Archiv der Kategorie: SY Marlin

Sportliches Segeln mit neuer Crew

Rund Westend Cuba

Meine Familie ist abgereist. Gar nicht schön. „Papa. Du siehst aus, als wenn Du gleich anfängst zu heulen.“ Maya hat Recht. Mir ist kotzübel vor Trennungsschmerz. Erst Mitte Juni werde ich Nathalie, May und Lena wiedersehen, wenn alles nach Plan läuft. Nach Plan. Was heißt das schon? In Portugal werden wir uns sehen und Portugal 3956 Meilen Luftlinie weit weg. Dazwischen Meer. Viel Meer. Viel Wasser. Viel Wind. Viele Wellen. Ein bisschen schaudert mir schon. Mayalena und Nathalie sind sich sicher das ich das easy auf die Reihe bringe. Sicherer als ich. Tine, Udo, Mariana, Hanspeter und Andreas sind meine neue CREW 44. Ich fange wieder von vorne an alles zu erklären und jeden nach seinen Fähigkeiten und Neigungen in den bevorstehenden Trip zu integrieren. Nicht grade einfach wenn der Wind aus der falschen Richtung kommt. Ich entscheide am Sonntag loszusegeln um Meilen zu machen. Gut 440 Meilen sind in 12 Tagen zu segeln und zu motoren. Eine Aufgabe für sich. Den Anker heben wir bei 27 Knoten Wind, in der Lagune von Cienfuegos bläst es mit Böen um die 32 Knoten. Der Mast der MARLIN neigt sich auch ohne Segel. „Super Segelwetter!“, grinse ich. Eigentlich ist mir garnicht nach Grinsen. Das Cockpit ist voll mit erwartungsvollen, hochmotivierten Mitseglern, die aber die Bedeutung des Wustes der Leinen nicht klar ist. Hier wo ich den Anfang unserer Törns normalerweise bei Windstille beginne, entwickelt sich grade eine sportliche Segelsituation. Kaum sind wir im Channel kommt der stürmische Wind gegen den auslaufenden Strom, eine steile Welle schlägt uns entgegen. „Na super. Wir brechen jetzt mal ab.“ Der Bug zeigt binnen Sekunden wieder Richtung Nord zurück nach Cien Fuegos. Auf dem AIS sehe ich die WYLDE SWAN, ein 45m holländischer Schul-Zweimaster, draussen in der Bucht. Auf Funk antworten die nicht. Na dann eben mit Nachdruck. Ein DSC Anruf wird sofort beantwortet. „Herrliches Segelwetter. Zwanzig Knoten Wind und 1,5 Meter Welle“, wird meine Frage nach dem dortigen Wetterverhältnissen beantwortet. „Ok. Wir setzen das Großsegel als Stützsegel und machen einen zweiten Versuch.“ Der Skipper eines entgegenkommenden Katamaran winkt wild und gibt das Handzeichen für rollende See. Das Wasser an der Einfahrt ist weiß. Johann heult auf und nach einer Meile gegen die heftigen Wellen, ziehe ich mit meiner neuen Crew die Fock raus, falle ab und die Holländer haben Recht. Wunderschönes Segeln hoch am Wind gegen 27 Knoten scheinbaren Wind. Ich verteile die ersten Skopolamin P laster. Bleibt mal besser im Cockpit sitzen und hakt euch ein. Richtig glücklich schaut noch keiner. Mir ist auch ein bisschen komisch. Eine Stunde hinlegen hilft. Gut das ich gestern nicht noch mal aus war zum Feiern. Lust hätte ich schon gehabt. Die Vernunft hat gesiegt. ZumSchluß geht meine neue CREW 44 Hand am Rad und macht das gut. Wir ankern im Dunkeln vorm Leuchtturm. „Kannst Du noch die Badeleiter rausholen?“ Meine Meinung zu meinen neuen Segelfreunden steigt sich deutlich. Ich schlafe unruhig. Um Fünf weckt mich das Wetter. Der Wind hat auf N gedreht, frischt auf und mit dem Dämmerlich sehe ich den Norder kommen. Eine schwarze Wand. „Andy. Steh mal auf. Ich glaube wir sollten uns mal vom Acker machen.“ 20 Minuten später bläst es wie Hölle, es regnet Eimer und eine fiese See entwickelt sich. Wir laufen ab auf die Südseite von den Cayos Dios. CREW 44 verselbständigt sich. Es wird eigenständig aufgeklart. Kaum ist der Anker im Wasser, steht das Frühstück auf dem Tisch. Gestern noch gestresst und unter Hochspannung entspanne ich mich schlagartig und schreibe endlich mal wieder einen Blogeintrag. Sicheres Zeichen dafür das eine schöne Zeit beginnt. Ein paar wichtige Sachen sind noch zu machen. Dann geht es auch Richt ung Cayo Largo. Es klart auch schon wieder auf.  

FACE BOOK: Alter Schuh

Doppelter Heimatkurs

Sinngemäß ist die Farbe des Fundschuh’s falsch oder richtig. Sozialistisch gesehen, wäre das Logo von FB in Cuba ja auch rot. Passt also. Der Fundschuh ist ja auch ein linker Fundschuh. Wie so oft, findet man meist den passenden der anderen Seite, in unserem Falle also den rechten, nicht. Ob rechts oder links: FACEBOOK ist doch ein alter Schuh. Könnte ich FB aus Cuba aufrufen, ich würde mich gestern schon abgemeldet haben. Ist aber geblockt. Über Jahre habe ich unsere Logbuchpost’s in FB geteilt. Ich habe hunderte von Freunden, die ich aber meist nicht kenne. Meiner Tochter Maya sagt FB wenig. Allein der Gedanke daran, dass dieses mächtige Tool FB die letzten Wahlen in Amerika manipuliert haben soll, reicht eigentlich aus um ein klares „NEIN zu FB!“ auszusprechen. Öffnen tue ich die Seite schon seit langer Zeit nicht mehr, die Kommentare zu meinen Post’s interessieren mich nicht und das ich mal meinte, dass ich über meine FB Präsenz mehr Lunatronic Kunden und Mitsegler bekomme, stagniert oder ist rückläufig. Wie man sieht, schaukelt es auf der MARLIN. Mitseglerin Katrin aus CREW 42 meint, dass das mit dem ersten April Scherz ja auch eine Wunschvorstellung sein könnte. Die Sache ist schnell erledigt: Für den Marktwert der MARLIN würde ich kein so tolles Schiff in der Größe, Ausstattung, Performance etc. neu bekommen. Never – Ever. Sollte die MARLIN jemals verkauft werden, wäre das, weil ich nicht mehr segeln könnte. Aus welchem Grund auch immer. Katrin bemerkt auch reflektierent, nebst vorwiegend positiven Erlebnissen, dass ich eine rauhbeinige Schale habe. Berührt mich. Wie immer. Wenn es das nicht mehr tut, wäre es ja auch vorbei. Das passiert ja nun immer wieder mal. Aktuell sehe ich fünf Mitsegler, die in zwei Wochen in Havanna einsteigen werden, mit dem Ziel mit der MARLIN und mir die eben schönere, aber auch nicht grade einfache Nordatlantik Überquerung nach Europa zu segeln. Vier Wochen ohne aussteigen zu können. Vier Wochen wird Skipper Micha unter Strom stehen. Im Gedanken suche ich schon seit Wochen nach Möglichkeiten die Truppe und den Einzelnen besser führen zu können. Die Umsetzung von SAFETY FIRST und Schäden vermindern klappt ausnahmslos mit allen Crews hervorragend. Tägliche Briefings und Debriefings haben sich ebenso bewährt. Alles gut. Was mit einem von fünfen nicht klappt ist mein Ton, wird mir immer mal wieder gesagt. Ich aber merke das das gar nicht. Meine Gedanken gehen in die Ri chtung anonymer Crew-Kummerkasten auf dem 24/7 Bordrechner. Eine Desktop Datei, auf die jeder Zugriff hat und seinen Unmut loswerden kann. Ein Versuch wäre es ja wert. Ja, ich glaube, dass ist eine gute Idee für die Nachtwachen. Wenn jeder ihn liest. Unsere Familienzeit auf der MARLIN endet bald und am Leuchtturm nehmen wir uns noch einen Tag Entspannen, bevor es wieder losgehen wird nach Cienfuegos. Für mich war die Zeit mit Nathalie, der besten Seglerin, die ich kenne, mit MayaLena, den besten Segelkids, die mir jemals unter die Fittiche gekommen sind, die totale Erholung. Ich konnte richtig Energie auftanken und das Ziel nicht nur die drei, sondern dazu noch meine beiden Söhne im Juni in Portugal für ein paar Wochen zu sehen, beflügelt meine Stimmung.  

Kinder. Das schönste Glück im Leben

Ich kann glücklich sein

Zwei meiner Kinder an Bord zu haben ist das größte Glücksgefühl für mich, dass ich überhaupt haben kann. Sie nicht täglich zu sehen, stellen sich viele als doch sehr schmerzhaft vor. Ich denke da etwas anders drüber. Komme ich nach Flensburg, so versinkt die anfänglich extreme Freude nach wenigen Tagen im Alltag. Schule, Arbeit, Stress, Termine, Viren, Probleme, Freizeit Aktivitäten und immer wieder anderen die in unser Leben treten und Zeit klauen wollen. Nicht zuletzt die sogenannten sozialen Netzwerke, die einem die Zeit seiner Kinder, die den Kindern, die Zeit ihrer Eltern klauben. Vielleicht ungerecht, egoistisch, entziehe ich mich mit meiner Leben-Segel-Philosophie, diesem Trott. Meine Kinder kommen an Bord und nehmen sich, wozu sie das Recht haben. 100% Papa. Die Überfahrt vom Leuchtturm nach Cayo Largo war grandios. Wir haben zwei Logbucheinträge gemacht. Einem beim Abfahren, einen beim Ankommen. Keine gute Seemannschaft. Aber gutes Familiensegeln. „Wann sind wir endlich da?“ Mayalena langeweilen sich eher. Die Eltern geniessen den gesäuberten Rumpf der MARLIN, ohne Rattern des Propellers unter Motor und die altbekannte Rumpfgeschwindigkeit der MARLIN. Diese legt sich auf die Backe, rauscht und gurgelt am Wind mit 8-9 Knoten durchs Wasser Richtung Strandleben und Urlaubsimage. Perfekt. So soll es sein. Schwester Susanne ist auch dabei. Wir legen in Cayo Largo ausnahmsweise am Steg der Marina an und Susanne, die die Liebe zum Segeln noch nie so richtig entwickeln konnte, ist froh einen mehrtägigen Tauchurlaub in Folge zu buchen, mit All Inclusive Hotelurlaub und Strandbar. Wir gönnen es ihr. Es war eine wunderschöne Woche Susanne. Wir gönnen es auch uns und sind nun als Familie an Bord. Verlegen nicht ohne obligatorischen Marinakratzer vor Anke an den Playa Sirena. Es wird ausgepackt: Dinghy mit 30PS Aussenborder, Schnorchelzeug, GoPro Kamera, Tolino, Hängematte, Wein, Lobster, Pago, Paddelbord, Wakeboardutensilien, Strandhandtuch… Von oben Sonne. Aus Süden Wind. Ich bekomme tonnenweise Zuneigung von MayaLena. Zwischenzeitlich heulen wir gemeinsam, weil die Zeit so rennt und so kurz ist, dann wieder Vollgas an Aktivitäten. Ich stellen MayaLena mit der Wakebord Leine aufs Paddelbord hinter das Dinghy. Nach zwei Versuchen stehen sie beide sicher bei Vollgas. Es ist unglaublich. Grinsen von rechts bis links im Gesicht. „Jetzt aber das Kite Board als Wakebord.“ Ich erkläre ihnen was ich weiß und selbst nicht kann. Maya steht nach zwei Versuchen auf dem Board und fährt ihre ersten 5 Meter hinter dem Dinghy. Leichtgewicht Lena ziehe ich mit der Hand die ersten Meter über das Wasser. Es ist gar keine Frage, dass sie innerhalb der nächsten Tage übers Wasser fliegen lernen. Ein bin ehrlich neidisch über ihre jugendliche Leichtigkeit so etwas zu lernen und das alles ohne sich weh zu tun. Unglaublich. Die Woche gehört uns. Das Wetter passt. Der Wind wird an den richtigen Tagen aus den richtigen Richtungen wehen. Das Spassbarometer steht auf Anschlag. Abends sitze ich mit Maya, Arm in Arm kuschelnd auf dem Vordeck und wir philosophieren über das Leben. Sie ist so groß geworden. Ich verbiete mir immer selbst, so etwas zu sagen. Dieser blöde Spruch. Das Schönste in meinem Leben ist sicherlich meine Kinder zu haben.  

Kleingärtner Micha

Warum streiten sich eigentlich Lebenspartner am ehesten?

Kaum ist die Familie da, ist auch schon wieder die Hälfte des Urlaubs vorbei. Ich könnte losheulen. Um es mal auf den Punkt zu bringen. Nathalie will mir nach anderthalb Stunden Gartenarbeit unter der MARLIN (Ich total genervt!) helfen und das Tauch-Jacket ausblasen. Zieht an der unteren Entlüftung und hat sie in der Hand. Nun ja. Da bekommt sie natürlich einen entsprechenden Kommentar. Und weil sie ja meine Partnerin ist, noch einen obendrauf. So deftig, dass ich mich später dafür entschuldigen muss. Warum ist das eigentlich grade so zwischen Lebenspartnern? Normalerweise hätte ich mich doch auch zusammengerissen und gesagt: „Du weißt das das falsch war?“ Hätte gegrinst. „Gehst Du einfach in Cayo Largo in die Tauschule und kaufst ein neues Jacket.“ (In Cuba kann man nichts kaufen oder online bestellen) Die Überfahrt von Cienfuegos nach Cayo Largo war übel. Wieder Wind gegenan, die halbe Strecke und irgendwann ging nur noch Motor an. Der Propellor macht übelst Rumpelgeräusche und mein Nervenkostüm fängt direkt an zu flattern. Ich vermute direkt, dass das hintere Wellenlagerung ausgeschlagen ist. Damit würde ich aber nicht über den Atlantik kommen. Unter Segeln ja. Aber manchmal braucht man ja auch den Motor, wenn der der Wind weg ist und die nächste Crew schon im nächsten Hafen wartet. Das Wellenlager kann aber nur gewechselt werden, wenn die MARLIN mindestens für eine Nacht aus dem Wasser kommt. „Da gehen wir doch einfach in Cayo Largo in den Travellift. Rufen Fred an und der macht das!“ In Cayo Largo gibt es aber keinen Travellift, kein Fred und der nächste Hafen wo das gehen würde wäre in Miami. Aber wer will schon in die USA? Ich bestimmt nicht. Die MARLIN auch nicht. Und Zeit im Passageplan für einen Werftaufenthalt ist erst im July geplant. Hm. Un d dann geht die Phantasie mit dem Wnuk durch. Ich schlafe schlecht, träume wild und überhaupt. Pfft! Ich lasse die Luft aus dem Tauchjacket und sinke mit ordentlich Blei und einem 30cm Spachtel zwei Meter unter die MARLIN. Was ich da sehe, habe ich in meinem nicht unerheblichen Segelleben noch nie gesehen. Der gesamte Rumpf und vor allen Dingen der gesamte Kiel ist 2-3cm dick mit weißem Rasen bewachsen. Cienfugeos lässt grüßen. Die Cubaner haben ja keine Kläranlagen und leiten alle ihre Abwässer in die Lagune. Wir ja auch. Nu ja. Andere Diskussion. Das weiße Gras ist eine Art Koralle, die hart ist und wie tot wirkt. Der Bewuchs des Rumpfes mit Seepocken ist ja bekannt und nimmt mit zunehmender Wassertiefe ab. Bei dem blendend weißen Graskorallen, ich nenne die jetzt mal so, ist das anders. Die bedecken flächendeckend den gesamte Kiel und Bootsrumpf. Vor allen da wo gutes Antifouling ist, sind sie besonders dicht. Prima Sache. Eine Tauchflasche reicht nicht aus zur kompletten Reinigung. Ich habe noch eine und in Cayo Largo gibt es frische Druckluft. Also morgen noch mal tauchen. Mit kaputtem Tauchjacket, weil nur ein Trage habe ich nicht. Kann ich trotzdem. Ich tariere mit der Lunge bis 10m Wassertiefe und der richtigen Menge Blei. Morgen soll es weitergehen nach Cayo Largo. Es kann nur besser werden. Ich versuche die Uhr anzuhalten damit die Zeit mit meiner Familie an Bord länger wird. Wer kann helfen?  

Zurück aus dem Cubanischen Trinidad

Im Reitfieber

Aprilscherz 2018 ade. Nein. Wir haben nix verkauft. Alles bleibt bei Alten. Auch die deutsche Fahne am Heck. Und die schöne 55’ REHA mit Foils, bleibt ein kleiner Albtraum, den ich wirklich gehabt habe. Zuviel YACHT auf dem Klo gelesen. Die ganze Foilerei finde ich ziemlich abgefahren, entbehrt nach meiner wahrscheinlich eh unwichtigen Meinung, jeglicher Praxisnähe des normalen Seglers, zu denen ich mich im übrigen auch zähle. Dominanter und realer waren für mich zwei Tage Trinidad. Der erste begann mit dem größten Wunsch von MayaLena. „Wir wollen Gauchoreiten! So wie 2016 schon geschehen.“ Die Eltern haben es zugesagt und über gut fünf Stunden sind wir alle mit Jorge unterwegs, der uns machen lässt. Machen lassen, meint, wir reiten früh am Morgen los und in die Berge vor dem malerischen Ort Trinidad. Schwester Susanne ist das zu sportlich und sie wählt das Alternativprogramm: Besichtigungen und Strand. Mehr Urlaub denn jeh. Gute Entscheidung. Das Reiten ist für Maya eine Tugend, für Lena eine Leichtigkeit und auch ich bekomme ein potentes Pferd, dass mich durch die Felder, die Wildnis und bis zum Wasserfall bringt, an dem wir nicht grade alleine sind. Trotzdem schön. Nathalie und ich traben hinter unseren ausgelassenen Kindern hinterher. Ab und an fallen die Pferde schon mal in den Galopp. „Papa hat einen neue Leidenschaft. Schau mal. Er sitzt im Sattel, als ob er nie was anderes gemacht hätte“, Maya hat doch bestimmt Hintergedanken, denke ich mir. Wir dinieren auf einer kleinen Farm, trinken Zuckerrohrwasser und weiter geht es. Auf dem Heimweg haben die Pferde es wie üblich etwas eiliger. Mir fangen an die Knie zu schmerzen vom „eleganten“ Aufstehen und Mitgehen. Das gibt einen coolen Muskelkater dritten Grades. Da bin ich mir sicher. Toller Tag. Schöner Tag. Gestern dann, ich fühle mich ja wegen dem Lob meiner Tochter, noch immer gebauchpinselt, komme ich auf die Idee: „Also Trinidad, seine Souvenirläden und die alten Gemäuer kennen wir ja schon. Sollen wir nicht ab Mittag noch mal Reiten gehen? Ohne Wasserfall, ohne Restaurantstopp?“ „Jaaaaaaaa!“ Maya hat gewonnen. Am Vormittag versinke ich mit Eike im Flensburg Office in einer mehrstündigen Internetkonferenz, danach geht es los. Leider holt uns nicht Jorge ab, sondern sein Azubi oder so. Der führt uns auf einen Fortgeschrittenentrail. Es geht durch wirklich unerhört malerische Landschaft, steile Berge hinauf und wieder runter, die gleichen Pferde vom Vortag laufen eher selten, sondern traben meist, fallen vom Gaucho motiviert, regelmäßig in den Galopp. Mir wird nach Zweidrittel des Weges, nach Anderthalbstunden klar, dass ich das nicht durchhalten werde ohne schwerwiegende Schmerzen in Muskeln und Gelenken. Ich beneide meine Kinder, Nathalie hat sich, schlau wie sie nun mal ist, in die Stadt zum Schlendern und Rumsitzen abgemeldet. Als ich am Ende des Ausritts absitze, habe ich das Gefühl das meine Knie sich nie wieder von der Tortur erholen werden. Kaum zurück in der Pension, fallen MayaLenaPapa in einen notwendigen Komaschlaf. Aber es war schön. So schöööööönnnn. Man könnte denken, das es der Tag war, aber ich hatte mich bereits zu einem weiteren Versprechen hinreiten lassen. Dinner for Two mit der Capitana. Es gibt zwar kein Kerzenlicht, aber schwerromantisch ist es eben doch in Trinidad de la Cuba. Auf den bekannten Treppen gibt es Salsa Musik Live und noch mehr Versprechen setze ich um. Die Capitana, seit fast drei Jahren influrenziert vom Salsa Virus und dementsprechend professionell, zeigt mir die ersten Grundschritte des Salsa Tanzes und ich mache motiviert mit. „Schritt vor, Schritt zurück, Stopp, Schritt zurück… Jetzt seitlich. Jetzt die Drehung.“ Sobald ich etwas grade gut genug kann, kommt der nächste Schritt. Mir raucht der Schädel und ich fange bis auf den Slip an zu schwitzen. Meine drei Frauen machen mich fertig! Wir landen in der Ruinendisco und es wird spät. Iorgendwann, es war noch vor Sonnenaufgang, kommen wir nach Hause. Aber es war schön. So schöööööönnnn. Ab heute wird gesegelt. Es folgt Erholung. Vielleicht.  

Große Veränderungen. MARLIN unter Canadischer Flagge

Der Kiel muss aus dem Wasser raus

“Hab ich doch gleich gewusst. Das machen die doch nur, um nen ordentlichen Deal zu machen.“ Beim renommierten britischen Schiffsbroker Grabau International steht die MARLIN schon seit Wochen zum Verkauf und heute ist es tatsächlich passiert und publik geworden. Der kanadische Großindustrielle Rolf G. Oetter, CEO der bekannten Ship Constructor Software Inc. ist neuer Besitzer der MARLIN. Oetter ist persönlich mit seinem Lear Jet auf dem kleinen Flughafen von Cienfuegos gelandet um den Deal perfekt zu machen. Oetter hat wohl schon viele Monate mit Wnuk / Müller in Kontakt gestanden. „Alles soll erst mal so bleiben wie bisher. Wnuk soll das Schiff wie geplant mit Mitseglern im nächsten Monat über den Nordatlantik zu den Azoren segeln und seine diesjährige Challenge zu Ende bringen. Oetter, selbst passionierter Segler, will dann den Törn von Horta nach Lissabon und weiter nach Faro selbst begleiten um die MARLIN segeln zu lernen. Fast schon freundschaftlich einig ten sich Wnuk / Müller – Oetter heute im kubanischen Trinidad unter Ausschluss der Öffentlichkeit auf einen Kaufpreis von Euro 1.25m, VAT paid. „Die MARLIN wird rot bleiben. Statt der deutschen Fahne wird aber bald schon die kanadische Flagge am Heck des bekannten Segelschiffes wehen. Das Schiff wird in Vancouver seinen neuen Heimathafen finden. Ein großer Verlust für Deutschland und vor allen Dingen für die nördlichste deutsche Stadt, Flensburg, deren Name bisher am Heck der MARLIN prangte. Ab Portugal will Oetter das Schiff per Frachter nach Vancouver verlegen und nach einem Refit in einer seiner angegliederten Werfen selbst in die Südsee und über Japan und Alaska wieder in den kanadischen Heimathafen bringen. Wnuk selbst zu dem Deal: „Durch den Verlauf meiner gesundheitlichen Entwicklung habe ich nach einer Lösung gesucht, die mir meine unklare Zukunft flexibler macht. In den letzten Wochen habe ich mich um die ULDB 54 REHA bemüht und mit einer bekannten französischen Werft den Umbau mit Foils diskutiert. Das Ergebnis ist noch nicht endgültig. Das eh schon mit 8,5t extrem leichte Red Cedar / Carbone-Epoxy strip-planked Schiff aus 1998 werde ich mit einem Schweitzer Partner Michael N. aus Luzern umbauen lassen. Ab Windstärke 5 wird das Schiff mit einer Geschwindigkeit von 22 Knoten auf der Nordatlantik Route eingesetzt werden und Wnuk will motivierten Mitseglern die Möglichkeiten geben aktiv mitzufoilen. „Ich habe genug Kontakte um das Projekt erfolgreich im Kabinenchartermarkt zu platzieren und werden die Woche mit 2.500 Euro pro Person anbieten.“ Die inzwischen 11 und 12 jährigen Töchter, Maya und Lena, beide quasi auf dem ersten Schiff der Seglerfamilie geboren sind gestern selbst auf der MARLIN angekommen, um traditionell selbst die neueste Ostereierkollktion der MARLIN zu bemalen. Eine alte Schiffstradition an der Müller/Wnuk seit Geburt der beiden Töchter festhalten. In den kommenden zwei Wochen besuchen Wnuk/Müller mit der MARLIN selbst die kubanischen Cayos, um sich von der norddeutschen Kältewelle zu erholen.  

Imax Cuba Kino Live!

Unforgetable moments with MARLIN!

Armando und Fernando sind die aktuellen Leuchtturmwärter auf Cayo Guano. Armando fischt jeden Tag. Mist, ich habe den Namen von dem Fisch vergessen, den er uns heute geschenkt hat. Jackfisch, würde ich sagen. Armando filetiert den Fisch und ich backe ihn in ordentlich Öl und einer speziellen Pomade. „So einen geilen Fisch habe ich noch nie gegessen! Der schmeckt fast garnicht wie Fisch, eher wie Geflügel und noch hundert mal besser“, mein Henry und Leon. Ich toppe noch zum Ende der Reise und lade uns alle auf die Terrasse des Leuchtturms zum Sundowner ein. Etwas ganz besonderes. Auf alten russischen Ledersesseln, ich nenne sie gerne die Honecker Sessel, sitzt man vor der ovalen Öffnung zum Meer. Eine Palme. Der Fahnenmast stört geringfügig. Dahinter die MARLIN und der Sonnenuntergang genau im Westen der Insel. Schöner kann ein Sonnenuntergang gar nicht sein. Das merkt auch meine Crew. Ein letzter unvergesslicher Abend auf den cubanischen Cayos.  

El medio Cubano

Auf dem Rückweg!

Die Zeit vergeht schneller als man denkt, als man will und jeder Tag ist ein Geschenk. Wenn Pire, mein Freund, der Marinamanager von Cayo Largo, mich Gott und der Welt vorstellt, so tut er das inzwischen gerne wie folgt. „Kati, este es Miguel, mi amigo el medio Cubano!“ Dabei nimmt er mich in den Arm, drückt mich fest an sich, an sein Herz und mir tut es fast leid sein Büro wieder verlassen zu müssen, weil mich mein Zeitplan schon wieder fahren lässt. Es pustet an der roten Boje, Mal Tiempo, Johann zickt, die Wassersäule der Kühlung, läuft leer und trocken, als wir durch die hohen Wellen mit gerefftem Groß stampfen und ich fluche mal wieder. „Motor aus.“ Kennen wir ja nun mal schon. Ist halt keine Motoryacht, sondern ein Segelschiff. Genau: Wir segeln uns frei von der Küste, legen Kurs Flach und Leuchtturm an und der Wind stirbt langsam aber sicher wie vorhergesagt. Ich streichel Johann und mache den Wassermacher an. Gestern habe ich leichtfertig gesagt: „Ihr könnt soviel Wasser verbrauchen wir ihr wollt. Die Tanks sind voll und heisses Wasser zum duschen ist auch da.“ Die Folge war klar: Heute Morgen sind die Tanks fast leer. Das Brot bekommt Schimmel und das neue können wir erst in ein paar Stunden abholen. Ich habe Rita aus dem Store ein SMS geschickt. Gut wenn man eine cubanische Telefonnummer hat. Macht vieles einfacher. Also gibt es Reis mit Kokusnussmilch und Pfirsich. Dazu Zucker mit Zimt. Wenn nix mehr geht: Das geht immer. „Oh. Das ist aber lecker.“ Voraus liegt der Leuchtturm. Unser letztes Ziel für diese Crew. Am Mittwoch geht es unweigerlich zurück nach Cienfuegos. Die Wettervorhersage ist straight. Frischer NE Wind auf die Nase. Nur am Mittwoch um 14 Uhr ein Fensterchen mit SE. Solange werden wir am Leuchtturm verweilen, schnorcheln, schwimmen und das Leben geniessen. Eine Stunde noch, dann wird der Anker in das glasklare Wasser fallen. Ich freu mich schon. Welle aus Ost kommt auf. Soll auch gleich wieder pusten.  

Samstag in Cantilles

Pago Satt!

Die Nacht war ordentlich windig. Nicht unsicher, aber rocky vor Anker. Meinen Gästen macht es nichts oder eher wenig. Die sind mittendrin. Geniessen jeden Tag. Langeweile gibt es nicht. Am Morgen geht es zur Lagune und tatsächlich sehen sie zumindest frische Spuren von Krokodilen. Was sie nicht wissen, ist dass die Krokodile sehr gut schmecken. Das ist wohl eher das Problem, weshalb die Krokodile schauen, dass sie weg kommen, wenn Menschen auftauchen. Wir wollen kein Krokodil und auch kein anderes verbotenes Wildfleisch. Wir wollen einen Pago. Das ist ein überdimensionierter Red Snapper und der liegt in der Tiefkühltruhe der Ranger. Die bessern ihr Taschengeld auf. Kochen für uns. Teller, Gläser und Getränke sind selbst mitzubringen. Unter Palmen wird diniert. Jeder eine Trink Kokosnuss, mit einem Schuss Rum verfeinert. Etwas früh am Nachmittag. Da sind die Mücken noch nicht da und es gibt auch noch Licht. MARLIN schaukelt mit dem Mast und der Skipper schläft nac h dem Essen unter den den Palmen in der Hängematte ein. Wochenendstimmung. “Am Sonntag will mein Süsser mit mir Segeln gehen!“ Der Weg führt uns für die Nacht auf die andere Seite der Bucht. Bei 2,2m Meter Wassertiefe stoppe ich und fahre ein Stück zurück. Auf 3m fällt der Anker. Es ist flaches Wasser hier. Sehr flaches Wasser. Nicht ohne Grund sind die ganzen Charterschiffe Katamarane. Aber ob ich nun eine dreiviertel Meile oder eine halbe Meile vor der Küste den Anker schmeisse. Ist ja nun auch irgendwie egal. Wir haben bis Mittwoch abend um wieder in Cienfuegos zu sein. Am Freitag kommt hoher Besuch aus der Null Grad Klima Zone „Old Germany“. Nathalie und die Kinder sind schon ganz aufgeregt. „Nur noch fünf Mal schlafen.“, ist das Subjekt der letzten e-mail. Lässt Vorfreude vermuten. Hoffentlich ist Engel Kaputtnix auch dabei im Koffer. Mir haben die letzten Tage gereicht. Ab morgen heißt es dann zurücksegeln. Wie immer, gegen den Wind. Wird es zu windig nutzen wir dann kleine Windfenster mit Flaute um zu schwierige Schl äge mit Motorkraft zu unterstützen. Das Problem ist die Strömung von Ost nach West, die die Schläge beim Aufkreuzen gemein zum Zickzacksegeln auf der Karte macht. Über das Flach zu Segeln zwischen Rosarios und Cayo Largo, dazu fehlen mir die Nerven, so flach sind die Tiefen-Angaben. Der Samstag Abend vergeht mit Phase 10 spielen. Nix für Anfänger merke ich. Der Menker Klan ist routiniert und die Joker werden intern verteilt. Carsten trumpft mit Anfängerglück und ich lass alle gewinnen. So kann man seine Crew auch glücklich machen. Dabei ist zum Samstag Abend passend, Havanna und Mulata Rum, das beste was die Hausbar hergibt. Pia zaubert Riesen-Crevettensalat ;-) meint Languste, die sich anscheinend im Kühlschrank vermehrt. Es wir nicht ganz so spät als alle in ihren Kojen verschwinden. Über das Wetter muss sich hier keiner Sorgen machen. Auch morgen ist wieder 28 Grad angesagt. Ein frischer Wind und ein 1a Sonnenuntergang. Segel-Urlaub pur auf der MARLIN, meint Harald. So soll es sein.  

Ein wunderschöner Segeltag

Mal nichts kaputt gegangen

Mein Tag beginnt kurz vor Sonnenaufgang. Ein kleines französisches Boot ist samt CQR-Anker Richtung Strand gedriftet und wir von einem Dinghy wieder an den rechten Platz gezogen. Das junge Pärchen wieselt am Deck. Zu helfen gibt es nichts, denn es sind schon andere Franzosen an Bord. Also schaue ich dem Ankerplatzkino neugierig mit einem Glas Kaffee in der Hand zu. Dank Rocna Anker gehören solche Aktionen ja nun zu unserer Vergangenheit. Aber ich kann mich gut erinnern, wie es davor mit einem unterdimensionierten Anker und Kette war. MARLIN ist ja nun mehrmals mit dem alten Delta Anker weggedriftet. Ich bin früh an Land. Meine Visaverlängerung ist fertig. Ich zahle die Ankergebühr und klariere aus. Ziel Cayo Cantilles. Hier gibt es Affen, die morgens gefüttert werden, wie wir erfahren als wir angekommen sind. Na dann. „Wollt ihr morgen mal etwas früher los?“ Meine CREW 42 frühstückt gerne und lang. Meist sitzen sie um 11 Uhr noch am Salontisch und freunden sich mit dem Tag an. „Wir haben ja Urlaub!“ „Stimmt.“ So ist es auch heute. Ich habe schon eine Stunde Telefonkonferenz mit Eike aus unserem Büro Flensburg hinter mir, komme zurück und es wird noch gefrühstückt. Sogar einen Teller Rührei, noch warm, steht an meinem Platz. Eine positiv entschleunigte Crew. Gegen Mittag sind wir dann endlich so weit, dass der Anker das Tageslicht erblickt und die grade mal 22 Meilen sind geschwind hinter uns gebracht. Der Wind schläft ein und im Schatten des Großsegels entsteht das obligatorische Gruppenfoto an Deck. Nette CREW 42. Oder? Ich mag sie. In Cantilles angekommen ist es windstill. Wir liegen auf drei Meter, typisch für diesen Ankerplatz und können die Conchmuscheln unterm Schiff sehen. Keine zwanzig Minuten später füllt sich der Kühlschrank. „Aber die Fotos nicht veröffentlichen“, betonen die Fischer. „Sonst kommen wir ins Gefängnis und ihr auch.“ Na, dann veröffentlichen wir mal keine Fotos von diesen Rieseninsekten. Haben wir ja auch schon genug gehabt. Ich verabrede die CREW zur Dschungelwanderung und zum gegrillten Riesenredschnapper am Nachmittag. Das Wochenende wollen wir hier verbringen. Inzwischen haben wir 20 Knoten Wind aus NE, liegen auf Legerwall, aber trotzdem sicher. Der Ankeralarm des WM850 ist sicher und stromsparend. Der Superwind leise und bei diesem Wind ergiebig. Ich gähne immer wieder. Wird Zeit ins Bett zu gehen.  

Die Tage rennen dahin

Neue Freunde

Aus meiner CREW 42 werden richtige Freunde. Untereinander und miteinander und mit mir. Die Stimmung an Bord ist ungewöhnlich ausgeglichen, auch wenn eigentlich sehr unterschiedlicher Charaktere aufeinander treffen. Seglerisch bin ich insgesamt sehr gefordert. Es gibt wirklich viel zu erklären, was mich ausfüllt. Die Umsetzung funktioniert dann aber auch fast perfekt. Die Jungs, Henry und Leon, spanne ich besonders intensiv ein, was auf Zustimmung der beiden jungen Männer trifft. Schön zu sehen, wie besonders sie ihre Beziehung zum Segeln in nur wenigen Tagen aufbauen. Pia und Katrin nehmen mir die Küchenarbeit ab. Carsten und Harald sind schnell routinierte Mitsegler. Zum Bloggen komme ich kaum. Netterweise hat mich Rauner von der Capitania Cien Fuegos darauf hingewiesen, dass mein Visa gestern abgelaufen ist. Stress kommt auf. Statt zwei Tagen am Leuchtturm müssen wir uns sputen um nach Cayo Largo zu kommen und noch rechtzeitig meine neuen 30 Tage Visa zu beantragen. Auch unsere Vorräte an Diesel und Benzin schwinden. Mir bleibt nicht viel Zeit für Internet. Die Reparatur am Generator weitet sich aus. Erst mit Hilfe von Boris S. von Fischer Panda finde ich den Grund warum Erika immer wieder ausgeht. Wieder mal simple. Eine Autosicherung, die ich visuell schon kontrolliert habe, wackelt sich ab und los. Temperatur, Korrosion und Vibration heißen die Übeltäter. Mit Henry und Leon gehe ich am Mittwoch auf die Cayo Largo Piste. Muss ja mal was passieren in so nen Urlaub mit den Eltern, finde ich. Auf dem Cayo Largo Plaza ist Freiluftdisco. Salsa, Raggeton, nicht meine Welt. Es lohnt sich trotzdem den cubanischen Gästen beim Tanzen zuzusehen. Henry und Leon staunen nicht schlecht über den südamerikanischen Tanzstil, den die Cubaner wohl mit in die Wiege gelegt bekommen. Die europäische Hälfte der Gäste tanzen dagegen eher monoton. Ich halte mich brav an meinem Mojito fest während die Jungs die Tanzfläche erobern. Klar wird es spät an diesem Mittwoch. Am frühen Morgen um sechs Uhr knallt es dann im Schiff und ein weiterer Tag im Paradies beginnt. Mit der Hilfe von Harald stellen wir Stück für Stück fest, dass die Aussenbordentlüftung des Schwarzwassertanks verstopft ist, die elektrische Toilettenpump merkt das nicht. Der Tank bläht sich auf und eine Schweißnaht platzt mit dem besagten Knall. Der braune Inhalt ergiesst sich gutriechend in die Bilge. Scheiße! Alleine diese Vorgänge zu diagnostizieren und den Mist wegzumachen frisst den halben Tag. Die Crew nimmt es mit Gelassenheit, ich schicke sie los und sie erkundet den schönsten Strand der Karibik. Den Playa Sirena. Familienoberhaupt und internistischer Allgemeinmediziner Harald geht mir zur Hand. Gemeinsam finden wir endlich das verstopfte Sieb am Geruchsausgang am Deck der MARLIN. Das Problem ist mir vollkommen neu. Die Folge: Ein gerissener Schwarzwassertank. Ich bin ernsthaft verzweifelt. Das Ding ausbauen und schweissen – Hier in Cuba unmöglich. Harald baut mich im Cockpit wieder auf. Die Lösung um meine zukünftigen Törns segeln zu können ist die Toilette direkt an das Ausgangsventil anzuschliessen. Den notwendigen Schlauch könnte eine der nächsten Crews mitbringen. Klar. Auch haben wir im Vorschiff ja noch eine Toilette. Harald trumpft weiter und findet den Riss. Zusammen verkleben wir den Schaden mit Epoxi. Ob es hält ? Nun. Mit einer Schubkarre Zement habe ich in Buenos Aires die IRON LADY gefixt und bin mit Nathalie und den Kindern erfolgreich ums Kap Hoorn gesegelt. Wird schon halten bis zum nächsten Werftaufenthalt. Das war mein Donnerstag der 22. März 2018. Draussen bläst es sauber mit 17 Knoten Wind aus Nord. Perfektes Kite Wetter. Geplant war ein schöner Tag im Trapez und weitere Meter auf dem Bord. Entspannung für den Skipper. Sollte wohl nicht sein. Danke an Harald, ohne den es bestimmt heute keine akzeptable Lösung gegeben hätte. Danke an meine Crew, die sich nicht beschwert hat, sondern mir den Rücken gestärkt hat. Zum Abendessen gibt es cubanisches Rind. Nicht grade zart, aber trotzdem sehr schmackhaft. Morgen geht es nach Cayo Cantilles. Wir brauchen dringend Fisch und Krustentiere. In Cayo Largo gibt es keine Verproviantierungsmöglichkeiten. Neuer Tag – Neues Glück.  

CREW 42 an Bord genommen

Skipper im Reparatur Mode

>Das Leben ist grausam. Denn es ist unglaublich, wie schnell das Leben weitergeht, wenn einer unserer Freunde tödlich verunglückt. Im normalen Alltag noch viel mehr, aber auch hier auf der MARLIN. Wir sind wieder unterwegs. CREW 42 hat eine knappe und doch gründliche Sicherheitseinweisung bekommen. Ich versuche mir mal was von meinem Kollegenskipper Jan abzuschauen. „Wird schon werden.“ Vieles kann man auch unterwegs noch mitteilen. Katrin, Harald, Leon und Henry sind dabei. Familie, mit zwei Söhnen, die eigentlich schon nicht mehr zu Hause wohnen und doch mit ihren Eltern ein Urlaub zusammen machen. Katrin, strahlt. Ist ja auch nicht so oft, in dem Alter der Kinder (18 und 20). Sehe ich auch so. Leon und Henry bringen viel Dynamik in die Gruppe. Sie lassen mich meine Söhne Julian & Lukas vermissen. Dabei sind auch Pia und Carsten, die sich schon lange auf die Reise mit der MARLIN freuen und auch ein eigenes Schiff haben. So ist es für mich eine entspannte Crew. Die Sonne scheint. Der Himmel ist blau. Nun. Kurs Leuchtturm liegt an. Ich vermute mal, dass aufgrund der Vorkommnisse ein Besuch der oberen Stockwerke des Leuchtturms nicht möglich sein wird. William in Ehren, muss das ja auch nicht unbedingt sein. Der faule Zahn von Erika ist gezogen. Man sieht den Ladewandler für Erikas Starterbatterie. Zwei Löcher zeugen von der Vergänglichkeit. Ist gar nicht so schnell aufgefallen, denn die Starterbatterie des Generators wird auch geladen wenn die Hauptmaschine Johann läuft. Nun ist aber die Starterbatterie in die Jahre gekommen und musste getauscht werden. Komisch. Ich hatte noch eine Blei Säure Notfall Batterie, trocken, die dazugehörige Säure in Flaschen an Bord. Nach der Installation messe ich den Ladestrom. Kein Ladestrom, sondern Entnahme. Hmm. Da war der Zahn doch schnell gefunden und komisch: Im Kartentisch liegt Ersatz. War schon mal kaputt und ich habe natürlich direkt zwei gekauft. Auch die Frage warum kaputt habe ich mir gestellt und nun: Es ist mal wieder eine Johnson Umwältzpumpe, die anscheinend nur gebaut werden, damit sie ersetzt werden müssen. Die in Erika habe ich mit Jan schon irgendwann auf dem Weg nach Bonaire ausgetauscht mit der der fast baugleic hen von der Webasto-Ersatzheizung. Lagerwellenstift ausgeschliffen, unrund und hing fest. Quasi ein Kurzschluss. Mann, Mann oh Manno… Eine weitere neue Johnson Dauerläuferpumpe hat Katrin im Koffer nach Cuba mitgebracht. Diese kühlt die Kühlungskompressoeren. Oder eben auch nicht mehr. Vier Jahre hat die letzte gehalten. Fast neu also. Florian, meint, dass die viel zu heiß wird. 50° zeigt das Infrarotthermometer. Anzufassen ist sie nicht mehr. Gut 30 Watt. Im Schrank finde ich eine Motorendrehzahlsteuerung. Zugeschaut und mitgebaut… ist das Ding runtergeregelt auf 7 Watt und kühlt die Kompressoren immer noch ausreichend. Nun mal ausprobieren was der Freezer dazu sagt. Die mittlere Lebenserwartung der Pumpe sollte auf jeden Fall potenziert sein, wenn das klappt. “Spring doch ins Wasser“, wir sind angekommen am Leuchtturm. Kein William, keine Rafa, kein Frank da. Viel Zeit bleibt uns auch nicht. Morgen schon soll Südwind kommen, mein 30 Tage Cuba Visum läuft übermorgen ab. Mist. Das kann man hier in Cuba nicht auf die leichte Schulter nehmen. Ich muss morgen dringend nach Cayo Largo um meine Visa zu verlängern. CREW 42 musste zwei Tage alle Vorräte an Riesengarnelen essen, wie Katrin es so sagte. Ich geh mal in die Küche. Heute gibt es Hühnchen in Weißweinsauce an Kartoffeln. Hab ich noch nie gemacht. Na ja. Wird mir schon was einfallen.