Archiv der Kategorie: SY Marlin

Kleingärtner Micha

Warum streiten sich eigentlich Lebenspartner am ehesten?

Kaum ist die Familie da, ist auch schon wieder die Hälfte des Urlaubs vorbei. Ich könnte losheulen. Um es mal auf den Punkt zu bringen. Nathalie will mir nach anderthalb Stunden Gartenarbeit unter der MARLIN (Ich total genervt!) helfen und das Tauch-Jacket ausblasen. Zieht an der unteren Entlüftung und hat sie in der Hand. Nun ja. Da bekommt sie natürlich einen entsprechenden Kommentar. Und weil sie ja meine Partnerin ist, noch einen obendrauf. So deftig, dass ich mich später dafür entschuldigen muss. Warum ist das eigentlich grade so zwischen Lebenspartnern? Normalerweise hätte ich mich doch auch zusammengerissen und gesagt: „Du weißt das das falsch war?“ Hätte gegrinst. „Gehst Du einfach in Cayo Largo in die Tauschule und kaufst ein neues Jacket.“ (In Cuba kann man nichts kaufen oder online bestellen)

Die Überfahrt von Cienfuegos nach Cayo Largo war übel. Wieder Wind gegenan, die halbe Strecke und irgendwann ging nur noch Motor an. Der Propellor macht übelst Rumpelgeräusche und mein Nervenkostüm fängt direkt an zu flattern. Ich vermute direkt, dass das hintere Wellenlagerung ausgeschlagen ist. Damit würde ich aber nicht über den Atlantik kommen. Unter Segeln ja. Aber manchmal braucht man ja auch den Motor, wenn der der Wind weg ist und die nächste Crew schon im nächsten Hafen wartet. Das Wellenlager kann aber nur gewechselt werden, wenn die MARLIN mindestens für eine Nacht aus dem Wasser kommt. „Da gehen wir doch einfach in Cayo Largo in den Travellift. Rufen Fred an und der macht das!“ In Cayo Largo gibt es aber keinen Travellift, kein Fred und der nächste Hafen wo das gehen würde wäre in Miami. Aber wer will schon in die USA? Ich bestimmt nicht. Die MARLIN auch nicht. Und Zeit im Passageplan für einen Werftaufenthalt ist erst im July geplant. Hm. Un d dann geht die Phantasie mit dem Wnuk durch. Ich schlafe schlecht, träume wild und überhaupt.

Pfft! Ich lasse die Luft aus dem Tauchjacket und sinke mit ordentlich Blei und einem 30cm Spachtel zwei Meter unter die MARLIN. Was ich da sehe, habe ich in meinem nicht unerheblichen Segelleben noch nie gesehen. Der gesamte Rumpf und vor allen Dingen der gesamte Kiel ist 2-3cm dick mit weißem Rasen bewachsen. Cienfugeos lässt grüßen. Die Cubaner haben ja keine Kläranlagen und leiten alle ihre Abwässer in die Lagune. Wir ja auch. Nu ja. Andere Diskussion. Das weiße Gras ist eine Art Koralle, die hart ist und wie tot wirkt. Der Bewuchs des Rumpfes mit Seepocken ist ja bekannt und nimmt mit zunehmender Wassertiefe ab. Bei dem blendend weißen Graskorallen, ich nenne die jetzt mal so, ist das anders. Die bedecken flächendeckend den gesamte Kiel und Bootsrumpf. Vor allen da wo gutes Antifouling ist, sind sie besonders dicht. Prima Sache.

Eine Tauchflasche reicht nicht aus zur kompletten Reinigung. Ich habe noch eine und in Cayo Largo gibt es frische Druckluft. Also morgen noch mal tauchen. Mit kaputtem Tauchjacket, weil nur ein Trage habe ich nicht. Kann ich trotzdem. Ich tariere mit der Lunge bis 10m Wassertiefe und der richtigen Menge Blei.

Morgen soll es weitergehen nach Cayo Largo. Es kann nur besser werden. Ich versuche die Uhr anzuhalten damit die Zeit mit meiner Familie an Bord länger wird. Wer kann helfen?

 

Zurück aus dem Cubanischen Trinidad

Im Reitfieber

Aprilscherz 2018 ade. Nein. Wir haben nix verkauft. Alles bleibt bei Alten. Auch die deutsche Fahne am Heck. Und die schöne 55’ REHA mit Foils, bleibt ein kleiner Albtraum, den ich wirklich gehabt habe. Zuviel YACHT auf dem Klo gelesen. Die ganze Foilerei finde ich ziemlich abgefahren, entbehrt nach meiner wahrscheinlich eh unwichtigen Meinung, jeglicher Praxisnähe des normalen Seglers, zu denen ich mich im übrigen auch zähle.

Dominanter und realer waren für mich zwei Tage Trinidad. Der erste begann mit dem größten Wunsch von MayaLena. „Wir wollen Gauchoreiten! So wie 2016 schon geschehen.“ Die Eltern haben es zugesagt und über gut fünf Stunden sind wir alle mit Jorge unterwegs, der uns machen lässt. Machen lassen, meint, wir reiten früh am Morgen los und in die Berge vor dem malerischen Ort Trinidad. Schwester Susanne ist das zu sportlich und sie wählt das Alternativprogramm: Besichtigungen und Strand. Mehr Urlaub denn jeh. Gute Entscheidung. Das Reiten ist für Maya eine Tugend, für Lena eine Leichtigkeit und auch ich bekomme ein potentes Pferd, dass mich durch die Felder, die Wildnis und bis zum Wasserfall bringt, an dem wir nicht grade alleine sind. Trotzdem schön. Nathalie und ich traben hinter unseren ausgelassenen Kindern hinterher. Ab und an fallen die Pferde schon mal in den Galopp. „Papa hat einen neue Leidenschaft. Schau mal. Er sitzt im Sattel, als ob er nie was anderes gemacht hätte“, Maya hat doch bestimmt Hintergedanken, denke ich mir. Wir dinieren auf einer kleinen Farm, trinken Zuckerrohrwasser und weiter geht es. Auf dem Heimweg haben die Pferde es wie üblich etwas eiliger. Mir fangen an die Knie zu schmerzen vom „eleganten“ Aufstehen und Mitgehen. Das gibt einen coolen Muskelkater dritten Grades. Da bin ich mir sicher. Toller Tag. Schöner Tag.

Gestern dann, ich fühle mich ja wegen dem Lob meiner Tochter, noch immer gebauchpinselt, komme ich auf die Idee: „Also Trinidad, seine Souvenirläden und die alten Gemäuer kennen wir ja schon. Sollen wir nicht ab Mittag noch mal Reiten gehen? Ohne Wasserfall, ohne Restaurantstopp?“ „Jaaaaaaaa!“ Maya hat gewonnen. Am Vormittag versinke ich mit Eike im Flensburg Office in einer mehrstündigen Internetkonferenz, danach geht es los. Leider holt uns nicht Jorge ab, sondern sein Azubi oder so. Der führt uns auf einen Fortgeschrittenentrail. Es geht durch wirklich unerhört malerische Landschaft, steile Berge hinauf und wieder runter, die gleichen Pferde vom Vortag laufen eher selten, sondern traben meist, fallen vom Gaucho motiviert, regelmäßig in den Galopp. Mir wird nach Zweidrittel des Weges, nach Anderthalbstunden klar, dass ich das nicht durchhalten werde ohne schwerwiegende Schmerzen in Muskeln und Gelenken. Ich beneide meine Kinder, Nathalie hat sich, schlau wie sie nun mal ist, in die Stadt zum Schlendern und Rumsitzen abgemeldet. Als ich am Ende des Ausritts absitze, habe ich das Gefühl das meine Knie sich nie wieder von der Tortur erholen werden. Kaum zurück in der Pension, fallen MayaLenaPapa in einen notwendigen Komaschlaf. Aber es war schön. So schöööööönnnn.

Man könnte denken, das es der Tag war, aber ich hatte mich bereits zu einem weiteren Versprechen hinreiten lassen. Dinner for Two mit der Capitana. Es gibt zwar kein Kerzenlicht, aber schwerromantisch ist es eben doch in Trinidad de la Cuba. Auf den bekannten Treppen gibt es Salsa Musik Live und noch mehr Versprechen setze ich um. Die Capitana, seit fast drei Jahren influrenziert vom Salsa Virus und dementsprechend professionell, zeigt mir die ersten Grundschritte des Salsa Tanzes und ich mache motiviert mit. „Schritt vor, Schritt zurück, Stopp, Schritt zurück… Jetzt seitlich. Jetzt die Drehung.“ Sobald ich etwas grade gut genug kann, kommt der nächste Schritt. Mir raucht der Schädel und ich fange bis auf den Slip an zu schwitzen. Meine drei Frauen machen mich fertig! Wir landen in der Ruinendisco und es wird spät. Iorgendwann, es war noch vor Sonnenaufgang, kommen wir nach Hause. Aber es war schön. So schöööööönnnn.

Ab heute wird gesegelt. Es folgt Erholung. Vielleicht.

 

Große Veränderungen. MARLIN unter Canadischer Flagge

Der Kiel muss aus dem Wasser raus

“Hab ich doch gleich gewusst. Das machen die doch nur, um nen ordentlichen Deal zu machen.“ Beim renommierten britischen Schiffsbroker Grabau International steht die MARLIN schon seit Wochen zum Verkauf und heute ist es tatsächlich passiert und publik geworden. Der kanadische Großindustrielle Rolf G. Oetter, CEO der bekannten Ship Constructor Software Inc. ist neuer Besitzer der MARLIN. Oetter ist persönlich mit seinem Lear Jet auf dem kleinen Flughafen von Cienfuegos gelandet um den Deal perfekt zu machen. Oetter hat wohl schon viele Monate mit Wnuk / Müller in Kontakt gestanden. „Alles soll erst mal so bleiben wie bisher. Wnuk soll das Schiff wie geplant mit Mitseglern im nächsten Monat über den Nordatlantik zu den Azoren segeln und seine diesjährige Challenge zu Ende bringen. Oetter, selbst passionierter Segler, will dann den Törn von Horta nach Lissabon und weiter nach Faro selbst begleiten um die MARLIN segeln zu lernen. Fast schon freundschaftlich einig ten sich Wnuk / Müller – Oetter heute im kubanischen Trinidad unter Ausschluss der Öffentlichkeit auf einen Kaufpreis von Euro 1.25m, VAT paid. „Die MARLIN wird rot bleiben. Statt der deutschen Fahne wird aber bald schon die kanadische Flagge am Heck des bekannten Segelschiffes wehen. Das Schiff wird in Vancouver seinen neuen Heimathafen finden. Ein großer Verlust für Deutschland und vor allen Dingen für die nördlichste deutsche Stadt, Flensburg, deren Name bisher am Heck der MARLIN prangte. Ab Portugal will Oetter das Schiff per Frachter nach Vancouver verlegen und nach einem Refit in einer seiner angegliederten Werfen selbst in die Südsee und über Japan und Alaska wieder in den kanadischen Heimathafen bringen.

Wnuk selbst zu dem Deal: „Durch den Verlauf meiner gesundheitlichen Entwicklung habe ich nach einer Lösung gesucht, die mir meine unklare Zukunft flexibler macht. In den letzten Wochen habe ich mich um die ULDB 54 REHA bemüht und mit einer bekannten französischen Werft den Umbau mit Foils diskutiert. Das Ergebnis ist noch nicht endgültig. Das eh schon mit 8,5t extrem leichte Red Cedar / Carbone-Epoxy strip-planked Schiff aus 1998 werde ich mit einem Schweitzer Partner Michael N. aus Luzern umbauen lassen. Ab Windstärke 5 wird das Schiff mit einer Geschwindigkeit von 22 Knoten auf der Nordatlantik Route eingesetzt werden und Wnuk will motivierten Mitseglern die Möglichkeiten geben aktiv mitzufoilen. „Ich habe genug Kontakte um das Projekt erfolgreich im Kabinenchartermarkt zu platzieren und werden die Woche mit 2.500 Euro pro Person anbieten.“

Die inzwischen 11 und 12 jährigen Töchter, Maya und Lena, beide quasi auf dem ersten Schiff der Seglerfamilie geboren sind gestern selbst auf der MARLIN angekommen, um traditionell selbst die neueste Ostereierkollktion der MARLIN zu bemalen. Eine alte Schiffstradition an der Müller/Wnuk seit Geburt der beiden Töchter festhalten. In den kommenden zwei Wochen besuchen Wnuk/Müller mit der MARLIN selbst die kubanischen Cayos, um sich von der norddeutschen Kältewelle zu erholen.

 

Imax Cuba Kino Live!

Unforgetable moments with MARLIN!

Armando und Fernando sind die aktuellen Leuchtturmwärter auf Cayo Guano. Armando fischt jeden Tag. Mist, ich habe den Namen von dem Fisch vergessen, den er uns heute geschenkt hat. Jackfisch, würde ich sagen. Armando filetiert den Fisch und ich backe ihn in ordentlich Öl und einer speziellen Pomade. „So einen geilen Fisch habe ich noch nie gegessen! Der schmeckt fast garnicht wie Fisch, eher wie Geflügel und noch hundert mal besser“, mein Henry und Leon. Ich toppe noch zum Ende der Reise und lade uns alle auf die Terrasse des Leuchtturms zum Sundowner ein. Etwas ganz besonderes. Auf alten russischen Ledersesseln, ich nenne sie gerne die Honecker Sessel, sitzt man vor der ovalen Öffnung zum Meer. Eine Palme. Der Fahnenmast stört geringfügig. Dahinter die MARLIN und der Sonnenuntergang genau im Westen der Insel. Schöner kann ein Sonnenuntergang gar nicht sein. Das merkt auch meine Crew. Ein letzter unvergesslicher Abend auf den cubanischen Cayos.

 

El medio Cubano

Auf dem Rückweg!

Die Zeit vergeht schneller als man denkt, als man will und jeder Tag ist ein Geschenk. Wenn Pire, mein Freund, der Marinamanager von Cayo Largo, mich Gott und der Welt vorstellt, so tut er das inzwischen gerne wie folgt. „Kati, este es Miguel, mi amigo el medio Cubano!“ Dabei nimmt er mich in den Arm, drückt mich fest an sich, an sein Herz und mir tut es fast leid sein Büro wieder verlassen zu müssen, weil mich mein Zeitplan schon wieder fahren lässt. Es pustet an der roten Boje, Mal Tiempo, Johann zickt, die Wassersäule der Kühlung, läuft leer und trocken, als wir durch die hohen Wellen mit gerefftem Groß stampfen und ich fluche mal wieder. „Motor aus.“ Kennen wir ja nun mal schon. Ist halt keine Motoryacht, sondern ein Segelschiff. Genau: Wir segeln uns frei von der Küste, legen Kurs Flach und Leuchtturm an und der Wind stirbt langsam aber sicher wie vorhergesagt. Ich streichel Johann und mache den Wassermacher an. Gestern habe ich leichtfertig gesagt: „Ihr könnt soviel Wasser verbrauchen wir ihr wollt. Die Tanks sind voll und heisses Wasser zum duschen ist auch da.“ Die Folge war klar: Heute Morgen sind die Tanks fast leer. Das Brot bekommt Schimmel und das neue können wir erst in ein paar Stunden abholen. Ich habe Rita aus dem Store ein SMS geschickt. Gut wenn man eine cubanische Telefonnummer hat. Macht vieles einfacher. Also gibt es Reis mit Kokusnussmilch und Pfirsich. Dazu Zucker mit Zimt. Wenn nix mehr geht: Das geht immer. „Oh. Das ist aber lecker.“

Voraus liegt der Leuchtturm. Unser letztes Ziel für diese Crew. Am Mittwoch geht es unweigerlich zurück nach Cienfuegos. Die Wettervorhersage ist straight. Frischer NE Wind auf die Nase. Nur am Mittwoch um 14 Uhr ein Fensterchen mit SE. Solange werden wir am Leuchtturm verweilen, schnorcheln, schwimmen und das Leben geniessen. Eine Stunde noch, dann wird der Anker in das glasklare Wasser fallen. Ich freu mich schon. Welle aus Ost kommt auf. Soll auch gleich wieder pusten.

 

Samstag in Cantilles

Pago Satt!

Die Nacht war ordentlich windig. Nicht unsicher, aber rocky vor Anker. Meinen Gästen macht es nichts oder eher wenig. Die sind mittendrin. Geniessen jeden Tag. Langeweile gibt es nicht. Am Morgen geht es zur Lagune und tatsächlich sehen sie zumindest frische Spuren von Krokodilen. Was sie nicht wissen, ist dass die Krokodile sehr gut schmecken. Das ist wohl eher das Problem, weshalb die Krokodile schauen, dass sie weg kommen, wenn Menschen auftauchen. Wir wollen kein Krokodil und auch kein anderes verbotenes Wildfleisch. Wir wollen einen Pago. Das ist ein überdimensionierter Red Snapper und der liegt in der Tiefkühltruhe der Ranger. Die bessern ihr Taschengeld auf. Kochen für uns. Teller, Gläser und Getränke sind selbst mitzubringen. Unter Palmen wird diniert. Jeder eine Trink Kokosnuss, mit einem Schuss Rum verfeinert. Etwas früh am Nachmittag. Da sind die Mücken noch nicht da und es gibt auch noch Licht. MARLIN schaukelt mit dem Mast und der Skipper schläft nac h dem Essen unter den den Palmen in der Hängematte ein. Wochenendstimmung.

“Am Sonntag will mein Süsser mit mir Segeln gehen!“ Der Weg führt uns für die Nacht auf die andere Seite der Bucht. Bei 2,2m Meter Wassertiefe stoppe ich und fahre ein Stück zurück. Auf 3m fällt der Anker. Es ist flaches Wasser hier. Sehr flaches Wasser. Nicht ohne Grund sind die ganzen Charterschiffe Katamarane. Aber ob ich nun eine dreiviertel Meile oder eine halbe Meile vor der Küste den Anker schmeisse. Ist ja nun auch irgendwie egal. Wir haben bis Mittwoch abend um wieder in Cienfuegos zu sein. Am Freitag kommt hoher Besuch aus der Null Grad Klima Zone „Old Germany“. Nathalie und die Kinder sind schon ganz aufgeregt. „Nur noch fünf Mal schlafen.“, ist das Subjekt der letzten e-mail. Lässt Vorfreude vermuten. Hoffentlich ist Engel Kaputtnix auch dabei im Koffer. Mir haben die letzten Tage gereicht. Ab morgen heißt es dann zurücksegeln. Wie immer, gegen den Wind. Wird es zu windig nutzen wir dann kleine Windfenster mit Flaute um zu schwierige Schl äge mit Motorkraft zu unterstützen. Das Problem ist die Strömung von Ost nach West, die die Schläge beim Aufkreuzen gemein zum Zickzacksegeln auf der Karte macht. Über das Flach zu Segeln zwischen Rosarios und Cayo Largo, dazu fehlen mir die Nerven, so flach sind die Tiefen-Angaben.

Der Samstag Abend vergeht mit Phase 10 spielen. Nix für Anfänger merke ich. Der Menker Klan ist routiniert und die Joker werden intern verteilt. Carsten trumpft mit Anfängerglück und ich lass alle gewinnen. So kann man seine Crew auch glücklich machen. Dabei ist zum Samstag Abend passend, Havanna und Mulata Rum, das beste was die Hausbar hergibt. Pia zaubert Riesen-Crevettensalat ;-) meint Languste, die sich anscheinend im Kühlschrank vermehrt. Es wir nicht ganz so spät als alle in ihren Kojen verschwinden. Über das Wetter muss sich hier keiner Sorgen machen. Auch morgen ist wieder 28 Grad angesagt. Ein frischer Wind und ein 1a Sonnenuntergang. Segel-Urlaub pur auf der MARLIN, meint Harald. So soll es sein.

 

Ein wunderschöner Segeltag

Mal nichts kaputt gegangen

Mein Tag beginnt kurz vor Sonnenaufgang. Ein kleines französisches Boot ist samt CQR-Anker Richtung Strand gedriftet und wir von einem Dinghy wieder an den rechten Platz gezogen. Das junge Pärchen wieselt am Deck. Zu helfen gibt es nichts, denn es sind schon andere Franzosen an Bord. Also schaue ich dem Ankerplatzkino neugierig mit einem Glas Kaffee in der Hand zu. Dank Rocna Anker gehören solche Aktionen ja nun zu unserer Vergangenheit. Aber ich kann mich gut erinnern, wie es davor mit einem unterdimensionierten Anker und Kette war. MARLIN ist ja nun mehrmals mit dem alten Delta Anker weggedriftet.

Ich bin früh an Land. Meine Visaverlängerung ist fertig. Ich zahle die Ankergebühr und klariere aus. Ziel Cayo Cantilles. Hier gibt es Affen, die morgens gefüttert werden, wie wir erfahren als wir angekommen sind. Na dann. „Wollt ihr morgen mal etwas früher los?“ Meine CREW 42 frühstückt gerne und lang. Meist sitzen sie um 11 Uhr noch am Salontisch und freunden sich mit dem Tag an. „Wir haben ja Urlaub!“ „Stimmt.“ So ist es auch heute. Ich habe schon eine Stunde Telefonkonferenz mit Eike aus unserem Büro Flensburg hinter mir, komme zurück und es wird noch gefrühstückt. Sogar einen Teller Rührei, noch warm, steht an meinem Platz. Eine positiv entschleunigte Crew.

Gegen Mittag sind wir dann endlich so weit, dass der Anker das Tageslicht erblickt und die grade mal 22 Meilen sind geschwind hinter uns gebracht. Der Wind schläft ein und im Schatten des Großsegels entsteht das obligatorische Gruppenfoto an Deck. Nette CREW 42. Oder? Ich mag sie.

In Cantilles angekommen ist es windstill. Wir liegen auf drei Meter, typisch für diesen Ankerplatz und können die Conchmuscheln unterm Schiff sehen. Keine zwanzig Minuten später füllt sich der Kühlschrank. „Aber die Fotos nicht veröffentlichen“, betonen die Fischer. „Sonst kommen wir ins Gefängnis und ihr auch.“ Na, dann veröffentlichen wir mal keine Fotos von diesen Rieseninsekten. Haben wir ja auch schon genug gehabt. Ich verabrede die CREW zur Dschungelwanderung und zum gegrillten Riesenredschnapper am Nachmittag. Das Wochenende wollen wir hier verbringen.

Inzwischen haben wir 20 Knoten Wind aus NE, liegen auf Legerwall, aber trotzdem sicher. Der Ankeralarm des WM850 ist sicher und stromsparend. Der Superwind leise und bei diesem Wind ergiebig. Ich gähne immer wieder. Wird Zeit ins Bett zu gehen.

 

Die Tage rennen dahin

Neue Freunde

Aus meiner CREW 42 werden richtige Freunde. Untereinander und miteinander und mit mir. Die Stimmung an Bord ist ungewöhnlich ausgeglichen, auch wenn eigentlich sehr unterschiedlicher Charaktere aufeinander treffen. Seglerisch bin ich insgesamt sehr gefordert. Es gibt wirklich viel zu erklären, was mich ausfüllt. Die Umsetzung funktioniert dann aber auch fast perfekt. Die Jungs, Henry und Leon, spanne ich besonders intensiv ein, was auf Zustimmung der beiden jungen Männer trifft. Schön zu sehen, wie besonders sie ihre Beziehung zum Segeln in nur wenigen Tagen aufbauen. Pia und Katrin nehmen mir die Küchenarbeit ab. Carsten und Harald sind schnell routinierte Mitsegler.

Zum Bloggen komme ich kaum. Netterweise hat mich Rauner von der Capitania Cien Fuegos darauf hingewiesen, dass mein Visa gestern abgelaufen ist. Stress kommt auf. Statt zwei Tagen am Leuchtturm müssen wir uns sputen um nach Cayo Largo zu kommen und noch rechtzeitig meine neuen 30 Tage Visa zu beantragen. Auch unsere Vorräte an Diesel und Benzin schwinden. Mir bleibt nicht viel Zeit für Internet. Die Reparatur am Generator weitet sich aus. Erst mit Hilfe von Boris S. von Fischer Panda finde ich den Grund warum Erika immer wieder ausgeht. Wieder mal simple. Eine Autosicherung, die ich visuell schon kontrolliert habe, wackelt sich ab und los. Temperatur, Korrosion und Vibration heißen die Übeltäter.

Mit Henry und Leon gehe ich am Mittwoch auf die Cayo Largo Piste. Muss ja mal was passieren in so nen Urlaub mit den Eltern, finde ich. Auf dem Cayo Largo Plaza ist Freiluftdisco. Salsa, Raggeton, nicht meine Welt. Es lohnt sich trotzdem den cubanischen Gästen beim Tanzen zuzusehen. Henry und Leon staunen nicht schlecht über den südamerikanischen Tanzstil, den die Cubaner wohl mit in die Wiege gelegt bekommen. Die europäische Hälfte der Gäste tanzen dagegen eher monoton. Ich halte mich brav an meinem Mojito fest während die Jungs die Tanzfläche erobern. Klar wird es spät an diesem Mittwoch. Am frühen Morgen um sechs Uhr knallt es dann im Schiff und ein weiterer Tag im Paradies beginnt. Mit der Hilfe von Harald stellen wir Stück für Stück fest, dass die Aussenbordentlüftung des Schwarzwassertanks verstopft ist, die elektrische Toilettenpump merkt das nicht. Der Tank bläht sich auf und eine Schweißnaht platzt mit dem besagten Knall. Der braune Inhalt ergiesst sich gutriechend in die Bilge. Scheiße! Alleine diese Vorgänge zu diagnostizieren und den Mist wegzumachen frisst den halben Tag. Die Crew nimmt es mit Gelassenheit, ich schicke sie los und sie erkundet den schönsten Strand der Karibik. Den Playa Sirena. Familienoberhaupt und internistischer Allgemeinmediziner Harald geht mir zur Hand. Gemeinsam finden wir endlich das verstopfte Sieb am Geruchsausgang am Deck der MARLIN. Das Problem ist mir vollkommen neu. Die Folge: Ein gerissener Schwarzwassertank. Ich bin ernsthaft verzweifelt. Das Ding ausbauen und schweissen – Hier in Cuba unmöglich. Harald baut mich im Cockpit wieder auf. Die Lösung um meine zukünftigen Törns segeln zu können ist die Toilette direkt an das Ausgangsventil anzuschliessen. Den notwendigen Schlauch könnte eine der nächsten Crews mitbringen. Klar. Auch haben wir im Vorschiff ja noch eine Toilette. Harald trumpft weiter und findet den Riss. Zusammen verkleben wir den Schaden mit Epoxi. Ob es hält ? Nun. Mit einer Schubkarre Zement habe ich in Buenos Aires die IRON LADY gefixt und bin mit Nathalie und den Kindern erfolgreich ums Kap Hoorn gesegelt. Wird schon halten bis zum nächsten Werftaufenthalt.

Das war mein Donnerstag der 22. März 2018. Draussen bläst es sauber mit 17 Knoten Wind aus Nord. Perfektes Kite Wetter. Geplant war ein schöner Tag im Trapez und weitere Meter auf dem Bord. Entspannung für den Skipper. Sollte wohl nicht sein. Danke an Harald, ohne den es bestimmt heute keine akzeptable Lösung gegeben hätte. Danke an meine Crew, die sich nicht beschwert hat, sondern mir den Rücken gestärkt hat. Zum Abendessen gibt es cubanisches Rind. Nicht grade zart, aber trotzdem sehr schmackhaft. Morgen geht es nach Cayo Cantilles. Wir brauchen dringend Fisch und Krustentiere. In Cayo Largo gibt es keine Verproviantierungsmöglichkeiten.

Neuer Tag – Neues Glück.

 

CREW 42 an Bord genommen

Skipper im Reparatur Mode

>Das Leben ist grausam. Denn es ist unglaublich, wie schnell das Leben weitergeht, wenn einer unserer Freunde tödlich verunglückt. Im normalen Alltag noch viel mehr, aber auch hier auf der MARLIN. Wir sind wieder unterwegs. CREW 42 hat eine knappe und doch gründliche Sicherheitseinweisung bekommen. Ich versuche mir mal was von meinem Kollegenskipper Jan abzuschauen. „Wird schon werden.“ Vieles kann man auch unterwegs noch mitteilen. Katrin, Harald, Leon und Henry sind dabei. Familie, mit zwei Söhnen, die eigentlich schon nicht mehr zu Hause wohnen und doch mit ihren Eltern ein Urlaub zusammen machen. Katrin, strahlt. Ist ja auch nicht so oft, in dem Alter der Kinder (18 und 20). Sehe ich auch so. Leon und Henry bringen viel Dynamik in die Gruppe. Sie lassen mich meine Söhne Julian & Lukas vermissen. Dabei sind auch Pia und Carsten, die sich schon lange auf die Reise mit der MARLIN freuen und auch ein eigenes Schiff haben. So ist es für mich eine entspannte Crew. Die Sonne scheint. Der Himmel ist blau. Nun. Kurs Leuchtturm liegt an. Ich vermute mal, dass aufgrund der Vorkommnisse ein Besuch der oberen Stockwerke des Leuchtturms nicht möglich sein wird. William in Ehren, muss das ja auch nicht unbedingt sein.

Der faule Zahn von Erika ist gezogen. Man sieht den Ladewandler für Erikas Starterbatterie. Zwei Löcher zeugen von der Vergänglichkeit. Ist gar nicht so schnell aufgefallen, denn die Starterbatterie des Generators wird auch geladen wenn die Hauptmaschine Johann läuft. Nun ist aber die Starterbatterie in die Jahre gekommen und musste getauscht werden. Komisch. Ich hatte noch eine Blei Säure Notfall Batterie, trocken, die dazugehörige Säure in Flaschen an Bord. Nach der Installation messe ich den Ladestrom. Kein Ladestrom, sondern Entnahme. Hmm. Da war der Zahn doch schnell gefunden und komisch: Im Kartentisch liegt Ersatz. War schon mal kaputt und ich habe natürlich direkt zwei gekauft. Auch die Frage warum kaputt habe ich mir gestellt und nun: Es ist mal wieder eine Johnson Umwältzpumpe, die anscheinend nur gebaut werden, damit sie ersetzt werden müssen. Die in Erika habe ich mit Jan schon irgendwann auf dem Weg nach Bonaire ausgetauscht mit der der fast baugleic hen von der Webasto-Ersatzheizung. Lagerwellenstift ausgeschliffen, unrund und hing fest. Quasi ein Kurzschluss. Mann, Mann oh Manno…

Eine weitere neue Johnson Dauerläuferpumpe hat Katrin im Koffer nach Cuba mitgebracht. Diese kühlt die Kühlungskompressoeren. Oder eben auch nicht mehr. Vier Jahre hat die letzte gehalten. Fast neu also. Florian, meint, dass die viel zu heiß wird. 50° zeigt das Infrarotthermometer. Anzufassen ist sie nicht mehr. Gut 30 Watt. Im Schrank finde ich eine Motorendrehzahlsteuerung. Zugeschaut und mitgebaut… ist das Ding runtergeregelt auf 7 Watt und kühlt die Kompressoren immer noch ausreichend. Nun mal ausprobieren was der Freezer dazu sagt. Die mittlere Lebenserwartung der Pumpe sollte auf jeden Fall potenziert sein, wenn das klappt.

“Spring doch ins Wasser“, wir sind angekommen am Leuchtturm. Kein William, keine Rafa, kein Frank da. Viel Zeit bleibt uns auch nicht. Morgen schon soll Südwind kommen, mein 30 Tage Cuba Visum läuft übermorgen ab. Mist. Das kann man hier in Cuba nicht auf die leichte Schulter nehmen. Ich muss morgen dringend nach Cayo Largo um meine Visa zu verlängern. CREW 42 musste zwei Tage alle Vorräte an Riesengarnelen essen, wie Katrin es so sagte. Ich geh mal in die Küche. Heute gibt es Hühnchen in Weißweinsauce an Kartoffeln. Hab ich noch nie gemacht. Na ja. Wird mir schon was einfallen.

 

Trauer um William

Tod im Leuchtturm

Hört sich an, wie der Beginn eines Krimis. Es war wie ein Schlag mit der geballten Faust direkt ins Gesicht. „William ist tot. Er ist vom Leuchturm gefallen.“ Meine erste Reaktion war: „War das Selbstmord?“ Wie kann man vom Leuchtturm fallen? Frank schaut mit mit tränenerfüllten Augen an: „Nein. Er war betrunken, ist wohl auf der Treppe im Turm gestürzt und im Treppenhaus hinuntergefallen. Er selbst war beim Generator und hat grade die Batterien geprüft und William erst später gefunden. „Da war nicht mehr zu machen. Das war am letzten Sonntag. Die Polizei war per Hubschrauber auf der Insel und sie haben William auch direkt mitgenommen. William hinterläßt sein Frau. Kinder hatte er nicht.“ William war der erste Leuchtturmwärter mit dem ich mich 2015 bei meinem ersten Kubabesuch angefreundet habe. Sein Tod erschreckt mich und macht mich zutiefst betroffen. Alle die William kannten wussten, dass William gerne ein Glas Rum getrunken hat und auch gerne noch eins. So wie ich, haben auch viele andere ihm als Gastgeschenk ein Flasche Rum aus der Bilge mitgebracht. Da liegt es nahe, sich am Tod von William nicht ganz unbeteiligt zu fühlen, auch wenn es keinen direkten Zusammenhang gibt.

Es ist Freitag. Ich habe meinen freien Tag und am Morgen, sitze ich im Hotel Jaguar in der Empfangshalle. Bis auch die vereinzelten Mücken, ein angenehmer Platz, um ein Wasser und einen Saft zu trinken. Frisch gepresst, wäre mir lieber als mit Strohhalm aus der Tüte. Aber so ist das halt in Cuba. Man muss dieses Land geniessen, so wie es ist. Ich bin wegen dem guten Internet hier, denn hier sind nicht gleich alle Seiten gesperrt. Liberal habe die Damen und Herren Internetinspektoren für die Touristen die Türen zur Welt etwas offener gehalten. Wahrscheinlich gab es Beschwerden zu Hauf. Deshalb gibt es das Internet auch nur in der Halle und nicht in den Aussenbereichen. Ich telefonieren am längsten nicht mit meiner Frau, nein, auch nicht mit einer Freundin, sondern mit Eike, der das Büro in Flensburg managed. Ich telefoniere mit LUNATRONIC Kunden und es ist ein erfolgreicher Tag. Ein neuer Weltumsegler aus Rostock bestellt ein ICOM 802 und ein PACTOR Modem. Guter Tag. Zwei weitere Kunden berate ich und nehme mir Zeit. Denn wer bereit ist die Schutzgebühr zu bezahlen, der meint es ernst. Die beiden Kunden haben das getan. Gute Idee war das, so zu verfahren und zu wissen, dass man nicht mehr für lau arbeitet. Nur dumm, dass ich dass Antimückenspray vergessen habe mitzunehmen.

Ich lasse mich treiben und radle mit dem Bordfahrrad bis in die Innenstadt. Es ist heiß. Ein kurzer Blick in die Markthalle. Aber hier ist schon alles vorbei. Alles leer. Hmm. Also nehme ich am Palatino einen Tisch, genehmige mir ein Malzbier, klappe mein Macbook auf und bearbeite die Proviantierungsliste für die nächste CREW 42. Die kommen morgen und die geschrumpften Bestände auf der MARLIN werden noch reichen. Vieles was es in Cuba nicht gibt, habe ich aus Curracao mitgebracht, doch die Backskisten leeren sich mit jedem Tag mit Gästen. Und zum Auffüllen, ist Kuba nicht der richtige Ort. Auch die Bahamas und Bermudas sind da nicht viel besser. Erst auf den Azoren bekommt man wieder alles was das Herz begehrt. Bis zu den Azoren sind es noch ein paar Meilen. Die gutaussehende, freudliche Bedienung lässt mich verweilen und ich markiere das Gemüse, was ich heute bestellen muss, weil morgen früh meine neuen Gäste kommen und ich dann keine Zeit habe zum Markt zu gehen. Später treffe ich mich dann mit Frank, der mir die Bestellung abnimmt und irgendwie bekomme ich dann Morgen mittag, was ich brauche. Montags ist der Markt dummerweise geschlossen. Den Rest kaufe ich mit der Crew zusammen ein.

Der Abend wird wieder hektisch. Katrin, neuer Gast, ruft aus Varadero an. „Micha, die haben den Router gefunden, den ich Dir mitbringen sollte. Ich gebe Dir mal den Beamten.“ Ich darf nichts sagen, sondern darf einer netten Beamtin zuhören am Telefon, die mir quasi das Gesetzt vorliest. Ich kenne den Vorgang schon. Meine Anmerkungen mit den Worten YACHT IN TRANSIT werden geflissentlich überhört. Da hat mal wieder ein staatstreuer Sternchenjäger was gefunden. Ich wiederum spreche mit meinen Freunden vom Zoll in Cienfuegos und die mit dem Flughafenchef in Varadero. Jetzt verstehe ich auch nicht mehr so genau was vorgeht. Mit etwas Glück darf Katrin den Router wieder mit nach Deutschland nehmen, wenn sie in 14 Tagen wieder zurück fliegt. Ich kenne das schon. 2016 habe ich dem kubanischen Staat schon eine AIS Transponder vermacht. Den sollte ich auch zurück bekommen. Diesmal aber habe ich mir vorher überlegt ob ich das Risiko eingehe. Der Router kostet 100 Euro. Ist jetzt nicht schlimm. Verbuchen wir dann mal unter Entwicklungshilfe. Mein Freund Rolo meint, dass er den Router am Montag auf seinem Tisch in der Cienfuegos Marina liegen hat. „Nen Zehner dagegen!“, grinse ich. Rolo versteht mich nicht. Macht nix. Ich verstehe ihn auch nicht immer. Ich schreibe ein Mail an Katrin: „Herzlich Willkommen in Cuba. Dem Land der begrenzten Möglichkeiten. Danke für eure Zeit, die ihr für meine Belange am Flughafen verbracht habt.“

 

Jetzt sind sie perfekt

Zurück zum Heimathafen

Schon ein bisschen komisch. „Heimathafen. Das ist doch Flensburg!“ Nun. Noch dreimal wird es Cienfuegos sein und dann Culatra. Das die MARLIN wieder nach Flensburg kommt ist derzeit frühestens für 2019 geplant. Ja. Mir geht es wieder besser. Den Klingonenangriff auf mein Immunsystem habe ich irgendwie doch überlebt. Ich muss auch nicht mehr an Deck, wenn meine Crew das Schiff zum nächsten Ankerplatz segelt. Ein sicheres Zeichen dafür, dass jetzt alle mit dem Schiff klar kommen. Für mich beginnt jetzt die entspannte Zeit. Bis morgen. Dann endet die schöne Zeit mit meiner CREW 41. Jetzt. Jetzt, wo sie alles können. So ist das.

Die Windvorhersagen für die Nacht sind widrig. Wir haben Trabuco erreicht. Ein kleiner romantischer Felsbrocken im Meer. Kaum 1 Meile südlich von meinem Leuchtturm. Kann man romantisch finden. So ich. Wunderschön. Könnte tagelang hier ankern und den Vögeln beim fliegen zusehen, die Kamera in den Plastiksack eindrehen und morgen früh rüberschwimmen, bei Sonnenaufgang die Blende aufdrehen. Es gib cubanisches Rind, Languste in Knobibutter und viel Reis. Es gibt immer noch Salat. Es wird gelacht. MARLIN schwankt im Ostschwell. Es ist Dirk, für den dieser Ankerplatz kein Ankerplatz ist. Nicht für die Nacht. Wackelt doch zu sehr. Ich stimme ein. Schon dunkel, verlassen wir Trabuco. „Ich komme wieder. Nächste Woche.“ Der kleine Strand hat es mir angetan. Das Riff auf der Westseite muss wunderschön sein. „Ich komme wieder. Nächste Woche. Bestimmt“ Und so segeln wir am letzten Tag noch einen sternklaren Nachttörn. Punkt 22 Uhr schaltet William am Leuchtturm de n Wind an. 15 Knoten aus Nord. Passt. Wie schon die ganze Zeit. Crew 41 bekommt immer den richtigen Wind, in der richtigen Stärke, aus der richtigen Richtung. Weiss der Himmel, wie die das machen.

Die letzten zwei Wochen waren hart für mich. Ohne eigene Koje. Bei sechs Gästen schlafe ich im Pilothaus. Morgens rolle ich mein Schlafsack weg. Meine drei Habseligkeiten liegen hinter dem Radar versteckt. Mit Arne hab ich wieder angefangen zu rauchen, weil diese doofe elektrische Zigarette aus Deutschland nicht funktioniert. Mit der Grippe habe ich genauso schnell wieder aufgehört. Igitt. Wir haben viel gesegelt, wenig Landgang. Den Kite zu Entspannung rauszuholen passte nicht. Oder keine Wind. Abends habe ich Essen gezaubert. 24/7 Skipper und lächeln bitte. Für mich war es eine komplett alkoholfreie Zeit. Das hat mir gut getan. Während der Arbeit sollte man nicht trinken. Ganz nebenbei habe ich noch mit Eike im MARLIN Büro eine e-mail Dauerleitung gehabt. Und als dann dieser Virus zugeschlagen hat. Nun. Das war dann doch harter Toback. So ohne Kabine. Ja. Sosehr ich Maren, Rolf, Mathias, Michael, Arne und Dirk: Norddeutsch ins Herz geschlossen habe, so sehr freue ich mich auch auf Freitag. Meinen freien Tag!

Es folgt Crew 42. Samstag 12 Uhr eintreffend. Dann muss ich wieder lächelnd in der Marina stehen. Menschen, die viele Geld ausgegeben haben um mit mir und der MARLIN segeln zu gehen, die schon wochenlang den nächsten zwei Wochen entgegenfiebern. Und ganz ehrlich. Ja ich freue mich. Mein warmes, herzliches, Lächeln wird ehrlich sein. Ich werde wieder das beste aus Cuba herauszaubern, kochen und im Pilothaus schlafen. Aber nächste Woche werde ich mir die Zeit zum Kiten nehmen.

 

Und sie schlafen und schlafen und schlafen

HAPPY BIRTHDAY Lena!

Das wichtigste vom Tage: Lena wird heute 11 Jahre alt. Sie ist krank, wie ich und so können wir uns ein bisschen gemeinsam leid tun über das Satellitentelefon. Die Verbindung ist besser als gewohnt. Ich nutze es zum telefonieren eher selten das Iridium GO! Mit der Flat Line für Daten und 150 Minuten Telefon mtl. obendrauf. Deshalb lasse ich mir heute Zeit. Lenas Lieblingsfarbe ist grün und gewünscht hat sie sich einen grünen Bürostuhl für ihren Schulschreibtisch. Hat sie bekommen. „Ich hab Dich lieb Papa. Maya will auch noch mit Dir sprechen.“ Ihr ganzer Stolz im Moment, dass gebrauchte iPhone 6 was sie sich stetig in den letzten Wochen von Taschengeld und mit kleinen Jobs zusammengespart hat. Wie im richtigen Leben. Noch drei Wochen, dann sind alle hier in Cuba und auf der MARLIN. Osterurlaub. Kann man sich gar nicht vorstellen, wo grade noch tiefster Winter in Flensburg war.

Mit den Langusten muss man, zumindest ich, auch ein bisschen vorsichtig sein. Zuviel von dem leckeren Zeug kann bei mir zu akuten Gichtanfällen führen. Weiß nicht mehr warum, aber hatte ich schon mal und das war nicht schön. Da konnte ich tagelang nicht richtig laufen. Das fehlt mir grade noch. Kaum diesen Grippevirus überlebt…

Nach dem Frühstück wollen meine Gäste schon wieder los. Ich war noch nicht mal an Land in Cayo Campus, da geht es schon wieder auf. Das es woanders auch nicht schöner ist, kann ich ruhig erzählen. Die Unruhe bleibt. Jeder gebuchte Tag muss umgesetzt werden. Wäre es mein Urlaub, ich würde es genauso sehen. Wir habe Südwind. Ganz selten. 10 Knoten. Da macht MARLIN 7 Knoten Fahrt draus und das gegen die Strömung. Ich versuche das mal als Lob an die MARLIN anzubringen, aber so bald wir auf See sind, fallen fast alle tot um wie die Fliegen. Da liegen sie dann, vorzugsweise auf dem Vordeck. Brav eingecremt, so wie Skipper das gesagt hat. Am Anfang noch ein Buch in der Hand, rollen sie dann alle langsam in die Süllkante in den Schatten. Skipper Rolf steht am Rad und passt auf dass keiner über Bord fällt. Wir trimmen ein bisschen hier und da. Dann liegen auch zwei weiter selig schlafende Mitsegler im Cockpit. Nun könnte man auf den Gedanken kommen, dass es ihnen nicht gut geht, sie vielleicht bis spät in die Nacht feiern. Nein. Auch nachts schlafen sie tief und fest. Morgens sind sie nur mit Erikas Hilfe zu wecken. Ich kann nur schlussfolgern: Es muss das gute Essen sein.

Ich versuche den Küchenchefposten weiterhin an Arne abzugeben, denn der hat mich während meines Grippeviruskomas vertreten und hat das gut gemacht. Aber Dirk meutert und meint, dass Chefe sich heute wieder selber in die Küche stellen soll. Bin ich wohl mit gemeint. Da sind noch vier Kilo cubanisches Rinderfilet im Freezer. „Dann tau es mal auf!“, grinse ich. Miraculix und der Zaubertrank. Morgen wieder Südwind und Cayo Largo muss angelaufen werden. Ein Stempel um Cienfuegos anzulaufen wird benötigt und das Internet auf dem Platz.