Archiv der Kategorie: SY Marlin

Koriander an Bord. Heute Begrüßungsessen: Thunfischsteak

20151116

Gefühlsstatus: Hungrig auf Meilen

Hi Chris. Alles klar im Store Room? Chris ist Deutscher, lebt in der Schweiz und suchte dringend noch nach einem Ticket über den Atlantik. Ich suchte dringend noch nach einem Anpacker. Irgendwie passte es, dass habe ich schon an dem Fragebogen gesehen, den Chris mir zugeschickt hat. Wenn Chris nicht grade schläft, ist Chris daueraktiv. „Skipper was gibt es zu tun.“ Nach 12 Stunden brauchte er die Frage nicht mehr zu stellen. Chris ist jetzt Store Room Manager, verwaltet unseren großen Lagerraum im Heck der MARLIN und ist sehr interessiert, sehr routiniert an Deck. Chris sieht nun seine Aufgaben selbstständig und checked mit mir eigentlich nur nach ab, was zu erst zu tun ist. Prima Sache mit Chris. Ein echt gutes Crewmitglied. 20151116a  

Gefühlsstatus: Busy in Vorbereitung. Verproviantierung

“AUSKLARIERT!“ Jepp. Done. Jetzt gibt es kein Zurück mehr. Christopher – Wir kommen hinterher. „Geschwind, geschwindt, wie der Wind.“ Ich stehe am Hafen. Mein Blick schweift über die Bucht von Mindelo. Die ARC Segler zeigen Flagge über Topp und Takel. Ganz schön voll. Meine Crew habe ich zu Verproviantieren geschickt. Ich mache den Papierkram. Voll isses bei der Policia Maritim. Kapverdisch interessiert es kein Thunfisch, dass meine letzte Zarpe drei Wochen her is aus Santo Antao. „Letzter Hafen?“ „Tarrafal, Santiago.“ Keine Rüge. Keine Reaktion. „Wann? Wohin?“ „Grenada. Übermorgen.“ Bumm. Stempel auf dem Papier, das in Grenada von mir verlangt wird. Hätte ich es nicht, wäre auch nicht schlimm. Aber da hat mich Nathalie ja jahrelang konditioniert. „Alles muss seine Ordung haben. Auch der Rest meiner neuen Crew ist hyperaktiv und entspannt gleichzeitig. Die Tage der Verproviantierung rennen immer nur so dahin, vergehen schneller als man denkt und sind doch so wichtig. „Auf dem Atlantik sind wir allein. Da muss alles stimmen. Da gibt es keinen Supermarkt, wo man kurz mal anhalten kann.“ Alles schauen mich an. „Was will der denn nun schon wieder. Wissen wir doch alles.“ O.K. Ich gebe auf. Das muss ich anders angehen.  

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Vier neue Nasen an Bord für die Atlantiküberquerung

20151115

Gefühlsstatus: Aufgeregt

“Hallo! Willkommen in Cabo Verde!“ Am Samstag stehen Miki und Chris vor mir an der Floating Bar der Marina Mindelo. Praktischer Platz um neue Crew zu empfangen. Ich trinke noch ein Bier und habe noch mal ein paar Minuten Zeit zu überlegen, ob ich diesen Menschen vor mir die nächsten drei bis vier Wochen als Zimmernachbarn erleben, ertragen, gewinnen, genießen, erleben, ersegeln, erobern oder entschleunigen will. Aber auch der geplante Mitsegler, zukünftige Freund fürs Leben, hat das Recht dies zu tun. Am Sonntag kommen noch Susann und Richard an. Richard ist richtig weiß und blass. Mir fällt auf wie farbig ich und Claudia im Gegensatz sind. Meine Crew ist vollständig angekommen und wohlauf. Alles ist gut. „Na dann kann es ja losgehen!“ 20151115a Gefühlsstatus: Nachdenklich Erst einmal gibt es was zu essen. Eine Tortilla, ein Curry, Reste von gestern und plötzlich steht viel mehr auf dem Tisch als der geplante Snack. „Och, da haben wir ja noch Zeit für den ersten Part der Sicherheitseinweisung.“ Ich spiele das Skipper-Tonband ab, bewegen dazu meine Arme und Beine, wie die Saftschubsen im Flugzeug. Draußen fängt es an zu blasen und zu regnen. Nicht grade romantisch. Direkt hinter uns liegt ein chinesischer Seelenverkäufer, neben uns der Fischmarkt und die Öltanks der lokalen ENACOL Treibstoffversorger. Richtig romantisch. Nicht? Morgen müssen wir uns versorgen. Für drei Wochen. Gut dass wir einen großen Bestand an Lebensmittel an Bord haben. Noch schauen alle etwas nachdenklich. Aber das wird sich ändern. Ab Mittwoch scheint wieder die Sonne, der Wind wird stetig wehen und neue Abenteuer am Horizont erscheinen.  

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Im Gedenken an die Opfer von Paris

20151114

Invasion der ARC Regatta

Während ich über meine Probleme mit der Toilette lamentiere, schießen wilde Islamisten blind in die Menge. Hundert und mehr Menschen sterben. Die Vorstellung, die eigenen Kinder unter den Opfern zu haben, was anderen Eltern so gestern Nacht geschehen ist, ist unvorstellbar. So nah ist plötzlich der Bürgerkrieg in Syrien bei dem in den letzten vier Jahren mehr als 240.000 Menschen gestorben sind. Knocking on Heavens Door – stehen die Flüchtlinge vor unseren Grenzen. Da kommt ordentlich was auf uns zu. Skipper Micha fühlt sich klein und schuldig. Am Horizont erschein ein Mast der ARC Yachten nach dem anderen und füllen die Steganlagen der Marina Mindelo. Große Yachten, Megakatamare. Purer Luxus trifft auf kapverdianische Armut. Sicherheitskräfte sorgen dafür, das keine Kapverdianer auf die Steganlagen kommen. Eine Handvoll schickerer Locals sitzen an den Tischen der Floating Bar, rauchen westliche Zigaretten, benehmen sich ein bisschen so daneben wie einige der ARC Segler, die ab Noon Time schon Goin mit Tonic trinken, später grölen und singen. Was bringt die ARC für Mindelo? Was kann ich machen das Menschen keine Menschen mehr töten. Was kann ich machen, damit es in Mindelo keine Armut mehr gibt? Chris und Miki sind heute angekommen und eingebootet. Mark hat die MARLIN sehr traurig verlassen, wie gerne wäre er doch dabei gewesen, mit über den weiten blauen Ocean ins neue Land. Eine neue Besatzung segelt nun auf unserem roten Raum- und Zeitgleiter mit Ziel West, da wo die Sonne untergeht, da wo Christoph 1492 Amerika entdeckt hat. Morgen werden Richy und Susan kommen. Dann sind wir komplett. Ein bisschen verproviantieren, ein bisschen ausklarieren, ein bisschen Raumgleiter segeln üben und schon wird sich unsere Blase über den Ocean bewegen. Die Gasflasche ist zum Füllen weg, eine ungefüllte 100AH Starter Batterie ist weggestaut und die entsprechende Säure sicher untergebracht. Man weiß nie. Irgendwie hat Skipper Wnuk, das Gefühl, nicht schlecht so was zu haben. Der Generator spielt seit gestern wieder richtig mit. Ich habe einige Korrosionsprobleme gefunden und behoben. Die MARLIN ist bereit. Auch ich bin bereit.  

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In Mindelo zum Crewwechsel angekommen

20151113

Freitag der 13te

Eigentlich wollte ich mir heute nur die Decke über den Kopf ziehen. Doch die Arbeit ruft. Mark schwächelt heute, meint: Mark leidet. Er hat den Durchpfiff bekommen, den Claudia und ich schon hinter uns haben. „OHA!“ Die ganzen Nacht wackelt er seinen kleinen Jungenpopo von Koje durch den Salon zum noch funktionierenden Vorschiffsklo. Claudia und ich, wir leiden quasi mit. Als es hell wird und Mark sein männerleidendes Gesicht zum Durchfall dazu auflegt, erkennen wir die Schwere der Krankheit. „Nicht ansprechen. Ich bin krank“, steht auf seiner Stirn geschrieben. Ich streiche Mark von der ToDo-Worker Liste, verziehe mich mit Claudia an Land. Irgendwas zum Essen müssen wir ja einkaufen. Vor dem Thunfischstand kommt dann wieder: „Ich brauche aber heute keinen Fisch. Du kannst ja Fisch für Dich kaufen. Ich nicht.“ Warum hat mich Gott nur mit diesen Vegetarianern gestraft? Was habe ich falsch gemacht in meinem Leben? Seit Tagen, ja seit Wochen habe ich schon kein Fleisch mehr gegessen. Nein, nicht, dass es mir dabei schlecht gehen würde, dass wollte ich damit nicht sagen. Ich gewöhne mich sogar langsam an das andauernde Grünzeug zwischen meinen Zähnen und wenn überhaupt dann Fisch. „Stell Dich mal dahin“, sonst sieht man nicht welche Größe diese Yellowfins haben. „Am Sonntag kommt die neue Crew. Da gehe ich alleine Morgen einkaufen. Ohne Dich! Das macht mehr Spaß!“ Und schon schlendern wir wieder über den Gemüsemarkt, kaufen Sachen von denen wir Minuten später den Namen schon wieder vergessen haben. Hauptsache gesund und ohne Beine. Jaja.

Die MK5 und der AGT4000

Hieroglyphen diese Namen. Aber nur für Dich. Die MK5 ist die Ersatzscheißhauspumpe. In der gemessenen Rekordzeit von 90 Minuten wechsle ich die alte Pumpe gegen die neue aus. Die Schläuche müssten auch neu. Aber das geht jetzt nicht. Mit auf die ToDo Liste für Trinidad. Wohin auch sonst. Auf jeden Fall ist das Klo wieder o.k. und dass freut die neue Crew. Vorbei am leidenden Schwan Mark, führt mich mein Weg zum Fischer Panda Generator. Der lädt seine Starterbatterie nicht mehr auf, weil Rafa, ohne meine Erlaubnis die Haube abgenommen hat, um diese zu säubern, falsch wieder drauf gesteckt hat und einen Kurzschluß am Massetrennrelay erzeugt hat. Super Boatsboy. Stunden vergehen. Claudia putzt, eine Maschine nach der anderen mit Bettwäsche läuft durch die Waschmaschine. An Deck hängt überall Wäsche zum Trocknen. Claudia schafft ordentlich was weg und putzt was das Zeug hält. Ich nehme derweil Kabelbäume auseinander und verfolge die Fehlfunktion, mit dem Ergebnis, dass es wieder funktioniert. Warum weiß ich nicht. Egal. Heute ist Freitag der 13te. Mir soll es recht sein. Ich stelle mich lange unter die Dusche. Der Generator muss ein paar Stunden laufen, die Gelegenheit um ordentlich Wasser zu machen. Es ist grade auflaufende Tide. “Ich kaufe jetzt noch eben den Drückerfisch. Der wird Dir schmecken. Der ist wie Hühnchen.“ Claudia schaut mich unglaublich an. „Glaub mir. Der schmeckt super.“ So. Ich stell mich mal in die Küche und zaubere den Drückerfisch zum Chutney und dem Reis und dem Salat und der Mohrrübe die aus meinem linken Ohr rauswächst.  

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Skippers Delight

Ein letztes Selfie mit 52

Der Schlag von Tarrafal nach Mindelo kann recht ruppig und unangenehm sein. Wir haben Neptuns Zuspruch. Eine leichte Briese, fast aus östlichen Richtungen, keine Wolke am Himmel. So lobe ich mir das Seglerleben. Das lässt mich fast drüber lachen, dass gestern Nacht die MK-5 Pumpe unserer Bordtoilette das Zeitliche gesegnet hat. Früher habe ich angefangen mit Ausbauen, Service Kits raussuchen, alles säubern in Essig usw. Dann wieder einbauen. Scheiße, immer noch undicht. Etc. Aber man lernt dazu. Im Motorraum liegt eine neue Pumpe. OVP. Und weil das so auch bleiben soll, habe ich direkt ne neue bestellt und an Susann schicken lassen, die am Sonntag auf die MARLIN kommt. Jetzt heißt es nur noch die alte Pumpe ausbauen, neue rein. Bis dahin benutzen wir die Toilette im Vorschiff, die genau dafür ansonsten stillgelegt ist. Backup Scheißhaus, denn Probleme mit dem Scheißhaus brauchen wir gar nicht ;-)

Mit drei Leuten an Bord der MARLIN.

Das sind sechs Meter Boot für jeden von uns. Richtig? Die MARLIN rennt los. Bevor ich Rafa vor die Tür gesetzt habe, hat er brav noch das Unterwasserschiff sauber gemacht. Das macht sich ordentlich bemerkbar. Auf dem Tacho steht über acht Konten, manchmal über Neun, aber auch ordentlich schräg. Ich schicke Marc in die Küche. Nen bisschen gemein beim Am Wind Kurs. Aber er hält sich tapfer. Die Tomatensoße bekommt er noch hin. Die Spagetti schafft er nicht mehr. „Also wenn Du nicht willst, dass ich noch eine zweite Soße dazu mache, musst Du das selber machen. Ich brauche dringend einen Horizont!“ „Dann stell Dich mal ans Steuer, das hilft!“ Claudia ist ebenfalls gut drauf. Beim Am Wind Kurs segelt die MARLIN ja eh fast von alleine. „Mehr ein Begleiten als ein Steuern“, stellt sie fest. Es ist ein wortkarger, schöner Trip. Jeder ist in im Gedanken mit sich selbst. Durch den Ostwind können wir für die Nacht Sao Nicolao anlaufen und dann morgen weiter nach Mindelo segeln. “Mann war ich da noch jung“, werde ich in wenigen Monaten sagen, wenn ich das Selfie vom heutigen Tage anschaue. Mark und Claudia sind nicht so die Fotografen, da muss ich dann selber Hand anlegen. In achtzehn Tagen werde ich 53 Jahre. Na so was. Klares Vorruhestandsalter. Hätte ich do nur mal eingezahlt ;-) Vielleicht auch besser das nicht ;-)  

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Markttag

20151109

Entschleunigung in der Endphase

Meine aktiven Neusegler sind zu aktiven Ankerliegern geworden. Zugegebenermaßen – Tarrafal bei Nacht ist nicht unser Ding. Komische Stimmung auf den Straßen. Dafür sind die Tage um so schöner. Meine Crew ist zwischenzeitlich offen geworden für die Kultur und Begegnungen mit den Menschen diese wunderschönen Landes. Und die Farbigen sind offener geworden für die Touristen, wie man auf diesem wunderschönen Bild sieht. Die sympathischen Damen, die uns ein einfaches, gutes und preiswertes Essen bescheren, wollen kein Geld für ihr goldiges Lächeln, sondern nur, dass wir morgen wiederkommen. Danke. Norbert hat sich entschieden morgen den Flieger zu nehmen um seinen Anschlussflug nach Deutschland zu bekommen. So ermöglicht er uns noch einen Tag länger in Tarrafal zu verweilen und zu genießen. Gerne doch Norbert. Danke schön. So. Und jetzt fallen mir aber die Äuglein zu. Zeit fürs Bettchen.  

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Sonntagstimmung auf den Kapverden

20151108

Zwischen Himmel und Erde

Schon seit einigen Tagen steigt meine Unmut, gegenüber Rafael. Unserem kapverdianischen Bootsjungen. Er nervt mich mehr, als dass er mich entlastet. Seit ein paar Tagen lasse ich ihn auch eigentlich nur noch Putzen, was das Zeug hält. Gestern hat er sein Wochengehalt bekommen und wie war es anders zu erwarten, kommt er heute am Morgen wieder, keinen Pfennig mehr in der Tasche und voll mit allem was es gibt. Da ist mir dann die Hutschnur geplatzt. „Rafa. Pack Deine Sachen. Ich bringe Dich gleich an Land.“ Rafa versteht die Welt nicht mehr, sieht seine Koje, den immer vollen Kühlschrank schwinden und fängt erst mal an zu heulen. Die Abfindung, das Geld für die Fähre nach Sal, der ordentliche Tip der Crew, trocknet die Tränen aber wieder schnell. Auch dieses Geld in Höhe eines Monatsgehalts eines normal Verdienenden wird Rafa wieder schnell ausgeben und in ein paar Tagen in Alkohol und andere Dingen umsetzen. 20151108a Auch die Crew atmet erleichtert auf. Irgendwie. Es entsteht eine angenehme Ruhe an Bord. Mark bohrt Löcher in die MARLIN für einen 3/4G Außenantenne an Deck der MARLIN, verlegt das Kabel geschickt bis zum Router. Danke Mark. Am Nachmittag senkt sich der Stand der Sonne endlich und aus der Hitze wird eine angenehme Temperatur. Mark und ich fahren mit dem Dinghy zum Schnorcheln. Die neue Speargun ist auch dabei. Aber Wnuk schießt erst mal nur daneben. Das Mördermodell mit dem Namen MARLIN 120 unter Wasser zu spannen, nur bis zur ersten! Gang gelingt mir so grade eben. Hallo Wnuk. Bisschen Üben! 20151108b Die schöne Woche findet ihr Ende bei Mark’s ersten selbstgekochten Green Curry mit Yellow Fin Thuna. Auf seinen ganz besonderen Wunsch, weihe ich ihn in die Tiefen der Zubereitung ein und Claudias Gemüseabteilung steuert wieder einmal einen Salat aus dem Nichts hinzu. Morgen: Markt  

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Skippers Frei-tag

20151106

Immer ganz vorne dabei, wenn es um die Problembewältigung geht

Bis zu 80 Meter Ankerkette, 13mm mit 70kg Rocna mit der Hand aus dem Wasser ziehen, mag man einmal zum Spaß versuchen, aber nicht dauerhaft der neuen Crew anlasten, die grade in den Startlöchern in Deutschland steht um mit mir über den Atlantik zu segeln. Das Gestern, beim Ankommen in Tarafall / Santiago, die Ankerwinsch dann nur noch ein sanftes „Klack“ des Steuerrelais von sich gegeben hat, hat mich dann doch etwas unruhig schlafen lassen. Am Morgen frühstücken wir dann alle zusammen. „Ihr fahrt heute nach Praia. Müsst ihr unbedingt sehen! Ist ja nun die Hauptstadt von den Kapverden. Nein ich komme nicht mit, ich muss mich um die Ankerwinsch kümmern!“ Enttäuschte oder glückliche Gesichter, ich kann es nicht genau einordnen. „Rafa bringt euch gleich an Land mit dem Dinghy.“ Kaum sind die Mitsegler glücklich entsorgt, schließe ich den Motor der Winsch noch mal direkt an die Batterie an, in der Hoffnung, dass er sich wiederbelebt. Tut er aber nicht. Also ausbauen. Ich brauche gar nicht anfangen zu schwitzen, ich stehe schon wieder im eigenen Saft. Kaum habe ich das gute Teil in den Händen sehe ich die gelöste, punktgeschweißte Kupferleitung der Wicklung. „Oha!“ Ein bisschen Gewühle und ich finde eine passende Ringöse mit Pressterminal. Mit Montage, Verpressen, Verlöten und Aufräumen vergehen aber dann doch vier Stunden. Time is Money, stimmt bei unserem heutigen Freitagsproblem jedoch nicht. Hätte ich das Problem nicht mit Bordmittel reparieren können, hätte ich den teuren Ersatzmotor, hätte den aus England bestellen müssen, hätte diesen der neuen Crew unterjubeln müssen zum Mitbringen etc… Hätte, hätte Fahrradkette. Is alles gut gegangen. Wir ziehen unseren Anker aus Kabelsalad in dem Bojenfeld raus, in dem wir mitten in der Nacht notgeankert haben. Das Bojefeld kennzeichnet das Unterwasserkabelfeld der Telefon- und Internetleitungen nach Brasilien. Hmm. Ankern strengstens verboten. Nein, wir ziehen ausnahmsweise keine Datenkabel mit hoch. Die Kapverden haben immer noch Internet und Telefon. Wir ankern neu und der wieder entspannte Skipper genießt die Aussicht auf einen der wohl schönsten Ankerplätze der kapverdischen Inseln. Die Bucht von Tarafall mit ihren schönen Kokosnusspalmen, dem weißen Sandstrand und dem klaren Wasser. Fu wohnt hier. Fu hat uns zum Essen gelozt, in den Hinterhof des Restauranti di Francois. Unter sternklarem Himmel gibt es hier Pizza mit viel Käse. Gar nicht mein Geschmack, aber es gibt auch toten Fisch mit Beilage. Das war jetzt ein bisschen ironisch, aber die kapverdischen Auffassungen von guter Küche sind meist, doch sehr durchgebraten, folglich trocken, ganz so, wie ich es denn eben nicht gerne habe. Fu habe ich seit fünfzehn Jahren nicht mehr gesehen. Wir sind eher bekannt, als befreundet und kennen uns aus der Zeit als diese Internetseite noch von anyMotion aus Düsseldorf betreut und programmiert wurde. Also, auf jeden Fall von ganz früher. Lang ist es her und so. Fu lebt seit neun Jahren hier in Tarafal und so dreht sich im Gespräch viel um die Kapverden, über das Damals und das Heute, was der gesamten weltpolitischen Entwicklung entspricht und der steigenden Touristenzahlen auf den Kapverden, sobald die Tui eine neue Insel anfliegt. Wir sind uns einig, trinken einige Einigkeitsbiere bis meine Crew etwas gestresst von ihrem Praia-Ausflug wieder auftaucht. Wilde Geschichten von prall gefüllten Aluguers folgen, sobald die Pizzen vertilgt sind und der Zucker-, Alkohol und Endorphinspiegel wieder auf dem Normallevel ist. Also alles insgesamt ein erfolgreicher Tag. Rafa hat das gesamte Boot geputzt, ich habe lange mit Maya und Lena videogeskypt, wir haben 600 Liter Wasser gemacht und eine Maschine Wäsche gewaschen. Alltag auf der MARLIN. Enjoy Life.  

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Doch Stress

20151105

Meilen knacken

Wir laufen Süd. „Jede Meile die wir Süd laufen, müssen wir gegen den Wind wieder nach Nord!“, ich runzle die Stirn. Aber Tarafal auf Santiago soll es für meine Crew und für mich eben doch sein. Früh morgens geht es raus aus der Lagune von Boa Vista. Schon am gestrigen Abend haben wir Dinghy und den schweren 30PS Außenborder an Bord gehievt. Claudia geht es wieder besser und dafür hat sie mich angesteckt. Ich verbringe die halbe Nacht auf der Toilette, mit ist kotzeübel und ich bin wirklich nicht grade bester Laune am heutigen Morgen. Den raumschoten Kurs mit der MARLIN zu fahren ist viel schwieriger als am Wind. Dazu kommt ordentlich Wind mit bis zu 20 Knoten und ebenfalls ordentlich Welle. Da kommen die segelbegeisterten Newbies ordentlich ins buchstäbliche Schleudern. Der Bullenstander kann zeigen ob er hält, als die MARLIN einmal ihren Popo vorm Mast dreht. Klassische Patenthalse ohne Schaden. BUMM BÄENG ZOPP ZOIN! „Laut. Was?“ Da stehen sie wie die Pudel, nass begossen im Cockpit und wissen nicht wie ihnen geschehen ist. Ich kann meine Begeisterung im Zaun halten, versuche ansatzweise zu lächeln. Schon ist die MARLIN wieder auf Kurs, meine Steuerleute arg bedacht, dass das nicht noch mal passiert und ich schließe mich wieder auf Toilette ein und warte der Sachen die da abgehen. Der Rest des Tages wird ein wunderschöner Segeltag. Jetzt stehen wir knapp 10 Meilen vor Tarrafal von Santiago. Und das gibt es gleich zu essen. Thunfisch mit Gemüsepfanne.  

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No Stress

20151103

newbies writing

„Guten Morgen“ ist heute erst ab 9:00. Der gestrige Tag war für uns „newbies“ doch sehr anstrengend. Ich selber (Mark) bin in meinem Leben noch nie so eine lange Strecke gesegelt. Konzentration beim Ruder gehen ist hier über eine längere Zeit gefragt und das macht sich bemerkbar. Wir waren dann auch froh dass die Marlin am Anker in der Lagune von Boa Vista lag und wir, nach dem Micha uns noch schnell was zu essen gemacht hat, müde ins Bett fallen konnten. Der heutige Tag fangt gemütlich an und Micha, Norbert und ich dürfen an Land die Vorräte auffüllen. Auch Sprit fürs Dinghy wird besorgt. An Land angekommen und gestärkt durch einen Espresso stiefeln wir los in „Sal Rei“ und bleiben beim ersten Souvenirshop stehen. Nicht um die angebotenen Waren zu betrachten, sondern unser Auge fällt auf das kleine Mädchen mit den großen Augen und dem verzauberten Lächeln. Dahinter der Shop mit farbenfroher Ware und genauso farbenfrohen Menschen. Die Fröhlichkei t ist ansteckend. Sal Rei ist ein (off-season) verschlafenes Dörfchen am Rande der Lagune. Die Hektik der anderen Inseln ist hier nicht zu spüren. Es kann aber sein, wenn im nächsten Monat die TUI Bomber landen, die Straßen sich füllen mit Touristen, Surfer (mit oder ohne Kite) und andere Wind-Sportler. Für jetzt aber eine Idylle aus alten Häusern von englischen 19. Jahrhundert Siedler und das Motto der jetzige Einwohner: „No stress“, ist. Zurück an Bord setzt sich die ruhige angenehme und entspannte Atmosphäre fort und wir dürfen wieder einmal die genialen Kochkünste des Skippers genießen. Morgen werden wir ein wenig von Boa Vista anschauen und mal über die endlos weißen Strände spazieren. A nice day away from the office.  

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Tendenzieller Blogout

20151102

Segel, segeln und wieder segeln

Wir haben heute Morgen Sao Nicolao verlassen mit dem Ziel Ost. Boa Vista liegt etwa 80 Meilen vor uns, der Wind schralt ordentlich aus dem nordöstlichen Sektor. Meine Crew ist etwas dezimiert. Claudia ist wegen Magenverstimmung ausgefallen. Ob es auch mit „Seebeinen bekommen“ zu tun hat ist nicht genau festzustellen, ist auch egal, Claudia ist ausgefallen und liegt in der Koje. Wir segeln Höhe, meint gegenan, meint die MARLIN schlägt durch die Wellen, die aus Norden kommen. Eh nicht so der Anfängerkurs. Meine restlichen Crew gibt sich alle Mühe des Kurs zu halten. Das schwächste Glied ist Rafa unser kapverdianischer Bootsboy, der einfach den Kurs nicht halten kann. Nun, dafür kann er andere Sachen gut. Mark und Norbert wechseln sich ab und halten die MARLIN auf Kurs. Üben, üben und wieder üben. Is ja noch kein Meister vom Himmel gefallen. Natürlich könnte ich den Autopiloten einschalten, die Crew aber will lernen. Gut so. 20151102a Ilha Santa Luzia eroberte die Crew mit Rafa allein. Ich durfte nach den anstrengenden Anfangstagen wichtige e-mails beantworten und mit meiner Familie telefonieren. Von Sao Vicente reicht das 3G Netz bis zum Ankerplatz im Süden der unbewohnten Insel. Schöne neue Welt. Ich weiß nicht, ob ich das nun gut oder blöd finden soll. Natürlich nutze ich das Internet, statt die notwendigen Arbeiten im Motorraum der MARLIN auszuführen. Am Nachmittag schaue ich zum Strand. Mannshohe Wellen brechen sich lauthals am Strand. Ich rechne schon mal damit das meine Mannschaft mit dem Dinghy kentern wird, beim Versuch das Beiboot durch die Wellen zu bekommen. Ich brauche kein Fernglas um zu sehen, dass Rafa das einzig Richtige macht und in einer stillen Phase das rote Dinghy alleine durch die Wellen bringt und die Crew auffordert zum Beiboot zu schwimmen. Für ihre Sachen haben sie eine wasserdichte Tasche dabei. 10 Minuten später ist Rafa mit Claudia an der MARLIN. „Norbert schafft es nicht den Weg zum Dinghy zu schwimmen. Mark sitzt mit ihm am Strand und wartet.“ „Ok. Rafa. Ich komme mit Dir. Nimm den Rettungsring mit.“ Mark und Rafa holen Norbert ans Beiboot, der Rettungsring trägt den kräftigen Mann und ich ziehe ihn ins Beiboot. Es stellt sich heraus, dass Norbert nicht mehr geschwommen ist seit dem er sechzehn war und eigentlich gar nicht schwimmen kann. „Norbert. Kannst Du Dich zwanzig Minuten ohne Schwimmhilfe über Wasser halten?“ Die Antwort macht mich nachdenklich „Nein.“ Ich organisiere ein gemeinschaftliches ums Boot schwimmen am nächsten Morgen. Am Abend trage ich die Frage in den MARLIN Fragebogen ein. Mein Fehler. Eindeutig. Das hätte auch in die Hose gehen können. Gemeinsam mit Norbert entscheide ich, dass er für den Rest des Törns immer angeleint ist, sobald die MARLIN sich bewegt. Kühlschrank und Vorratsbilge sind leer. „Lasst uns nach Sao Nicolau segeln!“ 20151102b Die letzten vier Tage haben wir dann in Sao Nicolao verbracht. Eine Fahrt über die Berge, in den Norden der Insel, nach Cidade da Ribeira Brava, entspannt alle. Vielleicht sind es vor allen Dingen schon mal die deutschen Temperaturen in den Bergen, die ein bisschen Erholung bringen. Unsere Suche nach Gemüse und einem Supermarkt wird auch in Cidade da Ribeira Brava mehr oder weniger enttäuscht. Wir kaufen was es grade gibt und davon viel. So ist das auf den Kapverden. Dafür bringt uns am Nachmittag ein Einheimischer einen Yellowfin Thunfisch vorbei. Nicht mit einem Boot. Er kommt einfach geschwommen. Kapverden halt. Zum vereinbarten Preis nimmt er ihn dann auch direkt auf der Badeplattform aus. 20151102c Den gestrigen Tag verbringe ich dann endlich wieder einmal im Motorraum. Mit Blaumann, Stirnband gegen den Schweiß und Knieschutz, wegen meinen Sturz und dem aufgerissenem Knie in Santo Antao. Das Schauglas am Tagestank ist zerbrochen, ein paar Liter Diesel sind in der Bilge gelandet. Der Generator braucht ein Ölwechsel und ich finde endlich das Luftleck im Ansaugschlauch der Hauptmaschine. Fertig bin ich noch nicht, aber am folgenden Tag soll es ja weiter gehen. Das ist der etwas frustrierende Status der Reparaturen. Ich komme diesen so grade hinterher, aber auch nicht mehr. Das beste vom Tag ist aber etwas ganze anderes: Renes Pfeifen auf 8 Mhz zur verabredeten Zeit. „Eh, dass ist aber jetzt mal richtig cool. Rene, kannst Du mich hören?“ Wir probieren noch ein paar Frequenzen aus. Die 10 Mhz. Die 13er erweist sich als beste. Endlich können wir wieder über Funk miteinander quatschen. Rene sitzt auf der SY MIRA in Saint Maarten. Is ja schon mal ne gute Strecke für zwei Funkanlagen an Bord von Segelbooten! „Bis Morgen mein alter Freund. Fühl Dich gedrückt!“  

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Segeln befreit

20151028

Durch die Düse

Es ist die Frage wer mehr leidet in den ersten drei Tagen auf der MARLIN. Ich als Skipper durch die Crew oder die Crew durch den Skipper, also durch mich ;-) Aber unabhängig davon wird es besser, mit jeder Meile die wir segeln, lernen die Neulinge die Funktion, die Bedeutung und die Farbe den einzelnen Seile, Schoten und Fallen… „Habt ihr Spaß?“, brülle ich ins Cockpit. „Ja Skipper. Wir haben Spaß.“ Kommt es inzwischen genauso laut zurück! Unsere MARLIN muss man schon verstehen, wenn man Spaß mit ihr haben will. Unsere MARLIN ist eben keine Bavaria, die man so mal eben zum zehntägigen Charterurlaub in Kroatien übernimmt. Wir segeln erst durch den Kanal zwischen Santo Antao und dann an der Südküste von Sao Vicente entlang. Es bläst wie Hölle und aus Vollzeug wird erstes Reff. Aus erstem Reff wird zweites Reff und aus zweitem Reff wird drittes Reff. Alles sehr hektisch, weil der Wind von einem Moment zum nächsten zunimmt auf 30 Knoten. Typisch Kapverdendüsen. Meine Mitsegler stehen mehr staunend im Cockpit, als dass sie mir helfen können. Aber schlussendlich kann ich sie nacheinander ans Steuerrad stellen und ihnen das Schiff überlassen. Alles ist gut, nichts geht schief oder kaputt. Zwischen Sao Vicente und der Insel Ilha Santa Luzia dann wieder Düse. MARLIN bockt auf den Wellenkämmen. Wasser kommt über bis in die Süllkante zum Heck. Aber schon nach kurzer Zeit steuern alle die 30 Tonnen in der richtigen Richtung. So. Aufatmen. Das war der wichtigste Schritt. Ab jetzt geht der Rest von Alleine. Keinem wird schlecht. Die Sonne scheint und am Nachmittag erreichen wir den Südstra nd von Ilha Santa Luzia zum Übernachten.  

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