Archiv der Kategorie: SY Marlin

We had a lot of fun

20151222

MARLIN hauled out

Die MARLIN steht inzwischen an Land und ich organisiere die Arbeiten und meine Heimreise nach Sockenland. Ich wünsche allen Lesern, Mitseglern, Familienangehörigen, Freunden und Bekannten ein frohes Fest, einen guten Rutsch ins neue Jahr und vor allen Dingen: Gesundheit. Sendepause.  

Mitsegeln auf der MARLINwww.marlin-expeditions.com

 

Last Pic vom Bootsmädchen

Last Pic vom Bootsmädchen

Heissnasse Überfahrt nach Trinidad

Claudia verlässt mich. Tja. So kann es gehen. Chaguramas ist nicht so der Renner würde ich mal sagen und da reizt es doch mehr mit Mark von der USUTU von Grenada nach Antigua zu segeln. Mir soll es recht sein. Ich habe die Beiden nicht ohne Absicht bekannt gemacht. Was soll Claudia auch dabei sein, wenn ich anfange Bootprojekte anzustoßen, Verhandlungen führe etc… Nix gut. Und Mark kümmert sich rührend um Claudia ;-)

Und so segeln wir am Sonntag Morgen in aller Frühe los. Claudia steht etwas sprachlos da, als ich etwas schroff mal alles einfach selber in die Hand nehme, den Anker aufhole, die MARLIN in Position bringe, das Groß mit der E-Winsch in wenigen Sekunden hochziehe und ohne Trara und Kommandos nach 10 Minuten auf der Kurslinie nach Trinidad bin. „Sorry Claudia. Ich musste mal scheuen, ob ich das noch alles alleine kann. Das muss halt sitzen.“ Mit achteinhalb Knoten Speed und der Fock am Start geht es schnell Richtung Trinidad. Ich setze den neuen „Planer“ ein. Ein Stück Edelstahlblech, dass meine Fischköder einige Meter in tiefes Wasser zieht. Beißt ein Fisch an, geht der Planer waagerecht und kommt mit dem Fisch an der Leine an die Oberfläche. Wegen den Algen im Wasser erhoffe ich mir so wieder Fisch zu fangen. Schon nach weniger als einer Stunde habe ich eine kleine Dorade an der Angel. Sollte das klappen? Leider entwischt mir der Fang wieder und es gibt später Spagetti mit Tomatensoße.

Wir segeln fürstlich und megaschnell in die richtige Richtung bis ebenso megaschnell ein dicker Squall aus Osten kommt. Mein siebter Sinn sagt mir: „Segeljacke, Segelschuhe!“ Claudia schläft. Sie ist gestern erst sehr spät von der USUTU zurück gekommen. Tja, Abschiednehmen ist halt nicht einfach. Kurze Zeit später reffe ich die Fock, das Groß ist schon im zweiten Reff und ab geht die Post. 30 Knoten legen uns auf die Seite, Claudia fällt aus der Koje. „Kann ich helfen?“ „Halt Dich fest und bleib im Cockpit!“ Nass ist es. Es regnet in Eimern und irgendwie ist es wie immer kurz vor der Küste von Trinidad.

Für den Yanmar habe ich ein dickes Rückschlagventil in den Kühlwasserzugang eingebaut. Ein großes. In der Hoffnung nun alle Kühlwasserprobleme los zu sein starte ich die Hauptmaschine und wieder bekommt der Yanmar nur Luft statt Wasser. Im Hafen klappt immer alles, nach dem Segeln: Scheiße! Wir stehen 10 Meilen vor dem Eingang nach Trinidad. „Und nu?“ Durch das Ventil kann ich auch nicht wie gewohnt einfach mit der Druckwasserpumpe den Yanmar mir Süßwasser füllen und dann läuft er wieder. Wir müssen zweimal beidrehen und mit viel Liebe und Gut zu Reden, Tätscheln und Fluchen läuft der Yanmar irgendwann wieder mit einem guten Strahl Kühlwasser. Doch ein neues, altes Problem meldet sich. Die Öldrucklampe geht jetzt gar nicht mehr aus. Bisher gab es Probleme im Leerlauf, jetzt plötzlich immer. Warnt der Summer und die Öldrucklampe, was macht man da? Sofort Motor aus, sonst Kolbenfresser. Ich schaue auf das Monometer. Oldruck ist 60psi. Also ist doch alles o.k. und er Sensor ist im Eimer. Wieder geistert es durch meinen Kopf: Warnt der Summer und die Öldrucklampe, was macht man da? Sofort Motor aus, sonst Kolbenfresser. Fünf Meilen vor uns, der Hafen, ein kühles Bier, die Werft und ein Mechaniker, der mir helfen kann. Hmm. Also noch mal Öl checken. Alles ist o.k. Frisches Öl ist drin, Filter gewechselt. Bis in den Boca del Dragon segeln wir, dann ist der Wind weg, dreht auf Süden, der Strom steht uns entgegen. Der Kanal ist eng. Es ist dunkel. Ich starte den Motor, geh in den Wind, Claudia lässt der Große einfach in das Lazybag fallen. „So, wenn wir jetzt in drei drei Minuten einen Kolbenfresser haben, dann haben wir ein Problem: Warnt der Summer und die Öldrucklampe, was macht man da? Sofort Motor aus, sonst Kolbenfresser. Aber alles ist gut. Motortemperatur normal. Wir tuckern mit 1800 Touren Richtung Chaguramas, direkt hinter uns die Küstenwache. „Wo kommen die denn her?“ Keiner hat sie vorher gesehen. Ich schalte das AIS wieder auf Senden und schon drehen sie ab. Vor Peakes Yacht Service fällt der Anker. Kaltes Bier. Emma den Motor streicheln, noch ein Rum und ab in die Falle.

Heute dann Einklarieren und das ganze Procedere. „Da könnt ihr aber nicht liegen bleiben.“ „Wir haben ein Motorproblem.“ „Ok. Dann dürft ihr mitten im Trafficchannel liegen bleiben.“ Die MARLIN freut sich schon auf die Werft. Drei Jahre war sie jetzt ununterbrochen am Start. Ein Jahr Karibik mit mehreren Kollisionen, Lackschäden, Ankerproblemen, Mastschaden, Nord-Atlantiküberquerung, Umflaggen nach Deutschland, Ein Winter in Flensburg, sportliches Testsegeln mit vier Crew’s im Winter auf der Förde, die norwegische Küste gegen Wind und Strom, Lefoten, Spitzbergen und zurück nach Bergen. Im Sturm nach Amsterdam, durch den Kanal und gegen den Wind durch die Biskaya, Portugal und Madeira, die Salvagens und die Kanaren. Zehn weitere Crew’s hat sie hinter sich gebracht ohne große Schäden. Die MARLIN hat sich echt bewährt. Ein tolles Schiff. Sie hat sich ein bisschen Werft verdient. Mehr als 20.000 Meilen seit Kauf der MARLIN in 2013.

 


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Heissnasse Überfahrt nach Trinidad

Claudia verlässt mich. Tja. So kann es gehen. Chaguramas ist nicht so der Renner würde ich mal sagen und da reizt es doch mehr mit Mark von der USUTU von Grenada nach Antigua zu segeln. Mir soll es recht sein. Ich habe die Beiden nicht ohne Absicht bekannt gemacht. Was soll Claudia auch dabei sein, wenn ich anfange Bootprojekte anzustoßen, Verhandlungen führe etc… Nix gut. Und Mark kümmert sich rührend um Claudia ;-) Und so segeln wir am Sonntag Morgen in aller Frühe los. Claudia steht etwas sprachlos da, als ich etwas schroff mal alles einfach selber in die Hand nehme, den Anker aufhole, die MARLIN in Position bringe, das Groß mit der E-Winsch in wenigen Sekunden hochziehe und ohne Trara und Kommandos nach 10 Minuten auf der Kurslinie nach Trinidad bin. „Sorry Claudia. Ich musste mal scheuen, ob ich das noch alles alleine kann. Das muss halt sitzen.“ Mit achteinhalb Knoten Speed und der Fock am Start geht es schnell Richtung Trinidad. Ich setze den neuen „Planer“ ein. Ein Stück Edelstahlblech, dass meine Fischköder einige Meter in tiefes Wasser zieht. Beißt ein Fisch an, geht der Planer waagerecht und kommt mit dem Fisch an der Leine an die Oberfläche. Wegen den Algen im Wasser erhoffe ich mir so wieder Fisch zu fangen. Schon nach weniger als einer Stunde habe ich eine kleine Dorade an der Angel. Sollte das klappen? Leider entwischt mir der Fang wieder und es gibt später Spagetti mit Tomatensoße. Wir segeln fürstlich und megaschnell in die richtige Richtung bis ebenso megaschnell ein dicker Squall aus Osten kommt. Mein siebter Sinn sagt mir: „Segeljacke, Segelschuhe!“ Claudia schläft. Sie ist gestern erst sehr spät von der USUTU zurück gekommen. Tja, Abschiednehmen ist halt nicht einfach. Kurze Zeit später reffe ich die Fock, das Groß ist schon im zweiten Reff und ab geht die Post. 30 Knoten legen uns auf die Seite, Claudia fällt aus der Koje. „Kann ich helfen?“ „Halt Dich fest und bleib im Cockpit!“ Nass ist es. Es regnet in Eimern und irgendwie ist es wie immer kurz vor der Küste von Trinidad. Für den Yanmar habe ich ein dickes Rückschlagventil in den Kühlwasserzugang eingebaut. Ein großes. In der Hoffnung nun alle Kühlwasserprobleme los zu sein starte ich die Hauptmaschine und wieder bekommt der Yanmar nur Luft statt Wasser. Im Hafen klappt immer alles, nach dem Segeln: Scheiße! Wir stehen 10 Meilen vor dem Eingang nach Trinidad. „Und nu?“ Durch das Ventil kann ich auch nicht wie gewohnt einfach mit der Druckwasserpumpe den Yanmar mir Süßwasser füllen und dann läuft er wieder. Wir müssen zweimal beidrehen und mit viel Liebe und Gut zu Reden, Tätscheln und Fluchen läuft der Yanmar irgendwann wieder mit einem guten Strahl Kühlwasser. Doch ein neues, altes Problem meldet sich. Die Öldrucklampe geht jetzt gar nicht mehr aus. Bisher gab es Probleme im Leerlauf, jetzt plötzlich immer. Warnt der Summer und die Öldrucklampe, was macht man da? Sofort Motor aus, sonst Kolbenfresser. Ich schaue auf das Monometer. Oldruck ist 60psi. Also ist doch alles o.k. und er Sensor ist im Eimer. Wieder geistert es durch meinen Kopf: Warnt der Summer und die Öldrucklampe, was macht man da? Sofort Motor aus, sonst Kolbenfresser. Fünf Meilen vor uns, der Hafen, ein kühles Bier, die Werft und ein Mechaniker, der mir helfen kann. Hmm. Also noch mal Öl checken. Alles ist o.k. Frisches Öl ist drin, Filter gewechselt. Bis in den Boca del Dragon segeln wir, dann ist der Wind weg, dreht auf Süden, der Strom steht uns entgegen. Der Kanal ist eng. Es ist dunkel. Ich starte den Motor, geh in den Wind, Claudia lässt der Große einfach in das Lazybag fallen. „So, wenn wir jetzt in drei drei Minuten einen Kolbenfresser haben, dann haben wir ein Problem: Warnt der Summer und die Öldrucklampe, was macht man da? Sofort Motor aus, sonst Kolbenfresser. Aber alles ist gut. Motortemperatur normal. Wir tuckern mit 1800 Touren Richtung Chaguramas, direkt hinter uns die Küstenwache. „Wo kommen die denn her?“ Keiner hat sie vorher gesehen. Ich schalte das AIS wieder auf Senden und schon drehen sie ab. Vor Peakes Yacht Service fällt der Anker. Kaltes Bier. Emma den Motor streicheln, noch ein Rum und ab in die Falle. Heute dann Einklarieren und das ganze Procedere. „Da könnt ihr aber nicht liegen bleiben.“ „Wir haben ein Motorproblem.“ „Ok. Dann dürft ihr mitten im Trafficchannel liegen bleiben.“ Die MARLIN freut sich schon auf die Werft. Drei Jahre war sie jetzt ununterbrochen am Start. Ein Jahr Karibik mit mehreren Kollisionen, Lackschäden, Ankerproblemen, Mastschaden, Nord-Atlantiküberquerung, Umflaggen nach Deutschland, Ein Winter in Flensburg, sportliches Testsegeln mit vier Crew’s im Winter auf der Förde, die norwegische Küste gegen Wind und Strom, Lefoten, Spitzbergen und zurück nach Bergen. Im Sturm nach Amsterdam, durch den Kanal und gegen den Wind durch die Biskaya, Portugal und Madeira, die Salvagens und die Kanaren. Zehn weitere Crew’s hat sie hinter sich gebracht ohne große Schäden. Die MARLIN hat sich echt bewährt. Ein tolles Schiff. Sie hat sich ein bisschen Werft verdient. Mehr als 20.000 Meilen seit Kauf der MARLIN in 2013.  

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Homies

20151219

Knoten im Kopp

Ich schreibe eigentlich, bekanntermaßen, leidlich, leidenschaftlich und einfach gerne meinen Blog. Im Moment eher ungern. Bin wohl in das nach Atlantiküberquerung-Loch gefallen oder bekomme schon meine Weihnachtsmuffelvorstimmung. Ich weiß es nicht. Es ist auch alles irgendwie unspannend, wie ich vorm Rechner sitze, Quittungen einscanne, Zahlen von rechts nach links schiebe, Ersatzteile im Internet bestelle und finale ToDo Listen erstelle. Nach einigen dazugekommenen Regentagen, habe wir es aber dann heute aber doch geschafft. Wir sind raus aus Grenada. 24 Stunden habe wir Zeit das Land zu verlassen und die MARLIN nach Trinidad zu bringen. Claudia freut sich auf den letzten Trip mit der MARLIN am Wochenende nach Trinidad. Ich auch. Sie ist jetzt schon acht Wochen auf der MARLIN und schon eine echtes Bootsmädchen. Eher zurückhaltend muss ich sie manchmal etwas aus der Reserve locken. „Claudia, ich muss heute in den Mast. Du ziehst mich hoch.“ „O.K.“ So ganz wohl ist mir bei der Sache nicht. Wir sind ja nur zwei Personen an Bord. Aber ohne Vertrauen kommen wir ja nun auch nicht weiter und ich nicht in den Mast. Und das ist notwendig. An der LunaWLANnet scheint ein Kurzschluß zu sein, unser Ankerlicht hat die Leuchtkraft eines Teelichts und die Lazyjacks schamfilen mit den Running Backstays. Also. Denn mal los. Dank Elektrowinsch muss Claudia mich nicht die 25 Meter mit der Hand hochwinschen. Ich sichere mich selber an der an Deck durchgesetzten Dirk mit einem Bergsteigerknoten, an einem zusätzlichen Life Belt, der sich zuzieht, sollte irgendetwas anderes brechen. Schwupps bin ich komfortabel oben. Leider entpuppt sich der Kurzschluss als wahr. Da muss eine neue LunaWLANnet her und mit viel Glück nur ein neuer LAN Stecker aufgecrimpt werden. Das in der Höhe bei dem Schwell der Prickley Bay. Ne, dass machen wir in Trinidad, wenn ich aus Deutschland im Februar zurückkomme. Das Ankerlicht ist auch hinüber. Da gönnen wir uns dann mal eine LED-Tricolor. Auf den Erfolg unserer Mission.  

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Hinter den Bergen beim blauen Leuchtfeuerschiff

Hinter den Bergen beim blauen Leuchtfeuerschiff

Kleine Pflaster gegen die Skipper Blasen

Ja. Es war auch alles anstrengend in den letzten Wochen und Skipper Micha bedarf ein paar Tagen Ruhe. Da kommt die Einladung von LUNATRONIC Kunde Konrad doch mal im Hotel/Spa/Marina Komplex „Le Pha Bleu“ vorbeizuschauen grade richtig an. Ich soll mir das Kurzwellenumfeld in Konrads Yacht, einer schicken, eleganten Hanse anschauen, in der er ein M802 mit PACTOR Modem einbauen will, dass er als Selbsteinbausatz von mir (LUNATRONIC) gekauft hat. Die Besichtigung ist schnell erledigt und im Angesicht zu der ToDo Liste auf der MARLIN bin ich auch ganz froh, dass Konrad mich nicht bittet die Kabel für ihn durch seine Bilge zu ziehen, sondern dies selbst machen will. Jaja ;-)

Also sitze ich seit zwei Tagen am Pool und lasse mir von schicken langbeinigen creolischen Schönheiten ebenso lange „Long-Drinks“ in eiskalten Gläser servieren und genieße ab und an dazu einen Gruß aus der bis in die Schweiz bekannten Küche. Einmal am Tag kommt der ansässige Chiropraktiker und kümmert sich um die Schmerzen im Lendenwirbelbereich meines Rückens. Über What’s App berichtet mein Bootsmädchen Claudia von ihren Fortschritten auf der MARLIN im Kampf mit der To Do Liste. Ich genieße die 30 Grad im Schatten und langweilige mich ein bisschen, während ich den Kokosnüssen ausweiche, die von den Bäumen fallen.

Die Realität sieht leider wie so oft im Leben ganz anders aus. Am Samstag kommt Susan mit ihrem Ehegatten Thomas an Bord um einen entspannten Wochenendschnuppertörn zu machen. Chris und Claudia freuen sich auch schon. Ich sowieso. „Sollen wir heute mal die Fock statt der Genua setzen? Ich schaue mein erfahrenes Team fragend an. Das Meer ist weiß. „Ach nö Skipper, dass ist doch wieder so viel Arbeit mit den Running Backstay’s.“ Ich schaue wieder auf’s Meer, auf die weißen Schaumkronen. „Na, wie ihr wollt. Dann zieht mal das zweite Reff ins Großsegel.“ Zwanzig Minuten später sitzt der arme Thomas mit dem gelben Eimer zwischen den Füßen geknickt im Cockpit und die MARLIN reitet die Wellenberge hoch und runter. Da fällt auch noch der Kurt ins Wasser. „MANN ÜBER BORD!“ Der orangefarbige Rettungsring klatscht in die See. Große Aufregung. Böse Blicke. Meine Atlantikcrew hatte es ja immer sehr eilig. Mein schlechtes Gewissen bestätigt sich. Ich hätte dieses Manöver am Anfang des letzten Atlanti-Schlages machen sollen und in Zukunft wird das immer so sein, auch wenn der Generator streikt und zig andere Probleme anscheinend wichtiger sind. Die Kommandos kommen langsam, die MOB Taste wird spät gedrückt und die Rettungsmittel werden nicht ausgeworfen. Außer Claudia hat keiner meiner Mitsegler eine Rettungsweste an. Nach drei Minuten gerät Kurt, der über Bord geworfene Rettungsring außer Sicht und Steuerfrau Susan sagt: „Micha, ich weiß nicht was ich machen soll!“ In der Lost in Space Situation schaut auch Co-Skipper Chris nur noch schnell weg aufs Wasser. Wären Miki und Richard da, würden die jetzt noch wissen was zu tun ist? Ohje. Ich bekomme die mittelschwere Krise und mache mir ernste Selbstvorwürfe. Über den Atlantik habe ich sie alle rüber bekommen. „Mensch Kinders. Ich bin echt froh, dass ich bei euch nicht über Bord gefallen bin.“ Ich übernehme das Steuer. Inzwischen haben alle ihre Westen an. Wir wenden und segeln zum MOB GPS Punkt zurück. Chris erblickt Kurt, Aufschiesser, Genau steht back und Susan nimmt Kurt an der Lee Seite an Bord. Beigedreht machen wir eine Teambesprechung, trinken was und kommen zur Ruhe. „Also, da müsst ihr wohl noch mal wieder kommen auf die MARLIN. Das muss noch mal geübt werden. Und wenn nicht, dann solltet ihr das zumindest auf dem nächsten Boot als allererstes machen. So lange bis das im Schlaf klappt.“ Betretene Gesichter schauen mich an.

Am Abend im Restaurant den Pha Bleu’s ist alles wieder vergessen und hoch die Tassen. Chris reist um vier Uhr morgens am Sonntag Morgen ab. Allerdings nicht für lang. Um acht Uhr ist er schon wieder zurück an Board. Er hat seinen Reisepass vergessen. Ohne Pass, kein Flug. Und so kommt er in den Genuß einen Dinghy Concerts. Alle paar Wochen veranstaltet Dieter, der Schweitzer Initiator des Pha Bleu’s, eine Konzert zu Wasser. Ein alte Bartsch dient als Publikumsplattform mit Getränkeausschank und das Arbeitsschiff als Konzertbühne. Ein paar lokale Musiker spielen Bob Marley Songs und alles was ein Dinghy hat, dockt im trinkenden Pulk an und rockt mit. Auf jeden Fall eins: Einmalig. So ein Konzert haben wir noch nie besucht. Am Abend räume ich den Freezer aus, denn den brauchen wir erst wieder im Februar. Chris bekommt noch mal ohne Abrechnung doppelten Lammrücken a la Michael aus dem Ofen, als Pflaster wegen dem Reisepass. Ich hätte ja auch mal dran denken können. Die Frage: „Hast Du alles?“, reicht eben doch nicht immer.

Jetzt waren es nur noch zwei. Claudia und Micha sitzen auf der MARLIN. Ein Blatt Papier mit allem was gemacht werden muss. Ganz oben: Claudia Frisör. So. Ich leg mich wieder im Gedanken an den Pool zu den lanbeinigen Creolinnen und den dazu passenden Drinks. Morgen wieder Realität. Gute Nacht.



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Hinter den Bergen beim blauen Leuchtfeuerschiff

Kleine Pflaster gegen die Skipper Blasen

Ja. Es war auch alles anstrengend in den letzten Wochen und Skipper Micha bedarf ein paar Tagen Ruhe. Da kommt die Einladung von LUNATRONIC Kunde Konrad doch mal im Hotel/Spa/Marina Komplex „Le Pha Bleu“ vorbeizuschauen grade richtig an. Ich soll mir das Kurzwellenumfeld in Konrads Yacht, einer schicken, eleganten Hanse anschauen, in der er ein M802 mit PACTOR Modem einbauen will, dass er als Selbsteinbausatz von mir (LUNATRONIC) gekauft hat. Die Besichtigung ist schnell erledigt und im Angesicht zu der ToDo Liste auf der MARLIN bin ich auch ganz froh, dass Konrad mich nicht bittet die Kabel für ihn durch seine Bilge zu ziehen, sondern dies selbst machen will. Jaja ;-) Also sitze ich seit zwei Tagen am Pool und lasse mir von schicken langbeinigen creolischen Schönheiten ebenso lange „Long-Drinks“ in eiskalten Gläser servieren und genieße ab und an dazu einen Gruß aus der bis in die Schweiz bekannten Küche. Einmal am Tag kommt der ansässige Chiropraktiker und kümmert sich um die Schmerzen im Lendenwirbelbereich meines Rückens. Über What’s App berichtet mein Bootsmädchen Claudia von ihren Fortschritten auf der MARLIN im Kampf mit der To Do Liste. Ich genieße die 30 Grad im Schatten und langweilige mich ein bisschen, während ich den Kokosnüssen ausweiche, die von den Bäumen fallen. Die Realität sieht leider wie so oft im Leben ganz anders aus. Am Samstag kommt Susan mit ihrem Ehegatten Thomas an Bord um einen entspannten Wochenendschnuppertörn zu machen. Chris und Claudia freuen sich auch schon. Ich sowieso. „Sollen wir heute mal die Fock statt der Genua setzen? Ich schaue mein erfahrenes Team fragend an. Das Meer ist weiß. „Ach nö Skipper, dass ist doch wieder so viel Arbeit mit den Running Backstay’s.“ Ich schaue wieder auf’s Meer, auf die weißen Schaumkronen. „Na, wie ihr wollt. Dann zieht mal das zweite Reff ins Großsegel.“ Zwanzig Minuten später sitzt der arme Thomas mit dem gelben Eimer zwischen den Füßen geknickt im Cockpit und die MARLIN reitet die Wellenberge hoch und runter. Da fällt auch noch der Kurt ins Wasser. „MANN ÜBER BORD!“ Der orangefarbige Rettungsring klatscht in die See. Große Aufregung. Böse Blicke. Meine Atlantikcrew hatte es ja immer sehr eilig. Mein schlechtes Gewissen bestätigt sich. Ich hätte dieses Manöver am Anfang des letzten Atlanti-Schlages machen sollen und in Zukunft wird das immer so sein, auch wenn der Generator streikt und zig andere Probleme anscheinend wichtiger sind. Die Kommandos kommen langsam, die MOB Taste wird spät gedrückt und die Rettungsmittel werden nicht ausgeworfen. Außer Claudia hat keiner meiner Mitsegler eine Rettungsweste an. Nach drei Minuten gerät Kurt, der über Bord geworfene Rettungsring außer Sicht und Steuerfrau Susan sagt: „Micha, ich weiß nicht was ich machen soll!“ In der Lost in Space Situation schaut auch Co-Skipper Chris nur noch schnell weg aufs Wasser. Wären Miki und Richard da, würden die jetzt noch wissen was zu tun ist? Ohje. Ich bekomme die mittelschwere Krise und mache mir ernste Selbstvorwürfe. Über den Atlantik habe ich sie alle rüber bekommen. „Mensch Kinders. Ich bin echt froh, dass ich bei euch nicht über Bord gefallen bin.“ Ich übernehme das Steuer. Inzwischen haben alle ihre Westen an. Wir wenden und segeln zum MOB GPS Punkt zurück. Chris erblickt Kurt, Aufschiesser, Genau steht back und Susan nimmt Kurt an der Lee Seite an Bord. Beigedreht machen wir eine Teambesprechung, trinken was und kommen zur Ruhe. „Also, da müsst ihr wohl noch mal wieder kommen auf die MARLIN. Das muss noch mal geübt werden. Und wenn nicht, dann solltet ihr das zumindest auf dem nächsten Boot als allererstes machen. So lange bis das im Schlaf klappt.“ Betretene Gesichter schauen mich an. Am Abend im Restaurant den Pha Bleu’s ist alles wieder vergessen und hoch die Tassen. Chris reist um vier Uhr morgens am Sonntag Morgen ab. Allerdings nicht für lang. Um acht Uhr ist er schon wieder zurück an Board. Er hat seinen Reisepass vergessen. Ohne Pass, kein Flug. Und so kommt er in den Genuß einen Dinghy Concerts. Alle paar Wochen veranstaltet Dieter, der Schweitzer Initiator des Pha Bleu’s, eine Konzert zu Wasser. Ein alte Bartsch dient als Publikumsplattform mit Getränkeausschank und das Arbeitsschiff als Konzertbühne. Ein paar lokale Musiker spielen Bob Marley Songs und alles was ein Dinghy hat, dockt im trinkenden Pulk an und rockt mit. Auf jeden Fall eins: Einmalig. So ein Konzert haben wir noch nie besucht. Am Abend räume ich den Freezer aus, denn den brauchen wir erst wieder im Februar. Chris bekommt noch mal ohne Abrechnung doppelten Lammrücken a la Michael aus dem Ofen, als Pflaster wegen dem Reisepass. Ich hätte ja auch mal dran denken können. Die Frage: „Hast Du alles?“, reicht eben doch nicht immer. Jetzt waren es nur noch zwei. Claudia und Micha sitzen auf der MARLIN. Ein Blatt Papier mit allem was gemacht werden muss. Ganz oben: Claudia Frisör. So. Ich leg mich wieder im Gedanken an den Pool zu den lanbeinigen Creolinnen und den dazu passenden Drinks. Morgen wieder Realität. Gute Nacht.  

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Nur weitersegeln hilft

20151210

Gegen das Fernweh gibt es einfach keine Medizin

Ja. Wir sind angekommen. Und Schwupps sind Miki und Richard auch schon von Bord. Nein, alles gut. Keine Flucht vorm großen Skipper, sondern große Sehnsucht nach Hof und Heim. „Und habt ihr euch jetzt infiziert? Wollt ihr jetzt ums Kap Hoorn segeln mir mir?“ Große Augen beim Abschlussbier an Land. „Nee Micha. Wir wollen in Zukunft mit Familie und Freunden in Kroatien von Restaurant zu Restaurant segeln. War ja sehr schön und aufregend mit Dir über den Atlantik, wirklich eine Challenge, aber einmal reicht.“ Miki und Richard sind sich einig und ziehen an ihren Zigaretten, paffen den blauen Qualm gemütlich in die Luft. Beide sind glücklich. Ich auch. 101 Tage ohne Kippe und meinen ersten Trip mit rauchenden Gästen ohne damit ein Problem zu haben. Leben & Leben lassen. „Ich würde euch jederzeit wieder mitnehmen zum Segeln übers Meer, übers Meer…“, ich grinse: „Richard Du steuerst Hand, besser als der Autopilot und Miki, Du bist ein begnadeter Schiffs-Koch. Warten wir mal ab was passiert in euren Köpfen in den nächsten Monaten. Wir bleiben in Kontakt.“ Ich verabschiede mich von den Beiden und wenig später auch von Susann, die nach vier Wochen ihren geliebten Ehemann Thomas heute sieht und eine Honeymoon Suite im Norden der Insel angemietet hat (Boa! Spass!) Der mag keinen Knoblauch und deshalb hat Susann das letzte Mittagessen verschämt. „Du solltest die Frage in den Fragebogen aufnehmen, ob der Anwärter zum Mitsegeln große Mengen Knoblauch und Chili im Essen verträgt. Ansonsten bist Du aufgeschmissen!“ Ich grinse wieder. „Wird gemacht!“ Susan ist infiziert vom Hochseesegelvirus. Da brauche ich gar nicht fragen. Ob sie noch mal mit mir segelt oder lieber mit einem Ex-Vende Globe Schiff? Wahrscheinlich letzteres. Sie kann den Hals nicht voll bekommen. Zurück an Bord ist da noch Chris, der noch bis Sonntag bleibt und Claudia, die bis zum bitteren Ende auf den Skipper aufpassen wird, dass der keine Weihnachtsdepression bekommt. Wie es weitergehen könnte 2016, sieht man oben im derzeitigen Passageplan. Was meint: Weitergehen wird. Richtung Curacao ist alles unklar. Keine Mitsegler derzeit. Wer also noch nichts zu tun hat zwischen dem 8ten und 22ten Februar 2016, der melde sich jetzt! Kuba geht erst wieder ab Mitte April, bis dahin ist alles ausgebucht. Dann geht es in die Jardines, nach Isla Juventud, Havanna und den Rest siehst Du ja. Aber wie gesagt, dass brüte ich grade aus. Erst mal muss ich mich um die MARLIN kümmern. Morgen ist frei, St George angesagt, Wochenende und Co. Nächste Woche stehen wichtige Entscheidungen an. Wo und wann die MARLIN an Land kommt, was gemacht wird und und und…  

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Nur weitersegeln hilft

Nur weitersegeln hilft

Gegen das Fernweh gibt es einfach keine Medizin

Ja. Wir sind angekommen. Und Schwupps sind Miki und Richard auch schon von Bord. Nein, alles gut. Keine Flucht vorm großen Skipper, sondern große Sehnsucht nach Hof und Heim. „Und habt ihr euch jetzt infiziert? Wollt ihr jetzt ums Kap Hoorn segeln mir mir?“ Große Augen beim Abschlussbier an Land. „Nee Micha. Wir wollen in Zukunft mit Familie und Freunden in Kroatien von Restaurant zu Restaurant segeln. War ja sehr schön und aufregend mit Dir über den Atlantik, wirklich eine Challenge, aber einmal reicht.“ Miki und Richard sind sich einig und ziehen an ihren Zigaretten, paffen den blauen Qualm gemütlich in die Luft. Beide sind glücklich. Ich auch. 101 Tage ohne Kippe und meinen ersten Trip mit rauchenden Gästen ohne damit ein Problem zu haben. Leben & Leben lassen. „Ich würde euch jederzeit wieder mitnehmen zum Segeln übers Meer, übers Meer…“, ich grinse: „Richard Du steuerst Hand, besser als der Autopilot und Miki, Du bist ein begnadeter Schiffs-Koch. Warten wir mal ab was passiert in euren Köpfen in den nächsten Monaten. Wir bleiben in Kontakt.“ Ich verabschiede mich von den Beiden und wenig später auch von Susann, die nach vier Wochen ihren geliebten Ehemann Thomas heute sieht und eine Honeymoon Suite im Norden der Insel angemietet hat (Boa! Spass!) Der mag keinen Knoblauch und deshalb hat Susann das letzte Mittagessen verschämt. „Du solltest die Frage in den Fragebogen aufnehmen, ob der Anwärter zum Mitsegeln große Mengen Knoblauch und Chili im Essen verträgt. Ansonsten bist Du aufgeschmissen!“ Ich grinse wieder. „Wird gemacht!“ Susan ist infiziert vom Hochseesegelvirus. Da brauche ich gar nicht fragen. Ob sie noch mal mit mir segelt oder lieber mit einem Ex-Vende Globe Schiff? Wahrscheinlich letzteres. Sie kann den Hals nicht voll bekommen.

Zurück an Bord ist da noch Chris, der noch bis Sonntag bleibt und Claudia, die bis zum bitteren Ende auf den Skipper aufpassen wird, dass der keine Weihnachtsdepression bekommt.

Wie es weitergehen könnte 2016, sieht man oben im derzeitigen Passageplan. Was meint: Weitergehen wird. Richtung Curacao ist alles unklar. Keine Mitsegler derzeit. Wer also noch nichts zu tun hat zwischen dem 8ten und 22ten Februar 2016, der melde sich jetzt! Kuba geht erst wieder ab Mitte April, bis dahin ist alles ausgebucht. Dann geht es in die Jardines, nach Isla Juventud, Havanna und den Rest siehst Du ja. Aber wie gesagt, dass brüte ich grade aus. Erst mal muss ich mich um die MARLIN kümmern.

Morgen ist frei, St George angesagt, Wochenende und Co. Nächste Woche stehen wichtige Entscheidungen an. Wo und wann die MARLIN an Land kommt, was gemacht wird und und und…



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Lobster & Co

 

20151207

Paradies Tobago Cays erreicht

Da wir so schnell über den Atlantik gesegelt sind und auch rechtzeitig am Start auf den Kapverden waren, kommt meine Crew nun in den Genuss, noch eine Woche Karibik zu erleben, anstatt sich direkt in den Flieger zu setzten und wieder ab ins Hamsterrad zurückzukehren. Leider nutzt nur Chris und Claudia diese Möglichkeit. Miki, Richard und Sue gehen vorzeitig von Bord. Sue allerdings, weil der geliebte, vermisste Ehemann Thomas, zum turteln nach Grenada kommt. Bis Mittwoch haben wir Zeit das Leben genießen in den Tabago Cays, wo Milch und Honig vom Himmel regnen. Dann soll es weiter nach Grenada gehen.   Wir kommen in die bekannte Anchorage. Ich erwarte hundert Katamarane um diese Jahreszeit. Aber es sind nur zehn. „Das ist ja wie Weihnachten.“ Der Anker fällt etwas abseits des Ankerfeldes ins türkisblaue Wasser. Alle staunen und kaum ist die Badeleiter an ihrem Platz, tauchen, schnorcheln und prusten die Gemüter um und unter der MARLIN im 28 Grad warmen, kristallklaren Wasser was vom offenen Atlantik über die Riffkante zu uns gespült wird. In den Tobago Cays, liegt man direkt hinter der Riffkante vor Anker, fühlt den stetigen Passatwind, der kühlend durchs Schiff zieht. Nen bisschen gemein zu lesen für die Glühweintrinkenden Freunde und Leser im kalten Nordeuropa. Wir haben das verdient.   20151207a Auch Chris war schon mal hier als Skipper und kennt sich aus. Er übernimmt die Organisation des „Must Do Lobsteressen!“ Die Taxiboote aus Union Island haben hier alles im Griff. Sie bringen Brot am Morgen, Bier am Nachmittag und den Müll nehmen sie auch mit. Perfekt organisiert. Alles kostet, was bei unserem einmaligen Kurz-Besuch nicht so sehr ins Gewicht fällt und immer noch als günstig anzusehen ist im Vergleich zu den teuren Restaurant in Grenada. So verbringen wir den ersten Mittag unter den Palmen am Grillplatz der Locals und lassen es uns gut gehen. Es gibt riesige Lobster. Für jeden einen. Ich bekomme den größten. Wir essen so gut, dass zumindest ich fast platze und erst einmal eine Siesta auf einer der Bänke neben einem Einheimischen einlegen muss. Das heißt hier „Limen“ (übersetzt etwa: Rumhängen, Nichts machen, Chillen etc.) Später am Tag bringen wir Helmut (Unser 30PS Außenborder heißt Helmut Schmidt weil er so qualmt) ans Red Dinghy an. Jetzt geht es ab. Jetzt sind wir mobil und erreichen in kürzester Zeit jeden schönen Winkel der Cays. Taucherbrillen, Flossen werden rausgekramt und los geht es zum Schildkröteninsel. Aber keine da. Dann ans Außenriff. Mikki sieht und filmt tatsächlich einen Schwarzspitzen Riffhai! Suasann und ich schnorcheln gegen die starke Strömung über die Riffkante. Leider ist das Riff hier durch die Wirbelstürme und Korallenbleiche tot. Ein einsamer Drückerfisch beäugt mich interessiert. Ich denke direkt an Bratpfanne. Der Drückerfisch kommt näher: „Du darfst hier nicht speeren. Haha!“ Zwei Wochen Segeln ohne Alkohol erzeugt ein Party Nachholbedürfniss. Es wird feucht, es wird laut und spät. Die guten spanischen Rioja und Malbec Weinvoräte aus Skippers Weinkeller werden drastisch abgebaut. Na ja. Zu alt darf der Wein ja auch nicht werden.  

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LaLüLaLa. Living Karibik

20151206

Angekommen auf Union Islands

Is klar. Wir kommen natürlich am Wochenende an. Das wird teuer. Overtime heißt das magische Wort. Am Wochenende kann auch Frau Susann Lach nur am Flughafen einklarieren, was definitiv überteuert ist. Alles hat allerdings auch seinen Grund. Wir wollen in die schönen Tobago Cays zum schnorcheln. Dahin geht es aber nur einklariert oder man muss von den ganz harten Goverment-Ignorern sein. Kann ich ja eigentlich ganz gut, werde ich aber nicht vermitteln. Deshalb geht alles der Ordnung halber. „Susann. Füll doch bitte mal die Papiere aus.“  

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Land in Sicht

20151205

Landfall in Union Islands

Unsere MARLIN, die rennt die letzten Meilen was das Zeug hält. Gut macht sie das. Ordentlich wackeln tut sie auch dazu. Hier die Daten der Atlantiküberquerung 2015: 13 Tage, 5 Stunden und 30 Minuten, 2.438 geloggte Seemeilen durchs Wasser, 2.371 Meilen über Grund, direkte Strecke 2.156 Meilen, 179 Seemeilen pro Tag, 7,46 Knoten durchschnittliche Geschwindigkeit. Nen bisschen langsam finde ich persönlich. Gerne hätte ich einen Durchschnitt von +8 Knoten gemacht, die MARLIN auch, aber ganz ehrlich: Es soll auch allen Spaß machen. Was mich am meisten an diesem Törn begeistert hat war, dass keiner der auch nur im Geringsten seekrank geworden ist. Direkt dahinter hat mich die Ausdauer der weiblichen Crew beeindruckt. Immer wieder gerne. Unsere MARLIN aber hat das höchste Lob verdient. Ganz klar nach dem Motto: SAFETY FIRST! Hat sie uns 100% anstandslos über den Atlantik gebracht. Mal abgesehen von Verschleiß und Bagatellschäden durch Fehlbedienung gab es keine große n Probleme. Gut gemacht MARLIN. So. Und jetzt sind wir angekommen. Großzügig, wie Miki sich gerne gibt, hat er uns alle zum Essen an Land eingeladen. Danke hierfür Miki. Alle liegen in der Poofe, ich darf noch ein bisschen in Ruhe an der Tastatur hacken, ein letzten Rum trinken und dann auch danieder fallen. Morgen einklarieren und dann ab in die Tobago Keys. Jetzt Karibik Urlaub. Das haben sich alle verdient.  

Mitsegeln auf der MARLINwww.marlin-expeditions.com

 

Skippers Wache

20151203

Springer

Was für meine Crew neue Erfahrungen sind, ist für mich unterbrochener Schlaf. Bei einer 7er Crew wäre ich einfach nur Springer und immer da, wenn es notwendig wird. Bei unserer 6er Crew bin ich allerdings teilhabend an der Wache. In Susann’s letztem Bericht habe ich in der gesamten Nacht vielleicht drei Stunden geschlafen. Das macht sich natürlich auch bemerkbar. Ich versuche stundenweise meinen verpassten Schlaf nachzuholen. Deshalb habe ich der Crew in der letzten Nacht Autopilot verschrieben und folglich außer in meiner Wache durchgeschlafen. Das tut allen gut. Heute sieht es nicht so gut aus, denn wieder einmal stehen dunkle Wolken am Horizont. Sehr dunkle Wolken. Schon um 16 Uhr übernehme ich das Steuer und bleibe da auch bis fast Mitternacht. Es windet mit teils 38 Knoten, die Segel werden immer kleiner und kleiner.  

20151203a

Das war’s vielleicht vorerst mit dem Schleppangeln auf dem Atlantik.

Schon im letzten Jahr, bei der letzten Atlantiküberquerung von den Bahamas über die Azoren nach Europa, war das Fischen mit Schleppleine extrem schwierig, wegen dieser Algen. Früher kam so etwas äußerst selten von. Inzwischen segeln wir seit den kapverdischen Inseln ununterbrochen durch Algenfelder. Also gut 2.200 Seemeilen. Das sind tausende von Tonnen. Das Zeug verfängt sich in der Angelleine und bildet am Harken einen dicken Knoten. Die Köder verfangen sich und gehen verloren. Das kein Mahi Mahi oder Wahoo in diesen Köder reinbeißt ist natürlich ebenfalls klar. Was ist das? Eine neue Plage, ein Wink der Natur. Wächst das Zeug irgendwo am Meeresboden oder an der Wasseroberfläche?  

20151203b

Kein 200er Etmal

In einer meiner letzten Nachtwachen, mag es vorgestern gewesen sein, habe ich versucht um 00:00 Susann, Claudia und Chris zu motivieren das letzte bisschen Speed aus der MARLIN heraus zu holen. 20-25 Knoten raumschots Wind waren angesagt. „Das sind die richtigen Bedingungen um das 203 Meilen Etmal der MARLIN zu knacken…“ Chris und Susann sind sofort begeistert dabei und geben in ihrer folgenden Wache alles, im30 Minuten Wechsel um relativ übertakelt, möglichst permanent über neun Knoten zu segeln. Jede Stunde tragen sie ihre Position in die Karte ein und überprüfen ihren Erfolg. Ich stelle mir den Wecker für vier Uhr morgens, um auch Richard und Miki zum Mitmachen zu motivieren. Doch ohne dass es ausgesprochen wird, fühle ich grade bei Richard, dass er eigentlich gar keine Lust hat mitzumachen. „Warum haben wir es denn plötzlich so eilig? Nur wegen der Zahl 200?“ Miki, der schon zu Beginn unserer Reise geklärt hat, dass er nicht Segeln lernen will, nickt nur. Um acht Uhr übernehme ich wieder mit Claudia das Steuer. Alle gemeinsam rasen wir die Wellenberge des Atlantiks gen Westen runter. Gegen Mittag kommen die einzelnen Helden der Nacht ins Cockpit und ich meine, Unwollen zu spüren, ohne dass meine Mitsegler etwas sagen. Der Baum der MARLIN zieht regelmäßig durchs Wasser. Das Heck der MARLIN tänzelt im Kielwasser. Die Beschleunigung macht das Leben auf der MARLIN anstrengend. „OK. Dann lassen wir das wohl besser mal. Schaun wir mal zum Mittagsbesteck, was die 12 Stunden so gebracht haben und dann reffen wir wieder die Genua auf Normalgeschwindigkeit.“ Richard nickt zufrieden. Wenig später kommt Claudia vom Kartentisch. „Also, in den letzten 12 Stunden sind wir 103 Meilen über Grund weiter gekommen!“ Ich klatsche. Aber ich klatsche alleine. Da wird mir klar, dass ich auf dem Holzweg bin. Da ist wohl was schief gelaufen. Sollte ich mal drüber nachdenken. In der Nacht von Freitag auf Samstag werden wir Barbados passieren und schon am Samstag Nachmittag wir unser Ziel Union Island am Horizont erscheinen. Ich auf der Rettungsinsel und schaue in das karibikblaue Kielwasser der MARLIN. 2.200 Meilen liegen jetzt schon hinter uns. Immer wieder eine unglaubliche Reise, so ein Atlantiküberquerung mit all ihren Facetten, Farben, Emotionen. Ich bin ein Junkie der See. Ich liebe dieses Blau, ich liebe es auf dem weiten Meer zu sein und mein Gedanken über den Horizont schwirren zu lassen. Ich liebe und brauche es frei zu sein.  

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