Archiv der Kategorie: SY Marlin

Tag 4: Tag am Meer

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{Title:Tag 4: Tag am Meer}

Nicht jeder Tag im Krankenhaus ist ein schöner Tag

Kommt allerdings Maya mit so einem schönen Minigemälde, dann ist es eben doch ein schöner Tag. Mein vorletzter Chemotag. Heute noch einmal mit roter Grütze. Das Bild vom Meer ist schöner anzusehen und steht dominant auf meinem Tisch am Krankenbett. Dort verbringe ich die wenigste Zeit. Es geht mir weiterhin weitgehend gut. Der Verlauf der Behandlung entspricht den Vorstellungen von Dr. Helge und ich vertraue ihm.

Was mir gar nicht ins Konzept passt, ist meine Vertretung auf der MARLIN. Skipper Jan, logischerweise die erste Wahl und am besten mit der MARLIN und unseren Gästen vertraut ist mitten in seiner Studium-Abschlußprüfung. Deshalb war eh schon Stefan, auch erste Wahl, als Skipper eingeplant, sowieso schon vor meines akuten Rückfalls. Stefan sagt auch zu. „Alles klar Michael. Machen wir so.“ Am nächste Tag dann eine Message: „Willste jetzt bestimmt nicht hören Micha. Ich bin vom Steg gefallen und habe mir drei Rippen gebrochen und die Milz ist am bluten.“ Recht hat der liebe Stefan. Das wollte ich nicht hören. Also telefoniere ich grade mehr als gewohnt um die richtige Vertretung für mich zu finden und wenn es klappt hab ich auch schon den richtigen Mann am Start. Noch eine erste Wahl. Rücke ich natürlich im Moment noch nicht ganz heraus.

Auch sonst geht mir natürlich alles mögliche durch den Kopf. Ich organisiere meinen Tag bestmöglichst. Ein neues Produkt für LUNATRONIC stemmt sich Bausteinchen für Bausteinchen in meinem Kopf zusammen. Eine Drohne für die MARLIN ist auf dem Weg und viele, viele Dinge am Rechner sind da, die es abzuarbeiten gibt. Besser so als anders. Besser busy im Kopf und an der Tastatur als Leukämiekino, im Bett liegen und an die Decke starren.


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Tag 3: Immer schön positiv denken

{Time:22:00:00}
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{Title:Tag 3: Immer schön positiv denken}

“Scotty. Mach die Protonenlaser klar.“

Solange ich noch schreiben kann, ist alles klar auf meinem kleinen Raumschiff Enterprise. Endlich gehen meine Blutwerte langsam in den Keller, so wie sie es sollen. Das ist ja nun das Ziel der täglichen Infusionen, der Chemotherapie. „Geh noch mal raus an die frische Luft. Wer weiß, wann Du es wieder kannst“, mein Chemoschwester Sabrina. Echt ne Nette. Hat mich sofort wiedererkannt. „Für morgen stehst Du schon auf der Blutkonservenliste.“ Ich nicke. Weiß was das heißt und lächel in die Kamera des I-phone. Den ZVK dreh ich selber ab von der NaCl 0,9% Flasche über mir. Darf ich auch. Im Flur steht LOA Helge vor mir. „Ne. Alles gut. Schwester Sabrina hat’s erlaubt. Ich bin um drei Uhr wieder da, für die nächste Tüte Gift.“ „Ich dachte schon Du ziehst aus. Aber ohne Seesack wirst Du wohl nicht flüchten.“

Kaum draussen, geniesse ich die Sonnenstrahlen auf meiner Haut. Das Gefühl von 2.5 Std. Freiheit fließt wie Protonenenergie in meinen Körper. „So nen Scheiß“, geht mir durch den Kopf. Schon stehen NathalieMayaLena vor mir mit der Schleuder und packen mich ein. „Eigentlich will ich laufen.“ Es gibt Waffeln, Kaffee, Familienleben auf der Toosbüystr. Schön. Ich geniesse es. „Gegen 15 Uhr muss ich wieder auf meinem Zimmer sein. Also mal los.“ Den Berg rauf werde ich Schritt für Schritt langsamer. Flens steht für Bier – Burg steht für die Toosbüystr. Wieder auf dem Zimmer bekomme ich direkt wieder die Schläuche an den Hals. Ich leg mich hin. Fertig. Schlafe sofort ein.


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Tag 2: Nasebohren

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{Title:Tag 2: Nasebohren}

Papa. Du sollst nicht wieder Segeln gehen. Krokodilstränen

Meine Vodofone GigaCube ist gekommen. Na Gott sei Dank. Vernünftiges Internet. Da nehmen wir uns Zeit mal ne Runde in der Nase zu bohren. Das meine Kinder inzwischen alt genug sind um mich besuchen zu kommen, dass hilft. Der zweite Tag Chemo von fünfen verläuft entspannt. Langeweile kommt nicht auf. Über Whats App habe ich eine Standleitung nach Curacao, Spanien, in die Schweiz und nach Deutschland. Schöne neue Technik. Meine Blutwerte sind immer noch so gut, dass ich fit wie ein Turnschuh bin. Das wird auch noch bis Tag sieben so bleiben. Dank „Seekrankheitsmedikamenten“ wird mir auch nicht schlecht, ich muss nicht kotzen und Haare habe ich auch noch, ich muss noch keinen Mundschutz tragen, sehe nicht aus wie ein Monster und darf auch noch in den Garten. Ich bin auch noch nicht infektionsgefährdet. Kommt alles noch. Also geniesse ich die Tage bis dahin.


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Tag 1: Aderlass

{Time:22:00:00}
{Date:20191004}
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{Title:Tag 1: Aderlass}

Sagt man gerne: Das Leben geht weiter

Währenddessen ich die letzte Nacht im Bett mit Maya schlafe sind Räuber in unserem Haus unterwegs und brechen unseren Keller auf. Klauen was? Meinen geliebten 14er Slingshot Kite, Lenas 6er Flysurfer, mein Cabrinha Kiteboard, noch ein Spleen Kite Board, zwei Harnesse, eine Tauchweste, meinen Krankenhaus Wasserkocher, den mir Christian 2016 geschenkt hat, eine Mikrowelle und vielleicht noch mehr. Ich kann es nicht kontrollieren. Vor einer Woche wurde unser Keller schon mal aufgebrochen und ein Beamer mitgenommen. Heißes Plaster, die Toosbüystr. Vor allen Dingen, keine Einbruchsspuren. Es sieht aus als wenn die Täter einen Sicherheitsschlüssel zur Haustür und zum Keller gehabt haben. Nathalie ist total sauer und unterwegs zur Polizei. Na, da bin ich ja mal gespannt ob die so gut sind wie im Frühjahr in Martinique, wo ich den Aussenborder am nächsten Tag wieder hatte.

Mein Tag beginnt mit Aderlass und ZVK (Zentraler Venen Katheder) durch den die giftige Chemo direkt in meine Herzaterie gelangt. Ich habe saumäßig Schiss vor dem Beginn der Chemotherapie. 2016 habe ich auf ein Medikament mit einem Schock reagiert und landete dann für 4 Wochen auf der Intensivstation. Ich hoffe so sehr dass die ganze Geschichte ohne Komplikationen abläuft, so wie Oberarzt Helge sich das vorstellt. Am besten ohne Lungenentzündung oder sonstiges. Alle sind supernett hier zu mir im Malteser Krankenhaus. Ich lege mir direkt eine Liste an mit den ganzen Namen. Das sind echt zu viele. „Können wir uns dutzen?“ ist immer meine Vorstellung. Hmm. Fast immer.

Nathalie ist mit sofortiger Wirkung vom Dienst freigestellt und hält Händchen an meinem Bett als die Infusionspumpe mit dem ersten der drei Medikamente loslegt. Sie hat aufgrund meiner Krankheit ihren Herbsturlaub nach Italien ebenfalls storniert. Lieb von meiner Ex. Weißes Gift, dann Rotorange… Alles gut. Keine Reaktion, ausser dass ich einschlafe und auch auf der Erde wieder aufwachen. Dann in vier Stunden wieder weiß. Erst mal alles ohne Komplikationen. Na. Dann hoffen wir einfach mal, dass das so bleibt wie geplant.

Das Internet im Malteser ist grottenschlecht. Ich hab mir eine Vodafone GigaCube geordert, damit ich die Wartezeit im Krankenhaus nutzen kann und mir nicht die Decke auf den Kopf fällt. Bringt mir Maya wohl gleich mit.


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Winterleukämie

{Time:22:00:00}
{Date:20191003}
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{Title:Winterleukämie}

Plan abgearbeitet

Es läuft alles wie am Schnürchen. Büro und Wohnung aufgelöst. Speermüll. Sachen in den Keller gebracht. Ebay Verkauf. Besenrein übergebe ich meine Existenz an meine Freunde, Mitsegler und Vermieter Heike und Bernd. Na denn. „Was steht denn sonst noch auf dem Plan?“ Seit zwei Tagen quäle ich mich mit einer aufdringlichen Grippe herum. Ich bekomme schlecht Luft. Aus Erfahrung weiß ich, dass das kein gutes Zeichen ist. Also ab zu meinem Hämatologen Helge in Nathalies Krankenhaus. Der zapft direkt meinen Venen an und schickt die durch den Schnell-Diagnoseapparat. Hämoglobin bei 9. Upssi. Mir wird schlagartig kotzübel und nicke nur in dem Nebel, der mich umhüllt, als Helge mich direkt mitnimmt zur Knochenmarkspunktion. Zwei Stunden später steht fest: Ich habe eine Rezidiv meiner AML Leukämie.

In 10 Stunden geht mein Flieger und er wird ohne mich fliegen. Eine Behandlung meines Rezidivs in Curacao ist genauso töricht wie in Cuba. Ich habe keine Wohnung mehr in Flensburg, kein Büro mehr, mein Zuhause ist mein Schiff, die MARLIN, auf Curacao. „Und nu? Nicht mein Glückstag, der 1. Oktober 2019“ Aber ich bin nicht alleine. MayaLena nehmen mich natürlich sofort auf und Nathalie überbringt die Nachricht, dass ich am Mittwoch schon in die Klinik soll. Chemotherapie und wieder der ganze Mist von vorne, den ich 2016 hinter mich gebracht habe. Abwechselnd bekommen wir Heulkrämpfe und schön ist anders. Eher eine Drama. Die Erinnerungen an 2016 sind nicht schön. Ich fühle mich an die Wand gestellt. Aussichtslos. Ich denke daran von der nächsten Brücke zu springen. MayaLena halten mich am ehesten davon ab.

Es ist aber nicht aussichtslos. Weil ich die erste Chemotherapie 2016 ohne Knochenmarkstransplantation gemacht habe, kann ich diese jetzt machen. Da hat man nur einen Versuch. Ich glaube trotzdem an Verrat und aus lauter Ratlosigkeit besuche ich meinen Hausarzt Pelle und lasse ein Zweitblutbild machen um die Diagnose bestätigen zu lassen. Danach gehe ich zum kurdischen Friseur. „Bitte 6mm und das komplette Programm. Bart, Nase, Ohren, Augenbraunen!“ Leukostyle. Ich versuche mich zu fangen, irgendwie muss ich das hinbekommen. Mit Pillen bekomme ich die Grippe wieder in den Griff, aber beim Gespräch mit Helge am nächsten Tag mit den nun vorliegenden Labordaten wird mir schnell klar, dass das keine Sommergrippe ist. 60% Blasten im Knochenmark, 20% im Blut. Ok. Freitag beziehe ich meine neue Flensburger Wohnung. Zimmer 33 mit Blick auf Flensburg. Hoffentlich geht alles gut.


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Was für ein Schiff

{Time:22:00:00}
{Date:20190920}
{Position:12°04.3425’N, 068°50.5760’W}
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{Photo:20190920}
{Title:Was für ein Schiff}

Kuß zum Abschied

Wer küßt schon sein Schiff zum Abschied. Nun. Ich küße mein Schiff nicht nur zum Abschied. Auch zur Begrüßung und zwischendurch. Hat was. Ich laufe schnell weg über den Steg und schon sitze ich im Flieger nach Deutschland. MARLIN wartet brav im heißen Curacao. „Hast Du den Kite Wind mitgenommen?“, fragt Christiane per Whats’s App. Ein Blick auf’s Wetter läßt mich die Frage verstehen. Eine tropical wave zwischen Haiti und Curacao läßt die Trade Winds einschlafen und beschert Curacao ein Hitzewelle mit Gewittern und viel Regen. Nun. Der Regen tut der trockenen Insel bestimmt gut. Das Wasser wird direkt wieder verdampfen.

Der letzte Trip zu den Aves sitzt mir noch tief im Nacken. Ich nutze die Zeit in Deutschland um einen einwöchigen Kite & Sail Zwischentörn auf der MARLIN Website einzustellen. Viele Nachfragen aus Curacao und Bonaire haben mich dazu animiert, obwohl ich kaum das Wetter und den guten Wind erwarte, der dazu notwendig ist. Ich will es trotzdem versuchen. Mit den Behörden habe ich am letzten Tag in Curacao noch gesprochen, denn eigentlich ist die Grenze zu Venezuela ja gesperrt. Ich bekomme grünes Licht für meine Pläne. Jetzt brauche ich nur noch mindestens vier Mitsegler und Kiter. Na ob das klappt? Während MARLIN brav auf mich und neue Abenteuer wartet. Langweilig ist es im MARLIN und LUNATRONIC Büro derweilen nicht. Eine Projekt jagt das nächste. Interessant ist vor allen Dingen die Ausstattung der SY ESIDOXIA, einer Sirius 40DS mit Kommunikationselektronik. Mit dem Eigner Ludger macht es Spaß sein Projekt mit Kurzwelle, Pactor, Iridium und Bordrechner in die Wege
zu leiten. Statt Kisten zu packen sitze ich an der Projektplanung und nächste Woche freue ich mich auf den Besuch bei der Sirius Werft in Plön.

Ich muss zugeben, dass mich es schon traurig stimmt, das Flensburger Büro schliessen zu müssen. Von der Arbeit her spielt es sicherlich keine Rolle, wo ich vor dem Bildschirm sitze. Die MARLIN als Büro ist sicherlich mindestens genauso attraktiv.


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Wasser? Marsch!

{Time:22:00:00}
{Date:20190914}
{Position:12°04.3425’N, 068°50.5760’W}
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{TempWater:28°}
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{Photo:20190914}
{Title:Wasser? Marsch!}

Unser Feind, die Elektrolyse

Vier Stunden habe ich mit Nike im Motorraum verbracht um zwei dieser Teile, Anschlüsse zu den Wassermachermembranen, auszutauschen. Feuchte Angelegenheit. „Du schwitzt ja wie ein Schwein.“ „Mach doch selber.“ Dann schwitzt Nike selber wie ein Schwein. Gibt Schlimmeres. Quasi ein Tag des letzten Törns ist also mit Reparaturen vergangen. Ersatz gibt es bei Echotec in Trinidad. Ärgerlich aber doch, weil es eben jedes Jahr wieder passiert. An den Schlauchanschlüssen: Keine Elektrolyse. Also Materialproblem. Unseren Wassermacher spülen wir nach jedem Wassermachen und automatisch per Schaltuhr alle 24h für 10 Minuten. Daran kann es also auch nicht liegen, dieser Lochfraß. Gut das Ersatz an Bord war, denn der Wassermacher und der Generator sind auf der MARLIN die empfindlichsten Aggregate. Zwar können wir auch mit der Hauptmaschine den Strom zum Wassermachen erzeugen, aber welche CREW will schon den Diesel, 8L Stunde, dafür bezahlen. Nun gut. Photo ist raus an Echotec. Mal schauen was der Kommentar ist. In Zukunft würde ich mir die Zeit im Motorraum gerne sparen. Vor allen Dingen weil Nike nicht da sein wird.

Ich war heute zum letzten Mal Kiten in Curacao vor meinem Deutschlandbesuch. Mit dem Door Brett ging es ganz weit gegen den Wind raus in die Lagune, denn am Startplatz sind so viele Anfänger, dass es einfach nervt. Muss ich grade sagen ;-) Haha. „Fahr mal ne schicke Wende Micha!“ Ich rede immer selber mit mir beim Kiten. Ist ja sonst keiner da. Vielleicht schaffe in mir auch mal einen wasserdichten MP 3 Player an. Kann mir ja schlecht Boxen auf’s Board montieren. Ich habe zwei Stunden Spass und dann wieder auf’s Schiff. Kofferpacken entfällt. Ich reise diesmal nur mit Handgepäck. In Deutschland muss ich das Büro und meine Wohnung auflösen. Ich lebe jetzt wieder Vollzeit auf der MARLIN. Bin ich in Flensburg, bekomme ich das Zimmer von Maya. Für die acht Wochen im Jahr lohnt sich keine eigene Wohnung. Gemischte Gefühle reisen mit, wenn es am Montag in den Flieger geht. Am meisten freue ich mich darauf mal zwei Wochen nicht zu schwitzen. So. Ich mach mich jetzt
mal ausgehfein. Ist Samstag Abend.


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One of the last days at Curacao

{Time:22:00:00}
{Date:20190913}
{Position:12°04.3425’N, 068°50.5760’W}
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{Place:Curacao} 
{Target:Cuba}
{Temp Air/Pressure:32°C}
{TempWater:28°}
{Wind:VAR Kn/E}
{Wave:0,0m}
{Vimeo:}
{Photo:20190913}
{Title:One of the last days at Curacao}

Freitag der Dreizehnte

“Na? Bist Du schon aufgestanden?“, fragt Maya mich am Telefon über WhatsApp. „Sag mal. Es ist Mittag. Meinst Du ich hänge komplett ab?“ „Es ist Freitag der Dreizehnte. Papa. So abergläubisch, wie Du bist, ziehst Du Dir doch die Decke über den Kopf und bleibst den ganzen Tag im Bett!“ Maya lacht. Unrecht hat sie nich. So gar nicht. Es sind 20 Knoten Wind angesagt und ich habe ein echtes Problem. Ein letzter Kite Tag steht bevor. „Meinst Du. Ich soll kiten gehen?“ „Mach das besser nicht Papa. Nicht an einem Freitag den Dreizehnten.“ Ich hadere den ganzen Tag mit mir selbst rum und gehe dann doch. Vielleicht ist ja keiner da und ich fahre einfach wieder zurück.

Vorsichtshalber nehme ich nur den 12er Kite mit. Damit ich gar nicht erst auf dumme Gedanken komme. Kurze Zeit später bin ich auf dem Wasser. Es sind keine zwanzig Knoten Wind und meinem Alter gerecht werdend cruise ich einfach nur über das Wasser. Kein Switch, keine Halse, kein Sprung. Jedesmal wenn ich es dann doch will, ermahne ich mich selbst. „Nein Micha. Heute. Nix da.“ Es passiert auch nix. Ich lehne dankend das Bier ab, was mir die anderen Kiter an Land anbieten. Es sind ein paar Kiter da, die zu einer Feuerwehr Einheit der US Navy gehören, die am Flughafen stationiert sind. Mit Donny komme ich ins Gespräch. „Du bis ein Segler hab ich gehört?“ Unternehmerisch wie ich nun mal bin und sein muss, verteile ich gerne Visitenkarten. Klar auch am Kite Platz. Donny’s Augen leuchten als er erzählt dass er grade Dinghy segeln lernt. Ich lade ihn und seine Frau für morgen auf die MARLIN ein. Hat einen Super Nebeneffekt. Habe ich jemanden eingeladen, komme ich
mit dem Putzen und Aufräumen wenigstens mal in die Socken und lande nicht mit einem Glas Rotwein auf der Couch. Ich trickse mich selbst aus.

Die zweite Kite Session macht noch mal richtig Spass und die Sonne neigt sich Richtung Horizont. Wieder cruisen. „Reicht für heute“, geht mir durch den Kopf. Die anderen gehen aus dem Wasser. Ich auch. Mein Schirm ist trocken. Mein Adrenalinspiegel top. Ich habe meinen ersten Freitagsderdreizehnte Kite Tag überlebt ohne Schäden. Supi.

Morgen muss ich dann mal das Schiff fertig putzen und aufräumen. Obwohl. Eigentlich ist wieder Wind angesagt. Haha.


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Droge Kitesurfing

{Time:22:00:00}
{Date:20190912}
{Position:12°04.3425’N, 068°50.5760’W}
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{Place:Curacao}
{Target:Cuba}
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{TempWater:28°}
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{Photo:20190912}
{Title:Droge Kitesurfing}

Life starts at 20 Knots

Kite surfing is a passion. Wie schnell kommt die Lust auf das auch zu machen? Es sieht so einfach aus und elegant allemal. Wer Kite Surfern zuschaut und selbst Wassersport begeistert ist, befindet sich schon mit einem Fuß auf dem Kitebord. Eine Schule oder ein erfahrener Kiter vermittelt relativ schnell die Grundkenntnisse, die notwendig sind, um auf dem Brett die ersten Meter zu fahren. Dein Körper erzeugt Adrenalin, der Stoff aus dem die Träume sind. Nach den ersten Metern kommt die Wende und das Ziel dort wieder anzukommen, wo man gestartet ist. So wie bei vielen anderen Extremsportarten sinkt der Adrenalin Level. Neue Ziele steigern die körpereigene Produktion wieder. Ein kleiner Sprung, die elegante Halse. Schnell flitzt du mit 30-40 km/h über die Wasseroberfläche. Eine Sportart die schön ist, die Spass macht, solange keine Hindernisse im Weg sind und du dich im oberschenkeltiefen Wasser befindest. Unfälle passieren durch Selbstüberschätzung, an Land beim Starten und Landen des Kites und eben im flachen Wasser.

Mein erster Tag alleine nach drei Wochen mit Gästen ist relativ unspektakulär. Ich geniesse es, allein zu sein und das zu machen, wonach mir der Kopf steht. Gegen Mittag werde ich unruhig. Der Wind ist bis zum Wochenende noch stetig und frisch. Mein Dreiwochenkitebuddy Manuela ist nicht mehr da. Das ist jetzt aber sehr komisch. Alleine packe ich meine Siebensachen zusammen und fahre mit dem Auto zum JSB Kitespot. Dort: Zwei einsame Kiter. „Der gute Wind ist weg. Heute Vormittag waren 20 Knoten.“ Das amerikanisch/niederländische Pärchen in meinem Alter haben sich Campingstühle mitgebracht und wechseln sich beim Kiten ab. Super. Ein lebendes Beispiel dafür, dass Kiten nicht nur für junge Leute ist. Das Durchschnittsalter hier auf Curacao schätze ich auf 40+. Ich hab jemand der meinen Kite startet und landet. Alles gut. Entspannt kann ich mein Adrenalinausstoß geniessen. Ist keine anderer am Kite Spot, gehe ich hier nicht auf’s Wasser. Über einen zementgefüllten Reifen mit Harken kann man seinen Kite zwar sicher selber starten und landen, aber für den Fall einen Falles ist man doch recht aufgeschmissen. Also. Das lassen wir dann mal.

Ich habe meine Kite Ziel erreicht. Ich komme wieder dort an, wo ich gestartet bin und für alles andere lasse ich mir Zeit. Ich habe grade besonders Spass daran meine Körperspannung meine Gewichtsverlagerung zu optimieren und beim Wenden Tag für Tag den besseren Moment zu finden, den Kite auf der entgegengesetzten Richtung wieder einzutauchen.

Das Foto hat Nike von mir mir auf der Leuchtturminsel der Las Aves Inseln gemacht. „You are spoiled forever now…“, meint Kitefreund Nix dazu. Zwei Tage meiner Erinnerung, die zu den schönsten meines Lebens gehören. Die Insel nur für uns, kristallklares türkises Karibikwasser und 20 Knoten Passatwind, die über die kleine Insel fegen. Schöner geht es nicht. Wen wundert es da, dass ich nun doch immer mehr für den Oktober nochmal einen Törn, nur zu den Aves in meinem Kopf plane… Wer extrem Lust hat mitzukommen, meldet sich per mail bevor ich den Törn online anbiete und sichert sich seinen Platz vorab.


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Returnticket

{Time:20:44:00}
{Date:20190907}
{Position:11°53.8881’N, 066°36.4243’W}
{Direction/Speed:270°/ 7kn}
{Place:Karibische See}
{Target:Curacao}
{Temp Air/Pressure:30°C}
{TempWater:28°}
{Wind:20kn/SE}
{Wave:1,5m}
{Vimeo:}
{Photo:20190907}
{Title:Returnticket}

Downwind kann ja so schön sein

Drei Tage und Nächte haben wir zu den Roques gebraucht. Jetzt geht es nach Hause. Wo ist MARLIN’s zu Hause? Curacao. Liegt doch auf der Hand. Wir setzen das Groß im zweiten Reff, Bullenstander. 7 Knoten. Punkt. Was wollen wir mehr? Der Kutter läuft wie auf Schmierseife. Gestern Abend die letzte Portion Rindersteak. Der Freezer ist nun leer und ausgeschaltet. Kann bitte mal ein Fisch anbeißen André? So eine schöne Golddorade oder ein Yellowfin? „Spagetti mit Tomatensauce schmeckt doch auch sehr lecker“, meint Nike und das Rumpelstilzchen hüpft durch’s Cockpit.

Zwischenzeitlich ist es drei Uhr tiefschwarze Nacht. Der Mond ist schlafen gegangen. Ich habe Wache mit Manuela. Wir segeln nur mit dem Großsegel an der Südspitze von Bonaire vorbei Richtung Klein Curacao. Ob wir dort noch mal halten, um abschliessende noch eine Kite Session im Türkisen Wasser einzulegen. Ich würde schon sagen ja. Wenn Wind ist, warum nicht? Ich erwische ein bisschen Internet von Bonaire. „Hallo MayaLena! Papa hat euch lieb.“ Zu viel mehr reicht es leider nicht. Schon liegt Bonaire im Kielwasser. Eine entspannte Q-Wende. Arnold, der Generator, brummt leise vor sich hin um die Batterien aufzufrischen und Manuela liegt in der Süllkante, zählt Sterne.

Meine Gedanken drehen sich um die Los Roques. So schön die Inseln sind, so abgedreht sind die Venezolaner im Moment. Im Oktober habe ich ja noch nichts vor und könnte noch einen Törn nach Osten einschieben und anbieten. Wahrscheinlich eher hier für Mitsegler auf Curacao und Bonaire. Aber die Parkgebühr für die MARLIN ist noch mal teurer geworden. Inzwischen soll ich für zwei Wochen knapp 500 Euro berappen. Das ganze wird natürlich in Bolivar berechnet und mit jeder Kursverschlechterung lassen die Venezolaner neue Preise einfallen. Mit der Folge, dass keiner mehr zu den Roques hinfährt. Kann sich ja auch keiner mehr leisten. Alternativ haben mir die Las Aves viel besser gefallen. Hier klariert man mit einer Flasche Rum ein. Pro Person ein Flasche wird sicherlich gut ankommen bei der Militärstation. Es ist nicht so weit weg. Eine Nacht gegenan Segeln und gut ist. Dafür hat man die Inseln für sich alleine und muss sich nicht mit der Parkverwaltung und der Immigration herumschlagen. Keine Dauerlösung aber für Oktober doch mal einen Versuch wert. Es dampft in meinem Kopf wie man das hinbekommen könnte und wie man ein team von 4-5 Mitseglern zusammenbekommt, die auch Kiten wollen in den Aves.


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Angekommen in Curacao

{Time:22:00:00}
{Date:20190911}
{Position:12°04.3425’N, 068°50.5760’W}
{Direction/Speed:-°/ -kn}
{Place:Curacao}
{Target:Cuba}
{Temp Air/Pressure:32°C}
{TempWater:28°}
{Wind:VAR Kn/E}
{Wave:0,0m}
{Vimeo:}
{Photo:20190911}
{Title:Angekommen in Curacao}

Alleman von Bord

Es wäre viel zu umfangreich die Erlebnisse der letzten Tage nachzuvollziehen. Das Main Problem ist das MacBook. Meine rechte Hand. Erschreckend, wie abhängig ich von diesem kleinen technischen Weltwunder bin und wie empfindlich es ist. Ich habe die Rückwand abgenommen. Das da nicht zu machen ist, ist mir vollkommen klar. Vorsichtig blase ich das Innenleben mit Druckluft ab und siehe da. Es startet wieder und tut als wäre nichts gewesen. Na. Ich traue dem Braten nicht, erst mal einen Blogpost absetzten, ein Backup starten. Dann schauen wir weiter ob es das durchhält.

Meine tolle Crew ist abgereist. Gestern habe ich ich mit Manuela noch wild die MARLIN von innen geputzt, mit Andre vorgestern das Deck. Danke euch Beiden noch mal ganz herzlichst. Gegenan zu segeln ist eben eine Schweinerei. Das Salz findet immer seinen Weg, über Gischt, Luft, egal was man anfasst, alles ist salzig. Mit Manuela dann gestern Nachmittag noch mal zum SJB Kiteplatz. Ich darf noch mal aufs Wasser, Manuela will sich „nur“ verabschieden. Sie schaut traurig drein, will sich aber nichts anmerken lassen, während ich über die Lagune upwind presche und meine Batterie auflade. Nike fliegt auch schnellstens heimwärtz. Ihr Verletzung am Fuß muss operiert werden und das will sie bestimmt nicht in Curacao machen lassen. Verständlich.

Resümee: Die beste Crew von allen? Ja. Klar. Aber das sage ich allen Crew’s. Na. Fast allen. Schwarze Schafe gibt es immer. Aber nicht bei dieser Crew. Es war ein „Neverforgettörn“. Tolle Tour. Toller Zusammenhalt. Tolle Erlebnisse. Trotz Nikes Unfall – Ein voller Erfolg für alle. Vor allen Dingen wenn mein Notebook es anscheinend doch überlebt hat und ich endlich wieder schreiben und arbeiten kann. Haha.


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Kitschig bis zum Umfallen

{Time:20:44:00}
{Date:20190906}
{Position:11°53.8881’N, 066°36.4243’W}
{Direction/Speed:-°/ -kn}
{Place:Los Roques/Cayo Sardenia/Venezuela} 
{Target:Curacao}
{Temp Air/Pressure:30°C}
{TempWater:28°}
{Wind:9kn/SE}
{Wave:0,0m}
{Vimeo:}
{Photo:20190906}
{Title:Kitschig bis zum Umfallen}

Farbenexpedition

Gestern war Andrés großer Tag. Wind a la carte. Zwanzig Knoten. Ich suche und finde Lieselotte, mache André & Lotte miteinander bekannt. Ganz so einfach geht es nicht, wie ich mir das vorgestellt habe, denn André braucht meinen 15er Kite. Is halt ne Kante der André. Lotte wiegt vielleicht 50kg und kann weder André halten, noch den 15er Kite, sie hat gar keinen 15er Kite. Also leihe ich (ungern) André meinen 15er Kite. Letztendlich eine sprachliche Barriere macht es sinnvoll, dass ich mitkomme. Kite Assi. Oder so. Ich stehe neben Lotte und André lernt Kleinigkeiten, die ihm noch fehlen um mit dem Kite wieder dort anzukommen, wo er los gefahren ist. „Du musst die Kante betonen.“ „Zieh Dich nicht an der Bar auf Brett, die ist nur da um den Kite zu steuern.“ Und so weiter. Ich übersetze und mit einem großen kite board und Lottes Geduld fährt André nach einer Stunde schon passable Hin und Her. Lotte lacht: „Er macht das sehr gut“ und klatscht in die Hän
de.

Bei der zweiten Stunde bin ich nicht mehr dabei. Ich habe die Pause genutzt, um selbst ein bisschen Kiten zu gehen. Der Wind für die nächsten Tage ist nicht allzu dolle. André macht das gut und ich bin froh nicht die Verantwortung zu haben, falls was doch was passiert. Passiert aber nichts mit André. Aber mit mir. Am Abend falle ich einfach so von Bord der Thalassa ins Wasser, samt meines iPhones in der Hosentasche. Was für ein Schreck für mich selbst und für alle anderen. War wohl nen bisschen viel in den letzten Tagen.

Das war Gestern und nach einer Nacht tiefen Schlafs beginnt ein neuer Tag. Neuer Tag, neues Glück. Der Wind geht aus und auf den Roques zeigen sich die ersten Zeichen vom Winter. In den Hurrikan Monaten September bis November hört der Trade Wind auf in seiner gewohnten Stärke zu zu blasen. Gewitterwolken bauen sich hoch um die Rockes auf. Es blitzt und gewittert, fantastische Sonnenuntergänge, Farben wie nur Gott sie an den Himmel malen kann. Wenn der Wind weg ist kommen die Mosquitos aus den Mangroven und suchen nach Blut. Mitten in der Nacht verlegt ein Katamaran, der zu nah an den Mangroven lag. Bei uns verläuft es noch relativ entspannt. Manuela scheint süßes Blut zu haben. Die Arme.

Unsere Abfahrt nach Curacao naht und ich schlage am Mittag vor, durch das Blau der Riffe nach Cayo Sardenia zu verlegen. Dort gibt es keine Mosquitos. Es ist eine kleine Sandinsel, 50 Meter lang, hinter der man seinen Anker legt, um quasi mitten im Meer der Farben Türkis und Blau und allen Zwischentönen die Seele baumeln zu lassen. Eigentlich DIE MÖGLICHKEIT um Nikes Drohne in den Himmel steigen zu lassen und DAS PHOTO zu machen. Leider hat Nike wohl ein technisches Problem und muss den Flug abbrechen. Die Welt der Elektronik steht nicht unter einem guten Stern auf diesem Törn.

Ich bin ein bisschen traurig heute. Die Zeit in den Los Roques ist mir viel zu kurz. Es gibt noch so viel zu sehen. Wir gucken grade mal über den Tellerrand ins Paradies. Ich war selbst noch nicht am Aussenriff unter Wasser, hatte noch keine Zeit mit dem Paddelboard durch die Mangroven zu paddeln. Ich vermisse die Zeit auf der IRON LADY, wo es zumindest eine zeitlang nur um unser eigenes Leben ging, Nathalie und ich so offen waren für alles um uns herum. Oder ist es nur die positive Erinnerung? Das Schlechte habe ich vergessen? Mit Gästen an Bord ist alles anders, der Tagesablauf, jeder mit seinen individuellen Bedürfnissen. Es geht mir nicht um Schuldzuweisung. Ich bin glücklich auf dem Segelboot lebend, ob mit und ohne Gästen an Bord. Schon allein der Gedanke kein Schiff zu haben auf dem ich leben kann ist schier unvorstellbar.


Mitsegeln auf der MARLIN!

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