Ostsee auf. Vor uns die Kieler Förde. Wir suchen einen Platz für die Nacht. Denn Nathalie muss morgen mal eben nach Flensburg zu ihrem ersten Elternsprechtag oder Vorbesprechung. MayaLena sind total aufgedreht. Ach wie gut das Papa nicht weiß, dass ich Rumpelstilzchen heiß. Wenn ich nur 10% der Energie meiner Kinder hätte wäre ich Popeye nach eine dicken Portion Spinat. War doch Spinat? Oder nicht. Am Außenmäuerchen des Hafens Duesternbook steht unsere Fangemeinde. Die Menge tobt und schwenkt Fahnen. Eine Blaskapelle spielt mein Lieblingslied: „La Paloma ade!“ Raketen steigen in den Himmel und platzen mit einer roten Kugel. Wir sind berühmt. Das war wohl ein Traum. Wir sind so berühmt, dass ein Leser, Michael S. am Kaimäuerchen steht und wild winkt, ein paar Fotos macht. Er hat uns getrackt auf Marinetraffic. Der Hafenmeister kommt: „Do would like to stay there fort he hole night?“ „Ich bin der Micha. Wir können Deutsch reden!“ Jetzt schaut der Hafenmeister konsterniert, schaut auf die halbzerfetzte amerikanische Flagge am Heck. „ Ich komme später noch mal wieder.“ Recht so. Morgen geht es weiter nach Flensbur.

Inside MARLIN


Inside MARLIN

Was geht. Es geht alles, wenn alle wollen.

In Cuxhaven sind wir herzlich empfangen worden. Die Heimatstadt unseres Trans Ocean Standers, gleichzeitig Abfahrtort vor 14 Jahren mit der IRON LADY, ist klassischer Landfall für das Ende einer Weltumsegelung. Da steht Martin vom TO plötzlich auf dem Steg, Berni kommt mit Brötchen zum Frühstück und fährt uns durch die Stadt, auch Rita lässt sich am Sonntag blicken. Beim SVC sind wir auch herzlich willkommen und der TO übernimmt netterweise die Liegeplatzkosten. Nathalie nutzt die Zeit, um noch fast rechtzeitig zum siebzigsten Geburtstag ihrer Mutter mit den Kindern nach Düsseldorf zu fahren. Ich nutze die Gelegenheit um mit Julian und Lukas den das Erreichen Deutschlands angemessen zu begießen. Der Kater war vorprogrammiert und anstatt wie meine jungen Söhne den Samstag weiter zu feiern, falle ich in den Schönheitsschlaf. Thomas von der Cuxhavener Lokalpresse taucht auf und lässt es sich nicht nehmen einen Artikel über uns zu verfassen. Mit diesem Click kommt man zur vergrößerten Ansicht.

Ausnahmsweise ist mal nichts kaputt. Deshalb haben wir heute die Leinen losgeworfen, uns von unseren neuen Freunden verabschiedet und den Bug der MARLIN in das trübe Wasser der Elbe gelenkt. Nein, diesmal nicht seewärts, sondern Richtung Nord-Ostseekanal. Brunsbrüttel ist unser nächstes Ziel, dass wir in zwei Stunden erreichen werden. Den NOK dann werden wir wohl aller Planung nach am Mittwoch bezwingen. Geplante Ankunft in Flensburg ist dann Freitag gegen 10 Uhr vormittags.

Es war uns ja ein bisschen peinlich und wohl deshalb ist sie so klein ausgefallen, die amerikanische Flagge am Heck. Die MARLIN musste erst einmal unter Delaware Registrierung in Europa einlaufen um vielen Ärger mit dem Zoll auf den Azoren wegen offener MwSt. zu verhindern. So haben wir 18 Monate Zeit als Drittlandyacht, um uns um das Thema zu kümmern. Es gibt die Möglichkeit nach mindestens einem Jahr Auslandsaufenthalt sein Hab & Gut als Umsiedlungsgut steuerfrei nach Deutschland mitzubringen. Das beinhaltet auch unsere MARLIN. Diese Zollanmeldung hat uns schon seit Monaten beschäftigt. Wir haben uns dann entschieden das entsprechende Formular in Cuxhaven vorzulegen, wo die Beamten viel Erfahrung mit solchen Anträgen haben. Es fehlte natürlich noch was, nämlich die CE Plakette im Cockpit und die dazugehörige A4 Seite mit entsprechender Unterschrift und Stempel. „Nein, so geht das aber nicht. Ohne CE-Cert kann ich dem Antrag nicht zustimmen.“, meint der wirklich nette und zuvorkommende Zollbeamte zu uns. Das war uns neu. „Stand auch nicht auf dem Formular.“ Oder vielleicht haben wir es auch verdrängt. Doch dann haben wir den entsprechenden Ordner in der Bord-Bibliothek gefunden, die fehlende Unterschrift der Werft, war schnell aus Holland organisiert. Was für ein Glück. Jetzt können wir die MARLIN asap wieder in Delaware abmelden und in unserer Wahlheimat anmelden: Heimathafen Flensburg!

Inside MARLIN

20140819

Was geht. Es geht alles, wenn alle wollen.

In Cuxhaven sind wir herzlich empfangen worden. Die Heimatstadt unseres Trans Ocean Standers, gleichzeitig Abfahrtort vor 14 Jahren mit der IRON LADY, ist klassischer Landfall für das Ende einer Weltumsegelung. Da steht Martin vom TO plötzlich auf dem Steg, Berni kommt mit Brötchen zum Frühstück und fährt uns durch die Stadt, auch Rita lässt sich am Sonntag blicken. Beim SVC sind wir auch herzlich willkommen und der TO übernimmt netterweise die Liegeplatzkosten. Nathalie nutzt die Zeit, um noch fast rechtzeitig zum siebzigsten Geburtstag ihrer Mutter mit den Kindern nach Düsseldorf zu fahren. Ich nutze die Gelegenheit um mit Julian und Lukas den das Erreichen Deutschlands angemessen zu begießen. Der Kater war vorprogrammiert und anstatt wie meine jungen Söhne den Samstag weiter zu feiern, falle ich in den Schönheitsschlaf. Thomas von der Cuxhavener Lokalpresse taucht auf und lässt es sich nicht nehmen einen Artikel über uns zu verfassen. Mit einem Click auf das Bild kommt man zur vergrößerten Ansicht.

Ausnahmsweise ist mal nichts kaputt. Deshalb haben wir heute die Leinen losgeworfen, uns von unseren neuen Freunden verabschiedet und den Bug der MARLIN in das trübe Wasser der Elbe gelenkt. Nein, diesmal nicht seewärts, sondern Richtung Nord-Ostseekanal. Brunsbrüttel ist unser nächstes Ziel, dass wir in zwei Stunden erreichen werden. Den NOK dann werden wir wohl aller Planung nach am Mittwoch bezwingen. Geplante Ankunft in Flensburg ist dann Freitag gegen 10 Uhr vormittags.

Es war uns ja ein bisschen peinlich und wohl deshalb ist sie so klein ausgefallen, die amerikanische Flagge am Heck. Die MARLIN musste erst einmal unter Delaware Registrierung in Europa einlaufen um vielen Ärger mit dem Zoll auf den Azoren wegen offener MwSt. zu verhindern. So haben wir 18 Monate Zeit als Drittlandyacht, um uns um das Thema zu kümmern. Es gibt die Möglichkeit nach mindestens einem Jahr Auslandsaufenthalt sein Hab & Gut als Umsiedlungsgut steuerfrei nach Deutschland mitzubringen. Das beinhaltet auch unsere MARLIN. Diese Zollanmeldung hat uns schon seit Monaten beschäftigt. Wir haben uns dann entschieden das entsprechende Formular in Cuxhaven vorzulegen, wo die Beamten viel Erfahrung mit solchen Anträgen haben. Es fehlte natürlich noch was, nämlich die CE Plakette im Cockpit und die dazugehörige A4 Seite mit entsprechender Unterschrift und Stempel. „Nein, so geht das aber nicht. Ohne CE-Cert kann ich dem Antrag nicht zustimmen.“, meint der wirklich nette und zuvorkommende Zollbeamte zu uns. Das war uns neu. „Stand auch nicht auf dem Formular.“ Oder vielleicht haben wir es auch verdrängt. Doch dann haben wir den entsprechenden Ordner in der Bord-Bibliothek gefunden, die fehlende Unterschrift der Werft, war schnell aus Holland organisiert. Was für ein Glück. Jetzt können wir die MARLIN asap wieder in Delaware abmelden und in unserer Wahlheimat anmelden: Heimathafen Flensburg!

Angelegt

20140815

Von Momenten, die mich bewegen….

Gestern Nachmittag war es dann soweit. Ich laufe nach drei Monaten anstrengender, aber vor allem schöner Segelreise nicht zum ersten mal einen Hafen an, sondern ich komme zurück nach Deutschland. Es ist ein schönes Gefühl nach solch einer langen Zeit in der Nähe meiner Familie und Freunde zu sein und zu wissen bald alle wieder sehen zu können. Dennoch fühle ich mich sehr wohl hier auf der Marlin und weiß eigentlich noch gar nicht ob ich so schnell hier runter will. Naja…

Gestern Abend saß ich mit Lukas, meinem Zwillingsbruder auf der Terrasse der Hafenbar. Wir tranken ein paar Bier und quatschten mit anderen Küsten-Seglern die total offen und super freundlich waren. Wir vergaßen die Zeit. Plötzlich war es dunkel und die nette Bedienung kam zu uns: „Wir schließen!“ Eigentlich hätten wir gerne noch bis spät in die Nacht auf der Terrasse gesessen, aber ok. Also ab die Koje. Morgens werden Lukas und ich wie fast jeden Tag von Maya und Lena geweckt. „Julian! Lukas! Aufstehen! Frühstück ist fertig.“ Na gut. Nach dem Frühstück geht es für Maya, Lena und Nathalie dann ganz schnell. Tasche packen, fertig machen und ab zum Bahnhof. Die drei sind in Düsseldorf bei der Oma zum Geburtstag eingeladen. Für uns heißt es erst mal Klarschiff machen, da waren Lukas und Ich gestern zu faul zu. Danach ging es mit Silvie, Michael und natürlich Lars in die Innenstadt zum Einkaufen. Michael kocht heute zu Abend. Was genau weiß er selber nicht, aber wie ich die Küche hier auf der Marlin kenne schmeckt alles nicht nur gut, sondern hervorragend. Nachher geht es dann in eine Tanzbar einen Ort weiter. Da bin ich ja mal gespannt.

Julian

Cuxhaven voraus nach 14 Jahren

20140814

Erster Landfall in Deutschland

Schon ein bisschen komisch. Vorn am Horizont liegt Cuxhaven, das braune Wasser der auflaufenden Elbe bringt uns in einer Stunde an den Ort unserer Abfahrt von Deutschland. Die Stimmung an Bord ist komisch. Alle wollen ankommen. Die letzte Nacht auf See war anstrengend, windig und nass. Eine heiße Dusche sollte aber helfen.