Archiv der Kategorie: SY Marlin

Weißes Kreuz auf rotem Grund an der Standerleine

Scheidepunkte

Das ist Helen. Helen ist auch mein Alter. Der selbe Jahrgang. Helen kommt aus dem Schweizer Kanton Bern. Ich habe viel Freunde, Kunden und Gäste aus der Schweiz. Weiß der liebe Gott warum. Wohl deshalb weiß ich schon, dass die geruhsamsten Schweizer in Bern angesiedelt sind. Mal loyal ausgedrückt. Sagt man so. Andere Schweizer sagen das auch anders und direkter. Sprechen Helen und Hana, was am Morgen beginnt sobald die Damen auf der MARLIN in der Vorkabine ihre Augen aufmachen, verstehe ich dann nur noch Bruchstücke von dieser doch recht vernoteten Sprache: Schwyzertütsch. Helen meint, dass ich das noch lernen werde. Helen will es mit mir und der MARLIN bis nach Culatra / Portugal aushalten. Da war ich am Anfang doch sehr kritisch. Jetzt, wo ich Helen zumindest schon mal 1.000 Meilen auf der MARLIN erlebt habe, weiß ich, dass sie bestimmt kein Problem damit hat, mit mir oder einem anderen Crewmitglied klarzukommen. Helen ist eine sehr selbstbewußte Frau mit Zielen. Das derzeitige Ziel ist die Atlantiküberquerung. Also gibt es auch keinen Zweifel daran, dass wir unser Ziel erreichen. Sieht man doch schon an dem Blitzen in ihren Augen. Ich bin froh Helen als Mensch und Seglerin dabei zu haben. Uns MARLIN schreitet in Riesenschritten auf ihren 50.000 Meilen Geburtstag zu, den wir gemeinsam auf den Weg zu den Azoren feiern werden. Das sollte doch eine Flasche Champagner für Schiff und CREW wert sein. Die Riesenschritte sind derzeit alle 200 Meilen. Nene, nicht ich pushe. MARLIN macht das quasi von ganz alleine. Wir sind brav bei 25 Knoten Wind ins dritte Reff gegangen, was lediglich dazu geführt hat, dass MARLIN einen halben Knoten schneller durchs Wasser zieht. Ne. Keine Strömung. Ich habe den Rumpf mit Melkfett eingerieben. Spass. “Können wir nicht einen Fisch fangen Skipper?“ „Ach Hana. Das Wasser ist voll mit diesem Seegrasgestrüpp. Da muss ich ständig die Leine reinholen und vom Haken runtermachen. Das nervt.“ Ich will Hana den Gefallen tun und lasse die Leine trotzdem rein. Keine zwanzig Minuten vergehen und Christian am Niedergang: „Ich glaube wir haben einen Fisch an der Angel.“ „Mist. Kannste knicken“, denke ich mir. „Jetzt muss ich den Fisch reinholen, den bei 20° Krängung ausnehmen und filetieren, dann zubereiten. Das endet in Arbeit.“ Eine junge 4kg Dorade ist an der Angel. Helen und Hana stehen mit strahlenden Kinderaugen vor mir. Na dann. Ich bekomme es nicht übers Herz die kleine Dorade nun über Bord zu werfen und ihr das Leben zu schenken, was ich normalerweise tun würde. Es reicht grade für das Abendessen. Da erwacht mein Kochnerv. „O.K. Dann nehmen wir wenigstens alles an Bord und machen auch noch eine Fischsuppe aus dem Skelett und dem Kopf.“ Eine St unde später gibt es zum Bergfest eine Flasche Weißwein, Golddorade in Butter gebraten und Cubanischen Reis mit schwarzen Bohnen und Gemüse. Wir rollen die Genua ein und parken mal eben mit fast senkrechtem Mast mit 4 Knoten über Grund in die richtige Richtung ein. Marina Atlantico. Freies Treibenlassen auf 5.000 Meter Tiefe inmitten des berüchtigten Bermuda Dreiecks. Ja? Darf man das denn so einfach? Wir dürfen das. Wir dürfen alles. Ein wunderschönes Abendessen folgt. Die Stimmung an Bord hat sich in die richtige Richtung gedreht, so wie der Wind. Ich träume von 400 Mbit Internetzugängen ohne US Embargo. So weit ist es schon. Nein. Ich vermisse Cuba nicht. Vielleicht noch nicht. Wahrscheinlich noch nicht. Die Cubanischen Verhältnisse machen das Leben und Reisen so umständlich. Für einen Urlaub ist das kein Problem, aber fast drei Monate, so wie in meinem Fall, lassen einen schon an die Grenzen kommen. Es ist Zeit. Zeit für die Passageplanung 2019/2020 ab Oktober diese Jahres. Faro wird unser Ausgangsort sein und die Selvagens, zu Madeira gehörend, ein Stop bei gutem Wetter. Die Kanareninsel Palma wird auf dem Menü stehen, weil ich die noch nicht kenne und vor der Atlantiküberquerung werden wir Zeit haben die Kapverden anzulaufen. Über den Atlantik geht es erst Weihnachten mit stetigen Tradewinden, durch die Kalmzonen nach Fernando de Norohna vor Brasilien. French und Britisch Guyana warten auf unsere Visite und im Frühjahr 2019 wird die MARLIN in Trinidad neu lackiert. Weiter geht es über die ABC Inseln nach Kolumbien und San Blas. Oder doch Kuba? Unsere Zielgruppe wird sich ebenfalls ändern. Wech von den 12 Tagen Pauschaltörns, will ich einen Weg finden Langzeitmitsegler zu finden. Das Segeln mit der MARLIN soll stressfreier werden, die Mitsegler sollen mehr Zeit haben Schiff, Skipper, Land und Leute kennenzulernen. Inzwischen glaube ich, dass eine recht große Gruppe von Mitseglern ähnlich denkt. Muss ich aber noch ein bisschen mehr drüber nachdenken. So wie in der letzten Zeit solle es irgendwie nicht weitergehen. Da gärt was in mir.  

Das meist benutzte Computer Programm auf der MARLIN

NavMonPC

Wenn es rumpelt auf der MARLIN, so ist das meist die Welle die plötzlich mitläuft Der Maxprop Propeller muss bei laufender Vorausfahrt abrupt gestoppt werden, damit sich seine Flügel in Fahrtrichtung stellen. Fahrt man unbewusst gegen irgend ein Hindernis, verstellen sich die Flügel und Propeller, nebst Welle fangen an mitzulaufen. Das hört man im ganzen Schiff und denkt sich: „Was’n da los verdammte Hacke?“ Die CREW kennt das Geräusch natürlich nicht. Motor kurz an, einkuppeln, Gas geben, Motor aus… Schon ist alles wieder gut und die Welle steht wieder geräuschlos. Beim Aufkreuzen im Miamichannel ist geringfügig Salzwasser am Mastfuß eingetreten. Natürlich über die abnehmbare Front des Autoradios gelaufen. Jetzt lässt sich die Lautstärke nicht mehr verstellen. Na so was. Neues Autoradio? Vorsichtig baue ich das Teil auseinander. Manchmal lohnt es sich eben doch ein bisschen mehr zu bezahlen. Die Platine ist komplett lackiert. Mit entsalztem Wasser aus dem Wassermacher bade ich die einzelnen Teile und lege sie zum Trocknen aus. Nach vier Stunden setze ich alle wieder zusammen. Geht wieder. „Kannst Du die Tür etwas leiser zu machen? Mach noch mal auf und dann langsam zu.“ „Aber klar Papa. Gerne doch!“, antwortet die frühpubertierende Maya ironisch und lacht dabei. „Die Holz-Front von der Schublade ist abgefallen.“ Ich war es nicht steht in Hana’s Gesicht geschrieben. Ich grinse Hana an. Klar kein Problem. Kümmere mich grade um Erika, dann komme ich. Später schraube und verklebe ich die Schubladenfront und erkläre Helen: „Das kommt davon wenn die Schubladen und Türen der Locker mit Rumms zugemacht werden. Irgendwann löst sich das alles auf, die Scharniere brechen raus und die Verblendungen lösen sich. Alles ne Sache der Zeit bei so vielen Neulingen die alle paar Wochen auf der MARLIN auftauchen um mitzusegeln. Im Rampenlicht heute ist ein kleines Tool, dass bei allen Mitseglern, auch nicht PC Freaks, nach kurzer Zeit beim Segeln hoch bewertet wird. Es handelt sich um NavMonPC. Das kleine Windows Program ist als Freesoft erhältlich und stellt die NMEA Daten Deines Schiffes grafisch dar. Also Wind, Tiefe, Logge, Speed, AIS und und und… Alles was so von den bestehenden Sensoren kommt, wenn zumindest der Autopilot an ist. Also der Normalfall bei Langfahrt. Radar und Plotter können getrost ausbleiben, du dir den Strom sparen. NavMonPC’s beliebteste Oberfläche ist allerdings die Winddarstellung, vom scheinbaren Wind. Fast der ganze Bildschirm wird genutzt um den Verlauf der Windbewegungen wie bei einem EKG darzustellen. Zeit, Größe sind hierbei frei wählbar. Der routinierte Segler kann an dem Verlauf der Windbewegungen zum Beispiel erkennen in welchem Zeitraum mit welcher Windentwicklung zu rechnen ist und so seinen Kurs optimieren. Die Geschwindigkeit einer Winddrehung ist einfach zu erkennen. Auch die durchschnittliche Windstärke ist einfach zu sehen und wer sein Schiff kennt und durch eine Flaute motorsegeln muss, kann frühzeitig erkennen wann er wieder Segelwind haben wird. Unzählige sinnvolle andere Funktionen sind einfach implementiert und nutzbar. Einmal installiert und verstanden ist NavMonPC aus dem Schiffsalltag der elektronischen Navigation nicht mehr wegzudenken. Zusammen mit dem Programm qtVlm für Wetterrouting und OpenCPM für die Navigation stellt die PC Navigation heutzutage eine sicher Alternative zu den teuren Plottersystemen dar. Eine stabile Hardware fertig installiert mit allen Tools und Programmen auf 12V Basis biete ich als LunaMiniPC 2.0 über mein Unternehmen LUNATRONIC in Flensburg an. Als redundantes System benötigt das System nicht unbedingt ein eigenen Bildschirm, sondern kann über jeden Laptop, Tablet, iPhone, iPad etc. benutzt werden. Auch den Umgang mit dem System schulen wir erfolgreich online oder vor Ort in Flensburg. Ein Besuch unserer Website lohnt sich.  

Crewhygiene auf 4900 Meter über dem Meeresgrund

Einreiten der MARLIN

Unter dem Wasser ist Stephan. Mein Alter. Rechtsanwalt, Steuerberater aus München. Supernett, motiviert und auch segelerfahren, allerdings liegt der Törn Brasilien – Azoren schon dutzende von Jahren zurück. Vieles ist anders inzwischen und auf der MARLIN sowieso. Dank des Blogs hat er erfahren, dass man auf der MARLIN mitsegeln kann. Und nun? Nun ist er dabei auf dem Ritt der MARLIN von Havanna nach Horta. Ritt ist der richtige Ausdruck, denn wir haben die Südwindzone erreicht. Bei anliegendem Kurs von 60°, Main im zweiten Reff ausgebaumt, verkleinert und vergrößert die CREW nun selbständig nach Wetterlage zwischen 15-30 Knoten Wind nur mit der Genua. Allein. Ich komme zu liegengebliebenden Aufgaben am Rechner, sowie zur Entspannung zum Blogposten. Der alte Schwell aus der letzten Nordostwindphase legt sich langsam und aus dem springenden, tanzendem Ritt wird ein gemütlicher Trab, den wir durchschnittlich mit acht Knoten segeln können. Nice Sailing. Wind aus raum schots, woraus die MARLIN natürlich wieder halb macht. Wir kommen gut voran. Letztes Loggen-Etmal 153. Der Abfluss der Dusche im Bug der MARLIN ist auf steuerbord. Also wird dort auch nur auf steuerbord geduscht. Mit neun Knoten Fahrt durchs Wasser will auch niemand wirklich im Vorschiff duschen. Es rollt, schlägt, gürgelt, hüpft, schlingert. Die Mädels schlafen inzwischen in der Vorkabine und geniessen das schiffige Ambiente. Morgens kichern sie erst einmal eine Runde, dann stehen sie auf. Für die Dusche auf dem Hygienedeck haben sie eine feste Uhrzeit bekommen, die Jungs durften solange drinnen die Backschaft machen. Dann die Herren. Alle duschen mit Harness. Sich bei der Geschwindigkeit im Kielwasser hinter dem Boot herziehen zu lassen geht nicht. Früher, als alles besser war!, haben wir das auf der MARLIN ja ständig gemacht. Aber da sind wir ja auch nicht gesegelt sondern geschneggelt. Noch 560 Meilen bis Bermudas.  

Letzte Wende vor Bermudas. So ein geiler Segeltag.

Die fantastischen Vier

Helen ist nun zuständig für alles was penibel gemacht werden muss, wie die Navigation und Mittagsbesteck, Medizin, Orga und Friedensstiftung. Stephan ist erster Steuermann, Deckshand und Koch. Ralf macht die Technik, Wachführer und passt auf Christian auf. Auch Hana passt auf Christian auf, ist die Beste am Steuerrad, obwohl sie noch nicht so genau weiß was sie da macht, Deckshand und Segel-Azubi. Christian macht penibel Logbuch, Backschaft und lernt sich sicher zu bewegen an Bord. Ich bin für alles zuständig, immer bereit und der Reparaturoberanführer. Wie man sieht haben wir uns verständigt. Inzwischen kann die Crew selbstständig leise, elegant und ohne Winschkurbeln Wenden, elektronisch navigieren, Motor und Sicherheitssysteme bedienen, Segel setzten und Reffen, Handsteuern unter Motor und Segeln, Kochen, Spülen, Putzen, Schlafen… Ich kann bis 20 Knoten Wind zumindest einen Teil der drei Viertstundenwachen schlafen. Das ist Hana. Sie ist Ex-Profi-Handballerin aus der Tschechin, die in der Schweiz lebt. Hana hat Schultern wie ein Schrank, zieht mit Stefan das 100qm Großsegel der MARLIN hoch, kurbelt was das Zeug hält. Nun grade lernen alle eigentlich die Kurbeln fast gar nicht mehr anzufassen. Hana ist also eine starke Frau. Nicht nur an den Armen und Schultern sieht man das Hana stark ist, auch läßt sie sich nicht aus der Ruhe bringen. Was sie macht, macht sie richtig. Was sie lernt, lernt sie schnell und an den sympathischen Grübchen sieht man, dass es immer lustig ist, wenn sie dabei ist. Ich bin froh Hana kennengelernt und dabei dabei zu haben. Vierundzwanzig Wenden haben wir gebraucht um von Havana aus den Bahamas auf Kurs Bermudas aufzukreuzen. Wenn man das so liest kommt einem das gar nicht so viel vor. CREW 45 kann das jetzt. Wie gesagt ohne Krach, ohne Winschkurbeln, mit perfekt getrimmten Segeln nach der Wende. Perfekt. Was sich gestern im Logbuch noch nach Sodum und Gomorra auf der MARLIN angehört hat ist heute nach einem wunderschönen Segeltag. Alle Lächeln, sogar ich bekomme ab und an ein kleines Lob. Gleich fahren wir ums Eck und dann, dann können wir endlich nach den gefühlten 49 Wenden die Bermudas anlaufen. Mal schauen, was die Nacht bringt.  

Lauerstellung. Illegal auf den Bahamas

teambuilding

Es heißt ja, dass es internationales Recht sei sich 72 Stunden sich weltweit in fremden Ländern mit dem Schiff aufhalten darf ohne einzuklarieren, wenn man ankert, aber das Schiff nicht verläßt und an Land geht. Ob dem wirklich so ist, ich weiß es nicht. Mir gefällt die Regel, deshalb wende ich sie an. Heute morgen mit dem Sonnenaufgang reicht es dann mit dem Aufkreuzen. Die Etmal Werte sind deutlich Varadero – Key West 131 sm Logge / 237 Way over Ground. Miami Street 129 Logge / 277 WOG, was 11,5 knDurchschnittsgeschwindigkeit mit Strom sind. Schäden gibt es auch. Der Bolzen zur Befestigung der Klappe von der Segellast ist rausgefallen beim Gegenanaufkreuzen und Wasser schaufeln. Ich weiß nicht wann. Irgendwann habe ich es gesehen und hab die Klappe richtig gesichert. Auf jeden Fall ist die durch die Gasdruckfeder offen gehalten worden und heute haben wir mindestens zwei Badewannen Salzwasser da mit der Bilgenhandpumpe rausgepumpt. Kein Wunder das MARLIN immer tie fer eingetaucht ist mit dem Bug. Hatte mich schon gewundert. Für die Zukunft wird die Klappe immer niet- und nagelfest gesichert. Ich bin ja so glücklich,. Dass die Segelast schottdicht getrennt ist vom Rest des Schiffes und ich ein Aludampfer habe und kein Stahlschiff mehr. Der 70kg ROCNA MARLIN Anker fällt im Wind- und Wetterschatten von Berry Islands in den Bahamas. Das Wetter, anfänglich noch Badewetter verschlechtert sich stündlich. Wir wollen nur Luft holen, MARLIN klar machen und ausruhen nach den Anstrengungen der fast 3×24 Stunden non-stop gegenan Hauerei. Das Vesper MARINE WM850 AIS schalten wir still. Besuch von den Behörden wollen wir nicht haben. Morgen vormittag soll es schon weitergehen. Der Wind wir drehen aus SE und weiter auf S. Unser Wetterfenster. Quasi wie bestellt. Mir glaubt aber keiner so recht. „Das ist doch alles Hexerei.“ Christian ist Wiener und hat es ein bisschen schwer mit mir. Im Fragebogen hat er angegeben, dass er schon eine E-W Atlantiküberquerung gemacht hat. Auch alles andere passt. Also. Warum nicht? Aus 10 Bewerbungen hat er sich qualifiziert. Er fehlt noch auf dem Ankommensfoto vom 28. April, weil er erst später anreiste. Nun stellt sich raus, dass Christian nicht so lebendig und sicher auf dem Schiff bewegt wie der Rest der CREW, nicht wie ich ich es mir vorstelle. Ich habe ein Sicherheitsproblem und fühle mich überfordert. Beim Debriefing des Tages, bringe ich meine Bedenken vor und frage die Gruppe und natürlich Christian, was wir tun sollen. Ich ernte betroffene Blicke, denn schon am Tag davor habe ich Bedenken zu meiner durchgehenden Leistungsfähigkeit mit dem Verantwortungslevel angebracht. Nach ein bisschen Bedenkzeit entscheidet die Gruppe mit Christian sicheres Bewegen an Deck zu üben und die Entscheidung für den Törn zu den Acoren auf Bermuda zu vertragen. Ic h bin einverstanden. Einverstanden bin ich auch, weil CREW 45, speziell Stephan sich in die Küche stellt und mir das Kochen abnimmt. Wir werden nicht mehr so schräg segeln wie in den letzten 72 Stunden. „O.K. Let’s try.“ Ohne viel Aufhebens bereitet das team MARLIN für die nächsten 800 Meilen vor. Das Timing passt. QtVLM rechnet irgendwas von 3 Tagen 11 Stunden. So sportlich werden wir aber nicht segeln. Mit vier Nächten werde ich mich zufriendenstellen. Man wird sehen. SAEFTY FIRST!  

Selten aber wahr: Mir fehlen die Worte.

Der Golfstrom – Mein Feind und Helfer

Die letzten drei Tage haben mich schon an den Rand meines Könnens und meiner Kraft als Skipper gebracht. Aus meiner Crew gibt es leider keinen, den ich als 1st Mate auf dieser Tour einsetzen kann. Die vier Stunden Schichten muss ich alle betreuen, die Segel gemeinsam so setzen, dass die Aufgabe der Wache auf Rundumblick beschränkt ist und für jedes Manöver oder besondere Vorkommnisse lasse ich mich wecken. Jeder Einzelne ist supernett und superlieb, aber wirklich aktiv mitsegeln kann noch keiner. Ist so und das stelle ich auch so im Meeting fest. Dann liegt es jetzt an mir, das in den nächsten Tagen zu ändern. Aufgabe. Wenn das darin endet, dass das Dichtholen einer Genuashot mit ausbildungstechnisch korrekt mit: Briefing, Anziehen der Rettungsweste, sicherer Stand, Vormachen, Nachmachen, alleine machen, Debriefing durchgeführt wird, dann sind wir doch falsch bei einer Atlantiküberquerung E-W. Wie lange soll die denn dauern? Skipper Micha dampft aus den Ohren. Hall o? Wir haben ONO Wind 25 Knoten. Also voll auf die Nase. 30 Meilen nördlich von Varadero finden wir erwartungsgemäß den Golfstrom. In der Karte ersichtlich. Ich habe ja schon viele Stromengen gesegelt, also so schlimm wird es ja nicht sein und die MARLIN ist ja ein großes Schiff. Wir biegen ein mit Groß im zweiten Reff und Fock, am Wind was nur geht. Ein schräger Einstieg für CREW 45. Schnell haben wir 9-10 Knoten über Grund 6-7 Knoten unter Segeln am Wind und durchs Wasser erreicht. LEV-O-GAGE zeigt 25 Grad durchschnittliche Schräglage. Dazu gibt es nun Waschmaschine. Wellen von allen Seiten, standing waves, ripps, brakers. Es wird dunkel und meine Crew mach das Beste, was man in der ersten Nacht auf dem Schiff unter solchen Umständen macht. Bett und dann die Decke über den Kopf. Hana liegt auf dem Salonsofa, Helen hat sich eine Matraze auf den Salonboden gelegt. In der Vorkabine ist Kirmes. Draussen zeigt ein Bahamas Squall was er so kann und ich nehme blitzschne ll die Segel runter um Schäden zu verhindern. Die Dinger sind einfach unberechenbar. „So hatte ich mir das alles nicht vorgestellt. Regen. Sturm. Das habe ich aber nicht so gebucht.“ In solchen Situationen habe ich diesen Spruch ja schon öfters gehört und ich grinse Helen an: „Wird schon noch. Hier muss es ja auch mal regen.“ Immer wenn wir der amerikanische Küste auf 5 sm nah kommen, machen wir eine Wende. Das geht die ganze Nacht so und das geht den nächsten Tag so, dass geht die zweite Nacht so und das geht den folgenden Tag ebenso. Der Himmel ist grau und am Horizont sehen wir die Skyline von Miami. Ich ändere alle sechs Stunden unsere Pläne zur Weiterfahrt. Bimini diskutieren wir, Freeport kommt als möglicher Stopp ins Gespräch. Immer noch ist die Verproviantierung das Problem. Mein Kopf fährt die „Wilde Maus“ mit mir. Ohne regelmäßigen, ausreichenden Schlaf wird man mittelmäßig durchgeknallt. Die üblichen Probleme bei einer solchen wilden Fahrt stellen sich ein. Ein Toilettensitz bricht, das marode Achterlieg und das Sunbrella UV Schutz am Achterlieg der Fog hängt am nächsten Morgen nur noch als Fetzen vom Segel, meine E-Zigarette bekommt ein Salzwasserbad über das offene Fenster im Deckshaus und ihr Lebenslicht verlischt, die Schlingerleiste vorm Besteckkasten bricht u nd Stephan kann diesen grade noch bewahren davor als Ufo durch die MARLIN zu schweben. Ich will nicht übertreiben, aber auch nicht untertreiben: Die Fahrt durch den Miami Channel bei Ost bis Nord Winden ist ein unvergessliches Erlebnis. Nach der zweiten Nacht biegen wir Höhe Freeport nach Osten ab. Wieder aufkreuzen. Gegenan. Nun gegen den Atlantik, der mit seiner Öberflächenströmung aus vielen Tagen Ostwind durch die Bahamas mit zum Golf Strom will, um seine H2O Moleküle nach Spitzbergen zu schicken. Da sind wir jetzt. Waren die ersten Tage nun erfolgreich? Ich bin da nicht so der Meinung. Nathalie versucht eine Reparatur der Fock auf den Bermudas zu organisieren. Für den bevorstehenden Ritt zu den Bermudas kann man fast eh schon die Sturmfock anschlagen geht mir so durch den Kopf. Wir reiten weiter ohne Stop durch die Nacht. Der Bug der MARLIN gräbt sich wieder und wieder in die Wellenberge, schneidet die See in zwei Teile. Manchmal gewinnen auch die Wellen. Der Bug geht in den gefühlten Himmel, der Rumpf schlägt in der kommenden Welle aufs Wasser, Frontänen zu beiden Seiten, 30 Tonnen werden ausgebremst, der Mast zittert. Segeln, gegenan ist unromantisch laut und ungemütlich. Am Samstag soll der Wind auf SE drehen. Unsere Chance Bermudas anzuliegen.</p

Fast allein in einer Megamarina

Auf zum großen Schlag II

International auszuklarieren habe ich mich dann mit meiner neuen CREW 45 doch nicht getraut. Gutes Gefühl ist das eine, Testschlag ist das andere. Ich pumpe sie quasi in in kürzester Zeit voll mit Wissen. Wir legen ab, an der Tanke an, am Zoll an und fahren raus. Alle Manöver klappen 1a. Bestes Anfänger Wetter, 10 Knoten auf die Nase und im Abstand von einer Meile an der Hauptstadt von Kuba längsseits. Hat schon was romantisches. Irgendwie verabschiede ich mich, während „Die Neuen“ mit der MARLIN warm werden. Zum Beginn dann direkt ein Nachttörn. Ich entscheide Varadero in 85 Meilen anzulaufen, um möglichst viel Höhe zu gewinnen für den Schlag nach Norden durch den Miami Channel. ONO ist für den nächsten Tag angesagt mit sechs Bft. Da müssen wir vorher in Varadero ankommen. Na das fängt ja gut an und es wird anspruchsvoll bleiben in den nächsten vier Tagen. In vier Wochen müssen wir auf den Azoren sein. Upps. Und ein Zwischenstopp auf den Bermudas muss sein, denn sich in Cuba zu verproviantieren ist quasi unmöglich. Das wir eine spannende Angelegenheit. MARLIN scharrt mal wieder mit den Hufen. Ich bin weitestgehend mit meiner CREW zufrieden. Die ersten Nachtwachen verlaufen ruhig. Ab Mitternacht schläft der Wind ein. Alles an Segler-Charakteren ist vertreten und alles ist offen. Das wird auch eine Art von team-building werden. Wie immer, freue ich mich und habe doch eine gehörige Portion Respekt. Im Gensatz zu der Ost-West Transatlantik Überquerung sind die Wind nicht langfristig vorhersagbar. Die Vorhersagekarten werden von der Position des Azorenhochs ab den Bermudas täglich neu gemischt. Ich kenne viele Segler, die ihr Schiff dann doch lieber mit dem Frachtschiff über den Nordatlantik nach Europa zurückbringen lassen. Das geht für mich gar nicht. Wenn schon rüber, dann schon auch zurück. Für die nächsten zwei, drei Tage aber haben wir es erst einmal mit dem bis zu 3,5 Knoten nach Nord setzenden Golf Strom zu tun. Ich bin mir noch nicht schlüssig ob wir ihn ausnutzen sollen und rein segeln sollen. Da brüte ich derweilen grade drüber nach, während ich diesen Post verfasse. Die endgültige Entscheidung werde ich wohl unterwegs treffen. Angesagt sind 20 Knoten am Wind. Auf jeden Fall kann es sein, dass wir während der nächsten zwei Tage keinen Eintrag schicken werden. Das sollte aber grade bei den Bekannten meiner CREW keine Sorgen entstehen lassen. Hört man nichts von uns, so ist es ein Zeichen dafür, dass es uns gutgeht. Das Schreiben und die Arbeit unter Deck ist während der ersten Tage bedingt durch den Prozess des Seebeinwachsens stark erschwert. Ich als Skipper werde jede Menge zu tun haben, damit es allen gut geht. Die Marina Gaviota ist ein Klimmzug der Cubanischen Regierung um den Anforderungen der Zukunft gerecht zu werden. 1.200 Schiffen bietet die modern und westlich aussehende Marina Platz. Neben einem halben Dutzend Fahrtenseglern sind vielleicht noch 25 andere Schiffe im Hafen. Da ist doch irgend etwas schief gelaufen am Marketing würde ich sagen. Nun gut. Uns soll es recht sein. Morgen geht es weiter.</p

Die Atlantiksegler

Auf zum großen Schlag

Ein Fotograf, der Direktor der Hemmingway Marina und noch drei andere stehen vor der MARLIN. „Darf Meijlina an Bord kommen und wir machen ein paar Fotos? Das Schiff ist so bezaubernd und wir benötigen ein graziöses Bildumfeld.“ Kann ich da Nein sagen? Dann geht es eben richtig südamerikanisch ab. „Stell Dich so hin. Jetzt wie eine Prinzession lächeln…“ Der Fotograf macht das nicht zum ersten Mal. Ich brauche nur meine Kamera über seiner Schulter positionieren. Natürlich habe ich vorher um Erlaubnis gefragt. Die 15 Jahre junge Meijlina feiert demnächst das wichtigste Fest in ihrem Leben. Ihre Quinceañera. Wichtiger vielleicht als ihre Hochzeit. Wer mehr dazu wissen will kann es nachlesen. Und so komme ich zu meinem gestrigen Daypic um ein bisschen sarkastisch am Klischee über Skippers freien Tag zu arbeiten. Dieser lief im übrigen so ab, dass ich mich von Havanna mit einem Dinner vor One in der Altstadt verabschiedet habe und um 22:00 in der Hängematte eingeschlafen bin, bis die Mücken mich vertrieben haben. Für die Parties, die ja immer erst um 23:30 losgehen, fehlte mir dann doch die Energie die ich ja heute für die neue CREW 45 brauche. CREW 45 ist fast vollständig. Helen, Hana, Ralf und Stephan… Christian fehlt noch. Der kommt erst mit dem Flieger heute nachmittag. Und los gehts. Wie gehabt. Ankommen, Einziehen, Willkommensessen und -trunk, Sicherheitseinweisung. Nur alles viel intensiver als gewohnt. Denn wir segeln nicht um die Ecke, sondern über den Atlantik. Ich freue mich. Coole CREW habe ich ausgesiebt. Starke Typen, starke Frauen. Genau was die MARLIN und ich brauche.  

Skippers freier Tag

Was geht in Havanna?

MARLIN und CREW44 sind gut angekommen in der Hemmingway Marina in Havanna. Die letzte zwei Tage sind dann immer noch mal anstrengend. Die CREW will natürlich noch den guten Fisch essen, den sie ja auch bezahlt habe, den Wein auftrinken, damit der nicht verkommt und ich stelle mich noch mal in die Küche. Ein letztes Mal für die 44, bereite ich den Pago an Senf Sahne zu. Im Gegenzug scheuche ich die CREW am nächsten Morgen zu beliebten Grundreinigung mit Kärcher übers Deck und mit Feudel durch Schiff. Das klappt für drei Stunden, dann wird gemeutert und damit nicht die gesamte Blüte der Reise nun in Unmut umschlägt, gebe ich mich Punkt 12:00 befriedigt. „Ihr hättet ja auch einfach 150 Euronen bezahlen können und ich hätte alles selber gemacht.“ Tine meint nur, dass ich dann dann sicherlich eine nette Cubanerin engagiert hätte und das bestimmt nicht selber gemacht hätte. Nun. Die leidliche Endreinigung der MARLIN wird schnell in Vergessenheit geraten und die 11 tollen Segeltage und das andauern gute Essen, die Sonne, die Strände, die Rieseninsekten und und und… werden als einer der positivsten Urlaubserinnerungen im Gedächtnis der Crew an diesen Törn standhalten. Es war wie immer. Den Rest des Tages verbringe ich damit Wäsche zu waschen. Genau acht Maschinen. Ist doch prima so eine Waschmaschine an Bord zu haben. Kaum habe ich ein große Leine um die MARLIN gespannt wird der Himmel stockdunkel schwarz, es fängt an zu winden und ein dickes Gewitter kommt auf. Es gießt in Eimern. Ich verhole das noch nasse Bettzeug, spanne die Leinen durch die MARLIN um die Wäsche im Schiff aufzuhängen. Super Sache so eine Waschmaschine an Bord. Beim nächsten Schiff gibt es noch einen Trockner dazu. Beide Maschinen, so dass sie auch für 220V/60Hz funktionieren und der Generator nicht die ganze Zeit laufen muss. Denn der Landstrom hier hat nicht wie in Deutschland 50Hz sondern 60Hz und damit gehen alle Motoren ganz einfach und schnell: KAPUTTI! Für alle Crews ist das Privatleben des Skippers immer ein besonders interessantes Thema. Ein debriefing um kontrovers zu besprechen was gut und was schlecht war am Trip, lasse ich mich diesmal nicht hinreißen. Ich merke, dass die CREW das lieber besprechen möchte, wenn ich nicht dabei bin. Ein Skipper unterliegt klaren seeläufigen Vorstellungen. Was er tut. „Du sitzt mehr am Computer als ich das ganze Jahr. Was schreibst Du denn eigentlich die ganze Zeit?“ Eine Freundin in jedem Hafen der Welt gehört auch zum Bild über den Skipper und vieles andere meer. Durch den Verstand werden die Vorstellungen zur Einheit verknüpft und ich will niemanden seine Visionen nehmen. Wenn ich dann plötzlich rasiert, gutriechend aus der Dusche komme, mir mein letztes sauberes Hemd anziehe, das Sonntagsbesteck über die Daumen stecke und mir offensichtlich 50 CUC in die Tasche stecke, ist doch klar was ich mache. Wenn ich dann noch sage: „Bis Morgen!“ und ins nächste Taxi steige ist das Bild komplett. Bilder sagen doch alles.  

Grundberührungen

Therorie und Praxis der GPS Navigation

Das mit den Expeditionen stimmt ja zum Teil. Ich stehe im Pilothaus mit der Fernsteuerung des Autopiloten in der Hand. Wir fahren unter Motor mit drei Knoten genau den Track zurück, den wir nach Levisa am Tag davor ohne Probleme reingefahren sind. Der Unterschied ist der Sonnenstand. Die Sonne ist noch niedrig. Es ist früh am Morgen. „Kann nichts passieren, wenn wir den Track genau zurück fahren.“ Dann traue ich meinen Augen nicht. Die Werte vom Echolot gehen von 4,5 auf 3,5 auf 2,4 auf 1,8 und schon werden wir sanft gebremst von Seegras und Schlick, als wenn wir in ein weiches Kissen fahren. „Hmm!“, grummel ich. „Kann ja eigentlich gar nicht sein.“ Ich vermute einen kleinen Sandhügel unter Wasser, renne ums Deck, aber alles sieht gleich tief aus. „Mit Gewalt durchfahren, in der Hoffnung dass es gleich wieder tiefer wird. Wir sind ja genau auf Track“, geht mir durch den Kopf. Genauso schnell wie der Gedanke da ist, siegt die Vernunftshälfte meines „M it dem Kopf durch die Wand – Skippergehirns“. Mit etwas Rückwärtsfahrt ziehe ich den Kiel schmatzend aus dem Schlick zurück. Nur gut das ich dem Track nicht getraut habe und mit Vollgas gefahren bin. Es ist kein Problem. Ich stelle mich aufs Pilothaus. Keine Sicht-Navigation möglich. Die kleinen Wellen werde zu flach vom Licht angestrahlt. Ich putze die Pol-Brille. Meine Crew schaut mich erwartungsvoll an. Da wird mir auch keiner helfen, die erwarten immer das ich weiß was ich mache und das das richtig ist. Zu Recht. Hilft nur siebten Sinn einschalten. Ich kontrolliere das verschiedene Kartenmaterial, Navionics. C-Map. Jetzt das Dinghy wässern und Handloten wäre der richtige Weg. Das dauert mir zu lange. Entweder weiter nördlich oder weiter südlich. Die Gefahr bei der ganzen Geschichte ist, dass es in 50% der Fälle so endet, dass man weder vorwärts noch rückwärts weiter kommt und Hilfe braucht. Das würde aber meinen Fahrplan extrem gefährden. Und ich will ja am 15.6. in Culatra vor Anker liegen und meine Kinder sehen. „Also Wnuk. Wat tun? Schalt mal dein Gehirn ein. Doch loten?“ Südlich von uns sind die Mangroven. An den Rändern der Mangroven haben die Wirbelstürme immer tiefes Wasser ausgegraben. Also weiter südlich. Der erste Versuch, zwei Schiffslängen weiter südlich endet auch mit Schmatz in der Pampe. Der zweite Versuch passt dann. Ich weiß schon in was ich irgendwann mal investieren werde. Ein kleine, mobiles Echolot am Heck des Dinghys um für solche Fälle. Am besten mit Aufzeichnung der Messwerte über eine iPhone App und Übertragung auf die Seekarten. Der zweite Versuch klappt und wir tuckern an der Untiefe langsam vorbei. Geht doch. Ich atme auf. Eine Meile weiter will uns der Track schon wieder über eine Untiefe locken, direkt an den Überresten eines ehemaligen westlichen Kardinalzeichens. Jetzt wird klar, dass die GPS Ungenauigkeit in den hiesigen Gewässern größer als 25 Meter ist. Therorie und Pra xis der GPS Navigation. Es wird ein schöner Segeltag. Mariana hat deutlich gemacht, dass sie keine Nachtwache mehr will. CREW 44 merkt natürlich das der Skipper wie ein Pferd in die Box will und es eilig hat. Genau vor der Einfahrt der Bahia Cabanas setzt der Wind schlagartig aus. Wir tuckern in die Lagune, suchen uns einen Platz im flachen Wasser auf fünf Meter Tiefe. Mit großem Hallo gibt es Nathalies Spagetti mit Tomatensauce. Auch der Rotweinbestand muss dezimiert werden. Morgen geht es dann weiter bis zum Endpunkt dieses Törns.  

Andere Welt

Cubanisches Resort

Die Crew hat sich entschieden. „Wir wollen gerne Cayo Levisa kennenlernen“ Der Wunsch meiner Mitsegler sei mir Befehl. Der Weg führt ab der Ansteuerungstonne durch 6 Meilen flache Untiefen, deren Karten in Navionics alles andere als verlässlich sind. Das geht auf die Nerven und mit 2 Knoten Geschwindigkeit hangeln wir uns durch die vom letzten Wirbelsturm versandeten Gewässer. Nun. Zum Glück ist alles Sandboden und nicht Fels wie in den skandinavischen Schären. Nein. Wir haben keine Grundberührung. Erst als ich mich 200 Meter vor Cayo Levisa schon in Abrahams Schoß fühle erwischt uns noch eine Untiefe mit zwei Meter über die wir aber grade noch rüberrutschen. Glück gehabt. Ich hätte ehrlich gesagt nicht mit einer solchen Crewentscheidung gerechnet. Was folgt ist wieder Papierkram, weil wir ja ein Genehmigung für Havanna haben und nicht für einen Ort davor. Nun. Das nervt, ist aber nicht weiter schlimm. Wir dürfen an Land und besuchen eine schöne Hotelanlage, die um einen dröhnenden Generator herumgebaut ist. Auf der Nordseite ein Strand mit Sand, europäischen Pauschaltouristen und Exilkubanern, die ihren Luxus im Heimatland leben. Wir bestellen uns einen Drink. Es fängt an zu regnen und schwupps sind wir alle wieder auf der MARLIN. The my Home is my castle effect. Die MARLIN hat ja auch einen Generator, aber der muss nicht laufen. Wir haben 24 Stunden Motorfahrt hinter uns. MARLINS Batterien sind voll. Skippers Batterien und Nervenkostüm ist auf 50%. Nein. Ich darf mir nichts anmerken lassen. Das gehört zum Job. Ich hatte den Fisch für das Abendessen schon aufgetaut , jetzt mache ich den auch. Mit Liebe. Ausserdem ist die Küchenv erwüstung auch Entspannung für mich. Dabei kommt ein hervorragendes Essen heraus, sagt die Crew. Ich muss nicht spülen. Ein Grund warum ich gerne koche. Zur Marina Hemmingway sind es noch 60 Meilen, plus der Umweg um hier wieder rauszufahren. Na. Auf jeden Fall sollten wir pünktlich am Mittwoch Abend ankommen und ich kann meinen freien Tag geniessen, bevor die neue Crew am Samstag Mittag auf der Matte steht.  

Kurs Havanna liegt an

Das Riesenfliewatüt

Ein Fahrtensegler hätte auf ein Wetterfenster gewartet. Mal davon ab. Gibt es hier eigentlich eh nicht. Entweder ist Gegenwind oder kein Wind. So wie in Patagonien von Ost nach West. Ein sportlicher Segler hätte dagegen aufgekreuzt. Dafür haben meine Mitsegler keine Zeit. So teile ich den Weg von der Westspitze Cubas nach Havanna in zwei Teile auf. Ziemlich in der Mitte gibt es für uns zwei Möglichkeiten zu halten. Entweder das Inselchen Paraiso oder Levisa. Liegen direkt nebeneinander. Paraiso hat ein Hotel, drei Restaurants und einen Steg. Na, was empfiehlt der Skipper seiner Crew. Levisa, damit er nicht kochen muss? Der Johann, der Johann. Hätten wir den nicht, dann würden wir bestimmt nicht am Mittwoch Abend in der Marina Hemmingway rechtzeitig ankommen. Haben wir aber und ein Wetterfenster hatten wir auch. Aus der versprochenen Winddrehung heute Nacht aus SE ist bisher nix zu merken. Aus dem Westwind für Dienstag ist in dem aktuellen Progostico del Tiempo keine Rede mehr. Also, alles beim Alten. Aber wenigsten keine 20 Knoten auf die Nase. Das wäre der Normalfall. Also läuft der Diesel und wir schichten wir uns die Nacht um die Ohren um morgen nochmal den dicken Zeh ins Wasser zu halten und vielleicht einmal um die Insel zu laufen. Welche denn nun?