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MARLIN hat Geburtstag! Happy birthday my dear.

Vierter Tag auf See

Den Geburtstag der MARLIN zu bestimmen ist gar nicht so einfach. Leider ist uns das Datum des Stapellaufs unbekannt. Aber schon ein paar Tage lang schaue ich auf das Stundenglas, beziehungsweise unsere elektronische Logge, die seit dem Kauf der MARLIN die Meilen des abgefahrenen Wassers unter dem Kiel misst, unweigerlich dokumentiert. So wussten wir gestern denn um 19:40 LT auf 35°06N und 60°48W, dass unsere schwimmende Dame 50.000 Meilen im Kielwasser hat. Eine historische Zahl. Wir haben the Beauty mit ca. 6.000 Meilen übernommen, somit in vier Jahren 44.000 Meilen gesegelt. Hurrah for our Queen! Hana und Helen haben an den Geburtstag gedacht und eine Flasche Prosecco für den Zeitpunkt der magischen Zahl bereitgestellt. Zugegeben, ich hatte auch daran gedacht, aber es nicht mehr geschafft im Gewusel der Abfahrtsvorbereitungen. So prosten wir fünf uns zu auf den wohl zehnten Geburtstag unseren Schiffes, dass uns zumindest gestern noch mit Volldampf Richtung Horta geb racht hat. In den heutigen Morgenstunden ist dann dem Herrn Wind die Puste ausgegangen und so segeln wir etwas langsamer platt vorm Wind und wackeln mit dem Mast in der Dünung des wundersam blauen, ach so schönen Atlantik. Es ist wie bei den zwei letzten Überquerungen des Nordatlantiks in 2014 und 2016: Nord machen um den Wind zu finden. Nord. Nord. Nord.

 

Wings out and take off!

Dritter Tag auf See

Der Weg bis auf 35 Grad N war ein bisschen holprig. Jetzt haben wir die Pool Position erreicht und sind aus der Boxengasse rausgefahren. Genua ist stb ausgebaumt, Groß bb festgesetzt und die Windvorhersage bis Samstag mit uns. Jetzt heißt es Meilen machen, Meilen machen was das Zeug hält. Die bisherigen Etmale waren eher nicht erwähnenswert. Das sollte sich jetzt ändern. Noch 1.576 Meilen. Alle Systeme o.k.

MARLIN Underway

Zweiter Tag auf See

Hat nen bisschen gedauert bis wir den Wind gefunden haben. Jetzt sind wir im Jet Stream. 18 Knoten aus West. Wir shiften mal von BB auf STB Bug. Mal mit Genua etwas schneller und schlechterem VMG, mal platt mit dem Großsegel und einem perfekten VMG. Morgen werden wir mal ausbaumen und nen bisschen Kirmes machen. Die MARLIN Komfort Stufe 3 ist immer einfach vorm Groß wenn Wind da ist. Das steht einfach so schön platt und die MARLIN kann ihre Länge und den schmalen Rumpf und den langen Kiel voll ausspielen. Das Wetter ist gütig mit uns und bisher noch wenig Squalls. Na denn: Lassen wir es einfach mal laufen. Ich mach mal keine Prognosen. Denn die neue CREW 46 liest bestimmt mit und ist neugierig ob wir rechtzeitig in Horta sein werden. Tja. Werden sie wartend auf dem Kai stehen und schon mal suchen wo CREW 45 Platz für ihr Bild findet was es zu malen gibt? Wer weiß das schon?

Die Stimmung an Bord könnte nicht besser sein. Wir haben alle unseren Wachen-Rhythmus gefunden. Ich klopfe dreimal auf Holz, dass es weiter so geht. Auch ich finde zu meiner Entspannung, nach den arbeitsreichen und anstrengenden Tagen auf den Bermudas um die MARLIN letztendlich fit zu haben für den Ritt zwischen Wolken und Wasseroberfläche.

Ich habe investiert und zu NAVIONICS auf dem iPad nun iSailor erstanden. Vorteil ist, dass iSailor an das NMEA Netzwerk unseres WLAN Netzwerkes zugreifen kann und das GPS des iPads nicht nutzt. Das ist bei NAVIONICS echt Mist. Ständig ist die Batterie vom iPad leer. iSailor kann entsprechend auch AIS darstellen, was NAVIONICS nicht kann. Die Nachtdarstellung ist wesentlich angenehmer als alle anderen Programme die ich bisher kennengelernt habe und entspricht 1:1 der TRANSAS Navigationssoftware mit der wir schon 2000 unsere erste Weltumsegelung mit der IRON LADY gestartet haben. Die Bedienung der App ist natürlich etwas ungewohnt. Das Setzen und Bearbeiten der Wegpunkte nervig. Module für NMEA Sensoren und Karten kosten. Das Preislevel ist gerecht. Tracking funktioniert anscheinend nur wenn iSailor im Vordergrund läuft. Finde ich jetzt ein bisschen merkwürdig. Die Optik des Bedieneroberfläche ist sehr schön gelöst. Alles in allem hat sich die Investition gelohnt.</p >

Abgefahren. Wie geil ist das denn.

1.800 Meilen zum nächsten Hafen

“Jetzt hast Du gar keine Blutprobe mehr machen lassen.“ Ich war eigentlich froh, dass das ich das Thema Blutwerte aus meinem Kopf verdrängt hatte. Warum mußte mich Helen jetzt daran erinnern, dass es ja sein könnte, dass ich genau jetzt einen plötzlichen Rückfall haben könnte. Auf See? Weit weg von jeglicher Blutkonserven und Flughäfen um ins rettende westliche Hospital zu kommen? Ja, ich mache mir da schon meine Gedanken. „Entspann Dich mal Papa!“, sagt dann Maya immer gerne, wenn ich mich mal wieder wie eigentlich schon tot fühle. Maya ist aber nicht da. Schade eigentlich. Hätte Christian seine Entscheidung das Schiff verlassen zu wollen etwas früher bekannt gegeben, hätte man ja noch zum Beispiel Julian aufs Schiff holen können. Am Ende war es sogar für ihn zu spät dran.

Fünf andere Schiffe kreisen vor der Tankstelle, als ich entscheide, dass wir genug Diesel haben. „Für die fehlenden 100 Liter stellen wir uns jetzt nicht in die Schlange!“ Ob das eine gute Entscheidung war? Ob uns vielleicht genau die hundert Liter am Ende irgendwie fehlen? Ne. Micha. Jetzt werde mal nicht paranoid.

Eigentlich wollten wir erst am Montag St. George’s verlassen. Kein Wind. Jetzt sind wir alle glücklich losgekommen zu sein. Wir dümpeln mit Vollzeug. Kurs Nord. Auf 35 Grad ist Wind. Na dann. Am Abend werden wir bestimmt ein paar Stunden Motoren, die Batterien können es gebrauchen und wir brauchen ein paar Meilen Nord, um irgendwann einmal anzukommen.

“Hana. Mach doch mal nen Foto von mir.“ Unaufgefordert macht ja keiner Fotos von mir. Manchmal beim Kochen. Manchmal, wenn ich selber am Steuer stehe. Dabei fühle ich mich gar nicht so hässlich. Nen bisschen zugenommen hab ich. „Bauch einziehen!“, sagt Hana im richtigen Moment und drückt oft genug ab, so dass ein gutes Foto dabei ist. So. Und jetzt gibt es Pulpo a Gallego. Habe ich gestern für die CREW erstanden. Und Salat, Salat und wieder Salat, bevor der schlecht wird. Ausserdem im Gepäck: 3×5 Yellowfin Thunfischsteaks, die gleiche Menge Hühnerbeine und einen ganzen Beutel voll mit Hühnerbrust. Der Freezer ist voll und deshalb wird auch erst einmal nicht geangelt. Erst ab Überüberübermorgen. Gemüse haben wir nur aus der Kühlkette bekommen. Wird ja alles eingeführt auf den Bermudas. Also ist der Kühlschrank voll mit Grünzeug. Mal schauen wie lang das hält. Ich schaue auf den Horizont und habe Nicolas Jaar ausgegraben, weil den haben wir 2014 mit m einen Kindern auch schon gehört auf dem Weg nach Horta. Wird schon alles gut gehen.

 

St. Pauli ist auch dabei

…und Christian ist abgereist

Es war irgendwie allen an Bord klar, dass nach der Ankunft auf den Bermudas etwas passieren wird. Nun. Christian hat es denn wohl selbst erkannt, dass die schräge Segelei nicht so ganz das ist, was in seine Mobilitätsportfolio passt. Ich habe ihn nicht gebeten das Schiff zu verlassen. Ich und alle anderen haben eindeutig gesagt, dass wir ihn mitnehmen wollen. Aber es wäre eben Mitnehmen und nicht Mitsegeln geworden. Und so fällt allen ein Stein vom Herzen und mir auch. Ausser, dass uns jetzt für den Törn nach Horta ein Crewmitglied fehlt. Ich habe eine Auswahl von Kandidaten, die schon mal erfolgreich auf der MARLIN mitgesegelt sind angeschrieben, ob sie Lust haben Hand gegen Koje einzusteigen. Ist ja nun ein prima Angebot. Wie zu erwarten haben die meisten allerdings so kurzfristig keine Zeit oder bekommen es nicht hin bis Montag hier zu sein. Nun. Wir segeln auch zu fünft. Darf ich halt alleine Wache machen. Grins.

Das ist Ralf. Ralf ist Motorradfahrer. Indian. Wem das was sagt, der wird wissen wie Ralf drauf ist. Gut halt. Ralf bekommt Geld, jeden Monat auf’s Konto ohne zu arbeiten. Also, das hat er hinter sich mit der Arbeiterei. Ralf ist Rentner. Ralf hatte auch mal nen eigenes Schiff und dementsprechend erwarte ich halt auch das Ralf alles weiß. Hat er schon bereut, dass er mir das mit dem eigenen Schiff erzählt hat. Grins. Alle finden Ralf toll. Ralf ist das gute Herz an Bord und bleibt immer ruhig. Fast immer. Wenn die MARLIN schnell mal nen Manöver braucht, dann wird er gern mal nen bisschen nervös. Hana meint, dass das am Alter liegt. Nicht negativ. Ist einfach so. Da komme ich ins Grübeln. Denn soviel älter als ich, ist Ralf garnicht. Bin ich auch schon alt? Klar bin ich alt. Aber zurück zu Ralf. Der kommt auch aussem Norden. Besser gesagt aus Hamburg. In Laboe stand er plötzlich vor der MARLIN. „Ich will mal mitsegeln.“ Jetzt ist er auf der MARLIN. Ralf kann f ast alles. Er kümmert sich viel um an Sachen auf’m Deck halt. Er kann steuern und wienern und vor allen Dingen guckt er nicht weg wenn er Arbeit sieht, sondern macht die wech. Toller Mitsegler. Bin froh ihn dabei zu haben.

Habe ich eigentlich geschrieben, dass mir beim Feiern in Cienfuegos mein iPhone geklaut wurde. Der Klassiker? Warum geht Wnuk wie ein Anfänger auch mit dem iPhone Party machen? Peinlich. Peinlich. Nun. Klar hab ich inzwischen ein neues. Aber in Cuba kann man das nicht installieren, denn Apple hat den Zugriff auf den AppStore aus Cuba sicher gesperrt. Auf den Bermudas angekommen gibt es endlich wieder Internet. Nach drei Monaten Cuba ist das wie Weihnachten. Der Nase nach scanne ich die Umgebung nach einem Hotspot und lande bei Geza Wolf. Geza gehört das WAHOO’s. Das ist das angesagteste Restaurant am Platz in St. George’s. Geza ist Schwabe und vor 38 Jahren nach Bermudas immigriert. Mit der ganzen CREW fliegen wir hier ein. Nicht nur wegen dem schnellsten Internet in St. George’s, sondern vor allen Dingen um noch mal ordentlich fremdzugehen, Essen zu gehen. Meine CREW lädt mich ein und bevor es wieder wochenlang nur Fisch gibt, manchmal kann ich keinen Fisch mehr sehen, vertilge ich ein riesiges Cowboy Steak. OHA! Vielen Dank noch mal an meine CREW. Ganz nebenbei ist mein MacBook wieder auf dem neuesten Stand. Mein iPhone voll funktionstüchtig und ich kann endlich wieder am öffentlichen Leben teilnehmen. Ich bin wieder bei What’s App zu erreichen. Ihr könnt euch gar nicht vorstellen wie das ohne ist für Wochen.

Dank Nathalies Vorbereitung findet unser demoliertes Jib Segel einen vorrangigen Platz bei Ocean Sails, dem ansässigen Segelmacher John. Der ist gar nicht so freundlich wie ansonsten eigentlich alle Bermudiander. Aber egal. Er holt das Segel ab und bei meinem Kontrollbesuch am Nachmittag ist es in Arbeit. Chef kümmert sich selbst um die Reparatur. Das wird nicht billig. Is klar. Er hat ja auch das Schiff gesehen. Und er weiß das wir los müssen. Nun. Ich arbeite ja auch nicht für lau. Alles gut John Du machst einen guten Job. Beim Abholen bringe ich ihm eine Flasche Havanna Club 7 Jahre mit als Anerkennung seiner Dienste und frage ihn ob er auf die Rechnung von 600 Dollar nicht noch 1000 Dollar draufschlagen will. Wäre doch viel zu billig. Nun. Ob er den norddeutschen Spaß verstanden hat, weiß ich nicht. Aber Dank des Rums wird er sich an mich erinnern, wenn ich mal wieder mit nem kaputten Segel einlaufe und genau deshalb will ich mir das mit ihm hier nicht versche rzen. Wichtiger Mann.

Verproviantieren auf den Bermudas ist nicht günstig. Nichts ist hier günstig. Wenn eine Küchenrolle 6,8 $US kostet? Was kostet dann eine Verproviantierung für 14 Tage Segeln für Fünf die mal sechs waren? Nun. Man macht so eine Atlantiküberquerung ja nicht jedes Jahr, wenn man nicht grade Wnuk heißt. Da spuckt meine CREW 45 ja nicht ins Glas. Am Samstag heißt es Großeinkauf und dann? Dann heißt es mal Abfahrt. Wir liegen vor Anker und mit uns bestimmt 25 andere. Im Hafen liegt noch eine Handvoll ARC Europe Segler, die sich das nicht ohne trauen. Die wollen am Montag los. Ich auch. Obwohl. Eigentlich will ich am Sonntag Kiten gehen. Is aber kein Kite-Wind. Also können wir auch am Sonntag los. Mal schauen wie das mit dem Verproviantieren klappt.

 

Weißes Kreuz auf rotem Grund an der Standerleine

Scheidepunkte

Das ist Helen. Helen ist auch mein Alter. Der selbe Jahrgang. Helen kommt aus dem Schweizer Kanton Bern. Ich habe viel Freunde, Kunden und Gäste aus der Schweiz. Weiß der liebe Gott warum. Wohl deshalb weiß ich schon, dass die geruhsamsten Schweizer in Bern angesiedelt sind. Mal loyal ausgedrückt. Sagt man so. Andere Schweizer sagen das auch anders und direkter. Sprechen Helen und Hana, was am Morgen beginnt sobald die Damen auf der MARLIN in der Vorkabine ihre Augen aufmachen, verstehe ich dann nur noch Bruchstücke von dieser doch recht vernoteten Sprache: Schwyzertütsch. Helen meint, dass ich das noch lernen werde. Helen will es mit mir und der MARLIN bis nach Culatra / Portugal aushalten. Da war ich am Anfang doch sehr kritisch. Jetzt, wo ich Helen zumindest schon mal 1.000 Meilen auf der MARLIN erlebt habe, weiß ich, dass sie bestimmt kein Problem damit hat, mit mir oder einem anderen Crewmitglied klarzukommen. Helen ist eine sehr selbstbewußte Frau mit Zielen. Das derzeitige Ziel ist die Atlantiküberquerung. Also gibt es auch keinen Zweifel daran, dass wir unser Ziel erreichen. Sieht man doch schon an dem Blitzen in ihren Augen. Ich bin froh Helen als Mensch und Seglerin dabei zu haben.

Uns MARLIN schreitet in Riesenschritten auf ihren 50.000 Meilen Geburtstag zu, den wir gemeinsam auf den Weg zu den Azoren feiern werden. Das sollte doch eine Flasche Champagner für Schiff und CREW wert sein. Die Riesenschritte sind derzeit alle 200 Meilen. Nene, nicht ich pushe. MARLIN macht das quasi von ganz alleine. Wir sind brav bei 25 Knoten Wind ins dritte Reff gegangen, was lediglich dazu geführt hat, dass MARLIN einen halben Knoten schneller durchs Wasser zieht. Ne. Keine Strömung. Ich habe den Rumpf mit Melkfett eingerieben. Spass.

“Können wir nicht einen Fisch fangen Skipper?“ „Ach Hana. Das Wasser ist voll mit diesem Seegrasgestrüpp. Da muss ich ständig die Leine reinholen und vom Haken runtermachen. Das nervt.“ Ich will Hana den Gefallen tun und lasse die Leine trotzdem rein. Keine zwanzig Minuten vergehen und Christian am Niedergang: „Ich glaube wir haben einen Fisch an der Angel.“ „Mist. Kannste knicken“, denke ich mir. „Jetzt muss ich den Fisch reinholen, den bei 20° Krängung ausnehmen und filetieren, dann zubereiten. Das endet in Arbeit.“ Eine junge 4kg Dorade ist an der Angel. Helen und Hana stehen mit strahlenden Kinderaugen vor mir. Na dann. Ich bekomme es nicht übers Herz die kleine Dorade nun über Bord zu werfen und ihr das Leben zu schenken, was ich normalerweise tun würde. Es reicht grade für das Abendessen. Da erwacht mein Kochnerv. „O.K. Dann nehmen wir wenigstens alles an Bord und machen auch noch eine Fischsuppe aus dem Skelett und dem Kopf.“ Eine St unde später gibt es zum Bergfest eine Flasche Weißwein, Golddorade in Butter gebraten und Cubanischen Reis mit schwarzen Bohnen und Gemüse. Wir rollen die Genua ein und parken mal eben mit fast senkrechtem Mast mit 4 Knoten über Grund in die richtige Richtung ein. Marina Atlantico. Freies Treibenlassen auf 5.000 Meter Tiefe inmitten des berüchtigten Bermuda Dreiecks. Ja? Darf man das denn so einfach? Wir dürfen das. Wir dürfen alles. Ein wunderschönes Abendessen folgt. Die Stimmung an Bord hat sich in die richtige Richtung gedreht, so wie der Wind.

Ich träume von 400 Mbit Internetzugängen ohne US Embargo. So weit ist es schon. Nein. Ich vermisse Cuba nicht. Vielleicht noch nicht. Wahrscheinlich noch nicht. Die Cubanischen Verhältnisse machen das Leben und Reisen so umständlich. Für einen Urlaub ist das kein Problem, aber fast drei Monate, so wie in meinem Fall, lassen einen schon an die Grenzen kommen. Es ist Zeit. Zeit für die Passageplanung 2019/2020 ab Oktober diese Jahres. Faro wird unser Ausgangsort sein und die Selvagens, zu Madeira gehörend, ein Stop bei gutem Wetter. Die Kanareninsel Palma wird auf dem Menü stehen, weil ich die noch nicht kenne und vor der Atlantiküberquerung werden wir Zeit haben die Kapverden anzulaufen. Über den Atlantik geht es erst Weihnachten mit stetigen Tradewinden, durch die Kalmzonen nach Fernando de Norohna vor Brasilien. French und Britisch Guyana warten auf unsere Visite und im Frühjahr 2019 wird die MARLIN in Trinidad neu lackiert. Weiter geht es über die ABC Inseln nach Kolumbien und San Blas. Oder doch Kuba?

Unsere Zielgruppe wird sich ebenfalls ändern. Wech von den 12 Tagen Pauschaltörns, will ich einen Weg finden Langzeitmitsegler zu finden. Das Segeln mit der MARLIN soll stressfreier werden, die Mitsegler sollen mehr Zeit haben Schiff, Skipper, Land und Leute kennenzulernen. Inzwischen glaube ich, dass eine recht große Gruppe von Mitseglern ähnlich denkt. Muss ich aber noch ein bisschen mehr drüber nachdenken. So wie in der letzten Zeit solle es irgendwie nicht weitergehen. Da gärt was in mir.

 

Das meist benutzte Computer Programm auf der MARLIN

NavMonPC

Wenn es rumpelt auf der MARLIN, so ist das meist die Welle die plötzlich mitläuft Der Maxprop Propeller muss bei laufender Vorausfahrt abrupt gestoppt werden, damit sich seine Flügel in Fahrtrichtung stellen. Fahrt man unbewusst gegen irgend ein Hindernis, verstellen sich die Flügel und Propeller, nebst Welle fangen an mitzulaufen. Das hört man im ganzen Schiff und denkt sich: „Was’n da los verdammte Hacke?“ Die CREW kennt das Geräusch natürlich nicht. Motor kurz an, einkuppeln, Gas geben, Motor aus… Schon ist alles wieder gut und die Welle steht wieder geräuschlos.

Beim Aufkreuzen im Miamichannel ist geringfügig Salzwasser am Mastfuß eingetreten. Natürlich über die abnehmbare Front des Autoradios gelaufen. Jetzt lässt sich die Lautstärke nicht mehr verstellen. Na so was. Neues Autoradio? Vorsichtig baue ich das Teil auseinander. Manchmal lohnt es sich eben doch ein bisschen mehr zu bezahlen. Die Platine ist komplett lackiert. Mit entsalztem Wasser aus dem Wassermacher bade ich die einzelnen Teile und lege sie zum Trocknen aus. Nach vier Stunden setze ich alle wieder zusammen. Geht wieder.

„Kannst Du die Tür etwas leiser zu machen? Mach noch mal auf und dann langsam zu.“ „Aber klar Papa. Gerne doch!“, antwortet die frühpubertierende Maya ironisch und lacht dabei. „Die Holz-Front von der Schublade ist abgefallen.“ Ich war es nicht steht in Hana’s Gesicht geschrieben. Ich grinse Hana an. Klar kein Problem. Kümmere mich grade um Erika, dann komme ich. Später schraube und verklebe ich die Schubladenfront und erkläre Helen: „Das kommt davon wenn die Schubladen und Türen der Locker mit Rumms zugemacht werden. Irgendwann löst sich das alles auf, die Scharniere brechen raus und die Verblendungen lösen sich. Alles ne Sache der Zeit bei so vielen Neulingen die alle paar Wochen auf der MARLIN auftauchen um mitzusegeln.

Im Rampenlicht heute ist ein kleines Tool, dass bei allen Mitseglern, auch nicht PC Freaks, nach kurzer Zeit beim Segeln hoch bewertet wird. Es handelt sich um NavMonPC. Das kleine Windows Program ist als Freesoft erhältlich und stellt die NMEA Daten Deines Schiffes grafisch dar. Also Wind, Tiefe, Logge, Speed, AIS und und und… Alles was so von den bestehenden Sensoren kommt, wenn zumindest der Autopilot an ist. Also der Normalfall bei Langfahrt. Radar und Plotter können getrost ausbleiben, du dir den Strom sparen. NavMonPC’s beliebteste Oberfläche ist allerdings die Winddarstellung, vom scheinbaren Wind. Fast der ganze Bildschirm wird genutzt um den Verlauf der Windbewegungen wie bei einem EKG darzustellen. Zeit, Größe sind hierbei frei wählbar. Der routinierte Segler kann an dem Verlauf der Windbewegungen zum Beispiel erkennen in welchem Zeitraum mit welcher Windentwicklung zu rechnen ist und so seinen Kurs optimieren. Die Geschwindigkeit einer Winddrehung ist einfach zu erkennen. Auch die durchschnittliche Windstärke ist einfach zu sehen und wer sein Schiff kennt und durch eine Flaute motorsegeln muss, kann frühzeitig erkennen wann er wieder Segelwind haben wird. Unzählige sinnvolle andere Funktionen sind einfach implementiert und nutzbar. Einmal installiert und verstanden ist NavMonPC aus dem Schiffsalltag der elektronischen Navigation nicht mehr wegzudenken. Zusammen mit dem Programm qtVlm für Wetterrouting und OpenCPM für die Navigation stellt die PC Navigation heutzutage eine sicher Alternative zu den teuren Plottersystemen dar. Eine stabile Hardware fertig installiert mit allen Tools und Programmen auf 12V Basis biete ich als LunaMiniPC 2.0 über mein Unternehmen LUNATRONIC in Flensburg an. Als redundantes System benötigt das System nicht unbedingt ein eigenen Bildschirm, sondern kann über jeden Laptop, Tablet, iPhone, iPad etc. benutzt werden. Auch den Umgang mit dem System schulen wir erfolgreich online oder vor Ort in Flensburg. Ein Besuch unserer Website lohnt sich.

 

Crewhygiene auf 4900 Meter über dem Meeresgrund

Einreiten der MARLIN

Unter dem Wasser ist Stephan. Mein Alter. Rechtsanwalt, Steuerberater aus München. Supernett, motiviert und auch segelerfahren, allerdings liegt der Törn Brasilien – Azoren schon dutzende von Jahren zurück. Vieles ist anders inzwischen und auf der MARLIN sowieso. Dank des Blogs hat er erfahren, dass man auf der MARLIN mitsegeln kann. Und nun? Nun ist er dabei auf dem Ritt der MARLIN von Havanna nach Horta. Ritt ist der richtige Ausdruck, denn wir haben die Südwindzone erreicht. Bei anliegendem Kurs von 60°, Main im zweiten Reff ausgebaumt, verkleinert und vergrößert die CREW nun selbständig nach Wetterlage zwischen 15-30 Knoten Wind nur mit der Genua. Allein. Ich komme zu liegengebliebenden Aufgaben am Rechner, sowie zur Entspannung zum Blogposten. Der alte Schwell aus der letzten Nordostwindphase legt sich langsam und aus dem springenden, tanzendem Ritt wird ein gemütlicher Trab, den wir durchschnittlich mit acht Knoten segeln können. Nice Sailing. Wind aus raum schots, woraus die MARLIN natürlich wieder halb macht. Wir kommen gut voran. Letztes Loggen-Etmal 153.

Der Abfluss der Dusche im Bug der MARLIN ist auf steuerbord. Also wird dort auch nur auf steuerbord geduscht. Mit neun Knoten Fahrt durchs Wasser will auch niemand wirklich im Vorschiff duschen. Es rollt, schlägt, gürgelt, hüpft, schlingert. Die Mädels schlafen inzwischen in der Vorkabine und geniessen das schiffige Ambiente. Morgens kichern sie erst einmal eine Runde, dann stehen sie auf. Für die Dusche auf dem Hygienedeck haben sie eine feste Uhrzeit bekommen, die Jungs durften solange drinnen die Backschaft machen. Dann die Herren. Alle duschen mit Harness. Sich bei der Geschwindigkeit im Kielwasser hinter dem Boot herziehen zu lassen geht nicht. Früher, als alles besser war!, haben wir das auf der MARLIN ja ständig gemacht. Aber da sind wir ja auch nicht gesegelt sondern geschneggelt.

Noch 560 Meilen bis Bermudas.

 

Letzte Wende vor Bermudas. So ein geiler Segeltag.

Die fantastischen Vier

Helen ist nun zuständig für alles was penibel gemacht werden muss, wie die Navigation und Mittagsbesteck, Medizin, Orga und Friedensstiftung. Stephan ist erster Steuermann, Deckshand und Koch. Ralf macht die Technik, Wachführer und passt auf Christian auf. Auch Hana passt auf Christian auf, ist die Beste am Steuerrad, obwohl sie noch nicht so genau weiß was sie da macht, Deckshand und Segel-Azubi. Christian macht penibel Logbuch, Backschaft und lernt sich sicher zu bewegen an Bord. Ich bin für alles zuständig, immer bereit und der Reparaturoberanführer. Wie man sieht haben wir uns verständigt. Inzwischen kann die Crew selbstständig leise, elegant und ohne Winschkurbeln Wenden, elektronisch navigieren, Motor und Sicherheitssysteme bedienen, Segel setzten und Reffen, Handsteuern unter Motor und Segeln, Kochen, Spülen, Putzen, Schlafen… Ich kann bis 20 Knoten Wind zumindest einen Teil der drei Viertstundenwachen schlafen.

Das ist Hana. Sie ist Ex-Profi-Handballerin aus der Tschechin, die in der Schweiz lebt. Hana hat Schultern wie ein Schrank, zieht mit Stefan das 100qm Großsegel der MARLIN hoch, kurbelt was das Zeug hält. Nun grade lernen alle eigentlich die Kurbeln fast gar nicht mehr anzufassen. Hana ist also eine starke Frau. Nicht nur an den Armen und Schultern sieht man das Hana stark ist, auch läßt sie sich nicht aus der Ruhe bringen. Was sie macht, macht sie richtig. Was sie lernt, lernt sie schnell und an den sympathischen Grübchen sieht man, dass es immer lustig ist, wenn sie dabei ist. Ich bin froh Hana kennengelernt und dabei dabei zu haben.

Vierundzwanzig Wenden haben wir gebraucht um von Havana aus den Bahamas auf Kurs Bermudas aufzukreuzen. Wenn man das so liest kommt einem das gar nicht so viel vor. CREW 45 kann das jetzt. Wie gesagt ohne Krach, ohne Winschkurbeln, mit perfekt getrimmten Segeln nach der Wende. Perfekt. Was sich gestern im Logbuch noch nach Sodum und Gomorra auf der MARLIN angehört hat ist heute nach einem wunderschönen Segeltag. Alle Lächeln, sogar ich bekomme ab und an ein kleines Lob. Gleich fahren wir ums Eck und dann, dann können wir endlich nach den gefühlten 49 Wenden die Bermudas anlaufen. Mal schauen, was die Nacht bringt.

 

Lauerstellung. Illegal auf den Bahamas

teambuilding

Es heißt ja, dass es internationales Recht sei sich 72 Stunden sich weltweit in fremden Ländern mit dem Schiff aufhalten darf ohne einzuklarieren, wenn man ankert, aber das Schiff nicht verläßt und an Land geht. Ob dem wirklich so ist, ich weiß es nicht. Mir gefällt die Regel, deshalb wende ich sie an. Heute morgen mit dem Sonnenaufgang reicht es dann mit dem Aufkreuzen. Die Etmal Werte sind deutlich Varadero – Key West 131 sm Logge / 237 Way over Ground. Miami Street 129 Logge / 277 WOG, was 11,5 knDurchschnittsgeschwindigkeit mit Strom sind. Schäden gibt es auch. Der Bolzen zur Befestigung der Klappe von der Segellast ist rausgefallen beim Gegenanaufkreuzen und Wasser schaufeln. Ich weiß nicht wann. Irgendwann habe ich es gesehen und hab die Klappe richtig gesichert. Auf jeden Fall ist die durch die Gasdruckfeder offen gehalten worden und heute haben wir mindestens zwei Badewannen Salzwasser da mit der Bilgenhandpumpe rausgepumpt. Kein Wunder das MARLIN immer tie fer eingetaucht ist mit dem Bug. Hatte mich schon gewundert. Für die Zukunft wird die Klappe immer niet- und nagelfest gesichert. Ich bin ja so glücklich,. Dass die Segelast schottdicht getrennt ist vom Rest des Schiffes und ich ein Aludampfer habe und kein Stahlschiff mehr.

Der 70kg ROCNA MARLIN Anker fällt im Wind- und Wetterschatten von Berry Islands in den Bahamas. Das Wetter, anfänglich noch Badewetter verschlechtert sich stündlich. Wir wollen nur Luft holen, MARLIN klar machen und ausruhen nach den Anstrengungen der fast 3×24 Stunden non-stop gegenan Hauerei. Das Vesper MARINE WM850 AIS schalten wir still. Besuch von den Behörden wollen wir nicht haben. Morgen vormittag soll es schon weitergehen. Der Wind wir drehen aus SE und weiter auf S. Unser Wetterfenster. Quasi wie bestellt. Mir glaubt aber keiner so recht. „Das ist doch alles Hexerei.“

Christian ist Wiener und hat es ein bisschen schwer mit mir. Im Fragebogen hat er angegeben, dass er schon eine E-W Atlantiküberquerung gemacht hat. Auch alles andere passt. Also. Warum nicht? Aus 10 Bewerbungen hat er sich qualifiziert. Er fehlt noch auf dem Ankommensfoto vom 28. April, weil er erst später anreiste. Nun stellt sich raus, dass Christian nicht so lebendig und sicher auf dem Schiff bewegt wie der Rest der CREW, nicht wie ich ich es mir vorstelle. Ich habe ein Sicherheitsproblem und fühle mich überfordert. Beim Debriefing des Tages, bringe ich meine Bedenken vor und frage die Gruppe und natürlich Christian, was wir tun sollen. Ich ernte betroffene Blicke, denn schon am Tag davor habe ich Bedenken zu meiner durchgehenden Leistungsfähigkeit mit dem Verantwortungslevel angebracht. Nach ein bisschen Bedenkzeit entscheidet die Gruppe mit Christian sicheres Bewegen an Deck zu üben und die Entscheidung für den Törn zu den Acoren auf Bermuda zu vertragen. Ic h bin einverstanden.

Einverstanden bin ich auch, weil CREW 45, speziell Stephan sich in die Küche stellt und mir das Kochen abnimmt. Wir werden nicht mehr so schräg segeln wie in den letzten 72 Stunden. „O.K. Let’s try.“ Ohne viel Aufhebens bereitet das team MARLIN für die nächsten 800 Meilen vor. Das Timing passt. QtVLM rechnet irgendwas von 3 Tagen 11 Stunden. So sportlich werden wir aber nicht segeln. Mit vier Nächten werde ich mich zufriendenstellen. Man wird sehen. SAEFTY FIRST!

 

Selten aber wahr: Mir fehlen die Worte.

Der Golfstrom – Mein Feind und Helfer

Die letzten drei Tage haben mich schon an den Rand meines Könnens und meiner Kraft als Skipper gebracht. Aus meiner Crew gibt es leider keinen, den ich als 1st Mate auf dieser Tour einsetzen kann. Die vier Stunden Schichten muss ich alle betreuen, die Segel gemeinsam so setzen, dass die Aufgabe der Wache auf Rundumblick beschränkt ist und für jedes Manöver oder besondere Vorkommnisse lasse ich mich wecken. Jeder Einzelne ist supernett und superlieb, aber wirklich aktiv mitsegeln kann noch keiner. Ist so und das stelle ich auch so im Meeting fest. Dann liegt es jetzt an mir, das in den nächsten Tagen zu ändern. Aufgabe. Wenn das darin endet, dass das Dichtholen einer Genuashot mit ausbildungstechnisch korrekt mit: Briefing, Anziehen der Rettungsweste, sicherer Stand, Vormachen, Nachmachen, alleine machen, Debriefing durchgeführt wird, dann sind wir doch falsch bei einer Atlantiküberquerung E-W. Wie lange soll die denn dauern? Skipper Micha dampft aus den Ohren. Hall o?

Wir haben ONO Wind 25 Knoten. Also voll auf die Nase. 30 Meilen nördlich von Varadero finden wir erwartungsgemäß den Golfstrom. In der Karte ersichtlich. Ich habe ja schon viele Stromengen gesegelt, also so schlimm wird es ja nicht sein und die MARLIN ist ja ein großes Schiff. Wir biegen ein mit Groß im zweiten Reff und Fock, am Wind was nur geht. Ein schräger Einstieg für CREW 45. Schnell haben wir 9-10 Knoten über Grund 6-7 Knoten unter Segeln am Wind und durchs Wasser erreicht. LEV-O-GAGE zeigt 25 Grad durchschnittliche Schräglage. Dazu gibt es nun Waschmaschine. Wellen von allen Seiten, standing waves, ripps, brakers. Es wird dunkel und meine Crew mach das Beste, was man in der ersten Nacht auf dem Schiff unter solchen Umständen macht. Bett und dann die Decke über den Kopf. Hana liegt auf dem Salonsofa, Helen hat sich eine Matraze auf den Salonboden gelegt. In der Vorkabine ist Kirmes. Draussen zeigt ein Bahamas Squall was er so kann und ich nehme blitzschne ll die Segel runter um Schäden zu verhindern. Die Dinger sind einfach unberechenbar. „So hatte ich mir das alles nicht vorgestellt. Regen. Sturm. Das habe ich aber nicht so gebucht.“ In solchen Situationen habe ich diesen Spruch ja schon öfters gehört und ich grinse Helen an: „Wird schon noch. Hier muss es ja auch mal regen.“

Immer wenn wir der amerikanische Küste auf 5 sm nah kommen, machen wir eine Wende. Das geht die ganze Nacht so und das geht den nächsten Tag so, dass geht die zweite Nacht so und das geht den folgenden Tag ebenso. Der Himmel ist grau und am Horizont sehen wir die Skyline von Miami. Ich ändere alle sechs Stunden unsere Pläne zur Weiterfahrt. Bimini diskutieren wir, Freeport kommt als möglicher Stopp ins Gespräch. Immer noch ist die Verproviantierung das Problem. Mein Kopf fährt die „Wilde Maus“ mit mir. Ohne regelmäßigen, ausreichenden Schlaf wird man mittelmäßig durchgeknallt. Die üblichen Probleme bei einer solchen wilden Fahrt stellen sich ein. Ein Toilettensitz bricht, das marode Achterlieg und das Sunbrella UV Schutz am Achterlieg der Fog hängt am nächsten Morgen nur noch als Fetzen vom Segel, meine E-Zigarette bekommt ein Salzwasserbad über das offene Fenster im Deckshaus und ihr Lebenslicht verlischt, die Schlingerleiste vorm Besteckkasten bricht u nd Stephan kann diesen grade noch bewahren davor als Ufo durch die MARLIN zu schweben. Ich will nicht übertreiben, aber auch nicht untertreiben: Die Fahrt durch den Miami Channel bei Ost bis Nord Winden ist ein unvergessliches Erlebnis.

Nach der zweiten Nacht biegen wir Höhe Freeport nach Osten ab. Wieder aufkreuzen. Gegenan. Nun gegen den Atlantik, der mit seiner Öberflächenströmung aus vielen Tagen Ostwind durch die Bahamas mit zum Golf Strom will, um seine H2O Moleküle nach Spitzbergen zu schicken. Da sind wir jetzt. Waren die ersten Tage nun erfolgreich? Ich bin da nicht so der Meinung. Nathalie versucht eine Reparatur der Fock auf den Bermudas zu organisieren. Für den bevorstehenden Ritt zu den Bermudas kann man fast eh schon die Sturmfock anschlagen geht mir so durch den Kopf. Wir reiten weiter ohne Stop durch die Nacht. Der Bug der MARLIN gräbt sich wieder und wieder in die Wellenberge, schneidet die See in zwei Teile. Manchmal gewinnen auch die Wellen. Der Bug geht in den gefühlten Himmel, der Rumpf schlägt in der kommenden Welle aufs Wasser, Frontänen zu beiden Seiten, 30 Tonnen werden ausgebremst, der Mast zittert. Segeln, gegenan ist unromantisch laut und ungemütlich. Am Samstag soll der Wind auf SE drehen. Unsere Chance Bermudas anzuliegen.</p

Fast allein in einer Megamarina

Auf zum großen Schlag II

International auszuklarieren habe ich mich dann mit meiner neuen CREW 45 doch nicht getraut. Gutes Gefühl ist das eine, Testschlag ist das andere. Ich pumpe sie quasi in in kürzester Zeit voll mit Wissen. Wir legen ab, an der Tanke an, am Zoll an und fahren raus. Alle Manöver klappen 1a. Bestes Anfänger Wetter, 10 Knoten auf die Nase und im Abstand von einer Meile an der Hauptstadt von Kuba längsseits. Hat schon was romantisches. Irgendwie verabschiede ich mich, während „Die Neuen“ mit der MARLIN warm werden. Zum Beginn dann direkt ein Nachttörn. Ich entscheide Varadero in 85 Meilen anzulaufen, um möglichst viel Höhe zu gewinnen für den Schlag nach Norden durch den Miami Channel. ONO ist für den nächsten Tag angesagt mit sechs Bft. Da müssen wir vorher in Varadero ankommen. Na das fängt ja gut an und es wird anspruchsvoll bleiben in den nächsten vier Tagen. In vier Wochen müssen wir auf den Azoren sein. Upps. Und ein Zwischenstopp auf den Bermudas muss sein, denn sich in Cuba zu verproviantieren ist quasi unmöglich. Das wir eine spannende Angelegenheit. MARLIN scharrt mal wieder mit den Hufen.

Ich bin weitestgehend mit meiner CREW zufrieden. Die ersten Nachtwachen verlaufen ruhig. Ab Mitternacht schläft der Wind ein. Alles an Segler-Charakteren ist vertreten und alles ist offen. Das wird auch eine Art von team-building werden. Wie immer, freue ich mich und habe doch eine gehörige Portion Respekt. Im Gensatz zu der Ost-West Transatlantik Überquerung sind die Wind nicht langfristig vorhersagbar. Die Vorhersagekarten werden von der Position des Azorenhochs ab den Bermudas täglich neu gemischt. Ich kenne viele Segler, die ihr Schiff dann doch lieber mit dem Frachtschiff über den Nordatlantik nach Europa zurückbringen lassen. Das geht für mich gar nicht. Wenn schon rüber, dann schon auch zurück.

Für die nächsten zwei, drei Tage aber haben wir es erst einmal mit dem bis zu 3,5 Knoten nach Nord setzenden Golf Strom zu tun. Ich bin mir noch nicht schlüssig ob wir ihn ausnutzen sollen und rein segeln sollen. Da brüte ich derweilen grade drüber nach, während ich diesen Post verfasse. Die endgültige Entscheidung werde ich wohl unterwegs treffen. Angesagt sind 20 Knoten am Wind. Auf jeden Fall kann es sein, dass wir während der nächsten zwei Tage keinen Eintrag schicken werden. Das sollte aber grade bei den Bekannten meiner CREW keine Sorgen entstehen lassen. Hört man nichts von uns, so ist es ein Zeichen dafür, dass es uns gutgeht. Das Schreiben und die Arbeit unter Deck ist während der ersten Tage bedingt durch den Prozess des Seebeinwachsens stark erschwert. Ich als Skipper werde jede Menge zu tun haben, damit es allen gut geht.

Die Marina Gaviota ist ein Klimmzug der Cubanischen Regierung um den Anforderungen der Zukunft gerecht zu werden. 1.200 Schiffen bietet die modern und westlich aussehende Marina Platz. Neben einem halben Dutzend Fahrtenseglern sind vielleicht noch 25 andere Schiffe im Hafen. Da ist doch irgend etwas schief gelaufen am Marketing würde ich sagen. Nun gut. Uns soll es recht sein. Morgen geht es weiter.</p