Archiv der Kategorie: SY Marlin

Freier Fall ins karibische Abenteuer

{Time:22:22:00}
{Date:20190107}
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{Photo:20190107}
{Title:Freier Fall ins karibische Abenteuer}

Totenstille im Blog. Warum das?

Passiert etwa nichts bei uns an Bord der MARLIN? Oh doch. Es passiert. Wir sind über Mayreau in die Tobago Keys gesegelt. Das Leben geht jetzt Unterwasser und Überwasser weiter. Es passiert so viel, dass ich mit dem berichten gar nicht mehr hinterherkomme. Nun. Ich muss zugeben, dass liegt auch sicherlich daran, dass hier eben traumhafte Bedingungen zum Kiten sind und meine tolle CREW 50 dies auch so sieht und mich nach der anstrengenden Atlantiküberquerung auch lässt. Na. Da kann der Blog auch mal etwas in den Hintergrund treten. Meine CREW schaut sich die Karibik besonders aus der Unterwasserperspektive an. Schildkröten, Rochen, Aussenriff, Leguane an Land. Wir essen den besten Lobster in der Karibik bei Mandyman in den Tobago Keys und lassen es uns so richtig gut gehen. Ein wahrhaft eindrucksvoller Abschluß dieses Törns.


Mitsegeln auf der MARLIN!

CREW 52 Martinique – Antigua 02.03.2019 – 14.03.2019
CREW 53 Antigua – Martinique 23.03.2019 – 04.04.2019
CREW 54 Martinique – Grenada 06.04.2019 – 18.04.2019
CREW 55 Grenada – Antigua 27.04.2019 – 09.05.2019
CREW 56 Antigua – Bermudas 11.05.2019 – 23.05.2019
CREW 57 Bermudas – Azoren 01.06.2019 – 20.06.2019

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Landfall in heavens

{Time:22:22:00}
{Date:20190102}
{Position:13°00.0559’N, 061°14.7284’W}
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{Title:Landfall in heavens}

Die perfekte Atlantiküberquerung

Ich kann es nicht anders sagen. Das war die perfekte Atlantiküberquerung. Tolle Crew, perfektes Wetter, schnelles komfortables Segeln und wir haben am letzten Tag immer noch Thunfisch gegessen, acht Zitronen, sieben Karotten, drei Kohl, siebzehn Paprika, vierundachtzig Kartoffeln, zwanzig Tomaten, einen Kürbis, fünf Zucchinis und eine Palette Eier sind noch übrig. Also. Wir waren wirklich schnell. Der neue Zwischenboden im Gefrierschrank hat sich bewährt. Wir haben den Motor genau eine Stunde genutzt. Eine halbe Stunde um von den Kapverden loszusegeln und eine halbe Stunde um in Bequia anzukommen. Viel gearbeitet hat Generator Arnold mit insgesamt 78 Stunden und Wassermacher Moses mit 20 Stunden. Wir haben also 2.400 Liter Süßwasser verbraucht. Upps. Da stimmt was nicht. Wer hat am meisten gearbeitet? Gustav, der Autopilot hat am meisten gearbeitet. Dreizehn Tage und sieben Stunden hat der arme Kerl fast ununterbrochen die MARLIN gesteuert. Ganz selten hat mal ein Wal oder sonstiger Großfisch mit einem Schwanzschlag gegen unser Ruder, Johann aus dem Takt gebracht. Gar nicht auszudenken, was wäre wenn Gustav mal ausgefallen wäre. Zwei Antriebe haben wir ja eh an Bord, Jefa und Lecomble, es ist wirklich zu überlegen ob eine redundante Elektronik zum Raymarine S3G SmartPilot nicht von Sinn wäre in Bezug auf die neuen Expeditionspläne der MARLIN für 2020. Ich denke da so an NKE oder B&G H5000. Aber das ist Schnee von Morgen.

Jetzt feiern wir erst einmal das Harald direkt einen neuen Job in Bequia gefunden hat. „Schau mal. Ein Medical Center!“ Harald stolziert direkt in die angegliederte Kunstgalerie, die von der französischen Catrine geführt wird. Jean-Harald, ihr Ex ist leider abhanden gekommen und sie ist dringend auf der Suche nach einem Nachfolger für die Arztpraxis. Die beiden verstehen sich auf Anhieb und Harald wird ab dem ersten Februar seinen Dienst in Bequia antreten. Ein bisschen neidisch bin ich schon, dass Harald mal so eben die bildhübsche Amazonin Catrin im Sturm erobert hat (Nee nur Spass). So etwas gibt es eben nur, wenn man mit der MARLIN auf Abenteuer-Fahrt unterwegs ist.


Mitsegeln auf der MARLIN!

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CREW 53 Antigua – Martinique 23.03.2019 – 04.04.2019
CREW 54 Martinique – Grenada 06.04.2019 – 18.04.2019
CREW 55 Grenada – Antigua 27.04.2019 – 09.05.2019
CREW 56 Antigua – Bermudas 11.05.2019 – 23.05.2019
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Landfall in heavens

{Time:22:22:00}
{Date:20190102}
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{Title:Landfall in heavens}

Die perfekte Atlantiküberquerung

Ich kann es nicht anders sagen. Das war die perfekte Atlantiküberquerung. Tolle Crew, perfektes Wetter, schnelles komfortables Segeln und wir haben am letzten Tag immer noch Thunfisch gegessen, acht Zitronen, sieben Karotten, drei Kohl, siebzehn Paprika, vierundachtzig Kartoffeln, zwanzig Tomaten, einen Kürbis, fünf Zucchinis und eine Palette Eier sind noch übrig. Also. Wir waren wirklich schnell. Der neue Zwischenboden im Gefrierschrank hat sich bewährt. Wir haben den Motor genau eine Stunde genutzt. Eine halbe Stunde um von den Kapverden loszusegeln und eine halbe Stunde um in Bequia anzukommen. der MARLIN. Viel gearbeitet hat Generator Arnold gearbeitet mit 78 Stunden und Wassermacher Moses mit 20 Stunden. Wir haben also 2.400 Liter Süßwasser verbraucht. Upps. Da stimmt was nicht. Wer hat am meisten gearbeitet? Gustav, der Autopilot hat am meisten gearbeitet. Dreizehn Tage und sieben Stunden hat der arme Kerl fast ununterbrochen die MARLIN gesteuert. Ganz selten hat mal ein Wal oder sonstiger Großfisch mit einem Schwanzschlag gegen unser Ruder, Johann aus dem Takt gebracht. Gar nicht auszudenken, was wäre wenn Gustav mal ausgefallen wäre. Zwei Antriebe haben wir ja eh an Bord, Jefa und Lecomble, es ist wirklich zu überlegen ob eine redundante Elektronik zum Raymarine S3G SmartPilot nicht von Sinn wäre in Bezug auf die neuen Expeditionspläne der MARLIN für 2020. Ich denke da so an NKE oder B&G H5000. Aber das ist Schnee von Morgen.

Jetzt feiern wir erst einmal das Harald direkt einen neuen Job in Bequia gefunden hat. „Schau mal. Ein Medical Center!“ Harald stolziert direkt in die angegliederte Kunstgalerie, die von der französischen Catrine geführt wird. Jean-Harald, ihr Ex ist leider abhanden gekommen und sie ist dringend auf der Suche nach einem Nachfolger für die Arztpraxis. Die beiden verstehen sich auf Anhieb und Harald wird ab dem ersten Februar seinen Dienst in Bequia antreten. Ein bisschen neidisch bin ich schon, dass Harald mal so eben die bildhübsche Amazonin Catrin im Sturm erobert hat. So etwas gibt es eben nur, wenn man mit der MARLIN auf Abenteuer-Fahrt unterwegs ist.


Mitsegeln auf der MARLIN!

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Happy New Year from the middle of the ocean

{Time:14:40:00}
{Date:20190101}
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{Title:Happy New Year from the middle of the ocean}

Durch die Mitte

Ich glaube, es war mein erstes Sylvester wirklich während einer Passage auf See. Jeder bekommt eine abgelaufene Fallschirmrakete in die Hand gedrückt. Training on the job. Auf dem AIS ist kein anderes Schiff zu sehen und Punkt 00:00 Bordzeit, die noch Kapverdenzeit ist, gehen fünf Sylvestergrüße in den Himmel über der MARLIN. Hatte ich mir ehrlich etwas imposanter vorgestellt, so für den Notfall. Ich glaube ein AIS Notsender ist da wirklich wirkungsvoller, wenn ein Frachtschiff an der Rettungsinsel vorbeifährt. Mit einer Flasche Champagner rutschen wir ins neue Jahr auf der anderen Seite des Atlantiks.

Der Passatwind ist uns wirklich sehr treu diesmal. So habe ich das noch nie erlebt. Seit der Abfahrt von Mindelo haben wir fast permanent 20-28 kn Wind aus NE mit Passatbewölkung und werden quasi über den Atlantik gebeamt. Jetzt stehen wir fast genau 90 Meilen vor Barbados und 200 Meilen vor unserem Landfall auf Union Islands. Es ist heiß geworden. 28° zeigt das Aussenthermometer. Stimmung an Bord: Sehr entspannt. Keiner sagt es, aber irgendwie wollen alle ankommen. Land sehen, riechen, fühlen, erreichen, begehen… Mir hat der Alkohol gestern nicht gut getan. Nicht mehr meine Droge. Brauche ich nicht mehr wirklich. Womit wir beim Thema wären. Was nehme ich mir vor für das neue Jahr. Macht man doch so. Oder? Was machst Du? Aufhören zu rauchen? Abnehmen? Weniger Zeit am Smartphone? Oder das Gegenteil. Mehr Leben. Mehr Liebe. Mehr Segeln. Mehr Zeit für meine Kinder? Noch mehr Kiten? Ich mache eine Not-ToDo Erinnerungsliste in meiner Cloud. Das ist mein persönlicher Vorsatz.

Ich wünsche allen Lesern, Mitseglern ob nur virtuell oder real allen Verwandten und Bekannten, allen Freunden, meiner Familie, meinen Lieben, ein wunderschönes frohes neues Jahr und vor allen Dingen Gesundheit, Glück und Gelassenheit. Hoffen wir das es ein Jahr der positiven Veränderungen wird. Für MARLIN hoffe ich auf gute Winde und nette Mitsegler in 2019, wenig Schäden. Wird schon werden. Bin da bester Dinge.


Mitsegeln auf der MARLIN!

CREW 52 Martinique – Antigua 02.03.2019 – 14.03.2019
CREW 53 Antigua – Martinique 23.03.2019 – 04.04.2019
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Paul ist weg

{Time:16:50:00}
{Date:20181230}
{Position:14°12.080’N, 053°00.1990’W}
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{Place:Atlantico} 
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{Photo:20181230}
{Title:Paul ist weg}

Einfach über Bord gefallen

Paul, unserer treuer Mitsegler. Wir kennen ihn als beständigen Begleiter der immer da ist und keine Reden schwingt. Er ist eher der stille Begleiter, der Buddy an der deiner Seite bei dem man froh ist, wenn er einfach nur da ist. Er strahlt eine angenehme Ruhe aus und scheint immer Herr der Lage zu sein. Aber gerade heute ist es dann passiert. Er ist plötzlich nicht mehr an seinem Platz. Keiner hat gesehen was passiert ist und Lena wußte nur, dass er gerade eben mal kurz an die Reling pinkeln wollte. Das Wetter ist einfach wunderbar, blauer Himmel herrlich warm und in der Sonne schon fast zu heiß. Der Wind der uns die Nacht so gebeutelt hat und uns in den Kojen hat hin und herfliegen lassen ist auf 20 Knoten zurück und das Segeln ist wieder elegant sanft und ein dahin schweben zwischen dem Blau des Himmels und des Ozeans. Die Wellen wiegen uns sanft von rechts nach links in einem Rhythmus, der uns allen schon richtig in Fleisch und Blut übergegangen ist. Paul kennt diesen Rhythmus auch. Eigentlich kennt er ihn besser als alle von uns und so machen wir uns auch keine Sorgen, wenn er mal kurz an die Reling geht. Er ist da ja auch eigentlich immer. Aber mit der einen Welle, die quer kam, hat er nicht gerechnet. Sie hat ihn aus dem Gleichgewicht gehoben. Mit der einen Hand zur Sicherung an dem Aufbau konnte er sich auch nicht mehr halten.

Große Aufregung und erst einmal Verwirrung. Erst konnte Gerd ihn noch sehen, doch die Wellen haben ihn schnell aus dem Sichtfeld herausgetragen. Dann lief alles schnell und für alle gar nicht routiniert ab. Rettungswesten an, Genuaschot aus der Baumnock ziehen, Bullenstander lösen und Q-wende fahren und Ausschau halten. Die MOB Taste hatte der Micha am Ruder sofort gedrückt und so war die letzte Position bekannt. Dennoch war Paul nirgends zu sehen. So viel Zeit ist schon vergangen. Wo ist er nur. Zum Glück für ihn kann er sehr gut schwimmen. Hätte er doch eine Schwimmweste angehabt. Hätte er doch nur, dann wäre es ja ein Einfaches dem AIS Signal entgegen zu fahren. Aber nein, einfach mal so an die Reling zum Pinkeln gehen und Schwups, das war´s und weg ist er. Zumindest ist seine Blase leer, aber wem ist damit geholfen? Einige große Seglerleben haben so ein überraschendes Ende gefunden und so manch verlassene Segelyacht treibt führerlos auf den Weltmeeren. Wir geben Paul nicht auf und berechnen in welche Richtung der Strom und der Wind ihn abgetrieben hat und suchen verzweifelt weiter. Wir wollen unseren Mitsegler unter gar keinen Umständen aufgeben.

Nach einer gefühlten Ewigkeit sichtet ihn Andreas in der erwarteten Richtung am Horizont. Immer wieder taucht er aus den Wellentäler auf und leuchtet uns hell orange den Weg zur Rettung. Der erste Anlauf unter Segeln misslingt bei 3 Meter Welle und Wind, der ihn schnell vertreibt. Dem Bootshaken fehlte schlicht und einfach die dritte ausfahrbare Verlängerung. Motor an und rum im Schwung. Jetzt kommen wir näher und können Paul entkräftet und gut gelaunt aus dem Wasser ziehen. Bei 26 °C Wassertemperatur lief er auch nicht Gefahr zu unterkühlen. Was wäre aber bei unter 10°C? Wir wollen uns das gar nicht ausmalen und feiern einfach nur seine Rettung. Er verspricht auch hoch und heilig nie und nimmer wieder an der Reling zu pinkeln. Er wird wie alle von uns immer nur noch auf das wackelige Klo gehen. Er wird sich immer wie jeder von uns nur mit angelegter Schwimmweste eingepickt und gesichert außerhalb des Cockpits bewegen.

Soweit die Theorie. Jetzt hängt Paul unser knalloranger Rettungsring wieder an der Reling und wartet auf seinen nächsten großen Auftritt, der ganz bestimmt wieder aus dem Nichts kommt. Ich sehe wie er mir kurz zuzwinkert und weiß, er wird uns wieder überraschen, wenn wir am wenigsten damit rechnen?


Mitsegeln auf der MARLIN!

CREW 52 Martinique – Antigua 02.03.2019 – 14.03.2019
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Kirmes-Krake MARLIN

{Time:18:00:00}
{Date:20181229}
{Position:13°59.8660’N, 050°05.5140’W}
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{Target:Union Islands}
{Temp Air/Pressure:1015/28°C}
{TempWater:26,0°}
{Wind:22kn/ENE}
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{Photo:20181229}
{Title:Kirmes-Krake MARLIN }

Wie wir lernten das oben nicht gleich oben ist

Sollte es wirklich ein entfernt seemännisches Thema geben, zu dem Skipper Michael nichts schreiben kann? Der Mann, der alles weiß, alle schon Mal gesehen hat und sein Boot kennt wie kein Zweiter? Vielleicht. Deswegen heute: Schiffsbewegungen, ein Gastbeitrag. Denn ich denke manchmal, dass es hier schwankt und schaukelt, dass merkt Micha nicht mal mehr. Zu sehr ist er auf allen Ebenen, körperlich, seelisch, überhaupt mit der Marlin verwachsen, so sehr ist er eins geworden mit diesem Koloss aus 30 Tonnen Stahl, den er regelmäßig liebevoll küsst und tätschelt. Seebeine halt, auf tausenden von Meilen hart erarbeitet. Es schwankt? Wo?

Hi! Ich bin Lena und ich schreibe dies gerade mit einem Bein im 90 Grad Winkel an die Sitzeckenrückwand gepresst, damit es mich nicht im wahrsten Sinne des Wortes vom Hocker haut, hier in der Navigationsecke. Elegant geht anders. Und ja, es schwankt, und zwar gewaltig, und das schon seit Tagen. Das letzte Mal geschlafen, so richtig geschlafen, habe ich an Weihnachten, da ruhte sie noch still und klar, die See (auch wenn es im Lied wohl eher um DEN See ging). Mittlerweile haben wir konstant mindestens 25 Knoten Wind und eine ordentliche Welle, die auf den Weiten des Atlantiks viiiieeel Zeit hatte, sich schön aufzubauen. Und so tanzen wir hier Tag für Tag unseren seltsamen Stoptanz: wer den richtigen Moment der Schiffsbewegung abwartet, kann im besten Fall die Fliehkräfte für sich nutzen und fast elfengleich aus der Koje gehoben werden (gerade vor der Frühwache ein entscheidender Move). Wer den Moment verpasst … der bewegt sich entweder gar nicht oder … rumms! Aua! Es gibt kaum etwas Erniedrigerendes, als morgens um 5.30 Uhr total verschlafen zu versuchen, ein Bein im richtigen Moment in die Sternchen-Jogginghose zu stecken, nur um dann einbeinig und im Dunkeln mit einem erbarmungslosen „KLONK“ Kopf voran an die Kabinenwand geschleudert zu werden. Und ja, „schleudern“ habe ich sehr bewusst gewählt – denn, Mann, hier sind Kräfte am Werk. Ich bin ziemlich sicher, dass die Redewendung „mit der Tür in’s Haus fallen“ irgendwann im letzten Jahrhundert eigentlich auf einem Segelschiff entstanden ist.

Im Pilothaus sind Griffe an der Decke, da kann man den Primaten machen und sich einigermaßen sicher von a nach b hangeln. Handläufe helfen an den meisten Stellen unter Deck – obwohl es auch hier Aussetzer gibt, wie Mitsegler Harald berichten kann, der sich bei besonders starker Krängung mit der Griffleiste am Spülbecken angelegt hat. Harald: 1, vernagelte Holzleiste: 0. „Scheiß Schwerkraft“ murmelt Micha und ordert einen Schnaps für alle (eine Seltenheit und absolute Ausnahme, sind wir doch eigentlich alkoholfrei unterwegs. Warum auch Alkohol trinken, wenn man sich eh die ganze Zeit wie ein Betrunkener fortbewegt?) Ohne Griffe wird es schwieriger – in der Dusche zum Beispiel. Bewährt hat sich hier, was wir liebevoll als „den Sumo“ beschreiben können: breitbeinig und mit leicht angebeugten Knien den gesamten Rücken an die Kabine pressen, um die Hände wenigsten kurz zum waschen frei zu haben. Ich bin jedes Mal froh, dass es an Board tendenziell keine vollverspiegelten Bäder gibt, sondern nur einen einzigen mickrigen Kosmetikspiegel. Platz für Eitelkeiten ist halt nicht, wenn jede einzelne Bewegung geplant und sorgsam ausgeführt werden will. Dass Andreas sich in der Karibik (Rum! Weiße Strände! Frisches Essen!) am meisten auf „ein Klo, das nicht wackelt“ freut … das lassen wir dann einfach Mal so stehen.

Leben unter erschwerten Bedingungen – schlafen, essen, anziehen, besonders kochen (mit heißem Fett und kochendem Wasser und offener Flamme) – alles ist mühsamer, dauert länger und hat in den Haltungsnoten durchaus noch Luft nach oben. Gerd’s Theorie, dass der Spezies „Segler“ (lateinischen Namen weiß ich gerade nicht) in ein paar Millionen Jahren Evolution sicherlich ein dritter Arm wächst klingt erstmal plausibel. Mir würde es aktuell schon reichen, wenn sich in einer Rückwärts-Entwicklung unser verkümmertes Steißbein wie bei den Dinos wieder in eine Art menschliches Stützrad verwandelt.

Not gonna lie – die durchaus wilden Bewegungen der Marlin machen mich ein bisschen mürbe. Die Welle macht Ihr Ding und hat keinerlei Absicht, demnächst damit aufzuhören. Die Naturgewalt ist so erbarmungslos und unsere Reise so lang, dass man besser gar nicht erst damit anfängt, mit ihr zu hadern. Augen zu und durch – auch das eine Lektion des Atlantiks. Während ich viele Dinge aus der Ferne und in der Vorbereitung sicherlich überschätzt habe (3 Meter hohe Wellen z.B. sind in Wirklichkeit überhaupt nicht scary) … die konstante Schiffsbewegung habe ich definitiv unterschätzt. Wir praktizieren also yogische Gelassenheit – können wir nicht ändern, nehmen wir es also hin. Nützt ja nix, wie der Hamburger sagen würde.

Wer mit dem Gedanken spielt, ebenfalls einen längeren Törn zu versuchen: ich schlage als Vorbereitung diese Übung vor: örtlichen Jahrmarkt aufsuchen, Karussell finden, das oft „Breakdancer“ oder ähnlich heißt (entscheidend sind hier mehrere aufeinander aufbauende, kugelgelagerte Scheiben, die sich alle unabhängig voneinander in verschiedene Richtungen drehen, dabei aber auch vertikal und insgesamt recht ruckartig bewegt werden) und in der Fahrzelle entweder a) mit geschlossenen Augen einen BH an- und ausziehen oder b) drei mittelgroße Zwiebeln in feine Würfel schneiden. Kein Problem? Wunderbar! Sie sind wie geschaffen für eine Atlantiküberquerung. Wir, die stoptanzende Crew 50 der Marlin, wünschen allzeit gute Fahrt und immer eine Handbreit Wasser unter dem Kiel!


Mitsegeln auf der MARLIN!

CREW 52 Martinique – Antigua 02.03.2019 – 14.03.2019
CREW 53 Antigua – Martinique 23.03.2019 – 04.04.2019
CREW 54 Martinique – Grenada 06.04.2019 – 18.04.2019
CREW 55 Grenada – Antigua 27.04.2019 – 09.05.2019
CREW 56 Antigua – Bermudas 11.05.2019 – 23.05.2019
CREW 57 Bermudas – Azoren 01.06.2019 – 20.06.2019

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Lasy Skipper

{Time:19:00:00}
{Date:20181228}
{Position:14°23.3760’N, 046°51.2244’W}
{Direction/Speed:285°/ 8,5kn}
{Place:Atlantico} 
{Target:Union Islands}
{Temp Air/Pressure:1015/28°C}
{TempWater:26,0°}
{Wind:22kn/ENE}
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{Photo:20181228}
{Title:Lasy Skipper}

Endspurt

Wir erreichen die ersten Squalls. Endlich Regen. Die Salzschicht auf der MARLIN war schon recht unangenehm. Erwartungsgemäß ändert sich die Stimmung an Bord in: „Jetzt können wir langsam ankommen!“ Sehe ich auch so. in den letzten 24h haben wir 180 Meilen versegelt. 908 Meilen sind es noch, plus Versatz durch eine notwendige Halse. Am Mittwoch sollten wir Union Island erreichen. Das wären dann 12 Tage. 2001 haben Nathalie und ich für die gleiche Strecke mit der IRON LADY 21 Tage gebraucht. Oder waren es 18 Tage? Nathalie weiß es bestimmt besser als ich.

Besondere Vorkommnisse gibt es nicht. Alles läuft nach Plan und rechtens. Die Stimmung an Bord ist „Eins A+“ und einer pennt immer. So ist das. Mikrokosmos. Harald backt einen Schokokuchen. Lena liest mal eben das Wnuk/Müller eins Buch. Gerd telefoniert mit seiner Frau und der Skipper putzt das Klo, während Andy sich weiterbildet in Sachen Segeln oder auf’s Meer schaut. Alles jetzt ohne Wertung. Alle sind glücklich, alles ist gut. Meine Jubiläumscrew 50 ist perfekt. Noch perfekter segelt die MARLIN, geilonita wie immer macht sie den Weg frei in die Karibik. Wer noch nie mit der MARLIN gesegelt ist hat wirklich was verpasst in seinem Leben


Mitsegeln auf der MARLIN!

CREW 52 Martinique – Antigua 02.03.2019 – 14.03.2019
CREW 53 Antigua – Martinique 23.03.2019 – 04.04.2019
CREW 54 Martinique – Grenada 06.04.2019 – 18.04.2019
CREW 55 Grenada – Antigua 27.04.2019 – 09.05.2019
CREW 56 Antigua – Bermudas 11.05.2019 – 23.05.2019
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Bergfest

{Time:19:00:00}
{Date:20181226}
{Position:13°56.1660’N, 040°53.8344’W}
{Direction/Speed:282°/ 7,5kn}
{Place:Atlantico} 
{Target:Union Islands}
{Temp Air/Pressure:1023/28°C}
{TempWater:26,0°}
{Wind:20kn/NE}
{Wave:3m}
{Vimeo:}
{Photo:20181226}
{Title:Bergfest}

Der halbe Weg ist geschafft

Ich rufe „SALMON. SALMON. SALMON. MARLIN.“ Ich rufe Hagen, einer der wenigen Segler die noch funken. Funken ist out. Ich muss zugeben, dass ich selbst grade an einer Lösung arbeite um Whats App auf See über Satellit anzubieten. Also kann ich wohl nicht besonders gut meckern und damit enden: „Früher war alles besser!“ Meine Mitsegler haben mir ein paar YACHT Ausgaben mitgebracht, so weiß ich nun auch wieder Who is Who und Who angesagt ist. Entspannt schaue ich nach vorne auf den Salontisch, wo vor Gerds Nase grade eine Schale mit Pfirsichen über den Tisch ergießt und auf’s Sofa kullert. Ich sag nichts, was soll ich auch sagen? Es hat sich noch keiner verletzt heute, dass ist doch gut. Links von mir verliert Harald das Gleichgewicht und die Schlingerleiste vor den Spülbecken zieht den Kürzeren. Der Kaiserschmarn landet zum Teil auf dem Fußboden. Scheiß Schwerkraft. Bergfest ist heute Nacht um 12:00. Dann werden wir den Zenit unserer Reise erreichen und anfangen rückwärts die offenen 1.180 Meilen abzuzählen.

Passatwolken begleiten uns tagsüber und ich lese Tamata von Moitessier. Wenn ich schon mal lese so ist das ein gutes Zeichen. Ich lese in der Regel zwei Bücher im Jahr wenn es hoch kommt. „SALMON. SALMON. SALMON. MARLIN.“ Ein Rauschkonzert auf der 14.313 Mhz. Von Hagen höre ich nichts, aber er schickt mir SMS auf die Iridium App. Meine Tochter Lena gehört nun auch dazu. Sie ist in der Smartphone Welt angekommen und als Letzte in ihrer Schulklasse hat sie nun auch so ein Ding. Auch von ihr bekomme ich nun Herzchen und kurze Mitteilungen. Mir soll es recht sein. Ich freue mich über jede Nachricht meiner Kinder. Wer weiß wie lange sie mir noch welche schicken. Das hört ja irgendwann schlagartig auf und Eltern sind ja nun auch schnell doof oder uncool. Also genieße ich die Zeit bis dahin.

Erwartungsgemäß ist die Stimmung an Bord gut. Gerd teile ich zum Brot backen ein. MARLIN geht in den Schlingermodus mit der klaren Aussage: Jetzt will ich aber mal so langsam ankommen. Dieser Schlingermodus ist allerdings schwieriger zu schlafen, Andy schaut argwöhnisch. Mit Harald sitze ich im Motorraum und erkläre ihm die einzelnen Komponenten. Jeder der das möchte, kann mit mir in den Motorraum. Lena will auch. „Ich will vor allen Dingen wissen, wie die Entsalzungsanlage funktioniert!“ So viel Interesse hat Kristina von der YACHT nicht aufgebracht bei der Meinungsbildung. Technik die begeistert ist auch nicht jedermanns/fraus Sache. Is ja auch nicht schlimm. Jeder Jeck ist anders hat Nathalies Oma Gina immer gesagt und wo sie Recht hatte, hat sie Recht behalten.

Nebst Motorenraum schaut sich Harald aber noch ganz andere Sachen an. Quasi als Special-Weihnachtsgeschenk vom Skipper halte ich an und drehe die MARLIN bis die Segel leicht im Wind flattern. „Ein Knoten Fahrt. Harald. Dann spring mal ins Wasser. 4.900 Meter Blau unter Dir. Was Du da jetzt siehst wirst Du niemals in Deinem Leben vergessen.“ Harald ist passionierter Schwimmer und schwupps ist er gesichert an einer Leine mit Lifebelt im Wasser. Er krault gemächlich hinter der MARLIN her. „Oh. Ahh. WAU! Micha. IST DAS EIN BLAU! Komm doch auch rein.“ „Ne. Das finde ich jetzt aber nicht gut wenn der Skipper ins Wasser springt!“, erregt kommentiert Lena den Vorgang. Noch eine halbe Stunde später ist Harald aufgeregt und seine Augen funkeln vor Glück.

Ich schalte heute einen Gang runter. „Ihr werdet sehen. Ab dem Bergfest wird sich die Reise verändern!“ „Wie? Verändern?“ „Dann beginnt die Zeit, wo ihr vor allen Dingen eins wollt: ANKOMMEN!“ Bei mir ist es anders, denke ich mir. Ich will eigentlich gar nicht ankommen. Nicht, solange alles funktioniert. So lange es nur die Schlingerleiste in der Küche ist, bereitet mir das alles keine Probleme. Generator Arnold lässt mich in Ruhe. Einzig was mir beim Kontrollschnorchelgang vor der Abfahrt aufgefallen ist: Die Zinkanoden, seit vier Jahren stabil, haben ordentlich Material gelassen. Zeichen für ein elektrisches Problem. Ersatz ist schon bestellt. Gut das die MARLIN erst mal an Land kommt in zwei Wochen. Bock auf ein Alu-Knusperschiffchen hab ich ja garnicht.

Zu guter Letzt bleibt zu berichten, dass meine Nichtraucher App heute 100 Tage anzeigt, die meine letzte Zigarette nun her ist. Ich habe auch nicht vor das zu ändern. „Glückwunsch Michael!“, meint Bordarzt Harald, der radikaler Nichtraucher ist. Nicht wie mein Freund und Hausarzt Pelle, der mir mit der Kippe in der Hand erzählt, dass es besser wäre für mich mit dem Rauchen aufzuhören.

Dann segeln wir mal so langsam Richtung Paradies. Kristallklares Wasser wartet auf uns. Wir sind schon bei 26 Grad Wassertemperatur angelangt.


Mitsegeln auf der MARLIN!

CREW 52 Martinique – Antigua 02.03.2019 – 14.03.2019
CREW 53 Antigua – Martinique 23.03.2019 – 04.04.2019
CREW 54 Martinique – Grenada 06.04.2019 – 18.04.2019
CREW 55 Grenada – Antigua 27.04.2019 – 09.05.2019
CREW 56 Antigua – Bermudas 11.05.2019 – 23.05.2019
CREW 57 Bermudas – Azoren 01.06.2019 – 20.06.2019

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Weihnachtsbaum – Weihnachtsmann und die drei Elfen

{Time:16:00:00}
{Date:20181224}
{Position:14°13.7300’N, 034°33.0300’W}
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{Place:Atlantico} 
{Target:Union Islands}
{Temp Air/Pressure:1023/28°C}
{TempWater:23,0°}
{Wind:10kn/NE}
{Wave:3m}
{Vimeo:}
{Photo:20181224}
{Title:Weihnachtsbaum – Weihnachtsmann und die drei Elfen}

Heilig Abend auf der MARLIN

Nein. Wir haben nicht angehalten. Wir haben gewichtelt und um es kurz zu machen: Es gab Kartoffelsalat und Brühwürstchen aussem Glas von Lidel aus La Palma. Also schwer romantische Weihnachten. Ich hatte mir Weihnachtsdeko gewünscht und nen Weihnachtsbaum, der ich dann selber geworden bin. Wir haben gewichtelt und alle haben was bekommen. Harald hat die vermeintlich letzten Geschenke für mich in seiner Tasche gefunden. Low Carb ist anders! Bunt war es und lustig. MARLIN hat dazu mit dem Mast gewackelt.

Wie das so ist beim Atlantiksegeln, geht es unweigerlich vorwärts. Um bei den Achtzigern zu bleiben, die vorzugsweise laut im Cockpit gehört werden: „Es geht voran und Thomas D. hat ebenso wie wir. Rückenwind!“ Alle sind bester Laune. Noch nix Schlimmes passiert und ich klopfe drei Mal auf den Kirschholztisch, damit das auch so bleibt.

Die Versorgungslage mit frischem Gemüse ist: Wir haben eine Liste gemacht und verteilen die Zucchini, sechs Mohrrüben, 58 Tomaten, 2,5 Kürbisse… Alles gut. Wir haben noch über 12kg Spagetti und 6kg Thunfisch an Bord.

Einen lang ersehnten Fisch-Fang, einen Marlin behalte ich mir bis 200 Meilen vor dem Ziel vor. Ich habe einen monströsen Köder gekauft und noch hundert Meter Stahlleine im Schapp für dieses Vorhaben. Da die Marlins, die auf diesen Köder beissen, weit größer sind als 25kg und 1,2m, möchte ich diesen Fang nicht jetzt schon haben, weil ich ihn definitiv nicht gekühlt bis an Land bringen könnte. Unweigerlich würde ich den Fisch für ein Foto fangen. Ne. Das mache ich nicht. Wenn das Vorhaben klappt, das weit mehr Erfolgsaussichten hat, als Lotto zu spielen, dann bringen wir den Fisch als Gastgeschenk mit nach Union Island. Wovon träumt Skipper Micha ansonsten? Vom Kiten. Jeder hat seine Welt.

Auf der Logo steht grade 55.555 Meilen die dieses Schiff zum größten Teil mit mir gesegelt ist. Danke MARLIN. Hast Du gut gemacht.


Mitsegeln auf der MARLIN!

CREW 52 Martinique – Antigua 02.03.2019 – 14.03.2019
CREW 53 Antigua – Martinique 23.03.2019 – 04.04.2019
CREW 54 Martinique – Grenada 06.04.2019 – 18.04.2019
CREW 55 Grenada – Antigua 27.04.2019 – 09.05.2019
CREW 56 Antigua – Bermudas 11.05.2019 – 23.05.2019
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Schlafen – Kochen – Essen

{Time:12:00:00}
{Date:20181221}
{Position:15°16.5292’N, 027°39.6806’W}
{Direction/Speed:280°/ 8kn}
{Place:Atlantico} 
{Target:Union Islands}
{Temp Air/Pressure:1015/28°C}
{TempWater:23,0°}
{Wind:10kn/NE}
{Wave:3m}
{Vimeo:}
{Photo:20181221}
{Title:Schlafen – Kochen – Essen}

Weiter in dieser Reihenfolge

Jeden Tag machen wir ein kleines Segelmanöver. Der Wind geht heute wie erwartet auf 10 Knoten zurück, wir reffen aus ins Vollzeug. Nicht das wir dadurch sehr viel schneller werden. Acht Knoten ist eben MARLIN’s Lieblingsgeschwindigkeit bei Leichtwind. Solange der Wind nicht noch weniger wird mag es mir recht sein. Ich zeige Harald wie man Tortilla kocht. „Ist doch wie Bratkartoffeln machen“, meint er. Eben nicht. Ich spucke in die Pfanne. „Igitt. Was machst Du da?“ „Das ist der Trick, warum meine Tortilla so gut schmeckt.“ (Spaß) Wir hören das Känguru Manifest, hat Nathalie mir zum Geburtstag, für die Überquerung geschenkt und geschickt. Wir lachen viel. Andreas kennt es schon. Ich nicht. Ich schnibbel mir noch schnell einen Salat. „Wie lang mag es noch gehen, dass wir Papaya, Salat und frische Tomaten essen?“ „Wann fangen wir einen Fisch?“ „Im Kühlschrank ist doch kein Platz.“ Bis Heilig Abend soll der Wind so bleiben, dann soll es mehr werden. Vielleicht 20 Knoten, vielleicht sogar mehr. Wer weiß das schon. MARLIN gleitet majestätisch über die Wellen und ich falle noch mal in die Koje. Irgendwie noch fertig von der letzten Wache von Vier bis Acht. Als ich wieder aufwache, schlafen alle. Nun. Zeit um wieder ans Essen zu denken. Ich hole Thunfisch aus der Tiefkühlung und schaue mir die Fotos an, die ich am Vormittag geschossen habe, als die Herren Nackedei sich gegenseitig Eimerweise salziges Atlantikwasser über den Kopf geschüttet haben. Auch ich rieche gut. „Vielleicht mal nen neues T-Shirt?“ „Wieso, dass habe ich doch erst seit vier Tagen an?“, grinse ich Lena an.

{Photo:20181221a}

Das Wetter könnte etwas besser sein. Statt blauem Himmel ist es grau, ja fast regnerisch. „Ne kleine Störung oder was?“ Gerd ermittelt das erste Etmal. 190 Meilen. „Na. Das ist doch gar nicht mal so schlecht“, murmel ich mir ins T-Shirt. Wir sitzen beim Pilothaus-Crewmeeting zusammen. Da sprechen wir über das, was ist, was wird, was sein könnte und vor allen Dingen über was es am Abend zu essen gibt. Heute Abend koche ich. Ich koche eben gerne und kunterbunt. Lena ist Vegetarierer, ich Low Carb und Milchalergiker, Harald, Andy und Gerd essen alles und gerne. Also koche ich kunterbunt. Es gibt für jeden etwas und man stellt sich sein Essen selbst zusammen.


Mitsegeln auf der MARLIN!

CREW 52 Martinique – Antigua 02.03.2019 – 14.03.2019
CREW 53 Antigua – Martinique 23.03.2019 – 04.04.2019
CREW 54 Martinique – Grenada 06.04.2019 – 18.04.2019
CREW 55 Grenada – Antigua 27.04.2019 – 09.05.2019
CREW 56 Antigua – Bermudas 11.05.2019 – 23.05.2019
CREW 57 Bermudas – Azoren 01.06.2019 – 20.06.2019

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…frischen Fisch fischt Fischer’s Lena

{Time:12:00:00}
{Date:20181223}
{Position:14°58.5400’N, 032°12.0900’W}
{Direction/Speed:265°/ 6kn}
{Place:Atlantico} 
{Target:Union Islands}
{Temp Air/Pressure:1023/28°C}
{TempWater:23,0°}
{Wind:10kn/NE}
{Wave:1,5m}
{Vimeo:}
{Photo:20181223}
{Title:…frischen Fisch fischt Fischer’s Lena}

Rückwärt’szählen

“Hör mal Lena, warum fehlt eigentlich mit jedem abgesegeltem Tag eine Nagellackierung an einem Deiner Finger?“ „Das ist für jeden Tag, den wir auf See verbracht haben. …“ Lena erklärt mir noch warum und wieso die Farbe der Fingernägel, warum und an welchem Ort… Ich lächle Lena an. Ich muss zugeben, ich bin schon wieder ganz woanders. Ich habe einen kleinen Riss in der Genua entdeckt. Ob der so bleibt? Muss ich beobachten. Andy schaut immer noch nicht ganz glücklich wegen der Seebeine. Muss ich da noch was tun? Was ist mit dem Salat im Kühlschrank und warum stinkt eigentlich der Grauwassertank, wenn sich meine Gäste die Zähne putzen. Irgendwas ist immer. 124 Meilen Etmal. Ist ja jetzt nicht grade hitverdächtig. „Aber das hattest Du ja so prognostiziert für Heilig Abend. Flaute.“, lächelt mich Lena an.

Wir baumen die Genaua für die Nacht aus. Das Segel schlägt empfindlich in den flauen Phasen, des grade mal 8 Knoten starken Windes von hinten. Eigentlich würde ich gerne den Genacker nehmen. Aber den bekomme ich noch viel weniger stabil für die Nacht. Das Groß ist platt wie eine Wand gegen das schmerzliche Schlagen gesetzt. „Gott. Verdammt. Gib mir doch einfach zwei Knoten mehr Wind, dann hört MARLIN auf, immer schneller in den Wind zu fahren als er eigentlich ist und die Segel fangen an back zu stehen, zu knallen.“ Bei der Rigkontrolle, sehe ich, dass die Reffhaken verbogen sind. Eintrag in die ToDo-Liste. Von der Känguru Chronik her kenne ich eine neue wichtige Liste, die ich unbedingt anfangen muss. Die Not-ToDo-Liste. Das wird mein Vorsatz für 2019. Ich werde weniger machen, dass dafür aber richtiger.

“Eins, zwei, drei, vier, fünf… Sind wir schon fünf Tage unterwegs Lena?“, meine Gedanken sind zehn mal schneller als das, was ich grade tue. „Ja. Genau.!“ „ Und was macht der fliegende Fisch zwischen Deinen Händen? Du magst doch gar keinen Fisch und auch kein Fleisch…!“ „Den hast Du doch hierher gelegt. Der ist heute Nacht in den Salon geflogen.“ Ja. Ich wollte die Situation nachstellen, als ich gestern das Deck wegen de Fischgeruch in meiner Kabine, nach fliegenden Fischen abgesucht habe, dann festgestellt habe, dass in der Nacht ein fliegender Fisch direkt neben meinem Kopf gelandet war.

Es war wie immer und etwas schwieriger. Fünf starke Charaktere in einem Boot haben etwas Zeit gebraucht, zueinander zu finden. Heute ist diese Prozess abgeschlossen. Mit den sicherheitstechnischen Anweisungen, mit denen ich mich immer unbeliebt mache, bin ich durch. Wir holen die Phase 10 Karten aus dem Schrank und widmen uns den Sachen, die wirklich wichtig sind. Weihnachten, Bergfest, Sylvester, Ankommen. Sind ja alles Ausnahmen vom Alkoholverbot während des Segelns.

Ich habe den Grund des Gestanks des Grauwassertanks gefunden: RTFM (Read the fucking manual) Es gibt zwei Hähne um die Brühe direkt ins Meer zu leiten ohne Zwischentank. Einfacher geht es nicht. Ist das jetzt ein Eintrag in die ToDo oder Not-ToDo Liste?


Mitsegeln auf der MARLIN!

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CREW 53 Antigua – Martinique 23.03.2019 – 04.04.2019
CREW 54 Martinique – Grenada 06.04.2019 – 18.04.2019
CREW 55 Grenada – Antigua 27.04.2019 – 09.05.2019
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Irgendwas ist immer!

{Time:15:00:00}
{Date:20181222}
{Position:15°24.5400’N, 030°09.2800’W}
{Direction/Speed:265°/ 6kn}
{Place:Atlantico} 
{Target:Union Islands}
{Temp Air/Pressure:1014/28°C}
{TempWater:23,0°}
{Wind:10kn/NE}
{Wave:1,5m}
{Vimeo:}
{Photo:20181222}
{Title:Irgendwas ist immer!}

Kleine Mastbesteigung auf See

Gestern habe ich noch erzählt: „Richtig gemein ist es dem ungeliebten Marinanachbarn ein paar Schrauben auf Deck zu werfen und dann am direkt daneben gelegenen Cafe einen Drink zu bestellen und zuzuschauen wie er anfängt, nervös zu suchen wo die Schrauben hergekommen sind.“

“Sag mal Micha. Ich hab da unter dem Dinghy eine Schraube liegen gesehen.“ Ich frage mich grade ob Andy mich jetzt auf den Arm nehmen will. „Hol mal bitte.“ Er drückt mir eine 316er 8×30 Maschinenschraube mit Sprengring in die Hand. „Hmm.“ Er macht keinen Witz. Ich brauche bestimmt zwei Minuten um zu wissen wo die herkommt. „Die kommt vom Signalhorn. Das war eh schon locker.“ Ich überlege kurz ob man da jetzt mal eben hochgeht. Der Wind schläft grade ein. Besser jetzt als später. Gerd zieht mich im Bootsmannstuhl hoch und schnell ist die Schraube wieder an ihrem Platz. Irgendwas ist immer.

Wir werden langsam. Erst am Heiligen Abend soll frischer Wind kommen. Ich denke mal für den Rest der Überquerung. Na denn. Ich habe ein Kilo Squid aus dem Freezer zum Auftauen in die Spüle gestellt. Meine Gedanken kreisen darum, wie ich diese am besten zu einer neuen kulinarischen Komposition mit Bordmitteln verwandeln kann. Die graue Wolkendecke hat sich wie bestellt bei 30° verzogen. Das Satellitenbild und die GRIB Vorhersage zeigen derzeit keine Wolken auf unserem weitern Weg. Die Sonne knallt und meine Mitsegler finden sich mit Sonnencreme im Cockpit zusammen zum allgemeinen Klön. Auch die Bluetooth Verbindung zum Autoradio findet sich schnell. Prima, dass ich meine Eignerkabine habe und hinter der Tür meine eigene kleine Welt habe. So ein bisschen Privacy hat es schon in sich. Gut für mich. Gut für die Crew.


Mitsegeln auf der MARLIN!

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CREW 53 Antigua – Martinique 23.03.2019 – 04.04.2019
CREW 54 Martinique – Grenada 06.04.2019 – 18.04.2019
CREW 55 Grenada – Antigua 27.04.2019 – 09.05.2019
CREW 56 Antigua – Bermudas 11.05.2019 – 23.05.2019
CREW 57 Bermudas – Azoren 01.06.2019 – 20.06.2019

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