Archiv der Kategorie: SY Marlin

Happy Birthday – Die neue Bedeutung

Lebensstage

Meinen 53ten Geburtstag darf ich mit meiner Familie feiern. Das ist ein großes Glück. Derweilen stelle ich mir in so manchen Momenten, wenn ich alleine für eine Zeit X im Krankenhauszimmer bin, vor, wie es wäre, wenn, wenn ich meine Familie nicht hätte. Keine schöne Vorstellung, so eine Lebensphase alleine durchstehen zu müssen. Mein Geburtstag fängt erst einmal an mit einem Geschenk des Malteser Krankenhauses: Einen ganzen Liter Blut bekomme ich, um meine chemobedingte Blutarmut zu überbrücken. Das dauert nicht nur, erzeugt auch eine latente Schwäche. Wieder zu Hause verpenne ich den Rest des Tageslichtes und werde erst wieder wach als Maya lautstark aus der Schule nach Hause kommt. Kurzum bekomme ich Küchenverbot, weil dort der Geburtstagstisch gedeckt wird. Am Nachmittag, es ist schon dunkel, darf ich endlich den Geburtstagskuchen anschneiden. Geschenke, Lachen, Ständchen. Lebenstage bekommen eine neue Bedeutung.

Front-End Körpersystem

Alle Werte im Keller

Meine erste Reaktion auf den Leukämiebefund im July war: „Sie haben meine Blutprobe verwechselt!“ Das war für mich so klar wie Kloßbrühe. Jetzt fast ein halbes Jahr später, nach vier Chemo Therapien bin ich schon ziemlich speziell, was meint, ich verstehe meinen Inneren Front-End Blut Kontoauszug, den ich nun in der vierten Chemotherapie grade alle 48h bekomme. Ziel ist es in der Chemotherapie alle „böse“ Zellen abzutöten. Leider sterben die „guten“ dann gleich mit. Was zu den sichtbaren Ergebnissen führt. Immunsystem: Nicht mehr vorhanden. Rote Blutkörperchen: Zeit für zwei Konserven. Blutplättchen: Sofortige Konserve, sonst Gefahr einer unstillbaren Blutung. Neben dem Skipper reparieren wir die MARLIN gleich mit. Eine Motor-Fahrt über die glatte Flensburger Förde bei strahlend blauem Himmel führt uns zu C.J.skibs- & badebyggeri ApS, alias Christian Jonsson in Egernsund. Der kann schweißen. Schweißen können viele, aber Peter der Sohn von Christian kann Alu schweißen und das richtig. Das habe ich mir vorher angeschaut. Jetzt ist die MARLIN baumlos und der Haarriss von der letzten Atlantiküberquerung wird nicht nur geschweißt auch ordentliche Verstärkungen an beiden Seiten sollen den Konstruktionsfehler in Zukunft überbrücken. Ich bin gespannt wie Peters Arbeit aussehen wird. Samstag Abend geht es los. Ich bekomme Nasenbluten. Das hört auch nicht mehr auf. Das ist Alarmstufe rot, dass meine Blutplättchen im Keller sind und ich habe eins zu tun: Sofort in Krankenhaus. Zu dieser Zeit ist aber nur die Notfallambulanz der Diakonie Flensburg geöffnet. Hier wird mir zwar Ruckzuck um 23:00 Blut abgenommen, aber dann passiert wochenendmäßig nichts. Um 01:00 Uhr nachts, nach meinem unangenehmen Drängeln, findet sich endlich ein Assistentsarzt der mich untersucht, der mit einem ebenso in Sachen Leukämie unerfahrenen Kollegen im Malteser Krankenhaus telefoniert. „Gehen sie nach Hause! Wenn es ihnen schlechter gehen sollte, melden sie sich noch einmal.“ Das mit 20 Thrombozyten! Blutgerinnung: Nicht vorhanden. Am Sonntag Morgen in die jetzt offene Ambulanz des Maltesers Krankenhauses. Thrombozyten nun bei 16. Nathalie telefoniert mit ihrem Kollegen aus der Onkologie gegen Mittag. Der sollte es jetzt besser wissen. Wieder keine Entscheidung zur Thrombozyten Infusion. Ich spuke Blut. Heute am Montag dann in die Onkologische Tagesstation. 9 Thrombozyten. Endlich passiert was. Ich erwähne mal meine Kopfschmerzen und fünf Minuten später bin ich Kopf voran im CT. Eine Hirnblutung kann ausgeschlossen werden. Gott sei Dank. Das wäre es dann gewesen mit diesem Blog und dem Erreichen meine morgigen 53ten Geburtstages. Nach einem halben Liter Thrombozyten Konzentrats heute Morgen geht es mir schlagartig besser. Kein Blut mehr aus der Nase und auch nicht in der Spucke. Ich informiere den leitenden Oberarzt meiner Sympathie über mein Wochenende. Der schlägt die Hände gefühlt über dem Kopf zusammen. Ich finde schon, dass so was berichtet werden muss. Front End: Egal was Du hast! Am besten nicht am Wochenende krank werden. Und schon mal gar nicht am Samstag Abend. Neben dem Baum der MARLIN ist die ToDo Liste lang. In Bezug auf das Ziel im Januar schon wieder Schnuppersegeln auf der MARLIN in der Flensburger Förde anzubieten, sehe ich in Bezug auf meine Einschränkungen durch meine Sommerleukämie, meine Felle dahin schwimmen. Skipper Jan könnte ja prima helfen, aber der lebt eben in Berlin und das ist ein paar Meilen mit dem Zug. Kein praktikable Lösung. Ich brauche einen handwerklich Bootsjungen vor Ort hier in Flensburg, der mir unter die Arme greifen kann wenn grade mal die Sonne scheint. Arbeit gibt es genug. Vergütung: Freies Segeln im Sommer und schlechte Bezahlung. Dafür gibt’s immer was Gutes zu Essen. Wer trotzdem interessiert ist, melde sich asap bei mir.

BIG NEWS for 2017

MARLIN’s Törnplan für das nächste Jahr steht fest.

1. Für das nächste Jahr gibt es entscheidende Änderungen für die Abenteuer unserer MARLIN. Ich gebe meinen Skipperjob ab an Jan Hupatsch, der die MARLIN grade sicher und mit großem positiven Anklang der Crew, von den Azoren nach Flensburg gebracht hat. Nun. Ganz gebe ich meinen Job nicht ab. Wir teilen uns den Job, wechseln uns ab, um unseren Gästen jeweils, einen frischen, motivierten und erholten Skipper zu ihrem Wahltörn zur Verfügung zu stellen. 2. Wohin segeln wir? Wie aus der Karte ersichtlich geht unser Weg jeweils von einer Stadt – Into the wild – zu einer Stadt. Einfache An und Abreise. In der ersten Phase erobern wir den Kattegat mit seinen dänischen Inseln Anholdt und Vesterø. Durch den sportlichen Skagerrak geht es dann weiter bis nach Oslo. Von da aus geht es über die Wochen immer weiter südlich am Wind entlang über Göteburg und Kopenhagen zu der beliebten Insel Bornholm. Einige Schläge ab Stockholm in und um die Schärengärten schließen sich an. Im July wir das schnelle Schiff mit Skipper Michael in den finnischen Meerbusen einlaufen. Drei Wochen Expeditionstörn! Ziele weitestgehend unbekannt und nach Wünschen der Mitsegler. Im August geht es dann von Stockholm Richtung St. Petersburg, dem absoluten Highlight der 17er Planung. Von Januar bis März, bieten wir Wochenend Schnuppertörns durch die Flensburger Förde nach Sonderburg an, wo Du Skipper und Schiff schon mal kennenlernen kannst.
Download full size PDF 3. Um den Interessen unserer Mitsegler professioneller entgegenzukommen, haben wir ein Kooperation mit der bekannten „Sailing Island“ Segelschule in Mönchengladbach, alias Markus Seebich, in der letzten Woche unter Dach und Fach gebracht. Sailing Island ist für die Kundenberatung und Betreuung zuständig. Wer auf der MARLIN mitsegeln will meldet sich dort um mehr zu erfahren. Den aktuellen Plan gibt es immer gespiegelt auf der Marlin-Expeditions Internet Seite. Natürlich stehe auch ich Interessierten Mitseglern gerne per e-mail zur Verfügung. Buche jetzt Deinen Törn mit der MARLIN 2017

Wieder im Krankenhaus

Der Traum von der Heilung

Nachdem die MARLIN nun sicher vertäut ist, bin ich wieder für ein paar Tage in der Heilanstalt, dem Heilerhaus, der Besserungsstation, wie auch immer man dieses Gebäude mit den vielen Betten nennen mag. Mir zugeteilt ist diesmal Zimmer 6321. Das Nachbarbett ist leer. Wer also noch keine Bleibe hat bis Sonntag, ist herzlichst eingeladen sich mein Schnarchen anzuhören. Natürlich nur unter Vorbehalt. Kann ja jederzeit ein anderer Bedürftiger, ein anderer zu Heilender auftauchen. Ich lache. Noch. Der Grund meines erneuten Aufenthalts ist die planmäßige zweite Konsolidierung, also Chemotherapie. Die zweite, von dreien. Vorgestern hat der leitenden Oberarzt eine Knochenmarksprobe aus meinem Hüftknochen gebohrt. Ich in Kurznarkose, da konnte er voll zustechen. So sehr, dass ich davon geträumt habe. Manchmal ist das ganze Leben wie ein Traum oder mir kommt es zumindest so vor. Unter dem Mikroskop werden keine Blasten, Tumorzellen im Blut, mehr gefunden. Bin ich geheilt? Es ist wie mit jedem Krebs. Er kann wieder kommen. Morgen, in einer Woche, in zwei Jahren oder in zwanzig. Gut. Sterben werden wir alle. Irgendwann. Cytarabin fließt tropfenweise in meinen Körper. Heute, Morgen, bis Sonntag. Dann All-Trans Retinsäure, weitere zwei Wochen als Tabletten zu Hause. Die grade gewachsenen Haare fallen dann wieder aus. AML heißt meine Leukämie. Westerwelle hatte auch AML, wollte zwanzig Jahre, schaffte zwei. Der Traum von der Heilung, der Traum vom Überleben dem Sieg gegen den Krebs. Ich muss zugeben, ich habe mich während meiner letzten Therapiepause abgelenkt, meine AML verdrängt, mich um MARLIN gekümmert, bin auf die Azoren geflogen und habe jede Minute mit meiner Familie genossen. Jetzt, wo ich wieder im Geheiltenzimmer sitze, werde ich wieder nachdenklich, greife zu Stift und Papier, besser Tastatur und Notebook, hier fällt es schwer sich abzulenken. Theoretisch bin ich gesund. 99,9% der Blasten sind entfernt, keine neuen sind nachweisbar. Die Konsolidierung soll die verbleibenden 0,1% behandeln. Ob nun Cytarabin oder All-Trans Retinsäure, beide Stoffe sind aggressiv mit vielen Nebenwirkungen, greifen Leber und Gehirn an. Da gibt es eigentlich nichts weiter zu diskutieren. Wie lebt man am besten mit dieser Krankheit? Es gibt nur eine Antwort: „Genieße jeden Tag und lebe für den Moment.“ Dieser Antwort folge ich, wenn ich grade nicht im Geheiltenhaus bin. Ich trinke gerne einen guten Wein, konsumiere bei positiver Stimmung zu blauem Himmel und guter Laune ein paar Krümmel lustiger Kräuter, koche für Freunde, treffe Bekannte und rede immer weniger über meine Krankheit. Gut so. Das Leben ist zu kurz, als dass man es zu ernst nehmen sollte. Ich übe mich selbst darin, einem möglichen Tod im o.g. Zeitraum möglichst wenig Bedeutung zu geben. Von Jetzt bis Sonntag ist das eine besonders schwere Aufgabe, denn dem blühenden Leben begegnetet man im Geheiltenhaus weniger oft. Da geht die Tür auf und Nathalie stolziert im Kellnerinnenschritt zu dem kleinen runden Tisch am Fenster, an dem ich vor meinem MacBook sitze und die Zeit mit diesem Post vertreibe. „Hallo Schatz!“ Ich bekomme ein Kuss, ein paar Streicheleinheiten von Frau Doktor, die das blühende Leben an sich darstellt. Draußen regnet es. Wen interessiert es? Wird schon. Meine Behandlung, meine Heilung ist Bestandteil unseres Familienlebens geworden. Nathalie hat nicht unerheblich dazu beigetragen. Weder sie noch die Onkologen, weder Menzel noch Sabrina oder Petra, wie sie auch alle heißen. Keiner schaut mich sorgenvoll an. Auf der MARLIN würde ich sagen. „Wir können Kurs anliegen. Das Tief liegt hinter uns. Zu meinem Geburtstag werden wir Land sehen und zum Jahresende in den sicheren Hafen einlaufen.“

Winterimpressionen

Neue Seemänner ans Steuer der MARLIN

Jetzt sind es eigentlich schon Erinnerungen. Ich sitze am Rechner zu Hause und schaue, bearbeite die Bilder der letzten Tage auf See, auf der Förde. Markus hat eine Bitte, seine Kinder und Mitsegler Micha stehen im Glücksburger Hafen um die letzten fünf Meilen noch mit zu erleben. Jan steuert souverän die 60 Fuss Alu in den kleinen Hafen, vorrausschauend um auch wieder rauszukommen. Das muss er auch lernen, denn zumindest 2017 wird die MARLIN als Heimatrevier die Ostsee befahren. Dazu aber meer in den nächsten Tagen hier an dieser Stelle. Heute übernimmt Markus Sohnemann Lasse das Steuer der MARLIN und steuert gelassen 27 Tonnen Alu Richtung Flensburg. Gut gemacht Lasse. Hast Steuermannblut in Deinen Adern. Papa kann stolz sein auf Dich.

Angekommen im karibischen Flensburg

Heimathafen

Nein, schreibfaul bin ich nicht. Es war einfach nur ein bisschen viel und jetzt, jetzt genau ist der Moment um „endlich“ mal bekanntzugeben: Wir haben Flensburg Heimathafen sicher erreicht. Unser Liegeplatz in der Marina Yachtkontor ist eng, aber passt. Warum jetzt hier und nicht mehr imJaich? Das wichtigste Argument: Schwimmsteg. Daneben ein eigener Stromzähler mit relativ annehmbaren Konditionen. Markus, Micha und Jan sowieso helfen beim Abschlagen der Segel. Die Genua weigert sich vehement zum Segelmacher zu kommen, bis fast Sonnenuntergang. Jan ist der Held des Tages und verbringt Stunden im Masttop. Beneiden tut ihn keiner bei den Temperaturen. Nur mit seinem Gewicht von oben bewegt sich der Schlitten langsam die 27 Meter in bis zum Bug. Jan rutscht langsam am Vorstag herunter. Weder er, noch ich wollen heute noch wissen, warum der Schlitten so klemmt. Another day. Punkt zwei, bevor Jan nach Hause geht, ist die Heizung. Die knallt verdächtig, schaltet ab und wieder neu. Gesund kann das nicht sein. Mit etwas Grips und langer Diskussion auf dem Weg nach Hause, bei 8.5 Knoten in der Flensburger Förde, geht ein Licht auf. Der Heizungskreislauf ist einfach verstopft. Dreck, Rost etc. Und wo kann der stecken? Genau. Im Wärmetauscher zum Motorkreislauf. Hier sind die Kapillaren so eng, dass es wie ein Sieb wirkt und der Dreck, der vor allen Dingen beim Segeln aufgewühlt wird, sich sammelt und alles verstopft. Am Morgen, wir sind schon eingestellt darauf, den gesamten Tag im Motorenraum zu verbringen, geht es los. Aber es soll anders kommen. Maya kommt um halb Fünf mit ihrer Freundin Hanna und entert die MARLIN – Ihre MARLIN. Letzteres kommt mir so vor. Stolz wird jede Ecke der MARLIN vorgeführt. Fast schon eine komplette Sicherheitseinweisung präsentiert meine Tochter. Auch Keller und Motorenraum werden nicht ausgelassen, die Klappe von der Segellast geöffnet. Die Beiden übernachten gemeinsam auf dem Schiff. Jan und ich dürfen auch dabei sein. Mittagessen, Abendessen, Frühstück, alles wird mir abverlangt. Mehr als zwei Jahre war das Schiff nicht in Flensburg. Na denn, steht meinen Töchtern das Recht zu, mit ihren Freundinnen auf der MARLIN zu übernachten. Solange es noch nicht Klaus, Lars und Ramirez sind, ist Papa damit einverstanden. “Ach Du Scheiße!“ Durch den Ablassschlauch läuft rostgefärbte dunkelbraune Brühe in die Süllkante und ins Wasser. Ein paar hundert Gramm Rost, Korrosion, Gummistücke. „Kein Wunder, dass das System verstopft war.“ Aber nicht genug. Bei der Gelegenheit spülen Jan und ich alle Heizkörper und Wärmetauscher einzeln durch. „Jetzt ist alles gut. Schmeiß die Kiste mal an und wir sehen ob es der Grund war.“ Die Webasto ST90 Wasserheizung springt an und fährt hoch, wie ein Flugzeug, zumindest vom Geräuschpegel her. Kein Knacken und Knallen mehr. „Cool! Jan, wir lagen richtig mit unserer Diagnose!“ Alle, aber wirklich alle, alle Heizkörper werden Stück für Stück so heiß, dass man sich fast verbrennt, wenn man sie anfasst. Alle Kabinen, der Salon, das Vorschiff, heizen sich langsam aber stetig auf. Na endlich. Problem gelöst. „Das sollte nun auch beim Segeln mit Schräglage funktionieren. Maja und ihre Freundin Hanna verbringen eine warmen Nachmittag und Abend auf der MARLIN. Alles ist gut. Für morgen hat sich schon die Capitana angemeldet, hoher Besuch also. Lena will in der kommenden Woche direkt mit drei Freundinnen am Freitag kommen. O.K. Dann machen wir halt ein Hotelschiff auf! Jetzt, wo die Heizung geht. Draußen schneit es grade wieder.

Anita und ich in der Karibik

Nordland Romanze

Wer es noch nicht gemerkt hat. Die MARLIN ist auch wieder über Marinetraffic sichtbar. Einmal den Antennenstecker am AIS abgedreht und wieder rangedreht. Ein kleiner Tropfen WD40 und schon senden wir wieder unsere Position. Jan steuert die MARLIN souverän aus dem Alten Hafen in Cuxhaven Richtung Brunsbüttel. Wir hatten ja extra als TO Preisträger 2014, dort im Büro Bescheid gegeben, dass wir im Trans Ocean Hafen einlaufen, aber leider hatte wohl keiner Zeit und Muße uns zu besuchen. Die zweijährige Fahrt von Flensburg über Dänemark – Norwegen – Lofoten – Spitzbergen – England – Holland – Portugal – Madeira – Kanaren – Grenada – Trinidad – Venezuela – Curacao – Cuba – Bahamas – Bermudas – Azoren – Südengland – Cuxhaven, war wohl nicht spektakulär genug oder nicht mit Ansage über einen zu erwarteten Rekord. Da hilft auch nicht das 231 Etmal auf dem Weg nach Cuba und die gesetzte TO Flagge. Vielleicht sollte ich über die fast zwanzigjährige Mitgliedschaft ernsthaft nachdenken. Das Wetter ist regnerisch mit Außentemperaturen um die sechs Grad. Der Motor schiebt gegen die Strömung, wir warten auf das Kippen der Tide. Markus hat meine neue Freundin Anita im Real Cuxhaven kennengelernt und einfach mitgebracht. 20 Tacken, 1,5 KW besiegeln eine große Freundschaft. Anita ist eine elektrische Heizung, die unter Motor wenigstens im Salon eine wohlige Wärme erzeugt, die ins Pilothaus zieht und zumindest ein Temperaturlevel erzeugt, dass wir kaum kalte Finger haben. Zwar befreit sie, zumindest mich nicht, von Thermounterwäsche, Thermohose, T-Shirt und zwei Sweatshirts – Im Schiff –zumindest aber hebt sie die Temperatur im Schiff um einige Gradstellen zur Außentemperatur. Wir fahren einfach vor die Schleuse, eigentlich sollen wir auf den Tanker FINJA warten und hinter ihm reinfahren, doch kaum sind wir vorm Tor, gehen die Tore auf und wir bekommen die Funk-Anweisung vorne Rechts festzumachen. „Hey, sie verstoßen gegen geltendes deutsches Recht.“ Ein Nordmaul steht an der Schleuse. „Wir haben das o.k. über Funk“, weiß ich besser. Das Nordmaul: „Konnte ich ja nicht wissen!“ Willkommen in Schleswig Holstein. Das Schleusen ist unspektakulär. Ausgespuckt drängelt Mitsegler Markus darauf weiterzufahren. „Wegen Anita. Bestimmt. Oder Markus?“ Markus lacht. „Wir können noch bis Hochdonn vor Freizeitschifferspeerzeit im NOK. Da gibt es einen Ankerplatz. Skipper Jan nickt, ich sitze mit Anita im Arm im Salon. Es gibt überdimensioniert Putenschnitzel, Fried Rice, Big Salad, Erbsen und Möhren von Albert Hein aus Curacao. Satt sind wir und faul. Der Ankerplatz ist karibisch. Eine kleine Bucht. Eigentlich ein Wende- und Ausweichplatz. Ein paar Dalben für die Sommersegler. Mich und Jan drängelt es in den Motorenraum. Der Generator ist schnell repariert. Die Impellerpumpe ist trockengelaufen. Wann, wie und warum ist nebensächlich. Kaputt ist kaputt und muss eben ersetzt werden. „Hey. Ich hab Ersatz gefunden. Noch zwei Stück am Start.“ Kurze Zeit später ruckelt der Generator wieder. Anita schafft der mit seinen 4KW allemal, womit auch genug Strom am Ankerplatz für einen warmen Salon hat. Alles gut also. Aber Jan hat sich heute noch der Webastoheizung verschrieben. Fluchend baut er sie aus, um an den defekten Temperaturfühler heranzukommen. Die OP mit Ausbohren des Sensors übernehme ich dann. Besser ich bohre schräg und zerstöre das Gehäuse unwiederbringlich. Dann bin ich halt sauer auf mich selbst und gut ist. Aber alles klappt. Es wird spät und ich beende den Tag mit drei Decken, Thermounterwäsche. Anita kommt mir nicht ins Bett. Jan und Markus werkeln immer noch im Motorenraum. Micha

MARLIN hat in Cuxhaven festgemacht

Landfall in Old Germany

Ich komme grade über die Brücke, da legen unter mir Jan und Sue mit Crew Bente, Micha und Markus die MARLIN in der City Marina an. Crew ist vollständig, Mast und Segel sind dran. Alle sind wohl auf, zwar übermüdet von den letzten drei Tagen, aber gut gelaunt. Ich bedanke mich und lade erst mal alle in die warme Stube des Huis op’n Diek zum Mittagstisch ein. Auf der MARLIN ist es leider kalt. Die Heizung hat sich leider nicht von selbst repariert und nach einem oberflächigem Blick, kann ich nur feststellen, dass diese ausgebaut werden muss. Kein Job für heute. Da kaufen wir mal lieber einen kleinen elektrischen Heizofen für die Erste Hilfe. Trotz meiner bekannten Überredungskünste will Bente strickt die MARLIN verlassen. Sie hatte eigentlich schon die ganze Zeit eine Infektion. Micha B. fährt mit. Ich springe ein um den Kutter mit Skipper Jan und Markus nach Kiel und Flensburg zu bringen. Morgen schon wird es weiter gehen. Wer die MARLIN auf dem AIS sucht wird sie nicht finden. Wir haben eine Sendestörung. Auch auf die Liste. Nachdem auch Co-Skipperin Susan die Bühne zwecks Heimfahrt verlässt, bekoche ich am Abend die Übriggebliebenen und wir starten durch ins Cuxhavener Nachtleben. Das ist genauso winterlich wie die Marina, aber ausreichend um den Durst des Eigners zu stillen. Das die MARLIN unterwegs ist unter anderem Kommando ist zwar kein Problem für mich, aber es ist eben schon aufregend. Mit fällt ein Stein vom Herzen, sagt man doch so, dass alles gut gegangen ist. Jetzt mal ab in den Heimathafen und dann ran an die ToDo Liste. Micha

Endlich ist er bezwungen

Der Ärmelkanal

Endlich, es ist so weit. Wir sehen kein Land mehr. Nach der Enge im Ärmelkanal ist wieder Platz. Wohl nur für ein paar Stunden. Die Holländische Küste wird bald in Sicht kommen. Wer gedacht hatte, dass die eigentliche Herausforderung die Strecke von Horta nach England war, der hat sich getäuscht. Da hatten wir es mit ein paar Squals zu tun. Ja richtig die eine oder andere Nachtschicht war ein bisschen Arbeit… Aber der Ärmelkanal mit seinem regen Schiffsverkehr und ausgeprägten Gezeiten sind schon anspruchsvoll. Zu unserem Pech mussten wir fast die gesamte Strecke gegen den Wind kreuzen. Das bedeutet wir sind in 16h 80sm gesegelt, durchs Wasser wohlgemerkt, um 30sm in die eigentliche Richtung voran zu kommen. Das war extrem frustrierend.
Neben diesen, ich sage mal natürlichen, zu erwarteten Schwierigkeiten, gab es leider noch krankheitsbedingte Ausfälle. Vorgestern ist Jan die Bemerkung entschlüpft: ,,Wir sind ja das reinste Lazarettschiff”! Die Seekrankeit in einem Fall und ein grippaler Infekt im andern Fall haben die diensthabende Crew auf 3 bzw. 4 Personen reduziert. D.h. es gab Einzelschichten. Jan bis 24 Uhr, ich bis 4 Uhr und dann Markus bis morgens um 8 Uhr. Zur Sicherheit gab es immer einen Zweiten, der in voller Montur geschlafen hat, um im Falle eines Manövers schnell zur Stelle zu sein. Das hat gut geklappt. Dadurch, dass so viele andere Schiffe zu beobachten und Gefahrenstellen zu umschiffen waren, wurde man nicht so schnell müde. Die ganzen Lichter an Land haben das Ganze bei Nacht nicht vereinfacht. Jetzt, auf der Nordsee haben wir für ein paar Stunden wieder Platz. Wobei das nicht wirklich stimmt, da wir uns zwischen 2 Seeschifffahrtsstraßen befinden, die wir nicht ,,berühren” sollten. Wenn alles klappt kommen wir am Freitag in Cuxhaven an. 250 sm noch… Sue

Echte Helden

Fast wie auf der Reeperbahn geht es Richtung Ost.

Ich höre nicht viel von unserer MARLIN. „Nach fest kommt ab!“, war der letzte Kommentar zum Zustand des Temperaturfühlers der Heizung der MARLIN. Da hilft auch kein Ersatzfühler. Die Heizung müsste komplett ausgebaut werden. Da könnte Jan dann die komplett neue Ersatzheizung einbauen, die für diesen GAU an Bord ist. Ob er das gemacht hat, oder Jürgen Prochnow mäßig Handschuhe, Mütze, Funktionsunterwäsche und Decken ausgeben hat lassen, kann ich nur vermuten. Nun, sie bewegt sich, die MARLIN. 6 Stunden mit 10 Knoten, dann wieder 6 Stunden mit 5 Knoten. Je nach Tide und Strömung im Kanal. Richtung Cuxhaven. Der Wind stimmt und wird in den nächsten 48 Stunden kräftig von hinten anschieben. Also durchhalten: „Wir sind alle stolz auf euch!“ Auch mir geht es gut. Ich habe zehn Tage Erholungspause von meiner Behandlung und bin fit wie ein Turnschuh. Also werde ich mich aufmachen um die MARLIN am Wochenende in Cuxhaven zu empfangen und den Rest des Schlages mit zu frieren ;-) Ja. Natürlich bin ich nervös und ich freue mich. Was sonst. Die ganze Seglerfamilie ist nervös, aufgeregt und freut sich, dass ihr Zuhause in heimische Gewässer kommt! Auch wenn es kalt ist, hat die Crew der MARLIN echtes Glück mit dem Wetter. Neid kommt auf. Zumindest bei mir. GO! MARLIN GO!

Crewwechsel

Landleben

Wir wurden verlassen. Nach 10 Tagen sind Lara und Lars von Board gegangen. Lars früh um Acht, um mit dem Bus nach London zum Flughafen zu fahren, Lara nachmittags, auf Sie wartete die Fähre in Dover. Ein bisschen hat es den Beiden schon Leid getan, zu gehen und uns auch. Man reibt sich, gewöhnt sich bei so einer Tour gut aneinander. Mit Lara und Lars war das sehr einfach, da sie super nett sind und kompetente Segler dazu. Da hat Micha einen gute Nase gehabt und Jan und mir eine gute Crew zusammengestellt. Apropos gute Crew, unser ,,Neuer” Markus ergänzt uns aufs Beste. Souverän steuert er die Marlin, absolut lässig hoch am Wind mit Vollzeug, Groß, Genua und Fock. Nach 2 Tagen Hafenpause, ist es klasse wieder zu segeln. Nicht, dass es uns in Plymouth nicht gefallen hätte, ganz im Gegenteil. Nette Altstadt, nette Engländer und erstaunlicherweise gutes Essen. Der absolute Renner allerdings war die Sanitäranlage vom Yachthafen. Tolles Design, neu super gepflegt und sogar baden konnte man. Diese Tatsache wiederum hat zu einigen Verzögerungen geführt… wer einmal in der Anlage verschwunden war, kam so schnell nicht wieder. Seit 11 Uhr sind wir wieder unterwegs, zwar mit 7-8 kn, aber leider nicht ganz in die richtige Richtung, will heißen, wir müssen kreuzen. Nach dem gestrigen Wetterbericht war das schon klar und unser Ziel für heute auch nur ca. 40sm. Wirklich günstiger Wind ist erst ab Dienstag zu erwarten, solange wollten wir aber nicht warte. Daher Plan B, langhangeln entlang der Englischen Küste bis Dienstag und dann zum nächsten großen Schlag ausholen. Mal sehen ob unser Plan aufgeht. Sue!

MayaLena Trickfilmkiste

Familiensonntag in Flensburg

Die MARLIN liegt in Dartmouth. Der Wind kommt aus Ost, was zu einem goldenen Herbst führt. 18 Grad und T-Shirt Wetter. Skipper Jan klingt glücklich am Telefon. „Und Jan? Wie ist das Leben als Skipper of MARLIN. Anstrengend. Wahr? Keine zwanzig Minuten ohne ohne Aufgabe und Fragen.“ Jan lacht am Telefon. Das ist wohl ein „JA!“ Skipper zu sein ist das eine, das Wetter ist das andere. Jetzt wartet Skipper Jan auf den Nord Wind, den West Wind, auf jeden Fall auf irgendeinen Wind, nur nicht genau auf die Nase. Der Steg ist praktisch, mitten im River, mit dem Dinghy ist man weitestgehend frei. Das Leben kann so schön sein ;-) Mein Plan auf die MARLIN zu kommen ist verschoben. Vielleicht klappt es ja nach Cuxhaven. Sue will dort von Bord und ich würde sie eigentlich gerne noch sehen. Außerdem ist mir nach Reisen. Am Dienstag werde ich meine letzte Chemo Tabletten für den derzeitigen Run nehmen. Danach darf sich mein Körper, vor allen Dingen mein Knochenmark mal 2 Wochen erholen und so tun, als wenn es ganz toll gesund wäre. Fleißig frisches Blut produzieren. Ich freue mich darauf. Gestern Abend nach 00:00 Uhr sind meine drei Damen nach 10 Tagen Düsseldorf wieder in die Heimat nach Flensburg gekommen. Der Zug hatte vier Stunden Verspätung, am Flensburger Main Hauptbahnhof gab es kein Taxi mehr. Gut das ich noch wach war und dann das Taxi spielen konnte. Gut, das die Damen wieder da sind. Das Leben mit Familie ist eindeutig spannender als so „solo“. Vor zwei Wochen habe ich MayaLena die alte Nikon, ein Stativ, einen Studioblitz und etwas Wissen in die Hand gegeben. Einen Tag lang hat man fast kein Ton und nur das Geräusch des Blitzes gehört. Ein kleiner Film ist entstanden, den ich gestern mal für meine Töchter gerendert habe. Ganz ohne Hilfe, ganz ohne Regie und Vormachen. Schön! Nicht? Wir sind alle gespannt, dass unser Schiff schon bald in wieder in Flensburg liegen wird. Der sonntägliche Ausflug mit Lars in den Glücksburger Hundewald, geht am neuen Liegeplatz vorbei. Nicht mehr so dominant in der Hafenspitze wird die MARLIN fast neben der MS LIBELLE, dem schwimmenden Restaurant, direkt gegenüber dem Museumshafen den Winter verbringen. Diesmal allerdings aber mit Schwimmsteg. Wir sind Flensburger!