Archiv der Kategorie: SY Marlin

AGAIN UNDERWAY

Töfftöff und dann wieder geschwind durch das Azorenhoch

DAS WICHTIGSTE ZUERST: Heute vor 13 Jahren ist Maya geboren worden. Herzlichen Glückwunsch an das Segelkind auch an dieser Stelle. Ich bin der stolze Papa der Maya, die inzwischen fast so groß ist wie die Mama. Na denn mal tau.

Scheint, als wenn es still geworden ist in meinem Skipperleben. Doch der Schein trügt und dem ist aber ganz und garnicht so. An Bord gekommen ist die CREW 46. Torsten S. habe ich nach dem ersten Probesegeltag direkt umbenannt in Buddy. Dann gibt es noch Jana und den zweiten Torsten, wodurch es immer wieder zu Verwechselungen gekommen ist bei den Manövern. Ging ja garnicht. Aus CREW 45 sind noch Hana und Helen an Bord mit denen ich ja quasi schon verwachsen bin.

Einfach haben es die „Neuen“ erst mal nicht. Nach 3.200 Meilen braucht der Skipper auch mal ein Päuschen und das Wetter ist widrig. Wir verbringen die erste Nacht nach dem Auslaufen aus Horta in Picos Hafen Madalena weil Velas gegen Wind und Welle nicht ohne Klimmzug zu erreichen ist. Schlechte Idee Skipper Wnuk. Im Hafen steht Schwell und Surf an der Pier, dass es fast die Leinen bricht und einen Fender aufschürft. Mit dem Morgen kommt noch mehr Schwell (So stelle ich mir die Osterinseln vor!) und ungemütlich pfeife ich zur Abfahrt. Nix wie weg aus dem Loch.

Gegen Mittag erreichen wir Velas an der Südküste von Saoo Jorge. Meine Kunden und Freunde, Danny und Benny von der SY HAPPY DAY (Schweizer – Was sonst?) haben uns einen Platz am E Ponton der Minimarina besorgt. Wir fahren vorwärts rein – Aber wie kommen wir da wieder heraus? Das gibt wieder graue Haare. Das Erste was folgt ist ein „Apero“ – Die Lieblingsbeschäftigung der Schweizer. Man sitzt zusammen, hält ein Schwätzchen, trinkt lokalen Wein und Bier und dazu Häppchen. So ein „Apero“ kann man mehrmals am Tag machen. Oder auch durchgehend. Wenn ich nicht immer irgendwann abschalten würde, weil natürlich alle in diesen Schweizer Dialekt einfallen, wo der fröhliche Nieder-Rheiner Wnuk nix mehr versteht.

Die CREW geht verproviantieren und ich widme mich mit Buddy 12 Stunden Generator Erika. Die funktioniert nur noch, wenn man sie brutal mit einer Plastikspritze und 25ml Diesel direkt nach dem Anwärmen durch den Ansaugkanal anregt. Dann läuft sie ganz normal. Na? Einspritzpumpe? Oder Einspritzdüse? Am nächsten Tag nimmt Buddy die Düse mit auf Sao Jorge Sight Seeing und ich nutze den Tag um endlich mal in Ruhe mit meinen Lieben, Liebsten, Mitarbeitern, Freunden und Kunden zu telefonieren, ohne dass alle irgendwie mithören. Altes Problem auf einem Schiff. Nachdem ich einen trockenen Mund vom Quatschen habe, reißt es mich in den Motorraum. Es soll morgen losgehen über den Atlantik nach Faro und ein Öl- und Filterwechsel bei Hauptmaschine Johann ist dringend notwendig, bevor im schlechtesten Fall unendliche Motorstunden auf ihn zukommen. Diverse Reparaturen sind zu machen und zwischendurch die Ruhe geniessen und das ein- und andere Sagres Bier eiskalt zur Tiefenenspann ung. So ein Tag, genau so, hatte ich gebraucht.

Gestern sind wir dann endlich los. Das Vorwärts Eindampfen und dann Rückwärts um die Ecke im Uhrzeigersinn Manöver klappt wie geplant auf einen halben Meter genau nach einem sauberen Briefing was jeder zu tun hat. Auch das Anlegen an der Tanke ist mit 60 Fuß ohne Bugstrahl eben nicht ohne bei Seitenwind. Aber alles gut. Marco, der Tankwart stellt das Zählwerk von der Zapfsäule nach dem Tanken auf Null ohne sich den Wert zu merken und portugiesisch einigen wir uns auf 681L Diesel. Wir sind dann mal weg und nach fünf Schlägen zwischen Pico und Sao Jorege liegt Cabo Vicente an der Südküste Portugals an. Knapp 1000 Meilen. Ich vertiefe mich in meine Busuu Sprachenlern App.: 7 Tage um mein Portugiesisch soweit aufzufrischen, dass ich ich wenigstens die Basic Gespräche hinbekomme, gebe ich mir. MARLIN rauscht daher. Eine frische Brise treibt uns mit 9+ in die Nacht und ich verteile die ersten Pflaster hinters Ohr. „Alles gut. Morgen ist alles ganz normal für euch. “ Auch für mich ist die erste Nacht auf See immer die schwierigste und ich bekomme wenig Schlaf, weil ich aufpassen muss wie ein Luchs, dass mir keiner über Bord geht oder sich verletzt, wenn die Seebeine noch nicht da sind.

Zwischenzeitlich hat Hana schon das erste Etmal ausgerechnet und stolz sagt sie die magische Zahl: 190 Meilen Etmal. Na. Wenn das so bleibt sind wir schnell da, doch schon am Morgen ist der Wind plötzlich weg. Ob es der Windschatten von Sao Miguel ist? Wir passieren die Insel 40 Meilen nördlich. Bei den Kanaren ist es ja auch so, dass die Inseln sich bis weit draussen deutlich bemerkbar machen. Alles gut. Wir haben ihn wieder gefunden. Vollzeug steht. Faro liegt an. 9+ auf’m Tacho. Alles gut.

 

Ankerfall Horta

ANGEKOMMEN

Nach insgesamt 3.100 Meilen seit Cuba ist der Anker heute Morgen um 4:00 ins Hafenbecken von Horta gefallen. Plumps. Genau da wo wir schon 2014 geankert haben. Die Steinpier ist voll mit Booten, die im Päckchen liegen. Hat Wnuki natürlich keinen Bock drauf. Dann heißt es Tassen hoch. Cafe Peter Sport hat natürlich schon zu und mit die Fantastischen Fünf sitzen unter Sternen mit fast Vollmond und klarer Sicht auf den Pico gegenüber. Selten ist das, dass der keinen Hut trägt. Ja. Mann. Wir sind angekommen. Unglaublich. Wieder mal ne lange Reise. Eigentlich will ich gar nicht, dass sie nun zu Ende geht. Ein Trost habe ich ja noch: Hana und Helen bleiben mir erhalten und nachher kommt auch schon Ersatz. Torsten, Jana und Torsten kommen an Bord.

Ganz ehrlich. Alles nen bisschen viel Traffic für mich. Morgen muss ich mal alleine spazieren gehen.

 

Eben die letzten Meilen

Vierzehnter Tag auf See

Die Stimmung an Bord ist verhalten gut. Stephan und Ralf haben via Sailmail und weiblicher Lebenspartner schon mal die Rückflüge gebucht und dementsprechend sind sie gedanklich eigentlich schon auf dem Heimweg. So ist das heutzutage. Wir haben noch 65 Meilen bis zum Hafen von Horta und heute Abend um 18 Uhr werden wir spätestens in die Mobilfunkreichweite der Insel kommen, dann wird es „Ping“ machen auf den Handy’s und ein „Oh“ und „AHA!“ Wird durch die Runde gehen. Die Gespräche werden sein: „Ich habe GPRS. Ich habe 3G. Hey ich habe schon What’s App“ Und kurz darauf sitzen alle im Pilothaus oder an Deck wie zu Hause in der U-Bahn und für Stunden wird keiner mehr miteinander reden sondern im EU Netz sein. Nun gut, Hana und Helen sind da eindeutig benachteiligt, die sind im Roaming, weil sie Schweizer Karten haben. Aber bestimmt wird ihnen jemand Internet sharen!

Moses, der Wassermacher läuft, ich werde gleich duschen und danach werde ich, wenn das Wetter wie erwartet weiter so bleibt, den Kärcher aus dem Keller holen und dann werden wir die MARLIN von der mindestens 5mm Salzkruste befreien. Denn wir haben ja alle Zeit der Welt und dann brauchen wir es eben nicht im Hafen tun. Die Waschmaschine werden wir gleich nach diesem Bericht füllen und wenn es weiter wie erwartet kein Wind hat, werden wir auch schon mit der Abschlussreinigung des Innenbereichs anfangen. „Macht ja Sinn!“, meint Helen nur, als ich die Wachhabenden über meine Pläne informiere.

 

Eben die letzten Meilen

Eben die letzten Meilen

Vierzehnter Tag auf See

Die Stimmung an Bord ist verhalten gut. Stephan und Ralf haben via Sailmail und weiblicher Lebenspartner schon mal die Rückflüge gebucht und dementsprechend sind sie gedanklich eigentlich schon auf dem Heimweg. So ist das heutzutage. Wir haben noch 65 Meilen bis zum Hafen von Horta und heute Abend um 18 Uhr werden wir spätestens in die Mobilfunkreichweite der Insel kommen, dann wird es „Ping“ machen auf den Handy’s und ein „Oh“ und „AHA!“ Wird durch die Runde gehen. Die Gespräche werden sein: „Ich habe GPRS. Ich habe 3G. Hey ich habe schon What’s App“ Und kurz darauf sitzen alle im Pilothaus oder an Deck wie zu Hause in der U-Bahn und für Stunden wird keiner mehr miteinander reden sondern im EU Netz sein. Nun gut, Hana und Helen sind da eindeutig benachteiligt, die sind im Roaming, weil sie Schweizer Karten haben. Aber bestimmt wird ihnen jemand Internet sharen!

Moses, der Wassermacher läuft, ich werde gleich duschen und danach werde ich, wenn das Wetter wie erwartet weiter so bleibt, den Kärcher aus dem Keller holen und dann werden wir die MARLIN von der mindestens 5mm Salzkruste befreien. Denn wir haben ja alle Zeit der Welt und dann brauchen wir es eben nicht im Hafen tun. Die Waschmaschine werden wir gleich nach diesem Bericht füllen und wenn es weiter wie erwartet kein Wind hat, werden wir auch schon mit der Abschlussreinigung des Innenbereichs anfangen „Macht ja Sinn!“, meint Helen nur, als ich die Wachhabenden über meine Pläne informiere.

Stetig kommen wir unserem Ziel Horta näher

Zwischen dem zwölftem und dem vierzehnten Tag auf See

“Ne. Ich schreibe da nicht ‚Dreizehnter Tag auf See’ Da kann ja werweisswas passieren. Mast fällt runter oder so!“ Uns trennen noch 24h um den Längengrad der Insel Flores / Azoren zu übersegeln. Wir segeln. Immer noch und immer noch relativ schnell für grade mal 11 Knoten Wind.

Harald, von der CREW 42 hat geschrieben. Er hat geschrieben, wie seine Zeit auf der MARLIN für ihn war. Für mich sind das wichtige Zeilen, die ich unzensiert für den Bereich Kundenreferenzen auf der marlin-expeditions.com Seite einbinde, wie immer wenn sie für unser zukünftigen Mitsegler informativ geschrieben sind. Bevor Interessenten ihre Zeit auf der MARLIN buchen, weiß ich, wird diese Seite intensiv studiert. Im Original schreibt Harald wie folgt:

 

Cuba Familienurlaub CREW 42

Barfuß in der Karibik. Die „Kinder“ fahren nochmal mit in Urlaub. Kinder stimmt ja nicht mehr: Leon ist schon 22 und Henry auch schon 19. In dem Alter ist Urlaub mit den Eltern ja extrem uncool. Es sei denn, das Reiseziel stimmt. Cuba. Und dann noch segeln in der Karibik zu den vorgelagerten Inseln, den Cayos. Wie toll ist das denn. Einmal fragen hat gereicht und beide sind sofort hellauf begeistert. Und was das für ein toller Urlaub war. Mit Skipper segeln kann ja schon mal kritisch sein und andere an Bord muss auch nicht unbedingt klappen. Die jungen Männer machen mit den Älteren Urlaub und sind dann auch noch auf engem Raum unterwegs. Mal schnell aussteigen geht dann ja nicht. Diese Bedenken sind aber auf der Marlin völlig unbegründet. Skipper Micha macht kurze und knappe Briefings und bindet die Junges gleich mit ein. Jeder hat dann so seine Aufgaben. Daraus wird im Verlauf auch eine enge Bindung, die unseren Jungs und auch Micha gut tun. Nicht nur an Bord, sondern auch auf den Partys an Land, wo zu cubanischen Klängen lässig mit den Hintern gewackelt wird. Bei den Cubanern sieht das ja auch gleich extrem elegant aus. An Bord gibt es immer viel zu tun, aber am Strand liegen und im flachen warmen Wasser Seesterne gucken oder mit Kokosnüssen werfen ist auch drin. Den Törn Rhythmus geben wir, die Crew 42, vor. Micha macht da keinen Stress. Er ist da, wenn was zu tun ist oder zieht sich zurück und macht irgendwas. Was das war und was er so alles gemacht hat haben wir erst hinterher im Blog gelesen. Das war schon eine Menge von der wir so gar nichts mitbekommen haben. Er hat uns da in Ruhe unseren entspannten Urlaub leben lassen. Auch cool. Geholfen haben wir dennoch immer gerne, wenn er unsere Hilfe brauchte.

Nach ein wenig Einweisung klappte das Segeln immer besser und wenn es erst gegen Mittag losgeht ist das auch nicht schlimm, ist ja Urlaub und irgendwie sehen wir das alle so. Aber das war ja bei weitem nicht das Tollste. Entschuldigung liebe Marlin, ist nicht bös gemeint. Du bist ein super tolles Schiff mit viel Platz und flott am Wind, absolut sicher und schneidig, mit bequemen Kojen …. Ein Boot zum verlieben, was man nie mehr verlassen möchte. Wir können Micha da schon gut verstehen.

Das Tollste waren die Ziele, die er uns gezeigt hat: türkisfarbenes warmes Wasser, in dem das Schwimmen im Sonnenauf- oder untergang ein Traum war, schnorcheln und entdecken der Unterwasserwelt, feinster weißer Sandstrand, den man ohne Sonnenbrille kaum ansehen kann. Cuba Lifestyle am Leuchtturm, auf Expedition mit den Insel-Rangern auf der Suche nach Krokodilen und Affen oder beim Sundowner, der sanft geschaukelt und nicht gerührt an der Süllkante am besten schmeckt. Die Trinkkokosnüsse, die man mit wenig Rum verfeinert und die dann nach viel mehr schmecken, waren immer en Highlight. In den bescheidenen Supermärkten mit den leeren Regalen und der ungewohnt mageren Auswahl sieht man die andere Seite von Cuba. Konsum wie in den westlichen Ländern gibt es hier nicht. Alles wird gebraucht und auch die alte ausgemusterte Bordbatterie findet schnell einen neuen Abnehmer und wird noch ein langes Leben fristen. Gefehlt hat trotz der „Armut“ nie etwas.

Armut ist ja auch relativ: wenig Konsumgüter aber viel Zeit für sich und andere. Entspannte Lebensart ohne Hektik – Cuba ist reich daran – weniger ist mehr lernt man hier. Und der fangfrischer Fisch vom Kutter frei Boot gegen Rum getauscht ist Gaumenkitzel vom Feinsten. Und wer noch keine Langusten a`la Micha gekostet hat, hat eben noch keine Langusten gegessen. Küchenarbeit wurde geteilt, jeder durfte mal kochen, aber besonders gut waren die Künste des Skippers. Unvergessen bleiben die hübschen Conches, die mühsam gesucht und ertaucht werden müssen, um dann nach harter Arbeit beim Öffnen 24h später in Zitronen-Sud mariniert, im Salat unglaublich zart schmecken. Tage, die wie im Flug, viel zu schnell vergehen. Kaum ist man da, geht´s schon wieder zurück. 2 Wochen sind definitiv zu kurz , um den Lebensrhythmus an Bord einzuatmen und runterzukommen. Ein guter Anfang, aber definitiv zu kurz. Ich persönlich freue mich auf die Atlantikpassage im Winter Ost/West nach Brasilien. Sofern mich der Skipper mitnimmt. Es kommen ja auch nur handverlesene Gäste an Bord. Ist auch gut so. Passt halt nicht immer jeder zu jedem und vorher wissen kann man das auch nicht. Hier hatte alles gepasst. Die Junges schwärmen immer noch und wir sind im allgemeinen Arbeitsalltag im Rückblick noch immer beseelt von einem tollen Urlaub mit maximalem Entspannungs- und Erlebnisfaktor, der noch lange nachhallt. Und wenn wir Sehnsucht haben, helfen die Blogeinträge und Bilder weiter. Danke Micha für einen tollen Urlaub

Skippers Anmerkung: Wer jetzt denkt, dass es immer toll war an Bord die ganzen Zeit. Der irrt. Auch mit den Menkers hat es mal geknallt. Klar. Wenn sieben Menschen für 2 Wochen auf ca. 55qm Lebensraum, an denen immer einer wackelt, zusammen leben, dann knallt es eben auch mal. Das gute daran, grade mit den Haralds Familie war die grundlegende menschliche Sympathie und Kompromissbereitschaft, die diesen Törn auch für mich zu einem Vorzeigetörn gemacht hat, wo ich mir dann sage: „Ist ja doch nen toller Job den du da hast und machst Micha.“ Danke an Harald und Familie für diese tolle Zeit.

Harald wird im Winter über Weihnachten und Neujahr mit über den Atlantik segeln. Da freue ich mich richtig drauf! Kurze 12 Tage Törns werden wir in der kommenden Zeit allerdings nicht mehr anbieten. Das hat sich als generell als zu kurz gezeigt. Drei Wochen ist schon mindestens notwendig um sich an Schiff und Besatzung gewöhnen zu können. Besser sind vier oder mehr Wochen an Bord insbesondere, wenn in diesem Zeitraum ein Ocean überquert wird, lange oder schwierige Strecke zu segeln sind. Wir erarbeiten derzeit Teilstrecken als Angebot auf unserer Website, die generell aber jederzeit Zu- und Aussteigen ermöglichen sollen. Insbesondere werden wir in Zukunft mehr Wert auf Landausflüge und geführtes Begleitprogramm legen. Wer Interesse daran hat, schaut regelmäßig auf MARLIN-Expeditions.com der Entwicklung unserer Angebote zu. Die Grafik zeigt die derzeitige Planung der MARLIN ab Oktober 2018 beginnend in Faro.Wer die Angebote nicht abwarten will kann sich jederzeit über unser Formular als Mitsegler bewerben.

 

Micha hat den Ocean Blues

Zwölfter Tag auf See

Hätte Ralf mal nicht so große Töne gespuckt. Kurzum ist Generator Erika in den Streik getreten und zwar richtig. Letzte Nacht dann olle Welle aus Ost, Wind aus SE und wir fangen an mitten aufm Atlantik aufzukreuzen. Ne. Das muss wirklich nicht sein. MARLIN macht das auch nicht gerne. Ich mach das nicht gerne. CREW 45 macht das nicht gerne. Es ist fast wie im Miami Channel. „Ralf. Weck mich wenn Du nicht mehr weiter weist.“ Ralf weckt mich nicht und reffen tut er auch nicht. So werde ich wach, als das Wasser bereits an den Portlights des Kajütdachs der MARLIN vorbeirauscht und das Schiff sich mit 3 Knoten in den Wellen einstampft. „Eh. Was macht ihr da.“ Zugegeben, ich war wohl nicht grade freundlich zurückhaltend, als ich MARLIN aus ihrer 45° Zwangsjacke, seitwärts driftend, bei 26 Knoten Wind befreie. Hana und Ralf stehen da wie nassgewordene Pudel. Als MARLIN nach Zupfen hier, fieren dort, reffen sowieso, wieder elegant mit acht Knoten durch die Wellen sch neidet, versteht Ralf, dass Wache eben nicht nur Wachen ist. „Weck mich einfach das nächste Mal.“ „Joh.Is gut.“

Die Nacht war dann natürlich gelaufen. 25 Knoten Wind ist ja nicht viel, aber aus der Richtung da wo man hin muss, dass kann echt nerven. Is halte eben nix wo man aufs Knöpfchen drückt und der Autopilot macht das schon, sondern da geht es darum das Schiff zu beschleunigen um sich so selbst den Wind zu machen um durch und über die Wellen zu reiten, die gemein von schräg vorne kommen. Lautes Segeln ist das, wenn die Aluminiumdose auf die Brechern knallt und das ganze Schiff rappelt als wenn es ein paar Meter runter auf die Erde knallt. Wasser ist nicht weich. Wasser ist hart. Wir segeln nach Süden, wir segeln nach Norden, nach Ost und damit zum Ziel segeln wir auch: Ein bisschen. Eigentlich kaum der Rede wert. Aus der Verzweiflung heraus könnte ich beidrehen, was aber auch nichts bringt. Sehnsüchtig warte ich auf die Winddrehung die so langsam kommt wie sie vorhergesagt ist und gefühlt noch ein bisschen langsamer. Zwischendurch sitze ich im Pilothaus, mein Kopf sack t nach vorne und in kurzen Schüben schlafe ich häppchenweise. Meine Crew ist wie eingeteilt bei mir und hilft oder macht die Manöver selbstständig, die gemacht werden müssen, macht alles womit man sie beauftragt, zur vollen Zufriedenheit. Hana hat mir einen echten Kurzhaarschnitt verpasst. Hat ja den Vorteil, dass ich keine grauen Haare bekommen habe in der letzten Nacht.

Am Vormittag liegen wir Kurs NE an. Ist ja schon mal was. Die elektronische Windfahne dreht mit. Unser größtes Problem sind derzeit die Portugiesischen Galeeren, kleine segelnde Quallen, die im Wasser mehrere Meter lange, giftige Tentakel haben. Diese verfangen sich im Schaufelrad unserer Logge, die die Fahrt durchs Wasser misst und mit den Daten scheinbaren und echten Wind berechnet, verkleben diese. Der Autopilot unter Windfahnensteuerung findet das nicht grade lustig. Warum auch immer ist mir unklar. Ich muss dann das Bodenbrett in der Vorkabine hochklappen und die gallertartige Masse mit einer alten Zahnbürste und eine Zahnarztnadel aus dem Messgerät rauskratzen, um die Logge wieder funktionstüchtig zu machen. Zweimal pro Tag passiert das in der Regel seit den Bermudas. Klar auch Nachts. Ist meine Aufgabe, denn die Tentakel haben brennende Nesselzellen an ihrer Oberfläche. Am Anfang trage ich noch Handschuhe, so fies sind die Berührungen damit, später berühre ich die Tentakel einfach nicht mehr.

Irgendwann holt sich der Körper den Schlaf, den er braucht und weil meine Koje auf Lee liegt, schlafe ich bevorzugt im Salon ein. Als ich wach werde hat der Wind wieder ein paar Grad gedreht und kommt jetzt Halb. Guten Mutes, mit einer Mütze Schlaf ausgerüstet, motiviere ich meine Mitsegler die Genua mit dem Spibaum auszubaumen. Briefing im Pilothaus, Umsetzung an Deck. Alles klappt prima. Genua raus und wir segeln mit fast senkrecht stehendem Mast und neuneinhalb Knoten. Leider Richtung Biskaya. „Hmm. Etwas verschätzt. Sehen wir es als Übung für den Schlag von Horta nach Faro. Was meint ihr?“ Mein breites Grinsen kommt nicht so richtig überzeugend an. Wir bauen alles wieder ab. Dann setzt sich bei mir ein Blues ab. Ocean Blues. Für 20 Minuten schaue ich auf’s Wasser und will einfach nicht mehr. Keine blaues Wasser, kein Horizont, keine Mitsegler, kein Schiff, keine blauen Himmel, keine Segel… Für 20 Minuten verliere ich die Orientierung in meinem Leben. I ch kenne diese Zustände. Passiert einfach mal zwischendurch, meist mit Schlafmangel und Überreizung vermischt, meist wenn der nächste Hafen naht aber doch noch schier unerreichbar weit weg ist. Noch 335sm bis zum Rotwein Anlegeglas auf Horta.

 

Moin, Moin von der MARLIN

Zehnter Tag auf See

Ich bin Ralf, Crewmitglied beim MARLIN Segeltörn „Havanna – Horta“. Was braucht ein echter Hamburger Jung für eine angenehme Atlantiküberquerung? Richtig: ein St. Pauli Kopfkissen und ein Astra. Mit der Flasche Astra ist es schwierig auf dem Atlantik. Darum habe ich einen „ORIGINAL ASTRA TOTSCHLÄGER“ dabei. Der sorgt dafür, dass es keine Fliegen an Bord gibt. Zum Tagesablauf: Schlafen, Wache, Essen, Schlafen, Essen, Dösen und dann wieder von vorne. Voll entspannend. Während der Wache schaue ich stundenlang auf das Meer und zu den Wolken. Diese Unendlichkeit ist magisch. Die Gedanken kommen und gehen ohne dass man sagen kann, worüber man nachgedacht hat. Manchmal fallen mir alte Seemannslieder ein, z.B. „Wir lagen vor Madagaskar.“ Nun, wir haben hier nicht die Pest, keiner geht über Bord und damit wir kein faules Wasser bekommen haben wir Erika und Moses. Erika ist unser Generator, sehr sensibel. Man muss sie streicheln und ihr gut zureden, dann s chnurrt sie wie eine Katze. Sie liefert Strom für Moses, unseren Wassermacher. Er ist sehr zuverlässig. Dann ist noch Johann da, unser Yanmar Motor. Gibt man ihm genug Kühlwasser und Diesel ist er zufrieden und tut seinen Dienst. Sehr wichtig ist das Essen. Das können sie alle richtig gut. Was die in der Kombüse zaubern ist der Hammer. Eigentlich wollte ich etwas abnehmen, aber das kann ich bei dem Essen knicken. Da hier keiner mein Dosen-Ravioli mag, hab ich die Backschaft und das Kaffeekochen übernommen. Noch ein paar Worte zur MARLIN und dem Skipper. Die MARLIN ist ein tolles Schiff, sehr sicher, zuverlässig und auch bei wenig Wind sehr schnell. Haben ja gerade den französischen Katamaran AMUSE versägt. Michael ist ein Skipper der klaren Worte, ein Vollprofi, der uns die Sicherheit für diesen Törn gibt. Er weiß immer genau, was getan werden muss. Vor jedem Manöver gibt es ein Briefing, wobei er jedem sagt, was zu tun ist. Steht er am Ruder, kommen seine Komm andos ruhig und präzise. Ich könnte noch viel mehr schreiben, aber die Pflicht ruft. Ich muss Geschirr spülen und der Skipper ruft nach Kaffee. Vielleicht hat ja jemand Lust auf einen schönen, außergewöhnlichen Segeltörn mit der MARLIN bekommen, dann meldet Euch bei Michael, er wird sich freuen, Euch an Bord begrüßen zu dürfen. Seemannsgrüße Ralf.

 

Der Himmel über der MARLIN

Neunter Tag auf See

Wetter is ja nu auf’m Kutter immer gern gesehen. Die Möglichkeiten sind weitläufig bekannt. Die zuverlässigste Methode ist dabei aus’m Fenster zu schauen. Wir treiben da auf See noch ein bisschen mehr Aufwand. Über Kurzwellenradio, PACTOR Modem und Satellit empfangen wir sogenannte GRIB Daten. Das ist ja nu inzwischen auch schon weitläufig bekannt und mit Internet, bevor man lossegelt, für drei Tage schon Recht zuverlässig. Geht also auch übers Smartphone. Leider aber nur im Hafen. Wir machen das eben auch auf See.

Satellitenaufnahme und Meterologische Bodendruckkarten: Da kommen wir dann in den Bereich, wo es zumindest für mich aber erst richtig interessant wird. Ich will nämlich nicht nur das Wetter für drei Tage wissen, wenn ich lossegel, sondern auch die Großwetterlage. Diese ändert sich jeden Tag, nicht drastisch, aber eben konsequent permanent. Daher ist es praktisch den Himmel über sich zu kennen. Bestenfalls aus dem Blickwinkel des GOES Satelliten, der nicht nur das Wolkenbild über der MARLIN sieht, sondern über dem gesamten Nordatlantik. Diese drei Bilder kann man nun mit dem LunaMiniPC jeweils im Paar übereinanderlegen und bekommt so einen perfekten Überblick über das Wetter in den nächsten X-Tagen mit der Berechnung unserer zukünftigen Position und der zu erwartenden Windverhältnisse im 3 Stunden Rhythmus. Die Genauigkeit sinkt dabei ab Tag 4 drastisch ab. Macht aber nix, weil wir ja jeden Tag unsere Berechnung erneuern. So können wir immer mindestens vier T age in die Zukunft blicken und wissen somit ziemlich genau, dass wir erst am Samstag in Horta auftauchen werden und vorher noch ein Front abbekommen. Also wieder Socken und Ölzeug an. Gut das es LUNATRONIC gibt. Da kann man solche Systeme, Beratung, Training und Meer käuflich erwerben.

 

Bergfest

Achter Tag auf See

Weg ist der Wind. Azorenhoch. Nicht ganz die Augsburger Puppenkistensee aber fast. Blauer Himmel und Johann schiebt. Schön ist das. Wir waschen Wäsche. Wir waschen uns. Hana rasiert Micha die Haare ab und wir trinken Mittags Rotwein, essen Tortilla und spanisches Huhn. Schön ist das. Der Klassiker. Bergfest. Wir haben die Hälfte der Strecke geschafft oder hinter uns gebracht. Ansonsten ist eigentlich nicht viel zu sagen oder passiert. Man könnte ja so viel machen, aber eigentlich, wenn es nicht grade notwendig ist, kann man es auch lassen und das Buch weiterlesen, dass man angefangen hat. Wenn der Skipper schon Bücher liest, dann hat es was.

Für den Wochenanfang ist dann noch mal ordentlich Wind angesagt. Von Hinten, wie Skipperkollege Jan nett schreibt. Der läuft jeden Tag im Hamsterrad und arbeitet an seiner Normalität, an seinem Master in der Uni. Auch nicht schlecht. Dann werde ich wohl mal die Tour Azoren – Faro selbst segeln. Hätte ich ja auch an Jan abgegeben. Jetzt muss ich allerdings sagen, würde ich die Tour nicht mehr gerne abgeben, denn aus der Chaoscrew hat sich eine Traumschiffcrew entwickelt. Alle machen ihre Aufgaben so gut, dass es wirklich eine Freude ist für sie wie für mich miteinander zu segeln. Ganz ehrlich, verglichen mit meinen anderen sieben Atlantiküberquerungen, wo es immer mindestens einen gab, der eher ein Kompromiss war, so ist der Soul an Bord mit Helen, Hana, Ralf und Stephan eine Freude sondergleichen. Auch wenn Stephan und Ralf in Horta ausgewechselt werden, ich glaube das bleibt so.

Meine Körpergefühl ist ebenfalls weiter gutstimmig. Ja. Ich freue mich im Juni nach Flensburg zu kommen, meine Kinder zu nehmen und mit ihnen in den Sommerurlaub zu starten. Wir haben entschieden aus einer schnellen Flugbewegung eine langsame Autobewegung mit vielen Stops zu machen um die MARLIN zu erreichen. Es verspricht, ja ich hoffe, es wird ein ganz normaler Familien-Sommer zu werden. Keep Finger crossed.

 

Gegenwind

Siebter Tag auf See

Wir nehmen aber auch alles mit. Die Französische AMUSE taucht immer mal wieder auf. Ein kleines Katz und Maus Spiel. „Skipper. Da ist eine große schwarze Wolke.“ Stephan weckt mich mit einer meiner Lieblingsbegründungen. „Is klar.“ Trotzdem ziehe ich meine Musto Klamotten an, Socken!, Segelstiefel und sehe aus wie ein Monster. Da legt sich die MARLIN auch schon auf die Seite und es fängt an widerlich zu regnen. Ich hatte das ja schon in der Wetterprognose gesehen und schon gestern habe ich die Socken rausgeholt. Nach vier Monaten und 20 Tagen wieder Socken anziehen. Was für ein Gefühl. Es ist wie immer. Auf der Hälfte des Weges über den Teich trifft einen das Azorenhoch. Uns nun erst einmal mit Gegenwind. Die Segel werden kleiner und wir fallen ab. Irgendwann können wir segeln. „Die AMUSE ist wieder hinter uns!“, Ralf steht in der Tür. Ich glaub es ja nicht und schaue mir die Bescherung auf dem Bordrechner an. Klare Sache. Die AMUSE ist 11 Meilen hin ter uns und bewegt sich mit 5,5 Knoten fast auf unserem Kurs. „Nein. Wir segeln.“ Ich frage auf Funk mal nach ob unsere Freunde denn nun Motoren. „Was habt ihr denn für ein Schiff?“ „Eine 460er Outremer“ Mir fehlen die Worte. Den AIS Kurs des Cat’s würde ich eher einer X-Yacht zumuten, als einem Zweirümpfer, so am Wind müssen die französischen Kollegen arbeiten und dabei fast sechs Knoten erreichen. „O.K. Impressive!“ Ich verabschiede mich auf Funk. Na. Ob ich das glauben soll?

Wir segeln Richtung SE. MARLIN ist ja nun mit ihrem gemäßigten Langkiel nicht die beste am Wind. Für mich ist das o.k. Ich kann mich noch an die IRON LADY erinnern. Mit der Regenwolke von heute morgen hat sich alles geändert. Statt tropischer Temperaturen hat uns Europa empfangen. 20 Grad Aussentemperatur. Der Skipper holt seine Funktionsunterwäsche für die Nacht und die Socken für den Tag heraus. Na wenigstens die Handschuhe bleiben uns erst einmal erspart. Heute soll es Wind aus Ost haben und Morgen sollen wir einen Tag mit dem Motor durch das Zentrum vom Hoch. Das war quasi zu erwarten und ich bin froh wenn die Bewegung des Hochs von Nord nach Süd prognostiziert ist und nicht mit uns im Kern Richtung Horta.

Zum Abend hin haben wir wieder die AMUSE im Kielwasser. Die Segeln wieder etwas höher am Wind als wir und genau die gleiche Geschwindigkeit. Ich rufe nicht wieder an. „Wenn eine Outremer wirklich so hoch am Wind segeln kann, verkaufe ich die MARLIN und schaffe mir so ein Schiff an.“ Wir zupfen an unserer Fock. Hier ein bisschen, da ein bisschen. Langsam folgen uns die Franzosen. Ein Schiff = Segeln. Zwei Schiffe = Regatta. Bei uns gibt es Abendessen und danach fragt mich Helen: „Können wir für die Backschaft weniger schräg?“ Ich habe ein Einsehen. Segeldruck raus, Schräglage weg. Wir laufen immer noch fünf Knoten. Da passieren seltsame Sachen auf dem AIS. Plötzlich wir die AMUSE langsamer. Vier Knoten und der Kurs fällt deutlich ab. „Die haben ihren Motor ausgemacht. Is doch klar.“ Ralf lacht sich scheckig. „Die haben Dich am Funk verarscht. Jetzt machen die sich bettfertig und wollen keinen Krach mehr.“ Ich nicke. Ja. Sehe ich auch so.

Morgen ist Bergfest

 

Fünf Mimosen auf See

Sechster Tag auf See

Das mit dem Fischen hat auch direkt geklappt. Stephan hatte einen mindestens 22kg Yellowfin an der Angel. So groß, dass ich sogar die Genua mit der Elektrowinsch reingeholt habe und beigedreht habe. Dann war er aber wieder los der Yellowfin …oder das Büschel Seegras. Die Wahrheit werden wir nie erfahren. So spielen wir bei angenehmen Rückenwind Phase 10 im Pilothaus und lassen es uns gutgehen. Frisches MARLIN Wasser aus der Kühlung tut seine Wirkung. Der Abend wird spät und Stephan gewinnt der ersten Preis: Er darf alle Fenster der MARLIN von Innen und Aussen putzen. Herzlichen Glückwunsch Stephan. Schon eine tolle Erfahrung, dass man auch ohne Alkohol so viel und dauerhaft Spaß haben kann. Die Crew ist komplett schlagfertig in allen Lebenslagen. Alle teilen verbal gerne aus und alle können auch gut einstecken. Teils kommt es auch mal zu Missverständnissen, natürlich grade beim Phase 10 spielen. Deshalb haben wir uns umbenannt. Die Fünf Mimosen von der MARLIN. Nein. Alles gut. Wir verstehen uns bestens. Weit besser als geplant!

Nachdem Christian weg war, gab es natürlich ein richtiges Problem mit der Wachaufteilung. Da bin ich ja kreativ. Wir segeln unsere Wachen jetzt nach Farben. Der Skipper ist immer blau! Eigentlich ja sowieso 24/7, auf Wache, möchte aber auch mit jedem mal eine Wache zu zweit schieben. Die CREW wechselt alle drei Tage ihre Farbe. Das ist das Motto und es wird angenommen. Bis jetzt hat’s super geklappt. Heute ist der erste Farbwechsel. Mal schauen wie das klappt. Auf jeden Fall ein Experiment dessen Ausgang für die Zukunft interessant ist und adaptierbar auf andere CREW’s. Ich werde berichten.

Wir stecken weit südlich einen Sturmtiefs das von Neufundland direkt über unsere Köpfe nach Osten hinwegbraust. Es brettert der Wind mit 25-28 kn von raumshots aus West und wir sind die Flying Dutchman, fliegen knapp über der Wasseroberfläche in Spitzen mit 10 Knoten. Haben wir es eilig? Ralf sitzt draussen und darf frei entscheiden, ob er mal wieder einen Meter Genaua rausgibt oder dann doch Angst bekommt und wieder refft. Hana kennt das alles noch nicht so genau und geniest einfach den Wind um die Nase. Ihr ist vollkommen unklar wieviel Wind viel Wind ist. Der Vorteil des Segelanfängers. Manchmal beneidenswert. Der Wind wird in den nächsten 12 Stunden ordentlich drehen und am Ende gibt es ordentlich auf die Nase. Westwind. Gegenwind. Es bleibt also spannend. Noch 1.158 nm ToGo!

 

MARLINv beat the French Cat

Fünfter Tag auf See

La Caracola. Mir ist die MARLIN viel zu langsam. Kein Wind für uns. Seit 2 Tagen dümpeln wir mit fünf bis sechs Knoten bei Vollzeug in der Atlantikdünung. Ich bekomme schon Druckstellen vom Rumsitzen. Zehn Knoten Wind, manchmal 14 Knoten Wind, schlagende Segel. Oha! Ich bekomme die Krätze. Da freu ich mich fast schon auf das Hoch am Wochenende, dass für einen Tag drehende Headwinds bringen soll. Dann durchs Hoch. Da kann man dann Wäsche waschen.

Da erscheint ein Opfer auf dem AIS. Scheint wohl eine Lagoon zu sein. MARLIN zieht unter Vollzeug und elegant mit sieben Knoten an dem Genacker getakelten Zweirümpfer vorbei. Das französisch geflaggte Boot meldet sich per Funk. „You look pretty good with your wings“, kommt aus dem Lautsprecher. Wir unterhalten uns auf Englisch, der Franzose mit britischem Akzent. Da scheint plötzlich der Skipper der Lagoon wach geworden zu sein und ergreift das Mikrofon: „We are a French boat and speak French!“ Hmm. Hallooooo? Ok. Der Nette mit dem britischen Akzent darf auch noch mal. „We will see each other in Horta!“ Nun ja. Welcher Zweirümpfer wird schon gerne von nem Mono überholt? Meine CREW 45 hat Grund zu lachen. Gut das es so ist und nicht anders herum.

Mit dem Wind von hinten segeln wir aufrecht. O.K. Manchmal kommt eine größere Welle und wir geigen etwas ein, trotzdem stelle ich mich in die Küche, hacke die gefrorenen Hühnerbeine mit Hammer und Messer spanisch in 2cm lange Teile und mache ein echtes Thai Curry a la O, der Thailändischen Köchin auf der LA CARDINALA, die mir das gezeigt hat. Die Tricks sind gar nicht schwierig, man muss sie eben einfach nur kennen. Green Curry ist eben nicht Green Curry. Das schmeckt auch meine CREW 45. „Oh. Ahh. Puuh. Hot!“, so legen sie los. Dann Schweigen. Dann rennt der erste runter und holt Servietten wegen der Schweißperlen auf der Stirn. „Ist lecker. Aber scharf. Darf ich mal das Wasser?“ Es bleiben nur zwei Löffel über. Die nehme ich. „Is übrigens noch Krautsalat da.“

Für die Nacht gehen wir auf stb Bug. Den Spibaum lassen wir stehen, fahren eine Q-Wende. Schwupps ist meine Koje auf Lee und ich kugel da nicht mehr raus. So war das gedacht. Der Wind schläft mal wieder ein und statt rumzugeigen, haben wir Druck im Segel und Ruhe im Schiff. Also alles gar nicht so schlecht. Nur unser Etmal macht mir Sorgen. Am 24ten werden wir definitiv nicht ankommen. Dumm gelaufen, wo ich am 25.5 meinen Frei-Tag habe. Mist. Kackeverdammtealte.

Heute gibt es schon wieder Huhn. Gehackt. Ich hab noch fast frischen Koriander, Kartoffeln. Nun also Masala. Indischer Masala. Hmm. Der Freezer wird leerer. Könnte man mal mit dem Fischen anfangen.