Archiv der Kategorie: SY Marlin

Knapp vorbei ist auch daneben

20150915

Wetterrouting auf der MARLIN

Nachdem der Fast Freitag der 13te und die entsprechenden Komplikationen improvisiert behoben sind, Strom und Antrieb wieder funktionieren, sind keine weiteren Schäden in den letzten 24h aufgetreten. Auch mal was. Das Wetter ist mal wieder blau. Der Himmel ist blau, das Meer ist blau. Wir segeln jetzt seit Abfahrt Faro komplett am Wind. Hoch, hoch am Wind. 44 Grad hat sich als bestes Verhältnis zwischen Wind und Höhe herausgestellt. Dementsprechend schräg ist unser Leben. Irgendwann in den frühen Morgenstunden sollten wir Porto Santo erreichen. Ein schönes Wetterrouting Tool habe ich mir vor der Abfahrt noch downgeloaded und während der letzten drei Nächte getestet. Der Open Source Name „qtVlm“ lässt schon mal tief blicken. Es gibt das Programm auch für den MAC, habe ich aber bisher nicht zum Laufen bekommen. Unter Windoof funktioniert es ganz passable. Bisher habe ich mit MaxSea Zero rumgespielt, wie Nathalie immer sagt. Da hatte sie bisher auch Recht. Spielzeug. qtVlm ist vom Ansatz schon ernster zu nehmen. Zwei wichtige Daten braucht das Programm. Grib Files. O.K. Die haben wir über Sailmail und Kurzwelle. Und die Polardaten des eigenen Schiffes. Da fängt das Problem an. Mit iRegatta habe ich währen 8.000 Meilen Daten gesammelt und auch ein Polardiagramm erstellt. Aber so einfach nimmt qtVlm diese Daten nicht an. Aber was bringt Wetter Routing eigentlich? Mit den beiden o.g. Informationen berechnet der Computer den besten Kurs, Zeitpunkte für Wenden und Halsen automatisch. Für jeden geschwindigkeitsambitionierten Segler hört sich das ja nun gar nicht schlecht an. Oder? Nun. In unserem heutigen Fall hat uns das bisher nicht geholfen. Am Wind ist am Wind. Wenn man zu hoch fährt, wird man langsam. Interessant ist da schon eher, dass ich man anhand der Ringe, die Stunden darstellen, sehen kann, wann man wo welchen Wind zu erwarten hat. Und das, das klappt schon mal sehr gut. Wenn jemand dabei ist, der vielleicht noch andere Alternativen zur Hand hat, wäre ich für jeden Tip dankbar.  

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Motorprobleme

20150914

Klappe die Zweite

Wir stehen 264 Meilen vor Porto Santo, unser erster Hafen auf Madeira. Es ist ruhig im Boot. Alle schlafen. Es ist meine Wache. Der Wind hat endlich auf Nord gedreht, nachdem wir das erste Drittel am Wind gesegelt sind. Es ist schwachwindig, zum Teil sehr schwachwindig und entsprechend schaukelt das Schiff ohne richtig Druck in den Segeln zu haben. Außerdem ist es heiß geworden. Wir sind in den Subtropen angekommen. Das Wasser ist 22 Grad und am Tage tiefblau. Richtig wunderschön tiefblau. Es ist die zweite Nacht auf See. Die erste war nicht besonders schön. Den größten Teil der Wache habe ich im Motorraum verbracht. Aber das beschreibt Jan. Es ist Samstag, endlich kann es los gehen Richtung Madeira. Wir haben uns dazu entschieden die Nacht noch vor Albufera vor Anker zu verbringen und eine letzte Nacht mehr als drei Stunden am Stück zu schlafen. Am nächsten Morgen geht es dann ohne den Motor zu starten los, wir setzen das Groß noch unter Anker.   Bei leichten Winden um die 9 Knoten geht es zunächst entlang der Algarve gen Westen. Irgendwann nehmen wir dann die Ausfahrt aufs offene Meer. Es ist gegen 22 Uhr, es ist stockduster, der Mond ist nicht zu sehen und das einzige Licht kommt von den Sternen und dem bisschen Meeresleuchten um die Marlin herum. Wie gewohnt wollen wir den Generator am Abend kurz laufen lassen, um die Batterien für die Nacht vorzubereiten. Das Prozedere ist immer das Gleiche, nur diesmal leuchtet eine Led am Panel rot statt grün. Schnell steht fest, dass der Generator kein Kühlwasser ansaugt. Wir bauen die Kühlwasserpumpe aus, tauschen den Impeller, fummeln das Teil wieder an seine Stelle, drücken den Startknopf – nichts passiert, immer noch kein Wasser im Schlauch. Wir bereiten uns schon mal auf einen Batteriesparmarathon vor und zu dem Licht der Sterne und des Meeresleuchtens gesellt sich ab sofort nur noch das Licht unser Headlamps.   Erfahrungsgemäß löst man solche Probleme besser bei Tageslicht, ausgeschlafen und mit klarem Kopf. Dann fallen einem die trivialen Dinge meist direkt auf und das Problem ist deutlich schneller beseitigt, falls es sich bis dahin nicht eh schon von selbst beseitigt hat. Es ist 2 Uhr Nachts, an Schlaf war bis jetzt nicht zu denken, die Batterien neigen sich dem Ende zu. Na gut denken wir uns, dann starten wir halt mal den Motor, der kann schließlich auch die Servicebatterien laden, zwar nicht so energieeffizient wie der Generator aber was soll’s. Schlüssel umdrehen, vorher noch kräftig die Toilette pumpen und dann noch kurz in den Motorraum um den Kühlwasserfluss zu kontrollieren. Auch hier selbiges Problem. Uns wird klar, dass da wohl etwas mehr Luft im Kühlwassersystem sein muss oder sich etwas im Saugrohr verfangen hat. Mitten in der Nacht haben wir die absurdesten Ideen was das sein könnte. Wir versuchen systematisch Bauteile zu überbrücken um diese auszuschließen. Das Rätsel’s Lösung finden wir aber nicht, zumindest nicht mitten in der Nacht. Um das Segeln kümmern sich glücklicherweise unsere Gäste die diese Nacht die ein oder andere Stunde länger am Ruder stehen. Der Autopilot bleibt aus. Auch das hilft dabei die Batterien zu schonen.   Heute Morgen nach wenigen Stunden Schlaf schließen wir die Motorkühlung direkt an den Saugstutzen. Der Motor läuft wieder, die Ursache ist noch nicht gefunden, aber wir sind ihr auf den Fersen. Wir lassen den Motor ein wenig mit Standgas mitlaufen, um die Batterien aus ihrem Tiefenschlaf wieder zu wecken. So haben wir außerdem die Zeit im Cockpit sämtliche Fehlerursachen zu diskutieren. So wie wir es oft machen, wenn wir mal nicht weiter wissen. Der Plan ist statt Wasser aus dem System zu saugen, einfach Wasser hineinzupumpen. So sollte man einerseits die Luft heraus drücken können und andererseits das Leck feststellen.   Während ich ein kurzes Nickerchen mache, da mit mittlerweile die Augen im Stehen zufallen, klettert Micha wieder in den Motorraum um unseren Plan in die Tat umzusetzen. Knapp eine Stunde später stehe ich verstrahlt im Pilothouse und unser Problemchen liegt vor mir auf dem Tisch. Der Zahn der Zeit hat wohl etwas zu heftig an der Messingmuffe vom (Alu-) Wasserfilter genagt. Korrosion ist mal wieder der Übeltäter. Das Wasser wird jetzt nicht mehr gefiltert bis wir auf Madeira eine neue Kunststoffmuffe kaufen, damit sollte so etwas hoffentlich nicht mehr vorkommen.   Wir jedenfalls beschäftigen uns jetzt erst mal mit den wirklich wichtigen Sachen: Essen und Schlafen, während uns die 6 Knoten Wind von vorn mit 6 Knoten vorwärts bewegen.     Jan  

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Start nach Madeira

20150911

Schritte in die Ferne

Hinter uns liegen 24 Stunden Vilamoura Marina. Wenn man sich oberflächlich gesehen etwas sparen kann, dann einen Aufenthalt in dieser auch nicht grade günstigen Marina. Gestern Abend jedoch wollten alle einfach mal einen Steg, eine Kneipe mit einem Bier, eine Dusche ohne schlechtes Gewissen zu viel Wasser zu verbrauchen und vielleicht den anderen einfach mal etwas aus dem Weg gehen zu können. Im Endeffekt haben wir den Abend dann aber doch gemeinsam verbracht, ich habe Gulasch gemacht und es wurde gelacht und getrunken. “Sue. Du kommst gerne mit der Tür ins Boot!“ Sue schaut mich mit großen Augen an. „Wie bitte? Was meinst Du damit?“ Dieter grinst neben mir. Jan schaut grade auf sein Handy. „Na ja, Du weißt halt ganz genau, was Du willst und wie Du es bekommst. Weißt Du doch selber.“ Sue grinst. „Schönes Wetter heute. Nicht?“ „Ja. Klar. Schön hier an der Elbe.“ Alle lachen. Es sind Momentaufnahmen. Vier Menschen treffen sich auf einem Segelboot mit einem gemeinsamen Ziel. Keiner kennt keinen richtig. Das kann dazu führen das es einen Mordsspass oder einen Mordärger gibt. Komische zwei Wörter eigentlich. Oder? Sue wohnt in der Nähe von Frankfurt. Hat zwei Kinder, einen netten Mann, ein Haus, viele Tiere und ist: Nett. Sue kann Segeln. Angst vor irgendwas hat sie nicht, sitzt gern mit dem Skipper im Motorraum und diskutiert über Kühlschläuche und Wassermacher, schmiert sich beim Reden Öl ins Gesicht ohne es zu merken. Mit drei Männern an Bord hat Sue kein Problem. Uns Männern tut es gut Sue dabei zu haben. Die Stimmung ist besser. Sue segelt im November mit über den Atlantik. Da bin ich mir jetzt sicher von meiner Seite aus. Ob sie mitkommt? Ich glaube schon. Dieser Trip war auch als Test gedacht. Wer will schon gerne über einen Ocean segeln mit anderen Leuten und nach dem Lossegeln merken, dass man ggf. einen der anderen ganz und gar nicht riechen kann? Eine passende Crew zusammenzustellen ist gar nicht so einfach. Ich bin in der glücklichen Lage mir die Mitsegler aussuchen zu können und nicht jeden mitnehmen zu müssen, nur um das Schiff vollzubekommen. Wir liegen jetzt in der Bucht von Albufeira an der Algarve. Wir können noch nicht los. Nicht wegen dem Wetter. Nicht wegen der Technik. Nein. Weil ich abergläubisch bin. Ich segel nicht Freitags los auf einen Offshore Törn, um eine Oceanschlag zu machen. Da bin ich hart. Nach 24 Uhr können wir den Anker heben. Oder von mir aus auch erst morgen in aller Frühe. Dann mal tau!  

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Dieter: Derzeitige Berufung: Segler

20150909

Stimmen aus dem Seglerbewußtsein

Wenn man nach vielen Jahren Anstellung plötzlich vor die Tür gesetzt wird und wenigstens um eine gerechte Abfindung zu bekommen, vor Gericht ziehen muss, so ist das ein tiefer Einschnitt ins Leben. „Ich bin freigestellt!“ Frei zu sein ist schön. „Erst einmal. Mit vollen Bezügen. Meine Frau ist unruhig. Mann, Mitte fünfzig, auf Jobsuche. Aber ich bin guter Dinge. Ich habe schon ein Angebot von einem Automobilisten aus Zuffenhausen.“ Natürlich ist Dieter positiv. Was soll er auch sonst machen? „Trübsal blasen ist nicht mein Ding. Da bin ich über die MARLIN gestolpert. Nein. Wnuk kannte ich nicht. Auch nicht seine Vorgeschichte!“ Dieter hat ca. 30 Chartertörns in seinem Leben hinter sich. Mit Freunden, Regatten, auch Regatten von einer Kneipe in die nächste. Seit heute morgen ist Dieter „Skipper oft the day“. „Hey. Das war so gut gestern, ihr seid so gut, ab sofort wechseln wir uns mit dem Sagen an Bord ab.“ Die Münder standen etwas nach dem Frühstück. „So schnell?“ „Ja, so schnell. Ich bin ja nicht weg. Das heißt ja nicht, dass ihr nicht fragen könnt.“ Dieter atmet durch, steht auf dem Deckshaus, schaut zum Horizont. Was mag er denken? Die Zeit auf der MARLIN wird ihm gut tun um Abstand zu finden und klar denken zu können. “Hier könnt ihr nicht ankern. Dort drüben vielleicht. Aber da ist es flach.“ Mitten in der Nacht um 00:00 Uhr sind wir im Rio Guardiana angekommen. Da ankert man eben schon mal recht sicher und nah an der Hauptverkehrsstraße. „Wir wollen gar nicht bleiben. Um 17 Uhr sind wir wieder weg. Aber ihr wollt doch bestimmt an Bord kommen, Schiffspapiere kontrollieren und Ausweisnummern aufschreiben.“ Der junge Wasserschutzpolizist schaut mich erstaunt an. „Aehmm. Ja. Woher weißt Du das?“ „Na ja. In Penische haben eure Kollegen das gleiche Gesicht gezogen, als sie langseits kamen.“ Er lacht. Ich lache. „Probleme mit der Maschine?“ Er deutet auf meinen Blaumann. „Nö, nur Inspektion. Alles gut.“ Zwischenzeitlich sind wir auf See. Kurs West. Aehm. Der Wind kommst aus West. Aber ist auch egal. Sue und Dieter haben inzwischen verstanden, dass uns nicht nach Marina und Restaurants ist. Alle wollen segeln. Also tun wir das. Wir segeln in die Nacht. Eine warme Briese kommt von Land wir kommen nur schwer voran. Macht nix. Wir haben ja Zeit.  

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Sail Away

20150908

Kulinarisches Segeln

Jeder Mitsegler-Neuling auf der MARLIN bringt sein eigenes gedankliches Rettungsgerüst mit um sich auf die Reise mit Wnuk vorzubereiten. An Bord dabei sind jetzt Susan und Dieter. Nein, die beiden kannten sich nicht bisher, sie haben nichts miteinander zu tun. Nach einer Nacht auf der MARLIN vor Anker geht es auch direkt los. Wir essen, wir trinken, wir reden. Am zweiten Tag schon liegt Deutschland weit hinter dem Horizont. Wir schlendern durch die Straßen von Olhao kaufen frischen Squid, Seelachs, Dorade, Tomaten und Karotten mit Geschmack. Jan muss in den Mast um Selfies zu machen. Ich muss noch unters Boot um unser Hausriff zu pflegen und eine neue Opferanode am Propeller anzubringen. Es folgt die mitgebuchte Sicherheitseinweisung. Tue das nicht, tue jenes Nicht, welcher Feuerlöscher bei welchem Brand. „Und wo ist der Gasabstellhahn? Wie ihr benutzt den nicht. Das ändert sich ab jetzt.“ Jetzt fluche ich immer in der Küche, wenn ich den Herd nicht anbekomme. Ta tsächlich ist der Gashahn immer zu. „Ja, Susan. Du hast vollkommen Recht.“ 20150908a Inzwischen haben wir das anstrengende Ankommen hinter uns. Die vier Doraden liegen auf dem Wein und Gemüsebett unter ihrem Korianderteppich bei 200° im Ofen. Der Rio Guadiana liegt an. „Also so geht das nicht. Wenn ihr gute Essen wollt, dann refft ihr jetzt. Außerdem sind wir viel zu schnell da.“ „Haben wir einen Kochkurs gebucht?“, meint Dieter schmunzelnd. „Wo übernachten wir heute Nacht?“ „Vollkommen egal. Um Acht gibt es Essen. Wenn wir zu schnell da sind, segeln wir wieder raus.“ „So kenne ich Segeln noch gar nicht!“ „Eben.“ Dieter ist angekommen. “Na Susan? Willst mal?“ „Klar.“ Susann nimmt die Pinne des 30PS Mercury Außenborder und gleited zielstrebig mit 50 Stundenkilometer über die Lagune von Faro von Olaho nach Culatra. Alle Achtung. Alle Achtung. Ihr Rettungsgerüst hat Sue abgelegt. Braucht sie nicht mehr. Inzwischen haben sie an Deck gerefft, so dass ich in Ruhe in der Kombüse kochen kann. Sportlich segeln werden wir noch genug. Am Wochenende ist ein 20+ Knoten Fenster um nach Madeira zu warpen. Bis dahin üben wir. Segel rauf und runter, von steuerbord, nach backbord, Wenden, Halsen, Genacker segeln und natürlich kochen, kochen… Jetzt liegt erst mal der Rio Guadiana an. Der Grenzfluß zwischen Portugal und Spanien. Mitten in der Nacht werden wir ankommen. Is ja immer so. 20150908b Schon wieder eine tolle Crew. Was hab ich ein Glück!  

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Mein letztes Hemd

20150905

Wurzelgeschichten

Mein Lieblings T-Shirt. Zu eng. Mottenzerfressen. Zeit für Erneuerung. Gekauft 2005 für 5 $US auf einem Fleetmarket in Thailand. Gesegelt über Indien, Malediven, Chagos, Seychellen, Südatlantik, Brasilien, Uruguay, Cape Hoorn… Jetzt wird es wohl doch den Außenborder zieren, nicht mehr meine zartbesaiteten Schultern. Es gehörte zu den Sachen, die mir wichtig waren. Linkin Park steht in Nudelschrift auf dem Schmuckstück – Eine Musik die ich bestimmt nicht höre. Muss ich wohl wieder nach Thailand segeln… Ich mache die Drohung wahr: Ich gehe zum Zahnarzt. In Portugal. Es ist viel besser als ich gedacht habe. Der zwei Köpfe kleinere Doktor ist fit. „Wenn ich da jetzt irgendwas dran mache, dann segelst Du in den nächsten zwei Wochen nicht mehr. Die Wurzelspitze des Backenzahns ist entzündet. Die Zyste drückt sich aus dem Kiefer raus.“ Das Röntgenbild verdeutlicht die Sache. „Keine Schmerzen?“ „Nein. Ich habe keine Schmerzen.“ Die halbstündige Konsultation kostet mich 20 Euro. Das Antibiotikum noch mal 10 Euro. Jetzt hoffe ich, dass die Entzündung in 10 Tagen weg ist und ich mir in Funchal / Madeira einen ebenso guten Doc finde, der die Wurzelbehandluch vornimmt.  

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Culatra kennenlernen

20150904

Der Zeitmaschine entfliehen

Die Insel Culatra bildet das südliche Ende der Lagune von Faro. Hier ist der Hund begraben – zumindest jetzt und heute – was gut so ist. Die Anchorage ist entspannt und sicher. Ein kleiner Fischerhafen lädt zum Festmachen ein. An Land: Niedrige Häuser, weiß getüncht. Die Straßen weitestgehend aus Sand. Lange Strände. Während Jan auf Fototour ist muss ich dringend die 4G Mobilfunkkarte wieder ausladen. In der letzten Nacht habe ich einen umfangreichen Download vergessen abzuschalten. 6GB Datenvolumen sind weg. „Na mal gut, dass mir das nicht passiert ist Micha!“, grinst Jan mich an. „Stimmt!“ Ich kämpfe mich im Büro des kleinen Dorfes mit Spanisch durch. Es klappt besser als ich gedacht habe. Wenigstens ein paar Brocken portugiesischer Grundkenntnisse kann ich einfließen lassen und so mein MEO Guthaben wieder mit 30 Euro updaten. Drei nette Frauen kümmern sich gleichzeitig um mich. Das gefällt mir. Jetzt muss das aber noch in Datenvolumen umgewandelt werden. Kenne ich schon. Damit kennen sie sich nicht aus und schon sitze ich alleine da. Aber auch das schaffe ich per Telefon und siehe da. Eine SMS: 16GB für 16 Euro. Jawohl. Das hätte über Alditalk EU Datentarif 665 Euro gekostet. Die Aktion hat sich gelohnt. Die Kosten für den Sprachkurs als iPhone APP habe ich wieder raus und werde den updaten! 20150904a Auch ich schaue mir die Insel an. Ohne Jan. Nen bisschen Abstand tut auch mal ganz gut. Culatra ist mit Worten nicht zu beschreiben. Ein vergessener Sandhaufen, der eigentlich komplettes Naturschutzgebiet sein sollte, aber von portugiesischen Fischern und Muschel-Züchtern bewohnt wird. Eine Handvoll Restaurants, zwei drei Gemischtwarenläden. Ich fühle mich versetzt nach Graciosa im Norden von Lanzarote oder den Islas Roques vor der venezolanischen Küste. Ein dutzenden Katamarane liegen weit in der Lagune, werkeln und schrauben an ihren Schiffen. Das Leben ist entspannt, entschleunigt. Ich lerne Nuno kennen. Nuno ist hier aufgewachsen. Wie viele Culatraner, lebte auch seine Familie vom Muschlfarmen. Vor ein paar Wochen ist sein Vater verstorben, er muss sich um Haus und Hof kümmern. Eigentlich wohnt Nuno nicht mehr in Culatra, er arbeitet in einem Hotel in London. „Dort verdiene ich in einer Woche, wofür ich hier einen Monate schufte.“ Nuno erzählt mir viel über Culatra, über die Muschelzucht, über die Segler und die Spanier, die das Island bevölkert haben. Nuno liebt seine Insel, auch wenn er nicht hier sein kann. Seine Freundin wohnt schräg gegenüber. Nuno lädt mich ein. Ich kann aber auch nicht. „Vielleicht morgen“, nicke ich, wohlwissend das ich morgen keine Zeit haben werde. „Hier bleiben wir jetzt erst mal über den Winter Jan!“ So machen das Fahrtensegler. „Du suchst Dir eine Freundin hier und dann machen wir ein Restaurant auf!“ Jan schaut mich ungläubig an. „Der spinnt mal wieder der Alte. Zuviel gesegelt. Eindeutig, mag er denken. Mir soll es egal sein. „Morgen früh fahren wir nach Olhao mit der Fähre. Ich muss zum Zahnarzt.“  

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Faro – Der Leuchtturm

20150903

Ende eines Schlag’s

Natürlich. Wir sind nicht so früh losgekommen, wie eigentlich geplant. „Schau mal da steht jemand am Strand und winkt seinem Surfbrett. Das muss Nick sein. Mit Nick und seiner supernetten hochschwangeren Frau Sandy, habe ich mir vor fünf Jahren lange auf der Boot Düsseldorf unterhalten. Über Träume, über was sonst. Nick ist ein Träumer, er träumt vom Meer und strahlt mit sonnigem Lächeln. „Sandy hat mich mit unserem zweiten Sohn verlassen. Ich bin jetzt alleinerziehend mit meinem fünfjährigen Sohn Noah. Wir wohnen hier in unserem LKW. Ab morgen geht Noah hier zum Kindergarten.“ Nick hat sich nen Ast ab gefreut, dass wir hier in Sagres vorbeisegeln und sich schon vor Wochen per Comment gemeldet um mich abzupassen. Jetzt sitzen er und sein Sohn Noah im Cockpit der MARLIN und erzählen Geschichten und träumen wieder, wieder vom Meer. Jan und ich legen die 60 Meilen nach Faro dann heute recht schnell hinter uns. Halber Wind und raumschots. „Auf 24 Stunden wäre das ein Etmal von 194 Meilen gewesen. Nicht schlecht.“ Aber ich habe einen Fehler gemacht. Der Eingang in die Lagune von Faro ist eng. Klar, dass hier Strömung steht, wenn drei Meter Tidenhub, das Wasser strömen lässt. „Nanana Skipper“, tadel ich mich selber. Darum hat sich immer Nathalie gekümmert, die ist aber nicht da und Jan fehlt die Erfahrung und das Wissen. Wir haben Glück: Genau eine Stunde vor Hochwasser kommen wir an dem engen Nadelöhr an und segeln mit Motorsicherheit um die Ecke. Eine leichte Strömung zieht uns bei Böen bis 30 Knoten in die Lagune. Ich sag einfach mal nix dazu. Hätte der Zufall uns nicht zur richtigen Zeit hier sein lassen, hätten wir vorbeisegeln müssen. Ich vermute mal, dass hier mehr als vier Knoten Strömung stehen können und das gegen den Nachmittagswind. Braucht man nicht wirklich. Gestern Abend machen wir noch einen Kneipenbummel durch Sagres. Hier ist alles auf Surfer ausgerichtet. Die Restaurants sind voll mit Pärchen. Man vermutet die berühmte Brauerei Sagres, doch die steht in der Nähe von Lissabon und wenn wunderst: Gehört Heinecken Bier. Jan hat eine Kneipe via Tripadvisor rausgesucht. „Schick hier.“ Überall sitzen Pärchen und halten brav Händchen, schauen sich tief in die Augen, planen ihre Zukunft, essen Salat und trinken Bier, ein DJ taucht auf, aber die Saison ist schon wieder vorbei. „Hier ist doch schon Winter!“, klärte uns schon Nick am Nachmittag auf. Die Suche nach weiterem Leben verläuft relativ erfolgslos, bis ich eine alte Kneipe mit trüben Fenstern, einer alten Bar, einem noch älteren Wirt am Wegesrand auftaucht. Ich ziehe Jan da rein. Micha’s Instinktadvisor versetzt uns 30 Jahre zurück. Ein paar Fischer mit unfrischen T-Shirt schauen uns unfreundlich an, ein paar andere spielen Billard und lachen, ein Fernseher zeigt ein Pedro Almodo?var Film, zwei junge, hübsche Mädchen aus dem Dorf spielen Karten an einem der alten Stahlrohrtische. Das ganze beleuchtet eine billige Neonröhre über der Bar. Das Bier kostet jetzt nur noch ein Euro. Hier treffen sich keine Touristen und nach ein paar Minuten gehören wir zum Bild des Abends dazu. Bei Tageslicht schaffen wir es heute grade noch bis zum Ankerplatz. Voll wie auf den Antillen, bleibt uns fast kaum Platz zum Ankern. Ich will natürlich mitten rein. ROCNA reinkicken und das Eisen hält sofort. Coole Erfindung. Ich mache was zum Essen warm und schon ist die Sonne weg. Na ja. Morgen ist auch noch ein Tag. Jan ist heute ein bisschen muffelig. Am Anfang war das Leben als Bootsjunge spannend und abenteuerlich, jetzt schleicht sich der Alltag ein. Zu wenig Landgang. Immer der Alte. Immer Segeln. Da gibt es eben auch schon mal Tage, wo einem die Decke auf den Kopf fällt. Kenn ich. Aber ich glaube ich bin extrem verwachsen mit dem Bootsleben. Ich bin einfach kein Maßstab.  

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Angekommen an der Algarve

20150902

We really did it!

“Eh Jan. Guck mal Ernst. Ne. Nicht lachen. Ernst gucken!“ Jan und ich haben es geschafft. War jetzt wirklich nicht so schwer. Wir sind natürlich wieder mitten in der Nacht angekommen. Weit nach Sonnenuntergang, weit vor Mondaufgang. Also. Wir haben mal wieder dem Tiefenmesser vertraut und der elektronischen Karte natürlich. Hat immer was, am nächsten Morgen dann aus der Luke zu schauen, wo man denn so angekommen ist mitten in der Nacht, in der Dunkelheit. Jan ist Bootsjunge. Immer wieder bekomme ich Anfragen. „Ich will auch Bootsjunge sein.“ Dahinter steckt die Vorstellung „Hand gegen Koje“ mitzusegeln. Is aber gar nicht so. Jan hat einen echten Job auf der MARLIN. Ich, organisierter Ex-Geschäftsführer, beschäftige Jan in jeder seiner freien Minute mit Reparaturen, Putzen, Aufräumen, Sachen klar machen etc. Im Pilothaus liegt eine lange Liste. Jeden Tag soll etwas abgestrichen werden. Dafür gibt es eine Koje, frische Luft, Wasser & Brot und eine kleines Taschengeld. „Modernes Sklaventum“, sagte letztens mal ein Freund zu mir. „Wieso. Er darf dafür doch mitsegeln“, grinse ich. Hört sich schlimmer an als es ist. Jan und ich, wir verstehen uns sehr gut. Er hat eine gute Eigenschaft: Er kann mich geflissentlich ignorieren, wenn ich grade mal meine dollen fünf Minuten habe. Ins eine Ohr rein, aus dem anderen Ohr raus ;-) „Jan, schade dass Du nur bis Ende September dabei sein kannst“, und das meine ich Ernst. Jan und ich haben im Moment keine Gäste, weil wir so viel an der MARLIN zu tun haben. Denn wenn Mitsegler dabei sind, dann muss der Kahn in Schuss sein. Am Wochenende kommen zwei. Susann und Dieter. Bis dahin wollen wir in Faro sein. Das werden wir wohl schaffen. Wir freuen uns auf unsere neuen Mitsegler. Jetzt ist erst mal Büroarbeit angesagt, für mich. Ich habe auch eine lange Liste. Viel länger als Jan’s Liste ;-)  

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Ankerfall in Peniche

Wetter-Zwischenstop

Wäre da nicht diese Fischerboje gewesen, die Jan mit Vollgas niedergemäht hat, wären die letzten drei Stunden total langweilig verlaufen. Aus wenig Wind würde gar kein Wind und wir den Motor an, was jetzt wieder geht, und ab in den malerischen Hafen von Peniche. Ob der so malerisch ist, wird sich noch rausfinden lassen. Ich glaube eher nicht. Ich erinnere mich an einen langen Steg und das wir hier vor 15 Jahren Bobby Schenk kennengelernt haben, der zumindest in der Auflage seines Buches, Blauwassersegeln, die wir an Bord hatten, Stahlboote mit Langkiel für das beste Schiff für eine Weltumsegelung empfiehl. Ich erinnere mich an die junge Seglerin Müller, die wagemutig mitten in der Nacht auf den Steg sprang und Bobby die Hand gegeben hat. Aber Bobby war nicht mit seiner stählernen Thalassa da, sondern mit dem frisch aus der Werft kommenden Plastik Katamaran. „Der gehört Karla!“, erklärte er mir bei einem späteren Treffen mal. In der nächsten Auflage seines erfolgreichen Buches waren dann die Katamarane die besten Boote. Ich hatte die IRON LADY und segelte rostkloppfend, schweißend und pinselnd die nächsten 10 Jahre um die Welt. Wahrscheinlich war es gut so, sonst wäre ich nicht der, der ich heute bin. Den Booten wird eh viel zu viel Wertung gegeben. Viel mehr kommt es auf die Leute an, die damit segeln. Was Peniche für uns interessant macht, der lange Steg, der ist aber besetzt. Also ankern wir, wie üblich mitten in der Nacht, mitten im Hafen, die Fischer winken uns aufgeregt freudig zu, weil sie jetzt ein Kurve fahren müssen und wir, wir fallen gleich ins Bett. Nordwind soll es geben. Wieder mal. Wieder mal am Dienstag glaube ich. Dann werden wir wohl hier nicht lange bleiben.  

Nächste Abfahrtmöglichkeit mit der MARLIN: Derzeit ist fast alles dicht bis April 2016. Am 6ten September segeln wir Faro nach Madeira. Da sind noch zwei Plätze frei. Die Überfahrt zu den Kapverden ist ausgebucht. Im Oktober kannst Du noch auf den Kapverden mitsegeln. Ein Platz ist noch frei. Die Atlantiküberquerung ist ausgebucht. Der Törn mit der Rennmaschine MARLIN: Cuba 1000. Wir brechen den 200 Meilen Rekord! Von Curacao nach Cuba, hat noch eine Koje frei. Meine persönliche Empfehlung: Atlantiküberquerung 2016 buchst Du jetzt.www.marlin-expeditions.com

 

Begegnungen auf See

20150831

Was geht? Geht was?

In Peniche möchte man uns nicht. Vor allen Dingen nicht, weil wir mitten im Hafenbecken lagen. „Allgemeine Fahrzeugkontrolle. Ihren Führerschein bitte. Habe Sie Alkohol oder Drogen zu sich genommen?“, na ja, es war nicht ganz so schlimm. Auf jeden Fall lagen wir ab 11 Uhr auf Reede vorm Hafen, ungeschützt, gegen den thermischen Wind des Tages. Jan ist in die Stadt gegangen und ich hab das Schiff gehütet. Am Nachmittag soll der Wind drehen und langsam stärker werden. So war es dann auch und wir haben das Eisen aus dem Sand gehoben, Peniche, Peniche sein lassen und 30 Tonnen MARLIN langsam mit Windhauchkraft und Diesel Richtung Süd bewegt. Inzwischen segeln wir sogar. “Da ist ein Dreimaster am Horizont. Oder ist das ein Frachter mit drei Kränen. Ne. Der ist ja noch langsamer als wir. Ein Knoten machen die. Das ist die NPR Sagres sagt das AIS. Als wir näher kommen, brav unter Segeln, sehen wir die Bestimmung. Eine portugiesische Galeere. „Die kriegen den Hals nie voll!“ „Pass auf, sonst geben die uns jetzt die Breitseite!“ Also ein Segelschulschiff. Die Matrosen bekommen grade an Deck eine Unterweisung. Oder Einlauf. Wer weiß. Schickes Schiff. Endlich passiert mal was.  

Nächste Abfahrtmöglichkeit mit der MARLIN: Atlantiküberquerung 2016 von Kuba über Bahamas zu den Azoren – buchst Du jetzt.www.marlin-expeditions.com

 

Kurzentschlossen kurzgeschlossen!

20150830

Johann hatte doch ne Schraube locker

Das mit dem Schlüssel drehen hat auch heute Mittag noch nicht geklappt. Aber ich bin endlich ausgeschlafen. Ein Blick in das Werkstattbuch mit dem Schaltplan hilft. Entweder es muss das Trennrelay des YANMAR’s sein, denn dieser ist massefrei installiert oder aber das Startmagnet. Mit einem dicken Kabel rücke ich dem faulen Zahn zu Leibe. Das Trennrelay ist es nicht. Also gebe ich Saft direkt auf das Startmagnet. In der Erwartung eines dicken Knalls schließe ich dabei mal vorsichthalber die Augen. Wie früher in Duisburg, wenn man seinen Autoschlüssel nachts im Old Daddy verloren hat und das eigene Auto aufbrechen muss. Das Magnet zieht an, der Anlasser rüttelt los und Johann schuckelt wieder. Mir fällt ein Stein vom Herzen. „Give me five!“ Jan steht oben verschlafen im Cockpit. „Gut gemacht Skipper.“ Nen Lob vom Bootsjungen tut ja auch mal gut. Nach zwei Stunden Motorfahrt funktioniert alles wieder wie neu! Die losen Kontakte an der Lichtmaschine waren doch das Übel. Motor wieder aus. „Sechs Knoten Wind. Das können wir in Schleichfahrt. Drück mal auf’s GPS und aktiviere Faro.“  

Nächste Abfahrtmöglichkeit mit der MARLIN: Derzeit ist fast alles dicht bis April 2016. Am 6ten September segeln wir Faro nach Madeira. Da sind noch zwei Plätze frei. Die Überfahrt zu den Kapverden ist ausgebucht. Im Oktober kannst Du noch auf den Kapverden mitsegeln. Ein Platz ist noch frei. Die Atlantiküberquerung ist ausgebucht. Der Törn mit der Rennmaschine MARLIN: Cuba 1000. Wir brechen den 200 Meilen Rekord! Von Curacao nach Cuba, hat noch eine Koje frei. Meine persönliche Empfehlung: Atlantiküberquerung 2016 buchst Du jetzt.www.marlin-expeditions.com